Kardinal Schönborn: Weder Ungehorsam noch Konsequenz

Seit Monaten schwelt in Österreich bereits das Schisma. Hunderte Priester haben sich in der sogenannten „Pfarrer-Initiative“ zusammengeschlossen, eine Erklärung geschrieben, die unter dem Namen „Aufruf zum Ungehorsam“ veröffentlicht wurde, und in der das ganze übliche „reformkatholische“ Gebräu wieder einmal aufgewärmt wurde. Oberschismatiker Schüller setzte letztens noch einen drauf, worüber ich auch schon geschrieben habe.

Es ist an dieser Stelle nicht nötig, schon wieder auf alle theologischen Irrtümer einzugehen, die die ungehorsamen Priester in Österreich zu verzapfen wünschen. Doch was ist zu der bisherigen Reaktion der österreichischen Bischöfe zu sagen? Kardinal Schönborn, der oberste österreichische Hirte, der als Erzbischof von Wien, soweit ich das sehe, auch für Herrn Pfarrer Schüller direkt zuständig ist, hat sich dazu hinreißen lassen, einen offenen Brief zu schreiben, in dem er erklärte, Ungehorsam sei schlecht – und die Pfarrerinitiative milde dazu aufforderte, sich von dem Anschein des Ungehorsams doch bitte zu distanzieren. Die Pfarrerinitiative reagierte nicht, außer indem sie ihre radikale Rhetorik noch weiter verschärfte und auf allen ihren Positionen beharrte.

Sogenannte „Priesterlose Eucharistiefeiern“ wurden gefordert, was auch immer das sein soll, wenn nicht ein Oxymoron (jede Eucharistiefeier braucht notwendig einen Priester, da selbst die oberste Vorsitzende des obersten Pfarrgemeindesowjets zur Konsekration von Hostien gänzlich unfähig ist. Vielleicht könnten sie ja „Hostiinnen und Hostien“ konsekrieren…) Schüller forderte zuletzt sogar die Möglichkeit einer „Päpstin“, was wohl die Folge zu viel feministischer und sonstiger Schundliteratur sein dürfte.

Wie reagiert nun der eminente Kardinal darauf? Er wendet sich wieder an die Öffentlichkeit. Auf kath.net heißt es:

Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn stellt im großen Interview in der morgen erscheinenden Ausgabe des Magzins „News“ zur Pfarrer-Initiative klar: „Wenn es in disziplinären Fragen wie etwa Zulassungsbedingungen zum Priesteramt Änderungen geben sollte, dann sicher nur in Gemeinschaft mit der Weltkirche.

Es gab ja in Österreich Versuche, dass sich etwa Frauen eine Priesterweihe organisiert haben. Das führt in eine Sackgasse. In der Glaubensgemeinschaft der katholischen Kirche geht das nicht! Ganz klar: Dafür stehe ich nicht zur Verfügung!“

Hochinteressant. Auf den ersten Blick erscheint dies doch tatsächlich wie ein Statement, das so von einem katholischen Hirten abgegeben werden könnte. In disziplinären Fragen sind Veränderungen auf weltkirchlicher Ebene möglich, aber lokale Alleingänge schädlich. Frauen zur Priesterweihe zuzulassen geht in eine Sackgasse – „in der katholischen Kirche geht das nicht!“ Das hört sich wie gesunde katholische Lehre an.

Und dafür ist Kardinal Schönborn auch zu danken. Seine Worte machen deutlich, wo er steht. Er ist gegen den theologischen Unsinn, der von den ungehorsamen Hirten verbreitet wird, und er steht auch dazu. Alles sehr schön.

Eine Frage hätte ich da schon noch:

Warum handelt der Kardinal denn eigentlich nicht? Wenn er doch so entschlossen und öffentlichkeitswirksam seine Treue zu Papst und Lehramt, die Notwendigkeit priesterlichen Gehorsams und der Befolgung katholischer Lehre in Theogie und pastoraler Praxis bekennen möchte, dann hätte er dazu doch eine exzellente Gelegenheit.

Doch Herr Schüller kann seine Häresien zusammen mit denjenigen seiner etwa 300 Freunde weiter verbreiten, weiter als katholischer Priester auftreten, ohne in irgendeiner Form disziplinarisch belangt zu werden. Kardinal Schönborn hat in seinem ursprünglichen offenen Brief betont, dass in jedem Unternehmen ein Angestellter der in grundsätzlichen Fragen öffentlich gegen die Linie der Führung agitiert, schlicht gefeuert würde. Warum nicht auch in der Kirche?

Wenn Kardinal Schönborn doch wirklich die Lehre der Kirche glaubt, und ihm an der Verteidigung derselben wirklich etwas liegt, warum geht er dann nicht wenigstens mit der gleichen Härte gegen die Agitation der Pfarrer-Initiative und ihres Revolutionsführers Che Schüller vor, wie jeder milde Unternehmer gegen vergleichbaren Widerstand in seinem Unternehmen?

Warum ist die Kluft zwischen Worten und Taten so groß?

Wenn ich mich recht entsinne, dann gab es einmal einen ziemlich unbedeutenden Wanderprediger im Nahen Osten, der vor etwa 2000 Jahren seinen Anhängern empfahl, man solle den Worten, nicht den Taten, der Pharisäer Folge leisten, eben weil diese Gruppe zwar gute Worte zu sprechen vermochte, das Gesetz in Worten verteidigte und einhielt, aber in der Praxis etwas ganz anderes tat. Nun möchte ich Kardinal Schönborn nicht als Pharisäer bezeichnen, aber eine gewisse Nähe kann schon konstatiert werden.

Kardinal Schönborn spricht gute Worte, aber tut er auch gute Werke? Wir sollen sie, auch unsere Hirten, an ihren Früchten messen. Sind die Früchte von Kardinal Schönborns milden Zurechtweisungstaktik erfolgreich? Hat Pfarrer Schüller seine Unterzeichner und sich selbst zurückgepfiffen, um frisch und fröhlich zu dialogisieren? Im Gegenteil. Je mehr Raum man den Schüllers dieser Welt gewährt, umso forscher treten sie auf, umso mehr glauben sie sich leisten zu können, umso weniger Respekt haben sie vor ihrem Hirten, und umso mehr Schaden fügen sie der Kirche zu. Außerdem fördern sie diejenigen Elemente in der Kirche, die nicht das geringste Interesse an Einheit mir Rom und dem Papst haben, sondern sich einfach ihre persönliche private Wohlfühlkirche schaffen wollen, die genau die Dogmen vertritt, die sie selbst für wichtig halten (Egalitarismus, „Gleichstellung“ von Frauen, Priesterinnen, Homo-Ideologie, Liturgie als Theateraufführung, Leib Christi als Gemeindemahl, religiöser Indifferentismus usw.).

Als Konvertit habe ich keine lange Erfahrung innerhalb der katholischen Kirche. Aber selbst ich habe schon erlebt, wie dieser die ganze Kirche zumindest in Europa durchwehende Geist des Ungehorsams und der Gleichgültigkeit gegenüber Wahrheit und Gott guten Hirten große Schwierigkeiten macht.

In jeder anderen Zeit wäre ein mir persönlich bekannter Gemeindepriester, nennen wir ihn einmal X, ein guter Hirte für seine Schäfchen gewesen. Er ist ein sanftmütiger, freundlicher, gläubiger Mann, der von seinem Gemeindesowjet, diversen Liturgie- und sonstigen Sowjets vor sich her getrieben wird. Er liebt die Kontroverse und den Streit überhaupt nicht. Man könnte sogar sagen, er kann sich nicht allzu gut durchsetzen gegen Widerspruch und Respektlosigkeit. In einer Atmosphäre des Respekts vor gläubigen Priestern wäre er ein exzellenter „pastor“, ein wundervoller Hirte, geworden. Doch heute? Die halbgläubigen Modernisten wissen genau, dass man sie mit allem durchkommen lässt, denn die katholischen Priester haben in ihrer Diözese keinen Rückhalt und Rom ist fern. Also tanzen die Mäuse auf den Tischen, und keiner kann sie stoppen. Sich gegen eine Meute Modernistenmäuse zur Wehr zu setzen, das überfordert den Gemeindepriester X, besonders wenn er sehr wahrscheinlich auf Diözesanebene den Kürzeren zöge, käme es zum offenen Streit.

Derweil wird weiter mit Häretikern dialogisiert, statt sie einer gründlichen öffentlichen und persönlichen Katechese zu unterziehen, derweil wird weiter der katholische Glaube kleingehackt und in vom modernen Menschen zu akzeptierende, geschmacklose und fade Platitüden zerlegt, derweil werden die noch vorhandenen gläubigen Priester skrupellos im Stich gelassen, wenn nicht direkt sabotiert, und derweil können die Schüllers dieser Welt weiterhin ihre Häresien plappern, ohne dass der Eindruck entstünde, jemand unternähme etwas gegen den Eindruck, sie sprächen in ihrer Funktion als Pfarrer doch im Namen der Kirche.

Aber wehe ein Priester ist wirklich gläubig und kämpft auch noch dafür. Dann ist er abgesägt, bevor er drei Ave Marias sagen kann.

Kardinal Schönborn spricht, wie gesagt, schöne und wahre Worte. Aber es folgen keine Taten, wie bei den allermeisten Hirten des postmodernen Zeitalters. Und dadurch fördern Kardinal Schönborn und die vielen Bischöfe und Kardinäle, die ähnlich mit ihren heimischen Modernisten umgehen, die weitere Verbreitung modernistischer Irrlehren, die Entkirchlichung der Kirche, die Eesakralisierung des Sakralen, die Entchristlichung des Christentums – was, auf eine Formel gebracht, das Resultat, wenn auch nicht die Absicht, der Modernisten ist.

Kardinal Schönborn spricht schöne Worte. Er zeigt mit seinem Bischofsstab zur Wahrheit und zur Kirche. Er ist nicht ungehorsam – und nicht konsequent. Aber er sollte sich ins Gedächtnis zurückrufen, dass sein Bischofsstab ein Hirtenstab ist. Er kann nicht nur zeigen, er kann auch noch mehr. Doch dazu müsste man ihn schwingen. Und dann klatscht es gewaltig, wie man mancherorts zu sagen pflegt.

Aber das wär‘ ja nicht modern!

P.S. Unterschreiben beim Aufruf zum Gehorsam nicht vergessen! Bisher sind es gut 2000 Unterschriften. Da muss noch mehr drin sein!!

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Schüller – Ich bin Häretiker, und das ist auch gut so!

So langsam sollte das Maß selbst des Geduldigsten voll sein. Der Aufrührer-Pfarrer Helmut Schüller hat jetzt, kath.net zufolge, in einem Interview noch einmal draufgesattelt. Seine häretische Pfarrerinitiative hatte bereits vor diesem Interview eindeutig das Maß des Zulässigen in der katholischen Kirche überschritten. Einige seiner neuen Aussagen übertreffen dies aber nochmal um Längen. Beispiele:

In einem Interview mit dem Magazin „Weekend“ meint Schüller jetzt auf die Frage, ob er denn selbst gerne heiraten würde: „Ich habe das nie ganz ausgeschlossen…“

(…)

Seiner Meinung nach seien sogar Frauen die „besseren Priester“. Wörtlich sagte Schüller: „Das Wichtigste in diesem Beruf haben wir von Frauen gelernt. In zwei Dritteln der Welt wird der Alltag von Frauen geschupft. Dieses Element fehlt uns vollkommen in der Pfarrerschicht.“

Der ehemalige Wiener Generalvikar zeigt sich dann auch überzeugt, dass es einmal eine „Päpstin“ geben werde. „Sobald das Priesteramt für Frauen geöffent ist, gibt es keine Schranken mehr.

(…)

„Es gibt viele Karawanen der Gottsuche, aber letztlich haben wir mehr gemeinsam als uns trennt. In Österreich haben wir 14 christliche Kirchen. Europa wächst zusammen und was tun die Kirchen? Sie trennen einander.“ Er selber fühle sich übrigens als „Aktionär“ in der Kirche und nicht als Kunde oder Mitglied. „Es ist mein Ding. Die Kirche gehört nicht nur dem Papst und nicht den Bischöfen sondern uns allen“, behauptet er dann.

Da ich nur begrenzte Zeit habe, werde ich auf eine Analyse dieses himmelschreienden Unsinns verzichten, und mir nur drei Punkte herausgreifen:

1. Weibliche Priester

Durch die dogmatische Festlegung von Ordinatio Sacerdotalis sind weibliche Priester nicht möglich. Zum einen liegt dies an der Tatsache, dass Jesus, obgleich er viel mit Frauen verkehrte und diese keineswegs herabwürdigte, eben nur Männer zu seinen Aposteln berufen hat. Zum anderen hat dies aber auch mit der natürlichen Zeichenhaftigkeit der beiden Geschlechter zu tun, die Peter Kreeft hier in englischer Sprache erläutert, und die ich kürzlich mit dem geschätzten Mitblogger Johannes auf dessen Blog diskutiert habe. Welcher Grund letztlich der Ausschlaggebende für Gott war, werden wir nie herausfinden können, aber sowohl die rationalen als auch die Offenbarungsgründe sprechen eine klare Sprache: Es können nur Männer Priester sein – der Priester ist immer ein geistlicher Vater, keine geistliche Mutter.

Dass der zukünftige Ex-Pfarrer Schüller dies anders sieht, war zu erwarten. Wer die Wahrheit aus Geltungs- und Anerkennungssucht in einem wesentlichen Punkt verlassen hat, der wird sich regelmäßig auch nicht scheuen, die Wahrheit aus denselben Gründen in anderen Punkten im Stich zu lassen.

Schön finde ich an seinen Aussagen jedoch, dass er sich klar den Konsequenzen seiner Forderung stellt, was die schwammigeren Vertreter der Zeitgeistkirche oft krampfhaft zu vermeiden suchen. Wenn das Priesteramt an eine Frau übertragen werden kann, dann geht das auch mit dem Bischofsamt, und also auch mit dem Bischofsamt in Rom. Gibt es Priesterinnen, so kann es auch Päpstinnen geben. Und dasselbe trifft faktisch auch auf Diakone zu, da man erst zum Diakon, dann zum Priester geweiht wird. Es handelt sich um zwei Stufen desselben Weihesakraments. Daher sollten Frauen auch nicht zu Diakonen geweiht werden (und aufgrund des Effekts auf Priesterberufungen auch nicht Meßdiener werden können, aber das führte vom Thema weg) – obgleich dies natürlich noch nicht in derselben Klarheit vom Lehramt dogmatisch festgelegt wurde, so dass Abweichler in dieser Frage keine direkte Häresie äußern.

Festzuhalten ist: Schüller sieht, wohin sein Weg führt, nämlich zur völligen innerkirchlichen Austauschbarkeit von Männern und Frauen. Und wenn eine Frau erstmal Priester, Bischof, Papst „geworden ist“ (natürlich kann sie das nicht, weil solche Weihen ungültig wären, aber lassen wir das einmal außen vor), dann kann die Messe nicht mehr so verstanden werden, dass der Priester als „alter Christus“ eben für Christus steht. Das ganze Verständnis der Messe wäre damit unwiderruflich zu einer bloßen Gemeindefeier herabgestuft, ohne übernatürliche Bedeutung. Daher ist die Forderung nach der Priesterweihe für Frauen nichts als die Forderung nach Abschaffung des allerheiligsten Altarsakramentes (und aller anderen Sakramente, bei denen der Geweihte für Christus steht) und also nach Umformung der Kirche zu einem reinen Sozialverein.

2. Karawanen der Gottsuche

Auch hier scheint Schüllers vollständige Abkehr vom katholischen Glauben wieder durch. Er sieht also in „den verschiedenen Kirchen“ verschiedene „Karawanen der Gottsuche“. Viele Wege führen also zu Gott. Der Mensch schafft sich seiner Auffassung nach solche Wege wie er sie braucht. Keiner dieser Wege kann sich im Besitz „der Wahrheit“ sehen, da alle Wege nur vom Menschen gemachte Routen auf der ewigen Suche nach dem unfasslichen Übernatürlichen sind.

Aber wenn alle Wege gleich sind, nur verschiedene „Karawanen der Gottsuche“ unterwegs sind, dann kann Jesus Christus nicht Gott gewesen sein, sondern nur ein Lügner und Betrüger. Denn er hat ja gesagt, er sei DER Weg, DIE Wahrheit. Nicht ein Weg unter vielen, sondern der eine, einzige Weg. Nicht meine persönliche Wahrheit oder deine oder seine, sondern die Wahrheit, die einzige Wahrheit. Dass Herr Schüller wesentliche Gebote und Dogmen der Kirche leugnet ist ja nichts Neues. Aber selbst ein guter Protestant im Geiste Martin Luthers könnte diese himmelschreiende Leugnung unseres Herrn niemals aussprechen. Es gibt gute Protestanten, die nichts für die Spaltung können, die lange vor ihrer Geburt stattgefunden hat. Ihnen ist kein Vorwurf für den Irrtum zu machen, in dem sie sich befinden. Diese Protestanten glauben an Gott, an Jesus Christus und stehen hinter dem Credo. Schüller als Möchtegern-Protestanten zu bezeichnen wäre eine ungerechte Beleidigung dieser gutwilligen Protestanten.

Eine Anmerkung zu den „Karawanen“ noch. Gestern schrieb ich über Erzbischof Zollitschs neues Skandalinterview (Skandal im klassischen Sinne), in dem der Erzbischof ebenfalls eine der indifferentistischen Sicht der vielen verschiedenen Kirchen, die alle den Weg zu Gott auf ihre Weise suchen, gefährlich nahe stehende Aussage tätigte. Zollitsch verbrämte seinen Relativismus wenigstens noch mit schwammigen Formulierungen, Schüller spricht inhaltlich dasselbe aus – viele Karawanen der Gottsuche, statt Offenbarung des Herrn – nur ohne die Floskeln und die Rhetorik. Er bekennt sich zum Relativismus, und ist damit wenigstens ehrlich.

3. Aktionär statt Mitglied

Der Pfarrer Schüller will fernerhin Aktionär statt Mitglied in „seiner“ Kirche sein. Nun, kurze Empfehlung: Wenn Sie nicht Mitglied sein wollen, dann treten Sie doch aus. Wenn die Kirche dann an die Börse geht („ihre“ Kirche wird dies wahrscheinlich bald tun, um die Marktkapitalisierung zu erhöhen oder so), dann können Sie doch ein Paar Aktien für die wenigen Cent kaufen, die solche Aktien dann noch wert sein werden.

Aber mal ernsthaft: Er versteht sich als Aktionär in der Kirche. Der Aktionär ist ein Anteilseigner – er kann bei der jährlichen Versammlung seinem Anteil entsprechend über den Kurs des Unternehmens abstimmen. Auch dies ist wieder nur eine deutliche, ehrliche Formulierung derselben Ansicht, die auch von so manchem Verbandskatholiken und sogar Bischof in Deutschland immer wieder andeutungsweise vertreten wird. Auch hier besteht der Unterschied eigentlich nur in Schüllers Ehrlichkeit – er versteckt sich nicht hinter Tarnkappen und Worthülsen, sondern sagt was er will. Das macht es leichter, ihn der Häresie zu überführen. Aber das macht die Äußerungen der hinter Tarnkappen verschanzten Kirchenleute nicht besser.

Der Aktionär kann, wenn er die nötige Mehrheit der Anteile hinter sich versammelt hat, beschließen was er will. Es gibt keine unveränderlichen Lehrsätze in einer Aktiengesellschaft. Damit offenbart Schüller endgültig, wohin er „seine“ Kirche steuern will. In die völlige Beliebigkeit, in den Zynismus, der immer das für wahr hält, was die Mehrheit gerade denkt – bis die Mehrheit ihre Meinung ändert. Dann kann die Kirche aber keine Orientierung mehr bieten. Orientierung bietet ein Fähnchen im Wind nämlich nicht, die Kompassnadel aber schon.

Eine solche „Kirche“ wäre nicht einmal mehr als rein weltliche Sozialgemeinschaft sinnvoll, da sie nicht einmal mehr Orientierung oder ein Ziel vorgeben kann, und wäre es nur ein rein weltliches Ziel. Eine solche Kirche wäre schlicht vollkommen nutzlos. Und als solche ginge sie auch ganz schnell unter.

Die drei in dieser Bewertung des Schüller-Interviews genannten Punkte sind von mir nicht zufällig ausgewählt worden. Sie stellen vielmehr eine sukzessive Steigerung der Häresie dar. Zuerst werden einige wesentliche Glaubensinhalte geleugnet, dann führt dies zur Leugnung der Sakramente (Punkt 1), was wiederum den Unterschied zwischen „den Kirchen“ einebnet (Punkt 2) und letztlich sogar den Unterschied dieser multiplen relativistischen Kirchen zu rein weltlichen Unternehmen vernichtet (Punkt 3). Erst streicht man das Besondere am Katholizismus, nur um dann verwundert festzustellen, dass katholische und evangelische Kirche gleich sind.

Dann streicht man das Besondere am Christentum – die Einzigartigkeit Jesu Christi als DEM EINEN Weg, nur um dann verwundert festzustellen, dass doch alle Religionen und Konfessionen gleichermaßen bloß indifferente „Karawanen der Gottsuche“ seien.

Schließlich spricht man diesen substanzlosen Karawanen der Gottsuche auch noch die Charakteristika ab, die sie wenigstens noch zu „Gottsuchern“ gemacht hat, indem man sie zu reinen Aktionären degradiert.

Dieser unheilige Dreischritt ist das Werk des Schüller. Eine viel vollständigere Leugnung nicht nur des katholischen Glaubens, sondern des Christentums überhaupt; nicht nur des Christentums, sondern des Religiösen überhaupt, lässt sich kaum denken. Dagegen sind Atheisten fast noch fromm.

Mir drängen sich nach diesem unheiligen Dreischritt noch drei nicht ganz so unheilige Fragen auf:

1. Wann wird Pfarrer Schüller laisiert – und warum haben die österreichischen Bischöfe, an erster Stelle Kardinal Schönborn noch nicht längst entschlossen gehandelt?

2. Wann tritt seine Generation endlich ab? (Lieber 100 gute Pfarrer als 100000 schlechte, und die wenigen Neuen sind generell keine stolzen Häretiker)

3. Haben Sie schon beim Aufruf zum Gehorsam mitgemacht?

Analyse des Aufrufs zum Ungehorsam

Eine sehr lesenswerte und gute Analyse des „Aufrufs zum Ungehorsam“ von gut 300 österreichischen Priestern findet sich derzeit auf kath.net. Der Autor dieses ursprünglich in englischer Sprache geschriebenen Kommentars, Prof. Mark Miravalle, lehrt an der Franziskanischen Universität von Steubenville in den USA – so weit ich weiß eine sehr solide, lehramtstreue Universität, von der sich die Theologiefakultäten in Deutschland einiges abschauen könnten. Jetzt jedoch einige Ausschnitte aus der Analyse (die ganze Analyse gibt es bei kath.net, oben verlinkt), eingestreute Kommentare von mir wie immer in rot.

Die Bitte um „Kirchenreform“ könnte ihren guten Platz beispielsweise in den Fürbitten haben – dies ist natürlich abhängig von der Intention, welche hinter dieser Bitte steht. [Ein ganz entscheidender Punkt: Oft genug hört man Fürbitten, die so formuliert sind, dass jeder seine eigene Meinung hineininterpretieren kann.] Ginge es beispielsweise darum, um jene Art von Bekehrung zu beten, welcher alle ernsthaften Kirchenmitglieder ständig bedürfen (angefangen mit mir selbst, weitergeführt mit jedem der 300 Unterzeichner und aller anderen Katholiken), dann würde ich einer solchen Bitte zustimmen. Doch wenn die Bitte um „Kirchenreform“ bedeutet, dass einige wenige in Sachen des unabänderlichen katholischen Glaubens und Lehre die Mehrheit ändern wollen, dann geht es darum, dass fremde Schadstoffe in den Grundcharakter der Liturgie als kirchlichen Akt der Einheit und der Liebe, beruhend auf dem Opfer, eindringen.

Der Ruf, die heilige Kommunion allen „Menschen guten Willens“ (einschließlich Nichtkatholiken, Katholiken, welche geschieden und wiederverheiratet ohne Annullierung der vorigen Ehe sind sowie den Kirchenfernen) zu geben, reflektiert ein Missverständnis sowohl der Eucharistie wie auch der Kirche. Jesus, welcher im Sakrament der Eucharistie wahrhaft gegenwärtig ist, käme in Seelen, welche im Zustand schwerer Sünde sind, was die weitere schwere Sünde des Sakrilegs auslösen würde. Möchten die Leute dies wirklich – Jesus verletzen, sich selbst verletzen?[Anscheinend ja, denn:] Priester wissen, was der gutwillige Gläubige vielleicht nicht weiß: Wenn man Jesus empfängt, bevor man seine Seele von schwerer Sünde gereinigt hat, vergrößert man nur den Schmerz der Uneinheit mit dem gesamten Leib Christi – ist es für Priester wirklich pastoral verantwortlich, das zu erleichtern und dazu zu ermutigen?[Natürlich geht es nicht wirklich um die Frage was pastoral ist oder nicht. Der „pastor“ ist der HIRTE, er FÜHRT SEINE SCHÄFCHEN. Das ist pastoral. Alles andere ist nur unverantwortlich für einen Priester, oder, wenn nicht unverantwortlich, dann vorsätzlicher Missbrauch seines Amtes, für den man sich zu verantworten hat, nicht vor uns, aber vor höheren Autoritäten.]

(…)

Wenn man auch jede Forderung einzeln untersuchen muss, ist das übergeordnete Thema doch traurig und ironisch: Hunderte von Priestern versuchen, den einzigartigen, heiligen und feierlichen Akt zu schmälern und zu unterminieren, für welchen sie geweiht worden sind und welchen die Laien niemals selbst vollziehen können: das unblutige Opfer Jesu für den Menschen, für die Kirche und für die Welt darzubringen. Die klassische Definition für einen Priester lautet: „Ausgesondert, um das Opfer darzubringen“, und dies beinhaltet den größten Dienst, welche Priester jemals für das Gottesvolk vollziehen können. Nichts beraubt das Volk Gottes mehr, als wenn ihre Priester eine solche Identitätskrise erleben.[Dessen sollten wir uns gewiss sein: Die „ungehorsamen“ Priester berauben nicht nur sich selbst, sondern eben auch und sogar besonders die ihnen anvertrauten Laien, die einfachen Gläubigen, denen Wahrheit, Sakramente und der Glaube vorenthalten werden]

Was könnte einen solchen tragischen Akt priesterlicher Selbstverneinung und priesterlichen Ungehorsams durch 300 intelligente katholische Kleriker verursacht haben? Hier könnten Motive aus der Aufklärung – Descartes, Kant – wieder auftauchen, welche in religiösen Angelegenheiten die Vernunft über den Glauben stellen, oder sogar Schleiermachers Primat der subjektiven religiösen Erfahrung über die kirchliche Institution. Außerdem klingt die gefährliche Nähe zu den Thesen Luthers an und zur individuellen Bibelinterpretation anstelle des Glaubens in Schrift, Tradition und dem päpstlichen Lehramt für die gesamte katholische Kirche. [Die Wurzeln liegen, wie ich immer wieder an anderer Stelle erwähnt habe, sehr tief. Nicht bloß 1968, nicht bloß 1789, sondern mindestens 1517.]

(…)

Was ist katholischer Gehorsam? Es ist der einfache Akt, „ja“ zu sagen zur göttlichen Lehre,welche durch das von Gott eingesetzte Papsttum gewährleistet wird. Letztlich brauche ich nicht allzuviel Demut, um sagen zu können, dass die 2.000 Jahre alte Kirche Jesu Christi, welche durch den Heiligen Geist in Angelegenheiten des Glaubens und der Moral vom Irrtum bewahrt wird, mehr über die Wahrheit, das Leben und die Liebe Jesu weiß als ich. [Sehr hochmütig ist derjenige, der, selbst in rein menschlichen Dingen, seinen eigenen erhabenen Intellekt, seine immense persönliche Weisheit, über die gesammelten Erfahrungen und Einsichten zweier Jahrtausende stellt. Wie viel mehr gilt dies für jemanden, der dasselbe mit dem unfehlbaren Lehramt der Kirche unseres Herrn tut?]

(…)

Gehen Sie zu Jesus im Allerheiligsten Sakrament. Bringen Sie ihm alle Ihre Fragen, Verwirrungen, Konflikte und Verletzungen. Lassen Sie ihm Zeit, Ihnen zu antworten – er wird antworten! [Das ist der entscheidende Punkt. Das müssen die ungehorsamen Priester mit offenem Herzen tun. Aber das müssen NICHT NUR sie tun. WIR ALLE bedürfen der Reinigung, des Gebets, der Sakramente, und besonders in der heutigen Zeit des Zweifelns an der Realpräsenz die Anbetung des Eucharistischen Herrn. Wer das „Brot“ anbetet, der glaubt an die Realpräsenz – denn anders wäre es wirklich bloß Brot, und nicht der Herr selbst. ]

Liebe väterliche Priester, wir beten für Sie, dass Sie das „Fiat“ [es geschehe] von Gottes intelligentestem und mitfühlendstem Geschöpf nachahmen, nicht jenes „non serviam“ [ich diene nicht] eines anderen hochintelligenten, aber tragisch irrigen Geschöpfes. [Das ist die Entscheidung, vor der die ungehorsamen Priester, aber auch wir alle, stehen.] Möge Maria, Mutter aller Völker und ganz speziell Mutter aller Priester, Sie in das Herz der Kirche zurückführen, in Ihre wahre Heimat. [Amen.]

Warum haben wir solche Theologen nicht in Deutschland – oder vielmehr, warum so wenige? Die Antwort auf diese Frage ist vermutlich dieselbe wie die Antwort auf eine andere, ganz ähnliche Frage: Warum solche Ungehorsamsaufrufe (1) stattfinden, (2) solchen Zuspruch unter Priestern finden, und (3) nicht ernsthaft bekämpft werden von Seiten der zuständigen Bischöfe.

Klare Worte: Petrusbruder zur Pfarrer-Initiative

Wie scheinbar im deutschsprachigen Raum üblich, braucht es immer erst die Petrusbruderschaft oder eine andere traditionelle Priestergemeinschaft, um die wesentlichen Fragen anzusprechen. Wie aus dem hier verlinkten Artikel hervorgeht, stellt sich Pater Walthard Zimmer die ernstliche Frage, ob eine Messe, die von einem Unterzeichner des „Aufrufs zum Ungehorsam“ der österreichischen Pfarrer-Initiative gefeiert wird, überhaupt noch die notwendigen Kritieren erfüllt, um gültig zu sein. Er rät folgerichtig den Gläubigen im Zweifel diese Messen zu meiden, um nicht das Risiko eines Sakrilegs einzugehen und ein bloßes Stück Brot anzubeten und anstelle des Leibes Christi zu empfange:

Für P. Zimmer lässt die Aufforderung der „Pfarrer-Initiative“, Vorschriften zu missachten, welche eng mit der Natur des Sakramentes verbunden seien, Zweifel aufkommen, ob hier überhaupt noch die notwendige Intention bestehe, dass solche Messen auch Gültigkeit haben.

Es reicht nämlich eben nicht ein gültig geweihter katholischer Priester zu sein – die korrekte Intention muss (ebenso wie die Form) noch hinzukommen. Und diese Intention kann bei Priestern, die in wesentlichen Fragen mit der Kirche gebrochen haben, eigentlich nicht mehr als sicher angenommen werden. Vor allem, da sie „priesterlose Eucharistiefeiern“ fordern – was die Heilige Messe, das Opfer Jesu Christi, auf eine Stufe mit bloßen Wort-Gottes-Feiern stellt. Wer dies tut, der kann eigentlich nicht mehr an die Realpräsenz glauben und folgerichtig auch nicht die Absicht haben, eine solche Realpräsenz in der Messe „herbeizuführen“. Offensichtlich begreifen diese Priester die Messe als bloßen „Gottesdienst“, der prinzipiell gleichberechtigt neben anderen Formen des „Gottesdienstes“ stehen kann.

Auch seine sonstigen Einlassungen zu den Priester-Rebellen aus Österreich sind mehr als lesenswert. Insbesondere eine Äußerung ist mir ins Auge gefallen:

„Hier haben Priester gesprochen, die ganz genau wissen, was die Kirche lehrt, diese Lehre ablehnen und die daher eine andere Kirche wollen und nun offen aufrufen, gegen die Kirche Christi zu handeln und für die andere Kirche tätig zu werden“, schreibt P. Zimmer und betont, dass es völlig naiv wäre zu glaube, dass es hier um „unschuldig Irrende“ gehe, die man „mit Güte und Langmut“ gewinnen könne. Es sei auch naiv zu glauben, „Grund für diese Aktion sei eine irgendwie geartete Sorge um die Gläubigen„. Diese Aktivisten seien hingegen „sauer“ darüber, dass die Kirche immer noch nicht das tue, was sie wollen. Nun würde versucht, mit Gewalt Änderungen zu erzwingen. Maßnahmen wie die Suspendierung solcher Priester, die den Aufruf zum Ungehorsam unterschrieben haben, werden unvermeidlich sein.

(Hervorhebungen von Catocon)

Wenn man dies liest, stellt man sich die ernsthafte Frage, warum die Bischöfe von Österreich gegen den offenen Bruch mit der Kirche seitens hunderter Priester nicht mehr unternehmen. Sie sprechen, sie verurteilen (wenn es hoch kommt) in verschwommenen Worten. Aber wo bleibt die Handlung? Wie Pater Zimmer, so könnte sich auch z.B. Kardinal Schönborn äußern. Doch damit würde man sich ja in den Medien unbeliebt machen. Und das geht ja nicht, denn vielleicht würde das zum Austritt einiger Kirchensteuerchristen führen.

Wenn man sieht, wie lasch mit dem offenen, öffentlichen Aufruf zum Bruch mit Rom, mit der Kirche Christi, umgegangen wird, dann darf man sich nicht wundern, dass die Kirche in Schwierigkeiten ist. Wie soll Gott einer Kirche auch helfen, deren Hirten sich in Scharen von ihr abwenden? Und wer glaubt, das sei nur in Österreich so, der hat noch nie etwas vom „Dialogprozess“ gehört, der im Wesentlichen darin besteht, dass Modernisten umarmt und hofiert werden, damit die Popularität ihrer Ansichten in der Mainstream-Gesellschaft auf die deutsche Kirche abfärbt.

Doch Niedergang ist eine Frucht der Rebellion.

NACHTRAG: Die vollständige Einlassung des Paters Walthard Zimmer befindet sich auf der Seite der Petrusbruderschaft von Linz.

Operation Schönborn

Katholiken werden es heute gewohnt sein, dass viele in der Welt ihren Glauben ablehnen, wenn nicht gar verhöhnen. Nicht nur viele Atheisten, sondern auch nicht wenige, die sich selbst jederzeit als christgläubig bezeichnen würden, lehnen das Lehramt der Kirche mitsamt ihrer hierarchischen Verfassung ab. Dies mag im Einzelfall durch psychologisch verständliche Geschehnisse in der persönlichen Vergangenheit gerechtfertigt werden können, und selbst unter getauften Katholiken ist oft heute einfach Unwissen die Ursache solcher Auffassungen (oder zumindest möchte man das hoffen). Doch derlei subjektive Milderungsumstände treffen keinesfalls auf die Hirten selbst zu, die durch ihre Weihe eine besondere Aufgabe erhalten haben: Die Schäfchen über die schmale Brücke hinweg zum ewigen Leben mit Gott zu führen. Dies wird ihnen aber nicht gelingen, wenn sie sich selbst nicht an die elementarsten Grundsätze solcher Tätigkeiten halten möchten – obschon sie selbst es sicher besser wissen.

In diesem Zusammenhang komme ich auf die sogenannte „Pfarrer-Initiative“ zu sprechen, der inzwischen mehrere hundert österreichische Priester und Diakone angehören. Sie haben in ihrem plakativ „Aufruf zum Ungehorsam“ genannten Schreiben einen guten Teil des üblichen und für einen Konvertiten wie mich einfach nur nervigen Waschzettels an Alt-68er-Forderungen untergebracht und nennen dies Kirchenreform. Sie sprechen damit wohl hauptsächlich Alt-68er und solche, die sich dafür halten an. Ferner alle, die längst mit der Kirche gebrochen haben, und von mit dem Strom schwimmenden Priestern sicher nicht zurückgeholt werden können, da man, wenn man dem Zeitgeist hinterherläuft, eben immer HINTER dem Zeitgeist ist. Wer heute noch als junger Mensch der Kirche treu bleibt, der ist nicht an diesen unsinnigen Forderungen interessiert (dann hätte er ja auch evangelisch werden können!), sondern an dem authentischen Glauben der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche Jesu Christi und ihrem zeitlichen Oberhaupt, den Bischof von Rom auf dem Stuhle Petri.

Doch das alles sind nur praktische Erwägungen. Es wird diesen „ungehorsamen“ Pfarrern langfristig keinen Zulauf bringen, außer unter den, um den Heiligen Vater zu zitieren, Berufskatholiken. Ich möchte aber noch auf einen viel wichtigeren Punkt verweisen, nämlich die Reaktion der Kirche auf diesen „Aufruf zum Ungehorsam“. Kardinal Schönborn hat darauf reagiert, indem er nach einigen Wochen einen windelweich formulierten offenen Brief geschrieben hat, indem er den selbsternannten „Ungehorsamen“ die offensichtlich aus dem Geschehen noch nicht klar beantwortbare Frage vorlegt, ob sie denn noch „gehorsam“ gegen ihren Bischof seien? Kardinal Schönborn scheint leider den Titel des Aufrufs überlesen zu haben: „Aufruf zum Ungehorsam“. Lieber Unterzeichner des Aufrufs zum Ungehorsam: Möchtest du gehorsam oder ungehorsam sein? Was für eine Frage!

Eine alternative Erklärung für Schönborns Verhalten bietet Mundabor an: Er ist in Wahrheit ein Sympathisant der Ungehorsamsaufrufer, der nur so viel wie eben nötig gegen sie unternimmt (nämlich einen Brief zu schreiben), ihnen dadurch zu mehr Öffentlichkeit verhilft, ohne irgendeinem Unterzeichner ernsthafte Konsequenzen für sein Verhalten angedeihen zu lassen. Wie würde wohl ein Unternehmer reagieren, wenn seine Mitarbeiter massenhaft „Aufrufe zum Ungehorsam“ gegen grundlegende Aspekte der Firmenpolitik verfassten? Würde er ihnen gut zureden? Vielleicht. Aber was, wenn das nicht hilft? Würde er offene Briefe schreiben, ein öffentliches Ritual des Händeringens vollführen und sie dann weiter beschäftigen? Ich vermute, er würde sie schlicht feuern, so schnell wie möglich. Schönborn selbst deutet in seinem Brief so etwas an. Aber warum handelt er dann nicht? Je mehr man darüber nachdenkt, umso plausibler erscheint Mundabors Vermutung, zumal der Kardinal in der Vergangenheit nicht gerade ein treuer Wächer der Orthodoxie war. (Man denke nur an die sogenannten „Westernmessen„, die er über Jahre hinweg zugelassen hat, bis der Druck auf ihn so groß wurde, dass er mit großem Bedauern die diesjährige Ausrichtung dieser öffentlichen Blasphemie absagen musste.)

Ist Schönborn also ein Sympathisant der Tendenzen, die in der sogannten Pfarrer-Initiative zum Ausdruck kommen? Zumindest erweckt er mit seinen Handlungen den Eindruck, dass er sich alle Türen in alle Richtungen offenhalten will.

Und dabei gibt es auch den anderen Schönborn – einen, der in Treue zur Lehre der Kirche zu stehen scheint. Manchmal hat man den Eindruck, es gebe zwei Kardinäle mit demselben Namen. Wie passen etwa die beiden folgenden Tatsachen zusammen?

1. Kardinal Schönborn hält eine bewegende Predigt, die unter anderem den folgenden politisch inkorrekten Gedanken enthält:

Ich möchte euch eine Sache sagen, die ich im Herzen trage. Ich denke, es ist ein Wort des Heiligen Geistes, das ich sagen muss. Welche ist die Schuld Europas? Die Schuld Europas, die Hauptschuld, ist das Nein zum Leben. Vor einigen Tagen habe ich im österreichischen Fernsehen auf die Frage eines Journalisten geantwortet: „Europa hat dreimal Nein zu seiner eigenen Zukunft gesagt“. Das erste Mal im Jahre 1968, wir feiern jetzt 40 Jahre, durch das Ablehnen von Humanae Vitae. Das zweite Mal im Jahre 1975, als die Abtreibungsgesetze Europa überschwemmt haben. Das dritte Mal zur Zukunft und zum Leben. Gerade gestern habe ich aus Österreich die Nachricht bekommen, dass die Regierung der homosexuellen Ehe zugestimmt hat, auch in Österreich: das ist das dritte Nein. Und dies ist nicht zuerst eine moralische Sache, sondern eine Frage der Gegebenheiten, der Fakten: Europa ist im Begriff zu sterben, da es Nein zum Leben gesagt hat.

Es gibt in meinem Herzen folgendes zu sagen: gerade dies ist der Ort, wo Jesus uns gesagt hat, dass wir die Vergebung unserer Sünden empfangen, denn ich denke, dass dies auch eine Sünde von uns Bischöfen ist, auch wenn niemand von uns im Jahre 1968 Bischof war. Heute haben in Deutschland bei Hundert Eltern 64 Kinder und 44 Enkelkinder: das bedeutet, dass in einer Generation die deutsche Bevölkerung – ohne Einwanderung – sich halbiert. Wir haben „Nein“ gesagt zu Humanae Vitae. Wir waren nicht Bischöfe, aber es waren unsere Mitbrüder. Wir haben nicht den Mut gehabt, ein klares „Ja“ zu Humanae Vitae zu sagen.

und weiter:

Aber wir Bischöfe, verschlossen hinter den Türen wegen der Angst, nicht wegen der Angst vor den Hebräern, sondern wegen der Presse, und auch wegen des Unverständnisses unserer Gläubigen. Wir hatten nicht den Mut! In Österreich hatten wir „Die Mariatroster Erklärung“ – wie in Deutschland „Die Königsteiner Erklärung“. Das hat den Sinn des Lebens im Volke Gottes geschwächt, dies hat entmutigt, sich für das Leben zu öffnen. Wie dann die Welle der Abtreibung gekommen ist, war die Kirche geschwächt, da sie nicht gelernt hatte, diesen Mut des Widerstands, den wir in Krakau gesehen haben, den Papst Johannes Paul II. während seines ganzen Pontifikates gezeigt hat, diesen Mut, JA zu sagen zu Gott, zu Jesus, auch um den Preis der Verachtung. Wir waren hinter den verschlossenen Türen, aus Angst. Ich denke, auch wenn wir damals nicht Bischöfe waren, so müssen wir diese Sünde des europäischen Episkopats bereuen, des Episkopats, der nicht den Mut hatte, Paul VI. mit Kraft zu unterstützen, denn heute tragen wir alle in unseren Kirchen und in unseren Diözesen die Last der Konsequenzen dieser Sünde.

Das klingt wie jemand, der das Problem erkannt hat und es nun besser machen wird, nicht wahr? Jemand, der erkannt hat, dass Verhütung, Abtreibung und die natürlicherweise grundsätzlich unfruchtbare Homo-„Ehe“ untrennbar zusammengehören, und das beharrliche Schweigen der Kirche aus Angst vor dem Zeitgeist als falsch erkannt hat, nicht wahr?

2. Und dann das:

„Josef Pröll ist ein großer Politiker, er hat der Republik mit ehrlichem Herzen gedient, er ist ein aufrichtiger Christ“: Dies betonte Kardinal Christoph Schönborn am Mittwoch im Vatikan im Gespräch mit „Kathpress“ im Hinblick auf den Rücktritt des Vizekanzlers, Finanzministers und ÖVP-Parteichefs;

Wer ist Joseph Pröll? Man lese die Berichte hier und hier. Pröll ist einer der Verantwortlichen für die weiter voranschreitende Auflösung der traditionellen Ehe in Österreich; als hohes Tier in der ÖVP hat er sich unermüdlich für immer weitere staatliche Privilegierung homosexueller Partnerschaften eingesetzt und brachte es sogar zu dieser Perle:

Für ÖVP-Chef Josef Pröll ist das ganze eine „gangbarer Kompromiss“ wie der „Kurier“ berichtet. Als Leiter der ÖVP-„Perspektivengruppe“ hatte sich Pröll 2007 übrigens sogar noch für eine Eintragung homosexueller Partnerschaften am Standesamt ausgesprochen. Dass dies nun an der Volkspartei gescheitert ist, sieht er allerdings nicht als Niederlage: „Ich habe es geschafft, das Thema voranzutreiben.“, erklärt er stolz.

Schönborn erkennt also den Irrtum des „europäischen Episkopats“, nicht gegen die ersten zwei lebensfeindlichen Kulturrevolutionen (künstliche Verhütung und Abtreibung) vorgegangen zu sein, und erkennt auch, dass der Feldzug für die „Homo-Ehe“ von genau demselben Kaliber ist. Und dann geht er hin und ehrt einen radikalen Aktivisten in dieser Richtung als „großen Politiker“ und „aufrechten Christen“? Warum läßt er die Chance verstreichen, ein paar passende Worte zu sagen?

Das ist nur ein Beispiel unter vielen. Mundabor hat auf seinem Blog (Link siehe oben) noch mehr davon. Schönborn ist ein Karrierekardinal – das ist das Wahrscheinlichste. Er sagt immer das, wovon er glaubt, dass es ankommt und ihm Chancen bietet, die Karriereleiter nach oben zu fallen. Was das allerdings damit zu tun haben soll, ein „Diener Gottes“ zu sein,  „cum petro et sub petro„, um mit Schönborn zu sprechen?

Ich ende wie ich begann: Katholiken müssen es heute gewöhnt sein, wenn sie von außen verhöhnt werden. Das gehört einfach dazu – tragt euer Kreuz. Aber was ist, wenn die Hirten selbst entweder kein Interesse an ihrer Aufgabe als Hirten haben – sondern sich lieber in der Öffentlichkeit beliebt machen – oder, schlimmer noch, aktiv an der Aufweichung der Wahrheit arbeiten? Welcher Hohn ist schlimmer? Der des Nichtgläubigen oder der von innen?

P.S. Was sagt es über den Zustand der Kirche in Deutschland, wenn die Hauptdialogpartner der krampfhaft um Beliebtheit bemühten Deutschen Bischofskonferenz praktisch alle Ziele der Revoltenpfarrer aus Österreich teilen?

KYRIE ELEISON!

Catocon.