Betreuungsgeld: Eine Scheindebatte

Der Streit um das Betreuungsgeld

Die meisten Leser werden sicher schon davon gehört haben. Familien, die ihre Kinder nicht so zügig wie möglich an eine staatliche oder staatlich hochsubventionierte Betreuungseinrichtung abtreten, sondern sich selbst um ihren Nachwuchs kümmern möchten, sollten eigentlich dem Koalitionsvertrag der schwarz-gelben Bundesregierung zufolge ab 2013 ein „Betreuungsgeld“ in Höhe von 150 Euro monatlich für die ersten drei Lebensjahre erhalten. Dies stößt jetzt auf massive Gegenwehr der veröffentlichten Meinung aller Parteien; nur wenige, isolierte Stimmen, darunter Kristina Schröder (CDU) und einige Politiker aus der CSU, möchten gern an irgendeiner Art ausgleichender Förderung für Familien, die ihre Kinder nicht als hinderlich betrachten, festhalten. Allgemein wird dies als Affront gegen die gesellschaftspolitische Generallinie der totalen Mobilisierung von Müttern für die Zwecke des Arbeitsmarkts gesehen und aus diesem Grund als frauenfeindlich tituliert.

Während die Krippenplätze mit teilweise mehr als 1000 Euro monatlich subventioniert werden, erscheint eine Förderung von 150 Euro pro Monat für verantwortliche Eltern bereits zu hoch, wenn nicht vollkommen überflüssig.

Die Verteidiger des Betreuungsgeldes, darunter der sehr geschätzte Sprecher des Arbeitskreises Engagierter Katholiken, Martin Lohmann (CDU), argumentieren, durch dieses Betreuungsgeld könne echte Wahlfreiheit ein Stückchen näher kommen. Sie verstehen unter echter Wahlfreiheit, dass Fremdbetreuung und familiäre Erziehung gleichermaßen gefördert werden. Dies wäre, selbst wenn das Betreuungsgeld durchgesetzt werden könnte, natürlich nicht der Fall, weil die Förderung von Krippenplätzen um ein Vielfaches höher ist als das Betreuungsgeld. Doch man sieht die vorgeschlagene Familienförderung als einen Schritt in die richtige Richtung.

Betrachtet man die Debatte um das Betreuungsgeld, so scheint auf den ersten Blick ein Kampf zwischen den Verteidigern der traditionellen Familie, die sich selbst um ihre Kinder kümmert und den feministischen Familienzerstören zu toben. Die Parteinahme für den „konservativen“ Flügel der CDU und die CSU liegt damit nahe. Und tatsächlich kann man nicht bestreiten, dass das Betreuungsgeld die familienfeindliche Politik der Regierung immerhin ein wenig abschwächen würde. Die Gerechtigkeitslücke wäre fortan ein kleines bisschen geringer als vorher.

Eine Scheindebatte

Doch worüber diskutieren wir hier eigentlich? Die „konservativen“ Befürworter des Betreuungsgeldes argumentieren, jede Mutter sollte eine unbeschränkte Wahlfreiheit haben, ob sie ihr Kind bereits ab dem ersten Lebensjahr in Fremdbetreuung gibt, und ihr sollten keine Nachteile aus dieser oder jener Entscheidung erwachsen. Diese Position ist fast ebenso unannehmbar, radikal feministisch und vollkommen unvereinbar mit einem „traditionellen Familienbild“ wie die von noch weiter links vorgeschlagene Alternative.

Wir haben es mit einer Scheindebatte zu tun. Beide Seiten der Debatte sind in allen wesentlichen Fragen der Thematik einig. Vollkommen unhinterfragt bleiben die Prämissen des Feminismus und der sexuellen Revolution. Es gilt als selbstverständlich, dass es eine moralisch neutrale Sache der „Wahlfreiheit“ ist, wenn Mütter und Väter ihre Kinder ohne Not an fremde „Betreuer“ abtreten. Es gilt als selbstverständlich, dass eine Förderung von Familien, die sich auch über das dritte Lebensjahr des Kindes hinaus selbst um ihr Kind kümmern wollen, abzulehnen ist.

Doch vor allem bleibt unwidersprochen im Raum stehen, dass Männer und Frauen im Prinzip gleich sind und dieselben gesellschaftlichen Rollen ausfüllen sollten. Dass Männer und Frauen unterschiedlich sind, dass Mütter eine besondere Bindung zu ihren Kindern haben, die mit dem dritten Geburtstag nicht auf magische Weise versiegt, dass die Hauptaufgabe einer Mutter nicht das Scheffeln von Geld, sondern die Erziehung ihrer Kinder ist, und vieles, vieles mehr, wird von allen Seiten der Debatte platt geleugnet oder zumindest verschwiegen.

Die scheinbar entgegengesetzten Seiten sind sich im Wesentlichen einig. Die Frau ist das Herz der Familie, um in das Bild von Papst Pius XI. aus seiner unverzichtbaren Enzyklika Casti Connubii zu gebrauchen. Die wesentliche Aufgabe des Feminismus besteht darin, die Familie zu zerstören, indem ihr das Herz herausgerissen wird. Diesen Feminismus teilen beide Seiten der Debatte. Solange keine Debatte über den Feminismus als solchen angestoßen wird, werden alle kleinen Auseinandersetzungen über die zunehmende Verstaatlichung der Kindererziehung vollkommen fruchtlos bleiben, selbst wenn sie von den feministischen Mainstream-Medien zu apokalyptischen Dimensionen aufgeblasen werden.

Der Streit um das Betreuungsgeld tobt zwischen der sozialistischen und der liberalistischen Geschmacksrichtung des Feminismus. Die Sozialisten (worunter faktisch alle Parteien im deutschen Bundestag mehrheitlich fallen dürften) möchten die Kindererziehung vollkommen verstaatlichen und sehen jede Familie generell mit Argwohn, solange sie ihre Kinder nicht an das Kollektiv abgibt. Die Liberalisten (darunter der „konservative“ Flügel von CDU und CSU und die meisten deutschen Bischöfe) sind ebenfalls der Meinung, dass die Frau ins Büro gehört, und nicht zu ihren Kindern. Deswegen sehen sie die Förderung der Fremdbetreuung und damit der Doppelverdienerpaare uneingeschränkt positiv. Doch sie möchten, dass ganz liberal, ganz freiheitlich, auch andere „Familienformen“ oder „Lebensstile“ möglich sind, und befürworten daher auch das „Betreuungsgeld“.

Wir lassen nun die verschiedenen Strömungen des radikalen Feminismus wieder ihren medial hochgejubelten Bruderkämpfen nachgehen, und schließen mit einem Wort des Papstes Pius XI. zur sogenannten „Emanzipation“ der Frau aus seiner bereits zitierten Enzyklika Casti Connubii:

Alle diese nun, die so den Glanz der ehelichen Treue und Keuschheit zu verdunkeln trachten, sind es auch, die als Lehrer des Irrtums den treuen und ehrenvollen Gehorsam der Frau gegen den Mann gern erschüttern möchten. Einige Verwegene gehen noch weiter und bezeichnen diesen Gehorsam als eine entwürdigende Versklavung des einen Eheteils durch den andern. Beide Gatten, sagen sie, besäßen völlig gleiche Rechte. Da diese Ebenbürtigkeit durch die Sklaverei des einen Teiles verletzt werde, so rühmen sie sich stolz, eine Befreiung der Frau vollzogen zu haben, oder fordern, daß sie in Bälde vollzogen werde. Je nachdem es sich bei dieser Befreiung um die Leitung der häuslichen Gemeinschaft oder die Vermögensverwaltung oder die Verhütung bzw. Tötung neuen Lebens handelt, unterscheiden sie eine dreifache Emanzipation: eine soziale, wirtschaftliche, physiologische. Die physiologische Emanzipation verstehen sie dahin, daß es der Frau völlig frei stehen soll, die mit dem Beruf der Gattin und Mutter verknüpften natürlichen Lasten von sich fernzuhalten (daß dies keine Befreiung, sondern ein ruchloser Frevel ist, haben Wir schon zur Genüge dargelegt). Die wirtschaftliche Emanzipation soll der Frau das Recht bringen, ohne Vorwissen und gegen den Willen des Mannes ihr eigenes Gewerbe zu haben, ihre Angelegenheiten und Geschäfte selbst zu betreiben, selbst die Verwaltung in Händen zu halten, gleichgültig, was dabei aus Kindern, Gatten und der ganzen Familie wird. Die soziale Emanzipation endlich will die Frau dem engen Kreis der häuslichen Pflichten und Sorgen für Kinder und Familie entheben, um sie freizumachen für ihre angeborenen Neigungen, damit sie sich anderen Berufen und Ämtern, auch solchen des öffentlichen Lebens widmen kann.

Aber das ist keine wirkliche Befreiung der Frau; sie enthält nicht jene der Vernunft entsprechende und gebührende Freiheit, wie sie die hehre Aufgabe der Frau und Gattin fordert. Sie ist eher eine Entartung des weiblichen Empfindens und der Mutterwürde, eine Umkehrung der ganzen Familienordnung, so daß der Gatte der Gattin, die Kinder der Mutter, die ganze Familie und Hausgemeinschaft der stets wachsamen Hüterin und Wächterin beraubt werden. Diese falsche Freiheit und unnatürliche Gleichstellung mit dem Manne wird sich zum eigenen Verderben der Frau auswirken; denn wenn sie einmal von der Höhe und dem Thron herabsteigt, zu dem sie innerhalb der Familie durch das Evangelium erhoben wurde, wird sie bald (vielleicht weniger dem äußeren Schein nach, wohl aber in Wirklichkeit) in die frühere Sklavenstellung zurückgedrängt und wie im Heidentum zu einem bloßen Werkzeug des Mannes werden.

Jene Rechtsgleichheit aber, die hier in so übertriebener Weise beansprucht wird, besteht hinsichtlich der Persönlichkeitsrechte und der Menschenwürde und in dem, was dem Vertrag entspringt und der Ehe eigentümlich ist; hierin erfreuen sich in der Tat beide Gatten gleicher Rechte und haben gleiche Pflichten, in den übrigen Dingen aber muß eine gewisse Ungleichheit und Abstufung herrschen, wie sie das Familienwohl und die notwendige Einheit und Festigkeit der häuslichen Gemeinschaft und Ordnung fordern.

Lobt-die-Hirten-Woche: Limburger Nachwuchs (Teil 5/6)

Der Limburger Bischof Franz Peter Tebartz-van Elst, geboren 1959, gehört mit 52 Jahren zum jüngeren Teil des deutschen Episkopats. Zudem ist er oft als Hoffnungsträger für den romtreuen Teil der katholischen Kirche bezeichnet worden. Stimmt das? Nun, wenn man sich einen Spiegel-Artikel aus dem Jahr 2010 anschaut, so muss er wohl irgendwie einen Nerv getroffen haben: Einige Zitate:

Tebartz-van Elst, 50, ist einer der jüngsten deutschen Bischöfe und für manche die derzeit größte Hoffnung: als Mann der Antimoderne, einer mit dem Ideal der „marianischen Berufung“, der fromme Traditionen wiederbelebt und den weltlichen Zeitgeist bekämpft.

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Zügig machte er sich daran, seine Diözese auf Kurs zu bringen. Protagonisten der Kamphaus-Kirche [Kamphaus war Tebartz-van Elsts Vorgänger im Bistum]  verloren ihre Posten oder suchten freiwillig das Weite. Schützenhilfe gab es von seinem väterlichen Ratgeber (Hört sich gut an.) Meisner aus Köln, der seinen Zögling in das Amt eingeführt hat und regelmäßig telefonisch berät. Von ihm bekam Tebartz-van Elst auch bewährtes Leitungspersonal für seine Pressestelle und das Diözesangericht vermittelt. Von einem „guten mitbrüderlichen Verhältnis“ schwärmt denn auch die Pressefrau mit Blick auf ihren alten und ihren neuen Chef. Wenn es gut für ihn läuft, könnte Tebartz-van Elst schon bald Meisners Erzbistum erben. (Wäre zu hoffen. Sonst wüsste ich kaum einen geeigneten Kandidaten.)

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Ob die Proteste im Bistum Limburg dabei im Vatikan als Empfehlung dienen oder schaden, ist vorerst offen. Sicher ist: Der Streit zwischen Bischof, Priestern und Gläubigen ist hier so heftig wie in kaum einer anderen deutschen Diözese. (Ein heftiger Streit zwischen den Verbandskatholiken und der Mehrzahl der Laienfunktionären auf der einen Seite und dem Bischof und kirchentreuen Katholiken auf der anderen Seite ist zwar sicher nicht ideal, aber der Streit ist lange überfällig. Dass er so heftig ausgetragen wird, zeigt uns, woher der Wind unter Bischof Tebartz-van Elst weht. Hier versucht jemand zumindest ein wenig aufzuräumen. Irgendwie trifft der Mann einen Nerv; wir werden gleich noch sehen warum.)

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Der Limburger Bischof stehe „für eine Rolle rückwärts in die Mitte des vorletzten Jahrhunderts“ (Wie gesagt, klingt gut. Wenn man falsch abgebogen ist, dann ist derjenige, der zuerst umkehrt, der wahrhaft fortschrittliche Mensch, wusste schon C.S. Lewis) , bedauert Albert Dexelmann, 63, ebenfalls Pfarrer im Bistum.

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Schnell machte er Karriere, schon im Priesterseminar fiel er durch eine „liturgiefixierte“ Frömmigkeit („Save the Liturgy, Save the World“, um Father Z zu zitieren) auf, in Münster weihte ihn 2004 der damalige, dem Opus Dei nahestehende Ortsbischof zum Weihbischof, vier Jahre später folgte schon der Ruf nach Limburg. (Eine Blitzkarriere. Doch wohin führt sie?)

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„Die Kirche darf nicht in der Welt aufgehen und sich ihr gleichmachen, weil ihre Botschaft über die Welt hinausgeht“, so Tebartz-van Elst, „eine vorschnelle Anpassung an scheinbare Mehrheiten und Meinungen“ dürfe es nicht geben.

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In Limburg wird derweil deutlich, wie Tebartz-van Elst „die Zukunft des gelebten Glaubens“ konkret versteht. Statt 341 Pfarreien soll es künftig nur noch wenige Großgemeinden geben. (Welch eine hervorragende Idee! Dadurch wird der Funktionärskaste so ziemlich das Wasser abgegraben. Wie viele „GemeindereferentInnen“ und „GemeinderätInnen“ da wegrationalisiert werden können! Wie sehr Priester sich wieder auf ihre Pfarrei konzentrieren können, statt mehrere Gemeinden versorgen zu müssen! Dieser Reformplan ist ein großer Wurf, wenn er denn konsequent und ohne Kompromisse durchgezogen wird. Bei etwa 76000 regelmäßigen Messbesuchern braucht man keinesfalls mehr als 100 Pfarreien. Da wundert man sich auch nicht mehr über die wütenden Angriffe gegen den Bischof seitens des verbandskatholischen Apparats.)

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Wer von den Verbandskatholiken, WirrSündKirsche und dem Spiegel dermaßen angegriffen wird, der kann eigentlich kaum ein schlechter Hirte sein…

Der Bischof scheut sich auch nicht, zugunsten von Familien Stellung zu nehmen, wie aus dem kath.net-Artikel hervorgeht, den ich hier anführen möchte. Der Bischof wird dort zitiert:

Eltern tragen eine unabweisbare Verantwortung für ihre Kinder, die ihnen anvertraut sind. (Ihnen, den Eltern, nicht dem Staat.) Um dieser Verantwortung, besonders in den ersten Jahren, gerecht werden zu können, brauchen Eltern eine ausreichend abgesicherte existentielle Grundlage. (Eltern, nicht Krippen, müssen gefördert werden, wenn man denn schon staatliche Sozialprogramme einführen möchte.) Fragt man die Eltern selbst nach ihren äußeren Bedürfnissen für diese Zeit, dann lassen sich die Antworten im Wesentlichen den drei Aspekten Zeit, Geld und Infrastruktur zuordnen. (Wobei nicht ganz klar ist, wie dieser Satz in die Stellungnahme hineinpasst. Klar wollen Eltern Zeit und Geld. Infrastruktur kann sich wohl in diesem Zusammenhang nur auf Krippen und Kindergärten beziehen, worin man sieht, dass selbst der Bischof nicht vor Fehlschlüssen gefeit ist, wenn es um derartige praktische Fragen geht. Eltern mögen – heute ist alles vorstellbar – ihre Kinder lieber an externe Institutionen abtreten als sich selbst um sie zu kümmern. Warum das auch noch positiv erwähnt werden sollte, statt die dahinterstehende gleichgültige Haltung gegenüber dem „Konsumgut Kind“ scharf zu kritisieren, ist mir schleierhaft). Aus der Sicht der Kirche begrüße ich jene Initiativen, die Eltern in ihrem Erziehungsauftrag ausdrücklich unterstützen. Wo Eltern in der Lage sind, ihren Kindern in den ersten Lebensjahren zu geben, was für deren leibliche und seelische Entwicklung erforderlich ist, sollte der Staat dies deutlicher stärken. (Wie viele Jahre? Zwei? Drei? Sechs? Oder sollten Eltern ihren Kindern vielleicht immer das geben, was für „deren leibliche und seelische Entwicklung erforderlich ist“, statt sich egozentrisch selbstzuverwirklichen?) In unserer Gesellschaft ist bei aller Wertschätzung institutioneller Betreuung (warum sollte man, außerhalb von Extremsituationen das Ablegen von Kleinkindern in Betreuungslegebatterien wertschätzen? Vor allem, wenn es sich auch noch um säkularistische DDR-artige Krippen handelt?) das Bewusstsein entschiedener zu fördern, dass eine verlässliche Eltern-Kind-Beziehung gerade in den ersten Lebensjahren nicht einfach institutionell ersetzt werden kann. (Doch der Bischof bekommt die Kurve und sagt wenigstens noch das Wesentliche. Auch wenn er doch arg hinter der traditionellen katholischen Soziallehre der Kirche zurückbleibt, die doch die natürliche Familie etwas höher eingeschätzt hat, als es aus diesem Text deutlich wird.)

Das vor einigen Jahren anstelle des zweijährig gezahlten Bundeserziehungsgeldes eingeführte maximal bis zum 14. Lebensmonat gezahlte Elterngeld stellt viele Eltern nach Ablauf dieser Zeit vor die Entscheidung, die weitere Elternzeit anderweitig finanziell abzusichern oder aber das Kind in Fremdbetreuung zu geben und – ganztägig oder in Teilzeit – wieder in die Berufstätigkeit zurückzukehren. (Diesen schwerwiegenden Missbrauch staatlicher Gewalt hätte Papst Leo XIII. wohl nicht sehr positiv beurteilt, und mit ihm auch die anderen Päpste. Aus der Enzyklika Rerum Novarum: „Wenn Individuum und Familie, nachdem sie im Verbande der staatlichen Gesellschaft sind, seitens der letzteren nur Schädigung fänden statt Nutzen, nur Verletzung des ureigenen Rechtes statt Schutz, so würde der Staatsverband eher als Gegenstand der Abneigung und des Hasses erscheinen müssen denn als ein begehrenswertes Gut.“ Mal sehen wie Bischof Tebartz-van Elst das formuliert:) Viele individuelle Erfordernisse und Problemstellungen, wie etwa die Suche nach einer geeigneten Fremdbetreuungsmöglichkeit, eine Erkrankungsanfälligkeit oder eine langsamere Entwicklung des Kindes, erschwerte berufliche Wiedereinstiegsbedingungen und anderes mehr, machen diese Zeit der Umorientierung zusätzlich schwer. (Was soll daran relevant sein? Ja, es gibt manchmal Hindernisse, die die Zerstörung der natürlichen Familie erschweren. Feiern wir diese Hindernisse, statt ihre Existenz zu beklagen.)

Deshalb ist es – ganz unabhängig von jeder Bewertung elterlicher oder institutioneller Betreuung (aber eine solche Bewertung wäre gerade die Aufgabe eines Bischofs, oder? Das ist seine Kernkompetenz.) – erforderlich, Eltern in dieser Lebensphase zusätzlich zu den bestehenden Leistungen Unterstützung anzubieten. In dieser Hinsicht ist das von der Bundesregierung ab 2013 geplante Betreuungsgeld ein Schritt in die richtige Richtung. (Das kann man wohl sagen. Doch die Prinzipien, die diesen Schluss ermöglichen, hat der Bischof leider verschwiegen oder modern schöngeredet) Zugleich ist die Feststellung des Familienbundes der deutschen Katholiken zu berücksichtigen, dass die vorgesehenen Leistungen von 100 Euro im zweiten Lebensjahr des Kindes (ab 2013) bzw. 150 Euro im zweiten und dritten Lebensjahr (ab 2014) bei weitem noch nicht ausreichend sind, um den Familien eine geeignete Absicherung zu geben. (Die Leistungen mögen nicht ausreichend sein. Ich gebe seiner Exzellenz Recht. Doch offen bleibt die Kernfrage der grundsätzlichen moralischen Bewertung der Abtretung von Kindern an staatliche oder andere säkularisierte Institutionen.)

Bei nüchterner Betrachtungsweise darf es der Politik weder um eine Entlohnung elterlicher Erziehungsleistungen noch um eine Prämie für den Verzicht auf Fremdbetreuung gehen, sondern um eine wertschätzende Ermöglichung notwendiger familiärer Handlungs- und Gestaltungsspielräume zum Wohl der Kinder. (Bei nüchterner Betrachtungsweise müsste der Staat jegliche Familienpolitik nach der katholischen Soziallehre ausrichten, wie sie in den Sozialenzykliken der Päpste dargelegt worden ist. So zu tun als ob Kinderlegebatterien auch nur entfernt vergleichbar mit der Erziehung in einer echten Familie seien, oder ein legitimes Mittel für den Regelfall sein könnten, ist nicht Teil der katholischen Soziallehre, deren Darstellung der Bischof hier bezogen auf das Thema der Kindererziehung zu unternehmen scheint.) Zielrichtung aller Bemühungen um das Wohl des Kindes muss deshalb für die Politik die Stärkung der Eltern in ihrer Erziehungsverantwortung sein. (Hier hingegen trifft der Bischof den Nagel wieder auf den Kopf. Die Erziehungsverantwortung der Eltern muss gestärkt werden).

Was können wir aus diesem Interview ziehen? In Bischof Tebartz-van Elst haben wir einen Hoffnungsträger vor uns, der sich wenigstens zu wichtigen Themen der Soziallehre äußert, statt belanglose Polit- und Soziologenfloskeln zugunsten staatlicher Preiskontrollen auf dem Arbeitsmarkt („Mindestlohn“) abzusondern. Zu bedauern ist allerdings, dass der Bischof eine grundsätzlichere Beschäftigung mit dem Thema Fremdbetreuung und Elternpflicht versäumt, in der es möglich gewesen wäre, auf der Basis der Lehre der Kirche grundlegende ethische Handlungsleitlinien zusammenzustellen, an denen sich eine gerechte, christliche Politik zu orientieren hätte. Dies unterlässt der Bischof, und beschränkt sich auf ein kurzes Statement, das an manchen Punkten in seiner Klarheit lobenswert ist, ohne jedoch die Konfrontation mit der etablierten feministischen Lobby in Politik, Medien und Gesellschaft auf die Spitze zu treiben, wie Bischof Mixa es vor einiger Zeit getan hat, oder wie es manche Hirten in den USA derzeit tun.

Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass aus dem Nachwuchs in Deutschlands Bischofskonferenz der Oberhirte von Limburg derzeit herausragt, weil er es schafft, sich mit den Verbänden in seinem Bistum anzulegen und eine richtungweisende Reform der Gemeindestrukturen vorantreibt. Er lässt jedoch noch die inhaltliche Prägnanz und Deutlichkeit eines Kardinal Meisner zu wichtigen Themen vermissen.

Alles in allem ist Bischof Tebartz-van Elst ein guter Hirte, der sich redlich um Treue zum Lehramt und das Heil der Seelen bemüht, und ihm gebührt daher, jenseits aller Ambivalenz und Vorsicht in seinen öffentlichen Äußerungen, über die ich weiter oben gesprochen habe, Lob und Dank.