Missionare aus Amerika?

Wir alle wissen: Trends aus den USa schwappen nach einiger Zeit über den Atlantik auch nach Europa. Die kulturelle Dominanz der Vereinigten Staaten hat, vorsichtig ausgedrückt, nicht immer nur positive Folgen gehabt. Ich werde aus naheliegenden Gründen hier nicht auf die Details eingehen.

Wenn dieser Trend aber auch auf die Kultur an katholischen Priesterseminaren zutreffen sollte, dann könnte die US-Vorherrschaft der gesamten westlichen Welt doch noch etwas Positives bringen. Hier ein Auszug aus einem Artikel von CNS, via Father Z. (Sorry, keine Übersetzung, kann mich im Moment überhaupt nicht konzentrieren…) Alle Hervorhebungen von Catocon.

 

WASHINGTON (CNS) — In his first months as rector of Theological College in Washington, Father Phillip J. Brown has been confronting a problem that the national diocesan seminary for the U.S. Catholic Church „has not had for a long time“ — it is bursting at the seams.

Enrollment is maxed out for the 2011-12 academic year at 90 seminarians. Five of those seminarians are back in their dioceses this year gaining pastoral experience, but a Sulpician seminarian and five priests from other countries also live there, bringing the total number of residents to 91 plus faculty members.

„If I had to start with a problem, that’s the problem I’d like to have,“ Father Brown told Catholic News Service. „It’s a very healthy sign, a positive sign for Theological College and for the U.S. priesthood.“

The trend of rising seminary enrollment is being duplicated around the country:

— At the Pontifical College Josephinum in Columbus, Ohio, 40 new seminarians arrived this year, bringing total enrollment to 186, the highest level since the 1970s.

— St. Paul Seminary School of Divinity at the University of St. Thomas in St. Paul, Minn., welcomed 30 new graduate-level seminarians, making its class of 100 seminarians the largest since 1980. The influx forced 24 seminarians and two priests off campus into leased space at a former convent.

— In the Diocese of Scranton, Pa., where the St. Pius X diocesan seminary closed in 2004 because of declining enrollment, the number of seminarians has more than doubled from eight to 17 in the past two years.
(…)

In all, there were 3,608 post-baccalaureate U.S. seminarians last year, a net increase of 125 seminarians, or 4 percent, over the previous year and the highest number since the early 1990s. More than three-quarters of them were studying for the diocesan priesthood, while 24 percent intend to be ordained for religious orders.
(…)

But Theological College’s Father Brown said a rise in enrollment is only part of the story.

„It’s not just the numbers but the quality and spirit of the men who are coming,“ he told CNS.

„I’m tremendously impressed with the quality of the candidates, their zeal,“ he added. „We’re seeing a real renewal of the priesthood.“
(…)

Because its seminarians participate in „an exacting and demanding program“ at The Catholic University of America, Father Brown said, Theological College accepts those candidates considered most likely to succeed in a rigorous academic environment.

„As the numbers seem to be increasing for all major seminaries, it’s easier to have a more cooperative relationship“ among the schools, so that seminarians end up at the seminary that will benefit them the most, he added.
(…)

Kommentar: Steigende Seminaristenzahlen, mehr Berufungen, der höchste Stand, je nach Seminar seit 20 bis 40 Jahren. Und das sind nicht die durchschnittlichen Reformkatholiken, die jetzt plötzlich Priester werden wollen. Es sind gläubige Katholiken, die Wert auf traditionelle Frömmigkeit, Glauben, Liturgie usw. legen. Nicht nur die Priesterseminare der Pretrusbruderschaft und anderer Ecclesia-Dei-Gemeinschaften sind überfüllt, sondern es gibt zusätzlich einen sehr hohen Anteil kirchentreuer Katholiken mit wahrer Berufung zum Priesterstand unter den Seminaristen und Jungpriestern. Man lese mal einige der Anekdoten in Father Zs Kommentarspalte zu dem Artikel. Das ist zwar nicht repräsentativ, doch bestätigt den allgemeinen Eindruck und ist auch logisch. Warum sollte ein überzeugter Reformkatholik sein Leben in den Dienst einer reaktionären, überkommenen Organisation stellen, die nach seiner Meinung seit 2000 Jahren Frauen unterdrückt, die Sexualität repressiv bekämpft, nicht volksnah genug ist, und ihren Glauben gar nicht schnell genug der derzeitigen Mode anpassen kann? Es bringt ihm heute kein Ansehen mehr, im Gegenteil, er wird mehr und mehr zum Buhmann einer Gesellschaft, die dringend für die Tarnung ihres eigenen Scheiterns nach einem solchen sucht. Er wird nicht reich, seine Freiheit ist massiv beschränkt, und – ganz wichtig für den modernen Reformkatholiken – er darf keinen Sex haben.

Was ist das für ein schrecklicher Job, wird sich der Reformkatholik denken und das Seminar meiden.

Die aktuell sich andeutende Trendwende in den USA (wenn sie denn anhält und sich zu einer wirklichen Trendwende auswächst, statt ein Strohfeuer zu bleiben) ist wohl auch auf ein sich langsam verbesserndes Niveau unter den dortigen Bischöfen zurückzuführen. Wir haben Kardinal Meisner. Doch die USA haben Kardinal Burke, Erzbischof Chaput, Bischöfe Aquila, Nienstedt und einige mehr, die allesamt entschlossen für die Kirche und ihr Lehramt eintreten, auf eine Weise, von der sich selbst der geschätzte Kardinal Meisner manchmal noch etwas abschauen könnte! Sie räumen derzeit, mit Mühe und unter großem Widerstand, mit diversen Missbräuchen auf, auch im Seminarleben.

Zusammen mit dem Druck gläubiger, frommer Priesteramtskandidaten von unten ergibt das ein veritables Sandwich, aus dem die amerikanischen Rätekatholiken so leicht nicht herauskommen werden.

Wenn das so weiter geht, kommen in einigen Jahren vielleicht Missionare aus den USA, um Iren, Italiener, Spanier, Franzosen und Deutsche zum katholischen Glauben zu bekehren. Ob das die puritanischen Pioniere der USA aus dem 17. und 18. Jahrhundert gewollt haben? Gott kann eben aus allem noch etwas Gutes machen!

Rick Santorum: „One violence is enough“

Abtreibung ist ein Thema, das mich persönlich tief bewegt. Als ich noch Atheist war, befand ich mich in allen politischen Debatten hart links. Ich war ein vehementer Verteidiger aller möglichen „progressiven“ Ideen und hielt die Grünen für zu gemäßigt. Doch gegen Abtreibung war ich schon immer, solange ich denken kann, mindestens seit ich acht oder neun Jahre alt war.

Wenn ich also heute von katholischen Priestern und teilweise sogar Bischöfen höre, denen die Kooperation mit den Abtreibungsorganisationen sehr am Herzen liegt, und die niemals öffentlich in klaren Worten etwas gegen das Geschäft mit dem ungeborenen Leben sagen würden, dann macht mich das wütend. Abtreibung ist die vorsätzliche Tötung eines unschuldigen Menschen. Und die Unschuldigen zu töten ist immer, egal aus welchem Grunde, moralisch verwerflich und zutiefst bösartig. Die moderne Biologie lehrt eindeutig und nicht seriös bestreitbar, dass schon die befruchtete Eizelle die DNA des neu entstandenen Menschen aufweist. Die befruchtete Eizelle gehört zur Spezies Mensch. Wissenschaftlich ist dies unbestreitbar. Daher kann Abtreibung niemals, absolut niemals, auch nicht in den herzzerreißenden Ausnahmefällen, die es nach Vergewaltigungen zuweilen geben kann, gerechtfertigt oder entschuldigt werden. Können wir betroffenen Müttern helfen? Natürlich, und wir müssen es als gute Christen sogar! Sollen wir alles unternehmen, um Vergewaltigungsopfern die Entscheidung für ihr Kind leichter zu machen, und, wenn es ihnen unmöglich ist, das Kind ihres Peiniges zu lieben, eine Adoption in eine liebende Familie  zu ermöglichen? Ja, natürlich!

Aber das Kind für die Taten seines Vaters bestrafen?

NIEMALS!!

Warum schreibe ich das alles? Weil Rick Santorum, ein Anwärter auf die republikanische Nominierung für die Präsidentenwahl 2012 und kirchentreuer Katholik, in der letzten Vorwahldebatte der Republikaner auf eine entsprechende Frage eine wunderbare Antwort gegeben hat. Das Video, das sich hinter dem Link verbirgt, sollte man sich unbedingt anhören.

Hier eine grobe, rohe Übersetzung seiner Worte:

Frage des Moderators: Sie würden [bei einem Abtreibungsverbot] keine Ausnahmen für Vergewaltigung und Inzest zulassen. Umfragen haben seit langem gezeigt, dass große Mehrheiten der Amerikaner zumindest einige Ausnahmen für Abtreibungen unterstützen. Sind Ihre Ansichten selbst für viele Konservative zu viel?

Rick Santorum: Wissen Sie, der Supreme Court der Vereinigten Staaten entschied kürzlich in einem Fall, dass ein Mann, der eine Vergewaltigung begangen hatte, nicht getötet, nicht der Todesstrafe unterworfen werden könnte; das Kind, das als Ergebnis dieser Vergewaltigung gezeugt worden ist, hingegen schon. Das klingt für mich wie ein Land, das nicht die richtige Moral hat. Das Kind hat nichts falsch gemacht! [Beifall.] Das Kind ist ein unschuldiges Opfer. Es wäre schrecklich, es zweimal zum Opfer zu machen. Es ist ein unschuldiges Menschenleben. Es ist genetisch ein Mensch vom Moment der Befruchtung, und es ist ein Menschenleben, und wir in Amerika sollten groß genug sein, um Frauen in diesen schrecklichen Situationen zu helfen, die schon traumatisiert worden sind; sie noch einmal zu traumatisieren durch eine Abtreibung? Ich denke, das wäre zu viel, und also stehe ich absolut dazu und sage: Ein Gewaltakt ist genug! [Beifall.]

Ein Gewaltakt ist genug – One violence is enough. In der Tat.

Vielen Dank, Rick Santorum, für diese deutlichen Worte. Welch ein Kontrast zu den deutschen Bischöfen und ihren Helfern in der Hierarchie, die noch nie eine Abtreibung gesehen haben, von der sie nicht wenigstens schweigen wollen.

P.S: Es dürfte niemanden verwundern, dass Santorum verheiratet ist (eine einzige Ehe, keine Affären, keine Scheidungen usw.), dass er SIEBEN eheliche Kinder hat (und keine außerehelichen) und dass er die traditionelle lateinische Messe besucht

(Nein, nein, es gibt WIRKLICH KEINEN ZUSAMMENHANG zwischen dem Besuch der Tridentinischen Messe und der Rechtgläubigkeit. WIRKLICH NICHT. HIER GIBT ES NICHTS ZU SEHEN.)

P.P.S. Es gibt allerdings auch Bischöfe, die sich nicht scheuen, unangenehme Wahrheiten zu sagen, wenn es ums Leben geht.

“Our Lord tells us to speak to the person, and then take two or three others with us if he does not change,” [Bishop Samuel Aquila] said. “If he still does not change, the Church can speak to him, which is done through the bishop. [The bishop] exercises the authority of Christ. Christ then says that if that person is still obstinate and will not change, treat them as a tax collector or Gentile. Expel him.’”