Schröders feministischer Quoten-Wahn

Vorbemerkung: Diesen Text schrieb ich vor einigen Tagen, als der Vorschlag einer verpflichtenden Frauenquote auf EU-Ebene erstmals an mein Ohr drang. Aus irgendeinem Grund ist er nicht veröffentlicht worden – natürlich auf gar keinen Fall, weil ich den Status des Artikels versehentlich als „Entwurf“ und nicht als „Geplant für…“ angegeben habe. Natürlich nicht. So etwas würde ich ja NIE tun… 😉

Nun ja, welcher heimtückischen Verschwörung antichristlicher Kräfte Catocon auch zum Opfer gefallen sein mag, hier folgt der Artikel…

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Die EU-Kommission liefert der Feminismuskommissarin der Bundesregierung, Kristina Schröder, wieder einmal eine Vorlage, den christlich-konservativen Menschen in Deutschland so etwas wie konservative Werte vorzuspiegeln und zugleich radikal-feministische Thesen zu verfechten. Frau Schröder sollte ihrer Gesinnungsgenossin Reding, der Justizkommissarin der EUdSSR dafür äußerst dankbar sein. Wie man in der Internetausgabe der Jungen Freiheit lesen kann, forderte Genossin Reding nämlich eine durchgängige, verpflichtende Frauenquote von 40% für privatwirtschaftliche Aufsichtsräte.

Genossin Schröder nahm daraufhin wieder einmal die Pose einer Quotengegnerin ein, ohne überhaupt inhaltlich großartig von der betonsozialistischen Reding abzuweichen. Ob es ihr gelingt, den christlich-konservativen Wählern der „C“DU weiter Sand in die Augen zu streuen, kann ich natürlich nicht beurteilen. Aber wenn man das lächerliche Theater einmal durchschaut hat, fragt man sich, warum Genossin Schröder in der Öffentlichkeit immer noch dem „konservativen Flügel“ der CDU zugeordnet wird.

Anstelle einer Zwangsquote von 40% möchte Genossin Schröder, dass jedes Unternehmen sich selbst „freiwillig“ auf eine Quote festlegt, die es dann einhalten muss. Und wenn es das nicht tut, dann gibt es Sanktionen von der Partei vom Staat. Wie wunderbar freiheitlich! Unternehmen dürfen frei wählen, auf welche Weise der Staat sie bevormundet! Das wird dem Wirtschaftsflügel der „C“DU sicher gefallen. Die Mobilisierung eines immer größeren Anteils der Frauen für den Arbeitsmarkt drückt schließlich die Löhne, und welchem amoralischen Kapitalisten hat das je missfallen?

Die wesentlichen Fragen, die eine christliche oder konservative Ministerin allerdings aufwerfen müsste, werden von Genossin Schröder in üblicher Manier auf feministischer Parteilinie behandelt.

Ja, es sollen immer mehr Frauen, auch Mütter kleiner Kinder, auf den Arbeitsmarkt gedrängt werden.

Ja, auch dann, wenn sie es gar nicht wollen.

Ja, die Erziehung soll aus der Familie ausgelagert werden, und zwar ab dem ersten Lebensjahr, und zwar mit massiver staatlicher Förderung in Milliardenhöhe, die von anständigen Familien, die sich nicht dem Krippenterror beugen, mit ihrem hart erarbeiteten Einkommen bezahlt werden.

Ja, die Steigerung der Frauenerwerbsquote ist vorrangiges gesellschaftliches Ziel.

Ja, es gibt keine Unterschiede zwischen Mann und Frau, die irgendwie gesellschaftlich relevant wären.

Nein, Frauen sind nichts besonderes, sondern sollten einfach wie unterlegene Männer behandelt werden, die dann staatliche Hilfe brauchen, um „gefördert“ zu werden.

Und so weiter, und so weiter, und so weiter.

Dass die Hardcore-Sozialisten in der EUdSSR auf Frauenquoten als Teil ihrer Machtergreifung pochen, ist selbstverständlich, logisch und rational. Dass Genossin Schröder im Stechschritt hinterher marschiert, und dabei nicht wenigen Nichtsozialisten auch noch vormacht, sie sei gegen die Marschrichtung, zeugt von ihrem unbestreitbaren Charisma und der tendenziösen Darstellung durch den politisch-medialen Komplex.

Doch das alles ändert nichts daran, dass Genossin Schröder und Genossin Reding inhaltlich nahezu deckungsgleiche Positionen vertreten, dass sie beide radikal-feministische Ansichten zu gesellschaftlichen und familienpolitischen Themen haben, und dass diese Ansichten daher beide gleichermaßen abzulehnen sind.

Alternativ sollte eine sinnvolle, rationale Familienpolitik verfolgt werden, die sich zum Beispiel durch die folgenden Ziele charakterisieren ließe:

1. Die traditionelle Ehe aus einem Mann und einer Frau wird als Regelfall gesellschaftlich anerkannt und gesetzlich privilegiert. Dies schließt die staatliche Privilegierung anderer „Partnerschaftsformen“ wie „Homo-Ehe“ oder „eingetragener Partnerschaft“ zweier Männer, zweier Frauen, eines Mannes mit vier Frauen oder eines Hundes mit zwei Frauen und einer Topfpflanze selbstverständlich aus.

2. Die unterschiedlichen Fähigkeiten von Männern und Frauen sowie die sich daraus ergebenden unterschiedlichen Aufgaben der beiden Geschlechter in Wirtschaft und Gesellschaft werden respektiert und gefördert. Das bedeutet auch die Anerkennung der Rolle der Hausfrau und Mutter als Normalfall.

3. Das elterliche Erziehungsrecht muss staatlich anerkannt werden und darf keiner gesetzlichen Behinderung ausgesetzt sein, solange das Kind keine erheblichen körperlichen Schäden davonträgt. (Und nein, eine Tracht Prügel ist selbstverständlich kein „körperlicher Schaden“!) Dass Eltern sich mindestens bis zur Einschulung mit sechs Jahren um ihre eigenen Kinder kümmern und sie nicht in staatliche oder private Verwahranstalten abschieben, wäre als gesellschaftlicher Normalfall durch geeignete Anreize zu fördern. Staatliche Förderung privater Kindergarten- oder Krippenangebote ist abzuschaffen, wie auch staatliche Kindergärten und Krippen überhaupt. Stattdessen sollten finanziell schwache Familien, die ihre Kinder selbst erziehen, von den freiwerdenden Mitteln profitieren.

4. Der Staat sollte geeignete Mittel suchen, um darauf hinzuwirken, dass die Unternehmen einen Familienlohn zahlen. Das bedeutet, dass der Familienvater von seinem Einkommen seine Ehefrau und seine Kinder in ausreichender Weise ernähren kann, so dass die „doppelte Belastung“ von Müttern vermieden wird. Hierzu gehört auch die Förderung von Unternehmen (vielleicht durch steuerliche Entlastungen), die solche Familienlöhne zahlen und bevorzugt Familienväter einstellen.

Wenn der Staat sich überhaupt in diese Politikfelder einmischt, dann muss seine Politik mit christlichen sittlichen Normen übereinstimmen, wie die Kirche sie immer vertreten und gelehrt hat. Genossin Schröder hat sich ebenso wie die ganze „C“DU inzwischen weit von diesen Normen und Werten entfernt, so dass es wohl verfehlt wäre, ihre Politik „christlich“ oder „konservativ“ zu nennen.

Da sie auch kein staatliches Heraushalten aus der Familie fordert (was eine echte liberale Position wäre), kann man sie auch nicht „liberal“ nennen.

Genossin Schröder macht schlicht eine rot-sozialistische, familienfeindliche Politik, die für Genossin Reding immer noch nicht sozialistisch und familienfeindlich genug ist.

Über diesen innersozialistischen Bruderkampf braucht man daher auch gar keine weiteren Worte zu verlieren. Letztlich spielt es keine Rolle, ob eine Politik zu 98% oder zu 99% falsch ist. Es wäre nur schon, wenn Schröder und die CDU den Namen Christi nicht mehr in fast schon gotteslästerlicher, definitiv aber etikettenschwindlerischer Weise für ihre sozialistische Politik missbrauchten und sich nicht länger als „C“DU, sondern nur noch als“DU“ bezeichneten.

Obwohl das auch zu großen Problemen führt, weil die Partei ja auch nicht für Demokratie steht, wie man an ihrem linientreuen pro-EUdSSR-Kurs in der Eurokrise sieht.

Es bliebe nur noch der Name „Union“. Zum Glück wird er ja schon oft verwendet.

P.S: Hier findet sich eine Sammlung lehramtlicher Dokumente, darunter auch vieler Texte zur gerechten Ordnung von Familie und Gesellschaft. Ferner gibt es hier eine Zusammenstellung verschiedener Texte zum Thema „Ehe und Familie“

Der Konservative als Nachhut

Gemeinhin wird in unserem politischen System zwischen fortschrittlichen und konservativen Kräften unterschieden. Die einen, so geht dieser Mythos, arbeiteten auf die Umgestaltung der Gesellschaft durch Reformen hin, die anderen wollten den bestehenden Zustand bewahren. Sofern der heutige politische Diskurs überhaupt noch über kohärente Kategorien verfügt, die sich nicht am unmittelbaren Nutzen einer Wählergruppe oder der ökonomischen, politischen und medialen Elite orientieren, reduziert sich politisches Denken auf die Differenz zwischen Liberalen und Sozialdemokraten bzw. Sozialisten und den Kontrast zwischen Fortschrittlichen und Konservativen.

Nun kann man sich auf den Standpunkt stellen, diese Begriffe hätten einen sinnvollen Inhalt, der sich tatsächlich zumindest ungefähr abgrenzen läßt. Dies ist auch nicht falsch, denn schließlich kann man wirklich relevante Unterschiede zwischen diesen politischen Grundhaltungen oder Ideologien angeben. Doch verdecken diese oberflächlichen Unterscheidungen meiner Erfahrung nach eine viel tiefere Verbundenheit, als die teils heftig ausgetragenen Differenzen zunächst den Anschein machen.

Mögen sich liberale und sozialdemokratische Redner auch über die optimale Höhe der Steuersätze uneinig sein, und mag zwischen fortschrittlichen und konservativen Politikern ein Unterschied etwa über den Ausbau der frühkindlichen Betreuung bestehen, so basieren diese Unterschiede doch wieder auf viel tiefer liegenden Gemeinsamkeiten. So leugnen weder die meisten Liberalen noch die meisten Sozialdemokraten oder Sozialisten, dass der Staat das Recht hat, Steuern einzuziehen – sie streiten sich nur über die Höhe. Sie sind sich einig, dass die Globalisierung so unumgänglich wie großartig ist – nur schwärmen die einen für den globalen Markt, und die anderen hätten am liebsten den Weltwohlfahrtsstaat, der die bösen Kapitalisten in ihre Schranken verweist.

Ebenso streiten sich fortschrittliche und konservative Kräfte tatsächlich über das Betreuungsgeld. Doch sie sind sich einig, dass Männer und Frauen prinzipiell die gleichen gesellschaftlichen und familiären Rollen übernehmen sollen, dass kostenlose „Betreuung“ in Krippen für Kleinkinder überhaupt staatlich unterstützt werden soll, dass spätestens am dem dritten Lebensjahr des Kindes möglichst alle Mütter wieder einer ganztägigen Erwerbsarbeit nachgehen sollen usw.

In allen diesen Fällen überdecken oberflächliche Streitigkeiten eine viel grundsätzlichere Einigkeit. Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der Natur des Konservatismus. Es gab einmal eine Zeit, nämlich im 19. Jahrhundert, als nationalistische und liberale Bestrebungen die Avantgarde des Fortschritts und der Modernisierung darstellten. Konservative, die dagegen opponierten, hielten meist an den christlichen Monarchien Europas oder am monarchischen Absolutismus fest. Doch bald verdrängten neue Ideen die Liberalen und Nationalen von der Speerspitze des Fortschritts. Sozialistische und Sozialdemokratische Ideen übernahmen spätestens am Anfang des 20. Jahrhunderts diese Rolle. Liberale, Nationale und Konservative fanden sich nun gemeinsam auf der „Rechten“ wieder – sie alle lehnten die sozialistische Ideologie ab. Unter diesen Bedingungen war es nur sinnvoll, dass sie gemeinsam gegen den Sozialismus antraten. Der Liberalismus, der im 19. Jahrhundert der Linken angehörte, verband sich mit den klassischen konservativen Vorstellungen. Im Laufe der Jahrzehnte ging diese Drift weiter. Spätestens nach dem 2. Weltkrieg waren Liberalismus und Konservatismus in den meisten westlichen Ländern fest verwachsen.

Im Moment erleben wir den nächsten Schritt dieser Entwicklung. Mit dem Aufkommen des radikalen Feminismus und der sogenannten 68er-Bewegung fanden sich klassische Sozialdemokraten der alten Schule immer mehr von der Speerspitze des Fortschritts verdrängt – ebenso wie einige Generationen vor ihnen die Liberalen und Nationalisten verdrängt worden waren. In den USA ist dies besonders drastisch an den Demokraten zu erkennen, die sich mit dem New Deal einer im Wesentlichen sozialdemokratisch ausgerichteten Position zugewandt hatten, nur um dann spätestens 1972 von der Neuen Linken übernommen zu werden, die die Partei heute zu einer Interessenvereinigung transformiert hat, in der enthusiastische Zustimmung zu Abtreibung und Feminismus jederzeit klassische soziale Ziele übertrumpfen. Aber auch in Europa gibt es diesen Effekt. Es sind nicht umsonst gerade die sozial schwachen Schichten, in denen der unartikulierte Widerstand gegen Multikulturalismus, Feminismus und andere Ziele der Neuen Linken besonders stark brodelt, und in denen diverse Protestparteien (gleich welcher Ausrichtung) besonders starken Zuspruch finden.

So werden nun klassische Sozialdemokraten mehr und mehr nach „rechts“ abgedrängt, und finden sich damit in der Position wieder, die die Liberalen ausgangs des 19. Jahrhunderts bereits vorgefunden hatten. Der Marsch des Fortschritts ist weitergegangen, die Avantgarde hat ein neues Hobby gefunden – die „Gleichheit“ von Frauen, Homosexuellen, Ausländern usw. hat die „Gleichheit“ der Arbeiter längst überflügelt.

So verwundert es auch nicht, dass ein Thilo Sarrazin mit seinen Thesen generell als „rechts“ eingeordnet wird, obgleich seine Lösungen meist klassisch sozialdemokratisch sind.

Die alte liberal-national-konservative Koalition, die wohl unter Adenauer und Erhard in Deutschland ihren Höhepunkt gehabt haben dürfte, hat sich im Laufe der Jahrzehnte immer mehr von ihrem konservativen (und damit aufgrund der historischen Bedeutung des Christentums für Europa auch christlichen) Standbein verabschiedet. Faktisch haben explizit christliche oder traditionell konservative (also gegen „Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit“ und die Werte von 1789 eingestellte) Kräfte praktisch kein politisches Gewicht mehr in den westlichen Ländern. Aus der liberal-national-konservativen Koalition ist wohl schon unter Kohl und Lambsdorff, spätestens aber in der Merkel-CDU das konservative Standbein weggebrochen.

Und angesichts der aktuellen Eurokrise versucht man das nationale Standbein auch zu verscharren, weil es für den Machterhalt der derzeitigen Elite hinderlich geworden ist.

Die „Rechte“ wird – zumindest sofern sie sich nicht nationalsozialistisch geriert (und das ist nur eine winzige Minderheit) – heute nahezu total von einer wirtschaftsliberalen Elite beherrscht, die noch vor 150 Jahren als links und äußerst progressiv gegolten hätte. Die heutige „Rechte“ ist internationalistisch, befürwortet eine globale Marktwirtschaft und einen globalen Nachtwächterstaat, lehnt traditionelle Bindungen an Familie, Heimat, Gott und Vaterland als rückschrittlich und unmodern ab, und möchte sie im Namen von Flexibilität und Fortschritt überwinden.

Die heutige Rechte ist also bloß die gestrige Linke und die gestrige Rechte bloß die vorgestrige Linke. So kann man erwarten, dass die morgige Rechte die heutige Linke sein wird. Diese Tendenzen sind in der Merkel-CDU bereits zu erkennen. Eine Ursula von der Leyen, deren etatistische Allmachtsphantasien wohl früheren sozialdemokratischen Wählern zu extremistisch vorgekommen wären, repräsentiert diese Rechte der Zukunft, die bloß die Linke der Gegenwart ist.

Dies ist letztlich das Problem des Konservatismus. Er bewahrt immer die Irrtümer seiner Vorgänger. Er ist die Nachhut des Fortschritts.

Vorhut und Nachhut sind zwei ganz unterschiedliche Teile einer Formation – doch sie gehören beide zu derselben Formation, selbst wenn sie in ihr verschiedene Aufgaben erfüllen.

Konservatismus ist daher überhaupt keine nennenswerte politische Kraft. Die „Konservativen“ des 19. Jahrhunderts konservierten bloß die politischen Strukturen des 18. Jahrhunderts, so wie die „Konservativen“ des 20. Jahrhunderts krampfhaft am liberalen und nationalen Denken des 19. Jahrhunderts klebten, und wie die heutigen Konservativen stupide die Ideen des 20. Jahrhunderts verteidigen.

„Konservativ“ ist kein politisches Bekenntnis, sondern ein Offenbarungseid. Der Konservative bekennt sich zu den gescheiterten Ideen von gestern, statt zu den Ideen von heute, die erst noch scheitern werden. Weder der Progressive noch der Konservative besitzen die geistige Munterkeit, sich auf die zeitlosen Ideen zu stützen, ganz gleich, ob sie gerade populär sind, oder als absurd gelten.

Der Konservative bewahrt die Strukturen, die der Progressive gestern eingeführt hat. Chesterton definierte den Progressiven als jemanden, der ständig neue Fehler mache, und den Konservativen als den, der die Korrektur dieser Fehler verhindere.

Konservatismus ist daher immer schwammig und fließend. Er beharrt auf Strukturen, nicht auf grundsätzlichen Wahrheiten.

Natürlich gibt es auch Menschen, die sich in Abgrenzung von dem hier beschriebenen Konservatismus als „wertkonservativ“ bezeichnen, um damit anzudeuten, dass sie nicht bloß irgendwelche historisch zufälligen gesellschaftlichen Entwicklungsstadien mumifizieren und für immer beibehalten wollen, sondern dass sie ganz bestimmte absolute, nicht verhandelbare Werte besitzen, in denen sie keine Handbreit nachgeben werden, komme was wolle. Diese „Wertkonservativen“ trifft meine Kritik nicht. Sie sind nicht Nachhut, sondern Überbleibsel. Sie sind der Rest, der sich mit dem Fortschritt gar nicht versöhnen kann, der nicht immer bloß einen Schritt hinter dem Fortschritt herzurennen gedenkt, sondern der starr und unflexibel auf seinen Überzeugungen beharrt.

Wenn sie wirklich fest und treu an den westlichen Traditionen, an Athen, Rom und Jerusalem, festzuhalten gedenken, dann haben sie ein solides Fundament, auf dem ihr Denken und ihr Handeln aufbauen kann. Sie sind keine orientierungslosen Mitläufer des Fortschritts – wie die heutigen etablierten „Konservativen“. Sie sind aber auch nicht gesellschaftsfähig. Sie sind ewige Störenfriede, weil sie sich nicht anpassen wollen und nicht anpassen können.

Grüne für Geschlechtertrennung an Schulen?

Die Schulministerin von NRW, Sylvia Löhrmann von der Wassermelonenpartei (außen grün, innen rot…) hat jetzt an dieser Stelle einmal ein Lob verdient. Der Leser mag sich die Augen reiben. Der erzkonservative Catocon lobt eine grüne Schulministerin? Man mag es wirklich kaum glauben. Doch Wunder gibt es bekanntlich immer wieder, auch wenn moderne Theologen das oft nicht mehr einsehen können. Was ist geschehen?

Das Presseorgan der Dunkelkatholiken, kath.net, schreibt unter Berufung auf die WELT:

Die Schulministerin von Nordrhein-Westfalen (NRW), Sylvia Löhrmann (Grüne), fordert geschlechtergetrennten Unterricht in manchen Fächern. Das meldet die „Welt“.
In Naturwissenschaften, Mathematik oder Informatik könne dies sinnvoll und förderlich sein, wie Studien zeigten: Schülerinnen entwickelten sich in Mädchengruppen in diesen Fächern besser. Es gehe darum, dem „unterschiedlichen Zugang von Jungen und Mädchen zum Lernen gerecht zu werden“, sagte die Grünen-Politikerin.“

Ja, da erkennt eine Politikerin der Genderpartei real existierende Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen an! Natürlich lernen Mädchen, gerade in einem bestimmten Alter, besser mit anderen Mädchen, und Jungen mit anderen Jungen. Zudem haben Mädchen und Jungen im Durchschnitt unterschiedliche Begabungen, was eine gesunde Schulpolitik, wie die Ministerin richtig sagt, berücksichtigt werden muss:

„Lehrkräfte müssen darauf vorbereitet werden, dass Mädchen einen anderen Zugang brauchen, um anzubeißen“, sagte Löhrmann. Mädchen bräuchten in der Naturwissenschaft eher einen Anwendungsbezug, müssten wissen, wofür sie es konkret brauchen könnten, während viele Jungen Technik an sich fasziniere.

Wie richtig! Es deckt sich nicht nur mit meiner eigenen Erfahrung, sondern auch mit dem gesunden Menschenverstand und einer realistischen Einschätzung der geschlechtlichen Verschiedenheit zwischen Mann und Frau, die auch in einem christlichen Menschenbild einen wichtigen Platz genießt. Natürlich könnte man an dieser Stelle kritisieren, dass sie weiterhin nur auf den Lernerfolg von Mädchen konzentriert ist, und die gerechtfertigten Belange von Jungen vollkommen ignoriert werden, doch wir wollen an dieser Stelle wohlwollend über Schwächen hinwegsehen, die kaum vermeidlich sind, wenn man von ganz weit her, von weitab des christlichen Menschenbildes, kommt. Doch einen Moment noch! Frau Löhrmann hat sogar hier Einsicht:

„Bei der Leseförderung könnten wiederum Jungen von getrennten Lerngruppen profitieren, wenn Bücher ausgewählt werden, die sie mehr ansprechen.“

Selbst dieser eine Kritikpunkt, den man sonst den seltenen vernünftigen Äußerungen zu Geschlechterfragen bei den Grünen immer noch anzuhängen vermag, die feministische Zentriertheit auf Mädchen, trifft Frau Löhrmanns Worte nicht.

Wenn man das liest, traut man seinen Augen nicht. Ist das eine Ente? Oder hat die grüne Schulministerin das tatsächlich gesagt?

Ein großes Lob für diese klaren Worte von Frau Löhrmann. Es wäre zu hoffen, dass diese mutige Initiative, die sicher seitens der radikalen Feministen auf harsche Kritik stoßen wird, auch umgesetzt wird, und daher Schüler nordrhein-westfälischer Schulen bald in den Genuß dieser neuen Regelung kommen werden. Immerhin wäre das eine gute Entscheidung im Ozean einer sonst immer hoffnungslos angestaubten egalitär-sozialistischen Bildungspolitik der rot-grünen Landesregierung.

Und was sagen die Anhänger eines christlichen Menschenbildes dazu? Nun, der Bundesvorsitzende der Schüler-Union hat sich dazu geäußert. Kath.net schreibt:

„Eine Geschlechtertrennung gehörte vor hundert Jahren zur Schulpolitik, heute ist unsere Gesellschaft schon deutlich weiter“, erklärt Bundesvorsitzender Lutz Kiesewetter die Haltung der Schüler Union in einer Aussendung, und nannte den Vorschlag eine „absurde Idee“.

Na toll! Wie immer ist die „C“DU treu auf Linie orthodoxen Alice-Schwarzer-Feminismus, und überholt jetzt die Grünen noch hinsichtlich des Egalitarismus links. In der Tat ist die Geschlechtertrennung Schulpolitik von vor 100 Jahren, die durch das Aufkommen des Feminismus und den scheinbar endgültigen Sieg des radikalen Egalitarismus seit Jahrzehnten erledigt schien.

Jetzt entdeckt die grüne Schulministerin den Wert dieser durch und durch konservativen Idee wieder, und die CDU hat nichts besseres zu tun, als der Regierung in den Rücken zu fallen, weil die Grünen nicht progressiv genug sind?

Angela Merkel jubelt, während Konrad Adenauer sich wieder einmal im Grab umdreht, wie schon so oft seit seine Partei von rückgratlosen Karrierefanatikern vollkommen unwählbar gemacht worden ist. Das Argument lautet dann immer, man solle die CDU wählen, weil sie das kleinere Übel sei.

Doch wenn das so weiter geht, dann ist sie auch nicht einmal mehr das kleinere Übel, sondern einfach das linientreue Organ der antichristlichen Eliten, verglichen mit der sich sogar hartlinke Feministinnen wie Sylvia Löhrmann noch fast konservativ-traditionell ausnehmen.

Wie gesagt, ein Lob für Sylvia Löhrmann. Und, wie inzwischen üblich, ein Armutszeugnis für die selbsternannten Verteidiger eines „christlichen“ Menschenbiles.

Betreuungsgeld: Eine Scheindebatte

Der Streit um das Betreuungsgeld

Die meisten Leser werden sicher schon davon gehört haben. Familien, die ihre Kinder nicht so zügig wie möglich an eine staatliche oder staatlich hochsubventionierte Betreuungseinrichtung abtreten, sondern sich selbst um ihren Nachwuchs kümmern möchten, sollten eigentlich dem Koalitionsvertrag der schwarz-gelben Bundesregierung zufolge ab 2013 ein „Betreuungsgeld“ in Höhe von 150 Euro monatlich für die ersten drei Lebensjahre erhalten. Dies stößt jetzt auf massive Gegenwehr der veröffentlichten Meinung aller Parteien; nur wenige, isolierte Stimmen, darunter Kristina Schröder (CDU) und einige Politiker aus der CSU, möchten gern an irgendeiner Art ausgleichender Förderung für Familien, die ihre Kinder nicht als hinderlich betrachten, festhalten. Allgemein wird dies als Affront gegen die gesellschaftspolitische Generallinie der totalen Mobilisierung von Müttern für die Zwecke des Arbeitsmarkts gesehen und aus diesem Grund als frauenfeindlich tituliert.

Während die Krippenplätze mit teilweise mehr als 1000 Euro monatlich subventioniert werden, erscheint eine Förderung von 150 Euro pro Monat für verantwortliche Eltern bereits zu hoch, wenn nicht vollkommen überflüssig.

Die Verteidiger des Betreuungsgeldes, darunter der sehr geschätzte Sprecher des Arbeitskreises Engagierter Katholiken, Martin Lohmann (CDU), argumentieren, durch dieses Betreuungsgeld könne echte Wahlfreiheit ein Stückchen näher kommen. Sie verstehen unter echter Wahlfreiheit, dass Fremdbetreuung und familiäre Erziehung gleichermaßen gefördert werden. Dies wäre, selbst wenn das Betreuungsgeld durchgesetzt werden könnte, natürlich nicht der Fall, weil die Förderung von Krippenplätzen um ein Vielfaches höher ist als das Betreuungsgeld. Doch man sieht die vorgeschlagene Familienförderung als einen Schritt in die richtige Richtung.

Betrachtet man die Debatte um das Betreuungsgeld, so scheint auf den ersten Blick ein Kampf zwischen den Verteidigern der traditionellen Familie, die sich selbst um ihre Kinder kümmert und den feministischen Familienzerstören zu toben. Die Parteinahme für den „konservativen“ Flügel der CDU und die CSU liegt damit nahe. Und tatsächlich kann man nicht bestreiten, dass das Betreuungsgeld die familienfeindliche Politik der Regierung immerhin ein wenig abschwächen würde. Die Gerechtigkeitslücke wäre fortan ein kleines bisschen geringer als vorher.

Eine Scheindebatte

Doch worüber diskutieren wir hier eigentlich? Die „konservativen“ Befürworter des Betreuungsgeldes argumentieren, jede Mutter sollte eine unbeschränkte Wahlfreiheit haben, ob sie ihr Kind bereits ab dem ersten Lebensjahr in Fremdbetreuung gibt, und ihr sollten keine Nachteile aus dieser oder jener Entscheidung erwachsen. Diese Position ist fast ebenso unannehmbar, radikal feministisch und vollkommen unvereinbar mit einem „traditionellen Familienbild“ wie die von noch weiter links vorgeschlagene Alternative.

Wir haben es mit einer Scheindebatte zu tun. Beide Seiten der Debatte sind in allen wesentlichen Fragen der Thematik einig. Vollkommen unhinterfragt bleiben die Prämissen des Feminismus und der sexuellen Revolution. Es gilt als selbstverständlich, dass es eine moralisch neutrale Sache der „Wahlfreiheit“ ist, wenn Mütter und Väter ihre Kinder ohne Not an fremde „Betreuer“ abtreten. Es gilt als selbstverständlich, dass eine Förderung von Familien, die sich auch über das dritte Lebensjahr des Kindes hinaus selbst um ihr Kind kümmern wollen, abzulehnen ist.

Doch vor allem bleibt unwidersprochen im Raum stehen, dass Männer und Frauen im Prinzip gleich sind und dieselben gesellschaftlichen Rollen ausfüllen sollten. Dass Männer und Frauen unterschiedlich sind, dass Mütter eine besondere Bindung zu ihren Kindern haben, die mit dem dritten Geburtstag nicht auf magische Weise versiegt, dass die Hauptaufgabe einer Mutter nicht das Scheffeln von Geld, sondern die Erziehung ihrer Kinder ist, und vieles, vieles mehr, wird von allen Seiten der Debatte platt geleugnet oder zumindest verschwiegen.

Die scheinbar entgegengesetzten Seiten sind sich im Wesentlichen einig. Die Frau ist das Herz der Familie, um in das Bild von Papst Pius XI. aus seiner unverzichtbaren Enzyklika Casti Connubii zu gebrauchen. Die wesentliche Aufgabe des Feminismus besteht darin, die Familie zu zerstören, indem ihr das Herz herausgerissen wird. Diesen Feminismus teilen beide Seiten der Debatte. Solange keine Debatte über den Feminismus als solchen angestoßen wird, werden alle kleinen Auseinandersetzungen über die zunehmende Verstaatlichung der Kindererziehung vollkommen fruchtlos bleiben, selbst wenn sie von den feministischen Mainstream-Medien zu apokalyptischen Dimensionen aufgeblasen werden.

Der Streit um das Betreuungsgeld tobt zwischen der sozialistischen und der liberalistischen Geschmacksrichtung des Feminismus. Die Sozialisten (worunter faktisch alle Parteien im deutschen Bundestag mehrheitlich fallen dürften) möchten die Kindererziehung vollkommen verstaatlichen und sehen jede Familie generell mit Argwohn, solange sie ihre Kinder nicht an das Kollektiv abgibt. Die Liberalisten (darunter der „konservative“ Flügel von CDU und CSU und die meisten deutschen Bischöfe) sind ebenfalls der Meinung, dass die Frau ins Büro gehört, und nicht zu ihren Kindern. Deswegen sehen sie die Förderung der Fremdbetreuung und damit der Doppelverdienerpaare uneingeschränkt positiv. Doch sie möchten, dass ganz liberal, ganz freiheitlich, auch andere „Familienformen“ oder „Lebensstile“ möglich sind, und befürworten daher auch das „Betreuungsgeld“.

Wir lassen nun die verschiedenen Strömungen des radikalen Feminismus wieder ihren medial hochgejubelten Bruderkämpfen nachgehen, und schließen mit einem Wort des Papstes Pius XI. zur sogenannten „Emanzipation“ der Frau aus seiner bereits zitierten Enzyklika Casti Connubii:

Alle diese nun, die so den Glanz der ehelichen Treue und Keuschheit zu verdunkeln trachten, sind es auch, die als Lehrer des Irrtums den treuen und ehrenvollen Gehorsam der Frau gegen den Mann gern erschüttern möchten. Einige Verwegene gehen noch weiter und bezeichnen diesen Gehorsam als eine entwürdigende Versklavung des einen Eheteils durch den andern. Beide Gatten, sagen sie, besäßen völlig gleiche Rechte. Da diese Ebenbürtigkeit durch die Sklaverei des einen Teiles verletzt werde, so rühmen sie sich stolz, eine Befreiung der Frau vollzogen zu haben, oder fordern, daß sie in Bälde vollzogen werde. Je nachdem es sich bei dieser Befreiung um die Leitung der häuslichen Gemeinschaft oder die Vermögensverwaltung oder die Verhütung bzw. Tötung neuen Lebens handelt, unterscheiden sie eine dreifache Emanzipation: eine soziale, wirtschaftliche, physiologische. Die physiologische Emanzipation verstehen sie dahin, daß es der Frau völlig frei stehen soll, die mit dem Beruf der Gattin und Mutter verknüpften natürlichen Lasten von sich fernzuhalten (daß dies keine Befreiung, sondern ein ruchloser Frevel ist, haben Wir schon zur Genüge dargelegt). Die wirtschaftliche Emanzipation soll der Frau das Recht bringen, ohne Vorwissen und gegen den Willen des Mannes ihr eigenes Gewerbe zu haben, ihre Angelegenheiten und Geschäfte selbst zu betreiben, selbst die Verwaltung in Händen zu halten, gleichgültig, was dabei aus Kindern, Gatten und der ganzen Familie wird. Die soziale Emanzipation endlich will die Frau dem engen Kreis der häuslichen Pflichten und Sorgen für Kinder und Familie entheben, um sie freizumachen für ihre angeborenen Neigungen, damit sie sich anderen Berufen und Ämtern, auch solchen des öffentlichen Lebens widmen kann.

Aber das ist keine wirkliche Befreiung der Frau; sie enthält nicht jene der Vernunft entsprechende und gebührende Freiheit, wie sie die hehre Aufgabe der Frau und Gattin fordert. Sie ist eher eine Entartung des weiblichen Empfindens und der Mutterwürde, eine Umkehrung der ganzen Familienordnung, so daß der Gatte der Gattin, die Kinder der Mutter, die ganze Familie und Hausgemeinschaft der stets wachsamen Hüterin und Wächterin beraubt werden. Diese falsche Freiheit und unnatürliche Gleichstellung mit dem Manne wird sich zum eigenen Verderben der Frau auswirken; denn wenn sie einmal von der Höhe und dem Thron herabsteigt, zu dem sie innerhalb der Familie durch das Evangelium erhoben wurde, wird sie bald (vielleicht weniger dem äußeren Schein nach, wohl aber in Wirklichkeit) in die frühere Sklavenstellung zurückgedrängt und wie im Heidentum zu einem bloßen Werkzeug des Mannes werden.

Jene Rechtsgleichheit aber, die hier in so übertriebener Weise beansprucht wird, besteht hinsichtlich der Persönlichkeitsrechte und der Menschenwürde und in dem, was dem Vertrag entspringt und der Ehe eigentümlich ist; hierin erfreuen sich in der Tat beide Gatten gleicher Rechte und haben gleiche Pflichten, in den übrigen Dingen aber muß eine gewisse Ungleichheit und Abstufung herrschen, wie sie das Familienwohl und die notwendige Einheit und Festigkeit der häuslichen Gemeinschaft und Ordnung fordern.

Pfarrer Oblinger und der Zeitgeistwahn

Vor ein paar Wochen schrieb ich an dieser Stelle über das seltsame Schreibverbot für Pfarrer Oblinger seitens des Bistums Augsburg. Seitdem haben viele katholische Persönlichkeiten zu diesem recht einhellig als unverständlich und falsch eingeschätzten Verbot Stellung bezogen. Beispielhaft könnte die folgende Wortmeldung des katholischen Philosophen Walter Hoeres erwähnt werden:

„Im Blick auf das Verbot, das gegenüber Pfarrer Oblinger ausgesprochen worden ist, stellt sich die Frage, ob die falsch verstandene Anpassung der katholischen Kirche an den Zeitgeist so weit geht, daß es in der Kirche nicht mehr erlaubt ist, konservative Positionen zu vertreten“

Dieser Satz fasst das wesentliche Problem mit dem Schreibverbot zusammen. Wir hinterwäldlerische, traditionstreue, reaktionäre, antimodernistische Fossilien sind nicht prinzipiell gegen Schreibverbote. Wenn jemans häretische Sauereien verbreitet, und er dies als katholischer Pfarrer tut, dann ist ein solches Schreibverbot nicht nur zulässig, sondern auch die einzig richtige Handlungsweise. Das Problem ist also nicht das Schreibverbot an sich, sondern gegen wen – oder vielmehr: gegen welche Ansichten – es sich richtet. Da wird einem Pfarrer Oblinger, immer treu zu Kirche und Lehramt, Papst und Glaube, das Schreiben in der Jungen Freiheit verboten, obwohl er nie etwas gesagt hat, was man als kirchenfeindlich, häretisch oder sonstwie verwerflich bezeichnen könnte. Pfarrer Oblinger ist nach allem was wir wissen einfach ein guter katholischer Konservativer, der in einer konservativen Wochenzeitung schreibt.

Ich sagte eben, Pfarrer Oblinger sei mit einem Schreibverbot belegt worden, obwohl er nie etwas gegen die Kirche gesagt hat. Liegt es nicht nahe zu glauben, dies sei geschehen, nicht obwohl, sondern gerade weil er nie etwas gegen die Kirche gesagt hat? Er ist lehramtstreu und scheut sich nicht die Missstände anzusprechen, die auch der Papst bei seinem Deutschlandbesuch thematisiert hat. Er spricht über die Gefahren der Verweltlichung, der Anpassung an den Zeitgeist, er redet von Glaubensmangel und das alles an einem Ort, wo er nicht nur Katholiken, sondern Konservative aller Glaubensrichtungen erreicht, nämlich in einer der größten entschieden konservativen Zeitungen des Landes.

Bischof Zdarsa mag einem Irrtum aufgesessen sein. So etwas kommt vor, und man kann es niemandem vorwerfen. Er kann von interessierten Kreisen in seiner Diözese falsch informiert worden sein. Man kann ihn getäuscht und er kann etwas falsch verstanden haben. All dieses ist normal und menschlich. Doch in diesen Situationen erkennt man dann seinen Fehler und macht ihn rückgängig. Dies ist die Grundeinsicht des Christen: Wir sind nicht vor Fehlern gefeit, aber wir sollten sie bereuen, wenn wir sie gemacht haben.

Einer wohlartikulierten Stimme eines konservativen Katholizismus das Wort abzuschneiden, ohne dies in irgendeiner Form sachlich zureichend begründen zu können, ist eine glatte Fehlentscheidung. Unter der Annahme, dass es dem Bischof um das Wohl seines Bistums geht, wäre die einzig richtige Handlungsweise die Aufhebung dieses unseligen Schreibverbots. Prof. Hoeres spekuliert in dem oben zitierten Ausschnitt, inwiefern die Anpassung an den Zeitgeist innerhalb der deutschen katholischen Kirche inzwischen dazu geführt hat, dass konservative Positionen gar nicht mehr vertreten sein dürfen.

Das ist mit der CDU ja bereits geschehen. Die CDU ist heute keine konservative Partei mehr, und den Versuch christlich zu sein hat sie spätestens in dem Moment aufgegeben, da sie sich mit der staatlich legitimierten und teilweise öffentlich finanzierten Massentötung der Unschuldigen Kinder arrangiert und sich dadurch gegen Jesus Christus auf die Seite des Herodes und seiner Günstlinge zu stellen entschied. Dass die CDU im Wesentlichen die Kaderpartei der Katholiken der Reformation darstellt, ist inzwischen wahrlich kein Geheimnis mehr. Was Verbände wie der ZdK wollen, deckt sich weitgehend mit den, was gerade in der CDU Konsens ist. Die unangemessenen Einmischungen von Partei- und Staatsfunktionären in die inneren Angelegenheiten der Kirche – Beispiel Norbert Lammert – sprechen hier eine deutliche Sprache.

Wenn nun in der CDU konservative Ideen nicht mehr akzeptabel sind, dann liegt der Schluss nahe, dass der verbandskatholische Flügel der Kirche alsbald nachziehen möchte, und das äußern katholisch-konservativer Positionen auch innerkirchlich immer stärker negativ zu sanktionieren wünscht.

Doch während der Abschied einer Partei von christlichen und konservativen Positionen, so unglücklich und schädlich dies auch für dieses Land gewesen sein mag, letztlich nur für die Ausrichtung dieser Partei Relevanz besitzt, wäre der Abschied der Kirche von christlichen und konservativen Positionen wohl nicht ohne ein Schisma zu haben. Die CDU ist nicht mit Rom verbunden und braucht auch nicht die Positionen Roms zu vertreten. Aber die Bischöfe sollten es.

Und während ein guter Katholik natürlich nicht konservativ sein muss, fällt doch auf, dass konservative Positionen sich in vielen Bereichen, besonders in der Sexual- und Familienmoral, aber nicht nur dort, mit christlichen Ansichten decken. Wie könnte die Kirche von der konservativen Position abgehen, dass alles menschliche Leben, auch das Ungeborene des Schutzes durch Recht und Gesetz bedarf? Wie könnte die Kirche die konservative Position verlassen, derzufolge die Ehe ausschließlich zwischen Mann und Frau bestehen kann? Die Liste ließe sich fast beliebig verändern.

Die Verbannung des Konservatismus aus der Kirche ist daher zu großen Teilen auch eine Verbannung der kirchlichen Moral aus der Kirche – und als solche durchaus erwartbar, hat sich doch die Bischofskonferenz spätestens mit der Königssteiner Erklärung 1968 auf einen passiven Widerstand gegen die Sittenlehre der Kirche festgelegt und beschränkt sich seither in diesem Bereich auf Einzelaktionen (wie wir sie von Kardinal Meisner zuweilen erleben dürfen) und emotional gefärbte Leerfloskeln im besten Fall, während sie zugleich zulässt, dass auf Gemeindeebene aus diesem passiven Widerstand ein aktiver Abwehrkampf gegen eine christliche Moral wird.

Insofern steht dieses Schreibverbot gegen den hochwürdigen Pfarrer Georg Alois Oblinger in einer unheilvollen Tradition der Abkehr von christlichem Glauben und christlicher Sittenlehre inmitten der katholischen Bistümer der Bundesrepublik Deutschland.

Man fragt sich nur, ob die dafür verantwortlichen Leute überhaupt noch ohne Schamesröte in den Spiegel schauen können, wenn sie mal wieder gegen die angeblich illiberale, autoritäre Kirche hetzen, die ja alles verbietet und nur noch eine Drohbotschaft verbreite.

Immer drängender stellt sich die Frage, welchem Geist wir folgen wollen: Dem unheiligen Zeitgeist oder dem Heiligen Geist Gottes. Die Antworten des Papstes und des Pfarrers Oblinger waren so klar wie identisch: Wir folgen dem Heiligen Geist und seiner Kirche. Die Antwort des Bistums Augsburg ist nach einigen Wochen Schreibverbot auch ziemlich klar: Sie folgen dem Zeitgeist und demjenigen, der in seiner Rolle als Fürst dieser Welt für die Schaffung der Zeitgeister aller Zeiten verantwortlich zeichnet.

P.S: Ich möchte noch einmal diese wunderbar treffende Kolumne von Pfarrer Oblinger empfehlen, die dieser einige Wochen vor seinem Schreibverbot in der Jungen Freiheit veröffentlicht hat. Er kritisiert dabei das Ziel einiger innerkirchlicher Kreise, eine „protestantische, priesterlose Kirche“ zu schaffen. Ich frage mich, wem er mit Artikeln wie diesem wohl zu nahe getreten sein könnte…

Kardinal Marx wird seinem Namen gerecht

Via kath.net, aber auch über das Domradio bin ich mal wieder auf Äußerungen von Kardinal Marx gestoßen. Ich möchte diese etwas ausführlicher kommentieren, indem ich mich auf Auszüge des Artikels auf kath.net im gewohnten Stil beziehe (Kommentare in rot, obwohl diese Farbe des Kardinals Ansichten eigentlich ganz gut widerspiegeln könnte):

München (kath.net/pem) In einem Beitrag für die Freitagsausgabe der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 11. November befürwortet Reinhard Kardinal Marx die Einführung einer Lohnuntergrenze (Die Bischöfe haben ein Lehramt in Fragen des Glaubens und der Sittenlehre. Sie können daher die ethische Richtung der Wirtschaftspolitik angeben. Doch die konkrete Umsetzung dieser ethischen Richtlinien erfordert einen ökonomischen Sachverstand, über den Bischöfe nicht unbedingt verfügen. Kardinal Marx könnte daher einen fairen Lohn fordern, durch den die Existenzsicherung einer Familie sichergestellt werden kann, wie es die Soziallehre der Kirche fordert. Stattdessen pocht er auch eine ganz bestimmte planwirtschaftliche Strategie der Preiskontrollen für Arbeit, was zumindest hochkontrovers ist.), fordert aber zugleich weitere Schritte in der Familien- und Bildungspolitik, „um allen Menschen gemäß ihren Möglichkeiten und Begabungen Teilhabe zu eröffnen“ („Teilhabe“ ist wieder so ein Wischi-Waschi-Wort, das heute nur allzu populär ist. Solange der Kardinal nicht sagt, was er genau damit meint, ist nicht einmal ungefähr zu beurteilen, ob er im Recht ist, oder nicht.) . Einer christlich inspirierten Politik müsse es um „Armutsüberwindung (einer christlichen Politik geht es um „Armutsüberwindung“? Sind nicht die Armen immer unter uns, wie es ein nicht ganz unbedeutender Wanderprediger aus Nahost einmal ausgedrückt hat? Seit wann versteht sich das Christentum als sozialrevolutionäre Bewegung zur Errichtung des Paradieses auf Erden?)  und Chancengerechtigkeit (Noch ein Wischi-Waschi-Wort. Man hört das Beamtentum richtig heraus. Natürlich sollen Chancen gerecht verteilt werden. Aber worin besteht diese gerechte Chancenverteilung? Man kann damit durchaus etwas Christliches meinen – aber im heutigen politischen Diskurs wird Chancengerechtigkeit als Kampfbegriff für eine sozialistische Gleichmacherei verstanden, die der katholischen Soziallehre unendlich fern liegt.) gehen“, schreibt Marx mit Blick auf den am Sonntag beginnenden CDU-Bundesparteitag in Leipzig, bei dem die Einführung einer allgemein verbindlichen Lohnuntergrenze diskutiert wird. (Dass die CDU sich dem Sozialismus anschließen möchte, den die Päpste immer verurteilt haben, ist seit längerer Zeit keine Neuigkeit mehr. Muss Kardinal Marx diese Hinwendung auch noch als Triumph der katholischen Soziallehre darstellen?)

Eine Lohnuntergrenze sei „zu begrüßen, weil sie dazu beitragen kann, prekäre Arbeitsverhältnisse zu verhindern und die Würde der menschlichen Arbeit deutlich zu machen“ (oder sie führt zu mehr Arbeitslosen, mehr Armut, Abwanderung von Beschäftigungsverhältnissen und bürokratischer Verkrustung, wie planwirtschaftliche Preiskontrollen es regelmäßig tun.), erklärt der Erzbischof von München und Freising und Vorsitzende der Kommission für Gesellschaftliche und Soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz in dem Zeitungsbeitrag (Allein der Titel sagt schon alles. Bürokratie fördert Bürokratie). Sollte in Leipzig in diesem Sinn ein politisches Signal gesetzt werden, sei das „aus der Sicht der Katholischen Soziallehre zu befürworten“. Im Sinne der Tarifautonomie solle eine staatliche Festsetzung wie in den bisherigen branchenspezifischen Mindestlöhnen „nur dort erfolgen, wo die Tarifpartner nicht in der Lage sind, Entgelte zu finden, die das Existenzminimum garantieren“.(Hier finden sich Spurenelemente christlicher Soziallehre. Der Staat wird in seinem Eingriff auf Bereiche beschränkt, in denen das Gemeinwohl nicht von selbst erreicht wird. Hört sich ganz gesund an. Das Problem ist aber auch hier, dass spezifische politisch-ökonomische Maßnahmen gefordert werden, über die ein Bischof keinerlei privilegiertes Wissen hat. Ob Mindestlöhne in der Realität wirklich die erwünschten Wirkungen haben, ist zumindest fraglich.)

Eine Lohnuntergrenze dürfe aber nicht dazu führen, „dass ganze soziale Schichten mit einem Mindestlohn ,abgespeist‘“ (Achtung, Klassenkampf. Wir lassen uns nicht mehr abspeisen! Wir gehen jetzt gegen die Unterdrücker vor! Der Kardinal möge nicht vergessen, dass Armut auch segensreich sein kann und die Kamele durch Nadelöhre marschieren, bevor Reiche in den Himmel kommen. Was sagt uns dieser Spruch über die Erlösungschancen einer Gesellschaft, in der das Ziel des Kardinals, die Abschaffung von Armut, erfolgreich umgesetzt worden ist?) werden: „Die Verwirklichung von Armutsüberwindung sowie Beteiligungs- und Chancengerechtigkeit braucht weitere Anstrengungen“ (reines Soziologendeutsch ohne Substanz. Es stellt sich abermals die Frage, ob der Kardinal die mit derartig schön klingenden Floskeln regelmäßig bedeckten sozialrevolutionären Absichten teilt, oder einfach zu naiv ist um sie zu durchschauen.), betont Marx. Der Mindestlohn sei schließlich „kein Allheilmittel, das eine weitergehende sozial- und arbeitsmarktpolitische Diskussion überflüssig macht“. Zugleich warnt Kardinal Marx vor möglichen „negativen Folgen“ einer Lohnuntergrenze: „Wird der Mindestlohn zu hoch festgelegt, verdrängt er bestehende Arbeitsverhältnisse. Denn dann kosten die Beschäftigten das Unternehmen mehr als sie erwirtschaften. Ist er zu niedrig, dann verfehlt er sein Ziel. Entscheidendes Kriterium für einen Mindestlohn ist also seine Höhe.“  (Und die Effektivität planwirtschaftlicher Preiskontrollen, was der Kardinal aber nicht wahrnimmt, da er sein notwendiges ethisches Lehramt arg überstrapaziert, um spezifische ökonomische Theorien mit der Autorität des Hirten zu verbrämen)

Kardinal Marx gibt zu bedenken, „dass ein Mindestlohn nur das Auskommen eines Arbeitnehmers, aber unter den heute gegebenen Umständen nicht einer gesamten Familie sicherstellen kann“. (Das ist richtig. Zumindest wenn man die Vorstellungen der „Welt“ von „Auskommen“ anlegt. Da die Kirche seit 40 Jahren in Deutschland passiven Widerstand gegen die katholische Sexualmoral leistet, gibt es allerdings nur wenige Familien, die durch viele Kinder „behindert“ sind, weshalb die vollständige Erwerbsmobilisierung der Männer und Frauen mehr und mehr gelingt. Die Entsorgung von Kindern in Krippen ist ja bald auch kostenlos, so dass man sich um diesen Punkt keine Sorgen mehr machen muss. Der Kardinal schweigt wie immer beharrlich zu allen zeitgeistwidrigen Fragen. Kein Wunder, wenn man sieht, wie die deutschen Hirten, nicht zuletzt auch der Kardinal Marx, Bischof Mixa behandelt haben.) Deshalb müsse zur Vermeidung von Armut „der Blick auf ein Mindesteinkommen gerichtet werden, das auch soziale Transferleistungen beinhaltet, die insbesondere die Situation von Familien berücksichtigen“. („Mindesteinkommen“? Der Staat stellt allen ein bedingungsloses Grundeinkommen zur Verfügung? Habe ich richtig gehört?) Vordringliches Ziel müsse bleiben, „die Aufnahme eines sozialversicherungspflichtigen Normalarbeitsverhältnisses zu ermöglichen“ (Antwort: Vordringliches Ziel müsse bleiben, die katholische Soziallehre zu vertreten, was leider etwas zu kurz gekommen ist in diesem Interview.). Für gering Qualifizierte oder vielfältig Beeinträchtige „kann es dabei zielführend sein, durch Zuschüsse zu den Lohnkosten, also durch Kombilöhne, Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen“. (Jetzt haben wir alles durch. Mindestlohn, Mindesteinkommen, Kombilöhne. Vielleicht kommen wir jetzt mal zu einem Vorschlag aus der katholischen Soziallehre? Zu ethischen Grundlagen, die darzulegen die genuine Amtspflicht des Kardinals wäre?)

Gleichzeitig müssten Staat und Gesellschaft allen Menschen „Chancen zum Ein- und Aufstieg eröffnen“. (Chancen? Noch so ein Wischi-Waschi-Wort. Chancen zum Ein- und Aufstieg wohin, wozu, wofür? Wir bekommen keine Antworten. Der totale Fokus auf rein diesseitige Wohlstandsvermehrung lässt auch nicht gerade auf einen katholischen Geist schließen.) Die Sozial- und Arbeitsmarktpolitik müsse „heute bei der Familien- und Bildungspolitik ansetzen“. (Volle Zustimmung. Doch was tun? Welche ethischen Bedingungen und Grundvoraussetzungen gibt es für eine christliche Familien- und Bildungspolitik?) Die Verwirklichung von Armutsüberwindung (= es kommen soviele Menschen in den Himmel wie Kamele durchs Nadelöhr) wie Chancengerechtigkeit (was soll das noch einmal sein?) beginne früh. (Die ideologisierte „frühkindliche Betreuung“ also. Kardinal von der Leyen am Werk.) Wer „Kinder zur Selbständigkeit und zur Übernahme von Verantwortung befähigen“ wolle, müsse ihre Erziehung und Bildung frühzeitig gewährleisten (ja, und wer tut das? Der Staat? Die Kirche? Die Eltern?): „Dies ist zwar zuerst die Aufgabe der Eltern; und die meisten Eltern meistern diese Aufgabe mit Bravour. (Tun sie das? Die meisten Eltern haben sich dieser Aufgabe weitgehend durch Abschieben der Kinder an Zentrallager wie Krippen und Kindergärten spätestens seit dem Dritten Reich entledigt.) Die Politik darf aber nicht die Augen davor verschließen, dass zu viele Eltern die Bedeutung von früher Förderung nicht erkennen. (Ja. Nicht alle Eltern sind der Meinung, ihre Kinder sollten in das heutige modernistische Gesellschaftssystem schon im Alter zarter Unschuld indoktriniert werden. Und das soll etwas schlechtes sein, Eminenz?) Daher ist sie gefragt, tatsächlich hilfreiche Unterstützungsangebote zu machen.“ (Ja, da ist die Kaderpartei der Verbandskatholiken, die CDU, wohl genau auf dem richtigen Weg. Ob allerdings die „frühkindliche Bildung“, die sich die totalitären Bildungspolitiker auf ihre Fahnen geschrieben haben, und denen der Kardinal mit keinem Wort widerspricht, und sogar verklausuliert selbst propagiert, etwas anderes ist als eine besonders perfide Form von Kindesmisshandlung, steht auf einem anderen Blatt.)

Zusammenfassung: Kardinal Marx befasst sich mit der Frage nach sozialer Gerechtigkeit ausschließlich aus der Perspektive rein weltlicher Wohlstandsvermehrung, und kommt, diesen Ansatz logisch ans Ende denkend, zu ganz ähnlichen Ergebnissen wie die heutige politische Elite aller Parteien. Kinder müssen so früh wie möglich zu guten Wohlstands- und Wachstumsrobotern verbildet werden, die zentrale Aufgaben des Staates sind die Beseitigung der Armut, die Gewährleistung von „Chancengerechtigkeit“ (was immer das sein soll) und „Beteiligungsgerechtigkeit“ (was immer das sein soll) durch Preiskontrollen und ein radikales Programm der enteignenden Umverteilung. Alles normale Thesen in der heutigen politischen Elite, um deren Anerkennung der Kardinal bei seinem Weg die Karriereleiter hoch zu buhlen scheint.

Was aber sagt die katholische Soziallehre dazu? Nun, zuerst einmal ist alles bei ihr auf das Heil der Seelen, nicht den Kontostand, hingeordnet. Armut ist für sie nicht notwendigerweise schlecht, sondern kann den Menschen viele Tugenden lehren, weswegen viele Menschen in der Geschichte der Kirche freiwillig den Weg der Armut gegangen sind, was sich natürlich ein moderner Kirchenbeamter nicht mehr vorstellen kann.

Eine weitere Voraussetzung der Soziallehre ist nun die Ansicht von der Zentralität der Familie, und nicht nur irgendeiner Familie, sondern der natürlichen, von Gott geschaffenen Familie, auf der Grundlage der natürlichen, dauerhaften Ehe zwischen einem Mann und einer Frau, mit je spezifischen von Gott gegebenen natürlichen Stärken und Schwächen, die sich gegenseitig zu einem Ganzen ergänzen. Papst Leo XIII. spricht in seiner Enzyklika Rerum Novarum hinsichtlich des Verhältnisses von Familie und Staat einige Worte, die ihn in den Augen der heutigen katholischen Bischöfe wohl als Anarchisten brandmarken würden:

Wie der Staat, so ist auch die Familie, wie schon gesagt, im eigentlichen Sinne eine Gesellschaft, und es regiert selbständige Gewalt in ihr, nämlich die väterliche. Innerhalb der von ihrem nächsten Zwecke bestimmten Grenzen besitzt demgemäß die Familie zum wenigstendie gleichen Rechte wie der Staat in Wahl und Anwendung jener Mittel, die zu ihrer Erhaltung und ihrer berechtigten freien Bewegung unerläßlich sind. Wir sagen, zum wenigsten die gleichen Rechte. Denn da das häusliche Zusammenleben sowohl der Idee als der Sache nach früher ist als die bürgerliche Gemeinschaft, so haben auch seine Rechte und seine Pflichten den Vortritt, weil sie der Natur nahestehen. Wenn Individuum und Familie, nachdem sie im Verbande der staatlichen Gesellschaft sind, seitens der letzteren nur Schädigung fänden statt Nutzen, nur Verletzung des ureigenen Rechtes statt Schutz, so würde der Staatsverband eher als Gegenstand der Abneigung und des Hasses erscheinen müssen denn als ein begehrenswertes Gut.

(Hervorhebungen von Catocon)

Täusche ich mich, oder ist die zentrale Dimension Gottes, und direkt dahinter, die zentrale Dimension der natürlichen Familie, in Kardinal Marxens Stellungsnahme zum Thema Mindestlohn völlig untergegangen?

Schließlich noch die zwei zentralen Leitsätze der Soziallehre, Solidarität und Subsidiarität. Jeder gesellschaftlichen Ebene kommen bestimmte Aufgaben zu, die von den anderen gesellschaftlichen Ebenen nicht übernommen werden dürfen. Es soll auf einer möglichst niedrigen Ebene entschieden werden, was sehr viele Gründe hat, nicht zuletzt eine Nähe zu den realen Gegebenheiten, deren Abwesenheit aus dem Soziologen- und Politikerjargon des Kardinals hervorscheint. Die Starken sollen den Schwachen helfen, soviel ist in jedem Falle richtig. Doch inwieweit kann eine entpersönlichte, bürokratisierte, zentral gelenkte „Hilfe“ noch mit dem Helfen des guten Samariters verglichen werden? Reduziert der moderne Wohlfahrtsstaat, der letztlich nun auch noch für die Regelung der Löhne verantwortlich sein soll, die menschliche Person nicht auf eine Aktennummer, eine Ziffer, einen Gegenstand möglichst effizienter materieller Hilfeleistung? Diese Fragen kommen im sozialen Horizont des Kardinals nicht vor, oder haben zumindest keine praktischen Auswirkungen.

Stattdessen präsentiert er eine weitere Version der üblichen politischen Stellungnahmen, die zwar an manchen Stellen einen entfernten Anklang an die Soziallehre findet, aber nirgendwo wirklich auf ihr beruht.

Ein aus Erfahrung nicht mehr enttäuschendes Interview von Kardinal Marx, der mit diesem Interview wie eine Mischung aus Karl Marx, Ursula von der Leyen und Papst Leo XIII. wirkt, wobei die spezifisch katholischen Teile sorgfältig abgeschliffen und weichgespült sind, um dem modernen Menschen nicht mit grundsätzlichen theologischen und ethischen Überlegungen zu kommen, durch die die Frage nach dem rechten Umfang staatlicher Preiskontrollen auf dem Arbeitsmarkt vielleicht besser beleuchtet werden könnte, die aber zu unpopulär sind, als dass ein auf sein Ansehen achtender Kirchenmann sie eingehend diskutieren könnte.

Der Versuch, die Politik der sozialdemokratisierten Kaderpartei CDU als christlich darstehen zu lassen, ist jedenfalls gescheitert.

Polen: Triumphaler Wahlsieg für Kultur des Todes

Bei den Wahlen zum polnischen Sejm konnte die Partei des amtierenden Ministerpräsidenten Donald Tusk mit gut 39% der Stimmen unter leichten Verlusten die Position der stärksten Partei behaupten. Hinter Tusks Bürgerplattform (PO) blieb die PiS, gewöhnlich in der deutschen Presse mit „Recht und Gerechtigkeit“ übersetzt, unter ihrem Ergebnis von 2007 und erreichte nicht ganz 30% der Stimmen.

Hinter den beiden großen Parteien, deren Stimmanteil und Sitzzahl relativ konstant geblieben sind, wurde jedoch mit der neugegründeten, radikal-antiklerikalen „Palikot-Bewegung“ eine neue Gruppierung drittstärkste Kraft und könnte damit in die Rolle des Züngleins an der Waage rutschen – eine Rolle, die bislang die Bauernpartei, eine inhaltlich flexible, als opportunistisch geltende Gruppierung, innehatte.

Die postkommunistischen Sozialisten büßten erneut stimmen ein, und blieben erstmals sogar unter 10%.

Was bedeutet dieses Wahlergebnis für Polen, wo noch vor wenigen Wochen über ein völliges Verbot der Tötung unschuldiger Menschen durch Abtreibung abgestimmt worden war? Nun, Donald Tusk, inhaltlich wie persönlich nahe an Angela Merkel und ihrer neuen, familien- wie lebensfeindlichen CDU, hatte bei der Abstimmung über das Abtreibungsverbot vor einigen Wochen kurzfristig den Fraktionszwang eingeführt, welcher normalerweise für Gewissensentscheidungen aufgehoben ist (wie auch in Deutschland üblich). Kaczynskis PiS befürwortet das Lebensrecht unschuldiger Menschen, wie auch die Mehrheit der Abgeordneten von Tusks PO und der Bauernpartei. Wie üblich sind sozialistische Parteien generell nicht am Wohl der Unschuldigen Kinder interessiert, und so stehen auch die Postkommunisten in Polen für die Freigabe der Tötung der Unschuldigen, sofern sie ihrer Mutter hinderlich sind. Selbstverständlich trifft dies in noch stärkerem Maße auch auf die Kirchenhasser um Palikot zu. Eigentlich, so müsste man vermuten, wäre durch diese Konstellation eine Mehrheit für den Lebensschutz sicher, wenn nicht Tusks Fraktionszwang in der PO gültig wäre.

In erster Lesung hatte der polnische Sejm dem Abtreibungsverbot im Sommer mit großer Mehrheit zugestimmt – dann kam der erwartete internationale Druck und Tusks Entscheidung zum Fraktionszwang. In der entscheidenden Abstimmung fiel das Lebensrecht dann mit 186 zu 191 Stimmen bei sehr vielen Enthaltungen durch.

Der neue Sejm ist mit Palikots Extremisten, den Abtreibungsliebhabern aus der sozialistischen Ecke, der auf Linie gebrachten PO, und der opportunistischen Bauernpartei wohl mit einer klaren Mehrheit für die Fortführung der bisherigen Abtreibungsgesetzgebung ausgestattet. Ein wichtiger Durchbruch ist damit verhindert worden.

Bereits heute hat Polen jedoch, verglichen mit der menschenverachtenden Praxis in den anderen europäischen Ländern (mit Ausnahme Irlands und Maltas) eher humane Regelungen zur Tötung der Ungeborenen. Abtreibung ist nur in seltenen Ausnahmefällen zulässig – was sich auf etwa 500 Abtreibungen pro Jahr beläuft. Die internationale Abtreibungslobby, die in Tusk und seinem ehemaligen Parteifreund Janusz Palikot wohl solide Verbündete hat (wobei Palikot ein radikaler Schreihals und Tusk ein sich gemäßigt gebender Politiker im Geiste Angela Merkels ist), ist mit dieser Rechtslage selbstversändlich nicht zufrieden. In der Zange zwischen einer räuberischen EU und einer bereitwillig die Schwächsten verratenden polnischen Regierung unter Tusk, womöglich bald mit Palikots Fanatikern als Koalitionspartner, wird die internationale Abtreibungslobby sich sicher sein können, dass der Schutz der Schwachen nicht ausgebaut, und wahrscheinlich sogar zurückgefahren wird.

Und dass ein Palikot überhaupt ein zweistelliges Ergebnis gewinnen konnte, zeigt, wie sehr das Gift des Antikatholizismus selbst in das immer als solide katholisch erscheinende Polen bereits injiziert worden ist. Wenn Irland das Beichtgeheimnis vernichten und Polen sich nicht zum Schutz der Ungeborenen entschließen kann, dann wissen wir: Der Einfluss der Kirche ist selbst in ihren Stammländern praktisch verschwunden. Spanien und Portugal haben inzwischen barbarische Abtreibungsgesetze – zwei weitere traditionell katholische Länder.

Die Marienerscheinung von Fatima versprach den Portugiesen, in ihrem Land werde die katholische Lehre bewahrt werden. Ist das so? Wenn ja, wo? Sieht es nicht vielmehr so aus, als ob die ganze westliche Welt, Portugal eingeschlossen, von der tosenden Flut des aggressiven Säkularismus überspült würde und so der moralische Relativismus oder gar Nihilismus die Parlamente, Gesetze, Gerichte und Köpfe erobert?

Selbst in Malta gibt es inzwischen die Scheidung.

In den meisten westlichen Ländern traut sich die Kirche nicht einmal mehr, wesentliche Themen ihres Glaubens überhaupt anzusprechen, und oft genug schleicht sich der Verdacht ein, ihre Vertreter glaubten selbst nicht mehr daran.

Palikot mag nur 10% erreicht haben, doch der Kern seines Denkens hat in Westeuropa inzwischen alle Parteien erfasst, und hat auch in Polen mehr Anhänger, als sein Stimmanteil ausdrückt – besonders populär ist der Antikatholizismus in der jungen Generation, in der Palikot allein 25% der Stimmen erhalten hat. Auch in Polen spielt die Kirche die jetzige Lage kräftig herunter und scheint sich der Gefahr nicht bewusst zu sein. Man müsse, „mit der ganzen Gesellschaft kommunizieren, nicht nur mit den Gläubigen„, sagt man dort. Auch dort scheint man sich also auf ein Kommunikationsproblem zurückzuziehen. Die Völker wenden sich doch nur von uns ab, weil wir nicht gut genug „kommuniziert“ haben – verbal, versteht sich, nicht sakramental, wo kämen wir denn da hin!?

Die Wahlen in Polen sind enttäuschend, weil man fast den Eindruck hätte haben können, als wehre sich dort noch ein Land gegen den reißenden Strudel des todbringenden Säkularismus mitsamt seiner unmenschlichen Menschenfreundlichkeit und seiner amoralischen Moral. So kann man sich täuschen. Polen wehrt sich nicht, sondern umarmt seinen schlimmsten Feind. Die Kälber wählen ihre Schlächter nicht selber – denn die ungeborenen Kälber sind noch zu klein, um wählen zu dürfen.

Aber ihre Mütter wählen die Schlächter für sie gleich mit.

Und nennen das Fortschritt.