Lobt-die-Hirten-Woche: Hankes Brief (Teil 3/6)

Derzeit läuft hier auf Kreuzfährten die Lobt-die-Hirten-Woche für die letzte Woche des Kirchenjahrs. Gestern und vorgestern haben wir uns mit Kardinal Meisners Interview mit der Welt am Sonntag beschäftigt. Heute ist Bischof Hankes Hirtenbrief zum Christkönigsfest dran

Liebe Brüder und Schwestern!
Liebe Kinder und Jugendliche!

Am Ende seines Deutschlandbesuches hielt Papst Benedikt XVI. im Freiburger Konzerthaus eine Rede, die als Vermächtnis seines Besuches bezeichnet werden darf. (Ja, obwohl die Bundestagsrede genauso zentral gewesen sein dürfte.) In seinen Worten griff der Hl. Vater die Sorge auf, dass sich ein beträchtlicher Teil der Getauften vom kirchlichen Leben distanziert. (Ein beträchtlicher Teil? So etwa 90%?) Der Rückgang der religiösen Praxis in unserem Land erfüllt den Papst mit großer Sorge.

Diese Entwicklung reicht ja bis in unsere Familien und Freundeskreise und trifft uns schmerzlich. Der Papst weiß darum, dass manche sich die Frage stellen, ob sich angesichts des religiösen Abbruchs (Religiöser Abbruch. Wo Abbruch, da Abbruchunternehmen. Klare Worte. Hier haben wir es nicht mit Verfall, sondern mit Abbruch zu tun. Wer hat abgebrochen?) die Kirche nicht ändern müsste? Sollte sie sich nicht in ihren Ämtern und Strukturen mehr der Gegenwart anpassen, um die suchenden und zweifelnden Menschen von heute zu erreichen? (Genau. Der heutige Mensch lebt in der Gegenwart. Er sucht, weil er mit der Gegenwart so zufrieden ist, dass er exakt dasselbe am Ziel seiner Suche auch finden möchte. Er sucht nach dem, was er schon hat. Immens plausibel. Aber hören wir den Bischof.)

Papst Benedikt gab in seiner Rede darauf zu bedenken, dass die Kirche ihre Sendung von Christus her hat. (Ja.) Sie handelt nicht im eigenen Namen, nicht im Namen ihrer Mitglieder oder der Mehrheitsmeinung ihrer Mitglieder wie Organisationen und Vereinigungen in Gesellschaft, Politik oder Wirtschaft. (Ein wichtiger Unterschied. Sollte man öfters sagen.) Sie steht für eine viel größere Wirklichkeit und Wahrheit. (Ja, sie steht für eine Wahrheit – eine Wahrheit namens Christus) Die Kirche kommt von Christus her, und deshalb dient sie wie Christus Gott als Werkzeug der Erlösung. (Sie dient. Sie herrscht nicht – sie dient. Der Papst ist „servus servorum Dei“, der Diener der Diener Gottes. Wollen, nebenbei bemerkt die Frauenpriestertumsfanatiker wirklich Frauen zu Dienerinnen des Himmlischen Vaters machen?)Wörtlich sagte der Papst über die Kirche: „Ihr Sinn besteht darin, Werkzeug der Erlösung zu sein, sich von Gott her mit seinem Wort durchdringen zu lassen (sich durchdringen zu lassen… man beachte die Passiv-Form.) und die Welt in die Einheit der Liebe mit Gott hineinzutragen.“

Gerade weil die Kirche aus dem Geheimnis des dreieinigen Gottes kommt, wird man sie nicht durch Strukturreformen und Anpassung der Lehre an den Zeitgeschmack tauglicher machen für ihre Sendung zu den Menschen. (Eben. Sie transportiert ja eine größere Wahrheit als der Stimmzettel in der Wahlkabine, jenem modernen Ersatz für den Beichtstuhl)

Gewiss hat sich die Kirche im Laufe der Geschichte gewandelt und sie wandelt sich weiter. Aber die Kirche wird tauglicher für die Menschen, wenn sie sich Christus angleicht, wenn sie ihm ähnlich wird. (Sie muss eben weltfremd sein – entweltlicht sein – um den Menschen wirklich dienen zu können. Denn sie kann dem Menschen nur dienen, wenn sie ihm etwas gibt, was er noch nicht hat.) Dazu hat sie zunächst ganz auf Christus zu schauen und auf seine Sendung. Sie muss sich der Sendung Christi vergewissern, aus der heraus sie selbst lebt.

Liebe Schwestern und Brüder! (Fratres!) Wird sich also nichts ändern in der Kirche? (Doch. Aber was?) Muss alles bleiben, wie es ist? (Wenn es nach den abscheulich strukturkonservativen Gremienkatholiken geht, dann schon.) Der Hl. Vater verwies in seiner Rede auf die selige Mutter Theresa von Kalkutta. Auf die Frage, was sich nach ihrer Meinung als Erstes in der Kirche ändern müsse, antwortete Mutter Theresa dem Fragesteller: „Sie und ich!“ (Sie und ich, in der Tat. Ändern wir uns. Heiligkeit statt Dialogpapier)

Die Veränderung der Kirche beginnt also bei mir. Durch die Taufe bin ich berufen, Christus ähnlicher zu werden, ein zweiter Christus zu sein. Mein Leben soll Ikone Christi sein. Das heißt Christus möchte durch mein Denken und Handeln in der Welt aufscheinen, er will durch mich, durch jede und jeden von uns bei den Menschen ankommen und ihre Nöte berühren. (Gut gesagt. Durch Christus. Gottesliebe, daraus Nächstenliebe, in dieser Reihenfolge.)

Ich als Einzelner vermag durch meinen persönlichen Änderungsprozess viel zu bewegen. Das zeigt die Kirchengeschichte an großen Gestalten wie Theresa von Avila, Ignatius von Loyola, Katharina von Siena, Franz von Assisi. (Heiligkeit ist eine persönliche Sache, keine Angelegenheit des gesichtslosen Kollektivs. Einzelne Menschen befreien die Kirche aus ihren Irrwegen durch die Zeit, einzelne Heilige, oder kleine Gruppen. Aber immer winzige Minderheiten. Niemals ist es die Mehrheit, die den wahren Weg nach vorn weist.) In schwierigen Zeiten der Kirche wollten diese Frauen und Männer der Kirche helfen. Sie begannen, sich selbst zu verändern. Christus wollten sie ähnlicher werden, ihn brennender lieben (Brennender lieben – das ist es.) und sich von ihm in Dienst (Dienst! – dienen, da ist es wieder.) nehmen lassen. Die Lebensbeispiele dieser Heiligen machen deutlich, der Einzelne, der eins wird mit Christus, ist mehr als nur ein winziges Teilchen. (Die Kirche ist kein Ameisenhaufen, sondern eine Hierarchie, und das heißt, dass jeder seinen wichtigen Platz hat. Er ist unersetzlich. Und er kann viel verändern durch absolute Treue zu seinem Herrn und Erlöser Jesus Christus.) Die Veränderung auf Christus hin setzt gewaltige Kräfte frei. Daher konnten diese heiligen Frauen und Männer zur Erneuerung der Kirche beitragen. (Keine Erneuerung ohne Heilige, das ist der Tenor.)

In seiner Freiburger Rede schlug Papst Benedikt sozusagen eine geistliche Landkarte auf, um uns für das Heute („das Heute“? Seit wann ist Heute ein Substantiv? Kirche im Heute denken, und so.) einen Weg der Veränderung zu zeigen. Er lud die Kirche in unserem Land ein, „die wahre Entweltlichung zu finden“, um ein überzeugendes missionarisches Zeugnis (Mission ist die, ähm, Mission der Kirche) zu geben und sich auf wahrhaft christliche Weise der Welt zuzuwenden und die Menschen zu sich selbst zu führen, das heißt zu Christus. (Das ist ein gefährlicher Satz: Die Menschen zu sich selbst zu führen, das heißt zu Christus. Sind die Menschen denn Christus? Ich verstehe, was der Bischof meint, aber das ist sehr unglücklich formuliert, gerade in einer Zeit, in der Gott von den meisten Menschen wenn überhaupt als eine innerliche Realität begriffen wird, nicht als der von außen kommende Schöpfer. Wäre nicht besser zu sagen: Die Menschen zu Christus, und damit zu ihrem wirklichen Selbst, zu führen)

Was könnte denn der Papst mit „Entweltlichung“ gemeint haben, so fragen viele. Es dürfte dem Papst dabei wohl weniger um Details der Gestalt der Kirche bei uns gegangen sein, wohl aber um eine geistlich-theologische Botschaft grundsätzlicher Art für unseren missionarischen Weg als  Kirche in Deutschland. Der Impuls des Papstes richtet sich nicht nur auf die Kirche im Großen. Er betrifft uns alle, jeden einzelnen ganz persönlich. (Aber er richtet sich auch an die Kirche im Großen und die Großen in der Kirche. Die Verantwortung für die Herde lastet auch auf den Hirten. Nehmen Sie sie wahr und besinnen Sie sich, wie Sie mit Ihrem Hiertenbrief bereits einen guten Anfang machen, aufs Wesentliche.)

Die bald beginnende Adventszeit mit ihren eindrucksvollen Liedern und den Lesungen der Liturgie scheint mir ein guter Dolmetscher für Papst Benedikts Aufruf zur „Entweltlichung“ zu sein. (Ja, aber nur, wenn in der Liturgie auch wirklich eindrucksvolle Lieder und nicht nur belanglose Pophymnen geträllert werden und die Lesungen auch wirklich gelesen werden und nicht durch geistige Betrachtungen der Gemeinderatsvorsitzenden substituiert werden. Save the Liturgy. Save the World, wie Father Z immer wieder sagt.) Immer wieder vernehmen wir in der Liturgie des Advent den Ruf: Bereitet dem Herrn den Weg.

Gott ist am Kommen („ist am Kommen…“ Ich dachte immer, das wäre rheinländisch oder Ruhrpottdeutsch. Sagt man das auch in Eichstätt?) in die Welt. Doch will er nicht einfach kommen wie ein Besucher, sondern er will die Welt verwandeln. (Ja, aber worin besteht diese Verwandlung?) Wachsamkeit und Konzentration auf ihn, den Kommenden, sind angesagt. Der Blick auf den kommenden Herrn muss Priorität haben vor allen anderen Fragen, die uns in der Kirche bewegen mögen. (Sehr treffend, Exzellenz. Priorität vor ALLEN ANDEREN FRAGEN.) Unsere Berufung als Kirche ist es, ihm, dem Herrn, einen Weg zu bahnen. „Entweltlichung“ könnte besagen: Je mehr wir den Herrn und sein Kommen zur Kompassnadel für unser Tun machen, desto offener werden wir für die Sorgen und Nöte unserer Zeit. (So ist es. Tragt das Kreutz, folgt dem Herrn, und ihr werdet überrascht feststellen, dass ihr relevant seid, denn die Menschen brauchen euch. Tut dies nicht, so lauft ihr nur dem Zeitgeist hinterher, was niemandem etwas bringt.)

Wir bauen keine Schwebebahn über unsere Wirklichkeit hinweg. Nein, auf dem Boden dieser Welt, dieser Gesellschaft, auf dem Boden meines Lebens und Alltags soll die Straße entstehen, auf der Gott ankommen kann und der Mensch zu Gott gelangt. (Der Absatz war irgendwie überzählig und musste noch gefüllt werden… Jetzt geht’s weiter:)

„Entweltlichung“ in adventlicher Deutung hieße dann: Das Handeln der Kirche und unser persönliches Leben sollen Wegebau für das Kommen des Herrn sein. Unsere pastoralen Anstrengungen in den Pfarreien, die Aktivitäten in unseren Verbänden, unsere Beratungen in kirchlichen Gremien, der Einsatz unserer kirchlichen Finanzmittel und Sachmittel sind immer neu darauf zu befragen, ob es sich um Wegebau für das Kommen des Herrn handelt. (Eine dringend notwendige Überprüfung. Nur was diesem Kriterium wirklich genügt, soll bleiben. Weltbild, der Dialogprozess, die Bischofskonferenz als Institution usw. tun dies nicht. Also…?)

Die Kirche betet an jedem Morgen im Benediktus (Lk 1,76b), im Lobgesang des Zacharias: „Du wirst dem Herrn vorangehen und ihm den Weg bereiten“. Dieser Satz fasst nicht nur die Sendung der Kirche zusammen, sondern gerade auch meine Sendung als Glied der Kirche hinein in den Alltag. Der Liebe zu Christus soll nichts vorgezogen werden, schreibt der hl. Benedikt in seiner Mönchsregel. Was ich tue, soll Vorbereitung für das Kommen des Herrn sein.

In meiner Familie, in der ehelichen Beziehung, in meiner Pfarrgemeinde, in Beruf, Freizeit und Freundeskreis bin ich Wegbauer für den Herrn. (In der ehelichen Beziehung… bin ich… – sagt ein zolibatärer Bischof? Etwas mehr Vorsicht bei der Formulierung, Exzellenz!) Je mehr ich mich auf Christus ausrichte und ihm nichts vorziehe, desto näher komme ich den Menschen. (Der Satz verträgt auch die mehrfache Wiederholung.)

„Entweltlichung“, liebe Schwestern und Brüder, besagt, dem Herrn vorausgehen und ihm den Weg zu bereiten. Der Heilige Vater hat uns eine Aufgabe gestellt: nehmen wir die Herausforderung in dieser adventlichen Besinnungszeit an und beteiligen wir uns an der Erfüllung: „Sie und ich!“

Dazu segne Sie der Dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Ihr
Gregor Maria Hanke OSB
Bischof von Eichstätt

Ein guter Hirtenbrief, der einige wesentliche Punkte anspricht. Wir loben hier diese Woche die Hirten, so dass ich mich mit Kritik zurückhalten möchte. Die Frage ist nun, ob den schönen, treffenden Worten auch Taten folgen. Weiß jemand etwas über Bischof Hanke und sein Wirken im Bistum Eichstätt?

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Wassermangel und Entweltlichung

Eigentlich hatte ich an dieser Stelle vor, mich etwas ausführlicher über das Thema Entweltlichung zu äußern, das der Papst bei seinem Deutschlandbesuch im September angesprochen hat. Beim Blättern durch die Archive meines eigenen Blogs fand ich dann allerdings einen Artikel, in dem dieses Thema bereits behandelt worden ist. Das überraschte mich nicht allzu sehr – immerhin habe ich auch während des Papstbesuchs hier gebloggt. Nur das Veröffentlichungsdatum ist etwas seltsam – zwei Tage VOR der Papstrede von der Entweltlichung, durch die die Frage zum allgemeinen Diskussionsthema in deutschen katholischen Kreisen geworden ist.

Allerdings habe ich in dem Artikel nicht von Entweltlichung, sondern von Weltfremdheit gesprochen, jedoch ziemlich genau dasselbe gemeint. Hier ist der Link für alle, die den Artikel noch nicht (oder nicht mehr) kennen.

Ich verzichte aus diesem Grund auf einen weiteren Artikel zum gleichen Thema.

Anstelle einer Reflektion über Entweltlichung daher nun ein Verweis auf einen Kommentar zur Entscheidung der EU, die Behauptung, Wasser bekämpfe Dehydration, sei falsch und müsse aus Gründen der Nahrungsmittelsicherheit verboten werden. Die EU – Freund und Helfer in der Not.

Wenn einem Leser dieser Übergang von Entweltlichung zu Wassermangel etwas seltsam, wenn nicht gar übergangslos erscheint, dann liegt dies möglicherweise daran, dass es so ist.

Woelki zur Entweltlichung

Der kürzlich in sein Amt eingeführte Erzbischof von Berlin, Rainer Maria Woelki, hat sich in einem bei kath.net veröffentlichten Interview zum Thema Entweltlichung und Kirchensteuer geäußert. Da es sich bei Woelki um einen der wenigen Hoffnungsträger der katholischen Kirche im deutschen Episkopat handelt, war ich gespannt, was der Erzbischof zu diesen Themen zu sagen haben würde. Wie üblich werde ich hier einige Auszüge präsentieren, für den Rest des Interviews auf die oben zitierte Quelle verweisen und meine Kommentare und Hervorhebungen einfügen. Vorweg möchte ich allerdings sagen, dass ich von dem Interview ziemlich enttäuscht bin.

KNA: Herr Erzbischof, der Besuch von Papst Benedikt XVI. in Berlin liegt inzwischen gut einen Monat zurück. Was bleibt?

Woelki: (…) Es bleibt die Erfahrung, in einem vollen Stadion mit dem Papst Gottesdienst [Warum nicht „Messe“ sagen? Gottesdienste gibt es viele.] zu feiern. Jetzt geht es darum, das, was Benedikt XVI. gesagt hat, zu studieren und für unsere Diözese fruchtbar zu machen. Aus der Vertiefung des Glaubens kann dann auch unser gesellschaftliches Engagement wachsen.

KNA: Bei seiner letzten Station in Deutschland, in Freiburg, hat der Papst für eine «Entweltlichung» der Kirche plädiert. Wie bewerten Sie die darüber in Gang gekommene Debatte?

Woelki: Ich denke, der Papst hat mit «Entweltlichung» nicht gemeint, dass wir uns aus der Welt heraushalten, sondern dass wir mit der Botschaft Jesu in die Welt hineingehen sollen. [Genau. Mit der Botschaft Jesu. Nicht mit einem Arm voll Geld und Businessinteressen. Und Porno-Angeboten vom Weltbild-Verlag.] Aber wir müssen natürlich Strukturen überprüfen, die nicht mit dem Evangelium vereinbar sind. [Um welche Strukturen handelt es sich dabei, Exzellenz?] Es ist notwendig zu untersuchen, woran wir künftig festhalten und woran nicht. [Wer übernimmt die Untersuchung? Das Gremium zur Abschaffung der Gremien? Der Entbürokratisierungsausschuss?] Dies gilt natürlich auch für das Erzbistum Berlin, auch hier sind weiter strukturelle Veränderungen notwendig. [Welche Veränderungen? Wir wünschen uns Hirten, keine Schwämme.]

KNA: Manche Kirchenkritiker [Nicht nur Kritiker. Gerade die Liebhaber der Kirche sehen mit Sorge, dass die Kirche sich erpressbar gemacht hat] sehen sich durch die Worte des Papstes in ihrer Forderung nach einer Abschaffung der Kirchensteuer bestätigt…

Woelki: Natürlich gibt es jetzt den einen oder anderen, der die Worte des Papsts so interpretiert und alte Forderungen wiederholt. In Deutschland hat sich aber das zwischen Staat und Kirche gewachsene System der Kirchensteuer bewährt – für beide Seiten. [Ich fürchte, der Erzbischof hat einen über den Durst getrunken. Oder sagen wir lieber – ich hoffe, dass bloß etwas Alkoholeinfluss diese absolut lächerliche Aussage erklärt. Das System der Kirchensteuer hat sich bewährt? Ernsthaft? Dann sind die Kirchen also voll, der Glaube lebendig, die Priesterschaft motiviert und eifrig im Spenden der Sakramente, die Schlangen an Beichtstühlen lang, das Engagement der Gläubigen hoch, die Liebe der Gläubigen zu ihrem Herrn und Erlöser sowie der von Ihm eingesetzten Kirche tief und innig, die Kirche in einer Lage voller Zukunftschancen?], Die Kirche ist in Deutschland eine wichtige gesellschaftliche Gruppe und übernimmt Aufgaben des Staates [Nur, dass es nicht die Funktion der Kirche ist, die Aufgaben des Staates zu übernehmen. Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist, auch im Bereich der Funktionen], wenn ich alleine an das große soziale Engagement [worin besteht dieses Engagement? Darin, dass man die ach so engagierte deutsche Kirche fast schon mit Gewalt von der ans HErz gewachsenen Ausstellung von Darf-Scheinen zur Tötung der Unschuldigen Kinder abhalten musste? Dass man sich im Wesentlichen dem sozialtechnokratischen Club angeschlossen hat und statt aus der Liebe Christi aus der Liebe zum staatlichen Finanztrog arbeitet?]   oder an Einrichtungen für Erziehung und Bildung denke. [Katholische Schulen? Ich würde niemals ein Kind in eine durchschnittliche katholische Schule in Deutschland schicken. (Bestimmt gibt es rühmliche Ausnahmen.) Wenn ich mein Kind sexualisieren lassen möchte, nehme ich die Odenwald-Schule. Vielen Dank. Katholische Schulen unterscheiden sich kaum von weltlichen, staatlichen Schulen, außer dass die Eltern eingelullt werden, und deswegen vom aggressiven Säkularismus und der systematischen Glaubenszerstörung besser abgelenkt werden können.] Da ist dieses Geld sinnvoll eingesetzt. [Im Kamin wäre es besser eingesetzt. Da hat man wenigstens noch ein schönes Feuer davon, nicht nur Glaubensverlust.]

KNA: Ein anderes Thema des Papstes war die Ökumene. Jetzt wirft der evangelische Berliner Bischof Markus Dröge dem Papst in einem Zeitungsbeitrag vor, kein Konzept für die Ökumene zu haben. Wie stehen Sie dazu? [Kein Konzept zur Ökumene ist das bestmögliche Konzept.]

Woelki: Schon in seiner Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation hat sich Papst Benedikt XVI. große Verdienst um die Ökumene erworben [Ich fürchte, der Erzbischof hat Recht], wenn wir allein an die Erklärung zur Rechtfertigungslehre denken. [Ja, Formelkompromisse sind populär. Aber fide sola ist trotzdem häretisch.] Auch in seinen wissenschaftlichen Beiträgen hat er sich immer wieder mit dem Thema beschäftigt. Schon von daher kann man sagen, dass der Papst ein klares Konzept von Ökumene hat, allerdings nicht nur mit den Kirchen der Reformation. [„Kirchen“ der Reformation? Ist der Erzbischof etwa auch Indifferentist? Alle wandeln wir auf einem Pfade von der Erde hin zum unerkennbaren Unendlichen. Wir tappen alle im Dunkeln und keiner weiß was von der Wahrheit. Wir sind alle Suchende. Daher sind auch die „Kirchen“ der Reformation – ebenso wie die Kirche der „Neo-Reformation“, die hier scheinbar in ihrer Gründung vorbereitet wird – untereinander gleich und vergleichbar. Sie sind alle „Kirchen“. Katholizismus? Nein, danke. Nicht wahr, Herr Erzbischof Woelki?] Dem Papst genauso wichtig sind auch die ökumenischen Kontakte mit den orthodoxen und orientalischen Kirchen. Manches mag da einfacher sein, weil dort altkirchliche Strukturen vorhanden sind. [Man könnte sagen: Dort sind, im Gegensatz zu Gemeinschaften, die aus Luthers und Calvins Revolten entstanden sind, überhaupt kirchliche Strukturen vorhanden, und nicht bloß ein imperialer Gewissensindividualismus.]

KNA: Was ist für Sie die wichtigste Botschaft des Treffens zwischen dem Papst und Vertretern der evangelischen Kirche im Erfurter Augustinerkloster? [Dass ökumenische Treffen mit Vertretern der Evangelischen Sozialverbände Deutschlands sinnlos sind?]

Woelki: Benedikt XVI. hat bei dem Gespräch ausdrücklich Martin Luther und dessen Eintreten für die Authentizität des Evangeliums gewürdigt. [Ja, Martin Luther erscheint vor dem Antlitz eines Landesbischofs der Evangelischen Sozialverbände Deutschlands tatsächlich als Muster der Christlichkeit und gar der Katholizität.] Eine wichtige Botschaft war in diesem Zusammenhang auch der Ort des Treffens selbst, das heute evangelische Augustinerkloster, in dem der junge Luther seine Prägung erfuhr.

KNA: Viele Protestanten haben sich mehr erhofft … [Ja, sie haben sich erhofft, dass der Papst die Kirche auflösen und sich der lutheranischen Häresie und ihren modernistischen EnkelInnen anschließen würde. Das hätte er nämlich de facto tun müssen, um die E“K“D zufrieden zu stellen.]

Woelki: Es ist sicher auch immer eine Frage, mit welchen Erwartungen man an die Begegnung in Erfurt herangegangen ist. Vielleicht waren die Erwartungen ja auch zu hoch. Auch in der Rückschau bleibt, dass das Gespräch und das Gebet mit Vertretern der evangelischen Kirche ein vom Papst so gewünschter Schwerpunkt der Reise war, nicht nur von der zeitlichen Dauer. [So schwammig, so schwammig. Jesus ging nicht über’s Wasser – nein, er schwamm drüber!]

KNA: Können Sie schon sagen, ob das Erzbistum beim Papstbesuch in dem Kostenrahmen von rund 3,5 Millionen Euro bleiben wird? [Jetzt kommt das für die moderne Kirche der Neo-Reformation wahrhaft entscheidende: Mammon]

Woelki: Die Bilanzierung der finanziellen Seite des Papstbesuchs wird noch bis Ende des Jahres dauern. So wie es sich derzeit abzeichnet, werden wir im Kostenrahmen bleiben. Ich bin sicher, dass das Geld gut investiert ist. Ein deutscher Papst besucht vermutlich zum letzten Mal offiziell sein Heimatland, wo viele Menschen nach Sinn und Orientierung suchen. [Sie mögen ja suchen – doch wie sollen sie finden, wenn die Kirche ihre Antworten so geschickt tarnt?] Das war das auch medial angekündigte Jahrhundertereignis. [Leider erschöpft sich das öffentliche Auftreten der Kirche in Deutschland in medialen Ereignissen, aufrührerischen Aktionen gegen die Kirche und ihren Stifter Jesus Christus, dem Eintreiben finanzieller Ressourcen und dem Auftritt als Nachhut von 1789 und 1968.]

Zusammenfassung: Erzbischof Woelki gilt als einer der Hoffnungsträger der Kirche in Deutschland. Beim Papstbesuch ist er mir in Berlin positiv aufgefallen. Doch dieses Interview konnte den positiven Eindruck nicht bestätigen. Im Gegenteil: Eine schwammige Formulierung folgt der nächsten, nur unterbrochen von einem Kotau vor dem religiösen Indifferentismus der vielen verschiedenen „Kirchen“ der Reformation und einem respektvollem Kopfnicken in die Richtung der Kirchensteuer und ihres Systems der finanziellen Maulkörbe für christliche Hirten. Wenn sich der neue Erzbischof von Berlin noch fünf Jahre in dieser Art Zeitungsinterview übt, hat er wohl eine sehr gute Chance, Vorsitzender der Bischofskonferenz zu werden und die Fußstapfen von Erzbischof Zollitsch vollkommen auszufüllen.

Ein weiterer Verwalter des Niedergangs. Das ist der Eindruck, den ich von diesem Interview habe.

Assisi (3/3) – Entweltlichung

Dies ist der dritte und letzte Teil einer Artikelserie über das interreligiöse Treffen in Assisi. Hier geht es zum ersten und zweiten Teil.

Entweltlichung

Bei seinem Besuch in Deutschland betonte der Papst in seiner Ansprache vor kirchlich aktiven Laien die Notwendigkeit einer „Entweltlichung“. Damit ist nicht gemeint, dass die Kirche sich nicht mehr um die Belange und Sorgen der Menschen außerhalb der Kirche kümmern soll, sondern dass sie sich nicht an die Wünsche, Irrtümer und Fehler der Welt anpasst. Sie soll sich frei von weltlichen Bindungen an staatliche Strukturen, aber auch, wie viele hinterher spekuliert haben, frei von finanziellen Reichtümern, die immer auch Abhängigkeiten mit sich bringen, wie etwa im Fall der deutschen Kirchensteuer, um ihren wesentlichen Auftrag kümmern. Und was ist dieser Auftrag?

Er ist nicht in erster Linie sozial-karitativ, sondern geistlich. Die Kirche soll den Menschen Gott näherbringen, wie man formulieren könnte. Dies geschieht durch die Vermittlung des Wahren Glaubens, die Sakramente, unter diesen besonders das Allerheiligste Sakrament des Altares, und auch durch soziale Hilfestellung, also praktische Nächstenliebe. Alle drei Wege, auf denen die Kirche Gott zu den Menschen bringt, haben gemeinsam, dass es, wenn man sie korrekt versteht, immer zuerst um die Liebe zu Gott geht. Aus dieser Liebe ergibt sich dann die Liebe zum Menschen.

Genauso, also unter den Vorzeichen der Entweltlichung, zu der der Papst aufgerufen hat, können wir die Frage nach dem Frieden wieder aufgreifen, um die es im zweiten Teil des Artikels ging. Wir hatten allerlei Unterschiede zwischen dem weltlichen und dem Frieden Christi aufgeführt, und diese am Beispiel eines Orchesters verdeutlicht. Jetzt können wir noch einen Schritt weiter gehen und den Frieden Christi als entweltlichten Frieden erkennen, also als Frieden, der sich nicht in erster Linie um den weltlichen Frieden der Menschen kümmert, sondern um die Liebe zu Gott.

Dieser wahre christliche Friede hängt eng mit der Entweltlichung zusammen. Denn wer nach diesem wahren Frieden strebt, der strebt zuerst gar nicht nach dem, was man heute unter Frieden versteht. Sein Wirken mag dem oberflächlichen Betrachter (und heute sind die meisten Betrachter oberflächlich) gar nicht als um Frieden bemüht erscheinen. Wer nach dem Frieden Christi strebt, der strebt nach Einklang seines Willens mit Gottes Willen. Die Mittel zum Frieden Christi finden sich im Gebet, in den Sakramenten, im Leben im und aus dem Glauben, wie manche es heute formulieren wollen.

Selig sind diejenigen, die Frieden stiften – aber wer sind diese Friedensstifter? Sind es die verweltlichten Diplomaten, die einen Waffenstillstand aushandeln? Sie mögen ja einen guten und wichtigen Dienst tun, aber sie können höchstens den arg defizitären weltlichen Frieden stiften, welcher ein Friede ist, der, wenn er anhält, zu Apathie, Anspruchsdenken, und, besonders wenn er noch mit materiellem Wohlstand einhergeht zur Mentalität einer „Made im Speck“ einlädt. Es ist ein materieller, aber kein geistlicher Friede, der dort von den Diplomaten ausgehandelt wird.

Die wirklichen Friedensstifter sind hingegen die Heiligen, die Frieden mit Gott gemacht haben. Sie lieben zuerst Gott, und weil sie Gott lieben, haben sie Frieden mit ihm und tun seinen Willen. Er ist die Liebe und ruft zur Nächstenliebe auf. Da die Heiligen das richtige Verhältnis zu Gott haben, sind sie auch imstande, das richtige Verhältnis zum Nächsten zu finden. Zwischen dem Heiligen und seinem nächsten herrscht daher auch bloß weltlicher Friede, sofern sich sowohl der Heilige als auch der Nächste im richtigen Verhältnis zu Gott befinden. Wenn nicht, wird der betreffende Nächste den Heiligen oft genug verfolgen. So entstehen Märtyrer.

Die wirklichen Friedensstifter, die Heiligen, sind Friedensstifter, weil sie Frieden mit Gott gemacht haben, und damit auch Frieden mit sich selbst, und Frieden mit ihrem Nächsten. Weil sie Frieden mit Gott haben, achten und bewahren sie auch die Schöpfung. Weil sie Frieden mit Gott haben, helfen sie ihren Nächsten, und verhindern so die sozialen Katastrophen, an die wir uns in einer Welt voller säkularer Besserwisser, die alle den neuesten Plan im „Kampf gegen den Hunger“ haben, natürlich schon längst gewöhnt haben.

Die wirklichen Friedensstifter sind die Heiligen, und ihr Friede ist umfassend. Doch wer sind diese Heiligen? Sind das nicht irgendwelche Menschen, die einmal hier auf Erden waren, aber heute nicht mehr sind? Die wenigen Auserwählten? Eine besondere Gruppe mit heroischer Stärke? Nein, das sind sie nicht.

Die Heiligen, das sind die Menschen, die sich entschlossen haben, Gottes Willen zu tun, und nicht ihren eigenen. Das sind die, die gesagt haben, „Dein Wille geschehe“. Heiligkeit ist nicht schwer und jeder Mensch ist zu ihr berufen. Wir müssen es nur wollen, und dann nach diesem Willen handeln. Wenn wir beten, „Dein Wille geschehe“, und es wirklich so meinen, wer kann uns dann noch auf diesem Weg zur Heiligkeit aufhalten?

Wir sind also diejenigen, die zur Heiligkeit berufen sind, und wenn wir noch nicht zu heldenhafter Tugend gelangt sind, so nur deswegen, weil wir nicht wirklich wollen, weil irgendwo in unserem Herzen noch eine Ecke ist, die „non serviam“ sagt. Doch weil wir zur Heiligkeit berufen sind, sind wir, jeder von uns, auch berufen, Friedensstifter zu sein, indem wir den Frieden Christi stiften.

Daher ist der beste Weg zum Frieden tatsächlich das Gebet, in Verbindung mit den Sakramenten und dem wahren Glauben, aber es ist kein Gebet um bloßen Waffenstillstand (so gut das für sich genommen auch sein mag). Es ist ein Gebet um den Mut zur bedingungslosen Kapitulation vor Gott.

Ein solches Friedensgebet wird es in Assisi nicht geben, weil dem kaum ein anwesender Vertreter einer Weltreligion zustimmen könnte. Daher ist das Treffen, selbst wenn alle negativen Befürchtungen, über die ich in den beiden ersten Teilen geschrieben habe, nicht eintreten sollten, nicht allzu sinnvoll.

Beten wir also um diesen Mut zur bedingungslosen Kapitulation vor Gott und zusätzlich, so es denn Gottes Wille ist, um etwas Waffenstillstand in unserer Zeit.

Beteiligung der Laien

Man spricht in reformkatholischen Zirkeln immer gern von mehr Beteiligung der Laien, versteht dies aber leider bloß als „Laien sollen wie Priester werden“. Die Gegenüberstellung zweier Artikel auf kath.net zeigt, dass in manchem Felde tatsächlich Priester und Bischöfe sich etwas von Laien abschauen können – zumindest von papsttreuen Laien wie Matthias Matussek:

Matussek zur Kirchensteuer

Erzbischof Zollitsch zum selben Thema

Also: Lasst den Priestern und Bischöfe ihre besonderen Funktionen im Zusammenhang mit Sakramenten, Liturgie usw., versucht also nicht die Rolle der geweihten Kirchendiener zu übernehmen, sondern tut das, wofür Laien da sind; verbreitet mit Mut und Klarheit den Glauben, ohne Angst vor inner- und außerkirchlicher „politischer Korrektheit“.

In diesem Sinne interpretiert, ergeben die konziliaren Aufforderungen nach mehr Beteiligung der Laien auf einmal Sinn. Vor allem, wenn man die apathische, zuweilen kontraproduktive Herangehensweise einiger deutscher Hirten betrachtet.

Dialog und Schisma

Auf Papsttreu im Pott findet sich ein Teilnehmerbericht vom Dialogtreffen des Bistums Essen in Duisburg. Ich möchte hier einige Kommentare zum Thema abgeben, es lohnt sich jedoch, zuerst den verlinkten Artikel zu lesen.

Wie inzwischen scheinbar üblich fand auch dieses Treffen wieder in einer Kirche vor dem Allerheiligsten statt. Selbstverständlich kümmerten sich die Dialogisten nicht allzu sehr um Jesus oder irgendwelche anderen altmodischen Vorstellungen wie Anbetung oder Verehrung. Das kann auch nicht verwundern, denn unveränderliches Lehramt der Kirche umstoßen zu wollen, deutet nicht gerade auf Respekt vor Jesus und seiner von ihm eingesetzten Kirche hin.

Im Gegenteil: Geht es den Teilnehmern des Dialogprozesses nicht vielmehr um eine „neue Kirche“? Der Eindruck scheint sich unter den Verbandskatholiken, die generell die größten Befürworter des Dialogprozesses sind, immer mehr zu bestätigen. Besonders die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands mit ihren immer extremeren Aktionen, die schon an schismatische Akte grenzen, wie kürzlich die Einleitung einer Unterschriftenaktion gegen unveränderliches Lehramt zum Thema Beihilfe zum Essen des Gerichts für unbußfertige Ehebrecher gezeigt hat. Ich habe den Link, werde ihn aber hier nicht angeben – jeder kann etwa durch Google die Unterschriftenaktion problemlos finden. Hier wird öffentlich Stimmung gegen die Lehre der Kirche gemacht – und das von einer offiziellen katholischen Organisation. Kein Wunder, dass gläubige katholische Vereinigungen wie das Forum deutscher Katholiken inzwischen fordern, die Bischöfe mögen doch bitte überprüfen, ob sich diese radikal-feministische, in ihren Haltungen zu wichtigen Fragen von Theologie und Sittenlehre offen anti-katholische Gruppierung weiterhin „katholisch“ nennen dürfe.

Es gibt dabei nur ein Problem: Stimmt nicht zumindest der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, wie auf diesem Blog schon mehrfach berichtet und kommentiert, der Haltung der „katholischen“ Frauengemeinschaft weitgehend zu? Und sind nicht die anderen Bischöfe sehr zurückhaltend mit Aktionen, die sie in der Öffentlichkeit als offensichtlich katholisch – und stolz darauf – brandmarken könnten? Es ist also nicht damit zu rechnen, dass Bischöfe, von denen selbst die Besseren, wie Bischof Overbeck, einen Dialogprozess mittragen und Veranstaltungen wie die, auf die sich der oben verlinkte Erlebnisbericht bezieht, offensichtlich gutheißen, eine klare Haltung zum immer weiter herannahenden Schisma in Deutschland finden werden.

Wie schon öfters seit mindestens 40 Jahren werden die deutschen Bischöfe sich formal korrekt verhalten, oder von der Korrektheit nur abweichen, wenn es keine Konsequenzen aus Rom zu befürchten gibt, aber weder mit der Kirche fühlen noch mit ihr denken. „Sentire cum Ecclesia“ ist nicht nur an theologischen Fakultäten in Deutschland ebenso fremd geworden wie die Sprache, in der die Sentenz formuliert ist, sondern auch unter den für besagte Fakultäten zuständigen Bischöfen. Sie werden das Nötigste tun, um ein formales Schisma zu vermeiden, aber nicht mehr.

Also wird der Dialogprozess weitergehen, der religiöse Glaube in Deutschland wird weiter verfallen, die Kirche wird langsam aber sicher aussterben.

Auf Papsttreu im Pott wird darauf hingewiesen, dass unter den (wenigen) anwesenden Jugendlichen die meisten eher den Papst und die Kirche in Schutz nahmen. Es ist auch nur zu leicht einzusehen warum: Ich kommentierte auf dem Blog:

Die Kirchendemokraten sterben aus. Sie haben 98% der nachwachsenden Generation davon überzeugt, dass sie sich ihre eigene Wahrheit und ihren eigenen Glauben machen können – die nachwachsende Generation hat das vollkommen verinnerlicht. Wenn sie sich ihre eigene Wahrheit machen kann, dann braucht sie die Kirche ja gar nicht mehr. Warum also die ganze Mühe? Warum sonntags früher aufstehen, warum endlose Sitzungen, warum das ganze Volksbegehren und Aufbegehren, wenn man sich doch einfach seinen eigenen Glauben und seine eigene Wahrheit konstruieren kann, so wie man sie gerade braucht?
98% der nachwachsenden Generation stimmen den Kirchendemokraten völlig zu. Konsequent bleiben sie also aus der Kirche fort – sie vermag ihnen nichts zu bieten, was sie nicht auch woanders bekommen könnten.
Übrig sind die 2% die den Glauben der Kirche weitertragen.
Eine Reinigung im Säurebad, aber eine nötige Reinigung.

Wenn das stimmt, und davon bin ich überzeugt, wäre dann nicht die beste Chance für die katholische Kirche, das ohnehin kommende Schisma zu forcieren, um die verbliebenden Gläubigen zu einer Entscheidung zu zwingen? Ich bin mir nicht sicher.

Einerseits:

Kommt es zum Schisma, dann wird man endlich klar sehen, wer wo steht, wer dem Bischof von Rom seine Treue hält, und wer bloß dem Kanzler in Berlin, wer katholisch und wer deutsch-katholisch sein will. Die meisten Bischöfe würden vermutlich eher zum deutsch-katholischen Lager zählen, ebenso viele Priester, und wenn wir ehrlich sein wollen, auch 90% der katholisch Getauften. Die anderen könnten dann, ohne die lähmende Last bürokratischer Strukturen und mit einem neuen Missionseifer in Unabhängigkeit von einem zunehmend christenfeindlichen deutschen Staat und dem Konformität statt Glaube fördernden Kirchensteuersystem eine Renaissance des christlichen Glaubens in Deutschland einleiten. Sie könnten eine kleine, aber aufgrund ihrer außerordentlichen Treue zur Kirche in Glauben, Sittenlehre und Liturgie starke Kirche in diesem Missionsland sein. Sie könnten eine christliche Kultur im Kleinen leben, und für die vielen Unzufriedenen und vom Modernismus innerhalb und außerhalb der Gotteshäuser enttäuschten Menschen ein Zufluchtsort werden.

Andererseits:

Kommt es zum Schisma, wird die katholische Kirche in Deutschland von ihren derzeit 25 Millionen Mitgliedern mindestens 90% verlieren. Damit entfielen auch Einnahmen in Höhe von mehr als 90% der derzeitigen Einkünfte der Kirche, oder gar mehr, falls die Kirche sich dann entschlösse, keine Kirchensteuer mehr zu nehmen. Damit wäre es nicht länger möglich, ein ausgesdehntes Netz karitativer Vereinigungen oder Mission in anderen Ländern zu unterhalten. Es wäre eine Kirche, die vermutlich gerade genug Finanzmittel hätte, um den Gläubigen die Messe und die Sakramente zu bringen. Und mehr noch, der Verlust vieler Millionen Schäfchen würde das ohnehin gefährdete Seelenheil der Betroffenen noch weiter bedrohen, da außerhalb der Kirche kein Heil ist – ein gewichtiges Argument. Zudem kann man davon ausgehen, da die Reformkatholiken langsam aussterben, dass sich das Problem in 30 bis 40 Jahren von selbst gelöst haben wird. (Father Z nennt das „biologische Lösung“) Je länger ein formales Schisma herausgezögert wird, so könnte man argumentieren, umso schwächer wird die Position der Neo-Reformatoren.

Also:

Ich bin mir aufgrund widerstreitender Argumente nicht ganz sicher, ob ein Schisma nicht gut für die Kirche wäre. Dass es aber irgendwann kommen muss, einfach weil sich Verbandselite und Bischöfe immer weiter von Rom entfernen, daran habe ich keinen Zweifel. Wie auch immer die weiteren Entwicklungen verlaufen werden, wir sollten für alle Verantwortlichen für den Kurs der deutschen katholischen Kirche beten und dabei immer den Wunsch des Heiligen Vaters nach „Ent-Weltlichung“ der Kirche, nach Lösung von weltlicher Gewalt, beherzigen.

Vertrauen wir auf Jesus Christus, nicht auf die weltliche Macht der Gremien.

Ihr wollt Strukturreformen? Könnt ihr haben!

Liebe Reformkatholiken!

Ihr fordert ständig Strukturreformen in der deutschen katholischen Kirche. Ich stimme mit euch überein, dass die derzeitigen Strukturen marode und morsch sind. Lasst uns also mutig im Heute reformieren, um Kirche wieder produktiv für ihren eigentlichen Zweck zu machen.

Hier ein kleiner Denkanstoß für echte Strukturreformen, die, darin sind wir uns einig, dringend erforderlich sind:

1. Abschaffung der Kirchensteuer. Stattdessen sollten alle kirchlichen Unternehmungen durch Spenden der Gläubigen finanziert werden.

2. Auflösung oder wenigstens Neuverhandlung aller Verträge der Kirche mit der Bundesrepublik Deutschland, die die Handlungsfreiheit der ersteren beschränken. (Wenn der Erzbischof von Berlin vor dem Regierenden Bürgermeister einen Treueeid schwören muss, ist das Maß voll. In der Kirche darf es keine Loyalitätskonflikte zwischen weltlicher und kirchlicher Gewalt geben.) Ziel ist umfassende Handlungsfreiheit der Kirche in Deutschland ohne Rücksicht auf weltliche Mächte.

3. Abschaffung von Gemeinderäten, Liturgieräten und allen anderen derartigen Strukturen auf Gemeinde- oder Pfarreiebene. (Idealerweise auch auf Diözesanebene) Stattdessen soll es in jeder Gemeinde eine vom Pfarrer auszuwählende Person geben, die für die notwendige Bürokratie zuständig ist. Der Pfarrer soll sich wieder ganz auf sein „Kerngeschäft“ (Spendung der Sakramente, Verbreitung des Glaubens, bestimmte Arten der Seelsorge) beschränken können.

4. Zusammenlegung von Gemeinden, so dass jeder Priester für genau eine Gemeinde zuständig ist. Weitere Wege für Gläubige sind akzeptabel – man kann ja statt Pfarrgemeinschaften einfach Fahrgemeinschaften gründen.

5. Sicherstellen, dass alle Bischöfe vom Papst bestimmt werden können – keine Vorschlagslisten oder sonstige Methoden zur Verwässerung der Auswahl. Der Papst sollte bei seiner Auswahl nicht von lokalkirchlichen Machtpolitikern eingeschränkt werden können. Gegenteilige Absprachen oder Traditionen sind abzuschaffen.

6. Auflösung der Bischofskonferenzen. Es ist lächerlich, dass, gerade in der globalisierten Welt, die Bischöfe eines Nationalraums faktisch als Einheit gesehen werden. Das Konferenzwesen hat sich nicht bewährt. Jeder Bischof ist für seine Diözese zuständig; wenn alle Bischöfe für alle Diözesen zuständig sind oder auch nur zu sein scheinen, ist niemand mehr für irgendetwas zuständig.

7. Priesterseminare unter Diözesanaufsicht stellen. Alle Priesterseminare müssen vollständig aus den staatlichen Universitäten herausgelöst werden. Stattdessen sollte es eine Handvoll Seminare in Deutschland geben, die direkt von den Diözesen selbst durch Spenden betrieben werden. Nicht jede Diözese braucht ihr eigenes Seminar, da manche kaum Priesteramtskandidaten haben. (Höchstens ein Seminar pro 100 Seminaristen.)

8. Alle Mitarbeiter der Kirche auf Gemeinde- oder Diözesanebene sowie im Bereich der karitativen Tätigkeiten müssen einen speziellen Eid der Treue zu Papst und Lehramt schwören, wenn sie weiter tätig bleiben wollen. Es ist notwendig, dass die katholische Kirche in allen Tätigkeitsbereichen wieder erkennbar katholisch wird – und ohne Einheit mit dem Papst und dem Lehramt ist keine Katholizität zu haben.

Werdet Ihr diese Strukturreformen bei eurem nächsten Treffen diskutieren? Oder wird es wieder nur um diese alten konservativen Zöpfe wie Gegnerschaft zu Zölibat, Priestertum, Kirche und Sakramenten gehen?

Wer hat das Kirchensteuer in der Hand?

Nach dem Papstbesuch geht nun die Schlacht um die korrekte Interpretation seiner Worte los. Erzbischof Zollitsch hat, laut kath.net, behauptet, der Papst habe nichts gegen die Kirchensteuer einzuwenden. Regelmäßige Leser dieses Blogs wissen, dass ich den Erzbischof von Freiburg schon früher öfters kritisiert habe. Und auch diesmal komme ich nicht umhin, dem Erzbischof mitzuteilen, dass der Papst ganz sicher nicht der Auffassung ist, das deutsche Kirchenfinanzierungsmodell sei wunderbar und nicht reformbedürftig.

Ob es uns gefällt oder nicht, die faktische Entscheidungsmacht trägt derjenige, der das Geld in der Hand hat. Fast 90% der Katholiken in Deutschland sind, gemessen am Kirchenbesuch schlicht kirchenfern, aber sie sind für die überwältigende Mehrheit der Kirchensteuersumme verantwortlich. Das bedeutet: In Deutschland lebt die Kirche größtenteils vom Geld derjenigen, die nicht viel von der Kirche halten, die sie lieber als Zeitgeistreligion neu erfinden möchten, die wollen, dass die Kirche ihnen nach dem Mund redet, statt sie mit der Wahrheit herauszufordern.

Entweder das, oder sie sind einfach apathisch und befassen sich mit dem Thema Kirche und Glaube überhaupt nicht mehr.

Doch wenn etwa 90% des Kirchensteueraufkommens von kirchenfernen Katholiken stammt, dann bedeutet das im Umkehrschluss, dass dieses Geld größtenteils fortfiele, wenn die Zwangssteuer abgeschafft wird. Die nun von der Kirchensteuer befreiten kirchenfernen Katholiken wären mehrheitlich nicht an freiwilligen Spenden interessiert, und selbst wenn, so wäre die Hauptbegünstigte sicher nicht die Kirche, sondern diverse säkulare Hilfsorganisationen, die in der Gunst der Mehrheit stehen.

Es ist also nicht zu übersehen, dass der Lebensstil der heutigen Hauptamtlichen (und auch der geweihten Priester) massiv bedroht wäre, sobald die Kirchensteuer abgeschafft würde. Ebenso müssten auch die ganzen „karitativen“ Gruppen (deren katholisches Profil entweder ziemlich blass ist oder ganz geleugnet wird) kürzer treten. Die Kirche müsste sich wieder auf ihr Kerngeschäft beschränken, überschüssiges Personal abbauen, das derzeit noch mit der endlosen Produktion von Dokumenten und Gremiensitzungen beschäftigt gehalten werden kann, sich radikal entbürokratisieren und verschlanken. Vielleicht wäre es sogar wieder möglich, eine Kirche zu erreichen, die sich weniger an Umfragen ausrichtet als am Evangelium (doch das wäre wohl arg utopisch).

Wenn der Papst von Ent-Weltlichung spricht, davon, dass die Kirche sich weniger weltlichen Besitztümern verpflichtet wissen müsse, dann hat er vollkommen Recht. In dieser Hinsicht können wir von den Katholiken anderer Kontinente sehr viel lernen. Doch nicht nur exzessive Besitztümer charakterisieren die Welt, sondern auch eine ganz gewisse Mentalität, die ich schon oft an dieser Stelle mit dem Begriff „Zeitgeist“ charakterisiert habe, eine Mentalität, der neuesten Mode hinterherzulaufen, weil sie neu ist, nicht weil sie wahr und gut ist. Sowohl Besitztümer, Reichtümer, die finanzielle Basis der Kirche, als auch ihre Verwurzelung im bequemen Chefsessel der höflichen Gesellschaft mit ihren kleinen politisch korrekten Dogmen und Orthodoxien müssen dringend erschüttert werden.

Dies ruft den Widerstand der Hüter des Status Quo auf den Plan – welche sich natürlich als „fortschrittlich“ sehen, während sie zugleich jede wirkliche Reform eifrig blockieren. Die Hüter des Jetztzustands sehen sich selbst immer als fortschrittlich, weil sie glauben, dass die Geschichte in ihre Richtung läuft. Wahre Revolutionäre sind immer unbeliebt, nicht respektabel, und werden von der Mehrheit und Elite immer belächelt, wenn nicht verachtet oder zuweilen gar verfolgt. Wahre Revolutionäre sind anfangs immer unpopulär und in der höflichen Gesellschaft inakzeptabel – bis ihre Ideen Verbreitung gefunden haben, bis sie sich durchgesetzt haben. Erst dann werden sie respektabel.

Das ist der Weg jeder friedlichen Revolution in der Weltgeschichte – erst unpopulär, belächelt, verfolgt, dann mehr und mehr akzeptabel, dann selbstverständlich. Nicht umgekehrt. Wer dem Zeitgeist hinterhereilt, der wird ihn niemals einholen, er wird immer hinter der Zeit sein, er wird immer unmodern bleiben. Nur wer unabhängig vom Zeitgeist und den Ansichten von Mehrheit und Elite mit Überzeugung die Wahrheit spricht, der kann vielleicht überzeugen. Und dann wird er (im nachhinein) als Reformer oder Revolutionär gesehen.

Heute halten die meisten Menschen die Ideen der Französischen Revolution für gut, richtig und selbstverständlich. Doch das war nur möglich, weil die Revolutionäre von 1789 eben NICHT sich dem herrschenden System von Adel, Privilegien, Königtum und Kirche angepasst haben. Sie sind nicht dem Zeitgeist hinterher gelaufen, also konnten sie einen neuen Zeitgeist schaffen, dem dann die ANDEREN hinterherzueilen unternahmen.

Dasselbe gilt auch für die 1968er. „Freie Liebe“ und all die anderen Parolen waren 1968 noch längst nicht akzeptabel. Sie richteten sich gegen den damaligen bürgerlichen Zeitgeist, und konnten so einen neuen Zeitgeist schaffen, hinter dem heute die Bürgerlichen herlaufen, ohne ihn jemals einzuholen.

Egal was man von den Zielen der Revolution oder ihren zuweilen unmoralischen Methoden halten mag – und ich halte nicht viel von beiden – sie konnten nur Erfolg haben, weil sie sich widerborstig dem Zeitgeist entgegengestellt haben, um einen neuen Zeitgeist zu schaffen.

Von dieser Methode kann man lernen.

Die Kirche kann nur dann wieder gesellschaftlich relevant werden, wenn sie der Gesellschaft eine Alternative zum derzeitigen besinnungslosen Wettlauf um Geld, Macht, Spaß und Sex entgegenstellt. Und dann werden die von den leeren Versprechen der Welt Enttäuschten einen Zufluchtsort haben, an dem sie eine Heimat finden können.

Um aber dieses Niveau an Unabhängigkeit gegenüber der Welt zu erreichen, darf die Kirche keinerlei Verquickungen mit einem Staat haben, der mehr und mehr zum Knecht der radikalen Elemente des Säkularismus wird. Ebenso darf sie nicht von den Bevölkerungsschichten abhängen, die letztlich keine Loyalität zur katholischen Kirche haben, sondern nur zu einem verweltlichten Idealbild ihrer medial angeheizten Vorstellungskraft. Nur eine unabhängige Kirche kann die Welt verändern, und nur eine entweltlichte Kirche kann unabhängig sein.

Doch wie soll sich die Kirche in Deutschland entweltlichen, solange sie finanziell am Tropf der vollkommen verweltlichten Mehrheit hängt?

Erzbischof Zollitsch realisiert das wahrscheinlich auch – dumm ist er ja nicht. Das lässt dann allerdings sein Verhalten in einem anderen, weniger positiven, Licht erscheinen.