Erziehung als Kulturkampf (Teil 4/4)

Es folgt der vierte und letzte Teil des Essays „Erziehung als Kulturkampf“. Hier geht es zum ersten, zweiten und dritten Teil.

10. Bildung als Formung der Person

Erziehung ist mehr als Betreuung, und jetzt, in einem nächsten Schritt, sehen wir, dass Bildung wiederum noch mehr ist als Erziehung. Bildung basiert auf Erziehung. Erziehung initiiert das Kind in eine kulturell-kultische Ganzheit; Bildung „bildet“, also „formt“ den Menschen, und ganz besonders seinen Geist. Natürlich gehört dazu auch das Lernen von „Kompetenzen“ und „Wissen“, doch liegt hier nicht der eigentliche Mittelpunkt von Bildung. Bildung ist die Formung der vom Erzieher geführten Persönlichkeit. Der Erzieher führt das Kind zu dem gewünschten geistigen Ort, und dabei wird dieses Kind durch Bildung geformt. Erziehung und Bildung lassen sich also überhaupt nicht trennen. Jeder Akt der Bildung ist immer auch ein Akt der Erziehung. Und weil Erziehung niemals moralisch und religiös neutral ist, ist auch Bildung niemals moralisch und religiös neutral. Deswegen kann es auch keine staatliche Bildung in der pluralistischen Gesellschaft geben, ohne dass dadurch wieder der erwähnte Kulturkampf aufbricht.

11. Folgerungen

Damit sehen wir, dass die pluralistische Gesellschaft, die nach den jungen Kindern greift, die noch nicht in die Schule gehen, die Initiation dieser Kinder in eine relativistische Situation durchführt, die mit der katholischen Situation inkompatibel ist. Der Katholik kann daher seine Kinder keiner staatlichen oder staatlich kontrollierten „Betreuung“ anvertrauen, weil besagte Betreuung immer Erziehung ist, und speziell relativistische Erziehung.

Doch wir sehen ferner, dass dasselbe auch für staatliche Bildung, wie sind an Schulen angeboten wird, gilt. Der Katholik kann aus denselben Gründen auch nicht akzeptieren, dass seine Kinder an staatlichen Schulen gebildet werden, also eine Formung von Geist und Charakter erhalten, die selbst wieder relativistische Züge trägt, weil sie nicht anders kann, als auch erzieherisch wirksam zu sein.

Als Katholiken müssen wir daher prinzipiell staatliche Bildung, die sich „wertneutral“ oder „religiös neutral“ darstellt, ablehnen, weil sie Initiation in eine falsche Kult-Kultur-Ganzheit ist, damit einer Apostasie vom wahren Glauben Vorschub leistet, und dadurch die Seelen unserer Kinder in die ernstliche Gefahr des ewigen Todes bringt.

Als Alternativen bleiben kirchliche und private Schulen, sofern ihre erzieherische Initiationsrichtung zumindest weitgehend kompatibel mit der Katholischen ist, und, in dem freien Teil der Erde, selbstverständlich auch der Heimunterricht, der in unfreien Staaten wie Deutschland selbstredend verfolgt wird, weil der Staat keine „Parallelgesellschaften“, also keine nicht-relativistischen Kulturganzheiten neben sich dulden kann – was für Totalitarismen aller politischen Richtungen sehr typisch ist. Der Katholik muss versuchen, eine schulische Nische zu finden, in der die Initiationsrichtung nicht zu weit vom Katholizismus entfernt ist. In einem Land, in dem die natürlichen elterlichen Freiheiten so stark beschnitten worden sind, wie in Deutschland, stellt schon das eine schwere Aufgabe dar, doch sie ist noch nicht unlösbar. Es gibt immer noch gute Schulen, wenn sie auch selten sind.

Für die vorschulische Zeit ist jedoch, von genuinen Notsituationen abgesehen (und einmal keinen Urlaub machen zu können, zählt nicht als Notsituation!), von einer „Betreuung“ außerhalb des Elternhauses generell abzuraten. Die Schaffung des tiefen Vertrauens, die, wie wir gesehen haben, eine wesentliche Voraussetzung für erfolgreiche Erziehung und Bildung ist, hat in den ersten Lebensjahren unbedingten Vorrang. Dies muss geleistet sein, bevor das Kind ins Schulalter kommt, und dies können nur die Eltern des Kindes leisten, besonders die Mutter, die das Kind eben nicht der Selbstverwirklichung wegen verlassen sollte.

Die hier für den Katholiken dargelegten Erwägungen treffen natürlich auch für den Anhänger einer anderen wahrheitsfähigen Religion zu, also für alle ernsthaften Christen, Moslems und (orthodoxen) Juden.

12. Schlussbemerkung: Erziehung zum Seelenheil

Die aktuelle Debatte um die Erziehung von Kindern in Kitas ist daher ein weiterer schwerwiegender Angriff auf die katholische Religion der Kinder katholischer Eltern, und aller anderen, die von ihrer Religion ernsthaft überzeugt sind, und daher ein weiterer widerwärtiger Akt im Kulturkampf, den die relativistischen Eliten gegen die westliche Kultur von Athen, Rom und Jerusalem führen.

Die Forderung nach einer Kitapflicht oder einer Kindergartenpflicht ist als Angriff auf die wahre Religion katholischer Kinder zugleich auch ein schwerwiegender Angriff auf das Seelenheil katholischer Kinder. Und wir wissen, woher Angriffe dieser Art in letzter Konsequenz kommen, und wie wir ihnen begegnen können.

Sancte Michael Archangele,
defende nos in proelio;
contra nequitiam et insidias diaboli esto praesidium.
Imperet illi Deus, supplices deprecamur:
tuque, Princeps militiae Caelestis,
satanam aliosque spiritus malignos,
qui ad perditionem animarum pervagantur in mundo,
divina virtute in infernum detrude.
Amen.

Erziehung als Kulturkampf (Teil 3/4)

Es folgt der dritte Teil des Essays „Erziehung als Kulturkampf“. Hier geht es zum ersten und zweiten Teil.

7. Folgen staatlicher Kindererziehung

Was passiert nun, wenn ein Staat nach den Kindern greift? Da es keine religiöse und moralische Neutralität gibt, wird der Staat – bewusst oder unbewusst – eine ganz bestimmte religiöse und moralische Initiation, ein tief im Menschen sitzendes Grundverständnis von Kult, Kultur und Moral erschaffen und in den Kindern, die ihm anvertraut sind, verankern. Dasselbe gilt auch für den Erziehenden, der formal privat ist, aber der staatlichen Lizenz bedarf und staatliche Regulierung des Inhalts seiner Erziehungstätigkeit zu befolgen hat.

In der DDR hat der Staat das absichtlich getan, um die Kinder zu guten Sozialisten zu erziehen. Doch selbst wenn er gar keine Indoktrination beabsichtigt, kann er nicht anders als zu erziehen, bewusst oder unbewusst, wenn ihm die Kinder anvertraut sind.

Nehmen wir den pluralistischen Staat an, der es wirklich nur gut meint, und keine Indoktrination beabsichtigt; nehmen wir also den bestmöglichen Fall an. Seine Erziehung im Geiste der religiösen und moralischen Neutralität ist eine Fiktion, weil es keine wahre Neutralität gibt, wie wir gesehen haben. „Alle Religionen sind gleichermaßen privat“ und „Moral ist Privatsache“ sind nicht neutral, sondern indifferentistisch. Sie sind ebenfalls Teil einer ganz bestimmten Kult-Kultur-Ganzheit, nämlich einer Kultur des Pluralismus und Indifferentismus, die sich in Abgrenzung zu anderen Ganzheiten derselben Art definiert. Man könnte diese Ganzheit als „Relativismus“ bezeichnen.

8. Sieg staatlicher Initiation – Entrechtung der Eltern

Die Initiation in den Relativismus schließt eine gleichzeitige konfliktfreie Initiation in eine andere Kult-Kultur-Ganzheit aus. Man kann nicht zugleich zum Relativisten und zum Katholiken erzogen werden. Es kommt hier zu unauflöslichen Konflikten, zu Widersprüchen. Wer wird sich durchsetzen? Der, der den stärksten Einfluss auf das Kind hat. Wer ist das? Der Erzieher, dessen Initiationsrichtung identisch mit derjenigen der Massenmedien, der meisten Gleichaltrigen und der meisten sonstigen Einflüsse ist, die auf das Kind einwirken. Die Eltern, die das Kind an so manchem Abend sehen, werden da wenig gegen tun können. Sie sind damit faktisch entmachtet und entrechtet worden.

Die staatliche Kindererziehung ist also immer gleichbedeutend mit Initiation in die herrschende Kultur, die immer auch zugleich Initiation in den herrschenden Kult und die herrschende Moral ist. In der heutigen Gesellschaft sind dies die relativistische Kultur, die Religion subjektiver, scheinbar moralfreier Spiritualität, und die Moral, die den höchsten Wert in subjektiver Zufriedenheit sieht. Die Initiation in die durch diese Merkmale beschriebene gesellschaftliche Situation ist notwendige Folge staatlicher Kindererziehung in der heutigen Gesellschaft.

Die gesellschaftliche Situation, d.h. der geistige Ort, an dem die Person sich nach erfolgter Initiation befinden wird (sich situiert haben wird), ist je nach Kult-Kultur-Ganzheit dramatisch verschieden. Im Fall der Opposition zwischen modernem Relativismus und Katholizismus ist dieser Gegensatz besonders eklatant, da die Gegensätzlichkeit in allen drei Dimensionen der Initiation – Kultur, Kult und Moral – äußert.

Erziehung ist, wie schon gesagt, Initiation in eine Kulturganzheit, und daher in einer Gesellschaft, in der mehrere Kulturen koexistieren müssen, immer entweder privat oder Gegenstand eines Kulturkampfes.

9. Erziehung als Kulturkampf

Staatliche Kindererziehung ist also in der pluralistischen Gesellschaft immer ein Kulturkampf, weil der Staat nur in eine Kulturganzheit initiieren und nur eine Situiertheit anstreben kann. Dieser Kulturkampf ist nicht von den Katholiken begonnen worden, weil die Katholiken nicht nach der Verstaatlichung der Kindererziehung gerufen haben. Aber die Katholiken müssen ihn kämpfen, weil es hier nicht nur um Kultur, sondern auch um Moral; nicht nur um Moral, sondern auch um den Kult, d.h. den wahren Glauben, die wahre Religion, geht. Und weil ohne diese wahre Religion das ewige Seelenheil der Kinder in Gefahr ist.

Wir sehen heute, wie man von „Betreuung“ spricht, die die Kinder in Kitas erhalten sollen. Der Erziehungsbegriff, den die progressivistischen Eliten uns aufzwingen wollen, ist ein auf Betreuung beschränkter Begriff, weil die Initiation in eine materialistische Kultur erfolgen soll, in der die höchsten Werte selbst wieder materiell sind. Materielle Dinge können Betreuer leisten. Da die gewünschte Erziehung einen materialistischen Menschen hervorbringen soll, braucht der Erzieher nicht mehr zu tun, als zu betreuen. Doch für uns ist Erziehung mehr als Betreuung, weil der Mensch kein Materiehaufen ist, sondern eine Person, ein einzigartiges Geschöpf aus Körper und Seele, Materie und Geist, in dem beide Aspekte fest miteinander verwoben sind, so dass sie sich nur durch den Tod trennen lassen.

Der Betreuer ist schon seinem Namen nach immer ein Materialist. Er kann nicht anders, es sei denn, er wollte mehr tun als einem Betreuer zusteht, und zu einem sich selbst als ein solcher verstehenden Erzieher werden.

Soweit der dritte Teil des Essays „Erziehung als Kulturkampf“. Der vierte und letzte Teil wird voraussichtlich morgen veröffentlicht.

Erziehung als Kulturkampf (Teil 2/4)

Es folgt der zweite Teil des Essays „Erziehung als Kulturkampf“. Der erste Teil findet sich hier.

3. Zweitrangigkeit materieller Faktoren

Noch weniger heißt das, dass die Bildungsergebnisse nach den Maßstäben der schulischen Tests und beruflichen Leistungen nicht womöglich durch die Kita verbessert werden können. Vielleicht kann man durch systematische Abrichtung der Kinder auf die Aneignung karrierenützlicher Kenntnisse tatsächlich erreichen, dass die Kinder nach dem Maßstab der Welt im Durchschnitt besser sind, als daheim erzogene Kinder. Ich bezweifle es, aber ausschließen kann ich es nicht.

Doch darauf kommt es auch gar nicht in erster Linie an. Der Zweck von Bildung besteht nicht in erster Linie in der Erlangung möglichst hohen ökonomischen oder schulischen Erfolgs. Bildung ist nicht für den Arbeitsmarkt, sondern für den Menschen da. Wenn Kinder, die bei ihren Eltern aufgewachsen und von ihnen erzogen worden sind, tatsächlich schlechter in der Schule und später auf dem Arbeitsmarkt zurecht kommen sollten, dann wäre das ein notwendiger Preis für die Rettung der ganzheitlichen, wahren Bildung, die den ganzen Charakter, die ganze Person erfasst, und die in der Kita im Normalfall einfach nicht möglich ist.

Um es noch einmal zu wiederholen: Ich bin davon überzeugt, dass daheim erzogene Kinder auch auf dem Arbeitsmarkt besser prosperieren werden, als die gezüchteten Ameisenmenschen aus der Kita-Legebatterie. Aber selbst wenn nicht, selbst wenn alle daheim erzogenen Kinder zu einem Leben in bitterer Armut verdammt wären, wäre dies kein Argument für die Kita, sondern ein Argument für den Wert der Armut.

Ein ganz armer Mensch mit einem reichen Charakter ist tausendmal besser als ein ganz reicher Mensch mit einem armen Charakter.

Und ein reicher Charakter kommt meistens dann zustande, wenn das Kind erzogen, und nicht nur betreut wird. Worin besteht der Unterschied?

4. Erziehung als teleologischer Begriff

Betreuung ist, wie oben beschrieben, der Vorgang, durch den das Kind alles bekommt, was es materiell braucht. Es wird versorgt. Alle seine messbaren Bedürfnisse werden erfüllt.

Erziehung ist vollkommen anders gelagert. Ein Kind zu erziehen (educare) bedeutet, das Kind zu führen. Doch wenn man jemanden führen will, muss man zuerst sein Vertrauen erlangen, sonst wird er nicht mitkommen. Und mehr noch: Wenn man jemanden führen will, muss man wissen, woher man kommt, und vor allem wohin man will. Erziehung ist immer Weg zu einem Ziel. Erziehung ist wesentlich teleologisch, auf einen bestimmten Zweck gerichtet. Daher gibt es auch keine wertneutrale Erziehung. Jede Erziehung ist Werteerziehung. Jede Erziehung ist moralische Erziehung.

Man muss sich ferner darüber klar werden, dass man nicht nicht erziehen kann. Jeder Kontakt mit dem Kind ist Erziehung. Wenn man nicht weiß, wohin man das Kind führen möchte, führt man es ziellos. Man ist dann ein schlechter Erzieher.

5. Erziehung als ganzheitliche Initiation

Gehen wir jetzt einen Schritt weiter: Erziehung ist nicht nur Führung, sondern Führung zu einem ganz bestimmten Ziel. Doch Erziehung ist mehr als dies. Sie ist immer Initiation. Wer ein Kind erzieht, führt es ein, und zwar in eine Kultur. So wie moralische Überzeugungen niemals bloß individuell, sondern immer kulturell verwurzelt sind, und wie ein Glaube in Abwesenheit einer religiösen Gemeinschaft meist nicht lange fortbestehen kann, so gibt es auch keine Erziehung ohne Initiation in eine Gemeinschaft. Das erzogene Kind ist initiiert in die Geheimnisse der Kultur, in der es leben soll.

Das, wodurch ein Mensch initiiert wird, nennt man einen Ritus, nämlich einen Initiationsritus. Es ist sehr treffend, dass Kultur und Kult so eng verbunden sind – beide sind rituell. So wie man durch kultische Riten in eine religiöse Gemeinschaft aufgenommen wird, so wird man durch kulturelle Riten in die weltliche Gemeinschaft aufgenommen. Es gibt keine totale Trennung von Kultur und Kult, weil es derselbe Mensch ist, der sowohl kulturell als auch kultisch agiert. Es gibt daher auch keine totale Trennung von kultischer Initiation und kultureller Initiation. Deswegen ist jede Erziehung zumindest teilweise Erziehung zum Kult, also religiös. Es gibt also auch keine religiös neutrale Erziehung.

Unter Erziehung verstehen wir also einen Prozess, durch den der Mensch in die Gesamtheit aus Kult und Kultur seiner Gesellschaft initiiert wird, indem er die Geheimnisse (Mysterien) seiner Kult-Kultur-Ganzheit lernt. Dieser Prozess ist immer zugleich moralisch und religiös.

6. Problem des Pluralismus

Daraus folgt sofort, dass in einer pluralistischen Gesellschaft (der Gesellschaft, in der viele Kulte und Kulturen nebeneinander bestehen) niemals Einigkeit über die Erziehung der Kinder herrschen kann, weil keine Einigkeit über die Natur der notwendigen kulturellen, moralischen und kultischen Initiation vorliegt. Diese Fragen ausklammern zu wollen, indem man sie zur Privatsache erklärt, ist die Lösung der Liberalismus. Doch damit verunmöglicht man Erziehung grundsätzlich. Es gibt keine liberale Erziehung, weil es keine religiös und moralisch neutrale Erziehung gibt. Entweder das Kind wird durch die Erziehung in Kult und Kultur des Liberalismus initiiert – wobei der Liberalismus auch eine ganz bestimmte Weltanschauung ist, die Agnostizismus und eine ganz spezifische Kultur in sich fasst – oder es wird gar nicht bewusst erzogen, was wieder die Situation bloßer Betreuung schafft (also unbewusste Erziehung in rein materieller Weise)

Kinder staatlich zu erziehen ist daher nur in einer kultisch und kulturell homogenen Umgebung möglich. Es ist auch nicht praktikabel, die kultischen Aspekte von der sonstigen Erziehung zu separieren und in einen „Religionsunterricht“ auszulagern, weil Kult und Kultur eben nicht zwei unabhängige Aspekte sind, sondern sich gegenseitig durchdringen. Das eine geht nicht ohne das andere. Die Initiation des Kindes in die eine Welt ist nicht denkbar, solange sie nicht die korrespondierende andere Welt ebenfalls in sich fasst, weil eine andere Kultur zu einem anderen Kult und ein anderer Kult zu einer anderen Kultur führt. Erziehung kann also nur „ganzheitlich“ sein, also alle „Subsysteme“ des Menschen gleichzeitig betreffen. Entweder der ganze Mensch wird initiiert, oder der Mensch wird gar nicht initiiert.

Soweit der zweite Teil des Essays „Erziehung als Kulturkampf“. Der dritte Teil wird voraussichtlich am Montag veröffentlicht.

Erziehung als Kulturkampf (Teil 1/4)

Einleitung: Eine unheilige Kraft

Immer wieder hört man von den Anhängern der Fremdbetreuung von Kindern, man wolle den Kindern bereits frühzeitig Bildung vermitteln. Die Ministerprasidentin von NRW, Hannelore Kraft (SPD) bekannte sich gegenüber der Frankfurter Allgemeinen eindeutig zu der Absicht, langfristig alle Kinder ab dem ersten Lebensjahr zu „verkrippen“.

Kraft sagte der F.A.S., die SPD sei sich mit der CDU bisher darin einig gewesen, dass Bildung in der Kita beginnen müsse. „Dann müssen wir auch sicherstellen, dass alle Kinder da sind.“

Das Ziel ist also klar: Alle Kinder sollen ab dem ersten Lebensjahr in der Kindertagesstätte „betreut“ werden. Zuerst wird man es mit freiwilligen Angeboten versuchen. Doch inzwischen wird auch offen über einen Krippenzwang diskutiert, und zwar „sachlich“, wie Cem Özdemir demselben Artikel zufolge forderte.

Was steckt dahinter? Einerseits natürlich der übliche radikale Feminismus, der die Mobilisierung aller Frauen für den Arbeitsmarkt als Hauptziel der „Emanzipation“ sieht. Mit anderen Worten: Erst wenn die Frau wie der Mann geworden ist und ihre Mutterrolle als veralteten kulturellen Ballast abgestreift hat, kann sie wirklich frei sein. Diesen Feminismus, der den Mann ganz chauvinistisch als von Natur aus überlegen sieht, und möchte, dass Frauen ihrer Weiblichkeit und Mütterlichkeit entsagen, um sich zu vermännlichen, findet man in allen relevanten politischen Parteien der Bundesrepublik. Doch um ihn soll es in diesem Artikel auch gar nicht gehen.

1. Die Möglichkeiten der Betreuung

Es steckt nämlich noch einiges mehr hinter dem Kitawahn der progressivistischen Eliten. Bildung sollen die Kinder erlangen, die man in die Kita einweist. Es ist seltsam, wie verformt ein Bildungsbegriff sein muss, bevor man ernsthaft glauben kann, man könne in einer Kita, einem Kindergarten oder einer staatlichen Schule „Bildung“ erlangen. Tatsächliche Bildung ist nämlich immer ganzheitlich, das heißt es geht nicht um die Vermittlung von „Kompetenzen“ oder „Kenntnissen“ für sich genommen, sondern um die Bildung der ganzen Persönlichkeit, des ganzen Charakters, des ganzen Menschen.

Der oft verwendete Begriff „Betreuung“ ist gänzlich unzureichend, um das zu beschreiben, was die Eltern mit dem Kind tun, wenn sie sich selbst darum kümmern. „Betreuen“ können Kitas die Kinder jederzeit. Dazu sind keine besonderen Voraussetzungen notwendig. Ein „betreutes“ Kind erhält alles, was es zum Leben wissenschaftlich gesehen braucht. Es bekommt Nahrung, Wasser, falls sinnvoll ein Bett, pädagogisch und psychologisch wohl ausgewählte Spielsachen, Kontakt mit anderen Personen, darunter Betreuerinnen, die wissenschaftlich verantwortete Zuneigungsplacebos absondern, um dem Kind die benötigte Zuneigung wenigstens vorspiegeln zu können; ferner Kompetenzen und Fähigkeiten, und später, wenn es älter ist, schulisches Wissen. Das Kind erhält, klinisch rein, alles, was es „objektiv“ betrachtet braucht. Das ist der Idealfall einer außerfamiliären „Betreuung“. Im Regelfall liegen die Dinge natürlich nicht so gut. Die Betreuer sind unzufrieden, manche unfähig, die Gruppen zu groß, die Umgebung nicht so wunderbar pädagogisch wertvoll, wie sich die kinderlosen Pädagoginnen ausgedacht haben usw.

2. Keine Bildung ohne Vertrauen

Es fehlt aber alles, was man als wahre Bildung bezeichnen kann, als Bildung im oben erwähnten ganzheitlichen Sinn. Eine solche Bildung beginnt immer mit dem, was man „Vertrauen“ nennt. Es handelt sich dabei nicht um die Art rationalen Vertrauens, den ein Erwachsener, oder ein älteres Kind, einer anderen Person entgegenbringt, weil man sich darauf verlassen kann, dass der andere sich auch an die Spielregeln halten wird. Es ist ein „Urvertrauen“. Kinder können ohne dieses Urvertrauen überhaupt gar keine ganzheitliche Bildung bekommen. Doch dieses tiefe Vertrauen kann man durch keine noch so professionelle, universitätsgebildete Betreuerin simulieren. Sie macht ihren Job; wenn sie sehr gut ist, macht sie ihren Job sehr gut. Doch sie liebt die Kinder nicht wie eine Mutter sie liebt – sie ist nämlich nicht die Mutter. Sie ist bloß eine Fremde. Das tiefe Vertrauen fehlt also selbst in der idealen Kita. Da sie ganztägig ist, erlebt das Kind seine Eltern nur als beiläufige Charaktere, die irgendwie auch manchmal da sind, ohne aber zu der Mutter eine ebensolche tiefe Vertrautheit aufbauen zu können, wie es für wahre Bildung bräuchte.

Damit fehlt selbst in der idealen Kita jegliche Voraussetzung für ganzheitliche Bildung. Natürlich heißt das nicht, dass es nicht Fälle geben könnte, in denen Kinder mit der Lage ganz gut klarkommen und keine Schäden davontragen. Ausnahmen bestätigen im Umgang mit Menschen immer die Regel – es gibt keine exakte Wissenschaft vom Menschen.

Soweit der erste Teil des Essays „Erziehung als Kulturkampf“. Der zweite Teil wird voraussichtlich morgen veröffentlicht.

Die kinderfeindliche Betreuungslüge

Durch Zufall stieß ich auf dem Osnabrücker Bistumsblog auf einen Artikel zum Thema Kinderlosigkeit in Deutschland, las ihn, und stellte mir sofort die Frage, warum selbst Katholiken heute so sehr vor einer ernsthaften Betrachtung des Problems zurückscheuen. Stattdessen arbeitet man sich auch auf dem „Bistumsblog“ an den üblichen Orthodoxien der Politischen Korrektheit ab. Beispiel gefällig?

Es gibt ein Betreuungsproblem für Menschen mit Kindern. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist noch nicht so gut, wie ich mir das wünsche. Ein Elternteil, meist die Mutter, ist durch die Kleinkindphase deutlich im Erwerbsleben eingeschränkt. Oft ist Kinderbetreuung so teuer, dass ein guter Teil der Einkünfte des teilzeitbeschäftigten Elternteils gleich „weitergereicht“ wird.
All das stimmt, erklärt aber nicht die Geburtenrate.

Lächerlich! Es gibt so kein „Betreuungsproblem“, sondern ein Moralproblem, dessen Ursache im sogenannten Feminismus liegt, der frauenfeindlichsten Ideologie, die den Westen jemals heimgesucht hat. Das Problem wird völlig missverstanden – durch ideologische Verblendung missverstanden – wenn man von „Betreuungsplätzen“ und den armen Frauen schwafelt, die in dem Einzigen „eingeschränkt“ werden, was nach der Ansicht der feministischen Ideologen im Leben überhaupt zählt, der Ersatzgottheit Selbstverwirklichung durch abhängige Erwerbsarbeit. Wie sehr dieser Götze die Gedanken selbst scheinbar katholischer Personen beherrscht, kann jeder sehen, der den verlinkten Artikel des Bistumsblogs von Osnabrück liest.

Die Mutter ist durch ihr Kind „in der Kleinkindphase deutlich im Erwerbsleben eingeschränkt?“ Mag sein. Aber warum wird so getan, als ob es sich dabei um ein Problem handelte? Weil eben doch finanzieller Wohlstand mehr zählt, als das Wohl des Kindes? Weil die Mentalität, Kinder als „Last“ zu sehen, als „Einschränkung“, kurzum als Hindernis eben auch in den Köpfen sogenannter Katholiken steckt? Blasen wir unser Hirn einmal von den engstirnigen, rein diesseitigen, glaubensfernen Wohlstandsdünkeln des Säkularismus und der selbstsäkularisierten Kirche frei!

Wenn Wir nun, Ehrwürdige Brüder, Uns anschicken, die Segensgüter, die Gott in die wahre Ehe hineingelegt hat, darzulegen, so kommen Uns die Worte des gefeierten Kirchenlehrers in den Sinn, dessen fünfzehnhundertjährigen Todestag Wir noch vor kurzem durch Unser Rundschreiben „Ad salutem“[10] festlich begangen haben: „Das alles“, so sagt Augustinus, „sind Güter, um derentwillen die Ehe selbst gut ist: Nachkommenschaft, Treue, Sakrament“.[11] Inwiefern diese drei Worte eine klare und erschöpfende Zusammenfassung der gesamten Lehre über die christliche Ehe bieten, setzt der heilige Kirchenlehrer auseinander, wenn er schreibt: „Die Treue will besagen, daß nicht außerhalb des Ehebundes mit einem anderen oder einer anderen Verkehr gepflegt werde. Die Nachkommenschaft, daß das Kind mit Liebe entgegengenommen, mit herzlicher Güte gepflegt und gottesfürchtig erzogen werde. Das Sakrament endlich, daß die Ehe nicht geschieden werde und der Geschiedene oder die Geschiedene nicht einmal, um Nachkommenschaft zu erhalten, mit einem anderen eine Verbindung eingehe. Das hat als Grundsatz der Ehe zu gelten, durch das die naturgewollte Fruchtbarkeit geadelt und zugleich das verkehrte Begehren in den rechten Schranken gehalten werde.“

Soweit Papst Pius XI. in seiner unverzichtbaren Enzyklika Casti Connubii über die durch die Ehe zu erreichenden und anzustrebenden Güter. Und wenn die selbstsäkularisierten Biederkatholiken einmal so richtig schockiert tun wollen, dann mögen sie jetzt in der Enzyklika weiterlesen:

In der Familiengemeinschaft, deren festes Gefüge so die Liebe ist, muß dann auch die Ordnung der Liebe, wie es der hl. Augustinus nennt, zur Geltung kommen. Sie besagt die Überordnung des Mannes über Frau und Kinder und die willfährige Unterordnung, den bereitwilligen Gehorsam von seiten der Frau, wie ihn der Apostel mit den Worten empfiehlt: „Die Frauen sollen ihren Männern untertan sein wie dem Herrn. Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie Christus das Haupt der Kirche ist.“[32]

Die Unterordnung der Gattin unter den Gatten leugnet und beseitigt nun aber nicht die Freiheit, die ihr auf Grund ihrer Menschenwürde und der hehren Aufgabe, die sie als Gattin, Mutter und Lebensgefährtin hat, mit vollem Recht zusteht. Sie verlangt auch nicht von ihr, allen möglichen Wünschen des Mannes zu willfahren, die vielleicht unvernünftig sind oder der Frauenwürde weniger entsprechen. Sie ist endlich nicht so zu verstehen, als ob die Frau auf einer Stufe stehen sollte mit denen, die das Recht als Minderjährige bezeichnet und denen es wegen mangelnder Reife und Lebenserfahrung die freie Ausübung ihrer Rechte nicht zugesteht. Was sie aber verbietet, ist Ungebundenheit und übersteigerte Freiheit ohne Rücksicht auf das Wohl der Familie. Was sie verbietet, das ist, im Familienkörper das Herz vom Haupt zu trennen zu größtem Schaden, ja mit unmittelbarer Gefahr seines völligen Untergangs. Denn wenn der Mann das Haupt ist, dann ist die Frau das Herz, und wie er das Vorrecht der Leitung, so kann und soll sie den Vorrang der Liebe als ihr Eigen- und Sonderrecht in Anspruch nehmen.

Grad und Art der Unterordnung der Gattin unter den Gatten können sodann verschieden sein je nach den verschiedenen persönlichen, örtlichen und zeitlichen Verhältnissen. Wenn der Mann seine Pflicht nicht tut, ist es sogar die Aufgabe der Frau, seinen Platz in der Familienleitung einzunehmen. Aber den Aufbau der Familie und ihr von Gott selbst erlassenes und bekräftigtes Grundgesetz einfachhin umzukehren oder anzutasten, ist nie und nirgends erlaubt.

So, nachdem die Feministen und Säkularisten unter meinen Lesern jetzt sicher kurz vor einem unkontrollierten Wutanfall oder einem Herzinfarkt stehen, möchte ich jetzt einmal fragen: Wo kommt hier bitteschön irgendetwas, und sei es auch nur in einem Nebensatz, vor, das auch nur irgendwie andeutet, dass es eine unangenehme „Einschränkung“ für die Mutter eines Kindes sein könnte, wenn sie sich auch tatsächlich um die von ihr gezeugten Kinder kümmert, statt sie bei erster Gelegenheit in fremde Hände zu geben, nur damit sie wieder ihre Hände frei für die Dinge hat, die ihr offensichtlich (durch ihr Handeln bezeugt) wichtiger sind als das neue Leben, das Gott ihrer Familie geschenkt hat?

Wo ist die absurde, modernistische Auffassung, es sei beklagenswert, dass es nicht genug Ablagehalden für Kleinkinder gebe und die vorhandenen zu teuer für viele seien, hergekommen? Aus dem Schoße der Kirche? Welcher Papst, welches lehramtliche Dokument, hat jemals gelehrt, es sei gleichermaßen die Aufgabe der Mutter wie des Vaters Geld zu scheffeln? Nur, damit wir uns nicht falsch verstehen: Es gibt Situationen, in denen es nicht anders geht, als dass Vater und Mutter beide ihre Kinder zurücklassen müssen, um ihnen das physische Überleben zu sichern. Aber das gibt es in Deutschland und Westeuropa eben so gut wie nicht! Niemand muss in diesem Lande von einem Einkommen hungern (und wenn doch, dann hat er seine Prioritäten falsch gesetzt). Denn einmal keinen Urlaub machen zu können, oder nur einen Gebrauchtwagen zu besitzen, das ist keine Armut, sondern Wohlstandsgemecker. Armut ist hierzulande relativ – und zwar relativ zu den eigenen Vorstellungen und Ansprüchen.

Doch die ewige „drängt die Frauen in den Beruf“-Arie, jene ewige Leier des Großkapitals zwecks Drückung der Löhne und des Zentralstaats zwecks antikatholischer Indoktrination und Verbildung möglichst vieler Kinder in möglichst frühem Alter, ist nur die Folge einer viel tieferen Krankheit. Der Westen leidet unter einer tiefgreifenden Geschlechterverwirrung, so dass Mann und Frau praktisch als austauschbar erscheinen. Feminismus ist nichts anderes als die Idee, dass Frauen von Männern unterdrückt würden, wann immer sie nicht dieselben Dinge auf dieselbe Weise tun wie Männer. Geht der Mann arbeiten und sieht seine Kinder nur noch nach Einbruch der Dunkelheit, und die Frau nicht, dann sehen die Feministen dies als „Ungleichheit“ und „Benachteiligung der Frau“. Hier sieht man, wie die Rolle des Mannes vom Feminismus zum Ideal erhoben und die Frau als minderwertige Kopie gesehen wird – denn die Frau muss scheinbar immer den Mann nachäffen. Doch das hat die Frau nicht nötig, denn in Wahrheit sind Mann und Frau ihrer Würde nach gleich, Abbilder des einen Gottes. Und gerade deshalb haben sie unterschiedliche Stärken und Schwächen, unterschiedliche Fähigkeiten, und, daraus folgend, logischerweise auch unterschiedliche Funktionen in Familie und Gesellschaft.

Wie Pius XI. es hinreißend suggestiv und zugleich absolut treffend ausdrückt: Der Mann als Haupt und die Frau als Herz der Familie. Kopf und Herz sind beide absolut notwendige Teile des ganzen Körpers. Sie besitzen die gleiche Würde. Aber sie sind eben gerade nicht gleich – und wären sie gleich, so könnte der Körper nicht funktionieren. Beide haben eine wichtige, unersetzliche Funktion, aber nicht die gleiche Funktion. Und wenn das Herz versucht, so zu werden wie der Kopf, dann wird es seine Funktion nicht mehr erfüllen, und der Körper wird sterben. Ebenso, wenn der Kopf versucht, die Funktion des Herzens auszufüllen. Auch hier wird der Körper sterben. Beide sind – in ihrer wunderbaren Verschiedenheit – notwendig.

Exakt dasselbe gilt auch für die Familie. Die Mutter und der Vater sind beide absolut notwendig – keiner von beiden ist verzichtbar. Jedes Kind braucht einen Vater und eine Mutter. Doch auch Vater und Mutter sind nicht gleich, nicht austauschbar. Im Idealfall erfüllt der Vater seine Aufgabe und die Mutter ihre. Die Mutter, das Herz der Familie, hat in der Regel eine besondere Beziehung zu ihren Kindern – immerhin trug sie sie neun Monate unter dem Herzen. Der Vater steht in dieser Beziehung immer etwas außerhalb, aber auch er hat seine unersetzliche Funktion. Er wacht über die Sicherheit und das Wohlergehen dieser engsten Mutter-Kind-Paarung. Das bedeutet in der Erwerbsgesellschaft, dass er für die finanzielle Sicherung vornehmlich verantwortlich ist – und die Mutter eben nur im Notfall. Ist das eine Ungleichheit? Ja, natürlich. Und das ist auch gut so. Denn nicht jede Ungleichheit ist auch eine Ungerechtigkeit. Im Gegenteil – manche Ungleichheiten sind absolut notwendig für die Gerechtigkeit und sogar den Fortbestand der Familie:

Denn wohin die Alternative zu dem hier beschriebenen Familienmodell führt, kann jeder sehen, der sich in Westeuropa umschaut. Es gibt kaum noch Kinder – warum sollte man auch Kinder zeugen? Durch die Verbreitung künstlicher Empfängnisverhütung ist längst in die Köpfe der Gedanke des Kindes als Luxusgut eingezogen (auch wenn sich die üblichen Verdächtigen mit Worten so nicht ausdrücken würden, sie beweisen es durch ihr Tun). Und es fällt auf, dass der Artikel aus dem Bistumsblog die Themen Verhütung und Abtreibung mit keinem einzigen Wort auch nur erwähnt – denn der Autor scheint ja die Auffassung der Feministen vollauf zu teilen, dass man sich Kinder in besonders passenden Momenten des Lebens „anschafft“, wenn sie gerade nicht so sehr stören (sie die Mutter nicht so sehr „einschränken“). Es gibt keinen Grund für Kinder mehr. Warum soll eine Frau sich denn auch eine Schwangerschaft antun, wenn sie ohnehin das Kind so schnell wie möglich wieder an staatliche oder private Verwahranstalten abtreten will, auf dass sie bei den für sie wirklich wichtigen Dingen nicht gestört werde? Warum sollte man Kinder wollen, wenn durch die mutwillige Vernichtung der Ehe und der traditionellen Familie in den letzten 50 Jahren eine Situation entstanden ist, in der man schon am Tag der Hochzeit praktisch auf die kommende Scheidung in einigen Jahren wetten kann? Warum sollte man eine Familie gründen wollen – eine Familie im katholischen Sinne, im Einklang mit der Sittenlehre der Kirche – wenn man ganz offenbar irdische Güter der „Selbstverwirklichung“ höher bewertet als das Gut des Herrn? Eine Familie zu gründen und Kinder aufzuziehen ist schwere Arbeit, wenn man sich Mühe gibt. (Es ist auch keine „Halbtagsstelle“, die man mit Beruf und Karriere „vereinbaren“ müsste.)

Es ist in diesem Zusammenhang auch nicht verwunderlich, dass die Gerichte und die Politik mehr und mehr aktiv gegen die wenigen noch verbliebenen traditionellen Familien mit rechtlichen Mitteln vorgehen – wie bei dem neuesten Skandalurteil des Bundesgerichtshofs gut zu erkennen, über das der Predigtgärtner geschrieben hat.

Doch das Problem sind nicht die Gerichte und die Politik. Sie passen sich nur der herrschenden Mentalität an. Jedes Volk bekommt die Regierung, die es verdient. Der Satz ist zumindest in Wahldemokratien immer und ausnahmslos wahr. Wir haben eine familienfeindliche Regierung, weil die Mehrheit der Wähler (und scheinbar selbst der Bistumsblog von Osnabrück) das Konzept der (traditionellen christlichen) Familie als in sich hinderlich und diskriminierend begreift. (Nicht expressis verbis, aber die entsprechende Mentalität scheint durch). Klar, manche bekommen immer noch Kinder. Und einige von ihnen sind sogar noch verheiratet und bleiben es auch. In der Praxis ist das alles richtig. Doch die Mentalität spricht Bände. Unhinterfragt bleibt es stehen, dass wir ja mehr „Betreuungsplätze“ bräuchten, und diese auch preiswerter sein müssten. Wollen wir wirklich starke Familien? Wie wäre es mit folgendem Programm:

1. Abschaffung sämtlicher staatlicher Förderungen für sog. Betreuungsplätze vor dem sechsten Geburtstag des Kindes.

2. Abschaffung der diversen Scheidungsliberalisierungen der letzten 60 Jahre, idealerweise totales Scheidungsverbot.

3. Totales, ausnahmsloses Verbot der Abtreibung, Künstlicher Befruchtung und sonstiger lebensfeindlicher Praktiken. Verbot von Verhütungsmitteln mit potenziell frühabtreibender Wirkung.

4. Abschaffung aller Privilegien für homosexuelle Paarbeziehungen, so dass die Ehe wieder als einzige staatlich privilegierte Lebensform besteht.

5. Abschaffung aller sog. Gleichstellungs- oder Frauenförderungsgesetze. Abkehr vom Gender Mainstreaming – falls die EU sich dagegen wehrt, notfalls austreten.

6. Streichung aller Fördermittel und Werbekampagnen, inklusive schulischer Sexualisierungspropaganda (sog. Sexualunterricht), für Verhütung, Abtreibung und außereheliche Sexualität.

Doch diese Vorschläge könnten in Deutschland niemals umgesetzt werden, niemals auch nur diskutiert werden, und fänden sicher auch nicht die Zustimmung der Mehrzahl der deutschen Katholiken, oder auch nur Bischöfe. Warum nicht? Eben weil sie alle die Mentalität der Welt übernommen haben, weil sie alle sich selbst säkularisiert haben, weil sie alle eine generelle Abkehr von traditioneller katholischer Sittenlehre vollzogen haben, um damit den Reichen und Mächtigen zu gefallen.

Abschließend noch ein Zitat vom Bistumsblog:

Ich glaube, dass die Kinderzahl einer Gesellschaft davon abhängt, wie hoch die Bereitschaft ist, von eigenen Interessen abzusehen, um sich stattdessen intensiv um das Wohl anderer zu kümmern und wie sehr Werte wie Treue und Verbindlichkeit verwirklicht werden.
Beide Faktoren werden klassischerweise von Religionen gestärkt.
Das könnte erklären, warum im Osten Deutschlands die Kinderzahl besonders niedrig ist und warum religiöse Menschen signifikant mehr Kinder haben.
Ich selbst jedenfalls deute die Herausforderungen und Geschenke unseres Familienlebens durchaus spirituell und erlebe meine Religion als stärkend.

Hängt die demographische Krise auch mit der schwindenden religiösen Verwurzelung unserer Gesellschaft zusammen?

Dies ist das Fazit des Artikels vom Bistumsblog. Hier scheint wenigstens in halb vergessener Form etwas auf, das schon einmal neben einer religiösen Idee gelegen hat. Doch selbst sie wird säkularisiert vorgetragen. Die Rede ist von „Werten wie Verbindlichkeit und Treue“. Wie bitte? „Werte wie Verbindlichkeit und Treue“!? Erst zerstört man durch vorsätzliche Selbstsäkularisierung die Grundlage für sittliches Handeln, und verschanzt sich dann hinter den wenigen noch verbliebenen Restchen der Sexualmoral? Man kann schon verstehen, warum Atheisten diese Art von Moralgerede als Bigotterie sehen. Wenn die Welt mit ihrem Feminismus und ihrer „sexuellen Befreiung durch Todsünde“ doch im Wesentlichen Recht hat und traditionelle Sexualmoral und die aus ihr folgende Kinderschar tatsächlich als – wie war das Wort noch? – „Einschränkung“ gesehen wird, warum soll man dann noch leere Werthülsen wie „Treue“ oder „Verbindlichkeit“ befolgen? Wenn Sexualmoral doch das ist, was immer mir gerade gefällt und mich nicht „einschränkt“ – wie in die Kirche in Deutschland seit ihrem Verrat an Humanae Vitae durch die häretische Königsteiner Erklärung in der Praxis lehrt (und betrachtet man die diversen Missbrauchsskandale auch erscheckend oft selbst umsetzt)?

Wenn Sexualmoral unwichtig ist und verschwiegen wird, wie es regelmäßig seit 1968 geschieht, warum wird sie dann plötzlich wichtig, wenn es um die spießbürgerlichen sentimentalen Wörtchen von „Verbindlichkeit“ und „Treue“ geht? Treue? Wie lange? Bis zur Scheidung? Wie sollen sich die Ehepartner auch aufeinander verlassen können, wenn Scheidung zum Normalfall geworden ist? Verbindlichkeit? Da ist es genauso. Treue und Verbindlichkeit gelten entweder lebenslang oder gar nicht. Und lebenslang bedeutet dann auch die Zeit VOR der Ehe. Doch wenn sie lebenslang gelten sollen, dann gibt es keine Scheidung, folglich – abgesehen von Witwen – auch keine in positivem Licht erscheinenden „alleinerziehenden Mütter“. Und Verbindlichkeit kann es nur geben, wenn man offen zum Leben hin ist. Denn wie „verbindlich“ ist es, die Pille zu nehmen, und dadurch stillschweigend zum Ausdruck zu bringen, dass man sich ja alle Optionen offen halten muss? Denn will man wirklich bei seinem Ehemann oder seiner Ehefrau bleiben, und wirklich an Gott glauben und auf seine Hilfe vertrauen, dann braucht man keine Verhütungsmittel, sondern noch einen Kinderwagen.

Das Problem der Kinderlosigkeit hat also nicht das Geringste mit angeblichen „Betreuungskosten“ zu tun. Es hat zu tun mit der Dekadenz einer übersättigten Luxusgesellschaft, mit dem totalen Verfall christlicher Sexualmoral – einem Verfall, der von der Kirche mitbetrieben wurde und wird, sowie mit der Tatsache, dass jährlich weit über 100000 ungeborene Kinder im Mutterleib umgebracht werden.

Und am Ende noch ein Syllogismus:

1. Prämisse: Wirklich gläubige Menschen haben signifikant mehr Kinder.

2. Prämisse: Moslems haben signifikant mehr Kinder als der Durchschnitt, Katholiken nicht.

3. Konklusion: Moslems glauben wirklich, Katholiken nicht.

Erschreckend, aber oft genug wahr.