Hermeneutik der Kontinuität – Ein praktisches Beispiel

Das Konzil ist für viele, wenn auch nicht für alle, ein ewiger Zankapfel.

Manche lehnen das Konzil mit Stumpf und Stiel ab, weil es modernistisch sei. Solche Ideen finden sich auf dem „Williamson-Flügel“ der Piusbruderschaft nicht selten. Ihnen ist entgegenzuhalten, dass 95% des Konzils nichts anderes tun, als bereits bekannte Lehren zu wiederholen, und sei es vielleicht auch in weniger prägnanter Form, so bleiben es doch dieselben Lehren. Warum sollten diese Lehren auf einmal modernistisch sein, bloß weil sie von anderen Textabschnitten umgeben sind, die ziemlich modernistisch klingen?

Andere lehnen das Konzil ebenso radikal mit Stumpf und Stiel ab, weil es ihnen nicht weit genug gegangen ist. Diese Gruppe hatte lange Zeit die praktische Interpretationshoheit über das Konzil und rechtfertigte ihr Unwesen mit dem „Geist“ des Konzils, der kein anderer war, als der Geist von „68“. Sie werten jede Kritik am Geist von 68 als Kritik am Konzil. Auch sie verunmöglichen eine rationale Rezeption der Texte.

Zwischen diesen Extrempositionen bewegt sich der Heilige Vater mit seiner Hermeneutik der Reform in Kontinuität mit der ganzen Tradition der Kirche. Ob sie tatsächlich für alle Konzilstexte vollkommen ausreichend ist, bedarf weiterer theologischer Klärung. Für die meisten Texte passt sie jedoch unzweifelhaft.

Father Z präsentiert auf seinem sehr lesenswerten Blog nunmehr einen Artikel, in dem er eine sehr traditionelle Interpretation der Texte aus Sacrosanctum Concilium über den Gregorianischen Choral vorlegt. Er demonstriert, dass es die Absicht des Konzils war, der Gregorianik einen absolut zentralen Platz in der Liturgie zuzuweisen. In der Praxis ist er aber fast völlig verdrängt worden. Father Z kommt zu der Schlussfolgerung:

„When we read SC 116 “latinly”, it says that, barring something out of the ordinary, Gregorian chant is the first type of sacred music that is to be used in the Roman liturgy, because the Church claims and acknolwedges and declares Gregorian chant to have the “first place” among all legitimate types of sacred music. Just as when a father recognized a first-born son that son became the principle heir, to be preferred over even all other legitimate children, so to the Church places Gregorian chant in the first place over all other types of sacred liturgical music. At the same time, there are rare occasions when something other than Gregorian chant can be used.“

[Wenn wir SC 116 „lateinisch“ lesen, besagt es, dass Gregorianischer Choral, von außergewöhnlichen Umständen abgesehen, die erste Art von heiliger Musik ist, die in der römischen Liturgie zu benutzen ist, weil die Kirche behauptet und anerkennt und erklärt, dass der Gregorianische Choral den „ersten Rang“ unter allen legitimen Arten heiliger Musik hat. Wenn der Vater einen erstgeborenen Sohn anerkannte, bekam dieser Sohn der vornehmliche Erbe, der selbst allen anderen legitimen Kindern vorzuziehen ist. Ebenso setzt die Kirche den Gregorianischen Choral an die erste Stelle, vor alle anderen Arten heiliger liturgischer Musik. Gleichzeitig gibt es seltene Gelegenheiten, zu denen etwas anderes als der Gregorianische Choral benutzt werden kann.]

Ein beeindruckendes Beispiel für die Tatsache, dass die Hermeneutik der Kontinuität das Konzil in ein Licht zu rücken vermag, in dem es bislang zu selten betrachtet worden ist.

Die Sammlung der Konzilstexte in einer Vielzahl von Sprachen findet sich übrigens auf der Vatikanseite, damit wir alle lesen können, was das Konzil wirklich gesagt hat.

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Ratschläge für „Anfänger“ in der traditionellen Messe

Gerade in der Zeit der unsäglichen Karnevalsmessen, die oft wirklich kaum noch etwas mit Messe, dafür umso mehr mit Karneval zu tun haben, wird sich vielleicht so mancher Katholik fragen, ob nicht der Besuch einer traditionellen lateinischen Messe auch eine Alternative sein könnte.

Doch selbst wenn eine traditionelle Messe in vernünftig erreichbarer Entfernung am Sonntag verfügbar ist: Wer nach 1965 geboren oder konvertiert ist, der hat oft gar keine Ahnung, was man bei einer solchen Messe zu erwarten hat. Die Tridentinische Messe ist weitgehend in Vergessenheit geraten; die sie umgebende Kultur fast noch mehr. Aus diesem Grund nun einige Links, teilweise in deutscher, teilweise in englischer Sprache, aus denen man mehr erfahren kann:

Hier ein Artikel von Father Z zum Thema (englisch, die Kommentare sind auch lesenswert)

Hier ein Erlebnisbericht von meiner ersten Messe in der außerordentlichen Form

Hier eine Erklärung der Riten der traditionellen Messe (außerst empfehlenswert!)

Die traditionelle Messe in Ihrer Nähe (man beachte auch die dort verlinkte Standortkarte)

Und schließlich hier noch eine Videosammlung und eine allgemeine Einführung in die traditionelle Messe (englisch)

Nehmen wir an, jemand fragte mich, was er bei seiner ersten traditionellen Messe zu erwarten hat, würde ich in etwa so antworten:

„Ehrfurcht, Stille, Frömmigkeit, Anbetung, eine Messe, die Himmel und Erde an einem Ort vereinigt, Raum und Zeit durchdringt, eine Art „zeitlose Zeit“ herstellt, und dadurch einen Vorgeschmack auf den Himmel bietet, eine Messe, in der der Herr Jesus Christus selbst real präsent ist, und in der man das nicht nur verstandesmäßig glauben, sondern fast schon aus der Atmosphäre spüren kann. Eine Messe, die zwar komplexer ist als der Novus Ordo, und auch überwältigend und verwirrend sein kann, wenn man versucht dem Ritus z.B. im Messbuch zu folgen, die aber solchen Intellektualismus gar nicht nötig hat. Selbst wenn man einfach nur die oben beschriebene Atmosphäre genießt und in sie eintaucht, hat man schon viel gewonnen. Dies gilt besonders im Hochamt, wo die Würde der Messe geradezu augenfällig (und „ohrenfällig“) ist, wenn der gregorianische Chorgesang zusammen mit dem Weihrauch und den Gebeten der versammelten Gemeinde zum Himmel emporsteigt, aber auch in der stillen Messe ist dies so, da hier die Stille ebensolche Würdigkeit ausdrückt. Später, wenn man dann mit der Atmosphäre vertraut ist, kann man sich mit den Feinheiten des Ritus beschäftigen. Was man zu erwarten hat, ist nichts weniger als die Messe aller Zeiten, in der nicht alles anders, aber vieles besser ist als im Novus Ordo. Und wenn man sich sorgt, man könnte negativ auffallen, den Faden verlieren, etwas nicht verstehen, dann muss man aber auch bedenken, dass wir in der realen Gegenwart des Herrn, verglichen mit dem Herrn, alle negativ auffallen, den Faden verlieren, und nur wenig verstehen. Und dass selbst wir „fundamentalistischen Tradis“ niemandem den Kopf abreißen, der keine Ahnung hat.“

Und was würden meine (womöglich mit der außerordentlichen Form erfahrenen) Leser einem solchen interessierten Fragesteller antworten?

Missionare aus Amerika?

Wir alle wissen: Trends aus den USa schwappen nach einiger Zeit über den Atlantik auch nach Europa. Die kulturelle Dominanz der Vereinigten Staaten hat, vorsichtig ausgedrückt, nicht immer nur positive Folgen gehabt. Ich werde aus naheliegenden Gründen hier nicht auf die Details eingehen.

Wenn dieser Trend aber auch auf die Kultur an katholischen Priesterseminaren zutreffen sollte, dann könnte die US-Vorherrschaft der gesamten westlichen Welt doch noch etwas Positives bringen. Hier ein Auszug aus einem Artikel von CNS, via Father Z. (Sorry, keine Übersetzung, kann mich im Moment überhaupt nicht konzentrieren…) Alle Hervorhebungen von Catocon.

 

WASHINGTON (CNS) — In his first months as rector of Theological College in Washington, Father Phillip J. Brown has been confronting a problem that the national diocesan seminary for the U.S. Catholic Church „has not had for a long time“ — it is bursting at the seams.

Enrollment is maxed out for the 2011-12 academic year at 90 seminarians. Five of those seminarians are back in their dioceses this year gaining pastoral experience, but a Sulpician seminarian and five priests from other countries also live there, bringing the total number of residents to 91 plus faculty members.

„If I had to start with a problem, that’s the problem I’d like to have,“ Father Brown told Catholic News Service. „It’s a very healthy sign, a positive sign for Theological College and for the U.S. priesthood.“

The trend of rising seminary enrollment is being duplicated around the country:

— At the Pontifical College Josephinum in Columbus, Ohio, 40 new seminarians arrived this year, bringing total enrollment to 186, the highest level since the 1970s.

— St. Paul Seminary School of Divinity at the University of St. Thomas in St. Paul, Minn., welcomed 30 new graduate-level seminarians, making its class of 100 seminarians the largest since 1980. The influx forced 24 seminarians and two priests off campus into leased space at a former convent.

— In the Diocese of Scranton, Pa., where the St. Pius X diocesan seminary closed in 2004 because of declining enrollment, the number of seminarians has more than doubled from eight to 17 in the past two years.
(…)

In all, there were 3,608 post-baccalaureate U.S. seminarians last year, a net increase of 125 seminarians, or 4 percent, over the previous year and the highest number since the early 1990s. More than three-quarters of them were studying for the diocesan priesthood, while 24 percent intend to be ordained for religious orders.
(…)

But Theological College’s Father Brown said a rise in enrollment is only part of the story.

„It’s not just the numbers but the quality and spirit of the men who are coming,“ he told CNS.

„I’m tremendously impressed with the quality of the candidates, their zeal,“ he added. „We’re seeing a real renewal of the priesthood.“
(…)

Because its seminarians participate in „an exacting and demanding program“ at The Catholic University of America, Father Brown said, Theological College accepts those candidates considered most likely to succeed in a rigorous academic environment.

„As the numbers seem to be increasing for all major seminaries, it’s easier to have a more cooperative relationship“ among the schools, so that seminarians end up at the seminary that will benefit them the most, he added.
(…)

Kommentar: Steigende Seminaristenzahlen, mehr Berufungen, der höchste Stand, je nach Seminar seit 20 bis 40 Jahren. Und das sind nicht die durchschnittlichen Reformkatholiken, die jetzt plötzlich Priester werden wollen. Es sind gläubige Katholiken, die Wert auf traditionelle Frömmigkeit, Glauben, Liturgie usw. legen. Nicht nur die Priesterseminare der Pretrusbruderschaft und anderer Ecclesia-Dei-Gemeinschaften sind überfüllt, sondern es gibt zusätzlich einen sehr hohen Anteil kirchentreuer Katholiken mit wahrer Berufung zum Priesterstand unter den Seminaristen und Jungpriestern. Man lese mal einige der Anekdoten in Father Zs Kommentarspalte zu dem Artikel. Das ist zwar nicht repräsentativ, doch bestätigt den allgemeinen Eindruck und ist auch logisch. Warum sollte ein überzeugter Reformkatholik sein Leben in den Dienst einer reaktionären, überkommenen Organisation stellen, die nach seiner Meinung seit 2000 Jahren Frauen unterdrückt, die Sexualität repressiv bekämpft, nicht volksnah genug ist, und ihren Glauben gar nicht schnell genug der derzeitigen Mode anpassen kann? Es bringt ihm heute kein Ansehen mehr, im Gegenteil, er wird mehr und mehr zum Buhmann einer Gesellschaft, die dringend für die Tarnung ihres eigenen Scheiterns nach einem solchen sucht. Er wird nicht reich, seine Freiheit ist massiv beschränkt, und – ganz wichtig für den modernen Reformkatholiken – er darf keinen Sex haben.

Was ist das für ein schrecklicher Job, wird sich der Reformkatholik denken und das Seminar meiden.

Die aktuell sich andeutende Trendwende in den USA (wenn sie denn anhält und sich zu einer wirklichen Trendwende auswächst, statt ein Strohfeuer zu bleiben) ist wohl auch auf ein sich langsam verbesserndes Niveau unter den dortigen Bischöfen zurückzuführen. Wir haben Kardinal Meisner. Doch die USA haben Kardinal Burke, Erzbischof Chaput, Bischöfe Aquila, Nienstedt und einige mehr, die allesamt entschlossen für die Kirche und ihr Lehramt eintreten, auf eine Weise, von der sich selbst der geschätzte Kardinal Meisner manchmal noch etwas abschauen könnte! Sie räumen derzeit, mit Mühe und unter großem Widerstand, mit diversen Missbräuchen auf, auch im Seminarleben.

Zusammen mit dem Druck gläubiger, frommer Priesteramtskandidaten von unten ergibt das ein veritables Sandwich, aus dem die amerikanischen Rätekatholiken so leicht nicht herauskommen werden.

Wenn das so weiter geht, kommen in einigen Jahren vielleicht Missionare aus den USA, um Iren, Italiener, Spanier, Franzosen und Deutsche zum katholischen Glauben zu bekehren. Ob das die puritanischen Pioniere der USA aus dem 17. und 18. Jahrhundert gewollt haben? Gott kann eben aus allem noch etwas Gutes machen!

Rorate Caeli, Father Z und so weiter

Hier ein schöner Wechselgesang zum Advent.

Text samt Übersetzung gibt es hier.

Mit dem ersten Advent beginnt nun das erste vollständige Kirchenjahr, das ich als Mitglied der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche erleben darf. Im letzten Jahr bin ich vom Glaubenskurs über die Erstkommunion und das Sakrament der Konfirmation, dann zur Eröffnung des Blogs „Kreuzfährten“ und schließlich noch zum Besuch der Tridentinischen Messe gekommen. Ein weiter Weg, den ich so sicherlich nicht erwartet hätte, als ich am letzten Sonntag des vorletzten Kirchenjahrs begonnen habe, die Kirche regelmäßig aufzusuchen.

Der obige Wechselgesang wird daher sozusagen „zur Feier des Tages“ veröffentlicht, obgleich aufgrund von Problemen mit meinem Internetzugang der zu feiernde Tag nicht der heutige Montag, sondern der gestrige Sonntag war.

Ich kann diesen Beitrag jedoch nicht abschließen, ohne noch auf zweierlei für die Adventszeit hinzuweisen:

(1) Father Z hat unter seinen „Podcazts“ einige sehr schöne Betrachtungen über den Advent: Hier einige Verweise:

An Advent hymn dissected – Conditor alme siderum

An Advent hymn dissected – Verbum supernum prodiens

An Advent hymn dissected – Vox clara

Und ganz neu: Advent Vespers hymn in the Ordinary and Extraordinary Forms

(2) Die Adventszeit ist auch die Zeit der Rorate-Messen. Sie finden in der Regel in der Woche bei Kerzenlicht statt – auch wenn eine Bloggerkollegin kürzlich eine solche Messe am SONNTAG und bei, sagen wir mal, Stadionbeleuchtung erleben „durfte“.

Ein sehr schöner Brauch, wie ich finde. Ohne die Stadionbeleuchtung, meine ich.

Die Avantgarde des Fortschritts in Kirche…

Father Z dazu:

„If you and I wanted to make fun of the idea of women bishops, could we beat this?“

(Es ist anzumerken, dass die Leute auf dem obigen Bild Anglikaner sind – aber gibt es nicht ebensolche Vertreter auch im Katholizismus? Manchmal hat man den Eindruck, sie merken gar nicht mehr, wie weit sie sich von dem entfernt haben, was sie angeblich vertreten wollen.

Von der klar entschiedenen Frage der kirchlichen Lehre zum Thema mal ganz abgesehen – selbst wenn die Kirche Frauen zu Priestern oder Bischöfen weihen könnte oder wollte: Diese Kandidatinnen kämen sicherlich nicht in Frage.)

Und was ist das für ein komischer blau-weiß gepunkteter Leuchtturm (Kaffeekanne? Oder was auch immer…) oben links in der Ecke? Hat er eine besondere Aussage?

Weibliche Messdiener?

Ein schneller Hinweis auf eine Umfrage von Father Z zur Frage:

Should the Holy Father reverse the interpretation of the 1983 Code which allowed for female service at the altar?

Father Z wünscht sich eine rege Beteiligung. Also los, DAS IST EIN BEFEHL!!!

Interessierte Leser können dort auch einen Kommentar zur Frage abgeben.

Ferner stellt er die Frage, ob rein männlicher Altardienst zu mehr Priesterberufungen führt. Hierzu hat er nicht eine, sondern gleich zwei weitere Umfragen, an denen teilzunehmen hiermit aufgerufen sei.

Aufruhr in England und der Kirche

Fundstück beim unverzichtbaren Father Z:

In London and elsewhere in England there were riots, and there will be more upheaval there and in Europe, because those values which restrain people, which make them think about others, which instil in young people a sense of right and wrong, have been undermined.  They are imbued with relativism and its fruits, and they rampage around, doing what they feel like doing, without reference to the common good.  This has come about because parents and schools and the media have in a double effort of reckless irresponsibility, not exercised governance and discipline over their children.  In London and elsewhere they are now reaping the results.  Neighborhoods are terrorized, businesses harmed, and the fabric of society weakened, thus perpetuating the recourse to violence.

 

In the Church, there has been relatively little exercise of discipline of the Faith in schools and pulpits as far as teaching is concerned, and little oversight in some places for liturgical worship.  The lack of clear Catholic teaching or the mixed messages that come from heterodoxy in one parish and fidelity in another, even between priests in the same parish, has produced the impression that even the clearest dogmas of the Faith are up to personal choice and interpretation.  This has produced gangs which can roam nearly unchecked up and and down the streets of the Church, rampaging and intimidating and spiritually bullying the faithful, leaving them spiritually impoverished and confused.  The theological hoods, yobs, are now almost entirely beyond hope.  They do violence to the Church’s doctrine and worship, and thereby diminish the fabric of the Church wherever they are.

Ein provokativer, doch treffender Vergleich!

Fällt das Beichtgeheimnis?

Unter anderem diesem Bericht zufolge droht die irische Linksregierung (unter Beteiligung der Abtreibungsbefürworter und Gegner des Katholizismus von der irischen Arbeiterpartei) mit der Abschaffung des Beichtgeheimnisses. Angeblich um zu verhindern, dass katholische Pädophile ihre Taten beichten können, ohne dass die Polizei davon erfährt. Verschiedene Blogger im englischen Sprachraum (hier z.B. Father Z) haben das Thema schon aufgegriffen, und auch auf kath.net gab es einen entsprechenden Beitrag.

Eine weitere  Entwicklung in diesem Bereich, von dem ich ebenfalls durch den Blog von Father Z erfahren habe, stellt ein ähnliches Gesetz in Australien dar. Man beruft sich in Australien explizit auf entsprechende Pläne der Regierung von Irland. Der irische Ministerpräsident Enda Kenny erklärte sein Vorhaben so:

Enda Kenny erklärte, dass es „absolut schändlich“ sei, dass der Vatikan sein Kirchenrecht über das irische Strafrecht stelle. Das Irland des 21. Jahrhunderts werde sich nicht länger katholischer Macht fügen.

Sein Justizminister Shatter fügte hinzu:

Auch der Justizminister Alan Shatter äußerte, dass kein ausländischer Staat irgendeiner Organsiation Vorgaben machen sollte, wenn es um den Schutz von Kindern gehe, dies gelte vor allem für die katholische Kirche. [Hervorhebungen von Catocon; Anmerkung des Blogautors]

Hier sehen wir dann sofort, worum es bei diesem Gesetz wirklich geht. Es hat nicht das Geringste mit angeblichen Bemühungen gegen Pädophilie zu tun (die von vielen linksgerichteten, selbsternannten Fortschrittlichen noch vor wenigen Jahren als gar nicht so schlimm gesehen wurde – schließlich sollten auch Kinder zeitig an die unbegrenzten Freuden der „freien Liebe“ herangeführt werden). Es hat damit zu tun, dass hochstehende Kreise in verschiedenen Ländern die derzeitige Situation einer wohlgeschürten Volksstimmung gegen die Kirche ausnutzen und ihre bigotte antikatholische Agenda durchdrücken wollen.

Äußerungen wie der Satz, es sei absolut schändlich, dass „der Vatikan“ sein Kirchenrecht über das Recht des irischen Staates stelle, machen die wahre Absicht deutlich. Es soll die Berechtigung der Kirche als Träger eigenen Rechts überhaupt erschüttert werden. Die Kirche soll sich, ganz im Geiste der typisch protestantischen Nationalkirchen, in den Dienst der Ziele des Staates stellen. Und worin staatliche Ziele bestehen, hat man ja im 20. Jahrhundert zur Genüge gesehen. Viele Millionen Menschen wurden durch doktrinär atheistische, kommunistische und national-sozialistische Regime im Namen diverse Weltverbesserungsideologien grausam dahingeschlachtet. In den Dienst eines solchen Staates kann sich selbst ein nichtkatholischer Mensch wohl kaum guten Gewissens stellen. Aber die zunehmend imperialistisch handelnden Regierenden in Europa, Nordamerika, Australien und Neuseeland verlangen genau dies.

Es ist eine Machtprobe, keine Ermittlung gegen Pädophile (deren Prävalenz im übrigen unter Katholiken nicht höher, sondern wenn überhaupt niedriger ist, als unter anderen Gruppen). Eine Machtprobe, an deren Ende nur einer von zwei möglichen Ausgängen stehen kann: Entweder die Regierung von Irland und ihre unheiligen Spießgesellen in anderen Ländern setzen sich durch, oder sie ziehen ihr Projekt zurück und kneifen den Schwanz ein. Viel wird davon abhängen, wie die Völker auf diesen zutiefst bigotten Angriff auf das Beichtgeheimnis reagieren. Das bleibt abzuwarten. Aber wenn das Beichtgeheimnis in Irland fällt (und vielleicht auch in Australien, und dann könnte eine Lawine in anderen Ländern losgehen), dann ist dies nicht nur eine Niederlage für Katholiken in Irland (diesem einstigen Stammland des glaubens), sondern für Katholiken weltweit. Es wäre das klare Signal, dass die Zeiten vorbei sind, in denen die Gläubigen im Westen in Freiheit leben können. Eine neue Periode der Christenverfolgung wird anbrechen, wenn man das Beichtgeheimnis abschafft (und zugleich bleiben die besonderen Verhältnisse von Arzt und Patient sowie von Anwalt und Klient geschützt), vielleicht heute, vielleicht morgen.

Beunruhigend ist in diesem Zusammenhang die Äußerung von Father Z:

Attack the Catholic Church, threaten the Catholic Church, intimidate the Catholic Church.

When our Catholic identity is eroded, this is what happens.  As the night follows the day, threats of this kind will be made so as to silence the Church, whose duty it is to teach on many moral issues.  You know the issues I am talking about.  I suspect that this has more to do with hatred of the Church’s teaching office than it does with outrage over child abuse.

Sadly, the climate of anti-Catholicism and oppression is in large part fueled from within the Church herself.

Think about it.  A law proposed to force priests to break the Seal… in Ireland.

JA, das ist in der Tat das Ergebnis einer beunruhigenden Erosion der katholischen Identität. Katholiken verhalten sich nicht mehr anders als Menschen anderer Religionen. sie leben genauso, denken genauso, wählen im Wesentlichen vergleichbar. Es gibt keine fundamentalen Unterschiede mehr zwischen Katholiken und Protestanten – ein Zustand, der heutzutage unter Ökumene von der Kirchenhierarchie massiv vorangetrieben wird. Unter solchen Bedingungen erwarte ich keinen großen Widerstand von Seiten der meisten Katholiken. Klar, die üblichen Verdächtigen werden ihr Missfallen ausdrücken. Menschen wie Merkel, Schavan, Alois Glück und andere „C“DU-Politiker, wenn es in Deutschland erst einmal soweit ist. Und danach werden sie zur Tagesordnung übergehen und die LAge ignorieren.

Und die Priester? Natürlich sagen sie jetzt alle (in Irland), dass sie dieses Gesetz missachten werden – die liberalen ebenso wie die orthodoxen Priester. Auf den ersten Blick scheint es also Hoffnung zu geben, dass die katholische Priesterschaft in Irland sich einem solchen ungerechten Gesetz widersetzen werden. Und auf den zweiten Blick? Werden Priester, die es nicht einmal fertigbringen, sich negativer Publicity auszusetzen, wirklich für ihren Glauben ins Gefängnis gehen, wenn das von ihnen verlangt wird?

Sollte das hier in Deutschland einmal zum Thema werden (und wenn der Testlauf im katholischen Stammland Irland erfolgreich ist, warum sollte die nächste Rotgrüne Regierung, etwa 2014, nicht dasselbe fordern? Die Stimmung ist jedenfalls erfolgreich von den Mainstreammedien geschürt worden), was wird dann geschehen?

Die Antwort: Gar nichts, wie immer. Und außerdem geht hier ohnehin kein „respektabler“ Katholik mehr beichten. In einer Gemeinde mit mehr als 3000 Seelen bin ich der einzige, der das Bußsakrament nutzt. Ich frage mich manchmal, ob andere Katholiken überhaupt noch wissen, wofür dieser kleine merkwürdige Holzverschlag überhaupt da ist. Kein Grund zur Sorge also (außer vielleicht für die wenigen glaubenstreuen Katholiken, doch die zählen nicht, da sie ja eh rückschrittlich sind. Und was Fortschrittliche mit Reaktionären machen, hat man ja nach 1793 in der Vendée gesehen. Kostprobe gefällig? Hier ein der frz. Revolution treuer General: „Es gibt keine Vendée mehr. Sie ist mit unserem Säbel der Freiheit niedergemacht worden, mitsamt Frauen und Kindern. Ich habe sie in den Sümpfen und Wäldern von Savenay begraben. Man kann mir keine Gefangenen vorwerfen. Ich habe alles ausgelöscht.“ Und der Anführer der Völkermörder im Dienste der Freiheit? Die Infrastruktur des Landstriches sollte restlos vernichtet, Höfe, Kirchen, die Ernten und die Wälder niedergebrannt, das Land und ausnahmslos alle Bewohner niedergemacht werden. General Turreau, Chef der „Infernalischen Kolonnen“, der mit der Ausführung betraut wurde, ließ wissen: „Die Vendée muss ein nationaler Friedhof werden“.)

Die Abschaffung des Beichtgeheimnisses wird in Irland vielleicht noch gestoppt werden können – obwohl das unwahrscheinlich ist, da die Regierung über eine Mehrheit verfügt. Doch wenn nicht, und wenn sich der Gedanke durchsetzt, dass man einfach so auf Religionsfreiheit der Katholiken herumtrampeln kann, dann wird dies nur der Anfang einer langen Entwicklung sein, an deren Ende vielleicht wieder einmal ein „großer Kampf für die Freiheit“ mit dem Säbel geführt wird. Die Vendée? Sie könnte überall sein.

P.S. Noch ein guter Artikel von Father Ray Blake zum Thema.