Papst Franz: Gebet und Gehorsam

Wer seit dem „Habemus Papam“ meinen Blog verfolgt hat, der weiß, dass ich mich scharf kritisch gegenüber Kardinal Bergoglio, dem jetzigen Papst Franz, geäußert habe.

Nach dieser teils scharfen Kritik möchte ich es jedoch nicht unterlassen, den Heiligen Vater genauso wie seinen Amtsvorgänger ins innige Gebet mit einzuschließen. Vor Papst Franz liegt eine schwere Aufgabe, nämlich die Führung der Kirche Gottes in einer schweren Kirchenkrise, und auch die Bewältigung dieser Krise. Bei dieser Aufgabe benötigt er dringend die Unterstützung des Gebets, auch und gerade solcher Katholiken, die seiner bisherigen kirchlichen Laufbahn sehr kritisch gegenüber stehen und ihn deswegen nicht gerade für die Idealbesetzung halten.

Selbst in guten Zeiten ist das Papstamt eine schwere Bürde für den Mann, der sie zu tragen bestellt wurde, und wir leben nicht in guten Zeiten. Bei aller schweren Kritik – die ich weiterhin für richtig und notwendig halte – bleibt er zudem das Oberhaupt aller Katholiken, dem sie Gehorsam schulden, wenn und insoweit er nichts verlangt, was dem überlieferten Glauben oder den guten Sitten widerspricht.

Hier also der klare Aufruf an alle Katholiken unabhängig von ihrer Zufriedenheit mit der Wahl des Konklaves: Betet für unseren Heiligen Vater Franz und folgt ihm in Treue und Gehorsam im Rahmen des wahren Glaubens und der Sittenlehre!

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Apathie und Blasphemie

Vor einigen Tagen machte ich darauf aufmerksam, dass im Thalia-Theater von Hamburg bald ein nicht nur schreckliches, sondern auch pornographisches und vor allem auf krudeste Weiese blasphemisches Theaterstück namens Gólgota Picnic seine deutsche Uraufführung erhalten sollte, und dass es dagegen Proteste gab, an denen friedlich sich zu beteiligen ich aufrief. Ich wies darauf hin, dass die Piusbruderschaft zum großen Teil für diesen Protest verantwortlich sei, aber dies niemanden daran hindern sollte, seinem Entsetzen über die Blasphemien friedlich Ausdruck zu verleihen, da es hier nicht um theologische oder sonstige Streitfragen gehe, sondern um ein klares Bekenntnis zur Würde des Herrn im Angesicht einer westlichen Kultur, die mehr und mehr nur noch einer Barbarenkultur gleicht, die in den Ruinen von etwas lebt, das sie nicht mehr verstehen kann, zu dessen Verständnis ihr die kulturelle Reife fehlt. Es folgt ein Überblick über Entwicklungen hinsichtlich des Stücks und der Proteste dagegen:

Bischöfe

Nun haben wohl auch deutsche Bischöfe reagiert – wie kath.net berichtet. Als Gólgota Picnic in Frankreich aufgeführt wurde, haben einige Bischöfe sich wenn nicht an den Aktionen der Piusbruderschaft beteiligt, so doch eigene Proteste organisiert. Wie sieht es in Deutschland aus? Die deutsche Bischofskonferenz leitete Anfragen an das „zuständige“ Bistum Hamburg weiter.

Viele Katholiken in Deutschland fragen sich, was eigentlich die katholische Kirche zu der Vorstellung sagt. KATH.NET hat dazu die Deutsche Bischofskonferenz angefragt und wurde von dort an das Erzbistum Hamburg verwiesen. (Wir wollen auch ja nicht in irgendeiner Form den Eindruck erwecken, als sei Blasphemie etwas anderes als ein weiterer Anlass zum Hin-und-herschieben von Kompetenzen, oder?) Diese hat bereits gegenüber der KNA mitteilen lassen, dass man hier „ganz gelassen“ (natürlich! Warum sollte Blasphemie einen auch aufregen? Geht doch nicht um etwas Wichtiges, wie eine um 0,2% gestiegene Armutsquote, oder?) bleibe. „Wir wollen versuchen, diese Produktion in angemessener Weise zu begleiten und entsprechend darauf zu reagieren“ (Wenn man die bisherige Stellungnahme sieht, dann ist klar, wie man darauf reagieren wird: Nämlich in keiner wahrnehmbaren Weise gegen Blasphemien protestieren. Sonst könnte man ja als katholisch gelten…) , sagte der Sprecher des Erzbistums, Manfred Nielen, auf Anfrage. Konkret heißt das, man sucht nach einer geeigneten Person, die sich aus katholischer Sicht am Publikumsgespräch im Anschluss an die Aufführung beteiligt. (Damit legitimiert man die Blasphemieorgie „Golgóta Picnic“, es sei denn diese Beteiligung fällt sehr kritisch, sehr deutlich und völlig unmissverständlich aus. Aber selbst dann ist der Verzicht auf Protestaktionen jeder Art immer noch ein typisches Zeichen der Zahnlosigkeit der deutschen Bischöfe. Außer jemand ist konservativ wie Pfarrer Oblinger oder Bischof Mixa. Dann werden natürlich die Messer gewetzt…)

Nichts Neues im Bistum Hamburg also. Man will über alles reden, mit allen reden, und dabei die Substanz des katholischen Glaubens – zu der so weiß ich ziemlich sicher auch das Blasphemieverbot gehört – immer weiter in Vergessenheit geraten lassen.

Blogger und das Theater selbst

Der von mir sehr geschätzte Alipius schreibt ebenfalls über Gólgota Picnic, die Reaktion von Kritikern dieses Stücks (wozu offenbar die deutschen Bischöfe nicht zu zählen sind, zumindest nicht in wahrnehmbarer Weise) und ähnliche Themen. Er stellt sich auf den Standpunkt, dass er zwar im Prinzip die Ablehnung dieser Blasphemien teile, diese aber „nicht ober-schockierend (Christus kann das ab und meinem Glauben tut’s auch keinen Abbruch)“ seien. Nun ja, wenn man Blasphemie nicht mehr schockierend findet – wie abgestumpft ist man dann? Ferner schreibt er:

[Dass das Thalia-Theater sich als Opfer radikalkonservativ-fundamentalistischer Kreise sieht, weil es von Protestnoten überschwemmt werde], ist kein starkes Stück, sondern erstens eine exakt aufgegangene Rechnung (Wir Skandal = Die Protest) und zweitens einfach nur die Art und Weise, auf die man in diesen Kreisen seinem Gott huldigt, welcher das wahlweise „Ego“, „Mammon“ oder „Rampenlicht“ heißt.

In einem gewissen Sinn hat Alipius natürlich Recht. Wer solche Theaterstücke aufführen lassen will, der verfolgt damit in der Regel genau diese Absicht. Doch eine derartige Verharmlosung der Situation, mit der wohl die deutschen Bischöfe völlig einverstanden wären, allein schon um nicht als „konservativ“ oder „fundamentalistisch“ gelten zu müssen, trifft meines Erachtens nicht den Kern der Sache.

Argumentation gegen die Apathie

Natürlich trifft es unseren christlichen Glauben nicht, wenn jemand anders Blasphemien begeht. Natürlich legen andere ihre Blasphemien in der heutigen Zeit gern darauf an, Christen zu schockieren oder lächerlich zu machen – das ist eine der wesentlichen Zeitströmungen des 20. und 21. Jahrhunderts gewesen. Das alles ist richtig – übersieht jedoch den absolut entscheidenen Punkt:

Es geht hier nicht um den subjektiven Glauben der Christen, sondern um die objektive Gotteslästerung, an der sich alle beteiligen, die mit diesem Theaterstück in irgendeiner Form zu tun haben. Solange die Beteiligten nicht bereuen – und wie sollen sie dazu kommen, wenn die Reaktion darauf so apathisch ist, wie sie allgemein außerhalb der bösen „fundamentalistischen Kreise“ zu sein scheint – und umkehren, werden sie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht die ewige Seligkeit erlangen können, und ihre Seelen werden den ewigen Tod in der Hölle sterben. Natürlich mag die unermeßliche Gnade Gottes den einen oder anderen Menschen vor diesem Schicksal bewahren – aber auch hierzu ist ein Annehmen der Gnade Gottes erforderlich, und dieses Annehmen kann nicht echt sein, wenn es mit der fortgesetzten unbereuten „Teilnahme“ an Blasphemien einhergeht.

Das ewige Schicksal eines Menschen können wir nicht kennen – deshalb sollen wir nicht richten. Aber objektiv gesehen, nach menschlichem Ermessen, nach den Informationen, die wir aus Schrift und Überlieferung haben, ist kaum zu sehen, wie ein Gotteslästerer erlöst werden kann, solange er nicht umkehrt.

Und zur Buße für diese Gotteslästerung und zum Gebet für die Umkehr der verlorenen Söhne, die sich an diesem Theaterstück beteiligen, sind auch diese Protestaktionen gedacht.Deshalb richtet z.B. die Piusbruderschaft auch eine Gebetsvigil und einen Bußgottesdienst als wesentliche Teile ihres Protests am Tag der ersten Aufführung aus.

Zudem geht es um die Verteidigung der Rechte Gottes in der Welt, zu denen auch das Recht nicht beleidigt zu werden gehört. Auch dieser Aspekt wird leider immer wieder vergessen, wenn eine gelangweilte oder apathische Reaktion erfolgt, weil diese Blasphemien ja ungefährlich für den eigenen Glauben seien. Und mehr noch: Wie viele Menschen werden durch diese Theaterstücke auf den Weg des Verderbens geführt?

Kurz gesagt ist der Protest gegen Gólgota Picnic notwendig und richtig,

1. um für die Umkehr der Gotteslästerer zu beten,

2. um für die Beleidigung der objektiven Rechte Gottes Buße zu tun,

3. um darauf aufmerksam zu machen, dass die Seelen der Beteiligten (auch der Zuschauer!) durch diese diabolischen Aufführungen in Gefahr des ewigen Todes sind,

4. um die Ausbreitung dieser Aufführungen zu verhindern, damit nicht noch mehr Menschen in den Orkus der Gotteslästerung hineingezogen werden.

Wenn das „radikalkonservativ“ und „fundamentalistisch“ ist, dann ist zumindest dieser Blogger, der diese Worte hier schreibt, schuldig. Ich nehme diese Begriffe gern an. Ich gehe gern an die Wurzel (radix) der Probleme, setze mich für die Bewahrung (conservatio) des Glaubens ein, und bestehe auf den Fundamenten, also den Grundlagen und Grundfesten, des wahren katholischen Glaubens, wie die Kirche ihn immer gelehrt hat.

Auch meinen Glauben schwächen solche Blasphemien nicht. Aber es geht hier nicht um meinen Glauben. Es geht überhaupt nicht um mich. Apathie bedeutet hier die stillschweigende Duldung der Blasphemie.

Assisi (3/3) – Entweltlichung

Dies ist der dritte und letzte Teil einer Artikelserie über das interreligiöse Treffen in Assisi. Hier geht es zum ersten und zweiten Teil.

Entweltlichung

Bei seinem Besuch in Deutschland betonte der Papst in seiner Ansprache vor kirchlich aktiven Laien die Notwendigkeit einer „Entweltlichung“. Damit ist nicht gemeint, dass die Kirche sich nicht mehr um die Belange und Sorgen der Menschen außerhalb der Kirche kümmern soll, sondern dass sie sich nicht an die Wünsche, Irrtümer und Fehler der Welt anpasst. Sie soll sich frei von weltlichen Bindungen an staatliche Strukturen, aber auch, wie viele hinterher spekuliert haben, frei von finanziellen Reichtümern, die immer auch Abhängigkeiten mit sich bringen, wie etwa im Fall der deutschen Kirchensteuer, um ihren wesentlichen Auftrag kümmern. Und was ist dieser Auftrag?

Er ist nicht in erster Linie sozial-karitativ, sondern geistlich. Die Kirche soll den Menschen Gott näherbringen, wie man formulieren könnte. Dies geschieht durch die Vermittlung des Wahren Glaubens, die Sakramente, unter diesen besonders das Allerheiligste Sakrament des Altares, und auch durch soziale Hilfestellung, also praktische Nächstenliebe. Alle drei Wege, auf denen die Kirche Gott zu den Menschen bringt, haben gemeinsam, dass es, wenn man sie korrekt versteht, immer zuerst um die Liebe zu Gott geht. Aus dieser Liebe ergibt sich dann die Liebe zum Menschen.

Genauso, also unter den Vorzeichen der Entweltlichung, zu der der Papst aufgerufen hat, können wir die Frage nach dem Frieden wieder aufgreifen, um die es im zweiten Teil des Artikels ging. Wir hatten allerlei Unterschiede zwischen dem weltlichen und dem Frieden Christi aufgeführt, und diese am Beispiel eines Orchesters verdeutlicht. Jetzt können wir noch einen Schritt weiter gehen und den Frieden Christi als entweltlichten Frieden erkennen, also als Frieden, der sich nicht in erster Linie um den weltlichen Frieden der Menschen kümmert, sondern um die Liebe zu Gott.

Dieser wahre christliche Friede hängt eng mit der Entweltlichung zusammen. Denn wer nach diesem wahren Frieden strebt, der strebt zuerst gar nicht nach dem, was man heute unter Frieden versteht. Sein Wirken mag dem oberflächlichen Betrachter (und heute sind die meisten Betrachter oberflächlich) gar nicht als um Frieden bemüht erscheinen. Wer nach dem Frieden Christi strebt, der strebt nach Einklang seines Willens mit Gottes Willen. Die Mittel zum Frieden Christi finden sich im Gebet, in den Sakramenten, im Leben im und aus dem Glauben, wie manche es heute formulieren wollen.

Selig sind diejenigen, die Frieden stiften – aber wer sind diese Friedensstifter? Sind es die verweltlichten Diplomaten, die einen Waffenstillstand aushandeln? Sie mögen ja einen guten und wichtigen Dienst tun, aber sie können höchstens den arg defizitären weltlichen Frieden stiften, welcher ein Friede ist, der, wenn er anhält, zu Apathie, Anspruchsdenken, und, besonders wenn er noch mit materiellem Wohlstand einhergeht zur Mentalität einer „Made im Speck“ einlädt. Es ist ein materieller, aber kein geistlicher Friede, der dort von den Diplomaten ausgehandelt wird.

Die wirklichen Friedensstifter sind hingegen die Heiligen, die Frieden mit Gott gemacht haben. Sie lieben zuerst Gott, und weil sie Gott lieben, haben sie Frieden mit ihm und tun seinen Willen. Er ist die Liebe und ruft zur Nächstenliebe auf. Da die Heiligen das richtige Verhältnis zu Gott haben, sind sie auch imstande, das richtige Verhältnis zum Nächsten zu finden. Zwischen dem Heiligen und seinem nächsten herrscht daher auch bloß weltlicher Friede, sofern sich sowohl der Heilige als auch der Nächste im richtigen Verhältnis zu Gott befinden. Wenn nicht, wird der betreffende Nächste den Heiligen oft genug verfolgen. So entstehen Märtyrer.

Die wirklichen Friedensstifter, die Heiligen, sind Friedensstifter, weil sie Frieden mit Gott gemacht haben, und damit auch Frieden mit sich selbst, und Frieden mit ihrem Nächsten. Weil sie Frieden mit Gott haben, achten und bewahren sie auch die Schöpfung. Weil sie Frieden mit Gott haben, helfen sie ihren Nächsten, und verhindern so die sozialen Katastrophen, an die wir uns in einer Welt voller säkularer Besserwisser, die alle den neuesten Plan im „Kampf gegen den Hunger“ haben, natürlich schon längst gewöhnt haben.

Die wirklichen Friedensstifter sind die Heiligen, und ihr Friede ist umfassend. Doch wer sind diese Heiligen? Sind das nicht irgendwelche Menschen, die einmal hier auf Erden waren, aber heute nicht mehr sind? Die wenigen Auserwählten? Eine besondere Gruppe mit heroischer Stärke? Nein, das sind sie nicht.

Die Heiligen, das sind die Menschen, die sich entschlossen haben, Gottes Willen zu tun, und nicht ihren eigenen. Das sind die, die gesagt haben, „Dein Wille geschehe“. Heiligkeit ist nicht schwer und jeder Mensch ist zu ihr berufen. Wir müssen es nur wollen, und dann nach diesem Willen handeln. Wenn wir beten, „Dein Wille geschehe“, und es wirklich so meinen, wer kann uns dann noch auf diesem Weg zur Heiligkeit aufhalten?

Wir sind also diejenigen, die zur Heiligkeit berufen sind, und wenn wir noch nicht zu heldenhafter Tugend gelangt sind, so nur deswegen, weil wir nicht wirklich wollen, weil irgendwo in unserem Herzen noch eine Ecke ist, die „non serviam“ sagt. Doch weil wir zur Heiligkeit berufen sind, sind wir, jeder von uns, auch berufen, Friedensstifter zu sein, indem wir den Frieden Christi stiften.

Daher ist der beste Weg zum Frieden tatsächlich das Gebet, in Verbindung mit den Sakramenten und dem wahren Glauben, aber es ist kein Gebet um bloßen Waffenstillstand (so gut das für sich genommen auch sein mag). Es ist ein Gebet um den Mut zur bedingungslosen Kapitulation vor Gott.

Ein solches Friedensgebet wird es in Assisi nicht geben, weil dem kaum ein anwesender Vertreter einer Weltreligion zustimmen könnte. Daher ist das Treffen, selbst wenn alle negativen Befürchtungen, über die ich in den beiden ersten Teilen geschrieben habe, nicht eintreten sollten, nicht allzu sinnvoll.

Beten wir also um diesen Mut zur bedingungslosen Kapitulation vor Gott und zusätzlich, so es denn Gottes Wille ist, um etwas Waffenstillstand in unserer Zeit.

Beten für Fellay

Heute ist es soweit: Das lange antizipierte Treffen zwischen hochrangigen Vertretern des Vatikan und der Piusbruderschaft im Rahmen eines wirklich bedeutsamen Dialogprozesses wird heute stattfinden. Was wurde nicht alles spekuliert! Der Vatikan wolle den Piusbrüdern eine Personalprälatur anbieten, nach dem Vorbild von Opus Dei. Andere wollten erfahren haben, ein Ordinariat nach dem Vorbild von Anglicanorum Coetibus stehe den Piusbrüdern ins Haus. Die Spekulationen über eventuelle Spaltungen innerhalb der Bruderschaft zwischen Fellay und Williamson, zwischen Anhängern einer Einigung und quasi-sedevakantistischen Gegnern wollten nicht abreißen.

Die Versuchung sich an diesen Spekulationen zu beteiligen war für viele sehr groß, und einige sind ihr erlegen. Gestern nun, am 13. September, fand ich diesen Text in englischer Sprache, der abermals zu wissen behauptete, was denn genau bei dem Treffen geschehen werde.

Im Gegensatz zu so mancher Spekulation erscheint mir diese Quelle schon eher vertrauenswürdig – Andrea Tornielli ist oft ganz gut informiert – doch ich bleibe bei meinem Aufruf: Beten statt spekulieren!

Und deswegen möchte ich an dieser Stelle alle Katholiken, ob sie Anhänger der neuen oder der alten Messform sind, ob sie bisher eher skeptisch gegenüber der Piusbruderschaft waren, oder schon lange die Regularisierung herbeigesehnt haben, darum bitten, am heutigen Tag für alle Beteiligten, besonders für Bischof Fellay, auf dem nun die Hauptlast zu liegen scheint, zu beten. Ich denke, dass wir uns in einer entscheidenen Phase befinden. Father Z spricht oft von einem Marshall-Plan, den Papst Benedikt für die Kirche hat, einen Plan, durch den die Kirche – besonders in Europa – wieder gestärkt werden kann.

In diesem Plan wäre dann die Rückkehr von fast 500 traditionellen katholischen Priestern, die alle Dogmen der Kirche anerkennen und vorbehaltlos auch in der Öffentlichkeit vertreten, in den Schoß der vollen Gemeinschaft mit der heiligen Mutter Kirche so etwas wie die Luftbrücke über Berlin. Die Kirche in Deutschland und im ganzen Westen befindet sich quasi in einem Belagerungszustand. Die Mächte der Weltlichkeit haben fast alle Bastionen eingenommen und selbst in der Kirche sind viele noch vor 50 Jahren uneinnehmbar geglaubte Festungen gefallen – in der Liturgie, in der Volksfrömmigkeit und im praktischen Glauben vieler einfacher Katholiken, Priester und teils sogar Bischöfe.

Wenn die Informationen aus dem oben verlinkten Artikel stimmen, dann wird Bischof Fellay heute ein zweiseitiges Dokument in die Hand bekommen, in dem sich die Zusammenfassung der vom Vatikan vertretenen Positionen zu den theologischen Streitfragen mit der Piusbruderschaft befinden. Die Zustimmung zu den dort beschriebenen Positionen sei, soweit Tornielli, Voraussetzung für eine Rückkehr in volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche.

Was allerdings auf diesen zwei Seiten steht, weiß er nicht, ich weiß es nicht, keiner weiß es im Moment.

Aus Torniellis Artikel geht ferner hervor, dass das Angebot wohl praktisch unverhandelbar ist. Fellay dürfe sich Bedenkzeit ausbitten, er dürfe auch um Klarstellungen einzelner Punkte ersuchen, aber die Piusbruderschaft werde schließlich dieses Papier so annehmen müssen, oder sich gegen eine Einigung mit Rom aussprechen.

Wie gesagt, ob das alles stimmt, weiß derzeit niemand außerhalb eines sehr engen Zirkels in Rom – und in dem Zirkel spricht derzeit niemand darüber.

Wir werden also einfach warten müssen – warten und beten, denn die Piusbruderschaft wäre aus so vielen wichtigen Gründen eine Bereicherung für die ganze Kirche.

Ich hoffe und bete, dass der Vatikan den Piusbrüdern ein annehmbares Angebot macht, das weiterhin die nötige schwere Kritik an einigen Passagen der Konzilstexte und erst recht ihrer gängigen Auslegungen ermöglicht, und das, ganz wichtig, die Bruderschaft nicht unter die Oberhoheit der Ortsbischöfe stellt, was hier in Deutschland ein Desaster wäre.

Ich hoffe und bete, dass Bischof Fellay und die anderen an einer Einigung interessierten Kräfte in der Piusbruderschaft sich gegen die Obstruktionisten durchsetzen können, und das oben erwähnte vernünftige Angebot des Vatikans ohne großes Zögern akzeptieren, ohne Wenn und Aber in den Schoß der Kirche zurückkehren, um ihre gedeihliche Arbeit der letzten Jahre und Jahrzehnte nunmehr ohne Zweifel an ihrem Status in der Kirche mit dem vollen Segen Petri fortzuführen.

Und mit einer kleinen Lachfalte im Mundwinkel hoffe und bete ich für den Fall einer Einigung zwischen der Bruderschaft und dem Vatikan, dass die lieben FreundInnen von Non Serviam Wir Sind Kirche das Erlebnis gut überstehen und sich mit den dann entstehenden neuen Verhältnissen gut arrangieren…

Außerdem hoffe ich, dass sich viele diesem Gebet anschließen werden, alle Beteiligten werden es brauchen.