Ein kleiner Selbstversuch

Es wird ja viel über den Zustand der Theologie in Deutschland gesagt. Man verbreitet Memoranden, in denen wesentliche Teile des katholischen Glaubens bezweifelt und zumindest indirekt geleugnet werden, und diese Memoranden finden die Unterstützung hunderter angesehener Theologen. So viel Schlechtes hatte ich bereits über die deutsche Theologie gehört, dass ich es mir nicht verkneifen konnte, einmal den Selbstversuch zu machen. Also habe ich mich einfach in katholische Theologievorlesungen bzw. Seminare gesetzt und den faszinierenden Ausführungen der Dozenten gelauscht. Dieses Experiment ist noch nicht alt – es hat erst in der letzten Woche begonnen – doch eigentlich könnte ich es abbrechen, denn meine schlimmsten Befürchtungen sind bestätigt worden.

Was die Theologen in ihren Büchern an haarsträubend agnostisch klingenden Thesen verbreiten, was sie in ihren Memoranden fordern, nimmt sich fast noch harmlos gegenüber dem aus, was die Theologiestudenten täglich anstelle des katholischen Glaubens präsentiert bekommen. Natürlich steckt in den falschen Lehren dieser Theologen bereits der Kern des Unglaubens, doch so richtig offensichtlich wird dies, wenn sie unterrichten, wenn sie sozusagen die Chance erhalten, eine neue Generation Theologen zu formen. Dann legen sie so richtig los.

In vier Stunden habe ich nunmehr das Folgende „gelernt“:

– Der Anfang des Johannesevangeliums ist verklausulierter Antisemitismus und zusammen mit dem Judenhass der Kirche für „unzählige Judenpogrome“ verantwortlich.

– Die Wunder Jesu haben gar nicht stattgefunden, sondern sind nur „theologisch wahr“, nicht „historisch wahr“. Das bedeutet, dass man aus ihnen zwar metaphorische Einsichten gewinnen kann, sie aber nur nachträgliche Hinzufügungen sind.

– Dass „Johannes“ nicht der Autor des Johannesevangeliums sei, und schon gar nicht der Johannesbriefe oder der Apokalypse.

– Dass das Johannesevangelium eine theologische Meditation und kein historischer Erlebnisbericht des Lebens Jesu sei.

– Dass die Kirche seit dem 2. Vatikanischen Konzil (natürlich!) nicht mehr an die Hölle als Ort der Bestrafung glaubt.

– Dass die Trennung der christlichen von der jüdischen Religion die Folge politischer Notwendigkeiten, und nicht religiöser Differenzen war, und zum Teil aus einem exzessiven Abgrenzungswillen der schon damals „antisemitischen“ Christen folgte.

– Dass es zentrale Aufgabe der katholischen Theologie sei, die Traditionen der Kirche zu „hinterfragen“, also Munition gegen sie zu sammeln.

– Dass Paulus ein Frauenhasser gewesen sei.

– Dass der Teufel nur eine Metapher für das Böse im Menschen sei. [Anmerkung: Dann lassen sich überraschend viele Theologieprofessoren von einer Metapher verführen. Wirklich kläglich.]

Diese kurze Zusammenstellung mag genügen. Sie genügt in jedem Fall, um den christlichen Glauben zu einer Absurdität zu machen, und zwar zu einer abstoßenden Absurdität. Wenn das der christliche Glaube ist, kann man nur noch aus der Kirche austreten. Und weil das als christlicher Glaube gelehrt wird, kann man sich nicht wundern, wenn so viele Menschen aus der Kirche austreten. Sie haben das Christentum nie kennengelernt, also lehnen sie einen weitgehend fiktiven Glauben ab. Und sie lehnen ihn zurecht ab.

Wenn die Wunder Jesu nicht historisch real sind, dann ist das Christentum Unsinn. Denn ein bloß menschlicher Jesus kann uns nicht aus unseren Sünden erlösen. Er kann nicht auferstehen.

Die neue Religion der Theologen ist nicht mehr katholisch, ja nicht einmal mehr christlich. Sie leugnet implizit den einen absolut zentralen Inhalt der christlichen Religion.

Es kann nicht verwundern, dass man einen menschlichen Jesus nicht anbetet, dass die Realpräsenz geleugnet wird, dass die Liturgie bloß eine menschliche Mahlfeier sein soll, die der kreativen Gestaltung unterliegt, wenn Jesus nicht Gott war, nicht auferstanden ist, und bloß nette ethische Geschichtchen erzählt hat.

Es kann nicht verwundern, dass man eine Religion nicht ernst nimmt, die kaum mehr zu sagen hat, als jeder halbwegs weise heidnische Bauer an moralischer Weisheit in seinem eigenen Herzen vorfinden kann.

Es kann nicht verwundern, dass es keinen Priesternachwuchs gibt. Denn wer braucht Priester für eine Ethische Gesellschaft?

Das alles kann nicht verwundern, wenn an katholischen Fakultäten keine katholische Theologie mehr gelehrt wird. Was da gelehrt wird, das ist ein neuer Glaube, eine neue Theologie, eine neue Religion. Es ist weder katholisch noch christlich.

Die Bischöfe dulden es im Großen und Ganzen, zwischen stillschweigender Zustimmung und zustimmendem Stillschweigen schwankend. Es scheint ihnen durchaus nicht negativ aufzustoßen, jedenfalls nicht so negativ, dass sie ein Eingreifen für geboten hielten.

Wir haben eine massive Glaubenskrise. Ihr Ausmaß war mir theoretisch auch schon vor zwei oder drei Wochen bekannt. Aber es praktisch einmal selbst zu erleben, steigert vielleicht nicht die logische Überzeugungskraft, aber doch die subjektive Eindrücklichkeit einer solchen Einsicht.

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Inkrementalistischer Maximalismus

Einleitung

Der Titel klingt ein bißchen wie eine Mischung aus dem Produkt des Verstandes eines irren Philosophen mit einem Fremdwörterbuch, doch er scheint mir ganz treffend zu sein für die hier zu beschreibende Haltung.

Der folgende Artikel ist aus Anlass eines Kommentars auf diesem Blog entstanden; er ist aber nicht als Antwort auf diesen Artikel geschrieben und schon gar nicht als Kritik gemeint. Der Kommentar hat mich lediglich auf die Idee für diesen Artikel gebracht. Bei dem Artikel handelt es sich vielmehr um eine allgemeine Betrachtung über das Verhältnis von kleinen Fortschritten und dem Streben nach dem großen Ziel, das für den traditionellen Katholiken hinsichtlich der derzeitigen Kirchenkrise wohl nur in einer Rückkehr zur furchtlosen Verkündigung der Glaubenswahrheiten, ihrer entschlossenen Umsetzung im sittlichen Leben, und ihrem ehrfürchtigen und andächtigen Zelebrieren im traditionellen Messopfer bestehen kann.

Inkrementalistischer Maximalismus

Der inkrementalistische Maximalist strebt nach einem festen, unveränderlichen Ziel, das er nie aus den Augen verliert, er strebt nach dem Maximum. Aber zugleich hat er die Tatsache im Auge, dass er auf der Welt Widerständen begegnet, selbst in Kreisen, die eher als Verbündete und Mitstreiter erscheinen müssten, und daher nicht das ganze Ziel auf einmal erreicht. Daher sind ihm Kompromisse zwar zuwider, aber er geht sie trotzdem ein. Er ist mit kleinen Schritten zufrieden, solange sie in die richtige Richtung gehen, aber er würde niemals einem Schritt zustimmen, der in die falsche Richtung geht.

Er unterscheidet sich vom reinen Maximalisten durch seine pragmatische Kompromissfähigkeit und vom reinen Pragmatiker durch sein zielorientiertes, entschlossenes Handeln und Festhalten selbst an scheinbar unerreichbaren Zielen. Er will den Weg bis zum Ende gehen, aber er weiß, dass der längste Weg mit dem ersten Schritt beginnt, der bei einem langen Fußmarsch noch gar nicht wie ein Fortschritt anmutet, sondern eher als auf der Stelle treten erscheint. Er macht Kompromisse, ohne sein Ziel zu kompromittieren. Er freut sich leicht, aber ist nie zufrieden mit dem Erreichten.

Die Haltung des inkrementalistischen Maximalisten ist die vernünftigste Haltung in einer gefallenen Welt. Man kann nie alles erreichen, was man sich vorgenommen hat, und auch das niemals sofort oder ohne Widerstände. Alles ist unfertig und es wird zumindest als Menschenwerk unfertig bleiben. Dies ist jedoch für den inkrementalistischen Maximalisten kein Grund zur Verzweiflung, denn er ist froh, wenn er wenigstens einen Schritt zu seinem Ziel unternommen hat, wenn er auch nicht zufrieden ist, weil noch weitere Schritte zu tun sind.

Er ist absolut dogmatisch in den Prinzipien und dennoch im Rahmen dieser Prinzipien überaus flexibel.

Die Haltung des inkrementalistischen Maximalisten ist zudem die einzige, die nicht entweder zum zynischen Pessimismus oder zum unrealistischen Optimismus führt.

Kirchenkrise

Und damit komme ich auf die Situation in der Kirche: Unabhängig von der Frage, inwiefern die Texte der diversen strittigen Dokumente in Kontinuität mit der Tradition zu lesen sind, muss konstatiert werden, dass die Kirche in einer sehr tiefen Krise steckt, dass selbst innerhalb der Kirche sehr viele diese Krise leugnen und andere sie sogar insgeheim bejubeln, weil sie ihnen das Erreichen ihrer weltlich motivierten Ziele erleichtert und die Zerstörung der Kirche voranzubringen scheint. Das Trümmerfeld ist immens und die Suche nach Ursachen hat begonnen. Ist es das Konzil? Nur das Konzil, oder auch andere Zusammenhänge? Wenn ja, welche? Die Interpretation des Konzils? Seine Texte? Diese Fragen müssen aufgerollt werden, und sind sehr dringlich. Doch dieser Debatte möchte ich mich in diesem Artikel enthalten. Die Ursachen müssen festgestellt werden – furchtlos und ohne Scheuklappen – und dann müssen sie beseitigt werden.

Der Verfall der Liturgie ist in jedem Fall mit dem Verfall des Glaubens untrennbar verbunden, wenn auch der Zusammenhang nicht absolut ist. Eine schlechte, verweltlichte Liturgie führt zum Verfall des Glaubens. Umgekehrt führt der Verfall des Glaubens aber wiederum zu einem Verfall der Einsicht in die Notwendigkeit der Liturgie, und damit letztlich zu einem weiteren Verfall der Liturgie. Es ist im Wortsinne ein Teufelskreis.

Wenn nun zum Beispiel, wie kürzlich angekündigt, der Erzbischof von Miami ein Pontifikalamt im überlieferten Ritus zelebrieren wird, ist dies für den inkrementalistisch-maximalistischen Traditionalisten (4x ist in einem Satz… ähm… ist rekordverdächtig; sechsmal auch…) zunächst einmal ein Grund zur Freude. Natürlich wünscht er sich mehr. Er wünscht sich eine Wiedergeburt der Tradition in allen Bereichen. Er ist der Überzeugung, dass eine Rückkehr zur traditionellen Messe erforderlich ist, zumindest insofern, als dass die wesentlichen im Novus Ordo fehlenden Elemente, die im Einzelnen aufzuzählen hier zu weit führen würde, wiederhergestellt werden müssen. Er ist der Überzeugung, dass der gesamte traditionelle Glaube wieder selbstverständlich werden muss, erst in der Kirche, dann auch außerhalb, und dass die „Neuevangelisierung“ nur so zum Erfolg geführt werden kann.

Da ändert ein Pontifikalamt in der „forma extraordinaria“, so außerordentlich Form und Symbolcharakter auch sein mögen, überhaupt nichts an der misslichen Lage der Kirche. Die Kirchen bleiben leer, der Glaube weithin tot, die Menschen lauwarm und die Atmosphäre verweltlicht. Doch es ist dennoch ein Schritt in die richtige Richtung, ein wahrer Fortschritt im eigentlichen Sinn dieses Wortes, wenn ein Diözesanerzbischof einer großen westlichen Diözese sich nicht scheut, mit diesem Ritus sich in der Öffentlichkeit zu zeigen, ihn selbst zu zelebrieren. Größere Schritte sind denkbar und auch notwendig. Aber dieser eine Schritt ist getan.

Ein Eindruck

Mein Eindruck ist (vielleicht täusche ich mich, das möchte ich nicht ausschließen) dass viele überzeugte Traditionalisten diese kleinen Fortschritte viel zu kritisch sehen und zugleich viele andere glaubenstreue Katholiken über jeden kleinen Fortschritt jubeln, als ob jetzt bald die Kirche wieder in Ordnung wäre. Ich möchte diese beiden Gruppen „Maximalisten“ und „Optimisten“ nennen. Die Maximalisten sagen regelmäßig von den Optimisten, diese seien gar nicht wirklich traditionalistisch, sondern „neo-konservativ“ (was immer das heißen mag), denn sie seien ja damit zufrieden, dass der Papst seine Messen jetzt etwas traditioneller zelebriert als sein Vorgänger, oder dass mal eine vereinzelte Messe im traditionellen Ritus stattfindet usw. Im Gegensatz dazu werden die Maximalisten dann von den Optimisten als radikal oder gar fundamentalistisch bezeichnet, weil sie nicht bereit seien, die realen Fortschritte gutzuheißen, und sich lieber in einem Ghetto einschließen, statt aus den gegebenen Möglichkeiten das beste zu machen.

Wer in diesem ebenso endlosen wie sinnlosen Streit im Recht sein mag? Dazu habe ich keine Meinung. Beide Haltungen sind, unter den jeweiligen Prämissen, durchaus logisch. An beiden ist, wie man sagt, „etwas dran“. Sie sind nicht ganz falsch. Doch eben auch nicht ganz richtig.

Schlussfolgerungen

Die traditionelle Messe, die hier und dort nach Summorum Pontificum gefeiert wird, ist nicht genug. Eine Rückkehr zumindest zu den wesentlichen Elementen der traditionellen Liturgie ist dringend erforderlich. Besser wäre eine Restitution der Liturgie, die in Summorum Pontificum wieder freigegeben worden ist, zu ihrem rechtmäßigen Platz als nicht nur außerordentliche, sondern selbstverständliche Form des Römischen Ritus. Insofern haben die Maximalisten Recht. Der Papst könnte und sollte wieder nach diesem Ritus zelebrieren, und schließlich gilt dies überhaupt für alle Bischöfe und letztlich für die normale Feier der Messe in den einzelnen Gemeinden. Ähnliches ließe sich über die Katechese, die Theologie, die Priesterausbildung und diverse andere Bereiche ebenfalls sagen.

Doch die traditionelle Messe, die hier und dort nach Summorum Pontificum gefeiert wird, ist immerhin ein Anfang. Sie macht einige notwendige Elemente der Liturgie innerhalb der Kirche wieder hoffähig, wo sie über vierzig Jahre kaum noch existierten. Und jede Feier der traditionellen Messe ist ein Schritt in die richtige Richtung. Insofern haben die Optimisten Recht.

Doch wirklich Recht haben die inkrementalistischen Maximalisten, diejenigen, die sich über die kleinen Fortschritte genauso freuen wie die Optimisten, und dieselbe Zielvorstellung haben wie die Maximalisten, und daher nicht zufrieden mit der Entwicklung in der Kirche sein können, bis eine umfassende Rückkehr zur Tradition, nicht nur in der Liturgie, sondern auch in der Katechese und all den anderen umstrittenen Bereichen, stattgefunden hat.

Es mag inhaltliche Unterschiede geben, inwiefern eine vollständige Rückkehr zur Tradition gewünscht wird, oder ob nicht manche Veränderungen seit dem Konzil doch wirklich Verbesserungen sein könnten, die auch in einer der Tradition verpflichteten Kirche ihren angemessenen Platz finden müssen. Und wenn es solche Unterschiede gibt, dann sollten diese freundlich und in gegenseitiger Verbundenheit diskutiert werden, denn es handelt sich durchaus um wichtige und ernstzunehmende Fragen. Doch von diesen Unterschieden abgesehen, sollten alle der Tradition verbundenen Katholiken zusammen für die von ihnen gewünschten Veränderungen eintreten, mit den Mitteln, die ihnen in ihrer jeweiligen Lage zur Verfügung stehen, und sich über jeden noch so kleinen Erfolg freuen, als ob gerade ein großer Durchbruch gelungen sei.

Gott? Welcher Gott?

Wieder einmal hat es eine Umfrage gegeben, in der sich die Mehrheit der Deutschen als gottgläubig bezeichnet, und sogar 59% erklärten, sie glaubten, Christus sei Gottes Sohn. Ferner gab knapp die Hälfte der Befragten an, sie hätten vor einen Weihnachtsgottesdienst zu besuchen. In diesem Fall ist es eine repräsentative Umfrage von Emnid, also eines durchaus renommierten Meinungsforschungsinstituts. Das Problem ist nur, dass man daraus keine vernünftigen Schlüsse ziehen kann. Denn dieselbe Umfrage findet auch heraus, dass nur 6 (in Worten: s e c h s) Prozent der Deutschen ein Tischgebet sprechen. Weniger als ein Drittel glaubt an das bereits im Glaubensbekenntnis verankerte jüngste Gericht. Nur fünf Prozent lesen regelmäßig in der Bibel. Wir wissen ferner, dass nur etwa 10% der Katholiken und 5% der Protestanten sonntags einen Gottesdienst besuchen. Das macht, bezogen auf die Gesamtbevolkerung eine Gottesdienstteilnahme von etwa 5%.

Insgesamt lässt sich also konstatieren, dass etwa fünf Prozent der deutschen Bevölkerung dem christlichen Glauben anhängt, und da sind die evangelischen Gemeinschaften bereits eingerechnet. Dazu kommen, wenn manandere relevante Weltreligionen auch noch hinzurechnen möchte, mikroskopisch kleine Grüppchen praktizierender Juden und die hinlänglich durchdiskutierten Moslems, die wohl realistisch betrachtet als die derzeit größte und wichtigste religiöse Gruppe in Deutschland gelten müssen.

Vor dem Hintergrund der bekannten sonstigen Zahlen, der anderen Umfrageergebnisse aus der oben erwähnten Emnid-Umfrage, und dem allgemeinen, generell unwidersprochen hingenommenen antichristlichen gesellschaftlichen Klima, erscheint die Behauptung, fast 60% der Deutschen glaubten an die Gottessohnschaft Jesu Christi und sogar mehr als 60% glaubten an Gott, fast wie ein schlechter Scherz. Wenn 60% der Deutschen an einen Gott glaubt, dann ist es offenbar kein christlicher Gott.

Doch es scheint nur so. In Wahrheit ist es kein schlechter Scherz. Denn nicht nur die gläubigen Christen glauben an die Gottessohnschaft Jesu Christi. Auch der Satan glaubt – und zittert.

Abschlussfrage: Soll sich die Kirche dieser Welt wirklich öffnen, oder wäre es nicht angemessener, aus der Kirche eine Trutzburg gegen den heraufziehenden Sturm zu machen, die dann allen gutwilligen Menschen eine Zuflucht bieten könnte?

Erneut zum Priestermangel

Ich veröffentlichte gestern ein „Zehnpunkteprogramm“ gegen den Priestermangel, das sich vorwiegend auf Vorschläge beschränkte, die man auf Gemeindeebene umsetzen kann, für die man also nicht auf das schwerfällige Umsteuern der deutschen Bischofskonferenz warten muss (da kann man nämlich lange warten…).

Dennoch liegen ganz wesentliche strukturelle Gründe für den heutigen Priestermangel natürlich auf einer Ebene, die die einzelne Gemeinde nicht allein beheben kann. Ich hatte eigentlich vor, an dieser Stelle eine Ergänzung zu verfassen, die mögliche Reformen auf Bistumsebene, an den Priesterseminaren, am Rätewesen der deutschen Bischofskonferenz und teilweise gar an der generellen kirchlichen Praxis in der westlichen Welt betrachtet hätte.

Wie mir jedoch inzwischen aufgefallen ist, kann ich einfach auf den weitaus besseren Aufsatz von Prof. Dr. Georg May verweisen, den er zu exakt demselben Thema geschrieben hat. Ich spare mir daher die Formulierung eigener Thesen und schließe mich schlicht den Worten des Aufsatzes an. Besser hätte man es nicht sagen können!

Abschließend noch ein Verweis auf einen schon etwas älteren, aber erst gestern von mir entdeckten Artikel auf Katholisches, der sich mit sehr interessanten Statistiken und Trends in den französischen Priesterseminaren beschäftigt, welche sich mehr oder weniger wohl auch auf die deutsche Situation übertragen ließen. Wenn die im Artikel angegebenen Daten stimmen, dann gehört bereits heute jeder dritte französische Seminarist entweder einer der traditionellen Messe verbundenen Ecclesia-Dei-Gemeinschaft oder der Piusbruderschaft an. Ferner:

Hinzu kommt, daß die Bischöfe und Regenten der Priesterseminare feststellen, daß ein wachsender Teil der „ordentlichen“ [nach der Sprachregelung des Artikels diejenigen, die keine Seminaristen des „Alten Ritus im Sinne von Summorum Pontificum“ sind, Anm. v. Catocon] Seminaristen sich offen zu traditionalistischen Tendenzen bekennen und das Recht beanspruchen, in beiden Formen des Ritus ausgebildet zu werden. Es handelt sich bereits um jeden fünften „ordentlichen“ Seminaristen, wahrscheinlich sogar mehr, wobei Paris derzeit eine Ausnahme bildet.

Wenn diese Zahlen stimmen, dann schrumpft die Zahl der Seminaristen immer weiter, mit ihr auch die Zahl der Priester, wobei der richtige Priestermangel erst noch kommt, wenn die heute 65 bis 75 Jahre alten Priester, die zumeist wohl noch vor 1970 geweiht worden sind, sterben oder aus anderen Gründen nicht mehr zur Verfügung stehen können. Doch hinter diesen drastischen Zahlen verbergen sich konstante bis leicht zunehmende Seminaristenzahlen bei allen traditionellen Gemeinschaften (definiert als Anhänger der „Alten Messe“), die noch höher sein könnten, wenn die Kapazitäten dieser Seminare ausreichend wären. Hält dieser Trend an, so kann man damit rechnen, dass eine paradoxe Situation entstehen wird:

Während einerseits die meisten Bischöfe sich weigern, mit den traditionellen Gemeinschaften zu kooperieren, selbst wenn sie sich in voller Einheit mit Rom befinden, und damit einen großen Teil des Priesternachwuchses aus ihren Diözesen fernhalten, übernehmen aus Angst vor der Feier der traditionellen Messe und des Bekenntnisses des traditionellen katholischen Glaubens (mit dem vorgeschobenen Feigenblatt des Priestermangels) mehr und mehr Laien die Gemeindeleitung und zerstören damit die Kirche von innen heraus.

Wann wird der Zeitpunkt kommen, an dem die französischen Bischöfe, um deren Bistümer es bei den hier beschriebenen Zahlen ja geht, ihre Kirchen endlich für die große Zahl an Priestern öffnen, mit der sie den Priestermangel zumindest mildern könnten?

Diese Entwicklung steht sinnbildlich für die Tatsache, dass es keinen Priestermangel gibt, der irgendwie für sich genommen ein Problem wäre, sondern vielmehr einen Glaubensmangel, besonders unter den Priestern und Bischöfen. Um nur einen ganz kurzen Abschnitt aus dem hervorragenden Aufsatz von Prof. Dr. May zu zitieren (den spätestens nach dem Ende dieses Artikels alle Leser sich zu Gemüte führen sollten):

Der Kardinal Šeper, Präfekt der Glaubenskongregation, der es wissen mußte, hat einst den Satz geprägt: „Die Krise der irche ist eine Krise der Bischöfe.“ An der Richtigkeit dieser Feststellung, hat sich bis heute nichts geändert.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Die Avantgarde des Fortschritts in Kirche…

Father Z dazu:

„If you and I wanted to make fun of the idea of women bishops, could we beat this?“

(Es ist anzumerken, dass die Leute auf dem obigen Bild Anglikaner sind – aber gibt es nicht ebensolche Vertreter auch im Katholizismus? Manchmal hat man den Eindruck, sie merken gar nicht mehr, wie weit sie sich von dem entfernt haben, was sie angeblich vertreten wollen.

Von der klar entschiedenen Frage der kirchlichen Lehre zum Thema mal ganz abgesehen – selbst wenn die Kirche Frauen zu Priestern oder Bischöfen weihen könnte oder wollte: Diese Kandidatinnen kämen sicherlich nicht in Frage.)

Und was ist das für ein komischer blau-weiß gepunkteter Leuchtturm (Kaffeekanne? Oder was auch immer…) oben links in der Ecke? Hat er eine besondere Aussage?

Papst Benedikt kommt…

… nach Deutschland, aber nicht alle freuen sich darüber, wie der Leser sicher schon weiß.

Ein schöner englischsprachiger Artikel zum Papstbesuch und den Schwierigkeiten, mit denen Benedikt in seiner Heimat zu kämpfen haben wird, findet sich hier. Einige kurze Auszüge:

In one sense, the Church is extremely present in everyday German life. It is after all one of Germany’s biggest employers. Amply funded by a church tax levied on all Germans who identify themselves as Catholic, the Church runs thousands of educational institutions, hospitals, retirement homes, foreign aid programs, and so on.

It has, however, also become heavily bureaucratized — something to which Benedict alludes in his interview-book Light of the World. Nor is it clear what distinguishes many German Catholic institutions from those of a more secularist bent. Moreover, by no means do all the people working in the Church’s numerous agencies profess to be faithful Christians.

(…)

[B]ureaucratization is symptomatic of a deeper malaise in German Catholicism. And that problem boils down to one thing: a failure on the part of many German Catholics to teach the Catholic faith because of the distance they’ve put between themselves and the truth-claims of that faith.

Anyone who reads German theological journals will tell you that much of Germany’s Catholic theological establishment sits rather loosely towards orthodox Catholicism. Much of it seems more intent on deconstructing that faith than illuminating its principles.

It’s also true that they and many other German Catholics are now essentially liberal Protestants in the way they view Christianity and the world. And liberal Protestantism is, as the legal historian Harold J. Berman (himself a mild Baptist) once wrote, merely one step away from agnosticism.

Ein anderer kurzer Artikel bei Rorate Caeli befasst sich mit dem Boykott des Papstbesuches durch etwa 100 deutsche Bundestagsabgeordnete. Die These ist, dass die Protestler durch ihr Verhalten indirekt die Unfehlbarkeit der Bibel unterstreichen: So zitiert man dort:

„Amen, I say to you, that no prophet is accepted in his own country.“ (St. Luke iv, 24)

Auch eine interessante Perspektive auf Proteste, die in Deutschland auf eine sympathische Öffentlichkeit stoßen werden.

Beide Artikel weisen auf einen wesentlichen Defekt im deutschsprachigen Katholizismus hin: Es fehlt auf beiden Seiten der Debatte schlicht die Kenntnis des katholischen Glaubens. Wäre die Argumentation der Kirche in den verschiedenen umstrittenen Fragen allen Befürwortern und Gegnern bekannt, so könnte man sachliche und zielführende Streitgespräche erwarten. Doch solange die Kirche in Deutschland die Wahrheit bei jeder Gelegenheit verwässert und herunterspielt, werden weder die Befürworter noch die Gegner des Papstes zu intelligenten Diskussionen in der Lage sein. Solche Diskussionen werden weiter auf einige kleine Zirkel beschränkt bleiben, die in der öffentlichen Wahrnehmung praktisch nicht vorkommen.

Deswegen: KATECHESE STATT DIALOG!

Aufruhr in England und der Kirche

Fundstück beim unverzichtbaren Father Z:

In London and elsewhere in England there were riots, and there will be more upheaval there and in Europe, because those values which restrain people, which make them think about others, which instil in young people a sense of right and wrong, have been undermined.  They are imbued with relativism and its fruits, and they rampage around, doing what they feel like doing, without reference to the common good.  This has come about because parents and schools and the media have in a double effort of reckless irresponsibility, not exercised governance and discipline over their children.  In London and elsewhere they are now reaping the results.  Neighborhoods are terrorized, businesses harmed, and the fabric of society weakened, thus perpetuating the recourse to violence.

 

In the Church, there has been relatively little exercise of discipline of the Faith in schools and pulpits as far as teaching is concerned, and little oversight in some places for liturgical worship.  The lack of clear Catholic teaching or the mixed messages that come from heterodoxy in one parish and fidelity in another, even between priests in the same parish, has produced the impression that even the clearest dogmas of the Faith are up to personal choice and interpretation.  This has produced gangs which can roam nearly unchecked up and and down the streets of the Church, rampaging and intimidating and spiritually bullying the faithful, leaving them spiritually impoverished and confused.  The theological hoods, yobs, are now almost entirely beyond hope.  They do violence to the Church’s doctrine and worship, and thereby diminish the fabric of the Church wherever they are.

Ein provokativer, doch treffender Vergleich!