Grüne für Geschlechtertrennung an Schulen?

Die Schulministerin von NRW, Sylvia Löhrmann von der Wassermelonenpartei (außen grün, innen rot…) hat jetzt an dieser Stelle einmal ein Lob verdient. Der Leser mag sich die Augen reiben. Der erzkonservative Catocon lobt eine grüne Schulministerin? Man mag es wirklich kaum glauben. Doch Wunder gibt es bekanntlich immer wieder, auch wenn moderne Theologen das oft nicht mehr einsehen können. Was ist geschehen?

Das Presseorgan der Dunkelkatholiken, kath.net, schreibt unter Berufung auf die WELT:

Die Schulministerin von Nordrhein-Westfalen (NRW), Sylvia Löhrmann (Grüne), fordert geschlechtergetrennten Unterricht in manchen Fächern. Das meldet die „Welt“.
In Naturwissenschaften, Mathematik oder Informatik könne dies sinnvoll und förderlich sein, wie Studien zeigten: Schülerinnen entwickelten sich in Mädchengruppen in diesen Fächern besser. Es gehe darum, dem „unterschiedlichen Zugang von Jungen und Mädchen zum Lernen gerecht zu werden“, sagte die Grünen-Politikerin.“

Ja, da erkennt eine Politikerin der Genderpartei real existierende Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen an! Natürlich lernen Mädchen, gerade in einem bestimmten Alter, besser mit anderen Mädchen, und Jungen mit anderen Jungen. Zudem haben Mädchen und Jungen im Durchschnitt unterschiedliche Begabungen, was eine gesunde Schulpolitik, wie die Ministerin richtig sagt, berücksichtigt werden muss:

„Lehrkräfte müssen darauf vorbereitet werden, dass Mädchen einen anderen Zugang brauchen, um anzubeißen“, sagte Löhrmann. Mädchen bräuchten in der Naturwissenschaft eher einen Anwendungsbezug, müssten wissen, wofür sie es konkret brauchen könnten, während viele Jungen Technik an sich fasziniere.

Wie richtig! Es deckt sich nicht nur mit meiner eigenen Erfahrung, sondern auch mit dem gesunden Menschenverstand und einer realistischen Einschätzung der geschlechtlichen Verschiedenheit zwischen Mann und Frau, die auch in einem christlichen Menschenbild einen wichtigen Platz genießt. Natürlich könnte man an dieser Stelle kritisieren, dass sie weiterhin nur auf den Lernerfolg von Mädchen konzentriert ist, und die gerechtfertigten Belange von Jungen vollkommen ignoriert werden, doch wir wollen an dieser Stelle wohlwollend über Schwächen hinwegsehen, die kaum vermeidlich sind, wenn man von ganz weit her, von weitab des christlichen Menschenbildes, kommt. Doch einen Moment noch! Frau Löhrmann hat sogar hier Einsicht:

„Bei der Leseförderung könnten wiederum Jungen von getrennten Lerngruppen profitieren, wenn Bücher ausgewählt werden, die sie mehr ansprechen.“

Selbst dieser eine Kritikpunkt, den man sonst den seltenen vernünftigen Äußerungen zu Geschlechterfragen bei den Grünen immer noch anzuhängen vermag, die feministische Zentriertheit auf Mädchen, trifft Frau Löhrmanns Worte nicht.

Wenn man das liest, traut man seinen Augen nicht. Ist das eine Ente? Oder hat die grüne Schulministerin das tatsächlich gesagt?

Ein großes Lob für diese klaren Worte von Frau Löhrmann. Es wäre zu hoffen, dass diese mutige Initiative, die sicher seitens der radikalen Feministen auf harsche Kritik stoßen wird, auch umgesetzt wird, und daher Schüler nordrhein-westfälischer Schulen bald in den Genuß dieser neuen Regelung kommen werden. Immerhin wäre das eine gute Entscheidung im Ozean einer sonst immer hoffnungslos angestaubten egalitär-sozialistischen Bildungspolitik der rot-grünen Landesregierung.

Und was sagen die Anhänger eines christlichen Menschenbildes dazu? Nun, der Bundesvorsitzende der Schüler-Union hat sich dazu geäußert. Kath.net schreibt:

„Eine Geschlechtertrennung gehörte vor hundert Jahren zur Schulpolitik, heute ist unsere Gesellschaft schon deutlich weiter“, erklärt Bundesvorsitzender Lutz Kiesewetter die Haltung der Schüler Union in einer Aussendung, und nannte den Vorschlag eine „absurde Idee“.

Na toll! Wie immer ist die „C“DU treu auf Linie orthodoxen Alice-Schwarzer-Feminismus, und überholt jetzt die Grünen noch hinsichtlich des Egalitarismus links. In der Tat ist die Geschlechtertrennung Schulpolitik von vor 100 Jahren, die durch das Aufkommen des Feminismus und den scheinbar endgültigen Sieg des radikalen Egalitarismus seit Jahrzehnten erledigt schien.

Jetzt entdeckt die grüne Schulministerin den Wert dieser durch und durch konservativen Idee wieder, und die CDU hat nichts besseres zu tun, als der Regierung in den Rücken zu fallen, weil die Grünen nicht progressiv genug sind?

Angela Merkel jubelt, während Konrad Adenauer sich wieder einmal im Grab umdreht, wie schon so oft seit seine Partei von rückgratlosen Karrierefanatikern vollkommen unwählbar gemacht worden ist. Das Argument lautet dann immer, man solle die CDU wählen, weil sie das kleinere Übel sei.

Doch wenn das so weiter geht, dann ist sie auch nicht einmal mehr das kleinere Übel, sondern einfach das linientreue Organ der antichristlichen Eliten, verglichen mit der sich sogar hartlinke Feministinnen wie Sylvia Löhrmann noch fast konservativ-traditionell ausnehmen.

Wie gesagt, ein Lob für Sylvia Löhrmann. Und, wie inzwischen üblich, ein Armutszeugnis für die selbsternannten Verteidiger eines „christlichen“ Menschenbiles.

Freiheit oder Sozialismus?

Die Ausspruch der Grünenpolitikerin Claudia Roth, zu dem ich hier bereits geschrieben habe, hat auch auf anderen Blogs Resonanz und Diskussion gefunden. In einer dieser Diskussionen wurde die recht grundsätzliche Frage aufgeworfen, ob und inwiefern Demokratie überhaupt etwas Gutes sei, oder ob ihre Auswirkungen nicht auch sehr negativ interpretiert werden könnten.

Es ist wichtig, hierbei einige Unterscheidungen zu treffen, die bei einer flüchtigen Debatte nur allzu gern unberücksichtigt bleiben, um die Teilnehmer wechselnd als „Faschisten“, „Totalitaristen“, „Reaktionäre“, „Monarchisten“, „Demokratisten“ usw. zu bezeichnen, oder eigentlich eher zu beschimpfen. Wir müssen erst einmal klären, was wir mit dem Wort „Demokratie“ überhaupt meinen. Grob gesagt lassen sich mindestens drei verschiedene Bedeutungen unterscheiden.

1. Demokratie bedeutet Herrschaft des Volkes und besteht darin, dass das Volk entweder direkt oder durch seine gewählten Vertreter die der politischen Sphäre zugehörigen Entscheidungen trifft. In diesem Sinn ist Demokratie einfach eine von vielen Möglichkeiten, zu solchen politischen Entscheidungen zu kommen, und ebenso legitim wie andere Formen der Entscheidungsfindung, etwa durch einen König, oder eine ungewählte Ratsversammlung. Schon Aristoteles und Platon wussten aber, dass eine so verstandene Demokratie dazu tendiert, unweise, von der Leidenschaft der Massen beeinflusste Entscheidungen zu treffen, die nur selten mit dem tatsächlichen Gemeinwohl übereinstimmen. Direkte Demokratien tendieren zusätzlich noch zur Instabilität, repräsentative Demokratien sind generell etwas stabiler, und haben durch die Wahl von Repräsentanten auch eine weitere Sicherung gegen die Ochlokratie. Demokratien dieser Art möchte ich Demokratien im eigentlichen Sinne oder einfach nur Demokratien nennen.

2. Demokratie bedeutet eine Herrschaft des Volkes im obigen Sinne, bei der das Volk jedoch durch eine sorgfältig formulierte (und selbst nicht wieder vom Volk veränderbare) Verfassung in der Ausübung seiner Macht begrenzt ist, indem legislative, exekutive und judikative Gewalt getrennt und auf unterschiedlichen Wegen legitimiert werden, um die vorhandene Macht auf möglichst viele Teilnehmer zu verteilen, und dadurch die Gefahr der Regierung durch Leidenschaften zu vermeiden. Zudem stellt eine so verstandene Demokratie durch die Verfassung bestimmte Grundrechte für ihre Bürger fest, durch die der Bürger vor dem Zugriff durch das Kollektiv / den Staat geschützt werden soll. Und schließlich wird die Machtbefugnis des so begründeten demokratischen Staates auf eine streng begrenzte Kompetenzsphäre beschränkt, so dass totalitäre Gesamtzugriffe auf das Volk, auf Minderheiten usw. nicht möglich sind. Eine Demokratie in diesem Sinne nenne ich in Anlehnung an die amerikanischen Gründerväter eine „Republik“.

3. Demokratie kann aber auch noch in einem dritten Sinn verstanden werden, nämlich dass das Volk als Ganzes, als Kollektiv, alle Entscheidungen selbst trifft. Dann stünde Demokratie nicht mehr im Gegensatz zur Monarchie, sondern im Gegensatz zur individuellen Freiheit – Herrschaft des Volkes, soweit es als Kollektiv Volk ist, gegen Herrschaft des Einzelnen. Die eigentliche Macht liegt beim Kollektiv, nicht beim Individuum oder irgendeiner kleineren Gruppe innerhalb des Volkes (wie Familie, Kirche, Unternehmen…) Diese Form der Demokratie ist generell unverträglich mit Beschränkungen der Macht des Kollektivs, weil das Kollektiv diese jederzeit zurücknehmen würde. Es handelt sich um die „totale Demokratie“, um eine radikale, ideologische Übersteigerung der Demokratie im eigentlichen Sinne. Eine solche Demokratie könnte man treffend Kollektivismus nennen, entspricht aber auch dem Demokratieverständnis der Sozialisten und Kommunisten.

Die Demokratie im eigentlichen Sinn ist moralisch neutral – ihre Bewertung hängt von den Ergebnissen, den Resultaten ab. Macht eine solche Demokratie gute Politik, ist sie gut, macht sie schlechte Politik, ist sie schlecht. Meist machen Demokratien dieses Typs aufgrund der erwähnten Probleme jedoch schlechte Politik, bringen Instabilität, Chaos und Korruption hervor, und führen entweder zum Sturz der Demokratie, oder zu ihrer faktischem Umwandlung zur Ochlokratie.

Die Republik vermeidet die Schwierigkeiten der Demokratie und ist generell sehr stabil. Machtwechsel finden durch Wahlen statt, aber es gibt auch nicht aus dem Volk stammende Legitimationen, wie etwa die Verfassung, die generell sogar über dem Willen des Volkes steht. Das Volk wird an einer totalen Herrschaft gehindert. Das beste Beispiel für eine Republik waren die frühen USA, jedoch zeigt die Geschichte auch hier, dass die Republik auf lange Sicht zu einer Demokratie im eigentlichen Sinn wird, weil Verfassungen letztlich nur Worte auf Papier sind, und Papier geduldig ist. Der Damm gegen die ochlokratischen Leidenschaften kann nicht dauerhaft halten. Somit ist die Republik, so positiv sie auch sonst zu bewerten ist, nicht ohne Schwierigkeiten und auch keine endgültige Staatsform für die Ewigkeit, wie manche zu glauben scheinen.

Der Kollektivismus oder Sozialismus ist als Staatsform vollkommen ungeeignet, weil er unfähig ist, individuelle Freiheiten und die Rechte gewachsener vermittelnder Körperschaften wie Familie, Privatunternehmen und alle anderen freiwilligen Zusammenschlüsse und ganz besonders der Kirche zu respektieren. Alle Macht geht vom Volke aus. Und zwar vom Volk als Volk, als Kollektiv. Dies ist das Demokratieverständnis einer Person, die sich zu der Aussage versteigt, es dürfe keine demokratiefreien Räume geben, wie Frau Roth dies gegenüber Bischof Zdarsa im speziellen und gegen die Kirche im allgemeinen getan hat. Wo immer noch etwas ist, das nicht nach dem Willen des Kollektivs, vertreten durch seine intellektuelle Avantgarde, geregelt und geordnet ist, kann der Kollektivist nicht ruhen, er muss kämpfen, unterwandern, zerstören, bis alles eine Wüste gleich großer, staatlich zertifizierter Käfige für alle ist.

In diesem kollektivistischen Sinn ist die Demokratie sogar der Inbegriff des Totalitarismus. Totalitarismus bedeutet totale Staatsherrschaft und ist daher durchaus kein Sondermerkmal der „rechten“ Nationalsozialisten. Das Wörtchen „Sozialisten“ ist übrigens auch hier verräterisch, denn es sagt aus, wofür diese Bewegung hinsichtlich der Demokratie stand. Für ein kollektivistisches System, in dem das Volk, vertreten durch seinen per Akklamation bestätigten Führer, alles regulierte und alles gleichschaltete. Dass ein solches System meist zu schrecklichen Verbrechen wie dem Holocaust, oder auf der anderen Seite des politischen Spektrums zu den Massenmorden Stalins und Maos führt, ist bekannt. Doch selbst wenn solche Mordtaten in dem einen oder anderen totalitaristischen System ausbleiben, ändert dies nichts an der fundamentalen Verwerflichkeit dieses Systems.

Die Soziallehre der Kirche hat immer daran festgehalten, dass die Freiheit der vermittelnden Gemeinschaften, besonders der Kirche, und direkt danach der Familie, aber auch die Freiheit von Eigentümern und Unternehmern, ganz wichtig für eine gerechte Ordnung der staatlichen Gemeinschaft ist. Diese Ordnung war in der Vergangenheit in christlichen Staaten meist monarchistisch, wobei das Wort irreführend ist, denn es herrscht im Staate zwar nur einer, aber dieser eine muss sich trotzdem mit einem oft widerspenstigen Adel auseinandersetzen, und seine Machtmittel waren historisch gesehen meist so gering, dass er wenig bewirken konnte. Ein Totalitarismus ist das jedenfalls nicht.

Doch auch wenn in der Vergangenheit meist monarchisch regiert wurde, ist eine demokratische Staatsform jederzeit legitim und akzeptabel, solange es sich um eine Republik im oben definierten Sinne handelt. Auch eine eigentliche Demokratie wäre akzeptabel, aber aufgrund ihrer Instabilität meist nicht wünschenswert. Grundsätzlich muss die kirchliche Soziallehre aber den Kollektivismus ablehnen, und hat dies immer wieder ausdrücklich getan. Diese Ablehnung ist eine Ablehnung aus Prinzip, eine Ablehnung, die völlig unabhängig von den Umständen ist. Dass das Volk durch Wahlen einige Dinge selbst entscheidet, ist akzeptabel und durchaus sinnvoll. Dass das Volk als Kollektiv alle Macht haben soll, oder doch zumindest alle Macht ohne Beschränkungen von ihm ausgehen soll, ist nicht nur sinnlos, sondern auch inakzeptabel.

Das Problem an Frau Roths Äußerung ist nicht ihr Einsatz für Demokratie, sondern ihr Einsatz für eine kollektivistische oder sozialistische Demokratie, in der das Volk, vertreten durch seine Führer, über alle Macht verfügt, und daher individuelle Personen, kleinere Gebietskörperschaften wie Städte, Landkreise, Bundesstaaten, und gebietslose unabhängige Körperschaften wie Kirche, Familien, Privatunternehmen, letztlich auch Gewerkschaften, vollkommen entmachtet und unter die Knute des Kollektivs gezwungen werden. Eine solche Demokratie ist nicht nur antichristlich, antikatholisch und antikirchlich, sondern auch noch antiliberal und antifreiheitlich.

Es lohnt sich daher, einen alten Slogan wieder hervorzukramen. Wir wissen, dass Frau Roth kein Interesse am Wohlergehen der Kirche hat und mit christlichen Argumenten hinsichtlich der monarchischen Führung der Kirche nicht wird überzeugen lassen. Doch sie bekennt sich immer wieder zur Freiheit. Frau Roth muss sich fragen lassen, was sie denn nun will: Freiheit oder Sozialismus.

Die totale Demokratie als grüner Antiliberalismus

Bischof Zdarsa, der nach wie vor den Maulkorb gegen den kirchentreuen Pfarrer Oblinger  (hier seine Kolumnen bei der Jungen Freiheit) nicht aufgehoben hat, erfährt gerade, wie weit es mit der Loyalität der Säkularisten her ist, selbst wenn man ihnen in manchem durchaus entgegenkommt. Selbst wenn man katholische Pfarrer mundtot macht, die nur den Glauben der Kirche und scharfsinnige Analysen in einem konservativen Wochenblatt veröffentlicht haben, ist man noch längst kein angesehenes Mitglied der modernden Modernen.

Wenn man aus der Reihe tanzt, beginnt der Spießrutenlauf. Vielleicht wird der Bischof in Zukunft wissen, wer auf seine Seite ist, und wer eben nicht. Zu wünschen wäre es dem ganzen Bistum Augsburg.

Wie kath.net berichtet, ist nämlich der hochwürdige Bischof Zdarsa des Verrats an der totalen Demokratie schuldig, die im Moment alle zeitgeistigen Menschen dringend herbeizwingen wollen. Dort wird der Bischof zitiert:

„Kirche ist keine Demokratie. Das ist leider ein Missverständnis. Sondern wir sind ausgerichtet auf Christus. Jeder hat seine Aufgabe, seinen Dienst, und den darf er nicht durchführen aus Selbstherrlichkeit oder Machtbewusstsein, sondern im Dienst an Christus und den Gläubigen.“

An diesen Worten ist nichts auszusetzen – weder vom Standpunkt eines Katholiken noch vom Standpunkt eines liberalen Demokraten, der die selbst propagierte „Religionsfreiheit“ ernst nimmt. Die Kirche kann sich aus dieser Sicht so organisieren wie sie will, und da ja Kirche und Staat im Liberalismus strikt getrennt sein sollen, hat der Staat der Kirche nicht in ihre inneren Strukturen hereinzureden. Wenn die Kirche und der Staat getrennt sind, dann gehört der Staat nicht zur Kirche – aber die Kirche auch nicht zum Staat. Und also kann man eine demokratische Staatsordnung durchaus für wünschenswert halten – und trotzdem für die Kirche eine andere Struktur befürworten.

Genau das tut Bischof Zdarsa. Er ist kein Antidemokrat im Staate, aber gegen Demokratie in der Kirche. Denn die Kirche hat einen König, und den abzusetzen sind wir nicht befugt. Jesus Christus ist das Haupt der Kirche, und er hat einen irdischen Stellvertreter, den Papst, eingesetzt, dem damit die Vollmacht der Herrschaft zukommt. Die Unterordnung unter den König Christus ist damit fundamental für die Kirche, und ein Staat, der sich Religionsfreiheit und Liberalismus auf die Fahnen schreibt, sollte die Fähigkeit besitzen, dies zu respektieren.

Doch das ist immer weniger der Fall. Denn Claudia Roth möchte keine Religionsfreiheit und keine Trennung von Staat und Kirche, sondern eine Staatskirche. Sie kritisiert laut kath.net den Bischof:

„Wir wollen keine demokratiefreien Räume in unserer Gesellschaft.“ Als Teil einer demokratischen Gesellschaft müsse die Kirche deren Kern widerspiegeln.

Man lasse sich dieses antiliberale, freiheitsfeindliche, geradezu inquisitorisch-mittelalterliche Staatsverständnis nur einmal auf der gespaltenen Zunge zergehen. „Wir“, Königin Claudia I:, „wollen keine demokratiefreien Räume“. Alles hat sich nach „unserer“ Präferenz zu richten, weil „wir“, Königin Claudia I. ganz demokratisch der Staat sind. Die Sonnenkönigin gesteht der Kirche gnädig – dank sei ihrer durchlauchtigsten Majestät – zu noch ein „Teil einer demokratischen Gesellschaft“ zu sein, aber nur, wenn sie „deren Kern“ widerspiegelt. Also wenn sie sich nicht von der breiteren Gesellschaft unterscheidet.

Solange alle Institutionen nach dem Bilde der totalen Demokratie erschaffene Abziehbilder des demokratischen Staates, also Klone der Krone ihrer durchlauchtigsten Majestät sind, dürfen sie weiterexistieren.

Ungesagt bleibt, was geschieht, wenn sich die Gallier gegen diesen Gleichschaltungsimpuls wehren sollten.

Kardinal George hatte recht: Er wird im Bett sterben, sein Nachfolger im Gefängnis. Wenn die deutschen Katholiken nicht bald die Kurve kriegen, wird es Bischof Zdarsa ähnlich ergehen, und da kann er noch so viele Besänftigungsgesten an die Modernisierer schicken. Denn es geht ums Ganze, um den ganzen, zusammenhängenden Glauben, der per Salamitaktik amputiert werden soll. Und wer nicht für den Glauben ist, der ist gegen ihn. Und wer nicht für die totale Demokratie ist, der ist gegen sie.

Am Ende wird man sich entscheiden müssen. Der Liberalismus ist nur eine Übergangsphase. Kirche und Staat sind nun einmal ihrer Natur nach verschieden, haben unterschiedliche Aufgabenbereiche, die aber nicht vollkommen getrennt werden können. Und wenn es zum unausweichlihen Konfikt kommt, muss man entweder zusammenarbeiten, oder einander bekämpfen. Wenn der Staat bei einer Zusammenarbeit unter den Vorzeichen der liberalen Trennung von Kirche und Staat aber nicht die Autonomie der Kirche ebenso respektiert wie er es umgekehrt von der Kirche verlangt, greift der Staat einfach nach der Macht über die Kirche.

Bischof Zdarsa sollte mal privat mit den Anglikanern reden, die jetzt gerade zur Kirche zurückkehren, und aus dem brennenden Haus des Anglikanismus dank Anglicanorum Coetibus zu entkommen versuchen. Die werden ihm schon sagen, wie wunderbar die Eingliederung der Kirche in den totalen Staat ist.

Und sich dann überlegen, wie er handeln würde, wenn die Avantgarde der antikatholischen Revolution den logischen nächsten Schritt tut und ihre Rhetorik umzusetzen versucht.

Erzbischof Robert Zollitsch und die Häresie

Herr Zollitsch, der Vorsitzende der Bischofskonferenz der Deutschen Nationalkirche, hat kath.net zufolge die Meinung geäußert, es werde eine „Veränderung in der katholischen Kirche beim Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen“ geben – zu seinen Lebzeiten, d.h. in relativ kurzer Zeit. Warum? Das sei alles eine „Frage der Barmherzigkeit“. In dem Artikel heißt es über Zollitsch:

Er frage sich manchmal, warum es nicht schneller gehe. Manche in Rom „wittern gleich den Glaubensabfall, wenn wir in Deutschland etwas kontroverser diskutieren“. In der Weltkirche zählten Deutsche besonders „überall dort, wo man meint, man brauche Geld“.

Es scheint also seine Auffassung zu sein, dass Wiederverheiratet-Geschiedene grundsätzlich zur Kommunion zugelassen werden sollten, und erwartet daher, dass es in Rom „schneller“ gehe. Es ist ja auch absurd, den Glaubensabfall in einer Kirche zu wittern, in der kaum noch jemand an etwas anderem als dem steten Strom der Kirchenzwangssteuer interessiert zu sein scheint. Nein, nein, wir glauben immer noch an unseren Herrn Mammon, ähm ich meinte natürlich Jesus Christus – man kann sich ja mal versprechen, nicht?

Schließlich, so Zollitsch, sei der geschiedene Katholik Christian Wulff ein hervorragendes Beispiel dafür, dass man „barmherzig“ sein sollte, und „Wiederverheiratet-Geschiedene“ (Fachterminus: unbußfertige Ehebrecher im Konkubinat) zur Kommunion zuzulassen. Und es kann nur um die Zulassung zur Kommunion gehen, anders kann man Herrn Zollitsch nicht verstehen.

Abschließend zeigt Herr Zollitsch noch wessen Geistes Kind er wirklich ist:

Schließlich bezeichnet Zollitsch die Grünen wertschätzend als „eine Partei, in der viele Christen sich beheimatet fühlen“. Er stelle „immer wieder Übereinstimmungen mit christlichen Überzeugungen fest, da hat sich sicher einiges verändert seit den Anfängen der Grünen.“

Kommentar von Catocon:

1. Dass Herr Zollitsch persönlich um sich herum keine Anzeichen von Glaubensabfall wittert, und Rom vorwirft, man sei sozusagen nicht lässig genug im Umgang mit der Glaubenswahrheit, man rege sich viel zu leicht über ein Paar Dialoge und Kontroversen auf, man solle sich in Rom mal entspannen und die guten Bischöfe in Deutschland machen lassen, all dies zeigt sehr gut, was man in Rom mit Glaubensabfall meint. Der Fisch erkennt nicht, dass er nass ist, weil er nichts anderes kennt. Ähnlich ist es mit Herrn Zollitsch und dem katholischen Glauben. Er erkennt nicht den Glaubensabfall, weil er längst selbst nur noch dem Namen nach katholisch ist, keinesfalls aber seinen Handlungen nach. An ihren Früchten sollen wir sie messen…

2. Die ganze Formulierung „Wiederverheiratet-Geschiedene“ ist an sich schon nicht in Einklang mit der Lehre der Kirche zu bringen. Da die Ehe ein unauflösliches Band zwischen Ehemann und Ehefrau konstituiert, ist eine echte Scheidung nicht möglich. Die Unauflöslichkeit gehört zur Natur der Ehe, also kann man sie nicht auflösen. Es gibt keine „Geschiedenen“, nur Ehebrecher. Es gibt keine „Wiederverheirateten“, nur Konkubinen. Wer von seinem Ehepartner ohne seine Schuld verlassen und dann zivilrechtlich auf der Basis ungerechter Scheidungsgesetze in den meisten westlichen Ländern geschieden wird, der kann natürlich nichts dafür. Aber er ist IMMER NOCH verheiratet, da es keine Scheidung gibt. Er ist immer noch zu einem Fleisch mit seinem Ehepartner verbunden. Weitere sexuelle Beziehungen sind daher immer Ehebruch, eine schwere Sünde, und zwar auch dann, wenn es eine zivilrechtlich geschlossene „Ehe“ mit einer anderen Person gibt. Durch den Bestand dieser „Ehe“ gibt die beteiligte, zivilrechtlich geschiedene Person zu erkennen, dass sie in schwerer Sünde zu verharren und zu leben wünscht. Diesem Wunsche ist daher auch grundsätzlich bei der Zulassung zur Kommunion zu entsprechen. Für den Empfang der Kommunion im Stande schwerer Sünde gilt das Wort des Paulus.

3. Die „Zulassung von Wiederverheiratet-Geschiedenen zur Kommunion“ ist daher, in klares, einfaches Deutsch übersetzt, nichts anderes als: Die Entweihung des Leibes unseres Herrn zwecks Besänftigung absichtlich in schwerer Sünde lebender, gewohnheitsmäßiger Ehebrecher. Natürlich würde Herr Zollitsch das so nicht formulieren wollen, aber es ist nichts anderes als dies. Denn die Ehe ist wirklich unauflöslich, Ehebruch wirklich eine schwere Sünde, die Kommunion wirklich der Empfang des Leibes unseres Herrn. Vielleicht glaubt Herr Zollitsch das ja nicht. Doch das sagt uns wieder einiges über den Glaubensabfall der deutschen Bischofskonferenz, die ihn zum Vorsitzenden gemacht hat.

4. Der schwierige Teil in der Debatte um die Zulassung von „Wiederverheiratet-Geschiedenen“ und anderen in schwerer Sünde persistierenden Menschen ist nicht so sehr die inhaltliche Frage – die ist vollkommen klar. Es ist die Vermittlung dieser Wahrheit, die Einfühlungsvermögen und „pastoralen“ Umgang erfordert, aber eben ZUSÄTZLICH zu einer festen, klaren, katholischen Haltung in der Sache.

5. Doch dass Herr Zollitsch längst den Boden irgendeiner an den katholischen Glauben erinnernden Überzeugung verlassen zu haben scheint, zeigt ja schon sein Beispiel: Christian Wulff, so Zollitsch, sei ein Katholik, der „seinen Glauben lebt“ und unter der Situation leide, wie sie ist. Nun ja, man lese einmal diesen Artikel über die Umstände seiner Scheidung. Die beiden Ehepartner, die sich ewige Treue geschworen haben, sind auseinandergegangen, einvernehmlich, weil sie sich „auseinander gelebt“ hatten – mit anderen Worten, weil beiden ihre Ehe nichts mehr bedeutete, und sie sich nach jüngeren oder besseren Aussichten umsehen wollten. An dieser Scheidung ist nicht einmal etwas zu finden, das geeignet wäre eine subjektive psychologische Rechtfertigung zu konstruieren. Man wollte nicht mehr – man trennt sich. Ganz als ob es überhaupt keine Ehe gegeben hätte, ganz als ob die Versprechen vor Gott, die unauflösliche Verbindung zu einem Fleische, nichts zählten. Ganz weltlich, säkular, atheistisch halt, wie alles bei Herrn Wulff – seine Politik, seine Ansichten, sein Verhalten, sein Leben in vorsätzlichem Ehebruch, von A bis Z fernab jeder Katholizität. Seine Seele zu richten ist Gottes Sache, doch sein Verhalten zu loben und zu rechtfertigen, wie Herr Zollitsch es tut, ist geradezu antikatholisch.

6. Dieser Eindruck bestätigt sich noch, wenn man Herrn Zollitschs Einlassung über die Grünen liest. Ich kann mir gut vorstellen, dass Herr Zollitsch und der ZdK-Erfahrene grüne Ministerpräsident von Baden-Württemberg Kretschmann gut miteinander auskommen, und sogar, dass sie ein und dieselbe Weltsicht verbindet. Doch die radikale Homo-Ideologie, die radikale Ablehnung der traditionellen Familie, der Blutrausch bei der Abtreibung und viele Themen mehr mögen Herrn Zollitsch mit den Grünen verbinden – und betrachtet man seine ohrenbetäubende Stille zur Ermordung der Ungeborenen, erscheint das nicht einmal unplausibel – doch sie verbinden nicht die Kirche mit den Grünen, sondern trennen sie voneinander. Und selbst dort, wo es auf den ersten Blick Ähnlichkeiten zwischen Kirche und Grünen geben könnte – etwa im Naturschutz oder im Umgang mit den Armen – da findet man ebenfalls völlig entgegengesetzte Ideen: Die einen wollen totalitäre, am besten global organisierte, bürokratische Zwangsorganisationen, die alle Menschen durch den kräftigen Arm des Gesetzes dazu zwingen, die richtigen Glühbirnen zu benutzen und wenige Kinder zu haben (die ja „Klimakiller“ sind, wie die Umweltschutzmafia behauptet) – die katholische Kirche ist hingegen wie immer auf der Seite der Würde des Menschen, erkennt an, dass es zuweilen, mit sehr guter Begründung, und unter Berücksichtigung des vorrangigen Rechts der natürlichen Familie und des Prinzipis der Subsidiarität, staatliche Eingriffe geben sollte, lehnt aber den Totalitarismus sowohl in seiner roten, als auch braunen oder grünen Form generell ab. Das unterscheidet offenbar die Kirche von Herrn Zollitsch.

7. Der Eindruck entsteht, dass Herr Zollitsch sich nun gänzlich auf die Seite der Verbandskatholiken gestellt hat, die von dieser Seite praktisch geforderte Nationalkirche einzuführen beabsichtigt, und eine vollständige Kapitulation der Kirche Jesu Christi vor der Welt und ihrem Fürsten herbeisehnt. Er wird sie nicht bekommen.

8. Es läge nahe, Herrn Robert „Luther“ Zollitsch einen Halunken zu nennen. Doch dafür habe ich viel zu viel Respekt vor ehrenwerten, gottesfürchtigen Halunken, also lasse ich es sein.

Zum Abschluss noch ein schönes Zitat von Msgr. Nicola Bux:

Es gibt ohne Zweifel eine Form von schleichendem Neogallikanismus, demgemäß einige Teile der Kirche meinen, sich selbst zu genügen und von Rom unabhängig zu sein. Wer aber so denkt, ist nicht katholisch. Die Bischöfe, die dem Papst ungehorsam sind, versetzen sich selbst in eine Situation, in der sie nicht mehr verlangen können, daß ihnen die Priester und Gläubigen gehorsam sind.

Hat er Recht? Es lohnt sich, darüber einmal gründlich nachzudenken…