Christkönigsfest bei den Piusbrüdern

Nachdem ich mich schon seit längerer Zeit mit der Theologie der Tridentinischen Messe beschäftigt hatte, war nun der Entschluss gereift, auch selbst einmal eine solche Messe zu besuchen. Da sich in meiner Gegend keine andere Option bot, und der Vatikan ausdrücklich bestätigt hatte, dass man dort seine Sonntagspflicht erfüllen kann, suchte ich eine Kapelle der Piusbruderschaft auf – mit dem festen Vorsatz, in voller Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater zu bleiben.

Ich möchte im Vorhinein betonen, dass die folgenden Zeilen, selbst wenn sie zuweilen ziemlich apodiktisch klingen mögen, nicht mehr sind als meine persönliche theologische Auffassung, die Auffassung eines Laien und Konvertiten, dessen Wissen in vielen einschlägigen Bereichen zu wünschen übrig lässt. Keinesfalls möchte ich ausdrücken, oder auch nur den Anschein erwecken, als ob ich andeuten wollte, dass der Novus Ordo ungültig, eine Erfindung einer Verschwörung von Freimaurern oder etwas anderes dieser Art sei. Wer meine Liebe zur Tridentinischen Messe nicht teilt, ist dadurch weder häretisch noch ein schlechter Katholik (wenn auch, aus meiner Sicht, blind und taub gegenüber liturgischer Angemessenheit – aber das ist eben nur meine Sicht).

In Ehrfurcht und unter Erfüllung der liturgischen Normen gefeiert, kann der NO, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, eine gültige und gar erbauliche – wenn auch z.B. aufgrund des fehlenden Stufengebets leicht protestantisierte – Form der Heiligen Messe sein.

Dennoch kann ich nicht anders, als nach dem Besuch einer Heiligen Messe in der außerordentlichen Form (nach dem alten Kalender ist heute der Christkönigssonntag) die Neue Messe für eine verwässerte, weniger ausdrucksstarke Liturgie zu halten, in der die Opfergesinnung und die katholische Theologie des Messopfers einfach weniger klar zur Geltung kommt.

Woran liegt das? Man könnte nun sicher weitschweifige theologische Erklärungen anstimmen, was ich mir bestimmt nicht werde verkneifen können – dies sei aber auf spätere Artikel verschoben.

In diesem Artikel möchte ich ganz von der theologischen Wissenschaft Abstand nehmen und einfach meine subjektiven Eindrücke schildern.

1. Bereits beim Betreten der Kapelle – die von außen wie eine sehr schlichte Kirche aussah – war die Atmosphäre der Frömmigkeit geradezu körperlich spürbar.

2. Vor Beginn der Messe fand ein Rosenkranzgebet statt, zu dem die Kirche bereits mehr als halbvoll war.

3. Als die Messe begann, war die Kirche nicht ganz voll – allerdings tröpfelten noch eine Weile weitere Gläubige ein, die sich dann – was mich positiv überrascht hat – nicht dazwischen gedrängt haben, sondern sich im hinteren Teil der Kapelle aufhielten, wo es ebenfalls noch eine Sitzbank gab.

4. Alle Gläubigen erwiesen dem Herrn im Tabernakel ihre Ehrfurcht, indem sie eine andächtige Kniebeuge machten, und selbst die Kinder (von denen es allerdings nur eine Handvoll gab) rannten generell nicht wild durch die Kirche, wie ich es sonst gewohnt war, sondern wussten sich halbwegs zu benehmen.

5. Ein negativer Punkt waren die gepolsterten Kniebänke. Aus irgendeinem Grund konnte ich auf ihnen nicht richtig knien – ohne Polsterung wären sie mir lieber gewesen. Da man in der Tridentinischen Messe sehr viel kniet, war das nicht besonders angenehm…. Aber ich sollte wirklich nicht meckern – die anderen Gläubigen schienen dort sehr gut knien zu können und machten davon auch ausgiebigen Gebrauch.

6. Die Form der Messe kannte ich bereits von Videos und aus dem Schott. Doch selbst anwesend zu sein, verlieh ihr natürlich noch einmal eine besondere Würde. Die Messe zu verfolgen war sehr leicht – ich habe nie den Faden verloren, außer beim Messcanon, von dem ich nicht erwartet hätte, dass er so schnell vorbei wäre. Generell kann man sagen, dass es heute, in Zeiten des Internets, sehr leicht ist, in die Tridentische Messe hineinzufinden, wenn man die Bereitschaft besitzt, sich vor dem ersten Messbesuch ein paar Stunden mit dem Ritus zu beschäftigen.

7. Die Form der Messe war wie erwartet großartig. Ich kann nach dem heutigen Tag überhaupt nicht mehr verstehen, warum irgendjemand da Reformbedarf gesehen hat, der eine größere Liturgiereform erfordert hätte. Über Kleinigkeiten lässt sich immer diskutieren, aber im Wesentlichen ist dies die Messe aller Zeiten, auch der heutigen Zeit. Eine Neuevangelisierung ohne diese Messe erscheint mir aussichtslos. Save the Liturgy – save the world, wie Father Z immer sagt.

8. Der gregorianische Chorgesang driftete wie der Weihrauch hoch zum Herrn, zusammen mit den Gebeten der anwesenden Gläubigen. Dazu gab es, an sorgfältig ausgewählten Stellen, von Orgelmusik begleitete Kirchenlieder. So muss Kirchenmusik sein.

9. Das Hochamt währte nicht ganz eineinhalb Stunden – eine passende Zeit. Wer 90 Minuten einem Fußballspiel zuschauen kann, der kann auch dieselbe Zeit mit dem Messopfer zubringen. Im Anschluss fanden noch einige weitere Gebete statt, und dann am Ende kam es zum einzigen wirklichen, nicht durch die Form der Messe, sondern durch den speziellen Charakter der Piusbruderschaft bedingten, Tiefpunkt:

10. Es wurden zwei Rosenkränze gebetet, um für die „Schuld“ von Assisi um Gnade zu bitten. Wie der Leser meines Blogs weiß, lehnte und lehne ich derartige interreligiöse Treffen als nutzlos und potenziell schädlich ab, fand diese Dramatik aber trotzdem etwas übertrieben. Ich betete die Rosenkränze mit, allerdings betete ich weniger um Vergebung für die „Sünden von Assisi“, sondern allgemein für die Intentionen des Heiligen Vaters. Dies schien mir angemessen.

11. Die immer wieder kolportierten Vorurteile, die Piusbrüder seien fundamentalistisch oder antisemitisch bestätigten sich in meinem Fall überhaupt nicht. Die Predigt war gut katholisch, sparte auch die heute unpopulären Themen wie Himmel und Hölle nicht aus, bewegte sich aber in vollem Umfange im Rahmen der kirchlichen Lehre. Zudem hatte ich zwar den Eindruck eines frommen Ernstes in der Kirche, aber keineswegs das Gefühl, ich sei als „Außenseiter“ irgendwie schief angesehen oder misstrauisch beäugt worden, obwohl ich bei weitem nicht alle Feinheiten des Ritus oder auch nur alle liturgischen Antworten beherrschte.

12. Der Altersdurchschnitt lag deutlich niedriger als in einer durchschnittlichen katholischen Gemeinde. Etwa ein Drittel der Anwesenden waren schätzungsweise unter 40 Jahre alt, und ein Drittel über 60. Zumindest wenn mein grober Überblick aus der letzten Reihe auf die Hinterköpfe zutrifft. Überrascht hat mich allerdings die geringe Zahl von Kindern. Praktiziert man bei der Piusbruderschaft denn nicht Humanae Vitae?

Alles in allem ein sehr schönes sonntägliches Erlebnis, für das ich mein traditionelles Sonntagsschweigen auf dem Blog nun gebrochen habe. Dies ruft eigentlich nach Wiederholung.

Eine Messe der Petrusbruderschaft in greifbarer Nähe wäre mir aber weit lieber – immerhin ist die Piusbruderschaft nach wie vor ohne definierten kirchenrechtlichen Status, gleichsam in der Schwebe. Ihre Messen sind gültig, der Besuch derselben laut Vatikan keine Sünde und ausreichend zur Erfüllung der Sonntagspflicht, aber das alles ist nicht ideal, solange die vollständige Einheit nicht wieder hergestellt ist.

Solange werde ich, wenn ich zu dieser Kapelle gehe – was in Zukunft noch öfter vorkommen könnte – immer ganz bewusst für Einheit der Piusbruderschaft mit dem Heiligen Vater beten.

Allerdings kann ich mir, abschließend gesagt, nicht vorstellen, noch einmal eine Handkommunion zu… machen (fast hätte ich „begehen“ gesagt….)

Aber, wie gesagt, alles nur meine Meinung. Handkommunion, Novus Ordo usw. sind alle legal, gültig und akzeptabel, solange Rom dies so entscheidet, und mir steht es glücklicherweise nicht zu, derartige Entscheidungen zu beeinflussen.

Pater Deneke über Hand- und Mundkommunion

Ich bin gestern durch einen Kommentar auf einen exzellenten Vortrag von Pater Bernwald Deneke zum Thema Hand- und Mundkommunion aufmerksam geworden. Heute habe ich die Zeit gefunden, ihn mir anzuhören und bin zu dem Ergebnis gelangt, dass er in exzellenter Weise die Gründe für die Mund- und gegen die Handkommunion darstellt. Ich möchte ihn daher allen Lesern dieses Blogs empfehlen – den Befürwortern der Mundkommunion als hervorragende Zusammenstellung guter Argumente, den Gegnern der Mundkommunion als Information über die Argumente der Befürworter und Anstoß zur Reflektion, und erst recht allen, die keine feste Auffassung zum Thema haben, oder es für unbedeutend halten, damit sie sich der Tragweite dieser Frage bewusst werden.

Ferner möchte ich auf das auch in dem Vortrag von Pater Deneke erwähnte Buch des Weihbischofs Athanasius Schneider „Dominus Est“ verweisen, in dem es ebenfalls um die Frage des Kommunionempfangs geht.

Hier nun die Links:

Zum Vortrag von Pater Deneke

Zum Buch von Weihbischof Schneider „Dominus Est“

Protestantischer als Martin Luther

Eines der ständig wiederkehrenden Themen dieses Blogs ist der Verfall der katholischen Identität in Deutschland und dem christlichen Westen allgemein. Dieser Blogartikel von Mundabor passt sehr gut dazu. Bezüglich der Frage nach der Legitimität der Handkommunion (nicht der Legalität, da gibt es keine Frage: Sie ist derzeit nach den Regeln der Kirche in Deutschland erlaubt) gibt es einen fundamentalen Unterschied zwischen Martin Luther und den Konzilsvätern:

Taking Lessons from Luther is exactly what our heroes, the “Conciliar Fathers”, should have done once come back to their diocese after V II. Luther would have told them that communion must be:

1. kneeling, and
2. on the tongue

Es ist kaum zu bestreiten, dass ein wesentliches Ziel der Konzilsväter (oder zumindest der Mehrheit unter den einflussreicheren Kräften beim letzten Konzil) darin bestand, die Kirche von ihren Riten und Praktiken her dem Protestantismus anzunähern. Manche behaupten auch, dass durch das Konzil etwas an der Theologie der Kirche verändert worden sei, andere wiederum erklären, man müsse die Texte nur richtig interpretieren, dann werde man den korrekten Sinn im Einklang mit der Tradition schon feststellen. Letzteres ist die Linie des Heiligen Vaters – Hermeneutik der Reform statt des Bruchs – und daher hat diese Vorstellung erst einmal bis zum Beweis des Gegenteils ein größeres Gewicht. Mir persönlich erscheinen manche Differenzen zwischen der Tradition und dem II. Vatikanischen Konzil schwer zu überbrücken, aber ich bin auch nicht der größte lebende Theologe des 20. Jahrhunderts, wie unser Papst. Doch darum soll es mir hier gar nicht gehen. Was ich sagen will ist folgendes:

Wieder einmal stellen wir fest, dass die Kirche sich mit ihrem Versuch der Annäherung an den Protestantismus bloß an die verweltlichte Form des Protestantismus wie er in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts üblich geworden ist, angepasst hat. Selbst die authentischen Traditionen, die die Lutheraner dem großen Schisma zum Trotz noch bewahrt hatten, wurden einfach so über Bord geworfen.

Mundabor dazu:

This means that even people who did not believe in the Real Presence managed to deal with the host in a more respectful way than the “Conciliar fathers” did once returned to their dioceses.

Go figure.

Ich bleibe dabei: Es gibt einen unfehlbaren Weg, die Spaltung zwischen Protestanten und Katholiken zu heilen. Man muss nur eine Zeitmaschine bauen, mit ihr in die Zeit Luthers reisen, und Martin Luther einen Tag vor seinem berüchtigten Thesenanschlag glaubhaft versichern, was seine zukünftigen Schüler aus dem christlichen Glauben gemacht haben. Luther nähme sofort jede Kritik am Papst und der Kirche zurück, suchte eilig einen Beichtstuhl auf, und begäbe sich dann auf Knien nach Rom, um Buße zu tun und um Vergebung zu flehen, den ganzen Weg über sich selbst geißelnd vor Scham.

Ähnliches könnte man wahrscheinlich auch mit Calvin und den anderen „Reformatoren“ machen. Bei ihren geistigen Schülern, den Neo-Reformatoren in der katholischen Kirche wäre dieser Versuch vermutlich sinnlos – im Gegensatz zu den echten Reformatoren glauben sie nämlich gar nicht mehr im traditionellen Sinne an den christlichen Gott, nicht mehr an Jesus Christus und den Heiligen Geist, und definitiv nicht mehr an die Kirche.

Martin Luther war ein Häretiker – er glaubte nicht die Lehre der Kirche, sondern schnitzte sich seinen Glauben selbst, indem er Teile der Überlieferung ablehnte. Jedoch gab es für seine Handlungen noch psychologische, subjektive Rechtfertigungsgründe. Es gab wirklich Missstände in der Kirche. Und was er statt der Lehre der Kirche glaubte, war zwar falsch, und sollte schlimme Folgen zeitigen, doch war für sich genommen noch als christlicher Glaube erkennbar. Und er glaubte es wirklich, nicht nur aus Eigennutz, Karrierestreben oder Gefälligkeit gegenüber der Welt. Das alles ändert nichts an der objektiven Verwerflichkeit seiner Taten, aber er hatte, wie gesagt, wenigstens noch seine christlichen Gründe, so fehlgeleitet er auch gewesen sein mag.

Doch die heutigen Verbands- und Berufskatholiken, und mit ihnen ein signifikanter Teil der Bischöfe, haben selbst diese Form des ehrlichen Glaubensirrtums im Geiste der Moderne überwunden. Sie glauben nicht an die Realpräsenz und haben auch sonst ihren Glauben auf lutheranische Weise von spezifisch katholischen Elementen „gereinigt“ – aber sie haben ihn auch von spezifisch lutheranischen Elementen gereinigt. Luther wäre nie auf die Idee gekommen, dass Homosexualität, Abtreibung, Tötung von ungeborenen Menschen (Embryonen) im Namen wissenschaftlicher Fortschung usw. etwas anderes seien als schwere moralische Übel. Und weder Luther noch Calvin hätten Clownmessen geduldet.

Verglichen mit den Verbands- und Stuhlkreiskatholiken in Deutschland erscheinen Luther und Calvin auf einmal ziemlich attraktiv. Es ginge der Kirche in Deutschland besser, wenn diejenigen, die öffentlich für die Kirche sprechen, doch wenigstens einen so festen christlichen Glauben besäßen, wie die großen häretischen Reformatoren Luther und Calvin!

Mundkommunion: Priester, Protestanten und Canizares

Als ich kurz vor Ostern 2011 ein letztes Mal am Glaubenskurs zur Vorbereitung meines Übertritts in die katholische Kirche teilnahm (ich war der einzige Konvertit, so dass der Kurs eine Art Zweiergespräch zwischen dem Pastor und mir war), ging es unter anderem um die Art des Kommunionempfangs. Ich hatte dem Pastor gegenüber schon mehrfach durchblicken lassen, dass ich in praktisch allen Bereichen traditionelle Normen bevorzuge, und einmal auch schon nach der Mundkommunion gefragt. Da er persönlich nichts dagegen hatte (das wäre ja auch noch schlimmer gewesen, schließlich ist Mundkommunion nicht nur erlaubt, sondern sogar die Norm der Kirche – und Handkommunion die zulässige Ausnahme!), probierten wir beides in einer kleinen Trockenübung aus. Natürlich gab es in unserer Gemeinde keinerlei Vorrichtungen für die Mundkommunion im Knien mehr – man musste sich also direkt auf den Steinboden knien.

Das alles war ja noch halbwegs in Ordnung, doch dann kam es zu einem kleinen Problem: Der Ritus der Messe in der ordentlichen Form sieht vor, dass der Kommunikant nach Empfang des Leibes Christi noch „Amen“ sagt. Und wie soll das bitte geschehen? Mit vollem Mund? Natürlich kann man auch „Amen“ sagen, bevor man den Herrn auf der Zunge empfängt. Aber das erscheint mir wie ein Notbehelf und aus naheliegenden Gründen ziemlich unpraktisch. Im traditionellen Ritus hingegen bleibt der Kommunikant still und empfängt in Andacht und Demut seinen Herrn. Seit dieser Erfahrung in der „Trockenübung“ komme ich nicht umhin zu vermuten, dass dieser Teil des Novus Ordo explizit dazu dient, die Mundkommunion zu erschweren und unpraktikabel zu machen. Ich habe ferner davon gehört, dass schon vor der Einführung des Novus Ordo die Handkommunion, damals noch als echter liturgischer Missbrauch, in vielen Gegenden praktiziert worden sei.

Am nächsten Tag, dem Gründonnerstag, predigte der Pastor „zufällig“ über genau dieses Thema: Mundkommunion oder Handkommunion. (Ich sprach ihn später an, und er erklärte mir, er habe die Predigt größtenteils mit Hinblick auf meine Fragen zum Thema konzipiert – plausibel, denn sonst hat in der Gemeinde absolut niemand ein Interesse an kniender Mundkommunion!) Der zentrale Punkt der Predigt war folgender: Die Mundkommunion ist zulässig, und wer sie nutzen möchte, kann dies tun, aber der Pastor selbst hielt die Handkommunion für symbolisch besonders treffend, da man durch das Stehen mit geöffnet und vor sich hin gestreckten Händen symbolisiere, dass wir „mit leeren Händen“ vor Gott stehen (!) und dies sei ein besonders guter äußerer Ausdruck der korrekten inneren Haltung zum Empfang der Kommunion.

Es versteht sich von selbst, bei solchen Auffassungen und „Argumenten“, dass der Pastor mit keinem Wort die Realpräsenz explizit ansprach (er machte Andeutungen, die man in diese Richtung ausdeuten konnte, wenn man so geneigt war, und widersprach ihr auch nicht, aber er war ziemlich zweideutig in dieser Frage). Alles in allem brachte mir die Predigt tatsächlich ein besseres Verständnis dafür, warum die Anhänger der Handkommunion so denken wie sie denken. Doch von der „Überlegenheit“ der Handkommunion konnte er mich nicht überzeugen. Ich möchte kurz begründen warum:

1. Wir machen eine Kniebeuge vor dem Herrn im Tabernakel, knien vor dem Herrn beim Hochgebet, selbst im Novus Ordo ist das alles so. Offenbar ist also die kniende Haltung in der Liturgie der Kirche die angemessene Form der demütigen Verehrung. Stehend hören wir hingegen das Evangelium, bitten im Kyrie um Vergebung, besingen im Gloria den Ruhm des Herrn und bekennen im Credo unseren Glauben. Wenn also die körperliche Haltung überhaupt etwas bedeutet (und in jeder Form der Liturgie ist das der Fall – unausweichlich, wenn man betrachtet, wie sehr Körper und Seele, Außen und Innen beim Menschen verflochten sind), dann ist offenbar die kniende Haltung angemessen, da der Herr selbst präsent ist.

2. Welche der folgenden Haltungen ist besserer Ausdruck unserer Hilf- und Machtlosigkeit vor dem Herrn: (a) Leere Hände im Stehen oder (b) kniend mit geöffnetem Mund? Erstere erinnert an jemanden, der um Almosen bittet oder bettelt; zweitere erinnert an jemanden, der sich von seinem himmlischen Vater füttern lässt. Ich fürchte, die Sache ist klar. (b) drückt weitaus deutlicher und eindeutiger die angemessene Haltung aus.

3. Der Papst, dessen Liturgien Vorbildcharakter für die Kirche haben, spendet selbst nur die Mundkommunion im Knien.

4. Die Mundkommunion ist jahrhundertelang die einzige Form der Kommunionspendung gewesen, bis sie etwa in den 1960er oder 1970er Jahren durch die Handkommunion weitgehend abgelöst wurde (in der Praxis – theoretisch ist sie immer noch die Norm). Wir leben in einer Zeit, in der die Tradition der Kirche weitgehend zurückgedrängt wird, nicht zuletzt von Kreisen innerhalb der Kirche selbst. Zugleich verfällt die Kirche vor unseren Augen. Dieses Zusammentreffen sollte uns zu denken geben, ob es wirklich eine so gute Idee war, traditionelle liturgische und andere Normen einfach abzustreifen. Die Mundkommunion ist eine dieser liturgischen Traditionen, die aus besseren Zeiten stammen.

5. Spendung des Herrn direkt in die Hand ermöglicht eine Unzahl liturgischer Missbräuche, die nicht möglich wären, erhielte man die Mundkommunion. Es gibt Fälle, bei denen „Gläubige“ die Eucharistie als Souvenir mitnehmen, sie einfach wegwerfen, bewusst entweihen, sorglos mit ihr umgehen, so dass einzelne Partikel auf dem Boden landen und dann zertreten werden (Herr, erbarme dich!) und vieles mehr. Das alles ist bei der Mundkommunion schwieriger.

6. Der Gläubige kann sich durch seine anbetende Haltung und die Tatsache, dass er nicht sofort „dem nächsten in der Reihe“ Platz machen muss (wie bei einer Massenabfertigung), viel besser auf den Akt der Anbetung und der Ehrfurcht konzentrieren. Er muss nicht, während er kommuniziert, einen Fuß vor den anderen setzen, anderen Gläubigen ausweichen usw. sondern kann im Knien andächtig verharren.

Diese sechs Gründe erschöpfen mit Sicherheit nicht die lange Liste der Vorteile der Mundkommunion, aber sie geben doch einen ersten Verdacht, dass die Handkommunion im Stehen in Wahrheit gar nicht dazu dient, „ehrfürchtig den Herrn anzubeten“, sondern den Akt der Kommunion, den Empfang des Leibes unseres Herrn, zu trivialisieren, so wie auch der Rest der Meßliturgie trivialisiert worden ist, und man beinahe schon den Katechismus braucht, um zu erfahren, dass dort ein Opfer stattfindet und worum es sich dabei handelt.

Abschließend möchte ich noch eine Anekdote nicht unerwähnt lassen: Als ich kürzlich mit einem evangelischen Gläubigen sprach, kamen wir zufällig auf das Thema Liturgie und Kommunionspendung. Das evangelische Abendmahl ist ja bloß ein einfaches Erinnerungsmahl, sagte ich, und mein Gesprächspartner stimmte zu. Doch die Katholiken glauben, dass es sich nicht um eine Erinnerung an Jesus handelt, sondern um Jesus selbst, um die Re-Präsentation des Kreuzesopfers. Mein Gesprächspartner konnte mir zwar nicht zugestehen, dass ich mit dieser Auffassung im Recht sei – er blieb bei seiner evangelischen Position des Gedächtnismahls. Er konnte nicht glauben wie die Kirche glaubt, aber sagte in etwa folgendes: „Wenn ich wirklich glauben würde, dass es sich bei diesem Brot um Jesus selbst handelt, dann würde ich vor Jesus niederknien und ihn in aller Ehrfurcht und Andacht empfangen wollen“. Dies war etwa der Sinngehalt seiner Worte. Und wieder einmal fiel mir auf, dass selbst gläubige Protestanten mehr Verständnis für die Tradition der Kirche haben als unsere „fortschrittlichen“ Hirten.

Glücklicherweise scheint sich zumindest in Rom mehr und mehr ein etwas anderer Geist durchzusetzen. Kardinal Canizares, seines Zeichens Präfekt der päpstlichen Liturgiekommisson, und daher keine unwichtige Stimme in solchen Fragen, empfiehlt für die ganze Kirche den Empfang des Herrn kniend und in den Mund.

Jetzt haben also schon die gläubigen Protestanten und die Liturgiekommission in Rom das Prinzip verstanden. Es wird Zeit, dass die deutschen Bischöfe und Priester ihnen folgen und auch zur Besinnung kommen.