Dankbar für die Beichte

Das Sakrament der Buße ist ein vergessenes Sakrament. In meiner Heimatgemeinde kommen über 90% der nominellen Mitglieder nicht zur Sonntagsmesse, und über 90% der Teilnehmer gehen nicht beichten, aber sie gehen zur Kommunion. Die Messe ähnelt damit aller Wahrscheinlichkeit nach einem großen Trinken des Gerichts, wenn wir die Bibel ernst nehmen und die Worte des Hl. Paulus betrachten.

Die Vorstellung, man könne seine Sünden doch direkt vor Gott bekennen, und dieser werde doch wirklich bereute Sünden auch ohne persönliche Beichte vergeben, ist unter Laien und nicht wenigen Priestern verbreitet. Und es ist ja auch ein Körnchen Wahrheit daran. Wer ehrlich bereut, mit vollkommener Reue, dem sind alle Sünden vergeben. Doch, und das ist ganz wichtig: Vollkommene Reue ist immer mit dem Wunsch nach der Beichte verbunden. Ausgenommen ist natürlich derjenige, der das Bußsakrament gar nicht kennt, und diese Unkenntnis nicht zu verantworten hat – er kann nicht beichten wollen.

Auch wenn die Kirche das so lehrt, ist es heute nicht mehr üblich davon zu sprechen. Von der Sünde wird kaum noch gesprochen, und wenn überhaupt, dann nur in einer schwächlichen Weise, die sie kräftig herunterspielt. Doch dass eine einzige schwere Sünde, mit vollem Wissen und Willen begangen, das Ende für das übernatürliche Leben, die heiligmachende Gnade, bedeutet, und damit die ewige Verdammnis nach sich zieht, wenn sie nicht ehrlich bereut (und gebeichtet) wird, hört man leider nur sehr selten in „normalen“ Kirchen. Bei den Traditionalisten innerhalb und außerhalb der „vollen Gemeinschaft“ mit Rom ist das zwar anders – doch wer will schon (Achtung: Ironie!) mit diesen kauzigen Typen etwas zu tun haben…

Als Konvertit kann ich das überhaupt nicht verstehen. Natürlich fällt es schwer, seine Sünden einer anderen Person zu beichten. Aber das ist kein Argument. Denn auch diejenigen, die ihre Sünden angeblich direkt Gott beichten, sprechen mit einer Person. Sie sprechen genau genommen sogar mit drei Personen! Oder glauben sie gar nicht wirklich an Gott und „beichten“ ihre Sünden am Ende nur sich selbst? Das wäre allerdings überhaupt keine Reue, sondern Dummheit und womöglich Verschlagenheit.

Und noch ein Argument: Wer Böses getan hat, der muss dafür eine gerechte Strafe erhalten. Gott vergibt die Schuld, die wir auf uns geladen haben, nur zu gern – wenn wir wollen.

Gott spricht uns von unserer Schuld frei – und wir sind zu faul, unseren Freispruch entgegenzunehmen, bloß weil wir unsere Delikte noch einmal aufzählen müssen?

Wie kann jemand ehrlich von sich behaupten, er glaube an Gott, und diese unglaubliche Gnade, die Christus in seiner Kirche eingesetzt hat, dieses Bußsakrament, nicht nutzen wollen? Wie kann jemand glauben, Christus habe sich für die Befreiung aus unseren Sünden kreuzigen lassen – eine schreckliche Tortur – und dann nicht einmal die Bereitschaft haben, eine vielleicht etwas unangenehme Situation wie die Beichte über sich ergehen zu lassen?

Wie kann jemand ein Kruzifix anschauen, und sehen, welche schrecklichen Qualen Christus erleiden musste, um unsere Sünden zu tilgen, und selbst nicht einmal den kleinen Finger dafür rühren?

Die einzige Antwort, die mir einfällt, ist, dass so jemand ganz tief drinnen gar nicht mehr an Gott, an Christus, an Kreuzigung und Auferstehung glaubt, sondern einen zur Konvention erstarrten Glauben hat. Ich kann in keine Herzen schauen, aber ich weiß nicht, wie ich diese Haltung anders interpretieren soll.

Eine Beichte dauert fünfzehn Minuten, maximal. Man kann sie meist mit dem Besuch einer anschließenden Heiligen Messe verbinden – und in der Kommunion den Herrn völlig frei von auch nur der kleinsten lässlichen Sünde empfangen (warum machen wir Ihm nicht öfter die Freude von einer reinen Seele empfangen zu werden?). Sie erlöst uns aus unserer schweren Schuld.

Täglich sein Gewissen zu beschauen, und es dadurch zu schärfen, gegenüber der Sünde feinfühliger, empfindsamer zu werden, und Stück für Stück, mit der Hilfe Gottes, seine Sünden zu überwinden, seine Laster abzulegen, und in der Heiligkeit zu wachsen, braucht nicht mehr als fünf Minuten am Tag. Und es ist eine wichtige Hilfe bei einer guten Beichte.

Das sollte doch machbar sein, oder? Auch wenn ich nur zu gut, aus eigener Erfahrung, verstehen kann, wie schwer eine gute Beichte fallen kann, gerade wenn die letzte viele Jahre zurückliegt. Da sammelt sich eine Menge Ballast an – den man mit einem Rutsch loswerden kann. Wie könnte man da widerstehen?

Also sollten wir, gerade in der Fastenzeit, in der sich das Osterfest rapide nähert, beichten gehen und für das Bußsakrament mit allen seinen kleinen Unannehmlichkeiten dankbar sein, die vor dem heilbringenden Opfer Christi verblassen.

Was können wir tun…?

Ein regelmäßiger Leser und Kommentator schrieb kürzlich im Kommentarbereich dieses Blogs folgende Wortmeldung:

„Was ich nur generell bemängele ist, ob wir in unserer gegenseitigen Zustimmung hier nur im eigenen Saft schmoren. Wir klopfen uns in der Blogozese gegenseitig auf die Schultern aber die Außenwirkung ist äußerst beschränkt. Ich frage mich, was können wir tun um unseren Missionsauftrag wirklich zu erfüllen? Eine Junge Freiheit wagt es dem Establishment auf politischer Ebene mit einer wahren konservativen Weltanschauung die Stirn zu bieten und wird dafür als “rechts” oder “ultrakonservativ” (wie Santorum!) geächtet. Ähnlcih geht es einem römischen Katholiken (im Gegensatz zu einem Deutschkatholiken) wenn er zum Beispiel versucht, sich für die Messe im a.o. Ritus zu engagieren. Man wird geächtet und wird implizit in die Nähe von Neonazis gerückt (man beachte die Perversion des Denkens), ich habe es am eigenen Leibe erlebt. Was können wir tun um diesem Denken entgegenzutreten, über die Diskussion in Internetforen und -blogs hinaus?“

Ich antwortete:

Was können wir also über die Diskussion in Blogs und Foren hinaus tun, um diesem Denken entgegenzutreten? Das ist eine sehr interessante und wichtige Frage, über die ich schon häufiger nachgedacht habe:
Direkt – nicht allzu viel. Wir haben keine politische, wirtschaftliche oder mediale Macht, die an die weltlichen Mächte heranreichen könnte. Wir sind David und haben nur eine kleine Schleuder und ein paar Steine. Wir sind zwölf kleine Fischersleute in einem heidnischen Weltreich. Indirekt, über unser alltägliches Handeln, einiges. Lassen Sie mich Anthony Esolen zitieren:
“You can engage a culture, but you cannot engage a corpse. When people are living in a cemetery, you do not join them. You establish a real village, and invite them over. You first become the sorts of people who sing, who love men and women for what they are, who love children (and actually have a few), who admire innocence, and who kneel before the holy. Then you will have something of a culture – and you will find those who are weary of the alternative trying to engage you. ”
Seht nur, wie die Christen einander lieben, wie sie füreinander da sind, wie sie ihren Glauben furchtlos bekennen, zu Märtyrern werden, wenn es von ihnen verlangt ist. Das hat einmal funktioniert – es wird wieder funktionieren. Wir müssen eigentlich nur immer wieder im alltäglichen praktischen Leben die Alternative aufzeigen. Immer predigen – wenn nötig auch mit Worten, besser aber durch stillschweigende Taten. Vielleicht wird jemand, der liest, wie freundschaftlich wir hier in der Blogozese miteinander diskutieren, diesen Eindruck haben und innehalten.
Ich glaube, eine wirkliche christliche Familie, eine einzige heilige Familie, ist wie ein Licht in der Finsternis, und wird die Menschen ganz ohne Worte überzeugen, allein durch ihr Sein. Dasselbe gilt für heilige Priester, die in der Welt leben, aber nicht von ihr erstickt werden.
Zehntausend Evangelisierungsinitiativen bekehren einen Menschen. Ein Heiliger bekehrt zehntausend.
Wir können nicht mehr tun als Heilige werden und in jedem Tag unseres Lebens dazu stehen. Egal in welchem Lebensstand wir sind. Wenn wir dann verfolgt werden, dann werden wir eben verfolgt. Wenn wir beleidigt werden, dann werden wir beleidigt. Wenn wir niedergeschlagen werden, stehen wir wieder auf. Keine Strategie, kein Aktionsplan wird uns in dieser Sache helfen können. Nur absolute Treue zu Gott in der Gegenwart. Für die Zukunft wird Er dann sorgen.
Was das an konkreten Handlungen bedeutet – jeder muss das tun, wozu er in seinem Stand berufen ist. Wenn sich die Chance bietet, Positionen zu klären, Missverständnisse auszuräumen, und Irrtümer aufzuzeigen, dann sollten wir das tun. Wenn nicht, dann nicht.
Ich werde dazu bald wohl etwas mehr schreiben, jetzt wo Sie dieses Thema angeschnitten haben.

Ich möchte nun zu dieser Antwort noch einige Gedanken hinzufügen, die das Thema in einen etwas anderen Zusammenhang stellen und von einer anderen Warte beleuchten, als dies in den beiden zitierten Kommentaren geschehen ist:

Sein und Machen

Die Frage „Was können wir tun…?“ fordert ihrer ganzen sprachlichen Struktur nach als Antwort eine Liste konkreter Handlungen ein. Was können wir tun? Wir können Streitschriften verfassen, Protestaktionen starten, gegen Ausgrenzung und Verfolgung von Christen eintreten. Wir können Unterschriften sammeln, über den Glauben sprechen, Vorurteile abbauen und vieles, vieles mehr. Zudem können wir, was schon weitaus näher am Ziel liegt, beten, uns direkt an Gott wenden, die Heiligen um Hilfe bitten, und ganz besonders Zuflucht bei der Mutter Gottes suchen. Das alles ist enorm wichtig. Besonders die zweite Hälfte der Liste.

Wir haben keine politische Macht, keine mediale Macht, keine ökonomische Macht, um die Meinungen in der Gesellschaft zu ändern. Wir sind wie David nur mit einer Schleuder ausgestattet und treten einer technologisch hochgerüsteten medialen und gesellschaftlichen Propagandamaschinerie entgegen, die über die Schulhoheit, die Universitätshoheit, die Medienhoheit, die politische und wirtschaftliche Vorherrschaft und jeden anderen denkbaren Vorteil verfügt. Die Kräfte dieser Welt und ihres (wie immer) scheinbar triumphierenden Fürsten haben ungehinderten Zugriff auf jeden Menschen in der westlichen Welt spätestens ab dem fünften oder sechsten Geburtstag, in vielen Ländern durch immer früher einsetzende Verstaatlichung der Kindererziehung bereits eher. Und diese Kräfte lassen weder uns noch unsere Kinder jemals wieder los. Wenn wir heute ein Kind in die Welt setzen, wird es in zwanzig Jahren ein überzeugter Anhänger dieser Welt sein und den wahren Glauben zurückgelassen haben. Darauf können wir praktisch wetten.

Die Panzer des Goliath sind größer als die Schleuder des David. Dies ist ein Kampf, den wir nach menschlichem Ermessen nur verlieren können. Und wir verlieren auch die meisten Schlachten. In unserem Land dürfen unschuldige Kinder von Ärzten auf Kosten der Krankenkassen und im Auftrag ihrer Mütter dahingeschlachtet werden. Ähnliches gilt mehr und mehr auch für nicht mehr gesellschaftlich nutzbare Subjekte am anderen Ende des Lebens. Eine totale Umwertung der Werte hat stattgefunden, und selbst die meisten Würdenträger in der Kirche haben sie mitgemacht. Sie denken und handeln in rein weltlichen Kategorien. Der ehemals so große Christliche Westen ist eine spirituelle Ruine, die durch Verbrennung aller wahren Güter kurzfristig materiellen Reichtum auf Kosten ihrer Seele erworben hat.

Die falschen Spielregeln

Warum verlieren wir diese Schlachten? Warum sind wir so marginalisiert? Warum scheitern wir? Weil wir nach den Regeln der Welt spielen. Wir fragen, welche Möglichkeiten wir haben, was wir tun können. Wir planen, starten Initiativen, wollen eine „Neu-Evangelisierung“. Nichts gegen alle diese nützlichen Handlungen. Soweit wir uns an ihnen beteiligen können, sollten wir das auch tun. Doch so werden wir keine Umkehr schaffen. Nicht solange wir an morgen denken. Nicht solange wir eine Strategie haben. Nicht solange wir auch nur die kleinste Reserve vor Gott halten. Nicht solange wir nicht alles was wir haben, alles was wir tun, alles was wir sind, ohne jede Zurückhaltung und ohne jeden Hintergedanken, Gott zur Verfügung stellen. Nicht solange wir nicht unser Kreuz aufnehmen und Christus nachfolgen, koste es was es wolle. Wenn wir dafür verfolgt werden, dann werden wir eben dafür verfolgt. Wenn wir dafür sterben müssen, dann müssen wir eben sterben (das müssen wir ohnehin alle).

Wir werden die Umkehr nur dann schaffen, wenn wir unserer Berufung zur Heiligkeit nachkommen. Wir sind von Gott an diesen Ort gesetzt worden, an dem wir jetzt sind. Gott weiß was Er tut. Gott weiß was Er will. Wir müssen nur kapitulieren, wir müssen uns nur ausliefern, alles in unserem Leben, einschließlich unserer selbst, dem Herrn als Opfergabe darbringen. So wie Christus. Worin dieses konkrete Opfer, dieses konkrete Kreuz bestehen mag? Wer kann es wissen, außer Gott? Wir brauchen es auch erst zu wissen, wenn es soweit ist, und dann werden wir es früh genug erfahren.

Was passiert, wenn wir uns Gott ausliefern und nichts zurückhalten? Wir verfügen über ganz solides Erfahrungswissen zu dem Thema. Wenn ein Dutzend Menschen sich Gott ausliefert, werden Weltreiche bekehrt. Den Statistiken zufolge lesen vielleicht dreißig, vielleicht fünfzig, wenn es hoch kommt hundert Menschen diesen Artikel. Was wäre wenn wir uns einfach Gott auslieferten? Gott nimmt jeden, der sich freiwillig meldet. Wenn zwölf Menschen ein Weltreich bekehren können, was vermögen wir dann, wenn wir einfach nur das sind, wozu wir berufen sind?

Und wozu sind wir berufen? Allgemein lautet die Antwort: Zur Heiligkeit. Doch es gibt so viele Heilige, und so viele Wege zur Heiligkeit, obwohl natürlich alle diese Wege einiges gemeinsam haben. Sie alle haben die Sakramente, die Kirche, Christus, das Gebet, Marie usw. gemeinsam. Das ist ungeheuer wichtig. Doch auf der menschlichen Seite gibt es so viele Unterschiede. Menschen aus allen Lebenslagen können heilig sein. Die meisten werden nicht einmal als solche erkannt. Sie spielen sich nicht nach vorn. Sie stehen nicht in der Öffentlichkeit. Sie haben keine Macht. Wie viele heilige Mütter hat es gegeben, von deren Heiligkeit nur die eigene Familie wusste? Wie viele einfache Bauern und Arbeiter und Handwerker, die gerecht waren und Gott und den Nächsten liebten? Aus jeder Lebenslage erwachsen Heilige, weil jede Lebenslage, jedes Schicksal, jeder Umstand, Gott aufgeopfert werden kann, und Ihm zu Ehren gelebt werden kann.

Heiligkeit ist kein Austreten aus der Welt, sondern das genaue Gegenteil. Es ist die Kapitulation vor Gott, das Niederlegen der Waffen des sündigen Rebellen. Das kann jeder Mensch, egal wo er herkommt, egal welche Bildung, welche Intelligenz, wie viel oder wenig Geld, welche Krankheiten er hat. Absolut jeder Mensch kann das. Er muss es nur wirklich wollen. Er muss die schon vollbrachte Erlösung nur noch annehmen. Es ist ein Geschenk – sonst nehmen wir Geschenke doch gern an? Oder haben wir selbst das schon verlernt?

Wenn die Heiligen so vielfältig sind, sind auch die Berufungen so vielfältig. Wenn wir eine Familie haben, sollten wir in der Familie bleiben und mit dieser Familie ein Licht in die Finsternis werfen. Dasselbe gilt für alle Menschen aller Berufungen – Väter und Mütter in den Familien, geistliche Väter und Mütter aller Art, besonders natürlich die Priester, aber nicht nur sie.

Wir müssen nur kapitulieren, unsere Waffen vor Gott niederlegen. Und wenn wir das wirklich tun, dann werden wir ein strahlendes Licht sein, das die Menschen fast magisch anzieht, das in ihnen den Wunsch weckt, auch ein solches strahlendes Licht zu werden. Aber wir sind keine strahlenden Lichter, die die Menschen in ihren Bann schlagen, sie faszinieren können allein mit ihrem Sein, wir sind keine Spiegel, die blank poliert sind, damit sie das Licht der göttlichen Liebe reflektieren können. Wir, und dies schließt den Autor dieser Zeilen an allererster Stelle mit ein, sind schmutzig, sündhaft, verschmiert, nicht blank und strahlend. Das ist das Problem.

Je dunkler die Dunkelheit, desto heller das Licht. Doch unser Licht ist nicht hell, weil wir die Dunkelheit als unseren Mantel angenommen haben.

Seht nur wie sehr sie einander lieben, und wie sehr sie dem Herrn Jesus Christus bis in den Tod nachfolgen. Aus dem Blut der Märtyrer geht die Christenheit immer wieder neu hervor. Das ist der einzige Weg, weil Christus er einzige Weg ist, und weil der Weg des Martyriums, der Weg des Kreuzes, der Weg Christi ist. Solange wir dieses Mittel nicht verwenden, werden wir wirklich nur „im eigenen Saft schmoren“. Egal ob wir uns nur in der Blogozese gegenseitig auf die Schulter klopfen, oder tausend gutgemeinte Evangelisierungsinitiativen starten und vor Geschäftigkeit nicht mehr zum Schlafen kommen. Wir alle, und an erster Stelle der Autor dieser Zeilen, sind vom Geist dieser Zeit angesteckt – wir sind unverbesserliche Macher.

Es gibt keine erfolgreichen Missionare, die nicht zugleich weit auf dem Weg der Christusnachfolge vorangekommen waren. Unseren Missionauftrag können wir nur erfüllen, wenn wir heiliggemäß leben. Die Gesellschaft können wir nur verändern, wenn wir heiliggemäß leben. Die Neu-Evangelisierung ist nur möglich, wenn wir heiliggemäß leben.

.Doch Heiligkeit kann man nicht machen. Und ohne sie ist alles andere vergebens.

Assisi (3/3) – Entweltlichung

Dies ist der dritte und letzte Teil einer Artikelserie über das interreligiöse Treffen in Assisi. Hier geht es zum ersten und zweiten Teil.

Entweltlichung

Bei seinem Besuch in Deutschland betonte der Papst in seiner Ansprache vor kirchlich aktiven Laien die Notwendigkeit einer „Entweltlichung“. Damit ist nicht gemeint, dass die Kirche sich nicht mehr um die Belange und Sorgen der Menschen außerhalb der Kirche kümmern soll, sondern dass sie sich nicht an die Wünsche, Irrtümer und Fehler der Welt anpasst. Sie soll sich frei von weltlichen Bindungen an staatliche Strukturen, aber auch, wie viele hinterher spekuliert haben, frei von finanziellen Reichtümern, die immer auch Abhängigkeiten mit sich bringen, wie etwa im Fall der deutschen Kirchensteuer, um ihren wesentlichen Auftrag kümmern. Und was ist dieser Auftrag?

Er ist nicht in erster Linie sozial-karitativ, sondern geistlich. Die Kirche soll den Menschen Gott näherbringen, wie man formulieren könnte. Dies geschieht durch die Vermittlung des Wahren Glaubens, die Sakramente, unter diesen besonders das Allerheiligste Sakrament des Altares, und auch durch soziale Hilfestellung, also praktische Nächstenliebe. Alle drei Wege, auf denen die Kirche Gott zu den Menschen bringt, haben gemeinsam, dass es, wenn man sie korrekt versteht, immer zuerst um die Liebe zu Gott geht. Aus dieser Liebe ergibt sich dann die Liebe zum Menschen.

Genauso, also unter den Vorzeichen der Entweltlichung, zu der der Papst aufgerufen hat, können wir die Frage nach dem Frieden wieder aufgreifen, um die es im zweiten Teil des Artikels ging. Wir hatten allerlei Unterschiede zwischen dem weltlichen und dem Frieden Christi aufgeführt, und diese am Beispiel eines Orchesters verdeutlicht. Jetzt können wir noch einen Schritt weiter gehen und den Frieden Christi als entweltlichten Frieden erkennen, also als Frieden, der sich nicht in erster Linie um den weltlichen Frieden der Menschen kümmert, sondern um die Liebe zu Gott.

Dieser wahre christliche Friede hängt eng mit der Entweltlichung zusammen. Denn wer nach diesem wahren Frieden strebt, der strebt zuerst gar nicht nach dem, was man heute unter Frieden versteht. Sein Wirken mag dem oberflächlichen Betrachter (und heute sind die meisten Betrachter oberflächlich) gar nicht als um Frieden bemüht erscheinen. Wer nach dem Frieden Christi strebt, der strebt nach Einklang seines Willens mit Gottes Willen. Die Mittel zum Frieden Christi finden sich im Gebet, in den Sakramenten, im Leben im und aus dem Glauben, wie manche es heute formulieren wollen.

Selig sind diejenigen, die Frieden stiften – aber wer sind diese Friedensstifter? Sind es die verweltlichten Diplomaten, die einen Waffenstillstand aushandeln? Sie mögen ja einen guten und wichtigen Dienst tun, aber sie können höchstens den arg defizitären weltlichen Frieden stiften, welcher ein Friede ist, der, wenn er anhält, zu Apathie, Anspruchsdenken, und, besonders wenn er noch mit materiellem Wohlstand einhergeht zur Mentalität einer „Made im Speck“ einlädt. Es ist ein materieller, aber kein geistlicher Friede, der dort von den Diplomaten ausgehandelt wird.

Die wirklichen Friedensstifter sind hingegen die Heiligen, die Frieden mit Gott gemacht haben. Sie lieben zuerst Gott, und weil sie Gott lieben, haben sie Frieden mit ihm und tun seinen Willen. Er ist die Liebe und ruft zur Nächstenliebe auf. Da die Heiligen das richtige Verhältnis zu Gott haben, sind sie auch imstande, das richtige Verhältnis zum Nächsten zu finden. Zwischen dem Heiligen und seinem nächsten herrscht daher auch bloß weltlicher Friede, sofern sich sowohl der Heilige als auch der Nächste im richtigen Verhältnis zu Gott befinden. Wenn nicht, wird der betreffende Nächste den Heiligen oft genug verfolgen. So entstehen Märtyrer.

Die wirklichen Friedensstifter, die Heiligen, sind Friedensstifter, weil sie Frieden mit Gott gemacht haben, und damit auch Frieden mit sich selbst, und Frieden mit ihrem Nächsten. Weil sie Frieden mit Gott haben, achten und bewahren sie auch die Schöpfung. Weil sie Frieden mit Gott haben, helfen sie ihren Nächsten, und verhindern so die sozialen Katastrophen, an die wir uns in einer Welt voller säkularer Besserwisser, die alle den neuesten Plan im „Kampf gegen den Hunger“ haben, natürlich schon längst gewöhnt haben.

Die wirklichen Friedensstifter sind die Heiligen, und ihr Friede ist umfassend. Doch wer sind diese Heiligen? Sind das nicht irgendwelche Menschen, die einmal hier auf Erden waren, aber heute nicht mehr sind? Die wenigen Auserwählten? Eine besondere Gruppe mit heroischer Stärke? Nein, das sind sie nicht.

Die Heiligen, das sind die Menschen, die sich entschlossen haben, Gottes Willen zu tun, und nicht ihren eigenen. Das sind die, die gesagt haben, „Dein Wille geschehe“. Heiligkeit ist nicht schwer und jeder Mensch ist zu ihr berufen. Wir müssen es nur wollen, und dann nach diesem Willen handeln. Wenn wir beten, „Dein Wille geschehe“, und es wirklich so meinen, wer kann uns dann noch auf diesem Weg zur Heiligkeit aufhalten?

Wir sind also diejenigen, die zur Heiligkeit berufen sind, und wenn wir noch nicht zu heldenhafter Tugend gelangt sind, so nur deswegen, weil wir nicht wirklich wollen, weil irgendwo in unserem Herzen noch eine Ecke ist, die „non serviam“ sagt. Doch weil wir zur Heiligkeit berufen sind, sind wir, jeder von uns, auch berufen, Friedensstifter zu sein, indem wir den Frieden Christi stiften.

Daher ist der beste Weg zum Frieden tatsächlich das Gebet, in Verbindung mit den Sakramenten und dem wahren Glauben, aber es ist kein Gebet um bloßen Waffenstillstand (so gut das für sich genommen auch sein mag). Es ist ein Gebet um den Mut zur bedingungslosen Kapitulation vor Gott.

Ein solches Friedensgebet wird es in Assisi nicht geben, weil dem kaum ein anwesender Vertreter einer Weltreligion zustimmen könnte. Daher ist das Treffen, selbst wenn alle negativen Befürchtungen, über die ich in den beiden ersten Teilen geschrieben habe, nicht eintreten sollten, nicht allzu sinnvoll.

Beten wir also um diesen Mut zur bedingungslosen Kapitulation vor Gott und zusätzlich, so es denn Gottes Wille ist, um etwas Waffenstillstand in unserer Zeit.

Die Tugend der Reinheit

Anthony Esolen ist, wie ich schon früher auf diesem Blog geschrieben habe, einer der wenigen verbliebenen Weisen im besten Sinn des Wortes. Auch sein neuer Artikel, „Purity: Youth Restored“ ist so reichhaltig und auf einer so tiefgreifenden Ebene richtig, dass es fast unmöglich ist, einzelne Abschnitte hervorzuheben. Er sollte unbedingt zur Gänze gelesen (und wiedergelesen, und an andere weitergegeben) werden.

Ich will trotzdem versuchen einige Höhepunkte zu isolieren – doch niemand sollte glauben, das wäre alles was der Artikel zu bieten hat. Er ist ein Gesamtkunstwerk, wie alles was Esolen schreibt.

Der Hintergrund ist eine Romanvorstellung: Quo Vadis von Henryk Sienkiewicz. Über die Qualität des Romans kann ich nichts sagen, weil ich ihn nicht kenne. Aber was aus dem Artikel hervorscheint deutet an, dass auch der Roman die Lektüre verdient.

Es geht um einen römischen Zenturio, Marcus, der sich auf eine ziemlich dekadente Weise in Ligia verliebt – eine Christin, wie sich herausstellt. Er begehrt sie auf tierische Art und Weise, läßt sie sogar entführen, um sie dann zu verführen, doch stellt dann fest:

Slowly he comes to understand, though long in confusion, that even if he could have Ligia in these ways, he would not want to, because it would spoil the very quality in her that most attracts him.

Doch er wundert sich:

What normal woman wouldn’t jump at the chance to be the concubine of a handsome young patrician? Had they set themselves in pride against ordinary pleasures, like the Cynics? But the Cynics were as bitter as gall, and these Christians were mild, almost to a fault. What Marcus comes to see is that Ligia has too exalted a view of happiness for his understanding. Her human desires – and she has fallen in love with him – are caught up in the divine, and transformed. To love Ligia is to love her in that radiant integrity.

Was Marcus an Ligia anzuziehen scheint, ist eine Qualität, die wir mit dem Wort Reinheit („purity“) bezeichnen können. Diese Fähigkeit ist letztlich der Schlüssel zu vielem, unter anderem zu einem glücklichen Leben. In seinen lesenswerten „Screwtape Letters“ läßt C.S. Lewis den Oberteufel Screwtape über Gott sagen, er sei im tiefsten seines Herzens ein Hedonist, verstanden als jemand, der sehr großen Wert auf Freude legt. Und G.K: Chesterton verwendet irgendwo (ich glaube in „Orthodoxy“) das Bild von den Geboten und Verboten des Christentums als Zaun um einen Kinderspielplatz: Um den Spielplatz findet sich ein Abgrund, doch die Kinder können auf dem Spielplatz Freude haben, gerade weil es den Zaun zu ihrem Schutz gibt. Der Zaun ist, genauso wie die christliche Moral, auf den ersten Blick restriktiv, ja sogar ein Gefängnis. Aber er ermöglicht erst wahre Freiheit und wahre Freude. Ohne den Zaun könnten die Kinder nicht so sorglos spielen und wären nicht so glücklich.

Die Art Glück, die wir Menschen in einem ständigen Durchbrechen der Zäune, durch Tabubrüche, erlangen können, ist kurzfristig schön, langfristig schon in dieser Welt höchst schädlich und in Ewigkeit erst recht. Doch die Art Glück, die wir erlangen können, indem wir die Zäune achten und pflegen, und in den Grenzen der Zäune bleiben, ist, wie das Glück der Kinder in dem obigen Bild, langfristig schon in diesem Leben schön, und die wahre Belohnung kommt natürlich in der Ewigkeit. Doch das ist ein Gedanke, der, wie mir scheint, auch Esolens Zusammenfassung zugrunde liegt. „Her human desires – she has fallen in love with him – are caught up in the divine, and transformed“ – Ihre bloß menschlichen Begierden stehen nicht mehr für sich, sie haben ihren angemessenen Platz in dem kosmischen Drama der Schöpfung und des Schöpfers, sie werden durch diese Einordnung in die göttliche Ordnung (mitsamt moralischen Geboten) transformiert, verwandelt, und zwar nicht in Form einer Erkaltung oder Abschwächung dieser Begierden. Die Einordnung in den ihnen angemessenen Zusammenhang bewirkt gerade das Gegenteil. Eheliche Liebe ist nicht nur moralisch besser als ein „One-Night-Stand“, sondern macht auch viel eher glücklich als die Leere der Objektifizierung des Partners als bloßes Mittel zum Zweck der Trieb- oder Leidenschaftsbefriedigung. Das gilt für die gesamte menschliche Sphäre. Begierden, Leidenschaften, Triebe, die in ihren gesunden moralischen Zusammenhang eingeordnet und in diesen Grenzen ausgelebt werden, erfahren keine Schwächung sondern eine Stärkung. Das ist das christliche Paradox. Gerade durch die Unterordnung unter Gott und seine Gebote wird der Mensch erst frei. Sünde ist Sklaverei. Reinheit, Heiligkeit sind Voraussetzungen der Freiheit.

Das alles ist, unterschwellig, in einer Erfahrung enthalten wie Marcus sie macht.

Esolen weiter:

Ligia becomes the means of Marcus’ salvation. She is so not because she meets him halfway, becoming a little bit debauched for the debauched, or a little bit of a whore for the whoremonger. Had she done so, Marcus would have had his way with her, enjoying her for a while, and then tiring of the emptiness.

We do not become impure for the impure, dishonest for the dishonest. Such qualities are not actually things in themselves, but deficiencies or corruptions. When a man is hungry, we do not feed him with cardboard. We give him real meat and bread. When a man is shivering with cold, we do not give him rags. We give him real clothing.

(Hervorhebungen von Catocon)

Wenn Jesus sagt wir sollen uns zu den Sündern begeben, so wie er gekommen ist, um die Sünder zu retten, dann meint er nicht, wir sollen die Sündhaftigkeit der Sünder annehmen oder entschuldigen, um irgendwie zu zeigen, dass „wir ja alle im gleichen Boot sitzen“. Er meint, dass wir den Irrenden Wahrheit, den Hungernden Brot, den Dürstenden Wasser, den Sündern Heiligkeit, den Unterdrückten wahre Freiheit bringen sollen. Den Grund dafür nennt Esolen auch: Das Böse ist gar nicht an sich, sondern immer nur als Parasit einer eigentlich guten Qualität oder Eigenschaft. Es saugt das Gute aus, nährt sich an ihm. Sexualität ist etwas sehr Gutes, und gerade deshalb ist ihre Perversion etwas sehr Schlechtes. Und gerade weil Freiheit ein hohes Gut ist, vermag sie so viel Schaden anzurichten, wenn sie pervertiert wird. Ähnliches gilt für alle menschlichen Güter.

Doch was will uns Heutigen das sagen? Die Antwort gibt Esolen ebenfalls:

Modern man is like Marcus. He no longer knows what his body is for. He has no sense of the integrity of the person, body and soul, as cooperating with God in the making of new life.  He has at best a hazy view of the eternal love for which we are made. He is hungry and cold.

Der moderne Mensch, so Esolen, weiß nicht mehr, wofür sein Körper ist. Er weiß mehr über seinen Körper als jede frühere Generation. Aber er kennt nicht mehr den Zweck, den Gründ für seinen Körper. Er glaubt, der Körper sei ein Instrument, das er benutzen könne wie und wann er wolle („Mein Körper gehört mir!“) Er erkennt nicht mehr, dass er als Person, als Bild Gottes, zur Liebe berufen ist. (Liebe, in diesem Sinne, bedeutet aber nicht bloß ein Gefühl, sondern, dem Hl. Thomas folgend, „das (objektiv) Gute des Nächsten zu wollen“, was in der christlichen Theologie das Fachwort „caritas“ zugewiesen bekommen hat). Diese Liebe äußert sich in der Beziehung zu Gott, aber im derzeit behandelten Zusammenhang steht die Liebe zum Nächsten im Vordergrund.

Diese Art Liebe hat der heutige Mensch gegen Liebe als Emotion, als Leidenschaft, eingetauscht. Das ist ein Verlustgeschäft, weil die höchsten Formen der Liebe dabei in Vergessenheit geraten. Es ist auffällig, dass der Mensch umso hungriger nach Liebe geworden ist, umso weiter er sich von den Normen der christlichen Moral entfernt hat. Ohne ein solides Wissen um den Zweck des Leibes kann man keine sinnvollen Entscheidungen über ihn treffen. Doch der Zweck des Leibes, hinsichtlich seiner Sexualität, ist Fortpflanzung und, untrennbar damit verbunden, Vereinigung mit dem Partner zu einer unauflöslichen Einheit. Und was der Mensch im Bereich der Liebe vergessen hat, wirkt sich nicht nur auf Ehe und Familie aus, sondern auf die gesamte menschliche Existenz. Alles gerät aus dem Gleichgewicht, wenn man das Ziel, den Zweck aus den Augen verliert. In diesem Sinne ist es auch klar, dass Ligia eine Christin sein muss. Denn natürlich besteht der allerletzte Endzweck der ganzen Schöpfung in Gott.

Der heutige Mensch ist dagegen orientierungslos. Er driftet vom einen Ort zum nächsten, ist nirgendwo verwurzelt, und ist auch mit niemandem untrennbar verbunden. Es ist ein Leben als Nomade – welch ein Rückschritt für den Fortschrittlichen!

Esolen verweist dann noch auf einige der Auswirkungen dieses Auseinanderbrechens der Gesamtschau, des Zerfalls des einen Endzwecks in viele kleine subjektive, vom Menschen gemachte, Zwecke, von denen keiner dem Menschen wirklich gerecht werden kann, weil das Wesentliche – oder vielmehr: der Wesentliche – fehlt. Die Auswirkungen die Esolen nennt, ergeben in der Summe den totalen Zusammenbruch unserer Hochkultur und einen Rückfall in barbarische Zeiten. Es ist nichts weniger als die Entzivilisierung der Zivilisation. Und wir eilen weiter voran, unermüdlich, alle Zäune einreißend, immer unbefriedigt dem nächsten Tabubruch nachhaschend, in der vergeblichen Hoffnung, er möge uns endlich erfüllen. Doch erfüllen kann uns nur das Wahre: Nur die Wahre Liebe, die Wahre Schönheit, die Wahre Freiheit und so weiter. Doch Jesus sagte, er sei die Wahrheit. Er hat sie nicht nur – er ist sie. Daher kann auch nur er uns erfüllen.

Esolen schließt brillant:

Modern man, then, needs to behold that virtue that spiritualizes the body, uniting the natural appetites in an integral orientation towards what is holy. That virtue is purity

Dem ist vorbehaltlos zuzustimmen. Solange der Mensch „seinen“ Körper nur als materielles Werkzeug begreift, wird der im Westen begonnene Verfall sich immer weiter ausbreiten, da auch der Westen sich ausbreitet, durch die ökonomische Globalisierung, die durch und durch westlich ist – nicht nur aufgrund der Tatsache, dass es derzeit noch westliche Kulturen sind, die im globalen Wettbewerb die Nase vorn haben, sondern aus dem tieferen Grund, dass die Werte, die der Globalisierung zugrunde liegen, wie etwa der Universalismus, letztlich Perversionen der Christlichen Kultur des Westens sind.

Den Körper als „spirituelle“, geistliche Realität zu begreifen und ihn entsprechend zu behandeln, ist in der Tat notwendig. Denn unsere Leiber sind ein Tempel des Heiligen Geistes (1. Kor 6:19), wie schon Paulus wusste.

Heiligkeit als Lösung der Kirchenkrise

Ich möchte kurz auf diesen hervorragenden Beitrag verweisen, den ich auf „Papsttreu im Pott“ gefunden habe, einem guten Blog, dessen Autor sich besonders mit der Lage im Bistum Essen beschäftigt. Der sogenannte Dialogprozess ist in ganz Deutschland im Gange – schwerfällig, bürokratisch und von einer verbandskatholischen Elite beherrscht. Wie in anderen Bistümern auch, herrscht im Rahmen der Essener Dialogsitzungen in der Regel eine Art Krawallstimmung gegen die Kirche und ihre Dogmen und Normen. Es gibt aber auch einige Gegenstimmen – krampfhaft von Medien verschwiegen und von Gremien ignoriert. Eine davon lasse ich hier zu Wort kommen, via Papsttreu im Pott: Einige (kommentarlose) Ausschnitte:

Man sollte (und kann) aber nicht so tun, als wäre die Kirche eine reine Demokratie und die Mehrheit bestimmt, was gemacht wird und was nicht. Göttliches Recht und das Naturrecht setzen uns Menschen klare Grenzen. Weil man in der Politik dagegen verstößt (Abtreibung, Euthanasie, PID etc.) und sich nicht darum schert, kann die Kirche es aber nicht genauso machen. Gott ist der Herr in seiner Kirche und nicht wir Menschen.

Ich befürchte zutiefst, dass dieser Dialogprozess noch tiefere Gräben in der Kirche unseres Landes aufreissen wird, weil man meint, man könnte alles ändern, wenn man nur eine Mehrheit dafür zusammenbekommt. Dies ist aber nicht so!!! Enttäuschung und daraus resultierende Handlungen, die der Einheit der Kirche schaden werden, sind da doch wohl vorprogrammiert, oder???

(…)

Die erste und wichtigste (weil wirkmächtigste) Reform schlage ich hier jedem einzelnen Katholiken unseres Bistums und darüber hinaus vor:
Ich bekehre mich und orientiere mich täglich immer mehr an der Offenbarung (Schrift, Überlieferung), die das Lehramt der Kirche uns vorgelegt hat. Ich gehe öfter in den Gottesdienst (sogar an Werktagen, das geht!) und empfange häufiger die Sakramente, vor allem das der Buße. Ich orientiere mein Gewissen an der vorgelegten Offenbarung und handele stets nach ihm in völliger Übereinstimmung mit meinem Glauben. So habe ich die Chance, mehr positiv von meinem Glauben auszustrahlen und meine (u.a. nichtgläubigen) Mitmenschen können an meinem Leben ablesen, wie ein Katholik glaubt, wovon er überzeugt ist und wie es sein Handeln bestimmt.
Wenn wir dies alle täten, würden wir uns wundern, wieviel sich in der Kirche positiv verändern würde. Mir hat mal ein Nichtgläubiger gesagt: „Ich kann Euch Katholiken nicht glauben! Ihr lebt wie alle anderen auch. Wo kann ich das, was Ihr zu glauben vorgebt, in Eurem Leben verwirklicht sehen, ja ablesen? Wo ist Euer gutes Beispiel?“ Ich war betroffen! Genau das ist es!
Nur das kann wahre Reform sein:
Nicht Angleichung an die Welt, sondern täglich immer mehr versuchen, Christus nachzufolgen und ihm gleichförmig zu werden! Gott gibt dazu die Gnade, wenn wir nur wollen.

(Hervorhebungen von Catocon)

Die ersten Christen in den frühen Jahrhunderten bekehrten ihre Umwelt nicht nur durch ihren Glauben – sie predigten und lehrten selbstverständlich – doch erst durch die Umsetzung ihres Glaubens konnten sie andere wirklich tiefgreifend überzeugen.

Die Lösung der Kirchenkrise? Werdet heilig!

(Jetzt habe ich doch noch etwas kommentiert…)