Homosexualität und Scheidung

Dieser Tage ist das Thema Homosexualität ja in aller Munde. Die Inselaffen (in gänzlich korrekter evolutionsbiologischer Ableitung) wollen eine „Homo-Ehe“ einführen. Die Franzosen haben denselben Plan gefasst, und in Deutschland sollen Homosexuelle, die in eingetragenen Partnerschaften leben, in Zukunft ein verfassungsgerichtlich erzwungenes erweitertes Adoptionsrecht haben. In der Kirche vergeht kaum eine Woche, in der nicht irgendjemand fordert, die Kirche müsse mit der Zeit statt mit der Bibel gehen und sich endlich für die Partnerschaften von homosexuellen Paaren „öffnen“. In der Praxis haben nicht wenige Seminaristen, Priester und womöglich Bischöfe sich der Homosexualität auch dadurch sehr weit geöffnet, dass sie sie selbst praktiziert haben. Oft genug auch mit Minderjährigen, worauf die überwiegende Mehrzahl der Missbrauchsfälle zurückzuführen ist.

Homosexualität ist also in aller Munde. Politisch wird es zunehmend schwer für diejenigen, die sich nicht dem Zeitgeist beugen, sondern die überlieferte Familie entschlossen verteidigen, und diejenigen, die am eifrigsten nach Toleranz gegenüber Homosexuellen rufen, haben meist überhaupt keine Toleranz, wenn es um die Minderheitenrechte von traditionellen Christen geht, die an der traditionellen, von Gott eingesetzten Ehe festhalten, und dafür auch öffentlich eintreten möchten.

Ich habe großen Respekt vor denen, die gegen die Homo-Ehe in der Öffentlichkeit kämpfen, und ihr Kampf ist notwendig. Doch das eigentliche Übel liegt woanders. Für die meisten Menschen ist einfach nicht einsichtig, warum zwei Homosexuelle nicht heiraten können, wenn sie es doch wollen. Lieben sie sich denn nicht ebenso aufrichtig, wie das heterosexuelle Liebespaar von nebenan? Ist denn nicht ihre Zuneigung deutlich erkennbar? Ja, natürlich, das mag durchaus alles sein. Es gibt solche homosexuellen Paare. Doch wenn zwei Männer einander wirklich aufrichtig lieben, warum sollen sie dann nicht heiraten können? Für den Menschen von heute ist das ein großes Rätsel und sein Unverständnis gegenüber der Haltung der Kirche rührt von daher.

Die Antwort ist ganz einfach: Weil es in der Ehe nicht in erster Linie um Liebe geht! In Casti Connubii (unbedingt lesen!) zitiert Pius XI. den hl. Augustinus, demzufolge die drei Güter der Ehe „Nachkommenschaft, Treue, Sakrament“ seien.

Die Ehe ist für die Sicherung der Nachkommenschaft da (sowohl Zeugung als auch Aufzucht, Erziehung und Bildung der Kinder, was eine dauerhafte Bindung der Eltern aneinander und an ihre minderjährigen Kinder erfordert).

Die Ehe ist für den gegenseitigen Beistand und die Hilfe der Eheleute da. Die Eheleute stehen sich sowohl in den Fährnissen des alltäglichen Lebens, als auch (und vor allem) auf der Pilgerreise durch dieses zeitliche Leben hin zu ihrer ewigen Bestimmung im Himmel bei.

Die Ehe ist schließlich Sakrament, eine unauflösliche Verbindung zweier Menschen, die durch ihre Verbindung sichtbares Zeichen für die Vereinigung Christi und Seiner Braut, der Kirche, werden, und zwar in einer Weise, dass dieses Zeichen eines der sieben Sakramente ist. Es ist also nicht bloß ein Zeichen, sondern ein wirklich wirksames  Zeichen.

Aus diesem Eheverständnis heraus wird sofort klar, warum es nicht Hass oder Phobie ist, die den Christen zur Ablehnung homosexueller Partnerschaften führt, sondern einfach die offensichtlichen Tatsachen, dass

(1) zwei Homosexuelle durch die Nutzung ihrer natürlichen körperlichen Fähigkeiten prinzipiell niemals Nachkommen miteinander zeugen können,

(2) zwei Homosexuelle sich vielleicht auf dem Weg auf dieser Erde gegenseitig beistehen können, aber nicht auf der Pilgerreise, die in den Himmel führen soll, weil ihr Verhalten dem göttlichen Gebot widerspricht, und

(3) zwei Homosexuelle nicht in der Lage sind, die Vereinigung Christi mit Seiner Braut zu symbolisieren, weil Christus keinen Bräutigam, sondern eine Braut hat, und die Braut keine Christa, sondern den Christus.

Die „Ehe“ zwischen zwei Männern oder zwei Frauen ist daher einfach ein Widerspruch in sich. Man kann keine „Homo-Ehe“ einführen, ebenso wie man nicht per Dekret festlegen kann, dass alle Eier in Zukunft perfekte Sechsecke seien. Eier sind nun einmal eiformig, nicht sechseckig, und Ehen sind nun einmal verschiedengeschlechtlich, nicht gleichgeschlechtlich.

Doch dieses Eheverständnis sagt noch viel mehr aus als nur die Unmöglichkeit der „Homo-Ehe“. Auch die Scheidung ist damit unmöglich. Die Pilgerreise, auf der die Eheleute einander beistehen sollen, ist lebenslang. Sie endet erst mit dem Tod. Und die Ehe zwischen Christus und der Kirche ist ewig, so dass eine bloß temporäre Bindung unter Scheidungsvorbehalt aus diesen Gründen ebenfalls ein Widerspruch in sich ist.

Ebenso ist mit diesem Eheverständnis ausgesagt, dass die Ehe, selbst abgesehen von dem sakramentalen Charakter (ohne den eine Ehe ja durchaus gültig sein kann), niemals gänzlich säkular gedacht werden kann, da es nicht nur um gegenseitigen Beistand auf Erden geht, sondern eben auch um Unterstützung und Stärkung auf dem Weg in die ewige Seligkeit.

Dies ist nur eine kleine Auswahl von Implikationen des katholischen Eheverständnisses. Mit diesem gedanklichen Hintergrund kann man ganz ohne Appell an bloße „Ressentiments“ oder „Hass“ oder „Phobien“ erklären, dass eine Ehe zwischen zwei Menschen des gleichen Geschlechts einfach ein Widerspruch in sich ist. Doch konsequent muss dann auch gegen Scheidung sein, um nur ein Beispiel zu nennen.

Wenn es bei der Ehe wirklich nur um gegenseitige Zuneigung geht, dann muss die Ehe auch Homosexuellen gestattet werden. Wenn es bei der Ehe aber in erster Linie um etwas ganz anderes als bloße Zuneigung geht, nämlich „Nachkommenschaft, Treue, Sakrament“, dann sieht die Sache ganz anders aus.

Das dominierende Eheverständnis, auch unter vielen Gegnern der „Homo-Ehe“, ist aber das moderne, säkulare Verständnis, die Ehe sei ein sichtbarer Ausdruck für die gegenseitige Liebe der Ehepartner und biete ihnen eine rechtliche Absicherung, die diesem Ausdruck eine gewisse Stabilität bietet, solange die Ehepartner einander noch lieben. Unter diesen Prämissen ist ein Beharren auf der Heterosexualität der Ehe unlogisch und kann dann selbst von gutwilligen Anhängern der „Homo-Ehe“ – von denen ich einige kenne – eigentlich nur als irrationale Ablehnung, als Hass oder Phobie, gedeutet werden. Denn einander lieben können Homosexuelle auch.

Wenn Ehe bloß Liebe + Sex ist, dann sollte Homosexuellen die Ehe geöffnet werden, und Scheidung sollte leicht möglich sein, sobald die Liebe schwindet oder der Sex nicht mehr gut genug ist.

Wenn Ehe aber Nachkommenschaft + Treue + Sakrament bedeutet, dann können zwei Homosexuelle ebensowenig heiraten wie sie die Arme ausstrecken und aus eigener Kraft fliegen können.

Doch dann darf man die moderne Ehe nicht als gegeben hinnehmen, sondern muss für ihre Rückkehr zu den wesentlichen Ehezwecken kämpfen, was dann auch die Unauflöslichkeit bedeutet.

Das ist derzeit politisch nicht durchsetzbar. Doch indem man davon schweigt, wird es nicht leichter durchsetzbar, sondern schwerer.

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Die Homo-Ehe als Vorbote der Verfolgung

Man kann derzeit den deutschen Medien entnehmen, dass US-Präsident Barack Obama seine Meinung zur „Homo-Ehe“ geändert habe und diese nun unterstütze. Dies trifft auch auf die offizielle Position des Präsidenten zu – bisher hatte er immer die Auffassung vertreten, die Ehe sei zwischen Mann und Frau zu belassen. Doch ist die Rede von Obamas Gesinnungswandel hinsichtlich seines realen Verhaltens vollkommen irreführend. Schon 2008 hatte Obama sich gegen ein Referendum im Staate Kalifornien ausgesprochen, durch das die angeblich auch von Obama geteilte Haltung zur Frage der Homo-Ehe, in der Verfassung verankert werden sollte. Später, während seiner Amtszeit als Präsident, setzte er sich immer wieder für die Förderung der Anliegen der Homolobby ein. Noch vor wenigen Wochen sprach er sich gegen ein weiteres Referendum aus, diesmal im Bundesstaat North Carolina, das den Schutz der Ehe in der Verfassung verankert hätte.

Jetzt hat er also auch offiziell bestätigt, was jeder vorher schon wusste. Obama befürwortet den Abbau, nein sogar die Zerstörung, des christlichen Glaubens und aller Spuren christlicher Ethik. Er befürwortet nicht nur ein unbegrenztes Recht auf die Tötung von Kindern im Mutterleib, sondern geht noch weiter. Selbst das Verbot der Tötung geborener Kinder infolge fehlgeschlagener Abtreibungen, das in vielen US-Bundesstaaten vor einigen Jahren verabschiedet wurde, fand nicht die Zustimmung jenes antichristlichsten Präsidenten, den die USA jemals hatten. Zu seiner Zeit im Senat von Illinois stimmte er nicht nur gegen den „Born Alive Infants Protection Act“, sondern sprach vehement gegen dieses Gesetz im Senat von Illinois. Ein ähnliches Gesetz verabschiedete der US-Senat mit Zustimmung selbst der radikalsten anderen Abtreibungsbefürworter einstimmig. Doch Obama – damals noch in der Landespolitik – war vehement dagegen.

Obama befürwortet die staatliche Förderung von Abtreibungen – sie sind, wenn auch auf der politischen Opportunität geschuldeten Umwegen, in Obamas Krankenversicherungsgesetz inbegriffen. Obamas Kampf gegen die Freiheit der Kirche ist zwar in Deutschland weitgehend medial ignoriert worden, doch deswegen nicht weniger intensiv.

Die Liste könnte noch lange weitergeführt werden, doch Obamas gesellschaftspolitisches Streben ist von scharfer Feindschaft gegen die katholische Kirche und die anderen christlichen Gemeinschaften geprägt, selbst wenn er sich selbst als Christen bezeichnet. Doch was Obama unter Christentum versteht, kann jeder für sich herausfinden, wenn er sich die vom unheiligen Geist erleuchtete rassistische Hetzpropaganda eines Jeremiah Wright anhört. Obamas Familie lauschte über Jahre andächtig diesen Predigten. Erst als das im Jahr 2008 politisch problematisch für Obamas Wahlchancen wurde, distanzierte er sich in einem polittaktischen Manöver von Wright.

Unter diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, dass ein Präsident, der sich in einem heftigen Kulturkampf gegen jegliche Form des authentisch Christlichen befindet, auch die sogenannte Homo-Ehe unterstützt.

Zugleich hat sich das Volk von North Carolina mit etwa 61% der Stimmen zugunsten der vorgeschlagenen Verfassungsänderung ausgesprochen, durch die die Ehe als Institution zwischen Mann und Frau definiert wird. Sie haben den progressistischen Sozialingenieuren damit erst einmal einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Doch bei einem staatlichen oder staatlich kontrollierten Schulwesen, wie es auch in den USA mehr und mehr üblich wird, ist die Umerziehung der nächsten Generation ja immer möglich. In zehn bis zwanzig Jahren wird Kritik an der „Homo-Ehe“ genauso unmöglich erscheinen wie heute Kritik an der Verhütungsmentalität, die ja selbst Konservative längst als wunderbaren Fortschritt akzeptiert haben. Die Zerstörer des christlichen Glaubens und die Streiter gegen das natürliche Sittengesetz gehen immer in Etappen vor. Zu jeder beliebigen Einzelfrage – ob Abtreibung, Homo-Ehe, Scheidung, Verhütung und was auch immer – äußern sie sich zuerst sehr negativ, dann zurückhaltend, dann abwartend, dann als ob es selbstverständlich wäre, und am Ende wird die Äußerung der „traditionellen“ Position gesellschaftlich oder gar strafrechtlich sanktioniert. Dieser Verlauf wird hier sehr treffend beschrieben:

Stage 1: “Oh please. Only a far-right-wing nutjob would make such a paranoid and ridiculous accusation – I suppose next you’ll accuse us of wanting to poison your precious bodily fluids!” [Bitte. Nur ein rechtsextremistischer Spinner würde mir einen solch paranoiden und lächerlichen Vorwurf machen – ich vermute, Sie werden uns als nächstes beschuldigen, dass wir Ihre Körperflüssigkeiten trinken wollen!]

Stage 2: “Well, I wouldn’t go as far as X. All the same, it’s good to be open-minded about these things. I mean, people used to think ending slavery was a crazy idea too…”

[„Nun ja, ich würde nicht so weit gehen wie X. Dennoch sollte man für diese Dinge offen sein. Ich meine, die Leute dachten ja auch, die Abschaffung der Sklaverei sei eine verrückte Idee…“]

Stage 3: “Hey, the Europeans have had X for years and the sky hasn’t fallen. But no, I admit that this backward country probably isn’t ready for X yet.”

[„Hey, die Europäer haben X schon seit Jahren und die Welt ist nicht untergegangen. Aber nein, ich gebe zu, dieses rückständige Land ist für X noch nicht bereit.“]

Stage 4: “Of course I’m in favor of X – it’s in the Constitution! Only a far-right-wing nutjob could possibly oppose it.”

[„Natürlich bin ich für X – es steht in der Verfassung! Nur ein rechtsextremistischer Spinner könnte überhaupt dagegen sein.“]

Stage 5: “You have the right to remain silent. Anything you say can be used against you in a court of law…”

[Sie haben das Recht zu schweigen. Alles was Sie sagen, kann vor Gericht gegen Sie verwendet werden…]

Ebenso sind heute die amerikanischen Konservativen gegen die Homo-Ehe. Doch auch hier kann man dieselben fünf Stufen beobachten. Sie verlaufen meist so – ebenfalls in dem oben verlinkten Artikel beschrieben.

Stage 1: “Mark my words: if the extreme left had its way, they’d foist X upon us! These nutjobs must be opposed at all costs.”

(„Merken Sie sich das: Wenn die extreme Linke sich durchsetzte, würden sie uns X aufzwingen. Diese Verrückten müssen um jeden Preis bekämpft werden.“)

Stage 2: “Omigosh, now even thoughtful, mainstream liberals favor X! Fortunately, it’s political suicide.”

(„Oh mein Gott, inzwischen sind selbst nachdenkliche, angesehene Liberale [in den USA gleichbedeutend mit „Linke, Anm. von Catocon] für X. Glücklicherweise ist das politischer Selbstmord.)

Stage 3: “X now exists in 45 out of 50 states. Fellow conservatives, we need to learn how to adjust to this grim new reality.”

(„X gibt es jetzt in 45 von 50 Staaten. Meine konservativen Freunde, wir müssen lernen, wie wir mit dieser harten neuen Realität umzugehen.“)

Stage 4: “X isn’t so bad, really, when you think about it. And you know, sometimes change is good. Consider slavery…”

(„X ist wirklich nicht so schlimm, wenn man darüber nachdenkt. Und, wissen Sie, manchmal ist Veränderung gut, wie bei der Sklaverei…“)

Stage 5: “Hey, I was always in favor of X! You must have me confused with a [paleocon, theocon, Bible thumper, etc.]. But everyone knows that mainstream conservatism has nothing to do with those nutjobs…”

(Hey, ich war immer für X! Sie müssen mich mit einem [Traditionalisten, Anhänger eines Gottesstaates, radikalen Bibelklopfer usw.] verwechseln. Aber jeder weiß, dass angesehen Konservative mit diesen Verrückten nichts zu tun haben…“)

Diese zwei Fünfstufenprogramme klappen immer. Graduell verwandeln sich die beiden akzeptablen gesellschaftlichen Positionen und sie verschieben sich immer weiter nach Links, hin zur Auflösung traditioneller, gewachsener Strukturen, besonders wenn es sich um christliche Strukturen handelt. Die Säure der Moderne frisst sich durch das gesellschaftliche Gewebe immer weiter durch, bis nichts mehr übrig ist, oder das halb aufgelöste Gewebe reißt. Und „Konservative“ können und wollen nichts dagegen tun, weil sie bloß bewahren.

Die Progressiven machen Fehler, und die Konservativen verhindern, dass sie korrigiert werden. Diese Einsicht hatte schon Chesterton.

Im November wird in den USA ein neuer Präsident gewählt. Obama hat sich als entschlossener Gegner des Christentums und des Naturrechts längst etabliert. Sein wahrscheinlicher Herausforderer, der Mormone Mitt Romney, steht den Finanzkapitalisten sehr nahe und gilt ansonsten als inhaltlich unendlich flexibel. Bis vor wenigen Jahren erklärte Romney öffentlich, er sei für das Recht auf Abtreibung, und er unterstützte auch sonst jede progressivistische Haltung, die man nur haben kann. Seit er republikanischer Präsidentschaftskandidat geworden ist, gibt er sich plötzlich als Konservativer aus.

Natürlich ist Romney nicht konservativ, sondern bloß ein Freund des Großkapitals. Deshalb wird er auch große Schwierigkeiten haben, die republikanische Basis, besonders in entscheidenden Bundesstaaten wie Ohio, Pennsylvania, Florida, Virginia und North Carolina, die allesamt gesellschaftspolitisch eher konservativ ausgerichtet sind, obwohl sie 2008 für Obama gestimmt haben, zu mobilisieren. Und die politische Mitte wird ein uncharismatischer Managertyp mit großer Affinität zu den Finanzhaien von der Wall Street sicher nicht anziehen.

Vier weitere Jahre für Obama sind also der derzeit wahrscheinlichste Ausgang. Und wenn Obama sich nicht mehr um die Wiederwahl sorgen muss, wird es mit der Hatz auf die christliche Sittlichkeit und den christlichen Glauben erst so richtig losgehen.

Es bleibt zu hoffen, dass die amerikanischen Christen sich nicht in vorauseilendem Gehorsam selbst zum Schweigen bringen werden, wie es ihre europäischen Glaubensgenossen weitgehend getan haben.

Pädophilie: Warum nicht?

Pädophilie ist unbezweifelbar, wie aus jeder christlichen Sittenlehre hervorgeht, ein großes moralisches Übel und muss sowohl moralisch als auch juristisch verurteilt werden. Diese Haltung vertritt der Autor dieses Artikels mit unnachgiebiger Überzeugung. Dennoch lohnt es sich die im Titel angesprochene Frage zu stellen.

Warum nicht?

Die gesamte christliche Sittenlehre ist ein einziges, zusammenhängendes Ganzes. Man kann aus diesem Grund nicht einfach einige Aspekte isolieren, die man dann ignoriert, weil sie nicht mehr modern oder zu anstrengend oder zu schwierig sind. Geschieht dies, besonders als Massenphänomen, so löst sich der ganze Zusammenhang auf. Entfernt man einen Baustein, geht der innere Zusammenhang verloren – und der Turm verliert an Stabilität, immer weiter, bis er irgendwann einstürzt. Genau das ist derzeit mit der christlichen Moral der Fall.

Als die christliche Moral zumindest theoretisch noch gesellschaftlich akzeptiert war, galten homosexuelle Akte als moralisch verwerflich. Dann kamen einige Aktivisten und wollten dies verändern, damit Menschen mit dieser „alternativen Sexualneigung“ nicht mehr unter gesellschaftlicher Missbilligung zu leiden hätten. Inzwischen ist Homosexualität so sehr „normalisiert“ worden, dass die breite Mehrheit der Menschen derartige Akte für normal und selbstverständlich hält, und jegliche Kritik an ihnen in höflicher Gesellschaft inakzeptabel geworden ist. Zunehmend werden Anhänger der christlichen Moral zu diesem Thema in die gesellschaftliche Ecke gedrängt, Toleranz wird zur Einbahnstraße. Schließlich wird dann das Äußern politisch inkorrekter Meinungen unter Strafe gestellt. Der letzte Schritt beginnt bei der Homosexualität gerade erst, doch die ersten Spuren sind schon in England und anderswo zu finden.

Die christliche Moral wird in folgenden Schritten ausgehebelt:

1. Entkriminalisierung: Verhalten X ist natürlich unmoralisch und verwerflich, aber letztlich Privatsache.

2. Duldung: Verhalten X mag für uns unmoralisch sein, aber wir sollten es nicht nur rechtlich, sondern auch im allgemeinen gesellschaftlichen Umgang tolerieren.

3. Neutralität: Verhalten X ist nicht unmoralisch, sondern ein alternativer Lebensstil, den wir respektieren müssen.

4. Gleichstellung: Verhalten X ist genauso legitim wie Verhalten Y, das früher als die einzig richtige Norm galt. Gesetzliche und gesellschaftliche Benachteiligungen sind auszugleichen.

5. Gleichschaltung: Verhalten X ist völlig in Ordnung und gesellschaftlich zu schützen. Zuwiderhandlung wird mit (…) bestraft.

Die Normalisierung der Homosexualität hat die Schritte 1 bis 3 längst durchlaufen. Derzeit sind wir in Deutschland bei Schritt 4, doch die Vorbereitungen für Schritt 5 laufen schon.

Da in der Sittenlehre, wie oben erwähnt, alles mit allem verbunden ist, und dieselben Prinzipien die ganze Lehre durchziehen, bleibt die Auflösung eines Gebots nicht ohne Folgen für andere Gebote. So führt die Akzeptanz von Verhütungsmitteln einerseits, durch die Trennung von Sexualität und Fortpflanzung, zur Akzeptanz von Homosexualität, andererseits, durch den Druck der Ereignisse und ungewollte Schwangerschaften, zuderen Verhinderung das verhütende Paar berechtigt zu sein glaubt, zur Legalisierung und Normalisierung der Abtreibung.

Ebenso führt die Normalisierung der Homosexualität zu weiteren moralischen Zerfallserscheinungen. Das Argument lautet meistens, es sei ja alles mit Einwilligung geschehen, und Sex mit Einwilligung sei niemals falsch – schließlich lieben sie einander ja… Doch dasselbe Argument kann auch zur Normalisierung von Pädophilie benutzt werden – viele 13-jährige Kinder sind, gerade in Zeiten immer früherer Sexualisierung, ohne Weiteres in der Lage, ihre Zustimmung zu einem Sexualakt zu geben. Und wer kann schon genau sagen, wann eine solche Einwilligung wirklich freiwillig ist, und wann nicht? Die hier auftretenden Grauzonen können jederzeit von interessierter Seite genutzt werden.

Dasselbe gilt, in weit stärkerem Maße, für die Polygamie. Alle Partner haben eingewilligt, zu dritt Sex zu haben. Das ist doch völlig in Ordnung, oder? Wenn nicht, warum nicht?

Zudem überlege man sich, ob unter dieser Annahme wirklich das Inzesttabu gehalten werden kann? Wenn Sexualität nur von der Einwilligung abhängt, dann ist Inzest auch in Ordnung. Natürlich besteht ein Gesundheitsrisiko für Nachkommenschaft. Aber erstens kann man verhüten, zweitens abtreiben und selbst wenn man dieses Risiko für zu groß hält: Warum soll nicht der erwachsene Sohn mit seinem Vater eine homosexuelle Beziehung führen? Warum nicht der Sohn mit seiner nicht mehr zeugungsfähigen Mutter? Warum nicht zwei Brüder oder zwei Schwestern? Warum nicht zwei Brüder mit ihrer alten Großmutter? Wenn sie doch wollen? Ist doch freiwillig…

Wenn es wirklich nur um Einwilligung geht, dann sind alle diese Konstellationen denkbar und vollkommen moralisch. Natürlich würde das heute in der Öffentlichkeit noch kein „progressiver“ Aktivist sagen – doch wer hätte vor 50 Jahren gesagt, er sei für die Homo-„Ehe“? So etwas war damals genauso undenkbar wie die Aufhebung des Inzesttabus oder des Pädophilietabus heute.

Natürlich würden heutige „Fortschrittliche“ derartige Absichten jederzeit leugnen – und die meisten von ihnen vermutlich völlig zu Recht. Dennoch besitzt die heutige Position der „Fortschrittlichen“ aller Parteien und Gesellschaftsschichten kein logisches Argument gegen eine zukünftige Generation von Modernisierern, die ebenso an den heute noch akzeptierten Tabus zweifelt, wie die 1968er an den damaligen Tabus.

Und da die interne Logik der Position unaufhaltsam in diese Richtung zeigt, wird es früher oder später dazu kommen. Dann werden die heutigen Fortschrittlichen exakt dasselbe Problem haben, wie ihre Vorfahren in den 1960er Jahren. Diese hatten keine Argumente, warum Verhütung in Ordnung ist, aber ebenso sterile homosexuelle Akte nicht. (Entweder die Abkopplung von Sexualität und Fortpflanzung durch menschliche Kunstfertigkeit ist erlaubt, oder sie ist nicht erlaubt.) Jene werden in Zukunft keine Argumente haben, warum Freiwilligkeit das einzige Kriterium bei sterilen homosexuellen Akten sein soll, aber nicht bei sterilen pädophilen Akten oder bei Inzest unter nicht zeugungsfähigen Personen.

Der verknöcherte Zeigefinger wird den Moralrevolutionären gut stehen. Oder werden sie sich dann der neuen Revolution anschließen und Freie Liebe zwischen Papa und Sohn fordern?

Einigen Lesern mag dies weit hergeholt klingen. Doch zumindest die Normalisierung von Pädophilie befindet sich im Vorreiterland USA sowie in Großbritannien bereits mindestens in Phase 1 (siehe hier und hier). Und was derzeit noch weithin „intolerant“ abgelehnte Akte der Polyamorie (geschlechtsneutrale Form der Polygamie) betrifft, man schaue sich einmal die Lage in den Niederlanden zu diesem Thema an, etwa hier. Und das Inzesttabu? Nun ja, bisher fordert noch niemand öffentlich die Legalisierung von Vater-Sohn-Sexualität. Doch je mehr die Kinder sexualisiert werden, in Schulen, in Medien, in der Gesellschaft allgemein, umso stärker werden auch hier die Hemmschwellen sinken. Das Kind wird ja heute nicht nur selbst sexualisiert, also zu sexuellen Handlungen angestiftet, sondern auch als Sexobjekt kommerziell nutzbar gemacht. (siehe etwa hier oder hier)

Es mag weit hergeholt klingen, doch genauso klang die Homo-„Ehe“ 1960 auch.

Die gefährlichste Frage in der Sittenlehre ist „Warum nicht?“. Denn die meisten Menschen können darauf keine gute Antwort geben, nicht weil es keine gäbe, sondern weil sie sich damit nie beschäftigt haben.

Hinweis: Man lese sich zu diesem Themenkomplex einmal diesen, diesen und diesen Artikel von Mark Shea durch.