Kontinuität und Bruch

Viel wird darüber spekuliert, ob das 2. Vatikanische Konzil mit der Tradition der Kirche vereinbar sei, und wenn ja, wie. Dass es zumindest dem Anschein nach Brüche in Liturgie, Glaube und Verkündigung gibt, ist wohl unbestreitbar. Ob es aber tatsächlich Brüche sind, wird derzeit kontrovers diskutiert. Hierzu einige Thesen, die hoffentlich einen kleinen Beitrag zur Klärung der Debattenlage leisten können:

1. Die Piusbruderschaft und die selbsternannten Reformkatholiken sind sich einig, das Konzil sei als Bruch zu lesen und keinesfalls vereinbar mit der Tradition der Kirche. Der Unterschied ist nur, die Piusbrüder sehen diesen Bruch als schlecht, die Reformkatholiken als gut.

2. Unabhängig von der Frage, ob theologisch gesehen ein dogmatischer Bruch stattgefunden hat, hat es in der kirchlichen Praxis auf Gemeinde- und oft auch Diözesanebene einen Bruch gegeben, der einen weitgehenden Glaubensverlust bis tief hinein in einstmals gut katholische Regionen der westlichen Welt begünstigt hat. Gegen diesen Bruch gilt es auf jeden Fall anzukämpfen, welches Ergebnis theologische Diskussionen über das Konzil auch immer bringen mögen.

3. In jedem Fall ist das Konzil von Seiten vieler deutscher Bischöfe (aber auch in anderen westlichen Ländern) als Bruch mit der lehramtlichen und liturgischen Tradition der Kirche interpretiert und umgesetzt worden. Die gleichen Bischöfe, die auf dem Konzil vorgeblich „Kontinuität und vorsichtige Reform“ im Sinn hatten, als sie die Texte des Konzils verabschiedeten, fuhren dann heim und vollzogen einen riesigen Bruch mit der gesamten Tradition der Kirche in allen Bereichen. Dies ist absolut unglaublich! Natürlich war es durchaus die Absicht sehr vieler Konzilsväter, genau diesen Bruch herbeizuführen.

4. Die Absicht des Heiligen Geistes bei diesem Konzil muss natürlich nicht identisch sein mit der Absicht der Konzilsväter. Daher würde selbst das Eingeständnis, dass die Mehrheit der Konzilsväter mit der Kirche aufräumen und eine Neue Kirche schaffen wollten (wohl die radikalstmögliche Annahme), nichts darüber aussagen, ob die Beschlüsse des Konzils im Einklang mit der Überlieferung stehen oder nicht.

5. Messen wir das Konzil an seinen Früchten, so bleibt ein sehr bitterer Geschmack im Mund. Zumindest so wie das Konzil faktisch auf Gemeinde- und Diözesanebene interpretiert und umgesetzt worden ist, hat es ein ungeahntes Zerstörungswerk vollbracht, so dass der Wiederaufbau Generationen dauern wird.

6. Messen wir die Gegner des Konzils an ihren Früchten, dann bietet sich ein gemischtes Bild. Besonders in jenen Gemeinschaften, die nicht in voller Einheit mit dem Heiligen Vater stehen, wie der Piusbruderschaft, macht sich zuweilen ein unguter Geist der Spaltung breit. Aber sowohl bei der Petrusbruderschaft und den anderen „Ecclesia-Dei-Gemeinschaften“ (in voller Einheit mit Rom) als auch bei der Piusbruderschaft wird der unverkürzte katholische Glaube gelehrt, gibt es genug Priesterberufungen und sind alle Altersgruppen vertreten. Hier, um einmal eine Floskel des Dialogprozesses zu verwenden, „hat Kirche Zukunft“. Es ist nun eine wichtige Aufgabe, möglichst viele dieser Gemeinschaften zusammenzuscharen unter der Führung des Römischen Papstes.

7. In diesem Sinne ist die Rückkehr der Piusbruderschaft in die volle Gemeinschaft der katholischen Kirche eine zentrale Aufgabe der nächsten Jahre. Die Piusbruderschaft wird anerkennen müssen, dass die „Neue Messe“, gefeiert nach den liturgischen Normen des Messbuchs, gültig ist, und zumindest nicht schädlich für den Gläubigen. Sie müssen sie nicht feiern und nicht gut finden, aber sie dürfen nicht vom Besuch einer ehrfürchtig zelebrierten Novus Ordo Messe abraten. Die Kritik am Konzil und den wenigstens sehr leicht missverständlichen Lehren zu Ökumene, Religionsfreiheit usw. ist aber ebenso notwendig wie im Rahmen der vollen Gemeinschaft der Kirche möglich – solange man sie mit etwas weniger Polemik vorbringt, als manchmal dort üblich.

8. Ich sehe das Hauptproblem auf dem Weg dieser Einigung in der Strukturfrage, verbunden mit der Unsicherheit über das nächste Pontifikat. Es ist derzeit ein berechtigtes Anliegen der Piusbrüder, nicht der Jurisdiktion der Bischöfe unterstellt zu werden, da in den westlichen Ländern die Mehrzahl von ihnen ihre Autorität sofort im Dienste der „Hermeneutik des Bruches“ zur Unterdrückung der kirchlichen Tradition verwenden würde. Es muss also eine Struktur gefunden werden, die drei wesentliche Anforderungen erfüllt:

(1) Sie muss „zollitschfest“ sein, also der Piusbruderschaft ein Handeln in allen Diözesen auch ohne die Einwilligung des Ortsbischofs ermöglichen.

(2) Sie muss es der Piusbruderschaft ermöglichen, ihre berechtigte Kritik am Konzil und seinen postkonziliaren Auswüchsen freimütig und mit deutlichen (wenn auch weniger polemischen) Worten vorzubringen. Dies beinhaltet vornehmlich die Kritik am Novus Ordo, auch hinsichtlich grundsätzlicher theologischer Mängel, nicht nur hinsichtlich liturgischer Missbräuche; die Kritik am Ökumenismus, religiösen Indifferentismus, und dem konziliaren Begriff von Religionsfreiheit, schließt aber andere Kritikpunkte nicht aus.

(3) Sie muss die Nachfolgefrage regeln: Die Weihe neuer Bischöfe muss möglich sein, damit sich ein Drama wie 1988 unter einem zukünftigen der Tradition feindlich gegenüberstehenden Papst nicht wiederhole.

9. Papst Benedikt ist sehr alt und nicht bei bester Gesundheit. Und während wir alle für ein langes Leben beten und es ihm auch wünschen sollten, müssen wir der Tatsache ins Gesicht sehen, dass er nicht unsterblich ist. Als Papst und schon in den Jahrzehnten vorher hat er sehr viel dazu beigetragen, dass die Kirche einer „Hermeneutik des Bruchs“ nicht höchsten Segen gegeben hat. Seine Handschrift ist auf einer schier unendlichen Vielzahl traditionstreuer Schritte zu finden, schon während des Pontifikats seines Vorgängers. Was kommt nach ihm? Wie viel Annäherung an die traditionelle Liturgie und den traditionellen Glauben der Kirche ist „auf seinem Mist gewachsen“? Die Unsicherheit über die Identität des nächsten Papstes ist ein großes psychologisches Hindernis für eine volle Einheit der Piusbruderschaft mit Rom. Selbst wenn man direkt Rom unterstellt wäre – zumindest unter dem Papst steht man auf jeden Fall. Und was ist, wenn, Vorsicht Schreckensvision, Kardinal Schönborn oder jemand, der so denkt wie Erzbischof Zollitsch oder Kardinal Marx, einmal der Bischof von Rom ist?

Die Kirche befindet sich in einer tiefen Krise – und das erstreckt sich bis hin zu den Kardinälen, die einen Papst im Konklave wählen.

10. Letztlich, das ist meine feste Überzeugung, wird die Kirche Gottes als Sieger aus den derzeitigen Streitigkeiten hervorgehen. Das mag aber durchaus noch einige Jahrzehnte oder Jahrhunderte dauern. Derzeit gibt es wenig Hoffnung für eine Renaissance des wahren katholischen Glaubens, der zuweilen selbst in den Bischofskonferenzen eine bedrängte Minderheit zu sein scheint. In welcher Rolle das 2. Vatikanische Konzil aus der Rückschau in 300 Jahren einmal gesehen werden wird, vermag ich nicht zu sagen. Das Wahrscheinlichste ist aber, dass darüber nicht groß gesprochen werden wird. Nicht alle Konzilien sind der „Große Wurf“ gewesen. Manche haben auch einfach etwas Richtiges gesagt, das seinen Nutzen gehabt haben mag, aber im großen Spiel der Dinge nicht allzuviel Bedeutung hatte.

Diese kurzen Ausführungen stellen in keiner Form eine erschöpfende Behandlung der Thematik von Kontinuität und Bruch im 2. Vatikanischen Konzil dar. Die dazu erforderliche gründliche Analyse der Texte, Zeitumstände, Ursachen und Folgen des Konzils sowie späterer lehramtlicher Dokumente im Vergleich mit Früheren übersteigt nicht nur mein Zeitkontingent, sondern auch meine theologischen Fähigkeiten. Es wäre aber eine Analyse, die in Rom und unter Führung von Rom, durchgeführt werden sollte.

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Schüller – Ich bin Häretiker, und das ist auch gut so!

So langsam sollte das Maß selbst des Geduldigsten voll sein. Der Aufrührer-Pfarrer Helmut Schüller hat jetzt, kath.net zufolge, in einem Interview noch einmal draufgesattelt. Seine häretische Pfarrerinitiative hatte bereits vor diesem Interview eindeutig das Maß des Zulässigen in der katholischen Kirche überschritten. Einige seiner neuen Aussagen übertreffen dies aber nochmal um Längen. Beispiele:

In einem Interview mit dem Magazin „Weekend“ meint Schüller jetzt auf die Frage, ob er denn selbst gerne heiraten würde: „Ich habe das nie ganz ausgeschlossen…“

(…)

Seiner Meinung nach seien sogar Frauen die „besseren Priester“. Wörtlich sagte Schüller: „Das Wichtigste in diesem Beruf haben wir von Frauen gelernt. In zwei Dritteln der Welt wird der Alltag von Frauen geschupft. Dieses Element fehlt uns vollkommen in der Pfarrerschicht.“

Der ehemalige Wiener Generalvikar zeigt sich dann auch überzeugt, dass es einmal eine „Päpstin“ geben werde. „Sobald das Priesteramt für Frauen geöffent ist, gibt es keine Schranken mehr.

(…)

„Es gibt viele Karawanen der Gottsuche, aber letztlich haben wir mehr gemeinsam als uns trennt. In Österreich haben wir 14 christliche Kirchen. Europa wächst zusammen und was tun die Kirchen? Sie trennen einander.“ Er selber fühle sich übrigens als „Aktionär“ in der Kirche und nicht als Kunde oder Mitglied. „Es ist mein Ding. Die Kirche gehört nicht nur dem Papst und nicht den Bischöfen sondern uns allen“, behauptet er dann.

Da ich nur begrenzte Zeit habe, werde ich auf eine Analyse dieses himmelschreienden Unsinns verzichten, und mir nur drei Punkte herausgreifen:

1. Weibliche Priester

Durch die dogmatische Festlegung von Ordinatio Sacerdotalis sind weibliche Priester nicht möglich. Zum einen liegt dies an der Tatsache, dass Jesus, obgleich er viel mit Frauen verkehrte und diese keineswegs herabwürdigte, eben nur Männer zu seinen Aposteln berufen hat. Zum anderen hat dies aber auch mit der natürlichen Zeichenhaftigkeit der beiden Geschlechter zu tun, die Peter Kreeft hier in englischer Sprache erläutert, und die ich kürzlich mit dem geschätzten Mitblogger Johannes auf dessen Blog diskutiert habe. Welcher Grund letztlich der Ausschlaggebende für Gott war, werden wir nie herausfinden können, aber sowohl die rationalen als auch die Offenbarungsgründe sprechen eine klare Sprache: Es können nur Männer Priester sein – der Priester ist immer ein geistlicher Vater, keine geistliche Mutter.

Dass der zukünftige Ex-Pfarrer Schüller dies anders sieht, war zu erwarten. Wer die Wahrheit aus Geltungs- und Anerkennungssucht in einem wesentlichen Punkt verlassen hat, der wird sich regelmäßig auch nicht scheuen, die Wahrheit aus denselben Gründen in anderen Punkten im Stich zu lassen.

Schön finde ich an seinen Aussagen jedoch, dass er sich klar den Konsequenzen seiner Forderung stellt, was die schwammigeren Vertreter der Zeitgeistkirche oft krampfhaft zu vermeiden suchen. Wenn das Priesteramt an eine Frau übertragen werden kann, dann geht das auch mit dem Bischofsamt, und also auch mit dem Bischofsamt in Rom. Gibt es Priesterinnen, so kann es auch Päpstinnen geben. Und dasselbe trifft faktisch auch auf Diakone zu, da man erst zum Diakon, dann zum Priester geweiht wird. Es handelt sich um zwei Stufen desselben Weihesakraments. Daher sollten Frauen auch nicht zu Diakonen geweiht werden (und aufgrund des Effekts auf Priesterberufungen auch nicht Meßdiener werden können, aber das führte vom Thema weg) – obgleich dies natürlich noch nicht in derselben Klarheit vom Lehramt dogmatisch festgelegt wurde, so dass Abweichler in dieser Frage keine direkte Häresie äußern.

Festzuhalten ist: Schüller sieht, wohin sein Weg führt, nämlich zur völligen innerkirchlichen Austauschbarkeit von Männern und Frauen. Und wenn eine Frau erstmal Priester, Bischof, Papst „geworden ist“ (natürlich kann sie das nicht, weil solche Weihen ungültig wären, aber lassen wir das einmal außen vor), dann kann die Messe nicht mehr so verstanden werden, dass der Priester als „alter Christus“ eben für Christus steht. Das ganze Verständnis der Messe wäre damit unwiderruflich zu einer bloßen Gemeindefeier herabgestuft, ohne übernatürliche Bedeutung. Daher ist die Forderung nach der Priesterweihe für Frauen nichts als die Forderung nach Abschaffung des allerheiligsten Altarsakramentes (und aller anderen Sakramente, bei denen der Geweihte für Christus steht) und also nach Umformung der Kirche zu einem reinen Sozialverein.

2. Karawanen der Gottsuche

Auch hier scheint Schüllers vollständige Abkehr vom katholischen Glauben wieder durch. Er sieht also in „den verschiedenen Kirchen“ verschiedene „Karawanen der Gottsuche“. Viele Wege führen also zu Gott. Der Mensch schafft sich seiner Auffassung nach solche Wege wie er sie braucht. Keiner dieser Wege kann sich im Besitz „der Wahrheit“ sehen, da alle Wege nur vom Menschen gemachte Routen auf der ewigen Suche nach dem unfasslichen Übernatürlichen sind.

Aber wenn alle Wege gleich sind, nur verschiedene „Karawanen der Gottsuche“ unterwegs sind, dann kann Jesus Christus nicht Gott gewesen sein, sondern nur ein Lügner und Betrüger. Denn er hat ja gesagt, er sei DER Weg, DIE Wahrheit. Nicht ein Weg unter vielen, sondern der eine, einzige Weg. Nicht meine persönliche Wahrheit oder deine oder seine, sondern die Wahrheit, die einzige Wahrheit. Dass Herr Schüller wesentliche Gebote und Dogmen der Kirche leugnet ist ja nichts Neues. Aber selbst ein guter Protestant im Geiste Martin Luthers könnte diese himmelschreiende Leugnung unseres Herrn niemals aussprechen. Es gibt gute Protestanten, die nichts für die Spaltung können, die lange vor ihrer Geburt stattgefunden hat. Ihnen ist kein Vorwurf für den Irrtum zu machen, in dem sie sich befinden. Diese Protestanten glauben an Gott, an Jesus Christus und stehen hinter dem Credo. Schüller als Möchtegern-Protestanten zu bezeichnen wäre eine ungerechte Beleidigung dieser gutwilligen Protestanten.

Eine Anmerkung zu den „Karawanen“ noch. Gestern schrieb ich über Erzbischof Zollitschs neues Skandalinterview (Skandal im klassischen Sinne), in dem der Erzbischof ebenfalls eine der indifferentistischen Sicht der vielen verschiedenen Kirchen, die alle den Weg zu Gott auf ihre Weise suchen, gefährlich nahe stehende Aussage tätigte. Zollitsch verbrämte seinen Relativismus wenigstens noch mit schwammigen Formulierungen, Schüller spricht inhaltlich dasselbe aus – viele Karawanen der Gottsuche, statt Offenbarung des Herrn – nur ohne die Floskeln und die Rhetorik. Er bekennt sich zum Relativismus, und ist damit wenigstens ehrlich.

3. Aktionär statt Mitglied

Der Pfarrer Schüller will fernerhin Aktionär statt Mitglied in „seiner“ Kirche sein. Nun, kurze Empfehlung: Wenn Sie nicht Mitglied sein wollen, dann treten Sie doch aus. Wenn die Kirche dann an die Börse geht („ihre“ Kirche wird dies wahrscheinlich bald tun, um die Marktkapitalisierung zu erhöhen oder so), dann können Sie doch ein Paar Aktien für die wenigen Cent kaufen, die solche Aktien dann noch wert sein werden.

Aber mal ernsthaft: Er versteht sich als Aktionär in der Kirche. Der Aktionär ist ein Anteilseigner – er kann bei der jährlichen Versammlung seinem Anteil entsprechend über den Kurs des Unternehmens abstimmen. Auch dies ist wieder nur eine deutliche, ehrliche Formulierung derselben Ansicht, die auch von so manchem Verbandskatholiken und sogar Bischof in Deutschland immer wieder andeutungsweise vertreten wird. Auch hier besteht der Unterschied eigentlich nur in Schüllers Ehrlichkeit – er versteckt sich nicht hinter Tarnkappen und Worthülsen, sondern sagt was er will. Das macht es leichter, ihn der Häresie zu überführen. Aber das macht die Äußerungen der hinter Tarnkappen verschanzten Kirchenleute nicht besser.

Der Aktionär kann, wenn er die nötige Mehrheit der Anteile hinter sich versammelt hat, beschließen was er will. Es gibt keine unveränderlichen Lehrsätze in einer Aktiengesellschaft. Damit offenbart Schüller endgültig, wohin er „seine“ Kirche steuern will. In die völlige Beliebigkeit, in den Zynismus, der immer das für wahr hält, was die Mehrheit gerade denkt – bis die Mehrheit ihre Meinung ändert. Dann kann die Kirche aber keine Orientierung mehr bieten. Orientierung bietet ein Fähnchen im Wind nämlich nicht, die Kompassnadel aber schon.

Eine solche „Kirche“ wäre nicht einmal mehr als rein weltliche Sozialgemeinschaft sinnvoll, da sie nicht einmal mehr Orientierung oder ein Ziel vorgeben kann, und wäre es nur ein rein weltliches Ziel. Eine solche Kirche wäre schlicht vollkommen nutzlos. Und als solche ginge sie auch ganz schnell unter.

Die drei in dieser Bewertung des Schüller-Interviews genannten Punkte sind von mir nicht zufällig ausgewählt worden. Sie stellen vielmehr eine sukzessive Steigerung der Häresie dar. Zuerst werden einige wesentliche Glaubensinhalte geleugnet, dann führt dies zur Leugnung der Sakramente (Punkt 1), was wiederum den Unterschied zwischen „den Kirchen“ einebnet (Punkt 2) und letztlich sogar den Unterschied dieser multiplen relativistischen Kirchen zu rein weltlichen Unternehmen vernichtet (Punkt 3). Erst streicht man das Besondere am Katholizismus, nur um dann verwundert festzustellen, dass katholische und evangelische Kirche gleich sind.

Dann streicht man das Besondere am Christentum – die Einzigartigkeit Jesu Christi als DEM EINEN Weg, nur um dann verwundert festzustellen, dass doch alle Religionen und Konfessionen gleichermaßen bloß indifferente „Karawanen der Gottsuche“ seien.

Schließlich spricht man diesen substanzlosen Karawanen der Gottsuche auch noch die Charakteristika ab, die sie wenigstens noch zu „Gottsuchern“ gemacht hat, indem man sie zu reinen Aktionären degradiert.

Dieser unheilige Dreischritt ist das Werk des Schüller. Eine viel vollständigere Leugnung nicht nur des katholischen Glaubens, sondern des Christentums überhaupt; nicht nur des Christentums, sondern des Religiösen überhaupt, lässt sich kaum denken. Dagegen sind Atheisten fast noch fromm.

Mir drängen sich nach diesem unheiligen Dreischritt noch drei nicht ganz so unheilige Fragen auf:

1. Wann wird Pfarrer Schüller laisiert – und warum haben die österreichischen Bischöfe, an erster Stelle Kardinal Schönborn noch nicht längst entschlossen gehandelt?

2. Wann tritt seine Generation endlich ab? (Lieber 100 gute Pfarrer als 100000 schlechte, und die wenigen Neuen sind generell keine stolzen Häretiker)

3. Haben Sie schon beim Aufruf zum Gehorsam mitgemacht?