Inzest entert Parlamente

Ich schrieb bereits mehrfach über den allgemeinen Zerfall moralischer Werte und Normen, selbst solcher, die problemlos ohne Rückgriff auf religiöse Wahrheiten begründet werden können. Es gibt eine innere Logik, die von Verhütung und Scheidung über diverse Stationen bis zur völligen Aufgabe sexueller Normen führt – und ohne Normen im sexuellen Bereich zerfallen Gesellschaften relativ zügig.

Doch selbst ich hatte nicht erwartet, dass es mit der Piratenpartei jemand in einen deutschen Landtag schaffen würde, der bereits heute so schnell so weit geht. Doch die Bloggerkollegen auf b-logos dokumentieren, dass dies der Fall ist. Lektüre sei empfohlen.

Pädophilie: Warum nicht?

Pädophilie ist unbezweifelbar, wie aus jeder christlichen Sittenlehre hervorgeht, ein großes moralisches Übel und muss sowohl moralisch als auch juristisch verurteilt werden. Diese Haltung vertritt der Autor dieses Artikels mit unnachgiebiger Überzeugung. Dennoch lohnt es sich die im Titel angesprochene Frage zu stellen.

Warum nicht?

Die gesamte christliche Sittenlehre ist ein einziges, zusammenhängendes Ganzes. Man kann aus diesem Grund nicht einfach einige Aspekte isolieren, die man dann ignoriert, weil sie nicht mehr modern oder zu anstrengend oder zu schwierig sind. Geschieht dies, besonders als Massenphänomen, so löst sich der ganze Zusammenhang auf. Entfernt man einen Baustein, geht der innere Zusammenhang verloren – und der Turm verliert an Stabilität, immer weiter, bis er irgendwann einstürzt. Genau das ist derzeit mit der christlichen Moral der Fall.

Als die christliche Moral zumindest theoretisch noch gesellschaftlich akzeptiert war, galten homosexuelle Akte als moralisch verwerflich. Dann kamen einige Aktivisten und wollten dies verändern, damit Menschen mit dieser „alternativen Sexualneigung“ nicht mehr unter gesellschaftlicher Missbilligung zu leiden hätten. Inzwischen ist Homosexualität so sehr „normalisiert“ worden, dass die breite Mehrheit der Menschen derartige Akte für normal und selbstverständlich hält, und jegliche Kritik an ihnen in höflicher Gesellschaft inakzeptabel geworden ist. Zunehmend werden Anhänger der christlichen Moral zu diesem Thema in die gesellschaftliche Ecke gedrängt, Toleranz wird zur Einbahnstraße. Schließlich wird dann das Äußern politisch inkorrekter Meinungen unter Strafe gestellt. Der letzte Schritt beginnt bei der Homosexualität gerade erst, doch die ersten Spuren sind schon in England und anderswo zu finden.

Die christliche Moral wird in folgenden Schritten ausgehebelt:

1. Entkriminalisierung: Verhalten X ist natürlich unmoralisch und verwerflich, aber letztlich Privatsache.

2. Duldung: Verhalten X mag für uns unmoralisch sein, aber wir sollten es nicht nur rechtlich, sondern auch im allgemeinen gesellschaftlichen Umgang tolerieren.

3. Neutralität: Verhalten X ist nicht unmoralisch, sondern ein alternativer Lebensstil, den wir respektieren müssen.

4. Gleichstellung: Verhalten X ist genauso legitim wie Verhalten Y, das früher als die einzig richtige Norm galt. Gesetzliche und gesellschaftliche Benachteiligungen sind auszugleichen.

5. Gleichschaltung: Verhalten X ist völlig in Ordnung und gesellschaftlich zu schützen. Zuwiderhandlung wird mit (…) bestraft.

Die Normalisierung der Homosexualität hat die Schritte 1 bis 3 längst durchlaufen. Derzeit sind wir in Deutschland bei Schritt 4, doch die Vorbereitungen für Schritt 5 laufen schon.

Da in der Sittenlehre, wie oben erwähnt, alles mit allem verbunden ist, und dieselben Prinzipien die ganze Lehre durchziehen, bleibt die Auflösung eines Gebots nicht ohne Folgen für andere Gebote. So führt die Akzeptanz von Verhütungsmitteln einerseits, durch die Trennung von Sexualität und Fortpflanzung, zur Akzeptanz von Homosexualität, andererseits, durch den Druck der Ereignisse und ungewollte Schwangerschaften, zuderen Verhinderung das verhütende Paar berechtigt zu sein glaubt, zur Legalisierung und Normalisierung der Abtreibung.

Ebenso führt die Normalisierung der Homosexualität zu weiteren moralischen Zerfallserscheinungen. Das Argument lautet meistens, es sei ja alles mit Einwilligung geschehen, und Sex mit Einwilligung sei niemals falsch – schließlich lieben sie einander ja… Doch dasselbe Argument kann auch zur Normalisierung von Pädophilie benutzt werden – viele 13-jährige Kinder sind, gerade in Zeiten immer früherer Sexualisierung, ohne Weiteres in der Lage, ihre Zustimmung zu einem Sexualakt zu geben. Und wer kann schon genau sagen, wann eine solche Einwilligung wirklich freiwillig ist, und wann nicht? Die hier auftretenden Grauzonen können jederzeit von interessierter Seite genutzt werden.

Dasselbe gilt, in weit stärkerem Maße, für die Polygamie. Alle Partner haben eingewilligt, zu dritt Sex zu haben. Das ist doch völlig in Ordnung, oder? Wenn nicht, warum nicht?

Zudem überlege man sich, ob unter dieser Annahme wirklich das Inzesttabu gehalten werden kann? Wenn Sexualität nur von der Einwilligung abhängt, dann ist Inzest auch in Ordnung. Natürlich besteht ein Gesundheitsrisiko für Nachkommenschaft. Aber erstens kann man verhüten, zweitens abtreiben und selbst wenn man dieses Risiko für zu groß hält: Warum soll nicht der erwachsene Sohn mit seinem Vater eine homosexuelle Beziehung führen? Warum nicht der Sohn mit seiner nicht mehr zeugungsfähigen Mutter? Warum nicht zwei Brüder oder zwei Schwestern? Warum nicht zwei Brüder mit ihrer alten Großmutter? Wenn sie doch wollen? Ist doch freiwillig…

Wenn es wirklich nur um Einwilligung geht, dann sind alle diese Konstellationen denkbar und vollkommen moralisch. Natürlich würde das heute in der Öffentlichkeit noch kein „progressiver“ Aktivist sagen – doch wer hätte vor 50 Jahren gesagt, er sei für die Homo-„Ehe“? So etwas war damals genauso undenkbar wie die Aufhebung des Inzesttabus oder des Pädophilietabus heute.

Natürlich würden heutige „Fortschrittliche“ derartige Absichten jederzeit leugnen – und die meisten von ihnen vermutlich völlig zu Recht. Dennoch besitzt die heutige Position der „Fortschrittlichen“ aller Parteien und Gesellschaftsschichten kein logisches Argument gegen eine zukünftige Generation von Modernisierern, die ebenso an den heute noch akzeptierten Tabus zweifelt, wie die 1968er an den damaligen Tabus.

Und da die interne Logik der Position unaufhaltsam in diese Richtung zeigt, wird es früher oder später dazu kommen. Dann werden die heutigen Fortschrittlichen exakt dasselbe Problem haben, wie ihre Vorfahren in den 1960er Jahren. Diese hatten keine Argumente, warum Verhütung in Ordnung ist, aber ebenso sterile homosexuelle Akte nicht. (Entweder die Abkopplung von Sexualität und Fortpflanzung durch menschliche Kunstfertigkeit ist erlaubt, oder sie ist nicht erlaubt.) Jene werden in Zukunft keine Argumente haben, warum Freiwilligkeit das einzige Kriterium bei sterilen homosexuellen Akten sein soll, aber nicht bei sterilen pädophilen Akten oder bei Inzest unter nicht zeugungsfähigen Personen.

Der verknöcherte Zeigefinger wird den Moralrevolutionären gut stehen. Oder werden sie sich dann der neuen Revolution anschließen und Freie Liebe zwischen Papa und Sohn fordern?

Einigen Lesern mag dies weit hergeholt klingen. Doch zumindest die Normalisierung von Pädophilie befindet sich im Vorreiterland USA sowie in Großbritannien bereits mindestens in Phase 1 (siehe hier und hier). Und was derzeit noch weithin „intolerant“ abgelehnte Akte der Polyamorie (geschlechtsneutrale Form der Polygamie) betrifft, man schaue sich einmal die Lage in den Niederlanden zu diesem Thema an, etwa hier. Und das Inzesttabu? Nun ja, bisher fordert noch niemand öffentlich die Legalisierung von Vater-Sohn-Sexualität. Doch je mehr die Kinder sexualisiert werden, in Schulen, in Medien, in der Gesellschaft allgemein, umso stärker werden auch hier die Hemmschwellen sinken. Das Kind wird ja heute nicht nur selbst sexualisiert, also zu sexuellen Handlungen angestiftet, sondern auch als Sexobjekt kommerziell nutzbar gemacht. (siehe etwa hier oder hier)

Es mag weit hergeholt klingen, doch genauso klang die Homo-„Ehe“ 1960 auch.

Die gefährlichste Frage in der Sittenlehre ist „Warum nicht?“. Denn die meisten Menschen können darauf keine gute Antwort geben, nicht weil es keine gäbe, sondern weil sie sich damit nie beschäftigt haben.

Hinweis: Man lese sich zu diesem Themenkomplex einmal diesen, diesen und diesen Artikel von Mark Shea durch.

Rick Santorum: „One violence is enough“

Abtreibung ist ein Thema, das mich persönlich tief bewegt. Als ich noch Atheist war, befand ich mich in allen politischen Debatten hart links. Ich war ein vehementer Verteidiger aller möglichen „progressiven“ Ideen und hielt die Grünen für zu gemäßigt. Doch gegen Abtreibung war ich schon immer, solange ich denken kann, mindestens seit ich acht oder neun Jahre alt war.

Wenn ich also heute von katholischen Priestern und teilweise sogar Bischöfen höre, denen die Kooperation mit den Abtreibungsorganisationen sehr am Herzen liegt, und die niemals öffentlich in klaren Worten etwas gegen das Geschäft mit dem ungeborenen Leben sagen würden, dann macht mich das wütend. Abtreibung ist die vorsätzliche Tötung eines unschuldigen Menschen. Und die Unschuldigen zu töten ist immer, egal aus welchem Grunde, moralisch verwerflich und zutiefst bösartig. Die moderne Biologie lehrt eindeutig und nicht seriös bestreitbar, dass schon die befruchtete Eizelle die DNA des neu entstandenen Menschen aufweist. Die befruchtete Eizelle gehört zur Spezies Mensch. Wissenschaftlich ist dies unbestreitbar. Daher kann Abtreibung niemals, absolut niemals, auch nicht in den herzzerreißenden Ausnahmefällen, die es nach Vergewaltigungen zuweilen geben kann, gerechtfertigt oder entschuldigt werden. Können wir betroffenen Müttern helfen? Natürlich, und wir müssen es als gute Christen sogar! Sollen wir alles unternehmen, um Vergewaltigungsopfern die Entscheidung für ihr Kind leichter zu machen, und, wenn es ihnen unmöglich ist, das Kind ihres Peiniges zu lieben, eine Adoption in eine liebende Familie  zu ermöglichen? Ja, natürlich!

Aber das Kind für die Taten seines Vaters bestrafen?

NIEMALS!!

Warum schreibe ich das alles? Weil Rick Santorum, ein Anwärter auf die republikanische Nominierung für die Präsidentenwahl 2012 und kirchentreuer Katholik, in der letzten Vorwahldebatte der Republikaner auf eine entsprechende Frage eine wunderbare Antwort gegeben hat. Das Video, das sich hinter dem Link verbirgt, sollte man sich unbedingt anhören.

Hier eine grobe, rohe Übersetzung seiner Worte:

Frage des Moderators: Sie würden [bei einem Abtreibungsverbot] keine Ausnahmen für Vergewaltigung und Inzest zulassen. Umfragen haben seit langem gezeigt, dass große Mehrheiten der Amerikaner zumindest einige Ausnahmen für Abtreibungen unterstützen. Sind Ihre Ansichten selbst für viele Konservative zu viel?

Rick Santorum: Wissen Sie, der Supreme Court der Vereinigten Staaten entschied kürzlich in einem Fall, dass ein Mann, der eine Vergewaltigung begangen hatte, nicht getötet, nicht der Todesstrafe unterworfen werden könnte; das Kind, das als Ergebnis dieser Vergewaltigung gezeugt worden ist, hingegen schon. Das klingt für mich wie ein Land, das nicht die richtige Moral hat. Das Kind hat nichts falsch gemacht! [Beifall.] Das Kind ist ein unschuldiges Opfer. Es wäre schrecklich, es zweimal zum Opfer zu machen. Es ist ein unschuldiges Menschenleben. Es ist genetisch ein Mensch vom Moment der Befruchtung, und es ist ein Menschenleben, und wir in Amerika sollten groß genug sein, um Frauen in diesen schrecklichen Situationen zu helfen, die schon traumatisiert worden sind; sie noch einmal zu traumatisieren durch eine Abtreibung? Ich denke, das wäre zu viel, und also stehe ich absolut dazu und sage: Ein Gewaltakt ist genug! [Beifall.]

Ein Gewaltakt ist genug – One violence is enough. In der Tat.

Vielen Dank, Rick Santorum, für diese deutlichen Worte. Welch ein Kontrast zu den deutschen Bischöfen und ihren Helfern in der Hierarchie, die noch nie eine Abtreibung gesehen haben, von der sie nicht wenigstens schweigen wollen.

P.S: Es dürfte niemanden verwundern, dass Santorum verheiratet ist (eine einzige Ehe, keine Affären, keine Scheidungen usw.), dass er SIEBEN eheliche Kinder hat (und keine außerehelichen) und dass er die traditionelle lateinische Messe besucht

(Nein, nein, es gibt WIRKLICH KEINEN ZUSAMMENHANG zwischen dem Besuch der Tridentinischen Messe und der Rechtgläubigkeit. WIRKLICH NICHT. HIER GIBT ES NICHTS ZU SEHEN.)

P.P.S. Es gibt allerdings auch Bischöfe, die sich nicht scheuen, unangenehme Wahrheiten zu sagen, wenn es ums Leben geht.

“Our Lord tells us to speak to the person, and then take two or three others with us if he does not change,” [Bishop Samuel Aquila] said. “If he still does not change, the Church can speak to him, which is done through the bishop. [The bishop] exercises the authority of Christ. Christ then says that if that person is still obstinate and will not change, treat them as a tax collector or Gentile. Expel him.’”