Schützt das Beichtgeheimnis!

In Irland, einem meist als sehr katholisch geltenden europäischen Staat, bahnt sich ein neuer Angriff auf das Beichtgeheimnis an. Der radikal antikatholische Justizminister Alan Shatter hat nun, einem Bericht von LifeSiteNews zufolge, den bereits vor einigen Monaten diskutierten Gesetzesentwurf ins irische Parlament (Dail) eingebracht. Der Entwurf sieht vor, dass Priester, denen ein Fall von sexuellem Missbrauch gebeichtet wird, dies sofort der Polizei melden müssen; andernfalls drohen ihnen Haftstrafen von bis zu fünf Jahren.

Die irische Regierungskoalition aus Arbeiterpartei und Liberalen, der auch Shatter angehört, verfügt  über die Mehrheit der Sitze.

Während der Vatikan bereits klar und deutlich erklärt hat, dass das Beichtgeheimnis unantastbar ist und die irischen Priester dazu aufgerufen hat, das Gesetz zu ignorieren, ist die irische Bischofskonferenz bisher hauptsächlich durch ihr Schweigen aufgefallen, wie LifeSiteNews berichtet. Dort heißt es:

To date, no formal statement has been issued on the subject by the Irish Catholic bishops in defence of the Church’s ancient legal privilege. Auxiliary Bishop Raymond W. Field of Dublin was quoted in the Irish Independent last week saying only, “The seal of the confessional is inviolable as far as I am concerned, and that’s the end of the matter.”

[Bis heute haben die irischen katholischen Bischöfe noch keine formale Erklärung zu dem Thema veröffentlicht, in der sie das uralte rechtliche Privileg der Kirche verteidigt hätten. Hilfsbischof Raymond W. Field von Dublin wurde vom Irish Independent in der letzten Woche nur mit den Worten zitiert: „Das Beichtsiegel ist so weit es mich betrifft unverletztlich, und damit hat es sich.“]

Wie nicht anders zu erwarten haben wir also Statements einzelner Bischöfe, aber kein gemeinsames, entschlossenes Auftreten des irischen Episkopats.

Sollte so ein Gesetz Schule machen und auch in Deutschland irgendwann kommen, werden auch hier einige wenige Bischöfe dagegen kämpfen und der Rest wird schweigen und sich anpassen.

Das kommt davon, wenn man sein Rückgrat in verweichlichten Priesterseminaren abgegeben hat, oder niemals eins hatte. Für den wahren Glauben und die Rechte der Kirche werden sich einige irische Bischöfe wohl kaum strafrechtlich belangen lassen, und sich damit in die wachsende Zahl der Beweise für den Ausspruch einreihen, dass die Krise der Kirche eine Krise der Bischöfe ist.

Die Chancen, dass das Gesetz im Dail scheitern oder von der Regierung zurückgezogen werden könnte, sind derzeit unklar. Doch die Regierung verfügt über die Mehrheit der Sitze und scheint das Gesetz vorbehaltlos zu unterstützen. Derzeit äußern sich zwar auch modernistische Priester noch kritisch zu dem Gesetz, doch die Feigheit wird unter den faktisch vom Glauben abgefallenen „Progressivisten“, die in der irischen Priesterschaft dank der unermüdlichen Arbeit des irischen Episkopats stark vertreten sind, üblicherweise siegen. Für einen Glauben, den man für eine Mischung als Fabel und Zeitgeist hält, lasst sich niemand verfolgen.

Heute sind es die Fälle von sexuellem Missbrauch. Doch wenn der Präzedenzfall erst einmal gesetzt ist, werden weitere Einschränkungen des Beichtgeheimnisses nicht lange auf sich warten lassen.

Die neue Verfolgung naht heran, doch wer wird sich noch verfolgen lassen, wenn es irgendwann zu einem Schisma kommen und eine Gegenkirche nach dem Beispiel Chinas eingerichtet wird? Wir werden dann sehen, wer hinter der Kirche Christi steht, und wer nur hinter dem gesellschaftlichen Prestige, das bis vor wenigen Jahren in Irland (und vielen anderen Ländern) mit dem Priesterstand noch verbunden war.

Große Schlachten oder Großes Schlachten?

Wie man auf Katholisches derzeit lesen kann, ist der Versuch eines Abtreibungsverbotes in Polen ganz knapp gescheitert. Mit 191 zu 186 Stimmen bei fünf Enthaltungen fiel das Gesetz, das ein vollständiges Abtreibungsverbot vorsah, und in der Bevölkerung den Rückhalt einer breiten Mehrheit besitzt, aufgrund der strengen Parteidisziplin der sich selbst als konservativ gebenden Regierungspartei PO („Bürgerplattform“) im Sejm durch. Damit bleibt das derzeitige Abtreibungsrecht gültig, das in Polen zu 500 Abtreibungen im letzten Jahr geführt hat, und die Tötung der Ungeborenen nur in seltenen Ausnahmefällen zulässt. Ein Versuch der Sozialdemokraten, die Abtreibung zu liberalisieren (und damit die Tötung der Unschuldigen auf den in Deutschland längst üblichen Stand zu bringen) scheiterte mit riesiger Mehrheit.

Alles in allem hat Polen die nach Irland und Malta besten Abtreibungsgesetze in der ganzen EU – und steht deswegen von derselben massiv unter Druck. Nachdem in diesem Jahr Ungarn eine neue Verfassung beschlossen hat, die das Grundrecht auf Leben ab dem Moment der Befruchtung bis zum natürlichen Tod festschreibt (was mit Sicherheit zu Verfassungsklagen gegen die derzeitige Abtreibungsgesetzgebung in Ungarn führen wird), ist Polen damit das zweite osteuropäische Land, in dem sich etwas für das Lebensrecht bewegt.

Das ist ganz sicher an erster Stelle dem seligen Papst Johannes Paul II. zu verdanken, der in Polen eine ganze Generation junger Wähler bewegt zu haben scheint:

A June 3rd (2011) survey showed 65% of Poles agreeing that the law “should unconditionally protect the life of all children since conception.”  Only 23% supported abortions in cases where unborn children of 24 weeks or less were diagnosed with a “serious disease.”

Significantly, 76% of those aged 15 to 24-years-old wanted total protection for the unborn – the most of any age group.  The lowest level of support came from the oldest age bracket, 55 to 70 years old, but still with 57% supporting total protection.

Mehr als drei von vier Polen unter 25 Jahren unterstützen also das Gesetzesvorhaben, das gerade gescheitert ist. Es ist überhaupt nur darüber abgestimmt worden, weil hunderttausende Polen dafür unterschrieben hatten. Und im Oktober sind Wahlen – vielleicht wird die scheinkonservative in Wahrheit lebensfeindliche Bürgerplattform von Merkel-Verbündeten Donald Tusk für das Katzbuckeln vor der internationalen Abtreibungslobby und ihrem Erfüllungsgehilfen EU an der Wahlurne bezahlen. Wir werden es sehen.

Doch ganz abgesehen von der aktuellen Lage in Polen, die sicher, trotz der vorübergehenden Abstimmungsniederlage ziemlich hoffnungsvoll stimmt, möchte ich an dieser Stelle den Kontrast zu Deutschland ansprechen. Wann hat hier in Deutschland zuletzt ein Politiker gefordert, alle Abtreibungen müssten strafrechtlich ebenso relevant sein wie die Tötung der Unschuldigen in anderen Lebensphasen? Wann hat überhaupt jemand das Lebensrecht in der Öffentlichkeit entschlossen verteidigt, nicht mit technokratischen Phrasen, sondern in eindeutigen unmissverständlichen Worten? Selbst Kardinal Meisner, der ja zuweilen scharfe Worte gegen Abtreibung spricht, bis hin zu der Erkenntnis, es handle sich um einen „Super-Gau“ vor einigen Monaten (und dazu ist ihm zu gratulieren!), hat meines Wissens nicht direkt ein Abtreibungsverbot gefordert. (Man möge mich korrigieren, wenn ich mich täusche).

Darüber spricht man in Deutschland nicht. Auch nicht in der Kirche. Zum Ausstieg aus der Blankovollmacht zur Tötung der Unschuldigen (die fälschlich „Beratungsschein“ genannt wird) musste man die Bischofskonferenz zwingen, und bis heute arbeitet man, wo immer möglich und ohne Aufsehen vertretbar, mit der Abtreibungslobby zusammen.

Eines jedenfalls hat Papst Johannes Paul II. nie getan: Zum Thema Lebensrecht geschwiegen. Seine (meines Erachtens beste) Enzyklika Evangelium Vitae hat er zu genau diesem Thema verfasst. Er hat in Polen viele Menschen inspiriert.

Auch Benedikt XVI. hat zum Lebensrecht nie geschwiegen. Auch er zieht immer wieder die Verbindungslinien von den aktuellen ökonomischen Problemen bis zur Abtreibung, auch er spricht immer wieder in klaren Worten von der gemeinsamen Wurzel so vieler heutiger Probleme, von der Kultur des Todes. Er wandelt in dieser Frage in den Fußstapfen seines Vorgängers. Dieser inspirierte in Polen, seinem Heimatland, sehr viele, er half bei der Entstehung einer neuen Generation mit, die Abtreibung als das sieht, was sie wirklich ist: Als Tötung der Unschuldigen.

Nur eines ist Benedikt bisher nicht gelungen, und nicht weil er es nicht versucht hätte: In Deutschland die Menschen zu inspirieren. Davon ist leider nichts zu spüren. Eher im Gegenteil. Während die Polen „ihrem“ Papst zujubelten, und sehr viele seinem Weg nachfolgen, gerade auch bei so wichtigen Fragen wie dem Lebensrecht für alle, haben die Deutschen nur aus nationalistischen Gründen kurz „ihrem Papst“ zugejubelt, bevor sie sich apathisch wieder ihrem üblichen Alltagstrott aus Sünde, Entertainment und Erwerbsarbeit zugewandt haben, nur um alle paar Monate empört den Kopf zu schütteln über die „antiquierte“ Moral der Kirche, in der Leben wirklich noch etwas zählt, und Menschen wirklich noch Würde besitzen, statt bloß Geld.

Worin besteht der Unterschied? Ist Benedikt unfähig, Menschen von sich zu überzeugen, Menschen mitzureißen? Er ist sicher weniger „telegen“ als sein Vorgänger. Doch der wesentliche Unterschied ist nicht der Papst, sondern das Volk. Die meisten Polen haben ihre Erfahrung mit einer atheistischen Diktatur schon hinter sich, und zu ihren Lebzeiten. Die Ostdeutschen auch. Doch könnte der Unterschied nicht größer sein. Während die meisten Polen heute für das Lebensrecht und stolz auf ihren katholischen Glauben sind, vegetiert der Osten im eigenen Saft vor sich hin, stirbt vor sich hin, im Griff der Kultur des Todes, wenn überhaupt noch mehr als der Westen.

Es sind nicht die Umstände, und schon gar nicht die Leistung des Papstes, sondern schlicht die spirituelle Offenheit der Polen, die es in Deutschland einfach nicht mehr gibt. In gewissem Sinn kann man vielleicht sogar sagen, Wohlstand verneble den Geist. Es ist eben schwer als wohlhabender Mensch in den Himmel zu kommen. Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr, hat einmal ein den meisten modernen Deutschen nicht mehr bekannter Weiser aus dem Nahen Osten gesagt. (Hinweis an alle modernen Leser: Nein, es war nicht Mohammed!)

Die Kultur des Todes hat eine große Schlacht in Polen vorerst gewonnen, doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

In Deutschland hat es zum Lebensrecht keine großen Schlachten gegeben, sondern nur das große Schlachten. Bedauerlich, dass eine Kulturnation wie Deutschland in nur 100 Jahren gleich zweimal so tief fallen konnte.

Fällt das Beichtgeheimnis?

Unter anderem diesem Bericht zufolge droht die irische Linksregierung (unter Beteiligung der Abtreibungsbefürworter und Gegner des Katholizismus von der irischen Arbeiterpartei) mit der Abschaffung des Beichtgeheimnisses. Angeblich um zu verhindern, dass katholische Pädophile ihre Taten beichten können, ohne dass die Polizei davon erfährt. Verschiedene Blogger im englischen Sprachraum (hier z.B. Father Z) haben das Thema schon aufgegriffen, und auch auf kath.net gab es einen entsprechenden Beitrag.

Eine weitere  Entwicklung in diesem Bereich, von dem ich ebenfalls durch den Blog von Father Z erfahren habe, stellt ein ähnliches Gesetz in Australien dar. Man beruft sich in Australien explizit auf entsprechende Pläne der Regierung von Irland. Der irische Ministerpräsident Enda Kenny erklärte sein Vorhaben so:

Enda Kenny erklärte, dass es „absolut schändlich“ sei, dass der Vatikan sein Kirchenrecht über das irische Strafrecht stelle. Das Irland des 21. Jahrhunderts werde sich nicht länger katholischer Macht fügen.

Sein Justizminister Shatter fügte hinzu:

Auch der Justizminister Alan Shatter äußerte, dass kein ausländischer Staat irgendeiner Organsiation Vorgaben machen sollte, wenn es um den Schutz von Kindern gehe, dies gelte vor allem für die katholische Kirche. [Hervorhebungen von Catocon; Anmerkung des Blogautors]

Hier sehen wir dann sofort, worum es bei diesem Gesetz wirklich geht. Es hat nicht das Geringste mit angeblichen Bemühungen gegen Pädophilie zu tun (die von vielen linksgerichteten, selbsternannten Fortschrittlichen noch vor wenigen Jahren als gar nicht so schlimm gesehen wurde – schließlich sollten auch Kinder zeitig an die unbegrenzten Freuden der „freien Liebe“ herangeführt werden). Es hat damit zu tun, dass hochstehende Kreise in verschiedenen Ländern die derzeitige Situation einer wohlgeschürten Volksstimmung gegen die Kirche ausnutzen und ihre bigotte antikatholische Agenda durchdrücken wollen.

Äußerungen wie der Satz, es sei absolut schändlich, dass „der Vatikan“ sein Kirchenrecht über das Recht des irischen Staates stelle, machen die wahre Absicht deutlich. Es soll die Berechtigung der Kirche als Träger eigenen Rechts überhaupt erschüttert werden. Die Kirche soll sich, ganz im Geiste der typisch protestantischen Nationalkirchen, in den Dienst der Ziele des Staates stellen. Und worin staatliche Ziele bestehen, hat man ja im 20. Jahrhundert zur Genüge gesehen. Viele Millionen Menschen wurden durch doktrinär atheistische, kommunistische und national-sozialistische Regime im Namen diverse Weltverbesserungsideologien grausam dahingeschlachtet. In den Dienst eines solchen Staates kann sich selbst ein nichtkatholischer Mensch wohl kaum guten Gewissens stellen. Aber die zunehmend imperialistisch handelnden Regierenden in Europa, Nordamerika, Australien und Neuseeland verlangen genau dies.

Es ist eine Machtprobe, keine Ermittlung gegen Pädophile (deren Prävalenz im übrigen unter Katholiken nicht höher, sondern wenn überhaupt niedriger ist, als unter anderen Gruppen). Eine Machtprobe, an deren Ende nur einer von zwei möglichen Ausgängen stehen kann: Entweder die Regierung von Irland und ihre unheiligen Spießgesellen in anderen Ländern setzen sich durch, oder sie ziehen ihr Projekt zurück und kneifen den Schwanz ein. Viel wird davon abhängen, wie die Völker auf diesen zutiefst bigotten Angriff auf das Beichtgeheimnis reagieren. Das bleibt abzuwarten. Aber wenn das Beichtgeheimnis in Irland fällt (und vielleicht auch in Australien, und dann könnte eine Lawine in anderen Ländern losgehen), dann ist dies nicht nur eine Niederlage für Katholiken in Irland (diesem einstigen Stammland des glaubens), sondern für Katholiken weltweit. Es wäre das klare Signal, dass die Zeiten vorbei sind, in denen die Gläubigen im Westen in Freiheit leben können. Eine neue Periode der Christenverfolgung wird anbrechen, wenn man das Beichtgeheimnis abschafft (und zugleich bleiben die besonderen Verhältnisse von Arzt und Patient sowie von Anwalt und Klient geschützt), vielleicht heute, vielleicht morgen.

Beunruhigend ist in diesem Zusammenhang die Äußerung von Father Z:

Attack the Catholic Church, threaten the Catholic Church, intimidate the Catholic Church.

When our Catholic identity is eroded, this is what happens.  As the night follows the day, threats of this kind will be made so as to silence the Church, whose duty it is to teach on many moral issues.  You know the issues I am talking about.  I suspect that this has more to do with hatred of the Church’s teaching office than it does with outrage over child abuse.

Sadly, the climate of anti-Catholicism and oppression is in large part fueled from within the Church herself.

Think about it.  A law proposed to force priests to break the Seal… in Ireland.

JA, das ist in der Tat das Ergebnis einer beunruhigenden Erosion der katholischen Identität. Katholiken verhalten sich nicht mehr anders als Menschen anderer Religionen. sie leben genauso, denken genauso, wählen im Wesentlichen vergleichbar. Es gibt keine fundamentalen Unterschiede mehr zwischen Katholiken und Protestanten – ein Zustand, der heutzutage unter Ökumene von der Kirchenhierarchie massiv vorangetrieben wird. Unter solchen Bedingungen erwarte ich keinen großen Widerstand von Seiten der meisten Katholiken. Klar, die üblichen Verdächtigen werden ihr Missfallen ausdrücken. Menschen wie Merkel, Schavan, Alois Glück und andere „C“DU-Politiker, wenn es in Deutschland erst einmal soweit ist. Und danach werden sie zur Tagesordnung übergehen und die LAge ignorieren.

Und die Priester? Natürlich sagen sie jetzt alle (in Irland), dass sie dieses Gesetz missachten werden – die liberalen ebenso wie die orthodoxen Priester. Auf den ersten Blick scheint es also Hoffnung zu geben, dass die katholische Priesterschaft in Irland sich einem solchen ungerechten Gesetz widersetzen werden. Und auf den zweiten Blick? Werden Priester, die es nicht einmal fertigbringen, sich negativer Publicity auszusetzen, wirklich für ihren Glauben ins Gefängnis gehen, wenn das von ihnen verlangt wird?

Sollte das hier in Deutschland einmal zum Thema werden (und wenn der Testlauf im katholischen Stammland Irland erfolgreich ist, warum sollte die nächste Rotgrüne Regierung, etwa 2014, nicht dasselbe fordern? Die Stimmung ist jedenfalls erfolgreich von den Mainstreammedien geschürt worden), was wird dann geschehen?

Die Antwort: Gar nichts, wie immer. Und außerdem geht hier ohnehin kein „respektabler“ Katholik mehr beichten. In einer Gemeinde mit mehr als 3000 Seelen bin ich der einzige, der das Bußsakrament nutzt. Ich frage mich manchmal, ob andere Katholiken überhaupt noch wissen, wofür dieser kleine merkwürdige Holzverschlag überhaupt da ist. Kein Grund zur Sorge also (außer vielleicht für die wenigen glaubenstreuen Katholiken, doch die zählen nicht, da sie ja eh rückschrittlich sind. Und was Fortschrittliche mit Reaktionären machen, hat man ja nach 1793 in der Vendée gesehen. Kostprobe gefällig? Hier ein der frz. Revolution treuer General: „Es gibt keine Vendée mehr. Sie ist mit unserem Säbel der Freiheit niedergemacht worden, mitsamt Frauen und Kindern. Ich habe sie in den Sümpfen und Wäldern von Savenay begraben. Man kann mir keine Gefangenen vorwerfen. Ich habe alles ausgelöscht.“ Und der Anführer der Völkermörder im Dienste der Freiheit? Die Infrastruktur des Landstriches sollte restlos vernichtet, Höfe, Kirchen, die Ernten und die Wälder niedergebrannt, das Land und ausnahmslos alle Bewohner niedergemacht werden. General Turreau, Chef der „Infernalischen Kolonnen“, der mit der Ausführung betraut wurde, ließ wissen: „Die Vendée muss ein nationaler Friedhof werden“.)

Die Abschaffung des Beichtgeheimnisses wird in Irland vielleicht noch gestoppt werden können – obwohl das unwahrscheinlich ist, da die Regierung über eine Mehrheit verfügt. Doch wenn nicht, und wenn sich der Gedanke durchsetzt, dass man einfach so auf Religionsfreiheit der Katholiken herumtrampeln kann, dann wird dies nur der Anfang einer langen Entwicklung sein, an deren Ende vielleicht wieder einmal ein „großer Kampf für die Freiheit“ mit dem Säbel geführt wird. Die Vendée? Sie könnte überall sein.

P.S. Noch ein guter Artikel von Father Ray Blake zum Thema.