Aus dem Hirtenbrief von Bischof Huonder…

… zur Ehe. Anmerkungen in roter Schrift und Hervorhebungen von Catocon, wie immer:

Fragen an die Seelsorger

Nochmals auf die erwähnte Statistik zurückgreifend, müssen wir uns fragen, ob Traupaare genügend in die Ehe und ihren christlichen Gehalt eingeführt werden. Wird ihnen die Tragweite des Versprechens bewusst gemacht? (In der Regel nicht) Werden die Fragen bezüglich der Bereitschaft zur christlichen Ehe ehrlich beantwortet? (Nein.) Ja, wird die liturgische Form der Trauung, die in sich eine wunderbare Ehekatechese ist, überhaupt eingehalten? (Nicht, wenn die Ehepartner nicht darauf bestehen…)

Aus Gesprächen bezüglich Nichtigkeitsverfahren geht nicht selten hervor, das die Unterweisung mangelhaft war (oder gar nicht in wahrnehmbarer Form als solche zu erkennen war), oder dass absichtlich gewisse liturgische Formulierungen ausgeblendet wurden wie etwa „bis der Tod euch scheidet.“ (So etwas ist ja auch unbequem, in einer Zeit, in der Ehebruch nicht nur akzeptabel ist, sondern schon fast erwartet wird…)

Dazu stellen sich noch folgende Fragen: Werden die Traupaare auf ihre geistig-seelische Reife genügend geprüft? (Nein. Es wird grundsätzlich angenommen, dass die durchschnittliche geistig-seelische Reife der Gesellschaft zureichend ist. Und die ist nun einmal auf dem Niveau eines pubertierenden Jugendlichen.) Müsste nicht manche kirchliche Trauung abgesagt oder verschoben werden, weil die notwendigen Voraussetzungen für eine christliche Ehe fehlen? (Ja, und zwar mehr als „manche“, womöglich gar die meisten. Doch das wäre ja „unhöflich“ und nicht modern genug.) Treten Paare wirklich im Glauben an das Sakrament an den Traualtar? (Sakrament? Wollen Sie mich auf den Arm nehmen? Wir leben im 21. Jahrhundert!) Wollen sie den Ehebund wirklich mit Blick auf Christus und auf dem Fundament seiner Lehre eingehen? (Mit Blick auf Christus? Nein, mit Blick auf die Befriedigung der eigenen Wünsche und Triebe, die das einzige sind, das für uns wirklich zählt. Und Christi Lehre? Fundamente sind fundamentalistisch und reaktionär.)

Ein wichtiger, bei kath.net in Gänze lesbarer Hirtenbrief in der Fastenzeit von Bischof Vitus Huonder von Chur, einem der wenigen orthodoxen katholischen Bischöfe der Schweiz. Das Hirtenwort spricht durchweg eine klare Sprache, und dies gilt auch für die enthaltenen Fragen an die Seelsorger, die viele dieser Seelsorger vermutlich ihrem Bischof gar nicht ehrlich beantworten könnten, ohne zugleich ihr Versagen einzugestehen.

Ein beeindruckendes und erschreckendes Testament eines halben Jahrhunderts Dialog- und Partizipationskirche. Frage an die Seelsorger: Wäre es nicht an der Zeit, zur Verkündigung der wahren und klaren Lehre der katholischen Kirche zurückzukehren?

Es bleibt dabei: Katechese statt Dialog. Leitung durch Hirten statt Partizipation durch Schafe.

Und wen kann es noch verwundern, dass Bischof Huonder der erste deutschsprachige Bischof war, der von der in Summorum Pontificum enthaltenen Option der Einrichtung von Personalpfarreien für die Anhänger der traditionellen Messe Gebrauch gemacht hat?

Papst Benedikt kommt…

… nach Deutschland, aber nicht alle freuen sich darüber, wie der Leser sicher schon weiß.

Ein schöner englischsprachiger Artikel zum Papstbesuch und den Schwierigkeiten, mit denen Benedikt in seiner Heimat zu kämpfen haben wird, findet sich hier. Einige kurze Auszüge:

In one sense, the Church is extremely present in everyday German life. It is after all one of Germany’s biggest employers. Amply funded by a church tax levied on all Germans who identify themselves as Catholic, the Church runs thousands of educational institutions, hospitals, retirement homes, foreign aid programs, and so on.

It has, however, also become heavily bureaucratized — something to which Benedict alludes in his interview-book Light of the World. Nor is it clear what distinguishes many German Catholic institutions from those of a more secularist bent. Moreover, by no means do all the people working in the Church’s numerous agencies profess to be faithful Christians.

(…)

[B]ureaucratization is symptomatic of a deeper malaise in German Catholicism. And that problem boils down to one thing: a failure on the part of many German Catholics to teach the Catholic faith because of the distance they’ve put between themselves and the truth-claims of that faith.

Anyone who reads German theological journals will tell you that much of Germany’s Catholic theological establishment sits rather loosely towards orthodox Catholicism. Much of it seems more intent on deconstructing that faith than illuminating its principles.

It’s also true that they and many other German Catholics are now essentially liberal Protestants in the way they view Christianity and the world. And liberal Protestantism is, as the legal historian Harold J. Berman (himself a mild Baptist) once wrote, merely one step away from agnosticism.

Ein anderer kurzer Artikel bei Rorate Caeli befasst sich mit dem Boykott des Papstbesuches durch etwa 100 deutsche Bundestagsabgeordnete. Die These ist, dass die Protestler durch ihr Verhalten indirekt die Unfehlbarkeit der Bibel unterstreichen: So zitiert man dort:

„Amen, I say to you, that no prophet is accepted in his own country.“ (St. Luke iv, 24)

Auch eine interessante Perspektive auf Proteste, die in Deutschland auf eine sympathische Öffentlichkeit stoßen werden.

Beide Artikel weisen auf einen wesentlichen Defekt im deutschsprachigen Katholizismus hin: Es fehlt auf beiden Seiten der Debatte schlicht die Kenntnis des katholischen Glaubens. Wäre die Argumentation der Kirche in den verschiedenen umstrittenen Fragen allen Befürwortern und Gegnern bekannt, so könnte man sachliche und zielführende Streitgespräche erwarten. Doch solange die Kirche in Deutschland die Wahrheit bei jeder Gelegenheit verwässert und herunterspielt, werden weder die Befürworter noch die Gegner des Papstes zu intelligenten Diskussionen in der Lage sein. Solche Diskussionen werden weiter auf einige kleine Zirkel beschränkt bleiben, die in der öffentlichen Wahrnehmung praktisch nicht vorkommen.

Deswegen: KATECHESE STATT DIALOG!

Linksammlung zu Ehe und Familie

Wie dem einen oder anderen Leser vielleicht schon aufgefallen ist, gibt es in der oberen Leiste auf dem Blog jetzt eine neue Seite: Ehe und Familie – Linksammlung. Auf dieser Seite versuche ich eine umfassende Sammlung von Quellen zum Thema Ehe, Familie, Sexualität, Geschlecht usw. aus katholischer Perspektive anzubieten. Derzeit ist die Seite noch im Aufbau und daher sehr unvollständig. Bei Gelegenheit werde ich weitere Materialien hinzufügen. Durch die Sammlung einer Vielzahl von Informationen an einer Stelle erhalten Leser die Möglichkeit, sich und anderen die eigentlich schöne und zutiefst weise Lehre der Kirche zu diesem umstrittenen Thema zu erschließen.

Wenn Sie weitere Materialien kennen, die bisher nicht in der Liste aufgeführt sind, und von denen Sie glauben, dass sie die katholische Lehre zum Thema richtig und gut darstellen, dann bitte ich Sie, von der Kommentarmöglichkeit hier oder auf der Ehe-und-Familie-Seite selbst Gebrauch zu machen, damit die Sammlung verbessert werden kann.

Vielen Dank.