Die FSSPX und das Trojanische Pferd

Summorum Pontificum berichtet aus „gewöhnlich gut informierter Quelle“ über einen angeblich im deutschsprachigen Episkopat zirkulierenden Plan für den Fall einer kirchenrechtlichen Anerkennung der Piusbruderschaft. Dort liest man – Kommentare in roter Schrift und fettgedruckte Hervorhebungen wie immer von Catocon:

Wie wir aus allgemein gut unterrichteter Quelle erfahren haben, gehen die Bischöfe der deutschsprachigen Bischofskonferenzen [Deutschland, Österreich, Schweiz – die üblichen reformkatholischen Hochburgen] davon aus, daß die Rekonziliation der Priesterbruderschaft St. Pius X. – also die Rückkehr der Bruderschaft in die volle kirchliche Einheit mit dem Papst – unmittelbar bevorsteht. [Danach sieht es im Moment wohl aus, wenn die öffentlichen Einlassungen aller Seiten auch nur halbwegs der Wahrheit entsprechen.] Zur Vorbereitung darauf haben die Strategen dieser Konferenzen einen derzeit innerhalb und zwischen den Bischofskonferenzen zur Abstimmung zirkulierenden „Notfallplan“  entwickelt [die Piusbruderschaft würde also einen „Notfall“ auslösen…] , der darauf abzielt, jede Tätigkeit der Bruderschaft in ihrem Amtsbereich unmöglich zu machern [sic!]. Damit lösen sie sich durch bewußten Ungehorsam aus der vollen Einheit mit dem Bischof von Rom und beschreiten den Weg der rechtlichen Kirchenspaltung. [Das ist leider nicht der Fall. Die Bischöfe können rechtlich gesehen jederzeit so handeln, wenn sie das wünschen – mehr dazu: siehe unten]

Nach diesem geheimen Rundschreiben sollen die Mitglieder der beteiligten Bischofskonferenzen auf folgendes Vorgehen verpflichtet werden [es bleibt abzuwarten, was Bischöfe wie Vitus Huonder machen werden, wenn es so weit kommen sollte.]:

  1. Im Falle der Regularisierung der Bruderschaft als Personalprälatur [was wohl der wahrscheinlichste Fall ist] werden die Ortsordinarien den Prälaten als zuständigen Oberen unverzüglich auffordern, alle weisungsgebundenen Mitglieder der Personalprälatur aus ihren Diözesen zurückzuziehen, alle Niederlassungen zu schließen und keine neuen zu errichten. Damit wäre nach dem gegenwärtig gültigen Kirchenrecht jede Tätigkeit der Bruderschaft in deutschsprachigen Diözesen illegal. [Das ist eben eine Personalprälatur. Sie benötigt für Niederlassungen in einer Diözese die Zustimmung des jeweiligen Ortsordinarius. Fehlt diese, so ist die Tätigkeit einer Personalprälatur in dieser Diözese illegal. Das hat nichts mit bischöflichem Rechtsbruch oder Eintreten rechtlichen Schismas zu tun. Kanon 297 sagt dazu: „Die Statuten haben ebenso das Verhältnis der Personalprälatur zu den Ortsordinarien zu bestimmen, in deren Teilkirchen die Prälatur ihre seelsorglichen oder missionarischen Werke nach vorausgehender Zustimmung des Diözesanbischofs ausübt oder auszuüben beabsichtigt]
  2. Im Falle der Errichtung der Bruderschaft St. Pius X. als Ordinariat [sehr unwahrscheinlich, folgt man den Einlassungen Roms und der Piusbrüder – da ist immer nur von Personalprälaturen die Rede. Doch wenn die deutschsprachigen Bischöfe sich darauf vorbereiten, wissen sie ja vielleicht mehr als wir.]sollen die Ortsbischöfe ihre nachgeordneten Behörden und Einrichtungen sowie sämtliche Priester ihrer Diözesen anweisen, in keiner Form mit Priestern oder Institutionen des Ordinariats zusammen zu arbeiten und ihren jegliche Nutzung von Gebäuden und Einrichtungen der Diözesen zu versagen. [Auch das ist nur das gute Recht der Bischöfe. Ein Ordinariat hieße, dass die Diözesanbischöfe keine rechtliche Handhabe gegen die Einrichtungen der Piusbruderschaft hätten – daher ist es einer Personalprälatur bei weitem vorzuziehen. Sie müssten akzeptieren, dass die FSSPX in den deutschen Diözesen tätig wird bzw. bleibt. Doch daraus entsteht ja keine Verpflichtung, mit der FSSPX auch zusammenzuarbeiten.]

Damit beschreiten die Planer der Bischofskonferenzen einen Weg der Rebellion [nein – sie schöpfen nur ihre rechtlichen Möglichkeiten aus], der die Aufrufe der verschiedenen Ungehorsams-Initiativen noch in den Schatten stellt. [Das stimmt einfach nicht. Die Ungehorsamsinitiativen lehnen sich gegen geltendes Recht der Kirche auf. Dieser angeblich oder tatsächlich kursierende Notfallplan gegen die Piusbrüder tut das nicht. Er verweigert nur jegliche Zusammenarbeit mit einer kirchenrechtlich anerkannten FSSPX. Im Fall einer Personalprälatur räumt das Kirchenrecht ihnen diese Befugnis sogar explizit ein, und dass niemand den Kardinal Lehmann wird zwingen können, dem Pater Schmidberger seine Domkirche zur Verfügung zu stellen, wenn er das nicht will, ist wohl zu klar, als dass es noch weiterer Erläuterung bedürfte.] Sie bekennen sich offen zu der Absicht, Maßnahmen der Gesamtkirche für ihren Zuständigkeitsbereich zu konterkarieren [nein, das tun sie nicht, wie oben dargelegt wurde; eine Personalprälatur bedeutet, dass es eine kirchenrechtlich anerkannte Struktur gibt, die, so die Ortsbischöfe dies gestatten, in den jeweiligen Diözesen wirken darf. Genauso soll es nach diesem Schreiben gehalten werden. Das hat noch nicht einmal neben „konterkarieren“ gelegen. Es zeigt nur erneut, warum eine Personalprälatur für die FSSPX Selbstmord wäre, und sie deshalb von keiner an einer Einigung interessierten Seite akzeptiert werden kann.] und bestätigen erneut, daß sie das Schlagwort der „Kollegialität“ als Mittel zur Aufspaltung der Gesamtkirche in Nationalkirchen mißbrauchen. [Im Gegenteil. Die Kooperation von Bischöfen aus mindestens drei (deutschsprachigen) Ländern widerspricht der Nationalkirchenhypothese eklatant.] Innerhalb dieser Nationalkirchen wollen sie – ebenfalls im Widerspruch zum geltenden Recht [ein solcher Widerspruch ist an keiner Stelle in dem Artikel aufgezeigt worden – es ist eine schiere Behauptung, und eine falsche noch dazu – siehe oben] – einen zentralistischen Apparat installieren [von der Installation eines zentralistischen Apparats ist nun wirklich nirgendwo in dem zitierten Schreiben die Rede gewesen.] , der Ortsbischöfen, die Minderheitspositionen vertreten, das Recht zur eigenständigen Leitung ihrer Diözesen bestreitet. [Auch ganz ohne Kollegialität stünde es jedem Ortsbischof natürlich frei, sich mit anderen Ortsbischöfen zu beraten und dann gemeinsame Beschlüsse zu fassen. Wer wollte es Bischöfen verwehren, gemeinsam zu beraten und für ihre Diözesen eine gemeinsame Linie zu finden, so die Exzellenzen dies wünschen? Und wenn sich die Minderheit, die es gern anders hätte, doch dazu entschließt, den Beschlüssen der Mehrheit zu folgen, dann zeigt dies nur, dass die Minderheit nicht bereit ist, gegen den Strom zu schwimmen, und nicht, dass irgendein zentralistischer Apparat faktisch die Macht des Ortsbischofs beschränkt hätte.]

Auf Summorum Pontificum finden sich sonst oft wertvolle Informationen und Analysen, auf die hier auch schon öfters verwiesen worden ist. Auch in diesem Fall mag die ursprüngliche Quelle vertrauenswürdig sein. Ich halte es für sehr plausibel, dass die diversen deutschsprachigen Bischofskonferenzen eine gemeinsame Strategie planen, um die Piusbrüder möglichst stark zu behindern, wenn eine Einigung mit Rom erfolgen sollte. Es würde mich sehr überraschen, wenn die sonst immer gut organisierten modernistischen Kräfte diesmal nicht gut auf alle Eventualitäten vorbereitet wären.

Doch was das von Summorum Pontificum zitierte Schreiben betrifft, das eine gemeinsame Linie der deutschsprachigen Bischöfe gegen die Piusbruderschaft darlegt, so sehe ich nicht den geringsten Grund, dies als einen Rechtsbruch oder gar als schismatischen Akt anzusehen. Im Gegenteil. Dieses Schreiben zeigt, ob es echt ist oder nicht, ob es wirklich kursiert, oder auf falschen Informationen beruht, wieder einmal auf, warum die Personalprälatur vollkommen inakzeptabel für eine Piusbruderschaft ist, die weiterhin ernsthafte Konzilskritik betreiben und gegen Modernismus und Häresien zu Felde ziehen will. Nach can. 294 können nur Priester und Diakone einer Personalprälatur angehören. Die Anhänger der Piusbruderschaft hätten keine Möglichkeit, sich formell dieser Bruderschaft anzuschließen.  Dies würde bedeuten, dass sie für jede bei den Piusbrüdern vorgenommene Firmung oder Eheschließung die Genehmigung des Bistums einholen müssten. Sie stünden weiterhin unter der Jurisdiktionsgewalt des Ortsbischofs. Da die Personalprälatur auf den Weltklerus beschränkt ist, wären auch die der FSSPX angeschlossenen Ordensgemeinschaften ausgeschlossen. Und nach can. 297 könnte die Personalprälatur in einem Bistum nur mit Einwilligung des Ortsbischofs Niederlassungen unterhalten bzw. einrichten. Was also anscheinend seitens des deutschsprachigen Episkopats geplant ist, beschränkt sich auf die Ausübung ihrer kirchenrechtlichen Befugnisse.

Man mag argumentieren, dass diese Handlung nicht der Wille des Papstes wäre, und die Bischöfe sich damit dem Geiste einer solchen Einigung widersetzen, wenn auch nicht dem Buchstaben des Kirchenrechts. Doch der „Geist der Personalprälatur für die FSSPX“ ist, wie der „Geist des Konzils“ keine Grundlage für die Behauptung, jemand habe „schismatisch“ oder „gegen geltendes Recht“ gehandelt. Eine solche Handlung der deutschsprachigen Bischöfe wäre sehr bedauerlich, doch gänzlich erwartbar.

Eine regularisierte Piusbruderschaft mit einem Ordinariat könnte einfach mit den Schultern zucken, wenn die Bischöfe ihnen nicht helfen. Die Situation wäre dann nicht anders als jetzt auch, nur dass sie eine kirchenrechtliche Anerkennung durch Rom im Rücken hätten.

Das kursierende Schreiben ist also kein Beweis für Schisma und Rechtsbruch seitens der Bischöfe, sondern ein weiteres Indiz, dass eine Personalprälatur für die FSSPX kein gangbarer Weg ist. Die Personalprälatur für die Piusbruderschaft ist entweder eine Falle (was ich dem Heiligen Vater nicht zutraue), oder wenn keine Falle, dann doch zumindest ein tragischer Irrtum.

Man sagt, einem geschenkten Gaul schaue man nicht ins Maul. Wir wissen jedoch, wie das für das alte Troja ausgegangen ist…

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Notstand und die Piusbruderschaft

Dieser Beitrag ist als erweiterte Antwort oder Erläuterung eines Kommentars auf Johannes‘ Blog entstanden. Ich verweise für den Kontext daher auf seinen Artikel zum Thema.

Die Piusbruderschaft versucht ihre scheinbar unrechtmäßigen und verwerflichen Handlungen des Ungehorsams gegen die legitime Autorität des Papstes manchmal durch angeblichen Notstand zu rechtfertigen. Das Heil der Seelen – das oberste Gesetz der Kirche – verlange ihren Ungehorsam, und dieses Gesetz übertrumpfe alle kirchenrechtlichen Bestimmungen, und letztlich auch die Pflicht, dem Papst Folge zu leisten. Ich möchte die Frage, ob die Piusbrüder sich für ihr dem Buchstaben des Gesetzes widersprechenden Handlungen durch dieses Argument rechtfertigen können, wie gleich klar werden wird, nicht kirchenrechtlich führen, sondern moralisch. Es ist auch keine ausgedehnte Argumentation, sondern eine durchaus kritikwürdige und kritikfähige persönliche Einschätzung. Man hänge also die Absicht der folgenden Zeilen nicht zu hoch.

Ich möchte drei Kategorien einführen: Rechtfertigender Notstand, Entschuldigender Notstand und Übergesetzlicher Notstand. Diese Begriffe habe ich aus dem deutschen Strafrecht entlehnt, weil sie mir zu passen scheinen. Ich nehme allerdings von einer weltlich oder kirchlich gedachten streng juristischen Deutung Abstand, und verwende sie ausschließlich im folgenden Sinne:

Ein rechtfertigender Notstand liegt vor, wenn eine Handlung durch einen tatsächlich existierenden Notstand gerechtfertigt ist, es also moralisch richtig war, so zu handeln. Der klassische Fall wäre, wenn ich sehe, wie jemand mein Haus abzubrennen versucht, und ich ihn niederschlage. Wenn ich das Abfackeln des Hauses nicht anders hätte verhindern können, dann darf ich so handeln. Der Täter wird zwar verletzt, aber die Körperverletzung ist nicht so schwerwiegend wie die Brandstiftung.

Ein entschuldigender Notstand liegt vor, wenn eine Handlung durch einen tatsächlich existierenden Notstand nicht gerechtfertigt wird, also moralisch falsch bleibt, eine Strafe aber nicht angemessen wäre. In dem Brandstiftungsbeispiel wäre dies gegeben, wenn jemand in dem Haus ist, das abgebrannt werden soll, und wenn ich mit meiner legalen Pistole den Täter niederschießen würde, und dadurch die Gefahr der Tötung des Täters in Kauf nähme. Meine Handlung wäre zwar ebenso schwerwiegend wie die Brandstiftung, und daher nicht gerechtfertigt, aber ich würde dafür trotzdem nicht bestraft.

Nun gibt es die Differenzierung zwischen rechtfertigendem und entschuldigendem Notstand, soweit ich weiß, im Kirchenrecht nicht. Aber es ist durchaus erlaubt, gegen den Buchstaben des Kirchenrechts zu handeln, wenn es für das Seelenheil erforderlich ist. Denn das Seelenheil ist tatsächlich das höchste Gesetz der Kirche. Wäre das Handeln der Piusbruderschaft also für das Seelenheil erforderlich, so dürfte sie, unter Berufung auf Notstand, gegen den Buchstaben des Gesetzes handeln, auch wenn dies bedeutete, dass sie der Autorität des Papstes trotzte.

Doch wenn die Kirche immer noch die Kirche ist, und die Sakramente gültig sind, und es nicht zu einem Bruch im Glauben gekommen ist, durch den eine Neue Kirche und ein Neuer Glaube entstanden sind, kurzum, wenn die Kirche Christi immer noch die Katholische Kirche ist, dann ist es nicht für das Seelenheil erforderlich, gegen die Autorität des Papstes und der Kirche zu handeln. Und ein objektiver Notstand liegt nicht vor. Es mag sein, dass die Bruderschaft subjektiv einen solchen Notstand annimmt, und weil sie es nicht besser wusste, schuldlos handelt, aber objektiv ist dieser Notstand nicht gegeben. Die Piusbruderschaft handelt also unrechtmäßig und kann sich nicht auf einen realen Notstand berufen, der durch ihr Handeln abzuwenden wäre.

Doch ist das das Ende der Diskussion? Oder gibt es nicht auch Situationen, in denen der Buchstabe des Gesetzes, und selbst der Buchstabe der Ausnahmen für den Notstand, unzureichend sind? Man darf niemals einen anderen Menschen belügen. Lügen ist immer moralisch falsch. Auch wenn ich durch meine Lüge einen Juden vor dem KZ retten könnte. Aber niemand würde, wenn er moralisch bei Sinnen ist, den Juden ins KZ schicken, um nicht lügen zu müssen. In dieser Ausnahmesituation, die durch die allgemeinen Regeln nicht gedeckt ist, muss der Mensch den Juden retten, auch wenn er dadurch lügt. Dasselbe ist der Fall, wenn ich nur durch den Abschuss einer Passagiermaschine zehntausend Menschen in einem Hochhaus retten kann.

Doch solche Situationen kann man im Gesetz nicht abbilden.

Wenn ich erlaube, die Passagiermaschine abzuschießen, um die Menschen im Hochhaus zu retten, dann schaffe ich eine Regel, dass es zulässig sei, Menschenleben gegen Menschenleben aufzurechnen. Und das darf man niemals tun.

Wenn ich die Lüge moralisch für zulässig erkläre, um das Leben des Juden zu retten, dann schaffe ich eine Regel, dass es zulässig sei, Böses zu tun, damit Gutes daraus komme, dass also der Zweck die Mittel heilige. Und das darf man niemals tun.

Wenn ich in der Situation bin, lügen zu müssen, um den Juden zu retten, dann muss ich das tun, und durch die Erfüllung meiner moralischen Pflicht mich auch der Konsequenz stellen, dass ich moralisch falsch gehandelt habe. Wenn ich in der Situation bin, ein Passagierflugzeit abschießen zu müssen, um die zehntausend Menschen im Hochhaus zu retten, dann muss ich dies tun. Aber ich muss auch die Konsequenz tragen, dass ich nämlich nach den geltenden Gesetzen für meine Tat (ein Tötungsdelikt, wenn auch mit mildernden Umständen) geradestehe, meine Strafe dafür trage.

Dasselbe denke ich auch bei der Piusbruderschaft. Was sie getan haben, widerspricht dem Buchstaben des Gesetzes und ist unzulässig. Es ist auch nicht direkt zum Seelenheil erforderlich, so dass diese Ausflucht nicht greift. Doch ich kann nicht anders, als zu behaupten, dass die Piusbruderschaft trotzdem nicht anders hätte handeln können, dass ihr Verhalten das am wenigsten schlechte in der Situation war, in der sie sich befanden. Das wäre so etwas wie ein übergesetzlicher Notstand, also ein Notstand, der nicht kirchenrechtlich gedeckt ist.

Für den Bruch des Kirchenrechts, etwa durch die Weihe der Bischöfe 1988, sind sie zurecht bestraft worden. Die Strafe wurde 2009 aufgehoben. Noch immer ist ihre Einheit mit Rom aber unvollkommen. Auch dies ist rechtlich in Ordnung und musste und sollte so geschehen. Trotzdem kann ich nicht umhin, der Bruderschaft für ihre Standhaftigkeit zu danken, und ihnen einen übergesetzlichen Notstand zuzuerkennen, analog demjenigen, der für die Rettung des Juden vor dem KZ lügt, oder der ein Passagierflugzeug abschießt um zehntausend Menschen im Hochhaus zu retten.

Die Piusbrüder müssen ihre Strafe aufrecht tragen und für ihr Verhalten sich verantworten – vor den Menschen, aber mehr noch vor Gott. Doch ich glaube, das können sie auch, und kommen dabei trotz ihres formalen Rechtsbruchs und Ungehorsams noch eigentlich recht gut weg.

So, jetzt habe ich mich zwischen alle Stühle gesetzt, wie ich es nur zu gern tue. Die Piusbrüder sind im Unrecht, sage ich ihren Anhängern. Und irgendwie aber auch im Recht, weil ihr Handeln doch durch eine Art übergesetzlichen Notstand gedeckt ist, sage ich ihren Gegnern.