Erziehung als Kulturkampf (Teil 4/4)

Es folgt der vierte und letzte Teil des Essays „Erziehung als Kulturkampf“. Hier geht es zum ersten, zweiten und dritten Teil.

10. Bildung als Formung der Person

Erziehung ist mehr als Betreuung, und jetzt, in einem nächsten Schritt, sehen wir, dass Bildung wiederum noch mehr ist als Erziehung. Bildung basiert auf Erziehung. Erziehung initiiert das Kind in eine kulturell-kultische Ganzheit; Bildung „bildet“, also „formt“ den Menschen, und ganz besonders seinen Geist. Natürlich gehört dazu auch das Lernen von „Kompetenzen“ und „Wissen“, doch liegt hier nicht der eigentliche Mittelpunkt von Bildung. Bildung ist die Formung der vom Erzieher geführten Persönlichkeit. Der Erzieher führt das Kind zu dem gewünschten geistigen Ort, und dabei wird dieses Kind durch Bildung geformt. Erziehung und Bildung lassen sich also überhaupt nicht trennen. Jeder Akt der Bildung ist immer auch ein Akt der Erziehung. Und weil Erziehung niemals moralisch und religiös neutral ist, ist auch Bildung niemals moralisch und religiös neutral. Deswegen kann es auch keine staatliche Bildung in der pluralistischen Gesellschaft geben, ohne dass dadurch wieder der erwähnte Kulturkampf aufbricht.

11. Folgerungen

Damit sehen wir, dass die pluralistische Gesellschaft, die nach den jungen Kindern greift, die noch nicht in die Schule gehen, die Initiation dieser Kinder in eine relativistische Situation durchführt, die mit der katholischen Situation inkompatibel ist. Der Katholik kann daher seine Kinder keiner staatlichen oder staatlich kontrollierten „Betreuung“ anvertrauen, weil besagte Betreuung immer Erziehung ist, und speziell relativistische Erziehung.

Doch wir sehen ferner, dass dasselbe auch für staatliche Bildung, wie sind an Schulen angeboten wird, gilt. Der Katholik kann aus denselben Gründen auch nicht akzeptieren, dass seine Kinder an staatlichen Schulen gebildet werden, also eine Formung von Geist und Charakter erhalten, die selbst wieder relativistische Züge trägt, weil sie nicht anders kann, als auch erzieherisch wirksam zu sein.

Als Katholiken müssen wir daher prinzipiell staatliche Bildung, die sich „wertneutral“ oder „religiös neutral“ darstellt, ablehnen, weil sie Initiation in eine falsche Kult-Kultur-Ganzheit ist, damit einer Apostasie vom wahren Glauben Vorschub leistet, und dadurch die Seelen unserer Kinder in die ernstliche Gefahr des ewigen Todes bringt.

Als Alternativen bleiben kirchliche und private Schulen, sofern ihre erzieherische Initiationsrichtung zumindest weitgehend kompatibel mit der Katholischen ist, und, in dem freien Teil der Erde, selbstverständlich auch der Heimunterricht, der in unfreien Staaten wie Deutschland selbstredend verfolgt wird, weil der Staat keine „Parallelgesellschaften“, also keine nicht-relativistischen Kulturganzheiten neben sich dulden kann – was für Totalitarismen aller politischen Richtungen sehr typisch ist. Der Katholik muss versuchen, eine schulische Nische zu finden, in der die Initiationsrichtung nicht zu weit vom Katholizismus entfernt ist. In einem Land, in dem die natürlichen elterlichen Freiheiten so stark beschnitten worden sind, wie in Deutschland, stellt schon das eine schwere Aufgabe dar, doch sie ist noch nicht unlösbar. Es gibt immer noch gute Schulen, wenn sie auch selten sind.

Für die vorschulische Zeit ist jedoch, von genuinen Notsituationen abgesehen (und einmal keinen Urlaub machen zu können, zählt nicht als Notsituation!), von einer „Betreuung“ außerhalb des Elternhauses generell abzuraten. Die Schaffung des tiefen Vertrauens, die, wie wir gesehen haben, eine wesentliche Voraussetzung für erfolgreiche Erziehung und Bildung ist, hat in den ersten Lebensjahren unbedingten Vorrang. Dies muss geleistet sein, bevor das Kind ins Schulalter kommt, und dies können nur die Eltern des Kindes leisten, besonders die Mutter, die das Kind eben nicht der Selbstverwirklichung wegen verlassen sollte.

Die hier für den Katholiken dargelegten Erwägungen treffen natürlich auch für den Anhänger einer anderen wahrheitsfähigen Religion zu, also für alle ernsthaften Christen, Moslems und (orthodoxen) Juden.

12. Schlussbemerkung: Erziehung zum Seelenheil

Die aktuelle Debatte um die Erziehung von Kindern in Kitas ist daher ein weiterer schwerwiegender Angriff auf die katholische Religion der Kinder katholischer Eltern, und aller anderen, die von ihrer Religion ernsthaft überzeugt sind, und daher ein weiterer widerwärtiger Akt im Kulturkampf, den die relativistischen Eliten gegen die westliche Kultur von Athen, Rom und Jerusalem führen.

Die Forderung nach einer Kitapflicht oder einer Kindergartenpflicht ist als Angriff auf die wahre Religion katholischer Kinder zugleich auch ein schwerwiegender Angriff auf das Seelenheil katholischer Kinder. Und wir wissen, woher Angriffe dieser Art in letzter Konsequenz kommen, und wie wir ihnen begegnen können.

Sancte Michael Archangele,
defende nos in proelio;
contra nequitiam et insidias diaboli esto praesidium.
Imperet illi Deus, supplices deprecamur:
tuque, Princeps militiae Caelestis,
satanam aliosque spiritus malignos,
qui ad perditionem animarum pervagantur in mundo,
divina virtute in infernum detrude.
Amen.

Erziehung als Kulturkampf (Teil 3/4)

Es folgt der dritte Teil des Essays „Erziehung als Kulturkampf“. Hier geht es zum ersten und zweiten Teil.

7. Folgen staatlicher Kindererziehung

Was passiert nun, wenn ein Staat nach den Kindern greift? Da es keine religiöse und moralische Neutralität gibt, wird der Staat – bewusst oder unbewusst – eine ganz bestimmte religiöse und moralische Initiation, ein tief im Menschen sitzendes Grundverständnis von Kult, Kultur und Moral erschaffen und in den Kindern, die ihm anvertraut sind, verankern. Dasselbe gilt auch für den Erziehenden, der formal privat ist, aber der staatlichen Lizenz bedarf und staatliche Regulierung des Inhalts seiner Erziehungstätigkeit zu befolgen hat.

In der DDR hat der Staat das absichtlich getan, um die Kinder zu guten Sozialisten zu erziehen. Doch selbst wenn er gar keine Indoktrination beabsichtigt, kann er nicht anders als zu erziehen, bewusst oder unbewusst, wenn ihm die Kinder anvertraut sind.

Nehmen wir den pluralistischen Staat an, der es wirklich nur gut meint, und keine Indoktrination beabsichtigt; nehmen wir also den bestmöglichen Fall an. Seine Erziehung im Geiste der religiösen und moralischen Neutralität ist eine Fiktion, weil es keine wahre Neutralität gibt, wie wir gesehen haben. „Alle Religionen sind gleichermaßen privat“ und „Moral ist Privatsache“ sind nicht neutral, sondern indifferentistisch. Sie sind ebenfalls Teil einer ganz bestimmten Kult-Kultur-Ganzheit, nämlich einer Kultur des Pluralismus und Indifferentismus, die sich in Abgrenzung zu anderen Ganzheiten derselben Art definiert. Man könnte diese Ganzheit als „Relativismus“ bezeichnen.

8. Sieg staatlicher Initiation – Entrechtung der Eltern

Die Initiation in den Relativismus schließt eine gleichzeitige konfliktfreie Initiation in eine andere Kult-Kultur-Ganzheit aus. Man kann nicht zugleich zum Relativisten und zum Katholiken erzogen werden. Es kommt hier zu unauflöslichen Konflikten, zu Widersprüchen. Wer wird sich durchsetzen? Der, der den stärksten Einfluss auf das Kind hat. Wer ist das? Der Erzieher, dessen Initiationsrichtung identisch mit derjenigen der Massenmedien, der meisten Gleichaltrigen und der meisten sonstigen Einflüsse ist, die auf das Kind einwirken. Die Eltern, die das Kind an so manchem Abend sehen, werden da wenig gegen tun können. Sie sind damit faktisch entmachtet und entrechtet worden.

Die staatliche Kindererziehung ist also immer gleichbedeutend mit Initiation in die herrschende Kultur, die immer auch zugleich Initiation in den herrschenden Kult und die herrschende Moral ist. In der heutigen Gesellschaft sind dies die relativistische Kultur, die Religion subjektiver, scheinbar moralfreier Spiritualität, und die Moral, die den höchsten Wert in subjektiver Zufriedenheit sieht. Die Initiation in die durch diese Merkmale beschriebene gesellschaftliche Situation ist notwendige Folge staatlicher Kindererziehung in der heutigen Gesellschaft.

Die gesellschaftliche Situation, d.h. der geistige Ort, an dem die Person sich nach erfolgter Initiation befinden wird (sich situiert haben wird), ist je nach Kult-Kultur-Ganzheit dramatisch verschieden. Im Fall der Opposition zwischen modernem Relativismus und Katholizismus ist dieser Gegensatz besonders eklatant, da die Gegensätzlichkeit in allen drei Dimensionen der Initiation – Kultur, Kult und Moral – äußert.

Erziehung ist, wie schon gesagt, Initiation in eine Kulturganzheit, und daher in einer Gesellschaft, in der mehrere Kulturen koexistieren müssen, immer entweder privat oder Gegenstand eines Kulturkampfes.

9. Erziehung als Kulturkampf

Staatliche Kindererziehung ist also in der pluralistischen Gesellschaft immer ein Kulturkampf, weil der Staat nur in eine Kulturganzheit initiieren und nur eine Situiertheit anstreben kann. Dieser Kulturkampf ist nicht von den Katholiken begonnen worden, weil die Katholiken nicht nach der Verstaatlichung der Kindererziehung gerufen haben. Aber die Katholiken müssen ihn kämpfen, weil es hier nicht nur um Kultur, sondern auch um Moral; nicht nur um Moral, sondern auch um den Kult, d.h. den wahren Glauben, die wahre Religion, geht. Und weil ohne diese wahre Religion das ewige Seelenheil der Kinder in Gefahr ist.

Wir sehen heute, wie man von „Betreuung“ spricht, die die Kinder in Kitas erhalten sollen. Der Erziehungsbegriff, den die progressivistischen Eliten uns aufzwingen wollen, ist ein auf Betreuung beschränkter Begriff, weil die Initiation in eine materialistische Kultur erfolgen soll, in der die höchsten Werte selbst wieder materiell sind. Materielle Dinge können Betreuer leisten. Da die gewünschte Erziehung einen materialistischen Menschen hervorbringen soll, braucht der Erzieher nicht mehr zu tun, als zu betreuen. Doch für uns ist Erziehung mehr als Betreuung, weil der Mensch kein Materiehaufen ist, sondern eine Person, ein einzigartiges Geschöpf aus Körper und Seele, Materie und Geist, in dem beide Aspekte fest miteinander verwoben sind, so dass sie sich nur durch den Tod trennen lassen.

Der Betreuer ist schon seinem Namen nach immer ein Materialist. Er kann nicht anders, es sei denn, er wollte mehr tun als einem Betreuer zusteht, und zu einem sich selbst als ein solcher verstehenden Erzieher werden.

Soweit der dritte Teil des Essays „Erziehung als Kulturkampf“. Der vierte und letzte Teil wird voraussichtlich morgen veröffentlicht.

Erziehung als Kulturkampf (Teil 2/4)

Es folgt der zweite Teil des Essays „Erziehung als Kulturkampf“. Der erste Teil findet sich hier.

3. Zweitrangigkeit materieller Faktoren

Noch weniger heißt das, dass die Bildungsergebnisse nach den Maßstäben der schulischen Tests und beruflichen Leistungen nicht womöglich durch die Kita verbessert werden können. Vielleicht kann man durch systematische Abrichtung der Kinder auf die Aneignung karrierenützlicher Kenntnisse tatsächlich erreichen, dass die Kinder nach dem Maßstab der Welt im Durchschnitt besser sind, als daheim erzogene Kinder. Ich bezweifle es, aber ausschließen kann ich es nicht.

Doch darauf kommt es auch gar nicht in erster Linie an. Der Zweck von Bildung besteht nicht in erster Linie in der Erlangung möglichst hohen ökonomischen oder schulischen Erfolgs. Bildung ist nicht für den Arbeitsmarkt, sondern für den Menschen da. Wenn Kinder, die bei ihren Eltern aufgewachsen und von ihnen erzogen worden sind, tatsächlich schlechter in der Schule und später auf dem Arbeitsmarkt zurecht kommen sollten, dann wäre das ein notwendiger Preis für die Rettung der ganzheitlichen, wahren Bildung, die den ganzen Charakter, die ganze Person erfasst, und die in der Kita im Normalfall einfach nicht möglich ist.

Um es noch einmal zu wiederholen: Ich bin davon überzeugt, dass daheim erzogene Kinder auch auf dem Arbeitsmarkt besser prosperieren werden, als die gezüchteten Ameisenmenschen aus der Kita-Legebatterie. Aber selbst wenn nicht, selbst wenn alle daheim erzogenen Kinder zu einem Leben in bitterer Armut verdammt wären, wäre dies kein Argument für die Kita, sondern ein Argument für den Wert der Armut.

Ein ganz armer Mensch mit einem reichen Charakter ist tausendmal besser als ein ganz reicher Mensch mit einem armen Charakter.

Und ein reicher Charakter kommt meistens dann zustande, wenn das Kind erzogen, und nicht nur betreut wird. Worin besteht der Unterschied?

4. Erziehung als teleologischer Begriff

Betreuung ist, wie oben beschrieben, der Vorgang, durch den das Kind alles bekommt, was es materiell braucht. Es wird versorgt. Alle seine messbaren Bedürfnisse werden erfüllt.

Erziehung ist vollkommen anders gelagert. Ein Kind zu erziehen (educare) bedeutet, das Kind zu führen. Doch wenn man jemanden führen will, muss man zuerst sein Vertrauen erlangen, sonst wird er nicht mitkommen. Und mehr noch: Wenn man jemanden führen will, muss man wissen, woher man kommt, und vor allem wohin man will. Erziehung ist immer Weg zu einem Ziel. Erziehung ist wesentlich teleologisch, auf einen bestimmten Zweck gerichtet. Daher gibt es auch keine wertneutrale Erziehung. Jede Erziehung ist Werteerziehung. Jede Erziehung ist moralische Erziehung.

Man muss sich ferner darüber klar werden, dass man nicht nicht erziehen kann. Jeder Kontakt mit dem Kind ist Erziehung. Wenn man nicht weiß, wohin man das Kind führen möchte, führt man es ziellos. Man ist dann ein schlechter Erzieher.

5. Erziehung als ganzheitliche Initiation

Gehen wir jetzt einen Schritt weiter: Erziehung ist nicht nur Führung, sondern Führung zu einem ganz bestimmten Ziel. Doch Erziehung ist mehr als dies. Sie ist immer Initiation. Wer ein Kind erzieht, führt es ein, und zwar in eine Kultur. So wie moralische Überzeugungen niemals bloß individuell, sondern immer kulturell verwurzelt sind, und wie ein Glaube in Abwesenheit einer religiösen Gemeinschaft meist nicht lange fortbestehen kann, so gibt es auch keine Erziehung ohne Initiation in eine Gemeinschaft. Das erzogene Kind ist initiiert in die Geheimnisse der Kultur, in der es leben soll.

Das, wodurch ein Mensch initiiert wird, nennt man einen Ritus, nämlich einen Initiationsritus. Es ist sehr treffend, dass Kultur und Kult so eng verbunden sind – beide sind rituell. So wie man durch kultische Riten in eine religiöse Gemeinschaft aufgenommen wird, so wird man durch kulturelle Riten in die weltliche Gemeinschaft aufgenommen. Es gibt keine totale Trennung von Kultur und Kult, weil es derselbe Mensch ist, der sowohl kulturell als auch kultisch agiert. Es gibt daher auch keine totale Trennung von kultischer Initiation und kultureller Initiation. Deswegen ist jede Erziehung zumindest teilweise Erziehung zum Kult, also religiös. Es gibt also auch keine religiös neutrale Erziehung.

Unter Erziehung verstehen wir also einen Prozess, durch den der Mensch in die Gesamtheit aus Kult und Kultur seiner Gesellschaft initiiert wird, indem er die Geheimnisse (Mysterien) seiner Kult-Kultur-Ganzheit lernt. Dieser Prozess ist immer zugleich moralisch und religiös.

6. Problem des Pluralismus

Daraus folgt sofort, dass in einer pluralistischen Gesellschaft (der Gesellschaft, in der viele Kulte und Kulturen nebeneinander bestehen) niemals Einigkeit über die Erziehung der Kinder herrschen kann, weil keine Einigkeit über die Natur der notwendigen kulturellen, moralischen und kultischen Initiation vorliegt. Diese Fragen ausklammern zu wollen, indem man sie zur Privatsache erklärt, ist die Lösung der Liberalismus. Doch damit verunmöglicht man Erziehung grundsätzlich. Es gibt keine liberale Erziehung, weil es keine religiös und moralisch neutrale Erziehung gibt. Entweder das Kind wird durch die Erziehung in Kult und Kultur des Liberalismus initiiert – wobei der Liberalismus auch eine ganz bestimmte Weltanschauung ist, die Agnostizismus und eine ganz spezifische Kultur in sich fasst – oder es wird gar nicht bewusst erzogen, was wieder die Situation bloßer Betreuung schafft (also unbewusste Erziehung in rein materieller Weise)

Kinder staatlich zu erziehen ist daher nur in einer kultisch und kulturell homogenen Umgebung möglich. Es ist auch nicht praktikabel, die kultischen Aspekte von der sonstigen Erziehung zu separieren und in einen „Religionsunterricht“ auszulagern, weil Kult und Kultur eben nicht zwei unabhängige Aspekte sind, sondern sich gegenseitig durchdringen. Das eine geht nicht ohne das andere. Die Initiation des Kindes in die eine Welt ist nicht denkbar, solange sie nicht die korrespondierende andere Welt ebenfalls in sich fasst, weil eine andere Kultur zu einem anderen Kult und ein anderer Kult zu einer anderen Kultur führt. Erziehung kann also nur „ganzheitlich“ sein, also alle „Subsysteme“ des Menschen gleichzeitig betreffen. Entweder der ganze Mensch wird initiiert, oder der Mensch wird gar nicht initiiert.

Soweit der zweite Teil des Essays „Erziehung als Kulturkampf“. Der dritte Teil wird voraussichtlich am Montag veröffentlicht.

Erziehung als Kulturkampf (Teil 1/4)

Einleitung: Eine unheilige Kraft

Immer wieder hört man von den Anhängern der Fremdbetreuung von Kindern, man wolle den Kindern bereits frühzeitig Bildung vermitteln. Die Ministerprasidentin von NRW, Hannelore Kraft (SPD) bekannte sich gegenüber der Frankfurter Allgemeinen eindeutig zu der Absicht, langfristig alle Kinder ab dem ersten Lebensjahr zu „verkrippen“.

Kraft sagte der F.A.S., die SPD sei sich mit der CDU bisher darin einig gewesen, dass Bildung in der Kita beginnen müsse. „Dann müssen wir auch sicherstellen, dass alle Kinder da sind.“

Das Ziel ist also klar: Alle Kinder sollen ab dem ersten Lebensjahr in der Kindertagesstätte „betreut“ werden. Zuerst wird man es mit freiwilligen Angeboten versuchen. Doch inzwischen wird auch offen über einen Krippenzwang diskutiert, und zwar „sachlich“, wie Cem Özdemir demselben Artikel zufolge forderte.

Was steckt dahinter? Einerseits natürlich der übliche radikale Feminismus, der die Mobilisierung aller Frauen für den Arbeitsmarkt als Hauptziel der „Emanzipation“ sieht. Mit anderen Worten: Erst wenn die Frau wie der Mann geworden ist und ihre Mutterrolle als veralteten kulturellen Ballast abgestreift hat, kann sie wirklich frei sein. Diesen Feminismus, der den Mann ganz chauvinistisch als von Natur aus überlegen sieht, und möchte, dass Frauen ihrer Weiblichkeit und Mütterlichkeit entsagen, um sich zu vermännlichen, findet man in allen relevanten politischen Parteien der Bundesrepublik. Doch um ihn soll es in diesem Artikel auch gar nicht gehen.

1. Die Möglichkeiten der Betreuung

Es steckt nämlich noch einiges mehr hinter dem Kitawahn der progressivistischen Eliten. Bildung sollen die Kinder erlangen, die man in die Kita einweist. Es ist seltsam, wie verformt ein Bildungsbegriff sein muss, bevor man ernsthaft glauben kann, man könne in einer Kita, einem Kindergarten oder einer staatlichen Schule „Bildung“ erlangen. Tatsächliche Bildung ist nämlich immer ganzheitlich, das heißt es geht nicht um die Vermittlung von „Kompetenzen“ oder „Kenntnissen“ für sich genommen, sondern um die Bildung der ganzen Persönlichkeit, des ganzen Charakters, des ganzen Menschen.

Der oft verwendete Begriff „Betreuung“ ist gänzlich unzureichend, um das zu beschreiben, was die Eltern mit dem Kind tun, wenn sie sich selbst darum kümmern. „Betreuen“ können Kitas die Kinder jederzeit. Dazu sind keine besonderen Voraussetzungen notwendig. Ein „betreutes“ Kind erhält alles, was es zum Leben wissenschaftlich gesehen braucht. Es bekommt Nahrung, Wasser, falls sinnvoll ein Bett, pädagogisch und psychologisch wohl ausgewählte Spielsachen, Kontakt mit anderen Personen, darunter Betreuerinnen, die wissenschaftlich verantwortete Zuneigungsplacebos absondern, um dem Kind die benötigte Zuneigung wenigstens vorspiegeln zu können; ferner Kompetenzen und Fähigkeiten, und später, wenn es älter ist, schulisches Wissen. Das Kind erhält, klinisch rein, alles, was es „objektiv“ betrachtet braucht. Das ist der Idealfall einer außerfamiliären „Betreuung“. Im Regelfall liegen die Dinge natürlich nicht so gut. Die Betreuer sind unzufrieden, manche unfähig, die Gruppen zu groß, die Umgebung nicht so wunderbar pädagogisch wertvoll, wie sich die kinderlosen Pädagoginnen ausgedacht haben usw.

2. Keine Bildung ohne Vertrauen

Es fehlt aber alles, was man als wahre Bildung bezeichnen kann, als Bildung im oben erwähnten ganzheitlichen Sinn. Eine solche Bildung beginnt immer mit dem, was man „Vertrauen“ nennt. Es handelt sich dabei nicht um die Art rationalen Vertrauens, den ein Erwachsener, oder ein älteres Kind, einer anderen Person entgegenbringt, weil man sich darauf verlassen kann, dass der andere sich auch an die Spielregeln halten wird. Es ist ein „Urvertrauen“. Kinder können ohne dieses Urvertrauen überhaupt gar keine ganzheitliche Bildung bekommen. Doch dieses tiefe Vertrauen kann man durch keine noch so professionelle, universitätsgebildete Betreuerin simulieren. Sie macht ihren Job; wenn sie sehr gut ist, macht sie ihren Job sehr gut. Doch sie liebt die Kinder nicht wie eine Mutter sie liebt – sie ist nämlich nicht die Mutter. Sie ist bloß eine Fremde. Das tiefe Vertrauen fehlt also selbst in der idealen Kita. Da sie ganztägig ist, erlebt das Kind seine Eltern nur als beiläufige Charaktere, die irgendwie auch manchmal da sind, ohne aber zu der Mutter eine ebensolche tiefe Vertrautheit aufbauen zu können, wie es für wahre Bildung bräuchte.

Damit fehlt selbst in der idealen Kita jegliche Voraussetzung für ganzheitliche Bildung. Natürlich heißt das nicht, dass es nicht Fälle geben könnte, in denen Kinder mit der Lage ganz gut klarkommen und keine Schäden davontragen. Ausnahmen bestätigen im Umgang mit Menschen immer die Regel – es gibt keine exakte Wissenschaft vom Menschen.

Soweit der erste Teil des Essays „Erziehung als Kulturkampf“. Der zweite Teil wird voraussichtlich morgen veröffentlicht.

Lobt-die-Hirten-Woche: Limburger Nachwuchs (Teil 5/6)

Der Limburger Bischof Franz Peter Tebartz-van Elst, geboren 1959, gehört mit 52 Jahren zum jüngeren Teil des deutschen Episkopats. Zudem ist er oft als Hoffnungsträger für den romtreuen Teil der katholischen Kirche bezeichnet worden. Stimmt das? Nun, wenn man sich einen Spiegel-Artikel aus dem Jahr 2010 anschaut, so muss er wohl irgendwie einen Nerv getroffen haben: Einige Zitate:

Tebartz-van Elst, 50, ist einer der jüngsten deutschen Bischöfe und für manche die derzeit größte Hoffnung: als Mann der Antimoderne, einer mit dem Ideal der „marianischen Berufung“, der fromme Traditionen wiederbelebt und den weltlichen Zeitgeist bekämpft.

(…)

Zügig machte er sich daran, seine Diözese auf Kurs zu bringen. Protagonisten der Kamphaus-Kirche [Kamphaus war Tebartz-van Elsts Vorgänger im Bistum]  verloren ihre Posten oder suchten freiwillig das Weite. Schützenhilfe gab es von seinem väterlichen Ratgeber (Hört sich gut an.) Meisner aus Köln, der seinen Zögling in das Amt eingeführt hat und regelmäßig telefonisch berät. Von ihm bekam Tebartz-van Elst auch bewährtes Leitungspersonal für seine Pressestelle und das Diözesangericht vermittelt. Von einem „guten mitbrüderlichen Verhältnis“ schwärmt denn auch die Pressefrau mit Blick auf ihren alten und ihren neuen Chef. Wenn es gut für ihn läuft, könnte Tebartz-van Elst schon bald Meisners Erzbistum erben. (Wäre zu hoffen. Sonst wüsste ich kaum einen geeigneten Kandidaten.)

(…)

Ob die Proteste im Bistum Limburg dabei im Vatikan als Empfehlung dienen oder schaden, ist vorerst offen. Sicher ist: Der Streit zwischen Bischof, Priestern und Gläubigen ist hier so heftig wie in kaum einer anderen deutschen Diözese. (Ein heftiger Streit zwischen den Verbandskatholiken und der Mehrzahl der Laienfunktionären auf der einen Seite und dem Bischof und kirchentreuen Katholiken auf der anderen Seite ist zwar sicher nicht ideal, aber der Streit ist lange überfällig. Dass er so heftig ausgetragen wird, zeigt uns, woher der Wind unter Bischof Tebartz-van Elst weht. Hier versucht jemand zumindest ein wenig aufzuräumen. Irgendwie trifft der Mann einen Nerv; wir werden gleich noch sehen warum.)

(…)

Der Limburger Bischof stehe „für eine Rolle rückwärts in die Mitte des vorletzten Jahrhunderts“ (Wie gesagt, klingt gut. Wenn man falsch abgebogen ist, dann ist derjenige, der zuerst umkehrt, der wahrhaft fortschrittliche Mensch, wusste schon C.S. Lewis) , bedauert Albert Dexelmann, 63, ebenfalls Pfarrer im Bistum.

(…)

Schnell machte er Karriere, schon im Priesterseminar fiel er durch eine „liturgiefixierte“ Frömmigkeit („Save the Liturgy, Save the World“, um Father Z zu zitieren) auf, in Münster weihte ihn 2004 der damalige, dem Opus Dei nahestehende Ortsbischof zum Weihbischof, vier Jahre später folgte schon der Ruf nach Limburg. (Eine Blitzkarriere. Doch wohin führt sie?)

(…)

„Die Kirche darf nicht in der Welt aufgehen und sich ihr gleichmachen, weil ihre Botschaft über die Welt hinausgeht“, so Tebartz-van Elst, „eine vorschnelle Anpassung an scheinbare Mehrheiten und Meinungen“ dürfe es nicht geben.

(…)

In Limburg wird derweil deutlich, wie Tebartz-van Elst „die Zukunft des gelebten Glaubens“ konkret versteht. Statt 341 Pfarreien soll es künftig nur noch wenige Großgemeinden geben. (Welch eine hervorragende Idee! Dadurch wird der Funktionärskaste so ziemlich das Wasser abgegraben. Wie viele „GemeindereferentInnen“ und „GemeinderätInnen“ da wegrationalisiert werden können! Wie sehr Priester sich wieder auf ihre Pfarrei konzentrieren können, statt mehrere Gemeinden versorgen zu müssen! Dieser Reformplan ist ein großer Wurf, wenn er denn konsequent und ohne Kompromisse durchgezogen wird. Bei etwa 76000 regelmäßigen Messbesuchern braucht man keinesfalls mehr als 100 Pfarreien. Da wundert man sich auch nicht mehr über die wütenden Angriffe gegen den Bischof seitens des verbandskatholischen Apparats.)

(…)

Wer von den Verbandskatholiken, WirrSündKirsche und dem Spiegel dermaßen angegriffen wird, der kann eigentlich kaum ein schlechter Hirte sein…

Der Bischof scheut sich auch nicht, zugunsten von Familien Stellung zu nehmen, wie aus dem kath.net-Artikel hervorgeht, den ich hier anführen möchte. Der Bischof wird dort zitiert:

Eltern tragen eine unabweisbare Verantwortung für ihre Kinder, die ihnen anvertraut sind. (Ihnen, den Eltern, nicht dem Staat.) Um dieser Verantwortung, besonders in den ersten Jahren, gerecht werden zu können, brauchen Eltern eine ausreichend abgesicherte existentielle Grundlage. (Eltern, nicht Krippen, müssen gefördert werden, wenn man denn schon staatliche Sozialprogramme einführen möchte.) Fragt man die Eltern selbst nach ihren äußeren Bedürfnissen für diese Zeit, dann lassen sich die Antworten im Wesentlichen den drei Aspekten Zeit, Geld und Infrastruktur zuordnen. (Wobei nicht ganz klar ist, wie dieser Satz in die Stellungnahme hineinpasst. Klar wollen Eltern Zeit und Geld. Infrastruktur kann sich wohl in diesem Zusammenhang nur auf Krippen und Kindergärten beziehen, worin man sieht, dass selbst der Bischof nicht vor Fehlschlüssen gefeit ist, wenn es um derartige praktische Fragen geht. Eltern mögen – heute ist alles vorstellbar – ihre Kinder lieber an externe Institutionen abtreten als sich selbst um sie zu kümmern. Warum das auch noch positiv erwähnt werden sollte, statt die dahinterstehende gleichgültige Haltung gegenüber dem „Konsumgut Kind“ scharf zu kritisieren, ist mir schleierhaft). Aus der Sicht der Kirche begrüße ich jene Initiativen, die Eltern in ihrem Erziehungsauftrag ausdrücklich unterstützen. Wo Eltern in der Lage sind, ihren Kindern in den ersten Lebensjahren zu geben, was für deren leibliche und seelische Entwicklung erforderlich ist, sollte der Staat dies deutlicher stärken. (Wie viele Jahre? Zwei? Drei? Sechs? Oder sollten Eltern ihren Kindern vielleicht immer das geben, was für „deren leibliche und seelische Entwicklung erforderlich ist“, statt sich egozentrisch selbstzuverwirklichen?) In unserer Gesellschaft ist bei aller Wertschätzung institutioneller Betreuung (warum sollte man, außerhalb von Extremsituationen das Ablegen von Kleinkindern in Betreuungslegebatterien wertschätzen? Vor allem, wenn es sich auch noch um säkularistische DDR-artige Krippen handelt?) das Bewusstsein entschiedener zu fördern, dass eine verlässliche Eltern-Kind-Beziehung gerade in den ersten Lebensjahren nicht einfach institutionell ersetzt werden kann. (Doch der Bischof bekommt die Kurve und sagt wenigstens noch das Wesentliche. Auch wenn er doch arg hinter der traditionellen katholischen Soziallehre der Kirche zurückbleibt, die doch die natürliche Familie etwas höher eingeschätzt hat, als es aus diesem Text deutlich wird.)

Das vor einigen Jahren anstelle des zweijährig gezahlten Bundeserziehungsgeldes eingeführte maximal bis zum 14. Lebensmonat gezahlte Elterngeld stellt viele Eltern nach Ablauf dieser Zeit vor die Entscheidung, die weitere Elternzeit anderweitig finanziell abzusichern oder aber das Kind in Fremdbetreuung zu geben und – ganztägig oder in Teilzeit – wieder in die Berufstätigkeit zurückzukehren. (Diesen schwerwiegenden Missbrauch staatlicher Gewalt hätte Papst Leo XIII. wohl nicht sehr positiv beurteilt, und mit ihm auch die anderen Päpste. Aus der Enzyklika Rerum Novarum: „Wenn Individuum und Familie, nachdem sie im Verbande der staatlichen Gesellschaft sind, seitens der letzteren nur Schädigung fänden statt Nutzen, nur Verletzung des ureigenen Rechtes statt Schutz, so würde der Staatsverband eher als Gegenstand der Abneigung und des Hasses erscheinen müssen denn als ein begehrenswertes Gut.“ Mal sehen wie Bischof Tebartz-van Elst das formuliert:) Viele individuelle Erfordernisse und Problemstellungen, wie etwa die Suche nach einer geeigneten Fremdbetreuungsmöglichkeit, eine Erkrankungsanfälligkeit oder eine langsamere Entwicklung des Kindes, erschwerte berufliche Wiedereinstiegsbedingungen und anderes mehr, machen diese Zeit der Umorientierung zusätzlich schwer. (Was soll daran relevant sein? Ja, es gibt manchmal Hindernisse, die die Zerstörung der natürlichen Familie erschweren. Feiern wir diese Hindernisse, statt ihre Existenz zu beklagen.)

Deshalb ist es – ganz unabhängig von jeder Bewertung elterlicher oder institutioneller Betreuung (aber eine solche Bewertung wäre gerade die Aufgabe eines Bischofs, oder? Das ist seine Kernkompetenz.) – erforderlich, Eltern in dieser Lebensphase zusätzlich zu den bestehenden Leistungen Unterstützung anzubieten. In dieser Hinsicht ist das von der Bundesregierung ab 2013 geplante Betreuungsgeld ein Schritt in die richtige Richtung. (Das kann man wohl sagen. Doch die Prinzipien, die diesen Schluss ermöglichen, hat der Bischof leider verschwiegen oder modern schöngeredet) Zugleich ist die Feststellung des Familienbundes der deutschen Katholiken zu berücksichtigen, dass die vorgesehenen Leistungen von 100 Euro im zweiten Lebensjahr des Kindes (ab 2013) bzw. 150 Euro im zweiten und dritten Lebensjahr (ab 2014) bei weitem noch nicht ausreichend sind, um den Familien eine geeignete Absicherung zu geben. (Die Leistungen mögen nicht ausreichend sein. Ich gebe seiner Exzellenz Recht. Doch offen bleibt die Kernfrage der grundsätzlichen moralischen Bewertung der Abtretung von Kindern an staatliche oder andere säkularisierte Institutionen.)

Bei nüchterner Betrachtungsweise darf es der Politik weder um eine Entlohnung elterlicher Erziehungsleistungen noch um eine Prämie für den Verzicht auf Fremdbetreuung gehen, sondern um eine wertschätzende Ermöglichung notwendiger familiärer Handlungs- und Gestaltungsspielräume zum Wohl der Kinder. (Bei nüchterner Betrachtungsweise müsste der Staat jegliche Familienpolitik nach der katholischen Soziallehre ausrichten, wie sie in den Sozialenzykliken der Päpste dargelegt worden ist. So zu tun als ob Kinderlegebatterien auch nur entfernt vergleichbar mit der Erziehung in einer echten Familie seien, oder ein legitimes Mittel für den Regelfall sein könnten, ist nicht Teil der katholischen Soziallehre, deren Darstellung der Bischof hier bezogen auf das Thema der Kindererziehung zu unternehmen scheint.) Zielrichtung aller Bemühungen um das Wohl des Kindes muss deshalb für die Politik die Stärkung der Eltern in ihrer Erziehungsverantwortung sein. (Hier hingegen trifft der Bischof den Nagel wieder auf den Kopf. Die Erziehungsverantwortung der Eltern muss gestärkt werden).

Was können wir aus diesem Interview ziehen? In Bischof Tebartz-van Elst haben wir einen Hoffnungsträger vor uns, der sich wenigstens zu wichtigen Themen der Soziallehre äußert, statt belanglose Polit- und Soziologenfloskeln zugunsten staatlicher Preiskontrollen auf dem Arbeitsmarkt („Mindestlohn“) abzusondern. Zu bedauern ist allerdings, dass der Bischof eine grundsätzlichere Beschäftigung mit dem Thema Fremdbetreuung und Elternpflicht versäumt, in der es möglich gewesen wäre, auf der Basis der Lehre der Kirche grundlegende ethische Handlungsleitlinien zusammenzustellen, an denen sich eine gerechte, christliche Politik zu orientieren hätte. Dies unterlässt der Bischof, und beschränkt sich auf ein kurzes Statement, das an manchen Punkten in seiner Klarheit lobenswert ist, ohne jedoch die Konfrontation mit der etablierten feministischen Lobby in Politik, Medien und Gesellschaft auf die Spitze zu treiben, wie Bischof Mixa es vor einiger Zeit getan hat, oder wie es manche Hirten in den USA derzeit tun.

Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass aus dem Nachwuchs in Deutschlands Bischofskonferenz der Oberhirte von Limburg derzeit herausragt, weil er es schafft, sich mit den Verbänden in seinem Bistum anzulegen und eine richtungweisende Reform der Gemeindestrukturen vorantreibt. Er lässt jedoch noch die inhaltliche Prägnanz und Deutlichkeit eines Kardinal Meisner zu wichtigen Themen vermissen.

Alles in allem ist Bischof Tebartz-van Elst ein guter Hirte, der sich redlich um Treue zum Lehramt und das Heil der Seelen bemüht, und ihm gebührt daher, jenseits aller Ambivalenz und Vorsicht in seinen öffentlichen Äußerungen, über die ich weiter oben gesprochen habe, Lob und Dank.