Lichtschlag: Weniger Politik – mehr „monarchischer Geist“

Der Herausgeber von „eigentümlich frei“, einer im klassischen, besten Sinn des Wortes liberalen, also wirklich an Freiheit interessierten Monatszeitschrift, André Lichtschlag, hat einige sehr interessante und sehr treffende Worte in einem Interview mit Misesinfo.org zu verschiedenen wichtigen Themen gefunden. Ich empfehle die Lektüre des ganzen Interviews. Einige Auszüge mit rotem Kommentar von Catocon folgen.

Unter Politikern dürften Sie [Herr Lichtschlag] nicht allzu viele Abonnenten haben. Im einem der letzten Hefte findet sich eine Aussage Ihres Autors Edgar L. Gärtner „Früher wurde gelogen um des Überlebens willen. Heute lügen Politiker, um den Selbstmord Europas zu vertuschen“. Steht es so schlimm um uns?

Auch der selige Papst Johannes Paul II. sprach von der herrschenden „Kultur des Todes“. [Eigentümlich frei, ef, ist eine der wenigen nichtkatholischen Medien, in denen von solchen Begriffen überhaupt im positiven Sinne die Rede ist.] Kein Wunder, wir leben im schleichenden Sozialismus. Und am Ende ist Sozialismus immer gleichbedeutend mit Tod. [Es ist kein Zufall, dass der polnische Papst, dem zuweilen eine wichtige Rolle beim Zusammenbruch des Ostblocks zugeschrieben wird, auch das Wort von der „Kultur des Todes“ prägte. Der Zusammenhang zwischen Tod und Sozialismus ist frappierend.] Der russische Mathematiker und Philosoph Igor Schafarewitsch hat das wie kein anderer tiefgreifend analysiert in seinem Buch „Der Todestrieb in der Geschichte – Erscheinungsformen des Sozialismus“. Ein Beispiel: Paragraph 4 Absatz 4 der Tierschutz-Hundeverordnung besagt: „Ein Welpe darf erst im Alter von über acht Wochen vom Muttertier getrennt werden.“ Warum? Weil das Welpen ansonsten schwere Verhaltensstörungen – der langsame Tod – entwickelt. [Selbst im Tierreich tritt diese Mutter-Kind-Bindung sehr häufig auf. Wie viel mehr benötigt dann erst der Mensch eine solche Bindung, ist er doch in viel höherem Maße auch nachgeburtlich noch über viele Jahre abhängig von der Zuneigung, Zuwendung und Versorgung der Mutter!] Oder die Nahrungsaufnahme vollständig verweigert und stirbt – der schnelle Tod. Acht Wochen im Leben eines Hundes entsprechen nach gängiger Faustformel einem guten Menschenjahr. Und dies ist die Minimalforderung im Tierschutzgesetz. Nach dem Willen unserer Politiker dürfte Mutter dann schon wieder arbeiten und das Kind in der Verwahranstalt Krippe abliefern.[Klare Worte. Wenn die Liberalen in Deutschland alle so wären, könnte man glatt FDP wählen.] Und das ist nur ein Beispiel für den Tod als Weg der sozialistischen Gleichheit [Im Tod sind alle Menschen gleich, zumindest dem Körper nach. Und der Sozialist glaubt nicht ans ewige Leben. Gleichheit bedeutet den Tod, sofern sie nicht im christlichen Sinn als Gleichheit der Würde bzw. Gottesebenbildlichkeit verstanden wird. Leben ist ja gerade ein Spannungsverhältnis, ein geordnetes Gegeneinander von Differenzen. Wie öde und fade die weltumspannende Ursuppe, in der alle individuellen Vielfältigkeiten aufgehen müssen, damit keine „Ungleichheiten“ und „Diskriminierungen“ mehr bestehen! Jeder Schöpfungsakt in Genesis ist ein Akt der Unterscheidung, also Diskriminierung. Licht von Finsternis, Wasser oberhalb des Gewölbes vom Wasser unterhalb des Gewölbes, usw, bis schließlich auch Mann und Frau getrennt erschaffen werden – als Verschiedene, doch geeint durch ihre Gottesebenbildlichkeit. Gleichheit im sozialistischen Sinn ist Ent-Schöpfung.] , wie er sich unter anderem auch in der nordkoreanischen Grassuppe zur Volksbeköstigung präsentiert. Oder in mehr als 100 Millionen Ermordeten als Opfer der rotsozialistischen Experimente. [Die entprechende Rechnung für den hässlichen Zwilling, den nationalen Sozialismus, beginnen wir hier gar nicht. Sie ist auch so schon bekannt genug.] Oder in der Nach-uns-die-Sintflut-Einstellung des Lebens und Verzehrens im Jetzt auf Kosten von Zukunft und Vergangenheit, was Keynes bekanntlich mit dem sozialdemokratisch-programmatischen Satz umschrieb: „Auf lange Sicht sind wir alle tot.“ (Könnte man eine größere Antithese zur christlichen Hoffnung auf das ewige Leben denken?)

(…)

Kürzlich haben Sie in „eigentümlich frei“ einen Auszug aus dem Buch „Beyond democracy“ von Frank Karsten und Karl Beckmann abgedruckt.

Das im August auf Deutsch erscheinen wird, woran ich nicht ganz unschuldig bin.

Die beiden Autoren behaupten, „Demokratie“ bedeute nicht Freiheit und lasse die Tür offen für immer weiter zunehmende Staatseingriffe. So wie die Mehrheit der Menschen „Demokratie“ interpretieren dürfte, ein Widerspruch, oder? [Eine sehr interessante Frage. Wie ist nun das Verhältnis von Demokratie und Freiheit?]

Die meisten Menschen verwechseln Demokratie mit Freiheit. Sie halten sie für Synonyme. Dabei sind es eigentlich Gegensätze. Demokratie bedeutet, dass der Nachbar über die Höhe meines Gehalts abstimmt. [So kann man das sehen…] Es bedeutet Mitbestimmung von Fremden über meine persönlichen Belange. [Kollektivismus. Und solange der Mythos der Volkssouveränität geglaubt wird, kann die regierende Elite – und schon C.S. Lewis wusste, dass jede Regierung eine Oligarchie ist – sich immer mehr in private Angelegenheiten einmischen, weil das Volk ja glaubt, die Elite sei ihm verantwortlich. Die Elite wird das sehr amüsant finden…] Freiheit bedeutet Selbsteigentum und Selbstbestimmung in eigenen Belangen. [Dieses Freiheitsverständnis zeigt, dass Lichtschlag bei aller Sympathie doch kein traditioneller Katholik ist. Freiheit bedeutet nämlich etwas mehr als dies. Die erste Freiheit ist die Freiheit von der Sünde. Doch diese Einsicht steht einem Liberalen natürlich nicht zur Verfügung. Man sollte sie von Lichtschlag daher auch nicht erwarten.] Es ist kein Zufall, dass die Sozialisten ihr Diebstahlprogramm gerne mit der Forderung nach der „Demokratisierung aller Lebensbereiche“ – oder wie Willy Brandt es sagte: „Mehr Demokratie wagen!“ – schmücken. Demokratie weckt niederste Instinkte, vor allem den Neid. Demokratie ist eine Form des Kollektivismus.Und ein Mittel des schleichenden Sozialismus.Die großen alten griechischen Philosophen und die amerikanischen Gründerväter verachteten die Demokratie.[Als die Philosophen noch die Weisheit liebten, nicht bloß die Sophisterei…] Klingt verrückt? Weil die Huldigung der Demokratie in unseren Tagen zur Ersatzreligion wurde, zum Gott, der aber keiner ist, wie der Ökonom Hans-Hermann Hoppe so schön titelte.

Wenn es die Demokratie ist, die diese Fehlentwicklungen hervorbringt, was ist dann die Alternative? Wie sehen Sie die Privatrechtsgesellschaft, die Professor Hoppe u.a. in seinem neuen Buch “Wettbewerb der Gauner” beschreibt?

Hoppe entlarvt wie kaum ein anderer die Fehler und Probleme der Demokratie. Und er stellt heraus, warum im Zweifel eine traditionelle Erbmonarchie weniger schädlich ist. [!!] Hoppe steht in der Tradition der Österreichischen Schule der Nationalökonomie und erkennt mit deren Methoden, warum ein Staat immer die Tendenz hat, seine Kompetenzen Schritt für Schritt auf Kosten der Freiheit auszuweiten, auch und gerade in einer Demokratie. Insofern zeigt er, warum der Glaube an einen liberalen Minimal- oder Nachtwächterstaat naiv sein muss. [In der Tat. Denn aus einem solchen Staat ist etwa in den angelsächsischen Ländern seit dem 19. Jahrhundert der heutige Maximalstaat geworden, der sich in jede Ritze des privaten Lebens schiebt, um seine ideologischen Verirrungen über den Bürger zu stülpen.] Denn auch dieser wird sich ausweiten. Andererseits erscheint mir bei allem Erkenntnisgewinn auch die Hoffnung auf eine natürliche, staatsfreie Ordnung in gewisser Weise naiv zu sein. [Das ist generell das Problem mit radikalliberalen Staatsdenkern. Sie fordern eine anarchische Selbstorganisation, doch „Anarchie“ ist nur ein anderes Wort für „zukünftige Herrschaft des Stärksten!] Denn jedes Kind in einer Spielgruppe weiß, dass dort, wo ein Machtvakuum entsteht, es sich unweigerlich wieder füllt. Es liegt wohl in der Natur des Menschen, dass einige nach Macht und Gewalt streben, sobald sich die Möglichkeit ergibt. Und andere, noch mehr an der Zahl, wollen beherrscht werden und fürchten Eigenverantwortung. [Und jetzt kommen die hervorragenden Schlussfolgerungen, die meiner Ansicht nach die einzige prakikable Möglichkeit des Umgangs mit der pluralistischen, modernen Gesellschaft darstellt] Wenn das alles eine menschliche Konstante ist, wovon ich ausgehe, dann sollten wir in Demut nach den kleinen Lösungen suchen. Eine Rückkehr zum Monarchen von Gottes Gnaden – immerhin eine Ordnung, die über die Jahrtausende funktionierte [!!]– wird es nach 1789 und den vielschichtigen Folgen so ohne weiteres auch nicht geben. [„In Demut“ nach kleinen, lokalen Lösungen suchen, durch die Menschen mit ähnlichen Weltanschauungen, die ähnliche Ziele und Vorstellungen haben, zusammenfinden, und ihr jeweiliges Lebensmodell unbehelligt ausleben können. Das hieße radikale Dezentralisierung, Abbau internationaler Verpflichtungen, Rückkehr zum Regionalismus oder Lokalismus, Ende aller Weltregierungs- und Weltverbesserungsideologien usw. Natürlich ist das auch nicht umsetzbar. Doch eine andere Lösung gibt es nicht, sofern wir einigermaßen friedlich beisammen leben wollen. Der Multikulturalismus bzw. Pluralismus, wie er heute geradezu fanatisch gefordert wird, ist jedenfalls eine Illusion, weil er alle beteiligten Kulturen verstümmelt bzw. zu bloßen künstlichen Karikaturen herabwürdigt, in denen kein Volk mehr leben kann.] Insofern ist vielleicht am Ende die Demokratie dann doch wieder – wie Churchill einwarf – „die schlechteste aller Regierungsformen, ausgenommen alle anderen“. Und in ihrem Rahmen sollten wir so gut es geht nach kleineren, überschaubaren politischen und wirtschaftlichen Einheiten streben und „weniger Politik wagen“. [Das ist überhaupt die wichtigste Einsicht Lichtschlags. Viel zu viel ist „politisch“. Manche sagen gar, „alles ist politisch“. Doch Politik ist Kunst der Leitung der Polis, der Stadt, und sollte soweit wie möglich auf dieser kleinen Ebene bleiben.] Das fängt bei uns selbst, beim Einzelnen an. Ein wenig anarchische Ideen, republikanische Praxis und monarchischer Geist könnten dabei helfen. [Ein ganz schmackhaftes Gemisch, wie ich finde. Ich würde noch einen ganz kräftigen Schuss traditionellen Katholizismus dazutun, doch das kann Herr Lichtschlag in seinem kleinen lokalen Staatsgebilde auch anders halten, wenn er möchte. So sähe echte religiöse Toleranz aus – statt Indifferentismus.]

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Zum Sozialismus empfehle ich Divini Redemptoris von Pius XI.

Kontrast zweier Kulturen

Gefunden auf: National Catholic Register

Bischof Davies zu Eugenik und Holocaust

Der Bischof von Shrewsbury, Marc Davies, hat laut kath.net anlässlich eines britischen Holocaustgedenktags klare Worte zum Thema der Wiederkehr der Eugenik gefunden, und damit eine selten erwähnte Verbindung zwischen der Nazizeit und der teilweise tagesaktuellen politischen Fragestellung nach Wert und Würde des unschuldigen menschlichen Lebens gezogen. Kath.net berichtet:

Seit dem Holocaust hätten Massenmorde und Völkermorde „weiterhin die Geschichte verunstaltet“. Und „wir können nicht vergessen, dass sich die Rückkehr“ der Eugenik „direkt gegen die Ungeborenen und die Schutzlosen richtet, die man ‚lebensunfähig‘ nennt oder die mit dem ‚Gnadentod‘ bedroht werden. Der Kampf gegen das Böse geht weiter“.

Es findet tatsächlich eine Rückkehr der Eugenik statt, vielleicht nicht mehr in der direkten Absicht der Ausrottung von als minderwertig empfundenen Rassen, doch in einer eng verwandten Absicht. Seit Jahren drängen einflussreiche Kräfte in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien auf die Legalisierung der Tötung altersschwacher, schwerkranker und angeblich nicht mehr lebenswerter Menschen, zuerst noch unter dem Deckmäntelchen der Freiwilligkeit. Doch wie freiwillig ist die Handlung eines alten, kranken Menschen, dem gesellschaftlich über Jahre hinweg suggeriert wird, sein Leben sei doch nicht mehr lebenswert? Allein dieses eine Argument fegt schon die jahrelange Propaganda zum Thema restlos hinfort. Was die interessierten Eliten nicht an der weiteren Verschärfung der Propaganda hindert.

Die Vorstellung, Eugenik sei die Domäne der Nazis gewesen, ist im übrigen vollkommen falsch. Eugenik war, gerade unter den fortschrittlichen, modernen Eliten des frühen 20. Jahrhunderts „der letzte Schrei“. Man dürfe, so entschied der amerikanische Supreme Court, sicher kein Hort des Nationalsozialismus, Zwangssterilisierung durchführen, da „drei Generationen von Geistesschwachen genug“ seien. In den üblichen fortschrittlichen Ländern der USA, darunter an erster Stelle Kalifornien, waren diese Methoden besonders beliebt. Es gibt sehr interessante Parallelen zwischen der Arbeit von Margaret Sanger, der Gründerin von Planned Parenthood, in den 1920er Jahren (sie war übrigens gern gesehener Gast beim Ku-Klux-Klan wegen ihrer Haltung zur Entsorgung der angeblich minderwertigen Schwarzen) und der Arbeit der von ihr gegründeten Organisation bis heute. Verhütung, Sterilisierung, Abtreibung, Euthanasie, wenn möglich freiwillig, wenn nötig auch zwangsweise, immer aber in süßliche Lügen eingekleidet, um das Volk über die wahren Absichten zu täuschen – das war damals das Programm, und das ist es bis heute.

So gehört eine zumindest wohlwollende Neutralität gegenüber der zwangsweisen Bevölkerungskontrolle mittels Abtreibungen durch die chinesische Ein-Kind-Politik unter einflussreichen Eliten in der westlichen Welt mehr oder weniger zum guten Ton. Abtreibung, Verhütung und Sterilisierung gelten schon fast als Grundrechte, und die Euthanasie wird gerade wieder hoffähig gemacht.

Damals ging es oft gegen „minderwertige“ Völker – man wollte die „minderwertigen“ Rassen auslöschen oder zumindest an der Fortpflanzung hindern, um die (in der Regel weiße) Herrenrasse zu fördern. Selbstverständlich zum Wohl der ganzen Menschheit, wurden doch dem Weißen allein die für Zivilisation und Fortschritt notwendigen Qualitäten zugeschrieben.

Heute ist man weniger differenziert. Es geht gegen alle Völker, in der Regel im Namen des Umweltschutzes. Der vom Menschen verursachte Klimawandel wird dazu gern als Vorwand benutzt. Weniger Menschen heißt nach dieser Ideologie auch weniger gefährliche Emissionen, und damit eine gesündere Umwelt. Nur bitte nicht den eigenen Luxus in Frage stellen, denn mit einer bescheideneren Lebensweise der Menschen wäre auch Platz für alle auf der Erde, aber darüber darf man ja nicht sprechen. Zuweilen wird zusätzlich zu dem Umweltargument auch noch von der Befreiung der Frau aus den Fesseln der Mutterrolle angesprochen, die bekanntlich ebenfalls eine sehr hohe Priorität unter westlichen Eliten einnimmt – im Namen der „Gleichstellung“ oder des „Gender Mainstreaming“, welches sowohl von der UNO als auch von der EU als wesentliches Ziel anerkannt und Entwicklungsländern aufgezwungen wird und die aggressive Unterstützung fast aller westlichen Staaten findet. Auch hier gilt natürlich: Weniger Kinder heißt weniger Belastung durch Kinder – also mehr „Freiheit“ für Frauen und Männer zu tun und zu lassen was sie wollen.

Die konkreten Motivationen mögen sich der Zeit anpassen – die Methoden tun es nicht, und sie sind genauso verwerflich wie damals. Auch wenn die heutigen Protagonisten nicht zum Ku-Klux-Klan gehen oder widerliche Schnurrbärte tragen.

Es ist schön, dass diese offensichtliche Parallele auch einmal von einem Bischof erkannt und angesprochen wird.

Schade, dass die deutschen Bischöfe lieber durch ihr Verhalten stillschweigende Zustimmung zur wachsenden Kultur des Todes (wie dies der Selige Johannes Paul II. formuliert hat) signalisieren, statt ihren verbleibenden Einfluss zu energischem Kampf für Wert und Würde aller Menschen, vom Moment der Zeugung bis zum natürlichen Tod, zu nutzen.

Polen: Triumphaler Wahlsieg für Kultur des Todes

Bei den Wahlen zum polnischen Sejm konnte die Partei des amtierenden Ministerpräsidenten Donald Tusk mit gut 39% der Stimmen unter leichten Verlusten die Position der stärksten Partei behaupten. Hinter Tusks Bürgerplattform (PO) blieb die PiS, gewöhnlich in der deutschen Presse mit „Recht und Gerechtigkeit“ übersetzt, unter ihrem Ergebnis von 2007 und erreichte nicht ganz 30% der Stimmen.

Hinter den beiden großen Parteien, deren Stimmanteil und Sitzzahl relativ konstant geblieben sind, wurde jedoch mit der neugegründeten, radikal-antiklerikalen „Palikot-Bewegung“ eine neue Gruppierung drittstärkste Kraft und könnte damit in die Rolle des Züngleins an der Waage rutschen – eine Rolle, die bislang die Bauernpartei, eine inhaltlich flexible, als opportunistisch geltende Gruppierung, innehatte.

Die postkommunistischen Sozialisten büßten erneut stimmen ein, und blieben erstmals sogar unter 10%.

Was bedeutet dieses Wahlergebnis für Polen, wo noch vor wenigen Wochen über ein völliges Verbot der Tötung unschuldiger Menschen durch Abtreibung abgestimmt worden war? Nun, Donald Tusk, inhaltlich wie persönlich nahe an Angela Merkel und ihrer neuen, familien- wie lebensfeindlichen CDU, hatte bei der Abstimmung über das Abtreibungsverbot vor einigen Wochen kurzfristig den Fraktionszwang eingeführt, welcher normalerweise für Gewissensentscheidungen aufgehoben ist (wie auch in Deutschland üblich). Kaczynskis PiS befürwortet das Lebensrecht unschuldiger Menschen, wie auch die Mehrheit der Abgeordneten von Tusks PO und der Bauernpartei. Wie üblich sind sozialistische Parteien generell nicht am Wohl der Unschuldigen Kinder interessiert, und so stehen auch die Postkommunisten in Polen für die Freigabe der Tötung der Unschuldigen, sofern sie ihrer Mutter hinderlich sind. Selbstverständlich trifft dies in noch stärkerem Maße auch auf die Kirchenhasser um Palikot zu. Eigentlich, so müsste man vermuten, wäre durch diese Konstellation eine Mehrheit für den Lebensschutz sicher, wenn nicht Tusks Fraktionszwang in der PO gültig wäre.

In erster Lesung hatte der polnische Sejm dem Abtreibungsverbot im Sommer mit großer Mehrheit zugestimmt – dann kam der erwartete internationale Druck und Tusks Entscheidung zum Fraktionszwang. In der entscheidenden Abstimmung fiel das Lebensrecht dann mit 186 zu 191 Stimmen bei sehr vielen Enthaltungen durch.

Der neue Sejm ist mit Palikots Extremisten, den Abtreibungsliebhabern aus der sozialistischen Ecke, der auf Linie gebrachten PO, und der opportunistischen Bauernpartei wohl mit einer klaren Mehrheit für die Fortführung der bisherigen Abtreibungsgesetzgebung ausgestattet. Ein wichtiger Durchbruch ist damit verhindert worden.

Bereits heute hat Polen jedoch, verglichen mit der menschenverachtenden Praxis in den anderen europäischen Ländern (mit Ausnahme Irlands und Maltas) eher humane Regelungen zur Tötung der Ungeborenen. Abtreibung ist nur in seltenen Ausnahmefällen zulässig – was sich auf etwa 500 Abtreibungen pro Jahr beläuft. Die internationale Abtreibungslobby, die in Tusk und seinem ehemaligen Parteifreund Janusz Palikot wohl solide Verbündete hat (wobei Palikot ein radikaler Schreihals und Tusk ein sich gemäßigt gebender Politiker im Geiste Angela Merkels ist), ist mit dieser Rechtslage selbstversändlich nicht zufrieden. In der Zange zwischen einer räuberischen EU und einer bereitwillig die Schwächsten verratenden polnischen Regierung unter Tusk, womöglich bald mit Palikots Fanatikern als Koalitionspartner, wird die internationale Abtreibungslobby sich sicher sein können, dass der Schutz der Schwachen nicht ausgebaut, und wahrscheinlich sogar zurückgefahren wird.

Und dass ein Palikot überhaupt ein zweistelliges Ergebnis gewinnen konnte, zeigt, wie sehr das Gift des Antikatholizismus selbst in das immer als solide katholisch erscheinende Polen bereits injiziert worden ist. Wenn Irland das Beichtgeheimnis vernichten und Polen sich nicht zum Schutz der Ungeborenen entschließen kann, dann wissen wir: Der Einfluss der Kirche ist selbst in ihren Stammländern praktisch verschwunden. Spanien und Portugal haben inzwischen barbarische Abtreibungsgesetze – zwei weitere traditionell katholische Länder.

Die Marienerscheinung von Fatima versprach den Portugiesen, in ihrem Land werde die katholische Lehre bewahrt werden. Ist das so? Wenn ja, wo? Sieht es nicht vielmehr so aus, als ob die ganze westliche Welt, Portugal eingeschlossen, von der tosenden Flut des aggressiven Säkularismus überspült würde und so der moralische Relativismus oder gar Nihilismus die Parlamente, Gesetze, Gerichte und Köpfe erobert?

Selbst in Malta gibt es inzwischen die Scheidung.

In den meisten westlichen Ländern traut sich die Kirche nicht einmal mehr, wesentliche Themen ihres Glaubens überhaupt anzusprechen, und oft genug schleicht sich der Verdacht ein, ihre Vertreter glaubten selbst nicht mehr daran.

Palikot mag nur 10% erreicht haben, doch der Kern seines Denkens hat in Westeuropa inzwischen alle Parteien erfasst, und hat auch in Polen mehr Anhänger, als sein Stimmanteil ausdrückt – besonders populär ist der Antikatholizismus in der jungen Generation, in der Palikot allein 25% der Stimmen erhalten hat. Auch in Polen spielt die Kirche die jetzige Lage kräftig herunter und scheint sich der Gefahr nicht bewusst zu sein. Man müsse, „mit der ganzen Gesellschaft kommunizieren, nicht nur mit den Gläubigen„, sagt man dort. Auch dort scheint man sich also auf ein Kommunikationsproblem zurückzuziehen. Die Völker wenden sich doch nur von uns ab, weil wir nicht gut genug „kommuniziert“ haben – verbal, versteht sich, nicht sakramental, wo kämen wir denn da hin!?

Die Wahlen in Polen sind enttäuschend, weil man fast den Eindruck hätte haben können, als wehre sich dort noch ein Land gegen den reißenden Strudel des todbringenden Säkularismus mitsamt seiner unmenschlichen Menschenfreundlichkeit und seiner amoralischen Moral. So kann man sich täuschen. Polen wehrt sich nicht, sondern umarmt seinen schlimmsten Feind. Die Kälber wählen ihre Schlächter nicht selber – denn die ungeborenen Kälber sind noch zu klein, um wählen zu dürfen.

Aber ihre Mütter wählen die Schlächter für sie gleich mit.

Und nennen das Fortschritt.

Kinder als Straftat

In China ist es schon soweit – wer dort mehr als ein Kind in die Welt setzt, der bekommt es mit dem Staat zu tun, denn mehrere Kinder zu haben ist dort illegal.

Ein indischer Bundesstaat, Kerala, scheint jetzt nachziehen zu wollen. Mehr als zwei Kinder sollen, in diesem Fall, nicht mehr zulässig sein. Schließlich hat man sonst ja zu viele Esser. Mehr noch: Es wäre religiösen Organisationen (also etwa der katholischen Kirche) verboten, Paaren von der Verwendung künstlicher Verhütungsmethoden abzuraten. So schreibt etwa LifeNews:

The Kerala Women’s Code Bill would impose a fine of 10,000 rupees (US$200) or three months in jail for couples having more than two children, and bar such couples from receiving social benefits from the government. The law, which is being drafted by a committee headed by former Supreme Court Justice V. R. Krishna Iyer, would also bar religious and political organizations from discouraging the use of contraceptives and other “family planning” measures.

 

Diese „other family planning measures“ werden sich wohl, wie in der Sprache der internationalen Organisationen schon länger üblich, auch auf Abtreibung beziehen.

Hier bietet sich den muslimischen und christlichen Minderheiten im indischen Bundesstaat Kerala die Chance, gemeinsam gegen diesen schrecklichen Eingriff in Elternrechte und letztlich wohl auch das Lebensrecht der Kinder zu protestieren. Glücklicherweise scheint dies auch zu geschehen. Wie erfolgreich der Kampf gegen das lebensfeindliche Gesetz sein wird, ist noch nicht absehbar.

Man täusche sich allerdings nicht: Solche Gesetze mögen in Westeuropa derzeit noch nicht existieren, aber hinter dem Deckmantel der „Sorge“ um Klima und Umwelt, garniert mit sorgfältig ausgestreuter Status- und Wohlstandsangst vor Überbevölkerung sind ähnliche Gedanken auch in Westeuropa auf dem Vormarsch.

Indien mag weit weg erscheinen, aber die hinter dem Gesetz stehende Ideologie der Kultur des Todes ist in Europa auch sehr weit verbreitet, und wird in den kommenden Jahren, sofern kein Wunder geschieht, immer mächtiger werden.

Bereits heute sind Familien mit vielen Kindern in Deutschland – selbst unter Katholiken – eine absolute Seltenheit. „Wir haben eine kinderreiche Familie.“ – „Was? Ihr habt mehr als ein Kind?“. Das ist die Mentalität in Deutschland. Ein Kind, okay. Zwei? Auch noch akzeptabel. Drei? Was habt Ihr Euch nur dabei gedacht? Vier oder mehr? Unverantwortlich!

Eine solche Mentalität bringt im Laufe der Zeit auch entsprechende Gesetze hervor. Anreize gegen Kinder gibt es genug, schon heute. Wann folgen die Gesetze? Es kann nicht mehr lange dauern.

In Indien ist es schon soweit. Beten wir alle für den Erfolg der Proteste gegen dieses kinderfeindliche, familienfeindliche, lebensfeindliche und letztlich auch christenfeindliche, ungerechte Machwerk von einem Gesetz? Ich werde es jedenfalls tun.

„Laughing at the baby’s foot in the sink“

Abtreibung tötet nicht nur das ungeborene Kind, sondern auch die Seelen der Abtreibungsärzte. Ich möchte, dass alle Leser auf diesen Link klicken und die Geschichte lesen, die sich dahinter verbirgt. Sie steht sinnbildlich für die Mentalität, die notwendigerweise entsteht, wenn die Tötung der Unschuldigen zur medizinischen Normalität wird.

Auf diesem Blog wird oft vom absoluten Lebensrecht der unschuldigen Menschen im Mutterleib die Rede sein. Doch dieses Lebensrecht, so richtig und philosophisch wie theologisch notwendig es auch ist, erscheint in der Debatte oft wie eine Abstraktion. Es ist aber keine Abstraktion, wie Geschichten wie die obige zeigen. Für sich genommen ist sie gar nicht so schlimm. Sie ist nicht brutal oder etwas in der Art. Sie zeigt einfach nur die haarsträubende Mentalität, die sich einnistet unter denen, für die die Tötung der Unschuldigen zum Broterwerb wird. Sie zeigt die wahre Unmenschlichkeit der Abtreibung.

Der Trugschluss der Islamkritiker

Anlässlich der nun schon ein paar Wochen zurückliegenden Attentage in Norwegen möchte ich in dem folgenden Essay kurz einige Gedanken zur sogenannten „Islamisierung“ Europas zusammentragen.

Gern wird nun von interessierter Seite behauptet, Breivik sei ein „christlicher Fundamentalist“ gewesen, und manche gehen sogar so weit zu behaupten, Breiviks Taten zeigten, wie gefährlich traditionsverbundene Gruppen in der katholischen Kirche seien, obwohl Breivik nicht einmal Katholik war. (Matthias Matussek nimmt zu dieser absurden These hier Stellung.)

Die Instrumentalisierung der Akte von Einzeltätern, durch die unliebsame politische Bewegungen als Ganze diskreditiert werden sollen, ist aus meiner Sicht grundsätzlich abzulehnen, es sei denn es gibt wirklich zwingende Beweise für einen Ursachenzusammenhang. Viele Islamkritiker behaupten, solche Beweise gebe es für den Zusammenhang zwischen Islam und Terrorismus. Wie dem auch sei, für den Zusammenhang zwischen traditionellem Christentum und Terrorismus gibt es praktisch keine Beweise. Selbst Breiviks Taten können dazu nicht dienen, da er von sich selbst gar nicht behauptete, ein gläubiger Christ zu sein – eingestandenermaßen benutzte er das Christentum nur, um seine anti-islamischen Ideen mit einer kulturellen Unterfütterung zu versehen.

Doch ich habe bislang zu den Attentaten geschwiegen, und werde auch jetzt den Streit über die Ursachen anderen überlassen. Ich möchte vielmehr an dieser Stelle eine Unterscheidung kenntlich machen, die in der öffentlichen Debatte generell untergeht. Es geht mir grob gesagt um die Unterscheidung von „kulturellen“ und „religiösen“ Christen, die Breivik in seinem Manifest selbst trifft, und in der er sich den „kulturellen“ Christen zuordnet. Es gibt einige, in Europa derzeit aufstrebende, Parteien und Gruppen, die den Islam als gefährlich ablehnen und die Einwanderung von Moslems stoppen oder gar umkehren wollen. Aufgrund der höheren Geburtenraten der Moslems, so geht das Argument, drohe ohnehin schon eine schleichende Islamisierung der Gesellschaft. Generell läuft das Argument darauf hinaus, dass wir die westliche Kultur schützen müssen. Doch warum ist aus dieser Sicht die „westliche Kultur“ so bedeutsam? Nun, betrachtet man die gesellschaftlichen Positionen dieser Islamgegner, so findet man, dass sie im Wesentlichen gescheiterte 68er sind. Sarrazin ist ein SPD-Politiker, und seine Lösungsvorschläge in „Deutschland schafft sich ab“ beinhalten die üblichen Forderungen nach mehr Staat, früherer staatlicher Kontrolle über den Nachwuchs usw. Ähnliches gilt für Geert Wilders in Holland und generell für eine Strömung der Islamkritiker. Sie stören sich am Vormarsch des Islam hauptsächlich, weil er die „Errungenschaften“ der westlichen Kultur gefährdet. Und diese Errungenschaften sind oft: Freie Abtreibung, Homo-Ehe, sogenannte Frauenemanzipation, religiöser Indifferentismus usw. Sie sind „kulturelle“ Christen, weil sie im Christentum ein nützliches Symbol für den geeinten Kampf der Europäer gegen den Islam und seine Förderer in Europa sehen.

Diese Islamkritiker nehmen die „Fortschritte“ der letzten 50 Jahre als gut und richtig hin, erkennen aber, dass diese Fortschritte durch die multikulturelle Gesellschaft bedroht werden könnten, sobald religiös und gesellschaftspolitisch konservative Moslems durch zunehmenden Bevölkerungsanteil Einfluss auf Wahlen gewinnen. Außerdem argumentieren sie oft wirtschaftspolitisch, d.h. gegen Zuwanderung „in die Sozialsysteme“, um diese „Sozialsysteme“ vor dem Zusammenbruch zu schützen, sie zu bewahren. Es handelt sich um gesellschaftspolitisch zumindest gemäßigt progressive Anhänger eines umfassenden Wohlfahrtsstaates, für die die strikte Form der Trennung von Kirche und Staat (wie in der kemalistischen Türkei oder in Frankreich) das Ziel ist. Klingt nicht gerade nach traditionalistischen Katholiken, oder?

Und damit komme ich zu der zweiten Gruppe unter den Islamkritikern: Religiöse Konservative lehnen den Islam oft mit an der Oberfläche ähnlichen Beweggründen ab. Auch sie sind gegen Masseneinwanderung aus islamischen Ländern, für die Bewahrung der „jüdisch-christlichen Kultur“. Doch haben sie oft ganz andere Motivationen. In der Regel handelt es sich um entschlossene Gegner der modernen Wohlfahrtsstaaten, der angeblichen Fortschritte der letzten 50 Jahre im gesellschaftlichen Bereich usw.

Sie erkennen das Hauptproblem nicht so sehr in der Einwanderung von Moslems (selbst wenn sie diese oft auch beschränken möchten), sondern in dem gesellschaftlichen Kollaps im Westen, genau in dem Säkularismus, mit dem die erste Gruppe der Islamkritiker (z.B. Wilders) kooperieren will.

Die Unterscheidung lässt sich vielleicht in kurzen Worten so zusammenfassen: Die einen Islamkritiker sehen den „modernen Westen“ durch „rückschrittliche“ islamische Traditionalisten bedroht, und wollen daher eine Allianz zwischen Säkularisten und Christen unter dem Banner eines „kulturellen“ Christentums schaffen, mit der sich dann der islamische Einfluss auf Europa reduzieren ließe. Die anderen Islamkritiker sehen den „traditionellen Westen“ durch „fortschrittliche“ Säkularisten bedroht, und verweigern daher eine Allianz zwischen Säkularisten und Christen. Stattdessen stehen sie für eine Wiedergeburt eines authentischen, religiösen Christentums, das dann als Nebeneffekt auch das Problem der „Islamisierung“ lösen würde – denn religiöse Christen würden sicher nicht (wie „kulturelle“ Christen) 1,4 Kinder pro Frau zeugen und dadurch die demographische Entwicklung der Islamisierung erst plausibel erscheinen lassen.

Auf der einen Seite des Lagers der Islamkritiker stehen also säkularisierte, „kulturelle“ Christen an der Seite „säkularisierter“ Moslems (wie Ayaan Hirsi Ali) und überzeugter Atheisten, die den modernen Westen vor der Welle der Moslems schützen wollen (und daher die Multikulturalisten als Hauptfeind sehen, die in dieser Ideologie nur als Verräter erscheinen können, da sie ja die „Schleusentore“ geöffnet haben, durch die die Moslems jetzt ins Land kommen können) – doch eine traditionelle christliche Gesellschaft würden sie als abscheulich sehen, und würden sie fast ebenso entschlossen bekämpfen, wie eine traditionelle islamische Gesellschaft.

Viele dieser Islamkritiker befürworten einige „traditionalistische“ Positionen aus pragmatischen Erwägungen heraus – möglicherweise lehnen einige von ihnen die Abtreibung ab, um dadurch das Volk nicht noch zahlenmäßig weiter zu schwächen, oder befürworten die katholische Hierarchie, um sich ihrer Symbole und Traditionen als Identifikationsmerkmal und kulturellen Einigungsfaktor bedienen zu können. Aber sie vertreten diese „traditionellen“ Positionen nicht, weil sie sie wirklich für wahr halten, sondern weil sie nützlich sind. Damit unterscheiden sie sich von den Traditionalisten ganz erheblich. Abtreibung ist moralisch verwerflich, ja. Aber nicht, weil sie das demographische Problem verstärkt, sondern weil sie die Tötung unschuldigen Menschenlebens bedeutet – also aus demselben Grund, aus dem Breiviks Attentat auf das Jugendlager verwerflich war. Die katholische Hierarchie ist gut, und wir sollten reformkatholischen Angriffen auf sie widerstehen, ja. Aber nicht, weil sie sich als kulturelle Identifikationsfigur oder Basis für einen anti-islamischen Kreuzzug nutzen ließen, sondern weil sie von unserem Erlöser Jesus Christus eingerichtet worden ist, um die Seelen zum Heil zu führen.

Selbst wenn die oberflächlichen Ziele also ähnlich zu sein scheinen, die dahinter stehende Motivation traditioneller, religiöser Islamkritiker ist nicht vergleichbar mit derjenigen ihrer säkularisierten, „kulturchristlichen“ Brüder.

Breivik gehört nun eindeutig zu den säkularisierten Islamkritikern. Traditionalistische oder fundamentalistische Christen wären nicht Mitglied bei den Freimaurern, sie glaubten wirklich an Gott und an die Gottessohnschaft, Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi usw. Wenn es also überhaupt einen Zusammenhang zwischen Attentat und Islamkritikern gibt, dann  wäre dieser eben nicht bei den religiösen Traditionalisten, sondern bei den Säkularisten zu suchen.

Ich bin allerdings davon überzeugt, dass man selbst hier keinen allzu engen Zusammenhang konstruieren kann. Dass Breivik Islamkritiker beider Denkrichtungen zitiert, kann nicht als relevant gewertet werden. Er zitiert auch Angela Merkel. Ist diese jetzt Mitschuld an den Attentaten? Schon der Gedanke ist lächerlich. Und nirgendwo haben Wildern, Broder, Sarrazin und andere Islamkritiker zu Gewalt und Terror aufgerufen. (Im Gegenteil: Wilders hat von solchen Drohungen und Aufrufen abgesehen, obwohl gegen ihn seit Jahren regelmäßig Morddrohungen eingehen und er deshalb unter Polizeischutz leben muss). Wilders, Sarrazin und andere säkularisierte Islamkritiker sind nicht als „geistige Brandstifter“ zu werten, da sie keine Brände gelegt haben, und auch nicht zum Legen von Bränden aufrufen. In ihren Schriften und Worten findet sich nichts, was man auch nur ernsthaft in diese Richtung interpretieren könnte. Ich werfe ihnen keine Mitschuld vor, und es ist ungerecht es zu tun.

Trotzdem haben sie nicht Recht. Das Problem ist nicht der Islam und nicht die Islamisierung. Wenn man sich ernsthaft mit dem Islamismus beschäftigt, so stellt man fest, dass er ein relativ junges Phänomen ist. Er ist im Wesentlichen als Antwort auf die Verwestlichung islamischer Staaten entstanden (und hat diese ziemlich erfolgreich zurückdrängen können, etwa im Iran, was auch immer man über die verwerflichen Methoden sagen mag).

Das Problem ist auch nicht in erster Linie der Multikulturalismus oder die Masseneinwanderung. Sie sind beide die Folge anderer Entwicklungen. Das Problem sind nicht die vielen Moslems, sondern die wenigen Christen. Wenn wir wirklich die westliche Kultur verteidigen oder wiederherstellen wollen, dann müssen wir zunächst zwei wichtige Fragen beantworten:

(1) Was genau ist die „westliche Kultur“ die wir erhalten wollen? Ist es der religiös indifferente Sumpf der Dekadenz und des Libertinismus der letzten 50 Jahre? Oder ist es der traditionelle christliche Glaube mitsamt seiner Sittenlehre?

(2) Im Anschluss daran: Worin bestehen die Ursachen der heutigen Krise.

Ich persönlich sehe nichts Erhaltenswertes in dem dekadenten Sumpf, der sich in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr des Westens bemächtigt hat. Und ich glaube nicht, dass die Ursachen der Krise bei den Moslems oder im Multikulturalismus zu suchen sind. Es ist eine Tatsache: Derzeit ist der Westen ohne massive Zuwanderung überhaupt nicht überlebensfähig – denn die übersättigten Wohlstandskinder sind zu sehr auf ihre persönliche Selbstverwirklichung und Triebbefriedigung ausgerichtet, um überhaupt fähig zu Familien mit mehreren Kindern zu sein. Und selbst die wenigen Kinder, die die Europäer noch haben, lernen in Schulen praktisch nichts, wachsen immer seltener bei ihren beiden leiblichen Elternteilen auf (und selbst wenn, sehen sie sie nur spät abends), bekommen keine religiösen und moralischen Überzeugungen mehr vermittelt, haben deshalb in einer immer früher über sie hereinbrechenden, dekadenten, moralfreien Massenkultur kaum eine Chance zu anständigen Menschen heranzuwachsen, und selbst wenn es ihnen gelingt, die schlimmsten Perversionen von sich fernzuhalten, werden sie niemals die Schätze authentischer westlicher Kultur kennenlernen, da man sie ihnen vorenthält. Für sich genommen ist der Westen nicht überlebensfähig. Er ist abhängig von Einwanderern, bei allen Problemen, die das mit sich bringt. Sie sind seine einzige Hoffnung, solange der Westen nicht den Irrtum seiner modernistischen Wege einsieht.

Mutter Teresa hat einmal gesagt (ich paraphrasiere): Wenn eine Mutter ihr eigenes Kind töten kann, was kann man dann an einer Zivilisation noch retten? Und die implizierte Antwort war natürlich: Nichts. Recht hat sie.

Wenn die derzeitigen Tendenzen in der Gesellschaft sich wie erwartet fortsetzen, werden wir irgendwann eine Situation erreichen, in der der verbliebene „einheimische“ Bevölkerungskern einer großen ethnisch diversen Minderheit mit sehr vielen Moslems gegenübersteht, und ringsherum die Gesellschaft auseinanderfällt. Das ist der ideale Nährboden für einen Volksverführer. Vielleicht werden die einheimischen Wutbürger dann wieder einmal ihre fremden Nachbarn in spezielle Lager ohne Wiederkehr schicken. In diese Richtung driftet der Westen nahezu unaufhaltsam. Er braucht immer mehr Einwanderer, um seine sozialen Einrichtungen und seine Wirtschaft am Laufen zu halten, doch langfristig werden auch die Einwanderer die Europäer nicht retten können, weil Masseneinwanderung ganz andere Probleme mit sich bringt. Irgendwann kommt die große Krise – vielleicht morgen, vielleicht erst in 10 oder 20 Jahren – und dann explodiert das ganze Gebräu der letzten Jahrzehnte.

Dann wird Catocon an der Seite der Einwanderer stehen. Verglichen mit den moralischen Werten und dem größtenteils heidnisch-okkulten Glauben des modernen Westens („Kultur des Todes“) wäre eine islamische Gesellschaft ein Segen. Doch Gott möge verhindern, dass es jemals soweit kommt, denn eine Wiedergeburt des traditionellen Westens wäre bei weitem vorzuziehen.

Dass eine Abwehr der „Islamisierung“ den Triumph des Westens bedeuten würde, statt nur seinen ungehinderten Zusammenbruch, das ist der fatale Trugschluss der Islamkritiker.

Familienidentität

Auf What’s Wrong with the World findet sich derzeit ein faszinierender Artikel von Jeff Culbreath (dessen Worte oft richtig, manchmal provozierend, immer aber lesenswert sind) zum Thema Familienidentität. Wer des Englischen mächtig ist, sollte sich Culbreaths Artikel (und die darin verlinkte Rede zum gleichen Thema) zu Gemüte führen. Wer die Sprache Shakespeares (oder vielmehr, was seit seiner Zeit aus ihr geworden ist) nicht lesen kann, verpasst etwas, aber hier seien die Hauptpunkte kurz (zu kurz) zusammengefasst:

Die Prämisse des Artikels: Weder der moderne Individualismus noch das, was die meisten selbsternannten Konservativen dagegen setzen (die Kernfamilie aus Vater, Mutter und ein bis zwei Kinder) sind in Wirklichkeit geeignet, den notwendigen Familienzusammenhalt und eine eigene Familienidentität zu erschaffen zu beizubehalten. Die hierfür nötigen erweiterten Familieneinheiten mit vielen Kindern, Onkeln, Tanten, Cousins und Cousinen sind aber extrem selten geworden. Meist leben die Kinder, wenn sie erwachsen sind, nicht mehr in der Nähe ihrer Eltern (der Apfel fällt hier weit vom Stamm), und sie haben wenige Geschwister, und kaumj Kontakt zum weiteren Umfeld. Man lebt in selbstgewählten Milieus, die oft genug nicht persönlichkeitsbildend sondern zerstörend wirken, indem sie hinter der Schimäre des Individualismus das schutzlos und ohne Rückhalt umherirrende Individuum immer abhängiger von der Zustimmung des Milieus und langfristig der Massenmedien machen. Widerstand gegen Gruppendruck und massenmedial inszenierten Herdentrieb kann aber nur von starken Persönlichkeiten geleistet werden – solche Persönlichkeiten entstehen in der Auseinandersetzung mit der nicht frei gewählten Familie und den vielfältigen Persönlichkeiten, die sich dort befinden. zudem haben Menschen aus großen Familienclans in der Regel einen gewissen Rückhalt aus ihrer Familie. Sie bedürfen daher nicht im gleichen Maße der Zustimmung von außen – sie sind unabhängiger von ihr. (Culbreath führt das alles weiter aus – Lektüre des ganzen Artikels sei abermals empfohlen, denn meine Zusammenfassung wird ihm nicht gerecht)

Wie kann man also in der modernen Zeit für solche starken Familieneinheiten sorgen, die ihrerseits gesunde Individualität fördern, gerade weil sie kruden Individualismus („Selbstverwirklichung“ um jeden Preis) schwächen? Culbreath nennt einige Möglichkeiten, die man ganz praktisch anwenden kann, wenn man sich glücklich schätzt, in einer solchen Großfamilie zu leben, oder eine aufbauen zu können. Sie alle laufen auf die Stärkung der gemeinsamen Familienidentität heraus. Eine solche Großfamilie bedarf, um die vielfältigen Eigenschaften der ganzen Beteiligten unter einen Hut zu bringen, einer gemeinsamen Identität, eines eigenen Wesens – sie muss etwas Distinktives haben. Sie muss wirklich zu einem Clan zusammenwachsen, mit:

– eigenen Familientraditionen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, und die den Zusammenhalt der Generationen fördern. Familie ist wahrer Generationenvertrag – zwischen den heute Lebenden, ihren zukünftigen Kindern und den Ahnen. Man sollte immer auf dem aufbauen, was vorher kam – radikale Brüche mit der Tradition sind nur ganz selten anzuraten.

– einem gemeinsamen Glauben, durch den und in dem man lebt. Man besucht gemeinsam die Kirche, betet gemeinsam usw. Besonders der katholische Glaube bietet, abgesehen natürlich von seiner Wahrheit, gerade in dieser Hinsicht besonders reiche Möglichkeiten.

– einem gemeinsamen Familiencharakter. Gemeint ist etwas, das die Familie ausmacht. Eine Art Schwerpunkt für die gemeinsamen Aktivitäten, ein Thema, das sich in sehr vielen einzelnen Mitgliedern der Großfamilie immer wieder zeigt, wenn auch in vielfältigen Variationen. Culbreath sagt es aber besser.

– einer großen Zahl von Kindern. Dies ist besonders wichtig, da große Familien eben per definitionem viele Menschen beinhalten. Und Familienclans sind oft weit verzweigt, was nur möglich ist, wenn es in jeder Generation einige Geschwister gibt. Dieser Punkt macht die Ablehnung der Verhütungsmentalität notwendig, die davon ausgeht, Kinder wären ein Gut, das man planen sollte, das man sorgsam und vorsichtig in den Rest seines Lebens einhegen sollte, damit sie nicht so stören (diese Mentalität drückt sich perfekt und präzise in Obamas berüchtigtem Spruch aus dem Wahlkampf von 2008 aus: Er wollte nicht, dass seine Töchter mit einem Kind bestraft würden – „punished with a baby“ – wenn sie ungeplant schwanger würden). Das heißt: Man muss sich entschlossen von der Kultur des Todes (Johannes Paul II.) abwenden.

Ferner ist entscheidend, dass es gelingt, die erweiterte Familie in relativ geringer Entfernung zu halten, damit enger Kontakt zwischen den verschiedenen Familienmitgliedern auf persönlicher Basis möglich bleibt. Ein wichtiger Punkt ist hierbei die gegenseitige Familienhilfe, durch die vielfältige Fähigkeiten intern verfügbar werden, für die man sonst oft teuer bezahlen muss. (Nebenbei gesagt ist der Zerfall der Großfamilie für einen nicht zu kleinen Anteil des angeblichen Wirtschaftswachstums im Westen seit etwa 1960 verantwortlich: Was früher innerhalb der Familie erledigt wurde, geschieht heute außerhalb und geht dadurch erstmals ins Sozialprodukt ein, obwohl die entsprechenden Dienstleistungen immer schon erledigt wurden. Kinder wurden immer schon erzogen. Doch heute erzieht Frau Maier die Kinder von Frau Müller und bezahlt sie dafür. Frau Müller erzieht im Gegenzug die Kinder von Frau Maier und bezahlt sie dafür. Und das nennt man dann Wachstum!)

Ein wesentlicher Einwand gegen die in dem Artikel vertretene These, dass eine solche Rückkehr zu Familienidentitäten und Großfamilien wünschenswert wäre, besteht natürlich in der ökonomischen Realität. Doch ökonomische Realitäten sind, unter der Annahme menschlicher Willensfreiheit, kontingent und vermögen nicht das Handeln des Menschen zu determinieren. Wenn nur genügend viele Menschen sich gegen die angebliche Notwendigkeit, weit weg zu ziehen, um dort zu arbeiten, wendeten, dann entwickelte sich schnell ein großes Interesse auf der Seite der Arbeitgeber, Heimarbeit und dergleichen stärker in den Vordergrund zu stellen. Das bedeutet: Wirtschaftliche Hindernisse sind immer durch entschlossenes Handeln ausreichend vieler Menschen überwindbar. Am Ende richten sich Angebot und Nachfrage in einer freien Marktwirtschaft aufeinander ein.

Dieser Einwand ist damit nicht entkräftet (denn er besteht in der heutigen Lage weiterhin, da wenige Menschen eine Rückkehr zur Großfamilie zu betreiben wünschen), aber es ist zumindest ein Weg aufgezeigt, der ihn obsoletieren könnte.

Doch lassen wir erst einmal alle möglichen Einwände beiseite. Kann denn ernsthaft bezweifelt werden, dass die Folgen einer solchen Gesellschaftsstruktur überwältigend positiv wären? Und dass sie sich in einer tiefen Harmonie mit den Grundprinzipien der katholischen Soziallehre befindet? Innerfamiliäre Hilfe ist die ideale Vereinigung von Subsidiarität und Solidarität, zwei fundamentalen Prinzipien der Soziallehre. Und die Familie ist derselben Soziallehre folgend, die unverzichtbare Keim- und Urzelle der Gesellschaft, die, Papst Leo XIII. in Rerum Novarum folgend, sogar vor dem Staat angesiedelt werden muss, und eigene Rechte besitzt, die der Staat weder einführen, noch beschneiden oder abschaffen kann, sondern die zu respektieren und zu schützen ihm aufgegeben ist.

Culbreaths Artikel ist wahrhaftig ein faszinierender Denkanstoß.