Trittsteine des Glaubens (Teil 3)

Dies ist der dritte Teil der kürzlich angekündigten Serie. Ich werde vorläufig zehn Bücher kurz vorstellen (und dadurch natürlich auch empfehlen), die mir bei meinem Weg vom Atheismus bis zum katholischen Glauben der Päpste und des Lehramts geholfen haben. Die Reihenfolge ist teilweise chronologisch nach dem Zeitpunkt, an dem ich auf die Bücher gestoßen bin, doch im Grunde eher willkürlich. Natürlich sind Einschätzungen und Auswahl subjektiv gefärbt.

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7. C.S. Lewis – The Great Divorce

Ein weiteres Buch von C.S. Lewis, wiederum im Dunstkreis von Himmel und Hölle. Es handelt von einem „Reisenden“, der aus einer schrecklichen, tristen Stadt auf einen Tagesausflug in eine idyllisch wirkende, lichte, doch bei näherer Betrachtung scheinbar unbewohnbare Landschaft geht. Es stellt sich heraus, dass jeder Reisende eingeladen ist, doch einfach zu bleiben, doch fast alle entscheiden sich dagegen. In einer Reihe von Gesprächen erfährt der Protagonist immer mehr über diese Landschaft, findet heraus, dass er sozusagen in der Scheidewand zwischen Himmel und Hölle steht, dass die Menschen in der tristen Stadt die Verdammten sind, die sich trotz ständiger Einladung weigern, die Reise in den Himmel zu unternehmen und dort zu bleiben. Das ganze Werk ist ein großes Gleichnis für das menschliche Leben auf Erden, das immer entweder auf dem Weg in den Himmel zur ewigen Schau des Angesichts Gottes, oder auf dem Weg in die Verdammnis sind. Es ist ein ungemein erhellendes Werk für einen ehrlichen Suchenden, der sich mit den Problemen befasst, die das christliche Weltbild aufwirft.

8. G.K. Chesterton – Orthodoxy

Wenn Mere Christianity das erste Buch war, das mich vermuten ließ, das Christentum können wirklich wahr sein, so war Orthodoxy, etwa zwei Jahre später erstmals von mir entdeckt, das erste Buch, das mich vom christlichen Glauben überzeugt hat. Chestertons unnachahmlicher Stil (Übersetzungen kenne ich keine, halte sie auch kaum für möglich, da dabei dieser Stil verloren geht) vermittelt nicht nur anschaulich die Wahrheit des christlichen Glaubens in groben Zügen, sondern weckt auch einen Enthusiasmus für ihn. Orthodoxy ist eines von den Büchern, die man immer wieder liest, weil sie einfach immer wieder faszinierend sind. Ein weiteres Meisterwek des 20. Jahrhunderts.

9. G.K. Chesterton – The Everlasting Man

Ein weiteres Buch von Chesterton, in dem er auf seine besondere Weise zwei Brüchen in der Geschichte der Welt nachgeht: Dem Sprung vom Tier zum Menschen und den Sprung vom Menschen zu Christus. Es geht Chesterton darum, dass der Mensch, wie auch immer es mit der Evolution seiner biologischen Anteile, d.h. seines Körpers, stehen mag, sich fundamental vom Tier unterscheidet, und zwar in einer Weise, die weder langsam durch evolutionäre Veränderungen noch irgendwie anders rein natürlich zu erklären ist. Und im zweiten Teil will er zeigen, dass der Mensch namens Jesus ebenfalls nicht als Mensch, nicht einmal als besonders guter Mensch, zu verstehen ist. Seine These: Wenn wir annehmen, dass der Mensch bloß ein weiteres Tier ist, gelangen wir zu völlig verrückten Schlussfolgerungen, die weniger wahrscheinlich sind, als wenn wir eine übernatürliche Erklärung annehmen. Und ebenso verfährt er mit Jesus: Nehmen wir ihn bloß als Menschen, verstricken wir uns in absolut unglaubliche Vorstellungen, die, wenn wir sie durchdenken, darin resultieren, dass die Hypothese „Jesus ist bloß Mensch“ nicht ausreichend ist. Im letzten Kapitel deutet er ein ähnliches Verfahren noch für die Institution Kirche an, die eigentlich, nach menschlichem Ermessen, schon längst hätte untergehen müssen, aber irgendwie immer wieder auflebt, wenn man sie schon für tot erklären möchte. The Everlasting Man ist Chestertons zweites großes „theologisches“ Meisterwerk und kann gar nicht genug empfohlen werden.

10. Mark Shea – By What Authority?

Mark Shea, ein katholischer Blogger und Konvertit aus den Vereinigten Staaten, hat neben unzähligen witzigen, allgemeinverständlichen und doch sehr informativen apologetischen Artikeln zum christlichen und katholischen Glauben und viele andere Themen, auch ein Buch über die Frage nach der Autorität der Kirche geschrieben. Wenn ich einem ernsthaften, gläubigen Protestanten ein einziges Buch empfehlen sollte, dann wäre es dieses. Shea, selbst ein ehemaliger (evangelikaler) Protestant, war immer fest von „sola scriptura“ überzeugt und hielt den Papst und das katholische Lehramt für überflüssige, nachträgliche Hinzufügungen zum reinen christlichen Glauben. Als er jedoch den ernsthaften Versuch unternahm, seinen Glauben gegen die Anwürfe von Nichtgläubigen, entmythologisierenden Theologen und radikalen historisch-kritischen Bibelfledderern zu verteidigen, geriet er ins Zweifeln. Denn seine Argumente basierten alle auf der Bibel, doch woher stammt die Bibel? Über die Frage nach dem Kanon des Neuen Testaments gelangt er zu der Einsicht, dass er sie einzig der bindenden Festlegung der Kirche verdankt, dass also die Bibel auf dem unfehlbaren Lehramt der Kirche beruht, und also ohne dieses Lehramt kein sicheres Fundament des christlichen Glaubens zu bieten vermag. Doch wenn man das Lehramt der Kirche annimmt, muss man auch das annehmen, was es lehrt. Und also, nach langem Zögern und Zaudern, gelangt Shea zur katholischen Kirche.

Als ich dieses Buch erstmals las, war ich fest vom Christentum überzeugt, doch welcher Kirche sollte ich beitreten? Ich war als Kind evangelisch getauft worden, und daher lag der Protestantismus nahe. Dieses Buch präsentiert schlüssige Argumente, warum der Protestantismus nicht wahr sein kann.

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Hiermit endet meine kurze Vorstellung von zehn Büchern, die mir auf dem Weg zum katholischen Glauben geholfen haben. Natürlich könnte ich noch mindestens zehn bis zwanzig weitere (wahrscheinlich noch mehr) erwähnen, und selbstverständlich sind Bibel, Katechismus und lehramtliche Dokumente sehr wichtig für mich geworden, nachdem ich einmal den christlichen Glauben akzeptiert hatte. Ich hoffe, dass diese Empfehlungen hilfreich sind. Wenn ich Zeit habe, wird noch ein Teil über Internetseiten folgen.

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Trittsteine des Glaubens (Teil 2)

Dies ist der zweite Teil der kürzlich angekündigten Serie. Ich werde vorläufig zehn Bücher kurz vorstellen (und dadurch natürlich auch empfehlen), die mir bei meinem Weg vom Atheismus bis zum katholischen Glauben der Päpste und des Lehramts geholfen haben. Die Reihenfolge ist teilweise chronologisch nach dem Zeitpunkt, an dem ich auf die Bücher gestoßen bin, doch im Grunde eher willkürlich. Natürlich sind Einschätzungen und Auswahl subjektiv gefärbt.

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3. C.S. Lewis – The Abolition of Man (dt. Die Abschaffung des Menschen)

C.S. Lewis wird den meisten Lesern ein Begriff sein. Die drei Vorlesungen, die in diesem Buch gesammelt sind, stellen zusammen ein absolutes Meisterwerk des 20. Jahrhunderts dar. Lewis geht von einem ganz unschuldigen Beispiel in einem britischen Schulbuch seiner Zeit aus, und analysiert von daher das Grundübel der heutigen Philosophie heraus. Es geht generell um die Ablehnung objektiver, bindender, absoluter moralischer Wahrheiten (Lewis nennt sie das „Tao“). Er zeigt in einem Anhang auf, dass sich die moralischen Vorstellungen der menschlichen Hochkulturen aller Teile der Welt kaum voneinander unterscheiden, und ihnen ein wirkliches gemeinsames Gesetz zugrunde liegt. Dass das „Tao“ in der Praxis nicht befolgt wird, ist eine Binsenweisheit. Doch dass es auch theoretisch geleugnet wird, nicht nur von einigen wirren Philosophen, sondern auf breiter Front, ist eine Innovation der Moderne. Wohin es führt, wenn man das „Tao“, oder auch nur ein Teil desselben, einfach ignoriert oder nach seinem eigenen Willen zu verändern versucht, zeigt Lewis ebenfalls. Alles in allem wiederum kein explizit christliches Buch, aber eine sehr hilfreiche Vorbereitung auf das Christentum. Als ich es erstmals las, war ich bereits zu dem Schluss gelangt, dass das Christentum wahrscheinlich der Wahrheit entsprach, und dieses Buch bestärkte mich darin.

4. C.S. Lewis – Mere Christianity (dt. Pardon, ich bin Christ)

Endlich einmal ein Buch, das nicht nur von einem Christen geschrieben ist, sondern das auch noch vom Christentum handelt. (Der Titel der deutschen Übersetzung ist vollkommen missraten, und die Qualität der Übersetzung, die ich inzwischen teilweise gelesen habe, lässt auch eher zu wünschen übrig. Es empfiehlt sich die Lektüre des Originals.) Für mich ist dies in etwa das wichtigste Buch, das ich je gelesen habe. Als ich etwa im Jahr 2007 durch verschiedene Überlegungen und Erfahrungen mit dem atheistischen Denken, gleich ob von „links“ oder von „rechts“, mit allen möglichen Ideologien unzufrieden war, und sehr viele moralische Ideen des Christentums als nützlich und plausibel ansah, stieß ich durch Zufall auf einer englischen Internetseite, auf der eine protestantische Version des Christentums vertreten wurde, auf einen Link zum Text dieses Buchs. Ich begann zu lesen und als es am nächsten Morgen hell wurde, hatte ich das Buch durch. Lewis stellt den christlichen Glauben nicht vollständig dar, und er vermag auch nicht alle Fragen zu beantworten, aber was er darstellt, eine Art sachlich und rational begründetes Grundgerüst christlicher Glaubensinhalte, ist sehr überzeugend. Nach der Lektüre dieses Buchs stelle ich mir zum ersten Mal in meinem Leben die Frage, ob diese Geschichte wirklich wahr sein könnte. Nicht nur schön oder nützlich, sondern den Tatsachen entsprechend.

Es beantwortete diese Frage nicht, aber es machte mich zu einem echten Suchenden, zu jemandem, der wirklich wissen wollte, ob das Christentum wahr oder falsch war. Ich kann es gar nicht genug empfehlen.

5. C.S. Lewis – The Problem of Pain

Eines der größten Probleme, mit denen sich christliche Denker immer beschäftigt haben, ist das Problem des Bösen. Christen behaupten, Gott sei gut und allmächtig. Es gibt aber Böses in der Welt. Entweder Gott ist allmächtig, dann kann er nicht gut sein, weil er Böses zulässt, oder Gott ist gut, dann aber nicht allmächtig, wiederum weil er Böses zulässt. Für viele Atheisten und Zweifler ist dies ein sehr großes Problem. Auch ich rang mit dieser Frage, als ich erstmals ernsthaft überlegte, ob das Christentum wahr sein könnte. In diesem Buch findet sich die beste zusammenfassende und doch relativ allgemeinverständliche Darstellung zu dem Thema, die ich kenne. Lewis begründet überzeugend, warum Gott das Böse zulässt, obwohl er gut und allmächtig ist, und begründet auch, warum wir manchmal nicht verstehen können, warum Gott dieses oder jenes Übel nicht verhindert. Ein weiteres sehr bedeutendes Buch für jeden Suchenden.

6. C.S. Lewis – The Screwtape Letters

Wo wir gerade bei Lewis sind, nenne ich noch eine weitere Schrift. Screwtape, ein Teufel in der mittleren Verwaltung der Höllenhierarchie, schreibt Briefe an einen jungen Verführer, dessen Aufgabe darin besteht, die Seele eines ganz normalen Briten in die Hölle zu führen. Diese Ausgangslage dient als Hintergrund für ein sehr informatives und unterhaltsames Gedankenspiel, das aus der verkehrten Perspektive resultiert. Was Screwtape lobt, sollte der Mensch meiden, und was er kritisiert, kann so schlecht nicht sein. Die in dem Werk hervortretende Weltsicht ist die eines ewigen geistlichen Kampfes zwischen Gott und dem Teufel um die Seelen der Menschen, in dem der Teufel den Menschen zu seinem eigenen Nutzen verführt, ihn belügt und betrügt. Als ich dieses Buch las, war ich noch kein überzeugter Christ, aber dieses Weltbild schien mir äußerst plausibel, weil es eine große Menge alltäglicher Erfahrungstatsachen zu erklären vermag. Aufgrund der satirischen „Verpackung“ wirkt es auch nicht abstoßend, sondern eher unterhaltsam, auf Leser, die die religiösen Prämissen des Buches nicht teilen, was es fast schon zu einem katechetischen Werkzeug machen könnte, wenn man es richtig zu gebrauchen versteht.

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Soweit der zweite Teil dieser kleinen Empfehlungsreihe.

Trittsteine des Glaubens (Teil 1)

Dies ist der erste Teil der kürzlich angekündigten Serie. Ich werde vorläufig zehn Bücher kurz vorstellen (und dadurch natürlich auch empfehlen), die mir bei meinem Weg vom Atheismus bis zum katholischen Glauben der Päpste und des Lehramts geholfen haben. Die Reihenfolge ist teilweise chronologisch nach dem Zeitpunkt, an dem ich auf die Bücher gestoßen bin, doch im Grunde eher willkürlich. Natürlich sind Einschätzungen und Auswahl subjektiv gefärbt.

Später wird dann noch ein Teil über Internetseiten folgen, doch schon die zehn Bücher machen drei Artikel aus, von denen hier der erste folgt:

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1. J.R.R. Tolkien – The Lord of the Rings (dt.: Der Herr der Ringe)

Was soll dieses Buch auf einer Liste hilfreicher Bücher auf dem Weg zum christlichen Glauben? Tolkien selbst war so tief durchdrungen von seinem christlichen und katholischen Glauben, dass sich diese Durchdrungenheit auf alle seine Werke, und besonders auf dieses Monumentalwerk erstreckt hat. Das Buch selbst kommt zwar nicht christlich daher, und das Christentum taucht gar nicht auf, doch an jeder Ecke begegnet dem aufmerksamen Leser eine zutiefst christliche Sicht von Konzepten wie Hoffnung, Vertrauen, der Welt und der Geschichte als bedeutsame Erzählung oder „Abenteuer“, ein sehr christliches Verständnis von Heldentum (Opfer für den Anderen) und vieles mehr. Dies, verbunden mit der hervorragenden literarischen Umsetzung, macht das Buch zu einer Art intuitiver Einführung in das Christentum: Es vermittelt keine Dogmen und es predigt nicht, aber es vermittelt eine stark christlich geprägte Lebenseinstellung.

Ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass ich durch die Lektüre dieses Buches erstmals bemerkt habe, dass dem Leben eines Atheisten, das ich bisher geführt hatte, etwas ganz Fundamentales fehlte. Denn die erwähnten literarisch verarbeiteten Konzepte, auf denen die ganze Anziehungskraft eines solchen Werkes basiert, ergeben im Rahmen einer atheistischen, materialistischen Weltsicht einfach keinen Sinn. Weil es für mich persönlich auf dem Weg sehr wichtig war, und es die erwähnten Qualitäten besitzt, kommt es hier in die Liste, obgleich es kein „christliches“ Buch ist. Aber wir brauchen auch nicht „christliche Bücher“ (Bücher über das Christentum), sondern „christliche Autoren“ (Bücher von Christen über alles mögliche, in denen die spezifisch christliche Weltsicht ganz selbstverständlich, geradezu beiläufig, vermittelt wird).

2. Theodore Dalrymple (Pseudonym) – Our Culture, What’s Left of It

Ein weiteres nicht-christliches Buch, diesmal sogar von einem nicht-christlichen (agnostischen) Autor, der jedoch, ohne es selbst so recht zu merken, den Boden für das Christentum bereitet. Er schreibt gar nicht über Religion, und nicht einmal direkt über Moral, sondern über den Verfall der westlichen Kultur, über Verrohung der Sitten und Gleichgültigkeit gegenüber Werten aller Art. Als weitgereister, kultivierter, belesener Mann, der viele Jahre lang in England als Gefängnisarzt in einem „Problemviertel“ gearbeitet hat, verfügt er über einen reichen Erfahrungsschatz, aus dem er für seine Einsichten schöpft. In einer großen Zahl kleinerer Aufsätze beschreibt er die Probleme unserer Zeit und die irregeleiteten Versuche, sie durch staatliche Eingriffe und Vorschriften zu lösen. Für Dalrymple ist der Wohlfahrtsstaat an vielem schuld und gehört weitgehend abgeschafft. Doch er erkennt, anders als viele andere Gegner sozialdemokratischer Ansichten, dass die Lösung nicht einfach in „mehr Markt und weniger Staat“ liegt, weil auch eine reine Marktwirtschaft noch immer mit den Herzen der Menschen zu tun hätte, die eben nicht gut und rein sind. Dalrymple kennt das Konzept der „Erbsünde“, obgleich er es als Ungläubiger ablehnt. Er spricht von der „allegorischen Wahrheit“ der „Doktrin der Erbsünde“, nämlich dass das Böse immer im Herzen der Menschen wohnt. Für ihn gibt es keine Lösung, er verkündet keine frohe, sondern eher eine bittere Botschaft und ruft durchweg zur Verteidigung der westlichen Kultur auf, die er als Bollwerk gegen die Barbarei sieht, das von Barbaren nicht bloß vor den Toren, sondern besonders im Innern der Festung bedroht sieht.

Die Lektüre dieses Buches hat mich persönlich davon überzeugt, dass das Böse tatsächlich praktische Realität ist, die weder durch staatliche, noch durch marktliche Reformen oder irgendeinen „Fortschritt“ jemals beseitigt werden kann (bzw. diese Einsicht gestärkt). Ferner kann man zu der Erkenntnis gelangen, dass die westliche Kultur, die nun einmal unausweichlich auch eine christliche Kultur ist, unbedingt bewahrenswert ist. Es ist daher ein unbewusster Beitrag eines Agnostikers, durch den dem Evangelium der Weg bereitet wird, denn das Evangelium ergibt keinen Sinn, wenn man nicht vorher die verzweifelte Lage erkannt hat, in der die Menschen sich durch ihre Sünden begeben haben.

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Soweit der erste Teil dieser Empfehlungsreihe.

Wider die Megalophobie

Alle Leser dieses Blogs sind hiermit ultimativ dazu aufgefordert, im Namen der Gleichstellung von Menschen mit alternativen Ernährungsanlagen, diesen emanzipativen Beitrag des unermüdlichen Streiters für Freiheit, Gleichheit und die Drittmittel des Lehrstuhls für Ernährungsungleicheitsforschung mit besonderer Berücksichtigung der Bekämpfung megalophober Ressentiments der Universität Haarwart, Mark „Pizza“ Shea, zu lesen und alle rückständigen Vorurteile aus ihren Köpfen zu verbannen.

Die Details und seinen innovativen Ansatz erklärt Mark Shea jenseits des Links. Hier ein Auszug:

My reader, clearly unfamiliar with the wonderful diversity within the Lardo/Giganto/Brickhouse/Trans-Fatty community, simply has no understanding of how things work.

It’s like this: When I am fat I am, to quote the Prophet Gaga, “born this way” and simply living out my nature. You are required to celebrate this natural urge to fork what I want, as often as I want, with whom I want—and your Church should be compelled to pay for my meals since food is clearly necessary to human health.  Asking me to curb my appetites is like asking me to change my sex.  It’s absolutely impossible.  Nature made me the way I am.

However, when I become, as I have chosen to do, a “trans-fatty”, you need to realize that I am a thin person who was born into a fat person’s body. So I have the right to eat as much as I want, to practice safe snacks by making sure to purge after each meal, and alter myself by surgery and amputation because there is no such thing as “nature”.  It’s all a construct of dead white males when all that really matters is My Sacred Feelings. This too is something that the State has the right to compel your bigoted Church to pay for—because it’s none of your business what I do in the privacy of my own kitchen.  And you cannot just “tolerate” what I do.  You. MUST. Approve!—because I can’t be healthy unless my feelings are affirmed, whether freely or under threat of fines and jail for you Christian bigots who talk about the “sin of gluttony” and the “virtue of temperance”.  What is this?  The Dark Ages?

I guess what I’m trying to say is this: Whatever pleasurable sensation I want is the most important thing in the world and a truly tolerant society would recognize that and smash anybody who dares to question that—for the sake of diversity.  It would also force the Catholic Church to pay so that I don’t have to face any unpleasant consequences of indulging my appetites.  Because if you Catholics don’t pay for it, then you are denying my right to health and imposing your values on me.

Eine treffende Zusammenfassung der modernen Mentalität zum Thema Sexualität, übertragen auf die Nahrungsaufnahme.

Pädophilie: Warum nicht?

Pädophilie ist unbezweifelbar, wie aus jeder christlichen Sittenlehre hervorgeht, ein großes moralisches Übel und muss sowohl moralisch als auch juristisch verurteilt werden. Diese Haltung vertritt der Autor dieses Artikels mit unnachgiebiger Überzeugung. Dennoch lohnt es sich die im Titel angesprochene Frage zu stellen.

Warum nicht?

Die gesamte christliche Sittenlehre ist ein einziges, zusammenhängendes Ganzes. Man kann aus diesem Grund nicht einfach einige Aspekte isolieren, die man dann ignoriert, weil sie nicht mehr modern oder zu anstrengend oder zu schwierig sind. Geschieht dies, besonders als Massenphänomen, so löst sich der ganze Zusammenhang auf. Entfernt man einen Baustein, geht der innere Zusammenhang verloren – und der Turm verliert an Stabilität, immer weiter, bis er irgendwann einstürzt. Genau das ist derzeit mit der christlichen Moral der Fall.

Als die christliche Moral zumindest theoretisch noch gesellschaftlich akzeptiert war, galten homosexuelle Akte als moralisch verwerflich. Dann kamen einige Aktivisten und wollten dies verändern, damit Menschen mit dieser „alternativen Sexualneigung“ nicht mehr unter gesellschaftlicher Missbilligung zu leiden hätten. Inzwischen ist Homosexualität so sehr „normalisiert“ worden, dass die breite Mehrheit der Menschen derartige Akte für normal und selbstverständlich hält, und jegliche Kritik an ihnen in höflicher Gesellschaft inakzeptabel geworden ist. Zunehmend werden Anhänger der christlichen Moral zu diesem Thema in die gesellschaftliche Ecke gedrängt, Toleranz wird zur Einbahnstraße. Schließlich wird dann das Äußern politisch inkorrekter Meinungen unter Strafe gestellt. Der letzte Schritt beginnt bei der Homosexualität gerade erst, doch die ersten Spuren sind schon in England und anderswo zu finden.

Die christliche Moral wird in folgenden Schritten ausgehebelt:

1. Entkriminalisierung: Verhalten X ist natürlich unmoralisch und verwerflich, aber letztlich Privatsache.

2. Duldung: Verhalten X mag für uns unmoralisch sein, aber wir sollten es nicht nur rechtlich, sondern auch im allgemeinen gesellschaftlichen Umgang tolerieren.

3. Neutralität: Verhalten X ist nicht unmoralisch, sondern ein alternativer Lebensstil, den wir respektieren müssen.

4. Gleichstellung: Verhalten X ist genauso legitim wie Verhalten Y, das früher als die einzig richtige Norm galt. Gesetzliche und gesellschaftliche Benachteiligungen sind auszugleichen.

5. Gleichschaltung: Verhalten X ist völlig in Ordnung und gesellschaftlich zu schützen. Zuwiderhandlung wird mit (…) bestraft.

Die Normalisierung der Homosexualität hat die Schritte 1 bis 3 längst durchlaufen. Derzeit sind wir in Deutschland bei Schritt 4, doch die Vorbereitungen für Schritt 5 laufen schon.

Da in der Sittenlehre, wie oben erwähnt, alles mit allem verbunden ist, und dieselben Prinzipien die ganze Lehre durchziehen, bleibt die Auflösung eines Gebots nicht ohne Folgen für andere Gebote. So führt die Akzeptanz von Verhütungsmitteln einerseits, durch die Trennung von Sexualität und Fortpflanzung, zur Akzeptanz von Homosexualität, andererseits, durch den Druck der Ereignisse und ungewollte Schwangerschaften, zuderen Verhinderung das verhütende Paar berechtigt zu sein glaubt, zur Legalisierung und Normalisierung der Abtreibung.

Ebenso führt die Normalisierung der Homosexualität zu weiteren moralischen Zerfallserscheinungen. Das Argument lautet meistens, es sei ja alles mit Einwilligung geschehen, und Sex mit Einwilligung sei niemals falsch – schließlich lieben sie einander ja… Doch dasselbe Argument kann auch zur Normalisierung von Pädophilie benutzt werden – viele 13-jährige Kinder sind, gerade in Zeiten immer früherer Sexualisierung, ohne Weiteres in der Lage, ihre Zustimmung zu einem Sexualakt zu geben. Und wer kann schon genau sagen, wann eine solche Einwilligung wirklich freiwillig ist, und wann nicht? Die hier auftretenden Grauzonen können jederzeit von interessierter Seite genutzt werden.

Dasselbe gilt, in weit stärkerem Maße, für die Polygamie. Alle Partner haben eingewilligt, zu dritt Sex zu haben. Das ist doch völlig in Ordnung, oder? Wenn nicht, warum nicht?

Zudem überlege man sich, ob unter dieser Annahme wirklich das Inzesttabu gehalten werden kann? Wenn Sexualität nur von der Einwilligung abhängt, dann ist Inzest auch in Ordnung. Natürlich besteht ein Gesundheitsrisiko für Nachkommenschaft. Aber erstens kann man verhüten, zweitens abtreiben und selbst wenn man dieses Risiko für zu groß hält: Warum soll nicht der erwachsene Sohn mit seinem Vater eine homosexuelle Beziehung führen? Warum nicht der Sohn mit seiner nicht mehr zeugungsfähigen Mutter? Warum nicht zwei Brüder oder zwei Schwestern? Warum nicht zwei Brüder mit ihrer alten Großmutter? Wenn sie doch wollen? Ist doch freiwillig…

Wenn es wirklich nur um Einwilligung geht, dann sind alle diese Konstellationen denkbar und vollkommen moralisch. Natürlich würde das heute in der Öffentlichkeit noch kein „progressiver“ Aktivist sagen – doch wer hätte vor 50 Jahren gesagt, er sei für die Homo-„Ehe“? So etwas war damals genauso undenkbar wie die Aufhebung des Inzesttabus oder des Pädophilietabus heute.

Natürlich würden heutige „Fortschrittliche“ derartige Absichten jederzeit leugnen – und die meisten von ihnen vermutlich völlig zu Recht. Dennoch besitzt die heutige Position der „Fortschrittlichen“ aller Parteien und Gesellschaftsschichten kein logisches Argument gegen eine zukünftige Generation von Modernisierern, die ebenso an den heute noch akzeptierten Tabus zweifelt, wie die 1968er an den damaligen Tabus.

Und da die interne Logik der Position unaufhaltsam in diese Richtung zeigt, wird es früher oder später dazu kommen. Dann werden die heutigen Fortschrittlichen exakt dasselbe Problem haben, wie ihre Vorfahren in den 1960er Jahren. Diese hatten keine Argumente, warum Verhütung in Ordnung ist, aber ebenso sterile homosexuelle Akte nicht. (Entweder die Abkopplung von Sexualität und Fortpflanzung durch menschliche Kunstfertigkeit ist erlaubt, oder sie ist nicht erlaubt.) Jene werden in Zukunft keine Argumente haben, warum Freiwilligkeit das einzige Kriterium bei sterilen homosexuellen Akten sein soll, aber nicht bei sterilen pädophilen Akten oder bei Inzest unter nicht zeugungsfähigen Personen.

Der verknöcherte Zeigefinger wird den Moralrevolutionären gut stehen. Oder werden sie sich dann der neuen Revolution anschließen und Freie Liebe zwischen Papa und Sohn fordern?

Einigen Lesern mag dies weit hergeholt klingen. Doch zumindest die Normalisierung von Pädophilie befindet sich im Vorreiterland USA sowie in Großbritannien bereits mindestens in Phase 1 (siehe hier und hier). Und was derzeit noch weithin „intolerant“ abgelehnte Akte der Polyamorie (geschlechtsneutrale Form der Polygamie) betrifft, man schaue sich einmal die Lage in den Niederlanden zu diesem Thema an, etwa hier. Und das Inzesttabu? Nun ja, bisher fordert noch niemand öffentlich die Legalisierung von Vater-Sohn-Sexualität. Doch je mehr die Kinder sexualisiert werden, in Schulen, in Medien, in der Gesellschaft allgemein, umso stärker werden auch hier die Hemmschwellen sinken. Das Kind wird ja heute nicht nur selbst sexualisiert, also zu sexuellen Handlungen angestiftet, sondern auch als Sexobjekt kommerziell nutzbar gemacht. (siehe etwa hier oder hier)

Es mag weit hergeholt klingen, doch genauso klang die Homo-„Ehe“ 1960 auch.

Die gefährlichste Frage in der Sittenlehre ist „Warum nicht?“. Denn die meisten Menschen können darauf keine gute Antwort geben, nicht weil es keine gäbe, sondern weil sie sich damit nie beschäftigt haben.

Hinweis: Man lese sich zu diesem Themenkomplex einmal diesen, diesen und diesen Artikel von Mark Shea durch.

Heilige Abtreiber?

Können Frauen, die abgetrieben haben, heiliggesprochen werden? Aus christlich-katholischer Perspektive ist diese Frage sehr leicht: Natürlich können sie, aber nur wenn sie die schwere Sünde der vorgeburtlichen Kindstötung ehrlich bereuen und das Bußsakrament empfangen. Gott vergibt in Seiner unendlichen Barmherzigkeit jede Sünde, wenn der Sünder es nur zulässt, wenn er die Barmherzigkeit nicht durch Unbußfertigkeit aus seinem Herzen verstößt. Gott will jeden von uns, egal welche Missetaten auf unser Konto gehen, jeden von uns auf ewig bei sich haben. Doch da Gott uns freien Willen gegeben hat (ohne freien Willen könnten wir weder einander noch Gott lieben, da wir dann nur mechanische Konstrukte wären, ohne Fähigkeit zur eigenen, unabhängigen Entscheidung), können wir uns gegen die Annahme dieses unendlichen Gnadengeschenks der Erlösung von unseren Sünden zur Wehr setzen. Es ist dem Menschen möglich, das Geschenk der Erlösung abzulehnen, indem er nicht bereut, seine sündhaften Wege nicht mit der Hilfe Gottes zu verlassen sucht, sondern in ihnen persistiert bis zum Ende seines Lebens. Gott gibt viele Chancen, aber am Ende ist es unsere Entscheidung, ob wir erlöst werden wollen oder nicht. Die Tore der Hölle sind von innen abgeschlossen. Niemand, der dorthin kommt, wird, wenn er erst einmal dort ist, die Gerechtigkeit des Urteils bestreiten.

Also kann selbstverständlich auch der schlimmste Abtreiber, der schlimmste Mörder, und, um es erst recht auf die Spitze zu treiben, selbst ein Stailn oder Hitler, die Erlösung erlangen. Natürlich tilgt selbst die beste, ehrlichste und tiefste Reue samt Bußsakrament nicht die zeitlichen Folgen der Sünden, so dass die genannten Schwerverbrecher wahrscheinlich sehr ausführliche Bekanntschaft mit den bereits erlösten, aber noch im Prozess der Reinigung befindlichen Seelen im Fegefeuer machen werden. Aber in letzter Konsequenz steht keinem Menschen etwas anderes auf dem Weg in den Himmel im Wege als er selbst. Und wer erlöst ist, wer bei Gott ist und Sein Angesicht auf ewig schaut, der ist bereits heilig. Daher kann die Kirche natürlich auch schwerste Sünder heiligsprechen – immer Reue und Buße vorausgesetzt.

Alle Menschen sind Sünder – nicht alle Sünden sind natürlich gleich schwer, aber wir alle haben Reue und Buße wahrhaft nötig. Die Sünden mancher Menschen sind größer als die anderer Menschen. Doch Gott ist in der Lage selbst die tiefste Wunde zu heilen. Das alles ist vollkommen klar aus der Sicht der christlichen Theologie.

Dennoch liest man dann Artikel wie diesen, in dem Mark Shea mit diesen und ähnlichen Argumenten systematisch die unbedachten und ignoranten Argumente zerlegt, die auf der Religionsseite von CNN verzapft worden sind. Auch der Religionskommentator bei CNN kommt zu dem Ergebnis, eine Abtreiberin könne heiliggesprochen werden. Er begründet dies auch: Das habe zwei Gründe, erklärt er. Erstens habe es etwas mit der Christlichen Lehre der Vergebung zu tun, aber vor allem liege es daran, dass viele Katholiken „von der offiziellen Parteilinie“ in Fragen wie Homosexualität, Verhütung und Abtreibung abweichen. Diese Argumentation wird von Shea wie gesagt systematisch zerlegt, was auch das einzige ist, das man mit solch ignorantem Unfug tun kann. Aber dass ein solcher Artikel ernst genommen wird, zeigt wie wenig selbst in einem relativ religiös geprägten Land wie den USA über den Katholizismus im Speziellen und das Christentum im Allgemeinen bekannt ist. Die elementarsten Informationen fehlen den Religionskommentatoren – und sicherlich auch den einfachen Leuten, denen die Unsinnigkeit des Arguments gar nicht auffällt.

Solange jemand nicht einmal den Unterschied zwischen Vergebung und Entschuldigung von Sünden verstanden hat, kann er eigentlich nichts hinsichtlich des Christentums sagen oder schreiben, ohne sich lächerlich zu machen. Wenn ich eine Sünde entschuldige, dann sage ich: „War schon nicht so schlimm“. Vergebe ich sie, dann sage ich fast genau das Gegenteil: „Es war schlimm, aber ich vergebe dir.“ Dieser fundamentale Unterschied kann einer interessierten und halbwegs intelligenten Person selbst heutzutage eigentlich nicht entgehen.

In seinem lesenswerten Artikel verweist Shea dann auf die vielen Abtreibungsärzte und Frauen, die abgetrieben haben, nur um später ihr Unrecht einzusehen und umzukehren. Sie alle sind mit offenen Armen empfangen worden, sie alle sind vollauf akzeptiert worden, auch und gerade von den traditionellsten und konservativsten Elementen in der Kirche und der weiteren Pro-Life-Bewegung. Die einzigen, die vielleicht etwas weniger gut reagiert haben, sind genau die „Katholiken“, die Abtreibung nicht für sündhaft halten, und deshalb dachten, es gebe gar nichts zu bereuen. Die also, wie der umwissende Religionskommentator und Soziologe auf CNN es formulieren würde, nicht der offiziellen Parteilinie folgen. (Natürlich folgen auch traditionelle Katholiken keiner „Parteilinie“, da die Kirche keine Partei ist. Doch Ideologen und Soziologen – oft genug tragen beide Worte dieselbe Bedeutung – können nur von sich auf andere schließen, und wer alles politisiert hat, wird überall Parteien sehen. Katholiken hingegen folgen keiner Partei, sondern Gott und Seiner Kirche.)

Abschließend lässt sich also sagen: Natürlich kann NUR derjenige, der die Lehre der Kirche über die Vergebung der Sünden akzeptiert, für die Heiligsprechung einer Frau sein, die abgetrieben hat. Denn wer nicht glaubt, dass es da Sünden zu vergeben gäbe, der wird auch in einer entschlossenen Umkehr keinen besonderen Wert sehen. Die Heiligen sind eben nicht in erster Linie „perfekte Menschen“, sondern fehlerhafte Menschen, die sich Gott zugewandt und ihn und den Nachsten wirklich zu lieben versucht haben.