Gottesdienst heute

Von einer guten alten Novus Ordo Messe, ganz geweiht dem Gott in drei Personen, Erzeuger, Erzeugnis und Heiliger Zeitgeist, berichtet Mundabor.

Die fragliche Messe fand in Belgien statt. Ich fürchte allerdings, dass ähnliche Erlebnisse auch im deutschsprachigen Raum schon viele Katholiken ereilt haben dürften.

Ein weiteres Argument, jenseits aller komplexen theologischen Argumente, gegen „Kreativität“ in der Litugie besteht einfach darin, dass wahre Kreativität eben nicht liturgischer oder ritueller Natur sein kann. Das Wesen des Ritus besteht gerade in der Repetition, in der gleichbleibenden, geordneten Wiederholung der rituellen Handlungen, während es keine Kreativität ohne ständige Neuheiten geben kann. „Kreative Liturgie“ scheitert daher nicht nur an dem Versuch liturgisch zu sein, sondern auch an dem Versuch kreativ zu sein.

Wie männlich war Jesus?

In letzter Zeit bin ich auf gleich drei Artikel gestoßen, die sich mit dem verbreiteten Mythos eines Hippie-Jesus, eines verweichlichten, langweiligen Achtundsechzigers, auseinandersetzen. Auf diese Artikel möchte ich kurz verweisen.

Msgr. Charles Pope: „Jesus was no Girlie-Man“

Mundabor: „Jesus Was No Girlie“

Fr. Longenecker: „Clint Eastwood and Jesus“

Meine eigene Auffassung deckt sich größtenteils mit dem Tenor der drei Artikel. Jesus ist nicht nur wahrer Mensch und wahrer Gott gewesen, sondern er war auch ein wahrer Mann. Er war so, wie Männer sein sollten. Er hat seine Männlichkeit nicht abgelegt, sondern er hat sie geradezu in absoluter Perfektion besessen. Er war der männlichste Mann, der jemals auf Erden gewandelt ist. Er vermochte die Stärken der männlichen Natur vollkommen auszunutzen. Eine Zusammenstellung kurzer Auszüge aus Msgr. Popes Artikel (schöner Name für einen katholischen Priester übrigens…) drückt dies hervorragend aus:

We also may cull from Scripture an impression of health, power, energy and well being in Jesus. Jesus seems to have been a thoroughly healthy man, not prone to fatigue and with a great capacity for work.

(…)

And now to his mental stature itself. He faced many malevolent enemies among the Pharisees and Sadducees and dealt with them effectively, reducing them to silence (so much so that they began to plot his death). In addition there were tiring explanations to be offered to disciples who were often slow to learn. His self assurance is manifest. In the midst of a raging storm he went on peacefully sleeping till his disciples woke him. He immediately grasps the situation and rebukes the storm.

There was tremendous clarity in his thought. He had an absolute grasp of His goal which gave him an inflexibility and finality (in the good sense) of his will. Jesus knows what he wills and determinedly pursues it. This is evident even at twelve years of age in the temple.

The three temptations in the desert are turned back forcefully by the Lord. He is never deterred by opposition.

(…)

He bore so clearly the marks of the true, the upright, and the strong

(…)

Jesus was a born leader

(…)

He spoke with towering authority and the people sought the loftiest images to in wondering who he could be. Is he John the Baptist? Elijah? Jeremiah or one prophets? (Matt 16:14) His spiritual power and authority discharged themselves in stern language and bold action when the powers of evil arrayed themselves against him. Demons trembled against his awesome power (Matt 4:10.)

(…)

He is absolutely clear and unflinching in dealing with the scribes and Pharisees.

Und nun Msgr. Popes Zusammenfassung:

To describe Jesus psychologically would be to describe his as a man of purposeful virility, absolute genuineness, austere uprightness, and heroic in performance. He knows the truth, knows himself and, with exact clarity, executes his mission.

Ja, ein wirklicher Mann, kein „metrosexueller“ Schwächling. So sollten unsere Priester und Bischöfe auch sein.

 

Der Apple-Papst?

Mundabor schreibt über einen möglichen Vergleich zwischen dem offenbar schwer kranken und kürzlich zurückgetretenen Apple-Gründer Steve Jobs einerseits und dem Papst und der katholischen Kirche andererseits. Der Artikel ist ganz lesenswert – mir zumindest war der Vergleich noch nicht bekannt. Aber irgendwie passt er schon. Ein Vorgeschmack:

Like the Church, Apple offered you a world of uncompromising beauty and superior intelligence, for which there is a heavy price to pay. But with Apple you couldn’t even try to dodge the unpleasant bits; you couldn’t be an apple-follower” in name only”: the phone or other device you had in your hand showed which creed you subscribed to.

Worin genau die Ähnlichkeiten zwischen Apple und der Kirche bestehen (und wo nicht), kann man bei Mundabor nachlesen. Eine Ergänzung hätte ich noch: Steve Jobs bei einer Präsentation eines neuen Produkts auf seiner Bühne erinnert mich ein wenig an das Verhalten mancher Priester bei der Heiligen Messe im ordentlichen Ritus – Zelebrationsrichtung – kundenorientiert – stimmt jedenfalls…

Doch genug der Scherze. Der Mann ist schwer krank und wird vermutlich bald sterben. Beten wir also für ihn.

Protestantischer als Martin Luther

Eines der ständig wiederkehrenden Themen dieses Blogs ist der Verfall der katholischen Identität in Deutschland und dem christlichen Westen allgemein. Dieser Blogartikel von Mundabor passt sehr gut dazu. Bezüglich der Frage nach der Legitimität der Handkommunion (nicht der Legalität, da gibt es keine Frage: Sie ist derzeit nach den Regeln der Kirche in Deutschland erlaubt) gibt es einen fundamentalen Unterschied zwischen Martin Luther und den Konzilsvätern:

Taking Lessons from Luther is exactly what our heroes, the “Conciliar Fathers”, should have done once come back to their diocese after V II. Luther would have told them that communion must be:

1. kneeling, and
2. on the tongue

Es ist kaum zu bestreiten, dass ein wesentliches Ziel der Konzilsväter (oder zumindest der Mehrheit unter den einflussreicheren Kräften beim letzten Konzil) darin bestand, die Kirche von ihren Riten und Praktiken her dem Protestantismus anzunähern. Manche behaupten auch, dass durch das Konzil etwas an der Theologie der Kirche verändert worden sei, andere wiederum erklären, man müsse die Texte nur richtig interpretieren, dann werde man den korrekten Sinn im Einklang mit der Tradition schon feststellen. Letzteres ist die Linie des Heiligen Vaters – Hermeneutik der Reform statt des Bruchs – und daher hat diese Vorstellung erst einmal bis zum Beweis des Gegenteils ein größeres Gewicht. Mir persönlich erscheinen manche Differenzen zwischen der Tradition und dem II. Vatikanischen Konzil schwer zu überbrücken, aber ich bin auch nicht der größte lebende Theologe des 20. Jahrhunderts, wie unser Papst. Doch darum soll es mir hier gar nicht gehen. Was ich sagen will ist folgendes:

Wieder einmal stellen wir fest, dass die Kirche sich mit ihrem Versuch der Annäherung an den Protestantismus bloß an die verweltlichte Form des Protestantismus wie er in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts üblich geworden ist, angepasst hat. Selbst die authentischen Traditionen, die die Lutheraner dem großen Schisma zum Trotz noch bewahrt hatten, wurden einfach so über Bord geworfen.

Mundabor dazu:

This means that even people who did not believe in the Real Presence managed to deal with the host in a more respectful way than the “Conciliar fathers” did once returned to their dioceses.

Go figure.

Ich bleibe dabei: Es gibt einen unfehlbaren Weg, die Spaltung zwischen Protestanten und Katholiken zu heilen. Man muss nur eine Zeitmaschine bauen, mit ihr in die Zeit Luthers reisen, und Martin Luther einen Tag vor seinem berüchtigten Thesenanschlag glaubhaft versichern, was seine zukünftigen Schüler aus dem christlichen Glauben gemacht haben. Luther nähme sofort jede Kritik am Papst und der Kirche zurück, suchte eilig einen Beichtstuhl auf, und begäbe sich dann auf Knien nach Rom, um Buße zu tun und um Vergebung zu flehen, den ganzen Weg über sich selbst geißelnd vor Scham.

Ähnliches könnte man wahrscheinlich auch mit Calvin und den anderen „Reformatoren“ machen. Bei ihren geistigen Schülern, den Neo-Reformatoren in der katholischen Kirche wäre dieser Versuch vermutlich sinnlos – im Gegensatz zu den echten Reformatoren glauben sie nämlich gar nicht mehr im traditionellen Sinne an den christlichen Gott, nicht mehr an Jesus Christus und den Heiligen Geist, und definitiv nicht mehr an die Kirche.

Martin Luther war ein Häretiker – er glaubte nicht die Lehre der Kirche, sondern schnitzte sich seinen Glauben selbst, indem er Teile der Überlieferung ablehnte. Jedoch gab es für seine Handlungen noch psychologische, subjektive Rechtfertigungsgründe. Es gab wirklich Missstände in der Kirche. Und was er statt der Lehre der Kirche glaubte, war zwar falsch, und sollte schlimme Folgen zeitigen, doch war für sich genommen noch als christlicher Glaube erkennbar. Und er glaubte es wirklich, nicht nur aus Eigennutz, Karrierestreben oder Gefälligkeit gegenüber der Welt. Das alles ändert nichts an der objektiven Verwerflichkeit seiner Taten, aber er hatte, wie gesagt, wenigstens noch seine christlichen Gründe, so fehlgeleitet er auch gewesen sein mag.

Doch die heutigen Verbands- und Berufskatholiken, und mit ihnen ein signifikanter Teil der Bischöfe, haben selbst diese Form des ehrlichen Glaubensirrtums im Geiste der Moderne überwunden. Sie glauben nicht an die Realpräsenz und haben auch sonst ihren Glauben auf lutheranische Weise von spezifisch katholischen Elementen „gereinigt“ – aber sie haben ihn auch von spezifisch lutheranischen Elementen gereinigt. Luther wäre nie auf die Idee gekommen, dass Homosexualität, Abtreibung, Tötung von ungeborenen Menschen (Embryonen) im Namen wissenschaftlicher Fortschung usw. etwas anderes seien als schwere moralische Übel. Und weder Luther noch Calvin hätten Clownmessen geduldet.

Verglichen mit den Verbands- und Stuhlkreiskatholiken in Deutschland erscheinen Luther und Calvin auf einmal ziemlich attraktiv. Es ginge der Kirche in Deutschland besser, wenn diejenigen, die öffentlich für die Kirche sprechen, doch wenigstens einen so festen christlichen Glauben besäßen, wie die großen häretischen Reformatoren Luther und Calvin!