Ein altes unfreies Bistum?

Dies möchte man vom Bistum Augsburg wohl annehmen – ein altes, unfreies Bistum zu sein – verbietet es doch, diesem Artikel von kath.net zufolge, dem angesehenen Pfarrer Oblinger für die konservative Wochenzeitung „Junge Freiheit“ zu schreiben, für die er seit Jahren regelmäßig Kolumnen verfasst hat. Darüber hinaus scheint es sich, diesem Artikel zufolge, auch um ein generelles Schreibverbot für den Pfarrer Oblinger zu handeln, bei dem seine zukünftigen Schreibaktivitäten durch das Bistum vorher abgesegnet werden sollen.

Ich möchte von der kirchenrechtlichen Frage, ob dies formal erlaubt ist, Abstand nehmen. Mangels Sachkenntnis überlasse ich jegliches Urteil hinsichtlich der juristischen Zulässigkeit des Verhaltens des Bistums den Kirchenrechtlern. (Wobei man sich fragen muss, warum ein glaubenstreuer Pfarrer wie Oblinger Schreibverbot erhält, aber dasselbe nicht gegenüber der Vielzahl heterodoxer Schreiberlinge geschieht, die die Kirche heute aufzubieten hat.

Vielmehr möchte ich eine Frage der Gerechtigkeit stellen: Ich möchte nicht fragen, ob es eine juristische Grundlage für das Verhalten des Bistums gibt, sondern ob dieses Verhalten im moralischen Sinne gerechtfertigt werden kann. Und da kann, besonders hinsichtlich der Kolumnen des Pfarrers in der „Jungen Freiheit“ wohl kein Zweifel bestehen. Bei der Jungen Freiheit handelt es sich um eine konservative, deutsche Wochenzeitung – mit allem, was das impliziert. Dort sind eher liberal-wirtschaftsfreundliche Autoren vertreten, dazu welche mit christlichem Hintergrund (sowohl evangelisch als auch katholisch), die sich der Entchristlichung erwehren möchten, und natürlich auch nationalkonservative Autoren. Dies ist nun einmal das Profil des Konservatismus in Deutschland – christliche, liberale und nationalkonservative Strömungen koexistieren hier in ihrem gemeinsamen Kampf gegen den antichristlichen, antifreiheitlichen und internationalistischen Zeitgeist, dabei für die Bewahrung der wirtschaftlichen Freiheit, der christlichen Werte des Abendlands und der deutschen Nation als Träger souveräner Gestaltungsmacht in der Weltpolitik kämpfend.

Je nach politischer Ausrichtung kann man dieses Engagement richtig oder falsch finden. Ich bin auch kein regelmäßiger Leser der Jungen Freiheit, wenn ich auch die Kolumnen von Pfarrer Oblinger, die in der Onlineausgabe verfügbar sind, immer gern gelesen habe. Sie enthielten auch keinen übertriebenen Nationalismus oder irgendetwas, das vielleicht aus Sicht eines wohlmeinenden katholischen Bischofs anstößig sein könnte. Vielmehr verströmten sie einen christlichen, katholischen Geist, behandelten oft in freundlicher, aber klarer Weise die Probleme einer mehr und mehr entchristlichten Gesellschaft und scheuten sich auch nicht in respektvoller Weise auf die innerkirchliche Glaubenskrise hinzuweisen. Wenn die Kolumnen des Pfarrers Oblinger in der Jungen Freiheit in irgendeiner Form repräsentativ für sein ganzes Schrifttum sind, dann ist dieses Schreibverbot für einen rechtgläubigen, konservativ denkenden Pfarrer nichts weniger als ein gewollter Affront gegen alle rechtgläubigen, konservativ denkenden Katholiken seitens eines Bistums, das gerade in den letzten Jahren, gerade hinsichtlich der unwürdigen Behandlung des Bischofs Mixa, durch solcherlei Affronts aufgefallen ist, sich jedoch konstruktiver Beiträge im Kampf gegen die Kirchenkrise oder im Zuge der Neuevangelisierung nahezu gänzlich enthalten hat.

Ein deutsches Musterbistum eben.

Wie gesagt – wenn des Pfarrers Worte in der Jungen Freiheit repräsentativ für sein ganzes Schrifttum sind. Vielleicht wissen wir nicht alles, und es ist – wie immer – angemessen, den zuständigen Stellen die Möglichkeit der Rechtfertigung ihres Verhaltens vor dem Hintergrund katholischer Rechtgläubigkeit zu geben. Vielleicht steckt mehr hinter der Sache, als wir von außen erkennen können. Jedoch scheint es mir dafür derzeit keinen Anhaltspunkt zu geben, so dass ich von der zumindest allgemeinen Zuverlässigkeit der vorliegenden Informationen ausgehen muss.

Und diese Informationen lassen einen relativ klaren Schluss zu: Im Bistum Augsburg darf nur schreiben, wer zumindest mit der Häresie sympathisiert, oder sie nicht zu ausdrücklich verurteilt, und wer bereit ist, mit klaren Worten zu den Ursachen der Kirchenkrise „hinterm Berg“ zu halten.

Sollte das Bistum seinen für mich unverständlichen Schritt in irgendeiner Form mit der Kolumne des Pfarrers Oblinger bei der Jungen Freiheit rechtfertigen, so nähme diese Affäre noch hässlichere Züge an – denn in diesem Fall unternähme es ganz offiziell ein deutsches Bistum, den politischen und gesellschaftlichen Konservatismus, an den „rechtsextremen“ Pranger zu stellen, an den man der Jungen Freiheit aus interessierten Kreisen immer wieder zu stellen versucht hat.

Wobei natürlich die Frage ist, ob eine Zeitung, die Bundeskanzler Adenauer vermutlich als ziemlich mild in ihrer christlichen und nationalkonservativen Ausrichtung angesehen hätte, wirklich sinnvoll als rechtsextrem gebrandmarkt werden kann, oder inwiefern eine solche Etikettierung heutzutage nicht jeglichen Erkenntniswertes entbehrt. Ist ein Festhaltenwollen am nationalstaatlichen Ordnungsprinzip, der Wunsch zur Begrenzung der Zuwanderung besonders nichteuropäischer Menschen usw. bereits unchristlich oder rechtsextrem? Ein solcher Wunsch ist vielleicht politisch falsch – da mag man geteilter Ansicht sein – aber keinesfalls unchristlich, haben doch alle christlichen Gesellschaften zu jeder Zeit das Recht beansprucht, die nationalen Grenzen nach eigenem Wunsche zu regulieren.

Aber ein Bistum, das Pfarrer Oblinger Schreibverbot erteilt, hätte wohl auch jedem rechtgläubigen katholischen Pfarrer vor 1970 Schreibverbot erteilen müssen, um das elementare Gerechtigkeitsprinzip der Gleichbehandlung des Gleichen nicht zu verletzen.

Ein solches Bistum ist auch zwangsläufig kein Magnet für junge Katholiken, die ihren Glauben frei leben wollen, ohne sich ständig darum fürchten zu müssen, für ihre lehramtstreuen Positionen in die rechte Ecke gestellt zu werden. Denn in den antifaschistischen Gruppen, die oft die Hauptprofiteure des staatlichen „Kampfes gegen Rechts“ sind, wird nicht selten auch die Opposition gegen die „Reproduktionsfreiheit der Frau“ oder die Ablehnung der „Freiheit von Homosexuellen zu heiraten“, als faschistisch und rechtsextrem gesehen. Wie lange noch, bis im Bistum ähnliche Haltungen im Zuge der Anpassung an die Welt und ihren Zeitgeist eingenommen werden?

Wie gesagt, dies alles unter der Annahme, dass die mir vorliegenden Informationen stimmen. Vielleicht gibt es ja einen besseren Grund – doch wenn es ihn gibt, dann sollte das Bistum ihn nennen.

Hier übrigens ein direkter Link zum Archiv der Kolumnen des Pfarrers Oblinger bei der Jungen Freiheit. Dort können sich die Leser gern selbst überzeugen, ob Pfarrer Oblinger durch seine Schriften wirklich eine Bedrohung für den katholischen Glauben darstellt – was ja ein kirchliches Schreibverbot allenfalls rechtfertigen könnte – oder ob sie nicht einfach eine Gefahr für den säkularisierten Katholizismus der Reformation darstellen, welcher heute in Deutschland seitens der offiziellen Stellen allzuoft angeboten wird. Besonders angesichts der Tatsache, dass erst vor gut zwei Monaten eine Kolumne des Pfarrers Oblinger erschienen ist, in der er (klarsichtig wie meistens) erkannte, dass „bestimmte innerkirchliche Kreise eine protestantierte, priesterlose Kirche“ wollen. Ob sich da wohl jemand angesprochen gefühlt hat?

Dialog und Schisma

Auf Papsttreu im Pott findet sich ein Teilnehmerbericht vom Dialogtreffen des Bistums Essen in Duisburg. Ich möchte hier einige Kommentare zum Thema abgeben, es lohnt sich jedoch, zuerst den verlinkten Artikel zu lesen.

Wie inzwischen scheinbar üblich fand auch dieses Treffen wieder in einer Kirche vor dem Allerheiligsten statt. Selbstverständlich kümmerten sich die Dialogisten nicht allzu sehr um Jesus oder irgendwelche anderen altmodischen Vorstellungen wie Anbetung oder Verehrung. Das kann auch nicht verwundern, denn unveränderliches Lehramt der Kirche umstoßen zu wollen, deutet nicht gerade auf Respekt vor Jesus und seiner von ihm eingesetzten Kirche hin.

Im Gegenteil: Geht es den Teilnehmern des Dialogprozesses nicht vielmehr um eine „neue Kirche“? Der Eindruck scheint sich unter den Verbandskatholiken, die generell die größten Befürworter des Dialogprozesses sind, immer mehr zu bestätigen. Besonders die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands mit ihren immer extremeren Aktionen, die schon an schismatische Akte grenzen, wie kürzlich die Einleitung einer Unterschriftenaktion gegen unveränderliches Lehramt zum Thema Beihilfe zum Essen des Gerichts für unbußfertige Ehebrecher gezeigt hat. Ich habe den Link, werde ihn aber hier nicht angeben – jeder kann etwa durch Google die Unterschriftenaktion problemlos finden. Hier wird öffentlich Stimmung gegen die Lehre der Kirche gemacht – und das von einer offiziellen katholischen Organisation. Kein Wunder, dass gläubige katholische Vereinigungen wie das Forum deutscher Katholiken inzwischen fordern, die Bischöfe mögen doch bitte überprüfen, ob sich diese radikal-feministische, in ihren Haltungen zu wichtigen Fragen von Theologie und Sittenlehre offen anti-katholische Gruppierung weiterhin „katholisch“ nennen dürfe.

Es gibt dabei nur ein Problem: Stimmt nicht zumindest der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, wie auf diesem Blog schon mehrfach berichtet und kommentiert, der Haltung der „katholischen“ Frauengemeinschaft weitgehend zu? Und sind nicht die anderen Bischöfe sehr zurückhaltend mit Aktionen, die sie in der Öffentlichkeit als offensichtlich katholisch – und stolz darauf – brandmarken könnten? Es ist also nicht damit zu rechnen, dass Bischöfe, von denen selbst die Besseren, wie Bischof Overbeck, einen Dialogprozess mittragen und Veranstaltungen wie die, auf die sich der oben verlinkte Erlebnisbericht bezieht, offensichtlich gutheißen, eine klare Haltung zum immer weiter herannahenden Schisma in Deutschland finden werden.

Wie schon öfters seit mindestens 40 Jahren werden die deutschen Bischöfe sich formal korrekt verhalten, oder von der Korrektheit nur abweichen, wenn es keine Konsequenzen aus Rom zu befürchten gibt, aber weder mit der Kirche fühlen noch mit ihr denken. „Sentire cum Ecclesia“ ist nicht nur an theologischen Fakultäten in Deutschland ebenso fremd geworden wie die Sprache, in der die Sentenz formuliert ist, sondern auch unter den für besagte Fakultäten zuständigen Bischöfen. Sie werden das Nötigste tun, um ein formales Schisma zu vermeiden, aber nicht mehr.

Also wird der Dialogprozess weitergehen, der religiöse Glaube in Deutschland wird weiter verfallen, die Kirche wird langsam aber sicher aussterben.

Auf Papsttreu im Pott wird darauf hingewiesen, dass unter den (wenigen) anwesenden Jugendlichen die meisten eher den Papst und die Kirche in Schutz nahmen. Es ist auch nur zu leicht einzusehen warum: Ich kommentierte auf dem Blog:

Die Kirchendemokraten sterben aus. Sie haben 98% der nachwachsenden Generation davon überzeugt, dass sie sich ihre eigene Wahrheit und ihren eigenen Glauben machen können – die nachwachsende Generation hat das vollkommen verinnerlicht. Wenn sie sich ihre eigene Wahrheit machen kann, dann braucht sie die Kirche ja gar nicht mehr. Warum also die ganze Mühe? Warum sonntags früher aufstehen, warum endlose Sitzungen, warum das ganze Volksbegehren und Aufbegehren, wenn man sich doch einfach seinen eigenen Glauben und seine eigene Wahrheit konstruieren kann, so wie man sie gerade braucht?
98% der nachwachsenden Generation stimmen den Kirchendemokraten völlig zu. Konsequent bleiben sie also aus der Kirche fort – sie vermag ihnen nichts zu bieten, was sie nicht auch woanders bekommen könnten.
Übrig sind die 2% die den Glauben der Kirche weitertragen.
Eine Reinigung im Säurebad, aber eine nötige Reinigung.

Wenn das stimmt, und davon bin ich überzeugt, wäre dann nicht die beste Chance für die katholische Kirche, das ohnehin kommende Schisma zu forcieren, um die verbliebenden Gläubigen zu einer Entscheidung zu zwingen? Ich bin mir nicht sicher.

Einerseits:

Kommt es zum Schisma, dann wird man endlich klar sehen, wer wo steht, wer dem Bischof von Rom seine Treue hält, und wer bloß dem Kanzler in Berlin, wer katholisch und wer deutsch-katholisch sein will. Die meisten Bischöfe würden vermutlich eher zum deutsch-katholischen Lager zählen, ebenso viele Priester, und wenn wir ehrlich sein wollen, auch 90% der katholisch Getauften. Die anderen könnten dann, ohne die lähmende Last bürokratischer Strukturen und mit einem neuen Missionseifer in Unabhängigkeit von einem zunehmend christenfeindlichen deutschen Staat und dem Konformität statt Glaube fördernden Kirchensteuersystem eine Renaissance des christlichen Glaubens in Deutschland einleiten. Sie könnten eine kleine, aber aufgrund ihrer außerordentlichen Treue zur Kirche in Glauben, Sittenlehre und Liturgie starke Kirche in diesem Missionsland sein. Sie könnten eine christliche Kultur im Kleinen leben, und für die vielen Unzufriedenen und vom Modernismus innerhalb und außerhalb der Gotteshäuser enttäuschten Menschen ein Zufluchtsort werden.

Andererseits:

Kommt es zum Schisma, wird die katholische Kirche in Deutschland von ihren derzeit 25 Millionen Mitgliedern mindestens 90% verlieren. Damit entfielen auch Einnahmen in Höhe von mehr als 90% der derzeitigen Einkünfte der Kirche, oder gar mehr, falls die Kirche sich dann entschlösse, keine Kirchensteuer mehr zu nehmen. Damit wäre es nicht länger möglich, ein ausgesdehntes Netz karitativer Vereinigungen oder Mission in anderen Ländern zu unterhalten. Es wäre eine Kirche, die vermutlich gerade genug Finanzmittel hätte, um den Gläubigen die Messe und die Sakramente zu bringen. Und mehr noch, der Verlust vieler Millionen Schäfchen würde das ohnehin gefährdete Seelenheil der Betroffenen noch weiter bedrohen, da außerhalb der Kirche kein Heil ist – ein gewichtiges Argument. Zudem kann man davon ausgehen, da die Reformkatholiken langsam aussterben, dass sich das Problem in 30 bis 40 Jahren von selbst gelöst haben wird. (Father Z nennt das „biologische Lösung“) Je länger ein formales Schisma herausgezögert wird, so könnte man argumentieren, umso schwächer wird die Position der Neo-Reformatoren.

Also:

Ich bin mir aufgrund widerstreitender Argumente nicht ganz sicher, ob ein Schisma nicht gut für die Kirche wäre. Dass es aber irgendwann kommen muss, einfach weil sich Verbandselite und Bischöfe immer weiter von Rom entfernen, daran habe ich keinen Zweifel. Wie auch immer die weiteren Entwicklungen verlaufen werden, wir sollten für alle Verantwortlichen für den Kurs der deutschen katholischen Kirche beten und dabei immer den Wunsch des Heiligen Vaters nach „Ent-Weltlichung“ der Kirche, nach Lösung von weltlicher Gewalt, beherzigen.

Vertrauen wir auf Jesus Christus, nicht auf die weltliche Macht der Gremien.

Erzbischof Robert Zollitsch und die Häresie

Herr Zollitsch, der Vorsitzende der Bischofskonferenz der Deutschen Nationalkirche, hat kath.net zufolge die Meinung geäußert, es werde eine „Veränderung in der katholischen Kirche beim Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen“ geben – zu seinen Lebzeiten, d.h. in relativ kurzer Zeit. Warum? Das sei alles eine „Frage der Barmherzigkeit“. In dem Artikel heißt es über Zollitsch:

Er frage sich manchmal, warum es nicht schneller gehe. Manche in Rom „wittern gleich den Glaubensabfall, wenn wir in Deutschland etwas kontroverser diskutieren“. In der Weltkirche zählten Deutsche besonders „überall dort, wo man meint, man brauche Geld“.

Es scheint also seine Auffassung zu sein, dass Wiederverheiratet-Geschiedene grundsätzlich zur Kommunion zugelassen werden sollten, und erwartet daher, dass es in Rom „schneller“ gehe. Es ist ja auch absurd, den Glaubensabfall in einer Kirche zu wittern, in der kaum noch jemand an etwas anderem als dem steten Strom der Kirchenzwangssteuer interessiert zu sein scheint. Nein, nein, wir glauben immer noch an unseren Herrn Mammon, ähm ich meinte natürlich Jesus Christus – man kann sich ja mal versprechen, nicht?

Schließlich, so Zollitsch, sei der geschiedene Katholik Christian Wulff ein hervorragendes Beispiel dafür, dass man „barmherzig“ sein sollte, und „Wiederverheiratet-Geschiedene“ (Fachterminus: unbußfertige Ehebrecher im Konkubinat) zur Kommunion zuzulassen. Und es kann nur um die Zulassung zur Kommunion gehen, anders kann man Herrn Zollitsch nicht verstehen.

Abschließend zeigt Herr Zollitsch noch wessen Geistes Kind er wirklich ist:

Schließlich bezeichnet Zollitsch die Grünen wertschätzend als „eine Partei, in der viele Christen sich beheimatet fühlen“. Er stelle „immer wieder Übereinstimmungen mit christlichen Überzeugungen fest, da hat sich sicher einiges verändert seit den Anfängen der Grünen.“

Kommentar von Catocon:

1. Dass Herr Zollitsch persönlich um sich herum keine Anzeichen von Glaubensabfall wittert, und Rom vorwirft, man sei sozusagen nicht lässig genug im Umgang mit der Glaubenswahrheit, man rege sich viel zu leicht über ein Paar Dialoge und Kontroversen auf, man solle sich in Rom mal entspannen und die guten Bischöfe in Deutschland machen lassen, all dies zeigt sehr gut, was man in Rom mit Glaubensabfall meint. Der Fisch erkennt nicht, dass er nass ist, weil er nichts anderes kennt. Ähnlich ist es mit Herrn Zollitsch und dem katholischen Glauben. Er erkennt nicht den Glaubensabfall, weil er längst selbst nur noch dem Namen nach katholisch ist, keinesfalls aber seinen Handlungen nach. An ihren Früchten sollen wir sie messen…

2. Die ganze Formulierung „Wiederverheiratet-Geschiedene“ ist an sich schon nicht in Einklang mit der Lehre der Kirche zu bringen. Da die Ehe ein unauflösliches Band zwischen Ehemann und Ehefrau konstituiert, ist eine echte Scheidung nicht möglich. Die Unauflöslichkeit gehört zur Natur der Ehe, also kann man sie nicht auflösen. Es gibt keine „Geschiedenen“, nur Ehebrecher. Es gibt keine „Wiederverheirateten“, nur Konkubinen. Wer von seinem Ehepartner ohne seine Schuld verlassen und dann zivilrechtlich auf der Basis ungerechter Scheidungsgesetze in den meisten westlichen Ländern geschieden wird, der kann natürlich nichts dafür. Aber er ist IMMER NOCH verheiratet, da es keine Scheidung gibt. Er ist immer noch zu einem Fleisch mit seinem Ehepartner verbunden. Weitere sexuelle Beziehungen sind daher immer Ehebruch, eine schwere Sünde, und zwar auch dann, wenn es eine zivilrechtlich geschlossene „Ehe“ mit einer anderen Person gibt. Durch den Bestand dieser „Ehe“ gibt die beteiligte, zivilrechtlich geschiedene Person zu erkennen, dass sie in schwerer Sünde zu verharren und zu leben wünscht. Diesem Wunsche ist daher auch grundsätzlich bei der Zulassung zur Kommunion zu entsprechen. Für den Empfang der Kommunion im Stande schwerer Sünde gilt das Wort des Paulus.

3. Die „Zulassung von Wiederverheiratet-Geschiedenen zur Kommunion“ ist daher, in klares, einfaches Deutsch übersetzt, nichts anderes als: Die Entweihung des Leibes unseres Herrn zwecks Besänftigung absichtlich in schwerer Sünde lebender, gewohnheitsmäßiger Ehebrecher. Natürlich würde Herr Zollitsch das so nicht formulieren wollen, aber es ist nichts anderes als dies. Denn die Ehe ist wirklich unauflöslich, Ehebruch wirklich eine schwere Sünde, die Kommunion wirklich der Empfang des Leibes unseres Herrn. Vielleicht glaubt Herr Zollitsch das ja nicht. Doch das sagt uns wieder einiges über den Glaubensabfall der deutschen Bischofskonferenz, die ihn zum Vorsitzenden gemacht hat.

4. Der schwierige Teil in der Debatte um die Zulassung von „Wiederverheiratet-Geschiedenen“ und anderen in schwerer Sünde persistierenden Menschen ist nicht so sehr die inhaltliche Frage – die ist vollkommen klar. Es ist die Vermittlung dieser Wahrheit, die Einfühlungsvermögen und „pastoralen“ Umgang erfordert, aber eben ZUSÄTZLICH zu einer festen, klaren, katholischen Haltung in der Sache.

5. Doch dass Herr Zollitsch längst den Boden irgendeiner an den katholischen Glauben erinnernden Überzeugung verlassen zu haben scheint, zeigt ja schon sein Beispiel: Christian Wulff, so Zollitsch, sei ein Katholik, der „seinen Glauben lebt“ und unter der Situation leide, wie sie ist. Nun ja, man lese einmal diesen Artikel über die Umstände seiner Scheidung. Die beiden Ehepartner, die sich ewige Treue geschworen haben, sind auseinandergegangen, einvernehmlich, weil sie sich „auseinander gelebt“ hatten – mit anderen Worten, weil beiden ihre Ehe nichts mehr bedeutete, und sie sich nach jüngeren oder besseren Aussichten umsehen wollten. An dieser Scheidung ist nicht einmal etwas zu finden, das geeignet wäre eine subjektive psychologische Rechtfertigung zu konstruieren. Man wollte nicht mehr – man trennt sich. Ganz als ob es überhaupt keine Ehe gegeben hätte, ganz als ob die Versprechen vor Gott, die unauflösliche Verbindung zu einem Fleische, nichts zählten. Ganz weltlich, säkular, atheistisch halt, wie alles bei Herrn Wulff – seine Politik, seine Ansichten, sein Verhalten, sein Leben in vorsätzlichem Ehebruch, von A bis Z fernab jeder Katholizität. Seine Seele zu richten ist Gottes Sache, doch sein Verhalten zu loben und zu rechtfertigen, wie Herr Zollitsch es tut, ist geradezu antikatholisch.

6. Dieser Eindruck bestätigt sich noch, wenn man Herrn Zollitschs Einlassung über die Grünen liest. Ich kann mir gut vorstellen, dass Herr Zollitsch und der ZdK-Erfahrene grüne Ministerpräsident von Baden-Württemberg Kretschmann gut miteinander auskommen, und sogar, dass sie ein und dieselbe Weltsicht verbindet. Doch die radikale Homo-Ideologie, die radikale Ablehnung der traditionellen Familie, der Blutrausch bei der Abtreibung und viele Themen mehr mögen Herrn Zollitsch mit den Grünen verbinden – und betrachtet man seine ohrenbetäubende Stille zur Ermordung der Ungeborenen, erscheint das nicht einmal unplausibel – doch sie verbinden nicht die Kirche mit den Grünen, sondern trennen sie voneinander. Und selbst dort, wo es auf den ersten Blick Ähnlichkeiten zwischen Kirche und Grünen geben könnte – etwa im Naturschutz oder im Umgang mit den Armen – da findet man ebenfalls völlig entgegengesetzte Ideen: Die einen wollen totalitäre, am besten global organisierte, bürokratische Zwangsorganisationen, die alle Menschen durch den kräftigen Arm des Gesetzes dazu zwingen, die richtigen Glühbirnen zu benutzen und wenige Kinder zu haben (die ja „Klimakiller“ sind, wie die Umweltschutzmafia behauptet) – die katholische Kirche ist hingegen wie immer auf der Seite der Würde des Menschen, erkennt an, dass es zuweilen, mit sehr guter Begründung, und unter Berücksichtigung des vorrangigen Rechts der natürlichen Familie und des Prinzipis der Subsidiarität, staatliche Eingriffe geben sollte, lehnt aber den Totalitarismus sowohl in seiner roten, als auch braunen oder grünen Form generell ab. Das unterscheidet offenbar die Kirche von Herrn Zollitsch.

7. Der Eindruck entsteht, dass Herr Zollitsch sich nun gänzlich auf die Seite der Verbandskatholiken gestellt hat, die von dieser Seite praktisch geforderte Nationalkirche einzuführen beabsichtigt, und eine vollständige Kapitulation der Kirche Jesu Christi vor der Welt und ihrem Fürsten herbeisehnt. Er wird sie nicht bekommen.

8. Es läge nahe, Herrn Robert „Luther“ Zollitsch einen Halunken zu nennen. Doch dafür habe ich viel zu viel Respekt vor ehrenwerten, gottesfürchtigen Halunken, also lasse ich es sein.

Zum Abschluss noch ein schönes Zitat von Msgr. Nicola Bux:

Es gibt ohne Zweifel eine Form von schleichendem Neogallikanismus, demgemäß einige Teile der Kirche meinen, sich selbst zu genügen und von Rom unabhängig zu sein. Wer aber so denkt, ist nicht katholisch. Die Bischöfe, die dem Papst ungehorsam sind, versetzen sich selbst in eine Situation, in der sie nicht mehr verlangen können, daß ihnen die Priester und Gläubigen gehorsam sind.

Hat er Recht? Es lohnt sich, darüber einmal gründlich nachzudenken…

Die Deutsche Nationalkirche

Einige Aktionen, durch die die deutschen Bischöfe sich mehr und mehr in Richtung einer vom Vatikan unabhängigen, dem provinziellen westeuropäischen Zeitgeist verbundenen Nationalkirche begeben. Die Liste ist sicher nicht vollständig. Meine Leser sind eingeladen, sie, sofern ihnen noch mehr einfällt, durch Kommentare zu vervollständigen.

– Der Verrat an Humanae Vitae durch die Königsteiner Erklärung

– Die Würzburger „Räubersynode“ 1971-75

– Die Ausstellung von Darfscheinen zur legalen Tötung der Ungeborenen über viele Jahre sowie das zustimmende Schweigen zur herrschenden Abtreibungspraxis durch die meisten Bischöfe

– Die Weigerung der Korrektur, bzw. Neuübersetzung des Messbuchs, bes. die „pro multis“-Kontroverse

– Die nahezu totale Blockade von Summorum Pontificum

– Die stillschweigende Duldung bzw. offene Förderung häretischen Religionsunterrichts, häretischer Predigten und weitverbreiteten Liturgiemissbrauchs, incl. Interkommunion, Laienpredigt, Messe als Theaterstück usw.

– Die Duldung oder Förderung offen und verdeckt häretischer Priester, Theologen, Gemeindereferenten usw.

– Die Förderung und Stärkung häretischer Gruppierungen wie etwa der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands, dem Zentralrat der deutschen Katholiken usw.

– Die aktuelle „Dialog“-Initiative zur weiteren Schwächung kirchentreuer Kräfte und umfassender Verbrüderung mit oben erwähnten Häresiegruppen – kirchentreue Gruppen werden vom Dialogprozess systematisch ausgeschlossen, um ihnen kein Forum zu geben.

– Das systematische Verschweigen der christlichen Lehre zu allen kontroversen Themen, bes. zum Lebensrecht, zu Ehe und Familie, zum Bußsakrament, zur Realpräsenz Christi in der Eucharistie und allgemein zu theologischen Fragen, die die katholische Kirche von evangelischen Gruppen unterscheiden.

[NACHTRAG 13:40: Laurentius Rhenanius, der auf Superpelliceum bloggt, hat in der Kommentarspalte einige Ergänzungen meiner Liste vorgeschlagen. Hier sind sie:

– bei der Frage der Handkommunion
– den fehlenden Exorzisten für Deutschland (heikles Thema!)
– bei der vornehmen Zurückhaltung die sich von Seiten des Episkopates immer wieder zeigt, wenn der Heilige Vater in der Öffentlichkeit angegriffen wird
– beim Umgang mit Beschwerden von Gläubigen
– bei der Kommentierung und Umsetzung von römischen Entscheidungen ganz allgemein
– der Umgang mit „römischen Abweichlern“ in den eigenen Reihen…

Fällt Ihnen noch mehr ein? Die Liste ist so schon ziemlich schockierend, doch ist es notwendig, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Die Mehrzahl der deutschen Bischöfe, darunter der Vorsitzende der Bischofskonferenz, sind nicht oder nur sehr beschränkt lehramtstreu. Und wo die papsttreuen jungen Bischofsanwärter, die in einigen Jahren die Bistümer „übernehmen“ könnten, herkommen sollen, weiß ich auch nicht.

Der Glaube in Deutschland wird wohl noch auf mehrere Generationen hinaus nicht nur in der Gesellschaft Minderheitenmeinung sein, sondern sogar in der Bischofskonferenz. Die modernistischen Strömungen haben zumindest hierzulande einen haushohen Sieg eingefahren. Mir scheint, als ob selbst innerhalb der Kirche in Deutschland katholische Positionen ein elendes Randdasein fristeten. Die Kirche wird am Ende triumphieren – aber wir haben keine Garantie, dass es dann in Deutschland noch Katholiken geben wird (oder dass es überhaupt noch ein Deutschland geben wird).

Bin ich Pessimist? Wahrscheinlich, obschon ich mich eher für einen Realisten halte.