Zum Einfluss der Blogözese

Dieser Tage haben sich viele katholische Blogger nach Freiburg zum Bloggertreffen zurückgezogen, und auch Alipius, der an diesem Treffen nicht teilnehmen konnte, macht sich so seine Gedanken über den Einfluss, den die Blogözese über diebreiter Öffentlichkeit ausübt – oder vielmehr nicht ausübt, denn er ist verschwindend gering. Eine sehr interessante Diskussion entspinnt sich auf Alipius‘ Blog zu diesem Thema. Dort habe ich schon kommentiert, möchte jetzt aber noch einige Gedanken zum Thema anfügen. Was folgt, ist kein philosophischer Essay, sondern vielmehr eine Sammlung lose verbundener Ideen oder Ansätze, die sich grob um dieses Thema drehen.

Vom Wesen der Blogözese und ihren vielfältigen Zwecken

Schon früher schrieb ich zu diesem Thema anlässlich eines scherzhaften Wettbewerbs bei Alipius, doch diesmal möchte ich die Frage ernsthaft behandeln. Wenn die Blogözese einen so geringen Einfluss auf die breitere Öffentlichkeit hat, dann ergeben sich daraus einige Fragen (warum das so ist, was wir dagegen tun können usw.). Doch bevor wir eine sinnvolle Antwort auf diese wichtigen Fragen zu finden vermögen, müssen wir klären, was denn nun eigentlich das Wesen der Blogözese sei. Was macht sie aus – was zeichnet sie gegenüber anderen, vergleichbaren Dingen?

Die Blogözese ist, soweit ich das Wort verstehe, die Ansammlung aller katholischen Blogs in deutscher Sprache, zumindest soweit sie sich als wirklich katholisch verstehen (also nicht nur ein Blog über Weingummi – oder sonst etwas – sind, der zufällig von einem Katholiken geschrieben wird). Sie ist also eine lose verbundene Ansammlung von Blogs und ihren Schreibern, die eine gemeinsame katholische Grundausrichtung verbindet, aber ansonsten so verschieden sind wie Blogs und Blogger nur sein können. Damit ergibt sich das gemeinsame Interesse an der Verbreitung des katholischen Glaubens und damit auch der berechtigte Wunsch nach einer größeren Sichtbarkeit der einzelnen Blogs und der ganzen Blogözese, damit dieses Interesse erfüllt werden kann.

Doch die Blogözese hat nicht nur diesen einen Zweck der Verbreitung des Glaubens. Sie ist auch ein elektronischer Raum, in dem sich überzeugte Katholiken treffen und sich austauschen können, ohne ständig ihre grundlegenden Glaubensüberzeugungen rechtfertigen oder verteidigen zu müssen, wie das sonst sehr oft der Fall ist, wenn man sich öffentlich als kirchentreuer Katholik „outet“. Für manche ist die Blogözese sogar der einzige Ort dieser Art, wenn nämlich in der Gemeinde und im Bekanntenkreis rein weltliche Auffassungen vorherrschend sind. Auch dies ist ein legitimes Anliegen.

Fernerhin ist die Blogözese einfach ein Sammelbecken vieler verschiedener Menschen, die alle irgendeine Expertise haben – oft vielleicht nicht offiziell zertifiziert, aber angesichts des Zustands der heutigen Bildungssysteme ist das vielleicht sogar besser so – und diese Expertise einzubringen vermögen in ein Konzert katholischer Stimmen, die ohne die Blogözese vielleicht einfach stumm blieben.

Diesen und anderen Zwecken dient also die deutsche Blogözese. Sie alle müssen auch erhalten bleiben, wenn irgendwelche Versuche unternommen werden, ihre öffentliche Reichweite zu vergrößern.

Die Mutter aller Informationsportale

Der Vorschlag, der bei Alipius aufgekommen ist, man brauche ein Portal, an dem Antworten auf die üblichen Vorurteile gegen Katholiken bereitgestellt würden, ist sicherlich sehr gut. Und die Blogözese ist der geeignete Anlaufpunkt für ein solches Vorhaben, das verschiedene bereits existierende Portale dieser Art bündeln und mit der in der Blogözese existierenden Expertise zu theologischen, moralischen, und sonstigen relevanten Themen aus dem christlichen Umfeld kombinieren könnte. Das alles ist vollkommen richtig. Es wäre gut, wenn wir so etwas auf die Beine stellen könnten.

Doch einen solchen Vorschlag, so wurde ebenfalls bei Alipius bereits vermerkt, könne man nur mit der Hilfe „hochkompetenter Hauptamtlicher“ umsetzen. Sogar von Sponsoren war in einem derartigen Zusammenhang bereits die Rede. Diese Vorstellungen finde ich ziemlich bedenklich.

Was ist die Stärke der Blogözese? Ihre dezentrale Organisation, in der jeder für sich bloggt, seine Ideen aufschreibt und zur Verfügung stellt, ohne dass es irgendeine offizielle Struktur gibt, die ihn lenkt, leitet oder gar behindert. Die Blogözese ist frei und nur ihrem Gewissen verpflichtet – und die glaubenstreuen Blogger unterwerfen ihr Gewissen selbstverständlich dem katholischen Glauben samt Lehrtradition der Kirche, so dass von einer verwerflichen Totalautonomie des Gewissens hier keine Rede sein kann.

Was ist, im Gegensatz dazu, die Schwäche der Kirche in Deutschland? Dass sie bürokratisch organisiert ist, und daher nichts zustande bringt. Und selbst wenn sie mal nicht vollkommen verrostet und paralysiert daherkommt, dann ist sie bloß der Schauplatz von Verbandsinteressen, denen es nicht um den Glauben, sondern bloß um die Erhaltung von Pfründen geht.

Ein Vorschlag, so gut gemeint er sicherlich auch ist, dessen Konsequenz irgendwelche hauptamtlichen Bürokraten wären, die ein blogözesanes Informationsportal führten, und damit notwendig nicht nur eine Filterstellung (und damit korrumpierende Macht) innehätten, sondern auch noch für sich in Anspruch nähmen, „hochkompetent“ zu sein, kann angesichts der fatalen Situation der deutschen Amtskirche nun wirklich nicht in die richtige Richtung gehen.

Die Blogözese floriert und wächst. Fast täglich kommen neue Blogs hinzu, und der Enthusiasmus ist ungebrochen. Natürlich hören viele auch wieder auf, aber alles in allem ist die Entwicklung gut und weist in die richtige Richtung. Dies wird durch genau diesen spontanen Charakter ermöglicht, der sich einfach mit irgendwelchen „hochkompetenten Hauptamtlichen“ nicht verträgt. Die Blogözese wächst, weil sie keine Funktionäre hat.

Ein Informationsportal, das einfach die besten Artikel der Blogözese zusammenträgt, nach Themen ordnet und einem möglichst breiten Leserkreis zugänglich macht, ist eine wunderbare Idee. Aber nicht um den Preis „hauptamtlicher“ Funktionäre. Wenn das Portal zu ambitioniert für freiwillige Helfer ist, dann ist es eben einfach zu ambitioniert und kann nicht umgesetzt werden.

Ein freies Informationsportal der Blogözese ist möglich

Ich glaube nicht, dass ein solches Portal zu ambitioniert für Freiwillige wäre. Wikipedia funktioniert ja auch. Wenn sich nur 20 Blogger fänden, von denen jeder einen fachlich guten Artikel pro Monat schreibt, dann haben wir schon 240 Artikel in einem Jahr abgedeckt. Und wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Viele Artikel müssten wir nicht selbst schreiben, sondern könnten auf schon existierende Quellen verlinken. Sicher versteht auch jemand in der Blogözese etwas von Webdesign, oder kennt jemanden, der jemanden kennt, der so etwas nebenbei machen kann. Ebenso müsste ein solches Portal gar nicht von irgendjemandem überwacht oder moderiert werden. Es reicht, wenn sich einige Freiwillige diese Arbeit teilen. Wir brauchen auch keinen „hochkompetenten“ Qualitätsaufseher, weil jeder Blogger von irgendwas Ahnung hat, und dann schon weiß, ob ein Artikel fachlich kompetent ist.

Small is beautiful

Zudem machen gerade wir Deutsche immer wieder den Fehler, dass wir nur in großen Strukturen denken. Wir brauchen keine neuen Strukturen. Schon die existierenden hemmen die freie Kreativität aller Beteiligten, die gerade für eine „Neuevangelisierung“ unverzichtbar ist. Wenn hundert Blogger einfach nur ihre Blogs betreiben, dann kommen dabei sehr viele gute Artikel heraus. Die müssen einfach nur noch gebündelt und mit bereits bestehenden Quellen kombiniert werden. Wir machen keine Enzyklopädie aller existierenden Fragen der Theologie und wir sind nicht Thomas von Aquin. Denken wir kleinschrittig. Stellen wir das auf die Beine, was wir auf die Beine stellen können, ohne dabei einen Apparat zu schaffen, der wieder neue bürokratische Barrieren schafft.

Einen kleinen Schritt nach dem anderen wächst so im Laufe der Monate und Jahre etwas Großes heran!

Reaktion auf Aktualität

Wenn irgendein Thema in den Medien ist, dann finden sich immer irgendwelche Blogger in der Blogözese, die ohnehin darüber schreiben. Diese Reaktion auf Themen der Aktualität kann dann ebenfalls einfach gebündelt werden, wenn eine große Zahl von Bloggern einfach kooperiert, weil sie engagiert sind – nicht weil sie hauptamtlich wären. Ich verweise schlicht auf ein Projekt, das in der englischsprachigen katholischen Bloglandschaft sehr erfolgreich ist, und das genauso vorgeht (The Pulpit) – jeden Tag finden sich dort sehr viele gute Artikel aus katholischer Perspektive, die größtenteils von Bloggern stammen.

Fazit

Soweit einige verstreute Gedanken zum Thema, die mir bisher gekommen sind. Der EInfluss der Blogözese ist gering in der breiteren Presselandschaft. Gäbe es ein zentrales Portal, das nichts anderes täte, als eine (natürlich subjektive) Auswahl von guten Artikeln aus der Blogözese zu sammeln, und auf das Medienvertreter gezielt zugreifen könnten, ohne 100 Blogs lesen zu müssen, wäre ein kleiner Schritt in die richtige Richtung getan. Anfangs würden es nur wenige auch wirklich nutzen, doch mit ein wenig Eigenwerbung und sehr wenig finanziellem Kapital lässt sich in Zeiten des Internets schon viel erreichen.

Auf mehr können, sollen und dürfen wir nicht hoffen. Alles andere wäre vermessen und wir würden uns daran verheben. Da mich das Thema im Moment nicht mehr loslässt, werde ich darüber bestimmt noch mehr schreiben, wenn die Gedanken reif sind.

Herzlichen Dank jedoch schon einmal an den Mitblogger, Hochwürden Alipius, der diese Gedanken durch seinen Beitrag zum Thema angestoßen hat. Selbst wenn nichts weiter daraus wird als eine Reflektion über den Weg der katholischen Blogözese, wäre dies schon sehr wertvoll.

P.S. Die Einflusslosigkeit der Blogözese war schon einmal Gegenstand eines Artikels hier auf Kreuzfähren – damals ging es eher um eine grundsätzliche Frage, und nicht um konkrete Möglichkeiten zum Ausbau des geringen Einflusses, doch der Artikel könnte in diesem Zusammenhang interessant sein: Was können wir tun?

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Was können wir tun…?

Ein regelmäßiger Leser und Kommentator schrieb kürzlich im Kommentarbereich dieses Blogs folgende Wortmeldung:

„Was ich nur generell bemängele ist, ob wir in unserer gegenseitigen Zustimmung hier nur im eigenen Saft schmoren. Wir klopfen uns in der Blogozese gegenseitig auf die Schultern aber die Außenwirkung ist äußerst beschränkt. Ich frage mich, was können wir tun um unseren Missionsauftrag wirklich zu erfüllen? Eine Junge Freiheit wagt es dem Establishment auf politischer Ebene mit einer wahren konservativen Weltanschauung die Stirn zu bieten und wird dafür als “rechts” oder “ultrakonservativ” (wie Santorum!) geächtet. Ähnlcih geht es einem römischen Katholiken (im Gegensatz zu einem Deutschkatholiken) wenn er zum Beispiel versucht, sich für die Messe im a.o. Ritus zu engagieren. Man wird geächtet und wird implizit in die Nähe von Neonazis gerückt (man beachte die Perversion des Denkens), ich habe es am eigenen Leibe erlebt. Was können wir tun um diesem Denken entgegenzutreten, über die Diskussion in Internetforen und -blogs hinaus?“

Ich antwortete:

Was können wir also über die Diskussion in Blogs und Foren hinaus tun, um diesem Denken entgegenzutreten? Das ist eine sehr interessante und wichtige Frage, über die ich schon häufiger nachgedacht habe:
Direkt – nicht allzu viel. Wir haben keine politische, wirtschaftliche oder mediale Macht, die an die weltlichen Mächte heranreichen könnte. Wir sind David und haben nur eine kleine Schleuder und ein paar Steine. Wir sind zwölf kleine Fischersleute in einem heidnischen Weltreich. Indirekt, über unser alltägliches Handeln, einiges. Lassen Sie mich Anthony Esolen zitieren:
“You can engage a culture, but you cannot engage a corpse. When people are living in a cemetery, you do not join them. You establish a real village, and invite them over. You first become the sorts of people who sing, who love men and women for what they are, who love children (and actually have a few), who admire innocence, and who kneel before the holy. Then you will have something of a culture – and you will find those who are weary of the alternative trying to engage you. ”
Seht nur, wie die Christen einander lieben, wie sie füreinander da sind, wie sie ihren Glauben furchtlos bekennen, zu Märtyrern werden, wenn es von ihnen verlangt ist. Das hat einmal funktioniert – es wird wieder funktionieren. Wir müssen eigentlich nur immer wieder im alltäglichen praktischen Leben die Alternative aufzeigen. Immer predigen – wenn nötig auch mit Worten, besser aber durch stillschweigende Taten. Vielleicht wird jemand, der liest, wie freundschaftlich wir hier in der Blogozese miteinander diskutieren, diesen Eindruck haben und innehalten.
Ich glaube, eine wirkliche christliche Familie, eine einzige heilige Familie, ist wie ein Licht in der Finsternis, und wird die Menschen ganz ohne Worte überzeugen, allein durch ihr Sein. Dasselbe gilt für heilige Priester, die in der Welt leben, aber nicht von ihr erstickt werden.
Zehntausend Evangelisierungsinitiativen bekehren einen Menschen. Ein Heiliger bekehrt zehntausend.
Wir können nicht mehr tun als Heilige werden und in jedem Tag unseres Lebens dazu stehen. Egal in welchem Lebensstand wir sind. Wenn wir dann verfolgt werden, dann werden wir eben verfolgt. Wenn wir beleidigt werden, dann werden wir beleidigt. Wenn wir niedergeschlagen werden, stehen wir wieder auf. Keine Strategie, kein Aktionsplan wird uns in dieser Sache helfen können. Nur absolute Treue zu Gott in der Gegenwart. Für die Zukunft wird Er dann sorgen.
Was das an konkreten Handlungen bedeutet – jeder muss das tun, wozu er in seinem Stand berufen ist. Wenn sich die Chance bietet, Positionen zu klären, Missverständnisse auszuräumen, und Irrtümer aufzuzeigen, dann sollten wir das tun. Wenn nicht, dann nicht.
Ich werde dazu bald wohl etwas mehr schreiben, jetzt wo Sie dieses Thema angeschnitten haben.

Ich möchte nun zu dieser Antwort noch einige Gedanken hinzufügen, die das Thema in einen etwas anderen Zusammenhang stellen und von einer anderen Warte beleuchten, als dies in den beiden zitierten Kommentaren geschehen ist:

Sein und Machen

Die Frage „Was können wir tun…?“ fordert ihrer ganzen sprachlichen Struktur nach als Antwort eine Liste konkreter Handlungen ein. Was können wir tun? Wir können Streitschriften verfassen, Protestaktionen starten, gegen Ausgrenzung und Verfolgung von Christen eintreten. Wir können Unterschriften sammeln, über den Glauben sprechen, Vorurteile abbauen und vieles, vieles mehr. Zudem können wir, was schon weitaus näher am Ziel liegt, beten, uns direkt an Gott wenden, die Heiligen um Hilfe bitten, und ganz besonders Zuflucht bei der Mutter Gottes suchen. Das alles ist enorm wichtig. Besonders die zweite Hälfte der Liste.

Wir haben keine politische Macht, keine mediale Macht, keine ökonomische Macht, um die Meinungen in der Gesellschaft zu ändern. Wir sind wie David nur mit einer Schleuder ausgestattet und treten einer technologisch hochgerüsteten medialen und gesellschaftlichen Propagandamaschinerie entgegen, die über die Schulhoheit, die Universitätshoheit, die Medienhoheit, die politische und wirtschaftliche Vorherrschaft und jeden anderen denkbaren Vorteil verfügt. Die Kräfte dieser Welt und ihres (wie immer) scheinbar triumphierenden Fürsten haben ungehinderten Zugriff auf jeden Menschen in der westlichen Welt spätestens ab dem fünften oder sechsten Geburtstag, in vielen Ländern durch immer früher einsetzende Verstaatlichung der Kindererziehung bereits eher. Und diese Kräfte lassen weder uns noch unsere Kinder jemals wieder los. Wenn wir heute ein Kind in die Welt setzen, wird es in zwanzig Jahren ein überzeugter Anhänger dieser Welt sein und den wahren Glauben zurückgelassen haben. Darauf können wir praktisch wetten.

Die Panzer des Goliath sind größer als die Schleuder des David. Dies ist ein Kampf, den wir nach menschlichem Ermessen nur verlieren können. Und wir verlieren auch die meisten Schlachten. In unserem Land dürfen unschuldige Kinder von Ärzten auf Kosten der Krankenkassen und im Auftrag ihrer Mütter dahingeschlachtet werden. Ähnliches gilt mehr und mehr auch für nicht mehr gesellschaftlich nutzbare Subjekte am anderen Ende des Lebens. Eine totale Umwertung der Werte hat stattgefunden, und selbst die meisten Würdenträger in der Kirche haben sie mitgemacht. Sie denken und handeln in rein weltlichen Kategorien. Der ehemals so große Christliche Westen ist eine spirituelle Ruine, die durch Verbrennung aller wahren Güter kurzfristig materiellen Reichtum auf Kosten ihrer Seele erworben hat.

Die falschen Spielregeln

Warum verlieren wir diese Schlachten? Warum sind wir so marginalisiert? Warum scheitern wir? Weil wir nach den Regeln der Welt spielen. Wir fragen, welche Möglichkeiten wir haben, was wir tun können. Wir planen, starten Initiativen, wollen eine „Neu-Evangelisierung“. Nichts gegen alle diese nützlichen Handlungen. Soweit wir uns an ihnen beteiligen können, sollten wir das auch tun. Doch so werden wir keine Umkehr schaffen. Nicht solange wir an morgen denken. Nicht solange wir eine Strategie haben. Nicht solange wir auch nur die kleinste Reserve vor Gott halten. Nicht solange wir nicht alles was wir haben, alles was wir tun, alles was wir sind, ohne jede Zurückhaltung und ohne jeden Hintergedanken, Gott zur Verfügung stellen. Nicht solange wir nicht unser Kreuz aufnehmen und Christus nachfolgen, koste es was es wolle. Wenn wir dafür verfolgt werden, dann werden wir eben dafür verfolgt. Wenn wir dafür sterben müssen, dann müssen wir eben sterben (das müssen wir ohnehin alle).

Wir werden die Umkehr nur dann schaffen, wenn wir unserer Berufung zur Heiligkeit nachkommen. Wir sind von Gott an diesen Ort gesetzt worden, an dem wir jetzt sind. Gott weiß was Er tut. Gott weiß was Er will. Wir müssen nur kapitulieren, wir müssen uns nur ausliefern, alles in unserem Leben, einschließlich unserer selbst, dem Herrn als Opfergabe darbringen. So wie Christus. Worin dieses konkrete Opfer, dieses konkrete Kreuz bestehen mag? Wer kann es wissen, außer Gott? Wir brauchen es auch erst zu wissen, wenn es soweit ist, und dann werden wir es früh genug erfahren.

Was passiert, wenn wir uns Gott ausliefern und nichts zurückhalten? Wir verfügen über ganz solides Erfahrungswissen zu dem Thema. Wenn ein Dutzend Menschen sich Gott ausliefert, werden Weltreiche bekehrt. Den Statistiken zufolge lesen vielleicht dreißig, vielleicht fünfzig, wenn es hoch kommt hundert Menschen diesen Artikel. Was wäre wenn wir uns einfach Gott auslieferten? Gott nimmt jeden, der sich freiwillig meldet. Wenn zwölf Menschen ein Weltreich bekehren können, was vermögen wir dann, wenn wir einfach nur das sind, wozu wir berufen sind?

Und wozu sind wir berufen? Allgemein lautet die Antwort: Zur Heiligkeit. Doch es gibt so viele Heilige, und so viele Wege zur Heiligkeit, obwohl natürlich alle diese Wege einiges gemeinsam haben. Sie alle haben die Sakramente, die Kirche, Christus, das Gebet, Marie usw. gemeinsam. Das ist ungeheuer wichtig. Doch auf der menschlichen Seite gibt es so viele Unterschiede. Menschen aus allen Lebenslagen können heilig sein. Die meisten werden nicht einmal als solche erkannt. Sie spielen sich nicht nach vorn. Sie stehen nicht in der Öffentlichkeit. Sie haben keine Macht. Wie viele heilige Mütter hat es gegeben, von deren Heiligkeit nur die eigene Familie wusste? Wie viele einfache Bauern und Arbeiter und Handwerker, die gerecht waren und Gott und den Nächsten liebten? Aus jeder Lebenslage erwachsen Heilige, weil jede Lebenslage, jedes Schicksal, jeder Umstand, Gott aufgeopfert werden kann, und Ihm zu Ehren gelebt werden kann.

Heiligkeit ist kein Austreten aus der Welt, sondern das genaue Gegenteil. Es ist die Kapitulation vor Gott, das Niederlegen der Waffen des sündigen Rebellen. Das kann jeder Mensch, egal wo er herkommt, egal welche Bildung, welche Intelligenz, wie viel oder wenig Geld, welche Krankheiten er hat. Absolut jeder Mensch kann das. Er muss es nur wirklich wollen. Er muss die schon vollbrachte Erlösung nur noch annehmen. Es ist ein Geschenk – sonst nehmen wir Geschenke doch gern an? Oder haben wir selbst das schon verlernt?

Wenn die Heiligen so vielfältig sind, sind auch die Berufungen so vielfältig. Wenn wir eine Familie haben, sollten wir in der Familie bleiben und mit dieser Familie ein Licht in die Finsternis werfen. Dasselbe gilt für alle Menschen aller Berufungen – Väter und Mütter in den Familien, geistliche Väter und Mütter aller Art, besonders natürlich die Priester, aber nicht nur sie.

Wir müssen nur kapitulieren, unsere Waffen vor Gott niederlegen. Und wenn wir das wirklich tun, dann werden wir ein strahlendes Licht sein, das die Menschen fast magisch anzieht, das in ihnen den Wunsch weckt, auch ein solches strahlendes Licht zu werden. Aber wir sind keine strahlenden Lichter, die die Menschen in ihren Bann schlagen, sie faszinieren können allein mit ihrem Sein, wir sind keine Spiegel, die blank poliert sind, damit sie das Licht der göttlichen Liebe reflektieren können. Wir, und dies schließt den Autor dieser Zeilen an allererster Stelle mit ein, sind schmutzig, sündhaft, verschmiert, nicht blank und strahlend. Das ist das Problem.

Je dunkler die Dunkelheit, desto heller das Licht. Doch unser Licht ist nicht hell, weil wir die Dunkelheit als unseren Mantel angenommen haben.

Seht nur wie sehr sie einander lieben, und wie sehr sie dem Herrn Jesus Christus bis in den Tod nachfolgen. Aus dem Blut der Märtyrer geht die Christenheit immer wieder neu hervor. Das ist der einzige Weg, weil Christus er einzige Weg ist, und weil der Weg des Martyriums, der Weg des Kreuzes, der Weg Christi ist. Solange wir dieses Mittel nicht verwenden, werden wir wirklich nur „im eigenen Saft schmoren“. Egal ob wir uns nur in der Blogozese gegenseitig auf die Schulter klopfen, oder tausend gutgemeinte Evangelisierungsinitiativen starten und vor Geschäftigkeit nicht mehr zum Schlafen kommen. Wir alle, und an erster Stelle der Autor dieser Zeilen, sind vom Geist dieser Zeit angesteckt – wir sind unverbesserliche Macher.

Es gibt keine erfolgreichen Missionare, die nicht zugleich weit auf dem Weg der Christusnachfolge vorangekommen waren. Unseren Missionauftrag können wir nur erfüllen, wenn wir heiliggemäß leben. Die Gesellschaft können wir nur verändern, wenn wir heiliggemäß leben. Die Neu-Evangelisierung ist nur möglich, wenn wir heiliggemäß leben.

.Doch Heiligkeit kann man nicht machen. Und ohne sie ist alles andere vergebens.

Neuevangelisierung: BDKJ nicht dabei

Ich las hier und hier, dass der BDKJ nicht zur Neuevangelisierungskonferenz nach Rom eingeladen worden ist. Wie üblich kann ich der Versuchung eines kurzen Kommentars nicht widerstehen:

Es geht ja auch um Neuevangelisierung. Da sollten nur Institutionen und Gruppen vertreten sein, denen an diesem Ziel auch etwas liegt. Dem BDKJ geht es mehr um die Schaffung einer neuen Kirche, die sich in nichts mehr von der nächsten Karaoke-Bar unterscheidet (außer natürlich in der Qualität der Musik und im Ausschank von Alkohol – ich möchte der Karaoke-Bar nicht zu nahe treten).

Aber ernsthaft: Der Bund der deutschen katholischen Jugendlichen, der in Dirk Tänzler (42) einen Vorsitzenden hat, dessen Alter signifikant über dem Altersdurchschnitt der Petrusbruderschaft (36) liegt, wird in etwa dieselbe Rolle bei der Neuevangelisierung Europas spielen, wie ihre Glaubensbrüder bei der „Evangelischen Kirche Deutschlands“.

„In the Desert of Faith“

Heute bin ich auf einen schönen Artikel aufmerksam geworden: „On Mission in the Depths of the East„. Wie üblich nur einen kurzen Auszug, aber die Lektüre des ganzen Artikels lohnt sich. Es geht um Ostdeutschland, und besonders Chemnitz, als Missionsfeld und im weiteren Sinn auch um den Neokatechumenalen Weg.

Outside the sun is still high in the sky, in summertime, but at eight o’clock in the evening the streets are already semi-deserted. We are in Chemnitz, at 29 Theater Strasse, in an old building that has just been remodeled and still smells like fresh plaster. What strikes you the most about the Neocatechumenal families, when you see them together as they are this evening, is the children: six couples, each with nine or twelve or even fourteen kids. There are about seventy of them in all, teenagers or recently married. And you look at their faces, at their twinkling eyes, and think: how amazing, and what richness we have lost, we Europeans with just the one child, while from the room next door comes the demanding cry of one of the first grandchildren.

It is moving, the little crowd of young Christians this evening in Chemnitz, formerly Karl-Marx-Stadt. Because in this corner of the former German Democratic Republic, civilization was born, in the year 1136, from a handful of Benedictine monks who founded an abbey, bringing in their wake Christian families who lived around the convent and cleared the forests for farmland, and those families also had about a dozen children apiece.

Can the story begin again, when it seems finished? You ask yourself this in this silent and spent city, where one out of every four inhabitants is elderly, and the only children of broken families are alone. Here the people turn around and look if a Neocatechumenal family goes out with even half of its children. And if a classmate happens to come over for lunch, he takes a picture of the crowded table with his cellphone, in disbelief.

(…)

(Hervorhebungen von Catocon)

Der Artikel geht noch eine ganze Weile weiter. Nur eine einzige Bemerkung: Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen körperlicher und geistlicher Fruchtbarkeit. Wer das eine ohne Not freiwillig ablehnt, der begibt sich damit auch des anderen – und umgekehrt. Kein absoluter Zusammenhang, aber doch deutlich.