In Nachbars Garten – Katholischer Feldstecher

Eine kleine vermischte Sammlung womöglich interessanter Artikel, mit dem katholischen Feldstecher in Nachbars Garten erspäht… Doch lese jeder für sich selbst.

Guardini über den Heiligen Raum (Frischer Wind)

Pinning Liberalism Down (What’s Wrong with the World, Michael Liccione)

The Fall of the Belgian Church (Brussels Journal, Alexandra Colen)

Obama goes Henry VIII on the Church (Mark Steyn)

Time to admit it: The Church has always been right on Birth Control (Business Insider)

Again, Why not Santorum (Quin Hillyer, National Review)

Restore Communion on the Tongue only

„Jossele-Picnic“ bald in Deutschland? (Piusbruderschaft)

The Humility of Science – The Arrogance of Scientists (Anthony Esolen, Crisis Magazine)

Gingrich’s Fourth Wife (Anthony Esolen, Crisis Magazine)

Why the Pope’s Army will not kneel to the HHS Mandate (Dan Burke, National Catholic Register)

P. Deneke, FSSP zum Thema „Basteln am Heiligen Erbe“ (Frischer Wind)

Besuch einer Jugendmesse samt passendem Kommentar (Piusbruderschaft)

Über den Blogrand geschaut – Obama-Kulturkampf-Edition

Gefunden hier.

Hier mal wieder einige interessante Artikel, auf die ich in letzter Zeit gestoßen bin:

Diverse Artikel: (Traditionelle Messe, Neo-Reformatoren, Exorzisten, Satanisten, Ungarn, Moslems und andere verwandte Themen…)

Kardinal Koch: Zulassung der Alten Messe nur ein erster Schritt (kath.net)

Tauziehen um neue Klostergemeinschaft für Weingarten (kath.net)

Der letzte Exorzist  (kath.net)

„Schwarze Messe“ gültig, aber unerlaubt? (Katholische Überzeugung)

Pressefreiheit und Meinungsfreiheit: Gott schütze Ungarns Regierung (Lion Edler)

Absage an Gängelung durch die EU (Junge Freiheit)

Demographics and Political Economy (Paul Cella)

Johannes Dyba: Christliches Abendland und moderne Gesellschaft aus theologischer Sicht (Unzeitgemäße Betrachtungen)

Nur die Liebe kann Moslems bekehren (Piusbruderschaft.de)

Heaven on My Mind (The Remnant)

Über den Krieg der Obama-Regierung gegen die freie Ausübung der Katholischen Religion:

Catholics, Get Ready to Suffer (Matthew Archbold)

Obama vs. The Church (Thomas Peters)

Liste der Artikel von Thomas Peters auf CatholicVote.org (Peters berichtet seit Beginn der neuesten Episode dieses Kulturkampfes systematisch und ausführlich)

First They Came for the Catholics (Michelle Malkin)

Leo XIII. on withholding obedience to unjust laws imposed by civil government (Father Z)

Sen Rubio (R-FL) intro’s bill to repeal Pres. Obama’s attack on religious liberty (Father Z)

GUEST ENTRY: Pres. Obama, Bishops, and the Kulturkampf (Father Z)

Nancy Pelosi deserves to be taken seriously. Very seriously (Ed Peters)

Pres. Obama’s Axelrod says Catholics should SHUT UP AND COMPLY (Father Z)

Obama plays his Anti-Catholic Card (Hugh Hewitt)

More Leo XIII: on religious liberty and the tyranny of liberalism (read: Pres. Obama’s Administration) (Father Z)

Benedict XVI on the huge crisis we face as a Church. Wherein Fr. Z gets on his knees and begs you to act. (Father Z)

Some Liberal Catholics Scramble to Justify Obama Decision to Force Catholics to Violate Their Conscience (Thomas Peters)

Und zum Abschluss noch ein Vortrag über Kulturkämpfe und wie man ihnen begegnet von Peter Kreeft:

How to Win the Culture War (Peter Kreeft) (Textfassung) (Audio-Version)

 

US-Vorwahlen: Katholik Santorum erzielt Überraschungserfolg

Rick Santorum, Präsidentschaftskandidat der gerade in ihrem langwierigen Vorwahlprozess steckenden republikanischen Partei in den USA, hat bei den gestrigen Vorwahlen im US-Bundesstaat Iowa gleichauf mit dem Favoriten Mitt Romney den ersten Platz belegt, nachdem er noch eine Woche vor der Wahl in den Umfragen unter 10% und am Anfang des Monats bei 3% gelegen hatte.

Am Ende trennten ihn acht von mehr als 120000 abgegebenen Stimmen von einem Überraschungssieg. Dieses Ergebnis hebt Santorum damit erstmals ins breitere Bewusstsein der amerikanischen Öffentlichkeit, die sich bislang, sofern sie sich überhaupt mit den Vorwahlkandidaten der Republikaner beschäftigte, auf die angeblich favorisierten Bewerber Mitt Romney, Newt Gingrich und Rick Perry, sowie den libertären Ron Paul, konzentriert hatte. Mehr als die Hälfte der Republikaner kannte Santorum selbst wenige Wochen vor den ersten Vorwahlen noch nicht. Nutzt er diese Chance geschickt, so könnte er durch einen guten dritten Platz in den am Wochenende anstehenden Vorwahlen in New Hampshire zum Hauptrivalen von Mitt Romney werden. Romney gilt zwar als Liebling der Wall Street, doch die Konservativen mögen ihn nicht. In zu klarer Erinnerung sind noch seine Bekenntnisse zum „Recht auf Abtreibung“ und seine Krankenversicherungsreform in Massachusetts, die der von den Republikanern vehement abgelehnten „ObamaCare“-Reform in vielen Kernpunkten stark ähnelt und von den Demokraten durchaus als Vorbild für diese genutzt worden ist.

Eine Vielzahl anderer „Nicht-Romneys“ haben sich in den letzten Monaten abgelöst. Der texanische Gouverneur Rick Perry, die engagierte Tea-Party-Favoritin Michele Bachmann, zuletzt der kürzlich zum katholischen Glauben konvertierte, mehrmals geschiedene Newt Gingrich, der sich abwechselnd als Favorit der Konservativen und Inbegriff des etablierten Parteiinsiders hinstellt. Jetzt ist, exakt zum richtigen Zeitpunkt, der Moment des Rick Santorum gekommen.

Anders als Gingrich, der für die Tötung von Menschen im embryonalen Entwicklungsstadium zu Fortschungszwecken ist, und in der entscheidenden Frage der Abtreibung so weich und wacklig ist, dass er fast der deutschen CDU angehören könnte, steht Santorum klar und eindeutig auf dem Boden der kirchlichen Lehre in allen Fragen des Lebensrechts. Er ist auch sonst ein kirchentreuer Katholik (der die traditionelle lateinische Messe besucht), was zu seltsamen Allianzen zwischen einigen Demokraten und Santorum in dessen Zeit im US-Senat von 1994 bis 2006 etwa im Bereich der Armutsbekämpfung geführt hat.

Anders als die anderen Kandidaten der Republikaner und anders auch als Barack Obama, sieht Santorum die wahren Ursachen der Wirtschaftskrise nicht so sehr in zu viel oder zu wenig Regulierung, nicht in zu viel oder zu wenig Staat (auch wenn er klare Ansichten zu diesen Themen hat), sondern vielmehr in einem massiven Verfall der Familienwerte, die für Santorum immer im Glauben an Gott verwurzelt sein müssen. Dies scheut er sich auch nicht zu sagen.

Hier haben wir also einen Kandidaten, der nun überraschend im Scheinwerferlicht steht, der seine Politik tatsächlich in weiten Teilen an authentischer katholischer Lehre orientiert, einen Vater von sieben Kindern, von dem keine Affären und Skandale bekannt sind, und der doch mindestens zwei Köpfe über den Rest des Kandidatenfeldes hinausragt. Anders als Perry ist er in der Lage mehrere kohärente Sätze hintereinander frei zu sprechen; anders als Bachmann ist er zwar leidenschaftlich, aber nicht wütend oder uninformiert; anders als Romney ist er wirklich von dem überzeugt, was er sagt, und biedert sich nicht einfach an; anders als Gingrich ist er nicht von innen heraus moralisch korrumpiert (wer die Eheschwur bricht, bricht auch den Amtseid!); anders als Ron Paul ist er wählbar und vielleicht sogar mehrheitsfähig.

Er ist sicher nicht perfekt, aber er verdient die Aufmerksamkeit, die er jetzt bekommt, und sollte er tatsächlich nominiert werden, wird eine Welle der Diffamierung über ihn herfallen, und zwar sowohl von „links“ als auch von „rechts“, gerade in den deutschen Medien, die nach wie vor Obama als Erlöserersatz zu sehen scheinen.

Ein Bild zum Abschluss für den Hinterkopf: Der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika empfängt jede Woche die Mundkommunion in der traditionellen Messe, vor dem Herrn niederkniend und Ihn anbetend, und orientiert seine Politik an der klassischen Naturrechtslehre und der katholischen Soziallehre. Wahrscheinlich undenkbar – der einzige katholische Präsident war bisher Kennedy, der nicht gerade für seine Religiosität oder seine Treue gegenüber der kirchlichen Lehre in Glaubens- und Sittenfragen bekannt war.

Doch nach dem Überraschungserfolg Santorums in Iowa nicht mehr ganz so unmöglich wie letzte Woche. Mal sehen wie es weitergeht.

Ein Link zu Santorums Dankesrede in Iowa letzte Nacht

Santorum über Abtreibung nach Vergewaltigung

Familienidentität

Auf What’s Wrong with the World findet sich derzeit ein faszinierender Artikel von Jeff Culbreath (dessen Worte oft richtig, manchmal provozierend, immer aber lesenswert sind) zum Thema Familienidentität. Wer des Englischen mächtig ist, sollte sich Culbreaths Artikel (und die darin verlinkte Rede zum gleichen Thema) zu Gemüte führen. Wer die Sprache Shakespeares (oder vielmehr, was seit seiner Zeit aus ihr geworden ist) nicht lesen kann, verpasst etwas, aber hier seien die Hauptpunkte kurz (zu kurz) zusammengefasst:

Die Prämisse des Artikels: Weder der moderne Individualismus noch das, was die meisten selbsternannten Konservativen dagegen setzen (die Kernfamilie aus Vater, Mutter und ein bis zwei Kinder) sind in Wirklichkeit geeignet, den notwendigen Familienzusammenhalt und eine eigene Familienidentität zu erschaffen zu beizubehalten. Die hierfür nötigen erweiterten Familieneinheiten mit vielen Kindern, Onkeln, Tanten, Cousins und Cousinen sind aber extrem selten geworden. Meist leben die Kinder, wenn sie erwachsen sind, nicht mehr in der Nähe ihrer Eltern (der Apfel fällt hier weit vom Stamm), und sie haben wenige Geschwister, und kaumj Kontakt zum weiteren Umfeld. Man lebt in selbstgewählten Milieus, die oft genug nicht persönlichkeitsbildend sondern zerstörend wirken, indem sie hinter der Schimäre des Individualismus das schutzlos und ohne Rückhalt umherirrende Individuum immer abhängiger von der Zustimmung des Milieus und langfristig der Massenmedien machen. Widerstand gegen Gruppendruck und massenmedial inszenierten Herdentrieb kann aber nur von starken Persönlichkeiten geleistet werden – solche Persönlichkeiten entstehen in der Auseinandersetzung mit der nicht frei gewählten Familie und den vielfältigen Persönlichkeiten, die sich dort befinden. zudem haben Menschen aus großen Familienclans in der Regel einen gewissen Rückhalt aus ihrer Familie. Sie bedürfen daher nicht im gleichen Maße der Zustimmung von außen – sie sind unabhängiger von ihr. (Culbreath führt das alles weiter aus – Lektüre des ganzen Artikels sei abermals empfohlen, denn meine Zusammenfassung wird ihm nicht gerecht)

Wie kann man also in der modernen Zeit für solche starken Familieneinheiten sorgen, die ihrerseits gesunde Individualität fördern, gerade weil sie kruden Individualismus („Selbstverwirklichung“ um jeden Preis) schwächen? Culbreath nennt einige Möglichkeiten, die man ganz praktisch anwenden kann, wenn man sich glücklich schätzt, in einer solchen Großfamilie zu leben, oder eine aufbauen zu können. Sie alle laufen auf die Stärkung der gemeinsamen Familienidentität heraus. Eine solche Großfamilie bedarf, um die vielfältigen Eigenschaften der ganzen Beteiligten unter einen Hut zu bringen, einer gemeinsamen Identität, eines eigenen Wesens – sie muss etwas Distinktives haben. Sie muss wirklich zu einem Clan zusammenwachsen, mit:

– eigenen Familientraditionen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, und die den Zusammenhalt der Generationen fördern. Familie ist wahrer Generationenvertrag – zwischen den heute Lebenden, ihren zukünftigen Kindern und den Ahnen. Man sollte immer auf dem aufbauen, was vorher kam – radikale Brüche mit der Tradition sind nur ganz selten anzuraten.

– einem gemeinsamen Glauben, durch den und in dem man lebt. Man besucht gemeinsam die Kirche, betet gemeinsam usw. Besonders der katholische Glaube bietet, abgesehen natürlich von seiner Wahrheit, gerade in dieser Hinsicht besonders reiche Möglichkeiten.

– einem gemeinsamen Familiencharakter. Gemeint ist etwas, das die Familie ausmacht. Eine Art Schwerpunkt für die gemeinsamen Aktivitäten, ein Thema, das sich in sehr vielen einzelnen Mitgliedern der Großfamilie immer wieder zeigt, wenn auch in vielfältigen Variationen. Culbreath sagt es aber besser.

– einer großen Zahl von Kindern. Dies ist besonders wichtig, da große Familien eben per definitionem viele Menschen beinhalten. Und Familienclans sind oft weit verzweigt, was nur möglich ist, wenn es in jeder Generation einige Geschwister gibt. Dieser Punkt macht die Ablehnung der Verhütungsmentalität notwendig, die davon ausgeht, Kinder wären ein Gut, das man planen sollte, das man sorgsam und vorsichtig in den Rest seines Lebens einhegen sollte, damit sie nicht so stören (diese Mentalität drückt sich perfekt und präzise in Obamas berüchtigtem Spruch aus dem Wahlkampf von 2008 aus: Er wollte nicht, dass seine Töchter mit einem Kind bestraft würden – „punished with a baby“ – wenn sie ungeplant schwanger würden). Das heißt: Man muss sich entschlossen von der Kultur des Todes (Johannes Paul II.) abwenden.

Ferner ist entscheidend, dass es gelingt, die erweiterte Familie in relativ geringer Entfernung zu halten, damit enger Kontakt zwischen den verschiedenen Familienmitgliedern auf persönlicher Basis möglich bleibt. Ein wichtiger Punkt ist hierbei die gegenseitige Familienhilfe, durch die vielfältige Fähigkeiten intern verfügbar werden, für die man sonst oft teuer bezahlen muss. (Nebenbei gesagt ist der Zerfall der Großfamilie für einen nicht zu kleinen Anteil des angeblichen Wirtschaftswachstums im Westen seit etwa 1960 verantwortlich: Was früher innerhalb der Familie erledigt wurde, geschieht heute außerhalb und geht dadurch erstmals ins Sozialprodukt ein, obwohl die entsprechenden Dienstleistungen immer schon erledigt wurden. Kinder wurden immer schon erzogen. Doch heute erzieht Frau Maier die Kinder von Frau Müller und bezahlt sie dafür. Frau Müller erzieht im Gegenzug die Kinder von Frau Maier und bezahlt sie dafür. Und das nennt man dann Wachstum!)

Ein wesentlicher Einwand gegen die in dem Artikel vertretene These, dass eine solche Rückkehr zu Familienidentitäten und Großfamilien wünschenswert wäre, besteht natürlich in der ökonomischen Realität. Doch ökonomische Realitäten sind, unter der Annahme menschlicher Willensfreiheit, kontingent und vermögen nicht das Handeln des Menschen zu determinieren. Wenn nur genügend viele Menschen sich gegen die angebliche Notwendigkeit, weit weg zu ziehen, um dort zu arbeiten, wendeten, dann entwickelte sich schnell ein großes Interesse auf der Seite der Arbeitgeber, Heimarbeit und dergleichen stärker in den Vordergrund zu stellen. Das bedeutet: Wirtschaftliche Hindernisse sind immer durch entschlossenes Handeln ausreichend vieler Menschen überwindbar. Am Ende richten sich Angebot und Nachfrage in einer freien Marktwirtschaft aufeinander ein.

Dieser Einwand ist damit nicht entkräftet (denn er besteht in der heutigen Lage weiterhin, da wenige Menschen eine Rückkehr zur Großfamilie zu betreiben wünschen), aber es ist zumindest ein Weg aufgezeigt, der ihn obsoletieren könnte.

Doch lassen wir erst einmal alle möglichen Einwände beiseite. Kann denn ernsthaft bezweifelt werden, dass die Folgen einer solchen Gesellschaftsstruktur überwältigend positiv wären? Und dass sie sich in einer tiefen Harmonie mit den Grundprinzipien der katholischen Soziallehre befindet? Innerfamiliäre Hilfe ist die ideale Vereinigung von Subsidiarität und Solidarität, zwei fundamentalen Prinzipien der Soziallehre. Und die Familie ist derselben Soziallehre folgend, die unverzichtbare Keim- und Urzelle der Gesellschaft, die, Papst Leo XIII. in Rerum Novarum folgend, sogar vor dem Staat angesiedelt werden muss, und eigene Rechte besitzt, die der Staat weder einführen, noch beschneiden oder abschaffen kann, sondern die zu respektieren und zu schützen ihm aufgegeben ist.

Culbreaths Artikel ist wahrhaftig ein faszinierender Denkanstoß.