Schröders feministischer Quoten-Wahn

Vorbemerkung: Diesen Text schrieb ich vor einigen Tagen, als der Vorschlag einer verpflichtenden Frauenquote auf EU-Ebene erstmals an mein Ohr drang. Aus irgendeinem Grund ist er nicht veröffentlicht worden – natürlich auf gar keinen Fall, weil ich den Status des Artikels versehentlich als „Entwurf“ und nicht als „Geplant für…“ angegeben habe. Natürlich nicht. So etwas würde ich ja NIE tun… 😉

Nun ja, welcher heimtückischen Verschwörung antichristlicher Kräfte Catocon auch zum Opfer gefallen sein mag, hier folgt der Artikel…

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Die EU-Kommission liefert der Feminismuskommissarin der Bundesregierung, Kristina Schröder, wieder einmal eine Vorlage, den christlich-konservativen Menschen in Deutschland so etwas wie konservative Werte vorzuspiegeln und zugleich radikal-feministische Thesen zu verfechten. Frau Schröder sollte ihrer Gesinnungsgenossin Reding, der Justizkommissarin der EUdSSR dafür äußerst dankbar sein. Wie man in der Internetausgabe der Jungen Freiheit lesen kann, forderte Genossin Reding nämlich eine durchgängige, verpflichtende Frauenquote von 40% für privatwirtschaftliche Aufsichtsräte.

Genossin Schröder nahm daraufhin wieder einmal die Pose einer Quotengegnerin ein, ohne überhaupt inhaltlich großartig von der betonsozialistischen Reding abzuweichen. Ob es ihr gelingt, den christlich-konservativen Wählern der „C“DU weiter Sand in die Augen zu streuen, kann ich natürlich nicht beurteilen. Aber wenn man das lächerliche Theater einmal durchschaut hat, fragt man sich, warum Genossin Schröder in der Öffentlichkeit immer noch dem „konservativen Flügel“ der CDU zugeordnet wird.

Anstelle einer Zwangsquote von 40% möchte Genossin Schröder, dass jedes Unternehmen sich selbst „freiwillig“ auf eine Quote festlegt, die es dann einhalten muss. Und wenn es das nicht tut, dann gibt es Sanktionen von der Partei vom Staat. Wie wunderbar freiheitlich! Unternehmen dürfen frei wählen, auf welche Weise der Staat sie bevormundet! Das wird dem Wirtschaftsflügel der „C“DU sicher gefallen. Die Mobilisierung eines immer größeren Anteils der Frauen für den Arbeitsmarkt drückt schließlich die Löhne, und welchem amoralischen Kapitalisten hat das je missfallen?

Die wesentlichen Fragen, die eine christliche oder konservative Ministerin allerdings aufwerfen müsste, werden von Genossin Schröder in üblicher Manier auf feministischer Parteilinie behandelt.

Ja, es sollen immer mehr Frauen, auch Mütter kleiner Kinder, auf den Arbeitsmarkt gedrängt werden.

Ja, auch dann, wenn sie es gar nicht wollen.

Ja, die Erziehung soll aus der Familie ausgelagert werden, und zwar ab dem ersten Lebensjahr, und zwar mit massiver staatlicher Förderung in Milliardenhöhe, die von anständigen Familien, die sich nicht dem Krippenterror beugen, mit ihrem hart erarbeiteten Einkommen bezahlt werden.

Ja, die Steigerung der Frauenerwerbsquote ist vorrangiges gesellschaftliches Ziel.

Ja, es gibt keine Unterschiede zwischen Mann und Frau, die irgendwie gesellschaftlich relevant wären.

Nein, Frauen sind nichts besonderes, sondern sollten einfach wie unterlegene Männer behandelt werden, die dann staatliche Hilfe brauchen, um „gefördert“ zu werden.

Und so weiter, und so weiter, und so weiter.

Dass die Hardcore-Sozialisten in der EUdSSR auf Frauenquoten als Teil ihrer Machtergreifung pochen, ist selbstverständlich, logisch und rational. Dass Genossin Schröder im Stechschritt hinterher marschiert, und dabei nicht wenigen Nichtsozialisten auch noch vormacht, sie sei gegen die Marschrichtung, zeugt von ihrem unbestreitbaren Charisma und der tendenziösen Darstellung durch den politisch-medialen Komplex.

Doch das alles ändert nichts daran, dass Genossin Schröder und Genossin Reding inhaltlich nahezu deckungsgleiche Positionen vertreten, dass sie beide radikal-feministische Ansichten zu gesellschaftlichen und familienpolitischen Themen haben, und dass diese Ansichten daher beide gleichermaßen abzulehnen sind.

Alternativ sollte eine sinnvolle, rationale Familienpolitik verfolgt werden, die sich zum Beispiel durch die folgenden Ziele charakterisieren ließe:

1. Die traditionelle Ehe aus einem Mann und einer Frau wird als Regelfall gesellschaftlich anerkannt und gesetzlich privilegiert. Dies schließt die staatliche Privilegierung anderer „Partnerschaftsformen“ wie „Homo-Ehe“ oder „eingetragener Partnerschaft“ zweier Männer, zweier Frauen, eines Mannes mit vier Frauen oder eines Hundes mit zwei Frauen und einer Topfpflanze selbstverständlich aus.

2. Die unterschiedlichen Fähigkeiten von Männern und Frauen sowie die sich daraus ergebenden unterschiedlichen Aufgaben der beiden Geschlechter in Wirtschaft und Gesellschaft werden respektiert und gefördert. Das bedeutet auch die Anerkennung der Rolle der Hausfrau und Mutter als Normalfall.

3. Das elterliche Erziehungsrecht muss staatlich anerkannt werden und darf keiner gesetzlichen Behinderung ausgesetzt sein, solange das Kind keine erheblichen körperlichen Schäden davonträgt. (Und nein, eine Tracht Prügel ist selbstverständlich kein „körperlicher Schaden“!) Dass Eltern sich mindestens bis zur Einschulung mit sechs Jahren um ihre eigenen Kinder kümmern und sie nicht in staatliche oder private Verwahranstalten abschieben, wäre als gesellschaftlicher Normalfall durch geeignete Anreize zu fördern. Staatliche Förderung privater Kindergarten- oder Krippenangebote ist abzuschaffen, wie auch staatliche Kindergärten und Krippen überhaupt. Stattdessen sollten finanziell schwache Familien, die ihre Kinder selbst erziehen, von den freiwerdenden Mitteln profitieren.

4. Der Staat sollte geeignete Mittel suchen, um darauf hinzuwirken, dass die Unternehmen einen Familienlohn zahlen. Das bedeutet, dass der Familienvater von seinem Einkommen seine Ehefrau und seine Kinder in ausreichender Weise ernähren kann, so dass die „doppelte Belastung“ von Müttern vermieden wird. Hierzu gehört auch die Förderung von Unternehmen (vielleicht durch steuerliche Entlastungen), die solche Familienlöhne zahlen und bevorzugt Familienväter einstellen.

Wenn der Staat sich überhaupt in diese Politikfelder einmischt, dann muss seine Politik mit christlichen sittlichen Normen übereinstimmen, wie die Kirche sie immer vertreten und gelehrt hat. Genossin Schröder hat sich ebenso wie die ganze „C“DU inzwischen weit von diesen Normen und Werten entfernt, so dass es wohl verfehlt wäre, ihre Politik „christlich“ oder „konservativ“ zu nennen.

Da sie auch kein staatliches Heraushalten aus der Familie fordert (was eine echte liberale Position wäre), kann man sie auch nicht „liberal“ nennen.

Genossin Schröder macht schlicht eine rot-sozialistische, familienfeindliche Politik, die für Genossin Reding immer noch nicht sozialistisch und familienfeindlich genug ist.

Über diesen innersozialistischen Bruderkampf braucht man daher auch gar keine weiteren Worte zu verlieren. Letztlich spielt es keine Rolle, ob eine Politik zu 98% oder zu 99% falsch ist. Es wäre nur schon, wenn Schröder und die CDU den Namen Christi nicht mehr in fast schon gotteslästerlicher, definitiv aber etikettenschwindlerischer Weise für ihre sozialistische Politik missbrauchten und sich nicht länger als „C“DU, sondern nur noch als“DU“ bezeichneten.

Obwohl das auch zu großen Problemen führt, weil die Partei ja auch nicht für Demokratie steht, wie man an ihrem linientreuen pro-EUdSSR-Kurs in der Eurokrise sieht.

Es bliebe nur noch der Name „Union“. Zum Glück wird er ja schon oft verwendet.

P.S: Hier findet sich eine Sammlung lehramtlicher Dokumente, darunter auch vieler Texte zur gerechten Ordnung von Familie und Gesellschaft. Ferner gibt es hier eine Zusammenstellung verschiedener Texte zum Thema „Ehe und Familie“

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Piratenpartei: Die radikaleren Grünen

Angesichts der Tatsache, dass in NRW am Sonntag Landtagswahlen anstehen und sich scheinbar auch einige Christen mit dem Gedanken tragen, der Piratenpartei ihre Stimme zu geben, möchte ich mich an dieser Stelle einigen Auszügen aus einem Interview von kath.net mit Frank Mazny, einem katholischen „Piraten“, widmen. Das ganze Interview sei zur Lektüre empfohlen. Die Fragen von kath.net sind fettgedruckt, Hervorhebungen durch Unterstreichung und rote Kommentare von Catocon.

Mir gefällt in erster Linie das Mitmach-Prinzip (ja, das ist für den modernen Menschen immer sehr wichtig. Man sieht das an der Messe, die von dieser Art Katholizismus im Wortsinne „fabriziert“ wird.) und die Idee, dass wir Bürgerinnen und Bürger unsere Vorstellungen von Politik selbst in die Hand nehmen, und die Partei vom Ideal der Basisdemokratie (Partizipation für alle!! Gleichheit jetzt und per Dekret!) getragen wird. So können alle, die bereit sind sich zu engagieren, neue Ideen in das Programm der Partei einbringen. Das scheint mir ein guter Weg zu sein.

 

kath.net: Was ist der Zusammenschluss „Christen in der Piratenpartei“? (Dem Mazny angehört) Welche Ziele verfolgt er?

Frank Mazny: Wir sind ein ökumenischer (natürlich!) Zusammen-schluss von Christinnen und Christen (man beachte die fanatische Anhänglichkeit an die Dogmen der Politischen Korrektheit!) innerhalb der Piratenpartei Deutschland. Was unsere genauen Ziele angeht muss ich gestehen, dass wir die noch nicht bis ins Detail besprochen haben. (Das scheint ein universelles Kennzeichen der Piraten zu sein.) Ein wichtiger Punkt ist sicherlich, dass wir uns und die jeweilige Denomination der anderen besser kennenlernen wollen, auch um vielleicht gar nicht als solche wahrgenommene Vorurteile abzubauen. (Die Stuhlkreismentalität als Partei) Auch innerparteilich könnte der Abbau von Vorurteilen oder schlichtweg Unwissenheit ein Thema sein. Genaues ist aber noch nicht geplant. (Nein, natürlich nicht. Sie sind ja Piraten.)

Ebenso würde ich es als unsere Aufgabe ansehen, explizit unter Christen außerhalb der Partei für unsere Ziele zu werben und Aufklärungsarbeit zu leisten. (Bekanntlich wählen die Kälber ihren Metzger selber…) Zumindest weiß ich von vielen Christen, die den Piraten grundsätzlich positiv gegenüberstehen, aber bei einigen Themen Vorbehalte haben. (Ja, zum Beispiel bei der reflexhaften Christenfeindlichkeit, der Verachtung der christlichen Sittenlehre, dem totalen Laizismus, d.h. dem Atheismus als Staatsreligion usw.)  Ich denke durch die gemeinsame Ebene des Glaubens (welchen Glauben kann ein Pirat mit einem Christen gemeinsam haben? Immerhin ist die Piratenpartei den Zielen wie dem Wählerreservoir nach weitgehend die Partei derer, denen die Grünen zu gemäßigt, und nicht progressivistisch genug sind…) , haben wir dafür bessere Grundvoraussetzungen als andere Piratinnen und Piraten. (Man beachte, wie gesagt, die Selbstversklavung unter den Götzen der „Gendergerechtigkeit“) Alles weitere wird sich zeigen.

(…)

kath.net: Viele Christen haben mit einigen Punkten des Parteiprogrammes große Schwierigkeiten. (Ein perfektes Beispiel höflichen Unterstatements, das man früher den Briten zuschrieb.) Das betrifft zum Beispiel die Familienpolitik. Hier setzt sich die Piratenpartei für Gender-Mainstreaming (!) und eine Gleichstellung eingetragener Partnerschaften mit der Ehe ein. Eingetragene Partnerschaften sollen auch für mehr als zwei Personen möglich sein. (Die Piraten sind für die staatliche Förderung der Polyamorie, d.h. der geschlechtsneutralen Form der Polygamie. Und, was hier nicht gesagt wird, auch für die staatliche Anerkennung von „freiwilligem“ Inzest. Wie lange noch, bis ich Sex mit meinem Haushund haben darf, lieber „christlicher“ Pirat?) Wie ist das mit einem christlichen Verständnis von Mann und Frau, von Ehe und Familie vereinbar?(Ähm… gar nicht? Die Frage ist: Pirat oder Christ – eins von beiden.)

Frank Mazny: Die Beantwortung dieser Fragen in ihrer Gesamtheit würde für eine abendfüllende Diskussion ausreichen, deshalb will ich mich auf ein paar grund-legende Gedanken dazu beschränken. (Ausweichmanöver.)  Der Staat muss zwar eine unbedingte (unbedingte!) Religionsfreiheit garantieren und sie schützen (vor wem? Vor demjenigen, dessen moralische Auffassungen christlich motiviert sind. Der Christ als Staatsfeind.), er ist aber nicht dazu da, das Lebensmodell einer bestimmten Religion zu bevorzugen. (Herr Mazny sollte sich vielleicht statt mit linksradikaler Propaganda einmal mit der Naturrechtslehre befassen. Es handelt sich nicht um eine christliche Sondermoral!) Aus dieser Perspektive heraus muss (muss! Selbst für die christlich gewendete und abgemilderte Version der Neopiraterie ist die Bekämpfung des Naturrechts Staatsaufgabe!) der Staat zum Beispiel, wenn er den eingetragenen Lebenspartnerschaften (die er selbst erfunden hat) die gleichen Pflichten wie Eheleuten auferlegt, auch dafür Sorge tragen, dass sie die gleichen Rechte haben.

Dadurch wird das Ansehen der Ehe nicht geschmälert (nein, weil durch die von den Piraten enthusiastisch begrüßten Anschläge auf die Ehe längst praktisch kein Ansehen der Ehe mehr vorhanden ist), und sie wird auch weiterhin das gängigste Modell für die Lebensführung bleiben. (…) Eine Entscheidung für ein Leben mit Jesus (aber gegen Seine Gebote, versteht sich, denn wir sind ja so modern piratig!) und die Beachtung der christlichen Werte (noch eine leere Worthülse, denn wie kann ein Befürworter von Inzest, Polygamie und Homo-„Ehe“ ernsthaft das Wort christliche Werte in den Mund nehmen, ohne auch nur rot zu werden?), auch für Ehe und Familie, ergeben sich aus einer individuellen Entscheidung. Das kann man nicht durch Gesetze, Verordnungen oder gar durch ein Parteiprogramm vorschreiben. (Ach so. Und deswegen muss der Staat aktiv gegen die christliche Sittenlehre kämpfen, indem er die Förderung der Sünde mit Steuergeldern finanziert, wie dies durch die Homo-„Ehe“ geschähe?)

kath.net: Im Grundsatzprogramm kommt Religion nur unter dem Titel „Trennung von Staat und Kirche“  im Bereich „Vielfalt in der Gesellschaft“ vor. In den drei Absätzen, die dem Thema gewidmet sind, wird vor allem die Aufhebung bestehender Privilegien der christlichen Kirchen gefordert. (Das macht die Piraten fast noch sympathisch – in demselben Sinne, indem Kaiser Nero durch seine Verfolgungen sympathisch wird, nämlich indem er, ganz im Gegensatz zu seinen Intentionen, der Kirche unwissentlich geholfen hat…) Auch die Übertragung von Aufgaben in staatlichen Einrichtungen und beim Betrieb von sozialen Einrichtungen an Kirchen soll abgeschafft werden. (Und wer übernimmt die sozialen Funktionen der Kirche dann? Vermutlich nicht die Piraten, für die Nächstenliebe ja bloß in der Unterdrückung der christlichen Sittlichkeit und der Umverteilung rechtmäßig verdienten Einkommes zu bestehen scheint.) Nun bekennen sich derzeit ca. 60 Prozent der Deutschen zu den christlichen Kirchen. Das Christentum hat die Kultur Deutschlands in fast allen Bereichen maßgeblich geprägt und zum Beispiel die ersten Schulen und sozialen Einrichtungen gegründet. Das alles sieht danach aus, als wolle die Piratenpartei die Kirchen aus dem öffentlichen Leben möglichst zurückdrängen. (Ja, natürlich. Denn solange die Kirche nicht zu Staub zerfallen oder vollkommen an diese Welt und ihren Fürsten angepasst ist, kann ein moderner Pirat nicht ruhen…) Eine positive Wertschätzung der Religion ist nicht zu finden. Wie stehst Du dazu?

Frank Mazny: Leistungen, die auf Grund des verfassungsrechtlichen Subsidiaritätsprinzips erfolgen, können nicht insgesamt einfach so abgeschafft werden. Das wäre auch nicht sinnvoll, da der Staat ja aus gutem Grund bestimmte Aufgaben an kirchliche Träger abgeben hat. Die Piratenpartei hält insbesondere das Grundgesetz hoch, deshalb wird sie sich auch daran halten. (In Verantwortung vor Gott, wie die Präambel schreibt? Oder doch eher in Verantwortung vor dem Fürsten, hinter dem sich die Piraten sonst versammeln?) Sollte unser Grundsatzprogramm in diesem Punkt zu ungenau sein, oder tatsächlich im Widerspruch zum Grundgesetz stehen, muss das natürlich nachgebessert werden. (Man sieht übrigens, wie selbst der Katholik Mazny in der Frage nach der Rolle der Religion darüber nachdenkt, ob man denn beim allgemeinen Ausschluss der Kirche aus der Öffentlichkeit noch formaljuristisch die Verfassung einhalten kann…) Trotzdem sollten Zahlungen des Staates an Kirchen und auch der Einzug der Kirchensteuer kritisch überprüft werden, da meiner Meinung nach auch die Kirchen selbst davon profitieren können. (Ja, das kann passieren. Wie gesagt: Der Kulturkampf der Piraten gegen die wahre Religion könnte seltsame Auswirkungen haben. Am Ende zerstört sich das Böse immer selbst. Aber deswegen darf man es trotzdem nicht unterstützen, wie sowohl Nero als auch Judas erfahren haben dürften.)

An dieser Stelle will ich aus der Rede von Papst Benedikt XVI. in Freiburg zitieren (ein geschickter Schachzug. So kann Mazny vorspiegeln, das Programm der antichristlichen Piraten sei tatsächlich papstkonform…) : „Die Säkularisierungen – sei es die Enteignung von Kirchengütern, sei es die Streichung von Privilegien oder ähnliches – bedeuteten nämlich jedes Mal eine tiefgreifende Entweltlichung der Kirche, die sich ja dabei gleichsam ihres weltlichen Reichtums entblößte und wieder ganz ihre weltliche Armut annahm. [ … ] Die geschichtlichen Beispiele zeigen: Das missionarische Zeugnis der entweltlichten Kirche tritt klarer zutage. Die von ihrer materiellen und politischen Last befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein. Sie kann ihre Berufung zum Dienst der Anbetung Gottes und zum Dienst des Nächsten wieder unbefangener leben.“ (Quelle)

Der von der Piratenpartei geforderte Abbau von Zahlungen ist also keine Aussage über eine Wert- oder Geringschätzung einer Religion, sondern ergibt sich schlicht aus unserem Verständnis dessen, welche Aufgaben ein säkularer Staat haben sollte. (Eben. Eine vollständige Trennung von Staat und Kirche setzt die beiden Institutionen angesichts der vielen Felder, in denen beide legitime Aufgaben zu erfüllen haben, automatisch in einen Gegensatz. Und wer wird da wohl siegen? Ein kirchenfeindlicher Staat mag ja vielleicht der Kirche helfen, indem sie den Sumpf der – übrigens wie gleich deutlich werden wird auch von Mazny sehr gelobten – Verbandskatholiken trockenlegt, doch er bleibt immer noch kirchenfeindlich, wie auch die ganze Piratenpartei.) Ich selbst würde eine größtmögliche Entflechtung von Kirche und Staat begrüßen, weil ich als Katholik der Meinung bin, dass die deutsche Kirche viel zu bürokratisiert ist und sich dadurch selbst vieler Möglichkeiten beraubt. (Und die bestehen worin genau, angesichts Ihrer sonstigen unchristlichen Haltungen, etwa zur natürlichen Familie?) Oder auch anders gefragt: muss ein Bischof wirklich 6.000 Euro oder mehr im Monat bekommen? (Écrasez l’Infâme!) Ich würde mir wünschen, dass sich durch die radikalen Forderungen der Piratenpartei auch eine innerkirchliche Diskussion darüber ergibt, welche Zahlungen des Staates notwendig sind, und welche vielleicht nur ein finanzielles Kissen zum Ausruhen darstellen. (Genau. Dass die Bischöfe anständig bezahlt werden, das ist schrecklich. Aber Inzest ist okay. Und Polygamie. Und Gender-Mainstreaming. Was für ein Christ kann eine Partei unterstützen, die so eine antichristliche Haltung vertritt?)

kath.net: Die Piratenpartei fordert ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle. Steht das nicht im Widerspruch zum Prinzip der Subsidiarität, d.h. dass jeder zunächst für sich selbst verantwortlich ist und erst in zweiter Linie die Gemeinschaft?(Natürlich tut es das. Doch die Piratenpartei ist ja auch nicht kompatibel mit dem Christentum, sondern nur mit einem neosozialistischen Gesellschaftsmodell, indem der Staat die Rolle eines allgütigen Götzen spielt, der Manna über seine Untertanen ausrieselt.)

Frank Mazny: Die Bundesrepublik Deutschland bekennt sich zum Sozialstaat, dazu zähle ich im weitesten Sinne auch den Länderfinanzausgleich und den Solidarpakt. (Was aber nicht die Frage war.) Hauptsächlich ist aber mit dem Sozialstaat unser soziales Netz verbunden, das es auch Menschen ohne Arbeit ermöglichen soll, ein menschenwürdiges Leben zu führen.

Soweit die Theorie, in der Realität sind Menschen ohne Arbeit jedoch einer oftmals entwürdigenden Maschinerie ausgesetzt, die mit dem 1. Artikel im Grundgesetz nicht vereinbar ist. (Das ist so absurd, dass es nicht einmal mehr ein Argument verdient, sondern bloß Gelächter. Es ist also menschenunwürdig, wenn man Hartz IV beantragen und sich an die Gesetze halten muss?) Einige der größten Fehler im System (Nieder mit dem System! Wir brauchen den Systemwechsel!!) sind der Anspruch und das Versprechen auf Vollarbeit, die in der heutigen Zeit einfach nicht mehr zu erfüllen sind. (…)

Deshalb fordert die Piratenpartei, übrigens im Einklang mit katholische Gewerkschaften und Sozialverbänden wie der KAB, BDKJ oder die CAJ ein bedingungsloses Grundeinkommen. (Daran sieht man, dass die unkatholischen Verbände dringend weniger Marx und mehr Leo lesen müssen. Das Manna für alle vom Götzen Staat hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun.) Aus christlicher Sicht ist der Wert eines Menschen nicht von seinem Stand und der Position in einer Erwerbsarbeitsgesellschaft abhängig, sondern allein von seiner Würde vor Gott. (Ach so. Und die Würde des Menschen ist davon abhängig, wie viel Geld er hat? Oder ob er arbeitet?) Ein Grundeinkommen schafft die Grundlage für jeden Menschen, eine Arbeit seiner Wahl im Sinne des befreiten Tätigwerdens (frei nach Marx, ganz ohne Leo) aufzunehmen. Insofern würde ein BGE auch für die Kirchen und ihre Arbeit mit Ehrenamtlichen von Vorteil sein, denn jemand der sozial abgesichert ist wird eher eine gering bezahlte oder unbezahlte Aufgabe in der Gemeinde übernehmen. (Wieso sollte ein mir dem staatlichen Manna für alle betäubter Mensch sich noch für die christliche Botschaft interessieren?) Ich sehe das BGE deshalb als wichtigen Baustein für die Umsetzung eines christlichen Menschenbildes in unserer Gesellschaft.

Was soll man zu diesem Interview noch sagen? Hier haben wir einen Menschen, der für sich in Anspruch nimmt, ein Christ und gar ein Katholik zu sein, der aber einer Partei angehört, die für Abtreibung, die Homo-„Ehe“, Polygamie und Inzest ist, die die traditionelle Familie als Auslaufmodell scharf bekämpft, die der Kirche durch ihr Parteiprogramm praktisch den Krieg erklärt, die der Auffassung ist, es sei eine gute Idee, absichtsvoll die Karfreitagsruhe zu stören, in der ernsthaft diskutiert wird, ob nicht eine Erziehung, in der die Existenz der Hölle vermittelt wird, den Tatbestand der Kindesmisshandlung erfülle, kurzum, einer Partei, die auf ganzer Linie gegen jeglichen christlichen Wert zu Felde zu ziehen wünscht, den es in diesem Lande noch geben mag. Doch mehr noch: Dieser Mensch, Herr Mazny, möchte den Leser auf den Arm nehmen und für dumm verkaufen, indem er dieses antichristliche Machwerk auch noch aus scheinbar christlichen Motiven heraus lobt.

Und als ob das noch nicht alles wäre, legt er zum Schluss noch einen drauf: Er fordert, im Einklang mit der totalitären Volksbeglückungsideologie, die die Piraten auch sonst so auszeichnet, ein „bedingungsloses Grundeinkommen“ und etikettiert dies zu einem Baustein des christlichen Menschenbildes um, weil einige häretische, verweltlichte Gruppen dies auch so sehen, und weil Armut ja entwürdigend sei.

Nun, Christus hätte das anders gesehen. Für ihn waren die Armen selig. Und er war immerhin Gott, also sollte er das wissen…

Doch der Wunschtraum der Neopiraterie ist eine Welt, in der alle Menschen vom ewigen Segen des Staates abhängig sind, der ihnen den Wohlstand schenkt, den sie, unter Führung der staatlichen Indoktrination in verdummenden „Schulen“, als einzig wahren Wert erkannt haben.

Hier haben wir das piratische Menschenbild in Reinkultur, und wir stellen fest, es ist bis auf Details identisch mit dem Menschenbild der Grünen und, im Wesentlichen, dem der anderen Hauptparteien.

Nur, dass die Grünen für diese Piraten nicht radikal genug sind.

Meine Wahlempfehlung für die Landtagswahlen lautet also: Ehrt am Tag des Herrn den Herrn, und keine der Parteien, verbringt mehr Zeit mit der Familie, statt in der Wahlkabine.

Und wenn ihr unbedingt eine Kabine aufsuchen müsst, dann geht beichten.

Gift und Gegengift – Ein Einschub (Teil 7)

Nach einer Betrachtung allgemeiner Grundzüge des atheistischen Kommunismus in den ersten fünf Teilen befinden wir uns nun in einem Einschub zum Liberalismus. Wir hatten im sechsten Teil einige Grundbegriffe eines katholischen Freiheitsverständnisses anhand der Enzyklika „Libertas Praestantissimum“ von Papst Leo XIII. aus dem Jahre 1888 beschrieben und festgestellt, dass in wesentlichen Punkten ein Konflikt mit dem Liberalismus auftritt, welchen zu beleuchten nun Aufgabe dieses Teils sein soll:

Zur Einstimmung ein Zitat aus Libertas Praestantissimum:

„Wenn man, so oft überhaupt von Freiheit die Rede ist, darunter die gesetzmäßige und sittliche Freiheit verstände, wie die gesunde Vernunft und unsere Darlegung sie erwiesen haben, würde niemand es wagen, die Kirche zu tadeln. Leider geschieht es, indem man ihr in höchst ungerechter Weise den Vorwurf macht, sie wäre eine Feindin der Freiheit des Einzelnen oder des Staates. Sehr viele Folgen dem Beispiele Luzifers, der das gottlose Wort sprach: „Ich werde nicht dienen“, und streben im Namen der Freiheit eine unsinnige Zügellosigkeit an. Dazu gehören die Anhänger jener so weit verbreiteten und so mächtigen Sekte, die Liberale genannt werden wollen, indem sie ihren Namen von der Freiheit (libertas) herleiten. „

In diesem Zitat ist nicht nur das Übel des Liberalismus als solches benannt, sondern auch noch die Person Luzifers, nach dessen Vorbild die Liberalen, ob absichtlich oder unwissentlich, handeln, wenn sie das fordern, was nach ihren Begriffen Freiheit, in Wahrheit jedoch nur Abhängigkeit von der Sünde ist.

Einige wesentliche Grundideen des Liberalismus sind der Rationalismus, die Unabhängigkeit der Moral und die Bedeutung des Volkswillen. Der Reihe nach beginnen wir mit dem Rationalismus:

Der Rationalismus besagt, dass die Vernunft allein (unter Ausschluss des Glaubens) dem Menschen wahre Erkenntnis ermöglicht. Als objektiv und wirklich gültig kann demnach nur das gelten, was allein unter Gebrauch der Vernunft, und darunter ist die instrumentelle, wissenschaftliche Vernunft zu verstehen, zweifelsfrei aufgewiesen werden kann. Wenn nun nach Wittgenstein der Grundsatz gilt, man könne die wichtigsten Dinge, worunter er Moral und Religion rechnete, nicht sagen, sondern nur zeigen, also nicht mit formal logischer Strenge und demonstrativer Sicherheit aus unbezweifelbaren Prämissen herleiten, sondern nur aufweisen, darlegen, dann schließt dies für den Katholiken keinesfalls die Möglichkeit aus, dass auch dieses „zeigen“ noch rational sein kann. Doch der Rationalismus und mit ihm der Liberalismus kann dies nicht dulden. Was nicht logisch oder naturwissenschaftlich zu beweisen ist, kann keine objektive Geltung verlangen. (Was für Moral und Religion bedeutet, dass sie ihre Rechtfertigung aus dem Bereich der persönlichen Erfahrung beziehen müssen, und damit ihre Objektivität und Rationalität verlieren. Im Bereich der Religion ist diese Verlagerung ihrer Rechtfertigung in den Bereich der subjektiven Erfahrungen die Wurzel der modernistischen Irrlehre.)

Doch wenn man Moral und Religion nach den Kriterien des Liberalismus gar nicht rational beweisen kann, dann sind verschiedene moralische Vorstellungen und religiöse Bekenntnisse in letzter Konsequenz nur private, subjektive Optionen. Der gemäßigte Liberalismus duldet ihre Ausübung im Privatbereich durchaus und sehr viele gemäßigt Liberale leben im privaten Bereich durchaus eine sehr strenge Sittlichkeit und ein festes religiöses Bekenntnis aus. Doch im öffentlichen Raum können Moral und Religion dann nichts mehr zu suchen haben. Denn öffentliche Entscheidungen sollten eine rationale Basis haben und nicht der Willkür der Herrscher entspringen. Was staatliches Gesetz wird, was also nach bürgerlichem Gesetz untersagt ist, kann nun nicht mehr dem Glauben oder der sittlichen Wahrheit entspringen, sondern nur noch einer Mehrheitsentscheidung.

Wenn es gar kein objektives Sittengesetz und keinen objektiv wahren Glauben gibt (wie es der radikale Liberalismus behauptet), dann darf sich das menschliche Gesetz natürlich nicht nach diesen Fiktionen richten. Im Namen der Freiheit sind dann immer noch Menschen zu dulden, die diesen Fiktionen anhängen, doch dürfen diese Fiktionen keinen Einfluss auf die Findung menschlicher Gesetze haben.

Wenn der Liberale meint, es gebe ein objektives Sittengesetz und einen wahren Glauben, dies jedoch aus seiner religiösen Erfahrung und seinem privaten Gewissen ableitet, so stellt sich die Lage nicht anders dar. Sein Gewissen sagt ihm etwas und seine religiöse Erfahrung auch, aber sein Gewissen und seine Erfahrung sind subjektiv, privat und nicht geeignet, anderen Menschen Vorschriften zu machen. Menschliche Gesetze vermögen dieses Gewissen und diese religiöse Erfahrung nicht zu rechtfertigen. Doch da jedes Gesetz einer Legitimation bedarf, muss auch der gemäßigt Liberale menschliche Gesetze ablehnen, die sich moralisch oder religiös begründen.

Als Basis für menschliche Gesetze ist damit nur noch die Willensentscheidung der Volksmehrheit verfügbar. Eine Gesellschaft gibt sich dann selbst die Gesetze, nach denen sie leben will. Sie muss dies dann nach den Mehrheitsverhältnissen im Rahmen einer demokratischen oder republikanischen Staatsverfassung tun. (Monarchien sind damit per se illegitim und unterdrückerisch, was auch christlicher Sicht nicht notwendigerweise so ist).

Diese drei Grunddogmen des Liberalismus – Rationalismus, Unabhängigkeit von Moral und Volkssouveränität – prägen das Staatsverständnis des Liberalen. Für den Liberalen ist der Staat nur noch zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung da, die sich das Volk selbst gegeben hat. Um die Stärkung des menschlichen Willens im Angesicht moralischer Versuchungen oder gar den Schutz vor das Seelenheil bedrohenden Irrlehren geht es dem Liberalismus überhaupt nicht mehr. Eine derartige Funktion wäre für den Liberalen völlig unvereinbar mit dem eigentlichen Staatszweck, nämlich der Sicherung möglichst großer persönlicher Entscheidungs und Gestaltungsfreiheiten für die menschlichen Individuen.

Wenn Moral und Religion Privatsache sind, oder zumindest bei der Gesetzgebung keine Rolle spielen dürfen, ist ein nach utilitaristischen Gesichtspunkten gesetztes Recht die logische Folge. Verboten ist, gemäß liberalem Dogma, dann nur noch das, was der demokratische Staat tatsächlich verbietet, und das auch nur, sofern die Begründung des Verbots weder moralischer noch religiöser Natur ist.

Dies ist eine gefährliche Irrlehre, weil alle ihre drei Grundprinzipien falsch sind.

Der Rationalismus ist falsch, weil der menschliche Verstand selbst ohne die Hilfe der Offenbarung zu Einsichten fähig ist, welche nicht dem logischen oder wissenschaftlichen Standard der Rationalisten genügen. Dazu zählen etwa das dem Menschen ins Herz geschriebene Wissen um das natürliche Sittengesetz und auch echtes intuitives Wissen. Zudem ist der Rationalismus falsch, weil es echtes Glaubenswissen gibt.

Die Unabhängigkeit der Moral ist falsch, weil jeder Mensch in seinem Herzen wahre moralische Prinzipien vorfindet, die objektive Gültigkeit haben, und gegen die zu handeln kein Mensch berechtigt sein kann, und weil der Mensch, wie C.S. Lewis in The Abolition of Man (deutsch: Die Abschaffung des Menschen) formvollendet nachweist, überhaupt gar kein anderes moralisches Gesetz „erfinden“ kann als das, was er in seinem Herzen vorfindet, und seine „neuen“ Ideen zu diesem Thema immer nur aus partieller Missachtung dieses moralischen Grundwissens ziehen kann.

Die Lehre von der unbeschränkten Volkssouveränität ist falsch, weil auch das Volk in seiner Gesamtheit oder Mehrheit immer an das natürliche Sittengesetz gebunden ist. Auch die Mehrheit darf keine unmoralischen Gesetze beschließen.

Insgesamt ist die Lehre des Liberalismus falsch, weil auch der Staat die Gebote Gottes befolgen muss. Sie gelten nicht nur für alle Individuen in einem Staat, sondern auch für den Zusammenschluss dieser Individuen im Staat. Es gibt zudem keine Privatmoral, da Moral immer das Handeln von Menschen zum Gegenstand hat, und der Mensch ein Gemeinschaftswesen ist, das immer in der einen oder anderen Form mit Anderen interagiert und sie durch sein Handeln beeinflusst.

Daraus ergeben sich allerlei Folgerungen, die Papst Leo auch zieht, und die hier nur kurz erwähnt werden sollen: Sowohl die moderne Religionsfreiheit, als auch ihre Äquivalente hinsichtlich anderer Gesellschaftsbereiche (Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, allgemein Gewissensfreiheit usw.) können nicht durch das natürliche Recht gedeckt werden. Es ist oft sinnvoll, Toleranz zu üben, wenn Menschen verschiedener Religionen, Ansichten, Gewissensentscheidungen usw. zusammenleben, wie dies im modernen Staat in der Regel der Fall ist. Dies kann auch bedeuten, dass man die Ausübung falscher Religionen, das Äußern häretischer Ansichten, das Ausleben des irrenden Gewissens usw. faktisch duldet und diese Duldung sogar zum staatlichen (menschlichen) Gesetz erhebt, solange man beachtet, dass diese Freiheiten eben vom Menschen gemacht und vom Staat aus gutem Grunde eingerichtet worden sind, dass sie aber weder absolut noch universell noch Voraussetzung einer guten gesellschaftlichen Ordnung sind.

Der Liberalismus ist aufgrund seiner zahlreichen Irrtümer und auch aufgrund seiner praktischen Folge, einem Verfall der nun nicht mehr unter öffentlichem Schutz stehenden Sitten, keinesfalls als Alternative zum atheistischen Kommunismus zu empfehlen. Er mag kurzfristig zu einem kleineren Leichenberg führen, doch ist die durch den Liberalismus verursachte Auflösung des Fundamentes des wahren Glaubens und des natürlichen Sittengesetzes ein fruchtbarer Boden für eine Unzahl anderer Ideologien, darunter auch der Kommunismus, die selbst diesen scheinbaren Vorzug des Liberalismus relativieren.

Als Alternative zum Kommunismus ist er für den Katholiken also keinesfalls tauglich. Im nächsten Teil werden wir wieder zur Enzyklika „Divini Redemptoris“ zurückkehren und die Antwort der Kirche auf die Herausforderungen von atheistischem Kommunismus und Liberalismus skizzieren.

Gift und Gegengift – Ein Einschub (Teil 6)

In den ersten fünf Teilen dieser längeren Artikelserie über den atheistischen Kommunismus haben wir uns an einer Passage aus der einschlägigen Enzyklika „Divini Redemptoris“ von Papst Pius XI. aus dem Jahr 1937 orientiert. In dieser Passage wurden wesentliche Grundkennzeichen des Kommunismus und die Bewertung derselben durch die Kirche dargestellt. Man konnte erkennen, dass für die Verurteilung des Kommunismus durch das kirchliche Lehramt bei weitem nicht nur die Frage nach der Legitimität des Privateigentums ausschlaggebend ist, sondern auch eine Vielzahl weiterer Merkmale dieser Ideologie sehr negativ bewertet werden müssen.

In meinem Kommentar hatte ich immer wieder hervorgehoben, dass, abgesehen von der Abschaffung des Privateigentums, sehr viele kommunistische Ideen auch heute noch weithin positiv bewertet und umgesetzt werden, und teilweise sogar nahezu unumstritten als Konsens der Mehrheitsgesellschaft gelten. Dies betrifft einen sehr großen Teil dessen, was heute unter dem Begriff „Feminismus“ läuft, aber auch viele sozialdemokratische Ideen. Weniger offensichtlich, aber nichtsdestoweniger sehr gefährlich sind jene aus dem geistigen Umfeld des Kommunismus stammenden, selbst von Liberalen und vielen selbsternannten Konservativen geteilten geistigen Grundannahmen, darunter das vorherrschende materialistische Weltbild und der universelle Evolutionismus (im Unterschied zur biologischen Evolutionstheorie, über deren Richtigkeit und weder das Lehramt noch irgendeine Ideologie urteilen kann).

Der logisch nächste Schritt, der auch schon im fünften Teil der Serie angekündigt worden ist, besteht nun darin, die inhaltliche Antwort der Kirche aufzuzeigen. Wir wissen nun, dass der Kommunismus zu verurteilen und jegliche Zusammenarbeit mit ihm unzulässig ist. Doch offensichtlich sprechen die diversen Teile der kommunistischen Ideologien real existierende Probleme, wie etwa die Verarmung weiter Teile der Menschheit, an. Diesen Problemen kann man nicht bloß lehramtliche Verurteilungen entgegensetzen. Wir brauchen also einen Gegenentwurf zum kommunistischen Gesellschaftsmodell. Ein solcher Gegenentwurf findet sich in der katholischen Soziallehre, und zumindest zum Teil entwickelte sich diese auch in expliziter Gegenüberstellung zum Kommunismus.

Dies wäre, wie gesagt, der logisch nächste Schritt. Es ist jedoch angemessen, bevor wir diese Aufgabe in Angriff nehmen, einige Worte über andere Gegenentwürfe zum Kommunismus, namentlich den Liberalismus, zu verlieren. Nicolás Gómez Dávila, ein kolumbianischer Autor und Reaktionär, schreibt in einem seiner Scholien, der Kommunismus sei aus dem Liberalismus entstanden. Dies stimmt in historischer Perspektive, aber auch zum Teil ideengeschichtlich und logisch. Und so kann mit Fug und Recht behauptet werden, dass auch die katholische Soziallehre nicht nur eine Antwort auf den Kommunismus, sondern auch auf den Liberalismus ist und ebenfalls zur Abwehr der liberalistischen Gesellschaftsmodelle dient. Das oft fast als Inbegriff der Sozialenzykliken gesehene Rundschreiben „Rerum Novarum“ von Leo XIII. befasst sich hauptsächlich mit der Arbeiterfrage und positioniert sich ebenso klar gegen den damals vorherrschenden Liberalismus, wie „Quadragesimo Anno“ und die anderen Sozialenzykliken bis heute sich von den zu ihren jeweiligen Zeiten vorherrschenden Spielarten des Liberalismus abgrenzen.

Daher folgt nun ein kurzer Einschub über den Liberalismus, dessen Zweck darin besteht, jenen kurz zu definieren, und dann zu erklären, warum der Liberalismus ebenso wie der Kommunismus abzulehnen ist. Dabei werde ich mich hauptsächlich auf die Enzyklika „Libertas Praestantissimum“ von Papst Leo XIII. aus dem Jahre 1888 beziehen, in welchem die Verurteilung des Liberalismus ausführlich begründet und das richtige Verständnis der Freiheit dargelegt wird.

Da es dem Liberalismus inhaltlich wie dem Namen nach um die Freiheit als höchstem Grundwert geht, ist es hilfreich, zunächst den Begriff der Freiheit zu definieren. Doch bereits daran scheiden sich Liberalismus und Katholizismus. Die wichtigste Freiheit des Katholiken ist die Freiheit von der Sünde, also die Freiheit zur Heiligkeit. Alle Freiheiten, welche mit dieser Freiheit in unauflöslichen Widerstreit treten, sind aus diesem Grund abzulehnen. Worin besteht nun das Wesen der Freiheit nach katholischem Verständnis? Es ist immer Willensfreiheit, also die Freiheit des Willens sich so oder anders zu entscheiden, zwischen Optionen zu wählen. Diese Willensfreiheit besitzt jeder Mensch, sie ist unbeschränkt, soweit er die Fähigkeit zur Umsetzung seines Willens besitzt. Doch ist nach katholischem Verständnis die Willensfreiheit immer an die Wahrheit und an die Sittlichkeit gebunden, weil sie ansonsten mit der Freiheit von der Sünde in Konflikt gerät. Es kann also kein unbegrenztes natürliches Freiheitsrecht auf Irrtum oder auf Sünde geben.

Das bedeutet, um ein häufiges Missverständnis auszuräumen, übrigens nicht, dass alle Sünden vom menschlichen Gesetz verboten werden müssten oder sollten. Es ist oft angemessen und sinnvoll, den Irrtum und die Sünde insofern zu tolerieren, als man von ihrer strafrechtlichen Verfolgung absieht. Dies ist ein Unterschied zwischen Naturrecht und menschlichem Recht. Eine menschliche Freiheit zu Irrtum und Sünde ist sehr oft ganz sinnvoll. Sie erspart uns den Tugendterror, den ein fehlbarer Staat unzweifelhaft einrichtete, gäbe man ihm die Vollmacht, jede Sünde und jeden Irrtum zu verfolgen. Doch ist diese Klugheitsregel, die uns etwa in gemischt-konfessionellen Staaten nahelegt, die falschen Religionen zu dulden und ihre freie ungehinderte Ausübung unbeschränkt zu gestatten, oder die die Sünde des Homosexuellen und die Irrlehren der Kommunisten vor Verfolgung schützen, so wichtig und unverzichtbar sie auch ist, keinesfalls ein natürliches Recht. Ein natürliches Recht auf Irrtum und Sünde kann es nicht geben, da Irrtum und Sünde Unvollkommenheiten sind, und ein natürliches Recht auf eine Unvollkommenheit bedeuten würde, dass Gott diese Unvollkommenheit aktiv gewollt hat. Das natürliche moralische Gesetz sagt uns, was wir tun sollen. Hätten wir die natürliche Freiheit zu sündigen oder zu irren, so wären weder Irrtum noch Sünde falsch oder schlecht. Und ein Recht zu Irrtum und Sünde ist nichts anderes als die Freiheit zu irren oder zu sündigen.

Ein menschliches Recht zu irren oder zu sündigen ist oft eine notwendige Konzession an die Unvollkommenheit dieser gefallenen Welt, und ist als solche akzeptabel.

Nach katholischem Verständnis besitzt jeder Mensch Willensfreiheit, doch bestimmte Äußerungen dieser Willensfreiheit sind unzulässig nach natürlichem oder göttlichem Gesetz (Irrtum und Sünde) und eine Teilmenge dieser Äußerungen müssen auch durch das menschliche Gesetz als unzulässig bezeichnet werden (Mord, Diebstahl…). Die Größe dieser Teilmenge kann je nach Bedürfnis der Gesellschaft in gewissem Maß variieren.

Die Freiheit von der Sünde bedarf aufgrund der menschlichen Tendenz zur Sünde immer des Schutzes, welchen bereitzustellen unter anderem Aufgabe der moralischen Erziehung und – hier besonders entscheidend – des bürgerlichen Gesetzes ist. Auch das menschliche Gesetz hat also nicht nur die Aufgabe, die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten, wie das gern genannt wird, sondern darüber hinaus – in Art und Umfang durchaus variabel – den sittlichen Charakter des Volkes zu stärken. Dies geschieht auf zwei Weisen: Entweder das bürgerliche Gesetz kodifiziert das natürliche oder göttliche Gesetz, indem es bestimmte von diesem untersagte Verhaltensweisen auch unter die Strafe des menschlichen Gesetzes stellt, oder, wie es Papst Leo formuliert:

Andere Gesetze der bürgerlichen Obrigkeit aber fließen nicht unmittelbar und zunächst aus dem Naturrecht ab, sondern in weiterem Abstande und indirekt; sie behandeln verschiedene Dinge, für welche die Natur nur im allgemeinen und ohne genauere Detaillierung Sorge getragen hat. So befiehlt z.B. das Naturgesetz, dass die Bürger sorgen müssen für die öffentliche Ruhe und Wohlfahrt; wie viel sie beisteuern müssen, in welcher Weise, was sie zu leisten haben, wird nicht durch das Naturgesetz, sondern durch menschliche Weisheit genauer bestimmt.

In jedem Fall bedarf also das menschliche Gesetz der Verankerung im natürlichen oder göttlichen Gesetz. Dies verunmöglicht jede positivistische Rechtsauffassung, nach der nur dasjenige falsch wäre, was das Gesetz auch verbietet. Diese Auffassung ist heute sehr weit verbreitet und hat ihre Wurzel im Liberalismus, wozu wir weiter unten noch kommen werden. Das Gegenteil ist jedoch richtig: Nur das menschliche Gesetz, das seine Fundierung in jenem höheren Gesetz hat, vermag überhaupt den Menschen in seinem Gewissen zu binden.

Und hier sind wir an einem grundlegenden Konflikt mit dem Liberalismus angelangt, für den nämlich ein ganz anderer Freiheitsbegriff maßgeblich ist, und der Religion und Moral zur Privatsache erklärt, welche keine Rolle für die menschlichen Gesetze spielen dürfe. Doch dazu mehr im nächsten Teil der Reihe.

Gift und Gegengift – Über den atheistischen Kommunismus (Teil 5)

In den ersten vier Teilen ging es nacheinander um einige einleitende Worte über die bis heute anhaltende Aktualität des Themas „atheistischer Kommunismus“, um Grundlagen des Kommunismus, sein Verständnis von Mensch, Familie und Gesellschaft, abschließend um eine Art Bauplan für eine kommunistische Gesellschaft. Jetzt folgt eine kleine Zusammenfassung des bisher gesagten, erneut anhand der Enzyklika Divini Redemptoris von Papst Pius XI. Meine Kommentare und Anmerkungen weiterhin in rot.

(Wir könnten also zusammenfassen: Wir erfüllen vollständig oder nahezu vollständig sieben der neun genannten Merkmale [siehe Teil 4 dieser Artikelserie] für das Wesen eines kommunistischen Gesellschaftssystems. Ausgenommen ist nur: Wir haben noch kein vollständiges Gemeineigentum an Produktionsmitteln und der Staat ist noch nicht als Ausdruck der gelungenen Neuschöpfung des Menschen weggefallen. In den verbleibenden sieben Punkten sind wir entweder schon da, oder zumindest eindeutig auf dem Weg, und nicht erst in den Anfangsstadien dieses Wegs. Die wesentlichen Ziele des Kommunismus, so wie Papst Pius XI. sie charakterisiert, sind also bereits heute zu weit über 50% erreicht, und sie schreiten von Tag zu Tag weiter voran, weil es keinen nennenswerten Widerstand, selbst aus angeblich christlichen Parteien und Verbänden gegen sie gibt und selbst die Kirche bedenklich leise dagegen aufbegehrt, wenn nicht auf lokaler Ebene sogar mitgearbeitet wird.)

(Jetzt bewertet der Heilige Vater dieses System einer kommunistischen Gesellschaft. Wir können diese Bewertung durchaus auch auf unsere Gesellschaft beziehen, weil wir eben so weit auf dem Weg voran gekommen sind, der in dieses Paradies auf Erden führt:)

14. Das, Ehrwürdige Brüder, ist das neue Evangelium, das der bolschewistische und atheistische Kommunismus als Heilsbotschaft und Erlösung der Menschheit bietet! Ein System voll von Irrtum und Trugschlüssen, das ebenso der gesunden Vernunft wie der göttlichen Offenbarung widerspricht. Es ist Umsturz jeder gesellschaftlichen Ordnung, weil Vernichtung ihrer letzten Grundlagen! Es ist Verkennung des wahren Ursprungs, der Natur und des Zweckes des Staates! Es ist Entrechtung, Entwürdigung und Versklavung der menschlichen Persönlichkeit!

(Ziemlich heftig. Mal sehen:

– Voll von Irrtümern und Trugschlüssen

– Widerspricht der gesunden Vernunft

– Widerspricht der göttlichen Offenbarung

– Ist Umsturz jeder gesellschaftlichen Ordnung

– Zerstört die letzten Grundlagen der gesellschaftlichen Ordnung

– Verkennt wahren Ursprung, Natur und Zweck des Staates

– Entrechtet den Menschen

– Versklavt den Menschen

– Entwürdigt den Menschen

Dies sagt der Heilige Vater über ein System, das zumindest in den Köpfen des gesellschaftlichen Mainstreams heute fest als Zielvorstellung verankert ist, und sich mehr und mehr auch in der praktischen Gesetzeslage niederschlägt.)

Soweit Papst Pius XI. über den atheistischen Kommunismus mit Anmerkungen von Catocon zur Frage der Anwendbarkeit der Enzyklika auf die heutigen gesellschaftlichen Umstände. Zusammenfassend lässt sich sagen, dasssehr viele der gesellschaftlichen Ziele und Prinzipien, die der Papst im ersten Teil der Enzyklika, den ich hier zitiert habe, skizziert, heute weithin anerkannt und nicht mehr als speziell kommunistisch erkannt, sondern vielmehr als selbstverständlich angesehen werden. Wichtig ist allerdings die Erkenntnis, dass die heute verbreitete Ideologie trotz aller ihrer Ähnlichkeiten zum klassischen Kommunismus, die Fixierung auf die rein ökonomischen Produktionsverhältnisse überwunden und damit die größte Schwäche des klassischen marxistischen Kommunismus beseitigt hat. Dadurch ist die heutige Ideologie, die man Neo-Kommunismus, Reformkommunismus oder Marktkommunismus nennen könnte, umso gefährlicher, da sie an die wirklichen Wurzeln der Gesellschaftsstruktur geht, die eben nicht ökonomischer sondern sittlicher Natur sind.

Der logische nächste Schritt wäre nun die Frage nach der Alternative. Gibt es denn eine solche, oder ist der unaufhörliche Fortschritt in die „neokommunistische“ Richtung unaufhaltsam und es daher geboten, sich in das Unvermeidliche zu fügen, so unangenehm es auch sein mag? Auch der Papst geht in der Enzyklika Divini Redemptoris ebenso vor. Er skizziert vorher noch die Frage, wie denn der Kommunismus sich so weit hat ausbreiten können – doch diese Frage ist den Zeitumständen der Entstehung der Enzyklika geschuldet und daher nicht durch Analyse des Textes für die heutige Situation zu beantworten, obwohl auch dieser Teil wichtige Denkanstöße bietet.

Im dritten Teil von Divini Redemptoris geht Pius XI. schließlich zur Darstellung der Alternative über, die die Kirche dem Kommunismus entgegenzusetzen hat. Dabei handelt es sich natürlich hauptsächlich um die vielschichtige und auf diversen inhaltlichen Feldern angesiedelte Soziallehre der Kirche. Diesem Teil der Enzyklika werde ich mich in weiteren Teilen zuwenden, da authentische katholische Soziallehre heute nur selten im öffentlichen Diskurs vorkommt (und meist spricht dann nicht Kardinal Marx, dessen Interpretation der Soziallehre wohl von Leo XIII. und Pius XI. nicht immer und notwendigerweise als solche erkannt würde). Abermals stütze ich mich im Wesentlichen auf den Text dieser selten gelesenen  und fast vergessenen Sozialenzykliken der 1920er und 1930er-Jahre, in denen in bis heute unerreichter Form die Grundlagen einer christlichen Gesellschaftsordnung dargelegt worden sind.

Kardinal Marx wird seinem Namen gerecht

Via kath.net, aber auch über das Domradio bin ich mal wieder auf Äußerungen von Kardinal Marx gestoßen. Ich möchte diese etwas ausführlicher kommentieren, indem ich mich auf Auszüge des Artikels auf kath.net im gewohnten Stil beziehe (Kommentare in rot, obwohl diese Farbe des Kardinals Ansichten eigentlich ganz gut widerspiegeln könnte):

München (kath.net/pem) In einem Beitrag für die Freitagsausgabe der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 11. November befürwortet Reinhard Kardinal Marx die Einführung einer Lohnuntergrenze (Die Bischöfe haben ein Lehramt in Fragen des Glaubens und der Sittenlehre. Sie können daher die ethische Richtung der Wirtschaftspolitik angeben. Doch die konkrete Umsetzung dieser ethischen Richtlinien erfordert einen ökonomischen Sachverstand, über den Bischöfe nicht unbedingt verfügen. Kardinal Marx könnte daher einen fairen Lohn fordern, durch den die Existenzsicherung einer Familie sichergestellt werden kann, wie es die Soziallehre der Kirche fordert. Stattdessen pocht er auch eine ganz bestimmte planwirtschaftliche Strategie der Preiskontrollen für Arbeit, was zumindest hochkontrovers ist.), fordert aber zugleich weitere Schritte in der Familien- und Bildungspolitik, „um allen Menschen gemäß ihren Möglichkeiten und Begabungen Teilhabe zu eröffnen“ („Teilhabe“ ist wieder so ein Wischi-Waschi-Wort, das heute nur allzu populär ist. Solange der Kardinal nicht sagt, was er genau damit meint, ist nicht einmal ungefähr zu beurteilen, ob er im Recht ist, oder nicht.) . Einer christlich inspirierten Politik müsse es um „Armutsüberwindung (einer christlichen Politik geht es um „Armutsüberwindung“? Sind nicht die Armen immer unter uns, wie es ein nicht ganz unbedeutender Wanderprediger aus Nahost einmal ausgedrückt hat? Seit wann versteht sich das Christentum als sozialrevolutionäre Bewegung zur Errichtung des Paradieses auf Erden?)  und Chancengerechtigkeit (Noch ein Wischi-Waschi-Wort. Man hört das Beamtentum richtig heraus. Natürlich sollen Chancen gerecht verteilt werden. Aber worin besteht diese gerechte Chancenverteilung? Man kann damit durchaus etwas Christliches meinen – aber im heutigen politischen Diskurs wird Chancengerechtigkeit als Kampfbegriff für eine sozialistische Gleichmacherei verstanden, die der katholischen Soziallehre unendlich fern liegt.) gehen“, schreibt Marx mit Blick auf den am Sonntag beginnenden CDU-Bundesparteitag in Leipzig, bei dem die Einführung einer allgemein verbindlichen Lohnuntergrenze diskutiert wird. (Dass die CDU sich dem Sozialismus anschließen möchte, den die Päpste immer verurteilt haben, ist seit längerer Zeit keine Neuigkeit mehr. Muss Kardinal Marx diese Hinwendung auch noch als Triumph der katholischen Soziallehre darstellen?)

Eine Lohnuntergrenze sei „zu begrüßen, weil sie dazu beitragen kann, prekäre Arbeitsverhältnisse zu verhindern und die Würde der menschlichen Arbeit deutlich zu machen“ (oder sie führt zu mehr Arbeitslosen, mehr Armut, Abwanderung von Beschäftigungsverhältnissen und bürokratischer Verkrustung, wie planwirtschaftliche Preiskontrollen es regelmäßig tun.), erklärt der Erzbischof von München und Freising und Vorsitzende der Kommission für Gesellschaftliche und Soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz in dem Zeitungsbeitrag (Allein der Titel sagt schon alles. Bürokratie fördert Bürokratie). Sollte in Leipzig in diesem Sinn ein politisches Signal gesetzt werden, sei das „aus der Sicht der Katholischen Soziallehre zu befürworten“. Im Sinne der Tarifautonomie solle eine staatliche Festsetzung wie in den bisherigen branchenspezifischen Mindestlöhnen „nur dort erfolgen, wo die Tarifpartner nicht in der Lage sind, Entgelte zu finden, die das Existenzminimum garantieren“.(Hier finden sich Spurenelemente christlicher Soziallehre. Der Staat wird in seinem Eingriff auf Bereiche beschränkt, in denen das Gemeinwohl nicht von selbst erreicht wird. Hört sich ganz gesund an. Das Problem ist aber auch hier, dass spezifische politisch-ökonomische Maßnahmen gefordert werden, über die ein Bischof keinerlei privilegiertes Wissen hat. Ob Mindestlöhne in der Realität wirklich die erwünschten Wirkungen haben, ist zumindest fraglich.)

Eine Lohnuntergrenze dürfe aber nicht dazu führen, „dass ganze soziale Schichten mit einem Mindestlohn ,abgespeist‘“ (Achtung, Klassenkampf. Wir lassen uns nicht mehr abspeisen! Wir gehen jetzt gegen die Unterdrücker vor! Der Kardinal möge nicht vergessen, dass Armut auch segensreich sein kann und die Kamele durch Nadelöhre marschieren, bevor Reiche in den Himmel kommen. Was sagt uns dieser Spruch über die Erlösungschancen einer Gesellschaft, in der das Ziel des Kardinals, die Abschaffung von Armut, erfolgreich umgesetzt worden ist?) werden: „Die Verwirklichung von Armutsüberwindung sowie Beteiligungs- und Chancengerechtigkeit braucht weitere Anstrengungen“ (reines Soziologendeutsch ohne Substanz. Es stellt sich abermals die Frage, ob der Kardinal die mit derartig schön klingenden Floskeln regelmäßig bedeckten sozialrevolutionären Absichten teilt, oder einfach zu naiv ist um sie zu durchschauen.), betont Marx. Der Mindestlohn sei schließlich „kein Allheilmittel, das eine weitergehende sozial- und arbeitsmarktpolitische Diskussion überflüssig macht“. Zugleich warnt Kardinal Marx vor möglichen „negativen Folgen“ einer Lohnuntergrenze: „Wird der Mindestlohn zu hoch festgelegt, verdrängt er bestehende Arbeitsverhältnisse. Denn dann kosten die Beschäftigten das Unternehmen mehr als sie erwirtschaften. Ist er zu niedrig, dann verfehlt er sein Ziel. Entscheidendes Kriterium für einen Mindestlohn ist also seine Höhe.“  (Und die Effektivität planwirtschaftlicher Preiskontrollen, was der Kardinal aber nicht wahrnimmt, da er sein notwendiges ethisches Lehramt arg überstrapaziert, um spezifische ökonomische Theorien mit der Autorität des Hirten zu verbrämen)

Kardinal Marx gibt zu bedenken, „dass ein Mindestlohn nur das Auskommen eines Arbeitnehmers, aber unter den heute gegebenen Umständen nicht einer gesamten Familie sicherstellen kann“. (Das ist richtig. Zumindest wenn man die Vorstellungen der „Welt“ von „Auskommen“ anlegt. Da die Kirche seit 40 Jahren in Deutschland passiven Widerstand gegen die katholische Sexualmoral leistet, gibt es allerdings nur wenige Familien, die durch viele Kinder „behindert“ sind, weshalb die vollständige Erwerbsmobilisierung der Männer und Frauen mehr und mehr gelingt. Die Entsorgung von Kindern in Krippen ist ja bald auch kostenlos, so dass man sich um diesen Punkt keine Sorgen mehr machen muss. Der Kardinal schweigt wie immer beharrlich zu allen zeitgeistwidrigen Fragen. Kein Wunder, wenn man sieht, wie die deutschen Hirten, nicht zuletzt auch der Kardinal Marx, Bischof Mixa behandelt haben.) Deshalb müsse zur Vermeidung von Armut „der Blick auf ein Mindesteinkommen gerichtet werden, das auch soziale Transferleistungen beinhaltet, die insbesondere die Situation von Familien berücksichtigen“. („Mindesteinkommen“? Der Staat stellt allen ein bedingungsloses Grundeinkommen zur Verfügung? Habe ich richtig gehört?) Vordringliches Ziel müsse bleiben, „die Aufnahme eines sozialversicherungspflichtigen Normalarbeitsverhältnisses zu ermöglichen“ (Antwort: Vordringliches Ziel müsse bleiben, die katholische Soziallehre zu vertreten, was leider etwas zu kurz gekommen ist in diesem Interview.). Für gering Qualifizierte oder vielfältig Beeinträchtige „kann es dabei zielführend sein, durch Zuschüsse zu den Lohnkosten, also durch Kombilöhne, Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen“. (Jetzt haben wir alles durch. Mindestlohn, Mindesteinkommen, Kombilöhne. Vielleicht kommen wir jetzt mal zu einem Vorschlag aus der katholischen Soziallehre? Zu ethischen Grundlagen, die darzulegen die genuine Amtspflicht des Kardinals wäre?)

Gleichzeitig müssten Staat und Gesellschaft allen Menschen „Chancen zum Ein- und Aufstieg eröffnen“. (Chancen? Noch so ein Wischi-Waschi-Wort. Chancen zum Ein- und Aufstieg wohin, wozu, wofür? Wir bekommen keine Antworten. Der totale Fokus auf rein diesseitige Wohlstandsvermehrung lässt auch nicht gerade auf einen katholischen Geist schließen.) Die Sozial- und Arbeitsmarktpolitik müsse „heute bei der Familien- und Bildungspolitik ansetzen“. (Volle Zustimmung. Doch was tun? Welche ethischen Bedingungen und Grundvoraussetzungen gibt es für eine christliche Familien- und Bildungspolitik?) Die Verwirklichung von Armutsüberwindung (= es kommen soviele Menschen in den Himmel wie Kamele durchs Nadelöhr) wie Chancengerechtigkeit (was soll das noch einmal sein?) beginne früh. (Die ideologisierte „frühkindliche Betreuung“ also. Kardinal von der Leyen am Werk.) Wer „Kinder zur Selbständigkeit und zur Übernahme von Verantwortung befähigen“ wolle, müsse ihre Erziehung und Bildung frühzeitig gewährleisten (ja, und wer tut das? Der Staat? Die Kirche? Die Eltern?): „Dies ist zwar zuerst die Aufgabe der Eltern; und die meisten Eltern meistern diese Aufgabe mit Bravour. (Tun sie das? Die meisten Eltern haben sich dieser Aufgabe weitgehend durch Abschieben der Kinder an Zentrallager wie Krippen und Kindergärten spätestens seit dem Dritten Reich entledigt.) Die Politik darf aber nicht die Augen davor verschließen, dass zu viele Eltern die Bedeutung von früher Förderung nicht erkennen. (Ja. Nicht alle Eltern sind der Meinung, ihre Kinder sollten in das heutige modernistische Gesellschaftssystem schon im Alter zarter Unschuld indoktriniert werden. Und das soll etwas schlechtes sein, Eminenz?) Daher ist sie gefragt, tatsächlich hilfreiche Unterstützungsangebote zu machen.“ (Ja, da ist die Kaderpartei der Verbandskatholiken, die CDU, wohl genau auf dem richtigen Weg. Ob allerdings die „frühkindliche Bildung“, die sich die totalitären Bildungspolitiker auf ihre Fahnen geschrieben haben, und denen der Kardinal mit keinem Wort widerspricht, und sogar verklausuliert selbst propagiert, etwas anderes ist als eine besonders perfide Form von Kindesmisshandlung, steht auf einem anderen Blatt.)

Zusammenfassung: Kardinal Marx befasst sich mit der Frage nach sozialer Gerechtigkeit ausschließlich aus der Perspektive rein weltlicher Wohlstandsvermehrung, und kommt, diesen Ansatz logisch ans Ende denkend, zu ganz ähnlichen Ergebnissen wie die heutige politische Elite aller Parteien. Kinder müssen so früh wie möglich zu guten Wohlstands- und Wachstumsrobotern verbildet werden, die zentrale Aufgaben des Staates sind die Beseitigung der Armut, die Gewährleistung von „Chancengerechtigkeit“ (was immer das sein soll) und „Beteiligungsgerechtigkeit“ (was immer das sein soll) durch Preiskontrollen und ein radikales Programm der enteignenden Umverteilung. Alles normale Thesen in der heutigen politischen Elite, um deren Anerkennung der Kardinal bei seinem Weg die Karriereleiter hoch zu buhlen scheint.

Was aber sagt die katholische Soziallehre dazu? Nun, zuerst einmal ist alles bei ihr auf das Heil der Seelen, nicht den Kontostand, hingeordnet. Armut ist für sie nicht notwendigerweise schlecht, sondern kann den Menschen viele Tugenden lehren, weswegen viele Menschen in der Geschichte der Kirche freiwillig den Weg der Armut gegangen sind, was sich natürlich ein moderner Kirchenbeamter nicht mehr vorstellen kann.

Eine weitere Voraussetzung der Soziallehre ist nun die Ansicht von der Zentralität der Familie, und nicht nur irgendeiner Familie, sondern der natürlichen, von Gott geschaffenen Familie, auf der Grundlage der natürlichen, dauerhaften Ehe zwischen einem Mann und einer Frau, mit je spezifischen von Gott gegebenen natürlichen Stärken und Schwächen, die sich gegenseitig zu einem Ganzen ergänzen. Papst Leo XIII. spricht in seiner Enzyklika Rerum Novarum hinsichtlich des Verhältnisses von Familie und Staat einige Worte, die ihn in den Augen der heutigen katholischen Bischöfe wohl als Anarchisten brandmarken würden:

Wie der Staat, so ist auch die Familie, wie schon gesagt, im eigentlichen Sinne eine Gesellschaft, und es regiert selbständige Gewalt in ihr, nämlich die väterliche. Innerhalb der von ihrem nächsten Zwecke bestimmten Grenzen besitzt demgemäß die Familie zum wenigstendie gleichen Rechte wie der Staat in Wahl und Anwendung jener Mittel, die zu ihrer Erhaltung und ihrer berechtigten freien Bewegung unerläßlich sind. Wir sagen, zum wenigsten die gleichen Rechte. Denn da das häusliche Zusammenleben sowohl der Idee als der Sache nach früher ist als die bürgerliche Gemeinschaft, so haben auch seine Rechte und seine Pflichten den Vortritt, weil sie der Natur nahestehen. Wenn Individuum und Familie, nachdem sie im Verbande der staatlichen Gesellschaft sind, seitens der letzteren nur Schädigung fänden statt Nutzen, nur Verletzung des ureigenen Rechtes statt Schutz, so würde der Staatsverband eher als Gegenstand der Abneigung und des Hasses erscheinen müssen denn als ein begehrenswertes Gut.

(Hervorhebungen von Catocon)

Täusche ich mich, oder ist die zentrale Dimension Gottes, und direkt dahinter, die zentrale Dimension der natürlichen Familie, in Kardinal Marxens Stellungsnahme zum Thema Mindestlohn völlig untergegangen?

Schließlich noch die zwei zentralen Leitsätze der Soziallehre, Solidarität und Subsidiarität. Jeder gesellschaftlichen Ebene kommen bestimmte Aufgaben zu, die von den anderen gesellschaftlichen Ebenen nicht übernommen werden dürfen. Es soll auf einer möglichst niedrigen Ebene entschieden werden, was sehr viele Gründe hat, nicht zuletzt eine Nähe zu den realen Gegebenheiten, deren Abwesenheit aus dem Soziologen- und Politikerjargon des Kardinals hervorscheint. Die Starken sollen den Schwachen helfen, soviel ist in jedem Falle richtig. Doch inwieweit kann eine entpersönlichte, bürokratisierte, zentral gelenkte „Hilfe“ noch mit dem Helfen des guten Samariters verglichen werden? Reduziert der moderne Wohlfahrtsstaat, der letztlich nun auch noch für die Regelung der Löhne verantwortlich sein soll, die menschliche Person nicht auf eine Aktennummer, eine Ziffer, einen Gegenstand möglichst effizienter materieller Hilfeleistung? Diese Fragen kommen im sozialen Horizont des Kardinals nicht vor, oder haben zumindest keine praktischen Auswirkungen.

Stattdessen präsentiert er eine weitere Version der üblichen politischen Stellungnahmen, die zwar an manchen Stellen einen entfernten Anklang an die Soziallehre findet, aber nirgendwo wirklich auf ihr beruht.

Ein aus Erfahrung nicht mehr enttäuschendes Interview von Kardinal Marx, der mit diesem Interview wie eine Mischung aus Karl Marx, Ursula von der Leyen und Papst Leo XIII. wirkt, wobei die spezifisch katholischen Teile sorgfältig abgeschliffen und weichgespült sind, um dem modernen Menschen nicht mit grundsätzlichen theologischen und ethischen Überlegungen zu kommen, durch die die Frage nach dem rechten Umfang staatlicher Preiskontrollen auf dem Arbeitsmarkt vielleicht besser beleuchtet werden könnte, die aber zu unpopulär sind, als dass ein auf sein Ansehen achtender Kirchenmann sie eingehend diskutieren könnte.

Der Versuch, die Politik der sozialdemokratisierten Kaderpartei CDU als christlich darstehen zu lassen, ist jedenfalls gescheitert.

Blasphemie, Stinkbomben und Robespierre

Unter dem Titel „The protesters were very young, very angry and very well dressed“ („Die Protestierenden waren sehr jung, sehr wütend und sehr gut angezogen“) berichtet Father Z über einen Protest gegen eine der typischen „provozierenden“, „avantgardistischen“ Ideen des langweiligsten, ideenlosesten künstlerischen Establishments seit Erfindung des Wagenrades.

Es ging um ein Theaterstück, in dessen Verlauf ein großes Portrait Jesu Christi mit Exkrementen beschmiert wurde, vermutlich um die große Liebe aller Beteiligten zur künstlerischen Freiheit auszudrücken.

Die Protestierenden waren nicht nur „sehr jung, sehr wütend und sehr gut angezogen“, und protestierten gegen „Christianophobie“, sondern sie setzten auch Stinkbomben ein, die wohl weniger Gestank absonderten als das Theaterstück selbst… Natürlich ist es nicht der richtige Weg, Stinkbomben ins Publikum eines gotteslästerlichen Theaterstücks zu werfen – aber passend ist es schon, oder? Der Protest war von einigen christlichen Gruppen in Frankreich organisiert worden, darunter das „Institut Civitas“, die wie erwartet von den Medien als „rechtsextrem“ und „fundamentalistisch“ bezeichnet worden sind.

Hier die Bewertung von Father Z:

You know that something has gone dreadfully wrong when young people are defending the image of Our Lord from desecration and their bishops seem to prefer to stand back and defend free speech. („Man weiß, dass etwas schrecklich falsch gelaufen ist, wenn junge Menschen das Bild Unseres Herrn vor Entweihung schützen und ihre Bischöfe es vorzuziehen scheinen, sich zurückzuhalten und die Meinungsfreiheit zu verteidigen.“)

Doch da ist noch mehr: Die Bischöfe haben sich nicht wirklich zurückgehalten, sondern sich ausdrücklich von der Protestaktion distanziert. Das wäre ja vielleicht noch verständlich, wenn man die Methoden des Protests, wie das Werfen von Stinkbomben, ablehnt. Doch das Argument der französischen Bischöfe gegen den Protest war nicht, dass sie falsche oder verwerfliche Methoden angewandt hätten, sondern dass die Kirche „weder fundamentalistisch, oder obskurantistisch, also gegen die Aufklärung“ sei.

Interessant zu erfahren. Fundamentalistisch ist die Kirche natürlich nicht. Obskurantistisch auch nicht – aber dass man in der französischen Bischofskonferenz neuerdings Anhänglichkeit an die Aufklärung, und damit an die Werte von 1789, zum Prüfstein für die moralische Bewertung einer Haltung oder Handlung macht, ist irgendwie bezeichnend. Es zeigt uns, dass ein Kardinal (ich meine, es wäre Suenens gewesen) nicht so ganz im Unrecht war, als er davon sprach, das letzte Konzil sei das „1789“ der Kirche, also das Jahr der Französischen Revolution und des ideologischen Liberalismus, gewesen.

Es ist nicht bekannt, ob der Vorsitzende der französischen Bischofskonferenz Robespierre heißt, und er hat auch definitiv nicht so viel Elan und Überzeugungskraft, dafür viel mehr Apathie als dieser, aber was die Weltanschauung betrifft liegen sie nicht allzu weit auseinander, wie es scheint.

Der Liberalismus mit allem was er impliziert ist allerdings von den Päpsten nie allzu positiv beurteilt worden.Ich schließe mit den Worten eines Papstes:

(23) (…) Es ist in der Ordnung, dass durch die Autorität der Gesetze auch die Irrtümer eines ausschweifenden Geistes, die das unerfahrene Volk geradezu vergewaltigen, ebenso kräftig unterdrückt werden, wie die mit offener Gewalt an den Schwächeren verübten Ungerechtigkeiten. Und dies umso mehr, da sich der weitaus größere Teil des Volkes vor diesen Scheingründen und verfänglichen Trugschlüssen, namentlich wenn sie der Leidenschaft schmeicheln, gar nicht oder doch nur sehr scher zu schützen vermag. Wird unbeschränkte Rede- und Pressefreiheit gestattet, so bleibt nicht[s] mehr heilig und unverletzt; es werden selbst die höchsten und sichersten Urteile unserer natürlichen Vernunft nicht verschont bleiben, trotzdem sie doch das gemeinsame und kostbarste Erbgut des Menschengeschlechtes bilden. Wenn so allmählich die Wahrheit verdunkelt worden ist, gewinnen leicht vielfache und verderbliche Irrtümer die Oberhand. Die Zügellosigkeit wird dabei gerade so viel gewinnen, als die Freiheit Schaden leiden muss; die Freiheit ist eben um so größer und um so gesicherter, je festere Zügel der Zuchtlosigkeit angelegt werden.

Über Fragen, in welchen Gott oder die Kirche kein letztes Wort gesprochen hat, welche Gott der freien Aussprache überlassen hat, kann jeder denken, was er will. Was er für recht hält, mag er auch aussprechen, das ist nicht von der Natur verboten, denn diese Freiheit verleitet niemals die Menschen zur Unterdrückung der Wahrheit, vielmehr verhilft sie uns oft dazu, die Wahrheit zu finden und ans Licht zu ziehen.

(…)

42 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass es niemals erlaubt ist, die Gedankenfreiheit, Pressefreiheit, Lehrfreiheit, sowie unterschiedslose Religionsfreiheit zu fordern, zu verteidigen, oder zu gewähren, als seien dies ebenso viele Rechte, welche die Natur dem Menschen verliehen habe. Hätte die Natur diese Rechte verliehen, so wäre es erlaubt, Gottes Oberherrlichkeit zu bestreiten, und der menschlichen Freiheit könnten durch kein Gesetz Schranken gezogen werden. – Ebenso folgt aus dem Gesagten, dass jene Freiheiten, wenn vernünftige Gründe vorhanden sind, geduldet werden können, unter der Bedingung, dass sie nicht schrankenlos sind, auch dass sie nicht in Zügellosigkeit und Frechheit ausarten. Wo aber diese Freiheiten eingeführt sind, da sollen die Bürger sie nur Benutzen, um recht zu handeln und darüber denken, was die Kirche darüber denkt. Jede Freiheit kann nur insoweit als eine rechtmäßige betrachtet werden, als sie eine größere Möglichkeit zum sittlichen handeln bietet; sonst nie.

Soweit Papst Leo XIII. in der Enzyklika „Libertas Praestantissimum“ über die Irrtümer des Liberalismus.

Ich bitte Gott um Gnade und Milde für die blasphemischen Künstler, die für die Besudelung des Angesichts des Herrn verantwortlich sind, „denn sie wissen nicht was sie tun“, und fordere hiermit meine Leser auf, dasselbe zu tun.

P.S. Bei Father Z gibt es auch eine Umfrage unter den Lesern zum Thema. Er hat bestimmt nichts gegen eine rege Teilnahme…

Erzbischof Woelki beklagt Intoleranz der Linken

Wie kath.net berichtet, ist der frisch ins Amt eingeführte Erzbischof von Berlin, Rainer Maria Woelki, „erstaunt“ über die Intoleranz der Linken. Anlass des Erstaunens ist scheinbar der Aufruf von mehr als der Hälfte der Politiker der Linkspartei, den Papst im Bundestag zu boykottieren. „Seit ich Erzbischof von Berlin bin, höre ich überall, dass Berlin eine offene, liberale, tolerante Stadt ist. Der Papst hat es verdient, dass man ihm in genau dieser Offenheit, mit Respekt und Toleranz begegnet“, erklärte Woelki dem oben verlinkten Bericht zufolge.

Was der sprichwörtlichen Toleranz der modernen, aufgeklärten, nicht-so-rückständigen Linken noch die Krone aufsetzt, ist dass einige der Anhänger eines Boykotts gegen den Papst noch nicht sicher sind, ob sie wirklich seiner Rede fernbleiben werden – manche wollen vielleicht auch einen Protest im Bundestag starten, vielleicht mit Kondomen am Finger, wie laut kath.net die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Was also ist mit der Toleranz der Linken? Wo ist sie? Scheinbar wird sie ja nur dann eingefordert, wenn es um das „Tolerieren“ von moralisch wie gesundheitlich unsinnigen sexuellen Aktivitäten geht – in allen anderen Bereichen ist die heutige Linke (und damit meine ich jetzt nicht nur die Mitglieder der „Linkspartei“, sondern die gesamte Linke, was faktisch alle im deutschen Bundestag vertretenen Parteien mit einschließt) extrem intolerant. Ich weiß natürlich nicht, ob Seine Exzellenz diese offensichtliche Tatsache gerade erst bemerkt hat, oder derartige Einsichten schon länger hat, aber an erster Stelle ist ihm für diese wichtige Einsicht zu gratulieren.

Dass einige linksradikale, rot-totalitäre Bundestagsabgeordnete nicht einmal den minimalen Anstand besitzen, abweichende Meinungen von anderen Staatsoberhäuptern oder religiösen Persönlichkeiten wenigstens schweigend anzuhören, um sie später zu kritisieren, folgt letztlich notwendig aus der sittlichen Verrohung, welche mit der konsequenten Umsetzung der Ideologie des moralischen Relativismus einhergeht, und wird vom Papst als „Diktatur des Relativismus“ bezeichnet. Unser Heiliger Vater kennt den Geist der Linken sehr genau, da er anständig genug ist, sich ihre Worte anzuhören, und wird daher am besten wissen, wie mit solchen ungezogenen Kindlein umzugehen ist. (Ich als Traditionalist bin allerdings der Ansicht, ihr Vater sollte ihnen einfach mal den Hintern versohlen…)

Warum kommt es zur Diktatur des Relativismus, wann immer die Linke die Macht erlangt? (Und, erneut, „Linke“ im Zusammenhang der folgenden Ausführungen bezeichnet nicht nur die Mitglieder der gleichnamigen Partei, auch wenn diese die entsprechende Ideologie gleichsam paradigmatisch verkörpern, sondern gerade auch die Linken, die sich nicht in der Linkspartei beheimatet fühlen, und manchmal weniger aggressiv dieselbe Ideologie verfolgen – dazu gehören alle im deutschen Bundestag vertretenen Parteien. Denn Sozialismus und Liberalismus entspringen beide derselben ideologischen Wurzel, nämlich den Zielen der französischen Revolution, die ein sehr frühes Beispiel für die Diktatur des Relativismus im Völkermord gegen die königstreuen Bauern in der Vendée und im Wohlfahrtsausschuss, darstellt)

Die Ideologie der heutigen Linken in nichts anderes als die politische Umsetzung des Sündenfalls mit den Mitteln des Staates. Beim Sündenfall waren Adam und Eva nicht bereit, sich Gottes Willen unterzuordnen, und wollten für sich, unabhängig von Gott, ihr Glück machen. Modern formuliert wollten sie sich selbst verwirklichen, sie erstrebten die Befreiung von Autoritäten. Eva war die erste Achtundsechzigerin, Adam, indem er seine Frau ganz freiheitlich machen ließ, der erste Liberale. Ich möchte damit nicht bezweifeln, dass es in allen Zeiten wohlmeinende Sozialisten und Liberale gegeben habe. Einem Friedrich Ebert oder einem Walther Rathenau wären derartige Geschmacklosigkeiten, wie sie heute auf der Linken zum guten Ton gehören, niemals eingefallen. Doch sowohl der Liberalismus als auch der Sozialismus verengen den Menschen letztlich aufs rein Materielle, auf materiellen Wohlstand, materielle Gleichheit, materielle Rechte; damit widersprechen sie nicht nur fundamental dem katholischen Glauben (wie diverse Päpste immer wieder klargestellt haben, besonders die Enzykliken Libertas Praestantissismum und Quod Apostolici Muneris von Leo XIII. zeigen die Fehler dieser Lehren hellsichtig auf), sondern sogar dem Licht der natürlichen Vernunft, leugnen sie doch zumindest die öffentlich-gesellschaftliche Bedeutung der aus der natürlichen Vernunft erkennbaren Existenz Gottes, indem sie alle religiösen Fragen als reine Privatsache auffassen und derartige Betrachtungen aus dem Reich der Politik und der Moral zu verbannen unternehmen.

Diese Verengung aufs Materielle ist letztlich fatal, nicht nur für die Religion, sondern gerade auch für die liberale oder sozialistische Ideologie selbst. Denn woher nimmt der Liberalismus seinen Wert der Freiheit, woher der Sozialismus sein Gleichheits- und Gerechtigkeitsideal, wenn nicht aus dem Sittengesetz der natürlichen Vernunft, welches aber eben nicht materiell zu begründen ist, sondern nur unter Rückgriff auf Naturzwecke (Teleologie im klassischen aristotelischen Sinne), welche seit Beginn der Moderne in der Philosophie systematisch geleugnet werden? Letztlich gibt es außerhalb des moralischen Gesetzes weder Freiheit noch Gleichheit, und erst recht keine Brüderlichkeit, da alle moralischen Werte letztlich aus diesem gemeinsamen Schatz stammen, wie C. S. Lewis in seinem kleinen, aber immens bedeutenden Buch „The Abolition of Man“ (deutscher Titel: Die Abschaffung des Menschen) überzeugend dargelegt hat.

Ohne Rückgriff auf diese Verankerung im natürlichen moralischen Gesetz verselbständigt sich die Freiheitsidee des Liberalismus, indem sie andere wesentliche Güter ignoriert, und wird daher zur Ideologie. Ähnlich, nur in noch schlimmerem Maße, verhält es sich mit dem Gleichheitsideal des Sozialismus. Ohne die Ergänzung durch konkurrierende Prinzipien führt diese Ideologie zu der Vorstellung, man müsse durch menschliche Macht alles „gleichmachen“ – Einkommen, Geschlecht, Bildung usw.

In beiden Fällen kann Dissens nur im Rahmen der Ideologie geduldet werden. Wer gar nicht im Sinne des Liberalismus „frei“, d.h. im Wesentlichen ein ungebundener, moralisch beliebiger Produzent oder Konsument sein will, der stört im Liberalismus. Es ist eine ganz natürliche Entwicklung, dass der Liberale früher oder später fordert, gesellschaftliche Traditionen zu bekämpfen, die zwar auf natürliche Weise und ohne staatlichen Zwang gewachsen sind, aber dem Ideal des Liberalismus entgegenstehen (wie etwa die Kirche und die traditionelle Familie mit Hierarchien und lebenslangen Treuebindungen). Der Mensch muss zu seiner „Freiheit“ gezwungen werden. Der Sozialismus ist eine wesentlich krudere und gefährlichere Ideologie, da Gleichheit viel weiter geht als nur Freiheit. Gleichheit ist absolut grenzenlos – es gibt immer noch mehr Eigenschaften, die man einebnen kann, und von Natur aus treten ständig neue Ungleichheiten auf, da die Menschen von Natur aus eben nicht gleich, sondern grundverschieden sind. Sozialismus ist daher eine besonders virulente Ideologie, die besonders stark zu Intoleranz gegenüber Abweichlern neigt, auch da ihr Ziel besonders unplausibel und widernatürlich ist. Nicht zwei Menschen, die es je gegeben hat, waren „gleich“, aber der Sozialismus will tendenziell die ganze Menschheit in eine amorphe Gleichheitsmasse umformen. Ein sozialplanerischer Zoo mit gleich großen Käfigen für alle.

Und wer nicht in diese Käfige will? Nun, der ist einer dieser ekelhaften Bremser, ein Volks- oder Klassenfeind, je nach Färbung des angestrebten sozialistischen Paradieses.

Nun ist die katholische Kirche nicht bloß das stärkste, sondern sogar beinahe das einzige verbliebene Gegengewicht gegen die Ideologien des Sozialismus und des Liberalismus im „modernen Westen“. Sozialismus und Liberalismus sind Geschwister, auch wenn sie sich zuweilen im stark beschränkten heutigen politischen Diskurs wie Gegner benehmen und sich zu Gegensätzen hochstilisieren. Und die einzige ernstzunehmende Institution, die bis heute entschlossen beide Irrlehren ablehnt, ist eben die katholische Kirche. Deswegen sind intelligente Liberale und Sozialisten sich ihres echten Gegners bewusst. Die Gefahr kommt sozusagen aus Rom.

Nun leben wir in einer Zeit, in der die jahrzehntelange Arbeit von Sozialisten und Liberalen Früchte getragen hat, und fast alle Menschen einer der beiden Ideologien anhängen – was durch unser Bildungssystem, die Hauptmedien, und besonders durch den Appell an die Todsünden Hochmut, Gier und Wollust sichergestellt worden ist. Deswegen können Liberale und Sozialisten ganz offen gegen die Kirche (und die Familie) kämpfen, denn es ist keine gesellschaftliche Strömung da, die stark genug wäre, die Ideologen an ihrem Zerstörungswerk zu hindern. Die nur noch von einer kleinen Minderheit unterstützte katholische Kirche ist also nicht nur das logische Hauptziel der Angriffe der Ideologen, sondern stellt auch noch ein besonders leicht angreifbares Ziel dar.

Das Resultat ist dann der Fall von Hemmschwellen, die bei früheren Generationen von liberalen und sozialistischen Politikern aufgrund ihrer Erziehung noch verankert waren, auch wenn es in ihren jeweiligen Ideologien keinerlei Rechtfertigung für sie gab. Doch solche Hemmschwellen sind ja durch die freie Erziehung, frei von Regeln, frei von Disziplin, frei von Strafen und frei von Vernunft, längst abgeschafft worden – schließlich wollte man ja die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern nicht mit so trivialen und altmodischen Vorstellungen wie Vernunft, Sittlichkeit, Wissen oder gar Wahrheit einschränken. So macht nun heute jeder seine eigenen Regeln, je nach subjektiv empfundenem Nutzen – mit bekannten Resultaten.

Die Intoleranz der „Papstgegner“ im Bundestag und anderswo hat aber neben der grundsätzlich unmoralischen ideologischen Basis der Kritiker und dem Verfall von Erziehung und Hemmschwellen in allen Bereichen noch einen viel tieferen philosophischen Grund, durch den der Begriff von der „Diktatur des Relativismus“ erst richtig erfüllt wird – es geht um die Leugnung absoluter Wahrheit. Gern wirft man den „Absolutisten“ vor, ihre starre Haltung sei die Ursache für Kriege und Terror. Doch wenn es ein absolutes moralisches Gesetz gibt, an das die Menschen gebunden sind, das sie erkennen und durch Vernunftgebrauch einsehen können, dann gibt es objektiv wahre Richtlinien, an denen man einzelne Handlungen messen kann. Erst durch die Existenz solcher objektiver moralischer Gesetze ist die Beurteilung einer Handlung als „verwerflich“ überhaupt erst möglich. Wenn sich ganz modern und freiheitlich jeder seine eigenen Regeln macht, wer kann ihm dann etwas vorwerfen, egal was er tut? Denn seine Taten befanden sich ja in Übereinstimmung mit dem von ihm anerkannten Wertesystem. Niemandes Taten können dann jemals als wirklich falsch angesehen werden – alles ist damit zulässig. Der moralische Relativismus ist damit nicht nur falsch, sondern zerstört sich selbst. Denn der Satz „es gibt keine objektive Wahrheit“ behauptet ja von sich selbst, objektiv wahr zu sein. Über diese elementaren Selbstwidersprüche hinaus führt er jedoch grundsätzlich zu einer langsamen Abstumpfung des Gewissens, das ja nun den Versuchungen nicht mehr das unbeugsame objektive moralische Gesetz entgegenzustellen vermag, sondern nur noch subjektive, von Person zu Person verschiedene, jederzeit veränderbare Prinzipien. Das Gewissen wird damit faktisch ausgeschaltet; bloß persönliche Präferenzen sind kaum in der Lage, starken Versuchungen lange zu widerstehen.

Auch objektive Moral kann natürlich missbraucht werden. Der Unterschied ist nur, dass solcher Missbrauch nach den eigenen Prinzipien falsch ist, während der Relativist einfach seine Moral ändern kann, wenn sich seine Präferenzen verändern.

In der Praxis sind nicht alle sittlich verrohten Menschen Relativisten und nicht alle Relativisten sittlich verroht. Aber das aus dem moralischen Relativismus entstehende gesellschaftliche Klima der sittlichen Beliebigkeit, das mehr und mehr die westlichen Gesellschaften erobert, begünstigt sittliche Verrohung nicht nur aus den hier aufgeführten Gründen, sondern auch noch auf andere Weise, etwa durch den Zerfall von Bindungen an traditionelle Institutionen wie die Kirche und die Familie, was ich im Detail anderswo behanden werde.

Abschließend kann man festhalten, dass die heute herrschende gesellschaftliche Sittenlosigkeit, der Fall von noch vor kurzem als selbstverständlich betrachteten Hemmschwellen, nicht zur Entstehung der von Erzbischof Woelki beklagten Intoleranz geführt hat, sondern ihr nur zum hemmungslosen Durchbruch verhilft. Die Intoleranz selbst wird aber vom moralischen Relativismus verstärkt, da erstens Toleranz selbst vom Relativismus auch wieder nur als relativ begriffen werden kann, und zweitens da durch den Wegfall objektiver moralischer Gesetze das Gewissen entmachtet und durch flackernde persönliche Vorlieben ersetzt werden. Und wenn eine der Vorlieben eben eine Abneigung gegen die Kirche ist, dann wird man auch diese ausleben.

Erzbischof Woelki beklagt zurecht die dem Papst entgegengebrachte Intoleranz, und er wird noch erleben, dass diese sich auch gegen ihn richtet, sobald er erstmals die Lehre der Kirche wahrnehmbar in der Öffentlichkeit vertritt. Wenn sich die aktuellen gesellschaftlichen Trendlinien fortsetzen, woran ich nicht zweifle, wird diese Intoleranz noch stärker werden, und sich vielleicht irgendwann einmal in Gewaltausbrüchen gegen Menschen statt gegen Sachen oder den allgemeinen Anstand niederschlagen. Verwundern würde es jedenfalls nicht.