Drei Abwehrriegel der modernen Theologie

Wie regelmäßige Leser sich vielleicht noch werden erinnern können, habe ich vor einiger Zeit einen kleinen Selbstversuch gestartet, und mich einfach in katholische Theologievorlesungen an einer angesehenen deutschen Universität gesetzt. Das Resultat war nur deshalb nicht erschreckend, weil ich damit schon gerechnet hatte. Ich habe den Selbstversuch trotzdem fortgesetzt, und mein erster Eindruck hat sich im Wesentlichen bestätigt.

Auf die Gefahr einer Verallgemeinerung hin erscheint mir ein ziemlich klares „Rezept“ zur Verwässerung des katholischen Glaubens der Hochschulstudenten zu existieren, das sich trefflich mit der allgemeinen Strategie des Modernismus in Einklang bringen lässt. Die drei wesentlichen Zutaten sind:

1. Maulwurfstheologie

Man kann sich normalerweise darauf verlassen, dass die zuständigen kirchlichen Autoritäten aus Angst vor der öffentlichen Meinung, oder aus welchen anderen Gründen auch immer, wenig bis gar nichts gegen häretische Theologen unternehmen werden. Doch selbst heute gibt es noch Grenzen, wie der werte Herr Küng hat feststellen müssen. Man kann nicht offen gegen den katholischen Glauben agitieren und ihn praktisch vollständig leugnen – das kann zum Entzug der Lehrerlaubnis führen. Meist kommt man damit zwar in der akademischen Welt noch besser an als vorher, doch man will sich diesen Stress ja gar nicht erst machen. Man hat einen sicheren Job, der nicht gefährdet werden soll.

Also bricht man mit der katholischen Religion, ohne sie offen zu leugnen. Man unterwandert die traditionelle Lehre, indem man dieselben Begriffe mit anderen Inhalten füllt. Ein gutes Beispiel habe ich erst kürzlich in einer Vorlesung über die „Auferstehung des Fleisches“ gehört. Die traditionellen Formulierungen werden beibehalten. Man spricht weiterhin von einer „Auferstehung“ und lehnt sogar ostentativ gegenteilige Ansichten ab. Doch was man eigentlich unter dem Deckmäntelchen der traditionellen Begrifflichkeit sagt, ist nicht nur nicht katholisch, sondern nicht einmal christlich. Zunächst lehnt man „Auferstehung“ in ihrem Wortsinne ohnehin praktisch ab. So etwas kann nicht so „krude“ sein, wie es sich zuerst anhört, so als ob am Ende der Zeit wirklich irgendein Gott den Menschen wieder zum Leben erweckte, Körper und Seele, oder etwas dergleichen. Nein, es sei alles metaphorisch zu deuten. In Wahrheit (woher die Theologen das wohl wieder wissen…) stehe der Körper gar nicht für die Materie, aus der der Mensch besteht, sondern für die leiblichen Kommunikationsprozesse, durch die sich der Mensch im Gesamt der Geschichte äußere. Von einer traditionellen Auferstehung des Fleisches könne also „im Lichte neuerer Erkenntnisse“ – gemeint ist wohl das rationalistische Vorurteil gegen die Möglichkeit von Wundern – keine Rede sein. Nur offen ausgesprochen wird das nicht.

Wer nicht haargenau aufpasst, und seinen Katechismus nicht kennt, wird hier leicht in die Falle gehen. Denn die Position, es gehe nur um einen seelischen Prozess, wird eindeutig zurückgewiesen. Natürlich müsse man auch die leibliche Dimension des Menschen in die „Auferstehung“ mit hineinnehmen – alles andere wäre gnostisch, so wird argumentiert. Dafür wird sogar der Theologe Joseph Ratzinger herangezogen. Alles scheint so richtig schön katholisch. Doch dann hört man genauer hin. Ja, es gebe eine leibliche oder fleischliche Auferstehung. Aber unter „Leib“ oder „Fleisch“ wird gar nicht der menschliche Körper verstanden, sondern eben nur seine „Kommunikationsprozesse“. Was soll man sich unter dieser Position vorstellen? Damit sind wir beim zweiten Punkt angelangt.

2. Schwammdeutsch

Generell verzichtet man in der modernen Theologie auf jegliche klare Festlegung inhaltlicher Art. Der moderne Theologe – im Unterschied zum traditionellen katholischen Theologen – legt keinen Wert auf klare, präzise Sprache, vertritt er doch in der Regel gar keine katholischen, sondern naturalistische oder bestenfalls deistische Haltungen, die bei klarer Darlegung Widerspruch und im Extremfall gar Sanktionen in der Kirche hervorrufen könnten.

Stattdessen spricht man unter Verwendung traditioneller Termini, die jedoch vollkommen umgedeutet werden. Bei dieser Umdeutung achtet man darauf, dass die neuen Definitionen so flexibel sind, dass man sie mit viel Phantasie auf rechtgläubige Weise ausdeuten könnte, obwohl jeder weiß, dass sie nicht so gemeint sind. Damit baut man konfliktscheuen Katholiken eine goldene Brücke: Sie müssen sich nicht aufregen, weil ja alles im Rahmen der Lehre der Kirche bleibt. Man kann die unseligen Angriffe auf den Glauben getrost ignorieren, weil keinem Dogma formal eindeutig widersprochen wird.

Natürlich liegt das nur daran, dass überhaupt keine eindeutige Lehre mehr vorgetragen wird. Die Thesen moderner Theologen sind nicht eindeutig katholisch, aber sie sind auch nicht eindeutig häretisch. Sie sind einfach so schwammig und substanzlos, dass jeder intelligente Mensch, der sie für bare Münze nähme, einen so undeutlichen, unklaren Glauben nur noch aus rechtschaffener Wahrheitsliebe heraus für widerwärtig erklären könnte.

Die „Kommunikationsfähigkeit“ des leiblichen Menschen als Rettungsanker für die traditionelle Doktrin von der Auferstehung des Fleisches ist wieder so ein Beispiel. Es wurde keine Erklärung mitgeliefert, ob diese „Kommunikationsfähigkeit“, für die das „Fleisch“ eine Metapher sei, noch etwas Materielles ist, oder nicht. Das war auch gar nicht nötig. Denn was immer sie auch sein mag, sie ist nicht der ganze Mensch, Körper und Seele, sondern nur ein kleiner Teil, und damit steht sie im Gegensatz zur katholischen Lehre.

Manchmal hilft jedoch alles nichts. Jemand wühlt sich durch die Schlammfloskeln und die Maulwurfstheologie durch, und erkennt tatsächlich, dass die vertretene Lehre kaum etwas mit Katholizismus zu tun hat. Jemand durchschaut, dass die überlieferten Begriffe mit völlig neuem Inhalt gefüllt werden – eine typische Strategie des Modernismus, die schon Pius X. erkannt hatte – und damit gegen die traditionelle Theologie, zu deren Formulierung sie beigetragen haben, verwendet werden. Was nun?

3. Forschungsfreiheit

Zum Glück steht dem modernen Theologen noch ein dritter Rettungsanker zur Verfügung, von dem er sicher weiß, dass er immer funktioniert. Schließlich, so bekommt man zu hören, sei es nicht die Aufgabe eines Universitätsprofessors, irgendwelche traditionellen Überlieferungen nachzuplappern, sondern zu FORSCHEN. Und in der Forschung, so geht es dann weiter, braucht man Freiheit. Wenn die Freiheit der Forschung beschränkt werde, dann könne es keinen Fortschritt der Wissenschaft mehr geben, und überhaupt sei die Inquisition ja wohl abgeschafft! Das zieht immer. Der Professor hat sofort die Sympathien aller gerecht denkenden Menschen auf seiner Seite. Niemand wird es wagen, sich gegen die Freiheit der Forschung in Stellung zu bringen. Das beendet jede kritische Frage hinsichtlich der Katholizität vertretener Lehren.

Doch es gibt ein kleines Problem: In der Theologie haben wir eine gewisse Menge gesicherten Wissens, die wir nicht erst noch zu „erforschen“ bräuchten. Wir wissen bereits, durch die Heilige Schrift und die Heilige Tradition, einige Grundtatsachen des katholischen Glaubens, die man entweder annehmen oder ablehnen kann. Und wenn man sie ablehnt, verlässt man den Boden des Katholizismus.

In der Naturwissenschaft, aber auch in manchen sozialwissenschaftlichen Disziplinen, muss man auch bereits sicher geglaubte Erkenntnisse immer wieder hinterfragen, eben weil man keine Wahrheitsgarantie hat. Auch eine lange bestehende physikalische Theorie kann sich als falsch erweisen, wie Einstein eindrucksvoll gezeigt hat. Daher ist es in diesen Fächern sinnvoll, die Freiheit der Forschung hochzuhängen.

Ähnliches gilt auch für die Theologie, aber nur wenn man sich außerhalb des Bereichs der offenbarten Wahrheiten bewegt. Innerhalb dieses Bereichs bedeutet Freiheit der „Forschung“ nur, dass man sich längst von der Offenbarung abgewandt hat, und sich nun seine eigene Religion bastelt. So wie es viele moderne Theologen an den Universitäten tun.

Und so wird aus katholischer Theologie dann ein Impfstoff, der gegen das Christentum immunisiert.

Vielleicht sollte man den Antimodernisteneid doch wieder einführen.

Antimodernisteneid

Der Modernismus ist heute mindestens ebenso verbreitet wie vor 100 Jahren – ein klares Bekenntnis und Vorgehen gegen seine Irrlehren ist daher ebenfalls weiterhin notwendig. Durch Fr. Ray Blake und Mundabor auf die Idee gebracht, habe ich mich entschlossen, den Antimodernisteneid hier auf diesem Blog vorzustellen. Auch wenn man ihn heute nicht mehr schwören muss, wenn man in der Kirche Ämter bekleiden will, so ist sein Text doch nach wie vor vollumfänglich richtig und gültig.

Die Quelle für den deutschen Text ist hier.

Hier der Text:

Ich, N.N, umfasse fest und nehme samt und sonders an, was vom irrtumslosen Lehramt der Kirche definiert, behauptet und erklärt wurde, vor allem diejenigen Lehrkapitel, die den Irrtümern dieser Zeit unmittelbar widerstreiten.

Und zwar erstens: Ich bekenne, dass Gott, der Ursprung und das Ziel aller Dinge, mit dem natürlichen Licht der Vernunft „durch das, was gemacht ist“ (Röm 1,20), das heißt, durch die sichtbaren Werke der Schöpfung, als Ursache vermittels der Wirkungen sicher erkannt und sogar auch bewiesen werden kann.

Zweitens: Die äußeren Beweise der Offenbarung, das heißt, die göttlichen Taten, und zwar in erster Linie die Wunder und Weissagungen lasse ich gelten und anerkenne ich als ganz sichere Zeichen für den göttlichen Ursprung der christlichen Religion, und ich halte fest, dass ebendiese dem Verständnis aller Generationen und Menschen, auch dieser Zeit, bestens angemessen sind.

Drittens: Ebenso glaube ich mit festem Glauben, dass die Kirche, die Hüterin und Lehrerin des geoffenbarten Wortes, durch den wahren und geschichtlichen Christus selbst, als er bei uns lebte, unmittelbar und direkt eingesetzt und dass sie auf Petrus, den Fürsten der apostolischen Hierarchie, und seine Nachfolger in Ewigkeit erbaut wurde.

Viertens: Ich nehme aufrichtig an, dass die Glaubenslehre von den Aposteln durch die rechtgläubigen Väter in demselben Sinn und in immer derselben Bedeutung bis auf uns überliefert ist; und deshalb verwerfe ich völlig die häretische Erdichtung von einer Entwicklung der Glaubenslehren, die von einem Sinn in einen anderen übergehen, der von dem verschieden ist, den die Kirche früher festhielt; und ebenso verurteile ich jeglichen Irrtum, durch den an die Stelle der göttlichen Hinterlassenschaft, die der Braut Christi überantwortet ist und von ihr treu gehütet werden soll, eine philosophische Erfindung oder eine Schöpfung des menschlichen Bewusstseins setzt, das durch das Bemühen der Menschen allmählich ausgeformt wurde und künftighin in unbegrenztem Fortschritt zu vervollkommnen ist.

Fünftens: Ich halte ganz sicher fest und bekenne aufrichtig, dass der Glaube kein blindes Gefühl der Religion ist, das unter dem Drang des Herzens und der Neigung eines sittlich geformten Willens aus den Winkeln des Unterbewusstseins hervorbricht, sondern die wahre Zustimmung des Verstandes zu der von außen aufgrund des Hörens empfangenen Wahrheit, durch die wir nämlich wegen der Autorität des höchst wahrhaftigen Gottes glauben, dass wahr ist, was vom persönlichen Gott, unserem Schöpfer und Herrn, gesagt, bezeugt und geoffenbart wurde.

Ich unterwerfe mich auch mit der gehörigen Ehrfurcht und schließe mich aus ganzem Herzen allen Verurteilungen, Erklärungen und Vorschriften an, die in der Enzyklika „Pascendi“ und im Dekret „Lamentabili“ enthalten sind, vor allem in Bezug auf die sogenannte Dogmengeschichte. Ebenso verwerfe ich den Irrtum derer, die behaupten, der von der Kirche vorgelegte Glaube könne der Geschichte widerstreiten und die katholischen Glaubenslehren könnten in dem Sinne, in dem sie jetzt verstanden werden, nicht mit den wahren Ursprüngen der christlichen Religion vereinbart werden.

Ich verurteile und verwerfe auch die Auffassung derer, die sagen, der gebildetere christliche Mensch spiele eine doppelte Rolle, zum einen die des Gläubigen, zum anderen die des Historikers, so als ob es dem Historiker erlaubt wäre, das festzuhalten, was dem Glauben des Gläubigen widerspricht, oder Prämissen aufzustellen, aus denen folgt, dass die Glaubenslehren entweder falsch oder zweifelhaft sind, sofern diese nur nicht direkt geleugnet werden.

Ich verwerfe ebenso diejenige Methode, die heilige Schrift zu beurteilen und auszulegen, die sich unter Hintanstellung der Überlieferung der Kirche, der Analogie des Glaubens und der Normen des Apostolischen Stuhles den Erdichtungen der Rationalisten anschließt und – nicht weniger frech als leichtfertig – die Textkritik als einzige und höchste Regel anerkennt.

Außerdem verwerfe ich die Auffassung jener, die behaupten, ein Lehrer, der eine theologische historische Disziplin lehrt oder über diese Dinge schreibt, müsse zunächst die vorgefasste Meinung vom übernatürlichen Ursprung der katholischen Überlieferung oder von der von Gott verheißenen Hilfe zur fortdauernden Bewahrung einer jeden geoffenbarten Wahrheit ablegen; danach müsse er die Schriften der einzelnen Väter unter Ausschluss jedweder heiligen Autorität allein nach Prinzipien der Wissenschaft und mit derselben Freiheit des Urteils auslegen, mit der alle weltlichen Urkunden erforscht zu werden pflegen.

Ganz allgemein schließlich erkläre ich mich als dem Irrtum völlig fernstehend, in dem die Modernisten behaupten, der heiligen Überlieferung wohne nichts Göttliches inne, oder, was weit schlimmer ist, dies in pantheistischem Sinne gelten lassen, so dass nichts mehr übrig bleibt als die bloße und einfache Tatsache, die mit den allgemeinen Tatsachen der Geschichte gleichzustellen ist, dass nämlich Menschen durch ihren Fleiß, ihre Geschicklichkeit und ihren Geist die von Christus und seinen Aposteln angefangene Lehre durch die nachfolgenden Generationen hindurch fortgesetzt haben.

Daher halte ich unerschütterlich fest und werde bis zum letzten Lebenshauch den Glauben der Väter von der sicheren Gnadengabe der Wahrheit festhalten, die in „der Nachfolge des Bischofsamtes seit den Aposteln“ ist, war und immer sein wird; nicht damit das festgehalten werde, was gemäß der jeweiligen Kultur einer jeden Zeit besser und geeigneter scheinen könnte, sondern damit die von Anfang an durch die Apostel verkündete unbedingte und unveränderliche Wahrheit „niemals anders geglaubt, niemals anders“ verstanden werde.

Ich gelobe, dass ich dies alles treu, unversehrt und aufrichtig beachten und unverletzlich bewahren werde, indem ich bei keiner Gelegenheit, weder in der Lehre noch in irgendeiner mündlichen oder schriftlichen Form, davon abweiche. So gelobe ich, so schwöre ich, so wahr mir Gott helfe und diese heiligen Evangelien Gottes.

So gelobe ich, so schwöre ich, so wahr mir Gott helfe.

Catocon.

P.S. Wer möchte, kann in den Kommentarspalten ebenfalls „schwören“, oder falls er einen Blog hat, den Eid dort ebenfalls vorstellen – die Kirche von Heute, gerade in Deutschland, könnte es gebrauchen, wenn man sich an dieses Dokument wenigstens wieder erinnerte.