Dialog und Schisma

Auf Papsttreu im Pott findet sich ein Teilnehmerbericht vom Dialogtreffen des Bistums Essen in Duisburg. Ich möchte hier einige Kommentare zum Thema abgeben, es lohnt sich jedoch, zuerst den verlinkten Artikel zu lesen.

Wie inzwischen scheinbar üblich fand auch dieses Treffen wieder in einer Kirche vor dem Allerheiligsten statt. Selbstverständlich kümmerten sich die Dialogisten nicht allzu sehr um Jesus oder irgendwelche anderen altmodischen Vorstellungen wie Anbetung oder Verehrung. Das kann auch nicht verwundern, denn unveränderliches Lehramt der Kirche umstoßen zu wollen, deutet nicht gerade auf Respekt vor Jesus und seiner von ihm eingesetzten Kirche hin.

Im Gegenteil: Geht es den Teilnehmern des Dialogprozesses nicht vielmehr um eine „neue Kirche“? Der Eindruck scheint sich unter den Verbandskatholiken, die generell die größten Befürworter des Dialogprozesses sind, immer mehr zu bestätigen. Besonders die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands mit ihren immer extremeren Aktionen, die schon an schismatische Akte grenzen, wie kürzlich die Einleitung einer Unterschriftenaktion gegen unveränderliches Lehramt zum Thema Beihilfe zum Essen des Gerichts für unbußfertige Ehebrecher gezeigt hat. Ich habe den Link, werde ihn aber hier nicht angeben – jeder kann etwa durch Google die Unterschriftenaktion problemlos finden. Hier wird öffentlich Stimmung gegen die Lehre der Kirche gemacht – und das von einer offiziellen katholischen Organisation. Kein Wunder, dass gläubige katholische Vereinigungen wie das Forum deutscher Katholiken inzwischen fordern, die Bischöfe mögen doch bitte überprüfen, ob sich diese radikal-feministische, in ihren Haltungen zu wichtigen Fragen von Theologie und Sittenlehre offen anti-katholische Gruppierung weiterhin „katholisch“ nennen dürfe.

Es gibt dabei nur ein Problem: Stimmt nicht zumindest der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, wie auf diesem Blog schon mehrfach berichtet und kommentiert, der Haltung der „katholischen“ Frauengemeinschaft weitgehend zu? Und sind nicht die anderen Bischöfe sehr zurückhaltend mit Aktionen, die sie in der Öffentlichkeit als offensichtlich katholisch – und stolz darauf – brandmarken könnten? Es ist also nicht damit zu rechnen, dass Bischöfe, von denen selbst die Besseren, wie Bischof Overbeck, einen Dialogprozess mittragen und Veranstaltungen wie die, auf die sich der oben verlinkte Erlebnisbericht bezieht, offensichtlich gutheißen, eine klare Haltung zum immer weiter herannahenden Schisma in Deutschland finden werden.

Wie schon öfters seit mindestens 40 Jahren werden die deutschen Bischöfe sich formal korrekt verhalten, oder von der Korrektheit nur abweichen, wenn es keine Konsequenzen aus Rom zu befürchten gibt, aber weder mit der Kirche fühlen noch mit ihr denken. „Sentire cum Ecclesia“ ist nicht nur an theologischen Fakultäten in Deutschland ebenso fremd geworden wie die Sprache, in der die Sentenz formuliert ist, sondern auch unter den für besagte Fakultäten zuständigen Bischöfen. Sie werden das Nötigste tun, um ein formales Schisma zu vermeiden, aber nicht mehr.

Also wird der Dialogprozess weitergehen, der religiöse Glaube in Deutschland wird weiter verfallen, die Kirche wird langsam aber sicher aussterben.

Auf Papsttreu im Pott wird darauf hingewiesen, dass unter den (wenigen) anwesenden Jugendlichen die meisten eher den Papst und die Kirche in Schutz nahmen. Es ist auch nur zu leicht einzusehen warum: Ich kommentierte auf dem Blog:

Die Kirchendemokraten sterben aus. Sie haben 98% der nachwachsenden Generation davon überzeugt, dass sie sich ihre eigene Wahrheit und ihren eigenen Glauben machen können – die nachwachsende Generation hat das vollkommen verinnerlicht. Wenn sie sich ihre eigene Wahrheit machen kann, dann braucht sie die Kirche ja gar nicht mehr. Warum also die ganze Mühe? Warum sonntags früher aufstehen, warum endlose Sitzungen, warum das ganze Volksbegehren und Aufbegehren, wenn man sich doch einfach seinen eigenen Glauben und seine eigene Wahrheit konstruieren kann, so wie man sie gerade braucht?
98% der nachwachsenden Generation stimmen den Kirchendemokraten völlig zu. Konsequent bleiben sie also aus der Kirche fort – sie vermag ihnen nichts zu bieten, was sie nicht auch woanders bekommen könnten.
Übrig sind die 2% die den Glauben der Kirche weitertragen.
Eine Reinigung im Säurebad, aber eine nötige Reinigung.

Wenn das stimmt, und davon bin ich überzeugt, wäre dann nicht die beste Chance für die katholische Kirche, das ohnehin kommende Schisma zu forcieren, um die verbliebenden Gläubigen zu einer Entscheidung zu zwingen? Ich bin mir nicht sicher.

Einerseits:

Kommt es zum Schisma, dann wird man endlich klar sehen, wer wo steht, wer dem Bischof von Rom seine Treue hält, und wer bloß dem Kanzler in Berlin, wer katholisch und wer deutsch-katholisch sein will. Die meisten Bischöfe würden vermutlich eher zum deutsch-katholischen Lager zählen, ebenso viele Priester, und wenn wir ehrlich sein wollen, auch 90% der katholisch Getauften. Die anderen könnten dann, ohne die lähmende Last bürokratischer Strukturen und mit einem neuen Missionseifer in Unabhängigkeit von einem zunehmend christenfeindlichen deutschen Staat und dem Konformität statt Glaube fördernden Kirchensteuersystem eine Renaissance des christlichen Glaubens in Deutschland einleiten. Sie könnten eine kleine, aber aufgrund ihrer außerordentlichen Treue zur Kirche in Glauben, Sittenlehre und Liturgie starke Kirche in diesem Missionsland sein. Sie könnten eine christliche Kultur im Kleinen leben, und für die vielen Unzufriedenen und vom Modernismus innerhalb und außerhalb der Gotteshäuser enttäuschten Menschen ein Zufluchtsort werden.

Andererseits:

Kommt es zum Schisma, wird die katholische Kirche in Deutschland von ihren derzeit 25 Millionen Mitgliedern mindestens 90% verlieren. Damit entfielen auch Einnahmen in Höhe von mehr als 90% der derzeitigen Einkünfte der Kirche, oder gar mehr, falls die Kirche sich dann entschlösse, keine Kirchensteuer mehr zu nehmen. Damit wäre es nicht länger möglich, ein ausgesdehntes Netz karitativer Vereinigungen oder Mission in anderen Ländern zu unterhalten. Es wäre eine Kirche, die vermutlich gerade genug Finanzmittel hätte, um den Gläubigen die Messe und die Sakramente zu bringen. Und mehr noch, der Verlust vieler Millionen Schäfchen würde das ohnehin gefährdete Seelenheil der Betroffenen noch weiter bedrohen, da außerhalb der Kirche kein Heil ist – ein gewichtiges Argument. Zudem kann man davon ausgehen, da die Reformkatholiken langsam aussterben, dass sich das Problem in 30 bis 40 Jahren von selbst gelöst haben wird. (Father Z nennt das „biologische Lösung“) Je länger ein formales Schisma herausgezögert wird, so könnte man argumentieren, umso schwächer wird die Position der Neo-Reformatoren.

Also:

Ich bin mir aufgrund widerstreitender Argumente nicht ganz sicher, ob ein Schisma nicht gut für die Kirche wäre. Dass es aber irgendwann kommen muss, einfach weil sich Verbandselite und Bischöfe immer weiter von Rom entfernen, daran habe ich keinen Zweifel. Wie auch immer die weiteren Entwicklungen verlaufen werden, wir sollten für alle Verantwortlichen für den Kurs der deutschen katholischen Kirche beten und dabei immer den Wunsch des Heiligen Vaters nach „Ent-Weltlichung“ der Kirche, nach Lösung von weltlicher Gewalt, beherzigen.

Vertrauen wir auf Jesus Christus, nicht auf die weltliche Macht der Gremien.

Heiligkeit als Lösung der Kirchenkrise

Ich möchte kurz auf diesen hervorragenden Beitrag verweisen, den ich auf „Papsttreu im Pott“ gefunden habe, einem guten Blog, dessen Autor sich besonders mit der Lage im Bistum Essen beschäftigt. Der sogenannte Dialogprozess ist in ganz Deutschland im Gange – schwerfällig, bürokratisch und von einer verbandskatholischen Elite beherrscht. Wie in anderen Bistümern auch, herrscht im Rahmen der Essener Dialogsitzungen in der Regel eine Art Krawallstimmung gegen die Kirche und ihre Dogmen und Normen. Es gibt aber auch einige Gegenstimmen – krampfhaft von Medien verschwiegen und von Gremien ignoriert. Eine davon lasse ich hier zu Wort kommen, via Papsttreu im Pott: Einige (kommentarlose) Ausschnitte:

Man sollte (und kann) aber nicht so tun, als wäre die Kirche eine reine Demokratie und die Mehrheit bestimmt, was gemacht wird und was nicht. Göttliches Recht und das Naturrecht setzen uns Menschen klare Grenzen. Weil man in der Politik dagegen verstößt (Abtreibung, Euthanasie, PID etc.) und sich nicht darum schert, kann die Kirche es aber nicht genauso machen. Gott ist der Herr in seiner Kirche und nicht wir Menschen.

Ich befürchte zutiefst, dass dieser Dialogprozess noch tiefere Gräben in der Kirche unseres Landes aufreissen wird, weil man meint, man könnte alles ändern, wenn man nur eine Mehrheit dafür zusammenbekommt. Dies ist aber nicht so!!! Enttäuschung und daraus resultierende Handlungen, die der Einheit der Kirche schaden werden, sind da doch wohl vorprogrammiert, oder???

(…)

Die erste und wichtigste (weil wirkmächtigste) Reform schlage ich hier jedem einzelnen Katholiken unseres Bistums und darüber hinaus vor:
Ich bekehre mich und orientiere mich täglich immer mehr an der Offenbarung (Schrift, Überlieferung), die das Lehramt der Kirche uns vorgelegt hat. Ich gehe öfter in den Gottesdienst (sogar an Werktagen, das geht!) und empfange häufiger die Sakramente, vor allem das der Buße. Ich orientiere mein Gewissen an der vorgelegten Offenbarung und handele stets nach ihm in völliger Übereinstimmung mit meinem Glauben. So habe ich die Chance, mehr positiv von meinem Glauben auszustrahlen und meine (u.a. nichtgläubigen) Mitmenschen können an meinem Leben ablesen, wie ein Katholik glaubt, wovon er überzeugt ist und wie es sein Handeln bestimmt.
Wenn wir dies alle täten, würden wir uns wundern, wieviel sich in der Kirche positiv verändern würde. Mir hat mal ein Nichtgläubiger gesagt: „Ich kann Euch Katholiken nicht glauben! Ihr lebt wie alle anderen auch. Wo kann ich das, was Ihr zu glauben vorgebt, in Eurem Leben verwirklicht sehen, ja ablesen? Wo ist Euer gutes Beispiel?“ Ich war betroffen! Genau das ist es!
Nur das kann wahre Reform sein:
Nicht Angleichung an die Welt, sondern täglich immer mehr versuchen, Christus nachzufolgen und ihm gleichförmig zu werden! Gott gibt dazu die Gnade, wenn wir nur wollen.

(Hervorhebungen von Catocon)

Die ersten Christen in den frühen Jahrhunderten bekehrten ihre Umwelt nicht nur durch ihren Glauben – sie predigten und lehrten selbstverständlich – doch erst durch die Umsetzung ihres Glaubens konnten sie andere wirklich tiefgreifend überzeugen.

Die Lösung der Kirchenkrise? Werdet heilig!

(Jetzt habe ich doch noch etwas kommentiert…)