Pfarrer Oblinger und der Zeitgeistwahn

Vor ein paar Wochen schrieb ich an dieser Stelle über das seltsame Schreibverbot für Pfarrer Oblinger seitens des Bistums Augsburg. Seitdem haben viele katholische Persönlichkeiten zu diesem recht einhellig als unverständlich und falsch eingeschätzten Verbot Stellung bezogen. Beispielhaft könnte die folgende Wortmeldung des katholischen Philosophen Walter Hoeres erwähnt werden:

„Im Blick auf das Verbot, das gegenüber Pfarrer Oblinger ausgesprochen worden ist, stellt sich die Frage, ob die falsch verstandene Anpassung der katholischen Kirche an den Zeitgeist so weit geht, daß es in der Kirche nicht mehr erlaubt ist, konservative Positionen zu vertreten“

Dieser Satz fasst das wesentliche Problem mit dem Schreibverbot zusammen. Wir hinterwäldlerische, traditionstreue, reaktionäre, antimodernistische Fossilien sind nicht prinzipiell gegen Schreibverbote. Wenn jemans häretische Sauereien verbreitet, und er dies als katholischer Pfarrer tut, dann ist ein solches Schreibverbot nicht nur zulässig, sondern auch die einzig richtige Handlungsweise. Das Problem ist also nicht das Schreibverbot an sich, sondern gegen wen – oder vielmehr: gegen welche Ansichten – es sich richtet. Da wird einem Pfarrer Oblinger, immer treu zu Kirche und Lehramt, Papst und Glaube, das Schreiben in der Jungen Freiheit verboten, obwohl er nie etwas gesagt hat, was man als kirchenfeindlich, häretisch oder sonstwie verwerflich bezeichnen könnte. Pfarrer Oblinger ist nach allem was wir wissen einfach ein guter katholischer Konservativer, der in einer konservativen Wochenzeitung schreibt.

Ich sagte eben, Pfarrer Oblinger sei mit einem Schreibverbot belegt worden, obwohl er nie etwas gegen die Kirche gesagt hat. Liegt es nicht nahe zu glauben, dies sei geschehen, nicht obwohl, sondern gerade weil er nie etwas gegen die Kirche gesagt hat? Er ist lehramtstreu und scheut sich nicht die Missstände anzusprechen, die auch der Papst bei seinem Deutschlandbesuch thematisiert hat. Er spricht über die Gefahren der Verweltlichung, der Anpassung an den Zeitgeist, er redet von Glaubensmangel und das alles an einem Ort, wo er nicht nur Katholiken, sondern Konservative aller Glaubensrichtungen erreicht, nämlich in einer der größten entschieden konservativen Zeitungen des Landes.

Bischof Zdarsa mag einem Irrtum aufgesessen sein. So etwas kommt vor, und man kann es niemandem vorwerfen. Er kann von interessierten Kreisen in seiner Diözese falsch informiert worden sein. Man kann ihn getäuscht und er kann etwas falsch verstanden haben. All dieses ist normal und menschlich. Doch in diesen Situationen erkennt man dann seinen Fehler und macht ihn rückgängig. Dies ist die Grundeinsicht des Christen: Wir sind nicht vor Fehlern gefeit, aber wir sollten sie bereuen, wenn wir sie gemacht haben.

Einer wohlartikulierten Stimme eines konservativen Katholizismus das Wort abzuschneiden, ohne dies in irgendeiner Form sachlich zureichend begründen zu können, ist eine glatte Fehlentscheidung. Unter der Annahme, dass es dem Bischof um das Wohl seines Bistums geht, wäre die einzig richtige Handlungsweise die Aufhebung dieses unseligen Schreibverbots. Prof. Hoeres spekuliert in dem oben zitierten Ausschnitt, inwiefern die Anpassung an den Zeitgeist innerhalb der deutschen katholischen Kirche inzwischen dazu geführt hat, dass konservative Positionen gar nicht mehr vertreten sein dürfen.

Das ist mit der CDU ja bereits geschehen. Die CDU ist heute keine konservative Partei mehr, und den Versuch christlich zu sein hat sie spätestens in dem Moment aufgegeben, da sie sich mit der staatlich legitimierten und teilweise öffentlich finanzierten Massentötung der Unschuldigen Kinder arrangiert und sich dadurch gegen Jesus Christus auf die Seite des Herodes und seiner Günstlinge zu stellen entschied. Dass die CDU im Wesentlichen die Kaderpartei der Katholiken der Reformation darstellt, ist inzwischen wahrlich kein Geheimnis mehr. Was Verbände wie der ZdK wollen, deckt sich weitgehend mit den, was gerade in der CDU Konsens ist. Die unangemessenen Einmischungen von Partei- und Staatsfunktionären in die inneren Angelegenheiten der Kirche – Beispiel Norbert Lammert – sprechen hier eine deutliche Sprache.

Wenn nun in der CDU konservative Ideen nicht mehr akzeptabel sind, dann liegt der Schluss nahe, dass der verbandskatholische Flügel der Kirche alsbald nachziehen möchte, und das äußern katholisch-konservativer Positionen auch innerkirchlich immer stärker negativ zu sanktionieren wünscht.

Doch während der Abschied einer Partei von christlichen und konservativen Positionen, so unglücklich und schädlich dies auch für dieses Land gewesen sein mag, letztlich nur für die Ausrichtung dieser Partei Relevanz besitzt, wäre der Abschied der Kirche von christlichen und konservativen Positionen wohl nicht ohne ein Schisma zu haben. Die CDU ist nicht mit Rom verbunden und braucht auch nicht die Positionen Roms zu vertreten. Aber die Bischöfe sollten es.

Und während ein guter Katholik natürlich nicht konservativ sein muss, fällt doch auf, dass konservative Positionen sich in vielen Bereichen, besonders in der Sexual- und Familienmoral, aber nicht nur dort, mit christlichen Ansichten decken. Wie könnte die Kirche von der konservativen Position abgehen, dass alles menschliche Leben, auch das Ungeborene des Schutzes durch Recht und Gesetz bedarf? Wie könnte die Kirche die konservative Position verlassen, derzufolge die Ehe ausschließlich zwischen Mann und Frau bestehen kann? Die Liste ließe sich fast beliebig verändern.

Die Verbannung des Konservatismus aus der Kirche ist daher zu großen Teilen auch eine Verbannung der kirchlichen Moral aus der Kirche – und als solche durchaus erwartbar, hat sich doch die Bischofskonferenz spätestens mit der Königssteiner Erklärung 1968 auf einen passiven Widerstand gegen die Sittenlehre der Kirche festgelegt und beschränkt sich seither in diesem Bereich auf Einzelaktionen (wie wir sie von Kardinal Meisner zuweilen erleben dürfen) und emotional gefärbte Leerfloskeln im besten Fall, während sie zugleich zulässt, dass auf Gemeindeebene aus diesem passiven Widerstand ein aktiver Abwehrkampf gegen eine christliche Moral wird.

Insofern steht dieses Schreibverbot gegen den hochwürdigen Pfarrer Georg Alois Oblinger in einer unheilvollen Tradition der Abkehr von christlichem Glauben und christlicher Sittenlehre inmitten der katholischen Bistümer der Bundesrepublik Deutschland.

Man fragt sich nur, ob die dafür verantwortlichen Leute überhaupt noch ohne Schamesröte in den Spiegel schauen können, wenn sie mal wieder gegen die angeblich illiberale, autoritäre Kirche hetzen, die ja alles verbietet und nur noch eine Drohbotschaft verbreite.

Immer drängender stellt sich die Frage, welchem Geist wir folgen wollen: Dem unheiligen Zeitgeist oder dem Heiligen Geist Gottes. Die Antworten des Papstes und des Pfarrers Oblinger waren so klar wie identisch: Wir folgen dem Heiligen Geist und seiner Kirche. Die Antwort des Bistums Augsburg ist nach einigen Wochen Schreibverbot auch ziemlich klar: Sie folgen dem Zeitgeist und demjenigen, der in seiner Rolle als Fürst dieser Welt für die Schaffung der Zeitgeister aller Zeiten verantwortlich zeichnet.

P.S: Ich möchte noch einmal diese wunderbar treffende Kolumne von Pfarrer Oblinger empfehlen, die dieser einige Wochen vor seinem Schreibverbot in der Jungen Freiheit veröffentlicht hat. Er kritisiert dabei das Ziel einiger innerkirchlicher Kreise, eine „protestantische, priesterlose Kirche“ zu schaffen. Ich frage mich, wem er mit Artikeln wie diesem wohl zu nahe getreten sein könnte…

Apathie und Blasphemie

Vor einigen Tagen machte ich darauf aufmerksam, dass im Thalia-Theater von Hamburg bald ein nicht nur schreckliches, sondern auch pornographisches und vor allem auf krudeste Weiese blasphemisches Theaterstück namens Gólgota Picnic seine deutsche Uraufführung erhalten sollte, und dass es dagegen Proteste gab, an denen friedlich sich zu beteiligen ich aufrief. Ich wies darauf hin, dass die Piusbruderschaft zum großen Teil für diesen Protest verantwortlich sei, aber dies niemanden daran hindern sollte, seinem Entsetzen über die Blasphemien friedlich Ausdruck zu verleihen, da es hier nicht um theologische oder sonstige Streitfragen gehe, sondern um ein klares Bekenntnis zur Würde des Herrn im Angesicht einer westlichen Kultur, die mehr und mehr nur noch einer Barbarenkultur gleicht, die in den Ruinen von etwas lebt, das sie nicht mehr verstehen kann, zu dessen Verständnis ihr die kulturelle Reife fehlt. Es folgt ein Überblick über Entwicklungen hinsichtlich des Stücks und der Proteste dagegen:

Bischöfe

Nun haben wohl auch deutsche Bischöfe reagiert – wie kath.net berichtet. Als Gólgota Picnic in Frankreich aufgeführt wurde, haben einige Bischöfe sich wenn nicht an den Aktionen der Piusbruderschaft beteiligt, so doch eigene Proteste organisiert. Wie sieht es in Deutschland aus? Die deutsche Bischofskonferenz leitete Anfragen an das „zuständige“ Bistum Hamburg weiter.

Viele Katholiken in Deutschland fragen sich, was eigentlich die katholische Kirche zu der Vorstellung sagt. KATH.NET hat dazu die Deutsche Bischofskonferenz angefragt und wurde von dort an das Erzbistum Hamburg verwiesen. (Wir wollen auch ja nicht in irgendeiner Form den Eindruck erwecken, als sei Blasphemie etwas anderes als ein weiterer Anlass zum Hin-und-herschieben von Kompetenzen, oder?) Diese hat bereits gegenüber der KNA mitteilen lassen, dass man hier „ganz gelassen“ (natürlich! Warum sollte Blasphemie einen auch aufregen? Geht doch nicht um etwas Wichtiges, wie eine um 0,2% gestiegene Armutsquote, oder?) bleibe. „Wir wollen versuchen, diese Produktion in angemessener Weise zu begleiten und entsprechend darauf zu reagieren“ (Wenn man die bisherige Stellungnahme sieht, dann ist klar, wie man darauf reagieren wird: Nämlich in keiner wahrnehmbaren Weise gegen Blasphemien protestieren. Sonst könnte man ja als katholisch gelten…) , sagte der Sprecher des Erzbistums, Manfred Nielen, auf Anfrage. Konkret heißt das, man sucht nach einer geeigneten Person, die sich aus katholischer Sicht am Publikumsgespräch im Anschluss an die Aufführung beteiligt. (Damit legitimiert man die Blasphemieorgie „Golgóta Picnic“, es sei denn diese Beteiligung fällt sehr kritisch, sehr deutlich und völlig unmissverständlich aus. Aber selbst dann ist der Verzicht auf Protestaktionen jeder Art immer noch ein typisches Zeichen der Zahnlosigkeit der deutschen Bischöfe. Außer jemand ist konservativ wie Pfarrer Oblinger oder Bischof Mixa. Dann werden natürlich die Messer gewetzt…)

Nichts Neues im Bistum Hamburg also. Man will über alles reden, mit allen reden, und dabei die Substanz des katholischen Glaubens – zu der so weiß ich ziemlich sicher auch das Blasphemieverbot gehört – immer weiter in Vergessenheit geraten lassen.

Blogger und das Theater selbst

Der von mir sehr geschätzte Alipius schreibt ebenfalls über Gólgota Picnic, die Reaktion von Kritikern dieses Stücks (wozu offenbar die deutschen Bischöfe nicht zu zählen sind, zumindest nicht in wahrnehmbarer Weise) und ähnliche Themen. Er stellt sich auf den Standpunkt, dass er zwar im Prinzip die Ablehnung dieser Blasphemien teile, diese aber „nicht ober-schockierend (Christus kann das ab und meinem Glauben tut’s auch keinen Abbruch)“ seien. Nun ja, wenn man Blasphemie nicht mehr schockierend findet – wie abgestumpft ist man dann? Ferner schreibt er:

[Dass das Thalia-Theater sich als Opfer radikalkonservativ-fundamentalistischer Kreise sieht, weil es von Protestnoten überschwemmt werde], ist kein starkes Stück, sondern erstens eine exakt aufgegangene Rechnung (Wir Skandal = Die Protest) und zweitens einfach nur die Art und Weise, auf die man in diesen Kreisen seinem Gott huldigt, welcher das wahlweise „Ego“, „Mammon“ oder „Rampenlicht“ heißt.

In einem gewissen Sinn hat Alipius natürlich Recht. Wer solche Theaterstücke aufführen lassen will, der verfolgt damit in der Regel genau diese Absicht. Doch eine derartige Verharmlosung der Situation, mit der wohl die deutschen Bischöfe völlig einverstanden wären, allein schon um nicht als „konservativ“ oder „fundamentalistisch“ gelten zu müssen, trifft meines Erachtens nicht den Kern der Sache.

Argumentation gegen die Apathie

Natürlich trifft es unseren christlichen Glauben nicht, wenn jemand anders Blasphemien begeht. Natürlich legen andere ihre Blasphemien in der heutigen Zeit gern darauf an, Christen zu schockieren oder lächerlich zu machen – das ist eine der wesentlichen Zeitströmungen des 20. und 21. Jahrhunderts gewesen. Das alles ist richtig – übersieht jedoch den absolut entscheidenen Punkt:

Es geht hier nicht um den subjektiven Glauben der Christen, sondern um die objektive Gotteslästerung, an der sich alle beteiligen, die mit diesem Theaterstück in irgendeiner Form zu tun haben. Solange die Beteiligten nicht bereuen – und wie sollen sie dazu kommen, wenn die Reaktion darauf so apathisch ist, wie sie allgemein außerhalb der bösen „fundamentalistischen Kreise“ zu sein scheint – und umkehren, werden sie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht die ewige Seligkeit erlangen können, und ihre Seelen werden den ewigen Tod in der Hölle sterben. Natürlich mag die unermeßliche Gnade Gottes den einen oder anderen Menschen vor diesem Schicksal bewahren – aber auch hierzu ist ein Annehmen der Gnade Gottes erforderlich, und dieses Annehmen kann nicht echt sein, wenn es mit der fortgesetzten unbereuten „Teilnahme“ an Blasphemien einhergeht.

Das ewige Schicksal eines Menschen können wir nicht kennen – deshalb sollen wir nicht richten. Aber objektiv gesehen, nach menschlichem Ermessen, nach den Informationen, die wir aus Schrift und Überlieferung haben, ist kaum zu sehen, wie ein Gotteslästerer erlöst werden kann, solange er nicht umkehrt.

Und zur Buße für diese Gotteslästerung und zum Gebet für die Umkehr der verlorenen Söhne, die sich an diesem Theaterstück beteiligen, sind auch diese Protestaktionen gedacht.Deshalb richtet z.B. die Piusbruderschaft auch eine Gebetsvigil und einen Bußgottesdienst als wesentliche Teile ihres Protests am Tag der ersten Aufführung aus.

Zudem geht es um die Verteidigung der Rechte Gottes in der Welt, zu denen auch das Recht nicht beleidigt zu werden gehört. Auch dieser Aspekt wird leider immer wieder vergessen, wenn eine gelangweilte oder apathische Reaktion erfolgt, weil diese Blasphemien ja ungefährlich für den eigenen Glauben seien. Und mehr noch: Wie viele Menschen werden durch diese Theaterstücke auf den Weg des Verderbens geführt?

Kurz gesagt ist der Protest gegen Gólgota Picnic notwendig und richtig,

1. um für die Umkehr der Gotteslästerer zu beten,

2. um für die Beleidigung der objektiven Rechte Gottes Buße zu tun,

3. um darauf aufmerksam zu machen, dass die Seelen der Beteiligten (auch der Zuschauer!) durch diese diabolischen Aufführungen in Gefahr des ewigen Todes sind,

4. um die Ausbreitung dieser Aufführungen zu verhindern, damit nicht noch mehr Menschen in den Orkus der Gotteslästerung hineingezogen werden.

Wenn das „radikalkonservativ“ und „fundamentalistisch“ ist, dann ist zumindest dieser Blogger, der diese Worte hier schreibt, schuldig. Ich nehme diese Begriffe gern an. Ich gehe gern an die Wurzel (radix) der Probleme, setze mich für die Bewahrung (conservatio) des Glaubens ein, und bestehe auf den Fundamenten, also den Grundlagen und Grundfesten, des wahren katholischen Glaubens, wie die Kirche ihn immer gelehrt hat.

Auch meinen Glauben schwächen solche Blasphemien nicht. Aber es geht hier nicht um meinen Glauben. Es geht überhaupt nicht um mich. Apathie bedeutet hier die stillschweigende Duldung der Blasphemie.

Ein altes unfreies Bistum?

Dies möchte man vom Bistum Augsburg wohl annehmen – ein altes, unfreies Bistum zu sein – verbietet es doch, diesem Artikel von kath.net zufolge, dem angesehenen Pfarrer Oblinger für die konservative Wochenzeitung „Junge Freiheit“ zu schreiben, für die er seit Jahren regelmäßig Kolumnen verfasst hat. Darüber hinaus scheint es sich, diesem Artikel zufolge, auch um ein generelles Schreibverbot für den Pfarrer Oblinger zu handeln, bei dem seine zukünftigen Schreibaktivitäten durch das Bistum vorher abgesegnet werden sollen.

Ich möchte von der kirchenrechtlichen Frage, ob dies formal erlaubt ist, Abstand nehmen. Mangels Sachkenntnis überlasse ich jegliches Urteil hinsichtlich der juristischen Zulässigkeit des Verhaltens des Bistums den Kirchenrechtlern. (Wobei man sich fragen muss, warum ein glaubenstreuer Pfarrer wie Oblinger Schreibverbot erhält, aber dasselbe nicht gegenüber der Vielzahl heterodoxer Schreiberlinge geschieht, die die Kirche heute aufzubieten hat.

Vielmehr möchte ich eine Frage der Gerechtigkeit stellen: Ich möchte nicht fragen, ob es eine juristische Grundlage für das Verhalten des Bistums gibt, sondern ob dieses Verhalten im moralischen Sinne gerechtfertigt werden kann. Und da kann, besonders hinsichtlich der Kolumnen des Pfarrers in der „Jungen Freiheit“ wohl kein Zweifel bestehen. Bei der Jungen Freiheit handelt es sich um eine konservative, deutsche Wochenzeitung – mit allem, was das impliziert. Dort sind eher liberal-wirtschaftsfreundliche Autoren vertreten, dazu welche mit christlichem Hintergrund (sowohl evangelisch als auch katholisch), die sich der Entchristlichung erwehren möchten, und natürlich auch nationalkonservative Autoren. Dies ist nun einmal das Profil des Konservatismus in Deutschland – christliche, liberale und nationalkonservative Strömungen koexistieren hier in ihrem gemeinsamen Kampf gegen den antichristlichen, antifreiheitlichen und internationalistischen Zeitgeist, dabei für die Bewahrung der wirtschaftlichen Freiheit, der christlichen Werte des Abendlands und der deutschen Nation als Träger souveräner Gestaltungsmacht in der Weltpolitik kämpfend.

Je nach politischer Ausrichtung kann man dieses Engagement richtig oder falsch finden. Ich bin auch kein regelmäßiger Leser der Jungen Freiheit, wenn ich auch die Kolumnen von Pfarrer Oblinger, die in der Onlineausgabe verfügbar sind, immer gern gelesen habe. Sie enthielten auch keinen übertriebenen Nationalismus oder irgendetwas, das vielleicht aus Sicht eines wohlmeinenden katholischen Bischofs anstößig sein könnte. Vielmehr verströmten sie einen christlichen, katholischen Geist, behandelten oft in freundlicher, aber klarer Weise die Probleme einer mehr und mehr entchristlichten Gesellschaft und scheuten sich auch nicht in respektvoller Weise auf die innerkirchliche Glaubenskrise hinzuweisen. Wenn die Kolumnen des Pfarrers Oblinger in der Jungen Freiheit in irgendeiner Form repräsentativ für sein ganzes Schrifttum sind, dann ist dieses Schreibverbot für einen rechtgläubigen, konservativ denkenden Pfarrer nichts weniger als ein gewollter Affront gegen alle rechtgläubigen, konservativ denkenden Katholiken seitens eines Bistums, das gerade in den letzten Jahren, gerade hinsichtlich der unwürdigen Behandlung des Bischofs Mixa, durch solcherlei Affronts aufgefallen ist, sich jedoch konstruktiver Beiträge im Kampf gegen die Kirchenkrise oder im Zuge der Neuevangelisierung nahezu gänzlich enthalten hat.

Ein deutsches Musterbistum eben.

Wie gesagt – wenn des Pfarrers Worte in der Jungen Freiheit repräsentativ für sein ganzes Schrifttum sind. Vielleicht wissen wir nicht alles, und es ist – wie immer – angemessen, den zuständigen Stellen die Möglichkeit der Rechtfertigung ihres Verhaltens vor dem Hintergrund katholischer Rechtgläubigkeit zu geben. Vielleicht steckt mehr hinter der Sache, als wir von außen erkennen können. Jedoch scheint es mir dafür derzeit keinen Anhaltspunkt zu geben, so dass ich von der zumindest allgemeinen Zuverlässigkeit der vorliegenden Informationen ausgehen muss.

Und diese Informationen lassen einen relativ klaren Schluss zu: Im Bistum Augsburg darf nur schreiben, wer zumindest mit der Häresie sympathisiert, oder sie nicht zu ausdrücklich verurteilt, und wer bereit ist, mit klaren Worten zu den Ursachen der Kirchenkrise „hinterm Berg“ zu halten.

Sollte das Bistum seinen für mich unverständlichen Schritt in irgendeiner Form mit der Kolumne des Pfarrers Oblinger bei der Jungen Freiheit rechtfertigen, so nähme diese Affäre noch hässlichere Züge an – denn in diesem Fall unternähme es ganz offiziell ein deutsches Bistum, den politischen und gesellschaftlichen Konservatismus, an den „rechtsextremen“ Pranger zu stellen, an den man der Jungen Freiheit aus interessierten Kreisen immer wieder zu stellen versucht hat.

Wobei natürlich die Frage ist, ob eine Zeitung, die Bundeskanzler Adenauer vermutlich als ziemlich mild in ihrer christlichen und nationalkonservativen Ausrichtung angesehen hätte, wirklich sinnvoll als rechtsextrem gebrandmarkt werden kann, oder inwiefern eine solche Etikettierung heutzutage nicht jeglichen Erkenntniswertes entbehrt. Ist ein Festhaltenwollen am nationalstaatlichen Ordnungsprinzip, der Wunsch zur Begrenzung der Zuwanderung besonders nichteuropäischer Menschen usw. bereits unchristlich oder rechtsextrem? Ein solcher Wunsch ist vielleicht politisch falsch – da mag man geteilter Ansicht sein – aber keinesfalls unchristlich, haben doch alle christlichen Gesellschaften zu jeder Zeit das Recht beansprucht, die nationalen Grenzen nach eigenem Wunsche zu regulieren.

Aber ein Bistum, das Pfarrer Oblinger Schreibverbot erteilt, hätte wohl auch jedem rechtgläubigen katholischen Pfarrer vor 1970 Schreibverbot erteilen müssen, um das elementare Gerechtigkeitsprinzip der Gleichbehandlung des Gleichen nicht zu verletzen.

Ein solches Bistum ist auch zwangsläufig kein Magnet für junge Katholiken, die ihren Glauben frei leben wollen, ohne sich ständig darum fürchten zu müssen, für ihre lehramtstreuen Positionen in die rechte Ecke gestellt zu werden. Denn in den antifaschistischen Gruppen, die oft die Hauptprofiteure des staatlichen „Kampfes gegen Rechts“ sind, wird nicht selten auch die Opposition gegen die „Reproduktionsfreiheit der Frau“ oder die Ablehnung der „Freiheit von Homosexuellen zu heiraten“, als faschistisch und rechtsextrem gesehen. Wie lange noch, bis im Bistum ähnliche Haltungen im Zuge der Anpassung an die Welt und ihren Zeitgeist eingenommen werden?

Wie gesagt, dies alles unter der Annahme, dass die mir vorliegenden Informationen stimmen. Vielleicht gibt es ja einen besseren Grund – doch wenn es ihn gibt, dann sollte das Bistum ihn nennen.

Hier übrigens ein direkter Link zum Archiv der Kolumnen des Pfarrers Oblinger bei der Jungen Freiheit. Dort können sich die Leser gern selbst überzeugen, ob Pfarrer Oblinger durch seine Schriften wirklich eine Bedrohung für den katholischen Glauben darstellt – was ja ein kirchliches Schreibverbot allenfalls rechtfertigen könnte – oder ob sie nicht einfach eine Gefahr für den säkularisierten Katholizismus der Reformation darstellen, welcher heute in Deutschland seitens der offiziellen Stellen allzuoft angeboten wird. Besonders angesichts der Tatsache, dass erst vor gut zwei Monaten eine Kolumne des Pfarrers Oblinger erschienen ist, in der er (klarsichtig wie meistens) erkannte, dass „bestimmte innerkirchliche Kreise eine protestantierte, priesterlose Kirche“ wollen. Ob sich da wohl jemand angesprochen gefühlt hat?