Staat, Kirche und Religion: Was ist katholische Politik?

Viel wird über katholische Theologie, katholische Frömmigkeit und dergleichen geschrieben, und auch die Soziallehre findet immer wieder positive Erwähnung in den Sonntagsreden diverser Politiker, Bischöfe und Autoren. Doch in einer politisch sehr spannenden Zeit, in der bedeutende Weichenstellungen für die Zukunft getroffen werden, taucht für mich als gläubigen Katholiken unweigerlich immer wieder die Frage auf, ob es überhaupt so etwas wie eine katholische Politik gibt, und welche Folgen die Existenz genuin katholischer Anliegen in der Politik für den „säkularen Staat“ hat.

Ich bin überzeugt, dass die weltliche Sphäre von der geistlichen in einem gewissen Sinne nicht zu trennen ist. Das informierte katholische Gewissen kann zu politischen Entscheidungen wie der Legalisierung von Abtreibung, Euthanasie („aktive Sterbehilfe“) oder der Unterwanderung der natürlichen Familie nicht schweigen. Ebenso muss der Katholik aufbegehren, wenn Gier zum obersten Ordnungsprinzip der Wirtschaft erhoben wird, und Neid die Sozialpolitik beherrscht. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Aber bereits jetzt ist offensichtlich, dass es einige Bereiche gibt, in denen der Katholik bestimmte Positionen nicht vertreten kann, weil dies seinem informierten Gewissen widerspricht. Eine vollständige Trennung von Religion und Staat kann es daher nicht geben.

Man beachte jedoch die Distinktion zwischen „Religion“ und „Kirche“. Das Fehlen dieser wesentlichen Unterscheidung führt zu sehr vielen Irrtümern in der Debatte über das richtige Verhältnis von Kirche und Staat. Denn während die Kirche sehr wohl grundsätzlich vom Staat getrennt werden kann, gilt dies keinesfalls für die Religion. Wenn der Katholik durch seinen Glauben motiviert wird, eine bestimmte politische Position zu beziehen – etwa für ein Abtreibungsverbot, gegen die Einführung der „Homo-Ehe“ oder gegen die Ausbeutung von Arbeitern in vielen Entwicklungsländern – dann ist dies offensichtlich ein Verstoß gegen die „Trennung von Religion und Staat“. Denn viele Katholiken werden sehr wohl religiös motiviert sein, und nicht von einer säkularen ethischen Überlegung, wenn sie solche Thesen vertreten. Aber es ist kein Verstoß gegen die „Trennung von Kirche und Staat“, weil die Kirche überhaupt gar keine politischen Entscheidungen trifft.

Wenn umgekehrt eine Konferenz von Bischöfen aus Gründen der Machtpolitik Politiker beeinflusst, dann muss das noch nichts mit Religion zu tun haben. Es wäre also auch nicht notwendigerweise ein Verstoß gegen die Trennung von Religion und Staat, weil die Handlung dieser Bischöfe gar nicht religiös motiviert wäre. Aber es wäre natürlich ein Verstoß gegen die Trennung von Kirche und Staat – denn die Bischöfe sind offizielle Vertreter der Kirche (und wären sie auch atheistisch, sie blieben Vertreter der Kirche, bis sie von ihren Bischofsstühlen abberufen würden).

Staat und Kirche zu trennen ist daher auch aus traditionell katholischer Sicht meines Erachtens nicht unbedingt problematisch. Die natürliche Aufgabe des Staates ist das menschliche Gemeinwohl, die Aufgabe der Kirche das Seelenheil. Natürlich gibt es hier wichtige Berühungspunkte, etwa im Bildungswesen. Der Staat hat ein gerechtfertigtes Interesse an der Ausbildung der Jugend zu weltlichen Aufgaben. Die Kirche hat ein ebenso legitimes Interesse, nämlich die Jugend zu ihrem Seelenheil zu führen. Idealerweise würden Staat und Kirche nun kooperieren, so dass der Staat die Kirche fördert, wenn sie sich für das Seelenheil der Menschen einsetzt, und die Kirche den Staat unterstützt, wenn es um seine genuinen Aufgaben geht. Hier wird es natürlicherweise zu Spannungen kommen, doch eine solche Kooperation ist möglich. Man beachte, dass diese Kooperation die Trennung von Staat und Kirche gar nicht beeinflusst. Staat und Kirche sind immer noch unabhängig voneinander – sie arbeiten nur zusammen, wenn es für ihre jeweiligen gerechten Anliegen sinnvoll ist.

Doch selbst wenn eine solche Kooperation in der modernen pluralistischen Gesellschaft derzeit nicht möglich ist, können Kirche und Staat getrennt bleiben und neutral koexistieren. Auch eine Trennung von Kirche und Staat in diesem Sinne kann die Kirche meiner Auffassung nach jederzeit akzeptieren. Jedoch nur unter einer Bedingung: Dass es nicht zugleich auch noch eine Trennung von Religion und Staat gibt.

Eine Trennung von Religion und Staat geht nämlich viel weiter: Nur noch sälulare Argumente sollen im öffentlichen Raum zugelassen werden. Das führt zur Diktatur des Säkularismus. Wenn jemand sagt, er sei gegen Abtreibung, weil das Gottes Gesetz widerspricht, dann wird er ausgelacht. Seine Meinung gilt als disqualifiziert, weil sie sich auf ein nichtsäkulares Argument stützt. Die Diktatur des Säkularismus verschanzt sich hinter der These von der „Trennung von Kirche und Staat“, doch fordert in Wahrheit viel mehr. Religiöses Denken soll aus der öffentlichen Diskussion ausgeschlossen werden.

Dies führt jedoch zu einer weiteren Diktatur, die der Heilige Vater immer wieder angeprangert hat: Der Diktatur des Relativismus. Jedes moralische System soll gleichermaßen öffentliches Gehör finden, solange es sich allein auf säkulare Argumente beruft. Manche gehen gar so weit, einer Trennung von Moral und Politik zumindest implizit das Wort zu reden. Moral soll Privatsache sein. Dies ist jedoch widersinnig, da Ethik sich mit dem guten Leben beschäftigt, und dieses aufgrund der Sozialnatur des Menschen immer ein Leben in Gemeinschaft ist (und sei es die kontemplative Klostergemeinschaft). Ethik und Politik, Moral und Politik lassen sich nicht trennen. Jede politische Frage ist eine moralische Frage. Und welche moralische Auffassung richtig ist, hängt entscheidend davon ab, welche religiöse Weltanschauung der Wahrheit entspricht.

Wenn es tatsächlich einen guten Schöpfergott gibt, der uns alle liebt, uns allen das höchste Glück in Ewigkeit ermöglichen will, dann hat das Konsequenzen, auch für moralische Fragen – etwa für den Wert des menschlichen Lebens. Dies sei nur als ein Beispiel aus hunderten herausgegriffen. Jede politische Frage ist eine moralische Frage, und die Antwort auf jede moralische Frage hängt entscheidend von der religiösen Weltsicht ab.

Politik und Religion können daher nicht getrennt werden. Katholiken können, sollen und müssen sich entschieden für das Gute einsetzen, und das gilt auch für die Politik. Bestimmte politische Ansichten sind nicht mit dem katholischen Glauben vereinbar, und da sehr viele politische Parteien heutzutage in wesentlichen Punkten mit dem Glauben unvereinbare Inhalte vertreten, ist der katholische Glaube auch nicht mit bestimmten Parteien vereinbar.

Drei Thesen möchte ich festhalten:

1. Kirche und Staat können und sollen in ihrem je eigenen Bereich eine echte Autonomie genießen, mithin getrennt sein. Bestimmte Dinge stehen dem Kaiser zu und wir sollten sie ihm geben.

2. Sie sollen in den Bereichen, in denen sie beide legitime Interessen haben, möglichst zusammenarbeiten. Wenn das nicht geht, dann muss der Staat wenigstens die Freiheit der Kirche und der einzelnen Katholiken gewährleisten, ihrem informierten Gewissen unbehindert folgen zu dürfen. Das heißt, der Staat darf von den Katholiken keine unmoralischen oder mit dem Glauben unvereinbaren Handlungen verlangen.

3. Religion, Moral und Politik können und dürfen nicht getrennt werden. Ein starkes Zeugnis von Katholiken – Laien und Geistlichen gleichermaßen – in der öffentlichen politischen Debatte ist unverzichtbar auch im säkularen Staat.

Soweit einige kurz skizzierte Gedanken zu der Frage einer katholischen Politik im säkularen Staat.

Piratenpartei: Die radikaleren Grünen

Angesichts der Tatsache, dass in NRW am Sonntag Landtagswahlen anstehen und sich scheinbar auch einige Christen mit dem Gedanken tragen, der Piratenpartei ihre Stimme zu geben, möchte ich mich an dieser Stelle einigen Auszügen aus einem Interview von kath.net mit Frank Mazny, einem katholischen „Piraten“, widmen. Das ganze Interview sei zur Lektüre empfohlen. Die Fragen von kath.net sind fettgedruckt, Hervorhebungen durch Unterstreichung und rote Kommentare von Catocon.

Mir gefällt in erster Linie das Mitmach-Prinzip (ja, das ist für den modernen Menschen immer sehr wichtig. Man sieht das an der Messe, die von dieser Art Katholizismus im Wortsinne „fabriziert“ wird.) und die Idee, dass wir Bürgerinnen und Bürger unsere Vorstellungen von Politik selbst in die Hand nehmen, und die Partei vom Ideal der Basisdemokratie (Partizipation für alle!! Gleichheit jetzt und per Dekret!) getragen wird. So können alle, die bereit sind sich zu engagieren, neue Ideen in das Programm der Partei einbringen. Das scheint mir ein guter Weg zu sein.

 

kath.net: Was ist der Zusammenschluss „Christen in der Piratenpartei“? (Dem Mazny angehört) Welche Ziele verfolgt er?

Frank Mazny: Wir sind ein ökumenischer (natürlich!) Zusammen-schluss von Christinnen und Christen (man beachte die fanatische Anhänglichkeit an die Dogmen der Politischen Korrektheit!) innerhalb der Piratenpartei Deutschland. Was unsere genauen Ziele angeht muss ich gestehen, dass wir die noch nicht bis ins Detail besprochen haben. (Das scheint ein universelles Kennzeichen der Piraten zu sein.) Ein wichtiger Punkt ist sicherlich, dass wir uns und die jeweilige Denomination der anderen besser kennenlernen wollen, auch um vielleicht gar nicht als solche wahrgenommene Vorurteile abzubauen. (Die Stuhlkreismentalität als Partei) Auch innerparteilich könnte der Abbau von Vorurteilen oder schlichtweg Unwissenheit ein Thema sein. Genaues ist aber noch nicht geplant. (Nein, natürlich nicht. Sie sind ja Piraten.)

Ebenso würde ich es als unsere Aufgabe ansehen, explizit unter Christen außerhalb der Partei für unsere Ziele zu werben und Aufklärungsarbeit zu leisten. (Bekanntlich wählen die Kälber ihren Metzger selber…) Zumindest weiß ich von vielen Christen, die den Piraten grundsätzlich positiv gegenüberstehen, aber bei einigen Themen Vorbehalte haben. (Ja, zum Beispiel bei der reflexhaften Christenfeindlichkeit, der Verachtung der christlichen Sittenlehre, dem totalen Laizismus, d.h. dem Atheismus als Staatsreligion usw.)  Ich denke durch die gemeinsame Ebene des Glaubens (welchen Glauben kann ein Pirat mit einem Christen gemeinsam haben? Immerhin ist die Piratenpartei den Zielen wie dem Wählerreservoir nach weitgehend die Partei derer, denen die Grünen zu gemäßigt, und nicht progressivistisch genug sind…) , haben wir dafür bessere Grundvoraussetzungen als andere Piratinnen und Piraten. (Man beachte, wie gesagt, die Selbstversklavung unter den Götzen der „Gendergerechtigkeit“) Alles weitere wird sich zeigen.

(…)

kath.net: Viele Christen haben mit einigen Punkten des Parteiprogrammes große Schwierigkeiten. (Ein perfektes Beispiel höflichen Unterstatements, das man früher den Briten zuschrieb.) Das betrifft zum Beispiel die Familienpolitik. Hier setzt sich die Piratenpartei für Gender-Mainstreaming (!) und eine Gleichstellung eingetragener Partnerschaften mit der Ehe ein. Eingetragene Partnerschaften sollen auch für mehr als zwei Personen möglich sein. (Die Piraten sind für die staatliche Förderung der Polyamorie, d.h. der geschlechtsneutralen Form der Polygamie. Und, was hier nicht gesagt wird, auch für die staatliche Anerkennung von „freiwilligem“ Inzest. Wie lange noch, bis ich Sex mit meinem Haushund haben darf, lieber „christlicher“ Pirat?) Wie ist das mit einem christlichen Verständnis von Mann und Frau, von Ehe und Familie vereinbar?(Ähm… gar nicht? Die Frage ist: Pirat oder Christ – eins von beiden.)

Frank Mazny: Die Beantwortung dieser Fragen in ihrer Gesamtheit würde für eine abendfüllende Diskussion ausreichen, deshalb will ich mich auf ein paar grund-legende Gedanken dazu beschränken. (Ausweichmanöver.)  Der Staat muss zwar eine unbedingte (unbedingte!) Religionsfreiheit garantieren und sie schützen (vor wem? Vor demjenigen, dessen moralische Auffassungen christlich motiviert sind. Der Christ als Staatsfeind.), er ist aber nicht dazu da, das Lebensmodell einer bestimmten Religion zu bevorzugen. (Herr Mazny sollte sich vielleicht statt mit linksradikaler Propaganda einmal mit der Naturrechtslehre befassen. Es handelt sich nicht um eine christliche Sondermoral!) Aus dieser Perspektive heraus muss (muss! Selbst für die christlich gewendete und abgemilderte Version der Neopiraterie ist die Bekämpfung des Naturrechts Staatsaufgabe!) der Staat zum Beispiel, wenn er den eingetragenen Lebenspartnerschaften (die er selbst erfunden hat) die gleichen Pflichten wie Eheleuten auferlegt, auch dafür Sorge tragen, dass sie die gleichen Rechte haben.

Dadurch wird das Ansehen der Ehe nicht geschmälert (nein, weil durch die von den Piraten enthusiastisch begrüßten Anschläge auf die Ehe längst praktisch kein Ansehen der Ehe mehr vorhanden ist), und sie wird auch weiterhin das gängigste Modell für die Lebensführung bleiben. (…) Eine Entscheidung für ein Leben mit Jesus (aber gegen Seine Gebote, versteht sich, denn wir sind ja so modern piratig!) und die Beachtung der christlichen Werte (noch eine leere Worthülse, denn wie kann ein Befürworter von Inzest, Polygamie und Homo-„Ehe“ ernsthaft das Wort christliche Werte in den Mund nehmen, ohne auch nur rot zu werden?), auch für Ehe und Familie, ergeben sich aus einer individuellen Entscheidung. Das kann man nicht durch Gesetze, Verordnungen oder gar durch ein Parteiprogramm vorschreiben. (Ach so. Und deswegen muss der Staat aktiv gegen die christliche Sittenlehre kämpfen, indem er die Förderung der Sünde mit Steuergeldern finanziert, wie dies durch die Homo-„Ehe“ geschähe?)

kath.net: Im Grundsatzprogramm kommt Religion nur unter dem Titel „Trennung von Staat und Kirche“  im Bereich „Vielfalt in der Gesellschaft“ vor. In den drei Absätzen, die dem Thema gewidmet sind, wird vor allem die Aufhebung bestehender Privilegien der christlichen Kirchen gefordert. (Das macht die Piraten fast noch sympathisch – in demselben Sinne, indem Kaiser Nero durch seine Verfolgungen sympathisch wird, nämlich indem er, ganz im Gegensatz zu seinen Intentionen, der Kirche unwissentlich geholfen hat…) Auch die Übertragung von Aufgaben in staatlichen Einrichtungen und beim Betrieb von sozialen Einrichtungen an Kirchen soll abgeschafft werden. (Und wer übernimmt die sozialen Funktionen der Kirche dann? Vermutlich nicht die Piraten, für die Nächstenliebe ja bloß in der Unterdrückung der christlichen Sittlichkeit und der Umverteilung rechtmäßig verdienten Einkommes zu bestehen scheint.) Nun bekennen sich derzeit ca. 60 Prozent der Deutschen zu den christlichen Kirchen. Das Christentum hat die Kultur Deutschlands in fast allen Bereichen maßgeblich geprägt und zum Beispiel die ersten Schulen und sozialen Einrichtungen gegründet. Das alles sieht danach aus, als wolle die Piratenpartei die Kirchen aus dem öffentlichen Leben möglichst zurückdrängen. (Ja, natürlich. Denn solange die Kirche nicht zu Staub zerfallen oder vollkommen an diese Welt und ihren Fürsten angepasst ist, kann ein moderner Pirat nicht ruhen…) Eine positive Wertschätzung der Religion ist nicht zu finden. Wie stehst Du dazu?

Frank Mazny: Leistungen, die auf Grund des verfassungsrechtlichen Subsidiaritätsprinzips erfolgen, können nicht insgesamt einfach so abgeschafft werden. Das wäre auch nicht sinnvoll, da der Staat ja aus gutem Grund bestimmte Aufgaben an kirchliche Träger abgeben hat. Die Piratenpartei hält insbesondere das Grundgesetz hoch, deshalb wird sie sich auch daran halten. (In Verantwortung vor Gott, wie die Präambel schreibt? Oder doch eher in Verantwortung vor dem Fürsten, hinter dem sich die Piraten sonst versammeln?) Sollte unser Grundsatzprogramm in diesem Punkt zu ungenau sein, oder tatsächlich im Widerspruch zum Grundgesetz stehen, muss das natürlich nachgebessert werden. (Man sieht übrigens, wie selbst der Katholik Mazny in der Frage nach der Rolle der Religion darüber nachdenkt, ob man denn beim allgemeinen Ausschluss der Kirche aus der Öffentlichkeit noch formaljuristisch die Verfassung einhalten kann…) Trotzdem sollten Zahlungen des Staates an Kirchen und auch der Einzug der Kirchensteuer kritisch überprüft werden, da meiner Meinung nach auch die Kirchen selbst davon profitieren können. (Ja, das kann passieren. Wie gesagt: Der Kulturkampf der Piraten gegen die wahre Religion könnte seltsame Auswirkungen haben. Am Ende zerstört sich das Böse immer selbst. Aber deswegen darf man es trotzdem nicht unterstützen, wie sowohl Nero als auch Judas erfahren haben dürften.)

An dieser Stelle will ich aus der Rede von Papst Benedikt XVI. in Freiburg zitieren (ein geschickter Schachzug. So kann Mazny vorspiegeln, das Programm der antichristlichen Piraten sei tatsächlich papstkonform…) : „Die Säkularisierungen – sei es die Enteignung von Kirchengütern, sei es die Streichung von Privilegien oder ähnliches – bedeuteten nämlich jedes Mal eine tiefgreifende Entweltlichung der Kirche, die sich ja dabei gleichsam ihres weltlichen Reichtums entblößte und wieder ganz ihre weltliche Armut annahm. [ … ] Die geschichtlichen Beispiele zeigen: Das missionarische Zeugnis der entweltlichten Kirche tritt klarer zutage. Die von ihrer materiellen und politischen Last befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein. Sie kann ihre Berufung zum Dienst der Anbetung Gottes und zum Dienst des Nächsten wieder unbefangener leben.“ (Quelle)

Der von der Piratenpartei geforderte Abbau von Zahlungen ist also keine Aussage über eine Wert- oder Geringschätzung einer Religion, sondern ergibt sich schlicht aus unserem Verständnis dessen, welche Aufgaben ein säkularer Staat haben sollte. (Eben. Eine vollständige Trennung von Staat und Kirche setzt die beiden Institutionen angesichts der vielen Felder, in denen beide legitime Aufgaben zu erfüllen haben, automatisch in einen Gegensatz. Und wer wird da wohl siegen? Ein kirchenfeindlicher Staat mag ja vielleicht der Kirche helfen, indem sie den Sumpf der – übrigens wie gleich deutlich werden wird auch von Mazny sehr gelobten – Verbandskatholiken trockenlegt, doch er bleibt immer noch kirchenfeindlich, wie auch die ganze Piratenpartei.) Ich selbst würde eine größtmögliche Entflechtung von Kirche und Staat begrüßen, weil ich als Katholik der Meinung bin, dass die deutsche Kirche viel zu bürokratisiert ist und sich dadurch selbst vieler Möglichkeiten beraubt. (Und die bestehen worin genau, angesichts Ihrer sonstigen unchristlichen Haltungen, etwa zur natürlichen Familie?) Oder auch anders gefragt: muss ein Bischof wirklich 6.000 Euro oder mehr im Monat bekommen? (Écrasez l’Infâme!) Ich würde mir wünschen, dass sich durch die radikalen Forderungen der Piratenpartei auch eine innerkirchliche Diskussion darüber ergibt, welche Zahlungen des Staates notwendig sind, und welche vielleicht nur ein finanzielles Kissen zum Ausruhen darstellen. (Genau. Dass die Bischöfe anständig bezahlt werden, das ist schrecklich. Aber Inzest ist okay. Und Polygamie. Und Gender-Mainstreaming. Was für ein Christ kann eine Partei unterstützen, die so eine antichristliche Haltung vertritt?)

kath.net: Die Piratenpartei fordert ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle. Steht das nicht im Widerspruch zum Prinzip der Subsidiarität, d.h. dass jeder zunächst für sich selbst verantwortlich ist und erst in zweiter Linie die Gemeinschaft?(Natürlich tut es das. Doch die Piratenpartei ist ja auch nicht kompatibel mit dem Christentum, sondern nur mit einem neosozialistischen Gesellschaftsmodell, indem der Staat die Rolle eines allgütigen Götzen spielt, der Manna über seine Untertanen ausrieselt.)

Frank Mazny: Die Bundesrepublik Deutschland bekennt sich zum Sozialstaat, dazu zähle ich im weitesten Sinne auch den Länderfinanzausgleich und den Solidarpakt. (Was aber nicht die Frage war.) Hauptsächlich ist aber mit dem Sozialstaat unser soziales Netz verbunden, das es auch Menschen ohne Arbeit ermöglichen soll, ein menschenwürdiges Leben zu führen.

Soweit die Theorie, in der Realität sind Menschen ohne Arbeit jedoch einer oftmals entwürdigenden Maschinerie ausgesetzt, die mit dem 1. Artikel im Grundgesetz nicht vereinbar ist. (Das ist so absurd, dass es nicht einmal mehr ein Argument verdient, sondern bloß Gelächter. Es ist also menschenunwürdig, wenn man Hartz IV beantragen und sich an die Gesetze halten muss?) Einige der größten Fehler im System (Nieder mit dem System! Wir brauchen den Systemwechsel!!) sind der Anspruch und das Versprechen auf Vollarbeit, die in der heutigen Zeit einfach nicht mehr zu erfüllen sind. (…)

Deshalb fordert die Piratenpartei, übrigens im Einklang mit katholische Gewerkschaften und Sozialverbänden wie der KAB, BDKJ oder die CAJ ein bedingungsloses Grundeinkommen. (Daran sieht man, dass die unkatholischen Verbände dringend weniger Marx und mehr Leo lesen müssen. Das Manna für alle vom Götzen Staat hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun.) Aus christlicher Sicht ist der Wert eines Menschen nicht von seinem Stand und der Position in einer Erwerbsarbeitsgesellschaft abhängig, sondern allein von seiner Würde vor Gott. (Ach so. Und die Würde des Menschen ist davon abhängig, wie viel Geld er hat? Oder ob er arbeitet?) Ein Grundeinkommen schafft die Grundlage für jeden Menschen, eine Arbeit seiner Wahl im Sinne des befreiten Tätigwerdens (frei nach Marx, ganz ohne Leo) aufzunehmen. Insofern würde ein BGE auch für die Kirchen und ihre Arbeit mit Ehrenamtlichen von Vorteil sein, denn jemand der sozial abgesichert ist wird eher eine gering bezahlte oder unbezahlte Aufgabe in der Gemeinde übernehmen. (Wieso sollte ein mir dem staatlichen Manna für alle betäubter Mensch sich noch für die christliche Botschaft interessieren?) Ich sehe das BGE deshalb als wichtigen Baustein für die Umsetzung eines christlichen Menschenbildes in unserer Gesellschaft.

Was soll man zu diesem Interview noch sagen? Hier haben wir einen Menschen, der für sich in Anspruch nimmt, ein Christ und gar ein Katholik zu sein, der aber einer Partei angehört, die für Abtreibung, die Homo-„Ehe“, Polygamie und Inzest ist, die die traditionelle Familie als Auslaufmodell scharf bekämpft, die der Kirche durch ihr Parteiprogramm praktisch den Krieg erklärt, die der Auffassung ist, es sei eine gute Idee, absichtsvoll die Karfreitagsruhe zu stören, in der ernsthaft diskutiert wird, ob nicht eine Erziehung, in der die Existenz der Hölle vermittelt wird, den Tatbestand der Kindesmisshandlung erfülle, kurzum, einer Partei, die auf ganzer Linie gegen jeglichen christlichen Wert zu Felde zu ziehen wünscht, den es in diesem Lande noch geben mag. Doch mehr noch: Dieser Mensch, Herr Mazny, möchte den Leser auf den Arm nehmen und für dumm verkaufen, indem er dieses antichristliche Machwerk auch noch aus scheinbar christlichen Motiven heraus lobt.

Und als ob das noch nicht alles wäre, legt er zum Schluss noch einen drauf: Er fordert, im Einklang mit der totalitären Volksbeglückungsideologie, die die Piraten auch sonst so auszeichnet, ein „bedingungsloses Grundeinkommen“ und etikettiert dies zu einem Baustein des christlichen Menschenbildes um, weil einige häretische, verweltlichte Gruppen dies auch so sehen, und weil Armut ja entwürdigend sei.

Nun, Christus hätte das anders gesehen. Für ihn waren die Armen selig. Und er war immerhin Gott, also sollte er das wissen…

Doch der Wunschtraum der Neopiraterie ist eine Welt, in der alle Menschen vom ewigen Segen des Staates abhängig sind, der ihnen den Wohlstand schenkt, den sie, unter Führung der staatlichen Indoktrination in verdummenden „Schulen“, als einzig wahren Wert erkannt haben.

Hier haben wir das piratische Menschenbild in Reinkultur, und wir stellen fest, es ist bis auf Details identisch mit dem Menschenbild der Grünen und, im Wesentlichen, dem der anderen Hauptparteien.

Nur, dass die Grünen für diese Piraten nicht radikal genug sind.

Meine Wahlempfehlung für die Landtagswahlen lautet also: Ehrt am Tag des Herrn den Herrn, und keine der Parteien, verbringt mehr Zeit mit der Familie, statt in der Wahlkabine.

Und wenn ihr unbedingt eine Kabine aufsuchen müsst, dann geht beichten.

Ein paar Worte zum Islam…

… anlässlich der aus vielerlei Richtung kritisierten Koran-Verteilungsaktion.

25 Millionen Exemplare des Korans sollen also verteilt werden. Die Piusbruderschaft, mit ihrem vielgescholtenen Verständnis vom Christlichen Staat, verurteilt dies natürlich auf genau dieser Basis, und steht mit ihrer Argumentation auf sicherem Boden. Man muss ihre Prämissen nicht teilen. Aber die massenhafte Verteilung des Korans, aus Sicht der Bruderschaft das Buch einer falschen Religion, ist aus dieser Perspektive heraus in jedem Fall verwerflich.

Doch nicht nur die Piusbrüder und andere Traditionalisten regen sich über die Aktion auf. Kritik kommt auch von Anhängern diverser Versionen der Religionsfreiheit. Vertreter von CSU und SPD haben sich kritisch dazu geäußert. Ebenso auch Stimmen aus dem Umfeld der deutschen Bischofskonferenz. Dies kommt natürlich nicht unerwartet, doch gibt es eigentlich rationale Gründe für dieses Verhalten? Unter der Annahme der Religionsfreiheit müssten alle Religionen tun und lassen können, was sie wollen, solange sie sich an die weltanschaulich neutral formulierten Gesetze halten. Wenn in einem „religiös neutralen“ Staat das Verteilen von Bibeln erlaubt ist, muss auch das Verteilen des Korans erlaubt sein. Warum dann auf einmal die Kritik? Warum der Ruf nach „Überwachung“ der Aktion? Selbst wenn man sich an den Initiatoren der Aktion, den als radikal geltenden Salafisten, hochzieht – der Koran ist der Koran, egal wer ihn verteilt, und kann doch eigentlich für einen religiös neutralen Staat nicht mehr und nicht weniger gefährlich sein als die Bibel, oder?

In unserem „religiös neutralen“ Staat dürfte es diese Debatte gar nicht geben. Es sei denn man ist der Meinung, dass religiöse Aussagen generell – dann aber alle religiösen Aussagen gleichermaßen – der staatlichen Zensur bedürfen. In diesem Falle wäre auch das Verteilen von Bibeln zu untersagen oder zu überwachen. Darauf wird es in Zukunft auch hinauslaufen, sobald die Christen es schaffen, mal wieder etwas zu missionieren, statt nur im ermatteten Siechtum zu verharren.

Dass sich manche sonst immer auf Religionsfreiheit pochenden gesellschaftlichen Kräfte auf einmal gegen die Verteilung des Korans wehren, liegt nicht an der Natur des Korans – denn die darf ja unter der Annahme religiöser Neutralität keine Rolle spielen – sondern in der Natur des religiösen Glaubens allgemein. Der Islam ist gefährlich für den deutschen Staat. Nicht aufgrund irgendeiner besonderen dem Islam innewohnenden Eigenschaft, sondern einfach, weil seine Anhänger tatsächlich daran glauben.

Die Moslems glauben an ihren Gott und ihre Heilige Schrift, und deswegen stellen sie für den modernen Westen eine Bedrohung dar.

Die traditionellen Katholiken und konservativen Protestanten glauben an ihren Gott und ihre Heilige Schrift, und deswegen stellen sie für den modernen Westen eine Bedrohung dar.

Die orthodoxen Juden glauben an ihren Gott und ihre Heilige Schrift, und deswegen stellen sie für den modernen Westen eine Bedrohung dar.

Doch die Bedrohung durch gläubige Juden und Christen ist gering, weil ihre Anzahl winzig ist. Die bei weitem größte Gruppe von tatsächlich gläubigen Menschen stellt in Deutschland der Islam.

Das Problem der säkularen, liberalen Islamkritiker ist nicht speziell der Islam, sondern der Wahrheitsanspruch einer außerstaatlichen Instanz, die den Menschen an etwas bindet, das über dem Staat steht. Der religiös neutrale Staat kann alles tolerieren, nur keine Religion, die wirklich geglaubt wird. Solange die Menschen friedlich zur Kirche gehen und dort eine entschärfte, „moderne“ Version ihrer Religion vorgesetzt bekommen, stellen sie keine Gefahr für den Staat dar. Das wäre auch für eine „modernisierte, verwestlichte“ Moschee nicht anders. Eine solche Religion, ein solcher „Gott“ ist keine Konkurrenz.

Aber wenn die Menschen tatsächlich glauben und ihre Religion tatsächlich für wahr halten, dann steht die Religion über dem Staat und die Loyalität der Gläubigen gilt in erster Linie der Wahrheit, und eben nicht dem „toleranten“, „modernen“ Staat.

Der Islam ist heute das beste Beispiel für diesen Effekt. In Westeuropa ist er auf dem Vormarsch. Er wird von einigen wenigen Konservativen und Traditionalisten aus ehrenwerten, durchaus zutreffenden theologischen Gründen angegriffen. Meist ist Islamkritik jedoch Lob für die „Errungenschaften der modernen Gesellschaft“, darunter besonders Feminismus, religiöser Indifferentismus, Individualismus, Atheismus und Säkularisierung. Diese sollen gegen den Islam verteidigt werden. Für viele Islamkritiker ist das die westliche Kultur, die sie schützen wollen. Und so ist es. Das ist heute die reale „westliche Kultur“.

Man müsste diese „westliche Kultur“ allerdings auch gegen das Christentum verteidigen.

Wenn dieses nicht weithin in Ehrfurcht vor den Götzen der Moderne zur Salzsäule erstarrt wäre.

Ein Kardinalproblem der Soziallehre…

… ist, dass der inoffizielle Soziallehrer der DBK, Kardinal Marx, sie verschweigt. Seine Äußerungen muten, wie bereits vorher auf diesem Blog bemerkt, nicht immer allzu christlich an. Zu kritisieren ist nicht, dass seine Worte falsch seien, sondern dass sie die wesentlichen Fragen aussparen und selbst in den angesprochenen Themengebieten den Weg des geringsten Widerstandes gehen. Die Worte des Kardinals, wie sie in diesen beiden Artikeln zitiert werden, sind, so sie denn in den gebotenen Kontext eingeflochten würden, nicht einmal notwendigerweise falsch. Sie sind nicht unbedingt falsch; für sich betrachtet sind sie sogar weitgehend richtig. Aber wer will etwa aus folgenden Worten etwas spezifisch Christliches herauslesen? (Einige Anmerkungen zu einzelnen Punkten von Catocon in roter Schrift, so rot wie die Kleidung eines Kardinals oder die Flagge eines marxistischen Landes:)

Kardinal Marx [erinnerte] daran, dass auch im Vertrag über die Europäische Union die Soziale Marktwirtschaft als ausdrückliches Ziel genannt werde. (Das mag sein. Was ist „soziale Marktwirtschaft“? Tritt der Kardinal mit politisch-gesellschaftlichen Forderungen auf, so wären präzise Definitionen und ein Bezug auf die katholische Soziallehre angemessener als der typisch politische Appell, die EU habe dies oder jenes so gewollt.) Eine solche Marktwirtschaft setze Rahmenbedingungen voraus wie Rechtsstaatlichkeit (Sicher richtig), allgemeiner Zugang zu Kultur („Zugang zu Kultur“? Soll das heißen, dass jeder ins Theater gehen kann? Wodurch – abgesehen von marktwirtschaftlichen Faktoren wie dem Preis – wird dieser „Zugang zu Kultur“ denn beschränkt?) oder Bildung (Das ist nicht richtig. Allgemeiner Zugang zu Bildung ist weder eine Voraussetzung für eine Marktwirtschaft – es kann jederzeit eine Marktwirtschaft geben, die in keiner Form allen den Schulbesuch ermöglicht, noch die Voraussetzung einer guten oder gerechten Gesellschaft. Zumindest hat die Kirche sich nie dem allgemeinen Gesellschaftsbild der heutigen Zeit angeschlossen, das staatliche Bildungszertifikate – wohlunterschieden von tatsächlicher Bildung – irgendeine besondere Relevanz für die Gerechtigkeit einer Gesellschaftsordnung haben. Zugang zu Bildung, d.h. zu echter Bildung, mag eine gewisse Bedeutung für eine gerechte Gesellschaft haben, doch das allgemeine Bildungsverständnis der heutigen Zeit, das vom Kardinal mit keinem Wort kritisiert wird, ist ausschließlich Berufsvorbereitung, und da braucht jeder eben nur Zugang zu den Berufsvorbereitungen, die er später auch braucht. Der Bauer braucht nach dieser vom Kardinal implizit geteilten und nie kritisierten Bildungsvorstellung eben kein Abitur.)

Nachdem sich in den vergangenen 20 Jahren eine Verschiebung zugunsten des Kapitals vollzogen und sich seit der Wende von 1989/90 „ein gewisser Kasino-Kapitalismus“ durchgesetzt habe, gelte es, nun wieder verstärkt „die Würde der Arbeit und die Würde des Menschen in den Mittelpunkt zu stellen“.  (Und worin besteht die Würde der Arbeit? Worin besteht die Würde des Menschen? Und jetzt bitte nicht das übliche „Mehr Lohn für weniger Arbeit“ oder so. Auch härteste körperliche Arbeit kann würdig sein, nämlich dann, wenn sie einem würdigen und menschengemäßgen Zweck dient. Und leichte Bürotätigkeiten können aus demselben Grund vollkommen unwürdig sein. Würdige und unwürdige Arbeit kann es sowohl im Kapitalismus als auch in allen anderen Wirtschaftssystemen geben, wobei sich die Frage stellt, was der Kardinal gern an die Stelle des arg gescholtenen Kapitalismus setzen würde.

Eine weitere Frage: Wer soll denn bestimmen, was nun „in den Mittelpunkt gestellt“ wird? Sind wir inzwischen wieder bei der Kommandowirtschaft angekommen?)

Dazu gehöre, durch Bildung jedem „die Möglichkeit zu geben, das in die Gesellschaft einzubringen, was in ihm steckt“. (Wenn der Kardinal damit sagen möchte, dass es eben unterschiedliche Fähigkeiten gibt, und daher Schluss mit der Gleichmacherei im Bildungssystem, mit dem sozialistischen Einheitsschulmodell, gemacht werden soll, dann hätte er Recht. Wenn er damit, was ebenfalls oft hinter dieser Floskel steckt, meint, dass es höhere Bildung für alle geben sollte, dann irrt der Kardinal. Nicht alle Menschen besitzen die für eine sinnvolle höhere Bildung notwendigen geistigen Fähigkeiten, und diesen Menschen das Gefühl zu vermitteln, sie müssten diesen oder jenen Abschluss machen, wird ihnen nicht helfen, selbst wenn sie dadurch vielleicht etwas mehr Geld verdienen.) Hierbei sei „gerade auf die zu achten, die schwach sind“. Daneben forderte Kardinal Marx, dass „Familienzeit und Arbeit in ein besseres Verhältnis“ gebracht werden. (Und dieses Verhältnis soll worin bitte bestehen? Wenn der Kardinal fordern möchte, dass die unselige Trennung der Mütter von ihren Kindern rückgängig gemacht werden sollte, dann könnte er das sagen. Er wäre auf dem richtigen Weg. Will er damit das übliche CDU-Lied von der besseren „Vereinbarkeit“ von Familie und Beruf singen, dann wäre es für alle Beteiligten vielleicht besser, er enthielte sich einer Äußerung.) „Erwerbsarbeit als die einzige Arbeit zu betrachten, ist eine Überziehung“ (Kardinal Marx betrachtet sie nicht als die „einzige“ Arbeit; ebenso wenig wie Frau von der Leyen, von dessen Politik der Kardinal seine Inspiration zu beziehen scheint. Schade. Dabei gibt es so schöne Sozialenzykliken von Leo XIII. über Pius XI. bis zu Benedikt XVI.), so Marx. Die Pflege Angehöriger oder die Erziehung müsse daher auch stärker bei der Rente berücksichtigt werden. (Sicher eine gute Idee. Sollte man vielleicht der Bundesregierung mal sagen. Der Kardinal gäbe einen ganz guten Landes- oder Bundespolitiker von CDU oder CSU ab.)

Mit Bezug auf den wachsenden Anteil prekärer Arbeitsverhältnisse warnte Marx vor einer „Spaltung des Arbeitsmarkts in feste Arbeitsverhältnisse und unsichere Beschäftigungen“. (Es hat immer derartige Diskrepanzen gegeben, und es wird sie immer geben. Eine solche Spaltung ist nicht neu.) Aus sozialethischer Sicht müssten durch sichere Arbeitsverhältnisse Lebensperspektiven, zum Beispiel für die Gründung einer Familie, eröffnet werden. (Das Problem ist jedoch, dass in Wirklichkeit – im Gegensatz zu der Ideologie des Namensvetters Seiner Eminenz – das Sein nicht das Bewusstsein bestimmt, sondern das Gegenteil viel näher an der Wahrheit liegt. Es ist nicht der Fall, dass man bloß sichere Beschäftigungsverhältnisse bräuchte, und dadurch erst der Weg zu einer Familiengründung offen stünde. Es ist nämlich gar keine Unsicherheit hinsichtlich existenzieller Faktoren, die die Menschen von der Familiengründung abhält. Jeder Deutsche hat eine garantierte Existenzsicherung auf einem sowohl im globalen als auch im historischen Vergleich immens hohen Niveau. Familiengründung findet nicht statt, weil das inhaltliche, ideenbezogene Fundament dafür fehlt. Die Vorstellung von einem guten Leben ist heute bei den meisten Menschen anders als zu Zeiten, als sich Bischöfe noch trauten, über die Soziallehre und den Glauben der Kirche zu sprechen, ohne sie an den Zeitgeist anzupassen. Eine Familie zu gründen ist heute ein Luxusgut, das in der Priorität weit nach dem jährlichen Urlaub, der „Selbstverwirklichung“ beider Ehepartner in einer meist abhängigen Erwerbsarbeit für irgendeine gesichtslose private oder staatliche Bürokratie und dergleichen mehr kommt. Kinder sind eine Option unter vielen – nicht zuletzt auch, weil heute allgemein anerkannt ist, dass der Mensch entscheidet, wann der Sexualakt fruchtbar sein darf und wann nicht, und eben diese Entscheidung nicht mehr Gott überlassen wird, wie die Kirche lehrt, und Kardinal Marx freundlicherweise unerwähnt lässt, damit seine Popularität in den liberal-bürgerlichen Kreisen, in denen er scheinbar anzukommen wünscht, nicht sinkt.)

Schließlich plädierte Kardinal Marx für eine Stärkung des Sonntagsschutzes. (Gute Idee. Es könnte damit anfangen, dass in der Diözese des Kardinals an jedem Sonntag Messfeiern wieder Priorität haben und die unseligen „Wort-Gottes-Selbstaustobungsarbeitskreise“ an Sonntagen wegfallen. Der Sonntag kann nur geschützt werden, wenn der Zweck des Sonntags klar und unverschämt verkündet wird. Nicht irgendein diffuses „ach wir müssen uns ausruhen, weil Arbeit nicht alles ist“, sondern Dienst am Herrn. Der Sonntag ist der Tag, der für den Herrn beiseite gelegt wird, an dem alle weltliche, knechtliche Arbeit ruhen soll, um ganz für den Herrn bereit zu stehen. Das wäre echter Sonntagsschutz. Sonst könnte man auch am Montag ruhen.) „Die Arbeit soll den Menschen nicht beherrschen“, unterstrich Marx. Der Sonntag müsse ein „sichtbares Symbol“ bleiben dafür, „dass Arbeit und Alltag nicht alles sind“. (Ein „sichtbares Symbol“ soll der Sonntag also sein, dass Alltag und Arbeit nicht alles sind. Nun, das ist richtig. Aber es ist einfach nur die säkularisierte Version einer christlichen Idee.)

Der ganze Artikel könnte, von vorn bis hinten, auch von einem Atheisten berichten, der für die soziale Besserstellung der Benachteiligten kämpft. Hätte dies der Vorsitzende irgendeiner humanistisch-atheistischen Stiftung gesagt, so sollten wir ihm ein Lob dafür aussprechen. Doch diese völlig säkularisierten Worte stammen von einem Kardinal der Kirche Christi, der katholischen Kirche.

Und zwar von einem Kardinal, der von unserem Heiligen Vater ins Kardinalskollegium berufen worden ist, und damit den nächsten Papst mitwählen wird.

Wird Kardinal Schönborn, oder jemand, der so denkt wie er, vielleicht doch Papst Paul VII.?

Angesichts solch säkularisierter Haltungen, wie Kardinal Marx sie verkündet, schämt sich Martin Luther in seinem Grab gerade, weil er viel zu katholisch für Teile der heutigen deutschen Kirchenhierarchie wäre. Luther – ein konterrevolutionärer Katholik. Es kommt nur darauf an, mit wem man ihn vergleicht.

Bei den Worten des Kardinals von „Protestantisierung“ der Kirche zu sprechen, ist ein Schlag ins Gesicht jedes ehrlichen und ehrenhaften Protestanten.

Der Trugschluss der Islamkritiker

Anlässlich der nun schon ein paar Wochen zurückliegenden Attentage in Norwegen möchte ich in dem folgenden Essay kurz einige Gedanken zur sogenannten „Islamisierung“ Europas zusammentragen.

Gern wird nun von interessierter Seite behauptet, Breivik sei ein „christlicher Fundamentalist“ gewesen, und manche gehen sogar so weit zu behaupten, Breiviks Taten zeigten, wie gefährlich traditionsverbundene Gruppen in der katholischen Kirche seien, obwohl Breivik nicht einmal Katholik war. (Matthias Matussek nimmt zu dieser absurden These hier Stellung.)

Die Instrumentalisierung der Akte von Einzeltätern, durch die unliebsame politische Bewegungen als Ganze diskreditiert werden sollen, ist aus meiner Sicht grundsätzlich abzulehnen, es sei denn es gibt wirklich zwingende Beweise für einen Ursachenzusammenhang. Viele Islamkritiker behaupten, solche Beweise gebe es für den Zusammenhang zwischen Islam und Terrorismus. Wie dem auch sei, für den Zusammenhang zwischen traditionellem Christentum und Terrorismus gibt es praktisch keine Beweise. Selbst Breiviks Taten können dazu nicht dienen, da er von sich selbst gar nicht behauptete, ein gläubiger Christ zu sein – eingestandenermaßen benutzte er das Christentum nur, um seine anti-islamischen Ideen mit einer kulturellen Unterfütterung zu versehen.

Doch ich habe bislang zu den Attentaten geschwiegen, und werde auch jetzt den Streit über die Ursachen anderen überlassen. Ich möchte vielmehr an dieser Stelle eine Unterscheidung kenntlich machen, die in der öffentlichen Debatte generell untergeht. Es geht mir grob gesagt um die Unterscheidung von „kulturellen“ und „religiösen“ Christen, die Breivik in seinem Manifest selbst trifft, und in der er sich den „kulturellen“ Christen zuordnet. Es gibt einige, in Europa derzeit aufstrebende, Parteien und Gruppen, die den Islam als gefährlich ablehnen und die Einwanderung von Moslems stoppen oder gar umkehren wollen. Aufgrund der höheren Geburtenraten der Moslems, so geht das Argument, drohe ohnehin schon eine schleichende Islamisierung der Gesellschaft. Generell läuft das Argument darauf hinaus, dass wir die westliche Kultur schützen müssen. Doch warum ist aus dieser Sicht die „westliche Kultur“ so bedeutsam? Nun, betrachtet man die gesellschaftlichen Positionen dieser Islamgegner, so findet man, dass sie im Wesentlichen gescheiterte 68er sind. Sarrazin ist ein SPD-Politiker, und seine Lösungsvorschläge in „Deutschland schafft sich ab“ beinhalten die üblichen Forderungen nach mehr Staat, früherer staatlicher Kontrolle über den Nachwuchs usw. Ähnliches gilt für Geert Wilders in Holland und generell für eine Strömung der Islamkritiker. Sie stören sich am Vormarsch des Islam hauptsächlich, weil er die „Errungenschaften“ der westlichen Kultur gefährdet. Und diese Errungenschaften sind oft: Freie Abtreibung, Homo-Ehe, sogenannte Frauenemanzipation, religiöser Indifferentismus usw. Sie sind „kulturelle“ Christen, weil sie im Christentum ein nützliches Symbol für den geeinten Kampf der Europäer gegen den Islam und seine Förderer in Europa sehen.

Diese Islamkritiker nehmen die „Fortschritte“ der letzten 50 Jahre als gut und richtig hin, erkennen aber, dass diese Fortschritte durch die multikulturelle Gesellschaft bedroht werden könnten, sobald religiös und gesellschaftspolitisch konservative Moslems durch zunehmenden Bevölkerungsanteil Einfluss auf Wahlen gewinnen. Außerdem argumentieren sie oft wirtschaftspolitisch, d.h. gegen Zuwanderung „in die Sozialsysteme“, um diese „Sozialsysteme“ vor dem Zusammenbruch zu schützen, sie zu bewahren. Es handelt sich um gesellschaftspolitisch zumindest gemäßigt progressive Anhänger eines umfassenden Wohlfahrtsstaates, für die die strikte Form der Trennung von Kirche und Staat (wie in der kemalistischen Türkei oder in Frankreich) das Ziel ist. Klingt nicht gerade nach traditionalistischen Katholiken, oder?

Und damit komme ich zu der zweiten Gruppe unter den Islamkritikern: Religiöse Konservative lehnen den Islam oft mit an der Oberfläche ähnlichen Beweggründen ab. Auch sie sind gegen Masseneinwanderung aus islamischen Ländern, für die Bewahrung der „jüdisch-christlichen Kultur“. Doch haben sie oft ganz andere Motivationen. In der Regel handelt es sich um entschlossene Gegner der modernen Wohlfahrtsstaaten, der angeblichen Fortschritte der letzten 50 Jahre im gesellschaftlichen Bereich usw.

Sie erkennen das Hauptproblem nicht so sehr in der Einwanderung von Moslems (selbst wenn sie diese oft auch beschränken möchten), sondern in dem gesellschaftlichen Kollaps im Westen, genau in dem Säkularismus, mit dem die erste Gruppe der Islamkritiker (z.B. Wilders) kooperieren will.

Die Unterscheidung lässt sich vielleicht in kurzen Worten so zusammenfassen: Die einen Islamkritiker sehen den „modernen Westen“ durch „rückschrittliche“ islamische Traditionalisten bedroht, und wollen daher eine Allianz zwischen Säkularisten und Christen unter dem Banner eines „kulturellen“ Christentums schaffen, mit der sich dann der islamische Einfluss auf Europa reduzieren ließe. Die anderen Islamkritiker sehen den „traditionellen Westen“ durch „fortschrittliche“ Säkularisten bedroht, und verweigern daher eine Allianz zwischen Säkularisten und Christen. Stattdessen stehen sie für eine Wiedergeburt eines authentischen, religiösen Christentums, das dann als Nebeneffekt auch das Problem der „Islamisierung“ lösen würde – denn religiöse Christen würden sicher nicht (wie „kulturelle“ Christen) 1,4 Kinder pro Frau zeugen und dadurch die demographische Entwicklung der Islamisierung erst plausibel erscheinen lassen.

Auf der einen Seite des Lagers der Islamkritiker stehen also säkularisierte, „kulturelle“ Christen an der Seite „säkularisierter“ Moslems (wie Ayaan Hirsi Ali) und überzeugter Atheisten, die den modernen Westen vor der Welle der Moslems schützen wollen (und daher die Multikulturalisten als Hauptfeind sehen, die in dieser Ideologie nur als Verräter erscheinen können, da sie ja die „Schleusentore“ geöffnet haben, durch die die Moslems jetzt ins Land kommen können) – doch eine traditionelle christliche Gesellschaft würden sie als abscheulich sehen, und würden sie fast ebenso entschlossen bekämpfen, wie eine traditionelle islamische Gesellschaft.

Viele dieser Islamkritiker befürworten einige „traditionalistische“ Positionen aus pragmatischen Erwägungen heraus – möglicherweise lehnen einige von ihnen die Abtreibung ab, um dadurch das Volk nicht noch zahlenmäßig weiter zu schwächen, oder befürworten die katholische Hierarchie, um sich ihrer Symbole und Traditionen als Identifikationsmerkmal und kulturellen Einigungsfaktor bedienen zu können. Aber sie vertreten diese „traditionellen“ Positionen nicht, weil sie sie wirklich für wahr halten, sondern weil sie nützlich sind. Damit unterscheiden sie sich von den Traditionalisten ganz erheblich. Abtreibung ist moralisch verwerflich, ja. Aber nicht, weil sie das demographische Problem verstärkt, sondern weil sie die Tötung unschuldigen Menschenlebens bedeutet – also aus demselben Grund, aus dem Breiviks Attentat auf das Jugendlager verwerflich war. Die katholische Hierarchie ist gut, und wir sollten reformkatholischen Angriffen auf sie widerstehen, ja. Aber nicht, weil sie sich als kulturelle Identifikationsfigur oder Basis für einen anti-islamischen Kreuzzug nutzen ließen, sondern weil sie von unserem Erlöser Jesus Christus eingerichtet worden ist, um die Seelen zum Heil zu führen.

Selbst wenn die oberflächlichen Ziele also ähnlich zu sein scheinen, die dahinter stehende Motivation traditioneller, religiöser Islamkritiker ist nicht vergleichbar mit derjenigen ihrer säkularisierten, „kulturchristlichen“ Brüder.

Breivik gehört nun eindeutig zu den säkularisierten Islamkritikern. Traditionalistische oder fundamentalistische Christen wären nicht Mitglied bei den Freimaurern, sie glaubten wirklich an Gott und an die Gottessohnschaft, Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi usw. Wenn es also überhaupt einen Zusammenhang zwischen Attentat und Islamkritikern gibt, dann  wäre dieser eben nicht bei den religiösen Traditionalisten, sondern bei den Säkularisten zu suchen.

Ich bin allerdings davon überzeugt, dass man selbst hier keinen allzu engen Zusammenhang konstruieren kann. Dass Breivik Islamkritiker beider Denkrichtungen zitiert, kann nicht als relevant gewertet werden. Er zitiert auch Angela Merkel. Ist diese jetzt Mitschuld an den Attentaten? Schon der Gedanke ist lächerlich. Und nirgendwo haben Wildern, Broder, Sarrazin und andere Islamkritiker zu Gewalt und Terror aufgerufen. (Im Gegenteil: Wilders hat von solchen Drohungen und Aufrufen abgesehen, obwohl gegen ihn seit Jahren regelmäßig Morddrohungen eingehen und er deshalb unter Polizeischutz leben muss). Wilders, Sarrazin und andere säkularisierte Islamkritiker sind nicht als „geistige Brandstifter“ zu werten, da sie keine Brände gelegt haben, und auch nicht zum Legen von Bränden aufrufen. In ihren Schriften und Worten findet sich nichts, was man auch nur ernsthaft in diese Richtung interpretieren könnte. Ich werfe ihnen keine Mitschuld vor, und es ist ungerecht es zu tun.

Trotzdem haben sie nicht Recht. Das Problem ist nicht der Islam und nicht die Islamisierung. Wenn man sich ernsthaft mit dem Islamismus beschäftigt, so stellt man fest, dass er ein relativ junges Phänomen ist. Er ist im Wesentlichen als Antwort auf die Verwestlichung islamischer Staaten entstanden (und hat diese ziemlich erfolgreich zurückdrängen können, etwa im Iran, was auch immer man über die verwerflichen Methoden sagen mag).

Das Problem ist auch nicht in erster Linie der Multikulturalismus oder die Masseneinwanderung. Sie sind beide die Folge anderer Entwicklungen. Das Problem sind nicht die vielen Moslems, sondern die wenigen Christen. Wenn wir wirklich die westliche Kultur verteidigen oder wiederherstellen wollen, dann müssen wir zunächst zwei wichtige Fragen beantworten:

(1) Was genau ist die „westliche Kultur“ die wir erhalten wollen? Ist es der religiös indifferente Sumpf der Dekadenz und des Libertinismus der letzten 50 Jahre? Oder ist es der traditionelle christliche Glaube mitsamt seiner Sittenlehre?

(2) Im Anschluss daran: Worin bestehen die Ursachen der heutigen Krise.

Ich persönlich sehe nichts Erhaltenswertes in dem dekadenten Sumpf, der sich in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr des Westens bemächtigt hat. Und ich glaube nicht, dass die Ursachen der Krise bei den Moslems oder im Multikulturalismus zu suchen sind. Es ist eine Tatsache: Derzeit ist der Westen ohne massive Zuwanderung überhaupt nicht überlebensfähig – denn die übersättigten Wohlstandskinder sind zu sehr auf ihre persönliche Selbstverwirklichung und Triebbefriedigung ausgerichtet, um überhaupt fähig zu Familien mit mehreren Kindern zu sein. Und selbst die wenigen Kinder, die die Europäer noch haben, lernen in Schulen praktisch nichts, wachsen immer seltener bei ihren beiden leiblichen Elternteilen auf (und selbst wenn, sehen sie sie nur spät abends), bekommen keine religiösen und moralischen Überzeugungen mehr vermittelt, haben deshalb in einer immer früher über sie hereinbrechenden, dekadenten, moralfreien Massenkultur kaum eine Chance zu anständigen Menschen heranzuwachsen, und selbst wenn es ihnen gelingt, die schlimmsten Perversionen von sich fernzuhalten, werden sie niemals die Schätze authentischer westlicher Kultur kennenlernen, da man sie ihnen vorenthält. Für sich genommen ist der Westen nicht überlebensfähig. Er ist abhängig von Einwanderern, bei allen Problemen, die das mit sich bringt. Sie sind seine einzige Hoffnung, solange der Westen nicht den Irrtum seiner modernistischen Wege einsieht.

Mutter Teresa hat einmal gesagt (ich paraphrasiere): Wenn eine Mutter ihr eigenes Kind töten kann, was kann man dann an einer Zivilisation noch retten? Und die implizierte Antwort war natürlich: Nichts. Recht hat sie.

Wenn die derzeitigen Tendenzen in der Gesellschaft sich wie erwartet fortsetzen, werden wir irgendwann eine Situation erreichen, in der der verbliebene „einheimische“ Bevölkerungskern einer großen ethnisch diversen Minderheit mit sehr vielen Moslems gegenübersteht, und ringsherum die Gesellschaft auseinanderfällt. Das ist der ideale Nährboden für einen Volksverführer. Vielleicht werden die einheimischen Wutbürger dann wieder einmal ihre fremden Nachbarn in spezielle Lager ohne Wiederkehr schicken. In diese Richtung driftet der Westen nahezu unaufhaltsam. Er braucht immer mehr Einwanderer, um seine sozialen Einrichtungen und seine Wirtschaft am Laufen zu halten, doch langfristig werden auch die Einwanderer die Europäer nicht retten können, weil Masseneinwanderung ganz andere Probleme mit sich bringt. Irgendwann kommt die große Krise – vielleicht morgen, vielleicht erst in 10 oder 20 Jahren – und dann explodiert das ganze Gebräu der letzten Jahrzehnte.

Dann wird Catocon an der Seite der Einwanderer stehen. Verglichen mit den moralischen Werten und dem größtenteils heidnisch-okkulten Glauben des modernen Westens („Kultur des Todes“) wäre eine islamische Gesellschaft ein Segen. Doch Gott möge verhindern, dass es jemals soweit kommt, denn eine Wiedergeburt des traditionellen Westens wäre bei weitem vorzuziehen.

Dass eine Abwehr der „Islamisierung“ den Triumph des Westens bedeuten würde, statt nur seinen ungehinderten Zusammenbruch, das ist der fatale Trugschluss der Islamkritiker.

Solidarität mit Bischof Overbeck

(Das obige Schutzgebiet-Schild stammt von Laurentius Rhenanius, der auf „Superpelliceum“ bloggt. Die Seite ist einen Besuch wert, wie ich hinzufügen möchte)

Nachdem ich vor einigen Tagen auf diesem Blog die Frage gestellt hatte, wie ernst es Bischof Overbeck mit dem traditionellen Glauben der Kirche nimmt – und mir nicht ganz sicher war – sehen wir nun schon ein wenig klarer. Denn der öffentliche Ton gegen ihn ist inzwischen ziemlich brüst geworden. Wie „Papsttreu im Pott“ berichtet, ist der Bischof für seine verschiedenen Äußerungen zum überlieferten katholischen Glauben in einschlägigen Kreisen heftig in die Kritik geraten. Wer vom heute herrschenden Zeitgeist dermaßen angegriffen wird, dem gebührt unsere volle Solidarität und Unterstützung.

Die Äußerung dieser Worte ist scheinbar sein aktuelles Verbrechen gegen die rigiden, veralteten Dogmen der provinziellen Politischen Korrektheit:

Praktizierte Homosexualität ist objektiv sündhaft, auch wenn homosexuellen Menschen mit Achtung zu begegnen ist.

Was ist bitte dagegen einzuwenden? Es ist nichts als die objektive Lehre der Kirche, vorgetragen mit allem gebührenden Respekt – er betont explizit die Achtung, die man auch vor Menschen mit objektiv fehlgeordneten Sexualneigungen haben soll. Schließlich beurteilen wir in der Kirche – anders als in Teilen der Homosexuellenszene – Menschen nicht nach ihrer Sexualität. Alle Menschen haben Achtung ihrer Würde verdient. Dennoch gibt es Verhaltensweisen, die nicht moralisch richtig sind, sondern sündhaft.

Wer anderer Meinung ist, kann ihn ja kritisieren – so möchte man denken. Doch die Fähigkeit zu reifer, sachlicher Kritik geht dem heutigen Menschen ab (wo soll sie auch herkommen, wuchs der heutige Mensch doch in einer Ruine von einem Bildungssystem inmitten familiären Zusammenbruchs auf).
Einige Beispiele für die maßvolle Kritik, wie sie in den Kommentarspalten der Zeitungen wohl üblich zu sein scheint?
„Das ist keine Meinungwas der Herr Bischof da äussert, das ist Diskriminierung und gehört bestraft.“
„OBJEKTIV hat dieser Fussel gar nichts zu sagen, weil Religion nicht von Leuten gemacht wird, die einen Fisch im Arsch haben.“
„die sollen sich mal lieber um ihre pädophilen kümmern und ruhig sein“

(Man beachte die gediegene Orthographie sowie die grammatische Kunstfertigkeit der Kritiker…)

Und diese Art des Respekts vor der Meinungsfreiheit setzt sich sogar bei Politikern fort. So fordert, Papsttreu im Pott zufolge, ein Grüner Bundestagsabgeordneter namens Kai Gehring sogar, Overbeck als Fall für die Antidiskriminierungsstellen zu betrachten. Mit anderen Worten: Kritik am Dogma führt zur Inquisition – und diese Leute halten sich für fortschrittlich? Was haben die geraucht!?

Doch eines steht bereits jetzt fest: Mehr und mehr klären sich die Verhältnisse zwischen Befürwortern und Gegnern des Glaubens. Die Maske der angeblichen staatlichen Neutralität in Glaubensfragen fällt. Wir nähern uns wahrscheinlich einer Periode, in der Menschen, die ihren Glauben in Gänze öffentlich bekennen, nicht nur mit gesellschaftlicher Verachtung gestraft werden (das ist heute schon so), sondern sogar mit strafrechtlichen Konsequenzen zu rechnen haben. In anderen Ländern sind wir in diesem Punkt schon ein Stück weiter. Doch die neue Christenverfolgung kommt auch zu uns nach Deutschland. Wenn man nicht einmal mehr die Lehre der Kirche verkünden kann, ohne dass einem gleich mit rechtlichen Schritten gedroht wird – und von Seiten eines Bundestagsabgeordneten noch dazu! – dann leben wir nicht mehr in einem freiheitlichen und schon gar nicht in einem „religiös neutralen“ Staat. Christen können sich daher warm anziehen.

Zumal die strafrechtliche Verfolgung von den progressistischen Eliten unbequemen politischen und gesellschaftlichen Ideen mehr und mehr zum Standard wird (man vergleiche nur den Fall Wilders in Holland, um nur ein einziges, besonders prominentes Beispiel dafür zu nennen). Dazu ein Zitat des protestantischen US-Präsidenten Ronald Reagan zum Abschluss:

Freedom prospers when religion is vibrant and the rule of law under God is acknowledged.
Ronald Reagan

NACHTRAG: Verweis zum Urheber des Bischof-Overbeck-Schutzgebiet-Schildes hinzugefügt