35 weltliche Argumente gegen Verhütung

Vor einiger Zeit hatte ich die Gelegenheit, mit einer Anhängerin künstlicher Verhütung über dieses Thema auf selten sachliche Weise zu diskutieren. Sie akzeptierte keine religiösen Argumente, und katholisch war sie auch nicht. Aus ihrer Sicht war Abtreibung zwar moralisch falsch, doch Verhütung eine große Errungenschaft. Besonders die „Pille“ schien ihr eine großartige Erfindung zu sein, und trotz aller Sympathie mit der katholischen Moral in anderen Bereichen schien ihr die Haltung der Kirche hier vollkommen rückständig zu sein. Obwohl das Gespräch zuweilen die üblichen Leidenschaften hervorrief, blieb es überraschend sachlich. Da ich der festen Überzeugung bin, dass die katholische Sexualmoral auch in rein weltlicher Hinsicht vollkommen rational ist, versuchte ich ihr die Rationalität dieser Position ohne Bezug auf religiöse Prämissen deutlich zu machen.

Auch die üblichen naturrechtlichen Argumente konnten in dieser Debatte mangels philosophischen Vorwissens der Gesprächspartnerin keine Anwendung finden.

Die folgende Liste ist eine Art Zusammenfassung der von mir vorgebrachten Argumente, die sie zwar nicht zum Umdenken, aber doch zur Nachdenklichkeit veranlasst haben.

Sollten meine Leser noch weitere Argumente gegen künstliche Verhütung kennen, die nicht auf religiösen Prämissen basieren, werde ich sie gern dieser Liste hinzufügen. Ähnliches gilt für weiterführende (nicht-religiös argumentierende) Links zum Thema.

  1. Durch die große Verfügbarkeit der Pille und ihre relativ hohe Zuverlässigkeit bei korrekter Anwendung war abzusehen, dass eine Erwartungshaltung einsetzen würde: Wenn zwei Menschen miteinander Sex haben, wird verhütet, es sei denn man entschließt sich ausnahmsweise ein Kind zu bekommen. Empfängnis wird daher zu einer (selten getroffenen) Entscheidung
  2. Die Verwendung künstlicher Chemikalien zur Regelung natürlicher Körperfunktionen sollte selbst abgesehen von allen anderen Erwägungen mit großer Vorsicht verwendet werden. Ein so tiefer Eingriff in den weiblichen Körper ist eigentlich nur zu verantworten, wenn ein wirklich triftiger Grund dafür besteht. Schwangerschaft ist aber keine Krankheit, also ist die „Pille“ auch keine Medizin
  3. Durch massenhaften Gebrauch hormoneller Verhütungsmittel hat eine signifikante Erhöhung des Anteils weiblicher Hormone in der Umwelt, vor allem im Wasser, stattgefunden. Dies führt unter anderem zur Reduktion männlicher Fruchtbarkeit.
  4. Die Pille hat eine Vielzahl von Nebenwirkungen, die nach langjähriger Erfahrung langsam aber sicher zum Vorschein kommen. Unter anderem reduziert sie nach langer Einnahme die weibliche Fruchtbarkeit dauerhaft
  5. Sie kann eine frühabtreibende Wirkung haben und führt daher, wenn viele Frauen sie verwenden, zu vielen Abtreibungen. Die Dunkelziffer ist unbekannt. Aber allein in Deutschland verhüten mindestens zehn Millionen Frauen. Wenn nur in 1% der Fälle die frühabtreibende Wirkung auftritt, dann sind das immer noch 100000 Frühabtreibungen pro Jahr, die in keiner Statistik auftauchen
  6. Es wird generell angenommen, dass alle Frauen für den Arbeitsmarkt verfügbar sind (schließlich kann die Mutterschaft fast permanent herausgeschoben werden, indem man sich mit Hormonen voll stopft.)
  7. Männer müssen nicht mehr um eine Frau werben, sondern können die „billige schnelle Nummer“ geradezu erwarten.
  8. Aus diesem Grund sinkt der Respekt vor der Würde der Frau
  9. Kinder werden zur Ausnahme, die Gesellschaft verliert ihre Jugendlichkeit und verwandelt sich langsam in ein sterbendes Altersheim.
  10. Da ein Paar jetzt frei entscheiden kann, ob und wann sie ihre Kinder bekommen, wird die „unerwünschte Schwangerschaft“ plötzlich als großes Übel gesehen. Da auch die Pille nicht 100% zuverlässig ist (und oft nicht sachgerecht eingesetzt wird), kommt es immer noch zu vielen „unerwünschten Schwangerschaften“, doch die Mentalität, dass man ja ein Recht darauf hat zu entscheiden, ob und wann man Kinder bekommt, entsteht ein starker gesellschaftlicher Druck zur Legalisierung der Abtreibung.
  11. Da es weniger Kinder gibt, rücken in der nächsten Generation weniger Beitragszahler nach, die aber mehr Rentner und Kranke versorgen müssen. Folglich bricht langfristig das solidarische Renten- und Krankenversicherungssystem zusammen. Privatisierung dieser Systeme und „Abschalten der Alten“ aus wirtschaftlichen Erwägungen (Euthanasie, Sterbehilfe) sind die Folge.
  12. Da es weniger Kinder gibt, werden Familien mit vielen Kindern immer mehr zur Ausnahme. Ein gesellschaftlicher Druck, nur eines oder zwei Kinder zu haben, entsteht. Die Gesellschaft wird allgemein mehr an den Bedürfnissen der Erwachsenen als der (wenigen) Kinder ausgerichtet.
  13. Durch die Abkoppelung von Sexualität und Fortpflanzung entsteht der Eindruck, die beiden hätten nichts miteinander zu tun. Wenn man Sex ohne Kinder haben kann, warum dann nicht auch Kinder ohne Sex? (Künstliche Befruchtung, Designerbabys usw.)
  14. Da ein Paar nur noch ein oder zwei Kinder hat, entsteht ein Druck zur Perfektion. Wenn man nur „eine Chance es hinzubekommen“ hat, neigt der Mensch allgemein zum Perfektionismus. Ein guter Teil des heutigen übertriebenen „Bildungswahns“ im Bürgertum kommt daher. Das eine Kind, der Prinz oder die Prinzessin, müssen toll, perfekt, wunderbar sein.
  15. Aus diesem Grund geht auch das Ansehen behinderter Kinder (Down-Syndrom und dergleichen) wieder zurück. Alle Eltern wünschen sich gesunde Kinder. Wenn man nur eines bekommt, ist halt kein Platz für Behinderte. Und außerdem hat die Gesellschaft sich wie oben erwähnt mehr entsprechend der Bedürfnisse der Erwachsenen ausgerichtet, so dass für solche Kinder kein Platz mehr ist. Sie werden heute meist abgetrieben.
  16. Wird die chemische Manipulation des eigenen Körpers durch hormonelle Verhütung erst einmal selbstverständlich, sinken die Hemmschwellen für andere Eingriffe in den menschlichen Körper. Zunehmend erscheint der menschliche Körper daher als „Nutzware“ und „Biomasse“
  17. Wenn die menschliche Fortpflanzung vom Menschen geregelt wird, leistet dies zumindest unbewusst einer Mentalität Vorschub, derzufolge der Mensch berufen sei, alles zu kontrollieren, das Machbare auch machen zu müssen, wenn es ihm Vorteile zu bringen scheint. Hemmschwellen sinken allgemein.
  18. Da die Pille als „praktisch sicher“ gilt, gehen auch die Hemmschwellen zum beiläufigen Sex mit verschiedenen (oft unbekannten) Partnern zurück. One-Night-Stands und kurzfristige Lebensabschnittspartnerschaften werden so selbstverständlich, dass Ehe und Familie völlig aus dem Blick geraten (man kann ja verhüten, nicht wahr?)
  19. Aus diesem Grund wachsen junge Generationen mit dem Wissen auf, dass Sex nichts Besonderes ist, sondern an jeder Straßenecke zu haben. Wie sollen solchermaßen erzogene Menschen (vor allem Männer) eine langfristige Bindungsfähigkeit und Verlässlichkeit erwerben? Die Folge ist, dass immer mehr Menschen einfach gar nicht ehefähig sind. Sie haben nie gelernt, ihre sexuellen Triebe über längere Zeit zu beherrschen, wie werden sie also reagieren, wenn die attraktive Sekretärin vorbeigeht?
  20. Daher steigen eheliche Untreue, und als Folge Scheidung, vaterlose Kinder und viele andere gesellschaftliche (und oft für die Beteiligten schwere psychische) Probleme drastisch an. Selbst wenn es nicht zur Scheidung kommt, führt dies zu unglücklichen Ehen.
  21. Da die Pille trotz ihrer Reputation als „praktisch sicher“ eben keine völlige Sicherheit bietet, die Menschen aber viel öfter Sex haben als früher, kommt es trotz allem noch zu mehr „ungewollten Schwangerschaften“ als vorher. Wiederum wachsen daher mehr Kinder außerhalb der Ehe auf, und ihnen fehlt mindestens ein Elternteil.
  22. Da es durch die Pille wesentlich mehr Alleinerziehende, Geschiedene, Kinder aus zerbrochenen Familien und allgemein Hilfsbedürftige gibt, steigen Kinderarmut und Verwahrlosung sowie weitere soziale Übel massiv an. Der Ruf nach staatlicher Intervention ertönt. Immer mehr Menschen werden abhängig vom Staat, was die sozialen Kassen stärker belastet, während zugleich aufgrund der geringeren nachwachsenden Einzahlerbasis weniger Geld da ist.
  23. Missbrauch von Kindern steigt an (vor allem im sexuellen Bereich, da der größte Anteil des sexuellen Missbrauchs von beiläufigen Lebensabschnittspartnern der Mütter ausgeht, die die Kinder als Konkurrenz und ungewollte Erinnerung an frühere Partner und potenzielle Rivalen ansehen).
  24. Da die Pille (wie oben mehrfach gezeigt) zur Normalisierung der Abtreibung beiträgt (und Hemmschwellen abbaut, da sie selbst frühabtreibende Wirkungen haben kann), sind ihr auch alle schädlichen Auswirkungen der Abtreibung, inklusive der Millionen kleiner Kinderleichen, teilweise anzukreiden.
  25. Unter der Illusion, dass Fortpflanzung vom Menschen gesteuert werden kann, vergisst der Mensch die natürlichen moralischen Grenzen seines Handelns. Ein Tabubruch führt immer zum Nächsten.
  26. Da man durch die Pille Frauen ermöglicht, ihre persönliche sexuelle Identität von der Rolle der Mutter abzukoppeln, leistet man der sexuellen Verwirrung Vorschub, die heute weit verbreitet ist. Was bedeutet es eine Frau zu sein? (Dasselbe gilt für Männer und ihre Väterrolle) [Anmerkung: Das war natürlich der Sinn der Sache. Darum haben die Feministen die Pille so in den Himmel gehoben. Doch waren die Auswirkungen wirklich so gut?]
  27. Der Frau wird ein wesentliches Argument gegen beiläufigen Sex aus der Hand geschlagen (Wie, du willst keinen Sex? Du magst mich offenbar nicht. Denn daran, dass du einfach keine Kinder willst, kann es ja nicht liegen. Da könntest du ja verhüten!).
  28. Da Sex nicht mehr mit großen Konsequenzen und einer lebenslangen Verantwortung verbunden ist, entsteht eine Erwartungshaltung, früher und immer früher dem Sexualtrieb nachzugehen. Es entsteht daraus ein psychischer Druck an Schulen und anderswo, bereits mit 16, mit 15, mit 14, mit 13 Jahren (und in Zukunft vielleicht noch früher?) Sex zu haben. Ein langsames, unschuldiges Erforschen des eigenen Sexualtriebs, wie viele wohlmeinende „sexuelle Revolutionäre“ erhofft hatten, sieht ganz anders aus.
  29. Aufgrund eines sorgloseren Umgangs mit der Sexualität kommt es zur explosionsartigen Verbreitung von Geschlechtskrankheiten (ein Drittel der sexuell aktiven achtzehnjährigen Mädchen in den USA hatte in ihrem Leben mindestens eine Geschlechtskrankheit!). Leid und Tod sind die Folge. Wo wäre Aids ohne „freie Liebe“ von allem mit jedem? Ganz einfach im Westen praktisch nichtexistent!
  30. Eine Gesellschaft, in der die meisten Frauen über viele Jahre Hormontherapien durchführen, um neues Leben zu verhindern, behandelt die Fruchtbarkeit der Frau exakt genauso wie eine chronische Krankheit. Diese Art Einstellung zu neuem Leben wird sich notwendigerweise auch auf alle anderen Lebensbereiche übertragen. („Kultur des Todes“)
  31. Weniger Kinder heißt immer Bevölkerungsrückgang. Mehr und mehr Einwanderer werden benötigt, um den Lebensabend der vielen Kinderlosen zu finanzieren. Die gewachsene Kultur eines Landes geht in die Brüche.
  32. Durch die Millionen Einwanderer kommt es zu weiteren Rissen im sozialen Gewebe, dem nun, zusätzlich zu allen anderen Problemen, auch noch der ethnisch-nationale Zusammenhalt fehlt (und wenn der fehlt: siehe Balkan)
  33. Kinderarmut führt zur Alterung der Gesellschaft. Ältere Gesellschaften sind weniger produktiv; die meisten technischen Neuerungen kommen von relativ jungen Leuten; dies führt zu weniger Wirtschaftskraft und weniger Wohlstand, was den Teufelskreis des sozialen Zusammenbruchs noch weiter vorantreibt.
  34. Dynamik und Fortschrittsgeist (!) gehen verloren. Am Ende fressen die Auswirkungen der Pille sogar die Träume der Fortschrittsfanatiker!
  35. Die tiefe Verbundenheit von Mann und Frau wird durch die Fixierung aufs Sexuelle in ihrem Wesen herabgesetzt. Sie verliert ihre kosmische, wundervolle, mystische Dimension. Sex ist kein Geheimnis (lat. Mysterium) mehr, sondern normaler Alltag.

Am Ende lässt sich feststellen, dass die Verwendung künstlicher Verhütungsmittel im Allgemeinen schon aus rein weltlichen Motiven heraus abzulehnen ist. Die negativen Folgen sind so immens, dass die Einführung der „Pille“ das gesamtgesellschaftliche Gleichgewicht so sehr durcheinander gebracht hat, dass selbst ein totaler Kollaps nicht mehr ausgeschlossen erscheint. Die Ablehnung künstlicher Verhütungsmittel ist daher ein notwendiger Teil der rein weltlichen Antwort auf die Krise unserer Zeit.

Gift und Gegengift – Über den atheistischen Kommunismus (Teil 1)

Eine der besten und wichtigsten Enzykliken des 20. Jahrhunderts ist aus meiner Sicht „Divini Redemptoris“ von Pius XI. über den atheistischen Kommunismus. Nun mag der eine oder andere Leser denken, seit dem Fall der Mauer 1989 und der Auflösung des sogenannten Eisernen Vorhangs sei der atheistische Kommunismus tot und überhaupt heute kein Problem mehr. Aus zwei Gründen stimmt dies allerdings nicht. Erstens ist das fundamentale Prinzip des Kommunismus in mehr oder minder unveränderter Form auch das fundamentale Prinzip des sogenannten Sozialdemokratismus, welcher nichts ist als der Versuch der Herbeiführung einer klassenlosen Gesellschaft ohne das Mittel einer gewaltsamen Revolution des Proletariats. Und zweitens beruht die sogenannte sexuelle Revolution auf kommunistischen Prinzipien in Reinform. Es führt ein direkter Weg von Marx und Engels über die Frankfurter Schule nach 1968, und von dort in die Parteizentrale der Merkel-CDU und erst recht der anderen Parteien der Bundesrepublik.

Wenn überhaupt, ist der atheistische Kommunismus heute weiter verbreitet als je zuvor. Er kann dies ohne Aufsehen schaffen, weil man ihn nicht mehr als Kommunismus erkennt. Ist Kommunismus nur dann gegeben, wenn jemand die Enteignung der Grundbesitzer fordert und das Privateigentum an den Produktionsmitteln aufheben will? Oder ist es auch Kommunismus, wenn jemand nach dem Ziel der klassenlosen Gesellschaft strebt, ohne diese konkreten Schritte in erster Linie anzustreben? Denn was ist eine „klassenlose“ Gesellschaft? Es ist eine Gesellschaft ohne soziale Hierarchien, ohne Autorität des Höheren über das Niedrigere, in erster Linie eine vaterlose Gesellschaft, wobei ich hier das Wort Vater in seiner größtmöglichen Bedeutungsweite verwende. Eine vaterlose Gesellschaft ist eine Gesellschaft ohne Väter, also ohne Familienväter, ohne starke Priester, die als geistliche Väter für die ihnen anvertrauten Seelen handeln, und ganz besonders eine Gesellschaft, deren Mitglieder sich nicht der gerechten Herrschaft und Autorität des himmlischen Vaters unterstellt sehen wollen.

Eine klassenlose Gesellschaft ist immer auch eine vaterlose Gesellschaft, weil die Existenz von Vätern bereits eine soziale Hierarchie bedeutet, indem Väter von Müttern und anderen Nicht-Vätern unterschieden (lat. discriminare = unterscheiden) werden, und wie im 20. Jahrhundert eine Anzahl marxistischer Denker im Umfeld der psychoanalytischen Ideologie und der Frankfurter Schule erkannt haben, ist die vaterlose Gesellschaft die notwendige Voraussetzung für die Schaffung einer klassenlosen Gesellschaft. Der Arbeiter, so sagten die Kommunisten früher, habe kein Vaterland, doch als der 1. Weltkrieg ausbrach, da hatte er plötzlich doch ein Vaterland, nämlich das Land seines Vaters. Die „Internationale“ war ihm egal. So schloss man messerscharf: Solange der Arbeiter an Gott-Vater, am Heiligen Vater, an seinem biologischen Vater (sprich: an seiner Familie) und am Land seiner Väter hing, würde er dies alles der klassenlosen Gesellschaft des kommunistischen Ameisenhaufens vorziehen. Also musste das alles radikal weg, bevor der Weg in die klassenlose Gesellschaft frei war.

Die Gefahr des atheistischen Kommunismus ist heute nicht mehr so sehr ein gesellschaftlicher Umsturz in Form einer gewaltsamen Revolution. Es ist vielmehr, dass viele der wesentlichen Ziele des Kommunismus, teils in abgewandelter Form, heute unhinterfragbarer gesellschaftlicher Mainstream ist. Ob in der Familie, in der Bildungspolitik, in Steuerfragen, in der faktischen Allzuständigkeit des „demokratischen“ Staates, in der ausschließlichen Fixierung auf bloß materielle Umstände, und ganz besonders und in höchstem Maße in der  in allen westlichen Gesellschaftennahezu universellen Gottvergessenheit – überall sind die einzig akzeptablen Alternativpositionen heute die des gemäßigten und des radikalen Sozialismus. Sollen die Kinder sofort dem Staat übertragen werden, oder soll dies vorerst noch in den ersten Lebensjahren den Eltern freigestellt werden? Ist es gerade noch als Auslaufmodell akzeptabel, wenn eine Mutter sich um ihre Kinder kümmert und Hausfrau ist, oder ist das Verrat an der Gesellschaft, die so-und-soviel Euro in ihre Bildung investiert hat? Ist man offen atheistisch, oder hält man irrational an einem sentimentalen Gottglauben fest, dem man natürlich keine praktische Relevanz für sein Leben einräumt? Darf man private und kirchliche Schulen noch tolerieren, sofern sie sich dem staatlichen Schuldiktat unterwerfen, oder gehören alle Schulen und Universitäten in die Hand der Ersatzgottheit Staat? Ist alles bloß beliebig vom Menschen manipulierbare Materie, oder gibt es bestimmte Dinge, bei denen man noch ein wenig vorsichtig sein muss, weil vielleicht Gefahren drohen könnten, die die technische Vernunft des Menschen noch nicht zu beherrschen gelernt hat?

Die fundamentale Alternative, die in der klassischen objektiven Vernunft des Menschengeschlechts und in der christlichen Offenbarung inklusive ihrer kirchlichen Überlieferung durch das Lehramt besteht, ist faktisch nicht mehr diskutabel. Selbst kirchliche Würdenträger ignorieren diese Alternative in vielen Fällen zugunsten der gerade am wenigsten radikalen Geschmacksrichtung der sozial-materialistischen Einheitsgesinnung.

Im Angesicht dieser Tatsachen erscheint es mir geboten, ja dringlich, die alte Enzyklika „Divini Redemptoris“ wieder hervorzukramen und sie gründlich zu lesen, da das Lehramt zu den Gefahren des Kommunismus, oder wie man die neue Ideologie auch nennen mag, die wesentliche Elemente des Kommunismus auf überraschende Weise mit einer zumindest in Teilen noch marktlichen Organisationsform der Wirtschaft zu verbinden versteht, seit der Wende um 1990 herum weitgehend geschwiegen hat.

(Fortsetzung folgt…)

Pädophilie: Warum nicht?

Pädophilie ist unbezweifelbar, wie aus jeder christlichen Sittenlehre hervorgeht, ein großes moralisches Übel und muss sowohl moralisch als auch juristisch verurteilt werden. Diese Haltung vertritt der Autor dieses Artikels mit unnachgiebiger Überzeugung. Dennoch lohnt es sich die im Titel angesprochene Frage zu stellen.

Warum nicht?

Die gesamte christliche Sittenlehre ist ein einziges, zusammenhängendes Ganzes. Man kann aus diesem Grund nicht einfach einige Aspekte isolieren, die man dann ignoriert, weil sie nicht mehr modern oder zu anstrengend oder zu schwierig sind. Geschieht dies, besonders als Massenphänomen, so löst sich der ganze Zusammenhang auf. Entfernt man einen Baustein, geht der innere Zusammenhang verloren – und der Turm verliert an Stabilität, immer weiter, bis er irgendwann einstürzt. Genau das ist derzeit mit der christlichen Moral der Fall.

Als die christliche Moral zumindest theoretisch noch gesellschaftlich akzeptiert war, galten homosexuelle Akte als moralisch verwerflich. Dann kamen einige Aktivisten und wollten dies verändern, damit Menschen mit dieser „alternativen Sexualneigung“ nicht mehr unter gesellschaftlicher Missbilligung zu leiden hätten. Inzwischen ist Homosexualität so sehr „normalisiert“ worden, dass die breite Mehrheit der Menschen derartige Akte für normal und selbstverständlich hält, und jegliche Kritik an ihnen in höflicher Gesellschaft inakzeptabel geworden ist. Zunehmend werden Anhänger der christlichen Moral zu diesem Thema in die gesellschaftliche Ecke gedrängt, Toleranz wird zur Einbahnstraße. Schließlich wird dann das Äußern politisch inkorrekter Meinungen unter Strafe gestellt. Der letzte Schritt beginnt bei der Homosexualität gerade erst, doch die ersten Spuren sind schon in England und anderswo zu finden.

Die christliche Moral wird in folgenden Schritten ausgehebelt:

1. Entkriminalisierung: Verhalten X ist natürlich unmoralisch und verwerflich, aber letztlich Privatsache.

2. Duldung: Verhalten X mag für uns unmoralisch sein, aber wir sollten es nicht nur rechtlich, sondern auch im allgemeinen gesellschaftlichen Umgang tolerieren.

3. Neutralität: Verhalten X ist nicht unmoralisch, sondern ein alternativer Lebensstil, den wir respektieren müssen.

4. Gleichstellung: Verhalten X ist genauso legitim wie Verhalten Y, das früher als die einzig richtige Norm galt. Gesetzliche und gesellschaftliche Benachteiligungen sind auszugleichen.

5. Gleichschaltung: Verhalten X ist völlig in Ordnung und gesellschaftlich zu schützen. Zuwiderhandlung wird mit (…) bestraft.

Die Normalisierung der Homosexualität hat die Schritte 1 bis 3 längst durchlaufen. Derzeit sind wir in Deutschland bei Schritt 4, doch die Vorbereitungen für Schritt 5 laufen schon.

Da in der Sittenlehre, wie oben erwähnt, alles mit allem verbunden ist, und dieselben Prinzipien die ganze Lehre durchziehen, bleibt die Auflösung eines Gebots nicht ohne Folgen für andere Gebote. So führt die Akzeptanz von Verhütungsmitteln einerseits, durch die Trennung von Sexualität und Fortpflanzung, zur Akzeptanz von Homosexualität, andererseits, durch den Druck der Ereignisse und ungewollte Schwangerschaften, zuderen Verhinderung das verhütende Paar berechtigt zu sein glaubt, zur Legalisierung und Normalisierung der Abtreibung.

Ebenso führt die Normalisierung der Homosexualität zu weiteren moralischen Zerfallserscheinungen. Das Argument lautet meistens, es sei ja alles mit Einwilligung geschehen, und Sex mit Einwilligung sei niemals falsch – schließlich lieben sie einander ja… Doch dasselbe Argument kann auch zur Normalisierung von Pädophilie benutzt werden – viele 13-jährige Kinder sind, gerade in Zeiten immer früherer Sexualisierung, ohne Weiteres in der Lage, ihre Zustimmung zu einem Sexualakt zu geben. Und wer kann schon genau sagen, wann eine solche Einwilligung wirklich freiwillig ist, und wann nicht? Die hier auftretenden Grauzonen können jederzeit von interessierter Seite genutzt werden.

Dasselbe gilt, in weit stärkerem Maße, für die Polygamie. Alle Partner haben eingewilligt, zu dritt Sex zu haben. Das ist doch völlig in Ordnung, oder? Wenn nicht, warum nicht?

Zudem überlege man sich, ob unter dieser Annahme wirklich das Inzesttabu gehalten werden kann? Wenn Sexualität nur von der Einwilligung abhängt, dann ist Inzest auch in Ordnung. Natürlich besteht ein Gesundheitsrisiko für Nachkommenschaft. Aber erstens kann man verhüten, zweitens abtreiben und selbst wenn man dieses Risiko für zu groß hält: Warum soll nicht der erwachsene Sohn mit seinem Vater eine homosexuelle Beziehung führen? Warum nicht der Sohn mit seiner nicht mehr zeugungsfähigen Mutter? Warum nicht zwei Brüder oder zwei Schwestern? Warum nicht zwei Brüder mit ihrer alten Großmutter? Wenn sie doch wollen? Ist doch freiwillig…

Wenn es wirklich nur um Einwilligung geht, dann sind alle diese Konstellationen denkbar und vollkommen moralisch. Natürlich würde das heute in der Öffentlichkeit noch kein „progressiver“ Aktivist sagen – doch wer hätte vor 50 Jahren gesagt, er sei für die Homo-„Ehe“? So etwas war damals genauso undenkbar wie die Aufhebung des Inzesttabus oder des Pädophilietabus heute.

Natürlich würden heutige „Fortschrittliche“ derartige Absichten jederzeit leugnen – und die meisten von ihnen vermutlich völlig zu Recht. Dennoch besitzt die heutige Position der „Fortschrittlichen“ aller Parteien und Gesellschaftsschichten kein logisches Argument gegen eine zukünftige Generation von Modernisierern, die ebenso an den heute noch akzeptierten Tabus zweifelt, wie die 1968er an den damaligen Tabus.

Und da die interne Logik der Position unaufhaltsam in diese Richtung zeigt, wird es früher oder später dazu kommen. Dann werden die heutigen Fortschrittlichen exakt dasselbe Problem haben, wie ihre Vorfahren in den 1960er Jahren. Diese hatten keine Argumente, warum Verhütung in Ordnung ist, aber ebenso sterile homosexuelle Akte nicht. (Entweder die Abkopplung von Sexualität und Fortpflanzung durch menschliche Kunstfertigkeit ist erlaubt, oder sie ist nicht erlaubt.) Jene werden in Zukunft keine Argumente haben, warum Freiwilligkeit das einzige Kriterium bei sterilen homosexuellen Akten sein soll, aber nicht bei sterilen pädophilen Akten oder bei Inzest unter nicht zeugungsfähigen Personen.

Der verknöcherte Zeigefinger wird den Moralrevolutionären gut stehen. Oder werden sie sich dann der neuen Revolution anschließen und Freie Liebe zwischen Papa und Sohn fordern?

Einigen Lesern mag dies weit hergeholt klingen. Doch zumindest die Normalisierung von Pädophilie befindet sich im Vorreiterland USA sowie in Großbritannien bereits mindestens in Phase 1 (siehe hier und hier). Und was derzeit noch weithin „intolerant“ abgelehnte Akte der Polyamorie (geschlechtsneutrale Form der Polygamie) betrifft, man schaue sich einmal die Lage in den Niederlanden zu diesem Thema an, etwa hier. Und das Inzesttabu? Nun ja, bisher fordert noch niemand öffentlich die Legalisierung von Vater-Sohn-Sexualität. Doch je mehr die Kinder sexualisiert werden, in Schulen, in Medien, in der Gesellschaft allgemein, umso stärker werden auch hier die Hemmschwellen sinken. Das Kind wird ja heute nicht nur selbst sexualisiert, also zu sexuellen Handlungen angestiftet, sondern auch als Sexobjekt kommerziell nutzbar gemacht. (siehe etwa hier oder hier)

Es mag weit hergeholt klingen, doch genauso klang die Homo-„Ehe“ 1960 auch.

Die gefährlichste Frage in der Sittenlehre ist „Warum nicht?“. Denn die meisten Menschen können darauf keine gute Antwort geben, nicht weil es keine gäbe, sondern weil sie sich damit nie beschäftigt haben.

Hinweis: Man lese sich zu diesem Themenkomplex einmal diesen, diesen und diesen Artikel von Mark Shea durch.

„Enthemmte Sexualität“ als Grundrecht?

„Enthemmte und großzügige Sexualität“ sollte als Grundrecht von Jugendlichen behandelt werden, zumindest wenn man den immer offener und expliziter auftretenden Vertretern von Plannes Parenthood glauben mag. Die International Planned Parenthood Federation ist alles in allem für mehr als eine Million Abtreibungen jährlich weltweit verantwortlich und spielt auf der internationalen Bühne eine wichtige Rolle – eine Rolle, die größtenteils aus Steuergeldern finanziert wird.

Jeder Bürger, der Wert auf die Entwicklung seiner Kinder legt, und überhaupt jeder Mensch, der ein wenig Anstand besitzt, sollte sich die Tendenzen dieser Gruppierung, die massive Unterstützung der UNO und fast aller westlicher Regierungen (einschließlich des deutschen Staates) genießt, genau anschauen. Abtreibung ist schon schlimm genug. Doch selbst dies reicht der IPPF und ihren Verbündeten noch nicht. Es geht um die totale Sexualisierung der Kinder und Jugendlichen, so früh wie möglich, so gründlich wie möglich, so total wie möglich.

Dieser Artikel gibt Aufschluss über einige der hier genannten Tendenzen.

Wenn diese Entwicklungen nicht gestoppt werden können, wird die bereits heute verzweifelte Lage christlicher Eltern (und nichtchristlicher Eltern, die trotzdem ihre Kinder nicht immer früher sexualisiert sehen möchten) nicht besser, sondern schlechter werden. Und wieder einmal arbeiten Teile der Kirche kräftig mit, wie etwa dieser Artikel zeigt. Und was schon heute denkbar erscheint, kann man sich zum Beispiel hier und hier. anschauen.

Weitsichtig schrieb schon Papst Pius XI. 1929 in seiner Enzyklika über die christliche Erziehung der Jugend „Divini Illius Magistri“ über die Sexualerziehung:

65 In höchstem Grade gefährlich ist fernerhin jene naturalistische Richtung, die in unsern Tagen in das Gebiet der Erziehung eindringt in einer Frage so zarter Natur, wie es die Sittenreinheit und die Keuschheit ist. Sehr verbreitet ist der Irrtum derer, die in gefährlichem Unterfangen und mit hässlichen Ausdrücken einer sogenannten sexuellen Erziehung das Wort reden, indem sie fälschlich meinen, sie könnten die jungen Leute gegen die Gefahren der Sinnlichkeit durch rein natürliche Mittel schützen, durch eine gefährliche und verfrühte sexuelle Aufklärung für alle ohne Unterschied und sogar in der Öffentlichkeit, und was noch schlimmer ist, indem sie dieselben vorzeitig den Gelegenheiten aussetzen, um durch Gewöhnung, wie sie sagen, den Geist gegen die Gefahren abzuhärten.

66 Sie täuschen sich schwer, da sie die angeborene Schwäche der menschlichen Natur und jenes Gesetz nicht anerkennen wollen, von dem der Apostel sagt, dass es dem Gesetze des Geistes widerstreitet (46), und da sie die Erfahrungstatsachen verkennen, die beweisen, dass gerade bei den Jugendlichen die Verfehlungen gegen die Sittenreinheit nicht so sehr Folge von Nichtwissen sind, als vielmehr der Schwäche eines Willens zuzuschreiben sind, der den Lockungen ausgesetzt ist und der göttlichen Gnadenmittel entbehrt.

Dem ist nichts hinzuzufügen.