Summorum Pontificum

Im Jahr 2007 erließ der Papst ein ganz wichtiges Kirchengesetz, nämlich Summorum Pontificum. Mit diesem „Motu Proprio“ erhielt die traditionelle Messe wieder volles Heimatrecht in der Kirche. Jeder Priester hat das Recht, die liturgischen Traditionen seiner Kirche wieder für sich zu entdecken und die Messe aller Zeiten zu zelebrieren. Bis heute stellen sich die Modernisten mit Macht gegen die Umsetzung von Summorum Pontificum, größtenteils mit Erfolg. Doch es sind rechtliche Fakten geschaffen worden, und ein zukünftiger Papst kann auf diesem wichtigen Fundament aufbauen. Anlässlich der Abdankung des Heiligen Vaters zum Ende des laufenden Monats sei hier dieses wichtige Motu Proprio vollständig und ungekürzt in deutscher Übersetzung präsentiert: (Die lateinische Originalfassung findet sich hinter dem Link. Doch trotz der lateinfreundlichen Ausrichtung dieses Blogs scheint es mir angemessen, hier die deutsche Übersetzung zu zitieren, da den meisten Lesern die Lektüre des lateinischen Originals sicher schwerer fallen dürfte, als die der deutschen Übersetzung…)

_________________________________________________________

Deutsch

Achtung: Inoffizielle vom Vatikan veröffentlichte Übersetzung

Motu Proprio SUMMORUM PONTIFICUM

Die Sorge der Päpste ist es bis zur heutigen Zeit stets gewesen, dass die Kirche Christi der Göttlichen Majestät einen würdigen Kult darbringt, „zum Lob und Ruhm Seines Namens“ und „zum Segen für Seine ganze heilige Kirche“.

Seit unvordenklicher Zeit wie auch in Zukunft gilt es den Grundsatz zu wahren, „demzufolge jede Teilkirche mit der Gesamtkirche nicht nur hinsichtlich der Glaubenslehre und der sakramentalen Zeichen übereinstimmen muss, sondern auch hinsichtlich der universal von der apostolischen und ununterbrochenen Überlieferung empfangenen Gebräuche, die einzuhalten sind, nicht nur Irrtümer zu vermeiden, sondern auch damit der Glaube unversehrt weitergegeben wird; denn das Gesetz des Betens (lex orandi) der Kirche entspricht ihrem Gesetz des Glaubens (lex credendi).“ (1)

Unter den Päpsten, die eine solche gebotene Sorge walten ließen, ragt der Name des heiligen Gregor des Großen heraus; dieser sorgte dafür, dass sowohl der katholische Glaube als auch die Schätze des Kultes und der Kultur, welche die Römer der vorangegangenen Jahrhunderte angesammelt hatten, den jungen Völkern Europas übermittelt wurden.

Er ordnete an, dass die in Rom gefeierte Form der heiligen Liturgie – sowohl des Messopfers als auch des Officium Divinum – festgestellt und bewahrt werde.

Eine außerordentlich große Stütze war sie den Mönchen und auch den Nonnen, die unter der Regel des heiligen Benedikt dienten und überall zugleich mit der Verkündigung des Evangeliums durch ihr Leben auch jenen äußerst heilsamen Satz veranschaulichten, dass „dem Gottesdienst nichts vorzuziehen“ sei (Kap. 43). Auf solche Weise befruchtete die heilige Liturgie nach römischem Brauch nicht nur den Glauben und die Frömmigkeit, sondern auch die Kultur vieler Völker.

Es steht fraglos fest, dass die lateinische Liturgie der Kirche – mit ihren verschiedenen Formen in allen Jahrhunderten der christlichen Zeit – sehr viele Heilige im geistlichen Leben angespornt und so viele Völker in der Tugend der Gottesverehrung gestärkt und deren Frömmigkeit befruchtet hat.

Dass aber die heilige Liturgie diese Aufgabe noch wirksamer erfüllte, darauf haben verschiedene weitere Päpste im Verlauf der Jahrhunderte besondere Sorgfalt verwandt; unter ihnen ragt der heilige Pius V. heraus, der mit großem seelsorglichen Eifer auf Veranlassung des Konzils von Trient den ganzen Kult der Kirche erneuerte, die Herausgabe verbesserter und „nach der Norm der Väter reformierter“ liturgischer Bücher besorgte und sie der lateinischen Kirche zum Gebrauch übergab.

Unter den liturgischen Büchern des römischen Ritus ragt das Römische Messbuch deutlich heraus; es ist in der Stadt Rom entstanden und hat in den nachfolgenden Jahrhunderten schrittweise Formen angenommen, die große Ähnlichkeit haben mit der in den letzten Generationen geltenden.

„Dasselbe Ziel verfolgten die Päpste im Lauf der folgenden Jahrhunderte, indem sie sich um die Erneuerung oder die Festlegung der liturgischen Riten und Bücher bemühten und schließlich am Beginn dieses Jahrhunderts eine allgemeine Reform in Angriff nahmen“. (2) So aber hielten es Unsere Vorgänger Clemens VIII., Urban VIII., der heilige Pius X., (3) Benedikt XV., Pius XII. und der selige Johannes XXIII.

In jüngerer Zeit brachte das Zweite Vatikanische Konzil den Wunsch zum Ausdruck, wonach mit der gebotenen Achtsamkeit und Ehrfurcht gegenüber dem Gottesdienst dieser ein weiteres Mal reformiert und den Erfordernissen unserer Zeit angepasst werden sollte.

Von diesem Wunsch geleitet hat Unser Vorgänger Papst Paul VI. die reformierten und zum Teil erneuerten liturgischen Bücher im Jahr 1970 für die lateinische Kirche approbiert; überall auf der Erde in eine Vielzahl von Volkssprachen übersetzt, wurden sie von den Bischöfen sowie von den Priestern und Gläubigen bereitwillig angenommen.

Johannes Paul II. rekognoszierte die dritte Editio typica des Römischen Messbuchs. So haben die Päpste daran gearbeitet, dass „dieses ‚liturgische Gebäude‘ […] in seiner Würde und Harmonie“ neu erstrahlte. (4)

Andererseits hingen in manchen Gegenden durchaus nicht wenige Gläubige den früheren liturgischen Formen, die ihre Kultur und ihren Geist so grundlegend geprägt hatten, mit derart großer Liebe und Empfindung an und tun dies weiterhin, dass Papst Johannes Paul II., geleitet von der Hirtensorge für diese Gläubigen, im Jahr 1984 mit dem besonderen Indult „Quattuor abhinc annos“, das die Kongregation für den Gottesdienst entworfen hatte, die Möglichkeit zum Gebrauch des Römischen Messbuchs zugestand, das von Johannes XXIII. im Jahr 1962 herausgegeben worden war; im Jahr 1988 forderte Johannes Paul II. indes die Bischöfe mit dem als Motu Proprio erlassenen Apostolischen Schreiben „Ecclesia Dei“ auf, eine solche Möglichkeit weitherzig und großzügig zum Wohl aller Gläubigen, die darum bitten, einzuräumen.

Nachdem die inständigen Bitten dieser Gläubigen schon von Unserem Vorgänger Johannes Paul II. über längere Zeit hin abgewogen und auch von Unseren Vätern Kardinälen in dem am 23. März 2006 abgehaltenen Konsistorium gehört worden sind, nachdem alles reiflich abgewogen worden ist, nach Anrufung des Heiligen Geistes und fest vertrauend auf die Hilfe Gottes, BESCHLIESSEN WIR mit dem vorliegenden Apostolischen Schreiben folgendes:

Art. 1. Das von Paul VI. promulgierte Römische Messbuch ist die ordentliche Ausdrucksform der „Lex orandi“ der katholischen Kirche des lateinischen Ritus. Das vom hl. Pius V. promulgierte und vom sel. Johannes XXIII. neu herausgegebene Römische Messbuch hat hingegen als außerordentliche Ausdrucksform derselben „Lex orandi“ der Kirche zu gelten, und aufgrund seines verehrungswürdigen und alten Gebrauchs soll es sich der gebotenen Ehre erfreuen.

Diese zwei Ausdrucksformen der „Lex orandi“ der Kirche werden aber keineswegs zu einer Spaltung der „Lex credendi“ der Kirche führen; denn sie sind zwei Anwendungsformen des einen Römischen Ritus.

Demgemäß ist es erlaubt, das Messopfer nach der vom sel. Johannes XXIII. promulgierten und niemals abgeschafften Editio typica des Römischen Messbuchs als außerordentliche Form der Liturgie der Kirche zu feiern. Die von den vorangegangenen Dokumenten „Quattuor abhinc annos“ und „Ecclesia Dei“ für den Gebrauch dieses Messbuchs aufgestellten Bedingungen aber werden wie folgt ersetzt:

Art. 2. In Messen, die ohne Volk gefeiert werden, kann jeder katholische Priester des lateinischen Ritus – sei er Weltpriester oder Ordenspriester – entweder das vom seligen Papst Johannes XXIII. im Jahr 1962 herausgegebene Römische Messbuch gebrauchen oder das von Papst Paul VI. im Jahr 1970 promulgierte, und zwar an jedem Tag mit Ausnahme des Triduum Sacrum.

Für eine solche Feier nach dem einen oder dem anderen Messbuch benötigt der Priester keine Erlaubnis, weder vom Apostolischen Stuhl noch von seinem Ordinarius.

Art. 3. Wenn Gemeinschaften der Institute des geweihten Lebens und der Gesellschaften des apostolischen Lebens – seien sie päpstlichen oder diözesanen Rechts – es wünschen, bei der Konvents- bzw. „Kommunitäts“-Messe im eigenen Oratorium die Feier der heiligen Messe nach der Ausgabe des Römischen Messbuchs zu halten, die im Jahr 1962 promulgiert wurde, ist ihnen dies erlaubt.

Wenn eine einzelne Gemeinschaft oder ein ganzes Institut bzw. eine ganze Gesellschaft solche Feiern oft, auf Dauer oder ständig begehen will, ist es Sache der höheren Oberen, nach der Norm des Rechts und gemäß der Gesetze und Partikularstatuten zu entscheiden.

Art. 4. Zu den Feiern der heiligen Messe, von denen oben in Art. 2 gehandelt wurde, können entsprechend dem Recht auch Christgläubige zugelassen werden, die aus eigenem Antrieb darum bitten.

Art. 5 § 1. In Pfarreien, wo eine Gruppe von Gläubigen, die der früheren Liturgie anhängen, dauerhaft existiert, hat der Pfarrer deren Bitten, die heilige Messe nach dem im Jahr 1962 herausgegebenen Römischen Messbuch zu feiern, bereitwillig aufzunehmen. Er selbst hat darauf zu achten, dass das Wohl dieser Gläubigen harmonisch in Einklang gebracht wird mit der ordentlichen Hirtensorge für die Pfarrei, unter der Leitung des Bischofs nach der Norm des Canon 392, wobei Zwietracht zu vermeiden und die Einheit der ganzen Kirche zu fördern ist.

§ 2. Die Feier nach dem Messbuch des sel. Johannes XXIII. kann an den Werktagen stattfinden; an Sonntagen und Festen kann indes ebenfalls eine Feier dieser Art stattfinden.

§ 3. Gläubigen oder Priestern, die darum bitten, hat der Pfarrer auch zu besonderen Gelegenheiten Feiern in dieser außerordentlichen Form zu gestatten, so z. B. bei der Trauung, bei der Begräbnisfeier oder bei situationsbedingten Feiern, wie etwa Wallfahrten.

§ 4. Priester, die das Messbuch des sel. Johannes XXIII. gebrauchen, müssen geeignet und dürfen nicht von Rechts wegen gehindert sein.

§ 5. In Kirchen, die weder Pfarr- noch Konventskirchen sind, ist es Sache des Kirchenrektors, eine Erlaubnis bezüglich des oben Genannten zu erteilen.

Art. 6. In Messen, die nach dem Messbuch des sel. Johannes XXIII. zusammen mit dem Volk gefeiert werden, können die Lesungen auch in der Volkssprache verkündet werden, unter Gebrauch der vom Apostolischen Stuhl rekognoszierten Ausgaben.

Art. 7. Wo irgendeine Gruppe von Laien durch den Pfarrer nicht erhalten sollte, worum sie nach Art. 5 § 1 bittet, hat sie den Diözesanbischof davon in Kenntnis zu setzen. Der Bischof wird nachdrücklich ersucht, ihrem Wunsch zu entsprechen. Wenn er für eine Feier dieser Art nicht sorgen kann, ist die Sache der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“ mitzuteilen.

Art. 8. Ein Bischof, der für Bitten dieser Art seitens der christgläubigen Laien Sorge tragen möchte, aber aus verschiedenen Gründen daran gehindert wird, kann die Sache der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“ berichten, die ihm Rat und Hilfe zu geben hat.

Art 9 § 1. Der Pfarrer kann – nachdem er alles wohl abgewogen hat – auch die Erlaubnis geben, dass bei der Spendung der Sakramente der Taufe, der Ehe, der Buße und der Krankensalbung das ältere Rituale verwendet wird, wenn das Heil der Seelen dies nahe legt.

§ 2. Den Bischöfen ist die Vollmacht gegeben, das Sakrament der Firmung nach dem alten Pontificale Romanum zu feiern, wenn das Heil der Seelen dies nahe legt.

§ 3. Die geweihten Kleriker haben das Recht, auch das Römische Brevier zu gebrauchen, das vom sel. Johannes XXIII. im Jahr 1962 promulgiert wurde.

Art. 10. Der Ortsordinarius hat das Recht, wenn er es für ratsam hält, eine Personalpfarrei nach Norm des Canon 518 für die Feiern nach der älteren Form des römischen Ritus zu errichten oder einen Rektor bzw. Kaplan zu ernennen, entsprechend dem Recht.

Art. 11. Die Päpstliche Kommission „Ecclesia Dei“, die von Johannes Paul II. im Jahr 1988 errichtet wurde (5), fährt fort mit der Erfüllung ihrer Aufgabe. Diese Kommission soll die Form, die Amtsaufgaben und die Handlungsnormen erhalten, mit denen der Papst sie ausstatten will.

Art. 12. Dieselbe Kommission wird über die Vollmachten hinaus, derer sie sich bereits erfreut, die Autorität des Heiligen Stuhls ausüben, indem sie über die Beachtung und Anwendung dieser Anordnungen wacht.

Alles aber, was von Uns durch dieses als Motu Proprio erlassene Apostolische Schreiben beschlossen wurde, ist – so bestimmen Wir – gültig und rechtskräftig und vom 14. September dieses Jahres, dem Fest der Kreuzerhöhung, an zu befolgen, ungeachtet jeder anderen gegenteiligen Anordnung.

Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, am 7. Juli, im Jahr des Herrn 2007, dem dritten Jahr Unseres Pontifikats.

Anmerkungen:
(1) INSTITUTIO GENERALIS MISSALIS ROMANI, EDITIO TERTIA, 2002, Nr. 397. (2) PAPST JOHANNES PAUL II., Apostolisches Schreiben Vicesimus quintus annus vom 4. Dezember 1988, Nr. 3: AAS 81 (1989) 899. (3) Ebd. (4) HL. PAPST PIUS X., Apostolisches Schreiben „Motu Proprio“ Abhinc duos annos vom 23. Oktober 1913: AAS 5 (1913) 449-450; vgl. PAPST JOHANNES PAUL II., Apostolisches Schreiben Vicesimus quintus annus, Nr. 3: AAS 81 (1989) 899. (5) Vgl. PAPST JOHANNES PAUL II., Apostolisches Schreiben „Motu Proprio“ Ecclesia Dei adflicta vom 2. Juli 1988, Nr. 6: AAS 80 (1988) 1498.

Aus dem Hirtenbrief von Bischof Huonder…

… zur Ehe. Anmerkungen in roter Schrift und Hervorhebungen von Catocon, wie immer:

Fragen an die Seelsorger

Nochmals auf die erwähnte Statistik zurückgreifend, müssen wir uns fragen, ob Traupaare genügend in die Ehe und ihren christlichen Gehalt eingeführt werden. Wird ihnen die Tragweite des Versprechens bewusst gemacht? (In der Regel nicht) Werden die Fragen bezüglich der Bereitschaft zur christlichen Ehe ehrlich beantwortet? (Nein.) Ja, wird die liturgische Form der Trauung, die in sich eine wunderbare Ehekatechese ist, überhaupt eingehalten? (Nicht, wenn die Ehepartner nicht darauf bestehen…)

Aus Gesprächen bezüglich Nichtigkeitsverfahren geht nicht selten hervor, das die Unterweisung mangelhaft war (oder gar nicht in wahrnehmbarer Form als solche zu erkennen war), oder dass absichtlich gewisse liturgische Formulierungen ausgeblendet wurden wie etwa „bis der Tod euch scheidet.“ (So etwas ist ja auch unbequem, in einer Zeit, in der Ehebruch nicht nur akzeptabel ist, sondern schon fast erwartet wird…)

Dazu stellen sich noch folgende Fragen: Werden die Traupaare auf ihre geistig-seelische Reife genügend geprüft? (Nein. Es wird grundsätzlich angenommen, dass die durchschnittliche geistig-seelische Reife der Gesellschaft zureichend ist. Und die ist nun einmal auf dem Niveau eines pubertierenden Jugendlichen.) Müsste nicht manche kirchliche Trauung abgesagt oder verschoben werden, weil die notwendigen Voraussetzungen für eine christliche Ehe fehlen? (Ja, und zwar mehr als „manche“, womöglich gar die meisten. Doch das wäre ja „unhöflich“ und nicht modern genug.) Treten Paare wirklich im Glauben an das Sakrament an den Traualtar? (Sakrament? Wollen Sie mich auf den Arm nehmen? Wir leben im 21. Jahrhundert!) Wollen sie den Ehebund wirklich mit Blick auf Christus und auf dem Fundament seiner Lehre eingehen? (Mit Blick auf Christus? Nein, mit Blick auf die Befriedigung der eigenen Wünsche und Triebe, die das einzige sind, das für uns wirklich zählt. Und Christi Lehre? Fundamente sind fundamentalistisch und reaktionär.)

Ein wichtiger, bei kath.net in Gänze lesbarer Hirtenbrief in der Fastenzeit von Bischof Vitus Huonder von Chur, einem der wenigen orthodoxen katholischen Bischöfe der Schweiz. Das Hirtenwort spricht durchweg eine klare Sprache, und dies gilt auch für die enthaltenen Fragen an die Seelsorger, die viele dieser Seelsorger vermutlich ihrem Bischof gar nicht ehrlich beantworten könnten, ohne zugleich ihr Versagen einzugestehen.

Ein beeindruckendes und erschreckendes Testament eines halben Jahrhunderts Dialog- und Partizipationskirche. Frage an die Seelsorger: Wäre es nicht an der Zeit, zur Verkündigung der wahren und klaren Lehre der katholischen Kirche zurückzukehren?

Es bleibt dabei: Katechese statt Dialog. Leitung durch Hirten statt Partizipation durch Schafe.

Und wen kann es noch verwundern, dass Bischof Huonder der erste deutschsprachige Bischof war, der von der in Summorum Pontificum enthaltenen Option der Einrichtung von Personalpfarreien für die Anhänger der traditionellen Messe Gebrauch gemacht hat?

Inkrementalistischer Maximalismus

Einleitung

Der Titel klingt ein bißchen wie eine Mischung aus dem Produkt des Verstandes eines irren Philosophen mit einem Fremdwörterbuch, doch er scheint mir ganz treffend zu sein für die hier zu beschreibende Haltung.

Der folgende Artikel ist aus Anlass eines Kommentars auf diesem Blog entstanden; er ist aber nicht als Antwort auf diesen Artikel geschrieben und schon gar nicht als Kritik gemeint. Der Kommentar hat mich lediglich auf die Idee für diesen Artikel gebracht. Bei dem Artikel handelt es sich vielmehr um eine allgemeine Betrachtung über das Verhältnis von kleinen Fortschritten und dem Streben nach dem großen Ziel, das für den traditionellen Katholiken hinsichtlich der derzeitigen Kirchenkrise wohl nur in einer Rückkehr zur furchtlosen Verkündigung der Glaubenswahrheiten, ihrer entschlossenen Umsetzung im sittlichen Leben, und ihrem ehrfürchtigen und andächtigen Zelebrieren im traditionellen Messopfer bestehen kann.

Inkrementalistischer Maximalismus

Der inkrementalistische Maximalist strebt nach einem festen, unveränderlichen Ziel, das er nie aus den Augen verliert, er strebt nach dem Maximum. Aber zugleich hat er die Tatsache im Auge, dass er auf der Welt Widerständen begegnet, selbst in Kreisen, die eher als Verbündete und Mitstreiter erscheinen müssten, und daher nicht das ganze Ziel auf einmal erreicht. Daher sind ihm Kompromisse zwar zuwider, aber er geht sie trotzdem ein. Er ist mit kleinen Schritten zufrieden, solange sie in die richtige Richtung gehen, aber er würde niemals einem Schritt zustimmen, der in die falsche Richtung geht.

Er unterscheidet sich vom reinen Maximalisten durch seine pragmatische Kompromissfähigkeit und vom reinen Pragmatiker durch sein zielorientiertes, entschlossenes Handeln und Festhalten selbst an scheinbar unerreichbaren Zielen. Er will den Weg bis zum Ende gehen, aber er weiß, dass der längste Weg mit dem ersten Schritt beginnt, der bei einem langen Fußmarsch noch gar nicht wie ein Fortschritt anmutet, sondern eher als auf der Stelle treten erscheint. Er macht Kompromisse, ohne sein Ziel zu kompromittieren. Er freut sich leicht, aber ist nie zufrieden mit dem Erreichten.

Die Haltung des inkrementalistischen Maximalisten ist die vernünftigste Haltung in einer gefallenen Welt. Man kann nie alles erreichen, was man sich vorgenommen hat, und auch das niemals sofort oder ohne Widerstände. Alles ist unfertig und es wird zumindest als Menschenwerk unfertig bleiben. Dies ist jedoch für den inkrementalistischen Maximalisten kein Grund zur Verzweiflung, denn er ist froh, wenn er wenigstens einen Schritt zu seinem Ziel unternommen hat, wenn er auch nicht zufrieden ist, weil noch weitere Schritte zu tun sind.

Er ist absolut dogmatisch in den Prinzipien und dennoch im Rahmen dieser Prinzipien überaus flexibel.

Die Haltung des inkrementalistischen Maximalisten ist zudem die einzige, die nicht entweder zum zynischen Pessimismus oder zum unrealistischen Optimismus führt.

Kirchenkrise

Und damit komme ich auf die Situation in der Kirche: Unabhängig von der Frage, inwiefern die Texte der diversen strittigen Dokumente in Kontinuität mit der Tradition zu lesen sind, muss konstatiert werden, dass die Kirche in einer sehr tiefen Krise steckt, dass selbst innerhalb der Kirche sehr viele diese Krise leugnen und andere sie sogar insgeheim bejubeln, weil sie ihnen das Erreichen ihrer weltlich motivierten Ziele erleichtert und die Zerstörung der Kirche voranzubringen scheint. Das Trümmerfeld ist immens und die Suche nach Ursachen hat begonnen. Ist es das Konzil? Nur das Konzil, oder auch andere Zusammenhänge? Wenn ja, welche? Die Interpretation des Konzils? Seine Texte? Diese Fragen müssen aufgerollt werden, und sind sehr dringlich. Doch dieser Debatte möchte ich mich in diesem Artikel enthalten. Die Ursachen müssen festgestellt werden – furchtlos und ohne Scheuklappen – und dann müssen sie beseitigt werden.

Der Verfall der Liturgie ist in jedem Fall mit dem Verfall des Glaubens untrennbar verbunden, wenn auch der Zusammenhang nicht absolut ist. Eine schlechte, verweltlichte Liturgie führt zum Verfall des Glaubens. Umgekehrt führt der Verfall des Glaubens aber wiederum zu einem Verfall der Einsicht in die Notwendigkeit der Liturgie, und damit letztlich zu einem weiteren Verfall der Liturgie. Es ist im Wortsinne ein Teufelskreis.

Wenn nun zum Beispiel, wie kürzlich angekündigt, der Erzbischof von Miami ein Pontifikalamt im überlieferten Ritus zelebrieren wird, ist dies für den inkrementalistisch-maximalistischen Traditionalisten (4x ist in einem Satz… ähm… ist rekordverdächtig; sechsmal auch…) zunächst einmal ein Grund zur Freude. Natürlich wünscht er sich mehr. Er wünscht sich eine Wiedergeburt der Tradition in allen Bereichen. Er ist der Überzeugung, dass eine Rückkehr zur traditionellen Messe erforderlich ist, zumindest insofern, als dass die wesentlichen im Novus Ordo fehlenden Elemente, die im Einzelnen aufzuzählen hier zu weit führen würde, wiederhergestellt werden müssen. Er ist der Überzeugung, dass der gesamte traditionelle Glaube wieder selbstverständlich werden muss, erst in der Kirche, dann auch außerhalb, und dass die „Neuevangelisierung“ nur so zum Erfolg geführt werden kann.

Da ändert ein Pontifikalamt in der „forma extraordinaria“, so außerordentlich Form und Symbolcharakter auch sein mögen, überhaupt nichts an der misslichen Lage der Kirche. Die Kirchen bleiben leer, der Glaube weithin tot, die Menschen lauwarm und die Atmosphäre verweltlicht. Doch es ist dennoch ein Schritt in die richtige Richtung, ein wahrer Fortschritt im eigentlichen Sinn dieses Wortes, wenn ein Diözesanerzbischof einer großen westlichen Diözese sich nicht scheut, mit diesem Ritus sich in der Öffentlichkeit zu zeigen, ihn selbst zu zelebrieren. Größere Schritte sind denkbar und auch notwendig. Aber dieser eine Schritt ist getan.

Ein Eindruck

Mein Eindruck ist (vielleicht täusche ich mich, das möchte ich nicht ausschließen) dass viele überzeugte Traditionalisten diese kleinen Fortschritte viel zu kritisch sehen und zugleich viele andere glaubenstreue Katholiken über jeden kleinen Fortschritt jubeln, als ob jetzt bald die Kirche wieder in Ordnung wäre. Ich möchte diese beiden Gruppen „Maximalisten“ und „Optimisten“ nennen. Die Maximalisten sagen regelmäßig von den Optimisten, diese seien gar nicht wirklich traditionalistisch, sondern „neo-konservativ“ (was immer das heißen mag), denn sie seien ja damit zufrieden, dass der Papst seine Messen jetzt etwas traditioneller zelebriert als sein Vorgänger, oder dass mal eine vereinzelte Messe im traditionellen Ritus stattfindet usw. Im Gegensatz dazu werden die Maximalisten dann von den Optimisten als radikal oder gar fundamentalistisch bezeichnet, weil sie nicht bereit seien, die realen Fortschritte gutzuheißen, und sich lieber in einem Ghetto einschließen, statt aus den gegebenen Möglichkeiten das beste zu machen.

Wer in diesem ebenso endlosen wie sinnlosen Streit im Recht sein mag? Dazu habe ich keine Meinung. Beide Haltungen sind, unter den jeweiligen Prämissen, durchaus logisch. An beiden ist, wie man sagt, „etwas dran“. Sie sind nicht ganz falsch. Doch eben auch nicht ganz richtig.

Schlussfolgerungen

Die traditionelle Messe, die hier und dort nach Summorum Pontificum gefeiert wird, ist nicht genug. Eine Rückkehr zumindest zu den wesentlichen Elementen der traditionellen Liturgie ist dringend erforderlich. Besser wäre eine Restitution der Liturgie, die in Summorum Pontificum wieder freigegeben worden ist, zu ihrem rechtmäßigen Platz als nicht nur außerordentliche, sondern selbstverständliche Form des Römischen Ritus. Insofern haben die Maximalisten Recht. Der Papst könnte und sollte wieder nach diesem Ritus zelebrieren, und schließlich gilt dies überhaupt für alle Bischöfe und letztlich für die normale Feier der Messe in den einzelnen Gemeinden. Ähnliches ließe sich über die Katechese, die Theologie, die Priesterausbildung und diverse andere Bereiche ebenfalls sagen.

Doch die traditionelle Messe, die hier und dort nach Summorum Pontificum gefeiert wird, ist immerhin ein Anfang. Sie macht einige notwendige Elemente der Liturgie innerhalb der Kirche wieder hoffähig, wo sie über vierzig Jahre kaum noch existierten. Und jede Feier der traditionellen Messe ist ein Schritt in die richtige Richtung. Insofern haben die Optimisten Recht.

Doch wirklich Recht haben die inkrementalistischen Maximalisten, diejenigen, die sich über die kleinen Fortschritte genauso freuen wie die Optimisten, und dieselbe Zielvorstellung haben wie die Maximalisten, und daher nicht zufrieden mit der Entwicklung in der Kirche sein können, bis eine umfassende Rückkehr zur Tradition, nicht nur in der Liturgie, sondern auch in der Katechese und all den anderen umstrittenen Bereichen, stattgefunden hat.

Es mag inhaltliche Unterschiede geben, inwiefern eine vollständige Rückkehr zur Tradition gewünscht wird, oder ob nicht manche Veränderungen seit dem Konzil doch wirklich Verbesserungen sein könnten, die auch in einer der Tradition verpflichteten Kirche ihren angemessenen Platz finden müssen. Und wenn es solche Unterschiede gibt, dann sollten diese freundlich und in gegenseitiger Verbundenheit diskutiert werden, denn es handelt sich durchaus um wichtige und ernstzunehmende Fragen. Doch von diesen Unterschieden abgesehen, sollten alle der Tradition verbundenen Katholiken zusammen für die von ihnen gewünschten Veränderungen eintreten, mit den Mitteln, die ihnen in ihrer jeweiligen Lage zur Verfügung stehen, und sich über jeden noch so kleinen Erfolg freuen, als ob gerade ein großer Durchbruch gelungen sei.

Kardinal Ranjith über die Liturgie

Auf kath.net findet sich derzeit ein Artikel mit der etwas reißerischen Überschrift „Kardinal Ranjith für Rückkehr des Vetus Ordo“. Die Überschrift entspricht jedoch nicht ganz den Tatsachen. Wie wir gleich sehen werden, ist seine Forderung wesentlich bescheidener, weniger radikal, und besteht eigentlich nur aus dem, was auch der Heilige Vater bereits mehrfach gefordert und mit Summorum Pontificum sogar in kirchliches Recht gegossen hat – nämlich ein gleichberechtigtes Fortbestehen zweier Formen des einen römischen Ritus, d.h. sowohl der „Neuen“ als auch der „Alten“ Messe.

Kardinal Ranjith, der ehemalige Sekretär der römischen´Kongregation für Liturgie und Sakramentenordnung, äußerte sich in einer Grußbotschaft an einen Kongreß der internationalen Vereinigung Una Voce, die sich für die traditionelle Form der Heiligen Messe einsetzt. Daher wird er die Gemeinsamkeiten mit Una Voce hervorgehoben haben, wie das in Grußworten eben so üblich ist. Die Unterschiede werden eher reduziert oder gar nicht dargestellt.

Mit diesen Vorbemerkungen und der dadurch hoffentlich entstandenen Zurückhaltung folgt hier nun der Text der Grußbotschaft im Wortlaut (in deutscher Übersetzung, wie sie auf kath.net zu finden war, mit Kommentaren wie immer in roter Farbe.)

Ich möchte zuerst Ihnen allen meine Dankbarkeit ausdrücken für den Eifer und Enthusiasmus, mit dem Sie das Anliegen der Wiederherstellung derwahren liturgischen Traditionen der Kirche voranbringen. (Dafür können wir übrigens alle dankbar sein. Man beachte aber die Formulierung: Die Wiederherstellung der WAHREN liturgischen Traditionen. Die Krise wird hier nicht heruntergespielt oder geleugnet, wie leider sonst sehr oft üblich. )

Wie Sie wissen, ist es der Gottesdienst, der den Glauben vermehrt und dessen heroische Verwirklichung im Leben. (Father Z würde sagen: Save the Liturgy, Save the World!) Er ist das Mittel, mit dem Menschen auf die Ebene des Transzendenten und Ewigen hinauf gehoben werden: der Ort einer tiefen Begegnung zwischen Gott und Mensch. (Und dies muss sich eben auch in der liturgischen Form spiegeln.)

Aus diesem Grund kann Liturgie nie etwas sein, das der Mensch kreiert. (Kreativität ist großartig, wie Sexualität. Doch sowohl Kreativität als auch Sexualität gehören nicht an jeden Ort gleichermaßen, und es gibt in beiden Fällen Orte, an denen sie überhaupt nichts zu suchen haben.) Wenn wir Gott verehren, wie wir es wollen und die Regeln selbst aufstellen, dann riskieren wir, Aarons goldenes Kalb wieder zu errichten. (Klare Worte! Danke, Eminenz!)

Wir sollten immer auf Gottesdienst als Teilnahme an dem, was Gott Selbst tut, bestehen, ansonsten riskieren wir, Götzendienst zu betreiben. (Dies möchte man doch gern den in den Gemeinden und Bistümern für Liturgie zuständigen Menschen zuflüstern – in diesen Worten sehen wir auch, worin nur die wahre „tätige Teilnahme“ bestehen kann, die in pervertierter Form so üblich geworden ist, nämlich in der inneren Teilnahme am großen Geheimnis der Messe.) Die liturgische Symbolik hilft uns, uns über das Menschliche hinauf zum Göttlichen zu erheben. (Es sind eben nicht bloß „leere Formen“ – die Symbole sind voller Inhalt für den, der Augen hat zu sehen. Doch wir sehen ja heute nicht mehr weit, sondern nur noch fern…)

Dabei ist es meine feste Überzeugung, dass der Vetus Ordo in großem Ausmaß und in der erfüllendsten Weise (also in erfüllenderer Weise als der „Novus Ordo“!) diesen mystischen und transzendenten Ruf (!) zu einer Begegnung mit Gott in der Liturgie darstellt.

Deshalb ist die Zeit für uns gekommen, nicht nur den Inhalt der neuen Liturgie durch radikale Änderungen zu erneuern, sondern auch mehr und mehr eine Rückkehr des Vetus Ordo zu unterstützen, als einen Weg für eine wahre Erneuerung der Kirche, was die Väter der Kirche, die beim Zweiten Vatikanischen Konzil saßen, so sehr ersehnt haben. (Dieser Absatz ist leider zweideutig: Wir sollen „nicht nur“ den Inhalt der neuen Liturgie durch radikale Änderungen erneuern. Nicht nur, aber auch, so klingt es an. Wenn wir also die neue Liturgie auch durch radikale Änderungen erneuern sollen, dann ist die wichtigste Frage, worin diese Änderungen bestehen. Diese Frage findet leider keine Antwort. Die „radikalen Änderungen“ könnten in die Richtung dessen gehen, was der heutige Papst in seinem Werk „Der Geist der Liturgie“ beschrieben hat, also Zelebrationsrichtung zum Herrn, statt zum Volk, Rückkehr der lateinischen Sprache, des gregorianischen Chorals usw. Andererseits könnte es auch in die Richtung gehen, die die Freunde des Konzilsgeistes sich wünschen. Auch das wären „radikale“ Veränderungen an der Ordnung der Liturgie. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Kardinal persönlich kein Anhänger einer weiteren Verwässerung der Liturgie ist. Dann wäre es aber wünschenswert, wenn er die Deutung seiner Worte als Aufforderung zu radikalen Experimenten mit dem Novus Ordo explizit ausschlösse. Vielleicht konzentriere ich mich hier auch zu stark auf Bedeutungsnuancen und einzelne Worte, aber meine philosophische Ausbildung macht es mir unmöglich, auf derartige Erbsenzählerei zu verzichten…)

Das aufmerksame Lesen der Konzilskonstitution über die Heilige Liturgie, Sacrosanctum Concilium, zeigt, dass die übereilten Veränderungen, die später in die Liturgie eingebracht wurden, niemals im Sinn der Konzilsväter waren. (Hier ist wieder die These der Kontinuität. Ja, Sacrosanctum Concilium mag für sich genommen mit der Tradition in Einklang stehen. Doch diejenigen, die den Text geschrieben und über ihn abgestimmt haben, haben ihn dann in ihren Heimatbistümern nach ihren Wünschen umgesetzt oder zumindest die Umsetzung in der bekannten Weise geduldet. In der Umsetzung der Liturgiekonstitution sehen wir einen nicht geringen Teil dessen, was die Verfasser des Textes mit den Worten gemeint haben. Und diese Umsetzung ist sicher nicht konsistent mit der wahren Liturgie der Kirche, sondern zeichnet sich durch Missbrauch der Liturgie als Ort menschlicher und bloß menschlicher Schaffenskraft aus. Dies heißt natürlich keinesfalls, dass der Konzilstext nicht in Übereinstimmung mit den liturgischen Prinzipien gelesen werden kann, die Kardinal Ranjith und auch der Heilige Vater in ihm finden möchten. Doch im „Sinne der Konzilsväter“, oder zumindest im Sinne der Mehrheit der Konzilsväter waren diese Änderungen schon – sie waren Bischöfe, und hätten sich gegen diese Änderungen jederzeit zur Wehr setzen können, während und besonders nach dem Konzil. Von einer solchen Abwehrhaltung ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, leider nur wenig bekannt.)

Daher ist die Zeit für uns gekommen, mutig zu sein bei unserer Arbeit für eine wahre Reform der Reform (ein weiterer Schlüsselbegriff, der aber inhaltlicher Füllung bedarf, welche seine Anhänger bislang oft eher schuldig geblieben sind) und auch eine Rückkehr zur wahren Liturgie der Kirche, die sich in ihrer zweitausendjährigen Geschichte in einem kontinuierlichen Fluss entwickelt hatte. (Und worin besteht diese „wahre Liturgie“? Ist sie repräsentiert durch die traditionelle Messe? Durch den Novus Ordo? Durch beide? Eine Mischung von beiden? Hier fehlt die inhaltliche Deutlichkeit.) Ich wünsche und bete, dass dies geschehe. (Er betet, dass „was“ geschehe? Eine Rückkehr zur ttraditionellen Messe? Eine Reform der Reform im Sinne des Heiligen Vaters, die allerdings die Fortexistenz des Novus Ordo als Regelfall eindeutig befürwortet, und sich so sicher nicht mit den Zielen von Una Voce deckt?)

Gott segne Ihre Bemühungen mit Erfolg.

+Malcolm Kardinal Ranjith
Erzbischof von Colombo
24/8/2011

Vielleicht sollte ich eine solche Grußbotschaft nicht überbewerten. Natürlich kann und will man in einer solchen Kürze nicht alle wesentlichen Punkte ansprechen und wird auch notwendig in einer gewissen Mehrdeutigkeit verharren. Dass der Kardinal die traditionellen liturgischen Formen sehr positiv sieht, und Schritte in Richtung auf eine weitere Normalisierung der traditionellen Messe befürwortet, ist auch kaum zu bezweifeln. Schon die Tatsache, dass er sich überhaupt in einem Grußwort an Una Voce wendet, bezeugt diese Haltung.

In meinem Kommentar habe ich mich daher auf die Grauzonen beschränkt, die es nun einmal leider auch gibt. Und die von kath.net gesehene Aufforderung zur „Rückkehr zum Vetus Ordo“ finde ich in dem Grußwort einfach nicht. Ich finde einen Kardinal, der ehrlich die traditionellen Formen bevorzugt, der ihre Vorteile klar sieht und artikuliert. Aber wohin der Kardinal zurückkehren will, das ist nicht die traditionelle Messe, sondern die „wahre Liturgie der Kirche“, die sich allein schon aufgrund der Vielzahl gültiger katholischer Riten in der ganzen Welt nicht in der Tridentinischen Messe erschöpfen kann. Doch eine der gültigen Liturgien ist eben auch der Novus Ordo, der damit per definitionem Teil der „wahren Liturgie der Kirche“ ist, zumindest sofern man sich an die Vorgaben des Messbuchs hält. Die Forderung des Kardinals scheint sich mir also auf die inzwischen im Vatikan fest verankerte Absicht zur Bekämpfung liturgischer Missbräuche innerhalb des Novus Ordo zu beschränken.

Dass dies natürlich besser ist als die in Deutschland übliche Gleichgültigkeit gegenüber dem Missbrauch der Liturgie als Theateraufführung von und für Menschen, versteht sich von selbst. Aber es stellt keine Forderung nach einer Rückkehr zum Vetus Ordo dar, und geht auch in keiner Weise über die bereits heute gültige, aber von vielen Bischöfen ignorierte, Rechtslage hinaus, wie sie in Summorum Pontificum niedergelegt ist.

Was ich eigentlich sagen will: Die von kath.net als gute Neuigkeit verkaufte Botschaft ist war gut, aber nicht neu.

Frischer Wind in der Liturgie

Auf dem Blog „Frischer Wind“ findet sich ein interessanter Auszug aus einem Interview des Liturgikers Alcuin Reid. Hier ein Vorgeschmack:

„Wir müssen erneut einen Blick auf die im Gefolge des Konzils erarbeitete Liturgiereform werfen. Nicht als Anhänger irgendeiner Seite, sondern als gute Historiker, gute Theologen und gute Katholiken. Wenn es klar ist, dass wir wesentliche Elemente der liturgischen Überlieferung verloren oder solche eingeführt haben, die schaden, dann müssen wir die Aufrichtigkeit besitzen, das zuzugeben und das Erforderliche veranlassen.

 

Das hat eingesetzt mit dem Apostolischen Schreiben Sacramentum Caritatis und dem Motuproprio Summorum Pontificum sowie dem persönlichen Vorbild von Papst Benedikt XVI. bei seinen liturgischen Zelebrationen. Außerdem müssen wir mit Nächstenliebe und pastoralem Gespür vorgehen.

(…)

Den Rest gibt es, wie gesagt, beim Frischen Wind zu lesen.

Der oben hervorgehobene Abschnitt über das persönliche Vorbild Benedikt XVI. erscheint allerdings im Angesicht der fragwürdigen „Gestaltung“ der Messen bei seinem Besuch in Deutschland gerade im Moment etwas ironisch. Man sollte sich wohl an des Papstes persönlichem Vorbild orientieren, aber nur, wenn an der Planung der Messen keine anderen deutschen Bischöfe beteiligt waren…

Nähme sich jemand die Papstmessen vom Deutschlandbesuch zum Vorbild, so könnte er, verglichen mit dem heutigen Zustand der meisten deutschen Gemeindemessen eine Menge lernen, vor allem vom persönlichen Verhalten des Papstes. Doch sollte er mindestens von einer Imitation musikalischer Darbietungen, in jedem Sinn des Wortes laienhafter Einmischungen in die Liturgie, der Durchgenderung der Messdienerschaft und einigen anderen Details absehen, wenn er eine möglichst würdige Novus-Ordo-Messliturgie beabsichtigt.

Man könnte auch einfach sagen, dass der Novus Ordo umso besser und ehrfürchtiger zelebriert wird, je näher er am traditionellen Ritus ist. In diesem Fall sollte man als langfristiges Ziel allerdings eine Rückkehr zur traditionellen Messe als erstrebenswert ansehen, besonders wenn man über die ars celebrandi hinaus auch auf theologische Mehrdeutigkeiten im Novus Ordo blickt.

Treffen mit Piusbruderschaft am Jahrestag von Summorum Pontificum

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. ist, wie der Leser sicherlich bereits weiß, derzeit nicht in voller Einheit mit Rom. Die allgemeine Lage ist etwas unklar, zumindest seit der Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe der Bruderschaft, die 1988 von Erzbischof Lefèbvre unerlaubt geweiht worden sind. Denn trotz der Aufhebung der Exkommunikationen gibt es derzeit noch keine Einigung über die mögliche kirchenrechtliche Stellung der Bruderschaft, zumal es auch handfeste dogmatische Differenzen zu geben scheint, besonders bei der Religionsfreiheit und dem Ökumenismus.

Nunmehr scheint sich aber vielleicht wieder etwas zu bewegen. Wie Rorate Caeli und kath.net melden, wird es am 14. September 2011, zufällig (?) am vierten Jahrestag von Summorum Pontificum, ein Treffen in Rom zwischen Vertretern des Vatikans den Piusbrüdern geben:

Am Fest Kreuzerhöhung, genau vier Jahre nach dem offiziellen Inkrafttreten des Motz proprio [sic!*] „Summorum Pontificum“ Papst Benedikts XVI. zur „Liberalisierung“ des „Alten Ritus“, werden die Vertreter der FSSPX beim Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre, William J. Kardinal Levada, in Audienz sein, „um das Ergebnis der fast zweijährigen Lehrgespräche zwischen dem Heiligen Stuhl und der Priesterbruderschaft zu erörtern“.

Worum wird es gehen? Vermutlich um die oben angedeutete kirchenrechtliche Situation der Bruderschaft. Das hört sich nun ziemlich trocken an. Doch die Auswirkungen wären immens.

– Eine Infusion von über 500 traditions- und glaubenstreuen katholischen Priestern in einer, in der solche nicht gerade wie Sand am Meer existieren. Denn der Glaube der Piusbruderschaft ist identisch mit dem der vorkonziliaren Kirche. Und wenn Papst Benedikt richtig liegt mit seiner Hermeneutik der Reform in Kontinuität mit der Tradition, und also durch das letzte Kontil keine „neue Kirche“ entstanden ist, wie manche modernistische Vertreter zu glauben scheinen, dann ist der Glaube der vorkonziliaren Kirche derselbe wie derjenige der nachkonziliaren Kirche, weil es dieselbe Kirche ist, und ihr Glaube unveränderlich von Jesus Christus und dem Heiligen Geist stammt.

– Eine Vielzahl vollkommen legitimer Messorte für die „forma extraordinaria“ des römischen Ritus, also für die Tridentinische Messe. Der Besuch einer solchen Messe rückte damit für immer mehr einfache Katholiken in greifbare Nähe. Dies wäre ein großer Schritt auf dem Weg zu einer gegenseitigen Befruchtung der beiden Formen des einen römischen Ritus, die der Papst immer wieder fordert.

– Die verstärkte Präsenz der außerordentlichen Form und traditioneller Priester und Laien verstärkt dann im Laufe der Zeit auch den Druck auf die derzeitigen Neo-Reformatoren, ihren Liturgiemissbrauch und ihre gut verkleideten häretischen Theorien zurückzufahren oder gar einzustellen.

– Das Stigma des „Schismas“, das oft traditionellen Katholiken von interessierter Seite angeheftet ist, verlöre sofort jede auch nur oberflächliche Plausibilität.

– Über 600.000 Laien, die der Bruderschaft (laut ihrer Webseite) anhängen, wären wieder in voller Einheit mit Rom, was für die betroffenen Seelen nur gut sein kann. Der Empfang der Sakramente bei der Piusbruderschaft ist wohl gültig, aber ihre Spendung unerlaubt.

Es gibt sicher noch viele weitere Vorteile einer solchen „Wiedervereinigung“. Es kann nur gut sein, wenn die Piusbrüder wieder in volle Einheit mit Rom zurückkehren. Und sei es nur, um den Pluralismus vieler alternativer, verschiedener Ansichten im innerkirchlichen Dialog zu stärken (das wird den aufgeschlossenen, modernen, pluralistischen Dialogkatholiken ja sicher gefallen…).

So möchte ich mich auch den Gebetsaufforderungen auf Rorate Caeli und der Seite der Piusbruderschaft anschließen und für die Einheit der Kirche unter ihrem Oberhaupt Jesus Christus und seinem sichtbaren Vertreter, dem Bischof von Rom, beten. Speziell bitte ich meine Leser hiermit, an dieser Stelle innezuhalten und ein Gebet für die Normalisierung der Stellung der Piusbruderschaft und der Lösung der Differenzen, die die Piusbrüder vom Vatikan trennen, zu sprechen, damit auf diese Weise die wahre Ökumene, die Einheit aller Gläubigen im Schoß der Kirche, befördert werde.

Sarkastische Abschlussfrage: Sind die Gespräche zwischen Vatikan und Piusbruderschaft so etwas wie die katholische Alternative zum Dialogprozess…?

Nachtrag: Auf den unbemerkt gebliebenen Druckfehler in dem obigen Zitat von kath.net aufmerksam gemacht durch einen Kommentar habe ich mich entschlossen, ihn so stehen zu lassen. Jetzt haben wir motzende Modernisten und auch ein „Motz“ Proprio!

Nachtrag zu Bischof Algermissen

Ich schrieb vor kurzem über die Worte des Bischofs Algermissen über die Liturgie und ihre „zeitgemäße“ Snpassung, d.h. Verwässerung. Die exzellente Webseite Summorum Pontificum hat sich, viel ausführlicher und treffender als ich es getan habe, mit seinen Kommentaren auseinandergesetzt. Der Schwerpunkt der dortigen Analyse ist ein vierfacher, besonders wird aber die seit Beginn der derzeitigen Anpassungswettläufe gemachten „Erfahrungen“ hervorgehoben: Die Kirchen leeren sich umso mehr, je stäkrer man versucht, oberflächlich relevant zu sein – und im Felde der Liturgie je stärker man die Messe zum menschlich-kreativen Experimentierfeld für „Experten“ macht. Und während es ja vielleicht ehrenwert gewesen sein mag, argumentieren die Kommentatoren auf Summorum Pontificum, damals diesen Versuch zu unternehmen, so müsse man, wenn die Erfahrung den Misserfolg evident mache, den Kurs ändern.

Besonders treffend (und deutlich über meine kurzen Worte zum Thema hinausgehend) sind die aus diesen Einsichten gezogenen Schlussfolgerungen, die ich hier kurz zusammenfassen möchte – die Leser sind eingeladen, dem obigen Link zu folgen und den Artikel in Gänze zur Kenntnis zu nehmen.

1. Abkehr von allen Versuchen der „zeitgemäßen Gottesdienstgestaltung“ – die Messe ist die Messe – nicht die Messe für diese oder jene Menschengruppe (Frauen, Kinder, Senioren, Kleinkinder, Bäckermeister usw.) und nicht die Messe wie „wir sie heute gestalten“. Dazu gehört selbstverständlich die systematische Umsetzung der Instruktionen aus dem Vatikan gegen Liturgiemissbräuche aller Art, besonders „Redemptionis Sacramentum

2. Einleitung einer generellen Abkehr vom „Banalen“ und „Alläglichen“ – oder wie ich gern formuliere: Die Messe ist ein ortloser Ort, eine zeitlose ZeitAllerdings wird man davon ausgehen müssen, dass solche Änderungen zuerst in kleinen Schritten erfolgen und von umfassenden Predigtreihen und Katechesen begleitet werden müssen, um den Gläubigen das „neue“ Verständnis nahezubringen. („Allzuviel von dem, was zum Verständnis der Liturgie von mehr als 1500 Jahren erforderlich wäre, wurde den verbliebenen Gläubigen schlecht gemacht und abtrainiert“).

Einige konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Lage macht man auf „Summorum Pontificum“ gleich auch noch: Hier eine Auswahl:

– Verankerung der Gebetsrichtung der Messe „zum Herrn“ (ad Dominum), statt als geschlossener Kreis (Priester schaut auf Gemeinde und Gemeinde auf Priester).

– Teile der Messe (wohl zuerst besonders die Hochgebete) auf Latein als „Verfremdungseffekt“ um das Alltägliche herauszufiltern – die Wenigsten werden wohl täglich lateinische Texte hören!

– Abschaffung von Kinderspielen, Mini-Theaterstücken und kruder Selbstdarstellung im Altarraum.

– Nachschulung für aktive Priester in der Theologie des Messopfers.

– Kurse zur Einführung in die Tridentinische Messe zur Verfügung stellen – damit wird erreicht, dass Priester die Kunst der Zelebration (ars celebrandi) erneut lernen und vertiefen. Dadurch erhalten sie eine Formung und Ausbildung, die ihnen auch bei der Feuer der ordentlichen Form behilflich sein wird.

– Außerdem soll dafür Sorge getragen werden, dass Seminaristen nicht mehr von Personen ausgebildet werden, die inhaltlich die derzeitigen Zustände des Liturgiemissbrauchs und der Banalisierung mittragen.

Diese durchweg hilfreichen Vorschläge könnten von Bischof Algermissen, der ja seinen Worten zufolge die Problematik erkannt hat, jederzeit in seinem Bistum Fulda umgesetzt werden. Wir werden sehen ob und, wenn ja, wie er handelt.