Die Kirche der Zukunft…

… ist klein, aber traditionell katholisch. In der Erzdiözese von New York (2 Millionen Katholiken) wurde im letzten Jahr nur ein einziger Priester geweiht. Das ist die schlechte Nachricht.

Die gute Nachricht: Er feierte seine erste Messe natürlich als levitiertes Hochamt im traditionellen Ritus. Es ist nicht zu erwarten, dass dieser Priester allzu viel Verständnis für die üblicherweise geforderte Anpassungsarie an die moderne Welt aufbringen wird.

Einige Gedanken zur Zukunft der Kirche

Mehr und mehr scheint dies das Bild in der Kirche zu sein. Da sich das Lehramt auch nach dem Konzil gegen einen offenen theologischen Bruch gestellt und viele der besonders unpopulären moralischen Lehren, wie etwa zu Abtreibung, Homosexualität, Scheidung, Verhütung usw. verteidigt hat, ist die Attraktivität der Kirche für die überzeugten Modernisierer zurückgegangen. Die alten Vorkämpfer sterben langsam aus, oder werden irrelevant. Die junge Generation ist, allgemein gesprochen, keineswegs konservativ oder traditionell katholisch. Im Gegenteil, sie hat den Geist der Moderne voll internalisiert. Doch sie ist konsequent. Sie sieht keinen Grund darin, diese starrsinnigen Köpfe in der Kirche weiter ernstzunehmen. Sie will die Kirche nicht verändern – sie geht einfach irgendwohin, wo es ihr besser gefällt. Die Jugend ist pragmatisch. Sie haben die Lektion des Relativismus gelernt: Jeder soll doch machen, was er will. Und wenn es ihnen nicht passt, dann gehen sie halt und zucken mit den Schultern. Es ist ihnen einfach egal.

Die junge Generation verlässt massenhaft die katholische Kirche – es gibt keine Renaissance des Katholizismus in der jungen Generation. Aber weil diese jungen kirchenfernen Menschen gar keine Bindung an die Kirche besitzen, fühlen sie sich ihr gar nicht mehr zugehörig. Sie kümmern sich nicht um irgendwelche Laienräte, und nichts ist für sie langweiliger als Kirchenpolitik. Und sie treten mehr und mehr einfach aus.

Doch wenn die alte Generation der Modernisten ausstirbt, und die Junge austritt, wer bleibt dann noch übrig? Es ist die kleine Minderheit, alt und jung, die den Glauben bewahrt hat, und die ihn weitertragen wird.

Diese Minderheit sieht den liturgischen Schatz der „tridentinischen“ Messe sehr positiv, selbst wenn einige unter ihnen glauben, man könne den Novus Ordo ebenso ehrfürchtig und mit der korrekten katholischen Theologie des Messopfers zelebrieren. Sie alle sehen in der traditionellen Messe einen unermesslichen Schatz, dem heute und für immer ein würdiger Ehrenplatz in der katholischen Kirche zusteht.

Die zum Priesterstand berufenen Männer dieser Minderheit werden sehr oft in der „außerordentlichen Form“ zelebrieren wollen – manche ausschließlich, andere abwechselnd mit der „ordentlichen Form“. Sie teilen eine große Liebe zur wahren katholischen Theologie, selbst wenn viele von ihnen sie nicht als Teil ihrer Ausbildung präsentiert bekommen, und wollen den Glauben verkündigen und verbreiten.

Dies ist eine Minderheit, die sich längst damit abgefunden hat, dass die Volkskirche nicht mehr existiert, und man vor der Wahl steht, noch für einige Jahre weiterhin die Illusion zu präsentieren, indem man halsbrecherische Kompromisse mit der Welt eingeht, oder direkt wieder den unverkürzten katholischen Glauben zu bekennen und für ihn einzustehen, selbst wenn das zu einer kleineren, ärmeren Kirche führt, die ihre weltlichen Ambitionen vollständig einstellen muss.

Es ist dies eine kleine Schar von Katholiken, ein Rest, dessen fortdauernde Existenz uns zugesichert ist, aber auch eine Keimzelle, aus der vieles entspringen kann, wofür heute unsere Vorstellungskraft noch nicht reicht.

Sie lieben die Tradition nicht aus Nostalgie, sondern aus Überzeugung. Sehr viele von ihnen kennen die Tradition gar nicht mehr aus erster Hand, aber sie kennen die Theologie und sind fasziniert von ihr. Und weil sie wirklich von der Wahrheit des katholischen Glaubens überzeugt sind, und weil sie Christus wirklich lieben, werden sie auch seine Gebote halten, so gut sie können. Und sie werden in der Tugend wachsen, nach Heiligkeit streben, und sich nicht mit weltlichem Tand zufriedengeben, wenn sie Gott selbst in Ewigkeit haben können.

Es ist eine kleine Schar, doch das waren die Jünger auch. Darauf kann man aufbauen. Und da die modernen Abrissbirnen die Kirche bis auf die Grundfesten „aufgebrochen“ und „abgebrochen“ haben, ist dieses Aufbauen auch dringend nötig.

Bischof Bernard Fellay, FSSPX, hat in einem langen Vortrag in Wien (Hörempfehlung!) vom 20.5. die aktuelle Situation der Kirche mit einem Winter verglichen, dessen Ende wir absehen können, wenn wir die ersten Knospen blühen sehen. Es sei noch kalt, es friere, es werde womöglich auch noch viel kälter, aber wir wissen, am Ende kommt der Frühling.

Der Winter mag noch lang sein, doch die ersten Anzeichen des Frühlings sind nicht mehr zu übersehen. Eine kleine, schwache, zarte, doch quicklebendige Kirche erhebt sich zittrig und noch unsicher, mit tastenden Schritten, aus den Trümmern der Moderne, bereit ihr Kreuz zu tragen, bereit zu leiden, bereit zu sterben für die Person, die die Wahrheit ist, entschlossen auf ihren Bräutigam zu warten, und Ihm zu dienen, und Ihm zu Füßen zu fallen in Liebe, wenn Er kommt in Herrlichkeit.

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18 Gedanken zu „Die Kirche der Zukunft…

  1. Zunächst: Der Vortrag von Bischof Fellay ist wirklich sehens- und hörenswert. 152 Minuten harre ich aus vor dem kleinen Monitor und das nicht, weil dieser Bischof so ein gewinnendes Lächeln hat…
    „Im Winter wächst das Brot“, ist der Titel eines schmalen Bändchens von Ida Friederike Görres. 1970 veröffentlicht! Dank „Elsas Nacht(b)revier“ habe ich es entdeckt und antiquarisch erworben. Das Winterbild von Bischof Fellay für die Kirche war mir von daher vertraut. Sein lebendig vorgetragenes Bild von dem Baum, der schon die Spuren des Frühlings trägt, hat mich sehr angesprochen.
    Deinem Bild von der „jungen Kirche“, möchte ich gern das Bild von Ida Friederike Görres nicht entgegen, sondern daneben stellen: “ ‚Kirche‘ ist für mich immer und unbedingt das Großgebilde, das geheimnisvolle Lebewesen, das in den Tagen der Apostel wurzelt und den Jüngsten Tag erleben wird; die einzige, die uralte Zeitgenossin des Herrn und Seiner ersten Jünger, die seither ununterbrochen mit dem Lebendigen und Erhöhten lebt, wie in einer Ehe, laut Korintherbrief“… (Seite 15)

    • Cuppa,
      natürlich, das Zitat passt hervorragend.
      Du schreibst: „152 Minuten harre ich aus vor dem kleinen Monitor und das nicht, weil dieser Bischof so ein gewinnendes Lächeln hat…“
      Aber ein gewinnendes Lächeln hat er wirklich… 😉

  2. Lieber Catocon,
    Danke für diese Gedanken, besser und schöner kann man es nicht sagen. Ich möchte auch den erwähnten Vortrag von Bischof Fellay allen wärmstens empfehlen!

  3. Die Kirche der Zukunft…
    … ist klein, aber traditionell katholisch. In der Erzdiözese von New York (2 Millionen Katholiken) wurde im letzten Jahr nur ein einziger Priester geweiht. Das ist die schlechte Nachricht.

    Die noch schlechtere Nachricht könnte sein, dass sich so viele Menschen von der Kirche abwenden, dass sie auf die völlige Bdeutungslosigkeit eingedampft wird.
    Sie wird, mangels Masse, wie das Beispiel des einzigen Priesters zeigt, das Sie anführen, noch nicht einmal mehr missionieren können. Es ist einfach keiner mehr da, der es macht. Von den prachtvollen öffentlichen Machtdemonstrationen einer Fronleichnamsprozession, an denen ich teilnehmen durfte, ganz zu schweigen.
    Auch für eine Gehsteigberatung vor Frauenarztpraxen steht dann niemand mehr zur Verfügung und ob dann noch überhaupt ein Abgeordneter im Parlament sitzt, der zum Beispiel bei Einführung der Ehe für gleichgeschlechtlich Liebende aufstehen könnte und sagt, was Sache ist,istsehr zu bezweifeln. Genau das gleiche gilt natürlich für das Adoptionsrecht, Euthanasie, Blasphemieparagrafen, Schulen und Religionsunterricht, etc. pp. Das wird nur für die Liberalen gut, aber nicht für die Macht der Kirche, irgendwo auf Zeugen Jehovas Niveau.

    • F.M.,
      ich denke, Sie haben natürlich nicht ganz Unrecht. Sicher wäre es schön, wenn die Menschen in großer Zahl am katholischen Glauben festhalten, bzw. zu ihm zurückkehrten. Doch den kath. Glauben zu ändern, um mehr Menschen anzuziehen, kommt nicht in Frage. Also werden wir mit diesem Bedeutungsverlust leben müssen und in kleineren Dimensionen denken als bisher.

      • Der katholische Glauben wurde schon immer und immer wieder geändert. Was also kann daran schlimm sein, wenn er heute wieder geändert wird, um die Kirche zu retten?

        • F.M.,
          das kommt darauf an, was Sie mit Änderungen meinen. Der Glaube, d.h. die dogmatisch festgeschriebenen Glaubenssätze, sind nach katholischer Lehre unveränderlich. Wären sie dies nicht, so wäre der Katholizismus falsch, und mehr noch, eine gigantische Lüge. Und die einzig richtige Haltung wäre dann, aus diesem verräterischen Verein auszutreten.
          Das ist, wie Sie in Ihrer in anderen Kommentaren geradezu ostentativ zur Schau getragenen theologischen Fachkompetenz sicher wissen, ja der ganze Sinn der Debatte über die Hermeneutik des letzten Konzils. Wäre es möglich, den Glauben einfach so zu ändern, dann wäre es egal, ob eine Kontinuität zwischen der Tradition und den Aussagen des Konzils möglich wäre.
          Man kann die Kirche aber nicht durch Lügen retten. Und wenn ein „neuer“ Glauben in Widerspruch mit dem „alten“ Glauben gerät, was sich nicht vermeiden lässt, wenn man den Glauben je den Bedürfnissen der Zeit anpasst, wie Sie als Marketingstrategie vorschlagen, dann ist entweder der alte Glaube wahr, oder der neue Glaube, oder keiner von beiden. A und „nicht A“ können nicht beide wahr sein, wie die elementare Logik bereits lehrt.

  4. Wie war das denn damals im dekadenten Rom? Dort fing es auch an mit einer handvoll Christen. Rom ist mit seiner Dekadenz untergegangen und die Christen siegten. Ist es nicht immer so im Leben und in der Geschichte, dass es ein Auf und Ab gibt? Nach jedem Höhepunkt kommt der Abstieg und wenn man ganz unten ist geht es wieder aufwärts. Und steht nicht auch in der Bibel
    „…….und musste dies nicht alles geschehen, damit sich das Wort erfüllt?,,,,,,,,,,“
    Vertrauen wir auf Gott, beten wir und geben unser bestes.

  5. Ich habe irgendwie, auch wenn ich diese Kommentare lese, das Gefühl, dass die Blickrichtung, die Ausrichtung nicht stimmt. Ich muss gar nicht »die Gesellschaft« retten oder dafür sorgen, dass Politiker dies und das tun. Christus spricht MICH an, MICH persönlich. Ich muss mich zuerst einmal selber retten lassen. Das ist meine Lebensaufgabe.

    • Ultramontanus,
      ja natürlich, darum geht es letzten Endes. Die Gesellschaft ist nur der Raum, in dem wir uns hier auf Erden übergangsweise bewegen. Da wir durch die gesellschaftliche Lage (auch in unseren „Rettungschancen“) beeinflusst werden, ist es wichtig, dass sie möglichst christlichen Prinzipien entspricht, aber es ist nicht das wichtigste.

      Bezog sich Deine Kritik der falschen Blick- oder Ausrichtung nur auf andere Kommentare (z.B. die von F.M.) oder auch auf den ursprünglichen Artikel?

      • Ich meinte eigentlich nur die Kommentare, aber nicht nur die von F. M. Kritik ist aber ein zu hartes Wort. Natürlich schließen sich Sorge um die Gesellschaft und Streben nach Erlangung der persönlichen Heiligkeit gar nicht aus. Ich hatte aber das Gefühl, dass die Sorge um das Politische in den Kommentaren zunehmend Übergewicht bekam. Die Kirche ist nicht da für die Gesellschaft, sondern für Mich, für Dich, für den »Einzigen« (wenn ich mal Stirners Begriff aufgreifen darf).

        • …dass die Sorge um das Politische…

          Das „politische“ ist die Sorge um die „Polis“ also der Gemeinschaft. Und wer ist diese Gemeinschaft? Unsere Nächsten. Sie können natürlich sagen, was geht mich mein Nächster an? Ich Sorge MICH um MEINE Erlösung ….

          • Ach Felix, du bist voll von Hass. Hass ist kein guter Ratgeber, insbesondere dann nicht, wenn es darum geht, Texte eines anderen zu verstehen. Papst Benedikt schrieb im Vorwort seines Papstbuches: »Ich bitte die Leserinnen und Leser nur um jenen Vorschuss an Sympathie, ohne den es kein Verstehen gibt.«

            Diesen »Vorschuss an Sympathie« bist du nicht bereit zu gewähren. Deshalb gibt es bei dir auch »kein Verstehen«.

            Das Politische, das ich hier ansprach, das ist die Sorge um die Strukturen, die Institutionen, Mehrheiten, Macht. Gerade darum geht es aber nicht, sondern es geht immer um den Einzelnen und sein Schicksal. Wichtig ist die Bekehrung des Einzelnen. Was nützen große gesellschaftspolitische Schwafeleien, bevor du nicht selbst umgekehrt und Christus als _deinen_ Herrn erkannt hast und die Kirche als _deine_ Lehrerin, die er zu _deiner_ Heiligung eingesetzt hat? Bekehrung und Rettung sind immer individuell.

            • Jetzt werden hier nicht nur Sünden zugewiesen, sondern auch noch Hass! Was besseres fällt Ihnen nicht ein? Wie lebt es sich denn so, wenn man anderen Menschen, deren Meinung nicht ins angeblich so katholisch- nächstenliebende Weltbild passt, einfach Hass unterstellt? Glauben Sie mir, Hass ist das, was ich der Kirche gegenüber überhaupt nicht empfinde. Eher Angst dass das bisschen Restgröße, das sie sich noch erhalten hat, mit so nachdenklichen Männern wie Wölki, auch noch zu verspielen in völlig sinnlosen Machtkämpfen. Adieu!

              • Ich habe bei Jobo ein Zitat von Carl Friedrich von Weizsäcker gefunden, was das, was ich meine, ganz gut beschreibt:

                »Die Kirche hat nicht den Auftrag, die Welt zu verändern. Wenn sie aber ihren Auftrag erfüllt, verändert sich die Welt.«

                • @F.M.
                  Merkwürdiger Satz von Ihnen: „Wie lebt es sich denn so, wenn man anderen Menschen, deren Meinung nicht ins angeblich so katholisch- nächstenliebende Weltbild passt, einfach Hass unterstellt?“

                  Was wäre verwerflich daran, z.B. einem Islamisten zu unterstellen, dass er Christen hasst? Muss man sich deswegen jetzt schuldig fühlen? Ist es verwerflich die Wahrheit zu sagen? Ich verstehe nicht, was Sie mit Ihrem Satz sagen wollen.

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