Summorum Pontificum

Im Jahr 2007 erließ der Papst ein ganz wichtiges Kirchengesetz, nämlich Summorum Pontificum. Mit diesem „Motu Proprio“ erhielt die traditionelle Messe wieder volles Heimatrecht in der Kirche. Jeder Priester hat das Recht, die liturgischen Traditionen seiner Kirche wieder für sich zu entdecken und die Messe aller Zeiten zu zelebrieren. Bis heute stellen sich die Modernisten mit Macht gegen die Umsetzung von Summorum Pontificum, größtenteils mit Erfolg. Doch es sind rechtliche Fakten geschaffen worden, und ein zukünftiger Papst kann auf diesem wichtigen Fundament aufbauen. Anlässlich der Abdankung des Heiligen Vaters zum Ende des laufenden Monats sei hier dieses wichtige Motu Proprio vollständig und ungekürzt in deutscher Übersetzung präsentiert: (Die lateinische Originalfassung findet sich hinter dem Link. Doch trotz der lateinfreundlichen Ausrichtung dieses Blogs scheint es mir angemessen, hier die deutsche Übersetzung zu zitieren, da den meisten Lesern die Lektüre des lateinischen Originals sicher schwerer fallen dürfte, als die der deutschen Übersetzung…)

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Deutsch

Achtung: Inoffizielle vom Vatikan veröffentlichte Übersetzung

Motu Proprio SUMMORUM PONTIFICUM

Die Sorge der Päpste ist es bis zur heutigen Zeit stets gewesen, dass die Kirche Christi der Göttlichen Majestät einen würdigen Kult darbringt, „zum Lob und Ruhm Seines Namens“ und „zum Segen für Seine ganze heilige Kirche“.

Seit unvordenklicher Zeit wie auch in Zukunft gilt es den Grundsatz zu wahren, „demzufolge jede Teilkirche mit der Gesamtkirche nicht nur hinsichtlich der Glaubenslehre und der sakramentalen Zeichen übereinstimmen muss, sondern auch hinsichtlich der universal von der apostolischen und ununterbrochenen Überlieferung empfangenen Gebräuche, die einzuhalten sind, nicht nur Irrtümer zu vermeiden, sondern auch damit der Glaube unversehrt weitergegeben wird; denn das Gesetz des Betens (lex orandi) der Kirche entspricht ihrem Gesetz des Glaubens (lex credendi).“ (1)

Unter den Päpsten, die eine solche gebotene Sorge walten ließen, ragt der Name des heiligen Gregor des Großen heraus; dieser sorgte dafür, dass sowohl der katholische Glaube als auch die Schätze des Kultes und der Kultur, welche die Römer der vorangegangenen Jahrhunderte angesammelt hatten, den jungen Völkern Europas übermittelt wurden.

Er ordnete an, dass die in Rom gefeierte Form der heiligen Liturgie – sowohl des Messopfers als auch des Officium Divinum – festgestellt und bewahrt werde.

Eine außerordentlich große Stütze war sie den Mönchen und auch den Nonnen, die unter der Regel des heiligen Benedikt dienten und überall zugleich mit der Verkündigung des Evangeliums durch ihr Leben auch jenen äußerst heilsamen Satz veranschaulichten, dass „dem Gottesdienst nichts vorzuziehen“ sei (Kap. 43). Auf solche Weise befruchtete die heilige Liturgie nach römischem Brauch nicht nur den Glauben und die Frömmigkeit, sondern auch die Kultur vieler Völker.

Es steht fraglos fest, dass die lateinische Liturgie der Kirche – mit ihren verschiedenen Formen in allen Jahrhunderten der christlichen Zeit – sehr viele Heilige im geistlichen Leben angespornt und so viele Völker in der Tugend der Gottesverehrung gestärkt und deren Frömmigkeit befruchtet hat.

Dass aber die heilige Liturgie diese Aufgabe noch wirksamer erfüllte, darauf haben verschiedene weitere Päpste im Verlauf der Jahrhunderte besondere Sorgfalt verwandt; unter ihnen ragt der heilige Pius V. heraus, der mit großem seelsorglichen Eifer auf Veranlassung des Konzils von Trient den ganzen Kult der Kirche erneuerte, die Herausgabe verbesserter und „nach der Norm der Väter reformierter“ liturgischer Bücher besorgte und sie der lateinischen Kirche zum Gebrauch übergab.

Unter den liturgischen Büchern des römischen Ritus ragt das Römische Messbuch deutlich heraus; es ist in der Stadt Rom entstanden und hat in den nachfolgenden Jahrhunderten schrittweise Formen angenommen, die große Ähnlichkeit haben mit der in den letzten Generationen geltenden.

„Dasselbe Ziel verfolgten die Päpste im Lauf der folgenden Jahrhunderte, indem sie sich um die Erneuerung oder die Festlegung der liturgischen Riten und Bücher bemühten und schließlich am Beginn dieses Jahrhunderts eine allgemeine Reform in Angriff nahmen“. (2) So aber hielten es Unsere Vorgänger Clemens VIII., Urban VIII., der heilige Pius X., (3) Benedikt XV., Pius XII. und der selige Johannes XXIII.

In jüngerer Zeit brachte das Zweite Vatikanische Konzil den Wunsch zum Ausdruck, wonach mit der gebotenen Achtsamkeit und Ehrfurcht gegenüber dem Gottesdienst dieser ein weiteres Mal reformiert und den Erfordernissen unserer Zeit angepasst werden sollte.

Von diesem Wunsch geleitet hat Unser Vorgänger Papst Paul VI. die reformierten und zum Teil erneuerten liturgischen Bücher im Jahr 1970 für die lateinische Kirche approbiert; überall auf der Erde in eine Vielzahl von Volkssprachen übersetzt, wurden sie von den Bischöfen sowie von den Priestern und Gläubigen bereitwillig angenommen.

Johannes Paul II. rekognoszierte die dritte Editio typica des Römischen Messbuchs. So haben die Päpste daran gearbeitet, dass „dieses ‚liturgische Gebäude‘ […] in seiner Würde und Harmonie“ neu erstrahlte. (4)

Andererseits hingen in manchen Gegenden durchaus nicht wenige Gläubige den früheren liturgischen Formen, die ihre Kultur und ihren Geist so grundlegend geprägt hatten, mit derart großer Liebe und Empfindung an und tun dies weiterhin, dass Papst Johannes Paul II., geleitet von der Hirtensorge für diese Gläubigen, im Jahr 1984 mit dem besonderen Indult „Quattuor abhinc annos“, das die Kongregation für den Gottesdienst entworfen hatte, die Möglichkeit zum Gebrauch des Römischen Messbuchs zugestand, das von Johannes XXIII. im Jahr 1962 herausgegeben worden war; im Jahr 1988 forderte Johannes Paul II. indes die Bischöfe mit dem als Motu Proprio erlassenen Apostolischen Schreiben „Ecclesia Dei“ auf, eine solche Möglichkeit weitherzig und großzügig zum Wohl aller Gläubigen, die darum bitten, einzuräumen.

Nachdem die inständigen Bitten dieser Gläubigen schon von Unserem Vorgänger Johannes Paul II. über längere Zeit hin abgewogen und auch von Unseren Vätern Kardinälen in dem am 23. März 2006 abgehaltenen Konsistorium gehört worden sind, nachdem alles reiflich abgewogen worden ist, nach Anrufung des Heiligen Geistes und fest vertrauend auf die Hilfe Gottes, BESCHLIESSEN WIR mit dem vorliegenden Apostolischen Schreiben folgendes:

Art. 1. Das von Paul VI. promulgierte Römische Messbuch ist die ordentliche Ausdrucksform der „Lex orandi“ der katholischen Kirche des lateinischen Ritus. Das vom hl. Pius V. promulgierte und vom sel. Johannes XXIII. neu herausgegebene Römische Messbuch hat hingegen als außerordentliche Ausdrucksform derselben „Lex orandi“ der Kirche zu gelten, und aufgrund seines verehrungswürdigen und alten Gebrauchs soll es sich der gebotenen Ehre erfreuen.

Diese zwei Ausdrucksformen der „Lex orandi“ der Kirche werden aber keineswegs zu einer Spaltung der „Lex credendi“ der Kirche führen; denn sie sind zwei Anwendungsformen des einen Römischen Ritus.

Demgemäß ist es erlaubt, das Messopfer nach der vom sel. Johannes XXIII. promulgierten und niemals abgeschafften Editio typica des Römischen Messbuchs als außerordentliche Form der Liturgie der Kirche zu feiern. Die von den vorangegangenen Dokumenten „Quattuor abhinc annos“ und „Ecclesia Dei“ für den Gebrauch dieses Messbuchs aufgestellten Bedingungen aber werden wie folgt ersetzt:

Art. 2. In Messen, die ohne Volk gefeiert werden, kann jeder katholische Priester des lateinischen Ritus – sei er Weltpriester oder Ordenspriester – entweder das vom seligen Papst Johannes XXIII. im Jahr 1962 herausgegebene Römische Messbuch gebrauchen oder das von Papst Paul VI. im Jahr 1970 promulgierte, und zwar an jedem Tag mit Ausnahme des Triduum Sacrum.

Für eine solche Feier nach dem einen oder dem anderen Messbuch benötigt der Priester keine Erlaubnis, weder vom Apostolischen Stuhl noch von seinem Ordinarius.

Art. 3. Wenn Gemeinschaften der Institute des geweihten Lebens und der Gesellschaften des apostolischen Lebens – seien sie päpstlichen oder diözesanen Rechts – es wünschen, bei der Konvents- bzw. „Kommunitäts“-Messe im eigenen Oratorium die Feier der heiligen Messe nach der Ausgabe des Römischen Messbuchs zu halten, die im Jahr 1962 promulgiert wurde, ist ihnen dies erlaubt.

Wenn eine einzelne Gemeinschaft oder ein ganzes Institut bzw. eine ganze Gesellschaft solche Feiern oft, auf Dauer oder ständig begehen will, ist es Sache der höheren Oberen, nach der Norm des Rechts und gemäß der Gesetze und Partikularstatuten zu entscheiden.

Art. 4. Zu den Feiern der heiligen Messe, von denen oben in Art. 2 gehandelt wurde, können entsprechend dem Recht auch Christgläubige zugelassen werden, die aus eigenem Antrieb darum bitten.

Art. 5 § 1. In Pfarreien, wo eine Gruppe von Gläubigen, die der früheren Liturgie anhängen, dauerhaft existiert, hat der Pfarrer deren Bitten, die heilige Messe nach dem im Jahr 1962 herausgegebenen Römischen Messbuch zu feiern, bereitwillig aufzunehmen. Er selbst hat darauf zu achten, dass das Wohl dieser Gläubigen harmonisch in Einklang gebracht wird mit der ordentlichen Hirtensorge für die Pfarrei, unter der Leitung des Bischofs nach der Norm des Canon 392, wobei Zwietracht zu vermeiden und die Einheit der ganzen Kirche zu fördern ist.

§ 2. Die Feier nach dem Messbuch des sel. Johannes XXIII. kann an den Werktagen stattfinden; an Sonntagen und Festen kann indes ebenfalls eine Feier dieser Art stattfinden.

§ 3. Gläubigen oder Priestern, die darum bitten, hat der Pfarrer auch zu besonderen Gelegenheiten Feiern in dieser außerordentlichen Form zu gestatten, so z. B. bei der Trauung, bei der Begräbnisfeier oder bei situationsbedingten Feiern, wie etwa Wallfahrten.

§ 4. Priester, die das Messbuch des sel. Johannes XXIII. gebrauchen, müssen geeignet und dürfen nicht von Rechts wegen gehindert sein.

§ 5. In Kirchen, die weder Pfarr- noch Konventskirchen sind, ist es Sache des Kirchenrektors, eine Erlaubnis bezüglich des oben Genannten zu erteilen.

Art. 6. In Messen, die nach dem Messbuch des sel. Johannes XXIII. zusammen mit dem Volk gefeiert werden, können die Lesungen auch in der Volkssprache verkündet werden, unter Gebrauch der vom Apostolischen Stuhl rekognoszierten Ausgaben.

Art. 7. Wo irgendeine Gruppe von Laien durch den Pfarrer nicht erhalten sollte, worum sie nach Art. 5 § 1 bittet, hat sie den Diözesanbischof davon in Kenntnis zu setzen. Der Bischof wird nachdrücklich ersucht, ihrem Wunsch zu entsprechen. Wenn er für eine Feier dieser Art nicht sorgen kann, ist die Sache der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“ mitzuteilen.

Art. 8. Ein Bischof, der für Bitten dieser Art seitens der christgläubigen Laien Sorge tragen möchte, aber aus verschiedenen Gründen daran gehindert wird, kann die Sache der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“ berichten, die ihm Rat und Hilfe zu geben hat.

Art 9 § 1. Der Pfarrer kann – nachdem er alles wohl abgewogen hat – auch die Erlaubnis geben, dass bei der Spendung der Sakramente der Taufe, der Ehe, der Buße und der Krankensalbung das ältere Rituale verwendet wird, wenn das Heil der Seelen dies nahe legt.

§ 2. Den Bischöfen ist die Vollmacht gegeben, das Sakrament der Firmung nach dem alten Pontificale Romanum zu feiern, wenn das Heil der Seelen dies nahe legt.

§ 3. Die geweihten Kleriker haben das Recht, auch das Römische Brevier zu gebrauchen, das vom sel. Johannes XXIII. im Jahr 1962 promulgiert wurde.

Art. 10. Der Ortsordinarius hat das Recht, wenn er es für ratsam hält, eine Personalpfarrei nach Norm des Canon 518 für die Feiern nach der älteren Form des römischen Ritus zu errichten oder einen Rektor bzw. Kaplan zu ernennen, entsprechend dem Recht.

Art. 11. Die Päpstliche Kommission „Ecclesia Dei“, die von Johannes Paul II. im Jahr 1988 errichtet wurde (5), fährt fort mit der Erfüllung ihrer Aufgabe. Diese Kommission soll die Form, die Amtsaufgaben und die Handlungsnormen erhalten, mit denen der Papst sie ausstatten will.

Art. 12. Dieselbe Kommission wird über die Vollmachten hinaus, derer sie sich bereits erfreut, die Autorität des Heiligen Stuhls ausüben, indem sie über die Beachtung und Anwendung dieser Anordnungen wacht.

Alles aber, was von Uns durch dieses als Motu Proprio erlassene Apostolische Schreiben beschlossen wurde, ist – so bestimmen Wir – gültig und rechtskräftig und vom 14. September dieses Jahres, dem Fest der Kreuzerhöhung, an zu befolgen, ungeachtet jeder anderen gegenteiligen Anordnung.

Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, am 7. Juli, im Jahr des Herrn 2007, dem dritten Jahr Unseres Pontifikats.

Anmerkungen:
(1) INSTITUTIO GENERALIS MISSALIS ROMANI, EDITIO TERTIA, 2002, Nr. 397. (2) PAPST JOHANNES PAUL II., Apostolisches Schreiben Vicesimus quintus annus vom 4. Dezember 1988, Nr. 3: AAS 81 (1989) 899. (3) Ebd. (4) HL. PAPST PIUS X., Apostolisches Schreiben „Motu Proprio“ Abhinc duos annos vom 23. Oktober 1913: AAS 5 (1913) 449-450; vgl. PAPST JOHANNES PAUL II., Apostolisches Schreiben Vicesimus quintus annus, Nr. 3: AAS 81 (1989) 899. (5) Vgl. PAPST JOHANNES PAUL II., Apostolisches Schreiben „Motu Proprio“ Ecclesia Dei adflicta vom 2. Juli 1988, Nr. 6: AAS 80 (1988) 1498.

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„Das war früher so, heute ist das anders“

Manchmal gibt es gute Predigten, manchmal schlechte, und manchmal welche, die man schon vergessen hat, bevor sie vorbei sind. Dies ist leider der alltägliche Zustand, den man in katholischen Gemeinden erleben kann. Die schwierigen Glaubenswahrheiten werden regelmäßig ausgespart, weil die heutigen Menschen das nicht hören wollen. „Das kann man heute nicht mehr sagen“. „Die Menschen haben sich verändert, und die Kirche muss sie da abholen, wo sie sind.“

Und was die gesellschaftlichen Themen betrifft, zu denen eine auch zur sittlichen Leitung der Christen berufene Kirche nicht schweigen kann, wie Lebensrecht, die natürliche Familie und einige mehr, so hört man auch bloß den lauten Atem der Stille.

Ist das sein Leib und sein Blut? Wirklich und wahrhaftig? Ist die Bibel das Wort Gottes? Sind die Dogmen der heiligen Mutter Kirche wahr, heute, gestern und morgen? Ist Maria auch heute noch, auch im körperlichen Sinne, eine reine Jungfrau? Ist die Tötung der Unschuldigen grundsätzlich moralisch falsch? Was ist mit homosexuellen Akten? Was mit Scheidung, Verhütung, der Verehrung des Mammon? Diese Fragen werden nur selten klar beantwortet. Predigten, die auf diese Themen überhaupt zu sprechen kommen, so ist mein Eindruck, dienen hauptsächlich zur Verschleierung der katholischen Wahrheit, nicht zu ihrer Verkündigung.

Meistens beschäftigen sich die Predigten nicht einmal mit der Auslegung des in der Messe gelesenen Evangeliums, sondern bestehen größtenteils aus Luftblasen, die in einer krampfhaft infantilisierten Soziologenprosa nur die heiße Luft politisch korrekter Wohlfühlfloskeln transportieren.

Eigentlich sollte der katholische Laie in der Feier des Heiligen Messopfers nicht kritisch filtern, was der Hirte vorträgt. Eigentlich sollte er in kindlichem Vertrauen dem Wort des Hirten lauschen und sich darauf verlassen können, dass er aus seinem Mund die Worte des Herrn hört und dass sie ihm erklärt werden, so dass er sie in der Welt verkündigen und leben kann. Eigentlich sollte der Laie nicht als Kritiker agieren – doch manchmal geht es leider nicht anders.

Über unglückliche Predigten, über Floskeln und Leerformeln, kann man einfach hinweggehen. Ich bin sicher, schlechte Predigten dieser Art gab es immer und es wird sie immer geben.

Doch manchmal geht das nicht. Denn nicht selten kommt es vor, dass die Worte der Predigt schlicht missverständlich sind oder gar der Überlieferung der Kirche widersprechen. „Das war früher so; heute ist das anders“. Früher war die Kirche ja so freudlos, sie wusste nicht, dass die Messe eine Feier, ein Fest sein sollte. Sie war ja so humorlos und so unmodern und so unfreundlich und so wenig weltoffen. Früher hat die Kirche das Höllenfeuer gepredigt, heute redet sie von Versöhnung und sagt, dass alle Menschen sich lieb haben sollen.

Wenn etwa, wie ich kürzlich persönlich bezeugen durfte, ein katholischer Priester in einer Predigt erklärt, man habe ja hinsichtlich des sonntäglichen Messbesuchs früher von einer „Pflicht“ geredet, doch das sei einseitig und unangemessen gewesen, weil die Messe ja eigentlich ein Fest sein solle, und deshalb dürfe man heute nicht mehr von einer „Sonntagspflicht“ sprechen, dann kann der Laie nicht einfach in kindlichem Vertrauen annehmen, was der Hirte da lehrt.

Und da derartige Vorkommnisse nicht selten sind, muss der Laie filtern, was da eigentlich gesagt wird. Er muss zum Kritiker und zum Theologen werden, wenn er nicht von Irrlehren eingefangen werden will, die von der Kanzel (vom Ambo?) gepredigt werden. Er kann kein kindliches Vertrauen aufbringen, weil es zu oft enttäuscht worden ist. Zu oft hat man den Laien mit leeren Floskeln abgespeist, und zu selten hat man ihm die gesunde katholische Lehre gepredigt.

Ich habe an anderer Stelle bereits einige Vergleiche zwischen der „ordentlichen“ und der „außerordentlichen“ Form der Messe gezogen, doch es scheint mir angemessen, auf einen offensichtlichen Unterschied hinzuweisen:

Ist die Gebetsrichtung „ad Dominum“, die Liturgiesprache Latein, der Altarraum frei von geschäftigen Laien, so ist die Chance 99,5%, dass dort gesunde katholische Lehre gepredigt wird, der man in kindlichem Vertrauen lauschen kann. Beginnt die Messe zudem mit einem Stufengebet, und endet mit dem Schlussevangelium, so steigt die Chance auf 100%.

Wer das Glück hat, eine solche traditionelle Messe sonntags in erreichbarer Nähe zu haben, der sollte im Interesse der gesunden katholischen Lehre diese Chance nicht verstreichen lassen.

Im „Novus Ordo“ kann der ganze, wahre, katholische Glaube verkündigt werden. Im „Vetus Ordo“ wird er es.

Wer an einer solchen Messe interessiert ist, der kann hier schauen, ob es eine auch in seiner Nähe gibt. (Je nach Berührungsängsten mit den Piusbrüdern gibt es auch hier noch weitere Möglichkeiten. Die Erlaubtheit des Messbesuchs bei der FSSPX diskutiert etwa Father Z hier.)

Schaden kann es nicht…

… auch wenn ich das Anliegen für völlig unrealistisch halte:

Es gibt eine Petition, die den Heiligen Vater bittet, die Messe auch einmal öffentlich im überlieferten tridentinischen Ritus zu zelebrieren – das Anliegen kann ich nur unterstützen. Vielleicht möchte ja der eine oder andere Leser seine Unterstützung auch in dieser Petition kundtun? Ich möchte dies empfehlen.

Es wäre ein sehr schönes und sehr wichtiges Symbol, wenn der Papst die angeblich ja wieder mit „Heimatrecht“ in der Kirche ausgestattete traditionelle Messe auch öffentlich zelebrieren würde.

Die Kirche der Zukunft…

… ist klein, aber traditionell katholisch. In der Erzdiözese von New York (2 Millionen Katholiken) wurde im letzten Jahr nur ein einziger Priester geweiht. Das ist die schlechte Nachricht.

Die gute Nachricht: Er feierte seine erste Messe natürlich als levitiertes Hochamt im traditionellen Ritus. Es ist nicht zu erwarten, dass dieser Priester allzu viel Verständnis für die üblicherweise geforderte Anpassungsarie an die moderne Welt aufbringen wird.

Einige Gedanken zur Zukunft der Kirche

Mehr und mehr scheint dies das Bild in der Kirche zu sein. Da sich das Lehramt auch nach dem Konzil gegen einen offenen theologischen Bruch gestellt und viele der besonders unpopulären moralischen Lehren, wie etwa zu Abtreibung, Homosexualität, Scheidung, Verhütung usw. verteidigt hat, ist die Attraktivität der Kirche für die überzeugten Modernisierer zurückgegangen. Die alten Vorkämpfer sterben langsam aus, oder werden irrelevant. Die junge Generation ist, allgemein gesprochen, keineswegs konservativ oder traditionell katholisch. Im Gegenteil, sie hat den Geist der Moderne voll internalisiert. Doch sie ist konsequent. Sie sieht keinen Grund darin, diese starrsinnigen Köpfe in der Kirche weiter ernstzunehmen. Sie will die Kirche nicht verändern – sie geht einfach irgendwohin, wo es ihr besser gefällt. Die Jugend ist pragmatisch. Sie haben die Lektion des Relativismus gelernt: Jeder soll doch machen, was er will. Und wenn es ihnen nicht passt, dann gehen sie halt und zucken mit den Schultern. Es ist ihnen einfach egal.

Die junge Generation verlässt massenhaft die katholische Kirche – es gibt keine Renaissance des Katholizismus in der jungen Generation. Aber weil diese jungen kirchenfernen Menschen gar keine Bindung an die Kirche besitzen, fühlen sie sich ihr gar nicht mehr zugehörig. Sie kümmern sich nicht um irgendwelche Laienräte, und nichts ist für sie langweiliger als Kirchenpolitik. Und sie treten mehr und mehr einfach aus.

Doch wenn die alte Generation der Modernisten ausstirbt, und die Junge austritt, wer bleibt dann noch übrig? Es ist die kleine Minderheit, alt und jung, die den Glauben bewahrt hat, und die ihn weitertragen wird.

Diese Minderheit sieht den liturgischen Schatz der „tridentinischen“ Messe sehr positiv, selbst wenn einige unter ihnen glauben, man könne den Novus Ordo ebenso ehrfürchtig und mit der korrekten katholischen Theologie des Messopfers zelebrieren. Sie alle sehen in der traditionellen Messe einen unermesslichen Schatz, dem heute und für immer ein würdiger Ehrenplatz in der katholischen Kirche zusteht.

Die zum Priesterstand berufenen Männer dieser Minderheit werden sehr oft in der „außerordentlichen Form“ zelebrieren wollen – manche ausschließlich, andere abwechselnd mit der „ordentlichen Form“. Sie teilen eine große Liebe zur wahren katholischen Theologie, selbst wenn viele von ihnen sie nicht als Teil ihrer Ausbildung präsentiert bekommen, und wollen den Glauben verkündigen und verbreiten.

Dies ist eine Minderheit, die sich längst damit abgefunden hat, dass die Volkskirche nicht mehr existiert, und man vor der Wahl steht, noch für einige Jahre weiterhin die Illusion zu präsentieren, indem man halsbrecherische Kompromisse mit der Welt eingeht, oder direkt wieder den unverkürzten katholischen Glauben zu bekennen und für ihn einzustehen, selbst wenn das zu einer kleineren, ärmeren Kirche führt, die ihre weltlichen Ambitionen vollständig einstellen muss.

Es ist dies eine kleine Schar von Katholiken, ein Rest, dessen fortdauernde Existenz uns zugesichert ist, aber auch eine Keimzelle, aus der vieles entspringen kann, wofür heute unsere Vorstellungskraft noch nicht reicht.

Sie lieben die Tradition nicht aus Nostalgie, sondern aus Überzeugung. Sehr viele von ihnen kennen die Tradition gar nicht mehr aus erster Hand, aber sie kennen die Theologie und sind fasziniert von ihr. Und weil sie wirklich von der Wahrheit des katholischen Glaubens überzeugt sind, und weil sie Christus wirklich lieben, werden sie auch seine Gebote halten, so gut sie können. Und sie werden in der Tugend wachsen, nach Heiligkeit streben, und sich nicht mit weltlichem Tand zufriedengeben, wenn sie Gott selbst in Ewigkeit haben können.

Es ist eine kleine Schar, doch das waren die Jünger auch. Darauf kann man aufbauen. Und da die modernen Abrissbirnen die Kirche bis auf die Grundfesten „aufgebrochen“ und „abgebrochen“ haben, ist dieses Aufbauen auch dringend nötig.

Bischof Bernard Fellay, FSSPX, hat in einem langen Vortrag in Wien (Hörempfehlung!) vom 20.5. die aktuelle Situation der Kirche mit einem Winter verglichen, dessen Ende wir absehen können, wenn wir die ersten Knospen blühen sehen. Es sei noch kalt, es friere, es werde womöglich auch noch viel kälter, aber wir wissen, am Ende kommt der Frühling.

Der Winter mag noch lang sein, doch die ersten Anzeichen des Frühlings sind nicht mehr zu übersehen. Eine kleine, schwache, zarte, doch quicklebendige Kirche erhebt sich zittrig und noch unsicher, mit tastenden Schritten, aus den Trümmern der Moderne, bereit ihr Kreuz zu tragen, bereit zu leiden, bereit zu sterben für die Person, die die Wahrheit ist, entschlossen auf ihren Bräutigam zu warten, und Ihm zu dienen, und Ihm zu Füßen zu fallen in Liebe, wenn Er kommt in Herrlichkeit.

Zwei Opfer und zwei Götter

Photo: James Baca/ Denver Catholic Register
Quelle: LifeSiteNews
In Denver, vor einer der größten Abtreibungskliniken der USA – das im Hintergrund sichtbare Gebäude mit der Aufschrift „Planned Parenthood“ – zelebrierte im Angesicht des unheiligen Schlachtopfers, das dort alltäglich vollzogen wird, Pater Joseph Hearty, FSSP, das Heilige Messopfer in der „außerordentlichen Form“. Ihm gleich taten es sechs Diözesanpriester, die allerdings die Messe in der ordentlichen Form feierten. Dies alles geschah im Rahmen eines längeren Protestes gegen die unmenschlichen und unmoralischen Tötungsakte, die in dieser Abtreibungsklinik vollzogen wird. Dem falschen Gott, der Menschenopfer verlangt, wird der wahre Gott gegenübergestellt, und die ganze Passage erinnert mich an jene Stelle aus dem 1. Buch der Könige, an der Elija sich mit den falschen Propheten des Baal anlegt.
Während die Anhänger des „Sakraments der Abtreibung“* ihre Opfergaben ihrem falschen Gott darbringen, der jedoch, wie schon Baal, überhaupt nicht reagiert, bringen die Christen ihrem wahren Gott die wahre Opfergabe dar, und dieser schenkt ihnen das wahre Sakrament und die wahre Gnade. Schärfer könnte der Kontrast wohl kaum sein.
16 Obadja kam zu Ahab und brachte ihm die Nachricht. Ahab ging Elija entgegen.
17 Sobald er ihn sah, rief er aus: Bist du es, Verderber Israels?
18 Elija entgegnete: Nicht ich habe Israel ins Verderben gestürzt, sondern du und das Haus deines Vaters, weil ihr die Gebote des Herrn übertreten habt und den Baalen nachgelaufen seid.
19 Doch schick jetzt Boten aus und versammle mir ganz Israel auf dem Karmel, auch die vierhundertfünfzig Propheten des Baal und die vierhundert Propheten der Aschera, die vom Tisch Isebels essen.
20 Ahab schickte in ganz Israel umher und ließ die Propheten auf dem Karmel zusammenkommen.
21 Und Elija trat vor das ganze Volk und rief: Wie lange noch schwankt ihr nach zwei Seiten? Wenn Jahwe der wahre Gott ist, dann folgt ihm! Wenn aber Baal es ist, dann folgt diesem! Doch das Volk gab ihm keine Antwort.
22 Da sagte Elija zum Volk: Ich allein bin als Prophet des Herrn übrig geblieben; die Propheten des Baal aber sind vierhundertfünfzig.
23 Man gebe uns zwei Stiere. Sie sollen sich einen auswählen, ihn zerteilen und auf das Holz legen, aber kein Feuer anzünden. Ich werde den andern zubereiten, auf das Holz legen und kein Feuer anzünden.
24 Dann sollt ihr den Namen eures Gottes anrufen und ich werde den Namen des Herrn anrufen. Der Gott, der mit Feuer antwortet, ist der wahre Gott. Da rief das ganze Volk: Der Vorschlag ist gut.
25 Nun sagte Elija zu den Propheten des Baal: Wählt ihr zuerst den einen Stier aus und bereitet ihn zu; denn ihr seid die Mehrheit. Ruft dann den Namen eures Gottes an, entzündet aber kein Feuer!
26 Sie nahmen den Stier, den er ihnen überließ, und bereiteten ihn zu. Dann riefen sie vom Morgen bis zum Mittag den Namen des Baal an und schrien: Baal, erhöre uns! Doch es kam kein Laut und niemand gab Antwort. Sie tanzten hüpfend um den Altar, den sie gebaut hatten.
27 Um die Mittagszeit verspottete sie Elija und sagte: Ruft lauter! Er ist doch Gott. Er könnte beschäftigt sein, könnte beiseite gegangen oder verreist sein. Vielleicht schläft er und wacht dann auf.
28 Sie schrien nun mit lauter Stimme. Nach ihrem Brauch ritzten sie sich mit Schwertern und Lanzen wund, bis das Blut an ihnen herabfloß.
29 Als der Mittag vorüber war, verfielen sie in Raserei und das dauerte bis zu der Zeit, da man das Speiseopfer darzubringen pflegt. Doch es kam kein Laut, keine Antwort, keine Erhörung.
30 Nun forderte Elija das ganze Volk auf: Tretet her zu mir! Sie kamen und Elija baute den zerstörten Altar Jahwes wieder auf.
31 Er nahm zwölf Steine, nach der Zahl der Stämme der Söhne Jakobs, zu dem der Herr gesagt hatte: Israel soll dein Name sein.(1Mo 32,29; 1Kön 35,10)
32 Er fügte die Steine zu einem Altar für den Namen des Herrn, zog rings um den Altar einen Graben und grenzte eine Fläche ab, die zwei Sea Saat hätte aufnehmen können.
33 Sodann schichtete er das Holz auf, zerteilte den Stier und legte ihn auf das Holz.
34 Nun befahl er: Füllt vier Krüge mit Wasser und gießt es über das Brandopfer und das Holz! Hierauf sagte er: Tut es noch einmal! Und sie wiederholten es. Dann sagte er: Tut es zum dritten Mal! Und sie taten es zum dritten Mal.
35 Das Wasser lief rings um den Altar. Auch den Graben füllte er mit Wasser.
36 Zu der Zeit nun, da man das Speiseopfer darzubringen pflegt, trat der Prophet Elija an den Altar und rief: Herr, Gott Abrahams, Isaaks und Israels, heute soll man erkennen, dass du Gott bist in Israel, dass ich dein Knecht bin und all das in deinem Auftrag tue.
37 Erhöre mich, Herr, erhöre mich! Dieses Volk soll erkennen, dass du, Herr, der wahre Gott bist und dass du sein Herz zur Umkehr wendest.
38 Da kam das Feuer des Herrn herab und verzehrte das Brandopfer, das Holz, die Steine und die Erde. Auch das Wasser im Graben leckte es auf.
39 Das ganze Volk sah es, warf sich auf das Angesicht nieder und rief: Jahwe ist Gott, Jahwe ist Gott!
40 Elija aber befahl ihnen: Ergreift die Propheten des Baal! Keiner von ihnen soll entkommen. Man ergriff sie und Elija ließ sie zum Bach Kischon hinabführen und dort töten.
Aus dem oben verlinkten Artikel über das „Sakrament der Abtreibung“:
Abortion has never been merely or even primarily a political issue. It is a false religion. When pro-life Christians, for example, pray in front of an abortion mill, it is not simply a matter of pro-life people opposing false medicine. It is the true Church in conflict with a false Church. One former clinic security guard, after being converted, admitted why he was angry at pro-life sidewalk counselors: „You were coming to protest in front of our church. That clinic was where we conducted our worship.“
[Abtreibung war niemals bloß oder hauptsächlich ein politisches Thema. Sie ist eine falsche Religion. Wenn christliche Lebensrechtler, zum Beispiel, vor einer Abtreibungsklinik beten, sind das nicht einfach Lebensrechtler, die falsche Medizin bekämpfen. Es ist die wahre Kirche im Konflikt mit einer falschen Kirche. Ein früherer Klinikwachmann gab nach seiner Bekwehrung zu, warum er wütend auf die Bürgersteigberatung der Lebensrechtler war: „Ihr kamt, um vor unserer Kirche zu protestieren. Diese Klinik war der Ort, an dem wir unseren Gottesdienst verrichteten.“]

Aus dem Hirtenbrief von Bischof Huonder…

… zur Ehe. Anmerkungen in roter Schrift und Hervorhebungen von Catocon, wie immer:

Fragen an die Seelsorger

Nochmals auf die erwähnte Statistik zurückgreifend, müssen wir uns fragen, ob Traupaare genügend in die Ehe und ihren christlichen Gehalt eingeführt werden. Wird ihnen die Tragweite des Versprechens bewusst gemacht? (In der Regel nicht) Werden die Fragen bezüglich der Bereitschaft zur christlichen Ehe ehrlich beantwortet? (Nein.) Ja, wird die liturgische Form der Trauung, die in sich eine wunderbare Ehekatechese ist, überhaupt eingehalten? (Nicht, wenn die Ehepartner nicht darauf bestehen…)

Aus Gesprächen bezüglich Nichtigkeitsverfahren geht nicht selten hervor, das die Unterweisung mangelhaft war (oder gar nicht in wahrnehmbarer Form als solche zu erkennen war), oder dass absichtlich gewisse liturgische Formulierungen ausgeblendet wurden wie etwa „bis der Tod euch scheidet.“ (So etwas ist ja auch unbequem, in einer Zeit, in der Ehebruch nicht nur akzeptabel ist, sondern schon fast erwartet wird…)

Dazu stellen sich noch folgende Fragen: Werden die Traupaare auf ihre geistig-seelische Reife genügend geprüft? (Nein. Es wird grundsätzlich angenommen, dass die durchschnittliche geistig-seelische Reife der Gesellschaft zureichend ist. Und die ist nun einmal auf dem Niveau eines pubertierenden Jugendlichen.) Müsste nicht manche kirchliche Trauung abgesagt oder verschoben werden, weil die notwendigen Voraussetzungen für eine christliche Ehe fehlen? (Ja, und zwar mehr als „manche“, womöglich gar die meisten. Doch das wäre ja „unhöflich“ und nicht modern genug.) Treten Paare wirklich im Glauben an das Sakrament an den Traualtar? (Sakrament? Wollen Sie mich auf den Arm nehmen? Wir leben im 21. Jahrhundert!) Wollen sie den Ehebund wirklich mit Blick auf Christus und auf dem Fundament seiner Lehre eingehen? (Mit Blick auf Christus? Nein, mit Blick auf die Befriedigung der eigenen Wünsche und Triebe, die das einzige sind, das für uns wirklich zählt. Und Christi Lehre? Fundamente sind fundamentalistisch und reaktionär.)

Ein wichtiger, bei kath.net in Gänze lesbarer Hirtenbrief in der Fastenzeit von Bischof Vitus Huonder von Chur, einem der wenigen orthodoxen katholischen Bischöfe der Schweiz. Das Hirtenwort spricht durchweg eine klare Sprache, und dies gilt auch für die enthaltenen Fragen an die Seelsorger, die viele dieser Seelsorger vermutlich ihrem Bischof gar nicht ehrlich beantworten könnten, ohne zugleich ihr Versagen einzugestehen.

Ein beeindruckendes und erschreckendes Testament eines halben Jahrhunderts Dialog- und Partizipationskirche. Frage an die Seelsorger: Wäre es nicht an der Zeit, zur Verkündigung der wahren und klaren Lehre der katholischen Kirche zurückzukehren?

Es bleibt dabei: Katechese statt Dialog. Leitung durch Hirten statt Partizipation durch Schafe.

Und wen kann es noch verwundern, dass Bischof Huonder der erste deutschsprachige Bischof war, der von der in Summorum Pontificum enthaltenen Option der Einrichtung von Personalpfarreien für die Anhänger der traditionellen Messe Gebrauch gemacht hat?

Ratschläge für „Anfänger“ in der traditionellen Messe

Gerade in der Zeit der unsäglichen Karnevalsmessen, die oft wirklich kaum noch etwas mit Messe, dafür umso mehr mit Karneval zu tun haben, wird sich vielleicht so mancher Katholik fragen, ob nicht der Besuch einer traditionellen lateinischen Messe auch eine Alternative sein könnte.

Doch selbst wenn eine traditionelle Messe in vernünftig erreichbarer Entfernung am Sonntag verfügbar ist: Wer nach 1965 geboren oder konvertiert ist, der hat oft gar keine Ahnung, was man bei einer solchen Messe zu erwarten hat. Die Tridentinische Messe ist weitgehend in Vergessenheit geraten; die sie umgebende Kultur fast noch mehr. Aus diesem Grund nun einige Links, teilweise in deutscher, teilweise in englischer Sprache, aus denen man mehr erfahren kann:

Hier ein Artikel von Father Z zum Thema (englisch, die Kommentare sind auch lesenswert)

Hier ein Erlebnisbericht von meiner ersten Messe in der außerordentlichen Form

Hier eine Erklärung der Riten der traditionellen Messe (außerst empfehlenswert!)

Die traditionelle Messe in Ihrer Nähe (man beachte auch die dort verlinkte Standortkarte)

Und schließlich hier noch eine Videosammlung und eine allgemeine Einführung in die traditionelle Messe (englisch)

Nehmen wir an, jemand fragte mich, was er bei seiner ersten traditionellen Messe zu erwarten hat, würde ich in etwa so antworten:

„Ehrfurcht, Stille, Frömmigkeit, Anbetung, eine Messe, die Himmel und Erde an einem Ort vereinigt, Raum und Zeit durchdringt, eine Art „zeitlose Zeit“ herstellt, und dadurch einen Vorgeschmack auf den Himmel bietet, eine Messe, in der der Herr Jesus Christus selbst real präsent ist, und in der man das nicht nur verstandesmäßig glauben, sondern fast schon aus der Atmosphäre spüren kann. Eine Messe, die zwar komplexer ist als der Novus Ordo, und auch überwältigend und verwirrend sein kann, wenn man versucht dem Ritus z.B. im Messbuch zu folgen, die aber solchen Intellektualismus gar nicht nötig hat. Selbst wenn man einfach nur die oben beschriebene Atmosphäre genießt und in sie eintaucht, hat man schon viel gewonnen. Dies gilt besonders im Hochamt, wo die Würde der Messe geradezu augenfällig (und „ohrenfällig“) ist, wenn der gregorianische Chorgesang zusammen mit dem Weihrauch und den Gebeten der versammelten Gemeinde zum Himmel emporsteigt, aber auch in der stillen Messe ist dies so, da hier die Stille ebensolche Würdigkeit ausdrückt. Später, wenn man dann mit der Atmosphäre vertraut ist, kann man sich mit den Feinheiten des Ritus beschäftigen. Was man zu erwarten hat, ist nichts weniger als die Messe aller Zeiten, in der nicht alles anders, aber vieles besser ist als im Novus Ordo. Und wenn man sich sorgt, man könnte negativ auffallen, den Faden verlieren, etwas nicht verstehen, dann muss man aber auch bedenken, dass wir in der realen Gegenwart des Herrn, verglichen mit dem Herrn, alle negativ auffallen, den Faden verlieren, und nur wenig verstehen. Und dass selbst wir „fundamentalistischen Tradis“ niemandem den Kopf abreißen, der keine Ahnung hat.“

Und was würden meine (womöglich mit der außerordentlichen Form erfahrenen) Leser einem solchen interessierten Fragesteller antworten?

Über ein Pontifikalamt

Ein Pontifikalamt in der „außerordentlichen Form“, also im traditionellen Römischen Ritus, zelebriert von einem Diözesanerzbischof. Es handelt sich um den Erzbischof Wenski aus der Erzdiözese Miami.

Wann wird es endlich ein deutscher Erzbischof aus einer bedeutenden Diözese dem Erzbischof Wenski gleich tun und damit das Potenzial für eine ähnliche Signalwirkung entfalten? Vor allem ein relativ frischer Erzbischof, der, wie Wenski, erst knapp 18 Monate im Amt ist.

Bild und Information via Rorate Caeli.

Noch ein Hinweis, direkt aus dem oben zitierten Artikel:

The Pontifical Mass will be broadcast by Live Mass [in Rorate’s sidebar links], and also by iMass (app for iOS devices), starting at 1930 EST (Feb. 03, 0030 GMT). The Rev. Fr. C. Goodwin FSSP will be joining Live Mass as commentator for this Liturgy.
Link: Live Mass
P.S. So etwas wäre vor Summorum Pontificum wohl nicht geschehen. Vielen Dank, Benedikt!

Kardinal Ranjith über die Liturgie

Auf kath.net findet sich derzeit ein Artikel mit der etwas reißerischen Überschrift „Kardinal Ranjith für Rückkehr des Vetus Ordo“. Die Überschrift entspricht jedoch nicht ganz den Tatsachen. Wie wir gleich sehen werden, ist seine Forderung wesentlich bescheidener, weniger radikal, und besteht eigentlich nur aus dem, was auch der Heilige Vater bereits mehrfach gefordert und mit Summorum Pontificum sogar in kirchliches Recht gegossen hat – nämlich ein gleichberechtigtes Fortbestehen zweier Formen des einen römischen Ritus, d.h. sowohl der „Neuen“ als auch der „Alten“ Messe.

Kardinal Ranjith, der ehemalige Sekretär der römischen´Kongregation für Liturgie und Sakramentenordnung, äußerte sich in einer Grußbotschaft an einen Kongreß der internationalen Vereinigung Una Voce, die sich für die traditionelle Form der Heiligen Messe einsetzt. Daher wird er die Gemeinsamkeiten mit Una Voce hervorgehoben haben, wie das in Grußworten eben so üblich ist. Die Unterschiede werden eher reduziert oder gar nicht dargestellt.

Mit diesen Vorbemerkungen und der dadurch hoffentlich entstandenen Zurückhaltung folgt hier nun der Text der Grußbotschaft im Wortlaut (in deutscher Übersetzung, wie sie auf kath.net zu finden war, mit Kommentaren wie immer in roter Farbe.)

Ich möchte zuerst Ihnen allen meine Dankbarkeit ausdrücken für den Eifer und Enthusiasmus, mit dem Sie das Anliegen der Wiederherstellung derwahren liturgischen Traditionen der Kirche voranbringen. (Dafür können wir übrigens alle dankbar sein. Man beachte aber die Formulierung: Die Wiederherstellung der WAHREN liturgischen Traditionen. Die Krise wird hier nicht heruntergespielt oder geleugnet, wie leider sonst sehr oft üblich. )

Wie Sie wissen, ist es der Gottesdienst, der den Glauben vermehrt und dessen heroische Verwirklichung im Leben. (Father Z würde sagen: Save the Liturgy, Save the World!) Er ist das Mittel, mit dem Menschen auf die Ebene des Transzendenten und Ewigen hinauf gehoben werden: der Ort einer tiefen Begegnung zwischen Gott und Mensch. (Und dies muss sich eben auch in der liturgischen Form spiegeln.)

Aus diesem Grund kann Liturgie nie etwas sein, das der Mensch kreiert. (Kreativität ist großartig, wie Sexualität. Doch sowohl Kreativität als auch Sexualität gehören nicht an jeden Ort gleichermaßen, und es gibt in beiden Fällen Orte, an denen sie überhaupt nichts zu suchen haben.) Wenn wir Gott verehren, wie wir es wollen und die Regeln selbst aufstellen, dann riskieren wir, Aarons goldenes Kalb wieder zu errichten. (Klare Worte! Danke, Eminenz!)

Wir sollten immer auf Gottesdienst als Teilnahme an dem, was Gott Selbst tut, bestehen, ansonsten riskieren wir, Götzendienst zu betreiben. (Dies möchte man doch gern den in den Gemeinden und Bistümern für Liturgie zuständigen Menschen zuflüstern – in diesen Worten sehen wir auch, worin nur die wahre „tätige Teilnahme“ bestehen kann, die in pervertierter Form so üblich geworden ist, nämlich in der inneren Teilnahme am großen Geheimnis der Messe.) Die liturgische Symbolik hilft uns, uns über das Menschliche hinauf zum Göttlichen zu erheben. (Es sind eben nicht bloß „leere Formen“ – die Symbole sind voller Inhalt für den, der Augen hat zu sehen. Doch wir sehen ja heute nicht mehr weit, sondern nur noch fern…)

Dabei ist es meine feste Überzeugung, dass der Vetus Ordo in großem Ausmaß und in der erfüllendsten Weise (also in erfüllenderer Weise als der „Novus Ordo“!) diesen mystischen und transzendenten Ruf (!) zu einer Begegnung mit Gott in der Liturgie darstellt.

Deshalb ist die Zeit für uns gekommen, nicht nur den Inhalt der neuen Liturgie durch radikale Änderungen zu erneuern, sondern auch mehr und mehr eine Rückkehr des Vetus Ordo zu unterstützen, als einen Weg für eine wahre Erneuerung der Kirche, was die Väter der Kirche, die beim Zweiten Vatikanischen Konzil saßen, so sehr ersehnt haben. (Dieser Absatz ist leider zweideutig: Wir sollen „nicht nur“ den Inhalt der neuen Liturgie durch radikale Änderungen erneuern. Nicht nur, aber auch, so klingt es an. Wenn wir also die neue Liturgie auch durch radikale Änderungen erneuern sollen, dann ist die wichtigste Frage, worin diese Änderungen bestehen. Diese Frage findet leider keine Antwort. Die „radikalen Änderungen“ könnten in die Richtung dessen gehen, was der heutige Papst in seinem Werk „Der Geist der Liturgie“ beschrieben hat, also Zelebrationsrichtung zum Herrn, statt zum Volk, Rückkehr der lateinischen Sprache, des gregorianischen Chorals usw. Andererseits könnte es auch in die Richtung gehen, die die Freunde des Konzilsgeistes sich wünschen. Auch das wären „radikale“ Veränderungen an der Ordnung der Liturgie. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Kardinal persönlich kein Anhänger einer weiteren Verwässerung der Liturgie ist. Dann wäre es aber wünschenswert, wenn er die Deutung seiner Worte als Aufforderung zu radikalen Experimenten mit dem Novus Ordo explizit ausschlösse. Vielleicht konzentriere ich mich hier auch zu stark auf Bedeutungsnuancen und einzelne Worte, aber meine philosophische Ausbildung macht es mir unmöglich, auf derartige Erbsenzählerei zu verzichten…)

Das aufmerksame Lesen der Konzilskonstitution über die Heilige Liturgie, Sacrosanctum Concilium, zeigt, dass die übereilten Veränderungen, die später in die Liturgie eingebracht wurden, niemals im Sinn der Konzilsväter waren. (Hier ist wieder die These der Kontinuität. Ja, Sacrosanctum Concilium mag für sich genommen mit der Tradition in Einklang stehen. Doch diejenigen, die den Text geschrieben und über ihn abgestimmt haben, haben ihn dann in ihren Heimatbistümern nach ihren Wünschen umgesetzt oder zumindest die Umsetzung in der bekannten Weise geduldet. In der Umsetzung der Liturgiekonstitution sehen wir einen nicht geringen Teil dessen, was die Verfasser des Textes mit den Worten gemeint haben. Und diese Umsetzung ist sicher nicht konsistent mit der wahren Liturgie der Kirche, sondern zeichnet sich durch Missbrauch der Liturgie als Ort menschlicher und bloß menschlicher Schaffenskraft aus. Dies heißt natürlich keinesfalls, dass der Konzilstext nicht in Übereinstimmung mit den liturgischen Prinzipien gelesen werden kann, die Kardinal Ranjith und auch der Heilige Vater in ihm finden möchten. Doch im „Sinne der Konzilsväter“, oder zumindest im Sinne der Mehrheit der Konzilsväter waren diese Änderungen schon – sie waren Bischöfe, und hätten sich gegen diese Änderungen jederzeit zur Wehr setzen können, während und besonders nach dem Konzil. Von einer solchen Abwehrhaltung ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, leider nur wenig bekannt.)

Daher ist die Zeit für uns gekommen, mutig zu sein bei unserer Arbeit für eine wahre Reform der Reform (ein weiterer Schlüsselbegriff, der aber inhaltlicher Füllung bedarf, welche seine Anhänger bislang oft eher schuldig geblieben sind) und auch eine Rückkehr zur wahren Liturgie der Kirche, die sich in ihrer zweitausendjährigen Geschichte in einem kontinuierlichen Fluss entwickelt hatte. (Und worin besteht diese „wahre Liturgie“? Ist sie repräsentiert durch die traditionelle Messe? Durch den Novus Ordo? Durch beide? Eine Mischung von beiden? Hier fehlt die inhaltliche Deutlichkeit.) Ich wünsche und bete, dass dies geschehe. (Er betet, dass „was“ geschehe? Eine Rückkehr zur ttraditionellen Messe? Eine Reform der Reform im Sinne des Heiligen Vaters, die allerdings die Fortexistenz des Novus Ordo als Regelfall eindeutig befürwortet, und sich so sicher nicht mit den Zielen von Una Voce deckt?)

Gott segne Ihre Bemühungen mit Erfolg.

+Malcolm Kardinal Ranjith
Erzbischof von Colombo
24/8/2011

Vielleicht sollte ich eine solche Grußbotschaft nicht überbewerten. Natürlich kann und will man in einer solchen Kürze nicht alle wesentlichen Punkte ansprechen und wird auch notwendig in einer gewissen Mehrdeutigkeit verharren. Dass der Kardinal die traditionellen liturgischen Formen sehr positiv sieht, und Schritte in Richtung auf eine weitere Normalisierung der traditionellen Messe befürwortet, ist auch kaum zu bezweifeln. Schon die Tatsache, dass er sich überhaupt in einem Grußwort an Una Voce wendet, bezeugt diese Haltung.

In meinem Kommentar habe ich mich daher auf die Grauzonen beschränkt, die es nun einmal leider auch gibt. Und die von kath.net gesehene Aufforderung zur „Rückkehr zum Vetus Ordo“ finde ich in dem Grußwort einfach nicht. Ich finde einen Kardinal, der ehrlich die traditionellen Formen bevorzugt, der ihre Vorteile klar sieht und artikuliert. Aber wohin der Kardinal zurückkehren will, das ist nicht die traditionelle Messe, sondern die „wahre Liturgie der Kirche“, die sich allein schon aufgrund der Vielzahl gültiger katholischer Riten in der ganzen Welt nicht in der Tridentinischen Messe erschöpfen kann. Doch eine der gültigen Liturgien ist eben auch der Novus Ordo, der damit per definitionem Teil der „wahren Liturgie der Kirche“ ist, zumindest sofern man sich an die Vorgaben des Messbuchs hält. Die Forderung des Kardinals scheint sich mir also auf die inzwischen im Vatikan fest verankerte Absicht zur Bekämpfung liturgischer Missbräuche innerhalb des Novus Ordo zu beschränken.

Dass dies natürlich besser ist als die in Deutschland übliche Gleichgültigkeit gegenüber dem Missbrauch der Liturgie als Theateraufführung von und für Menschen, versteht sich von selbst. Aber es stellt keine Forderung nach einer Rückkehr zum Vetus Ordo dar, und geht auch in keiner Weise über die bereits heute gültige, aber von vielen Bischöfen ignorierte, Rechtslage hinaus, wie sie in Summorum Pontificum niedergelegt ist.

Was ich eigentlich sagen will: Die von kath.net als gute Neuigkeit verkaufte Botschaft ist war gut, aber nicht neu.