Erziehung als Kulturkampf (Teil 4/4)

Es folgt der vierte und letzte Teil des Essays „Erziehung als Kulturkampf“. Hier geht es zum ersten, zweiten und dritten Teil.

10. Bildung als Formung der Person

Erziehung ist mehr als Betreuung, und jetzt, in einem nächsten Schritt, sehen wir, dass Bildung wiederum noch mehr ist als Erziehung. Bildung basiert auf Erziehung. Erziehung initiiert das Kind in eine kulturell-kultische Ganzheit; Bildung „bildet“, also „formt“ den Menschen, und ganz besonders seinen Geist. Natürlich gehört dazu auch das Lernen von „Kompetenzen“ und „Wissen“, doch liegt hier nicht der eigentliche Mittelpunkt von Bildung. Bildung ist die Formung der vom Erzieher geführten Persönlichkeit. Der Erzieher führt das Kind zu dem gewünschten geistigen Ort, und dabei wird dieses Kind durch Bildung geformt. Erziehung und Bildung lassen sich also überhaupt nicht trennen. Jeder Akt der Bildung ist immer auch ein Akt der Erziehung. Und weil Erziehung niemals moralisch und religiös neutral ist, ist auch Bildung niemals moralisch und religiös neutral. Deswegen kann es auch keine staatliche Bildung in der pluralistischen Gesellschaft geben, ohne dass dadurch wieder der erwähnte Kulturkampf aufbricht.

11. Folgerungen

Damit sehen wir, dass die pluralistische Gesellschaft, die nach den jungen Kindern greift, die noch nicht in die Schule gehen, die Initiation dieser Kinder in eine relativistische Situation durchführt, die mit der katholischen Situation inkompatibel ist. Der Katholik kann daher seine Kinder keiner staatlichen oder staatlich kontrollierten „Betreuung“ anvertrauen, weil besagte Betreuung immer Erziehung ist, und speziell relativistische Erziehung.

Doch wir sehen ferner, dass dasselbe auch für staatliche Bildung, wie sind an Schulen angeboten wird, gilt. Der Katholik kann aus denselben Gründen auch nicht akzeptieren, dass seine Kinder an staatlichen Schulen gebildet werden, also eine Formung von Geist und Charakter erhalten, die selbst wieder relativistische Züge trägt, weil sie nicht anders kann, als auch erzieherisch wirksam zu sein.

Als Katholiken müssen wir daher prinzipiell staatliche Bildung, die sich „wertneutral“ oder „religiös neutral“ darstellt, ablehnen, weil sie Initiation in eine falsche Kult-Kultur-Ganzheit ist, damit einer Apostasie vom wahren Glauben Vorschub leistet, und dadurch die Seelen unserer Kinder in die ernstliche Gefahr des ewigen Todes bringt.

Als Alternativen bleiben kirchliche und private Schulen, sofern ihre erzieherische Initiationsrichtung zumindest weitgehend kompatibel mit der Katholischen ist, und, in dem freien Teil der Erde, selbstverständlich auch der Heimunterricht, der in unfreien Staaten wie Deutschland selbstredend verfolgt wird, weil der Staat keine „Parallelgesellschaften“, also keine nicht-relativistischen Kulturganzheiten neben sich dulden kann – was für Totalitarismen aller politischen Richtungen sehr typisch ist. Der Katholik muss versuchen, eine schulische Nische zu finden, in der die Initiationsrichtung nicht zu weit vom Katholizismus entfernt ist. In einem Land, in dem die natürlichen elterlichen Freiheiten so stark beschnitten worden sind, wie in Deutschland, stellt schon das eine schwere Aufgabe dar, doch sie ist noch nicht unlösbar. Es gibt immer noch gute Schulen, wenn sie auch selten sind.

Für die vorschulische Zeit ist jedoch, von genuinen Notsituationen abgesehen (und einmal keinen Urlaub machen zu können, zählt nicht als Notsituation!), von einer „Betreuung“ außerhalb des Elternhauses generell abzuraten. Die Schaffung des tiefen Vertrauens, die, wie wir gesehen haben, eine wesentliche Voraussetzung für erfolgreiche Erziehung und Bildung ist, hat in den ersten Lebensjahren unbedingten Vorrang. Dies muss geleistet sein, bevor das Kind ins Schulalter kommt, und dies können nur die Eltern des Kindes leisten, besonders die Mutter, die das Kind eben nicht der Selbstverwirklichung wegen verlassen sollte.

Die hier für den Katholiken dargelegten Erwägungen treffen natürlich auch für den Anhänger einer anderen wahrheitsfähigen Religion zu, also für alle ernsthaften Christen, Moslems und (orthodoxen) Juden.

12. Schlussbemerkung: Erziehung zum Seelenheil

Die aktuelle Debatte um die Erziehung von Kindern in Kitas ist daher ein weiterer schwerwiegender Angriff auf die katholische Religion der Kinder katholischer Eltern, und aller anderen, die von ihrer Religion ernsthaft überzeugt sind, und daher ein weiterer widerwärtiger Akt im Kulturkampf, den die relativistischen Eliten gegen die westliche Kultur von Athen, Rom und Jerusalem führen.

Die Forderung nach einer Kitapflicht oder einer Kindergartenpflicht ist als Angriff auf die wahre Religion katholischer Kinder zugleich auch ein schwerwiegender Angriff auf das Seelenheil katholischer Kinder. Und wir wissen, woher Angriffe dieser Art in letzter Konsequenz kommen, und wie wir ihnen begegnen können.

Sancte Michael Archangele,
defende nos in proelio;
contra nequitiam et insidias diaboli esto praesidium.
Imperet illi Deus, supplices deprecamur:
tuque, Princeps militiae Caelestis,
satanam aliosque spiritus malignos,
qui ad perditionem animarum pervagantur in mundo,
divina virtute in infernum detrude.
Amen.

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Erziehung als Kulturkampf (Teil 3/4)

Es folgt der dritte Teil des Essays „Erziehung als Kulturkampf“. Hier geht es zum ersten und zweiten Teil.

7. Folgen staatlicher Kindererziehung

Was passiert nun, wenn ein Staat nach den Kindern greift? Da es keine religiöse und moralische Neutralität gibt, wird der Staat – bewusst oder unbewusst – eine ganz bestimmte religiöse und moralische Initiation, ein tief im Menschen sitzendes Grundverständnis von Kult, Kultur und Moral erschaffen und in den Kindern, die ihm anvertraut sind, verankern. Dasselbe gilt auch für den Erziehenden, der formal privat ist, aber der staatlichen Lizenz bedarf und staatliche Regulierung des Inhalts seiner Erziehungstätigkeit zu befolgen hat.

In der DDR hat der Staat das absichtlich getan, um die Kinder zu guten Sozialisten zu erziehen. Doch selbst wenn er gar keine Indoktrination beabsichtigt, kann er nicht anders als zu erziehen, bewusst oder unbewusst, wenn ihm die Kinder anvertraut sind.

Nehmen wir den pluralistischen Staat an, der es wirklich nur gut meint, und keine Indoktrination beabsichtigt; nehmen wir also den bestmöglichen Fall an. Seine Erziehung im Geiste der religiösen und moralischen Neutralität ist eine Fiktion, weil es keine wahre Neutralität gibt, wie wir gesehen haben. „Alle Religionen sind gleichermaßen privat“ und „Moral ist Privatsache“ sind nicht neutral, sondern indifferentistisch. Sie sind ebenfalls Teil einer ganz bestimmten Kult-Kultur-Ganzheit, nämlich einer Kultur des Pluralismus und Indifferentismus, die sich in Abgrenzung zu anderen Ganzheiten derselben Art definiert. Man könnte diese Ganzheit als „Relativismus“ bezeichnen.

8. Sieg staatlicher Initiation – Entrechtung der Eltern

Die Initiation in den Relativismus schließt eine gleichzeitige konfliktfreie Initiation in eine andere Kult-Kultur-Ganzheit aus. Man kann nicht zugleich zum Relativisten und zum Katholiken erzogen werden. Es kommt hier zu unauflöslichen Konflikten, zu Widersprüchen. Wer wird sich durchsetzen? Der, der den stärksten Einfluss auf das Kind hat. Wer ist das? Der Erzieher, dessen Initiationsrichtung identisch mit derjenigen der Massenmedien, der meisten Gleichaltrigen und der meisten sonstigen Einflüsse ist, die auf das Kind einwirken. Die Eltern, die das Kind an so manchem Abend sehen, werden da wenig gegen tun können. Sie sind damit faktisch entmachtet und entrechtet worden.

Die staatliche Kindererziehung ist also immer gleichbedeutend mit Initiation in die herrschende Kultur, die immer auch zugleich Initiation in den herrschenden Kult und die herrschende Moral ist. In der heutigen Gesellschaft sind dies die relativistische Kultur, die Religion subjektiver, scheinbar moralfreier Spiritualität, und die Moral, die den höchsten Wert in subjektiver Zufriedenheit sieht. Die Initiation in die durch diese Merkmale beschriebene gesellschaftliche Situation ist notwendige Folge staatlicher Kindererziehung in der heutigen Gesellschaft.

Die gesellschaftliche Situation, d.h. der geistige Ort, an dem die Person sich nach erfolgter Initiation befinden wird (sich situiert haben wird), ist je nach Kult-Kultur-Ganzheit dramatisch verschieden. Im Fall der Opposition zwischen modernem Relativismus und Katholizismus ist dieser Gegensatz besonders eklatant, da die Gegensätzlichkeit in allen drei Dimensionen der Initiation – Kultur, Kult und Moral – äußert.

Erziehung ist, wie schon gesagt, Initiation in eine Kulturganzheit, und daher in einer Gesellschaft, in der mehrere Kulturen koexistieren müssen, immer entweder privat oder Gegenstand eines Kulturkampfes.

9. Erziehung als Kulturkampf

Staatliche Kindererziehung ist also in der pluralistischen Gesellschaft immer ein Kulturkampf, weil der Staat nur in eine Kulturganzheit initiieren und nur eine Situiertheit anstreben kann. Dieser Kulturkampf ist nicht von den Katholiken begonnen worden, weil die Katholiken nicht nach der Verstaatlichung der Kindererziehung gerufen haben. Aber die Katholiken müssen ihn kämpfen, weil es hier nicht nur um Kultur, sondern auch um Moral; nicht nur um Moral, sondern auch um den Kult, d.h. den wahren Glauben, die wahre Religion, geht. Und weil ohne diese wahre Religion das ewige Seelenheil der Kinder in Gefahr ist.

Wir sehen heute, wie man von „Betreuung“ spricht, die die Kinder in Kitas erhalten sollen. Der Erziehungsbegriff, den die progressivistischen Eliten uns aufzwingen wollen, ist ein auf Betreuung beschränkter Begriff, weil die Initiation in eine materialistische Kultur erfolgen soll, in der die höchsten Werte selbst wieder materiell sind. Materielle Dinge können Betreuer leisten. Da die gewünschte Erziehung einen materialistischen Menschen hervorbringen soll, braucht der Erzieher nicht mehr zu tun, als zu betreuen. Doch für uns ist Erziehung mehr als Betreuung, weil der Mensch kein Materiehaufen ist, sondern eine Person, ein einzigartiges Geschöpf aus Körper und Seele, Materie und Geist, in dem beide Aspekte fest miteinander verwoben sind, so dass sie sich nur durch den Tod trennen lassen.

Der Betreuer ist schon seinem Namen nach immer ein Materialist. Er kann nicht anders, es sei denn, er wollte mehr tun als einem Betreuer zusteht, und zu einem sich selbst als ein solcher verstehenden Erzieher werden.

Soweit der dritte Teil des Essays „Erziehung als Kulturkampf“. Der vierte und letzte Teil wird voraussichtlich morgen veröffentlicht.

Erziehung als Kulturkampf (Teil 2/4)

Es folgt der zweite Teil des Essays „Erziehung als Kulturkampf“. Der erste Teil findet sich hier.

3. Zweitrangigkeit materieller Faktoren

Noch weniger heißt das, dass die Bildungsergebnisse nach den Maßstäben der schulischen Tests und beruflichen Leistungen nicht womöglich durch die Kita verbessert werden können. Vielleicht kann man durch systematische Abrichtung der Kinder auf die Aneignung karrierenützlicher Kenntnisse tatsächlich erreichen, dass die Kinder nach dem Maßstab der Welt im Durchschnitt besser sind, als daheim erzogene Kinder. Ich bezweifle es, aber ausschließen kann ich es nicht.

Doch darauf kommt es auch gar nicht in erster Linie an. Der Zweck von Bildung besteht nicht in erster Linie in der Erlangung möglichst hohen ökonomischen oder schulischen Erfolgs. Bildung ist nicht für den Arbeitsmarkt, sondern für den Menschen da. Wenn Kinder, die bei ihren Eltern aufgewachsen und von ihnen erzogen worden sind, tatsächlich schlechter in der Schule und später auf dem Arbeitsmarkt zurecht kommen sollten, dann wäre das ein notwendiger Preis für die Rettung der ganzheitlichen, wahren Bildung, die den ganzen Charakter, die ganze Person erfasst, und die in der Kita im Normalfall einfach nicht möglich ist.

Um es noch einmal zu wiederholen: Ich bin davon überzeugt, dass daheim erzogene Kinder auch auf dem Arbeitsmarkt besser prosperieren werden, als die gezüchteten Ameisenmenschen aus der Kita-Legebatterie. Aber selbst wenn nicht, selbst wenn alle daheim erzogenen Kinder zu einem Leben in bitterer Armut verdammt wären, wäre dies kein Argument für die Kita, sondern ein Argument für den Wert der Armut.

Ein ganz armer Mensch mit einem reichen Charakter ist tausendmal besser als ein ganz reicher Mensch mit einem armen Charakter.

Und ein reicher Charakter kommt meistens dann zustande, wenn das Kind erzogen, und nicht nur betreut wird. Worin besteht der Unterschied?

4. Erziehung als teleologischer Begriff

Betreuung ist, wie oben beschrieben, der Vorgang, durch den das Kind alles bekommt, was es materiell braucht. Es wird versorgt. Alle seine messbaren Bedürfnisse werden erfüllt.

Erziehung ist vollkommen anders gelagert. Ein Kind zu erziehen (educare) bedeutet, das Kind zu führen. Doch wenn man jemanden führen will, muss man zuerst sein Vertrauen erlangen, sonst wird er nicht mitkommen. Und mehr noch: Wenn man jemanden führen will, muss man wissen, woher man kommt, und vor allem wohin man will. Erziehung ist immer Weg zu einem Ziel. Erziehung ist wesentlich teleologisch, auf einen bestimmten Zweck gerichtet. Daher gibt es auch keine wertneutrale Erziehung. Jede Erziehung ist Werteerziehung. Jede Erziehung ist moralische Erziehung.

Man muss sich ferner darüber klar werden, dass man nicht nicht erziehen kann. Jeder Kontakt mit dem Kind ist Erziehung. Wenn man nicht weiß, wohin man das Kind führen möchte, führt man es ziellos. Man ist dann ein schlechter Erzieher.

5. Erziehung als ganzheitliche Initiation

Gehen wir jetzt einen Schritt weiter: Erziehung ist nicht nur Führung, sondern Führung zu einem ganz bestimmten Ziel. Doch Erziehung ist mehr als dies. Sie ist immer Initiation. Wer ein Kind erzieht, führt es ein, und zwar in eine Kultur. So wie moralische Überzeugungen niemals bloß individuell, sondern immer kulturell verwurzelt sind, und wie ein Glaube in Abwesenheit einer religiösen Gemeinschaft meist nicht lange fortbestehen kann, so gibt es auch keine Erziehung ohne Initiation in eine Gemeinschaft. Das erzogene Kind ist initiiert in die Geheimnisse der Kultur, in der es leben soll.

Das, wodurch ein Mensch initiiert wird, nennt man einen Ritus, nämlich einen Initiationsritus. Es ist sehr treffend, dass Kultur und Kult so eng verbunden sind – beide sind rituell. So wie man durch kultische Riten in eine religiöse Gemeinschaft aufgenommen wird, so wird man durch kulturelle Riten in die weltliche Gemeinschaft aufgenommen. Es gibt keine totale Trennung von Kultur und Kult, weil es derselbe Mensch ist, der sowohl kulturell als auch kultisch agiert. Es gibt daher auch keine totale Trennung von kultischer Initiation und kultureller Initiation. Deswegen ist jede Erziehung zumindest teilweise Erziehung zum Kult, also religiös. Es gibt also auch keine religiös neutrale Erziehung.

Unter Erziehung verstehen wir also einen Prozess, durch den der Mensch in die Gesamtheit aus Kult und Kultur seiner Gesellschaft initiiert wird, indem er die Geheimnisse (Mysterien) seiner Kult-Kultur-Ganzheit lernt. Dieser Prozess ist immer zugleich moralisch und religiös.

6. Problem des Pluralismus

Daraus folgt sofort, dass in einer pluralistischen Gesellschaft (der Gesellschaft, in der viele Kulte und Kulturen nebeneinander bestehen) niemals Einigkeit über die Erziehung der Kinder herrschen kann, weil keine Einigkeit über die Natur der notwendigen kulturellen, moralischen und kultischen Initiation vorliegt. Diese Fragen ausklammern zu wollen, indem man sie zur Privatsache erklärt, ist die Lösung der Liberalismus. Doch damit verunmöglicht man Erziehung grundsätzlich. Es gibt keine liberale Erziehung, weil es keine religiös und moralisch neutrale Erziehung gibt. Entweder das Kind wird durch die Erziehung in Kult und Kultur des Liberalismus initiiert – wobei der Liberalismus auch eine ganz bestimmte Weltanschauung ist, die Agnostizismus und eine ganz spezifische Kultur in sich fasst – oder es wird gar nicht bewusst erzogen, was wieder die Situation bloßer Betreuung schafft (also unbewusste Erziehung in rein materieller Weise)

Kinder staatlich zu erziehen ist daher nur in einer kultisch und kulturell homogenen Umgebung möglich. Es ist auch nicht praktikabel, die kultischen Aspekte von der sonstigen Erziehung zu separieren und in einen „Religionsunterricht“ auszulagern, weil Kult und Kultur eben nicht zwei unabhängige Aspekte sind, sondern sich gegenseitig durchdringen. Das eine geht nicht ohne das andere. Die Initiation des Kindes in die eine Welt ist nicht denkbar, solange sie nicht die korrespondierende andere Welt ebenfalls in sich fasst, weil eine andere Kultur zu einem anderen Kult und ein anderer Kult zu einer anderen Kultur führt. Erziehung kann also nur „ganzheitlich“ sein, also alle „Subsysteme“ des Menschen gleichzeitig betreffen. Entweder der ganze Mensch wird initiiert, oder der Mensch wird gar nicht initiiert.

Soweit der zweite Teil des Essays „Erziehung als Kulturkampf“. Der dritte Teil wird voraussichtlich am Montag veröffentlicht.

Erziehung als Kulturkampf (Teil 1/4)

Einleitung: Eine unheilige Kraft

Immer wieder hört man von den Anhängern der Fremdbetreuung von Kindern, man wolle den Kindern bereits frühzeitig Bildung vermitteln. Die Ministerprasidentin von NRW, Hannelore Kraft (SPD) bekannte sich gegenüber der Frankfurter Allgemeinen eindeutig zu der Absicht, langfristig alle Kinder ab dem ersten Lebensjahr zu „verkrippen“.

Kraft sagte der F.A.S., die SPD sei sich mit der CDU bisher darin einig gewesen, dass Bildung in der Kita beginnen müsse. „Dann müssen wir auch sicherstellen, dass alle Kinder da sind.“

Das Ziel ist also klar: Alle Kinder sollen ab dem ersten Lebensjahr in der Kindertagesstätte „betreut“ werden. Zuerst wird man es mit freiwilligen Angeboten versuchen. Doch inzwischen wird auch offen über einen Krippenzwang diskutiert, und zwar „sachlich“, wie Cem Özdemir demselben Artikel zufolge forderte.

Was steckt dahinter? Einerseits natürlich der übliche radikale Feminismus, der die Mobilisierung aller Frauen für den Arbeitsmarkt als Hauptziel der „Emanzipation“ sieht. Mit anderen Worten: Erst wenn die Frau wie der Mann geworden ist und ihre Mutterrolle als veralteten kulturellen Ballast abgestreift hat, kann sie wirklich frei sein. Diesen Feminismus, der den Mann ganz chauvinistisch als von Natur aus überlegen sieht, und möchte, dass Frauen ihrer Weiblichkeit und Mütterlichkeit entsagen, um sich zu vermännlichen, findet man in allen relevanten politischen Parteien der Bundesrepublik. Doch um ihn soll es in diesem Artikel auch gar nicht gehen.

1. Die Möglichkeiten der Betreuung

Es steckt nämlich noch einiges mehr hinter dem Kitawahn der progressivistischen Eliten. Bildung sollen die Kinder erlangen, die man in die Kita einweist. Es ist seltsam, wie verformt ein Bildungsbegriff sein muss, bevor man ernsthaft glauben kann, man könne in einer Kita, einem Kindergarten oder einer staatlichen Schule „Bildung“ erlangen. Tatsächliche Bildung ist nämlich immer ganzheitlich, das heißt es geht nicht um die Vermittlung von „Kompetenzen“ oder „Kenntnissen“ für sich genommen, sondern um die Bildung der ganzen Persönlichkeit, des ganzen Charakters, des ganzen Menschen.

Der oft verwendete Begriff „Betreuung“ ist gänzlich unzureichend, um das zu beschreiben, was die Eltern mit dem Kind tun, wenn sie sich selbst darum kümmern. „Betreuen“ können Kitas die Kinder jederzeit. Dazu sind keine besonderen Voraussetzungen notwendig. Ein „betreutes“ Kind erhält alles, was es zum Leben wissenschaftlich gesehen braucht. Es bekommt Nahrung, Wasser, falls sinnvoll ein Bett, pädagogisch und psychologisch wohl ausgewählte Spielsachen, Kontakt mit anderen Personen, darunter Betreuerinnen, die wissenschaftlich verantwortete Zuneigungsplacebos absondern, um dem Kind die benötigte Zuneigung wenigstens vorspiegeln zu können; ferner Kompetenzen und Fähigkeiten, und später, wenn es älter ist, schulisches Wissen. Das Kind erhält, klinisch rein, alles, was es „objektiv“ betrachtet braucht. Das ist der Idealfall einer außerfamiliären „Betreuung“. Im Regelfall liegen die Dinge natürlich nicht so gut. Die Betreuer sind unzufrieden, manche unfähig, die Gruppen zu groß, die Umgebung nicht so wunderbar pädagogisch wertvoll, wie sich die kinderlosen Pädagoginnen ausgedacht haben usw.

2. Keine Bildung ohne Vertrauen

Es fehlt aber alles, was man als wahre Bildung bezeichnen kann, als Bildung im oben erwähnten ganzheitlichen Sinn. Eine solche Bildung beginnt immer mit dem, was man „Vertrauen“ nennt. Es handelt sich dabei nicht um die Art rationalen Vertrauens, den ein Erwachsener, oder ein älteres Kind, einer anderen Person entgegenbringt, weil man sich darauf verlassen kann, dass der andere sich auch an die Spielregeln halten wird. Es ist ein „Urvertrauen“. Kinder können ohne dieses Urvertrauen überhaupt gar keine ganzheitliche Bildung bekommen. Doch dieses tiefe Vertrauen kann man durch keine noch so professionelle, universitätsgebildete Betreuerin simulieren. Sie macht ihren Job; wenn sie sehr gut ist, macht sie ihren Job sehr gut. Doch sie liebt die Kinder nicht wie eine Mutter sie liebt – sie ist nämlich nicht die Mutter. Sie ist bloß eine Fremde. Das tiefe Vertrauen fehlt also selbst in der idealen Kita. Da sie ganztägig ist, erlebt das Kind seine Eltern nur als beiläufige Charaktere, die irgendwie auch manchmal da sind, ohne aber zu der Mutter eine ebensolche tiefe Vertrautheit aufbauen zu können, wie es für wahre Bildung bräuchte.

Damit fehlt selbst in der idealen Kita jegliche Voraussetzung für ganzheitliche Bildung. Natürlich heißt das nicht, dass es nicht Fälle geben könnte, in denen Kinder mit der Lage ganz gut klarkommen und keine Schäden davontragen. Ausnahmen bestätigen im Umgang mit Menschen immer die Regel – es gibt keine exakte Wissenschaft vom Menschen.

Soweit der erste Teil des Essays „Erziehung als Kulturkampf“. Der zweite Teil wird voraussichtlich morgen veröffentlicht.

Ein paar Worte zum Islam…

… anlässlich der aus vielerlei Richtung kritisierten Koran-Verteilungsaktion.

25 Millionen Exemplare des Korans sollen also verteilt werden. Die Piusbruderschaft, mit ihrem vielgescholtenen Verständnis vom Christlichen Staat, verurteilt dies natürlich auf genau dieser Basis, und steht mit ihrer Argumentation auf sicherem Boden. Man muss ihre Prämissen nicht teilen. Aber die massenhafte Verteilung des Korans, aus Sicht der Bruderschaft das Buch einer falschen Religion, ist aus dieser Perspektive heraus in jedem Fall verwerflich.

Doch nicht nur die Piusbrüder und andere Traditionalisten regen sich über die Aktion auf. Kritik kommt auch von Anhängern diverser Versionen der Religionsfreiheit. Vertreter von CSU und SPD haben sich kritisch dazu geäußert. Ebenso auch Stimmen aus dem Umfeld der deutschen Bischofskonferenz. Dies kommt natürlich nicht unerwartet, doch gibt es eigentlich rationale Gründe für dieses Verhalten? Unter der Annahme der Religionsfreiheit müssten alle Religionen tun und lassen können, was sie wollen, solange sie sich an die weltanschaulich neutral formulierten Gesetze halten. Wenn in einem „religiös neutralen“ Staat das Verteilen von Bibeln erlaubt ist, muss auch das Verteilen des Korans erlaubt sein. Warum dann auf einmal die Kritik? Warum der Ruf nach „Überwachung“ der Aktion? Selbst wenn man sich an den Initiatoren der Aktion, den als radikal geltenden Salafisten, hochzieht – der Koran ist der Koran, egal wer ihn verteilt, und kann doch eigentlich für einen religiös neutralen Staat nicht mehr und nicht weniger gefährlich sein als die Bibel, oder?

In unserem „religiös neutralen“ Staat dürfte es diese Debatte gar nicht geben. Es sei denn man ist der Meinung, dass religiöse Aussagen generell – dann aber alle religiösen Aussagen gleichermaßen – der staatlichen Zensur bedürfen. In diesem Falle wäre auch das Verteilen von Bibeln zu untersagen oder zu überwachen. Darauf wird es in Zukunft auch hinauslaufen, sobald die Christen es schaffen, mal wieder etwas zu missionieren, statt nur im ermatteten Siechtum zu verharren.

Dass sich manche sonst immer auf Religionsfreiheit pochenden gesellschaftlichen Kräfte auf einmal gegen die Verteilung des Korans wehren, liegt nicht an der Natur des Korans – denn die darf ja unter der Annahme religiöser Neutralität keine Rolle spielen – sondern in der Natur des religiösen Glaubens allgemein. Der Islam ist gefährlich für den deutschen Staat. Nicht aufgrund irgendeiner besonderen dem Islam innewohnenden Eigenschaft, sondern einfach, weil seine Anhänger tatsächlich daran glauben.

Die Moslems glauben an ihren Gott und ihre Heilige Schrift, und deswegen stellen sie für den modernen Westen eine Bedrohung dar.

Die traditionellen Katholiken und konservativen Protestanten glauben an ihren Gott und ihre Heilige Schrift, und deswegen stellen sie für den modernen Westen eine Bedrohung dar.

Die orthodoxen Juden glauben an ihren Gott und ihre Heilige Schrift, und deswegen stellen sie für den modernen Westen eine Bedrohung dar.

Doch die Bedrohung durch gläubige Juden und Christen ist gering, weil ihre Anzahl winzig ist. Die bei weitem größte Gruppe von tatsächlich gläubigen Menschen stellt in Deutschland der Islam.

Das Problem der säkularen, liberalen Islamkritiker ist nicht speziell der Islam, sondern der Wahrheitsanspruch einer außerstaatlichen Instanz, die den Menschen an etwas bindet, das über dem Staat steht. Der religiös neutrale Staat kann alles tolerieren, nur keine Religion, die wirklich geglaubt wird. Solange die Menschen friedlich zur Kirche gehen und dort eine entschärfte, „moderne“ Version ihrer Religion vorgesetzt bekommen, stellen sie keine Gefahr für den Staat dar. Das wäre auch für eine „modernisierte, verwestlichte“ Moschee nicht anders. Eine solche Religion, ein solcher „Gott“ ist keine Konkurrenz.

Aber wenn die Menschen tatsächlich glauben und ihre Religion tatsächlich für wahr halten, dann steht die Religion über dem Staat und die Loyalität der Gläubigen gilt in erster Linie der Wahrheit, und eben nicht dem „toleranten“, „modernen“ Staat.

Der Islam ist heute das beste Beispiel für diesen Effekt. In Westeuropa ist er auf dem Vormarsch. Er wird von einigen wenigen Konservativen und Traditionalisten aus ehrenwerten, durchaus zutreffenden theologischen Gründen angegriffen. Meist ist Islamkritik jedoch Lob für die „Errungenschaften der modernen Gesellschaft“, darunter besonders Feminismus, religiöser Indifferentismus, Individualismus, Atheismus und Säkularisierung. Diese sollen gegen den Islam verteidigt werden. Für viele Islamkritiker ist das die westliche Kultur, die sie schützen wollen. Und so ist es. Das ist heute die reale „westliche Kultur“.

Man müsste diese „westliche Kultur“ allerdings auch gegen das Christentum verteidigen.

Wenn dieses nicht weithin in Ehrfurcht vor den Götzen der Moderne zur Salzsäule erstarrt wäre.

Blasphemie, Stinkbomben und Robespierre

Unter dem Titel „The protesters were very young, very angry and very well dressed“ („Die Protestierenden waren sehr jung, sehr wütend und sehr gut angezogen“) berichtet Father Z über einen Protest gegen eine der typischen „provozierenden“, „avantgardistischen“ Ideen des langweiligsten, ideenlosesten künstlerischen Establishments seit Erfindung des Wagenrades.

Es ging um ein Theaterstück, in dessen Verlauf ein großes Portrait Jesu Christi mit Exkrementen beschmiert wurde, vermutlich um die große Liebe aller Beteiligten zur künstlerischen Freiheit auszudrücken.

Die Protestierenden waren nicht nur „sehr jung, sehr wütend und sehr gut angezogen“, und protestierten gegen „Christianophobie“, sondern sie setzten auch Stinkbomben ein, die wohl weniger Gestank absonderten als das Theaterstück selbst… Natürlich ist es nicht der richtige Weg, Stinkbomben ins Publikum eines gotteslästerlichen Theaterstücks zu werfen – aber passend ist es schon, oder? Der Protest war von einigen christlichen Gruppen in Frankreich organisiert worden, darunter das „Institut Civitas“, die wie erwartet von den Medien als „rechtsextrem“ und „fundamentalistisch“ bezeichnet worden sind.

Hier die Bewertung von Father Z:

You know that something has gone dreadfully wrong when young people are defending the image of Our Lord from desecration and their bishops seem to prefer to stand back and defend free speech. („Man weiß, dass etwas schrecklich falsch gelaufen ist, wenn junge Menschen das Bild Unseres Herrn vor Entweihung schützen und ihre Bischöfe es vorzuziehen scheinen, sich zurückzuhalten und die Meinungsfreiheit zu verteidigen.“)

Doch da ist noch mehr: Die Bischöfe haben sich nicht wirklich zurückgehalten, sondern sich ausdrücklich von der Protestaktion distanziert. Das wäre ja vielleicht noch verständlich, wenn man die Methoden des Protests, wie das Werfen von Stinkbomben, ablehnt. Doch das Argument der französischen Bischöfe gegen den Protest war nicht, dass sie falsche oder verwerfliche Methoden angewandt hätten, sondern dass die Kirche „weder fundamentalistisch, oder obskurantistisch, also gegen die Aufklärung“ sei.

Interessant zu erfahren. Fundamentalistisch ist die Kirche natürlich nicht. Obskurantistisch auch nicht – aber dass man in der französischen Bischofskonferenz neuerdings Anhänglichkeit an die Aufklärung, und damit an die Werte von 1789, zum Prüfstein für die moralische Bewertung einer Haltung oder Handlung macht, ist irgendwie bezeichnend. Es zeigt uns, dass ein Kardinal (ich meine, es wäre Suenens gewesen) nicht so ganz im Unrecht war, als er davon sprach, das letzte Konzil sei das „1789“ der Kirche, also das Jahr der Französischen Revolution und des ideologischen Liberalismus, gewesen.

Es ist nicht bekannt, ob der Vorsitzende der französischen Bischofskonferenz Robespierre heißt, und er hat auch definitiv nicht so viel Elan und Überzeugungskraft, dafür viel mehr Apathie als dieser, aber was die Weltanschauung betrifft liegen sie nicht allzu weit auseinander, wie es scheint.

Der Liberalismus mit allem was er impliziert ist allerdings von den Päpsten nie allzu positiv beurteilt worden.Ich schließe mit den Worten eines Papstes:

(23) (…) Es ist in der Ordnung, dass durch die Autorität der Gesetze auch die Irrtümer eines ausschweifenden Geistes, die das unerfahrene Volk geradezu vergewaltigen, ebenso kräftig unterdrückt werden, wie die mit offener Gewalt an den Schwächeren verübten Ungerechtigkeiten. Und dies umso mehr, da sich der weitaus größere Teil des Volkes vor diesen Scheingründen und verfänglichen Trugschlüssen, namentlich wenn sie der Leidenschaft schmeicheln, gar nicht oder doch nur sehr scher zu schützen vermag. Wird unbeschränkte Rede- und Pressefreiheit gestattet, so bleibt nicht[s] mehr heilig und unverletzt; es werden selbst die höchsten und sichersten Urteile unserer natürlichen Vernunft nicht verschont bleiben, trotzdem sie doch das gemeinsame und kostbarste Erbgut des Menschengeschlechtes bilden. Wenn so allmählich die Wahrheit verdunkelt worden ist, gewinnen leicht vielfache und verderbliche Irrtümer die Oberhand. Die Zügellosigkeit wird dabei gerade so viel gewinnen, als die Freiheit Schaden leiden muss; die Freiheit ist eben um so größer und um so gesicherter, je festere Zügel der Zuchtlosigkeit angelegt werden.

Über Fragen, in welchen Gott oder die Kirche kein letztes Wort gesprochen hat, welche Gott der freien Aussprache überlassen hat, kann jeder denken, was er will. Was er für recht hält, mag er auch aussprechen, das ist nicht von der Natur verboten, denn diese Freiheit verleitet niemals die Menschen zur Unterdrückung der Wahrheit, vielmehr verhilft sie uns oft dazu, die Wahrheit zu finden und ans Licht zu ziehen.

(…)

42 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass es niemals erlaubt ist, die Gedankenfreiheit, Pressefreiheit, Lehrfreiheit, sowie unterschiedslose Religionsfreiheit zu fordern, zu verteidigen, oder zu gewähren, als seien dies ebenso viele Rechte, welche die Natur dem Menschen verliehen habe. Hätte die Natur diese Rechte verliehen, so wäre es erlaubt, Gottes Oberherrlichkeit zu bestreiten, und der menschlichen Freiheit könnten durch kein Gesetz Schranken gezogen werden. – Ebenso folgt aus dem Gesagten, dass jene Freiheiten, wenn vernünftige Gründe vorhanden sind, geduldet werden können, unter der Bedingung, dass sie nicht schrankenlos sind, auch dass sie nicht in Zügellosigkeit und Frechheit ausarten. Wo aber diese Freiheiten eingeführt sind, da sollen die Bürger sie nur Benutzen, um recht zu handeln und darüber denken, was die Kirche darüber denkt. Jede Freiheit kann nur insoweit als eine rechtmäßige betrachtet werden, als sie eine größere Möglichkeit zum sittlichen handeln bietet; sonst nie.

Soweit Papst Leo XIII. in der Enzyklika „Libertas Praestantissimum“ über die Irrtümer des Liberalismus.

Ich bitte Gott um Gnade und Milde für die blasphemischen Künstler, die für die Besudelung des Angesichts des Herrn verantwortlich sind, „denn sie wissen nicht was sie tun“, und fordere hiermit meine Leser auf, dasselbe zu tun.

P.S. Bei Father Z gibt es auch eine Umfrage unter den Lesern zum Thema. Er hat bestimmt nichts gegen eine rege Teilnahme…

„If Landlords and Laws and Sciences are against it…“

Gilbert Keith Chesterton dürfte vielen Lesern als der Schöpfer von Father Brown bekannt sein, und gerade in den letzten Jahren scheinen seine Werke sogar im deutschsprachigen Raum auch über Father Brown hinaus wieder weitere Verbreitung gefunden zu haben.

Ich möchte an dieser Stelle auch auf die „Deutsche Chesterton-Gesellschaft“ verweisen, die sich gerade im Aufbau befindet, und Interessenten sucht (Link).

Abgesehen von Father Brown sind besonders Werke wie Orthodoxy und Heretics bekannt (ich gebrauche im Folgenden immer die englischen Titel, da ich die deutschen Übersetzungen, so sie denn überhaupt existieren, nicht gelesen habe, und zudem wohl wirklich gute Chesterton-Übersetzungen aufgrund seines Sprachstils praktisch unmöglich sein dürften.

Mich persönlich haben von Chestertons Werken auf dem Weg zum Übertritt in die katholische Kirche vorwiegend „Orthodoxy“, „The Everlasting Man“ und ein weiteres, etwas weniger gut bekanntes Werk namens „What’s Wrong with the World“ (im Folgenden: W4) beeinflusst. Um das letztere soll es mir im Folgenden gehen.

Chesterton gibt auf die im Titel gestellte Frage zwei Antworten, beide gleichermaßen zufriedenstellend. Die erste ist kürzer, zugleich aber auch besonders profund – sie trifft auf jeden von uns zu, besonders auf die, die das nicht so sehen:

What’s Wrong with the World? Antwort: I am.

Mit der zweiten Antwort auf die Titelfrage beschäftigt Chesterton sich in seinem gleichnamigen Werk, in dem er auf unnachahmliche Weise seine philosophischen, (und überraschenderweise sogar wirtschaftsethischen) Einsichten in unvergessliche Sätze und Formulierungen verpackt. Worum geht es ihm im Kern? Er fasst es am Ende des Buches in einer für mich unvergesslichen Passage zusammen, die ich gleich im englischen Original zitieren möchte*.

Diese eine Passage zerlegt vollständig und unwiderlegbar sämtliches moderne Denken zur Verbesserung der Welt durch zentrale Planung von Wirtschaft und Gesellschaft, destruiert die menschliche Hybris staatlicher Sozialplaner wie privater Konzernchefs gleichermaßen, führt die moderne Orthodoxie, die um keinen Preis eine solche sein möchte, ad absurdum, und fokussiert das Denken des Lesers auf das was wirklich zählt, das was wirklich wichtig ist. Hier ist diese Passage: (Seite 215 in der Dover Books-Ausgabe)

Now the whole parable and purpose of these last pages, and indeed of all these pages, is this: to assert that we must instantly begin all over again, and begin at the other end. I begin with a little girl’s hair. That I know is a good thing at any rate. Whatever else is evil, the pride of a good mother in the beauty of her daughter is good. It is one of those adamantine tendernesses which are the touchstones of every age and race. If other things are against it, other things must go down. If landlords and laws and sciences are against it, landlords and laws and  sciences must go down. With the red hair of one she-urchin in the gutter I will set fire to all modern civilization. Because a girl should have long hair, she should have clean hair; because she should have clean hair, she should not have an unclean home: because she should not have an unclean home, she should have a free and leisured mother; because she should have a free mother, she should not have an usurious landlord; because there should not be an usurious landlord, there should be a redistribution of property; because there should be a redistribution of property, there shall be a revolution. That little urchin with the gold-red hair, whom I have just watched toddling past my house, she shall not be lopped and lamed and altered; her hair shall not be cut short like a convict’s; no, all the kingdoms of the earth shall be hacked about and mutilated to suit her. She is the human and sacred image; all around her the social fabric shall sway and split and fall; the pillars of society shall be shaken, and the roofs of ages come rushing down, and not one hair of her head shall be harmed.

[NACHTRAG: EINE ÜBERSETZUNG DER TEXTSTELLE VON ULTRAMONTANUS AUS DER KOMMENTARSPALTE:

Das ganze Gleichnis und die Absicht der vorigen Seiten ist dies: zu erklären, dass wir auf der Stelle wieder ganz neu anfangen müssen, und zwar am andern Ende. Ich fange mit dem Haar eines Mädchens an. Das ist, ich weiß es, in jedem Falle eine gute Sache. Was auch immer sonst von Übel sein mag, der Stolz einer guten Mutter über die Schönheit ihrer Tochter ist gut. Es ist eine jener adamantenen Zärtlichkeiten, die die Prüfsteine jeder Zeit und jedes Volks sind. Wenn andere Dinge dagegen sind, dann müssen andere Dinge untergehen. Wenn Vermieter und Gesetze und Wissenschaft dagegen sind, müssen Vermieter und Gesetze und Wissenschaft untergehen. Mit dem roten Haar einer Straßengöre im Abfluss lege ich Feuer an die ganze moderne Zivilisation. Weil ein Mädchen langes Haar haben sollte, sollte sie sauberes Haar haben; weil sie sauberes Haar haben sollte, sollte sie kein unsauberes Heim haben; weil sie kein unsauberes Heim haben sollte, sollte sie eine freie und nicht gehetzte Mutter haben; weil sie eine freie Mutter haben sollte, sollte sie keinen Wucherer als Vermieter haben; weil es keinen Wucherer als Vermieter geben sollte, sollte es eine Neuverteilung des Besitzes geben; weil es eine Neuverteilung des Besitzes geben sollte, soll es eine Revolution geben. Das kleine Gör mit dem goldroten Haar, das ich gerade an meinem Haus vorbeilaufen sah, sie soll nicht gestutzt, verdroschen und verformt werden; ihr Haar soll nicht geschoren werden, wie das eines Sträflings; nein, alle Königreiche der Erde sollen zertrümmert und verstümmelt werden, um sich ihr anzupassen. Sie ist das menschliche und heilige Abbild; der ganze Gesellschaftsbau um sie herum soll wanken und zerspringen und fallen; die Säulen der Gesellschaft sollen erzittern und die Gewölbe der Zeiten niederstürzen, und nicht ein Haar ihres Hauptes soll ein Leid erfahren.]

Eigentlich ist jedes Wort, das ich dazu schreiben könnte, wie eine Narbe auf der Schönheit des Gesamtkunstwerkes. Trotzdem will ich kurz versuchen, einige der wesentlichen dahinter stehenden Konzepte wenigstens anzudeuten, für jene, die nicht mit Chestertons Denken vertraut sind, und daher womöglich die obige Passage falsch verstehen könnten.

1. Was wirklich zählt, auf menschlicher Ebene, ist die individuelle Person. Alle Vorstellungen, die die Gesellschaft zentral planen wollen, sind generell abzulehnen, weil sie den Menschen zu einem Rädchen im Getriebe, zu einer unbedeutenden statistischen Ziffer machen. Zu Chestertons Zeit war wohl im Gespräch, aufgrund der Gefahr des Lausbefalls, Mädchen aus armen Verhältnissen die Haare abzuschneiden – zumindest bezieht sich Chesterton auf diese Idee, nimmt sie zum Anlass für die obige generelle Aussage. Er distanziert sich aufs Schärfste von diesem Versuch, den Menschen an die Umgebung anzupassen, statt umgekehrt die Umgebung an den Menschen.

2. Chesterton denkt immer zuerst an die „einfachen Leute“, aber in der Absicht, ihnen wirklich zu helfen, was ihn von Sozialisten und Kapitalisten fundamental unterschiedet. Der Sozialist nutzt das Elend seiner Mitbürger aus, um seine politische Ideologie der Zentralisierung und Verstaatlichung umzusetzen. Der Kapitalist verfolgt sein Eigeninteresse – wenn das zufällig anderen Menschen hilft, dann ist es genau das: Zufall. Oft genug schadet es anderen Menschen, aber was interessiert das den Kapitalisten? Chesterton lehnt Sozialismus und Kapitalismus gleichermaßen ab. Chesterton ist Distributivist.

3. Wie für die katholische Kirche ist auch für Chesterton die natürliche Familie die Urzelle jeder menschlichen Gesellschaft. Vater, Mutter, Kinder, idealerweise mit einem Stück Land, das sie ihr Eigen nennen, und auf dem sie möglichst unabhängig von den beiden Götzen Staat und Kapital leben können.

4. Wie schon im ganzen Buch, so betont Chesterton auch hier die besondere Beziehung zwischen Mutter und Kind, die vom Vater zu schützen ist, d.h. das, was man heute relativistisch „traditionelle Rollenverteilung“ nennt. Sie ist nicht optional, oder gleichgültig, oder „eine persönliche Präferenz“, sondern eine Grundvoraussetzung für das Wohl der Familie, und damit das Wohl der individuellen Personen, die in der Gesellschaft leben. Chesterton glaubt nicht an die „Emanzipation“ der Frau von ihrer eigenen Familie, die „Befreiung“ der Frau aus den Fesseln der Mutterschaft durch abhängige Lohnarbeit. Er befindet sich damit vollumfänglich auf der Linie der katholischen Kirche, wie jeder in Casti Connubii, Rerum Novarum und einer Vielzahl anderer Enzykliken nachlesen kann. (Einie davon finden sich auf diesem Blog unter „Lehre der Kirche„)

Das beinhaltet auch die heute besonders unpopuläre innerfamiliäre Hierarchie – mit dem Vater als natürlichem Haupt der Familie. Chesterton erkannte jedoch:

It can, perhaps, be most correctly stated by saying that, even if the man is the head of the house, he knows he is the figurehead.

— G.K. Chesterton: All Things Considered

Natürlich liegt die wahre Macht in jeder Gesellschaft immer bei den Frauen. Besonders schön drückt ein Gedicht von William Ross Wallace diese eindeutige Tatsache aus:

The Hand that rocks the cradle

Is the hand that rules the world.

Natürlich kann der Mann in einer gerechten Gesellschaft nicht mehr sein als eine Galionsfigur – Christus ist ein Mann geworden, denn er entäußerte sich und wurde zum Diener. Patriarchat ist, wenn die Diener herrschen! (Vergleiche: Epheser 5, 22-33, für die ganz Hartgesottenen hier die Vulgata)

5. „She is the human and Sacred Image“, sie ist das heilige Bild, das Abbild Gottes. Nicht die „Gesellschaft“. Nicht „Effizienz“, „Erfolg“, „Fortschritt“, „Nation“, „Rasse“, „Freiheit“, „Wohlstand“, oder sogar „Gesundheit“ sind heilige Bilder, sondern der Mensch. Und auch er ist ein „heiliges Bild“ nur weil er von dem Schöpfer kommt, er hat seine Würde nur, weil er von ihm mit ihr ausgestattet worden ist, ebenso wie das Bild seine Schönheit aus der Kunstfertigkeit des Malers bezieht.

Das kleine Mädchen ist nicht nur wichtiger oder wertvoller als all diese abstrakten Ideale, sondern unendlich viel wertvoller, eben weil sie das „heilige Bild“ ist, das Abbild Gottes. Daher ist es auch viel wichtiger, dass „nicht ein Haar auf ihrem Kopf beschädigt werde“, als dass die Gesellschaftsstruktur unversehrt bleibe.

6. „The roofs of ages come rushing down“. Chesterton was sicher kein Gegner der Tradition – im Gegenteil, er war einer ihrer größten Verteidiger im 20.Jahrhundert. Aber es ist ein Fehler, Tradition gegen Menschen auszuspielen. Der Sabbat ist für den Menschen da. Das ist keine „Liberalisierung“ oder Verwässerung des Gebots (wie der Heilige Vater im 1. Band seines Jesusbuches überzeugend argumentiert), sondern eine Vertiefung, eine Erkenntnis des inneren Sinns. Ebenso auch mit der Tradition. Sie (hier sprechen wir natürlich von menschlichen Traditionen, nicht von der Überlieferung der Heiligen Mutter Kirche!) ist nur für den Menschen da, nicht umgekehrt. Das bedeutet nicht, dass wir Traditionen einfach ignorieren könnten oder sollten, bloß weil sie uns nicht gefallen, oder sie uns behindern. Im Gegenteil! Es bedeutet, dass die Traditionen sich nach dem moralischen Gesetz richten müssen, dass sie sich vor dem Tribunal des informierten Gewissens zu verantworten haben, und dass sie fallen müssen, wenn sie gegen das natürliche moralische Gesetz stehen.

„If landlords and laws and sciences are against it, landlords and laws and  sciences must go down.“

Diese eine kurze Passage beinhaltet noch weitaus mehr Einsichten, und sie ist nicht die einzige, die eine eingehende Betrachtung verdient. Chestertons „What’s Wrong with the World“ besticht als Gesamtwerk durch eine bis heute unbestreitbar aktuelle Gesellschaftskritik, die mit den kleinen und kleingeistigen Ideologien der Menschen gründlich aufräumt, und den Blick aufs Wesentliche ermöglicht.

Es ist kein explizit „katholisches“ oder „christliches“ Buch, aber es ist immens kompatibel mit einer traditionellen Lesart der katholischen Soziallehre, wie sie in Rerum Novarum und Quadragesimo Anno zum Ausdruck kommt.

Wer es noch nicht gelesen hat, der lese!

Wer es schon gelesen hat, der lese es erneut!

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*Wer über eine Übersetzung verfügt, oder gar seine eigene Hand daran versuchen möchte, ist dazu herzlich eingeladen. Mein Versuch, die Passage zu übersetzen, ist kläglich gescheitert. Ich würde mich über Wortmeldungen im Kommentarbereich zu diesem Thema freuen.

Kooperation mit Abtreibern selbst im Erzbistum Köln?

Kooperation mit Abtreibern in deutschen Bistümern

[Bild beim Blogger Alipius gefunden]

Nun hat sich Kardinal Meisner zur Frage des Verhältnisses katholischer Beratungsstellen zur Abtreibungslobby geäußert – hier auf Kreuzfährten war die Kontroverse bereits mehrfach Gegenstand von Artikeln und Kommentaren (etwa hier und hier). Die Bischofskonferenz als Ganze hatte sich bislang zu nicht mehr als einer verhaltenen Distanzierung von Abtreibungsbefürwortern wie „pro familia“ [= anti-familia] durchringen können. Kardinal Meisner findet nun, glücklicherweise, klarere Worte. Hier einige Auszüge seiner Antwort zum Thema, die sich bei kath.net im Volltext findet:

„Zunächst möchte ich noch einmal ganz deutlich unterstreichen, dass es keinerlei inhaltliche Kooperation mit „pro familia“ gibt. Das ist mit Organisationen wie „pro familia“, deren Überzeugungen unserem Menschenbild und unserer Überzeugung vom Schutz des Lebens diametral entgegenstehen, auch gar nicht möglich.
Unser Diözesanbeauftragter für Ehe-, Familien und Lebensberatung, Dr. Hanspeter Schmidt, ist Vorsitzender der Katholischen Bundeskonferenz Ehe-, Familien- und Lebensberatung, er vertritt diese aber nicht im Deutschen Arbeitskreis für Jugend-, Ehe- und Familienberatung (DAKJEF). Ich weiß bei Dr. Schmidt die Themen der katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung für das Erzbistum Köln seit vielen Jahren in guten Händen.

(…)
Unsere katholischen Beratungsstellen haben nicht umsonst einen exzellenten Ruf.

(…)

Auch im Dachverband der institutionalisierten Beratung (DAKJEF) geht es nicht um inhaltliche Fragen, sondern darum, Mindestqualitätsstandards methodischer Art sicherzustellen.
(…)
Mit freundlichen Grüßen
+ Joachim Kard. Meisner

(Hervorhebungen von Catocon)

WAs ist nun davon zu halten? Sicherlich – eine klare Stellungnahme dieser Art ist dringend erforderlich gewesen. Aber wie sieht es in der Praxis aus? Sind, um den Kardinal zu zitieren, im Erzbistum Köln „die Themen der katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung für das Erzbistum Köln seit vielen Jahren in guten Händen.

Wenn ja, dann sollte man annehmen können, dass die dortige Praxis der katholischen Lehre entspricht. Dies ist aber leider nicht der Fall. Im Gegenteil: Man darf zwar nicht mehr selbst Darfscheine zur legalen Tötung der Ungeborenen ausstellen, verweist aber zuweilen einfach an andere Beratungsunternehmungen, die dann die Pflichtscheine ausstellen.

Das ist, wie der geschätzte Bloggerkollege Tiberius korrekt feststellt, weit mehr als „inhaltliche Kooperation mit der Abtreibungslobby“. Es ist praktische Beihilfe zur legalen Tötung der Unschuldigen.

Nun muss man der Fairness halber sagen, dass niemand weiß, wie häufig solche Fälle in Deutschland oder im Erzbistum Köln sind – es könnten isolierte Einzelfälle sein, für die selbst der beste Kardinal nichts kann. Und selbst wenn nicht, so wäre es zumindest möglich, dass der Kardinal nichts davon weiß. Es liegt mir also fern, dem Kardinal hier Unehrlichkeit oder auch nur Versagen zu unterstellen. Doch ist es nicht zutiefst besorgniserregend, wenn selbst unter dem mit Abstand besten Hirten in Deutschland solche Fälle auftreten können? Ist es nicht erschütternd, dass die Verweltlichung der Kirche so weit fortgeschritten ist, dass selbst im Erzbistum Köln Abtreibung als ganz normal und selbstverständlich angesehen wird?

Wird nicht gerade vor diesem Hintergrund die dringende Notwendigkeit einer radikalen „Ent-Weltlichung“ wie der Papst das bei seinem Deutschlandbesuch genannt hat, noch klarer?

Nun, es ist zu hoffen, dass der Kardinal von diesem Fall und ähnlichen Fällen nichts weiß, und, sobald er davon erfährt, entschlossen handeln wird. Bei Kardinal Meisner kann man es sich wenigstens vorstellen.

Aber wie sieht die Lage bloß in Erzbischof Zollitschs Bistum Freiburg, oder im Osnabrück des Bischofs Bode aus – zwei nicht gerade als besonders entschlossen gegen Missbräuche und schwerwiegende Verstöße gegen die Lehre der Kirche vorgehende Hirten.

Wie groß ist der Anteil der deutschen getauften Katholiken, die diese Art Beratung zur Tötung der Unschuldigen gutheißen? 80%? 85%? 90%?

Wie groß ist der Anteil der deutschen Gremienkatholiken, die diese Art Beratung zur Tötung der Unschuldigen gutheißen? 99%? 99,5%?

Wie groß ist selbst der Anteil der deutschen Bischöfe, die diese Art Beratung zur Tötung der Unschuldigen gutheißen? Unter Beachtung ihres Widerstands gegen die Abschaffung der Beratungsscheine in kirchlichen Beratungsstellen? Mindestens 50%.

Wer solche Hirten und Kirchenvertreter hat, wer braucht da Häretiker?

Auf den Punkt gebracht…

Zwei Zitate, die eigentlich alles Wesentliche sagen. Kein Kommentar von mir, denn dem gibt es nichts hinzuzufügen. Erstens:

You can engage a culture, but you cannot engage a corpse. When people are living in a cemetery, you do not join them. You establish a real village, and invite them over. You first become the sorts of people who sing, who love men and women for what they are, who love children (and actually have a few), who admire innocence, and who kneel before the holy. Then you will have something of a culture – and you will find those who are weary of the alternative trying to engage you.
—— Anthony Esolen

Zweitens:

„What is Christian culture? It is essentially the Mass. That is not my or anyone’s opinion or theory or wish but the central fact of 2,000 years of history. Christendom, what secularists call Western Civilization, is the Mass and the paraphernalia which protect and facilitate it. All architecture, art, political and social forms, economics, the way people live and feel and think, music, literature ― all these things when they are right are ways of fostering and protecting the Holy Sacrifice of the Mass. To enact a sacrifice, there must be an altar, an altar has to have a roof over it in case it rains; to reserve the Blessed Sacrament, we build a little House of Gold and over it a Tower of Ivory with a bell and a garden round it with the roses and lilies of purity, emblems of the Virgin Mary ― Rosa Mystica, Turris Davidica, Turris Eburnea, Domus Aurea, who carried His Body and His Blood in her womb, Body of her body, Blood of her blood. And around the church and garden, where we bury the faithful dead, the caretakers live, the priests and religious whose work is prayer, who keep the Mystery of Faith in its tabernacle of music and words in the Office of the Church; and around them, the faithful who gather to worship and divide the other work that must be done in order to make the perpetuation of the Sacrifice possible – to raise the food and make the clothes and build and keep the peace so that generations to come may live for Him, so that the Sacrifice goes on even until the consummation of the world.“

John Senior, from „The Restoration of Christian Culture

Der Papst: Ein Fremder in der Heimat

Deutschland, und besonders Ostdeutschland, ist eine immense Wüste des Glaubens. Selbst verglichen mit unseren Nachbarstaaten sind die verbliebenen christlichen Reserven schwach. Dechristianisierung ist in Deutschland kaum noch ein Thema – weil selbst die überwältigende Mehrheit der getauften Christen kein Interesse an einem Leben nach den Geboten Gottes mehr zeigt. Erlaubt ist, was gefällt, und verboten ist nur erwischt zu werden.

Moral beschränkt sich auf die derzeitigen Modethemen, hauptsächlich Umweltschutz und Zwangsenteignung Wohlfahrtsstaat. Am Rande spielen noch diverse unreflektierte Vorstellungen von Wirtschaft, Europa und Moslems eine Rolle, vor dem Hintergrund generellen Ressentiments gegen alles und nichts. Eine hoffnungslose Gesellschaft, d.h. eine Gesellschaft, die selbst keine Hoffnung mehr hat, und diese Hoffnungs- und Sinnlosigkeit in immer groteskeren Formen des „Entertainments“ zu ersticken sucht.

Das ist das Land, in dem sich der Heilige Vater momentan aufhält. Das ist auch die Mentalität, die zu vielen Christen in Deutschland innewohnt. Es ist ein Land, in dem 99% der Menschen die Worte des Papstes nicht reflektieren können oder wollen, in dem ein offenes Herz so selten ist wie Gold.

Diese Symptome wiegen in Ostdeutschland wesentlich stärker als im Westen, in Städten mehr als auf dem Land, im Norden generell mehr als im Süden, doch selbst in den besten Regionen ist die Tendenz klar.

Der Deutsche hat heute so viel „Spaß“, dass er die Fähigkeit zur tieferen „Freude“ verloren hat. Er kann lustig sein, aber er ist nicht froh. Er mag zufrieden sein (auch wenn das sicher nicht auf die Mehrheit zutrifft), aber er ist nicht glücklich. Denn Glück geht tiefer als Zufriedenheit, genauso wie Liebe tiefer geht als Zuneigung. Der Zufriedene, der Zuneigung empfindende Mensch lebt an der Oberfläche, der glückliche, liebende Mensch kennt eine tiefere Dimension. Glück und Liebe sind eben nicht gefühlsmäßige Eindrücke oder Emotionen, sondern objektive Wirklichkeiten. Glück kann, so Aristoteles, nicht ganz ohne materielle Güter gedacht werden – um glücklich zu sein müsse man wenigstens ein Mindestmaß an „Glücksgütern“ haben, so dachte er. Doch selbst für den Heiden Aristoteles geht wahres Glück über emotionales Glücklichsein hinaus – es findet sich auf der Ebene praktischen Handelns in der Tugend und in besonderem Maße in der Theorie, der Kontemplation des Wahren. Für den Christen ist dies in noch größerem Maße bedeutsam. Denn die Tugend ist die Gewohnheit, im Einklang mit den Gesetzen und dem Willen Gottes sowie zugleich im Einklang mit der Natur, die Gott geschaffen hat, zu leben. Im Widerstand zu Gott zu leben führt niemals zum Glück, sondern wenn überhaupt zur Zufriedenheit.

Genauso ist es auch mit der Kontemplation. Schon Aristoteles sieht sie als die höchste irdische Haltung an, doch für den Christen nimmt sie eine noch größere Bedeutung ein. Der Christ erkennt in dem Wahren, dem Guten und dem Schönen, das das Objekt der Kontemplation ist, zugleich Gott, den Schöpfer derselben Natur, deren Ordnung wir durch Einhaltung des moralischen Gesetzes zu respektieren haben. Sowohl die Bedeutung der Sittlichkeit als auch die der Kontemplation sind höher für den Christen als für den Heiden Aristoteles. Doch mehr noch: sie gehören stärker zusammen. Dem Christen erschließt sich aus der Erkenntnis des einen Gottes in drei Personen als Schöpfer der Natur die Einsicht, dass die Gewohnheit im Einklang mit der menschlichen Natur zu leben, letztlich nichts anderes ist als Dienst am Schöpfer – der diese Natur wie auch die Natur der Umwelt schließlich erschaffen hat. Tugendhaft zu leben ist zugleich Leben nach Gottes Geboten, also für sich genommen schon eine Art Kontemplation der Wahren, Guten und Schönen, nur eben, wenn es so etwas gibt, eine „praktische Kontemplation“, eine „praktische Betrachtung“.

„Ora et labora“ – „bete und arbeite“. Das sind nicht zwei verschiedene Dinge, so als ob wir manchmal beteten und manchmal arbeiteten, sondern letztlich identisch. Zu beten ist zu arbeiten und zu arbeiten ist zu beten – wenn die Arbeit im EInklang mit Gottes Willen steht. Jedes gute Werk ist ein Gebet und Gebete sind gute Werke. Praxis und Theorie kommen für den Christen zu einer Einheit, wie sie selbst für die weisesten Heiden niemals denkbar gewesen wären. Praxis und Theorie sind für den Christen keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Medaille, zwei Seiten des Dienstes an Gott, zwei Seiten der Hingabe des Selbstwillens an den Willen Gottes. Man könnte sagen: Nur wer sich selbst aufgibt, kann sich finden.

Wenn Aristoteles zwischen Glück in der praktischen Sphäre (Tugend) und in der theoretischen Sphäre (Kontemplation) unterscheidet, dann ist diese Unterscheidung natürlich richtig. Und sie ist auch im Christentum erhalten geblieben, etwa im Gegensatz Welt – Kloster. Das Christentum kennt diese Unterscheidung, aber sie ist nicht mehr unüberbrückbar. Moral und Religion haben auf eine Weise zusammengefunden wie es im Heidentum nicht denkbar war – bereits im Judentum war dies der Fall. Dort ist Gott der moralische Gesetzgeber und der Schöpfer der Natur – sowohl der materiellen als auch der menschlichen Natur.

Die Verbindung der durch Christus vervollständigten jüdischen Offenbarungswahrheit mit den scharfsinnigen Erkenntnissen der griechischen Philosophie blieb jedoch dem Christentum vorbehalten. Die Synthese zwischen der menschlichen Vernunft der Griechen und der göttlichen Offenbarung war jedoch keine der gegenseitigen Kompromisse. Vielmehr verwendete man die Einsichten der Offenbarung zur Perfektion der philosophischen Vernunft und die geschäfte philosophische Vernunft wiederum zum besseren Verständnis und zur theologischen Erfassung der Offenbarung. So ergänzen sich für den Christen Offenbarung und Vernunft in einem harmonischen Gleichgewichtsverhältnis der Befruchtung – es liegt nahe, die von außerhalb kommende göttliche Offenbarung des Vaters und die dem Menschen innerliche Vernunftweisheit („sophia“) mit dem Bild der geschlechtlichen Einheit zu vergleichen. Auf sich gestellt ist Sophia unfruchtbar – sie braucht den transzendeten Gott und die mit ihm verbundene Rationalitätsgarantie der Welt, um zur vollen Blüte ihrer Kraft zu gelangen.

So ist die Einheit von Vernunft und Glaube eben keine des gegenseitigen Kompromisses, sondern eine wirkliche Einheit, die ein wenig an die Einheit von Mann und Frau in der Ehe erinnert. Die Tragik der Neuzeit scheint mir nun die Scheidung dieses unzertrennlichen Paares zu sein. Frömmelnde Fundamentalisten leugnen selbst die offenkundigsten wissenschaftlichen Erkennisse (es gibt sogar Leugner der Kugelgestalt der Erde – die Erde ist eine Schallplatte…). Ihnen gegenüber stehen ebenso unfähige Ungläubige, die den Versuch einer wissenschaftlichen Durchdringung der Welt mit bloß materiellen Mitteln unternehmen.

Es verwundert nicht, dass beide Seiten scheitern mussten. Der frömmelnde Fundamentalist glaubt weil er glaubt, dreht sich im Kreis und kann sich nicht mehr rechtfertigen. Er macht sich selbst lächerlich und kann niemanden überzeugen, weil er das rationale Argument aufgrund seines Glaubens ablehnt. Ebenso ist die rationalistische Wissenschaft längst gescheitert. Immer verzweifeltere und vergebliche Versuche einer Rechtfertigung der Verlässlichkeit unserer Vernunfterkenntnisse stehen dort der sich mehr und mehr durchsetzenden Erkenntnis gegenüber, dass wir, unter der Annahme des Materialismus, nichts, absolut nichts, sicher wissen können, und daher Wissenschaft als Ganzes eine gewisse Willkürlichkeit und Beliebigkeit gewinnt. Der Versuch der Neuzeit, Glaube und Vernunft gegeneinander auszuspielen, endet mit der totalen Niederlage der Vernunft, die inzwischen mehr und mehr vor einem amoralischen Irrationalismus kapituliert, demzufolge der Mensch gar nicht wissen kann, sondern nur meinen. Doch wenn alles Meinung ist, dann gibt es gar keine Wahrheit, und ohne Wahrheit keine objektiv gültigen moralischen Standards. Der Versuch, den angeblich „irrationalen“ Glauben aus dem menschlichen Denken zu entfernen, führt nicht zum Tod des Glaubens, sondern zum Tod der Vernunft.

Doch auch der Glaube erleidet eine totale Niederlage. Er wird zwar nicht gänzlich besiegt, aber er wird seines wesentlichen Kerns beraubt. Der Glaube, der sich von der rationalen, menschlichen Vernunft „befreit“ hat, ist substanzlos. Er ist noch da, aber er verliert jeden bestimmten Inhalt – er gleitet in die Beliebigkeit, ebenso wie auch der Vernunft durch ihre Selbstaufopferung beliebig geworden ist.

Wenn es keine Wahrheit gibt, nur Meinung, dann kann nicht ein Glaube richtiger sein als ein anderer. Jeder Glaube ist dann bloß noch subjektives Gefühl – religiöse Erfahrung ersetzt religiöse Erkenntnis. Man nennt diese Häresie sehr treffend „Modernismus“, und es ist die Mutter aller Häresien. Denn sie ermöglicht ihrem Anhänger aus allen Definitionen und Dogmen auszubrechen, wenn nur seine persönliche religiöse Erfahrung (die nicht einmal unbedingt authentisch ist, aber selbst wenn nur einen winzigen Teil der Wahrheit repräsentieren kann) dies von ihm verlangt. Solcherlei Auffassung ist damit die Grundlage aller modernen Häresien, doch das nur am Rande.

So kommen die beiden am Beginn der Neuzeit getrennten Pfade heute wieder zusammen. Aus dem Vernunftglauben der modernen Philosophie und der positivistischen Wissenschaft des 19. Jahrhunderts ist ein Irrationalismus geworden, der selbst wissenschaftlichen Erkenntnissen konsequenterweise den Status des Wissens abzusprechen verpflichtet ist. Aus dem vernunftfreien Glauben ist entweder ein bloßes Frömmlertum geworden (in seltenen Fällen), oder (meistens) ein Glaube, der nur noch einige Floskeln und Plattitüden glaubt, und nichts mehr mit der Offenbarung zu tun hat. So wird die Vernunft unvernünftig und der Glaube ungläubig.

Doch kehren wir zu der früheren Konzeption zurück, wonach Glaube und Vernunft einander gegenseitig befruchten, wo der Glaube der Funke ist, der der Vernunft immer tiefere Einsichten ermöglicht, die wiederum ein immer besseres Verständnis der dem göttlichen Logos entsprechend geordneten Welt aber auch der Offenbarung ermöglichen, welche wieder in einem immer weiter sich aufschaukelnden Zirkel der Einsicht und der Weisheit ein tieferes Durchdringen sowohl der Offenbarungswahrheit als auch der Schöpfungsordnung (wissenschaftlich wie moralisch) erreichbar machen, dann haben wir keines dieser Probleme. Sophia ist, wie oben schon gesagt, ohne göttlichen Logos unfruchtbar. Und ohne die Verwendung der von Gott gegebenen natürlichen menschlichen Einsichtskraft bleiben alle Offenbarungseinsichten letztlich fruchtlos – da niemand sie zu durchdringen vermag. Sophia ohne Logos – Logos ohne Sophia: Beides ist eine Art geistige Selbstbefriedigung, und, wie ihre körperliche Variante, letztlich steril, fruchtlos, freudlos, nutzlos, ziellos, sinnlos.

So wie Maria erst das Jawort geben musste, damit Gott in der Welt sein Erlösungswerk vollbringen konnte, muss die menschliche Weisheit erst ihr Jawort zur göttlichen Offenbarung geben, bevor diese ihr fruchtbares Werk verrichten kann. Neues Leben kommt nur durch die natürliche Vereinigung von Mann und Frau in die Welt. Beide müssen die Bedeutung des Anderen anerkennen und sich der natürlichen Anlagen und Fähigkeiten des Anderen zum gemeinsamen Zweck – in diesem Fall Fortpflanzung – bedienen. Ebenso müssen auch Glaube und Vernunft die Bedeutung des Anderen anerkennen, sich der natürlichen Fähigkeiten und Anlagen des Anderen zum gemeinsamen Zweck – in diesem Fall fruchtbare Erkenntnis – bedienen.

Um das Gute tun zu können, bedarf der Mensch der Einsicht in das natürliche moralische Gesetz, das ihm ins Herz geschrieben ist. Dafür muss er nicht intelligent sein. Aber er muss weise sein, da die Erkenntnis des Guten dem gefallenen, zerbrochenen Meisterwerk Mensch nicht leicht fällt. Um das Wahre finden zu können, muss er sich sowohl des Verstandes als auch des Glaubens bedienen können. Und selbst der Genuss des Schönen verblasst, wenn alles nur hübsch oder „sexy“  ist, aber nichts im vollen Sinne schön. Denn auch Schönheit ist, in gewissem Sinne, etwas Wirkliches, Objektives, nicht bloße Emotion oder subjektives Gefallen. Schönheit ist mehr als Gefälligkeit.

Wenn, wie nach Auffassung der Neuzeit, das Wahre, Gute und Schöne bloß relativ sind, dann ist die Welt eintönig grau, steril, langweilig, öde, sinnlos, zwecklos, und liegt im Sterben.

Wenn ich „meine Wahrheit“ und jemand anders „seine Wahrheit“ haben kann, dann erlischt der menschliche Wissensdrang, denn wir finden bloß immer nur noch mehr Ansichten, Meinungen, Gefühle, Überzeugungen, Ideologien, aber niemals die Wahrheit. Wenn es da doch gar nichts zu finden gibt, warum dann suchen? Schon Bacon gab im 17. Jahrhundert die einzig denkbare Antwort: Macht.

Wenn Moral bloß das Produkt gesellschaftlicher Konditionierung ist, dann ist es plötzlich legitim, die Grundfesten der Moral zu bezweifeln, weil sie ja auch wieder nur die Manifestationen der gesellschaftlichen Machtverhältnisse sind. (Die, die uns konditionieren, beherrschen uns dann über internalisierte Hemmungen, die abzustreifen somit zum Akt der Befreiung wird). Warum dann noch ein wirklich „guter“ Mensch werden, wenn doch „gut“ nur das Produkt des Willens der Mächtigen ist, wenn „gut“ nur noch bedeutet, „den Mächtigen gefällig“? Die einzige Antwort gibt uns der „Marsch durch die Institutionen“: Die Macht erlangen, um die Moral zu ändern.

Wenn Schönheit bloß darin besteht, dass ich meine persönlichen psychischen Empfindungen und Vorlieben in die Außenwelt projiziere, dann ist in Wirklichkeit gar nichts schön, sondern alles gleichermaßen grau. Und auf manche Grautöne spreche ich persönlich dann eben stärker an. Doch wenn ich glaube, dass das alles nur in meinem Kopf sich abspielt, wie kann ich mich dann noch an dem Schönen erfreuen? Schönheit verliert also seinen Reiz – übrig bleiben biologische Triebe, psychologische Konditionierung und die schiere Macht der Gewohnheit. Warum dann noch den Versuch unternehmen, einen feinen Geschmack für das Schöne zu entwickeln, statt einfach gefällig herunterzuwürgen alles was mir so in die Quere kommt? Die einzige Antwort gibt uns der moderne Mensch zwischen zwei triebgesteuerten, doch lieblosen Orgien: Eroberung, also Macht.

Getrennt enden sowohl Glaube als auch Vernunft im absoluten Relativismus, für den es weder Wahrheit, noch Güte, noch Schönheit geben kann. Doch ohne die feste Überzeugung, dass das Wahre wirklich wahr, das Gute wirklich gut, und das Schöne wirklich schön ist, verblasst das ganze Leben vor der endlosen Abfolge rein materieller, gesellschaftlich konditionierter, von Trieben und Macht gesteuerter, mechanischer Akte.

Der Papst ist nun in Deutschland, und da ich dies schreibe gerade in Ostdeutschland, wo die Probleme noch weitaus schlimmer sind als im Westen, und er trifft auf ein apathisches Land voller Sinnlosigkeit, voller Überdruss, voller derzeit nur sporadisch sich entladender Unzufriedenheit – das heißt: er trifft auf ein modernes Land. Ein Land, wie es dem christlichen Glauben mit seiner Vereinigung scheinbarer Gegensätze zu einem in sich schlüssigen, sinnvollen, fruchtbaren Ganzen nicht fremder sein könnte.

Ein Land, das, ganz im Einklang mit seinen faktischen Grundwerten, selbst in Bezug auf die Kirche nur noch in Machtkategorien denken kann. Und als Folge ganz klein ist – klein an Werten, klein im Geiste und klein im Herzen. So klein, dass selbst seine Sünden kleinkariert und öde sind. So klein, dass es selbst einen alten, schwachen Mann als Bedrohung empfindet, die mit journalistischem Napalm behandelt werden muss. So klein wie die graue Stadt, die C.S.Lewis in „The Great Divorce“ als Sinnbild der Hölle gebraucht.