Tradi-Ökumene

Seit Monaten, wenn nicht gar Jahren, kündigt sich dieses Ereignis schon an. Jetzt ist es geschehen – Bischof Williamson ist aus der Piusbruderschaft ausgeschlossen worden, wie man in diesem Kommuniqué des Generalhauses der Bruderschaft nachlesen kann. Ein notorischer Quertreiber, der große Schwierigkeiten mit dem Gehorsam hat, der direkte Anordnungen seines legitimen Oberen nicht befolgt, selbst wenn diese überhaupt nicht im Widerspruch zu Glaube oder Sittenlehre stehen, ist ein großes Problem für jede kirchliche Vereinigung.

Für eine Gruppe wie die Piusbruderschaft, die unter Bischof Fellay den ernsthaften Versuch unternimmt, Widerstand bis zum Ungehorsam gegen die als grenzwertig modernistisch empfundenen Neuerungen des Konzils zu leisten, ohne dadurch einen Bruch mit Rom zu vollziehen, ist so jemand umso schlimmer. In diesem Sinne ist es gut, dass Williamson nun ausgeschlossen worden ist.

Was jetzt passieren wird, ist noch unklar. Williamson und einige (wenige) andere Fellay-Gegner werden vielleicht eine eigene Gruppe eröffnen, vielleicht auch als unabhängige Traditionalisten durch die Welt geistern, und den Abfall der Piusbruderschaft von der Tradition verkünden. Vermutlich wird die Piusbruderschaft sich in Zukunft stärker gegen „williamsonistische“ Strömungen abgrenzen. Ebenso haben sich andere traditionell-katholische Gruppen wie die Petrusbrüder lange von der Piusbruderschaft abgegrenzt, weil diesen – anders als jenen – die kirchenrechtliche Legitimation fehlt.

Trotz wachsender Priesterzahlen und steigender Tendenz bei den Messorten und Messzentren sind die verschiedenen traditionellen bis traditionalistischen Gruppierungen ineffektiv und zum langsamen Tod verurteilt, wenn sie sich immer weiter zersplittern. Wenn wirklich eine Aussicht bestehen soll, der Tradition in Messe, Spiritualität, Theologie usw. wahres Heimatrecht in der Kirche zu verschaffen, auch in der alltäglichen Gemeindepraxis, dann wird das nur funktionieren, wenn die Anhänger der katholischen Tradition entschlossen und einheitlich dafür kämpfen, oder doch zumindest „getrennt marschieren und vereint schlagen“.

Sicher gibt es entscheidende Differenzen zwischen WIlliamson, Fellay, der Petrusbruderschaft und Traditionstreuen, die anderen Gruppierungen angehören, oder innerhalb der diözesanen Strukturen ihren allzu oft vergessenen und einsamen Kampf gegen Banalisierung und Beliebigkeit führen. Williamsons absurde historische Theorie über den Holocaust, die kirchenrechtliche Stellung der FSSPX, die Tatsache, dass einige Petrusbrüder bereit sind, unter bestimmten Umständen den Novus Ordo zu zelebrieren, und die Tatsache, dass die in diözesanen Strukturen tätigen Traditionstreuen dies fast immer tun müssen – all diese Differenzen und viele mehr sollten wir nicht vergessen.

Doch haben wir nicht alle den gleichen Glauben? Gehören wir nicht alle zur gleichen Kirche (weder Williamson noch die FSSPX sind exkommuniziert)? Wäre es nicht besser, wenn alle traditionstreuen Kräfte koordiniert für ihre gemeinsamen Ziele streiten würden, statt ihre Kräfte darauf zu verschleudern, sich praktisch gegenseitig zu exkommunizieren? Die modernistische Strategie ist divide et impera – teile und herrsche. Bisher haben sie Erfolg, weil die Traditionalisten sich teilen, spalten lassen.

Traditionelle Katholiken legen zurecht großen Wert auf die Reinheit der kirchlichen Lehre und Überlieferung, und verweigern Kompromisse, um diese Reinheit nicht zu kompromittieren. Aber in welchen Glaubenssätzen, in welcher Theologie des Messopfers, um nur ein Beispiel zu nennen, unterscheiden sich die Pius- und Petrusbrüder? Ja, ich weiß, die Piusbrüder haben eine irreguläre kirchenrechtliche Stellung, und das ist ein Problem. Doch es ist kein unübersteigbares Problem. Niemand verlangt von den Petrusbrüdern, dass sie den Messbesuch in Pius-Kapellen empfehlen (und umgekehrt). Niemand verlangt von Williamson, dass er sich mit Fellay versöhnt und seine Differenzen inhaltlicher Natur vergisst. Niemand verlangt von den Piusbrüdern, dass sie so tun sollen, als hätte Bischof Williamson sich nicht absolut unerträglich verhalten, und die legitime Autorität des Generaloberen mit Füßen getreten.

Ich fürchte, dass diese Differenzen, diese internen Grabenkämpfe innerhalb der traditionellen katholischen Gemeinschaften, die volle Wiederverankerung der Tradition in lehramtlicher Theologie und pastoraler Praxis, im alltäglichen Leben der Gemeinden, verhindern werden. Ich fürchte, dass in Zukunft jede Äußerung von Williamson aus der FSSPX ebenso negativ kommentiert werden wird, wie es seit langem zwischen Pius- und Petrusbrüdern geschieht. Die einen sind Schismatiker und die anderen haben die Tradition an die Modernisten verkauft. Was für ein Unsinn! Sie alle sind Anhänger der einen, unteilbaren katholischen Tradition, und was sie auch trennen mag, es eint sie ein und derselbe Glaube, die Anhänglichkeit an denselben Papst, und die Feier derselben Sakramente.

Alle, die in Glaube, Papsttum und Sakramenten untereinander geeint sind, und für die Restituition der Tradition in der Kirche eintreten, sollten den Wert etwas ganz pragmatischer, ganz undogmatischer Ökumene lernen. Das mag für traditionalistische Ohren provokativ klingen und ist es vermutlich auch. Doch es geht nicht um dogmatische Kompromisse, sondern um pragmatische Zusammenarbeit.

Mit Zähnen und Klauen verteidigen die verschiedenen Gruppen die katholische Tradition und arbeiten unermüdlich an ihrer Wiederherstellung, wo immer sie beschädigt worden ist. Doch was wäre, wenn sie es schafften, zusammenzuarbeiten? Was wäre, wenn sie nicht mehr ihre Energien darauf verschwendeten, jedem haarklein darzulegen, warum der Traditionalist von Nebenan kein WAHRER Traditionalist ist – sondern ein Schismatiker, oder ein verborgener Modernist?

Vielleicht könnte die Verankerung der Tradition schon viel weiter sein, wenn wir das Feuer unserer Argumente und unserer Tatkraft allein auf die echten Feinde der Tradition – die Neoreformatoren und Modernisten – richten würden.

Wenn die Traditionalisten Erfolg haben wollen, dann müssen sie aufgrund unterschiedlicher Schwerpunkte und Überzeugungen in vielen Einzelfragen vermutlich getrennt marschieren, aber sie müssen auch (aufgrund fundamentaler Einigkeit im Glauben und in den Sakramenten) vereint schlagen. Und das bedeutet: Sie müssen etwas Tradi-Ökumene betreiben. Vielleicht einige inter-traditionalistische Gebetstreffen abhalten, wenn auch sicher nicht in Assisi…

Wahrscheinlich wird die FSSPX jetzt keine Gelegenheit versäumen, um sich von Williamsons Getreuen abzugrenzen – und umgekehrt – so wie es seit Jahren zwischen FSSPX und FSSP geht. Ich habe keine große Hoffnung, dass es diesmal anders laufen wird als sonst.

Während wir uns in internen Scheingefechten zerfleischen, brennt die Kirche, unsere Mutter. Wer würde nicht der Mutter helfen, wenn sie brennt, weil er sich lieber mit seinem Bruder über Details streitet? Nein, alle Brüder, die sich der Tradition verbunden fühlen, müssen mit Wassereimern herbeilaufen, um den Brand zu löschen, auch wenn es unterschiedliche Wassereimer sind. Jeder muss dazutun, was er eben geben kann, auch wenn sein Beitrag den anderen nicht gefällt. Wichtig ist nur, dass wir dabei helfen, den Brand zu löschen.

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Zwei Opfer und zwei Götter

Photo: James Baca/ Denver Catholic Register
Quelle: LifeSiteNews
In Denver, vor einer der größten Abtreibungskliniken der USA – das im Hintergrund sichtbare Gebäude mit der Aufschrift „Planned Parenthood“ – zelebrierte im Angesicht des unheiligen Schlachtopfers, das dort alltäglich vollzogen wird, Pater Joseph Hearty, FSSP, das Heilige Messopfer in der „außerordentlichen Form“. Ihm gleich taten es sechs Diözesanpriester, die allerdings die Messe in der ordentlichen Form feierten. Dies alles geschah im Rahmen eines längeren Protestes gegen die unmenschlichen und unmoralischen Tötungsakte, die in dieser Abtreibungsklinik vollzogen wird. Dem falschen Gott, der Menschenopfer verlangt, wird der wahre Gott gegenübergestellt, und die ganze Passage erinnert mich an jene Stelle aus dem 1. Buch der Könige, an der Elija sich mit den falschen Propheten des Baal anlegt.
Während die Anhänger des „Sakraments der Abtreibung“* ihre Opfergaben ihrem falschen Gott darbringen, der jedoch, wie schon Baal, überhaupt nicht reagiert, bringen die Christen ihrem wahren Gott die wahre Opfergabe dar, und dieser schenkt ihnen das wahre Sakrament und die wahre Gnade. Schärfer könnte der Kontrast wohl kaum sein.
16 Obadja kam zu Ahab und brachte ihm die Nachricht. Ahab ging Elija entgegen.
17 Sobald er ihn sah, rief er aus: Bist du es, Verderber Israels?
18 Elija entgegnete: Nicht ich habe Israel ins Verderben gestürzt, sondern du und das Haus deines Vaters, weil ihr die Gebote des Herrn übertreten habt und den Baalen nachgelaufen seid.
19 Doch schick jetzt Boten aus und versammle mir ganz Israel auf dem Karmel, auch die vierhundertfünfzig Propheten des Baal und die vierhundert Propheten der Aschera, die vom Tisch Isebels essen.
20 Ahab schickte in ganz Israel umher und ließ die Propheten auf dem Karmel zusammenkommen.
21 Und Elija trat vor das ganze Volk und rief: Wie lange noch schwankt ihr nach zwei Seiten? Wenn Jahwe der wahre Gott ist, dann folgt ihm! Wenn aber Baal es ist, dann folgt diesem! Doch das Volk gab ihm keine Antwort.
22 Da sagte Elija zum Volk: Ich allein bin als Prophet des Herrn übrig geblieben; die Propheten des Baal aber sind vierhundertfünfzig.
23 Man gebe uns zwei Stiere. Sie sollen sich einen auswählen, ihn zerteilen und auf das Holz legen, aber kein Feuer anzünden. Ich werde den andern zubereiten, auf das Holz legen und kein Feuer anzünden.
24 Dann sollt ihr den Namen eures Gottes anrufen und ich werde den Namen des Herrn anrufen. Der Gott, der mit Feuer antwortet, ist der wahre Gott. Da rief das ganze Volk: Der Vorschlag ist gut.
25 Nun sagte Elija zu den Propheten des Baal: Wählt ihr zuerst den einen Stier aus und bereitet ihn zu; denn ihr seid die Mehrheit. Ruft dann den Namen eures Gottes an, entzündet aber kein Feuer!
26 Sie nahmen den Stier, den er ihnen überließ, und bereiteten ihn zu. Dann riefen sie vom Morgen bis zum Mittag den Namen des Baal an und schrien: Baal, erhöre uns! Doch es kam kein Laut und niemand gab Antwort. Sie tanzten hüpfend um den Altar, den sie gebaut hatten.
27 Um die Mittagszeit verspottete sie Elija und sagte: Ruft lauter! Er ist doch Gott. Er könnte beschäftigt sein, könnte beiseite gegangen oder verreist sein. Vielleicht schläft er und wacht dann auf.
28 Sie schrien nun mit lauter Stimme. Nach ihrem Brauch ritzten sie sich mit Schwertern und Lanzen wund, bis das Blut an ihnen herabfloß.
29 Als der Mittag vorüber war, verfielen sie in Raserei und das dauerte bis zu der Zeit, da man das Speiseopfer darzubringen pflegt. Doch es kam kein Laut, keine Antwort, keine Erhörung.
30 Nun forderte Elija das ganze Volk auf: Tretet her zu mir! Sie kamen und Elija baute den zerstörten Altar Jahwes wieder auf.
31 Er nahm zwölf Steine, nach der Zahl der Stämme der Söhne Jakobs, zu dem der Herr gesagt hatte: Israel soll dein Name sein.(1Mo 32,29; 1Kön 35,10)
32 Er fügte die Steine zu einem Altar für den Namen des Herrn, zog rings um den Altar einen Graben und grenzte eine Fläche ab, die zwei Sea Saat hätte aufnehmen können.
33 Sodann schichtete er das Holz auf, zerteilte den Stier und legte ihn auf das Holz.
34 Nun befahl er: Füllt vier Krüge mit Wasser und gießt es über das Brandopfer und das Holz! Hierauf sagte er: Tut es noch einmal! Und sie wiederholten es. Dann sagte er: Tut es zum dritten Mal! Und sie taten es zum dritten Mal.
35 Das Wasser lief rings um den Altar. Auch den Graben füllte er mit Wasser.
36 Zu der Zeit nun, da man das Speiseopfer darzubringen pflegt, trat der Prophet Elija an den Altar und rief: Herr, Gott Abrahams, Isaaks und Israels, heute soll man erkennen, dass du Gott bist in Israel, dass ich dein Knecht bin und all das in deinem Auftrag tue.
37 Erhöre mich, Herr, erhöre mich! Dieses Volk soll erkennen, dass du, Herr, der wahre Gott bist und dass du sein Herz zur Umkehr wendest.
38 Da kam das Feuer des Herrn herab und verzehrte das Brandopfer, das Holz, die Steine und die Erde. Auch das Wasser im Graben leckte es auf.
39 Das ganze Volk sah es, warf sich auf das Angesicht nieder und rief: Jahwe ist Gott, Jahwe ist Gott!
40 Elija aber befahl ihnen: Ergreift die Propheten des Baal! Keiner von ihnen soll entkommen. Man ergriff sie und Elija ließ sie zum Bach Kischon hinabführen und dort töten.
Aus dem oben verlinkten Artikel über das „Sakrament der Abtreibung“:
Abortion has never been merely or even primarily a political issue. It is a false religion. When pro-life Christians, for example, pray in front of an abortion mill, it is not simply a matter of pro-life people opposing false medicine. It is the true Church in conflict with a false Church. One former clinic security guard, after being converted, admitted why he was angry at pro-life sidewalk counselors: „You were coming to protest in front of our church. That clinic was where we conducted our worship.“
[Abtreibung war niemals bloß oder hauptsächlich ein politisches Thema. Sie ist eine falsche Religion. Wenn christliche Lebensrechtler, zum Beispiel, vor einer Abtreibungsklinik beten, sind das nicht einfach Lebensrechtler, die falsche Medizin bekämpfen. Es ist die wahre Kirche im Konflikt mit einer falschen Kirche. Ein früherer Klinikwachmann gab nach seiner Bekwehrung zu, warum er wütend auf die Bürgersteigberatung der Lebensrechtler war: „Ihr kamt, um vor unserer Kirche zu protestieren. Diese Klinik war der Ort, an dem wir unseren Gottesdienst verrichteten.“]

Verankert in der Geschichte

Der allseits geschätzte Pater Deneke von der Petrusbruderschaft weist in einem lesenswerten Beitrag darauf hin, dass der christliche Glaube durch die Auferstehung historisch fest verankert ist. Diese Tatsache versuchen viele christliche Theologen, leider nicht nur aus protestantischer Sicht, zu relativieren. Es wird behauptet, es handle sich bei der Auferstehung natürlich nicht um eine wirkliche historische Tatsache. Ein bekannter Theologe hat einmal gesagt, wenn morgen Jesu Gebeine in seinem Grab entdeckt würden, würde dies seinen Glauben nicht berühren. Offensichtlich glaubt ein solcher Theologe nicht mehr an die wirkliche Auferstehung, sondern hat das Christentum auf eine Sammlung moralischer Platitüden ohne besondere Bedeutung reduziert, und damit auf eine Stufe mit den Thesen anderer moralischer Lehrer wie etwa Konfuzius gestellt. Damit wurde aber der eigentliche Kern des christlichen Glaubens aufgegeben.

Wenn Christus nicht wahrhaft auferstanden ist, wenn die Auferstehung keine historische Tatsache ist, dann ist Jesus nicht der Erlöser, nicht der Christus, und unsere Sünden sind nicht hinweggenommen. Dann ist er nicht unser „Osterlamm“, sondern nur ein beliebiger jüdischer Lehrer, womöglich gar ein Scharlatan, Lügner oder Verbrecher, ganz sicher nicht der Sohn Gottes. Dann ist das höchste Fest der Christen, das Osterfest, nichts als eine große Lüge. Dann sind wir immer noch die alten Menschen. Dann war die Kreuzigung eine Art Missgeschick, letztlich sinnlos, weil nichts damit erreicht wurde.

Die Entmythologisierer, deren Ziel darin besteht, aus dem Christentum eine Art moralische Fabel zu machen, begehen den fatalen Fehler, das Wesen der christlichen Religion vollkommen misszuverstehen. Es gab wahrlich genug bedeutungsschwangere Moralprediger, Zeigefingermenschen, in allen Zeiten. Wenn Christus nicht mehr zu bieten hat, dann verdient er nicht die Aufmerksamkeit irgendeines Menschen, weil er vollkommen irrelevant ist. Wir hatten genug Morallehrer, und wir haben ihre Lehren nicht befolgt. Welchen Unterschied macht ein weiterer von der Sorte?

Der christliche Glaube erhebt den Anspruch, den Menschen von seinen Sünden zu befreien, nicht ihm zu erklären, was eine Sünde ist. Das kann der Mensch auch ohne das Christentum wissen. Dazu braucht er keine Offenbarung, keinen Sohn Gottes, keine Auferstehung und keine Kirche, sondern bloß Herz und Verstand.

Der moderne Theologe begreift viele Details vom christlichen Glauben. Er kennt die Bibel und publiziert scharfsinnige Darstellungen zu seinem wissenschaftlichen Forschungsgebiet. Er sieht viele Bäume, aber keinen Wald. Und er sieht den Wald nicht, weil er in seinem Herzen längst den christlichen Glauben durch einen menschlichen Glauben an die Erlösungskraft des Fortschritts ausgetauscht hat. Er sucht nicht nach Christus, dem Erlöser, sondern nach einer menschlichen Hilfe beim Aufbau einer besseren Welt im Diesseits.

Doch im Diesseits eine bessere Welt aufbauen kann nicht das erste Ziel des Christen sein. Es ist natürlich wichtig, und es ist auch ein Nebenprodukt des christlichen Lebens, dass sich tatsächlich die Bedingungen im Diesseits verbessern, wenn die Menschen den christlichen Glauben leben und daher ihren Nächsten lieben. Doch diese Nebenwirkung ist, selbst wenn sie für sich genommen schön und hilfreich ist, nicht der Zweck des christlichen Glaubens.

Der Zweck des Christentums ist die Erlösung des Menschen, das Paradies im Himmel, nicht das Paradies auf Erden.

Und erlöst werden wir nicht durch die vielen netten Geschichten, die über Jesus erzählt werden, sondern durch das Blut Christi, das für uns zur Vergebung der Sünden vergossen, und von den Theologen vergessen wurde.

Wenn die Auferstehung nicht wirklich passiert ist, dann ist die Messe nicht die Messe, sondern eine gelebte Lüge, weil Christus nicht Gott war. Dann waren seine Wunder nur nachträgliche Erfindungen von Menschen, oder – schlimmer noch – das Werk des Teufels. Dann gibt es keine Realpräsenz, keine leibliche Gegenwart des Herrn, und wir betreiben in jeder Messe Götzenverehrung, wir verstoßen durch die Verehrung eines „Stücks Brot“ gegen das erste Gebot.

Wenn die Auferstehung nicht wirklich passiert ist, dann richten wir unsere Gebete an eine imaginäre Instanz, wir beten im Vaterunser das Gebet eines Scharlatans und Maria ist nicht die Mutter Gottes, sondern nur die Mutter einer bösartigen, gescheiterten Existenz.

Auf der Auferstehung basiert der ganze christliche Glaube, die ganze christliche Theologie, und, was noch viel wichtiger ist, die Erlösung eines jeden einzelnen Menschen aus seinen Sünden und die Hoffnung auf das ewige Heil.

Wer die Auferstehung leugnet, der leugnet Christus, leugnet den ganzen christlichen Glauben.

Doch es gebe ja keine Wunder, so wird gesagt. Diese ganzen Wunder, diesen Aberglauben, das könne man doch heute nicht mehr ernst nehmen. Und also wird alles uminterpretiert, bis es in unsere modernen Vorurteile hineinpasst. Doch die Menschen wussten auch vor 2000 Jahren schon, in der natürlichen Welt gilt „einmal tot, immer tot“, und zwar ausnahmslos. Und dass Jungfrauen keine Kinder gebären. Dazu brauchte niemand die moderne Wissenschaft oder die ausgefeilten Theologien der Neuzeit. Wenn man es damals ernst nehmen und glauben konnte, obwohl man wusste, dass es ein Bruch des natürlichen Laufs der Dinge war, dann kann man es auch heute, und zwar auf dieselbe Weise, als reales, außerordentliches Geschehnis, das für uns die Authentizität des christlichen Glaubens durch die im Zusammenhang mit Christus geschehenen Wundertaten bezeugt.

Der Satz, es gebe keine Wunder, und die daraus folgende Interpretation der Auferstehung als bloß menschliches Ereignis, ist die Folge einer philosophischen Vorfestlegung, nicht einer Einsicht der Wissenschaft. Wer philosophischer Naturalist ist, glaubt nicht an Wunder. Aber sein Nicht-Wunderglaube ist genauso ein Glaube wie der Wunderglaube des einfachen Christen.

Doch durch den Wunderglauben entdeckt der Christ die Wahrheit, während der naturalistische Theologieprofessor sie bestmöglich zu leugnen versucht.

Christus ist wahrhaft und wirklich, historisch, auferstanden, oder das Christentum ist eine Lüge und seine Anhänger entweder verblendete Spinner oder Heuchler.

Vom Weg der Wahrheit und der Kreuzung von 1962

Johannes hat auf seinem Blog gerade eine sehr interessante Reihe über die Piusbruderschaft gestartet. Hier die Links zu den bislang veröffentlichten Artikeln:

Zu den Piusbrüdern 1

Die Piusbrüder und die Nazikarte

Freikirchen, die Piusbrüder und die wahre Kirche Christi

Ich kann nicht sagen, dass ich mit allem, was Johannes da geschrieben hat, einverstanden bin. In manchen Punkten bin ich ganz anderer Meinung als er und sehe die Piusbruderschaft positiver. Doch das ändert nichts daran, dass seine Ausführungen, wie eigentlich immer, empfehlenswert sind. Sowohl für Anhänger als auch für Gegner der Piusbrderschaft, und für alle dazwischen, stellen die drei bislang veröffentlichten Artikel eine differenzierte Perspektive fernab der üblichen eingefahrenen Diskussionspfade dar.

Nun aber noch einige Worte zur Frage der Piusbrüder. Was ist von ihnen zu halten? Ich sehe das alles sehr zweischneidig.

Vom Irrweg der Unabhängigkeit von Rom

Es ist gar keine Frage, dass die Piusbruderschaft dringend in volle Einheit mit Rom geführt werden muss und dass alle existierenden Tendenzen zum Sedisvakantismus oder „Unabhängigkeit“ vom „modernistischen“ Rom letztlich bekämpft werden müssen. Dennoch sind die Piusbrüder bereits heute in (unvollständiger) Einheit mit Rom. Sie erkennen alle Dogmen der Kirche an, bewahren bis heute einige Schätze, die in der weiteren Kirche so gut wie vollständig verloren, vergessen und begraben worden sind, und für diesen unschätzbaren Dienst kann man Erzbischof Lefèbvre und seinen Getreuen, trotz all ihrer allzu menschlichen Fehler, gar nicht genug danken.

Vom Verdienst der Piusbruderschaft

Wenn man einmal die wenigen Streitpunkte (Religionsfreiheit, Ökumenismus usw.) beiseite lässt, und nur die Gemeinderealität betrachtet, so stellt man fest, dass Priester, die ehrfürchtig die Heilige Messe feiern (egal ob ordentlich oder außerordentlich), den ganzen unverkürzten katholischen Glauben verkündigen und sich nicht scheuen, auch unpopuläre Themen anzusprechen, ziemlich selten geworden sind.

Bei der Piusbruderschaft ist das noch selbstverständlich. Man kann sich beim Besuch eines Messzentrums darauf verlassen, dass eine gültige, ehrfürchtige Messe zelebriert wird, dass der traditionelle Glaube der Kirche verkündet wird, und dass man sich dort nicht in Anpassung an den Zeitgeist suhlt.

Bei der Petrusbruderschaft und anderen Ecclesia Dei Gruppen ist das auch selbstverständlich (und deshalb erscheint mir der Streit zwischen diesen Gruppen auch so unsinnig). Aber sie sind selbst in der weiteren Kirche ziemlich unbekannt. Die Piusbrüder sind, ob es uns gefällt oder nicht, derzeit der öffentlich bekannteste Leuchtturm des explizit traditionellen Glaubens, der, wenn die „Hermeneutik der Kontinuität“ denn zutrifft, nicht plötzlich nach dem Konzil falsch geworden sein kann.

Von den Fehlern der Piusbruderschaft

Das alles soll nicht über die realen Fehler der Piusbruderschaft hinwegtäuschen. Sie gebärdet sich manchmal selbstgerecht und fast schon hochmütig gegenüber anderen Katholiken. Wie jede Gruppe, die viele Schätze hat, ist sie der Versuchung ausgesetzt, andere, die über diese Schätze nicht verfügen, herabzusetzen. Ferner macht sie den Fehler, der für Anhänger einer Tradition naheliegt, wenn diese Tradition umgestürzt werden soll. Sie mumifiziert in gewisser Weise diese Tradition und schirmt sie nicht nur den Umsturzversuchen gegenüber ab, sondern auch ganz natürlichen, organischen Veränderungen, die dem Geist der Tradition gar nicht widersprechen. Der katholische Glaube, wie er 1962 geglaubt wurde, ist nicht falsch geworden durch das Konzil. Wer ihn glaubt, ist auch heute noch ein guter Katholik. Aber die Gefahr der Piusbrüder ist, sich von einer legitimen, traditionstreuen Entwicklung abzuschneiden, und nicht nur von den Abbruch- und Aufbruchunternehmen seit dem Konzil.

Kreuzung von 1962 und Weg der Wahrheit

Die Sache mit den Piusbrüdern ist ziemlich zweischneidig. Auf der einen Seite wäre die Kirche tatsächlich besser dran, wenn sie mit der Anpassung an den Zeitgeist, der auf Gemeinde- und selbst Bistumsebene fast wichtiger erscheint als der Heilige Geist, schlicht aufhörte, und zum traditionellen Glauben zurückkehrte. Wer falsch abgebogen ist – und das sind die Verfechter der Mitmach-Messen und Verbandslaienaufstände mit Sicherheit – der kehrt am besten um und geht bis an die Kreuzung zurück, an der er falsch abgebogen ist. Insofern wäre eine Rückkehr zum traditionellen Glauben, wie die Piusbrüder ihn verkünden, der richtige Weg. Und die Stellung an dieser Kreuzung immer gehalten zu haben, ist das große Verdienst der Bruderschaft.

Doch falsch abgebogen zu sein bedeutet nicht, dass man gar nicht hätte abbiegen sollen. Die Kreuzung ist nicht das Ziel, sondern nur eine Wegstation auf dem Weg zu dem Ziel. Man muss abbiegen, aber richtig abbiegen. So ist es auch mit der Kirche. Auch sie kann nicht für immer an der Kreuzung stehenbleiben, an der die Piusbruderschaft heute so treu Wache hält. Es gibt legitime Entwicklung der Tradition durch tieferes Verständnis derselben. Solcherart Entwicklung vertieft die Tradition, macht sie nicht ungültig, aber verschafft neue Einsichten.

Vom Licht des Heiligen Geistes: Der Papst als Vorhut

Und so wird der Heilige Geist, wie immer, die Kirche früher oder später auf den Weg der Wahrheit lenken, der von der Kreuzung von 1962 aus abzweigt. Diesen Weg der Wahrheit hat die Piusbruderschaft nicht gepachtet, aber die Kreuzung gegen großen Widerstand verteidigt zu haben, ist ihr Verdienst. Umgekehrt haben die Anhänger des „Konzilsgeistes“ eine Reihe von Irrwegen begangen, die alle in Sackgassen enden. Und Papst Benedikt wäre in diesem Bild so etwas wie die Vorhut, die den Weg der Wahrheit mit vorsichtigen, tastenden, noch nicht immer absolut trittsicheren Schritten beschreitet, noch nicht vollständig kartographiert hat, sich aber in der Dunkelheit vom Licht des Heiligen Geistes leiten lässt. Wenn dieser Weg der Wahrheit, der den traditionellen Glauben in Gänze bestätigt, ihn aber organisch und natürlich weiterentwickelt, erst einmal kartographiert und beleuchtet ist, dann wird es die Aufgabe der Piusbruderschaft sein, ihn als Nachhut zu beschreiten und gegen Angriffe abzusichern.

Sich dann zu weigern, wäre ein Schisma. Doch so weit ist es noch nicht.

Lobt-die-Hirten-Woche: Vermischter Overbeck (Teil 4/6)

Der Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck, ist im Rahmen der Lobt-die-Hirten-Woche auf Kreuzfährten heute sozusagen an der Reihe. Er hat sich wiederholt durch klare Worte zum Zölibat, zur moralischen Verwerflichkeit praktizierter Homosexualität und zu anderen Themen geäußert. Zudem ist er der erste deutsche Diözesanbischof seit ich weiß nicht wann, der an einer traditionellen Messe in seiner Domkirche teilgenommen hat und er arbeitet, zumindest nach der Aussage der Petrusbruderschaft, mit dieser gut zusammen. Pater Gerstle, FSSP, hört nach des Bischofs Aussage im Dom regelmäßig die Beichte.

Er ist für klare Worte im Geiste der Kirche bekannt.

Natürlich gibt es auch einige, sagen wir mal, Seltsamkeiten, darunter sicherlich sein absolut handzahmes Verhalten hinsichtlich des Dialogprozesses, aber die lassen wir jetzt mal unter den Tisch fallen.

Abschließend noch einige kurze Verweise auf frühere Artikel auf Kreuzfährten und anderswo zum Ruhrbischof, die zum Thema passen:

Ist Bischof Overbeck konservativ?

Solidarität mit Bischof Overbeck

Christen als „Fremde ohne Bürgerrecht“

Kleiner Hinweis: Morgen kommt als fünfter Teil ein Beitrag über Bischof Tebartz-van-Elst aus dem Bistum Limburg, und danach geht mir nach derzeitigem Kenntnisstand das „Lob“-Material unter den deutschen Hirten aus. Haben meine Leser da noch weitere Vorschläge?

Kontinuität und Bruch

Viel wird darüber spekuliert, ob das 2. Vatikanische Konzil mit der Tradition der Kirche vereinbar sei, und wenn ja, wie. Dass es zumindest dem Anschein nach Brüche in Liturgie, Glaube und Verkündigung gibt, ist wohl unbestreitbar. Ob es aber tatsächlich Brüche sind, wird derzeit kontrovers diskutiert. Hierzu einige Thesen, die hoffentlich einen kleinen Beitrag zur Klärung der Debattenlage leisten können:

1. Die Piusbruderschaft und die selbsternannten Reformkatholiken sind sich einig, das Konzil sei als Bruch zu lesen und keinesfalls vereinbar mit der Tradition der Kirche. Der Unterschied ist nur, die Piusbrüder sehen diesen Bruch als schlecht, die Reformkatholiken als gut.

2. Unabhängig von der Frage, ob theologisch gesehen ein dogmatischer Bruch stattgefunden hat, hat es in der kirchlichen Praxis auf Gemeinde- und oft auch Diözesanebene einen Bruch gegeben, der einen weitgehenden Glaubensverlust bis tief hinein in einstmals gut katholische Regionen der westlichen Welt begünstigt hat. Gegen diesen Bruch gilt es auf jeden Fall anzukämpfen, welches Ergebnis theologische Diskussionen über das Konzil auch immer bringen mögen.

3. In jedem Fall ist das Konzil von Seiten vieler deutscher Bischöfe (aber auch in anderen westlichen Ländern) als Bruch mit der lehramtlichen und liturgischen Tradition der Kirche interpretiert und umgesetzt worden. Die gleichen Bischöfe, die auf dem Konzil vorgeblich „Kontinuität und vorsichtige Reform“ im Sinn hatten, als sie die Texte des Konzils verabschiedeten, fuhren dann heim und vollzogen einen riesigen Bruch mit der gesamten Tradition der Kirche in allen Bereichen. Dies ist absolut unglaublich! Natürlich war es durchaus die Absicht sehr vieler Konzilsväter, genau diesen Bruch herbeizuführen.

4. Die Absicht des Heiligen Geistes bei diesem Konzil muss natürlich nicht identisch sein mit der Absicht der Konzilsväter. Daher würde selbst das Eingeständnis, dass die Mehrheit der Konzilsväter mit der Kirche aufräumen und eine Neue Kirche schaffen wollten (wohl die radikalstmögliche Annahme), nichts darüber aussagen, ob die Beschlüsse des Konzils im Einklang mit der Überlieferung stehen oder nicht.

5. Messen wir das Konzil an seinen Früchten, so bleibt ein sehr bitterer Geschmack im Mund. Zumindest so wie das Konzil faktisch auf Gemeinde- und Diözesanebene interpretiert und umgesetzt worden ist, hat es ein ungeahntes Zerstörungswerk vollbracht, so dass der Wiederaufbau Generationen dauern wird.

6. Messen wir die Gegner des Konzils an ihren Früchten, dann bietet sich ein gemischtes Bild. Besonders in jenen Gemeinschaften, die nicht in voller Einheit mit dem Heiligen Vater stehen, wie der Piusbruderschaft, macht sich zuweilen ein unguter Geist der Spaltung breit. Aber sowohl bei der Petrusbruderschaft und den anderen „Ecclesia-Dei-Gemeinschaften“ (in voller Einheit mit Rom) als auch bei der Piusbruderschaft wird der unverkürzte katholische Glaube gelehrt, gibt es genug Priesterberufungen und sind alle Altersgruppen vertreten. Hier, um einmal eine Floskel des Dialogprozesses zu verwenden, „hat Kirche Zukunft“. Es ist nun eine wichtige Aufgabe, möglichst viele dieser Gemeinschaften zusammenzuscharen unter der Führung des Römischen Papstes.

7. In diesem Sinne ist die Rückkehr der Piusbruderschaft in die volle Gemeinschaft der katholischen Kirche eine zentrale Aufgabe der nächsten Jahre. Die Piusbruderschaft wird anerkennen müssen, dass die „Neue Messe“, gefeiert nach den liturgischen Normen des Messbuchs, gültig ist, und zumindest nicht schädlich für den Gläubigen. Sie müssen sie nicht feiern und nicht gut finden, aber sie dürfen nicht vom Besuch einer ehrfürchtig zelebrierten Novus Ordo Messe abraten. Die Kritik am Konzil und den wenigstens sehr leicht missverständlichen Lehren zu Ökumene, Religionsfreiheit usw. ist aber ebenso notwendig wie im Rahmen der vollen Gemeinschaft der Kirche möglich – solange man sie mit etwas weniger Polemik vorbringt, als manchmal dort üblich.

8. Ich sehe das Hauptproblem auf dem Weg dieser Einigung in der Strukturfrage, verbunden mit der Unsicherheit über das nächste Pontifikat. Es ist derzeit ein berechtigtes Anliegen der Piusbrüder, nicht der Jurisdiktion der Bischöfe unterstellt zu werden, da in den westlichen Ländern die Mehrzahl von ihnen ihre Autorität sofort im Dienste der „Hermeneutik des Bruches“ zur Unterdrückung der kirchlichen Tradition verwenden würde. Es muss also eine Struktur gefunden werden, die drei wesentliche Anforderungen erfüllt:

(1) Sie muss „zollitschfest“ sein, also der Piusbruderschaft ein Handeln in allen Diözesen auch ohne die Einwilligung des Ortsbischofs ermöglichen.

(2) Sie muss es der Piusbruderschaft ermöglichen, ihre berechtigte Kritik am Konzil und seinen postkonziliaren Auswüchsen freimütig und mit deutlichen (wenn auch weniger polemischen) Worten vorzubringen. Dies beinhaltet vornehmlich die Kritik am Novus Ordo, auch hinsichtlich grundsätzlicher theologischer Mängel, nicht nur hinsichtlich liturgischer Missbräuche; die Kritik am Ökumenismus, religiösen Indifferentismus, und dem konziliaren Begriff von Religionsfreiheit, schließt aber andere Kritikpunkte nicht aus.

(3) Sie muss die Nachfolgefrage regeln: Die Weihe neuer Bischöfe muss möglich sein, damit sich ein Drama wie 1988 unter einem zukünftigen der Tradition feindlich gegenüberstehenden Papst nicht wiederhole.

9. Papst Benedikt ist sehr alt und nicht bei bester Gesundheit. Und während wir alle für ein langes Leben beten und es ihm auch wünschen sollten, müssen wir der Tatsache ins Gesicht sehen, dass er nicht unsterblich ist. Als Papst und schon in den Jahrzehnten vorher hat er sehr viel dazu beigetragen, dass die Kirche einer „Hermeneutik des Bruchs“ nicht höchsten Segen gegeben hat. Seine Handschrift ist auf einer schier unendlichen Vielzahl traditionstreuer Schritte zu finden, schon während des Pontifikats seines Vorgängers. Was kommt nach ihm? Wie viel Annäherung an die traditionelle Liturgie und den traditionellen Glauben der Kirche ist „auf seinem Mist gewachsen“? Die Unsicherheit über die Identität des nächsten Papstes ist ein großes psychologisches Hindernis für eine volle Einheit der Piusbruderschaft mit Rom. Selbst wenn man direkt Rom unterstellt wäre – zumindest unter dem Papst steht man auf jeden Fall. Und was ist, wenn, Vorsicht Schreckensvision, Kardinal Schönborn oder jemand, der so denkt wie Erzbischof Zollitsch oder Kardinal Marx, einmal der Bischof von Rom ist?

Die Kirche befindet sich in einer tiefen Krise – und das erstreckt sich bis hin zu den Kardinälen, die einen Papst im Konklave wählen.

10. Letztlich, das ist meine feste Überzeugung, wird die Kirche Gottes als Sieger aus den derzeitigen Streitigkeiten hervorgehen. Das mag aber durchaus noch einige Jahrzehnte oder Jahrhunderte dauern. Derzeit gibt es wenig Hoffnung für eine Renaissance des wahren katholischen Glaubens, der zuweilen selbst in den Bischofskonferenzen eine bedrängte Minderheit zu sein scheint. In welcher Rolle das 2. Vatikanische Konzil aus der Rückschau in 300 Jahren einmal gesehen werden wird, vermag ich nicht zu sagen. Das Wahrscheinlichste ist aber, dass darüber nicht groß gesprochen werden wird. Nicht alle Konzilien sind der „Große Wurf“ gewesen. Manche haben auch einfach etwas Richtiges gesagt, das seinen Nutzen gehabt haben mag, aber im großen Spiel der Dinge nicht allzuviel Bedeutung hatte.

Diese kurzen Ausführungen stellen in keiner Form eine erschöpfende Behandlung der Thematik von Kontinuität und Bruch im 2. Vatikanischen Konzil dar. Die dazu erforderliche gründliche Analyse der Texte, Zeitumstände, Ursachen und Folgen des Konzils sowie späterer lehramtlicher Dokumente im Vergleich mit Früheren übersteigt nicht nur mein Zeitkontingent, sondern auch meine theologischen Fähigkeiten. Es wäre aber eine Analyse, die in Rom und unter Führung von Rom, durchgeführt werden sollte.

Christkönigsfest bei den Piusbrüdern

Nachdem ich mich schon seit längerer Zeit mit der Theologie der Tridentinischen Messe beschäftigt hatte, war nun der Entschluss gereift, auch selbst einmal eine solche Messe zu besuchen. Da sich in meiner Gegend keine andere Option bot, und der Vatikan ausdrücklich bestätigt hatte, dass man dort seine Sonntagspflicht erfüllen kann, suchte ich eine Kapelle der Piusbruderschaft auf – mit dem festen Vorsatz, in voller Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater zu bleiben.

Ich möchte im Vorhinein betonen, dass die folgenden Zeilen, selbst wenn sie zuweilen ziemlich apodiktisch klingen mögen, nicht mehr sind als meine persönliche theologische Auffassung, die Auffassung eines Laien und Konvertiten, dessen Wissen in vielen einschlägigen Bereichen zu wünschen übrig lässt. Keinesfalls möchte ich ausdrücken, oder auch nur den Anschein erwecken, als ob ich andeuten wollte, dass der Novus Ordo ungültig, eine Erfindung einer Verschwörung von Freimaurern oder etwas anderes dieser Art sei. Wer meine Liebe zur Tridentinischen Messe nicht teilt, ist dadurch weder häretisch noch ein schlechter Katholik (wenn auch, aus meiner Sicht, blind und taub gegenüber liturgischer Angemessenheit – aber das ist eben nur meine Sicht).

In Ehrfurcht und unter Erfüllung der liturgischen Normen gefeiert, kann der NO, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, eine gültige und gar erbauliche – wenn auch z.B. aufgrund des fehlenden Stufengebets leicht protestantisierte – Form der Heiligen Messe sein.

Dennoch kann ich nicht anders, als nach dem Besuch einer Heiligen Messe in der außerordentlichen Form (nach dem alten Kalender ist heute der Christkönigssonntag) die Neue Messe für eine verwässerte, weniger ausdrucksstarke Liturgie zu halten, in der die Opfergesinnung und die katholische Theologie des Messopfers einfach weniger klar zur Geltung kommt.

Woran liegt das? Man könnte nun sicher weitschweifige theologische Erklärungen anstimmen, was ich mir bestimmt nicht werde verkneifen können – dies sei aber auf spätere Artikel verschoben.

In diesem Artikel möchte ich ganz von der theologischen Wissenschaft Abstand nehmen und einfach meine subjektiven Eindrücke schildern.

1. Bereits beim Betreten der Kapelle – die von außen wie eine sehr schlichte Kirche aussah – war die Atmosphäre der Frömmigkeit geradezu körperlich spürbar.

2. Vor Beginn der Messe fand ein Rosenkranzgebet statt, zu dem die Kirche bereits mehr als halbvoll war.

3. Als die Messe begann, war die Kirche nicht ganz voll – allerdings tröpfelten noch eine Weile weitere Gläubige ein, die sich dann – was mich positiv überrascht hat – nicht dazwischen gedrängt haben, sondern sich im hinteren Teil der Kapelle aufhielten, wo es ebenfalls noch eine Sitzbank gab.

4. Alle Gläubigen erwiesen dem Herrn im Tabernakel ihre Ehrfurcht, indem sie eine andächtige Kniebeuge machten, und selbst die Kinder (von denen es allerdings nur eine Handvoll gab) rannten generell nicht wild durch die Kirche, wie ich es sonst gewohnt war, sondern wussten sich halbwegs zu benehmen.

5. Ein negativer Punkt waren die gepolsterten Kniebänke. Aus irgendeinem Grund konnte ich auf ihnen nicht richtig knien – ohne Polsterung wären sie mir lieber gewesen. Da man in der Tridentinischen Messe sehr viel kniet, war das nicht besonders angenehm…. Aber ich sollte wirklich nicht meckern – die anderen Gläubigen schienen dort sehr gut knien zu können und machten davon auch ausgiebigen Gebrauch.

6. Die Form der Messe kannte ich bereits von Videos und aus dem Schott. Doch selbst anwesend zu sein, verlieh ihr natürlich noch einmal eine besondere Würde. Die Messe zu verfolgen war sehr leicht – ich habe nie den Faden verloren, außer beim Messcanon, von dem ich nicht erwartet hätte, dass er so schnell vorbei wäre. Generell kann man sagen, dass es heute, in Zeiten des Internets, sehr leicht ist, in die Tridentische Messe hineinzufinden, wenn man die Bereitschaft besitzt, sich vor dem ersten Messbesuch ein paar Stunden mit dem Ritus zu beschäftigen.

7. Die Form der Messe war wie erwartet großartig. Ich kann nach dem heutigen Tag überhaupt nicht mehr verstehen, warum irgendjemand da Reformbedarf gesehen hat, der eine größere Liturgiereform erfordert hätte. Über Kleinigkeiten lässt sich immer diskutieren, aber im Wesentlichen ist dies die Messe aller Zeiten, auch der heutigen Zeit. Eine Neuevangelisierung ohne diese Messe erscheint mir aussichtslos. Save the Liturgy – save the world, wie Father Z immer sagt.

8. Der gregorianische Chorgesang driftete wie der Weihrauch hoch zum Herrn, zusammen mit den Gebeten der anwesenden Gläubigen. Dazu gab es, an sorgfältig ausgewählten Stellen, von Orgelmusik begleitete Kirchenlieder. So muss Kirchenmusik sein.

9. Das Hochamt währte nicht ganz eineinhalb Stunden – eine passende Zeit. Wer 90 Minuten einem Fußballspiel zuschauen kann, der kann auch dieselbe Zeit mit dem Messopfer zubringen. Im Anschluss fanden noch einige weitere Gebete statt, und dann am Ende kam es zum einzigen wirklichen, nicht durch die Form der Messe, sondern durch den speziellen Charakter der Piusbruderschaft bedingten, Tiefpunkt:

10. Es wurden zwei Rosenkränze gebetet, um für die „Schuld“ von Assisi um Gnade zu bitten. Wie der Leser meines Blogs weiß, lehnte und lehne ich derartige interreligiöse Treffen als nutzlos und potenziell schädlich ab, fand diese Dramatik aber trotzdem etwas übertrieben. Ich betete die Rosenkränze mit, allerdings betete ich weniger um Vergebung für die „Sünden von Assisi“, sondern allgemein für die Intentionen des Heiligen Vaters. Dies schien mir angemessen.

11. Die immer wieder kolportierten Vorurteile, die Piusbrüder seien fundamentalistisch oder antisemitisch bestätigten sich in meinem Fall überhaupt nicht. Die Predigt war gut katholisch, sparte auch die heute unpopulären Themen wie Himmel und Hölle nicht aus, bewegte sich aber in vollem Umfange im Rahmen der kirchlichen Lehre. Zudem hatte ich zwar den Eindruck eines frommen Ernstes in der Kirche, aber keineswegs das Gefühl, ich sei als „Außenseiter“ irgendwie schief angesehen oder misstrauisch beäugt worden, obwohl ich bei weitem nicht alle Feinheiten des Ritus oder auch nur alle liturgischen Antworten beherrschte.

12. Der Altersdurchschnitt lag deutlich niedriger als in einer durchschnittlichen katholischen Gemeinde. Etwa ein Drittel der Anwesenden waren schätzungsweise unter 40 Jahre alt, und ein Drittel über 60. Zumindest wenn mein grober Überblick aus der letzten Reihe auf die Hinterköpfe zutrifft. Überrascht hat mich allerdings die geringe Zahl von Kindern. Praktiziert man bei der Piusbruderschaft denn nicht Humanae Vitae?

Alles in allem ein sehr schönes sonntägliches Erlebnis, für das ich mein traditionelles Sonntagsschweigen auf dem Blog nun gebrochen habe. Dies ruft eigentlich nach Wiederholung.

Eine Messe der Petrusbruderschaft in greifbarer Nähe wäre mir aber weit lieber – immerhin ist die Piusbruderschaft nach wie vor ohne definierten kirchenrechtlichen Status, gleichsam in der Schwebe. Ihre Messen sind gültig, der Besuch derselben laut Vatikan keine Sünde und ausreichend zur Erfüllung der Sonntagspflicht, aber das alles ist nicht ideal, solange die vollständige Einheit nicht wieder hergestellt ist.

Solange werde ich, wenn ich zu dieser Kapelle gehe – was in Zukunft noch öfter vorkommen könnte – immer ganz bewusst für Einheit der Piusbruderschaft mit dem Heiligen Vater beten.

Allerdings kann ich mir, abschließend gesagt, nicht vorstellen, noch einmal eine Handkommunion zu… machen (fast hätte ich „begehen“ gesagt….)

Aber, wie gesagt, alles nur meine Meinung. Handkommunion, Novus Ordo usw. sind alle legal, gültig und akzeptabel, solange Rom dies so entscheidet, und mir steht es glücklicherweise nicht zu, derartige Entscheidungen zu beeinflussen.

Interview mit Pater Zimmer, FSSP

Pater Walthard Zimmer, von der Petrusbruderschaft in Linz, ist von mir bereits einmal im Zusammenhang mit der Pfarrer-Initiative und ihrem Aufruf zum Ungehorsam erwähnt worden. Ein Interview mit ihm auf Gloria.tv möchte ich dem Leser nachdrücklich empfehlen. Dort geht es zum einen auch um die Pfarrer-Initiative um Schüller, andererseits werden ebenso generelle Fragen der heutigen Kirche besprochen. Es geht um die Glaubenskrise, Frauenpriestertum, die Piusbruderschaft und einige andere Themen.

Daten zur Petrusbruderschaft

Die aktuellen Zahlen, Daten und Fakten der Petrusbruderschaft (Stand 2011)

Weitere Mitgliederstatistiken:

•   Gesamt: 392
•   Priester (inkl. angegliederte
und in Kandidatur befindliche Priester): 228
•   Diakone: 10
•   Seminaristen (ohne Diakone und inkl. Postulanten
des ersten Jahres): 154
•   Durchschnittsalter der Mitglieder: 36 Jahre
•   Verstorbene Mitglieder: 5
•   Vertretene Nationalitäten: 35

Im übrigen stammt die überwiegende Mehrzahl der Priester und Seminaristen aus Europa und Nordamerika, also genau den angeblichen Epizentren des Priestermangels. Die allermeisten Gläubigen in diesen Regionen kennen die Bruderschaft nicht einmal. Zudem erhält sie keine Kirchensteuer und generell keine Zuwendungen aus Diözesaneinkünften. Die Petrusbruderschaft arbeitet also mit einem winzigen Stückchen der ganzen katholischen Christenheit nur auf der Basis der Spendenbereitschaft ihrer Anhänger – und kann sich vor Seminaristen kaum retten.

Währenddessen sind die Seminare der Diözesen chronisch leer und die Seminaristen- und Priesterzahlen fallen ins Bodenlose. Wann hat zuletzt ein deutsches diözesanes Priesterseminar wegen Überfüllung angebaut, so wie dies derzeit im Seminar der FSSP in Wigratzbad der Fall ist?

Weiß jemand, ob es ähnliche Statistiken / Daten für andere traditionelle Gruppierungen gibt?

NACHTRAG: Wk1999 hat mich in der Kommentarsektion auf eine Statistik (in französischer Sprache) für die Piusbruderschaft aufmerksam gemacht.

Neuevangelisierung: BDKJ nicht dabei

Ich las hier und hier, dass der BDKJ nicht zur Neuevangelisierungskonferenz nach Rom eingeladen worden ist. Wie üblich kann ich der Versuchung eines kurzen Kommentars nicht widerstehen:

Es geht ja auch um Neuevangelisierung. Da sollten nur Institutionen und Gruppen vertreten sein, denen an diesem Ziel auch etwas liegt. Dem BDKJ geht es mehr um die Schaffung einer neuen Kirche, die sich in nichts mehr von der nächsten Karaoke-Bar unterscheidet (außer natürlich in der Qualität der Musik und im Ausschank von Alkohol – ich möchte der Karaoke-Bar nicht zu nahe treten).

Aber ernsthaft: Der Bund der deutschen katholischen Jugendlichen, der in Dirk Tänzler (42) einen Vorsitzenden hat, dessen Alter signifikant über dem Altersdurchschnitt der Petrusbruderschaft (36) liegt, wird in etwa dieselbe Rolle bei der Neuevangelisierung Europas spielen, wie ihre Glaubensbrüder bei der „Evangelischen Kirche Deutschlands“.