Ein „modernes“ Credo…

Die Freunde einer Modernisierung der katholischen Kirche erklären uns gern, dass alte Dogmen nicht mehr der modernen Zeit entsprechen, sondern man einen neuen Aufbruch wagen müsse. Diese ganzen theologisierenden Glaubenssätze der vorkonziliaren Kirche, so hört man, seien längst überholt. Heute müsse man allein noch eine Kirche der Nächstenliebe, des Fortschritts und der Erneuerung sein, sich der Schwächsten annehmen usw. aber bitte ohne andere Religionen „auszugrenzen“.

Die Modernisierer sind mit der traditionellen Kirche der Glaubenssätze, Glaubensartikel und Dogmen ziemlich unzufrieden. Sie loben das Konzil, das diesen Aufbruch fort von alledem ermöglicht und eingeleitet habe.

Ihr Lieblingspapst dürfte Paul VI. sein. Und ihr Lieblingsjahr ist, betrachtet man ihre gesellschaftliche Grundorientierung, 1968. Wenn das so ist, dann werden die Modernisierer ja das „Credo des Gottesvolkes“ lieben. (oder vielleicht auch nicht…) Hier ist es:

Wir glauben an den einen Gott: Vater, Sohn und Heiligen Geist, Schöpfer der sichtbaren Dinge, wie es diese Welt ist, auf der unser flüchtiges Leben sich abspielt, Schöpfer der unsichtbaren Dinge, wie es die reinen Geister sind, die man auch Engel1 nennt, und Schöpfer der unsterblichen Geistseele eines jeden Menschen.

Wir glauben, daß dieser einzige Gott Seiner Wesenheit nach absolut einer ist, unendlich heilig, wie Er in allen Seinen Eigenschaften unendlich vollkommen ist: in Seiner Allmacht, in Seinem unbegrenzten Wissen, in Seiner Vorsehung, in Seinem Willen und in Seiner Liebe. Er ist der, der da ist, wie Er es Moses2 geoffenbart hat; Er ist Liebe, wie der Apostel Johannes3 es uns lehrt. Diese beiden Worte also, Sein und Liebe, bezeichnen in unaussprechlicher Weise die gleiche göttliche Wirklichkeit dessen, der sich uns zu erkennen geben wollte und der, da Er „in einem unzugänglichen Lichte wohnt“4, in sich selbst jenseits jeglicher Bezeichnung, über allen Dingen steht und alles geschaffene Denken übersteigt. Gott allein kann uns von sich eine angemessene und volle Erkenntnis mitteilen, indem Er sich als Vater, Sohn und Heiliger Geist offenbart. Durch die Gnade sind wir berufen, an Ihrem ewigen Leben teilzuhaben: hier auf Erden im Dunkel des Glaubens und nach dem Tode im ewigen Lichte.
Die gegenseitigen Bande, die von der Ewigkeit her die drei Personen wesentlich verbinden, deren jede das eine und selbe göttliche Sein ist, sind das beseeligende innerste Leben des dreimalheiligen Gottes, unendlich weit entfernt von alldem, was wir auf menschliche Weise begreifen können.5
Wir sagen indessen der göttlichen Güte Dank für die Tatsache, daß sehr viele gläubige Menschen mit uns vor der Welt die Einzigkeit Gottes bezeugen können, obwohl sie das Geheimnis der allerheiligsten Dreifaltigkeit nicht kennen.

Wir glauben also an den Vater, der von Ewigkeit her den Sohn zeugt; an den Sohn, das Wort Gottes, das von Ewigkeit her gezeugt ist; an den Heiligen Geist, die unerschaffene Person, die vom Vater und vom Sohne ausgeht als Ihre ewige Liebe. In den drei göttlichen Personen also – coaeternae sibi et coaequales [untereinander gleich ewig und gleichen Wesens]6 – sind das Leben und die Seligkeit Gottes, der vollkommen eins ist, in überreicher Fülle vorhanden und vollenden sich in der Vollkommenheit und in der Glorie, die dem unerschaffenen Wesen eigen sind. Immer „muß also die Einheit in der Dreifaltigkeit und die Dreifaltigkeit in der Einheit verehrt werden.“7

Wir glauben an unseren Herrn Jesus Christus, der der Sohn Gottes ist. Er ist das ewige Wort, gezeugt vom Vater vor aller Zeit und wesensgleich dem Vater (homoousios to Patri8). Durch Ihn ist alles erschaffen worden. Durch das Wirken des Heiligen Geistes hat Er im Schoße der Jungfrau Maria Fleisch angenommen und ist Mensch geworden: dem Vater also Seiner Gottheit nach gleich, der Menschheit nach aber ist Er geringer als der Vater. Er ist in sich selbst einer, nicht durch eine unmögliche Vermischung der Naturen, sondern durch die Einheit der Person.9
Er hat unter uns gewohnt, voll der Gnade und Wahrheit. Er verkündete das Reich Gottes und richtete es wieder auf und ließ uns den Vater durch sich erkennen. Er hat uns ein neues Gebot gegeben, einander zu lieben, wie Er uns geliebt hat. Er lehrte uns den Weg der Seligkeiten des Evangeliums: Armut im Geiste, Milde, Geduld im Leiden, Durst nach der Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Reinheit des Herzens, Wille zum Frieden, Verfolgung erdulden um der Gerechtigkeit willen. Er litt unter Pontius Pilatus. Als Lamm Gottes nahm Er die Sünden der Welt auf sich. Er ist für uns am Kreuze gestorben und rettete uns durch Sein erlösendes Blut. Er ist begraben worden und am dritten Tage aus eigener Kraft wiederauferstanden. Durch Seine Auferstehung berief Er uns zur Teilnahme am göttlichen Leben, welches das Leben der Gnade ist. Er ist aufgefahren in den Himmel und wird wiederkommen aufs neue, und zwar dieses Mal in Herrlichkeit, um die Lebenden und die Toten zu richten: einen jeden nach seinen Verdiensten – jene, die der Liebe und dem Erbarmen Gottes entsprochen haben, werden eingehen zum ewigen Leben. Jene aber, die bis zum Ende ihres Lebens die Liebe und das Erbarmen Gottes ablehnten, werden dem Feuer überantwortet, das niemals erlischt.
Und Seines Reiches wird kein Ende sein.

Wir glauben an den Heiligen Geist, den Herrn und Lebensspender, der mit dem Vater und dem Sohne angebetet und verherrlicht wird. Durch die Propheten hat Er zu uns gesprochen und ist von Christus, nach Seiner Auferstehung und Himmelfahrt zum Vater, gesandt worden. Der Heilige Geist erleuchtet, belebt, beschützt und führt die Kirche. Er läutert ihre Glieder, wenn sie der Gnade nicht widerstehen. Sein gnadenvolles Wirken, das bis in das Innerste der Seele eindringt, macht den Menschen fähig, zu antworten auf den Anruf Christi: „Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist!“10

Wir glauben, daß Maria, die allzeit Jungfrau blieb, die Mutter des menschgewordenen Wortes ist, unseres Gottes und Heilands Jesus Christus11, und daß sie im Hinblick auf diese einzigartige Gnadenauserwählung und durch die Verdienste ihres Sohnes auf eine vollkommenere Art12 erlöst worden ist, indem sie von jedem Makel der Erbsünde13 bewahrt und mit dem Gottesgeschenk der Gnade mehr bedacht wurde als alle anderen Geschöpfe.14
Verbunden in einer ganz innigen und unauflöslichen15 Weise mit dem Geheimnis der Menschwerdung und Erlösung, wurde die allerseligste Jungfrau, die Unbefleckte Jungfrau, am Ende ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die Herrlichkeit des Himmels16 aufgenommen und – in Vorausnahme des künftigen Loses aller Gerechten – ihrem auferstandenen Sohne in der Verklärung angeglichen. Wir glauben, daß die heilige Gottesmutter, die neue Eva, die Mutter der Kirche17, im Himmel ihr mütterliches Amt fortsetzt im Hinblick auf die Glieder Christi, indem sie mitwirkt bei der Erweckung und Entfaltung des göttlichen Lebens in den erlösten Seelen.18

Wir glauben, daß in Adam alle gesündigt haben, was besagen will, daß die Erbschuld, die Adam beging, die menschliche Natur, die allen Menschen gemeinsam ist, in einen Zustand fallen ließ, in dem sie die Folgen dieser Schuld zu tragen hat. Und daß dieser Zustand nicht jener ist, in dem unsere Stammeltern sich zuerst befanden, da sie in Heiligkeit und Gerechtigkeit geschaffen waren und der Mensch weder das Böse noch den Tod kannte.
Die menschliche Natur ist also eine gefallene Natur: beraubt der Gnade, die sie bekleidete, verwundet in ihren eigenen natürlichen Kräften und dem Reich des Todes unterworfen, der auf alle Menschen übergegangen ist. Das ist der Sinn, daß jeder Mensch in Sünde geboren wird.
Wir halten also mit dem Konzil von Trient fest, daß die Erbsünde mit der menschlichen Natur übertragen wird, „nicht durch Nachahmung, sondern durch Fortpflanzung“, und „so zu einem jeden gehört.“19

Wir glauben, daß unser Herr Jesus Christus uns durch Sein Opfer am Kreuze von der Erbsünde und von allen persönlichen Sünden, die wir begangen haben, erlöst hat, so daß nach den Worten des Apostels dort, „wo die Sünde zugenommen hat, die Gnade überreich geworden ist.“20

Wir glauben an die Taufe, die von unserem Herrn Jesus Christus zum Nachlaß der Sünden eingesetzt worden ist. Die Taufe soll auch schon den Kindern im frühen Alter gespendet werden, die sich noch keiner persönlichen Sündenschuld bewußt sind, damit sie nicht der übernatürlichen Gnade verlustig gehen und „wiedergeboren werden aus dem Wasser und dem Heiligen Geist“ zum göttlichen Leben in Jesus Christus.21

Wir glauben an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche, die von Jesus Christus auf dem Felsen gegründet wurde, der Petrus ist. Sie ist der mystische Leib Christi, von ihm sowohl als sichtbare Gemeinschaft mit hierarchischem Aufbau wie auch als geistige Gemeinschaft eingesetzt. Sie ist die Kirche hier auf Erden, das pilgernde Gottesvolk.
Und sie ist die Kirche, die beschenkt ist mit himmlischen Gütern – der Same und keimhafte Anfang des Reiches Gottes, durch das sich Werk und Leiden der Erlösung in der Geschichte fortsetzen und das seine Vollendung finden wird jenseits aller Zeitlichkeit, in der ewigen Herrlichkeit22. Der Herr Jesus Christus läßt Seine Kirche in der Zeit Gestalt annehmen durch die Sakramente, die aus Seiner göttlichen Fülle23 hervorgehen. Durch sie haben die Glieder der Kirche Anteil am Geheimnis Seines Todes und Seiner Auferstehung in der Gnade des Heiligen Geistes, der Leben und Tun verleiht24. Die Kirche ist deshalb heilig, auch wenn sich in ihrer Mitte Sünder befinden, weil sie selbst kein anderes Leben besitzt als das der Gnade. Das heißt, daß sich ihre Glieder heiligen, wenn sie an ihrem Leben teilnehmen, und daß sie, wenn sie ihr Leben preisgeben, der Sünde und Unordnung verfallen, die den Glanz ihrer Heiligkeit verdunkeln. Deshalb leidet und büßt die Kirche für diese Verfehlungen. Sie hat die Gewalt, ihre Gläubigen davon zu heilen: durch das Blut Christi und die Gabe des Heiligen Geistes.
Sie ist dem Geiste nach Erbin der göttlichen Verheißungen und Tochter Abrahams, durch jenes Israel, dessen heilige Schriften sie in Liebe bewahrt und dessen Patriarchen und Propheten sie in Ehrfurcht gedenkt. Sie ist auf die Apostel gegründet und gibt im Nachfolger des heiligen Petrus und in den Bischöfen, die sich in Gemeinschaft mit ihm befinden, deren immerdar lebendiges Wort und deren Hirtengewalt durch die Jahrhunderte weiter. Unter dem immerwährenden Beistand des Heiligen Geistes hat die Kirche die Aufgabe, jene Wahrheit zu bewahren, zu lehren, auszulegen und in der Welt zu verkündigen, die Gott in verhüllter Weise durch die Propheten und in ihrer ganzen Fülle durch unseren Herrn Jesus Christus geoffenbart hat.

Wir glauben alles, was im geschriebenen oder überlieferten Gotteswort enthalten ist und was die Kirche als von Gott geoffenbarte Wahrheit zu glauben vorlegt: entweder durch eine feierliche Glaubensentscheidung oder durch das ordentliche und allgemeine Lehramt25. Wir glauben an die Unfehlbarkeit, die dem Nachfolger des heiligen Petrus zukommt, wenn er ex cathedra als Hirte und Lehrer aller Gläubigen26 spricht.
Diese (Unfehlbarkeit) ist auch dem Kollegium der Bischöfe verheißen, wenn sie – gemeinsam mit dem Papst – das höchste Lehramt ausüben.27

Wir glauben, daß die von Christus gegründete Kirche, für die Er gebetet hat, unfehlbar eine ist: im Glauben, im Kult und in der hierarchischen Gemeinsamkeit. Die reiche Vielfalt in der Liturgie, die zu Recht bestehende Verschiedenheit im theologischen und geistlichen Erbe, sowie in den eigenen Rechtsordnungen im Innern der Kirche, tun ihrer Einheit keinen Abbruch, sondern fördern sie.28
Wir anerkennen das Vorhandensein zahlreicher Elemente der Wahrheit und Heiligung außerhalb der Gemeinschaft der Kirche Christi, welche eigentlich ihr zugehören und auf die katholische Einheit29 hindrängen. Und wir glauben an das Wirken des Heiligen Geistes, der in den Herzen der Jünger Christi die Liebe zu dieser Einheit30 entflammt. Wir haben aber die Hoffnung, daß auch die Gläubigen, die noch nicht voll und ganz der Gemeinschaft der Kirche angehören, sich eines Tages in der einen Herde mit dem einen Hirten zusammenfinden werden.

Wir glauben, daß die Kirche heilsnotwendig ist; denn Christus, der alleinige Mittler und Weg zum Heil, ist für uns gegenwärtig in Seinem Leib, der die Kirche ist31. Aber der göttliche Heilsplan umfaßt alle Menschen. Diejenigen, die ohne ihre Schuld die Frohbotschaft Christi und Seiner Kirche nicht kennen, aber aufrichtig Gott suchen und sich mit Hilfe der Gnade um die Erfüllung Seines Willens bemühen, den sie aus den Forderungen ihres Gewissens erkannt haben – ihre Zahl ist Gott allein bekannt – können das Heil erlangen.32

Wir glauben, daß die heilige Messe, wenn sie vom Priester, der die Person Christi darstellt, kraft der durch das Weihesakrament empfangenen Gewalt gefeiert und im Namen Jesu Christi und der Glieder Seines mystischen Leibes dargebracht wird, das Opfer von Calvaria ist, das auf unseren Altären sakramental vergegenwärtigt wird. Wir glauben, daß in der Weise, wie Brot und Wein vom Herrn beim heiligen Abendmahl konsekriert und in Seinen Leib und in Sein Blut verwandelt worden sind, die Er für uns am Kreuze geopfert hat, auch Brot und Wein, wenn sie vom Priester konsekriert werden, in den Leib und das Blut Christi verwandelt werden, der glorreich in den Himmel aufgefahren ist. Und wir glauben, daß die geheimnisvolle Gegenwart des Herrn unter dem, was für unsere Sinne in derselben Weise wie vorher fortzubestehen scheint, eine wahre, wirkliche und wesentliche Gegenwart ist.33
Christus kann in diesem Sakrament nicht anders gegenwärtig sein als durch die Verwandlung der Substanz des Brotes in Seinen Leib und die Verwandlung der Substanz des Weines in Sein Blut. Dabei bleiben die Gestalten von Brot und Wein, wie sie unsere Sinne wahrnehmen, unverändert erhalten. Diese geheimnisvolle Verwandlung nennt die Kirche auf sehr treffende Weise: Transsubstantiation. Jede theologische Erklärung, die sich um das Verständnis dieses Geheimnisses bemüht, muß, um mit unserem Glauben übereinstimmen zu können, daran festhalten, daß Brot und Wein der Substanz nach, unabhängig von unserem Denken, nach der Konsekration zu bestehen aufgehört haben, so daß nunmehr der anbetungswürdige Leib und das anbetungswürdige Blut unseres Herrn vor uns gegenwärtig sind – unter den sakramentalen Gestalten von Brot und Wein.34 So hat es der Herr gewollt, um sich uns zur Speise zu geben und uns einzugliedern in die Einheit Seines mystischen Leibes.35
Die alleinige und unteilbare Daseinsweise des verklärten Herrn im Himmel wird damit keineswegs vervielfältigt. Sie ist durch das Sakrament vergegenwärtigt an den vielen Orten der Erde, wo das Meßopfer dargebracht wird.
Diese Gegenwart bleibt nach dem Opfer im Sakrament fortbestehen, das im Tabernakel aufbewahrt wird, der die Herzmitte unserer Kirchen ist. Es ist uns eine heilige Pflicht, das fleischgewordene Wort, das unsere Augen nicht erblicken können und das, ohne den Himmel zu verlassen, sich uns vergegenwärtigt in der heiligen Hostie, die unsere Augen sehen können, anzubeten und zu verehren.

Wir bekennen, daß Gottes Reich hier auf Erden in der Kirche Christi seinen Anfang nimmt, die nicht von dieser Welt ist und deren Antlitz ja vergeht. Und daß das Wachstum der Kirche nicht mit dem Fortschritt der Zivilisation, der Wissenschaft und der Technik des Menschen gleichgesetzt werden darf. Daß vielmehr die Kirche nur aus dem einen Grunde besteht, um immer tiefer den unergründlichen Reichtum Christi zu erkennen, immer zuversichtlicher auf die ewigen Güter zu hoffen, immer besser der Liebe Gottes zu antworten und den Menschen immer freigebiger die Güter der Gnade und Heiligkeit mitzuteilen. Ebenso ist es die Liebe, die die Kirche bewegt, sich stets um das wahre zeitliche Wohl der Menschen zu sorgen. Unablässig erinnert sie ihre Kinder daran, daß ihnen hier auf Erden keine bleibende Wohnung beschieden ist. Sie drängt sie dazu, daß jeder von ihnen, entsprechend seiner Berufung und seinen Möglichkeiten, zum Wohle seiner Gemeinschaft beiträgt, daß er Gerechtigkeit, Frieden und Brüderlichkeit unter den Menschen fördert und seinen Brüdern, vor allem den Armen und Unglücklichen, hilft. Die stete Sorge der Kirche, der Braut Christi, für die Not der Menschen, für ihre Freuden und Hoffnungen, für ihre Arbeiten und Mühen ist demnach nichts anderes als die große Sehnsucht, ihnen nahe zu sein, um sie zu erleuchten mit dem Lichte Christi und sie alle in ihm, ihrem alleinigen Heiland, zu vereinen.
Diese Sorge kann niemals bedeuten, daß sich die Kirche den Dingen dieser Welt gleichförmig macht, noch kann sie die brennende Sehnsucht mindern, mit der die Kirche ihren Herrn und Sein ewiges Reich erwartet.

Wir glauben an das ewige Leben. Wir glauben, daß die Seelen aller, die in der Gnade Christi entschlafen sind – ob sie nun noch im Reinigungsort geläutert werden müssen oder ob Jesus sie im Augenblick, da sie ihren Leib verlassen, wie den guten Schächer am Kreuz in das Paradies aufnimmt – zum Volk Gottes gehören – jenseits aller Herrschaft des Todes, der am Tag der Auferstehung, wenn die Seele mit dem Leib vereinigt wird, endgültig besiegt sein wird.

Wir glauben, daß die große Schar derer, die mit Jesus und Maria im Paradies vereinigt sind, die himmlische Kirche bildet. Dort schauen sie in ewiger Glückseligkeit Gott, so wie Er ist36. Dort sind sie auch, in verschiedenen Abstufungen, mit den heiligen Engeln unter der Herrschaft Christi vereint in Herrlichkeit, legen für uns Fürsprache ein und helfen uns in unserer Schwachheit durch ihre brüderliche Fürsorge.37

Wir glauben an die Gemeinschaft aller Christgläubigen: derer, die hier auf Erden als Pilger wandern, der Verstorbenen, die ihre Läuterung abwarten, und der Seligen im Himmel. Alle zusammen bilden sie die eine Kirche. Und in gleicher Weise glauben wir, daß in dieser Gemeinschaft die barmherzige Liebe Gottes und Seiner Heiligen stets unsere Gebete erhört, wie uns Jesus gesagt hat: Bittet und ihr werdet empfangen.38 Mit eben diesem Glauben und eben dieser Hoffnung erwarten wir die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.

Gepriesen sei der dreimalheilige Gott! Amen.

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Kontinuität und Bruch

Viel wird darüber spekuliert, ob das 2. Vatikanische Konzil mit der Tradition der Kirche vereinbar sei, und wenn ja, wie. Dass es zumindest dem Anschein nach Brüche in Liturgie, Glaube und Verkündigung gibt, ist wohl unbestreitbar. Ob es aber tatsächlich Brüche sind, wird derzeit kontrovers diskutiert. Hierzu einige Thesen, die hoffentlich einen kleinen Beitrag zur Klärung der Debattenlage leisten können:

1. Die Piusbruderschaft und die selbsternannten Reformkatholiken sind sich einig, das Konzil sei als Bruch zu lesen und keinesfalls vereinbar mit der Tradition der Kirche. Der Unterschied ist nur, die Piusbrüder sehen diesen Bruch als schlecht, die Reformkatholiken als gut.

2. Unabhängig von der Frage, ob theologisch gesehen ein dogmatischer Bruch stattgefunden hat, hat es in der kirchlichen Praxis auf Gemeinde- und oft auch Diözesanebene einen Bruch gegeben, der einen weitgehenden Glaubensverlust bis tief hinein in einstmals gut katholische Regionen der westlichen Welt begünstigt hat. Gegen diesen Bruch gilt es auf jeden Fall anzukämpfen, welches Ergebnis theologische Diskussionen über das Konzil auch immer bringen mögen.

3. In jedem Fall ist das Konzil von Seiten vieler deutscher Bischöfe (aber auch in anderen westlichen Ländern) als Bruch mit der lehramtlichen und liturgischen Tradition der Kirche interpretiert und umgesetzt worden. Die gleichen Bischöfe, die auf dem Konzil vorgeblich „Kontinuität und vorsichtige Reform“ im Sinn hatten, als sie die Texte des Konzils verabschiedeten, fuhren dann heim und vollzogen einen riesigen Bruch mit der gesamten Tradition der Kirche in allen Bereichen. Dies ist absolut unglaublich! Natürlich war es durchaus die Absicht sehr vieler Konzilsväter, genau diesen Bruch herbeizuführen.

4. Die Absicht des Heiligen Geistes bei diesem Konzil muss natürlich nicht identisch sein mit der Absicht der Konzilsväter. Daher würde selbst das Eingeständnis, dass die Mehrheit der Konzilsväter mit der Kirche aufräumen und eine Neue Kirche schaffen wollten (wohl die radikalstmögliche Annahme), nichts darüber aussagen, ob die Beschlüsse des Konzils im Einklang mit der Überlieferung stehen oder nicht.

5. Messen wir das Konzil an seinen Früchten, so bleibt ein sehr bitterer Geschmack im Mund. Zumindest so wie das Konzil faktisch auf Gemeinde- und Diözesanebene interpretiert und umgesetzt worden ist, hat es ein ungeahntes Zerstörungswerk vollbracht, so dass der Wiederaufbau Generationen dauern wird.

6. Messen wir die Gegner des Konzils an ihren Früchten, dann bietet sich ein gemischtes Bild. Besonders in jenen Gemeinschaften, die nicht in voller Einheit mit dem Heiligen Vater stehen, wie der Piusbruderschaft, macht sich zuweilen ein unguter Geist der Spaltung breit. Aber sowohl bei der Petrusbruderschaft und den anderen „Ecclesia-Dei-Gemeinschaften“ (in voller Einheit mit Rom) als auch bei der Piusbruderschaft wird der unverkürzte katholische Glaube gelehrt, gibt es genug Priesterberufungen und sind alle Altersgruppen vertreten. Hier, um einmal eine Floskel des Dialogprozesses zu verwenden, „hat Kirche Zukunft“. Es ist nun eine wichtige Aufgabe, möglichst viele dieser Gemeinschaften zusammenzuscharen unter der Führung des Römischen Papstes.

7. In diesem Sinne ist die Rückkehr der Piusbruderschaft in die volle Gemeinschaft der katholischen Kirche eine zentrale Aufgabe der nächsten Jahre. Die Piusbruderschaft wird anerkennen müssen, dass die „Neue Messe“, gefeiert nach den liturgischen Normen des Messbuchs, gültig ist, und zumindest nicht schädlich für den Gläubigen. Sie müssen sie nicht feiern und nicht gut finden, aber sie dürfen nicht vom Besuch einer ehrfürchtig zelebrierten Novus Ordo Messe abraten. Die Kritik am Konzil und den wenigstens sehr leicht missverständlichen Lehren zu Ökumene, Religionsfreiheit usw. ist aber ebenso notwendig wie im Rahmen der vollen Gemeinschaft der Kirche möglich – solange man sie mit etwas weniger Polemik vorbringt, als manchmal dort üblich.

8. Ich sehe das Hauptproblem auf dem Weg dieser Einigung in der Strukturfrage, verbunden mit der Unsicherheit über das nächste Pontifikat. Es ist derzeit ein berechtigtes Anliegen der Piusbrüder, nicht der Jurisdiktion der Bischöfe unterstellt zu werden, da in den westlichen Ländern die Mehrzahl von ihnen ihre Autorität sofort im Dienste der „Hermeneutik des Bruches“ zur Unterdrückung der kirchlichen Tradition verwenden würde. Es muss also eine Struktur gefunden werden, die drei wesentliche Anforderungen erfüllt:

(1) Sie muss „zollitschfest“ sein, also der Piusbruderschaft ein Handeln in allen Diözesen auch ohne die Einwilligung des Ortsbischofs ermöglichen.

(2) Sie muss es der Piusbruderschaft ermöglichen, ihre berechtigte Kritik am Konzil und seinen postkonziliaren Auswüchsen freimütig und mit deutlichen (wenn auch weniger polemischen) Worten vorzubringen. Dies beinhaltet vornehmlich die Kritik am Novus Ordo, auch hinsichtlich grundsätzlicher theologischer Mängel, nicht nur hinsichtlich liturgischer Missbräuche; die Kritik am Ökumenismus, religiösen Indifferentismus, und dem konziliaren Begriff von Religionsfreiheit, schließt aber andere Kritikpunkte nicht aus.

(3) Sie muss die Nachfolgefrage regeln: Die Weihe neuer Bischöfe muss möglich sein, damit sich ein Drama wie 1988 unter einem zukünftigen der Tradition feindlich gegenüberstehenden Papst nicht wiederhole.

9. Papst Benedikt ist sehr alt und nicht bei bester Gesundheit. Und während wir alle für ein langes Leben beten und es ihm auch wünschen sollten, müssen wir der Tatsache ins Gesicht sehen, dass er nicht unsterblich ist. Als Papst und schon in den Jahrzehnten vorher hat er sehr viel dazu beigetragen, dass die Kirche einer „Hermeneutik des Bruchs“ nicht höchsten Segen gegeben hat. Seine Handschrift ist auf einer schier unendlichen Vielzahl traditionstreuer Schritte zu finden, schon während des Pontifikats seines Vorgängers. Was kommt nach ihm? Wie viel Annäherung an die traditionelle Liturgie und den traditionellen Glauben der Kirche ist „auf seinem Mist gewachsen“? Die Unsicherheit über die Identität des nächsten Papstes ist ein großes psychologisches Hindernis für eine volle Einheit der Piusbruderschaft mit Rom. Selbst wenn man direkt Rom unterstellt wäre – zumindest unter dem Papst steht man auf jeden Fall. Und was ist, wenn, Vorsicht Schreckensvision, Kardinal Schönborn oder jemand, der so denkt wie Erzbischof Zollitsch oder Kardinal Marx, einmal der Bischof von Rom ist?

Die Kirche befindet sich in einer tiefen Krise – und das erstreckt sich bis hin zu den Kardinälen, die einen Papst im Konklave wählen.

10. Letztlich, das ist meine feste Überzeugung, wird die Kirche Gottes als Sieger aus den derzeitigen Streitigkeiten hervorgehen. Das mag aber durchaus noch einige Jahrzehnte oder Jahrhunderte dauern. Derzeit gibt es wenig Hoffnung für eine Renaissance des wahren katholischen Glaubens, der zuweilen selbst in den Bischofskonferenzen eine bedrängte Minderheit zu sein scheint. In welcher Rolle das 2. Vatikanische Konzil aus der Rückschau in 300 Jahren einmal gesehen werden wird, vermag ich nicht zu sagen. Das Wahrscheinlichste ist aber, dass darüber nicht groß gesprochen werden wird. Nicht alle Konzilien sind der „Große Wurf“ gewesen. Manche haben auch einfach etwas Richtiges gesagt, das seinen Nutzen gehabt haben mag, aber im großen Spiel der Dinge nicht allzuviel Bedeutung hatte.

Diese kurzen Ausführungen stellen in keiner Form eine erschöpfende Behandlung der Thematik von Kontinuität und Bruch im 2. Vatikanischen Konzil dar. Die dazu erforderliche gründliche Analyse der Texte, Zeitumstände, Ursachen und Folgen des Konzils sowie späterer lehramtlicher Dokumente im Vergleich mit Früheren übersteigt nicht nur mein Zeitkontingent, sondern auch meine theologischen Fähigkeiten. Es wäre aber eine Analyse, die in Rom und unter Führung von Rom, durchgeführt werden sollte.

Thesen zur traditionellen Messe (2)

These: Es gibt faktisch drei Formen des Römischen Ritus: Die Außerordentliche, die Ordentliche, und die Unordentliche Form.

Die ersten zwei Formen sind offiziell von Rom approbierte gültige Messen. In ihnen findet wirklich eine Wandlung statt, und sie können von Gläubigen generell ohne Nachteil (und oft mit signifikantem Vorteil) besucht werden.

Die Außerordentliche Form ist die traditionelle Messe. Ihr Aufbau und ihr Ablauf sind klar und eindeutig festgelegt. Sie hat sich über die Jahrhunderte als exzellente geistliche Nahrung vieler Heiliger auf dem Weg durch das irdische Jammertal bewährt. Manche kritisieren die vielen Heiligsprechungen unter Johannes Paul II. Aber fast alle dieser neuen Heiligen hatten eines gemeinsam: Sie waren mit der traditionellen Messe aufgewachsen, und die meisten hatten nie eine andere gekannt. Wer wissen will, was bei der Außerordentlichen Form vor sich geht, der kann, selbst wenn er des Lateinischen nicht mächtig ist, jederzeit alle notwendigen Informationen in deutscher Sprache sowie sehr gute deutsche Übersetzungen der lateinischen Messtexte in Volksmessbüchern wie dem Schott finden (die inzwischen auch wieder neu erhältlich sind). Dort finden sich auch klare und verständliche Erklärungen zur Bedeutung vieler Riten und Feste. Das alte Argument, man könne also die Messe auf Latein gar nicht verstehen ist damit, wenn es je etwas anderes als eine Schutzbehauptung gewesen sein sollte, heute vollends hinfällig. Kostenlose, theologisch akkurate und allgemeinverständliche Erläuterungen zu den Riten und Formen sind jederzeit erhältlich, etwa hier.

Leider wird sie nach wie vor selten gefeiert, da sie von den Anhängern der anderen beiden Formen oft als veraltet abgelehnt wird. Manche möchten eben keine gut verständliche Messe, die den einfachen Gläubigen aus dem modernen Alltag in ein tiefes göttliches Mysterium einführt, sondern ein Wegwerfprodukt, dass man jeden Tag „neu machen“ kann. Also wendet man sich, je nach Geschmacksrichtung, überwiegend den anderen Formen zu.

Die unordentliche Form des Römischen Ritus ist die heute wohl häufigste Form. In fast allen Gemeinden kommt sie in der einen oder anderen Spielart vor. Und das tollste ist, es ist die Mitmach-Messe. Jeder kann am Altar seine persönlichen Talente vorführen, besonders wenn er keine hat. Alle haben Spaß und alle Teilnehmer freuen sich, dass sie wieder einmal den langen beschwerlichen Weg vom Altenheim zur Kapelle geschafft haben. Menschen unter 60 gehen generell gar nicht mehr zur unordentlichen Form (außer sie sind Messdiener oder Kommunionkinder), da sie „von Kirche“ den Schnauzbart voll haben, um das einmal zart auszudrücken. Es ist umstritten, ob der allmächtige Gott diese unordentliche Form überhaupt als Gottesdienst zu erkennen vermag – also weiß man auch nicht, ob dort wirklich eine Wandlung stattfindet. Wer nicht Gefahr laufen möchte, ein bloßes Stück Brot als den lebendigen Herrn zu verehren, der möge an solchen Messen nicht teilnehmen, oder wenigstens nicht kommunizieren (außer per Handy).

Die theologische Dokumentation dieser Form der Messe ist nicht allzu ausgeprägt, da es generell keinen theologischen Inhalt zu dokumentieren gäbe, außer, dass wir heute alle wieder Spaß haben wollen, bevor wir unser Gebiss einweichen gehen.

Die ordentliche Form des römischen Ritus ist ziemlich selten und schwer zu finden. Sie ähnelt der außerordentlichen Form insofern als sie eine gültige, von Rom promulgierte Messe darstellt, deren Mitfeier (einschließlich Kommunion) ungefährlich und sogar empfehlenswert ist. Wer das Glück hat, regelmäßig eine strikt nach den Vorgaben aus Rom gefeierte Messe in der ordentlichen Form besuchen zu können, der gehört wahrscheinlich heute einer privilegierten Minderheit an. In einer anderen Folge der Thesen über die traditionelle Messe werde ich mich vielleicht einmal dazu äußern, welche Form warum besser ist – die ordentliche oder die außerordentliche. Zu denken geben sollte aber schon hier, dass die ordentliche Form gerade dann am besten und theologisch gehaltvollsten gefeiert werden kann, wenn sie möglichst nahe an der außerordentlichen Form ist.

Der wesentliche Platz, der laut dem letzten Konzil dem gregorianischen Gesang zugebilligt werden sollte, die theologisch verfälschungssichere lateinische Originalsprache, die Wendung des Priesters zum Herrn statt zur Gemeinde usw. sind jeweils Annäherungen an die traditionelle Messe. Doch hier soll es nicht darum gehen, diese beiden Formen gegeneinander auszuspielen.

Sowohl die außerordentliche als auch die ordentliche Form des römischen Ritus sind wirkliche Messen. Die unordentliche Form ist nur eine besonders lange und peinliche Form der Selbstdarstellung auf Kosten der Würde aller Beteiligten.

Anhänger beider offiziell approbierter Formen des römischen Ritus sollten sich darauf einigen können, dass zuerst die unordentliche Form wegrationalisiert werden muss. Ob die ordentliche Form, wenn sie ehrfürchtig zelebriert wird, dann noch einer erneuten Überarbeitung bedarf (zumindest im lateinischen Original, von der Übersetzung schweige ich vornehm), kann erst einmal dahingestellt bleiben, auch wenn jeder dazu eine dezidierte Meinung haben wird (den Autor dieses Artikels nicht ausgenommen).