Christkönigsfest bei den Piusbrüdern

Nachdem ich mich schon seit längerer Zeit mit der Theologie der Tridentinischen Messe beschäftigt hatte, war nun der Entschluss gereift, auch selbst einmal eine solche Messe zu besuchen. Da sich in meiner Gegend keine andere Option bot, und der Vatikan ausdrücklich bestätigt hatte, dass man dort seine Sonntagspflicht erfüllen kann, suchte ich eine Kapelle der Piusbruderschaft auf – mit dem festen Vorsatz, in voller Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater zu bleiben.

Ich möchte im Vorhinein betonen, dass die folgenden Zeilen, selbst wenn sie zuweilen ziemlich apodiktisch klingen mögen, nicht mehr sind als meine persönliche theologische Auffassung, die Auffassung eines Laien und Konvertiten, dessen Wissen in vielen einschlägigen Bereichen zu wünschen übrig lässt. Keinesfalls möchte ich ausdrücken, oder auch nur den Anschein erwecken, als ob ich andeuten wollte, dass der Novus Ordo ungültig, eine Erfindung einer Verschwörung von Freimaurern oder etwas anderes dieser Art sei. Wer meine Liebe zur Tridentinischen Messe nicht teilt, ist dadurch weder häretisch noch ein schlechter Katholik (wenn auch, aus meiner Sicht, blind und taub gegenüber liturgischer Angemessenheit – aber das ist eben nur meine Sicht).

In Ehrfurcht und unter Erfüllung der liturgischen Normen gefeiert, kann der NO, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, eine gültige und gar erbauliche – wenn auch z.B. aufgrund des fehlenden Stufengebets leicht protestantisierte – Form der Heiligen Messe sein.

Dennoch kann ich nicht anders, als nach dem Besuch einer Heiligen Messe in der außerordentlichen Form (nach dem alten Kalender ist heute der Christkönigssonntag) die Neue Messe für eine verwässerte, weniger ausdrucksstarke Liturgie zu halten, in der die Opfergesinnung und die katholische Theologie des Messopfers einfach weniger klar zur Geltung kommt.

Woran liegt das? Man könnte nun sicher weitschweifige theologische Erklärungen anstimmen, was ich mir bestimmt nicht werde verkneifen können – dies sei aber auf spätere Artikel verschoben.

In diesem Artikel möchte ich ganz von der theologischen Wissenschaft Abstand nehmen und einfach meine subjektiven Eindrücke schildern.

1. Bereits beim Betreten der Kapelle – die von außen wie eine sehr schlichte Kirche aussah – war die Atmosphäre der Frömmigkeit geradezu körperlich spürbar.

2. Vor Beginn der Messe fand ein Rosenkranzgebet statt, zu dem die Kirche bereits mehr als halbvoll war.

3. Als die Messe begann, war die Kirche nicht ganz voll – allerdings tröpfelten noch eine Weile weitere Gläubige ein, die sich dann – was mich positiv überrascht hat – nicht dazwischen gedrängt haben, sondern sich im hinteren Teil der Kapelle aufhielten, wo es ebenfalls noch eine Sitzbank gab.

4. Alle Gläubigen erwiesen dem Herrn im Tabernakel ihre Ehrfurcht, indem sie eine andächtige Kniebeuge machten, und selbst die Kinder (von denen es allerdings nur eine Handvoll gab) rannten generell nicht wild durch die Kirche, wie ich es sonst gewohnt war, sondern wussten sich halbwegs zu benehmen.

5. Ein negativer Punkt waren die gepolsterten Kniebänke. Aus irgendeinem Grund konnte ich auf ihnen nicht richtig knien – ohne Polsterung wären sie mir lieber gewesen. Da man in der Tridentinischen Messe sehr viel kniet, war das nicht besonders angenehm…. Aber ich sollte wirklich nicht meckern – die anderen Gläubigen schienen dort sehr gut knien zu können und machten davon auch ausgiebigen Gebrauch.

6. Die Form der Messe kannte ich bereits von Videos und aus dem Schott. Doch selbst anwesend zu sein, verlieh ihr natürlich noch einmal eine besondere Würde. Die Messe zu verfolgen war sehr leicht – ich habe nie den Faden verloren, außer beim Messcanon, von dem ich nicht erwartet hätte, dass er so schnell vorbei wäre. Generell kann man sagen, dass es heute, in Zeiten des Internets, sehr leicht ist, in die Tridentische Messe hineinzufinden, wenn man die Bereitschaft besitzt, sich vor dem ersten Messbesuch ein paar Stunden mit dem Ritus zu beschäftigen.

7. Die Form der Messe war wie erwartet großartig. Ich kann nach dem heutigen Tag überhaupt nicht mehr verstehen, warum irgendjemand da Reformbedarf gesehen hat, der eine größere Liturgiereform erfordert hätte. Über Kleinigkeiten lässt sich immer diskutieren, aber im Wesentlichen ist dies die Messe aller Zeiten, auch der heutigen Zeit. Eine Neuevangelisierung ohne diese Messe erscheint mir aussichtslos. Save the Liturgy – save the world, wie Father Z immer sagt.

8. Der gregorianische Chorgesang driftete wie der Weihrauch hoch zum Herrn, zusammen mit den Gebeten der anwesenden Gläubigen. Dazu gab es, an sorgfältig ausgewählten Stellen, von Orgelmusik begleitete Kirchenlieder. So muss Kirchenmusik sein.

9. Das Hochamt währte nicht ganz eineinhalb Stunden – eine passende Zeit. Wer 90 Minuten einem Fußballspiel zuschauen kann, der kann auch dieselbe Zeit mit dem Messopfer zubringen. Im Anschluss fanden noch einige weitere Gebete statt, und dann am Ende kam es zum einzigen wirklichen, nicht durch die Form der Messe, sondern durch den speziellen Charakter der Piusbruderschaft bedingten, Tiefpunkt:

10. Es wurden zwei Rosenkränze gebetet, um für die „Schuld“ von Assisi um Gnade zu bitten. Wie der Leser meines Blogs weiß, lehnte und lehne ich derartige interreligiöse Treffen als nutzlos und potenziell schädlich ab, fand diese Dramatik aber trotzdem etwas übertrieben. Ich betete die Rosenkränze mit, allerdings betete ich weniger um Vergebung für die „Sünden von Assisi“, sondern allgemein für die Intentionen des Heiligen Vaters. Dies schien mir angemessen.

11. Die immer wieder kolportierten Vorurteile, die Piusbrüder seien fundamentalistisch oder antisemitisch bestätigten sich in meinem Fall überhaupt nicht. Die Predigt war gut katholisch, sparte auch die heute unpopulären Themen wie Himmel und Hölle nicht aus, bewegte sich aber in vollem Umfange im Rahmen der kirchlichen Lehre. Zudem hatte ich zwar den Eindruck eines frommen Ernstes in der Kirche, aber keineswegs das Gefühl, ich sei als „Außenseiter“ irgendwie schief angesehen oder misstrauisch beäugt worden, obwohl ich bei weitem nicht alle Feinheiten des Ritus oder auch nur alle liturgischen Antworten beherrschte.

12. Der Altersdurchschnitt lag deutlich niedriger als in einer durchschnittlichen katholischen Gemeinde. Etwa ein Drittel der Anwesenden waren schätzungsweise unter 40 Jahre alt, und ein Drittel über 60. Zumindest wenn mein grober Überblick aus der letzten Reihe auf die Hinterköpfe zutrifft. Überrascht hat mich allerdings die geringe Zahl von Kindern. Praktiziert man bei der Piusbruderschaft denn nicht Humanae Vitae?

Alles in allem ein sehr schönes sonntägliches Erlebnis, für das ich mein traditionelles Sonntagsschweigen auf dem Blog nun gebrochen habe. Dies ruft eigentlich nach Wiederholung.

Eine Messe der Petrusbruderschaft in greifbarer Nähe wäre mir aber weit lieber – immerhin ist die Piusbruderschaft nach wie vor ohne definierten kirchenrechtlichen Status, gleichsam in der Schwebe. Ihre Messen sind gültig, der Besuch derselben laut Vatikan keine Sünde und ausreichend zur Erfüllung der Sonntagspflicht, aber das alles ist nicht ideal, solange die vollständige Einheit nicht wieder hergestellt ist.

Solange werde ich, wenn ich zu dieser Kapelle gehe – was in Zukunft noch öfter vorkommen könnte – immer ganz bewusst für Einheit der Piusbruderschaft mit dem Heiligen Vater beten.

Allerdings kann ich mir, abschließend gesagt, nicht vorstellen, noch einmal eine Handkommunion zu… machen (fast hätte ich „begehen“ gesagt….)

Aber, wie gesagt, alles nur meine Meinung. Handkommunion, Novus Ordo usw. sind alle legal, gültig und akzeptabel, solange Rom dies so entscheidet, und mir steht es glücklicherweise nicht zu, derartige Entscheidungen zu beeinflussen.

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Gemeindefeiern benötigen keine ehrfürchtigen Liturgien…

Auf Rorate Caeli findet sich heute ein Artikel, der sich mit der Frage nach der Ursache für die in vielen Messen in der ordentlichen Form auftretenden Missbräuche beschäftigt. Hier ein kurzer Auszug – doch der ganze Artikel ist recht kurz und lesenswert.

All other problems with the New Mass are intimately related with this gravest of problems [handling of the Body of the Lord]. If the Sacred Liturgy is the „summit toward which the activity of the Church is directed“ (SC, 10), the handling of the Body of Christ by the non-ordained is the pit from which all and every single liturgical abuse flows. Because if God present in the Most Holy Sacrament is treated as „crumbs“, then reality vanishes and all that remains, in appearance, are empty and ridiculous symbolisms – and no wonder people do not respect these, change them at will, and expect them to adapt to one’s own preferences.

(Hervorhebungen von Catocon)

In der Tat. Wenn bei der Messe nicht wirklich der Herr gegenwärtig ist, dann ist die Messe eine Gemeindefeier. Und warum sollte die Gemeinde nicht für sich selbst entscheiden, wie sie heute zu feiern beliebt?

Doch genau dieser Eindruck, dass der Herr nicht wirklich gegenwärtig ist, entsteht durch den gedankenlosen Umgang mit Seinem Leib.

Ein interessanter Gedanke.

Thesen zur traditionellen Messe (2)

These: Es gibt faktisch drei Formen des Römischen Ritus: Die Außerordentliche, die Ordentliche, und die Unordentliche Form.

Die ersten zwei Formen sind offiziell von Rom approbierte gültige Messen. In ihnen findet wirklich eine Wandlung statt, und sie können von Gläubigen generell ohne Nachteil (und oft mit signifikantem Vorteil) besucht werden.

Die Außerordentliche Form ist die traditionelle Messe. Ihr Aufbau und ihr Ablauf sind klar und eindeutig festgelegt. Sie hat sich über die Jahrhunderte als exzellente geistliche Nahrung vieler Heiliger auf dem Weg durch das irdische Jammertal bewährt. Manche kritisieren die vielen Heiligsprechungen unter Johannes Paul II. Aber fast alle dieser neuen Heiligen hatten eines gemeinsam: Sie waren mit der traditionellen Messe aufgewachsen, und die meisten hatten nie eine andere gekannt. Wer wissen will, was bei der Außerordentlichen Form vor sich geht, der kann, selbst wenn er des Lateinischen nicht mächtig ist, jederzeit alle notwendigen Informationen in deutscher Sprache sowie sehr gute deutsche Übersetzungen der lateinischen Messtexte in Volksmessbüchern wie dem Schott finden (die inzwischen auch wieder neu erhältlich sind). Dort finden sich auch klare und verständliche Erklärungen zur Bedeutung vieler Riten und Feste. Das alte Argument, man könne also die Messe auf Latein gar nicht verstehen ist damit, wenn es je etwas anderes als eine Schutzbehauptung gewesen sein sollte, heute vollends hinfällig. Kostenlose, theologisch akkurate und allgemeinverständliche Erläuterungen zu den Riten und Formen sind jederzeit erhältlich, etwa hier.

Leider wird sie nach wie vor selten gefeiert, da sie von den Anhängern der anderen beiden Formen oft als veraltet abgelehnt wird. Manche möchten eben keine gut verständliche Messe, die den einfachen Gläubigen aus dem modernen Alltag in ein tiefes göttliches Mysterium einführt, sondern ein Wegwerfprodukt, dass man jeden Tag „neu machen“ kann. Also wendet man sich, je nach Geschmacksrichtung, überwiegend den anderen Formen zu.

Die unordentliche Form des Römischen Ritus ist die heute wohl häufigste Form. In fast allen Gemeinden kommt sie in der einen oder anderen Spielart vor. Und das tollste ist, es ist die Mitmach-Messe. Jeder kann am Altar seine persönlichen Talente vorführen, besonders wenn er keine hat. Alle haben Spaß und alle Teilnehmer freuen sich, dass sie wieder einmal den langen beschwerlichen Weg vom Altenheim zur Kapelle geschafft haben. Menschen unter 60 gehen generell gar nicht mehr zur unordentlichen Form (außer sie sind Messdiener oder Kommunionkinder), da sie „von Kirche“ den Schnauzbart voll haben, um das einmal zart auszudrücken. Es ist umstritten, ob der allmächtige Gott diese unordentliche Form überhaupt als Gottesdienst zu erkennen vermag – also weiß man auch nicht, ob dort wirklich eine Wandlung stattfindet. Wer nicht Gefahr laufen möchte, ein bloßes Stück Brot als den lebendigen Herrn zu verehren, der möge an solchen Messen nicht teilnehmen, oder wenigstens nicht kommunizieren (außer per Handy).

Die theologische Dokumentation dieser Form der Messe ist nicht allzu ausgeprägt, da es generell keinen theologischen Inhalt zu dokumentieren gäbe, außer, dass wir heute alle wieder Spaß haben wollen, bevor wir unser Gebiss einweichen gehen.

Die ordentliche Form des römischen Ritus ist ziemlich selten und schwer zu finden. Sie ähnelt der außerordentlichen Form insofern als sie eine gültige, von Rom promulgierte Messe darstellt, deren Mitfeier (einschließlich Kommunion) ungefährlich und sogar empfehlenswert ist. Wer das Glück hat, regelmäßig eine strikt nach den Vorgaben aus Rom gefeierte Messe in der ordentlichen Form besuchen zu können, der gehört wahrscheinlich heute einer privilegierten Minderheit an. In einer anderen Folge der Thesen über die traditionelle Messe werde ich mich vielleicht einmal dazu äußern, welche Form warum besser ist – die ordentliche oder die außerordentliche. Zu denken geben sollte aber schon hier, dass die ordentliche Form gerade dann am besten und theologisch gehaltvollsten gefeiert werden kann, wenn sie möglichst nahe an der außerordentlichen Form ist.

Der wesentliche Platz, der laut dem letzten Konzil dem gregorianischen Gesang zugebilligt werden sollte, die theologisch verfälschungssichere lateinische Originalsprache, die Wendung des Priesters zum Herrn statt zur Gemeinde usw. sind jeweils Annäherungen an die traditionelle Messe. Doch hier soll es nicht darum gehen, diese beiden Formen gegeneinander auszuspielen.

Sowohl die außerordentliche als auch die ordentliche Form des römischen Ritus sind wirkliche Messen. Die unordentliche Form ist nur eine besonders lange und peinliche Form der Selbstdarstellung auf Kosten der Würde aller Beteiligten.

Anhänger beider offiziell approbierter Formen des römischen Ritus sollten sich darauf einigen können, dass zuerst die unordentliche Form wegrationalisiert werden muss. Ob die ordentliche Form, wenn sie ehrfürchtig zelebriert wird, dann noch einer erneuten Überarbeitung bedarf (zumindest im lateinischen Original, von der Übersetzung schweige ich vornehm), kann erst einmal dahingestellt bleiben, auch wenn jeder dazu eine dezidierte Meinung haben wird (den Autor dieses Artikels nicht ausgenommen).

The Recovery of the Sacred

Einen sehr interessanten Artikel zum Thema Liturgie gibt es derzeit auf CatholicCulture.org zu lesen: „The Recovery of the Sacred„. Aus meiner Sicht sehr zu empfehlen, da der Artikel sehr sinnvolle Gedankenanstöße für die weitere Entwicklung der Liturgie gibt, die mir größtenteils im Geiste der „Reform der Reform“ unseres Heiligen Vaters zu sein scheinen. Der Artikel ist ziemlich lang, daher folgen einige wenige Auszüge, doch lohnt sich die Lektüre zur Gänze.

There is need for general liturgical uniformity and officially prescribed rites, although a degree of variety has always existed and can exist provided it is not extreme. The notion of a continually changing liturgy subject to local experimental variations is subversive of public liturgy and hence subversive of the public existence of the Church. Liturgical experimentation cannot in the nature of things be successfully inhibited, but it is important that the Church distinguish clearly and forcefully between what is official liturgy and what is not.

(…)

The traditions of the Church must be conceded genuine authority in liturgy as in other matters. Hence departures from these traditions should be sparing and carefully considered. The sense of the sacred depends heavily on the sense of tradition lying behind it.

Genuine Catholic liturgy is not possible without an acceptance of the legitimacy and authority of the Church. The tendency simply to use Catholic ritual for private purposes is corrupting of that liturgy.

The validity and effectiveness of the ritual depends heavily on its being seen as public and official. Hence the importance of compulsory Sunday Mass attendance or, when it was in effect, the compulsory Friday abstinence. Insofar, as rites are seen as primarily a matter of personal preference, they lose much of their significance.

(…)

Systematic instruction is necessary in the full meaning of the Mass, particularly its sacrificial nature and its character as a timeless mystical action. By default much of this meaning has been lost since the Second Vatican Council, and in some cases has been deliberately undermined. Without some understanding of this theology, the deepest significance of the rite is missed and its importance greatly reduced, since the idea of the Mass as community meal is neither rich enough nor profound enough to sustain the weight of this most sacred of Catholic acts.

(…)

A Dominican theologian has speculated, for example, that the changes in the Roman Missal were intended to “correct” traditional Catholic belief about the Real Presence,10 and numerous Catholics have reached a similar conclusion, although this was certainly not the intention of the Second Vatican Council. The practice of taking Communion in the hands cannot help but reinforce this same impression among Roman Catholics, where the contrary practice has been deeply ingrained, even though it probably causes no difficulty among Anglo-Catholics because it has been so long established among them. A ritual which is theoretically unobjectionable may take on an unwanted significance when it involves the dramatic alteration of existing customs. For example, the removal of the tabernacle from the high altar in many churches, although usually done with good intentions, cannot help but appear symbolically as the „dethroning“ of the sacrament. It has helped diminish eucharistic piety.

(…)

An alternative might be for every reasonably large parish to provide one Latin Mass each Sunday at a convenient time. It would be particularly effective if this were a High Mass sung by congregation and choir together. Parishioners might then be encouraged to familiarize thcmselves with both Latin and vernacular worship on a regular basis and not identify themselves exclusively with either.

Warum können nur Männer Priester sein?

Eine interessante Diskussion zur allein Männern vorbehaltenen Priesterweihe entspinnt sich derzeit auf Johannes‘ Blog. Johannes behauptet dort, die Lehre der Kirche zu diesem Thema beruhe einzig auf der entsprechenden Verfügung Jesu – und aus der natürlichen Vernunft stammende Argumente seien zwar überzeugend, aber nicht logisch zwingend.

Im Gegensatz dazu behaupte ich, dass die Lehre der Kirche natürlich auf der Offenbarung Jesu beruht, dass aber die Geschlechtsspezifik der Priesterweihe, gegeben das katholische Verständnis der Vorgänge am Altar (Priester als „alter Christus„), mit Notwendigkeit von der natürlichen Vernunft des Menschen erkannt werden kann.

Johannes hat dazu zwei Artikel und einen Kommentar, ich bisher drei Kommentare geschrieben. Alle Texte enthalten meines Erachtens sehr interessante Denkanstöße zu diesem faszinierenden Thema. Ich möchte daher meine Leser einladen, Johannes auf seinem Blog zu besuchen, und sich vielleicht auch an der dortigen Diskussion zu beteiligen.

Erzbischof Robert Zollitsch und die Häresie

Herr Zollitsch, der Vorsitzende der Bischofskonferenz der Deutschen Nationalkirche, hat kath.net zufolge die Meinung geäußert, es werde eine „Veränderung in der katholischen Kirche beim Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen“ geben – zu seinen Lebzeiten, d.h. in relativ kurzer Zeit. Warum? Das sei alles eine „Frage der Barmherzigkeit“. In dem Artikel heißt es über Zollitsch:

Er frage sich manchmal, warum es nicht schneller gehe. Manche in Rom „wittern gleich den Glaubensabfall, wenn wir in Deutschland etwas kontroverser diskutieren“. In der Weltkirche zählten Deutsche besonders „überall dort, wo man meint, man brauche Geld“.

Es scheint also seine Auffassung zu sein, dass Wiederverheiratet-Geschiedene grundsätzlich zur Kommunion zugelassen werden sollten, und erwartet daher, dass es in Rom „schneller“ gehe. Es ist ja auch absurd, den Glaubensabfall in einer Kirche zu wittern, in der kaum noch jemand an etwas anderem als dem steten Strom der Kirchenzwangssteuer interessiert zu sein scheint. Nein, nein, wir glauben immer noch an unseren Herrn Mammon, ähm ich meinte natürlich Jesus Christus – man kann sich ja mal versprechen, nicht?

Schließlich, so Zollitsch, sei der geschiedene Katholik Christian Wulff ein hervorragendes Beispiel dafür, dass man „barmherzig“ sein sollte, und „Wiederverheiratet-Geschiedene“ (Fachterminus: unbußfertige Ehebrecher im Konkubinat) zur Kommunion zuzulassen. Und es kann nur um die Zulassung zur Kommunion gehen, anders kann man Herrn Zollitsch nicht verstehen.

Abschließend zeigt Herr Zollitsch noch wessen Geistes Kind er wirklich ist:

Schließlich bezeichnet Zollitsch die Grünen wertschätzend als „eine Partei, in der viele Christen sich beheimatet fühlen“. Er stelle „immer wieder Übereinstimmungen mit christlichen Überzeugungen fest, da hat sich sicher einiges verändert seit den Anfängen der Grünen.“

Kommentar von Catocon:

1. Dass Herr Zollitsch persönlich um sich herum keine Anzeichen von Glaubensabfall wittert, und Rom vorwirft, man sei sozusagen nicht lässig genug im Umgang mit der Glaubenswahrheit, man rege sich viel zu leicht über ein Paar Dialoge und Kontroversen auf, man solle sich in Rom mal entspannen und die guten Bischöfe in Deutschland machen lassen, all dies zeigt sehr gut, was man in Rom mit Glaubensabfall meint. Der Fisch erkennt nicht, dass er nass ist, weil er nichts anderes kennt. Ähnlich ist es mit Herrn Zollitsch und dem katholischen Glauben. Er erkennt nicht den Glaubensabfall, weil er längst selbst nur noch dem Namen nach katholisch ist, keinesfalls aber seinen Handlungen nach. An ihren Früchten sollen wir sie messen…

2. Die ganze Formulierung „Wiederverheiratet-Geschiedene“ ist an sich schon nicht in Einklang mit der Lehre der Kirche zu bringen. Da die Ehe ein unauflösliches Band zwischen Ehemann und Ehefrau konstituiert, ist eine echte Scheidung nicht möglich. Die Unauflöslichkeit gehört zur Natur der Ehe, also kann man sie nicht auflösen. Es gibt keine „Geschiedenen“, nur Ehebrecher. Es gibt keine „Wiederverheirateten“, nur Konkubinen. Wer von seinem Ehepartner ohne seine Schuld verlassen und dann zivilrechtlich auf der Basis ungerechter Scheidungsgesetze in den meisten westlichen Ländern geschieden wird, der kann natürlich nichts dafür. Aber er ist IMMER NOCH verheiratet, da es keine Scheidung gibt. Er ist immer noch zu einem Fleisch mit seinem Ehepartner verbunden. Weitere sexuelle Beziehungen sind daher immer Ehebruch, eine schwere Sünde, und zwar auch dann, wenn es eine zivilrechtlich geschlossene „Ehe“ mit einer anderen Person gibt. Durch den Bestand dieser „Ehe“ gibt die beteiligte, zivilrechtlich geschiedene Person zu erkennen, dass sie in schwerer Sünde zu verharren und zu leben wünscht. Diesem Wunsche ist daher auch grundsätzlich bei der Zulassung zur Kommunion zu entsprechen. Für den Empfang der Kommunion im Stande schwerer Sünde gilt das Wort des Paulus.

3. Die „Zulassung von Wiederverheiratet-Geschiedenen zur Kommunion“ ist daher, in klares, einfaches Deutsch übersetzt, nichts anderes als: Die Entweihung des Leibes unseres Herrn zwecks Besänftigung absichtlich in schwerer Sünde lebender, gewohnheitsmäßiger Ehebrecher. Natürlich würde Herr Zollitsch das so nicht formulieren wollen, aber es ist nichts anderes als dies. Denn die Ehe ist wirklich unauflöslich, Ehebruch wirklich eine schwere Sünde, die Kommunion wirklich der Empfang des Leibes unseres Herrn. Vielleicht glaubt Herr Zollitsch das ja nicht. Doch das sagt uns wieder einiges über den Glaubensabfall der deutschen Bischofskonferenz, die ihn zum Vorsitzenden gemacht hat.

4. Der schwierige Teil in der Debatte um die Zulassung von „Wiederverheiratet-Geschiedenen“ und anderen in schwerer Sünde persistierenden Menschen ist nicht so sehr die inhaltliche Frage – die ist vollkommen klar. Es ist die Vermittlung dieser Wahrheit, die Einfühlungsvermögen und „pastoralen“ Umgang erfordert, aber eben ZUSÄTZLICH zu einer festen, klaren, katholischen Haltung in der Sache.

5. Doch dass Herr Zollitsch längst den Boden irgendeiner an den katholischen Glauben erinnernden Überzeugung verlassen zu haben scheint, zeigt ja schon sein Beispiel: Christian Wulff, so Zollitsch, sei ein Katholik, der „seinen Glauben lebt“ und unter der Situation leide, wie sie ist. Nun ja, man lese einmal diesen Artikel über die Umstände seiner Scheidung. Die beiden Ehepartner, die sich ewige Treue geschworen haben, sind auseinandergegangen, einvernehmlich, weil sie sich „auseinander gelebt“ hatten – mit anderen Worten, weil beiden ihre Ehe nichts mehr bedeutete, und sie sich nach jüngeren oder besseren Aussichten umsehen wollten. An dieser Scheidung ist nicht einmal etwas zu finden, das geeignet wäre eine subjektive psychologische Rechtfertigung zu konstruieren. Man wollte nicht mehr – man trennt sich. Ganz als ob es überhaupt keine Ehe gegeben hätte, ganz als ob die Versprechen vor Gott, die unauflösliche Verbindung zu einem Fleische, nichts zählten. Ganz weltlich, säkular, atheistisch halt, wie alles bei Herrn Wulff – seine Politik, seine Ansichten, sein Verhalten, sein Leben in vorsätzlichem Ehebruch, von A bis Z fernab jeder Katholizität. Seine Seele zu richten ist Gottes Sache, doch sein Verhalten zu loben und zu rechtfertigen, wie Herr Zollitsch es tut, ist geradezu antikatholisch.

6. Dieser Eindruck bestätigt sich noch, wenn man Herrn Zollitschs Einlassung über die Grünen liest. Ich kann mir gut vorstellen, dass Herr Zollitsch und der ZdK-Erfahrene grüne Ministerpräsident von Baden-Württemberg Kretschmann gut miteinander auskommen, und sogar, dass sie ein und dieselbe Weltsicht verbindet. Doch die radikale Homo-Ideologie, die radikale Ablehnung der traditionellen Familie, der Blutrausch bei der Abtreibung und viele Themen mehr mögen Herrn Zollitsch mit den Grünen verbinden – und betrachtet man seine ohrenbetäubende Stille zur Ermordung der Ungeborenen, erscheint das nicht einmal unplausibel – doch sie verbinden nicht die Kirche mit den Grünen, sondern trennen sie voneinander. Und selbst dort, wo es auf den ersten Blick Ähnlichkeiten zwischen Kirche und Grünen geben könnte – etwa im Naturschutz oder im Umgang mit den Armen – da findet man ebenfalls völlig entgegengesetzte Ideen: Die einen wollen totalitäre, am besten global organisierte, bürokratische Zwangsorganisationen, die alle Menschen durch den kräftigen Arm des Gesetzes dazu zwingen, die richtigen Glühbirnen zu benutzen und wenige Kinder zu haben (die ja „Klimakiller“ sind, wie die Umweltschutzmafia behauptet) – die katholische Kirche ist hingegen wie immer auf der Seite der Würde des Menschen, erkennt an, dass es zuweilen, mit sehr guter Begründung, und unter Berücksichtigung des vorrangigen Rechts der natürlichen Familie und des Prinzipis der Subsidiarität, staatliche Eingriffe geben sollte, lehnt aber den Totalitarismus sowohl in seiner roten, als auch braunen oder grünen Form generell ab. Das unterscheidet offenbar die Kirche von Herrn Zollitsch.

7. Der Eindruck entsteht, dass Herr Zollitsch sich nun gänzlich auf die Seite der Verbandskatholiken gestellt hat, die von dieser Seite praktisch geforderte Nationalkirche einzuführen beabsichtigt, und eine vollständige Kapitulation der Kirche Jesu Christi vor der Welt und ihrem Fürsten herbeisehnt. Er wird sie nicht bekommen.

8. Es läge nahe, Herrn Robert „Luther“ Zollitsch einen Halunken zu nennen. Doch dafür habe ich viel zu viel Respekt vor ehrenwerten, gottesfürchtigen Halunken, also lasse ich es sein.

Zum Abschluss noch ein schönes Zitat von Msgr. Nicola Bux:

Es gibt ohne Zweifel eine Form von schleichendem Neogallikanismus, demgemäß einige Teile der Kirche meinen, sich selbst zu genügen und von Rom unabhängig zu sein. Wer aber so denkt, ist nicht katholisch. Die Bischöfe, die dem Papst ungehorsam sind, versetzen sich selbst in eine Situation, in der sie nicht mehr verlangen können, daß ihnen die Priester und Gläubigen gehorsam sind.

Hat er Recht? Es lohnt sich, darüber einmal gründlich nachzudenken…

Analyse des Aufrufs zum Ungehorsam

Eine sehr lesenswerte und gute Analyse des „Aufrufs zum Ungehorsam“ von gut 300 österreichischen Priestern findet sich derzeit auf kath.net. Der Autor dieses ursprünglich in englischer Sprache geschriebenen Kommentars, Prof. Mark Miravalle, lehrt an der Franziskanischen Universität von Steubenville in den USA – so weit ich weiß eine sehr solide, lehramtstreue Universität, von der sich die Theologiefakultäten in Deutschland einiges abschauen könnten. Jetzt jedoch einige Ausschnitte aus der Analyse (die ganze Analyse gibt es bei kath.net, oben verlinkt), eingestreute Kommentare von mir wie immer in rot.

Die Bitte um „Kirchenreform“ könnte ihren guten Platz beispielsweise in den Fürbitten haben – dies ist natürlich abhängig von der Intention, welche hinter dieser Bitte steht. [Ein ganz entscheidender Punkt: Oft genug hört man Fürbitten, die so formuliert sind, dass jeder seine eigene Meinung hineininterpretieren kann.] Ginge es beispielsweise darum, um jene Art von Bekehrung zu beten, welcher alle ernsthaften Kirchenmitglieder ständig bedürfen (angefangen mit mir selbst, weitergeführt mit jedem der 300 Unterzeichner und aller anderen Katholiken), dann würde ich einer solchen Bitte zustimmen. Doch wenn die Bitte um „Kirchenreform“ bedeutet, dass einige wenige in Sachen des unabänderlichen katholischen Glaubens und Lehre die Mehrheit ändern wollen, dann geht es darum, dass fremde Schadstoffe in den Grundcharakter der Liturgie als kirchlichen Akt der Einheit und der Liebe, beruhend auf dem Opfer, eindringen.

Der Ruf, die heilige Kommunion allen „Menschen guten Willens“ (einschließlich Nichtkatholiken, Katholiken, welche geschieden und wiederverheiratet ohne Annullierung der vorigen Ehe sind sowie den Kirchenfernen) zu geben, reflektiert ein Missverständnis sowohl der Eucharistie wie auch der Kirche. Jesus, welcher im Sakrament der Eucharistie wahrhaft gegenwärtig ist, käme in Seelen, welche im Zustand schwerer Sünde sind, was die weitere schwere Sünde des Sakrilegs auslösen würde. Möchten die Leute dies wirklich – Jesus verletzen, sich selbst verletzen?[Anscheinend ja, denn:] Priester wissen, was der gutwillige Gläubige vielleicht nicht weiß: Wenn man Jesus empfängt, bevor man seine Seele von schwerer Sünde gereinigt hat, vergrößert man nur den Schmerz der Uneinheit mit dem gesamten Leib Christi – ist es für Priester wirklich pastoral verantwortlich, das zu erleichtern und dazu zu ermutigen?[Natürlich geht es nicht wirklich um die Frage was pastoral ist oder nicht. Der „pastor“ ist der HIRTE, er FÜHRT SEINE SCHÄFCHEN. Das ist pastoral. Alles andere ist nur unverantwortlich für einen Priester, oder, wenn nicht unverantwortlich, dann vorsätzlicher Missbrauch seines Amtes, für den man sich zu verantworten hat, nicht vor uns, aber vor höheren Autoritäten.]

(…)

Wenn man auch jede Forderung einzeln untersuchen muss, ist das übergeordnete Thema doch traurig und ironisch: Hunderte von Priestern versuchen, den einzigartigen, heiligen und feierlichen Akt zu schmälern und zu unterminieren, für welchen sie geweiht worden sind und welchen die Laien niemals selbst vollziehen können: das unblutige Opfer Jesu für den Menschen, für die Kirche und für die Welt darzubringen. Die klassische Definition für einen Priester lautet: „Ausgesondert, um das Opfer darzubringen“, und dies beinhaltet den größten Dienst, welche Priester jemals für das Gottesvolk vollziehen können. Nichts beraubt das Volk Gottes mehr, als wenn ihre Priester eine solche Identitätskrise erleben.[Dessen sollten wir uns gewiss sein: Die „ungehorsamen“ Priester berauben nicht nur sich selbst, sondern eben auch und sogar besonders die ihnen anvertrauten Laien, die einfachen Gläubigen, denen Wahrheit, Sakramente und der Glaube vorenthalten werden]

Was könnte einen solchen tragischen Akt priesterlicher Selbstverneinung und priesterlichen Ungehorsams durch 300 intelligente katholische Kleriker verursacht haben? Hier könnten Motive aus der Aufklärung – Descartes, Kant – wieder auftauchen, welche in religiösen Angelegenheiten die Vernunft über den Glauben stellen, oder sogar Schleiermachers Primat der subjektiven religiösen Erfahrung über die kirchliche Institution. Außerdem klingt die gefährliche Nähe zu den Thesen Luthers an und zur individuellen Bibelinterpretation anstelle des Glaubens in Schrift, Tradition und dem päpstlichen Lehramt für die gesamte katholische Kirche. [Die Wurzeln liegen, wie ich immer wieder an anderer Stelle erwähnt habe, sehr tief. Nicht bloß 1968, nicht bloß 1789, sondern mindestens 1517.]

(…)

Was ist katholischer Gehorsam? Es ist der einfache Akt, „ja“ zu sagen zur göttlichen Lehre,welche durch das von Gott eingesetzte Papsttum gewährleistet wird. Letztlich brauche ich nicht allzuviel Demut, um sagen zu können, dass die 2.000 Jahre alte Kirche Jesu Christi, welche durch den Heiligen Geist in Angelegenheiten des Glaubens und der Moral vom Irrtum bewahrt wird, mehr über die Wahrheit, das Leben und die Liebe Jesu weiß als ich. [Sehr hochmütig ist derjenige, der, selbst in rein menschlichen Dingen, seinen eigenen erhabenen Intellekt, seine immense persönliche Weisheit, über die gesammelten Erfahrungen und Einsichten zweier Jahrtausende stellt. Wie viel mehr gilt dies für jemanden, der dasselbe mit dem unfehlbaren Lehramt der Kirche unseres Herrn tut?]

(…)

Gehen Sie zu Jesus im Allerheiligsten Sakrament. Bringen Sie ihm alle Ihre Fragen, Verwirrungen, Konflikte und Verletzungen. Lassen Sie ihm Zeit, Ihnen zu antworten – er wird antworten! [Das ist der entscheidende Punkt. Das müssen die ungehorsamen Priester mit offenem Herzen tun. Aber das müssen NICHT NUR sie tun. WIR ALLE bedürfen der Reinigung, des Gebets, der Sakramente, und besonders in der heutigen Zeit des Zweifelns an der Realpräsenz die Anbetung des Eucharistischen Herrn. Wer das „Brot“ anbetet, der glaubt an die Realpräsenz – denn anders wäre es wirklich bloß Brot, und nicht der Herr selbst. ]

Liebe väterliche Priester, wir beten für Sie, dass Sie das „Fiat“ [es geschehe] von Gottes intelligentestem und mitfühlendstem Geschöpf nachahmen, nicht jenes „non serviam“ [ich diene nicht] eines anderen hochintelligenten, aber tragisch irrigen Geschöpfes. [Das ist die Entscheidung, vor der die ungehorsamen Priester, aber auch wir alle, stehen.] Möge Maria, Mutter aller Völker und ganz speziell Mutter aller Priester, Sie in das Herz der Kirche zurückführen, in Ihre wahre Heimat. [Amen.]

Warum haben wir solche Theologen nicht in Deutschland – oder vielmehr, warum so wenige? Die Antwort auf diese Frage ist vermutlich dieselbe wie die Antwort auf eine andere, ganz ähnliche Frage: Warum solche Ungehorsamsaufrufe (1) stattfinden, (2) solchen Zuspruch unter Priestern finden, und (3) nicht ernsthaft bekämpft werden von Seiten der zuständigen Bischöfe.

Relativismus als Dialogmittelweg?

Kath.net ist eine der wenigen Nachrichtenquellen, die ein gläubiger Katholik normalerweise in Ruhe lesen kann, ohne redaktionellen Anfeindungen ausgesetzt zu sein. Das trifft auch (wenn auch nur zu einem geringen Teil) auf den Gastkommentar von Andreas Püttmann zur sogenannten Dialoginitiative und ihrem Auftakt in Mannheim zu. Leider ist es jedoch auch das Beste, was man aus katholischer Perspektive dazu sagen kann. Ansonsten ist er ein unklares Sammelsurium zur Schau getragener „Offenheit“ gegenüber denjenigen, die den Glauben und die Sittenlehre der Kirche im Geiste des Säkularismus zu demontieren suchen. Beispiele gefällig?

(1) Suggestive Titelwahl

Püttmann schreibt bereits im Titel – „Dialogseligkeit und Dialogressentiment“ – einen Gegensatz hoch, der wohl nur in seinem Kopf als solcher zu verurteilen ist. Wenn man der Meinung ist, dass Glaubens- und Sittenwahrheiten auf den Tisch gehören und abgebaut werden sollen, damit die Kirche an oberflächlicher „Relevanz“ gewinnt, dann wird man zu den „Dialogseligen“, denn es ist transparent, dass dies das einzige Ziel der Dialoginitiative ist. Ansonsten hätte man die Sache ganz anders aufziehen müssen. Ist man hingegen der Meinung, dass Glaube und Sittenlehre durch das ordentliche Lehramt der Kirche festgelegt sind und nicht dem Mehrheitswillen angepasst werden dürften, dann wird man diesen Dialogprozess ablehnen. Püttmann bezeichnet diese beiden Gegensätze extrem tendenziös als „Seligkeit“ und „Ressentiment“. Wie wir alle wissen, ist im katholischen Kontext „Seligkeit“ etwas sehr Gutes, während „Ressentiment“ eie nicht von Argumenten zu untermauerndes, generell vorurteilsbehaftetes, irrationales Gefühl der Abneigung ist, von dem Menschen normalerweise Abstand nehmen sollten. Schon die Titelwahl zeigt also die Tendenz des Kommentars: Die Abrißbirnen der Kirche sind „selig“, während die Verteidiger des Lehramts von „Ressentiments“ zerfressen sind.

(2) Die Kirche für 30 Silberstücke und etwas weltliches Ansehen verjuxen?

In den ersten zwei Absätzen scheint es dann, als ob der Titel unberechtigt oder unbedacht gewählt sei. Püttmann schreibt, man habe in der Dialoginitiative zwischen der „Diskursethik von Habermas“ und der naturrechtlichen Tradition der Kirche, besonders des Papstes Benedikt zu wählen. Er charakterisiert damit treffend die Wahl, vor der der heutige Katholik steht. Er kann sich der Lehre der Kirche, dem sittlichen Naturrecht und dem Heiligen Vater anschließen, oder einem kruden Soziologismus, der jeder Fundierung in der Wahrheit entbehrt und immer das als „richtig“ ansieht, was die Mehrheit im „Diskurs“ oder „Dialog“ beschließt.

„Nimmst Du nicht an der Wahrheit Maß, dann bleibt Dir nur der Habermas“, lautet ein Bonmot des Professors für Christliche Gesellschaftslehre, Lothar Roos. Er hält es offensichtlich mehr mit Ratzinger, dem Naturrecht und der Lehrtradition als mit dem berühmten „Diskursethiker“.

Zwischen der Erkenntnislehre dieser beiden „Päpste“ haben die deutschen Katholiken in gewisser Hinsicht jetzt zu wählen.

Man ist geneigt, Püttmann für diese klare Darstellung der Alternativen zu loben. Umso erschreckender ist das was folgt:

Denn alle Stuhlkreise hatten drei Prioritäten einer zukünftigen Kirche „mit großer Ausstrahlungskraft“ zu wählen und von dieser wiederum die wichtigste, die dann coram publico vorgetragen wurde. Hierbei dominierten – ohne dass es dazu im Plenum Widerworte der anwesenden Bischöfe gab – die bekannten „Reizthemen“: Frauenpriestertum (oder –diakonat), Zölibat, Machtverteilung zwischen Geweihten und Laien sowie Fragen des Sechsten Gebotes, insbesondere zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexuellen.

Darüber lässt sich trefflich debattieren, mit guten Argumenten auf beiden Seiten. Modifikationen kirchlicher Morallehre unter veränderten zivilisatorischen Bedingungen und humanwissenschaftlichen Erkenntnissen gab es früher schon, etwa bei den „Ehezwecken“, der Todesstrafe, der Sklaverei, oder dem Zinsverbot. Wo „Glaube und Vernunft“ wirklich voneinander lernen sollen, ist die geistig-geistliche Anstrengung auch zur Überprüfung kirchlicher Lehren legitim, zumal wenn diese nicht zum „Credo“ des Christentums gehören.

An dieser Stelle angekommen, muss man sich fragen, ob Herr Püttmann nicht vielleicht lieber einer Glaubensgemeinschaft beitreten sollte, in der die Wahrheit dasselbe ist wie die Meinung der Mehrheit. Man lasse sich diese zwei Absätze auf der Zunge zergehen. Erst stellt Püttmann absolut klar, worum es geht: Kirche, Papst, Lehramt, Naturrecht auf der einen Seite, Habermas, Zeitgeist, Diskursethik und Relativismus auf der anderen Seite. Dann plädiert er auf Neutralität zwischen beiden Seiten! Es hätten, so Püttmann, die üblichen Reizthemen dominiert, darunter Frauenpriestertum, Homosexualität, „Machtverteilung“ zwischen Laien und Geweihten, „Fragen des sechsten Gebots“ – also Sexualmoral auf Dialogchinesisch verklausuliert.

Das alles sind aber keine „Diskussionsthemen“, sondern Teil der unveränderlichen Lehre der Kirche. Homosexuelle Akte sind sündig, Frauen können nicht Priester werden, Sexualität außerhalb der Ehe, Scheidung, Verhütung, Abtreibung usw. sind ebenfalls durch das Lehramt klar entschieden worden. Püttmann behauptet, alle diese Fragen seien diskutabel, mit guten Argumenten auf beiden Seiten, auch innerhalb der Kirche, schließlich habe die Kirche ja schon früher ihre Lehre abgeändert. Nun, wenn Püttmann das wirklich glaubt, kann er dann guten Gewissens das Apostolische Glaubensbekenntnis sprechen? „Ich glaube an… die heilige katholische Kirche…“? Wenn die Kirche als Institution ihre Lehre abgeändert hat, und dies wieder tun kann, dann ist sie nicht die Kirche, die Gott „in die ganze Wahrheit führen“ wollte. Dann ist sie eine menschliche Erfindung und alles was sie sagt ist prinzipiell so suspekt, wie die Worte gewohnheitsmäßiger Lügner. Denn dann wäre die Kirche nichts anderes als eine gewohnheitsmäßige Lügnerin, die seit 2000 Jahren viele Millionen Menschen verführt hat. Sie wäre die schändlichste Institution, die jemals die Erde besudelt hätte. Sie hätte ferner ihre Existenzberechtigung verloren.

Eine bloß menschliche Organisation kann nämlich auch nicht Brot und Wein in den Herrn verwandeln. Es gäbe damit in der katholischen Kirche keine Eucharistie, keine Realpräsenz, keine Wandlung, im Tabernakel keinen Herrn. Keine Existenzberechtigung für Priester, kein Lehramt, nichts. Die Kirche wäre ihres ganzen Sinnes beraubt, wenn sie ihre Lehre wirklich abändern könnte.

Kann die Kirche von Zeit zu Zeit disziplinarische Vorschriften modifizieren? Ja, sie kann, und sie hat. Das ist etwa bei der Todesstrafe der Fall. Die Kirche lehnt die Tötung Unschuldiger generell ab. Sie lehnt NICHT generell die Todesstrafe ab, aber sie hält dazu an, sofern möglich, andere Mittel zu wählen, wie etwa lebenslange Haftstrafen. Die Todesstrafe ist in modernen westlichen Gesellschaften, gegeben aktuelle Sicherheitsstandards in Gefängnissen, gegeben die Möglichkeit lebenslanger Haftstrafen usw. nicht notwendig. Dies ist jedoch keine Veränderung der kirchlichen Moral, sondern eine Veränderung der gesellschaftlichen Umstände, auf die die kirchliche Moral angewendet wird. Die Sittenlehre ist dieselbe: Die Tötung als Strafe für ein Kapitalverbrechen ist nicht an sich unmoralisch, aber sie ist in der heutigen Gesellschaft kaum oder gar nicht notwendig. Lesen Sie den Katechismus, Herr Püttmann, bevor Sie behaupten, die Kirche habe „ihre Lehre verändert“.

Soweit zu der lächerlichen Behauptung, die Kirche könne in den von Püttmann und den „Dialogseligen“ aufgebrachten Themengebieten, einfach das Gegenteil von dem sagen, was sie immer gelehrt hat, ohne damit jegliche Glaubwürdigkeit zu verspielen, die sie je gehabt haben mag. Denn bei ihnen geht es nicht um die Anwendung moralischer Prinzipien auf eine neue Zeit, sondern um eine Änderung der Prinzipien. Sexualität ist natürlich auf die Fortpflanzung hingeordnet – daher sind sexuelle Akte, die prinzipiell die Möglichkeit der Fortpflanzung willentlich ausschließen, immer moralisch falsch. Darunter fallen sowohl Verhütung, als auch Homosexualität, um nur zwei Reizthemen der Kirchendemonteure zu nennen. (Für Katholiken sind das übrigens keine „Reizthemen“, sondern wunderschöne Glaubenswahrheiten!) Und es gibt auch keine „Wiederverheiratet-Geschiedene“ aus dem einfachen Grund, dass es keine „Geschiedenen“ gibt. Scheidung ist unmöglich. Was durch den Ehebund zusammengefügt worden ist, ist zusammengefügt. Kein Mensch kann diesen Bund aufheben – und der Versuch ist moralisch verwerflich. Man kann also Menschen, die freiwillig und öffentlich in schwerer Sünde persistieren, obgleich ihnen die Möglichkeit gegeben worden ist, aus diesem Zustande zu entfliehen, keinesfalls zur Kommunion zulassen.

Herr Püttmann behauptet ferner, die genannten Glaubens- und Sittenwahrheiten gehörten nicht zum Credo. Wie oben schon gezeigt, stimmt auch das nicht. Wer seinen Glauben an die Kirche bekennt, und dann die Lehre der Kirche nicht akzeptiert, der widerspricht sich selbst. Eine von zwei Aussagen muss falsch sein – entweder man glaubt an die Kirche, oder man glaubt ihr nicht. Da muss man sich schon entscheiden.

Die meisten im Mannheimer Meinungsbild vertretenen Thesen sind offen oder versteckt häretisch. Und das zu sagen ist „Ressentiment“, um Herrn Püttmanns Kommentartitel zu zitieren.

(3) Der Ausverkauf des Glaubens

Doch Herr Püttmann ist offenbar entschlossen, allen irgendwie zu gefallen, und damit ein Kind seiner Zeit – nur die Kirche bewahrt den Menschen vor der Sklaverei, ein Kind seiner Zeit zu sein, wie Chesterton sagen würde. Denn er kritisiert dann auch noch die „Seligen“, um Herrn Püttmanns Dialogterminologie zu folgen:

Man kann dies der „Reformpartei“ [Püttmann meint die Mutablilität der Glaubens- und Moralwahrheiten, von der er oben verklausuliert sprach – Anm. von Catocon] zugestehen und dennoch finden, dass die „Reizthemen“-Fixation an der radikalsten Herausforderung, der Glaubenskrise, vorbeigeht: [1] An den Zweifeln an unserer christlichen Auferstehungshoffnung, [2] der göttlichen Allmacht und Güte angesichts von Leid und Katastrophen, [3] der Realpräsenz Christi in der Eucharistie, [4] am Sinn des Bußsakraments, [5] am Auftrag zur Mission. Von all dem hörte man aber kaum etwas in Mannheim.

Nun, wenn die Kirche die Lehre in Glaubens- und Moralfragen einfach so abändern kann, was Herr Püttmann ja seinen „Dialogseligen“ zugesteht, dann gibt es kein einziges Argument mehr gegen den Reformeifer, denn Herr Püttmann hier ungerecht kritisiert. Wenn die Lehre der Kirche wirklich beliebig ist – was er den Neo-Reformatoren ja erklärtermaßen zugestanden hat – warum soll man dann nicht versuchen „anzukommen“ und der Welt zu gefallen? Gehen wir die obenvon mir mit Ziffern versehenen Anliegen Püttmanns vor dem Hintergrund seines zur Schau gestellten und zugestandenen Relativismus also durch:

[1] Die Auferstehungshoffnung: Sie basiert auf den durch das Neue Testament überlieferten Worten Jesu. Das Neue Testament ist eine Sammlung von frühchristlichen Schriften, die verbindlich von der Kirche zu einem Kanon zusammengestellt worden ist. Wenn aber die Kirche ihre Lehren einfach so ändern kann, vielleicht ist dann ja demnächst das Thomas-Evangelium Teil des Kanons, und das Johannes-Evangelium nicht mehr, um nur ein Beispiel zu nennen. Die Bibel bezeugt, interpretiert durch die Linse der Tradition, die Auferstehungshoffnung, doch wenn die Linse Tradition (=Lehramt) suspekt geworden ist, was sie werden muss, wenn man den Neo-Reformatoren Püttmanns Zugeständnisse macht, dann kann man die Bibel auch anders interpretieren. Fragen Sie mal Herrn Bultmann. Die Auferstehungshoffnung kann nicht bestehen ohne das Lehramt der Kirche, und das ist, nach Herrn Püttmanns Auffassung, schön öfters im Irrtum gewesen, kann also keine Glaubwürdigkeit mehr für sich beanspruchen.

[2] Die göttliche Allmacht und Güte im Angesicht von Katastrophen: Ist ebenfalls nicht mehr notwendig, wenn man erst einmal Herrn Püttmanns Zugeständnisse gemacht hat. Die Gnostiker waren in der Lage, sich die Texte so zurechtzulegen, dass der Gott des Alten Testaments böse war, und Jesus ihn abgelöst hat. Das passiert eben schonmal ohne Treue zum Lehramt der Kirche…

[3] Die Realpräsenz Christi in der Eucharistie: Wenn das Lehramt der Kirche in wichtigen Fragen der Sitten- oder Glaubenslehre irrt, kann man ihm kein Vertrauen mehr schenken. Und da die einzig Gott angemessene Anbetung eines bloßen Brotes nichts anderes ist als Gotteslästerung er schlimmsten Art, reicht schon ein geringer Zweifel an der absoluten Vertrauenswürdigkeit des Lehramts dazu aus, um davon Abstand zu nehmen. Es ist aber einzig die Überlieferung der Kirche – in Bibel und Lehramtstexten – die uns die Realpräsenz garantiert. Das Dogma fällt dann also auch.

[4] Der Sinn des Bußsakraments: Beichten ist unangenehm. Warum beichten, wenn ich einfach behaupten kann, da müsse sich bei meiner Lieblingssünde die Kirche einfach geirrt haben!? Unter Herrn Püttmanns Konzessionen an die „Dialogseligen“ GIBT ES KEINEN Sinn des Bußsakraments mehr.

[5] Auftrag zur Mission: Wenn die Kirche sich in Fragen des Glaubens und der Sittenlehre korrigieren kann und fortan eine neue, modernere, Moral vertreten kann, dann ist die Wahrheit entweder bloß relativ, oder die Kirche hat sich in ihrer Geschichte über 2000 Jahre geirrt, bis die Aufgeklärten „Dialogseligen“ sie unter ihrer abgestandenen Dunstglocke von, um Herrn Püttmann zu zitieren, „Ressentiments“ zu befreien. So eine Institution hat eigentlich keinen Grund zur Mission. Und der Auftrag Jesu zur Mission ist im Neuen Testament – das, wie wir weiter oben gesehen haben, ja aus der Feder der frühen Kirche stammt, und von der nicht ganz so frühen Kirche im 4. Jahrhundert kanonisiert worden ist. Sie ist also auch nicht mehr zuverlässig.

Wir sehen also: Alle für Herrn Püttmann wichtigen Punkte sind faktisch nicht mehr haltbar oder zumindest extrem fragwürdig, wenn man den „Dialog-Seligen“ Püttmanns Zugeständnisse erst einmal gemacht hat. Warum sich die Mutter aller Stuhlkreise in Mannheim also mit solchen Trivialitäten befassen soll, sagt Herr Püttmann uns nicht.

(4) Scheinargumente

Herr Püttmann nennt dann noch drei „Argumente“, die die „Dialogseligen“ zu größerer „Mäßigung“ anhalten sollen:

Mehr Skepsis gegenüber allzu leichtfüßigem „Reform“-Eifer sollte auch wecken, dass die Reformideen der Mannheimer Wunschliste (1.) genau die Agenda widerspiegeln, die der Kirche von der säkularen Gesellschaft und ihren Medien ständig aufgedrängt werden; sie (2.) im noch rascher geschrumpften deutschen Protestantismus bereits weitgehend realisiert sind; und dass sie (3.) nicht von der deutschen Kirchenprovinz, sondern nur von der römisch-katholischen „Weltkirche“ zu entscheiden sind, in der die Deutschen kaum 2 Prozent der Mitglieder auf die Waage bringen. Rom aber hat in diesen Fragen schon klar gesprochen, teilweise definitiv wie Johannes Paul II. zum Priestertum der Frau.

Doch Herr Püttmann hat von Anfang an gesagt, dass die von ihm jetzt kritisierte Agenda sehr gute Argumente für sich habe, und die Kirche diese Fragen auch abändern könnte, wenn sie wollte. Warum soll eine Agenda schlecht sein, nur weil sie von Säkularisten stammt, da doch die Kirche nicht als verlässlich gelten kann, wenn man Herrn Püttmanns Annahmen zu Ende denkt? Das Argument, die Kirche solle sich nicht protestantisieren, weil die Protestanten noch stärker geschrumpft seien, könnte da schon eher tragen, ist jedoch bloß Marketingstrategie. Und dass Deutschland nur 2% in der Weltkirche ausmacht, ist irrelevant, wenn man so denkt wie die „Dialogseligen“ und in Teilen auch Herr Püttmann – denn das bedeutet ja bloß, dass die anderen noch nicht so aufgeklärt sind wie wir und wir die Chance haben, intellektuelle Avantgarde für einen neuen, aus dem Sumpf der Papisten und der „Ressentiments“ befreiten Glauben zu werden. Eine verlockende Aussicht, wenn man die Unfehlbarkeit des Lehramts in Glaubens- und Sittenfragen erst einmal aufgegeben hat, wie die „Dialogseligen“ und ihr faktischer, wenn auch nicht erklärter, Erfüllungsgehilfe Herr Püttmann.

Dasselbe gilt für das Argument, der Papst habe die Priesterweihe der Frau definitiv ausgeschlossen. Ja, aber wenn die Kirche doch ihre Lehre schon öfters geändert hat, wie Herr Püttmann weiter oben ja behauptet, dann kann sie dies wieder tun. Und wenn man Humanae Vitae und Casti Connubii dem Zeitgeist opfern kann, was Herr Püttmann zumindest für „mit guten Argumenten auf beiden Seiten“ diskutabel hält, warum dann nicht auch Ordinatio Sacerdotalis?

(5) Der Feldzug gegen die Wahrheit

Püttmann fährt dann fort, nachdem er pflichtgemäß einige Konzessionen an die „Ressentiment“-Seite der Debatte gemacht hat, die Kritiker der Mutter aller Stuhlkreise anzugreifen. Beispiel Lebensrecht:

Im gleichen Blatt klagte der Vorsitzende des „Bundesverbandes Lebensrecht“, man habe bei der Teilnehmerauswahl die Lebensschützer wohl „vergessen“.

Die Erklärung ist viel einfacher: Sie gehören dort als Organisationen nicht hin. Denn die „Aktion Lebensrecht für Alle“ oder die „Christdemokraten für das Leben“ sind aus gutem Grund überkonfessionell konzipiert. Ihre Sprecher dürfen nicht selbst dazu beitragen, den Lebensschutz als eine katholische Sondermoral erscheinen zu lassen und so das Geschäft ihrer Gegner zu betreiben, die das Thema gern in die Kirchenecke abdrängen.

Dieses Argument schießt in seiner Inköhärenz wirklich den Vogel ab und übertrifft fast noch die vorherigen Einlassungen des Kommentators. Lebensrechtsverbände gehören nicht an den Verhandlungstisch innerhalb der katholischen Kirche, weil sie nicht allein katholisch, sondern überkonfessionell sind? Ich fürchte, da erübrigt sich jedes Argument, ich versuche es aber trotzdem. In allen heute diskutierten Fragen der Sittenlehre kann die Wahrheit von allen Menschen guten Willens, ob gläubig oder nicht, erkannt werden. Wenn allein die Tatsache, dass es auch nichtkatholische Lebensrechtler gibt, den Ausschluss der Lebensrechtler vom Verhandlungstisch in der Kirche bedeutet, dann darf überhaupt keine an Fragen der Sittenlehre interessierte Gruppe, die auch vielleicht Nichtkatholiken beinhalten könnte, mehr in der Kirche mitreden.

Komisch, wie Herrn Püttmanns „Sorge“ um die Überkonfessionalität des Lebensschutzes immer wieder zu den gleichen Ergebnissen führt, wie die „Sorge“ der Abtreibungslobbys, die alle Lebensschützer von der öffentlichen Debatte ausschließen möchten. Wieder einmal liegt Herr Püttmann mit den Konsequenzen seiner Worte voll auf der Linie seiner „Dialogseligen“, „Säkularisten“ und „Diskursethiker“. Herr Püttmann weiter:

Fatal wäre auch der Eindruck, die 300 am Gesprächsforum beteiligten Katholiken hätten sich nicht alle um das menschliche Lebensrecht zu sorgen, weil es dafür spezielle Organisationen gebe.

Aha. Und weil Mitglieder von Gemeinderäten in den Stuhlkreisen vertreten waren, könnte der Eindruck entstehen, es müssten sich nicht „alle beteiligten Katholiken“ um den Zustand der Gemeinden sorgen, weil es dafür spezielle Organisationen gebe? Es wird immer lächerlicher. Es geht nur darum, das Lebensrecht aus der Kiche auszusperren, die Anliegen der Lebensschützer zusammen mit ihren Kreuzen in der Spree zu versenken, wie Herrn Püttmanns Gesinnungsgenossen (?) es jedes Jahr beim Marsch für das Leben in Berlin vormachen!

Ferner beklagt sich Herr Püttmann noch darüber, dass viele „Konservative“ – gemeint sind kirchentreue Katholiken – die Gremienkatholiken einer „schweigenden Mehrheit“ von Katholiken an der Basis gegenübersetzten. Er argumentiert, wenn man das so nennen kann:

Der Veränderungsdruck, den die Mannheimer Stuhlkreise ventilierten, entspricht durchaus der letzten großen Repräsentativbefragung deutscher Katholiken im „Trendmonitor“ 2010: Vier von fünf Katholiken kritisieren den Zölibat, drei von vier „die Rolle der Frau in der Kirche“, eine Zweidrittelmehrheit „den Umgang mit Kritikern innerhalb der katholischen Kirche“. Noch breitere und wachsende Mehrheiten stören sich an der „Haltung zur Sexualität“ (79%), am „Umgang mit Homosexuellen in der Kirche“ (68%) und an der Lehre zur Empfängnisverhütung (85%)

Nun, ich möchte noch einige Zahlen hinzufügen: 90% der Katholiken gehen nicht zur Messe. Mehr als 70% glauben nicht an die Realpräsenz usw. Die Umfrage unterschiedet, wie Herr Püttmann später selbst kleinlaut zugesteht, nicht nach Kirchgängern und apathischen Taufscheinchristen, denen der Austritt zu stressig ist. Zur letzteren Gruppe gehören die 90% der Katholiken, die es nicht einmal mehr für nötig halten, regelmäßig zur Messe zu kommen – eine Stunde in der Woche für den Herrn scheint ihnen zuviel. Ja, diese 90% sind säkularisiert. Und sie vertreten säkularistische Positionen. Kein Wunder.

Doch was ist mit den 10% der Katholiken, die noch die Kirche aufsuchen? Denken dort auch große Mehrheiten, die Kirche solle aufhören Kirche zu sein und sich lieber als Sozialverband und Umweltschutzorganisation neu definieren? Man weiß es nicht. Eine andere Umfrage zeigt aber, dass über 40% der regelmäßigen Kirchgänger eine in ihrer Pfarrei angebotene Messe in der außerordentlichen Form zumindest einmal monatlich aufsuchen würden, und 68% fänden es normal, wenn beide Formen in der Pfarrei zelebriert würden. Ich fürchte, dass diese Leute nicht gerade erbaut wären, wenn die Kirche ihren Glauben „zeitgemäßer“ gestaltete, und sich damit selbst ad absurdum führte.

Abschließend sagt Herr Püttmann noch und offenbart damit die Wurzel seines Irrtums:

Wo der Dialog nur als Mittel zur Durchsetzung der eigenen Einsichten betrachtet wird, muss er in Frustration enden.

Hier offenbart sich Herr Püttmann als einfacher Relativist. Beide Seiten des „Dialogs“ werden, völlig unabhängig vom Wahrheitswert ihrer Aussagen, als gleichberechtigt nebeneinanderstehend gedacht, und dann müssten sie von ihren „eigenen Einsichten“ abstrahieren und nicht mehr versuchen sie durchzusetzen. Ein wundervolles Rezept – wenn es keine objektive Wahrheit gibt, sondern alles, Habermas folgend, als „Diskurs“ verstanden wird, in dem jede Gruppe ihre „Ethik“ demokratisch beschließt. Diese Mentalität verunmöglicht es Herrn Püttmann leider, sich erfolgreich für die Lehre der Kirche und die Wahrheit einzusetzen.

Natürlich muss der Dialog in Frustration enden, wie Herr Püttmann sagt, aber nicht weil es da „Selige“ und „Ressentimentgeladene“ gibt, sondern weil die Kirche von ihrem Herrn, nicht von ihrem Stuhlkreis und den Massenmedien, in die ganze Wahrheit geführt wird.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass es sich bei dem Gastkommentar um das Schwächste handelt, das ich bei kath.net jemals gelesen habe. Herr Püttmann unternimmt den Versuch, einen Mittelweg zwischen „Dialogseligen“ und „Dialogressentiment“ zu finden, spricht aber sowohl durch die Titelwahl als auch durch den Inhalt des Kommentars den lehramtstreuen Katholiken jegliches Argument ab und schreibt ihnen stattdessen eben diffuse „Ressentiments“ gegen die ehrlichen, wenn auch teilweise aus seiner Sicht fehlgeleiteten und übereifrigen, „Reformbemühungen“ der „Seligen“ zu. Dass das nicht gerade ein Mittelweg ist, sondern eher eine distanzierte Parteinahme für den „Reformflügel“ der Kirche, ist aber auch klar.

Eine solche Parteinahme ist Herrn Püttmanns gutes Recht, aber man sollte sie auch als solche bezeichnen, und nicht als „Mittelweg“ verkaufen.

Beteiligung der Laien: Empfangt den Herrn!

Der immer gute und manchmal exzellente Priester-Blogger Fr. Dwight Longenecker schrieb vor kurzem auf seinem Blog (bitte klicken und lesen): (Meine Kommentare eingeklammert in rot Hervorhebungen freizügig ebenfalls von mir, nach bewährter Father Z-Manier)

How many times have I heard priests exclaim their enthusiasm for ‚full participation‘ at Mass. It is a kind of modern Catholic mantra. Indeed, not only a Catholic mantra, it has become an ideological slogan before which all must bow. So, in the name of ‚full participation‘ we have overturned 2000 years of church architectural tradition and built round churches, fan shaped churches, churches that are auditoria, churches that are circus tents, churches that are stadiums–all in an attempt to get as many people as close as possible to the altar as if proximity to the altar constitutes full participation. (Man versucht krampfhaft, möglichst viele Leute, besonders Gemeinderats-wichtigtuerInnen, an den Altar zu stellen, um damit zu suggerieren, eigentlich gebe es doch gar keinen wichtigen Unterschied zwischen Priester und Laien, und die Hände heben und Gebete sprechen könne doch eigentlich jeder, und vor allem JEDEes geht diesen Gruppen IMMER um „Gleichstellung“ von allem mit jedem)

The tradition of sacred music has fallen to this revolutionary creed as well. Down with Gregorian chant and classic hymns and the venerable music of the liturgy and up with tacky songs with sentimental semi heretical lyrics. (Die Attitüde der Revoluzzer: Ecrasez l’infame. Bewährt seit den Zeiten Voltaires, der den letzten König mit den Innereien des letzten Priesters erdrosseln wollte.) More often than not this music is imposed on the people. Every kind of secular style of music has entered the sanctuary in an attempt to get ‚full participation‘ and all of it has been imposed by well meaning ideologues–and the irony of it is that these are the same people who claim to be democratic and ‚listening to the voice of the people of God‘.

And has it worked? I have celebrated Mass at churches where an eager liturgy director (usually an ex-nun or priest) waves his arms about and brings the energy and fake enthusiasm of a Broadway dancer to his task and still the hymnbooks stay in the pew rack, the arms remain folded on the chest, the lips remain firmly closed and the expression of bored frustration remains stamped on the faces of the faithful. (Zufall? Ich wäre auch frustriert, wenn ich in die Kirche gegangen wäre, nur um schlechtes Theater und minderwertige Unterhaltung präsentiert zu bekommen.) I’ve seen the priests celebrate Mass with the ‚game show host‘ style of liturgy–all false bonhomie and dumbed down cheerfulness–and his efforts are still met with solid, silent animosity. „Do what you like Father. You won’t get me to open my mouth.“

After experiencing my own frustration at expecting congregations to sing hymns I am beginning to come around to their point of view. Let us stand things on their head and really listen to the ‚voice of the faithful‘ and ask ourselves whether they might actually be right. Maybe their instincts to be silent at Mass and not sing or wave their arms about or hug people are right. Maybe they know more about it in their blissful ignorance than we do with all our good ideas about ‚full participation‘.

Maybe what the faithful actually want is not wonderful orgasmic hymns and breath taking music. Maybe what they want is a quiet, dignified Mass with a simple, skilled choir or schola. Maybe what they want–even if they don’t know it–is a Mass where they simply watch and pray and listen and wonder at the mystery of what is going on at the altar.(Ja! Genau das wollen wir!) Maybe they are ‚fully participating‘ in this way and who am I to judge? So I am moving increasingly to the position that I will let the people do what they want at Mass. I will encourage them and direct them, but I will not dictate my views or my tastes and impose them. I will simply say the black and do the red and preach the gospel and try to be a priest not an entertainer. (Katholizismus kann so einfach sein – auch die Liturgie ist zwar komplex und vielschichtig, aber nicht kompliziert. Es geht um eine Atmosphäre, in der das große Mysterium würdig gefeiert werden kann. Eine Atmosphäre der Andacht und der Ehrfucht, nicht der belanglosen, flachen Lustigkeit)

(…)

If I am right, then suddenly I understand „full participation at Mass“ I am there fully and completely and attentively in body, mind and Spirit. I am caught up with the action of the Mass and the transaction between earth and heaven. My whole being is participating in what is going on and as I receive my Lord–Body, Blood, Soul and Divinity–I am fully participating in that sublime and contemplative action of Grace. (Das ist wahre „Teilnahme“ an der Messe. Jeder katholische Gläubige im Gnadenstande kann in jeder Messe wirklich „partizipieren“, „teilnehmen“, „teilhaben“, oder wie das Modewort auch immer gerade lautet. Teilhaben AM HERRN SELBST. Es gibt keine aktivere Teilnahme.)

Then as I go out into the world, by that same grace, my life is transformed and I am a light in the darkness and the grace of the Son becomes incarnate in my life and I fully participate in a whole life that fully participates in the life of Christ–and if this is what is happening a far, far greater thing is taking place than some priest and music director forcing me to sing Eagles‘ Wings for the umpteenth time. (Ja, im Leben geht es um mehr als nur weltliches Ansehen, weltliche Lustigkeit und weltliche „Beteiligung“.)

Das ist doch eigentlich alles, worum es bei der Messe geht: HOC EST ENIM CORPUS MEUM. Haben wir Teil am Leib des Herrn selbst, nicht bloß an irgendwelchen Gesangsfestivals.

Jetzt müssen das nur noch die deutschen Priester und Bischöfe verstehen…

Klare Worte: Petrusbruder zur Pfarrer-Initiative

Wie scheinbar im deutschsprachigen Raum üblich, braucht es immer erst die Petrusbruderschaft oder eine andere traditionelle Priestergemeinschaft, um die wesentlichen Fragen anzusprechen. Wie aus dem hier verlinkten Artikel hervorgeht, stellt sich Pater Walthard Zimmer die ernstliche Frage, ob eine Messe, die von einem Unterzeichner des „Aufrufs zum Ungehorsam“ der österreichischen Pfarrer-Initiative gefeiert wird, überhaupt noch die notwendigen Kritieren erfüllt, um gültig zu sein. Er rät folgerichtig den Gläubigen im Zweifel diese Messen zu meiden, um nicht das Risiko eines Sakrilegs einzugehen und ein bloßes Stück Brot anzubeten und anstelle des Leibes Christi zu empfange:

Für P. Zimmer lässt die Aufforderung der „Pfarrer-Initiative“, Vorschriften zu missachten, welche eng mit der Natur des Sakramentes verbunden seien, Zweifel aufkommen, ob hier überhaupt noch die notwendige Intention bestehe, dass solche Messen auch Gültigkeit haben.

Es reicht nämlich eben nicht ein gültig geweihter katholischer Priester zu sein – die korrekte Intention muss (ebenso wie die Form) noch hinzukommen. Und diese Intention kann bei Priestern, die in wesentlichen Fragen mit der Kirche gebrochen haben, eigentlich nicht mehr als sicher angenommen werden. Vor allem, da sie „priesterlose Eucharistiefeiern“ fordern – was die Heilige Messe, das Opfer Jesu Christi, auf eine Stufe mit bloßen Wort-Gottes-Feiern stellt. Wer dies tut, der kann eigentlich nicht mehr an die Realpräsenz glauben und folgerichtig auch nicht die Absicht haben, eine solche Realpräsenz in der Messe „herbeizuführen“. Offensichtlich begreifen diese Priester die Messe als bloßen „Gottesdienst“, der prinzipiell gleichberechtigt neben anderen Formen des „Gottesdienstes“ stehen kann.

Auch seine sonstigen Einlassungen zu den Priester-Rebellen aus Österreich sind mehr als lesenswert. Insbesondere eine Äußerung ist mir ins Auge gefallen:

„Hier haben Priester gesprochen, die ganz genau wissen, was die Kirche lehrt, diese Lehre ablehnen und die daher eine andere Kirche wollen und nun offen aufrufen, gegen die Kirche Christi zu handeln und für die andere Kirche tätig zu werden“, schreibt P. Zimmer und betont, dass es völlig naiv wäre zu glaube, dass es hier um „unschuldig Irrende“ gehe, die man „mit Güte und Langmut“ gewinnen könne. Es sei auch naiv zu glauben, „Grund für diese Aktion sei eine irgendwie geartete Sorge um die Gläubigen„. Diese Aktivisten seien hingegen „sauer“ darüber, dass die Kirche immer noch nicht das tue, was sie wollen. Nun würde versucht, mit Gewalt Änderungen zu erzwingen. Maßnahmen wie die Suspendierung solcher Priester, die den Aufruf zum Ungehorsam unterschrieben haben, werden unvermeidlich sein.

(Hervorhebungen von Catocon)

Wenn man dies liest, stellt man sich die ernsthafte Frage, warum die Bischöfe von Österreich gegen den offenen Bruch mit der Kirche seitens hunderter Priester nicht mehr unternehmen. Sie sprechen, sie verurteilen (wenn es hoch kommt) in verschwommenen Worten. Aber wo bleibt die Handlung? Wie Pater Zimmer, so könnte sich auch z.B. Kardinal Schönborn äußern. Doch damit würde man sich ja in den Medien unbeliebt machen. Und das geht ja nicht, denn vielleicht würde das zum Austritt einiger Kirchensteuerchristen führen.

Wenn man sieht, wie lasch mit dem offenen, öffentlichen Aufruf zum Bruch mit Rom, mit der Kirche Christi, umgegangen wird, dann darf man sich nicht wundern, dass die Kirche in Schwierigkeiten ist. Wie soll Gott einer Kirche auch helfen, deren Hirten sich in Scharen von ihr abwenden? Und wer glaubt, das sei nur in Österreich so, der hat noch nie etwas vom „Dialogprozess“ gehört, der im Wesentlichen darin besteht, dass Modernisten umarmt und hofiert werden, damit die Popularität ihrer Ansichten in der Mainstream-Gesellschaft auf die deutsche Kirche abfärbt.

Doch Niedergang ist eine Frucht der Rebellion.

NACHTRAG: Die vollständige Einlassung des Paters Walthard Zimmer befindet sich auf der Seite der Petrusbruderschaft von Linz.