Vom modernen Staat und seinem Charakter (Teil 3 von 3)

Die Aufhebung des Grundkonflikts

Wir hätten einen Kollektivismus, der sich ständig individualistischer Denkstrukturen bedient, und aus einem starken Individualismus motiviert wäre, jedoch letztlich über individuelle Leichen ginge, um das den Nutzen des Kollektivs zu maximieren. Ebenso hätten wir einen Individualismus, dem es genuin darum ginge, dass jedes Individuum, jeder einzelne Mensch, ein gutes, d.h. subjektiv nützliches, erfülltes Leben führte, der sich aber zur Erreichung dieser Ziele letztlich totalitär-kollektivistischer Mittel bediente, um wissenschaftlich fundiert eine Gesellschaft zu „organisieren“, in der jedes Individuum „seinen Traum leben“ könnte.

Das erklärt auch die seltsame Verquickung individueller und kollektiver Elemente in allen modernen politischen Ideologien. Auch dem kollektivistischen Kommunisten geht es eigentlich um den Nutzen der individuellen Menschen. Auch dem liberalen Individualisten bleibt nichts anderes übrig, als zur subjektiven Nutzenmaximierung des Individuums zu letztlich totalitär-kollektivistischen Mitteln der Umerziehung und der Volksbeglückung zu greifen.

Die heutige Gesellschaft, die paradigmatisch eine Gesellschaft der Nutzenmaximierung ist, zerstört daher wahre Gemeinschaft ebenso wie wahre Individualität. Die Individualisten erkennen nur die Erfüllung individueller Bedürfnisse und Präferenzen als legitimes Gesellschaftsziel an, und um möglichst alle Präferenzen zu befriedigen, wird ein umfassendes, jede Individualität erstickendes Programm organisierter Beglückung vertreten – faktisch ist Liberalismus inzwischen dazu verkommen. Selbst unter der Herrschaft des Individualismus hat das Individuum keine Chance.

Letztlich verschwimmen in einer solchen Gesellschaft Kollektivismus und Individualismus ineinander, und aus der einstmals lebhaften Konfliktschärfe des Gegensatzes wird zunehmend, in der Spätphase ihres Lebenszyklus, eine blutleere Funktionärskaste, deren „Parteien“ sich kaum voneinander unterscheiden, was sie nicht davon abhält, um Posten und Funktionen im organisierten, kollektiven Zwangsbeglückungsstaat des radikalen Individualismus zu streiten. Mehr und mehr wird politischer Diskurs dann eine Show, ein Beispiel für Entertainment, und wahre Entscheidungen werden direkt von den Experten getroffen, von den Technokraten, die sich nicht dem alljährlichen Wahlzirkus stellen müssen.

Entdemokratisierung ist die logische Folge und Verfallserscheinung dieses Gesellschaftsprojekts.

Organisierte Anarchie

Wenn wir nun einige zentrale Wesensmerkmale und Strukturkennzeichen der nutzenmaximierenden modernen Gesellschaft aufgefunden haben, dann gilt es immer noch, diese auf einen Begriff zu bringen, der ihr Wesen trefflich auszudrücken vermag. Mir scheint dafür vielleicht der Begriff „organisierte Anarchie“ geeignet zu sein, denn einerseits ist der moderne Staat so gründlich und umfassend durchorganisiert, wie keiner vor ihm, andererseits existiert er allein zu dem expliziten Zweck, jeden Menschen von der Herrschaft zu befreien, die ihm einmal Vorschriften darüber machte, was er zu glauben habe, was moralisch und was unmoralisch sei, was ein gutes Leben sei etc.

Der moderne Staat als totaler Staat

Es ist nach dieser Auffassung letztlich die Unterdrückung durch den „wissenschaftlich“ organisierten Volksbeglückungsstaat, durch die der Mensch von Unterdrückung frei werden kann. Nur die Unterwerfung unter diesen Staat kann den Menschen wirklich frei machen. Man erkennt leicht, dass ein solcher Staat faktisch religiöse Funktionen übernommen hat, wie „neutral“ er sich auch immer gerieren mag. Die befreiende Tyrannei, oder die organisierte Anarchie ist notwendig ein totaler Staat. Totalitarismus heißt nicht Faschismus oder Kommunismus, sondern einfach, dass der Staat letztlich die Hoheit über alle Lebensbereiche hat. Und dies wird ihm heute kaum noch ernsthaft bestritten. Es ist daher gerechtfertigt, den modernen Staat als den seinem Wesen nach prinzipiell totalen und sogar totalitären Staat zu kennzeichnen.

Ersatzmessianismus

Nur der moderne Staat kann den Menschen von seiner Unterdrückung durch andere erlösen (und ich wähle dieses Wort mit Bedacht). Der moderne Staat ist letztlich ein Ersatz für die messianischen Hoffnungen des säkularen Ex-Christen des modernen Westens.

Dieser so beschriebene moderne Staat wird aufgrund seines totalen Anspruchs praktisch identisch mit der modernen Gesellschaft. In jeden Bereich reicht der Staat hinein – Wirtschaft, Bildung, Familie, Medien, Unterhaltung etc. Grenzen, gleich ob moralisch, religiös oder praktisch, erkennt er nicht mehr an.

Die große Verfolgung

Aufgrund verbliebener Reste christlicher Zurückhaltung und demokratischer Verantwortlichkeit scheut er sich derzeit noch, alle Grenzen restlos zu überschreiten und alle Dissidenten mittels modernster Technologie zu verfolgen und zu exterminieren (wofür etwa durch Drohnen, Datenspeicherung und Abschaffung des Bargelds bereits heute wichtige Voraussetzungen geschaffen werden).

Andere Geschmacksrichtungen des totalen Staats haben derartige Skrupel nicht gehabt. In seiner kommunistischen und faschistischen Variante hat der totale Staat zu schrecklichen Völkermorden geführt. Die „organisierte Anarchie“ hat dieses Stadium noch nicht erreicht. Dies ist jedoch nur eine Frage des Entwicklungsstadiums – der heutige Staat ist noch nicht so weit. Er hat nicht den Weg der revolutionären Umwälzung gesucht, sondern sich durch stetige Reformen „totalisiert, und dieser Prozess ist noch längst nicht vobei. Der Reformstaat geht langsamer, bedächtiger vor als der Revolutionsstaat, doch das ändert nichts daran, dass sie beide zum gleichen Ziel hin unterwegs sind, oder um die moderne Phrase zu verwenden, dass sie beide zum gleichen Ziel hin fortschreiten.

Für Christen bedeutet dies dasselbe, wie in allen Staaten dieses Typus, angefangen vom dekadenten Römischen Reich mit seinem vergöttlichten Kaiser bis zu den Gulags der Sowjetunion. Der Wind weht aus den Tiefen und die Verfolgung naht. Denn Christen können niemals einen totalen Staat anerkennen und ihm die Art Huldigung erweisen, die er notwendig früher oder später sowohl in formalen Gesten als auch in alltäglichem Verhalten von seinen „befreiten“ Untertanen erwarten muss.

Advertisements

Vom modernen Staat und seinem Charakter (Teil 2 von 3)

Manipulation der mechanischen Gesellschaft

Eine weitere Tendenz einer hypothetischen Gesellschaft der Nutzenmaximierer wird daraus sofort offensichtlich. Der Nutzen kann nur maximiert werden, wenn man erkannt hat, wie man die Gesellschaft für seine eigenen Zwecke manipuliert. Die „wissenschaftliche“ Expertise der Elite wäre für das Selbstverständnis dieser Gesellschaft von entscheidender Bedeutung. Was dieser Expertise im Wege steht, was sie ablehnt, müsste aus dem Weg geräumt werden. Alternative Zentren von Wissenschaftlichkeit und Weisheit könnten nicht geduldet werden, da sie die Expertise der Elite bezweifelten, und damit die Maximierung des Nutzens gefährdeten. Um der Maximierung ihres Nutzens Willen würde die Elite sich dazu berufen fühlen, die über ihren wahren Nutzen in Unkenntnis befindlichen, unaufgeklärten Volksmassen durch staatliche und „zivilgesellschaftliche“ Umerziehung zur Einsicht in die Richtigkeit der von der Elite vorgeschlagenen Reformen zu bewegen. Das Motiv der „Aufklärung“ wäre ebenso dominant wie das Motiv des „Fortschritts“.

Zwischenbilanz: Wesensmerkmals

Fassen wir zusammen, was wir bisher gesagt haben: Die Gesellschaft der Nutzenmaximierer müsste notwendig bestimmte Charakteristika aufweisen, die zu ihrem Wesen gehören:

1. Sie müsste demokratische Institutionen haben, oder zumindest nach ihnen streben.

2. Sie müsste individualistisch sein, also das Individuum als Grundbaustein der Gesellschaft betrachten.

3. In ihr wäre der zentrale Interessenkonflikt ideologischer Natur: Zwischen denen, die den subjektiven Nutzen des Individuums ins Zentrum ihres Denkens stellen, und denen, die den kollektiven Nutzen der Gesamtheit auch auf Kosten des Nutzens von Minderheiten priorisieren.

4. Beide Seiten dieses Konflikts würden nach dem Mantel der Fortschrittlichkeit streben,

5. Beide Seiten dieses Konflikts würden nach dem Mantel der Wissenschaftlichkeit streben.

6. Es gäbe eine Elite, die sich nicht durch Herkunft, sondern durch im weitesten Sinn „sozialwissenschaftliche“ Expertise (oder ihre Vorspiegelung) definiert, und die notwendig die Deutungshoheit über den Nutzenbegriff anstrebt.

Moral, Religion und Wahrheit

Aus diesen Erkenntnissen können wir noch weitere Wesensmerkmale einer Gesellschaft des untersuchten Typus ableiten:

7. Der Begriff des Guten würde nur als „Gut für…“ und nicht als „Gut an sich“ verstanden. Mit anderen Worten: „Gut“ wäre ein Prädikat, mit dem man über die Effizienz und Effektivität von Maßnahmen zum vorgegebenen Ziel der Nutzenmaximierung spricht. „Gute“ Politik wäre Politik, die tatsächlich den Nutzen maximiert.

8. Moralische Fragen wären in einer solchen Gesellschaft ebenso wie religiöse Fragen Privatsache. Glaube doch, wenn es dir nützlich ist, und nicht dem Nutzen anderer schadet, aber in der Öffentlichkeit hat das nichts zu suchen. Ebenso in der Moral: Wenn du meinst, du müssest bestimmte moralische Prinzipien verfolgen, um Deinen Nutzen zu maximieren, dann tu‘ es. Aber du darfst dir nicht anmaßen, anderen die Befolgung dieser Prinzipien aufzudrängen. Insbesondere der Staat darf sich in seinen Gesetzen nicht von moralischen Erwägungen leiten lassen.

9. Die Frage nach der Wahrheit verschwände aus dem öffentlichen Bewusstsein und verlöre ihre Relevanz auch für die Expertenelite. Es käme nicht mehr darauf an, ob eine bestimmte Aussage der Wahrheit entspricht, sondern ob sie nützlich für das gegebene Ziel der Nutzenmaximierung wäre.

Ideologischer Protest

10. Aus dem ideologischen Individualismus der nutzenmaximierenden Gesellschaft und der widersetzlichen Gegebenheit der Wirklichkeit würden immer wieder radikale Ideologien hervorgehen, die periodisch die junge Generation begeistern und eine grundlegende Erneuerung der Gesellschaft fordern würden, da diese die in sie gesetzte Erwartung der Nutzenmaximierung nicht erfüllt haben. Solche Bewegungen würden von der fehlenden Nutzenmaximierung bestimmter Gruppen (z.B. Frauen, Arme, Ausländer, Minderheiten aller Art…) ausgehend nach der Revolution rufen, um endlich Gerechtigkeit, d.h. Chance auf Nutzenmaximierung, für alle zu schaffen.

11. Solche Ideologien würden regelmäßig blutig scheitern, da die Wirklichkeit immer widersetzlich bleibt, und der maximale materielle Nutzen einer Gruppe meist nur mit Kompromissen hinsichtlich des maximalen materiellen Nutzens anderer Gruppen zu erkaufen wäre. Aus diesem Grund würde sich die ideologische Auseinandersetzung in dieser Art Gesellschaft entlang soziologischer Gegensätze (Geschlecht, Alter, Wohlstand, Klasse, Ethnizität, Herkunft, Hautfarbe etc.) polarisieren.

Dies wären einige zentrale Wesensmerkmale einer Gesellschaft der Nutzenmaximierer. Dem Leser ist sicher längst aufgefallen, dass es sich bei dieser „hypothetischen“ Gesellschaft in Wahrheit um die typische moderne, westliche Gesellschaftsform handelt, die daher auf der Basis ihrer eigenen (oft unausgesprochenen) Prämissen durchaus in sich logisch konsistent ist.

Ideologie und Ideologiekritik

In einer solchen Gesellschaft wäre es sicher üblich, die nackte Verfolgung des eigenen Nutzens mit allerlei wohlklingenden Floskeln zu beschmücken, doch letztlich wäre eine solche Gesellschaft nicht in der Lage, Werte und Überzeugungen jenseits der Nutzenmaximierung überhaupt in Betracht zu ziehen. Alles würde mit der Zeit und dem Verfall alternativer Denkmuster immer mehr unter die Linse der nackten Rationalität des Nutzens fallen. Heroisch würden sich dagegen Idealisten aller Schattierungen hervortun, die die „Ökonomisierung“ und „Rationalisierung“ scharf kritisieren, die pathetisch von der „Würde der Menschen“ sprechen und „Gerechtigkeit“ fordern. Sie würden die Frage der Moral stellen und der Gesellschaft ihren hässlichen Spiegel vorhalten. Sie würden die Gesellschaft und ihre verborgenen egoistischen Motive „demaskieren“, in klassisch ideologiekritischer Form. Als Quelle kritischer Argumente gegen diese verarmte Gesellschaft der engen, ökonomischen „Rationalität“ wären diese idealistischen Bewegungen äußerst nützlich. Rezepte zur Lösung dieser Probleme hätten sie auch keine zu bieten, da sie letztlich im Spektrum der Nutzenmaximierer stecken blieben, sich nur mehr auf den Nutzen der Gesamtheit beziehen, denn auf den als verwerlich erkannten, letztlich als Egoismus verstandenen Einzelnutzen. Diese Bewegungen wären daher in ihrer Motivation äußerst sympathisch, und würden deshalb sehr viele Menschen, die nach Gerechtigkeit hungern, anziehen, doch sie wären bereits an ihrer Wurzel korrumpiert, da es sich um dieselbe Wurzel handelt, nämlich um den gemeinsamen Grundkonsens der Nutzenmaximierung.

Vom modernen Staat und seinem Charakter (Teil 1 von 3)

Wie soll man den Zustand der heutigen Gesellschaft beschreiben?

Um etwas beschreiben zu können, muss man es zunächst verstehen. Eine Beschreibung ist umso treffender, je näher sie an das Wesen des Beschriebenen herankommt. Verstehen bedeutet, eine Sache ihrem Wesen nach zu erkennen, und nicht nur verschiedene äußerliche Eigenschaften anzugeben. Wir beschreiben einen Menschen, wenn wir sagen, er sei 1,80m groß, habe blonde Haare und eine Fistelstimme. Doch wir treffen damit nicht sein Wesen. Er könnte doch kleiner sein, schwarzhaarig und stumm, und bliebe immer noch im Grunde derselbe Mensch, nur einige äußerliche Merkmale wären anders. Das, was beim individuellen Menschen wirklich wesentlich ist, könnte man seinen Charakter nennen. Ebenso wollen wir das Wesentliche an einer spezifischen Gesellschaft bezeichnen.

Allgemein gesprochen sind staatliche Gesellschaften zur Sicherung des diesseitigen Gemeinwohls da. Man kann verschiedene Arten solcher Gesellschaften danach unterscheiden, auf welche Weise sie nach diesem gemeinsamen Ziel streben, und was sie als Gemeinwohl ansehen. Diese zwei Arten von Differenzen sind sehr eng miteinander verbinden. Wenn eine Gesellschaft unter Gemeinwohl die Nutzenmaximierung der Mehrzahl ihrer Mitglieder versteht, dann werden die Methoden, die Mittel und Wege, auf denen die Gesellschaft zu ihrem Ziel voranzuschreiben beabsichtigt, dazu tendieren, bestimmte Gestalt anzunehmen, die sich besonders für das gegebene Ziel eignet. Je nach dem Zweck einer Gesellschaft werden ihre Institutionen eine andere Form einnehmen, auf unterschiedliche Weise wirken, und die Gesellschaft wird aus unterschiedlichen Grundelementen aufgebaut sein. (Für philosophisch interessierte Leser: Das alles ist nur die Anwendung der aristotelischen Vierursachenlehre auf das staatliche Zusammenleben der Menschen.)

Institutionen, Demokratie und Individualismus

Eine Gesellschaft der Nutzenmaximierer, um das vorige Beispiel aufzugreifen, hat sich als ihren Zweck die Maximierung des individuellen Nutzens der Mehrzahl gesetzt. Um diesen Zweck erreichen zu können, wird sie sich demokratische Institutionen geben, damit die Mehrzahl das, was sie für ihren Nutzen hält, den Regierenden auf organisierte Weise effektiv kundtun kann, und die Regierenden mindestens langfristig nicht anders können, als nach besten Kräften für die Durchsetzung des Mehrheitsnutzens einzutreten, da sie sonst abgewählt würden. Die institutionellen Formen der Gesellschaft werden also demokratisch sein, und die Bewahrung der Demokratie würde in einer solchen Gesellschaft allgemein als grundlegendes Ziel angesehen, und selbst von denen, die eigentlich eine andere Art von Gesellschaft favorisieren, als Beschwörungsformel im Mund geführt, um sich nicht dem Volkszorn der nutzenmaximierenden Mehrheit preiszugeben.

Eine Nutzenmaximierer-Gesellschaft würde als ihren materiellen Grundbaustein das Individuum angeben. Sie wäre in ihrer Selbstdarstellung sehr individualistisch, da es doch letztlich auf den individuellen Nutzen des Einzelnen ankommt, der da maximiert werden soll. Familien, religiöse Institutionen und alle anderen Zusammenschlüsse würden in einer solchen Gesellschaft dann und nur dann geschätzt, wenn sie nach der Meinung der Nutzenmaximierer den individuellen Nutzen des Einzelnen oder den Gesamtnutzen der Gesellschaft optimieren.

Grundkonflikt der Nutzenmaximierer-Gesellschaft

Damit ist auch der zentrale politische Grundkonflikt einer solchen Gesellschaft bereits vorgezeichnet. Es tritt ganz von selbst ein Interessengegensatz zwischen zwei Gruppen auf, die sich beide die Maximierung des Nutzens auf die Fahne geschrieben haben, diesen Nutzen aber unterschiedlich interpretieren. Für die eine Seite dieses Konflikts wäre der individuelle Nutzen des Einzelnen entscheidend, und sie würden auf den ideologischen Individualismus pochen, der wesentlich für diese Gesellschaftsform wäre. Wenn es zum Konflikt zwischem dem Einzelnutzen und dem Gesamtnutzen der Gesellschaft kommt, würden sie Partei für den Einzelnutzen ergreifen. Umgekehrt gäbe es notwendig in einer solchen Gesellschaft eine Seite, die für die Maximierung des Gesamtnutzens auch dann eintreten würde, wenn es dem Einzelnutzen einer Minderheit von Individuen schadete. Die erste Seite würde ihre Haltung unter Berufung auf den grundlegenden Individualismus begründen, und sicher nach allerlei Mittel und Wegen suchen, die Verwirklichung möglichst vieler Einzelnutzen mit der Maximierung des Gesamtnutzens gleichzusetzen. Die andere Seite würde ihren Gegnern vorwerfen, egoistische Motive zu verfolgen und sich dem Fortschreiten der Gesellschaft zu ihrem Ziel der Nutzenmaximierung zu widersetzen. Sie würde sich den Mantel der Fortschrittlichkeit umhängen, und die andere Seite der Ungerechtigkeit bezichtigen.

Gerechtigkeit und Nutzenmaximierung

Überhaupt könnte eine Gesellschaft der Nutzenmaximierer Gerechtigkeit nur noch als die Chance, seine eigene, private Nutzenvorstellung für sich umsetzen zu können, verstehen. Ungerecht wäre nach ihren eigenen Maßstäben alles, was andere Menschen davon abhielte, ihren eigenen individuellen Nutzen zu maximieren. Hier taucht dann wieder der Grundkonflikt dieser Gesellschaft auf: Wann und unter welchen Umständen ist es gerechtfertigt, den Nutzen einzelner Menschen zu mindern, um der Gesamtheit zu helfen? Ist es gerecht, einer kleinen Gruppe Unrecht zu tun, weil dies gut für die Mehrheit und die Gesamtheit wäre? Ist das Individuum wichtiger als das Kollektiv? Ist es gerechtfertigt, den Reichen zwangsweise zu nehmen, um den Armen zu geben? Fragen dieser Art würden den Gerechtigkeitsdiskurs einer nutzenmaximierenden Gesellschaft dominieren.

Technokratie, Expertise und Scheinwissenschaft

Sie gäbe sich demokratische Institutionen und würde zwischen einem ideologisch grundlegenden Individualismus und einem Hang zum Kollektivismus als Maximierung des materiellen Gesamtnutzen tendieren, der noch eine weitere wichtige Folge hätte. Da die Nutzenmaximierung absolut zentral wäre, würde die Gesellschaft ihre geistigen und materiellen Ressourcen so stark wie möglich auf die Erforschung materieller Mittel und Wege richten, wie man denn den Nutzen der Mehrzahl maximieren kann. Man würde wissen wollen, nach welchen Mechanismen die Gesellschaft funktioniert, und wie man sie durch politisches Handeln so modifizieren kann, dass sie dem gegebenen Ziel möglichst nahekommt. Mit anderen Worten: In einer solchen Gesellschaft gäbe es so etwas wie Sozialwissenschaft (im weitesten Sinn des Wortes, inklusive Ökonomie etc.), und ihre Vertreter hätten die Reputation, die Experten für die Planung der Gesellschaft zu sein. Ihre Aufgabe wäre, den Mechanismus der Gesellschaft zu erkennen, damit er zur Erreichung der politischen Ziele beliebig manipuliert werden könnte. Es wäre unausweichlich, dass es zur Bildung einer Elite käme, die sich aus diesen Experten – Soziologen, Ökonomen, Psychologen, Juristen etc. – rekrutierte. Diese Elite wäre einigermaßen homogen, insofern sie identische Interessen hinsichtlich der Manipulation der Gesellschaft durch staatliches und „zivilgesellschaftliches“ Handeln hätte. Es wäre natürlich, dass für diese Elite gewachsene Strukturen, die der wissenschaftlichen Nutzenmaximierung im Wege stünden, keinen Wert besäßen und insofern wäre diese Elite „fortschrittlich“. Allerdings wäre sie trotz ihrer relativ homogenen Interessenstruktur unausweichlich in dieselben zwei Lager gespalten, die auch die breitere Gesellschaft spalten würde. Auch hier würde die Frage aufbrechen, ob es im Konfliktfall um den Nutzen des Einzelnen gehen solle, oder ob dieser hinter dem Gesamtnutzen zurückstehen sollte.

Vom Martyrium und dem ersten Karfreitag

Matthew Archbold und sein Bruder Patrick entwickeln sich für mich immer mehr zu einer täglichen Pflichtlektüre, sowohl was ihren gemeinsamen Blog als auch ihre Kolumne im National Catholic Register betrifft. Aktuell befindet sich dort ein ernüchternder Artikel über die Aussichten katholischer Eltern und ihrer Kinder in der nahen Zukunft. Ein kurzer Auszug (es lohnt sich aber, den ganzen Artikel zu lesen):

I was looking at my children in Mass yesterday and a horrifying thought occurred to me. If I do my job well as a parent, my children may end up persecuted and/or in jail. That may be the best I can hope for at this point in 21st century America.

(…)

I’m not talking about troubled times ahead for my grandchildren’s children in some possible future. I’m talking about my kids. So revolutionary have been the recent changes in America that defending life, liberty, and the pursuit of holiness could very well lead to persecution in the very near future.

(Gestern schaute ich meine Kinder bei der Messe an und mir kam ein schrecklicher Gedanke. Wenn ich meine Aufgabe als Elternteil gut erfülle, könnten meine Kinder dereinst verfolgt werden oder im Gefängnis landen. Das könnte das beste sein, worauf ich im Amerika des 21. Jahrhunderts hoffen kann.

(…)

Ich spreche nicht über schwere Zeiten in irgendeiner möglichen Zukunft für die Kinder meiner Enkelkinder. Ich spreche über meine Kinder. So revolutionär waren die Veränderungen in letzter Zeit, so dass die Verteidigung des Lebens und der Freiheit und das Streben nach Heiligkeit sehr wohl in sehr naher Zukunft zur Verfolgung führen könnten.

Ernüchternd, aber wahr, nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa. Einige der Gründe, die für diese – manchen hysterisch-optimistischen Zeitgenossen allzu extrem erscheinende – These sprechen, zählt der Autor in seinem Artikel auf. Systematisch wird der Freiheit der Christen das Wasser abgegraben, auch wenn viele der unmittelbaren Handlungsträger der fraglichen Veränderungen dies nicht realisieren, und sicher aus guter Absicht handeln.

Es ist eine Tatsache, dass Kirche und Staat noch nie lange friedlich nebeneinander bestanden haben, ohne voneinander Notiz zu nehmen. Es gibt eben keine „staatliche Neutralität in Fragen der Religion“, es sei denn wir sprechen von einem völlig unrealistischen Nachtwächterstaat, der einige seiner eigentlich ihm zukommenden Aufgaben nicht mehr erfüllt. Wenn der Staat seine legitimen Aufgaben erfüllen will, dann muss er in Bereichen aktiv werden, in denen auch das ausgebildete christliche Gewissen bzw. die Kirche legitime Interessen haben.

Wenn sie dann nicht zusammenarbeiten, kommt es unweigerlich zum Machtkampf zwischen Staat und Kirche.

Die einzigen Alternativen lauten also Zusammenarbeit oder Machtkampf, und wie der Machtkampf in einer säkularisierten Gesellschaft ausgehen wird, steht außer jeder sinnvollen Diskussion. Vor allem, da die Kirche, angeführt von popularitätssüchtigen Hirten, denen es selten um Wahrheit, viel häufiger um Mehrheit zu tun ist, in diesen Machtkampf kaum einzutreten bereit ist. Aufgrund der Massendesertion der zur Verteidigung der Kirche, ihrer Freiheit und ihrer unverkürzten Lehre bestellten Hirten steht die Kirche wehrlos vor einem immer raumgreifenderen Staat, der kaum noch bereit ist, seinen traditionell katholischen Bürgern selbst liberal verstandene Freiheitsrechte einzuräumen, wenn sie nicht im Gegenzug weite Teile der antichristlichen Staatsideologie – wie das „Recht“ auf Verhütung, Homo-„Ehe“, Abtreibung, Scheidung, Gender Mainstreaming etc. – übernehmen.

Rational betrachtet gibt es nur drei Modelle für die Koexistenz von Kirche und Staat: Verfolgung, Zusammenarbeit oder ein System, das an die „Zweischwerterlehre“ erinnert, derzufolge der geistliche und der weltliche Arm letztlich nur zwei verschiedene Schwerter in der Hand der Kirche seien. Letztere ist nur in einer zutiefst christlichen Gesellschaft über längere Zeit umzusetzen, und zwar selbst in nichtdemokratischen Systemen, weil keine Staatsform dauerhaft gegen den Willen der überwältigenden Volksmasse regieren kann. Außerdem ist ihre (moralische) Zulässigkeit selbst in einer solchen Gesellschaft zweifelhaft, da eine genuine staatliche Autonomie in rein weltlichen Fragen bestehen bleiben sollte.

Sehen wir also von der unrealistischen und zweifelhaften Zweischwerterlehre ab, so bleibt nur die Alternative „Kooperation oder Verfolgung“. Doch wenn der Staat von der Kirche oder ihren Gläubigen gesetzlich den Bruch ihres Gewissens bzw. der Lehre der Kirche zu Fragen des Glaubens oder der Sittenlehre verlangt, wird die Kooperation unmöglich und der Staat verliert objektiv seine Legitimität.

Er wird in der Regel weiterhin faktisch hingenommen werden müssen – Revolutionen scheitern meistens, und selbst wenn sie erfolgreich sind, verkehren sie sich fast immer in ihr Gegenteil. Es ist daher sinnlos und in der Regel verwerflich, sich an ihnen zu beteiligen.

Verlangt der Staat solches von den Christen, so müssen sie dem imperialen Willen trotzen. Caesar bekommt, was ihm zusteht, aber es steht ihm nicht zu, auf dem Gewissen der Christen herumzutrampeln, indem er von den Christen verlangt, gegen die Sittenlehre oder den Glauben zu handeln.

Genau dies sind die westlichen, ehemals christlichen Staaten aber flächendeckend im Begriff zu verlangen. Und so mag es sein, dass, nach den Worten von Kardinal George, sein Nachfolger im Gefängnis und dessen Nachfolger als Martyrer sterben werde.

Dass Christen darauf in der Nachfolge des Herrn gefasst sein müssen, steht unbezweifelbar fest, seit dem ersten Karfreitag der Menschheitsgeschichte, als die Sklaven der Welt und ihres Fürsten ihren Schöpfer dahingeschlachtet haben.

Seit einem halben Jahrhundert verschließt die Kirche davor ihre Augen, um sich der Welt und ihrem Fürsten anzupassen. Die Quittung bekommen wir bald.

Rassismus im Sommerloch

Ich, Catocon, war persönlich nie ein besonders glühender Patriot geschweige denn Nationalist. Als die deutsche Nationalmannschaft noch schlechten, unansehnlichen Fußball gespielt hat, war ich öfters sogar für ihre Gegner, einfach um spannende, schöne Fußballspiele sehen zu können. (Auch heute reicht das Gesicht von Frau Merkel nach einem Sieg um mich ins Zweifeln zu bringen…) Die leidigen Fragen der Einwanderungspolitik waren nie mein Thema. Mich hat immer mehr interessiert, was ein Mensch denkt, als wie er aussieht, oder aus welchem Land er kommt. Spannend finde ich verschiedene Kulturen – ob diese Kulturen von Menschen mit bestimmten physiologischen Gemeinsamkeiten, sprich Rassen, gelebt werden, könnte mich nicht mehr langweilen. Ich stehe dem Christen aus Ouagadougou näher als dem Atheisten aus Kassel.

Ich könnte diese Liste beliebig fortsetzen. Doch wenn ich die Scheindebatten lese, die im Moment mal wieder Hochkonjunktur haben, dann offenbart sich mir eine beamtenhafte Lächerlichkeit, die nur noch von ihrer Unsinnigkeit übertroffen wird. Drei Beispiele:

„Rassismus“ gegen Özil

Innenminister schämt sich für deutsche Fans

SPD will Rassebegriff aus Gesetzen streichen

Ich bitte die Leser, diese drei Artikel selbst zu lesen und sich eine eigene Meinung zu den Vorfällen zu bilden.

Ich hätte da nur einige Fragen, deren Antworten nicht so richtig in meinen Kopf wollen:

1. Özil ist, da bin ich sicher, deutscher Staatsbürger. Aber es gibt doch auch so etwas wie eine deutsche Kulturnation und eine deutsche Herkunft, oder nicht? Ist es rassistisch, wenn man davon überzeugt ist, dass Nationalität mehr ist als nur ein Eintrag im Personalausweis?

2. Ist es verwunderlich, dass Fans, die von den sehr schwachen Leistungen Özils enttäuscht sind, und sich fragen, warum er die Nationalhymne nicht mitsingt, in unfreundlicher Weise reagieren? Muss man daraus, selbst wenn man das für falsch hält, gleich Rassismus und implizit Nazitum machen?

3. Wenn Innenminister Friedrich (KPCSU) sich für die deutschen Fans schämt, weil sie „Sieg, Sieg!“ rufen – ist es dann rassistisch, wenn katholische Theologen vom „Heil“ sprechen? Oder vom „Reich Gottes“?

4. Was sollen die deutschen Fans denn rufen? „Niederlage, Niederlage!“ oder „Unentschieden, Unentschieden“?

5. Was unterscheidet Deutschland von einer ideologischen Gesinnungsdiktatur, wenn der Inneminister solche Töne von sich gibt:  „Über den Kurznachrichtendienst Twitter war unter anderem geschrieben worden, der Sohn zweier türkischer Eltern sei kein Deutscher. Dies sei nur die „Spitze des Eisberges“, unterstrich der Innenminister. Derzeit könnten die Täter jedoch wegen der fehlenden Vorratsdatenspeicherung nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Es soll also strafbar sein, wenn man so etwas sagt? Was kommt als nächstes? Wird man verhaftet, wenn man sagt, Mesut Özil sei Schwede?

6. Was ist „indirekte rassistische Diskriminierung“, die die SPD in allen Bevölkerungsschichten in üblicher linkssozialistischer Stasi-Manier überwacht haben möchte? Wenn jemand sagt, Franz Beckenbauer sei kein Deutscher, sondern Bayer? Wenn jemand „Danzig“ statt „Gdansk“ sagt? Wenn eine schwangere Frau die Straßenseite wechselt, wenn ihr nachts fünf türkische Jugendliche mit Bierflaschen in der Hand entgegen kommen?

7. Was ist die „antirassistische Zivilgesellschaft“ wenn nicht ein anderes Wort für die politisch korrekte Gesinnungsdiktatur, die anstelle der Alleinherrschaft der Partei von linker Seite eingeführt werden soll?

8. Wenn alle möglichen ganz harmlosen Äußerungen „rassistisch“ sein sollen – wer bestimmt dann, wessen „Rassismus“ verfolgt wird? Natürlich am Ende die Mächtigen. Ist das die Absicht der Mächtigen? Oder wissen sie nicht, dass diese Inflation von Rassismusvorwürfen den wahren Rassisten genau die Tarnung gibt, die sie brauchen? Wissen sie nicht, dass sie durch ihren hyperventilierenden Antirassismus genau den Rassismus normalisieren, den sie zu bekämpfen vorgeben? Dass die Menschen nach dem 1000. Rassismusvorwurf gegen ganz harmlose Aussagen irgendwann gar nicht mehr zuhören, wenn man mal wirklich jemandem Rassismus vorwerfen müsste?

9. Wenn man den Rassebegriff aus den Gesetzen streichen will, sollte man dann nicht auch den Rassismusbegriff aus der Alltagssprache streichen? Oder dürfen wir dann nicht mehr „Schwarzes Loch“ sagen, weil es einer Beleidung „dunkelhäutiger MitbürgerInnen“ zu nahe käme?

10. Ist umgekehrter Rassismus besser als die gewöhnliche Art? Wäre es nicht schön, wenn wir einfach akzeptieren könnten, dass manche Menschen eben anders aussehen als wir, und dass sie in vielerlei Hinsicht anders sind als die meisten Menschen deutscher Herkunft, und diese Differenzen, diese Unterschiede, ebenso schön und gut finden, wie andere Arten von Unterschieden? Und dann gegen die (wenigen) Rassenhasser sachlich argumentieren, die andere Menschen wegen ihrer biologischen Abkunft verurteilen?

11. Wer hat dieses Land eigentlich so vor die Hunde gehen lassen?

12. Haben wir sonst nichts zu tun?

P.S. Von dem gesamten Text des Liedes, aus dem die heutige deutsche Nationalhymne stammt, fand ich die erste Strophe immer übertrieben pathetisch und die dritte etwas flach und uninteressant. In der zweiten Strophe kommt, so glaube ich, der ursprüngliche Charakter dieses schönen Liedes als Trinklied der nationalbewussten Liberalen in der Mitte des 19. Jahrhunderts zum Ausdruck. Ich schließe also:

Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang
Sollen in der Welt behalten
Ihren alten schönen Klang,
Uns zu edler Tat begeistern
Unser ganzes Leben lang –
Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang!

Und, mit der in Hoffmann von Fallerslebens handschriftlichen Notizen vorgesehenen alternativen dritten Strophe:

Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
Brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
Sind des Glückes Unterpfand –
Stoßet an und ruft einstimmig:
Hoch das deutsche Vaterland!

Und damit Prost und viel Spaß beim Spiel gegen die Griechen!

Lichtschlag: Weniger Politik – mehr „monarchischer Geist“

Der Herausgeber von „eigentümlich frei“, einer im klassischen, besten Sinn des Wortes liberalen, also wirklich an Freiheit interessierten Monatszeitschrift, André Lichtschlag, hat einige sehr interessante und sehr treffende Worte in einem Interview mit Misesinfo.org zu verschiedenen wichtigen Themen gefunden. Ich empfehle die Lektüre des ganzen Interviews. Einige Auszüge mit rotem Kommentar von Catocon folgen.

Unter Politikern dürften Sie [Herr Lichtschlag] nicht allzu viele Abonnenten haben. Im einem der letzten Hefte findet sich eine Aussage Ihres Autors Edgar L. Gärtner „Früher wurde gelogen um des Überlebens willen. Heute lügen Politiker, um den Selbstmord Europas zu vertuschen“. Steht es so schlimm um uns?

Auch der selige Papst Johannes Paul II. sprach von der herrschenden „Kultur des Todes“. [Eigentümlich frei, ef, ist eine der wenigen nichtkatholischen Medien, in denen von solchen Begriffen überhaupt im positiven Sinne die Rede ist.] Kein Wunder, wir leben im schleichenden Sozialismus. Und am Ende ist Sozialismus immer gleichbedeutend mit Tod. [Es ist kein Zufall, dass der polnische Papst, dem zuweilen eine wichtige Rolle beim Zusammenbruch des Ostblocks zugeschrieben wird, auch das Wort von der „Kultur des Todes“ prägte. Der Zusammenhang zwischen Tod und Sozialismus ist frappierend.] Der russische Mathematiker und Philosoph Igor Schafarewitsch hat das wie kein anderer tiefgreifend analysiert in seinem Buch „Der Todestrieb in der Geschichte – Erscheinungsformen des Sozialismus“. Ein Beispiel: Paragraph 4 Absatz 4 der Tierschutz-Hundeverordnung besagt: „Ein Welpe darf erst im Alter von über acht Wochen vom Muttertier getrennt werden.“ Warum? Weil das Welpen ansonsten schwere Verhaltensstörungen – der langsame Tod – entwickelt. [Selbst im Tierreich tritt diese Mutter-Kind-Bindung sehr häufig auf. Wie viel mehr benötigt dann erst der Mensch eine solche Bindung, ist er doch in viel höherem Maße auch nachgeburtlich noch über viele Jahre abhängig von der Zuneigung, Zuwendung und Versorgung der Mutter!] Oder die Nahrungsaufnahme vollständig verweigert und stirbt – der schnelle Tod. Acht Wochen im Leben eines Hundes entsprechen nach gängiger Faustformel einem guten Menschenjahr. Und dies ist die Minimalforderung im Tierschutzgesetz. Nach dem Willen unserer Politiker dürfte Mutter dann schon wieder arbeiten und das Kind in der Verwahranstalt Krippe abliefern.[Klare Worte. Wenn die Liberalen in Deutschland alle so wären, könnte man glatt FDP wählen.] Und das ist nur ein Beispiel für den Tod als Weg der sozialistischen Gleichheit [Im Tod sind alle Menschen gleich, zumindest dem Körper nach. Und der Sozialist glaubt nicht ans ewige Leben. Gleichheit bedeutet den Tod, sofern sie nicht im christlichen Sinn als Gleichheit der Würde bzw. Gottesebenbildlichkeit verstanden wird. Leben ist ja gerade ein Spannungsverhältnis, ein geordnetes Gegeneinander von Differenzen. Wie öde und fade die weltumspannende Ursuppe, in der alle individuellen Vielfältigkeiten aufgehen müssen, damit keine „Ungleichheiten“ und „Diskriminierungen“ mehr bestehen! Jeder Schöpfungsakt in Genesis ist ein Akt der Unterscheidung, also Diskriminierung. Licht von Finsternis, Wasser oberhalb des Gewölbes vom Wasser unterhalb des Gewölbes, usw, bis schließlich auch Mann und Frau getrennt erschaffen werden – als Verschiedene, doch geeint durch ihre Gottesebenbildlichkeit. Gleichheit im sozialistischen Sinn ist Ent-Schöpfung.] , wie er sich unter anderem auch in der nordkoreanischen Grassuppe zur Volksbeköstigung präsentiert. Oder in mehr als 100 Millionen Ermordeten als Opfer der rotsozialistischen Experimente. [Die entprechende Rechnung für den hässlichen Zwilling, den nationalen Sozialismus, beginnen wir hier gar nicht. Sie ist auch so schon bekannt genug.] Oder in der Nach-uns-die-Sintflut-Einstellung des Lebens und Verzehrens im Jetzt auf Kosten von Zukunft und Vergangenheit, was Keynes bekanntlich mit dem sozialdemokratisch-programmatischen Satz umschrieb: „Auf lange Sicht sind wir alle tot.“ (Könnte man eine größere Antithese zur christlichen Hoffnung auf das ewige Leben denken?)

(…)

Kürzlich haben Sie in „eigentümlich frei“ einen Auszug aus dem Buch „Beyond democracy“ von Frank Karsten und Karl Beckmann abgedruckt.

Das im August auf Deutsch erscheinen wird, woran ich nicht ganz unschuldig bin.

Die beiden Autoren behaupten, „Demokratie“ bedeute nicht Freiheit und lasse die Tür offen für immer weiter zunehmende Staatseingriffe. So wie die Mehrheit der Menschen „Demokratie“ interpretieren dürfte, ein Widerspruch, oder? [Eine sehr interessante Frage. Wie ist nun das Verhältnis von Demokratie und Freiheit?]

Die meisten Menschen verwechseln Demokratie mit Freiheit. Sie halten sie für Synonyme. Dabei sind es eigentlich Gegensätze. Demokratie bedeutet, dass der Nachbar über die Höhe meines Gehalts abstimmt. [So kann man das sehen…] Es bedeutet Mitbestimmung von Fremden über meine persönlichen Belange. [Kollektivismus. Und solange der Mythos der Volkssouveränität geglaubt wird, kann die regierende Elite – und schon C.S. Lewis wusste, dass jede Regierung eine Oligarchie ist – sich immer mehr in private Angelegenheiten einmischen, weil das Volk ja glaubt, die Elite sei ihm verantwortlich. Die Elite wird das sehr amüsant finden…] Freiheit bedeutet Selbsteigentum und Selbstbestimmung in eigenen Belangen. [Dieses Freiheitsverständnis zeigt, dass Lichtschlag bei aller Sympathie doch kein traditioneller Katholik ist. Freiheit bedeutet nämlich etwas mehr als dies. Die erste Freiheit ist die Freiheit von der Sünde. Doch diese Einsicht steht einem Liberalen natürlich nicht zur Verfügung. Man sollte sie von Lichtschlag daher auch nicht erwarten.] Es ist kein Zufall, dass die Sozialisten ihr Diebstahlprogramm gerne mit der Forderung nach der „Demokratisierung aller Lebensbereiche“ – oder wie Willy Brandt es sagte: „Mehr Demokratie wagen!“ – schmücken. Demokratie weckt niederste Instinkte, vor allem den Neid. Demokratie ist eine Form des Kollektivismus.Und ein Mittel des schleichenden Sozialismus.Die großen alten griechischen Philosophen und die amerikanischen Gründerväter verachteten die Demokratie.[Als die Philosophen noch die Weisheit liebten, nicht bloß die Sophisterei…] Klingt verrückt? Weil die Huldigung der Demokratie in unseren Tagen zur Ersatzreligion wurde, zum Gott, der aber keiner ist, wie der Ökonom Hans-Hermann Hoppe so schön titelte.

Wenn es die Demokratie ist, die diese Fehlentwicklungen hervorbringt, was ist dann die Alternative? Wie sehen Sie die Privatrechtsgesellschaft, die Professor Hoppe u.a. in seinem neuen Buch “Wettbewerb der Gauner” beschreibt?

Hoppe entlarvt wie kaum ein anderer die Fehler und Probleme der Demokratie. Und er stellt heraus, warum im Zweifel eine traditionelle Erbmonarchie weniger schädlich ist. [!!] Hoppe steht in der Tradition der Österreichischen Schule der Nationalökonomie und erkennt mit deren Methoden, warum ein Staat immer die Tendenz hat, seine Kompetenzen Schritt für Schritt auf Kosten der Freiheit auszuweiten, auch und gerade in einer Demokratie. Insofern zeigt er, warum der Glaube an einen liberalen Minimal- oder Nachtwächterstaat naiv sein muss. [In der Tat. Denn aus einem solchen Staat ist etwa in den angelsächsischen Ländern seit dem 19. Jahrhundert der heutige Maximalstaat geworden, der sich in jede Ritze des privaten Lebens schiebt, um seine ideologischen Verirrungen über den Bürger zu stülpen.] Denn auch dieser wird sich ausweiten. Andererseits erscheint mir bei allem Erkenntnisgewinn auch die Hoffnung auf eine natürliche, staatsfreie Ordnung in gewisser Weise naiv zu sein. [Das ist generell das Problem mit radikalliberalen Staatsdenkern. Sie fordern eine anarchische Selbstorganisation, doch „Anarchie“ ist nur ein anderes Wort für „zukünftige Herrschaft des Stärksten!] Denn jedes Kind in einer Spielgruppe weiß, dass dort, wo ein Machtvakuum entsteht, es sich unweigerlich wieder füllt. Es liegt wohl in der Natur des Menschen, dass einige nach Macht und Gewalt streben, sobald sich die Möglichkeit ergibt. Und andere, noch mehr an der Zahl, wollen beherrscht werden und fürchten Eigenverantwortung. [Und jetzt kommen die hervorragenden Schlussfolgerungen, die meiner Ansicht nach die einzige prakikable Möglichkeit des Umgangs mit der pluralistischen, modernen Gesellschaft darstellt] Wenn das alles eine menschliche Konstante ist, wovon ich ausgehe, dann sollten wir in Demut nach den kleinen Lösungen suchen. Eine Rückkehr zum Monarchen von Gottes Gnaden – immerhin eine Ordnung, die über die Jahrtausende funktionierte [!!]– wird es nach 1789 und den vielschichtigen Folgen so ohne weiteres auch nicht geben. [„In Demut“ nach kleinen, lokalen Lösungen suchen, durch die Menschen mit ähnlichen Weltanschauungen, die ähnliche Ziele und Vorstellungen haben, zusammenfinden, und ihr jeweiliges Lebensmodell unbehelligt ausleben können. Das hieße radikale Dezentralisierung, Abbau internationaler Verpflichtungen, Rückkehr zum Regionalismus oder Lokalismus, Ende aller Weltregierungs- und Weltverbesserungsideologien usw. Natürlich ist das auch nicht umsetzbar. Doch eine andere Lösung gibt es nicht, sofern wir einigermaßen friedlich beisammen leben wollen. Der Multikulturalismus bzw. Pluralismus, wie er heute geradezu fanatisch gefordert wird, ist jedenfalls eine Illusion, weil er alle beteiligten Kulturen verstümmelt bzw. zu bloßen künstlichen Karikaturen herabwürdigt, in denen kein Volk mehr leben kann.] Insofern ist vielleicht am Ende die Demokratie dann doch wieder – wie Churchill einwarf – „die schlechteste aller Regierungsformen, ausgenommen alle anderen“. Und in ihrem Rahmen sollten wir so gut es geht nach kleineren, überschaubaren politischen und wirtschaftlichen Einheiten streben und „weniger Politik wagen“. [Das ist überhaupt die wichtigste Einsicht Lichtschlags. Viel zu viel ist „politisch“. Manche sagen gar, „alles ist politisch“. Doch Politik ist Kunst der Leitung der Polis, der Stadt, und sollte soweit wie möglich auf dieser kleinen Ebene bleiben.] Das fängt bei uns selbst, beim Einzelnen an. Ein wenig anarchische Ideen, republikanische Praxis und monarchischer Geist könnten dabei helfen. [Ein ganz schmackhaftes Gemisch, wie ich finde. Ich würde noch einen ganz kräftigen Schuss traditionellen Katholizismus dazutun, doch das kann Herr Lichtschlag in seinem kleinen lokalen Staatsgebilde auch anders halten, wenn er möchte. So sähe echte religiöse Toleranz aus – statt Indifferentismus.]

(…)

Zum Sozialismus empfehle ich Divini Redemptoris von Pius XI.

Dávila über Demokratie, Individualismus und Moderne

Zu den Werten und Folgen von Demokratie und Revolution:

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Das demokratische Programm wird in drei Etappen eingelöst: die liberale Etappe, welche die bürgerliche Gesellschaft begründet, deren Wesen uns die Sozialisten vermitteln; die egalitäre Etappe, die die sowjetische Gesellschaft begründet und über deren Wesen wir von der Neuen Linken erfahren; die brüderliche Etappe, deren Vorspiel die Drogensüchtigen liefern, die in kollektiven Haufen kopulieren.

Zum Verhältnis des modernen Menschen zur Freiheit:

Dem modernen Menschen ist es gleichgültig, in seinem Leben keine Freiheit zu finden, wenn er sie in den Reden jener verherrlicht findet, die ihn unterdrücken.

Zum modernen Individualismus:

Der doktrinäre Individualismus stellt keine Gefahr dar, weil er Individuen schafft, sondern weil er sie abschafft.

Das Produkt des doktrinären Individualismus des 19. Jahrhunderts ist der Massen-Mensch des 20.

Wider das moderne Spießertum!

Wir leben nicht in einer Zeit des moralischen Fortschritts, sondern des moralischen Vergessens. Im letzten halben Jahrhundert hat die ehemals christliche Kultur eine grundsätzliche Abwendung von traditioneller Sittlichkeit vollzogen – nur der moralische Zeigefinger des bürgerlichen Spießers ist geblieben. Einzig, er ist jetzt hohl, wo er früher zumindest teilweise auf sachliche Argumente zur Rechtfertigung seines puritanischen Moralismus hätte zurückgreifen können. Es ist dies das moderne Spießertum, demzufolge nicht mehr diskriminiert werden darf, weil es keine Gerechtigkeit mehr geben darf. Gerechtigkeit bedeutet „Jedem das Seine“. Und da die Menschen verschieden sind, bekommen nicht alle das Gleiche, selbst wenn jeder das Seine erhält. Wo Menschen verschieden sind, da sind Ergebnisse, Chancen, Ausgangspositionen eben ungleich, und diese Ungleichheit ist gerecht. Gerechtigkeit ist „Jedem das Seine“. „Jedem das Gleiche“ ist Totalitarismus.

Männer sind keine Frauen; Priester sind keine Laien; Akademiker sind keine Arbeiter; Dumme und Intelligente, Dicke und Dünne, Große und Kleine sind alle verschieden. Und in einer gerechten Gesellschaft bleiben sie auch verschieden.

Nur der Totalitarist will den Großen enthaupten, um ihn dem Kleinen ähnlicher zu machen. Dadurch wird er zum Henker.

Und nur der Neid bringt den Kleinen dazu, dies „im Namen der Gerechtigkeit“ zu fordern. Dadurch wird er zum Mitläufer.

Wenn Gerechtigkeit „Jedem das Seine“ bedeutet, und die Gesetze gerecht sein sollen, dann muss auch das Recht Ungleiches ungleich behandeln, so wie es Gleiches gleich behandelt. Dasselbe gilt in der Privatwirtschaft und im täglichen gesellschaftlichen Zusammenleben. „Diskriminierung“, also Unterscheidung (lat. discriminare), ist eine notwendige Voraussetzung der Gerechtigkeit, solange es um real existierende Unterschiede geht. „Diskriminierung“ ist nur dann negativ, wenn sie ungerecht ist, wenn also durch sie nicht mehr „Jeder das Seine“ erhält.

Generell gegen „Diskriminierung“ kämpfen zu wollen, ist daher unvereinbar mit dem Gedanken der Gerechtigkeit. Um dies in aller Deutlichkeit zu sagen: Es gibt gerechte Diskriminierung, genauso wie es ungerechte Diskriminierung gibt. Gerechte Diskriminierung hat einen guten Sachgrund; ungerechte Diskriminierung ist Terror und Schikane. Die Streiter gegen „Diskriminierung“ als Solche haben den Boden der Gerechtigkeit verlassen, weil sie real existierende Unterschiede zwischen Männern und Frauen, normaler und fehlgeordneter Sexualität, Ehepartnern und Konkubinen, Leistungsträgern und Leistungsnehmern (und dergleichen mehr) nicht mehr anerkennen wollen.

Doch die modernen Spießer zeigen auf jeden Zweifler am Dogma des Egalitarismus mit ihren beiden ausgestreckten Zeigefingern, wie die verknöcherten Omas, gegen die sie einst randalierend zu Felde gezogen waren. Nur hätten die Omas ihre Moralpredigten (zumindest theoretisch) mit Argumenten untermauern können, während dem modernen Spießer nur der Rückgriff auf die Keule der Politischen Korrektheit und notfalls der direkten Staatsgewalt bleibt. Der moderne Spießer diskriminiert im Namen der Antidiskriminierung, unterdrückt im Namen der Befreiung und lügt für die Wahrheit.

Der moderne Spießer hat den Tugendterror perfektioniert und dann die Tugend gestrichen. Das Resultat ist sprachlich wie praktisch vorhersehbar.

Der moderne Spießer zeigt mit seinem überlangen Zeigefinger auf die verschmähten Minderheiten, die er abwechselnd als „konservativ“, „rechts“, „extremistisch“, „reaktionär“, „fundamentalistisch“ oder gleich „Nazi“ brandmarkt, und nennt dies Minderheitenschutz. Doch solange sein Zeigefinger auf die bösen Hinterwäldler zeigt, weisen vier Finger auf ihn zurück.

Die Feinde der Gerechtigkeit sind daher nicht die selten gewordenen Verteidiger traditioneller Sittlichkeit und traditioneller Unterschiede, sondern die modernen Spießer selbst.

Mann und Frau sind in Wahrheit verschieden, und diese Verschiedenheit ist etwas Gutes. Sie muss anerkannt werden, anstatt sie als böse „Diskriminierung“ zu bekämpfen, oder gar durch „Antidiskriminierung“ unter Strafe zu stellen. Eine gerechte Erwerbsgesellschaft würde die Beschäftigung von Familienvätern zu einem „Familienlohn“ fördern, damit die Mutter für die gemeinsamen Kinder da sein kann. Das ist keine Diskriminierung, sondern Gerechtigkeit.

In Wahrheit ist die Ehe auf die Fortpflanzung hingeordnet. Homosexuelle Akte sind ihrem Wesen nach steril. Kein Staat kann eine Ehe zwischen Homosexuellen erfinden. Wenn der Staat der Wahrheit trotzen will, kann er eine Institution einführen, die sich fälschlich mit dem Namen „Ehe“ schmückt. Doch diese Lüge ist keine Gerechtigkeit. Und die Wahrheit ist keine (ungerechte) Diskriminierung.

Nicht alle Menschen sind gleich intelligent. Daher ist es unsinnig, sie alle auf die gleiche Schule zu schicken. Verschiedene Menschen haben verschiedene Talente, die eine gerechte Gesellschaft anerkennen muss. Nicht jeder kann Abitur machen, außer man macht aus dem Abitur einen Hauptschulabschluss unter anderem Namen. Dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn das geistige Niveau unter den lokalen Sandkasten sinkt, wie dies weithin der Fall ist. Alle Menschen gleich dumm zu machen ist keine Gerechtigkeit, sondern Unterdrückung der Intelligenten.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Der Satz von der Gleichheit aller Menschen ist die offensichtlichste Lüge, die jemals aus einem Menschenmund geflossen ist. Im Gegenteil: Alle Menschen sind verschieden, und zwar sehr verschieden. Und das ist auch gut so.

Gleich sind alle Menschen nur in der Hinsicht, dass sie alle Abbilder des einen Gottes sind; in jeder anderen Hinsicht sind sie ungleich. Wer einem Menschen etwas tut, der tut es in einem gewissen Sinne auch Gott. Was man dem Geringsten tut, das hat man Gott getan. Auch den Geringsten, gerade den Geringsten, sollen wir lieben, und die Letzten werden ohnehin die Ersten sein. Doch wenn es keine Geringsten, Letzten und Ersten mehr geben darf, dann sind Gerechtigkeit und Wahrheit verloren. Dann ist Krieg Frieden, Wahrheit Lüge und Freiheit Sklaverei.

Wenn die modernen Spießer erfolgreich sind, wird selbst Nächstenliebe zu einer Unterart der Selbstliebe, weil der Nächste ja auch nicht anders sein darf als ich.

Und eine Kultur des Egalitarismus wird niemals einen Gott über sich dulden können.

Wir sollten also die Unterschiede feiern, die es – Gott sei Dank! – zwischen den Menschen immer noch gibt, wir sollten sie kultivieren, wo immer wir können. Egal, was die modernen Spießer mit ihren verrunzelten, zittrigen, verknöcherten Moralzeigefingern dazu sagen; egal, ob sie uns der „Diskriminierung“ beschuldigen, oder behaupten, wir wären der Inbegriff des Bösen, wenn wir Frauen Frauen und Männer Männer sein lassen, wenn wir die Realität klar benennen, wo dem Vater der Lüge der Nebelwerfer lieber wäre, und wenn wir den Wahren Glauben bekennen, wo Gleichgültigkeit und Indifferentismus Staatsraison sind.

Es lebe die Wahrheit! Es lebe der Unterschied!

Freiheit oder Sozialismus?

Die Ausspruch der Grünenpolitikerin Claudia Roth, zu dem ich hier bereits geschrieben habe, hat auch auf anderen Blogs Resonanz und Diskussion gefunden. In einer dieser Diskussionen wurde die recht grundsätzliche Frage aufgeworfen, ob und inwiefern Demokratie überhaupt etwas Gutes sei, oder ob ihre Auswirkungen nicht auch sehr negativ interpretiert werden könnten.

Es ist wichtig, hierbei einige Unterscheidungen zu treffen, die bei einer flüchtigen Debatte nur allzu gern unberücksichtigt bleiben, um die Teilnehmer wechselnd als „Faschisten“, „Totalitaristen“, „Reaktionäre“, „Monarchisten“, „Demokratisten“ usw. zu bezeichnen, oder eigentlich eher zu beschimpfen. Wir müssen erst einmal klären, was wir mit dem Wort „Demokratie“ überhaupt meinen. Grob gesagt lassen sich mindestens drei verschiedene Bedeutungen unterscheiden.

1. Demokratie bedeutet Herrschaft des Volkes und besteht darin, dass das Volk entweder direkt oder durch seine gewählten Vertreter die der politischen Sphäre zugehörigen Entscheidungen trifft. In diesem Sinn ist Demokratie einfach eine von vielen Möglichkeiten, zu solchen politischen Entscheidungen zu kommen, und ebenso legitim wie andere Formen der Entscheidungsfindung, etwa durch einen König, oder eine ungewählte Ratsversammlung. Schon Aristoteles und Platon wussten aber, dass eine so verstandene Demokratie dazu tendiert, unweise, von der Leidenschaft der Massen beeinflusste Entscheidungen zu treffen, die nur selten mit dem tatsächlichen Gemeinwohl übereinstimmen. Direkte Demokratien tendieren zusätzlich noch zur Instabilität, repräsentative Demokratien sind generell etwas stabiler, und haben durch die Wahl von Repräsentanten auch eine weitere Sicherung gegen die Ochlokratie. Demokratien dieser Art möchte ich Demokratien im eigentlichen Sinne oder einfach nur Demokratien nennen.

2. Demokratie bedeutet eine Herrschaft des Volkes im obigen Sinne, bei der das Volk jedoch durch eine sorgfältig formulierte (und selbst nicht wieder vom Volk veränderbare) Verfassung in der Ausübung seiner Macht begrenzt ist, indem legislative, exekutive und judikative Gewalt getrennt und auf unterschiedlichen Wegen legitimiert werden, um die vorhandene Macht auf möglichst viele Teilnehmer zu verteilen, und dadurch die Gefahr der Regierung durch Leidenschaften zu vermeiden. Zudem stellt eine so verstandene Demokratie durch die Verfassung bestimmte Grundrechte für ihre Bürger fest, durch die der Bürger vor dem Zugriff durch das Kollektiv / den Staat geschützt werden soll. Und schließlich wird die Machtbefugnis des so begründeten demokratischen Staates auf eine streng begrenzte Kompetenzsphäre beschränkt, so dass totalitäre Gesamtzugriffe auf das Volk, auf Minderheiten usw. nicht möglich sind. Eine Demokratie in diesem Sinne nenne ich in Anlehnung an die amerikanischen Gründerväter eine „Republik“.

3. Demokratie kann aber auch noch in einem dritten Sinn verstanden werden, nämlich dass das Volk als Ganzes, als Kollektiv, alle Entscheidungen selbst trifft. Dann stünde Demokratie nicht mehr im Gegensatz zur Monarchie, sondern im Gegensatz zur individuellen Freiheit – Herrschaft des Volkes, soweit es als Kollektiv Volk ist, gegen Herrschaft des Einzelnen. Die eigentliche Macht liegt beim Kollektiv, nicht beim Individuum oder irgendeiner kleineren Gruppe innerhalb des Volkes (wie Familie, Kirche, Unternehmen…) Diese Form der Demokratie ist generell unverträglich mit Beschränkungen der Macht des Kollektivs, weil das Kollektiv diese jederzeit zurücknehmen würde. Es handelt sich um die „totale Demokratie“, um eine radikale, ideologische Übersteigerung der Demokratie im eigentlichen Sinne. Eine solche Demokratie könnte man treffend Kollektivismus nennen, entspricht aber auch dem Demokratieverständnis der Sozialisten und Kommunisten.

Die Demokratie im eigentlichen Sinn ist moralisch neutral – ihre Bewertung hängt von den Ergebnissen, den Resultaten ab. Macht eine solche Demokratie gute Politik, ist sie gut, macht sie schlechte Politik, ist sie schlecht. Meist machen Demokratien dieses Typs aufgrund der erwähnten Probleme jedoch schlechte Politik, bringen Instabilität, Chaos und Korruption hervor, und führen entweder zum Sturz der Demokratie, oder zu ihrer faktischem Umwandlung zur Ochlokratie.

Die Republik vermeidet die Schwierigkeiten der Demokratie und ist generell sehr stabil. Machtwechsel finden durch Wahlen statt, aber es gibt auch nicht aus dem Volk stammende Legitimationen, wie etwa die Verfassung, die generell sogar über dem Willen des Volkes steht. Das Volk wird an einer totalen Herrschaft gehindert. Das beste Beispiel für eine Republik waren die frühen USA, jedoch zeigt die Geschichte auch hier, dass die Republik auf lange Sicht zu einer Demokratie im eigentlichen Sinn wird, weil Verfassungen letztlich nur Worte auf Papier sind, und Papier geduldig ist. Der Damm gegen die ochlokratischen Leidenschaften kann nicht dauerhaft halten. Somit ist die Republik, so positiv sie auch sonst zu bewerten ist, nicht ohne Schwierigkeiten und auch keine endgültige Staatsform für die Ewigkeit, wie manche zu glauben scheinen.

Der Kollektivismus oder Sozialismus ist als Staatsform vollkommen ungeeignet, weil er unfähig ist, individuelle Freiheiten und die Rechte gewachsener vermittelnder Körperschaften wie Familie, Privatunternehmen und alle anderen freiwilligen Zusammenschlüsse und ganz besonders der Kirche zu respektieren. Alle Macht geht vom Volke aus. Und zwar vom Volk als Volk, als Kollektiv. Dies ist das Demokratieverständnis einer Person, die sich zu der Aussage versteigt, es dürfe keine demokratiefreien Räume geben, wie Frau Roth dies gegenüber Bischof Zdarsa im speziellen und gegen die Kirche im allgemeinen getan hat. Wo immer noch etwas ist, das nicht nach dem Willen des Kollektivs, vertreten durch seine intellektuelle Avantgarde, geregelt und geordnet ist, kann der Kollektivist nicht ruhen, er muss kämpfen, unterwandern, zerstören, bis alles eine Wüste gleich großer, staatlich zertifizierter Käfige für alle ist.

In diesem kollektivistischen Sinn ist die Demokratie sogar der Inbegriff des Totalitarismus. Totalitarismus bedeutet totale Staatsherrschaft und ist daher durchaus kein Sondermerkmal der „rechten“ Nationalsozialisten. Das Wörtchen „Sozialisten“ ist übrigens auch hier verräterisch, denn es sagt aus, wofür diese Bewegung hinsichtlich der Demokratie stand. Für ein kollektivistisches System, in dem das Volk, vertreten durch seinen per Akklamation bestätigten Führer, alles regulierte und alles gleichschaltete. Dass ein solches System meist zu schrecklichen Verbrechen wie dem Holocaust, oder auf der anderen Seite des politischen Spektrums zu den Massenmorden Stalins und Maos führt, ist bekannt. Doch selbst wenn solche Mordtaten in dem einen oder anderen totalitaristischen System ausbleiben, ändert dies nichts an der fundamentalen Verwerflichkeit dieses Systems.

Die Soziallehre der Kirche hat immer daran festgehalten, dass die Freiheit der vermittelnden Gemeinschaften, besonders der Kirche, und direkt danach der Familie, aber auch die Freiheit von Eigentümern und Unternehmern, ganz wichtig für eine gerechte Ordnung der staatlichen Gemeinschaft ist. Diese Ordnung war in der Vergangenheit in christlichen Staaten meist monarchistisch, wobei das Wort irreführend ist, denn es herrscht im Staate zwar nur einer, aber dieser eine muss sich trotzdem mit einem oft widerspenstigen Adel auseinandersetzen, und seine Machtmittel waren historisch gesehen meist so gering, dass er wenig bewirken konnte. Ein Totalitarismus ist das jedenfalls nicht.

Doch auch wenn in der Vergangenheit meist monarchisch regiert wurde, ist eine demokratische Staatsform jederzeit legitim und akzeptabel, solange es sich um eine Republik im oben definierten Sinne handelt. Auch eine eigentliche Demokratie wäre akzeptabel, aber aufgrund ihrer Instabilität meist nicht wünschenswert. Grundsätzlich muss die kirchliche Soziallehre aber den Kollektivismus ablehnen, und hat dies immer wieder ausdrücklich getan. Diese Ablehnung ist eine Ablehnung aus Prinzip, eine Ablehnung, die völlig unabhängig von den Umständen ist. Dass das Volk durch Wahlen einige Dinge selbst entscheidet, ist akzeptabel und durchaus sinnvoll. Dass das Volk als Kollektiv alle Macht haben soll, oder doch zumindest alle Macht ohne Beschränkungen von ihm ausgehen soll, ist nicht nur sinnlos, sondern auch inakzeptabel.

Das Problem an Frau Roths Äußerung ist nicht ihr Einsatz für Demokratie, sondern ihr Einsatz für eine kollektivistische oder sozialistische Demokratie, in der das Volk, vertreten durch seine Führer, über alle Macht verfügt, und daher individuelle Personen, kleinere Gebietskörperschaften wie Städte, Landkreise, Bundesstaaten, und gebietslose unabhängige Körperschaften wie Kirche, Familien, Privatunternehmen, letztlich auch Gewerkschaften, vollkommen entmachtet und unter die Knute des Kollektivs gezwungen werden. Eine solche Demokratie ist nicht nur antichristlich, antikatholisch und antikirchlich, sondern auch noch antiliberal und antifreiheitlich.

Es lohnt sich daher, einen alten Slogan wieder hervorzukramen. Wir wissen, dass Frau Roth kein Interesse am Wohlergehen der Kirche hat und mit christlichen Argumenten hinsichtlich der monarchischen Führung der Kirche nicht wird überzeugen lassen. Doch sie bekennt sich immer wieder zur Freiheit. Frau Roth muss sich fragen lassen, was sie denn nun will: Freiheit oder Sozialismus.

Wider die Megalophobie

Alle Leser dieses Blogs sind hiermit ultimativ dazu aufgefordert, im Namen der Gleichstellung von Menschen mit alternativen Ernährungsanlagen, diesen emanzipativen Beitrag des unermüdlichen Streiters für Freiheit, Gleichheit und die Drittmittel des Lehrstuhls für Ernährungsungleicheitsforschung mit besonderer Berücksichtigung der Bekämpfung megalophober Ressentiments der Universität Haarwart, Mark „Pizza“ Shea, zu lesen und alle rückständigen Vorurteile aus ihren Köpfen zu verbannen.

Die Details und seinen innovativen Ansatz erklärt Mark Shea jenseits des Links. Hier ein Auszug:

My reader, clearly unfamiliar with the wonderful diversity within the Lardo/Giganto/Brickhouse/Trans-Fatty community, simply has no understanding of how things work.

It’s like this: When I am fat I am, to quote the Prophet Gaga, “born this way” and simply living out my nature. You are required to celebrate this natural urge to fork what I want, as often as I want, with whom I want—and your Church should be compelled to pay for my meals since food is clearly necessary to human health.  Asking me to curb my appetites is like asking me to change my sex.  It’s absolutely impossible.  Nature made me the way I am.

However, when I become, as I have chosen to do, a “trans-fatty”, you need to realize that I am a thin person who was born into a fat person’s body. So I have the right to eat as much as I want, to practice safe snacks by making sure to purge after each meal, and alter myself by surgery and amputation because there is no such thing as “nature”.  It’s all a construct of dead white males when all that really matters is My Sacred Feelings. This too is something that the State has the right to compel your bigoted Church to pay for—because it’s none of your business what I do in the privacy of my own kitchen.  And you cannot just “tolerate” what I do.  You. MUST. Approve!—because I can’t be healthy unless my feelings are affirmed, whether freely or under threat of fines and jail for you Christian bigots who talk about the “sin of gluttony” and the “virtue of temperance”.  What is this?  The Dark Ages?

I guess what I’m trying to say is this: Whatever pleasurable sensation I want is the most important thing in the world and a truly tolerant society would recognize that and smash anybody who dares to question that—for the sake of diversity.  It would also force the Catholic Church to pay so that I don’t have to face any unpleasant consequences of indulging my appetites.  Because if you Catholics don’t pay for it, then you are denying my right to health and imposing your values on me.

Eine treffende Zusammenfassung der modernen Mentalität zum Thema Sexualität, übertragen auf die Nahrungsaufnahme.