Drei einfache Beobachtungen

1. Abtreibung ist nach katholischer Lehre grundsätzlich verwerflich, auch wenn sie in den ersten Stunden oder Tagen nach der Befruchtung stattfindet. Da es sich bei Abtreibung um die Tötung eines unschuldigen Menschen handelt, reicht selbst ein geringer Verdacht, es könne zur Abtreibung kommen, bereits aus, um die Einnahme der „Pille danach“ kategorisch abzulehnen. Auch wenn es einige Studien gibt (auf die sich die deutschen Bischöfe jetzt berufen wollen), nach denen die „Pille danach“ womöglich ohne nidationshemmende (=frühabtreibende) Wirkung funktioniert, gibt es ebenso Studien, die das genaue Gegenteil behaupten. Die Wirkweise ist nicht endgültig geklärt. Es ist also keinesfalls auszuschließen, dass es durch die „Pille danach“ zu Frühabtreibungen kommt.

Im Zweifelsfall daher für das Leben und gegen die „Pille danach“.

2. Die Tötung unschuldiger Menschen ist auch dann nicht erlaubt, wenn eine Vergewaltigung vorhergegangen ist. Die Tatsache, dass die Mutter vergewaltigt wurde, entschuldigt nicht, dass sie ihr Kind (durch die Einnahme einer möglicherweise frühabtreibenden Medikation) womöglich tötet. Selbstverständlich kann durch die Situation extremer psychischer Belastung, der eine Frau infolge einer Vergewaltigung oft ausgesetzt ist, im Einzelfall die Schuldfähigkeit der Frau mindern, doch Abtreibung bleibt eine Todsünde und eine Abtreibung billigend in Kauf zu nehmen, indem man die „Pille danach“ nimmt (oder sie einer Frau anbietet, verabreicht, verschreibt etc.) ist nicht viel besser. Übrigens kann das Kind am allerwenigsten für seinen Vater. Wer gegen die Todesstrafe für Vergewaltiger ist, der sollte die Todesstrafe für das Kind des Vergewaltigers erst recht ablehnen.

Vergewaltigung rechtfertigt also keinesfalls, die Tötung des unschuldigen Kindes billigend in Kauf zu nehmen, wie dies bei der Einnahme der „Pille danach“ geschieht.

3. Verhütung ist nach der Lehre der Kirche ein intrinsisches Übel, d.h. sie kann nicht durch die Umstände gerechtfertigt werden. Sie ist an sich moralisch falsch. Es gibt einige orthodoxe katholische Theologen, die die Einnahme eines (nicht-frühabtreibenden) Verhütungsmittels in Extremsituationen rechtfertigen wollen, um ein größeres Übel zu verhindern. Wie auch immer es damit bestellt sein mag – im Falle einer bereits geschehenen Vergewaltigung wird durch die „Pille danach“, selbst wenn sie nicht frühabtreibend wirkt, kein „größeres Übel“ verhindert, sondern die Entstehung eines von Gott selbst geschaffenen Menschenlebens! Das ist kein Übel, sondern ein Segen, wie schrecklich die Umstände seiner Entstehung auch gewesen sein mögen.

Das geschehene große Übel, die Vergewaltigung, kann durch eine nachträgliche Verhütung nicht mehr rückgängig gemacht werden. Sie ist unwiderruflich geschehen. Die Frage bleibt nur, was man dann aus der Situation macht. Wie gesagt, das Kind kann nichts für seinen Vater. Ich verstehe, dass Frauen nach Vergewaltigungen oft das in ihnen wachsende Leben hassen. Sie müssen es auch, wenn sie sich dazu nicht in der Lage fühlen, nicht großziehen.

Aber sie dürfen es nicht töten und sie dürfen auch keine schweren Sünden (wie Verhütung) begehen, damit sich ihr belasteter psychischer Zustand dadurch bessere.

Zusammenfassung:

1. Abtreibung ist ein intrinsisches Übel, eine schwere Sünde, die niemals zulässig ist, auch nicht zur Verhinderung eines anderen Übels. Der Zweck heiligt nicht die Mittel.

2. Da Abtreibung nicht durch die Umstände gerechtfertigt werden kann, gilt dies auch für Kinder, die von Gott infolge dieses großen Übels Vergewaltigung geschaffen worden sind.

3. Was für Abtreibung gilt, trifft auch für Verhütung zu.

Die Einnahme der „Pille danach“ ist aus diesen drei Gründen auch in Fällen von Vergewaltigung grundsätzlich und generell abzulehnen.

Sie zu empfehlen, zu verschreiben oder zu verabreichen stellt eine Form der Kooperation oder Beihilfe zur Begehung dieser Sünde dar und ist daher ebenfalls auch in Fällen von Vergewaltigung generell und grundsätzlich abzulehnen.

Dies ändert sich auch durch die falsche Meinung der Zeitgeistbischöfe, befeuert von falsch verstandenem Mitleid mit dem tatsächlich schrecklichen Schicksal vergewaltigter Frauen, nicht. Selbst wenn ein Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben der stehenden Haltung seiner eigenen Behörde im Interesse des Zeitgeists widerspricht. Mit dem Bauch zu denken und auf Meinungsumfragen zu hören führt gerade im Feld der Sittenlehre nur allzuoft zu schrecklichen Fehlschlüssen.

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Einige Verweise zum Thema:

Offizielle Stellungnahme der Päpstlichen Akademie für das Leben zur „Pille danach“ (2000) – dürfte wohl höher zu bewerten sein als die persönliche Meinung des Präsidenten… Hier ist keine Spur von moralischem Sentimentalismus bzw. Populismus. Die Wahre Lehre wird klar und deutlich vermittelt.

German Bishops give qualified approval of morning after pill (Life Site News)

World’s Top Authority on morning-after-pill says women must be told it may cause abortions (Life Site News) – Die Studienlage ist eben unklar. Im Zweifel für das Leben.

Vatican versus Vatican (Rorate Caeli) – Verschiedene widersprüchliche Aussagen aus dem Vatikan zum Thema „Pille danach“

Vatican II at 50: German bishops OK abortifacient morning-after-pill (Rorate Caeli)

Pope Benedict: Inaction to the end? (Mundabor)

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Wozu überhaupt übersetzen?

Quelle: Johannes (Eum loquatur)

Die deutschen Bischöfe sperren sich seit vielen Jahren gegen die korrekte Übersetzung der Wandlungsworte in der ordentlichen Form der Messe. Da soll es auf einmal „für alle“ heißen, obwohl die normative lateinische Originalfassung „pro multis“, für viele, besagt. Begründet wird dies mit allerlei schönen und netten Argumenten, die aber alle nicht darüber hinwegtäuschen können, dass hier eine klare Verfälschung der Wandlungsworte in ihrem Inhalt vorliegt. Dies ist keine Kleinigkeit, sondern sehr besorgniserregend. An anderer Stelle mag man darüber streiten, wie schlimm diese falsche Übersetzung ist. Hier soll jedoch ein anderer Aspekt kurz erwähnt werden:

Warum überhaupt eine Übersetzung? Warum kann man nicht einfach eine allgemeine, also katholische, Messe auch in einer allgemeinen Sprache feiern? Warum müssen in der lateinischen Kirche hunderte lokale Sprachen durch die Liturgie reflektiert werden? Die Kirche hat doch schon eine Sprache, nämlich Latein. Und wer sich für den Inhalt der Texte interessiert, und kein Latein kann, dem steht in der heutigen Zeit doch ohne Probleme die Möglichkeit offen, sich über die Texte zu informieren. Es wäre sogar jederzeit möglich, zweisprachige Ausgaben der Messtexte den Gesangbüchern gleich in den Kirchen auszulegen, wenn man es allen ganz leicht machen möchte, die lateinischen Texte nachzuvollziehen.

Es gibt keinen Grund dafür, die fraglichen Wandlungsworte überhaupt zu übersetzen. Und sehr viele gute Gründe dagegen. Aber wenn man aufgrund einer an den Turmbau zu Babel erinnernden Obsession mit der Sprachverwirrung schon unbedingt eine deutsche Übersetzung der Wandlungsworte anstelle des Originals in der Messe verwenden möchte, dann sollte man sich doch wenigstens dazu durchringen können, eine möglichst originalgetreue Übersetzung anzufertigen.

Nun fordert der Papst in einem auf kath.net dokumentierten Brief abermals die Änderung ein. Werden diesmal Taten folgen? Es wäre zu hoffen, doch ich würde nicht darauf wetten. Papier ist geduldig und die Bischöfe verschleppen die überfällige Korrektur schon seit Jahren und Jahrzehnten.

Als Zeichen und Aufforderung findet sich das obige Bild fortan in meiner Seitenleiste.

Wulff und die Eidbrecher

Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, zu diesem Thema nichts zu sagen und es vollständig zu ignorieren. Dieses Schweigen werde ich mit dem vorliegenden Beitrag auch nur insofern brechen, als Wulff und die ihn umgebende Affäre der Anlass für die folgenden Worte ist. Die diversen Details der Debatte um die Verfehlungen des (Ex-)Bundespräsidenten überlasse ich anderen.

Was auch immer man am Ende dem Herrn Wulff wird vorwerfen können – es gilt ja nach wie vor die Unschuldsvermutung, auch für Menschen des öffentlichen Lebens, und verurteilt ist er noch nicht – der Fall Wulff gewährt uns einige interessante Einblicke in die Seele unserer Gesellschaft, und ganz besonders der Medien- und Politikelite.

Obwohl ich mir Mühe gegeben habe, die obsessive Berichterstattung nur am Rande zu verfolgen, habe ich in den „Nachrufen“ auf seine kurze Präsidentschaft mindestens vier oder fünfmal gehört, es sei wenigstens positiv, dass er „frische Luft“ ins Schloss Bellevue habe einziehen lassen, dass er „eine moderne Patchworkfamilie“ gelebt habe, und nicht an diesen alten verstaubten Klischees festgehalten hätte, die scheinbar kaum noch jemand für wichtig hält. Was allerdings daran positiv sein soll, wenn das Staatsoberhaupt, welches ja auch unser Land repräsentiert, ein stolzer Ehebrecher ist, der sich nicht einmal schämt, seine Konkubine als seine „neue Ehefrau“ auszugeben, kann sich mir beim besten Willen nicht erschließen.

Doch bietet Herrn Wulffs Familienleben einen wichtigen Einblick in sein Verhalten. Wie kann man denn eigentlich von einem Menschen, der einem anderen Menschen ewige Treue geschworen hat, und diesen dann einfach aus Interesse an „jüngerem Fleisch“ im Stich lässt, erwarten, dass er seinen Amtseid einhalten wird? Theoretisch mag es möglich sein, dass ein Eidbrecher wirklich kehrtmacht, und seine anderen Eide nunmehr einhält. Dies ist allerdings, abgesehen von wirklichen religiösen Bekehrungen, mehr als selten. Wenn ich einem Menschen etwas schwöre, und dieser Schwur für mich nur gilt, bis mir was Attraktiveres über den Weg läuft, dann werden auch andere Schwüre für mich in aller Regel nur bindend sein, wenn niemand mir gerade ein attraktiveres Angebot macht.

Treulosigkeit, Eidbrechertum, Betrug, das sind alles Eigenschaften, die man nicht an- und ausknipsen kann, sondern den ganzen Charakter prägen und durchziehen. Wenn ich im Privatleben treulos bin, meine feierlichen, vor Gott gegebenen Versprechen breche, meinen Ehepartner und meine Familie betrüge, dann werden diese Laster nicht vergehen, wenn ich die heimische Tür hinter mir schließe und ins öffentliche Leben eintrete. Mein ganzer Charakter ist dann von ihnen geprägt. Die Trennung von „privat“ und „öffentlich“ hat ihren guten Sinn und ist sehr wichtig, doch sie kann niemals vollständig sein, weil es derselbe Mensch ist, der da im Privaten betrügt und im Öffentlichen ebenso.

Wie jemand glauben kann, ein erklärtermaßen unbußfertiger Ehebrecher wie Herr Wulff könne ein guter Bundespräsident sein, ist mir vollkommen schleierhaft. Wie gesagt, Menschen können sich wirklich ändern, wirklich umkehren. Doch wenn sie das tun, dann kehren sie ab von ihren Sünden und zeigen Reue. Dies war bei Herrn Wulff nicht der Fall. Zumindest in keiner wahrnehmbaren Weise.

Es war ein grundsätzlicher Fehler, einen unbußfertigen Ehebrecher ins Amt des Bundespräsidenten zu wählen, und dieser Fehler erweist sich nun als solcher. Auch vorbildliche Familienmenschen können korrupte Politiker sein. Ehebruch ist keine notwendige Bedingung für Bruch des Amtseides. Aber in den meisten Fällen doch ein hervorragender Indikator für die allgemeine Wichtigkeit, die Eiden zugemessen wird.

Wulff überhaupt zu wählen, war daher ein Fehler, und seinen Rücktritt vermag ich deswegen nicht zu bedauern.

Doch dieser Fehler ermöglicht eine weitere Feststellung. In keiner vernünftigen, christlichen Gesellschaft wäre es denkbar, dass man einen unbußfertigen Ehebrecher nicht nur in das höchste Amt im Staate wählt, sondern noch weiter geht, und dieses unbußfertige Ehebrechertum auch noch zu einer Hauptqualifikation für dieses Amt erhebt. Herr Wulff hat doch im Schloss Bellevue die Neue Normalität, die Moderne Familie, die Patchworkfamilie vorgelebt, und man wurde bis zum Schluss nicht müde, dies als zentrales Verdienst seiner kurzen Amtszeit herauszuheben, selbst nachdem bereits als sehr wahrscheinlich gelten konnte, dass er nicht nur privat seine Schwüre bricht, sondern ihm dies logischerweise dann auch in der Öffentlichkeit nicht mehr viel ausmacht.

Keine christliche Gesellschaft würde einen Menschen von einem politischen Amt ausschließen, weil er einmal Ehebruch begangen hat. Menschen können bereuen und sie können sich ändern. Doch darum geht es hier gar nicht, denn Herr Wulff wurde nicht TROTZ seines Ehebruchs, sondern WEGEN seines Ehebruchs so hochgeschätzt. Es ist die Patchworkfamilie, die Deutschland repräsentieren sollte. Deswegen hat die Partei der Familienzerstörung (CDU) diesen so unbedeutenden wie uncharismatischen und inhaltsleeren Politiker vor sich her getragen wie die sprichwörtliche Monstranz, was diesem Zusammenhang fast schon eine unheilige Brisanz gibt.

(Nebenbei bemerkt könnte man Herrn Wulff fragen, ob er vielleicht wegen der islamischen Polygamievorschriften den Islam so gern anstelle des Christentums als religiöses Fundament dieses Landes etablieren möchte, aber das wäre eine andere Debatte.)

Schließlich ist selbst von Erzbischof Zollitsch immer wieder das Signal ausgesandt worden, Herr Wulff sei doch ein achso guter Christ. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz hat seinen inoffiziellen Segen für den Ehebruch des Herrn Wulff gegeben, was ich vor einigen Monaten kommentierte. Wie kann man unter diesen Umständen noch gegen Ehebruch sein? Oder, um die naheliegende Analogie einmal zu erwähnen, gegen den Bruch des Zölibats? Beide Kirchen* haben in Deutschland zumindest seit drei oder vier Jahrzehnten nicht gerade die Heiligkeit von Ehe und Familie verteidigt, sondern an ihrer Zersetzung nach Kräften mitgewirkt, um weiter in den Genuss staatlicher, zwangsweise von den Gläubigen eingetriebener Kichensteuermilliarden zu kommen. Macht korrumpiert, Entweltlichung heiligt – doch das nur am Rande.

In dieser Gesellschaft ist Ehebrecher zu sein ein Gütesiegel, durch das sich ein Politiker besonders gut als Repräsentant des neuen, modernen Deutschlands und seiner politisch korrekten, mundtoten, aufgeklärten, modernen, gottlosen, fortschrittlichen Untertanen und ihrer Brot-und-Spiele-Mentalität eignet.

Und so wie jedes Volk die Regierung bekommt, die es verdient, so bekommt auch jedes Volk den Bundespräsidenten, den es verdient.

Und nun bekommt es einen neuen Bundespräsidenten, den das Volk auch verdient haben wird.

Ich schließe mit einem Davila-Wort, welches so ziemlich das Problem der heutigen Gesellschaft und ihrer politischen Auffassungen zusammenfasst:

„Der Progressive vergißt, daß die Sünde jedes Ideal, das er verehrt, zum Scheitern verurteilt, der Konservative vergißt, daß sie jede Realität verdirbt, die er verteidigt.“

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Anmerkung: „Beide Kirchen“ ist eine sprachliche Kurzform. Selbstverständlich ist die Katholische Kirche die einzige Kirche in Deutschland, und bei der „evangelischen Kirche“ handelt es sich im strengen Sinne nicht um eine Kirche. Dies nur, um Missverständnisse, wie in einem Kommentar aufgekommen, auszuschließen.

Apathie und Blasphemie

Vor einigen Tagen machte ich darauf aufmerksam, dass im Thalia-Theater von Hamburg bald ein nicht nur schreckliches, sondern auch pornographisches und vor allem auf krudeste Weiese blasphemisches Theaterstück namens Gólgota Picnic seine deutsche Uraufführung erhalten sollte, und dass es dagegen Proteste gab, an denen friedlich sich zu beteiligen ich aufrief. Ich wies darauf hin, dass die Piusbruderschaft zum großen Teil für diesen Protest verantwortlich sei, aber dies niemanden daran hindern sollte, seinem Entsetzen über die Blasphemien friedlich Ausdruck zu verleihen, da es hier nicht um theologische oder sonstige Streitfragen gehe, sondern um ein klares Bekenntnis zur Würde des Herrn im Angesicht einer westlichen Kultur, die mehr und mehr nur noch einer Barbarenkultur gleicht, die in den Ruinen von etwas lebt, das sie nicht mehr verstehen kann, zu dessen Verständnis ihr die kulturelle Reife fehlt. Es folgt ein Überblick über Entwicklungen hinsichtlich des Stücks und der Proteste dagegen:

Bischöfe

Nun haben wohl auch deutsche Bischöfe reagiert – wie kath.net berichtet. Als Gólgota Picnic in Frankreich aufgeführt wurde, haben einige Bischöfe sich wenn nicht an den Aktionen der Piusbruderschaft beteiligt, so doch eigene Proteste organisiert. Wie sieht es in Deutschland aus? Die deutsche Bischofskonferenz leitete Anfragen an das „zuständige“ Bistum Hamburg weiter.

Viele Katholiken in Deutschland fragen sich, was eigentlich die katholische Kirche zu der Vorstellung sagt. KATH.NET hat dazu die Deutsche Bischofskonferenz angefragt und wurde von dort an das Erzbistum Hamburg verwiesen. (Wir wollen auch ja nicht in irgendeiner Form den Eindruck erwecken, als sei Blasphemie etwas anderes als ein weiterer Anlass zum Hin-und-herschieben von Kompetenzen, oder?) Diese hat bereits gegenüber der KNA mitteilen lassen, dass man hier „ganz gelassen“ (natürlich! Warum sollte Blasphemie einen auch aufregen? Geht doch nicht um etwas Wichtiges, wie eine um 0,2% gestiegene Armutsquote, oder?) bleibe. „Wir wollen versuchen, diese Produktion in angemessener Weise zu begleiten und entsprechend darauf zu reagieren“ (Wenn man die bisherige Stellungnahme sieht, dann ist klar, wie man darauf reagieren wird: Nämlich in keiner wahrnehmbaren Weise gegen Blasphemien protestieren. Sonst könnte man ja als katholisch gelten…) , sagte der Sprecher des Erzbistums, Manfred Nielen, auf Anfrage. Konkret heißt das, man sucht nach einer geeigneten Person, die sich aus katholischer Sicht am Publikumsgespräch im Anschluss an die Aufführung beteiligt. (Damit legitimiert man die Blasphemieorgie „Golgóta Picnic“, es sei denn diese Beteiligung fällt sehr kritisch, sehr deutlich und völlig unmissverständlich aus. Aber selbst dann ist der Verzicht auf Protestaktionen jeder Art immer noch ein typisches Zeichen der Zahnlosigkeit der deutschen Bischöfe. Außer jemand ist konservativ wie Pfarrer Oblinger oder Bischof Mixa. Dann werden natürlich die Messer gewetzt…)

Nichts Neues im Bistum Hamburg also. Man will über alles reden, mit allen reden, und dabei die Substanz des katholischen Glaubens – zu der so weiß ich ziemlich sicher auch das Blasphemieverbot gehört – immer weiter in Vergessenheit geraten lassen.

Blogger und das Theater selbst

Der von mir sehr geschätzte Alipius schreibt ebenfalls über Gólgota Picnic, die Reaktion von Kritikern dieses Stücks (wozu offenbar die deutschen Bischöfe nicht zu zählen sind, zumindest nicht in wahrnehmbarer Weise) und ähnliche Themen. Er stellt sich auf den Standpunkt, dass er zwar im Prinzip die Ablehnung dieser Blasphemien teile, diese aber „nicht ober-schockierend (Christus kann das ab und meinem Glauben tut’s auch keinen Abbruch)“ seien. Nun ja, wenn man Blasphemie nicht mehr schockierend findet – wie abgestumpft ist man dann? Ferner schreibt er:

[Dass das Thalia-Theater sich als Opfer radikalkonservativ-fundamentalistischer Kreise sieht, weil es von Protestnoten überschwemmt werde], ist kein starkes Stück, sondern erstens eine exakt aufgegangene Rechnung (Wir Skandal = Die Protest) und zweitens einfach nur die Art und Weise, auf die man in diesen Kreisen seinem Gott huldigt, welcher das wahlweise „Ego“, „Mammon“ oder „Rampenlicht“ heißt.

In einem gewissen Sinn hat Alipius natürlich Recht. Wer solche Theaterstücke aufführen lassen will, der verfolgt damit in der Regel genau diese Absicht. Doch eine derartige Verharmlosung der Situation, mit der wohl die deutschen Bischöfe völlig einverstanden wären, allein schon um nicht als „konservativ“ oder „fundamentalistisch“ gelten zu müssen, trifft meines Erachtens nicht den Kern der Sache.

Argumentation gegen die Apathie

Natürlich trifft es unseren christlichen Glauben nicht, wenn jemand anders Blasphemien begeht. Natürlich legen andere ihre Blasphemien in der heutigen Zeit gern darauf an, Christen zu schockieren oder lächerlich zu machen – das ist eine der wesentlichen Zeitströmungen des 20. und 21. Jahrhunderts gewesen. Das alles ist richtig – übersieht jedoch den absolut entscheidenen Punkt:

Es geht hier nicht um den subjektiven Glauben der Christen, sondern um die objektive Gotteslästerung, an der sich alle beteiligen, die mit diesem Theaterstück in irgendeiner Form zu tun haben. Solange die Beteiligten nicht bereuen – und wie sollen sie dazu kommen, wenn die Reaktion darauf so apathisch ist, wie sie allgemein außerhalb der bösen „fundamentalistischen Kreise“ zu sein scheint – und umkehren, werden sie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht die ewige Seligkeit erlangen können, und ihre Seelen werden den ewigen Tod in der Hölle sterben. Natürlich mag die unermeßliche Gnade Gottes den einen oder anderen Menschen vor diesem Schicksal bewahren – aber auch hierzu ist ein Annehmen der Gnade Gottes erforderlich, und dieses Annehmen kann nicht echt sein, wenn es mit der fortgesetzten unbereuten „Teilnahme“ an Blasphemien einhergeht.

Das ewige Schicksal eines Menschen können wir nicht kennen – deshalb sollen wir nicht richten. Aber objektiv gesehen, nach menschlichem Ermessen, nach den Informationen, die wir aus Schrift und Überlieferung haben, ist kaum zu sehen, wie ein Gotteslästerer erlöst werden kann, solange er nicht umkehrt.

Und zur Buße für diese Gotteslästerung und zum Gebet für die Umkehr der verlorenen Söhne, die sich an diesem Theaterstück beteiligen, sind auch diese Protestaktionen gedacht.Deshalb richtet z.B. die Piusbruderschaft auch eine Gebetsvigil und einen Bußgottesdienst als wesentliche Teile ihres Protests am Tag der ersten Aufführung aus.

Zudem geht es um die Verteidigung der Rechte Gottes in der Welt, zu denen auch das Recht nicht beleidigt zu werden gehört. Auch dieser Aspekt wird leider immer wieder vergessen, wenn eine gelangweilte oder apathische Reaktion erfolgt, weil diese Blasphemien ja ungefährlich für den eigenen Glauben seien. Und mehr noch: Wie viele Menschen werden durch diese Theaterstücke auf den Weg des Verderbens geführt?

Kurz gesagt ist der Protest gegen Gólgota Picnic notwendig und richtig,

1. um für die Umkehr der Gotteslästerer zu beten,

2. um für die Beleidigung der objektiven Rechte Gottes Buße zu tun,

3. um darauf aufmerksam zu machen, dass die Seelen der Beteiligten (auch der Zuschauer!) durch diese diabolischen Aufführungen in Gefahr des ewigen Todes sind,

4. um die Ausbreitung dieser Aufführungen zu verhindern, damit nicht noch mehr Menschen in den Orkus der Gotteslästerung hineingezogen werden.

Wenn das „radikalkonservativ“ und „fundamentalistisch“ ist, dann ist zumindest dieser Blogger, der diese Worte hier schreibt, schuldig. Ich nehme diese Begriffe gern an. Ich gehe gern an die Wurzel (radix) der Probleme, setze mich für die Bewahrung (conservatio) des Glaubens ein, und bestehe auf den Fundamenten, also den Grundlagen und Grundfesten, des wahren katholischen Glaubens, wie die Kirche ihn immer gelehrt hat.

Auch meinen Glauben schwächen solche Blasphemien nicht. Aber es geht hier nicht um meinen Glauben. Es geht überhaupt nicht um mich. Apathie bedeutet hier die stillschweigende Duldung der Blasphemie.

Das pastorale Problem des Dialogprozesses

Eigentlich ist Dialog ja etwas Gutes. Wir kommen miteinander ins Gespräch, lernen uns besser kennen, tauschen Meinungen und Positionen aus, hören dem anderen in Respekt und mit menschlicher Achtung zu. Was kann man nur dagegen haben?

Wenn der Dialog überhaupt stattfinden soll, und als Ergebnis so etwas wie einen Plan erbringen soll, welcher der Kirche neuen Auftrieb in Deutschland und der westlichen Welt geben könnte, dann muss er ergebnisoffen sein. Stünde sein Ergebnis vorher fest, wäre der ganze Dialog nicht mehr nötig – oder wenn doch, dann nur als manipulatives Instrument zur Vermittlung der bereits längst beschlossenen Ergebnisse der Eliten.

Ist der Dialog nicht ergebnisoffen, so wird er entweder zwecklos oder Mittel der Manipulation.

Doch Ergebnisoffenheit setzt voraus, dass das, worüber man streitet, so oder so entschieden werden könnte, es dabei also kein objektives Richtig oder Falsch geben kann. Man kann also von einem ergebnisoffenen Dialog nur sprechen, wenn von vornherein vorausgesetzt wird, dass das Ergebnis, welches auch immer es sein mag, für sich keine objektive Wahrheit beanspruchen, sondern sich allein auf die Autorität des demokratischen Willensbildungsprozesses berufen wird. Mit anderen Worten: Wenn der Plan, welcher herauskommen soll, von vornherein durch alle Teilnehmer als Konstrukt des Dialogs und nicht als Konsequenz außermenschlicher Lehrsätze oder Erkenntnisse verstanden wird.

Ein ergebnisoffener Dialog – und das ist der einzig sinnvolle Dialog – ist immer, seiner Natur nach, relativistisch. Alle Teilnehmer akzeptieren durch ihre Teilnahme bereits den „herrschaftsfreien Raum“ als den Raum, in dem der Dialog situiert sein soll. Niemand entscheidet vorher oder während der Gespräche, was am Ende herauskommen soll – das wird durch den Dialog und mit ihm und in ihm als allein akzeptabler Entscheidungsform entschieden.

Ein ergebnisoffener Dialog, in dem die Teilnehmer am Ende keine Beschlüsse fassen, sondern nur unverbindliche Vorschläge äußern können, ist seinem Wesen nach ein Selbstwiderspruch. Die ganze Struktur eines Dialogs setzt voraus, dass durch den Dialog reale Sachentscheidungen getroffen werden, die dann auch alle Beteiligten binden. Das ist auch die Erwartung der Teilnehmer eines solchen Dialogs. Wird am Ende des Dialogs nicht das umgesetzt, was durch die breite Mehrheit der Dialogteilnehmer beschlossen oder gefordert worden ist, führt dies verständlicherweise zu einer massiven Unzufriedenheit seitens der Dialogteilnehmer.

Entweder führt also der ergebnisoffene Dialog in seinem herrschaftsfreien Raum zur Umsetzung des durch den Dialog entstandenden Programms durch die zuständigen Autoritäten, oder er führt zu Frustration, Unzufriedenheit und letztlich Wut auf Seiten der Mehrheit der Dialogteilnehmer, die trotz ihrer dominanten Stellung im Dialogprozess letztlich ihren Willen nicht haben durchsetzen können.

Der Dialog eignet sich, um Kompromisse in Bereichen zu finden, in denen Interessen oder entgegengesetzte menschliche Willen aufeinanderstoßen, zwischen denen ein Ausgleich gefunden werden soll, welcher keine unveränderlichen Prinzipien berührt. Auch dann ist er nicht perfekt, aber hat zumindest hier seine Berechtigung.

Kommen wir nun auf den Dialogprozess in der Katholischen Kirche. Hier soll ebenfalls „ergebnisoffen“ diskutiert werden. Mehrfach haben zuständige Bischöfe in Aussicht gestellt, die Ergebnisse des Dialogs – und die sind offen, man weiß also genau genommen gar nicht, worin sie bestehen werden – ernst nehmen zu wollen. Dies kann in den Augen der Dialogteilnehmer nur bedeuten, dass eine Erwartung entsteht, man werde sich seitens der Bischöfe den Anliegen, die im Dialog sich durchzusetzen vermögen, weitgehend Folge leisten.

Doch dies kann innerhalb der Kirche nicht geschehen, geht es doch bei vielen der Dialogthemen um Grundfragen des Glaubens, die nicht die Bischöfe, und auch nicht einmal der Papst ändern könnten. Deswegen kann das Ergebnis dieses Dialogprozesses nur eines von zweien sein:

Entweder entscheiden sich die Bischöfe, dem Ruf des Dialogs nicht zu folgen und seine Ergebnisse weithin zu ignorieren. In diesem Fall werden sich Frustration und Wut der an einer weiteren „Modernisierung“ und Verweltlichung innerhalb der Kirche interessierten Kreise – Verbandskatholiken und kirchenferne Taufscheinchristen – weiter verstärken.

Oder die Bischöfe kommen den Anliegen der Dialogteilnehmer – was auch immer sie am Ende Prozesses genau sein mögen – nach. In diesem Fall begäben sie sich ins offene Schisma mit der Weltkirche.

In beiden Fällen wäre eine weitere schwere Beschädigung der Kirche in Deutschland nicht abzuwenden.

Aus schwerwiegenden pastoralen Gründen ist also der derzeitige Dialogprozess, selbst unter Ausklammerung der immensen in Dialogistan gärenden dogmatisch-theologischen Häresien, abzulehnen. Er vermag der Kirche nicht zu helfen, wird ihr aber mit Sicherheit in pastoraler Hinsicht schwere Schäden zufügen.

Bischof Tebartz-van Elst zu Ehe und Familie (Teil 2 von 2)

Wir hatten gestern den ersten Teil eines Interviews der WELT mit dem Bischof von Limburg Franz-Peter Tebartz-van Elst kommentiert. Hier folgt nun der zweite Teil, in dem es unter anderem um das Lebensrecht, künstliche Befruchtung, PID, die „Homo-Ehe“, und den Begriff der „christlichen Leitkultur“ geht.

Welt Online: Was die Weitergabe des Lebens betrifft, so will die Bundesfamilienministerin die künstliche Befruchtung wieder stärker bezuschussen. (Kinder für die Rente, wie schon beim Krippenwahn)

Tebartz-van Elst: Es ist schon erstaunlich, dass Formen des medizinisch-technischen Eingriffs in die Weitergabe des Lebens relativ schnell und unbedenklich seitens des Staates unterstützt werden sollen. (Erstaunlich? Eigentlich ist es, gegeben die derzeit mit stillschweigender Unterstützung der Bischöfe herrschende Ideologie der Kultur des Todes, ganz logisch.)  Statt den vielen Familien zu helfen, im Alltag Familie zu leben und ihre Kinder zu verantwortlichen und selbstständigen Menschen zu erziehen, werden spektakuläre Einzelmaßnahmen (keine moralische Bewertung dieser spektakulären Einzelmaßnahmen?) als Familienförderung angepriesen.

Bei der Initiative wird allerdings nur von den Kosten der medizinischen Durchführung gesprochen und nicht von der medizinisch-psychologischen Betreuung von Familien, die den seelisch und körperlich belastenden Weg einer künstlichen Befruchtung einschlagen. Die Schwere des Eingriffs wird bagatellisiert. (Der Einwand gegen die regelmäßig Menschen im embryonalen Lebensstadium tötende künstliche Befruchtung ist also mal wieder einer angeblich fehlender „psychologischer Betreuung“. Auch auf diese Art von „Unterstützung“ der Kultur des Lebens kann man gern verzichten. Wer solche Freunde hat….)

Wie bei der Entscheidung für die Präimplantationsdiagnostik, die PID, wird eines deutlich: Es geht nicht um den absoluten Wert des Lebens (richtig. Darum ging es Ihnen die ganze Zeit auch nicht gerade, Exzellenz. Immerhin kommen Sie am Ende noch kurz auf diesen absolut zentralen Punkt.) oder um einen würdevollen Umgang auch mit den eigenen Grenzen, sondern um Interessen und Präferenzen. Der Gesamtzusammenhang des menschlichen Lebens, die, wie Papst Benedikt XVI. es ausdrückt, „Ökologie des Menschen“, gerät dabei aus dem Blick. (Ja, das tut er. Selbst bei Bischöfen.)

Welt Online: Wie bewerten Sie die Bundestagsabstimmung über die PID? (Vermutlich war sie irgendwie psychologisch belastend für irgendjemanden oder so…)

Tebartz-van Elst: Ich bin erschrocken (erschrocken!) darüber, wie sie ausgegangen ist. Leben ist immer ein absoluter Wert. (Jetzt plötzlich? Schön zu hören. Wo sind die Taten?) Wenn man anfängt, diesen zu relativieren, gerät man in Widersprüche – das haben wir bei der Abtreibungsproblematik bitter erkennen müssen. (Haben wir? Hat sich die Kirche je wirklich gegen den oft staatlich finanzierten Mord an Millionen unschuldiger Kinder gewehrt? Hat sie ihn nicht durch die schändliche Ausstellung von Darf-Scheinen über viele Jahre praktisch gefördert?)

Welt Online: Apropos Abtreibung. Das Bundesverfassungsgericht trug Mitte der 90er-Jahre dem Gesetzgeber auf, die Praxis des Paragrafen 218 nach einiger Zeit zu überprüfen. Das ist bis heute nicht geschehen – warum? (Jetzt kommt einmal eine schöne Antwort:)

Tebartz-van Elst: Dass das Gericht sein Urteil bisher nicht wieder in Erinnerung gebracht hat und es politisch bislang nicht wieder aufgegriffen wurde, ist ein Indikator. Es zeigt sich, und das sehen wir nicht nur in diesem Zusammenhang, dass sich auch in der Rechtsprechung gesellschaftliche Veränderungen widerspiegeln. (Genau. Es ist eine Illusion zu glauben, das Recht sei das Recht. Gesetze werden immer so angewendet und ausgelegt, wie es den Machthabern gefällt. Es gibt keine wirklichen „unveräußerlichen“ Grundrechte im Grundgesetz, weil Texte eben geduldig sind. Sie ertragen jede Auslegung. Was übrigens den Protestantismus mit seiner sola scriptura-Lehre restlos widerlegt, aber das nur am Rande…)

Wo es noch vor wenigen Jahren einen offensichtlichen Wertekonsens gab (wo war er? Blicken wir zurück, so sehen wir im 20. Jahrhundert bis 1945 eine massenmörderische Gesellschaft und spätestens ab 1970 wieder. Die Zeit dazwischen käme womöglich in Frage, war aber nur eine kurze Übergangsphase zwischen zwei mörderischen Generationen, die in Gänze den Sinn der Moderne verstanden haben), stellt sich die Situation heute disparater dar . Das bereitet mir Sorge. Gerade, wenn es um den Lebensschutz geht. (nein, sie ist heute uniform, nicht disparat. Es gibt keine gesellschaftlich wahrnehmbaren Lebensschützer mehr.)

Welt Online: Ist das nicht ein Indiz für eine nachlassende Prägekraft des Christlichen? (Ja, das ist es. Die deutsche Gesellschaft als christlich zu bezeichnen ist Etikettenschwindel. Wir haben eine stark von okkulten und esoterischen Praktiken geprägte neuheidnische, selbstvergötternde Gesellschaft, kurz eine moderne Gesellschaft)

Tebartz-van Elst: Dass manches kontrastierend zu dieser Welt erscheint, hat stets zur Verkündigung des Glaubens gehört. (Hat es? Bisher war eher die haltlose Anpassung an die Welt und ihren Fürsten charakteristisch für die Arbeit der Bischöfe. Es wäre schön, wenn sich das mit Ihnen änderte, Exzellenz!) Es ist meine Aufgabe als Familienbischof, dafür Sorge zu tragen, dass wir unser Verständnis von Ehe und Familie deutlicher herausstellen. (Da können wir ja vielleicht noch einige klare Worte in Zukunft erwarten. Aber bitte klarer als dieses Interview, sonst ist das alles ziemlich sinnlos.)

Unsere Aufgabe besteht darin, all jenen eine größere Unterstützung und Lobby zu geben, die sich für dieses Verständnis entscheiden und damit die ausdrückliche Bereitschaft, Kindern das Leben zu schenken, leben. (Werden wir ja sehen.)

Welt Online: Bedrückt es Sie, dass heute offener als noch vor zehn Jahren von Homo-Ehe gesprochen wird? (Mich nicht. So wird die Absicht der Ideologen besser sichtbar für die extrem wenigen, die es sehen wollen.)

Tebartz-van Elst: Der Begriff ist sehr problematisch. Als katholische Kirche (wieder eine Sonderlehre? Oder wieder der Versuch, sich vor dem barbarischen Wutanfall der Homo-Ideologen zu schützen, der immer kommt, wenn jemand einen Wahrheitsanspruch in dieser Frage erhebt, wie Bischof Overbeck zu seinem Leidwesen vor einigen Jahren hat erfahren müssen?) können wir nicht teilen, was damit gemeint ist. Gott hat Mann und Frau füreinander geschaffen, aus ihrer lebenslangen Verbindung in Liebe und Treue erwächst Nachkommenschaft. An dieser Schöpfungswirklichkeit können und dürfen wir nicht vorbeigehen. (Richtig. Aber wer ist mit „wir“ gemeint? Die katholische Kirche? Die deutsche Gesellschaft vertreten durch die staatliche Rechtsordnung? Etwas mehr Klarheit wäre hier vonnöten.)

So sehr jedem homosexuell veranlagten Menschen persönlicher Respekt gebührt, so wenig darf das christliche Verständnis von Ehe und Familie dadurch relativiert werden. (Korrekt. Aber es bleibt dabei: Ehe und Familie sind keine christlichen Sonderlehren. Es sind aus der natürlichen Vernunft ableitbare ethische Wahrheiten, die hinter dem christlichen Verständnis von Ehe und Familie stehen.)

Welt Online: Damit finden Sie wenig Gehör.

Tebartz-van Elst: Es entspricht der Schöpfungswirklichkeit, dass Kinder ihre Eltern als Mutter und Vater erleben. Für eine gesunde psychische Entwicklung und Orientierung brauchen Kinder die Begegnung mit Frau und Mann als Mutter und Vater. (Das Wesen der Frau ist Mutterschaft; das Wesen des Mannes Vaterschaft. Mutter und Vater sind nicht „Rollen“, die manche Menschen eben annehmen, und manche nicht, sondern sie sind das, was Frau und Mann ausmacht, was sie zu einem erforderlichen Teil der Schöpfungsordnung macht. Natürlich gibt es auch zu geistlicher Mutter- oder Vaterschaft berufene Menschen, etwa Priester, Ordensleute, aber auch Menschen, die geistliche Mutter- oder Vaterschaft außerhalb dieser Stände leben. Beides ist möglich, legitim und sogar großartig. Aber Mutterschaft gehört zu jeder Frau und ist keine Option. Vaterschaft gehört zu jedem Mann und ist keine Option. Auflehnung gegen Mutterschaft als solche oder Vaterschaft als solche ist zugleich Auflehnung gegen die natürliche Schöpfungsordnung und das natürliche moralische Gesetz, das aus ihr entspringt – und damit Auflehnung gegen den Herrn und Schöpfer selbst, sprich das Bekenntnis „non serviam“.) Wenn diese natürliche Verbindung nicht mehr erlebt, garantiert und akzeptiert wird, hat dies gravierende Auswirkungen auf die seelische Entwicklung eines Menschen. (Seelische Entwicklung? Geht es hier wieder um psychologische Betreuung, wie weiter oben, oder hat der Bischof einen christlichen Seelenbegriff im Kopf, und spricht hier durch die Hintertür von der ewigen Verdammnis, die ja in gewissem Sinn auch eine „seelische“ Entwicklung ist.)

Welt Online: Hat die Kirche in der Auseinandersetzung über die Homo-Ehe einen Kampf verloren? (Nein. Sie hat ihn nicht geführt.)

Tebartz-van Elst: Ich bin überzeugt, dass die Gesellschaft unser Zeugnis braucht, weil wir darauf aufmerksam machen, was verloren geht, wenn Ehe und Familie nicht mehr so geschützt werden, wie es die Mütter und Väter des Grundgesetzes festgelegt haben. (Man gewinnt den Eindruck, der Bischof von Limburg sei Jurist und kein Theologe. Seine ständigen Berufungen auf das Grundgesetz sind schön und gut – aus den genannten Gründen praktisch nostalgischer Natur, aber immerhin war das Grundgesetz, solange es noch praktische Bedeutung besaß, ein gutes Verfassungswerk.) Mit großem Erfolg für unser Gemeinwesen sahen sie die Familie als Keimzelle der Gesellschaft.

Deshalb (nein, nicht deshalb – das wäre auch so, wenn es nicht im Grundgesetz stünde…) ist der Ehe von Mann und Frau eine unverwechselbare Priorität zu geben, um es noch deutlicher zu sagen: ihr Alleinstellungsmerkmal zu stärken. (So weit, so gut. Wie wollen wir das „Alleinstellungsmerkmal stärken“? Ist das eine Forderung nach der Abschaffung der ebenso eheähnlichen wie unmoralischen „Eingetragenen Partnerschaft“? Es wäre an der Zeit.)

Welt Online: Vor einem Jahr zeigten Sie sich skeptisch gegenüber der Einschätzung des Bundespräsidenten, dass der Islam zu Deutschland gehöre. Sehen Sie aber in ethischen Fragen nicht Übereinstimmungen zwischen Christen und Muslimen?

Tebartz-van Elst: Durchaus. Denken Sie an die Stellung von Ehe und Familie (etwa bei der Polygamie, bei der Verstoßung der Frau durch den Mann usw. Eindeutige Gemeinsamkeiten…) , die Bewahrung der Schöpfung, den Schutz des Lebens (etwa Ehrenmorde, Selbstmordattentate…) . Da sind wir nahe beieinander. (Eindeutig. Das haben wir gesehen.) Das hat sich beispielsweise in der Diskussion um die PID gezeigt. (Ja, es gibt wirklich Gemeinsamkeiten. Man verstehe mich nicht falsch. Ich bin auch der Meinung, die Gemeinsamkeiten sollten herausgestellt werden – aber nicht ohne auch auf die Unterschiede in ethischer Hinsicht zu verweisen.)

Welt Online: Wo sind die Differenzen?

Tebartz-van Elst: Eindeutig dort, wo es um Glaubensfragen geht. Wo wir als Christen in Jesus Christus die unüberbietbare Selbstmitteilung Gottes (ich hatte gedacht, er sei „der Sohn Gottes“, nicht die „unüberbietbare Selbstmitteilung“ – ich habe jedenfalls bei meinem Übertritt das Credo bekannt und dort war vom Sohn und nicht von der Selbstmitteilung die Rede. Ich kann mich aber auch verhört haben…) begreifen und bekennen, kommen der Zuspruch und der Anspruch des Evangeliums zur Geltung. Europa ist ein Kontinent, der wesentlich geprägt ist von der Botschaft des Evangeliums. (Jetzt muss der Bischof noch die Vergangenheitsform meistern. Der Kontinent WAR geprägt vom Christentum. Diese längst verblichene Religion hat heute keinen wahrnehmbaren Einfluss mehr auf den Kontinent, zumal ihre offiziellen Vertreter sich mehrheitlich nicht mehr offen und klar zu ihren Lehren bekennen, sondern sich hinter Zeitgeistfloskeln verstecken – von Ausnahmen wie dem Bischof von Limburg mal abgesehen.)

Welt Online: Sie haben von einer christlichen Leitkultur gesprochen …

Tebartz-van Elst: …was nicht heißen soll, dass andere Kulturen bei uns keinen Platz haben. (Natürlich nicht. Der Multikulturalismus ist schließlich Teil der Ersatzreligion, die wir alle angenommen haben! Das bloß noch als kulturelles Bindemittel verstandene Christentum, das Breivik-Christentum, ist eher Problem als Lösung. Das weiß der Bischof auch – für ihn ist das Christentum nicht bloß ein kulturelles Phänomen. Aber es wird trotzdem reflexartig suggeriert.) Es geht mir um etwas anderes. Ich möchte daran erinnern, was in unserer Gesellschaft vom Geist des Christentums geprägt worden ist. (Hier ist die Vergangenheitsform. Sie IST GEPRÄGT WORDEN. Sie wird es nicht mehr.) Werte und Haltungen kommen aus dem Gottes- und Menschenbild des Evangeliums und sind durch die christliche Prägung des Kontinents so sehr zum Allgemeingut unseres Denkens geworden, dass wir sie nicht mehr ausdrücklich als christlich identifizieren. (Wenn der Bischof sich auf Konzepte bezieht, die durch die protestantische Häresie und die selbsternannte „Aufklärung“ aus ihrem angemessenen Kontext gerissen und dadurch pervertiert wurden, dann hat er zwar Recht, aber an solchen ideologisierten und aus ihrem Kontext gerissenen Ideen ist wenig Bewahrenswertes zu finden. Was für Ideen meint er also?)

Welt Online: Zum Beispiel?

Tebartz-van Elst: Rechtsprechung, Rechtsstaatlichkeit und Rechtsauffassung verdanken sich dem christlichen Menschenbild. Unser Grundgesetz beruft sich ausdrücklich auf dieses Fundament und lässt sich nicht anders verstehen. (Ja, das ist ganz schön. Vermutlich werden Konzepte wie Rechtsstaatlichkeit auch wieder verschwinden, wenn noch einige Generationen aggressiver Entchristlichung durch Wirtschaft, Politik, Medien und Bildungsestablishment vergangen sind. Oder wenn man, um etwas scherzhaft zu schließen, im allumfassenden „Kampf gegen Rechts“ auch diese drei „Rechts“-Konzepte bald als Gefahr für die Demokratie ansieht.)

Zusammenfassend ist nicht zu leugnen, dass es zuweilen eine Wohltat sein kann, einen Bischof zu hören, der tatsächlich nicht vor der Lehre der Kirche wegläuft. Nirgendwo leugnet Bischof Tebartz-van Elst ein Dogma oder agitiert gegen Rom und den Heiligen Vater. Dafür ist ihm zu danken. Doch was er sagt, ist dermaßen vorsichtig und brav im gemäßigt-konservativen Bürgertum zu verorten, es ist so zögerlich, so zaudernd. Es ist alles weitgehend richtig, aber es fehlt die Konsequenz, die Klarheit und Deutlichkeit, die die Päpste in den unten Enzykliken immer an den Tag gelegt haben, weshalb ich nicht umhin kann, sie dem Leser erneut anzuempfehlen.

Wir Katholiken sind heute die Gegenkultur, wir sind heute die Rebellen gegen das Establishment – die Lage ist dieselbe wie in den 50er-Jahren, nur genau umgekehrt. Damals gab es eine Rebellion gegen eine zumindest teilweise noch christlich geprägte Gesellschaft. Heute kann es nur noch eine Rebellion geben: Und das ist die Rebellion des wahren Glaubens. Alles andere ist langweilig, abgestanden, öde. Das sollte sich auch an unserem Verhalten zeigen. Wir stehen aktiv gegen die heutige Mehrheitskultur der Moderne, wir stehen gegen alle ihre Verirrungen und Verwirrungen. Eine Verständigung wünschen wir dringend – in Form einer Kapitulation der Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft vor ihrem Erlöser Jesus Christus.Nicht aber in Form eines faulen Kompromisses.

Was sagen die Päpste zu dem Thema? Eine Auswahl wesentlicher Enzykliken zu den Themen Ehe, Familie, Sexualität, Kinder und Jugend, sowie zum grundlegenden Gedankengut der katholischen Soziallehre:

Rerum Novarum (Soziallehre allgemein, Leo XIII.) – Generell zur Lektüre zu empfehlen, besonders jenen, die sich öffentlich zu Äußerungen zur katholischen Soziallehre berufen fühlen, darunter Kardinal Marx.

Arcanum Divinum Sapientiae (Christliche Ehe, Leo XIII.)

Divini Illius Magistri (Erziehung der Jugend, Pius XI.)

Casti Connubii (Christliche Ehe, Pius XI. – Absolut wesentliche Grundlagenenzyklika, die jeder Katholik kennen und verinnerlichen sollte, bevor er sich zu diesem Thema öffentlich vorwagt!)

Humanae Vitae (Sexualität und Fortpflanzung, Paul VI. – Ebenfalls wesentlich und grundlegend.)

Bischof Tebartz-van Elst zu Ehe und Familie (Teil 1 von 2)

Die katholische Kirche in Deutschland hat in den letzten gut 40 Jahren gesellschaftspolitisch weitgehend stillgehalten. Ob Verhütung, Abtreibung, Zerstörung der traditionellen Familie, Feminismus und Gender Mainstreaming, Homo-Ehe, Künstliche Befruchtung, PID und zunehmend auch Euthanasie – die Revolution der letzten gut 40 Jahre ist selten anders als mit Schulterzucken, Gleichgültigkeit und einzelne, selbst innerhalb der Kirche marginalisierte unerschrockene Wortmeldungen begleitet worden. Durch die stillschweigende Duldung, die mit der Reaktion auf Humanae Vitae und in der Frage der zur Tötung der Unschuldigen berechtigenden Beratungsscheine teilweise gar in direkte Unterstützung der vom Seligen Papst Johannes Paul II. so benannten „Kultur des Todes“ ausgeartet ist, war hierzulande die einzige ernstzunehmende Opposition verstummt. In Deutschland wurde die Kirche wie in den meisten anderen westlichen Ländern natürlich immer noch diffus als Hüterin des Lebensrechts, der natürlichen Familie und des natürlichen Todes wahrgenommen und entsprechend diffamiert – doch die Bischöfe taten sehr wenig, um diesen diffusen Ruf mit Leben, Inhalt und vor allem Argumenten zu füllen. Eine Situation, die auf Gemeindeebene, von einigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen, wenn überhaupt noch schlimmer aussah.

Und mehr noch, eine Situation, die sich bis heute nicht geändert hat, auch wenn mit Bischof Tebartz-van Elst aus Limburg als Familienbischof mal wieder ein Hirte den Mund zu solchen Fragen öffnet, und vor der Lehre der Kirche nicht davonläuft. Im Folgenden das WELT-Interview mit dem Bischof von Limburg vom 5. Dezember präsentiert und wie üblich in rot kommentiert.

Welt Online: Der Streit über das Betreuungsgeld für Eltern gleicht einem Glaubenskampf. Wie steht der katholische Familienbischof dazu? (Schon dass man diese Frage überhaupt stellen muss, sagt uns viel über das angstvolle Schweigen seitens des deutschen Episkopats.)

Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst: Aus Sicht der Kirche begrüße ich alle Initiativen, die den Erziehungsauftrag der Eltern unterstützen. Wo Eltern in der Lage sind, ihren Kindern in den ersten drei Lebensjahren (warum nur in den ersten drei Jahren? Warum die Anpassung an die Kindergartenmentalität? Ist die „Selbstverwirklichung“ der Eltern danach erste Priorität für den „Familienbischof“? Warum nutzt man nicht die Gelegenheit zu deutlichen Aussagen über Grundsatzfragen?) all das zu geben, was der seelischen und leiblichen Entwicklung des Kindes dient, sollte der Staat dies unbedingt fördern – auch um das Bewusstsein wachzuhalten, dass eine verlässliche Mutter-Kind- und Eltern-Kind-Beziehung nicht adäquat durch andere Einrichtungen ersetzt werden kann. (Das ist soweit richtig. Aber das trifft auf das vierte, fünfte, sechste… Lebensjahr genauso zu. Auch dass Eltern ihre Kinder in Kindergärten abladen, um nicht mehr von ihnen behindert zu werden, während sie ihren erlauchten Selbstverwirklichungsträumen nachhechten, ist nicht gerade eine löbliche Entwicklung. Zumal Kinder in Kindergärten heutzutage generell nicht gerade im christlichen Geiste erzogen werden, selbst in sogenannten katholischen Kindergärten.)

Welt Online: Daraus spricht Skepsis gegenüber Kinderkrippen. (Maria hätte ihren Sohn niemals weggegeben, und Joseph auch nicht. Die heutigen Ablagehalden für Kinder sollten nicht denselben Namen tragen, wie die Krippe, in der das Jesuskind liegt… Ich schlage vor: Kind-Zentralisationslager)

Tebartz-van Elst: Der Erziehungsauftrag der Eltern hat auch nach unserem Grundgesetz unbedingte Priorität. (Ja, nach unserem Grundgesetz ist das so. Welche kindliche Naivität veranlasst den Bischof zu glauben, das Grundgesetz spiele in der heutigen Republik noch irgendeine nicht-antiquarische Rolle? Im Grundgesetz steht auch das Recht auf Leben, das seit Jahrzehnten von allen relevanten politischen Kräften rituell mit Füßen getreten wird. Und spätestens seit dem Knebelvertrag von Lissabon ist die Bundesrepublik ohnehin nur noch von historischem Interesse und faktisch längst eine Sowjetrepublik der EU)

Welt Online: Und wenn Eltern nicht in der Lage sind, diesen Auftrag zu erfüllen?

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Tebartz-van Elst: Wo Eltern dieser Verantwortung nicht angemessen nachkommen können, sind Kinderkrippen immer die zweitbeste Lösung. (Nein. Das wären Großeltern und andere Verwandte. Alternativ könnte ein solches Kind auch per Adoption Eltern gegeben werden, welche tatsächlich ein Interesse an dem Kind entwickeln, und es nicht bloß als Konsumgut sehen. Ein Kind in eine so genannte „Krippe“ zu geben, gerade wenn man bedenkt, was das vorherrschende ideologische Gedankengut ist, das hinter der Krippenidee steht, ist nichts als eine besonders subtile und daher besonders perfide Form der Kindesmisshandlung. Ja, es mag Ausnahmen geben. Doch Krippen apodiktisch als „zweitbeste Lösung“ darzustellen, ist schlicht falsch.)  Zielrichtung aller Bemühungen um das Wohl des Kindes muss deshalb für die Politik die Stärkung der Eltern in ihrer Erziehungsverantwortung sein.

Welt Online: Was „Familie“ ist, darüber scheint es heute in der Gesellschaft keinen Konsens mehr zu geben. Hat es der Bischof und Theologe leichter mit einer Definition?

Tebartz-van Elst: Theologisch gesehen ist Familie „Kirche im Kleinen“, ecclesiola, Abbild des Bildes Gottes mit den Menschen und Zeichen seiner unwiderruflichen Treue. (Schöne Worte. Teilt das noch ein anderer Bischof so?) Gesellschaftspolitisch betrachtet ist Familie das, was das Grundgesetz definiert: die Keimzelle unseres Gemeinwesens. Beides beschreibt, was Familie bedeutet. (Ja, doch da gibt es noch die Soziallehre der Kirche, die ebenfalls etwas zur Familie sagt, was Bischof Marx, der sich scheinbar zum obersten Soziallehrer der Bischofskonferenz berufen fühlt, gern verschweigt. Ich empfehle die Enzykliken der Päpste zu diesem Thema – Links siehe auf der Seite „Lehre der Kirche“ auf diesem Blog, oder am Ende dieses Artikels.)

Welt Online: Das Begriffspaar Ehe und Familie ist für die Kirche nicht aufzulösen, aber offensichtlich für die Gesellschaft … (Die Säure des Modernismus zerfrisst alles. Sie löst alles auf, selbst die grundlegenden Bausteine der Gesellschaft. Doch damit sägt sich die Gesellschaft den Ast ab, auf dem sie sitzt, solange es ihr nicht gelingt, den fortpflanzungsprozess in Laboratorien zu synthetisieren und damit auch praktisch von der Sexualität zu trennen. Welche Folgen das haben wird, werden wir, falls das System lange genug durchhält, womöglich noch sehen. Ich empfehle Huxleys Brave New World zu dem Thema. Er war zwar Atheist, aber dennoch zuweilen prophetisch.)

Tebartz-van Elst: …und das halte ich für äußerst problematisch. (Problematisch ist eine schwache Formulierung für „absolut katastrophal“) Denn wo, wenn nicht in der Familie, lassen sich die Ausprägung von Personalität, das Erlernen von Solidarität und das Praktizieren von Subsidiarität besser erfahren? (Solidarität und Subsidiarität: Zwei wesentliche Grundsätze der Soziallehre) Zu diesem unverwechselbaren Lebensentwurf von Ehe und Familie kann es deshalb aus christlicher Sicht keine Alternative geben. (Aus christlicher Sicht? Handelt es sich bei Ehe und Familie also um eine Art christliche Sonderlehre, die sich speziell aus der christlichen Offenbarung ergibt? Seltsam, ergibt sich doch nach der naturrechtlichen Ethik das Verständnis von Ehe und Familie, welches auch die Kirche teilt, bereits durch die natürliche Vernunft.)

Welt Online: Sie meinen, mit ihrem Familienbild sei die Kirche up to date. In politischen Debatten sieht sie eher alt aus. (Welche politischen Debatten? Die Kirche schweigt sich weitgehend aus.)

Tebartz-van Elst: Wir sind mit unserem Verständnis von Ehe und Familie up to date, weil junge Menschen sie nach wie vor in ihrer Lebensplanung als erstrebenswert erachten und sie an die erste Stelle setzen. (Sachlich falsch. Sie mögen das in Umfragen behaupten – kostet ja nichts. Aber praktisch haben Ehe und Familie keine normative Bedeutung mehr in der heutigen Gesellschaft der jungen Leute. Klar sagen sie, „Familie“ sei ihnen wichtig – doch Familie ist dann das unverbindliche Zusammenleben einiger Sexualpartner und vielleicht noch die Zeugung von Kindern mit sofortiger Weitergabe an die Krippe, den Kindergarten usw., also ohne Verantwortung und Bindung.) Zahlreiche Umfragen bestätigen diesen Wert. Wer in den persönlichen Beziehungen Zuverlässigkeit und Treue erlebt, der geht mit Veränderung und Brüchen in unserer Gesellschaft zuversichtlicher um. (Ach so, jetzt reduziert der Bischof den Wert der Familie auf das subjektive Erleben von Zuverlässigkeit und Treue, die den Menschen dazu befähigten, mit „Brüchen“ besser umzugehen. Traurig, aber wahr. An solchen Äußerungen, die ja nicht falsch sind, aber unvollständig, sieht man wie sehr selbst die besseren unter den deutschen Hirten dem Zeitgeist des Modernismus anheim gefallen sind. Die natürliche Vernunft wird gar nicht bemüht, religiöse Argumente fehlen ebenfalls, es bleibt ein psychologischer Appell, die Familie sei nötig, um die Brüche der Moderne verarbeiten zu helfen. Sorry, auf ein solches klinisch von christlichen Elementen gereinigtes Familienbild kann ich verzichten.)

Wer sich persönlich gehalten weiß, kann Fragilität im Leben besser ertragen.

Welt Online: Dennoch beginnt sich ein anderes Bild durchzusetzen: Familie ist da, wo Kinder sind. (Ja, zum Beispiel in der Schule, auf Kinderfriedhöfen oder in Krippen…)

Tebartz-van Elst: Dieser Vorstellung von Familie muss ich widersprechen. (Und warum?) Diese Umschreibung bringt nicht zum Ausdruck, was wir als Christen (wieder eine christliche Sonderlehre? Oder versucht der Bischof nur den vielen gleichberechtigten Alternativreligionen nicht auf die Füße zu treten?) unter Ehe und Familie verstehen. Denn mit Ehe und Familie ist wesenhaft (ist das als Äußerung eines Wesensbegriffs im Geiste der traditionellen Philosophie zu verstehen? Wenn ja, sollte man das dann nicht erläutern, um auch die 99,999% der Leser mit einzubeziehen, die den Hl. Thomas nicht gelesen haben? Und wenn nicht, dann ist es bloß eine Leerfloskel.) die Bereitschaft verbunden, Nachkommen das Leben zu schenken und sie auf dem Fundament lebenslanger Treue (wann hat sich die Kirche in Deutschland zuletzt ernsthaft gegen die Scheidung ausgesprochen? Vermag mich nicht daran zu erinnern.) ins Leben zu begleiten. Im christlichen Verständnis sind Kinder ein Geschenk, denn in ihnen nimmt die Liebe der Partner neue Gestalt an.

Die Weitergabe des Lebens gehört für Christen existenziell zum Schöpfungsverständnis. (Für die Bischofskonferenz nach dem Verrat an Humanae Vitae durch die Königssteiner Erklärung gehört die Weitergabe des Lebens wohl eher ins Museum überalterter, fundamentalistischer Irrwege. Wenn Sie das anders sehen, Exzellenz, wo ist dann ihr Einsatz gegen die widernatürliche Verhütungsmentalität?) Ich halte es für außerordentlich problematisch (nur problematisch? Dann ist’s ja nicht so schlimm. Probleme haben wir viele, braucht man sich ja nicht gleich darüber aufzuregen, oder?), wenn sich immer stärker Vorbehalte gegenüber der Weitergabe des Lebens zeigen. (Seit Jahrzehnten dominieren diese Vorbehalte, genährt von wohlwollender Neutralität seitens der deutschen Bischöfe. Es grenzt an Volksverdummung, davon zu sprechen, derartige Vorbehalte „zeigten“ sich derzeit „immer stärker“. Sie sind längst seit Jahrzehnten dominant.)

Wie sehr das christliche Verständnis von Ehe und Familie und die demografische Entwicklung zusammenhängen, macht schon eine Allensbach-Umfrage aus dem Jahr 2004 deutlich: Menschen gaben hier an, deshalb keine Kinder zu bekommen, weil ihnen der richtige, verlässliche Partner fehle, obwohl sie es prinzipiell wollen. (Menschen wollen prinzipiell Kinder – als Konsumgüter. Sie denken an sich und erkennen, dass sie gern Nachwuchs hätten. Das ist der Unterschied zwischen haben und sein. Sie wollen Kinder HABEN, aber nicht Eltern SEIN. Denn Verantwortung? Abstriche von der besinnungslosen Akkumulation lebloser Konsumgegenstände zur Betäubung der inneren seelischen Leere? Nein, danke.)

Soweit der erste Teil des Interviews, samt Kommentar. Der zweite Teil folgt wahrscheinlich morgen.

Bischof Davies zu Eugenik und Holocaust

Der Bischof von Shrewsbury, Marc Davies, hat laut kath.net anlässlich eines britischen Holocaustgedenktags klare Worte zum Thema der Wiederkehr der Eugenik gefunden, und damit eine selten erwähnte Verbindung zwischen der Nazizeit und der teilweise tagesaktuellen politischen Fragestellung nach Wert und Würde des unschuldigen menschlichen Lebens gezogen. Kath.net berichtet:

Seit dem Holocaust hätten Massenmorde und Völkermorde „weiterhin die Geschichte verunstaltet“. Und „wir können nicht vergessen, dass sich die Rückkehr“ der Eugenik „direkt gegen die Ungeborenen und die Schutzlosen richtet, die man ‚lebensunfähig‘ nennt oder die mit dem ‚Gnadentod‘ bedroht werden. Der Kampf gegen das Böse geht weiter“.

Es findet tatsächlich eine Rückkehr der Eugenik statt, vielleicht nicht mehr in der direkten Absicht der Ausrottung von als minderwertig empfundenen Rassen, doch in einer eng verwandten Absicht. Seit Jahren drängen einflussreiche Kräfte in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien auf die Legalisierung der Tötung altersschwacher, schwerkranker und angeblich nicht mehr lebenswerter Menschen, zuerst noch unter dem Deckmäntelchen der Freiwilligkeit. Doch wie freiwillig ist die Handlung eines alten, kranken Menschen, dem gesellschaftlich über Jahre hinweg suggeriert wird, sein Leben sei doch nicht mehr lebenswert? Allein dieses eine Argument fegt schon die jahrelange Propaganda zum Thema restlos hinfort. Was die interessierten Eliten nicht an der weiteren Verschärfung der Propaganda hindert.

Die Vorstellung, Eugenik sei die Domäne der Nazis gewesen, ist im übrigen vollkommen falsch. Eugenik war, gerade unter den fortschrittlichen, modernen Eliten des frühen 20. Jahrhunderts „der letzte Schrei“. Man dürfe, so entschied der amerikanische Supreme Court, sicher kein Hort des Nationalsozialismus, Zwangssterilisierung durchführen, da „drei Generationen von Geistesschwachen genug“ seien. In den üblichen fortschrittlichen Ländern der USA, darunter an erster Stelle Kalifornien, waren diese Methoden besonders beliebt. Es gibt sehr interessante Parallelen zwischen der Arbeit von Margaret Sanger, der Gründerin von Planned Parenthood, in den 1920er Jahren (sie war übrigens gern gesehener Gast beim Ku-Klux-Klan wegen ihrer Haltung zur Entsorgung der angeblich minderwertigen Schwarzen) und der Arbeit der von ihr gegründeten Organisation bis heute. Verhütung, Sterilisierung, Abtreibung, Euthanasie, wenn möglich freiwillig, wenn nötig auch zwangsweise, immer aber in süßliche Lügen eingekleidet, um das Volk über die wahren Absichten zu täuschen – das war damals das Programm, und das ist es bis heute.

So gehört eine zumindest wohlwollende Neutralität gegenüber der zwangsweisen Bevölkerungskontrolle mittels Abtreibungen durch die chinesische Ein-Kind-Politik unter einflussreichen Eliten in der westlichen Welt mehr oder weniger zum guten Ton. Abtreibung, Verhütung und Sterilisierung gelten schon fast als Grundrechte, und die Euthanasie wird gerade wieder hoffähig gemacht.

Damals ging es oft gegen „minderwertige“ Völker – man wollte die „minderwertigen“ Rassen auslöschen oder zumindest an der Fortpflanzung hindern, um die (in der Regel weiße) Herrenrasse zu fördern. Selbstverständlich zum Wohl der ganzen Menschheit, wurden doch dem Weißen allein die für Zivilisation und Fortschritt notwendigen Qualitäten zugeschrieben.

Heute ist man weniger differenziert. Es geht gegen alle Völker, in der Regel im Namen des Umweltschutzes. Der vom Menschen verursachte Klimawandel wird dazu gern als Vorwand benutzt. Weniger Menschen heißt nach dieser Ideologie auch weniger gefährliche Emissionen, und damit eine gesündere Umwelt. Nur bitte nicht den eigenen Luxus in Frage stellen, denn mit einer bescheideneren Lebensweise der Menschen wäre auch Platz für alle auf der Erde, aber darüber darf man ja nicht sprechen. Zuweilen wird zusätzlich zu dem Umweltargument auch noch von der Befreiung der Frau aus den Fesseln der Mutterrolle angesprochen, die bekanntlich ebenfalls eine sehr hohe Priorität unter westlichen Eliten einnimmt – im Namen der „Gleichstellung“ oder des „Gender Mainstreaming“, welches sowohl von der UNO als auch von der EU als wesentliches Ziel anerkannt und Entwicklungsländern aufgezwungen wird und die aggressive Unterstützung fast aller westlichen Staaten findet. Auch hier gilt natürlich: Weniger Kinder heißt weniger Belastung durch Kinder – also mehr „Freiheit“ für Frauen und Männer zu tun und zu lassen was sie wollen.

Die konkreten Motivationen mögen sich der Zeit anpassen – die Methoden tun es nicht, und sie sind genauso verwerflich wie damals. Auch wenn die heutigen Protagonisten nicht zum Ku-Klux-Klan gehen oder widerliche Schnurrbärte tragen.

Es ist schön, dass diese offensichtliche Parallele auch einmal von einem Bischof erkannt und angesprochen wird.

Schade, dass die deutschen Bischöfe lieber durch ihr Verhalten stillschweigende Zustimmung zur wachsenden Kultur des Todes (wie dies der Selige Johannes Paul II. formuliert hat) signalisieren, statt ihren verbleibenden Einfluss zu energischem Kampf für Wert und Würde aller Menschen, vom Moment der Zeugung bis zum natürlichen Tod, zu nutzen.

Lobt-die-Hirten-Woche: Limburger Nachwuchs (Teil 5/6)

Der Limburger Bischof Franz Peter Tebartz-van Elst, geboren 1959, gehört mit 52 Jahren zum jüngeren Teil des deutschen Episkopats. Zudem ist er oft als Hoffnungsträger für den romtreuen Teil der katholischen Kirche bezeichnet worden. Stimmt das? Nun, wenn man sich einen Spiegel-Artikel aus dem Jahr 2010 anschaut, so muss er wohl irgendwie einen Nerv getroffen haben: Einige Zitate:

Tebartz-van Elst, 50, ist einer der jüngsten deutschen Bischöfe und für manche die derzeit größte Hoffnung: als Mann der Antimoderne, einer mit dem Ideal der „marianischen Berufung“, der fromme Traditionen wiederbelebt und den weltlichen Zeitgeist bekämpft.

(…)

Zügig machte er sich daran, seine Diözese auf Kurs zu bringen. Protagonisten der Kamphaus-Kirche [Kamphaus war Tebartz-van Elsts Vorgänger im Bistum]  verloren ihre Posten oder suchten freiwillig das Weite. Schützenhilfe gab es von seinem väterlichen Ratgeber (Hört sich gut an.) Meisner aus Köln, der seinen Zögling in das Amt eingeführt hat und regelmäßig telefonisch berät. Von ihm bekam Tebartz-van Elst auch bewährtes Leitungspersonal für seine Pressestelle und das Diözesangericht vermittelt. Von einem „guten mitbrüderlichen Verhältnis“ schwärmt denn auch die Pressefrau mit Blick auf ihren alten und ihren neuen Chef. Wenn es gut für ihn läuft, könnte Tebartz-van Elst schon bald Meisners Erzbistum erben. (Wäre zu hoffen. Sonst wüsste ich kaum einen geeigneten Kandidaten.)

(…)

Ob die Proteste im Bistum Limburg dabei im Vatikan als Empfehlung dienen oder schaden, ist vorerst offen. Sicher ist: Der Streit zwischen Bischof, Priestern und Gläubigen ist hier so heftig wie in kaum einer anderen deutschen Diözese. (Ein heftiger Streit zwischen den Verbandskatholiken und der Mehrzahl der Laienfunktionären auf der einen Seite und dem Bischof und kirchentreuen Katholiken auf der anderen Seite ist zwar sicher nicht ideal, aber der Streit ist lange überfällig. Dass er so heftig ausgetragen wird, zeigt uns, woher der Wind unter Bischof Tebartz-van Elst weht. Hier versucht jemand zumindest ein wenig aufzuräumen. Irgendwie trifft der Mann einen Nerv; wir werden gleich noch sehen warum.)

(…)

Der Limburger Bischof stehe „für eine Rolle rückwärts in die Mitte des vorletzten Jahrhunderts“ (Wie gesagt, klingt gut. Wenn man falsch abgebogen ist, dann ist derjenige, der zuerst umkehrt, der wahrhaft fortschrittliche Mensch, wusste schon C.S. Lewis) , bedauert Albert Dexelmann, 63, ebenfalls Pfarrer im Bistum.

(…)

Schnell machte er Karriere, schon im Priesterseminar fiel er durch eine „liturgiefixierte“ Frömmigkeit („Save the Liturgy, Save the World“, um Father Z zu zitieren) auf, in Münster weihte ihn 2004 der damalige, dem Opus Dei nahestehende Ortsbischof zum Weihbischof, vier Jahre später folgte schon der Ruf nach Limburg. (Eine Blitzkarriere. Doch wohin führt sie?)

(…)

„Die Kirche darf nicht in der Welt aufgehen und sich ihr gleichmachen, weil ihre Botschaft über die Welt hinausgeht“, so Tebartz-van Elst, „eine vorschnelle Anpassung an scheinbare Mehrheiten und Meinungen“ dürfe es nicht geben.

(…)

In Limburg wird derweil deutlich, wie Tebartz-van Elst „die Zukunft des gelebten Glaubens“ konkret versteht. Statt 341 Pfarreien soll es künftig nur noch wenige Großgemeinden geben. (Welch eine hervorragende Idee! Dadurch wird der Funktionärskaste so ziemlich das Wasser abgegraben. Wie viele „GemeindereferentInnen“ und „GemeinderätInnen“ da wegrationalisiert werden können! Wie sehr Priester sich wieder auf ihre Pfarrei konzentrieren können, statt mehrere Gemeinden versorgen zu müssen! Dieser Reformplan ist ein großer Wurf, wenn er denn konsequent und ohne Kompromisse durchgezogen wird. Bei etwa 76000 regelmäßigen Messbesuchern braucht man keinesfalls mehr als 100 Pfarreien. Da wundert man sich auch nicht mehr über die wütenden Angriffe gegen den Bischof seitens des verbandskatholischen Apparats.)

(…)

Wer von den Verbandskatholiken, WirrSündKirsche und dem Spiegel dermaßen angegriffen wird, der kann eigentlich kaum ein schlechter Hirte sein…

Der Bischof scheut sich auch nicht, zugunsten von Familien Stellung zu nehmen, wie aus dem kath.net-Artikel hervorgeht, den ich hier anführen möchte. Der Bischof wird dort zitiert:

Eltern tragen eine unabweisbare Verantwortung für ihre Kinder, die ihnen anvertraut sind. (Ihnen, den Eltern, nicht dem Staat.) Um dieser Verantwortung, besonders in den ersten Jahren, gerecht werden zu können, brauchen Eltern eine ausreichend abgesicherte existentielle Grundlage. (Eltern, nicht Krippen, müssen gefördert werden, wenn man denn schon staatliche Sozialprogramme einführen möchte.) Fragt man die Eltern selbst nach ihren äußeren Bedürfnissen für diese Zeit, dann lassen sich die Antworten im Wesentlichen den drei Aspekten Zeit, Geld und Infrastruktur zuordnen. (Wobei nicht ganz klar ist, wie dieser Satz in die Stellungnahme hineinpasst. Klar wollen Eltern Zeit und Geld. Infrastruktur kann sich wohl in diesem Zusammenhang nur auf Krippen und Kindergärten beziehen, worin man sieht, dass selbst der Bischof nicht vor Fehlschlüssen gefeit ist, wenn es um derartige praktische Fragen geht. Eltern mögen – heute ist alles vorstellbar – ihre Kinder lieber an externe Institutionen abtreten als sich selbst um sie zu kümmern. Warum das auch noch positiv erwähnt werden sollte, statt die dahinterstehende gleichgültige Haltung gegenüber dem „Konsumgut Kind“ scharf zu kritisieren, ist mir schleierhaft). Aus der Sicht der Kirche begrüße ich jene Initiativen, die Eltern in ihrem Erziehungsauftrag ausdrücklich unterstützen. Wo Eltern in der Lage sind, ihren Kindern in den ersten Lebensjahren zu geben, was für deren leibliche und seelische Entwicklung erforderlich ist, sollte der Staat dies deutlicher stärken. (Wie viele Jahre? Zwei? Drei? Sechs? Oder sollten Eltern ihren Kindern vielleicht immer das geben, was für „deren leibliche und seelische Entwicklung erforderlich ist“, statt sich egozentrisch selbstzuverwirklichen?) In unserer Gesellschaft ist bei aller Wertschätzung institutioneller Betreuung (warum sollte man, außerhalb von Extremsituationen das Ablegen von Kleinkindern in Betreuungslegebatterien wertschätzen? Vor allem, wenn es sich auch noch um säkularistische DDR-artige Krippen handelt?) das Bewusstsein entschiedener zu fördern, dass eine verlässliche Eltern-Kind-Beziehung gerade in den ersten Lebensjahren nicht einfach institutionell ersetzt werden kann. (Doch der Bischof bekommt die Kurve und sagt wenigstens noch das Wesentliche. Auch wenn er doch arg hinter der traditionellen katholischen Soziallehre der Kirche zurückbleibt, die doch die natürliche Familie etwas höher eingeschätzt hat, als es aus diesem Text deutlich wird.)

Das vor einigen Jahren anstelle des zweijährig gezahlten Bundeserziehungsgeldes eingeführte maximal bis zum 14. Lebensmonat gezahlte Elterngeld stellt viele Eltern nach Ablauf dieser Zeit vor die Entscheidung, die weitere Elternzeit anderweitig finanziell abzusichern oder aber das Kind in Fremdbetreuung zu geben und – ganztägig oder in Teilzeit – wieder in die Berufstätigkeit zurückzukehren. (Diesen schwerwiegenden Missbrauch staatlicher Gewalt hätte Papst Leo XIII. wohl nicht sehr positiv beurteilt, und mit ihm auch die anderen Päpste. Aus der Enzyklika Rerum Novarum: „Wenn Individuum und Familie, nachdem sie im Verbande der staatlichen Gesellschaft sind, seitens der letzteren nur Schädigung fänden statt Nutzen, nur Verletzung des ureigenen Rechtes statt Schutz, so würde der Staatsverband eher als Gegenstand der Abneigung und des Hasses erscheinen müssen denn als ein begehrenswertes Gut.“ Mal sehen wie Bischof Tebartz-van Elst das formuliert:) Viele individuelle Erfordernisse und Problemstellungen, wie etwa die Suche nach einer geeigneten Fremdbetreuungsmöglichkeit, eine Erkrankungsanfälligkeit oder eine langsamere Entwicklung des Kindes, erschwerte berufliche Wiedereinstiegsbedingungen und anderes mehr, machen diese Zeit der Umorientierung zusätzlich schwer. (Was soll daran relevant sein? Ja, es gibt manchmal Hindernisse, die die Zerstörung der natürlichen Familie erschweren. Feiern wir diese Hindernisse, statt ihre Existenz zu beklagen.)

Deshalb ist es – ganz unabhängig von jeder Bewertung elterlicher oder institutioneller Betreuung (aber eine solche Bewertung wäre gerade die Aufgabe eines Bischofs, oder? Das ist seine Kernkompetenz.) – erforderlich, Eltern in dieser Lebensphase zusätzlich zu den bestehenden Leistungen Unterstützung anzubieten. In dieser Hinsicht ist das von der Bundesregierung ab 2013 geplante Betreuungsgeld ein Schritt in die richtige Richtung. (Das kann man wohl sagen. Doch die Prinzipien, die diesen Schluss ermöglichen, hat der Bischof leider verschwiegen oder modern schöngeredet) Zugleich ist die Feststellung des Familienbundes der deutschen Katholiken zu berücksichtigen, dass die vorgesehenen Leistungen von 100 Euro im zweiten Lebensjahr des Kindes (ab 2013) bzw. 150 Euro im zweiten und dritten Lebensjahr (ab 2014) bei weitem noch nicht ausreichend sind, um den Familien eine geeignete Absicherung zu geben. (Die Leistungen mögen nicht ausreichend sein. Ich gebe seiner Exzellenz Recht. Doch offen bleibt die Kernfrage der grundsätzlichen moralischen Bewertung der Abtretung von Kindern an staatliche oder andere säkularisierte Institutionen.)

Bei nüchterner Betrachtungsweise darf es der Politik weder um eine Entlohnung elterlicher Erziehungsleistungen noch um eine Prämie für den Verzicht auf Fremdbetreuung gehen, sondern um eine wertschätzende Ermöglichung notwendiger familiärer Handlungs- und Gestaltungsspielräume zum Wohl der Kinder. (Bei nüchterner Betrachtungsweise müsste der Staat jegliche Familienpolitik nach der katholischen Soziallehre ausrichten, wie sie in den Sozialenzykliken der Päpste dargelegt worden ist. So zu tun als ob Kinderlegebatterien auch nur entfernt vergleichbar mit der Erziehung in einer echten Familie seien, oder ein legitimes Mittel für den Regelfall sein könnten, ist nicht Teil der katholischen Soziallehre, deren Darstellung der Bischof hier bezogen auf das Thema der Kindererziehung zu unternehmen scheint.) Zielrichtung aller Bemühungen um das Wohl des Kindes muss deshalb für die Politik die Stärkung der Eltern in ihrer Erziehungsverantwortung sein. (Hier hingegen trifft der Bischof den Nagel wieder auf den Kopf. Die Erziehungsverantwortung der Eltern muss gestärkt werden).

Was können wir aus diesem Interview ziehen? In Bischof Tebartz-van Elst haben wir einen Hoffnungsträger vor uns, der sich wenigstens zu wichtigen Themen der Soziallehre äußert, statt belanglose Polit- und Soziologenfloskeln zugunsten staatlicher Preiskontrollen auf dem Arbeitsmarkt („Mindestlohn“) abzusondern. Zu bedauern ist allerdings, dass der Bischof eine grundsätzlichere Beschäftigung mit dem Thema Fremdbetreuung und Elternpflicht versäumt, in der es möglich gewesen wäre, auf der Basis der Lehre der Kirche grundlegende ethische Handlungsleitlinien zusammenzustellen, an denen sich eine gerechte, christliche Politik zu orientieren hätte. Dies unterlässt der Bischof, und beschränkt sich auf ein kurzes Statement, das an manchen Punkten in seiner Klarheit lobenswert ist, ohne jedoch die Konfrontation mit der etablierten feministischen Lobby in Politik, Medien und Gesellschaft auf die Spitze zu treiben, wie Bischof Mixa es vor einiger Zeit getan hat, oder wie es manche Hirten in den USA derzeit tun.

Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass aus dem Nachwuchs in Deutschlands Bischofskonferenz der Oberhirte von Limburg derzeit herausragt, weil er es schafft, sich mit den Verbänden in seinem Bistum anzulegen und eine richtungweisende Reform der Gemeindestrukturen vorantreibt. Er lässt jedoch noch die inhaltliche Prägnanz und Deutlichkeit eines Kardinal Meisner zu wichtigen Themen vermissen.

Alles in allem ist Bischof Tebartz-van Elst ein guter Hirte, der sich redlich um Treue zum Lehramt und das Heil der Seelen bemüht, und ihm gebührt daher, jenseits aller Ambivalenz und Vorsicht in seinen öffentlichen Äußerungen, über die ich weiter oben gesprochen habe, Lob und Dank.

Lobt-die-Hirten-Woche: Meisners Hirtenstab II (Teil 2/6)

Hier nun der zweite Teil meines Kommentars zu Kardinal Meisners Interview mit WELT am Sonntag, via kath.net. Zum ersten Teil geht es hier. Noch einmal zur Erinnerung. Wir hatten jetzt die Ökumene und einige Aussagen zum Thema Weltbild-Skandal und Entweltlichung. Kommen wir jetzt zum Fundamentalismus und einigen weiteren Perlen…

Es seien vor allem ein paar verklemmte Fundamentalisten, heißt es aber auch aus dem Innern der Kirche, die sich im Internet an den erotischen Rändern des großen und freien Angebots von WELTBILD stören?

Bei solch einem Argument kann man sein Gehör ruhig auf Durchzug stellen. (Melde Vollzug, Eminenz! Gehör auf Durchzug gestellt!) Die Fundamentalismus-Keule sollte man gründlich vergessen und ihren Gebrauch in der Kirche als unwürdig disqualifizieren. (Es folgt die beste Widerlegung des lachhaften Fundamentalismusvorwurfs im sexuellen oder „erotischen“ Bereich, die ich seit langem gelesen habe:) Was sind denn unsere Fundamente? Hier geht es einfach darum, was Paulus sagt: „Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist?“ (Nein, wissen wir heute nicht mehr. Wir sind zu modern dafür. Unser Leib ist nur noch ein Tempel der Egoreligion.) Insofern haben wir in der Verkündigung einzustehen für die Heiligung des Menschen und seines Leibes und können nicht Besitzer eines Unternehmens sein, das Schund und Schmutz verbreitet. (Schund und Schmutz! Klare Worte! Danke, Eminenz!) Das geht als Kirche in sich nicht. Dann können wir unsere Hirtenstäbe gleich aus der Hand legen. (Tun das nicht praktisch sehr viele? Sagte nicht Bischof Bode aus Osnabrück letztens, er habe gar nichts Festes zu vermitteln? Ich möchte erneut daran erinnern, dass man mit Hirtenstäben die Route zeigen kann, aber sie machen sich auch als Rute ganz prächtig.)

Nachdem WELT-online vor Wochen den Skandal einer großen Öffentlichkeit vorgestellt hat, wurden mir Seiten aus dem Internet zugeschickt, wo bei WELTBILD nicht nur erotische Literatur angeboten wurde, sondern auch offen satanistische Angebote. Ist in der Kirche der Teufel los?(Der Rauch des Satans ist in die Kirche eingedrungen, wusste schon Papst Paul  VI.)

Ich verstehe jeden, der das fragt, wenn wir Schriften von Kirchenfeinden, Esoterik, Erotik etcetera verbreiten. (Aber Eminenz! Ist das Verbreiten der Schriften von Kirchenfeinden nicht liberale Meinungsfreiheit? Sind nicht alle Meinungen gleich!? Endlich sagt es mal ein Kardinal. Schund ist und bleibt Schund und Irrtum ist und bleibt Irrtum.) Das kann ich alles nicht mehr nachvollziehen. Da gibt es nur noch eins: Wir müssen uns davon radikal trennen! Das ist auch für unseren Dialogprozess wichtig, wenn wir ihn ernst nehmen. (Wir müssen uns auch von unserem Dialogprozess radikal trennen, aber das ist ein anderes Thema.) So viele Menschen schreiben uns in dieser Frage Briefe, in denen sie uns gleichsam flehentlich bitten: „Geben Sie Weltbild auf, damit die Kirche wirklich die Kirche Jesu Christi bleibt!“ Darum gibt es für mich gar keine Alternative. (Bei dem letzten Satz wird mir wieder mulmig. Man müsste sich auch von Weltbild trennen, wenn nicht viele Menschen das fordern würden… Aber ich weiß, dass der Kardinal Meisner das genauso sieht.)

„Um ihrem eigentlichen Auftrag zu genügen“, sagte der Papst auch noch in Freiburg, „muss die Kirche immer wieder die Anstrengung unternehmen, sich von ihrer Verweltlichung zu lösen und wieder offen auf Gott hin zu werden.“ Auch jetzt sei es wieder an der Zeit für eine „wahre Entweltlichung“ der Kirche. Wie lässt sich diese Rede auf den WELTBILD-Komplex praktisch anwenden und konkret umsetzen?

Das heißt ganz einfach: Wir müssen uns davon verabschieden. Hier ist Welt in einer Weise in die Kirche eingedrungen, die schlicht nicht zu akzeptieren ist. (Klar. Kraftvoll. Kardinal Meisner. Warum ist der Mann nicht zwanzig Jahre jünger?)

Ist das nicht weltflüchtig?(Ist diese Frage ein Weltflüchtigkeitsfehler?)

(Achtung: Das Salz der Erde und das Salz der Suppe. Die Erde als Suppe. Typisch kölsches Denken, aber irgendwie treffend:) Das möchte man dem Papst jetzt wieder anhängen. Aber: Wir sind das Salz der Erde! Wir sind nicht weltflüchtig. Das ist der Auftrag, den der Herr uns gegeben hat. Wenn Sie aber 5 Gramm Salz mit 5 Kilo Sand vermischen, dann ist das Salz unwirksam. Es taugt zu nichts. Das Salz muss vom Sand befreit werden, dann kann das Salz in Reinkultur in die Weltsuppe hineingerührt werden, das ihr dann Würze, Geschmack und Schärfe verleiht. So müssen wir auch die Kirche reinigen und alles aufgeben, was nicht zu ihr gehört. (Wie? Es gibt etwas, das nicht zur Kirche gehört? Aber sind wir nicht vielfältig? Gastfreundlich? Dialogbereit? Modern? Weltoffen? Und dergleichen mehr?)
(…)

Ihr Vorgänger, Kardinal Höffner, hat sich noch als Vorsitzender der Bischofskonferenzen begriffen – die sich nur dann konkretisierten, wenn sie zusammentraten. Das hat sich durch das ständige Sekretariat der Bischofskonferenz stark geändert. Jetzt könnte man fast auf den Gedanken kommen, Jesus habe keine Apostel berufen, sondern eine Apostelkonferenz?(Gegenpäpstin Julia I. aus Freiburg-Avignon fordert ja sogar eine PäpstInnenKonFeRenz. Absurd ist heute nichts mehr.)

Christus hat einzelne Apostel berufen und sie in einer Kollegialität beheimatet. Umgekehrt kann sich aber keiner hinter der Fassade einer so genannten Kollegialität oder einer Konferenz verstecken. (Doch kann er. Das ist das Problem dabei. Sind alle zuständig, ist keiner zuständig.) Wo es um wesentliche Fragen geht, muss man auch als Einzelner hervortreten. Das ist nicht leicht, aber da hilft alles andere nicht. (Es wird in Abwesenheit von Bischofskonferenzen, die sich antikatholisch nach nationalen Grenzen segregieren, jedoch deutlich erleichtert.) Aber wir sind natürlich gehalten, in der Kirche als Communio zu handeln, und wenn wir Bischöfe uns öffentlich auseinanderdividieren, was soll denn dann aus dem Volke Gottes werden? (Was immer aus ihm geworden ist. Die Häretiker waren meistens Bischöfe, und die großen Verteidiger der Orthodoxie auch. Konflikt ist gut, sinnvoll, notwendig, unverzichtbar in einer Welt, die unter der Herrschaft des Fürsten der Finsternis steht.)

Gute Frage.(Wer stellt denn hier die Fragen?)

Ja, das ist eine sehr ernste Frage. Vor dem Richterstuhl Gottes werde ich mich nur auf mein Gewissen berufen dürfen, nicht auf Konferenzbeschlüsse. (Richterstuhl Gottes! Kardinal Meisner glaubt tatsächlich daran – welcher Anteil seiner Kollegen tut dies auch?)

Die Bischofskonferenz ist auch kein Politbüro. (Nicht? Der Unterschied ist verschwindend gering.)Aber hat sie durch das ständige Sekretariat nicht ein Gravitationszentrum erhalten, das im Evangelium so kaum vorgesehen ist?

Das ist natürlich eine Gefahr für jeden Christen, dass sein äußeres Tun vom Evangelium nicht abgedeckt ist. Darum ist das auch eine sehr große Gefahr für jeden einzelnen Bischof und natürlich auch für eine Bischofskonferenz, und darum müssen wir ständig wachsam auch nach innen sein, dass das, was wir beschließen und tun, auch immer vom Evangelium abgedeckt ist, sonst wird in der Kirche alles hohl. (Sonst ist in der Kirche vieles hohl geworden. Denn nur wenig ist vom Evangelium abgedeckt, was derzeit in Deutschland unter Katholizismus abgehandelt wird.)

(…)
Kündigt sich da eine Tempelreinigung der deutschen Kirche an?

Ich hoffe es. (Ja!) Doch wissen Sie, ich gehe alle vier Wochen beichten. (Bravo! Wie viele Ihrer Amtskollegen tun dies?) Das ist auch eine Art Tempelreinigung. (Richtig. Übrigens, wo wir gerade davon sprechen: Lieber Leser, wann waren Sie zuletzt beichten? Macht es nicht mal wieder Sinn?) Aber jetzt werden wir wohl zu klaren Entscheidungen ganz im Sinne des Heiligen Vaters kommen. (Werden wir? Da bin ich ja mal gespannt. Die deutsche Bischofskonferenz trifft Entscheidungen im Sinne des Heiligen Vaters? Was kommt als nächstes? Es regnet rosa Elefanten?)

Heißt das, dass Sie schon die Stricke flechten, mit denen Sie die Händler aus dem Tempel verjagen wollen? (Mit finsterer Miene und rauchiger Cowboy-Stimme: „Brauchen wir nicht. Wir haben Hirtenstäbe, mein Freund…“)

Wissen Sie, wir sind eine Bischofskonferenz (Wir sind Borg. Irrelevant.) und sind gemeinsam (jeder für sich unter dem Heiligen Vater) Träger des apostolischen Amtes, da kommen wir, so hoffe ich, auch ohne Stricke aus. (Wie gesagt: Wir haben Hirtenstäbe dafür…) Wir sind zu einem eindeutigen Zeugnis aufgerufen, dies vor allem anderen. Und dass wir sagen: Das geht, und das geht nicht mehr. (Aber bitte nur eines von beiden, Eminenz. Sonst könnte die Klarheit doch etwas reduziert erscheinen.) Ich bin überzeugt: Manches wird nicht mehr so weitergehen können, wie es bis bisher gegangen ist.

Was ein Interview! Ich bekomme das Bild von Kardinal Meisner mit seinem Hirtenstab nicht mehr aus dem Kopf, wie er sich den Tempel reinigend mit dem Jesuitenpater (Fuitne Judas Jesuita? … Echo: Ita… Ita… Ita…) Langendörfer beschäftigt. Da bekommt der Satz „den Stab über jemanden brechen“ auf einmal eine ganz andere Bedeutung. Wie gesagt: ¡Vamos!

Mal sehen, was, wie der Kohl mal sagte, hinten dabei raus kommt…