„Gebt es doch den Armen!“

Once you strip the altar, you might as well roll dice for its garments. (Patrick Archbold)

A Church truly dedicated to the poor would provide them the most magnificent liturgy possible. (Patrick Archbold)

In der heutigen Zeit ist es populär, prachtvolle Kirchen, liturgische Gewänder und edle Gefäße abzulehnen, weil es die Aufgabe der Kirche sei, den Armen zu helfen. Die „Kirche der Armen“ solle sich auch durch einen kargen äußeren Ausdruck auszeichnen, sozusagen in einer Art vorauseilender Solidarität. Diese Auffassung ist nicht neu. Schon zu biblischen Zeiten war diese Auffassung unter den Aposteln des Herrn vertreten, und zwar passenderweise durch Judas, wie der Evangelist Johannes schreibt:

„Sechs Tage vor dem Paschafest kam Jesus nach Betanien, wo Lazarus war, den er von den Toten auferweckt hatte.2 Dort bereiteten sie ihm ein Mahl; Marta bediente und Lazarus war unter denen, die mit Jesus bei Tisch waren.3 Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihrem Haar. Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt.4 Doch einer von seinen Jüngern, Judas Iskariot, der ihn später verriet, sagte:5 Warum hat man dieses Öl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Erlös den Armen gegeben?6 Das sagte er aber nicht, weil er ein Herz für die Armen gehabt hätte, sondern weil er ein Dieb war; er hatte nämlich die Kasse und veruntreute die Einkünfte.7 Jesus erwiderte: Lass sie, damit sie es für den Tag meines Begräbnisses tue.8 Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer bei euch.“

Es ist kein Zufall, dass es gerade der Verräter Judas war, der diese säkularisierte Haltung vertreten hat. Er, der nach dem Zeugnis der Evangelisten Matthäus und Markus direkt nach dieser Episode seinen Verrät in Gang gesetzt und den Herrn für 30 Silberstücke verkauft hat, konnte natürlich nicht wirklich verstehen, warum das Hochheilige außerhalb bloß weltlicher Nutzenkalküle steht, und warum es den Armen nicht wirklich geholfen hätte, das wertvolle Öl zu verkaufen und den Erlös unter die Armen zu verteilen. Für ihn war Jesus, der sich einfach mit diesem prächtigen Öl salben ließ, ein Verschwender, einer, der knappe Ressourcen nicht für die Armen einsetzte, und sie auch nicht einmal in die eigenen Taschen wirtschaftete, sondern sie für die Salbung des Heiligen ausgab. Der Herr selbst wurde an diesem Tag gesalbt, und Er sollte gekreuzigt werden; ihn würde man nicht alle Tage in körperlicher Form bei sich haben – die Armen hingegen schon.

Christus erkannte, wie auch Maria in dieser Geschichte, dass den Armen nicht damit gedient ist, das Heilige zu vernachlässigen, oder seine innere Schönheit durch äußere Hässlichkeit und Kargheit zu verstecken. Nein, ihm gebührt ein der inneren Pracht und Heiligkeit angemessener äußerer Ausdruck, weil geistliche und materielle Realität in einer Welt der Inkarnation, der Fleischwerdung Gottes untrennbar zusammengehören. Was für Christus gilt, das gilt ebenso für den wahrhaft gegenwärtigen Herrn im hochheiligen Messopfer und für die Altäre und Kirchen, auf bzw. in denen man es zelebriert. Die würdige Zelebration der heiligen Liturgie ist natürlich nicht abhängig von irgendeinem Prunk. Die Hütte, in der sich die Gläubigen in einem bitterarmen Dorf treffen, um vor einem einfachen Holzkreuz auf einem liebevoll, doch mit einfachsten Mitteln geschmückten Tischaltar der Feier des Heiligen Messopfers beizuwohnen, ist ebenso würdig, wie das prunkvolle Pontifikalamt eines Pius XII. Dies liegt aber nicht daran, dass die liturgische Pracht egal oder unwichtig wäre, sondern an den zur Verfügung stehenden Mitteln.

Das geistliche Zentrum des katholischen Lebens ist die Kirche, und in der Kirche der Altar, auf dem das Messopfer gefeiert wird. Das Messopfer, die erneute (unblutige) Vergegenwärtigung des allein heilbringenden Kreuzesopfers unseres Herrn Jesus Christus, das höchste der sieben Sakramente, ist Mittelpunkt des irdischen Gnadenlebens des Katholiken. Und da das geistliche Leben wichtiger ist als das bloß weltliche Leben, ist auch die geistliche Mitte wichtiger als die weltliche Mitte, und dies muss sich auch im Einsatz der Ressourcen widerspiegeln. Eine Messe, die trotz immensen Wohlstands an einem Sperrholzaltar in schlichten Gewändern und mit einfachen, statt edlen Gefäßen zelebriert wird, ist kein Akt von Demut oder Präferenz für die Armen, sondern der Herabwürdigung des Heiligen vor den profanen Ideologien dieser Welt.

Wenn Maria den Herrn salbt, dann tut sie dies, weil sie (anders als Martha, Judas, und die heutigen Apostel der Armen, ob mit oder ohne weißer Soutane) von einem tiefen Verständnis der Bedeutung des Heiligen durchdrungen ist. Sie versteht etwas vom Vorrang des Geistlichen, so wie ja auch in der Liebe zuerst die Gottesliebe kommt, und dann (als Folge aus der Gottesliebe) die Liebe zum Nächsten. Wer nicht Gott, und damit das Messopfer, in dem Gott selbst auf unseren Altären gegenwärtig wird, an die erste Stelle setzt, sondern die weltlichen Sorgen der Menschen, der handelt damit gegen Christus und gegen seine Lehre.

Es ist ein Irrglaube, dass man mittels Bildersturm und Holzaltar eine Kirche der Armen schaffen könnte. Die Kirche der Armen, die wirkliche Kirche der Armen, ist nicht die falsche Demut der Holzaltäre und Eisenkreuze, sondern das sind die gotischen Kathedralen, jene prachtvollen Meisterwerke der Baukunst im Dienste des Herrn, die von den Armen und für die Armen gebaut worden sind, und immer am meisten von den Armen geliebt wurden und ihnen zur bildreichen und wortlosen Inspiration gereicht haben.

Wohlhabende Liturgieprofessoren erklären uns, wie ihr geistliches Vorbild, von dem oben im Evangelium die Rede war, man solle auf Pracht und Prunk verzichten, und das Geld lieber den Armen geben. Progressistische, modernistische Theologen und ihre Anhänger in der Kirchenhierarchie reden uns dies seit Jahrzehnten ebenfalls ein. Doch das wahre Geschenk an die Armen sind nicht die dreißig Silberstücke, die man durch die Auslieferung des Heiligen bekommt, nicht die dreihundert Denare, die man durch minimalistische Feier der Heiligen Geheimnisse womöglich unter die Armen ausschütten könnte.

Das wahre Geschenk an die Armen ist das Hochheilige Messopfer, durch das die Erlösung, die Gnade Gottes, an sie ausgeschüttet wird, und die ewige Schau des Herrn von Angesicht zu Angesicht im Himmel, zu dem diese Gnade führt, wenn sie denn gläubig angenommen wird.

Das wahre Geschenk an die Armen ist der Herr. Dominus est – es ist der Herr, heißt ein Büchlein von Weihbischof Athanasius Schneider, das zwar hauptsächlich mit anderen liturgischen Fragen beschäftigt ist, aber den richtigen, katholischen Geist verströmt, und daher von höchster Wichtigkeit ist, gerade in dieser Zeit, in dem der Antiliturgismus, die Bilderstürmerei, die Ablehnung wertvoller und wichtiger Zeichen und Symbole, bis in die höchsten Positionen der Kirche tragischerweise Einlass gefunden hat.

Lassen wir uns von diesen Irrtümern, die bis auf Judas zurückgehen, nicht beeindrucken, sondern setzen wir uns für die ehrfürchtige, würdige, und prachtvolle Feier der göttlichen Liturgie ein, die eben mehr ist als nur ein weltliches Fest, das ggf. hinter wirtschaftlichen Erwägungen zurückzustehen hätte.

Es ist ein schlimmer Irrtum, Demut und Bescheidenheit gegen die würdige Feier der göttlichen Geheimnisse auszuspielen, so als ob die Braut Christi sich nicht mehr für ihren Bräutigam schmücken sollte, wenn die Gelegenheit dies nahelegt, damit sie prahlen kann, sie sei ja so demütig und solidarisch mit den Armen.

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Inkrementalistischer Maximalismus

Einleitung

Der Titel klingt ein bißchen wie eine Mischung aus dem Produkt des Verstandes eines irren Philosophen mit einem Fremdwörterbuch, doch er scheint mir ganz treffend zu sein für die hier zu beschreibende Haltung.

Der folgende Artikel ist aus Anlass eines Kommentars auf diesem Blog entstanden; er ist aber nicht als Antwort auf diesen Artikel geschrieben und schon gar nicht als Kritik gemeint. Der Kommentar hat mich lediglich auf die Idee für diesen Artikel gebracht. Bei dem Artikel handelt es sich vielmehr um eine allgemeine Betrachtung über das Verhältnis von kleinen Fortschritten und dem Streben nach dem großen Ziel, das für den traditionellen Katholiken hinsichtlich der derzeitigen Kirchenkrise wohl nur in einer Rückkehr zur furchtlosen Verkündigung der Glaubenswahrheiten, ihrer entschlossenen Umsetzung im sittlichen Leben, und ihrem ehrfürchtigen und andächtigen Zelebrieren im traditionellen Messopfer bestehen kann.

Inkrementalistischer Maximalismus

Der inkrementalistische Maximalist strebt nach einem festen, unveränderlichen Ziel, das er nie aus den Augen verliert, er strebt nach dem Maximum. Aber zugleich hat er die Tatsache im Auge, dass er auf der Welt Widerständen begegnet, selbst in Kreisen, die eher als Verbündete und Mitstreiter erscheinen müssten, und daher nicht das ganze Ziel auf einmal erreicht. Daher sind ihm Kompromisse zwar zuwider, aber er geht sie trotzdem ein. Er ist mit kleinen Schritten zufrieden, solange sie in die richtige Richtung gehen, aber er würde niemals einem Schritt zustimmen, der in die falsche Richtung geht.

Er unterscheidet sich vom reinen Maximalisten durch seine pragmatische Kompromissfähigkeit und vom reinen Pragmatiker durch sein zielorientiertes, entschlossenes Handeln und Festhalten selbst an scheinbar unerreichbaren Zielen. Er will den Weg bis zum Ende gehen, aber er weiß, dass der längste Weg mit dem ersten Schritt beginnt, der bei einem langen Fußmarsch noch gar nicht wie ein Fortschritt anmutet, sondern eher als auf der Stelle treten erscheint. Er macht Kompromisse, ohne sein Ziel zu kompromittieren. Er freut sich leicht, aber ist nie zufrieden mit dem Erreichten.

Die Haltung des inkrementalistischen Maximalisten ist die vernünftigste Haltung in einer gefallenen Welt. Man kann nie alles erreichen, was man sich vorgenommen hat, und auch das niemals sofort oder ohne Widerstände. Alles ist unfertig und es wird zumindest als Menschenwerk unfertig bleiben. Dies ist jedoch für den inkrementalistischen Maximalisten kein Grund zur Verzweiflung, denn er ist froh, wenn er wenigstens einen Schritt zu seinem Ziel unternommen hat, wenn er auch nicht zufrieden ist, weil noch weitere Schritte zu tun sind.

Er ist absolut dogmatisch in den Prinzipien und dennoch im Rahmen dieser Prinzipien überaus flexibel.

Die Haltung des inkrementalistischen Maximalisten ist zudem die einzige, die nicht entweder zum zynischen Pessimismus oder zum unrealistischen Optimismus führt.

Kirchenkrise

Und damit komme ich auf die Situation in der Kirche: Unabhängig von der Frage, inwiefern die Texte der diversen strittigen Dokumente in Kontinuität mit der Tradition zu lesen sind, muss konstatiert werden, dass die Kirche in einer sehr tiefen Krise steckt, dass selbst innerhalb der Kirche sehr viele diese Krise leugnen und andere sie sogar insgeheim bejubeln, weil sie ihnen das Erreichen ihrer weltlich motivierten Ziele erleichtert und die Zerstörung der Kirche voranzubringen scheint. Das Trümmerfeld ist immens und die Suche nach Ursachen hat begonnen. Ist es das Konzil? Nur das Konzil, oder auch andere Zusammenhänge? Wenn ja, welche? Die Interpretation des Konzils? Seine Texte? Diese Fragen müssen aufgerollt werden, und sind sehr dringlich. Doch dieser Debatte möchte ich mich in diesem Artikel enthalten. Die Ursachen müssen festgestellt werden – furchtlos und ohne Scheuklappen – und dann müssen sie beseitigt werden.

Der Verfall der Liturgie ist in jedem Fall mit dem Verfall des Glaubens untrennbar verbunden, wenn auch der Zusammenhang nicht absolut ist. Eine schlechte, verweltlichte Liturgie führt zum Verfall des Glaubens. Umgekehrt führt der Verfall des Glaubens aber wiederum zu einem Verfall der Einsicht in die Notwendigkeit der Liturgie, und damit letztlich zu einem weiteren Verfall der Liturgie. Es ist im Wortsinne ein Teufelskreis.

Wenn nun zum Beispiel, wie kürzlich angekündigt, der Erzbischof von Miami ein Pontifikalamt im überlieferten Ritus zelebrieren wird, ist dies für den inkrementalistisch-maximalistischen Traditionalisten (4x ist in einem Satz… ähm… ist rekordverdächtig; sechsmal auch…) zunächst einmal ein Grund zur Freude. Natürlich wünscht er sich mehr. Er wünscht sich eine Wiedergeburt der Tradition in allen Bereichen. Er ist der Überzeugung, dass eine Rückkehr zur traditionellen Messe erforderlich ist, zumindest insofern, als dass die wesentlichen im Novus Ordo fehlenden Elemente, die im Einzelnen aufzuzählen hier zu weit führen würde, wiederhergestellt werden müssen. Er ist der Überzeugung, dass der gesamte traditionelle Glaube wieder selbstverständlich werden muss, erst in der Kirche, dann auch außerhalb, und dass die „Neuevangelisierung“ nur so zum Erfolg geführt werden kann.

Da ändert ein Pontifikalamt in der „forma extraordinaria“, so außerordentlich Form und Symbolcharakter auch sein mögen, überhaupt nichts an der misslichen Lage der Kirche. Die Kirchen bleiben leer, der Glaube weithin tot, die Menschen lauwarm und die Atmosphäre verweltlicht. Doch es ist dennoch ein Schritt in die richtige Richtung, ein wahrer Fortschritt im eigentlichen Sinn dieses Wortes, wenn ein Diözesanerzbischof einer großen westlichen Diözese sich nicht scheut, mit diesem Ritus sich in der Öffentlichkeit zu zeigen, ihn selbst zu zelebrieren. Größere Schritte sind denkbar und auch notwendig. Aber dieser eine Schritt ist getan.

Ein Eindruck

Mein Eindruck ist (vielleicht täusche ich mich, das möchte ich nicht ausschließen) dass viele überzeugte Traditionalisten diese kleinen Fortschritte viel zu kritisch sehen und zugleich viele andere glaubenstreue Katholiken über jeden kleinen Fortschritt jubeln, als ob jetzt bald die Kirche wieder in Ordnung wäre. Ich möchte diese beiden Gruppen „Maximalisten“ und „Optimisten“ nennen. Die Maximalisten sagen regelmäßig von den Optimisten, diese seien gar nicht wirklich traditionalistisch, sondern „neo-konservativ“ (was immer das heißen mag), denn sie seien ja damit zufrieden, dass der Papst seine Messen jetzt etwas traditioneller zelebriert als sein Vorgänger, oder dass mal eine vereinzelte Messe im traditionellen Ritus stattfindet usw. Im Gegensatz dazu werden die Maximalisten dann von den Optimisten als radikal oder gar fundamentalistisch bezeichnet, weil sie nicht bereit seien, die realen Fortschritte gutzuheißen, und sich lieber in einem Ghetto einschließen, statt aus den gegebenen Möglichkeiten das beste zu machen.

Wer in diesem ebenso endlosen wie sinnlosen Streit im Recht sein mag? Dazu habe ich keine Meinung. Beide Haltungen sind, unter den jeweiligen Prämissen, durchaus logisch. An beiden ist, wie man sagt, „etwas dran“. Sie sind nicht ganz falsch. Doch eben auch nicht ganz richtig.

Schlussfolgerungen

Die traditionelle Messe, die hier und dort nach Summorum Pontificum gefeiert wird, ist nicht genug. Eine Rückkehr zumindest zu den wesentlichen Elementen der traditionellen Liturgie ist dringend erforderlich. Besser wäre eine Restitution der Liturgie, die in Summorum Pontificum wieder freigegeben worden ist, zu ihrem rechtmäßigen Platz als nicht nur außerordentliche, sondern selbstverständliche Form des Römischen Ritus. Insofern haben die Maximalisten Recht. Der Papst könnte und sollte wieder nach diesem Ritus zelebrieren, und schließlich gilt dies überhaupt für alle Bischöfe und letztlich für die normale Feier der Messe in den einzelnen Gemeinden. Ähnliches ließe sich über die Katechese, die Theologie, die Priesterausbildung und diverse andere Bereiche ebenfalls sagen.

Doch die traditionelle Messe, die hier und dort nach Summorum Pontificum gefeiert wird, ist immerhin ein Anfang. Sie macht einige notwendige Elemente der Liturgie innerhalb der Kirche wieder hoffähig, wo sie über vierzig Jahre kaum noch existierten. Und jede Feier der traditionellen Messe ist ein Schritt in die richtige Richtung. Insofern haben die Optimisten Recht.

Doch wirklich Recht haben die inkrementalistischen Maximalisten, diejenigen, die sich über die kleinen Fortschritte genauso freuen wie die Optimisten, und dieselbe Zielvorstellung haben wie die Maximalisten, und daher nicht zufrieden mit der Entwicklung in der Kirche sein können, bis eine umfassende Rückkehr zur Tradition, nicht nur in der Liturgie, sondern auch in der Katechese und all den anderen umstrittenen Bereichen, stattgefunden hat.

Es mag inhaltliche Unterschiede geben, inwiefern eine vollständige Rückkehr zur Tradition gewünscht wird, oder ob nicht manche Veränderungen seit dem Konzil doch wirklich Verbesserungen sein könnten, die auch in einer der Tradition verpflichteten Kirche ihren angemessenen Platz finden müssen. Und wenn es solche Unterschiede gibt, dann sollten diese freundlich und in gegenseitiger Verbundenheit diskutiert werden, denn es handelt sich durchaus um wichtige und ernstzunehmende Fragen. Doch von diesen Unterschieden abgesehen, sollten alle der Tradition verbundenen Katholiken zusammen für die von ihnen gewünschten Veränderungen eintreten, mit den Mitteln, die ihnen in ihrer jeweiligen Lage zur Verfügung stehen, und sich über jeden noch so kleinen Erfolg freuen, als ob gerade ein großer Durchbruch gelungen sei.

Über ein Pontifikalamt

Ein Pontifikalamt in der „außerordentlichen Form“, also im traditionellen Römischen Ritus, zelebriert von einem Diözesanerzbischof. Es handelt sich um den Erzbischof Wenski aus der Erzdiözese Miami.

Wann wird es endlich ein deutscher Erzbischof aus einer bedeutenden Diözese dem Erzbischof Wenski gleich tun und damit das Potenzial für eine ähnliche Signalwirkung entfalten? Vor allem ein relativ frischer Erzbischof, der, wie Wenski, erst knapp 18 Monate im Amt ist.

Bild und Information via Rorate Caeli.

Noch ein Hinweis, direkt aus dem oben zitierten Artikel:

The Pontifical Mass will be broadcast by Live Mass [in Rorate’s sidebar links], and also by iMass (app for iOS devices), starting at 1930 EST (Feb. 03, 0030 GMT). The Rev. Fr. C. Goodwin FSSP will be joining Live Mass as commentator for this Liturgy.
Link: Live Mass
P.S. So etwas wäre vor Summorum Pontificum wohl nicht geschehen. Vielen Dank, Benedikt!

Roberto de Mattei im Interview

Ein ausführliches Interview mit dem Autor des kürzlich hier auf Kreuzfährten thematisierten Geschichtswerks „Das Zweite Vatikanische Konzil – eine bislang ungeschriebene Geschichte“ kann man derzeit auf kath.net nachlesen. Hier folgen nun einige Auszüge mit kurzen Kommentaren von Catocon in rot.

Was waren die vornehmlichen Ergebnisse des Konzils unter einem theologischen und doktrinellen Aspekt sowie hinsichtlich des Glaubenslebens? Wie haben sich Stil und Art der christlichen Verkündigung geändert?

de Mattei: Als Johannes XXIII. das II. Vatikanische Konzil eröffnete, erklärte er, dass dieses ein pastorales und kein dogmatisches Konzil sei (was der Heilige Vater genauso sieht, wie schon die anderen Päpste seit dem Konzil), da es sich zur Aufgabe mache, mit einer neuen pastoralen Sprache die beständige Lehre der katholischen Kirche vorzulegen. Die Erfordernis, eine neue Sprache für die Welt zu finden, entsprang – wie es nicht anders sein konnte – dem Verlangen, den Glauben zu verbreiten. Das Ziel also war praktischer Natur, und ausgehend von den praktischen Ergebnissen muss darüber geurteilt werden, ob die Mittel zur Erlangung des Ziels wirksam und angemessen waren. Die Tatsachen sagen uns leider, dass das Konzil nicht die Ergebnisse erreichte, die es sich gesetzt hatte. So entsteht das sogenannte hermeneutische Problem: etwas „ist schief gegangen“.(Dies ist eine wichtige Einsicht. Ob es nun objektiv einen theologischen und dogmatischen Bruch mit der Tradition der Kirche gegeben hat oder nicht – wozu sich de Mattei als Historiker nicht äußert – man muss das Konzil an seinen Früchten erkennen, und diese Früchte waren nun einmal größtenteils ungenießbar. Etwas ist schief gegangen. Das ist eine historische und keine theologisch-dogmatische Aussage.)
(…)

Ich gehöre zu dieser [römischen, Anm. von Catocon] Schule, und ich denke, dass die Veränderung des Stils und der Art der christlichen Verkündigung im Sinne einer Anpassung an die Kultur des 20. Jahrhunderts der Kirche nicht gut getan hat. Sie hätte vielmehr die Welt „herausfordern“ müssen, ohne Ängste und Komplexe.(Es ist ein abgegriffener und viel mißbrauchter Satz – aber das ist, was Jesus tun würde. Er hat die Zeit, in der er auf Erden wandelte, auch nicht besänftigt, sondern herausgefordert. Und er ist dafür umgebracht worden, wie es auch uns geschehen kann, wenn wir unsere Zeit richtig herausfordern. Das ist sozusagen „Berufsrisiko“ eines jeden Christen.)

Seit Papst Benedikt XVI. in seiner Weihnachtsansprache an die Römische Kurie am 22. Dezember 2005 vom Gegensatz zwischen einer „Hermeneutik der Reform“ und einer „Hermeneutik der Diskontinuität oder des Bruchs“ gesprochen hat, bestimmen diese Begriffe die aktuelle Diskussion um das Konzil als Ereignis und in seinen Folgen. Ein Problem für die „Hermeneutik der Reform“ besteht in der Unterscheidung zwischen dem „Ereignis“ des Konzils, zusammen mit seiner Vor- und Nachgeschichte, und der „Produktion“ des Konzils.

Kann es eine Dichotomie zwischen den Lehren des Konzils und den sie erzeugenden Fakten geben? Was sind die Folgen, wenn eine derartige Trennung nicht statthaft ist?

de Mattei: Es ist statthaft, die beiden Aspekte des Konzils, das heißt die doktrinellen Dokumente und das Ereignis, voneinander zu unterscheiden. Sie dürfen jedoch nicht getrennt werden. Zu ersteren äußern sich die Theologen, zum zweiten die Historiker. (Hier ist wieder die Unterscheidung von vorhin…) Das letzte Ziel ist dasselbe, doch die Methode der Forschung ist im Fall der Geschichte auf die Wahrheit der Fakten, im Fall der Theologie auf die Glaubenswahrheiten anzuwenden. Der Glaube muss die Schritte des Historikers erleuchten, vor allem wenn die Kirche Gegenstand seiner Forschung ist, doch die Fragen, die der Historiker stellen muss, und die Antworten, die er zu geben hat, sind weder die des Theologen noch des Hirten. Der Anspruch, eine geschichtliche Arbeit mit zu anderen Disziplinen gehörenden Kategorien zu bewerten, ist also nicht allein ein epistemologischer Irrtum, sondern auf moralischer Ebene auch ein vorschnelles Urteil als Folge eines ideologischen Apriori.

Mir wurde vorgeworfen, die Dokumente des Konzils zu vernachlässigen oder sie mit dem Schlüssel der Diskontinuität mit der Tradition der Kirche zu interpretieren. (Jetzt nimmt er Stellung zu dem oben bereits erwähnten Vorwurf:) Doch die Interpretation der Konzilsdokumente kommt den Theologen und dem Lehramt der Kirche zu. Was ich rekonstruiere, ist der historische Kontext, in dem jene Dokumente entstanden sind. Und ich sage, dass der historische Kontext, das Ereignis, keinen geringeren Einfluss in der Geschichte der Kirche hatte als das Lehramt des Konzils und das nachkonziliare Lehramt: der Kontext setzte sich selbst als paralleles Lehramt und beeinflusste so die Ereignisse.

Ich bin überzeugt, dass auf einer geschichtlichen Ebene die Nachkonzilszeit nicht ohne das Konzil erklärt werden kann, wie auch das Konzil nicht ohne die Vorkonzilszeit zu erklären ist, da in der Geschichte jede Wirkung eine Ursache hat und das Geschehen in einen Prozess eingeordnet wird, der oftmals sogar mehrere Jahrhunderte umfasst und nicht allein den Bereich der Ideen angeht, sondern den Bereich der Denkart und der Sitten.

Dass die Kirche in den letzten 50 Jahren in eine bisweilen dramatische Zeit der Krise getreten ist, dürfte niemand bestreiten. Worin liegen Ihrer Ansicht nach die Ursachen dieser Krise? Kann das Konzil als „Hauptursache“ für die Verdunstung des katholischen Glaubens angesehen werden?

de Mattei: (…) Die Übel der Kirche gehen dem Konzil voraus, sie begleiten es und folgen ihm natürlich. Diese Übel der Kirche sind nicht mit dem Konzil entstanden, sondern vielmehr explodiert.

Es ist kein Zufall, dass mein Buch nicht mit dem Datum des Beginns des II. Vatikanischen Konzils anhebt, sondern mit dem Modernismus und mit der Analyse der theologischen und intellektuellen Irrtümer, die unter den Pontifikaten von Pius X. bis Pius XII. zutage getreten sind. Der Modernismus war vom heiligen Pius X. hart bekämpft und schwer getroffen worden. Nachdem er dem Anschein nach verschwunden war, tauchte er langsam und schrittweise wieder in der Geschichte der Kirche auf, mit immer größerer Arroganz, bis er in das II. Vatikanische Konzil einmündete.

Der Anspruch, das Konzil von jeglicher Verantwortung für die gegenwärtige Krise freizusprechen, um sie allein einer schlechten Lesart seiner Dokumente zuzuweisen, scheint mir eine intellektuelle Vorgehensweise zu sein, die gegen die Geschichte geht und der Kirche nicht einmal einen guten Dienst leistet. Wer anders wäre denn für diese schlechte Interpretation der Dokumente verantwortlich wenn nicht die auf das Konzil folgenden Päpste, die dies gestattet haben?

Ein Hauptpunkt der Auseinandersetzung mit dem Konzil kann in der Bestimmung der „Tradition“ ausgemacht werden. Wie definieren Sie das Verhältnis zwischen Lehramt und Tradition?

de Mattei: In seinem nachsynodalen Apostolischen Schreiben „Verbum Domini“ hat Benedikt XVI. die Tradition zusammen mit der Heiligen Schrift als „die höchste Richtschnur des Glaubens“ bestimmt. Tatsächlich ist in der Kirche die „Richtschnur des Glaubens“ hinsichtlich dessen, was keinen definitorischen Rang besitzt, weder das II. Vatikanische Konzil noch das lebendige gegenwärtige Lehramt, sondern die Tradition, das heißt das unvergängliche Lehramt, das zusammen mit der Heiligen Schrift eine der beiden Quellen des Wortes Gottes bildet. Es wird unfehlbar mit dem Beistand des Heiligen Geistes vom Papst und den mit ihm vereinten Hirten gelehrt und vom gläubigen Volk geglaubt.

Es bedarf keiner theologischen Wissenschaft, um zu begreifen, dass im unangenehmen Fall eines – wahren oder scheinbaren – Kontrastes zwischen dem „lebenden Lehramt“ und der Tradition der Primat der Tradition zugewiesen werden muss, dies aus einem einfachen Grund: Die Tradition, die das in seiner Universalität und Kontinuität betrachtete „lebende Lehramt“ ist, ist an sich unfehlbar, während das sogenannte „lebende“ Lehramt – verstanden als die aktuelle Verkündigung des kirchlichen Hierarchie – dies nur unter bestimmten Bedingung ist. Die Tradition steht nämlich stets unter dem göttlichen Beistand; für das Lehramt trifft dies nur dann zu, wenn es sich außerordentlich äußert oder wenn es in ordentlicher Form in der Kontinuität der Zeit eine Glaubens- oder Sittenwahrheit lehrt.(Wenn es also zu einem Konflikt zwischen dem, was das Lehramt heute auf ordentliche Weise verkündet – nicht auf außerordentliche Weise im Wege dogmatischer Definitionen – und der Überlieferung der Kirche kommt, so ist der Überlieferung der Kirche der Vorzug zu geben. Das ist eine ganz wichtige Einsicht.)
(…)
Ließe man dagegen zu, dass das II. Vatikanische Konzil das hermeneutische Kriterium für die Art ist, die Tradition zu lesen, so müsste paradoxerweise dem Deutungshoheit zugewiesen werden, was der Deutung bedarf.
(…)
Das Konzil und der Kommunismus: wie beurteilen Sie die verfehlte Verurteilung des Kommunismus seitens des Konzils? Worin bestanden die Folgen, vor allem im Hinblick auf die Kulturrevolution der 68-Jahre? Kann man von einem Paradigmenwechsel in der Position der Kirche und ihres Lehramtes sprechen?
de Mattei: Die verfehlte Verurteilung des Kommunismus seitens eines Konzils, das sich die Auseinandersetzung mit den Problemen seiner damaligen Zeit vorgenommen hatte, scheint mir eine unverzeihliche Unterlassung zu sein. Die Konzilskonstitution „Gaudium et spes“ suchte den Dialog mit der modernen Welt in der Überzeugung, dass der von ihr zurückgelegte Weg, ausgehend vom Humanismus und Protestantismus bis hin zur Französischen Revolution und zum Marxismus, ein irreversibler Prozess sei. Tatsächlich aber stand die Moderne am Vorabend einer tiefen Krise, die dann in ein paar Jahren ihre ersten Symptome in der 68-Revolution offenbaren sollte. (Wobei Chesterton schon über vierzig Jahre vorher die Zeichen der Zeit erkannt hatte, und eine Revolution dieser Art durchaus erwartete… Die „ersten Symptome“, in denen sich die Krise der Moderne zeigte, waren sogar schon für de Tocqueville über 100 Jahre vor dem Konzil erkennbar. Man hätte also durchaus schon auf dem Konzil ganz ohne prophetische Gaben wissen können, wie tief die Krise war, in der die Moderne schon damals steckte. Und einige Köpfe auf dem Konzil wussten es – leider konnten sie sich nicht durchsetzen.)
Die Konzilsväter hätten mit einer prophetischen Geste die Moderne vielmehr herausfordern(ja! Das könnte man heute auch noch tun – es geschieht nur leider kaum, obwohl die tiefe Krise der Moderne und der sie nur noch steigernden Postmoderne bereits grell und offensichtlich vor unseren Augen liegen. Wir sind immer noch am dialogisieren und passen uns der „neuen Zeit“ an…) sollen als deren verwesenden Leib (treffendes Bild!) zu umarmen, wie dies leider geschah.
(…)
Warum scheint es so schwer zu sein, dem Modernismus auf rationaler, philosophischer und theologischer Ebene zu begegnen?
de Mattei: Meines Erachtens besteht die Hauptursache der Niederlage der Konservativen und die Wurzel der Schwäche der Kirche in der heutigen Zeit im Verlust jener theologischen, für das christliche Denken charakteristischen Sicht, die die Geschichte bis zum Ende der Zeiten als unaufhörlichen Kampf zwischen den beiden „Städten“ im Sinne des heiligen Augustinus interpretiert: der Stadt Gottes und der Stadt Satans. (Ecclesia militans sind wir hier auf Erden. Ein geistlicher Kampf – das ist ein wesentliches Charakteristikum der Welt, in der wir leben. Wie oft hat man das in Predigten der letzten fünfzig Jahre hören können? Selbst in päpstlichen Verlautbarungen fehlt dieser Aspekt oft völlig, oder wird zumindest so heruntergespielt, dass er seine Wirkung nicht entfalten kann.)

Als der kroatische Bischof von Split, Frane Franić, am 12. Oktober 1963 vorschlug, im Entwurf „De Ecclesia“ dem neuen Kirchentitel „peregrinans“ („pilgernd“) die traditionelle Benennung „militans“ („streitend“) hinzuzufügen, wurde sein Vorschlag abgelehnt. Das Bild, das die Kirche der Welt von sich bieten wollte, war nicht jenes des Kampfes, der Verurteilung oder der „controversia“, sondern des Dialogs, des Friedens, der ökumenischen und brüderlichen Zusammenarbeit mit allen Menschen.

Die Minderheit der Progressisten erlangte dabei nicht so sehr eine Änderung der Lehre der Kirche als vielmehr eine Ersetzung des hierarchischen und streitenden Bildes der Braut Christi mit dem Bild einer demokratischen, dialogisierenden und in die Geschichte der Welt eingegliederten Versammlung. In Wirklichkeit aber kämpft die Kirche, die im Fegefeuer leidet und im Paradies triumphiert, im Namen Christi auf Erden und wird daher „militans – streitend“ genannt. Diesen Geist neu zu finden scheint mit eine der dringenden Notwendigkeiten der Kirche unserer Zeit zu sein.

Abschließend eine Frage zur Liturgie. (…) Worin sehen Sie die Bedeutung der seit dem Motu proprio „Summorum Pontificum“ wieder mit vollem Heimatrecht in der Kirche ausgestatteten Liturgie der außerordentlichen Form des Römischen Ritus? Handelt es sich wirklich „um einen zweifachen Usus ein und desselben Ritus“ (vgl. Benedikt XVI., Schreiben anlässlich der Publikation des Motu proprio „Summorum Pontificum“, 7. Juli 2007) oder muss die heute „ordentliche Form“ als „Übergang“ zu jenen Ursprüngen gesehen werden, in denen die Zukunft liegt?
de Mattei: Das Heilige Opfer ist gewiss ein einziges, doch der „Novus Ordo“ Pauls VI. ist, wie mir scheint, sowohl im Geist als auch in der Form zutiefst verschieden vom alten Römischen Ritus. (Diesen Eindruck habe ich auch, besonders seitdem ich mit einiger Regelmäßigkeit beiden Formen beiwohnen kann.) In letzterem sehe ich nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft der Kirche. Die traditionelle Liturgie bildet in der Tat die wirksamste Antwort auf die Herausforderung des laizistischen Säkularismus, der uns angreift. (Ja, denn sie kann nicht säkularisiert werden. Ihre Formen sind zu klar und deutlich, zu fixiert, ihre Worte zu treffend, zu großartig, als dass der heilige, übernatürliche Charakter selbst jemandem, der nur beiläufig und ihne Vorwissen in eine solche Messe „hineingerät“, verborgen bleiben könnte. Genau dies ist auch der Grund, warum sie von den Anhängern der Anpassung an die Zeit so beharrlich unterdrückt wird.)
(…)

Die „Reform der Reform“, von der die Rede ist, hat Sinn und Wert nur als „Übergang“ des „Novus Ordo“ hin zum traditionellen Ritus und nicht als Vorwand zur Aufgabe des letzteren, der in seiner Unversehrtheit und Reinheit bewahrt werden muss.

(…)

Ein sehr schönes Interview, dem ich mit meinem bescheidenen Sachverstand gar nicht mehr viel hinzufügen kann. De Mattei drückt klar und deutlich aus, dass er (1) entschlossen und in kindlicher Anhänglichkeit zum Heiligen Vater und zur Kirche steht, (2) jedoch sehr viel und in sehr tiefgreifender Weise an den Aktionen vieler Mitglieder dieser Kirche in verantwortlichen Positionen, auch und gerade auf dem II. Vatikanischen Konzil, zu kritisieren hat, und bringt (3) diese Kritik mit dem gebotenen Respekt zum Ausdruck, und nimmt diese Kritik nicht zum Anlass, einen theologischen Bruch zu konstruieren, der so gar nicht stattgefunden haben mag.

Frischer Wind in der Liturgie

Auf dem Blog „Frischer Wind“ findet sich ein interessanter Auszug aus einem Interview des Liturgikers Alcuin Reid. Hier ein Vorgeschmack:

„Wir müssen erneut einen Blick auf die im Gefolge des Konzils erarbeitete Liturgiereform werfen. Nicht als Anhänger irgendeiner Seite, sondern als gute Historiker, gute Theologen und gute Katholiken. Wenn es klar ist, dass wir wesentliche Elemente der liturgischen Überlieferung verloren oder solche eingeführt haben, die schaden, dann müssen wir die Aufrichtigkeit besitzen, das zuzugeben und das Erforderliche veranlassen.

 

Das hat eingesetzt mit dem Apostolischen Schreiben Sacramentum Caritatis und dem Motuproprio Summorum Pontificum sowie dem persönlichen Vorbild von Papst Benedikt XVI. bei seinen liturgischen Zelebrationen. Außerdem müssen wir mit Nächstenliebe und pastoralem Gespür vorgehen.

(…)

Den Rest gibt es, wie gesagt, beim Frischen Wind zu lesen.

Der oben hervorgehobene Abschnitt über das persönliche Vorbild Benedikt XVI. erscheint allerdings im Angesicht der fragwürdigen „Gestaltung“ der Messen bei seinem Besuch in Deutschland gerade im Moment etwas ironisch. Man sollte sich wohl an des Papstes persönlichem Vorbild orientieren, aber nur, wenn an der Planung der Messen keine anderen deutschen Bischöfe beteiligt waren…

Nähme sich jemand die Papstmessen vom Deutschlandbesuch zum Vorbild, so könnte er, verglichen mit dem heutigen Zustand der meisten deutschen Gemeindemessen eine Menge lernen, vor allem vom persönlichen Verhalten des Papstes. Doch sollte er mindestens von einer Imitation musikalischer Darbietungen, in jedem Sinn des Wortes laienhafter Einmischungen in die Liturgie, der Durchgenderung der Messdienerschaft und einigen anderen Details absehen, wenn er eine möglichst würdige Novus-Ordo-Messliturgie beabsichtigt.

Man könnte auch einfach sagen, dass der Novus Ordo umso besser und ehrfürchtiger zelebriert wird, je näher er am traditionellen Ritus ist. In diesem Fall sollte man als langfristiges Ziel allerdings eine Rückkehr zur traditionellen Messe als erstrebenswert ansehen, besonders wenn man über die ars celebrandi hinaus auch auf theologische Mehrdeutigkeiten im Novus Ordo blickt.

Gottesdienst heute

Von einer guten alten Novus Ordo Messe, ganz geweiht dem Gott in drei Personen, Erzeuger, Erzeugnis und Heiliger Zeitgeist, berichtet Mundabor.

Die fragliche Messe fand in Belgien statt. Ich fürchte allerdings, dass ähnliche Erlebnisse auch im deutschsprachigen Raum schon viele Katholiken ereilt haben dürften.

Ein weiteres Argument, jenseits aller komplexen theologischen Argumente, gegen „Kreativität“ in der Litugie besteht einfach darin, dass wahre Kreativität eben nicht liturgischer oder ritueller Natur sein kann. Das Wesen des Ritus besteht gerade in der Repetition, in der gleichbleibenden, geordneten Wiederholung der rituellen Handlungen, während es keine Kreativität ohne ständige Neuheiten geben kann. „Kreative Liturgie“ scheitert daher nicht nur an dem Versuch liturgisch zu sein, sondern auch an dem Versuch kreativ zu sein.

Thesen zur traditionellen Messe (3)

These: Der Wegfall des Stufengebets in der Neuen Messe hat maßgeblich zum Verlust der Ehrfurcht vor dem Altar, und mittelbar damit vor dem Opfer Christi, beigetragen.

In der außerordentlichen Form der Messe beten Priester und Altardiener, bevor sie überhaupt zum Altar treten, was selbst in der ehrfürchtigsten und den liturgischen Vorschriften perfekt entsprechenden Messen in der ordentlichen Form nicht der Fall ist.

Dieses Stufengebet drückt, ganz abgesehen von dem konkreten Inhalt, allein schon durch seine äußere Form, Ehrfurcht gegenüber dem Altar aus, an den man nicht herantritt, ohne sich vorher entsprechend vorzubereiten. Doch warum Ehrfurcht vor dem Altar? Weil dort auf dem Altar der Herr selbst in der Messe gegenwärtig wird. Besonders im Kontext der Messe signalisiert ein achtloser Umgang mit dem Altar auch einen achtlosen Umgang mit dem auf dem Altar zu vollziehenden Opfer. Der Priester tritt erst nach dieser betenden Vorbereitung, die mit dem Confiteor ein Bekenntnis der eigenen Schuld enthält, und damit die Unwürdigkeit des Priesters vor dem großen Geheimnis des Glaubens ausdrückt, zum Altar.

Entfällt das Stufengebet, so tritt der Priester direkt zum Altar, nachdem er in die Kirche eingezogen ist, so wie die Gläubigen auch an ihre Kirchenbänke treten, vielleicht noch (wenn man Glück hat) nach einer Kniebeuge. Der Unterschied zwischen der Herangehensweise an eine Kirchenbank und an einen Altar verschwimmt also.

Der Unterschied ist zunächst einer der äußeren Zeichen. Gern wird nun behauptet, die äußeren Zeichen seien irrelevant, weil es in Wahrheit doch auf die innere Haltung ankomme, und ob sie stimme, könne man nicht an äußeren Zeichen ablesen. Und was kann man dagegen schon sagen? Natürlich ist die innere Haltung letztlich das, worauf es ankommt. Und natürlich gibt es genügend Fälle, in denen die äußeren Zeichen korrekt vollzogen werden, ohne dass die innere Haltung dazu passt. Doch diese strenge Trennung der inneren und der äußeren Dimension übersieht einen ganz entscheidenen Punkt.

Wenn jemand innerlich vom Glauben weit entfernt ist, dann werden auch noch so viele äußere Zeichen ihn nicht innerlich verändern. Aber umgekehrt funktioniert es schon: Jede innere Haltung muss sich zwangsläufig auch in äußerem Handeln ausdrücken, weil der Zusammenhang beim Menschen zwischen Körper und Seele, außen und innen, kaum enger sein könnte. Können wir wirklich sagen „X liebt Y“, wenn X dies niemals durch körperliche Handlungen ausdrückt, wenn er sie niemals verliebt anschaut, ihr niemals Blumen schenkt, sie küsst, oder auf welche andere Weise auch immer seine Liebe sozusagen Fleisch werden lässt? Eine rein „innerliche“ Liebe ist steril und vergeht bald von allein.

Jede innere Haltung muss sich in äußeren Zeichen ausdrücken, sonst wird sie im Laufe der Jahre verdorren. Und sie will es auch. Der Liebende will seiner Geliebten Zeichen seiner Liebe entgegenbringen. Und auf die gleiche Weise will der Gläubige auch Gott Zeichen seiner Liebe entgegenbringen. Auch Gottesliebe nicht ohne Zeichen (selbst Gott liebt uns glücklicherweise nicht ohne äußere Zeichen seiner Liebe – nicht ohne die Sakramente).

Die äußeren Zeichen, in denen sich die eigentlich wichtige innere Haltung ausdrückt, sind also ein unverzichtbarer Teil der inneren Haltung.

Doch mehr noch: Auf den Menschen mit offenem Herzen wirkt der Vollzug äußerer Zeichen auch wieder auf die innere Haltung zurück. Wenn wir einen Menschen lieben, und wir ihm ein äußeres Zeichen unserer Liebe entgegenbringen, dann drücken wir damit nicht nur unsere Liebe auf eine für ihn erkennbare Weise aus, sondern wir stärken auch die Liebe in uns. Selbst wenn wir uns gerade nicht danach fühlen, sollten wir das Zeichen dennoch vollziehen, weil es uns an das erinnert, was wir fühlen sollten. Wir sollten unseren Ehepartner lieben, selbst wenn wir gerade sauer auf ihn sind. Also bringen wir ihm die äußeren Zeichen der Liebe entgegen. Meist werden wir nach kurzer Zeit feststellen, dass unser Zorn verflogen und durch eine tiefere Liebe ersetzt worden ist.

Die äußeren Zeichen sind nicht nur notwendiger Ausdruck der inneren Haltung, sondern mehr noch, Stützpfeiler, durch die die innere Haltung gestärkt, vertieft, und zuweilen sogar zurückgewonnen werden kann.

Liebe äußert sich im menschlichen Leben immer durch Rituale, und so also auch die Liebe des Menschen zu Gott (durch Gebete, besonders durch die Liturgie), aber auch Gottes zu den Menschen (besonders durch das allerheiligste Sakrament des Altares, in der Gott im perfekten Ausdruck seiner unendlichen Liebe zu uns, seinen gebrochenen Leib uns zur Speise gibt, aber auch durch die anderen Sakramente). Keine Liebe ohne Ritual, ohne äußere Zeichen ihrer Gegenwart.

Was für die Liebe gilt, trifft auch auf die Ehrfurcht zu, weil Ehrfurcht vor Gott nichts ist als ein Ausdruck der Liebe. Weil wir Gott lieben, wollen wir ihm geben, was ihm zusteht – und ihm gebührt Anbetung, also auch Ehrfurcht. Und so wie wir die besonderen Orte ehren, an denen wir mit geliebten Menschen besondere Augenblicke verbracht haben, so ehren wir auch, auf unermesslich größere Weise, die Orte, an denen wir Gott in einer ganz besonderen Weise begegnen können; der größte dieser Orte ist natürlich der Altar.

Fassen wir also zusammen: So wie äußere Zeichen nicht zusammenhanglos neben der inneren Haltung stehen, sondern vielmehr ihr notwendiger Ausdruck sind, so findet auch die Ehrfurcht vor dem Altar als Ort, an dem Gott sakramental gegenwärtig wird, ihren notwendigen Ausdruck in der speziellen Reinigung und Vorbereitung des Priesters, bevor er zum Altar treten kann.

Und mehr noch: So wie durch den Vollzug äußerer Zeichen eine von uns als richtig und notwendig erkannte innere Haltung gestärkt und zuweilen gar erst hervorgerufen werden kann, so stärkt auch das äußere Zeichen der besonderen Vorbereitung in Form des Stufengebets die innere Haltung von Respekt und Ehrfurcht vor dem Altar Gottes.

Im Umkehrschluss bedeutet das allerdings: Der Wegfall des Stufengebets als äußerem Zeichen schwächt die innere Haltung ebenso wie der Wegfall äußerer Zeichen etwa im Falle der Liebe unter Menschen die Liebe schwächt, und bringt sie auf lange Sicht mehr und mehr zum Verlöschen. Eine nicht mehr ausgedrückte Liebe wird nicht mehr lange bestehen, und eine nicht mehr ausgedrückte Ehrfurcht wird nicht mehr lange ehrfürchtig sein.

In wie viel größerem Maße trifft dies auf das gläubige Volk zu, das Woche für Woche in der Kirche sieht, wie dem Altar nur noch wenige, ziemlich schwache Zeichen der Ehrfurcht entgegengebracht werden, und selbst diese vielleicht noch Ehrfurcht, nicht länger aber innere Vorbereitung und Reinigung des unwürdigen Priesters vor dem heiligen Altare Gottes ausdrücken? In wie viel größerem Maße wird das gläubige Volk zu dem Ergebnis kommen, dass, wenn der Priester nicht mehr der Bitte um Reinigung und der betenden Vorbereitung bedarf, es auch selbst keinen Respekt mehr vor dem Altar zu haben braucht.

Und das führt wiederum zu einem Rückgang von Ehrfurcht und Achtung vor dem heiligen Opfergeschehen, das sich am Altare in der Messe vollzieht, denn wir bringen besonderen Orten besondere Achtung entgegen. Dies heißt aber auch: Orten, denen wir keine besondere Achtung entgegenbringen, sind für uns auch keine allzu besonderen Orte.

Menschliche Haltungen drücken sich durch äußere Zeichen aus – in allen Lebensbereichen, also auch in der Liturgie. Selbst die beste Novus Ordo Messe hat aber kein Stufengebet, und auch kein äquivalentes Zeichen der inneren Reinigung und Vorbereitung auf das Hinzutreten zum Altar.

Es mag andere gewichtige Gründe für (oder vielleicht sogar gegen?) das traditionelle Stufengebet zu Beginn der Messe geben. Doch allein der hier aufgeführte Grund ist gewichtig genug, um die Forderung nach einer Wiedereinführung des Stufengebets zu rechtfertigen, und die informierte Meinung zu vertreten, dass der Novus Ordo in diesem Punkt theologisch ärmer ist, als die traditionelle Messe.  (Doch davon mehr in einer späteren Folge dieser Artikelreihe.)

Gemeindefeiern benötigen keine ehrfürchtigen Liturgien…

Auf Rorate Caeli findet sich heute ein Artikel, der sich mit der Frage nach der Ursache für die in vielen Messen in der ordentlichen Form auftretenden Missbräuche beschäftigt. Hier ein kurzer Auszug – doch der ganze Artikel ist recht kurz und lesenswert.

All other problems with the New Mass are intimately related with this gravest of problems [handling of the Body of the Lord]. If the Sacred Liturgy is the „summit toward which the activity of the Church is directed“ (SC, 10), the handling of the Body of Christ by the non-ordained is the pit from which all and every single liturgical abuse flows. Because if God present in the Most Holy Sacrament is treated as „crumbs“, then reality vanishes and all that remains, in appearance, are empty and ridiculous symbolisms – and no wonder people do not respect these, change them at will, and expect them to adapt to one’s own preferences.

(Hervorhebungen von Catocon)

In der Tat. Wenn bei der Messe nicht wirklich der Herr gegenwärtig ist, dann ist die Messe eine Gemeindefeier. Und warum sollte die Gemeinde nicht für sich selbst entscheiden, wie sie heute zu feiern beliebt?

Doch genau dieser Eindruck, dass der Herr nicht wirklich gegenwärtig ist, entsteht durch den gedankenlosen Umgang mit Seinem Leib.

Ein interessanter Gedanke.

Resümee zum Papstbesuch

Ich möchte zunächst einmal auf diese Zusammenfassung und Wertung des Papstbesuchs vom wie üblich lesenswerten Armin Schwibach auf Kath.net verweisen. Viele wesentliche Punkte, die ich eigentlich in diesem Resümee auch hätte ansprechen wollen, sind dort schon erwähnt, so dass ich mich auf einige kurze persönliche Anmerkungen und Beobachtungen beschränken werde.

Der Opti-Mist:

1. Ich war nicht selbst dabei – aber ich konnte alles verfolgen was ich wollte, und war immer gut informiert. Dies liegt allerdings nicht an der Berichterstattung der Mainstreammedien, die ich, soweit möglich, vollständig ignoriert habe, sondern vielmehr an der vorbildlichen Berichterstattung im Internet verfügbarer katholischer Medien. Besonders kath.net war, wie meistens, eine unverzichtbare Informationsquelle über alle möglichen Details des Besuchs, die sonst selbst persönlich Anwesenden hätten entgehen können. Ein großes Lob also an die für diese Berichterstattung Verantwortlichen.

2. Die Reden, Predigten und Ansprachen des Papstes waren definitiv Höhepunkte der Reise (abgesehen von den Worten beim Treffen mit der EKD, die deutlicher hätten herausstellen müssen, dass es keine Gremien-Ökumene mit einer Gruppierung geben kann, die darauf besteht, sich in allen wesentlichen Punkten mit Volldampf vom Christentum abzusetzen, um der Welt zu gefallen). Besonders die Ansprache im Bundestag muss als Jahrhundertrede gelten, da sie die Grundlagen gerechter Rechtsfindung hervorgehoben hat, und zwar in einer Weise, die sehr wenige Deutsche bislang jemals gehört haben.

3. Die Papstmessen haben gezeigt, dass der Deutsche durchaus in der Lage ist, mit lateinischen Antworten in der Messe umzugehen. Allerdings werde ich die Papstmessen weiter unten noch genauer behandeln müssen.

Der Pessi-Mist:

4. Leider waren die Papstmessen nicht wirklich Höhepunkte der Reise, obwohl das eigentlich Wichtigste, nämlich Christus, dort wirklich präsent war. Dies lag an einer Vielzahl von Faktoren: Die belanglosen Liedchen mit musikalischen Arrangements irgendwo im fruchtlosen Niemandsland zwischen Jazz, Disco und Woodstock, für den Anhänger dieser Art Musik womöglich ganz gefällig, aber definitiv ungeeignet für eine Messe trugen einen gewichtigen Teil dazu bei.

5. Der Kommunionempfang bei der Heiligen Messe in Berlin (bei den anderen Messen habe ich nicht so sehr darauf geachtet, aber ich fürchte, es wird nicht anders gewesen sein) hat wieder einmal gezeigt, dass Massenmessen generell nicht besonders zielführend sind, und ich möchte gar nicht wissen zu wie vielen Sakrilegien es dabei gekommen ist. Die Mehrzahl der Anwesenden ebenso wie die Mehrzahl der „Kommunionspender“ schienen nicht den geringsten Sinn für den ehrfürchtigen Umgang mit dem Leib des Herrn zu haben. Im Gegensatz dazu stand die Mundkommunion des Papstes.

6. Bereits im Vorfeld des Besuchs absehbar war die mit 2000 Jahren kirchlicher Tradition einfach nicht zu vereinbarende Dominanz von Frauen am Altar. Es ist bekannt, dass es einen Zusammenhang zwischen Dienst am Altar und Priesterberufungen gibt – je mehr man weiblichen Personen Zugang zu solchen Diensten ermöglicht, umso weniger Priesterberufungen wird es geben. Außerdem wird in den Köpfen vieler Katholiken die Präsenz von Frauen am Altar die Vorstellung weiblicher Priester immer „normaler“ werden lassen.

7. Die Machenschaften der Kirchenbürokratie in Deutschland bereits Monate vor der Messe, bis direkt zu dem kleinen Skandal um die Verweigerung von zugesagten Eintrittskarten für Deutschland pro Papa, deutet bereits die Absicht weiter Teile der zuständigen Bürokraten an, den Besuch möglichst verpuffen zu lassen. Die Einpeitschung der anwesenden Jugendlichen mit tendenziösen Fragen zu den üblichen Plapperthemen der Verbandskatholiken in Freiburg ließ zusätzlich noch erkennen, dass die Zuständigen selbst während des Papstbesuchs nicht ruhten, um den Heiligen Vater zu brüskieren.

Zusammenfassung:

Der Heilige Vater hat nun Deutschland wieder verlassen, und er hat den Deutschen alles gesagt, was er ihnen sagen musste. Er hat ihnen einen Ausblick über die üblichen Fragen im verbandskatholischen Plapperprozess geboten, er hat sie auf die Notwendigkeit der persönlichen Umkehr hingewiesen, ihnen erklärt, dass Rechtssetzung immer im Einklang mit dem natürlichen moralischen Gesetz stehen muss, und vieles mehr.

Doch leider ist dies alles nicht genug gewesen. Nichts was der Papst hätte tun können, hätte je genug sein können. Denn die überwältigende Mehrheit der Deutschen erfährt von dem Besuch nur aus den politisch korrekten Mainstream-Medien – das gilt auch für die meisten Katholiken – und vielleicht noch aus ebenso politisch korrekten Kirchen- oder Bistumszeitungen. Alles, was sie vom Papst hören, ist sorgfältig chemisch gereinigt, auf belanglose Floskeln reduziert, oder zumindest in einen Schwall von Protesten und politisch korrekten Wertungen eingebettet, dass es seine explosive Wirkung verliert.

Die Mehrzahl der deutschen Bischöfe, Gremienkatholiken und sonstigen Verantwortlichen ist ohnehin so verhärtet in ihren Ansichten, dass persönliche Bekehrungen unmöglich erscheinen. Dazu braucht es wenigstens ein offenes Herz. Gänzlich unmöglich ist mit Gottes Hilfe natürlich nichts, aber dass die Opladens und Zollitschs dieses Landes auf einmal papsttreu werden, ist doch ziemlich unwahrscheinlich.

Die Auswirkungen des Papstbesuches werden also auf eine kleine Zahl schon vorher überzeugter Zuschauer beschränkt bleiben, die von den Aussagen des Papstes in ihrem Glauben bestärkt werden. Der Heilige Vater ist ein großer Philosoph, manche nennen ihn gar einen Propheten. Doch jeder Philosoph und jeder Prophet kann nur Erfolg haben, wenn man ihm mit offenem Herz zuhört.

Das ist jedenfalls nicht geschehen. Jetzt wo der Papst wieder sicher im Ausland ist (ich habe erstmal durchgeatmet, dass er wenigstens aus diesem Land heil entkommen ist – keine Selbstverständlichkeit, betrachtet man das Kesseltreiben der Medien und modernen linken Politiker gegen ihn), können die üblichen Verdächtigen ihre üblichen Spiele in sicheren Pfründen weitertreiben, bis ihnen das Dach der schrumpfenden Kirche endgültig auf den Kopf fällt, oder der Vatikan endlich auf der Abschaffung der Zwangskirchensteuer besteht, die diese Pfründe bewässert.

Der Papst hat sein Möglichstes getan, und Gott wird daraus reiche Früchte sprießen lassen. Doch wie viele dieser Früchte werden seine Rückkehr nach Rom überdauern? Und wie viele werden von den Gremien durch irgendeinen neuen Vorstoß direkt wieder zertreten, bevor sie dem Status Quo gefährlich werden können?

Nachdem englischsprachige Katholiken im Internet und der Papst mich bekehrt hatten, brauchte ich 18 Monate, bis ich meine Abscheu gegen die „Kirchenhierarchie“ in Deutschland endlich überwinden konnte. Inhaltlich war ich schon im Frühjahr 2009 überzeugt – bei der Kirche gemeldet habe ich mich im Herbst 2010. Der Grund dafür war, dass ich bei der Kirche in Deutschland kaum Spuren des katholischen Glaubens entdecken konnte, den ich gerade erst lieben gelernt hatte.

Wie viele andere Menschen wird es geben, die ähnlich denken, sich aber nie den letzten Ruck geben? Wie viele Bekehrungen, wie viele Konversionen sind vom Verbands- und Bürokratiemorast schon erstickt worden? Wir werden es nie wissen. Aber Gott weiß es.

Und wenn die Verantwortlichen dafür irgendwann vor IHM stehen – dann Gnade ihnen Gott.

Denn es geht hier nicht um diesen oder jenen Musikgeschmack, nicht um modern oder traditionell, sondern um unsterbliche Seelen.