Homosexualität und Scheidung

Dieser Tage ist das Thema Homosexualität ja in aller Munde. Die Inselaffen (in gänzlich korrekter evolutionsbiologischer Ableitung) wollen eine „Homo-Ehe“ einführen. Die Franzosen haben denselben Plan gefasst, und in Deutschland sollen Homosexuelle, die in eingetragenen Partnerschaften leben, in Zukunft ein verfassungsgerichtlich erzwungenes erweitertes Adoptionsrecht haben. In der Kirche vergeht kaum eine Woche, in der nicht irgendjemand fordert, die Kirche müsse mit der Zeit statt mit der Bibel gehen und sich endlich für die Partnerschaften von homosexuellen Paaren „öffnen“. In der Praxis haben nicht wenige Seminaristen, Priester und womöglich Bischöfe sich der Homosexualität auch dadurch sehr weit geöffnet, dass sie sie selbst praktiziert haben. Oft genug auch mit Minderjährigen, worauf die überwiegende Mehrzahl der Missbrauchsfälle zurückzuführen ist.

Homosexualität ist also in aller Munde. Politisch wird es zunehmend schwer für diejenigen, die sich nicht dem Zeitgeist beugen, sondern die überlieferte Familie entschlossen verteidigen, und diejenigen, die am eifrigsten nach Toleranz gegenüber Homosexuellen rufen, haben meist überhaupt keine Toleranz, wenn es um die Minderheitenrechte von traditionellen Christen geht, die an der traditionellen, von Gott eingesetzten Ehe festhalten, und dafür auch öffentlich eintreten möchten.

Ich habe großen Respekt vor denen, die gegen die Homo-Ehe in der Öffentlichkeit kämpfen, und ihr Kampf ist notwendig. Doch das eigentliche Übel liegt woanders. Für die meisten Menschen ist einfach nicht einsichtig, warum zwei Homosexuelle nicht heiraten können, wenn sie es doch wollen. Lieben sie sich denn nicht ebenso aufrichtig, wie das heterosexuelle Liebespaar von nebenan? Ist denn nicht ihre Zuneigung deutlich erkennbar? Ja, natürlich, das mag durchaus alles sein. Es gibt solche homosexuellen Paare. Doch wenn zwei Männer einander wirklich aufrichtig lieben, warum sollen sie dann nicht heiraten können? Für den Menschen von heute ist das ein großes Rätsel und sein Unverständnis gegenüber der Haltung der Kirche rührt von daher.

Die Antwort ist ganz einfach: Weil es in der Ehe nicht in erster Linie um Liebe geht! In Casti Connubii (unbedingt lesen!) zitiert Pius XI. den hl. Augustinus, demzufolge die drei Güter der Ehe „Nachkommenschaft, Treue, Sakrament“ seien.

Die Ehe ist für die Sicherung der Nachkommenschaft da (sowohl Zeugung als auch Aufzucht, Erziehung und Bildung der Kinder, was eine dauerhafte Bindung der Eltern aneinander und an ihre minderjährigen Kinder erfordert).

Die Ehe ist für den gegenseitigen Beistand und die Hilfe der Eheleute da. Die Eheleute stehen sich sowohl in den Fährnissen des alltäglichen Lebens, als auch (und vor allem) auf der Pilgerreise durch dieses zeitliche Leben hin zu ihrer ewigen Bestimmung im Himmel bei.

Die Ehe ist schließlich Sakrament, eine unauflösliche Verbindung zweier Menschen, die durch ihre Verbindung sichtbares Zeichen für die Vereinigung Christi und Seiner Braut, der Kirche, werden, und zwar in einer Weise, dass dieses Zeichen eines der sieben Sakramente ist. Es ist also nicht bloß ein Zeichen, sondern ein wirklich wirksames  Zeichen.

Aus diesem Eheverständnis heraus wird sofort klar, warum es nicht Hass oder Phobie ist, die den Christen zur Ablehnung homosexueller Partnerschaften führt, sondern einfach die offensichtlichen Tatsachen, dass

(1) zwei Homosexuelle durch die Nutzung ihrer natürlichen körperlichen Fähigkeiten prinzipiell niemals Nachkommen miteinander zeugen können,

(2) zwei Homosexuelle sich vielleicht auf dem Weg auf dieser Erde gegenseitig beistehen können, aber nicht auf der Pilgerreise, die in den Himmel führen soll, weil ihr Verhalten dem göttlichen Gebot widerspricht, und

(3) zwei Homosexuelle nicht in der Lage sind, die Vereinigung Christi mit Seiner Braut zu symbolisieren, weil Christus keinen Bräutigam, sondern eine Braut hat, und die Braut keine Christa, sondern den Christus.

Die „Ehe“ zwischen zwei Männern oder zwei Frauen ist daher einfach ein Widerspruch in sich. Man kann keine „Homo-Ehe“ einführen, ebenso wie man nicht per Dekret festlegen kann, dass alle Eier in Zukunft perfekte Sechsecke seien. Eier sind nun einmal eiformig, nicht sechseckig, und Ehen sind nun einmal verschiedengeschlechtlich, nicht gleichgeschlechtlich.

Doch dieses Eheverständnis sagt noch viel mehr aus als nur die Unmöglichkeit der „Homo-Ehe“. Auch die Scheidung ist damit unmöglich. Die Pilgerreise, auf der die Eheleute einander beistehen sollen, ist lebenslang. Sie endet erst mit dem Tod. Und die Ehe zwischen Christus und der Kirche ist ewig, so dass eine bloß temporäre Bindung unter Scheidungsvorbehalt aus diesen Gründen ebenfalls ein Widerspruch in sich ist.

Ebenso ist mit diesem Eheverständnis ausgesagt, dass die Ehe, selbst abgesehen von dem sakramentalen Charakter (ohne den eine Ehe ja durchaus gültig sein kann), niemals gänzlich säkular gedacht werden kann, da es nicht nur um gegenseitigen Beistand auf Erden geht, sondern eben auch um Unterstützung und Stärkung auf dem Weg in die ewige Seligkeit.

Dies ist nur eine kleine Auswahl von Implikationen des katholischen Eheverständnisses. Mit diesem gedanklichen Hintergrund kann man ganz ohne Appell an bloße „Ressentiments“ oder „Hass“ oder „Phobien“ erklären, dass eine Ehe zwischen zwei Menschen des gleichen Geschlechts einfach ein Widerspruch in sich ist. Doch konsequent muss dann auch gegen Scheidung sein, um nur ein Beispiel zu nennen.

Wenn es bei der Ehe wirklich nur um gegenseitige Zuneigung geht, dann muss die Ehe auch Homosexuellen gestattet werden. Wenn es bei der Ehe aber in erster Linie um etwas ganz anderes als bloße Zuneigung geht, nämlich „Nachkommenschaft, Treue, Sakrament“, dann sieht die Sache ganz anders aus.

Das dominierende Eheverständnis, auch unter vielen Gegnern der „Homo-Ehe“, ist aber das moderne, säkulare Verständnis, die Ehe sei ein sichtbarer Ausdruck für die gegenseitige Liebe der Ehepartner und biete ihnen eine rechtliche Absicherung, die diesem Ausdruck eine gewisse Stabilität bietet, solange die Ehepartner einander noch lieben. Unter diesen Prämissen ist ein Beharren auf der Heterosexualität der Ehe unlogisch und kann dann selbst von gutwilligen Anhängern der „Homo-Ehe“ – von denen ich einige kenne – eigentlich nur als irrationale Ablehnung, als Hass oder Phobie, gedeutet werden. Denn einander lieben können Homosexuelle auch.

Wenn Ehe bloß Liebe + Sex ist, dann sollte Homosexuellen die Ehe geöffnet werden, und Scheidung sollte leicht möglich sein, sobald die Liebe schwindet oder der Sex nicht mehr gut genug ist.

Wenn Ehe aber Nachkommenschaft + Treue + Sakrament bedeutet, dann können zwei Homosexuelle ebensowenig heiraten wie sie die Arme ausstrecken und aus eigener Kraft fliegen können.

Doch dann darf man die moderne Ehe nicht als gegeben hinnehmen, sondern muss für ihre Rückkehr zu den wesentlichen Ehezwecken kämpfen, was dann auch die Unauflöslichkeit bedeutet.

Das ist derzeit politisch nicht durchsetzbar. Doch indem man davon schweigt, wird es nicht leichter durchsetzbar, sondern schwerer.

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Schröders feministischer Quoten-Wahn

Vorbemerkung: Diesen Text schrieb ich vor einigen Tagen, als der Vorschlag einer verpflichtenden Frauenquote auf EU-Ebene erstmals an mein Ohr drang. Aus irgendeinem Grund ist er nicht veröffentlicht worden – natürlich auf gar keinen Fall, weil ich den Status des Artikels versehentlich als „Entwurf“ und nicht als „Geplant für…“ angegeben habe. Natürlich nicht. So etwas würde ich ja NIE tun… 😉

Nun ja, welcher heimtückischen Verschwörung antichristlicher Kräfte Catocon auch zum Opfer gefallen sein mag, hier folgt der Artikel…

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Die EU-Kommission liefert der Feminismuskommissarin der Bundesregierung, Kristina Schröder, wieder einmal eine Vorlage, den christlich-konservativen Menschen in Deutschland so etwas wie konservative Werte vorzuspiegeln und zugleich radikal-feministische Thesen zu verfechten. Frau Schröder sollte ihrer Gesinnungsgenossin Reding, der Justizkommissarin der EUdSSR dafür äußerst dankbar sein. Wie man in der Internetausgabe der Jungen Freiheit lesen kann, forderte Genossin Reding nämlich eine durchgängige, verpflichtende Frauenquote von 40% für privatwirtschaftliche Aufsichtsräte.

Genossin Schröder nahm daraufhin wieder einmal die Pose einer Quotengegnerin ein, ohne überhaupt inhaltlich großartig von der betonsozialistischen Reding abzuweichen. Ob es ihr gelingt, den christlich-konservativen Wählern der „C“DU weiter Sand in die Augen zu streuen, kann ich natürlich nicht beurteilen. Aber wenn man das lächerliche Theater einmal durchschaut hat, fragt man sich, warum Genossin Schröder in der Öffentlichkeit immer noch dem „konservativen Flügel“ der CDU zugeordnet wird.

Anstelle einer Zwangsquote von 40% möchte Genossin Schröder, dass jedes Unternehmen sich selbst „freiwillig“ auf eine Quote festlegt, die es dann einhalten muss. Und wenn es das nicht tut, dann gibt es Sanktionen von der Partei vom Staat. Wie wunderbar freiheitlich! Unternehmen dürfen frei wählen, auf welche Weise der Staat sie bevormundet! Das wird dem Wirtschaftsflügel der „C“DU sicher gefallen. Die Mobilisierung eines immer größeren Anteils der Frauen für den Arbeitsmarkt drückt schließlich die Löhne, und welchem amoralischen Kapitalisten hat das je missfallen?

Die wesentlichen Fragen, die eine christliche oder konservative Ministerin allerdings aufwerfen müsste, werden von Genossin Schröder in üblicher Manier auf feministischer Parteilinie behandelt.

Ja, es sollen immer mehr Frauen, auch Mütter kleiner Kinder, auf den Arbeitsmarkt gedrängt werden.

Ja, auch dann, wenn sie es gar nicht wollen.

Ja, die Erziehung soll aus der Familie ausgelagert werden, und zwar ab dem ersten Lebensjahr, und zwar mit massiver staatlicher Förderung in Milliardenhöhe, die von anständigen Familien, die sich nicht dem Krippenterror beugen, mit ihrem hart erarbeiteten Einkommen bezahlt werden.

Ja, die Steigerung der Frauenerwerbsquote ist vorrangiges gesellschaftliches Ziel.

Ja, es gibt keine Unterschiede zwischen Mann und Frau, die irgendwie gesellschaftlich relevant wären.

Nein, Frauen sind nichts besonderes, sondern sollten einfach wie unterlegene Männer behandelt werden, die dann staatliche Hilfe brauchen, um „gefördert“ zu werden.

Und so weiter, und so weiter, und so weiter.

Dass die Hardcore-Sozialisten in der EUdSSR auf Frauenquoten als Teil ihrer Machtergreifung pochen, ist selbstverständlich, logisch und rational. Dass Genossin Schröder im Stechschritt hinterher marschiert, und dabei nicht wenigen Nichtsozialisten auch noch vormacht, sie sei gegen die Marschrichtung, zeugt von ihrem unbestreitbaren Charisma und der tendenziösen Darstellung durch den politisch-medialen Komplex.

Doch das alles ändert nichts daran, dass Genossin Schröder und Genossin Reding inhaltlich nahezu deckungsgleiche Positionen vertreten, dass sie beide radikal-feministische Ansichten zu gesellschaftlichen und familienpolitischen Themen haben, und dass diese Ansichten daher beide gleichermaßen abzulehnen sind.

Alternativ sollte eine sinnvolle, rationale Familienpolitik verfolgt werden, die sich zum Beispiel durch die folgenden Ziele charakterisieren ließe:

1. Die traditionelle Ehe aus einem Mann und einer Frau wird als Regelfall gesellschaftlich anerkannt und gesetzlich privilegiert. Dies schließt die staatliche Privilegierung anderer „Partnerschaftsformen“ wie „Homo-Ehe“ oder „eingetragener Partnerschaft“ zweier Männer, zweier Frauen, eines Mannes mit vier Frauen oder eines Hundes mit zwei Frauen und einer Topfpflanze selbstverständlich aus.

2. Die unterschiedlichen Fähigkeiten von Männern und Frauen sowie die sich daraus ergebenden unterschiedlichen Aufgaben der beiden Geschlechter in Wirtschaft und Gesellschaft werden respektiert und gefördert. Das bedeutet auch die Anerkennung der Rolle der Hausfrau und Mutter als Normalfall.

3. Das elterliche Erziehungsrecht muss staatlich anerkannt werden und darf keiner gesetzlichen Behinderung ausgesetzt sein, solange das Kind keine erheblichen körperlichen Schäden davonträgt. (Und nein, eine Tracht Prügel ist selbstverständlich kein „körperlicher Schaden“!) Dass Eltern sich mindestens bis zur Einschulung mit sechs Jahren um ihre eigenen Kinder kümmern und sie nicht in staatliche oder private Verwahranstalten abschieben, wäre als gesellschaftlicher Normalfall durch geeignete Anreize zu fördern. Staatliche Förderung privater Kindergarten- oder Krippenangebote ist abzuschaffen, wie auch staatliche Kindergärten und Krippen überhaupt. Stattdessen sollten finanziell schwache Familien, die ihre Kinder selbst erziehen, von den freiwerdenden Mitteln profitieren.

4. Der Staat sollte geeignete Mittel suchen, um darauf hinzuwirken, dass die Unternehmen einen Familienlohn zahlen. Das bedeutet, dass der Familienvater von seinem Einkommen seine Ehefrau und seine Kinder in ausreichender Weise ernähren kann, so dass die „doppelte Belastung“ von Müttern vermieden wird. Hierzu gehört auch die Förderung von Unternehmen (vielleicht durch steuerliche Entlastungen), die solche Familienlöhne zahlen und bevorzugt Familienväter einstellen.

Wenn der Staat sich überhaupt in diese Politikfelder einmischt, dann muss seine Politik mit christlichen sittlichen Normen übereinstimmen, wie die Kirche sie immer vertreten und gelehrt hat. Genossin Schröder hat sich ebenso wie die ganze „C“DU inzwischen weit von diesen Normen und Werten entfernt, so dass es wohl verfehlt wäre, ihre Politik „christlich“ oder „konservativ“ zu nennen.

Da sie auch kein staatliches Heraushalten aus der Familie fordert (was eine echte liberale Position wäre), kann man sie auch nicht „liberal“ nennen.

Genossin Schröder macht schlicht eine rot-sozialistische, familienfeindliche Politik, die für Genossin Reding immer noch nicht sozialistisch und familienfeindlich genug ist.

Über diesen innersozialistischen Bruderkampf braucht man daher auch gar keine weiteren Worte zu verlieren. Letztlich spielt es keine Rolle, ob eine Politik zu 98% oder zu 99% falsch ist. Es wäre nur schon, wenn Schröder und die CDU den Namen Christi nicht mehr in fast schon gotteslästerlicher, definitiv aber etikettenschwindlerischer Weise für ihre sozialistische Politik missbrauchten und sich nicht länger als „C“DU, sondern nur noch als“DU“ bezeichneten.

Obwohl das auch zu großen Problemen führt, weil die Partei ja auch nicht für Demokratie steht, wie man an ihrem linientreuen pro-EUdSSR-Kurs in der Eurokrise sieht.

Es bliebe nur noch der Name „Union“. Zum Glück wird er ja schon oft verwendet.

P.S: Hier findet sich eine Sammlung lehramtlicher Dokumente, darunter auch vieler Texte zur gerechten Ordnung von Familie und Gesellschaft. Ferner gibt es hier eine Zusammenstellung verschiedener Texte zum Thema „Ehe und Familie“

Betreuungsgeld: Eine Scheindebatte

Der Streit um das Betreuungsgeld

Die meisten Leser werden sicher schon davon gehört haben. Familien, die ihre Kinder nicht so zügig wie möglich an eine staatliche oder staatlich hochsubventionierte Betreuungseinrichtung abtreten, sondern sich selbst um ihren Nachwuchs kümmern möchten, sollten eigentlich dem Koalitionsvertrag der schwarz-gelben Bundesregierung zufolge ab 2013 ein „Betreuungsgeld“ in Höhe von 150 Euro monatlich für die ersten drei Lebensjahre erhalten. Dies stößt jetzt auf massive Gegenwehr der veröffentlichten Meinung aller Parteien; nur wenige, isolierte Stimmen, darunter Kristina Schröder (CDU) und einige Politiker aus der CSU, möchten gern an irgendeiner Art ausgleichender Förderung für Familien, die ihre Kinder nicht als hinderlich betrachten, festhalten. Allgemein wird dies als Affront gegen die gesellschaftspolitische Generallinie der totalen Mobilisierung von Müttern für die Zwecke des Arbeitsmarkts gesehen und aus diesem Grund als frauenfeindlich tituliert.

Während die Krippenplätze mit teilweise mehr als 1000 Euro monatlich subventioniert werden, erscheint eine Förderung von 150 Euro pro Monat für verantwortliche Eltern bereits zu hoch, wenn nicht vollkommen überflüssig.

Die Verteidiger des Betreuungsgeldes, darunter der sehr geschätzte Sprecher des Arbeitskreises Engagierter Katholiken, Martin Lohmann (CDU), argumentieren, durch dieses Betreuungsgeld könne echte Wahlfreiheit ein Stückchen näher kommen. Sie verstehen unter echter Wahlfreiheit, dass Fremdbetreuung und familiäre Erziehung gleichermaßen gefördert werden. Dies wäre, selbst wenn das Betreuungsgeld durchgesetzt werden könnte, natürlich nicht der Fall, weil die Förderung von Krippenplätzen um ein Vielfaches höher ist als das Betreuungsgeld. Doch man sieht die vorgeschlagene Familienförderung als einen Schritt in die richtige Richtung.

Betrachtet man die Debatte um das Betreuungsgeld, so scheint auf den ersten Blick ein Kampf zwischen den Verteidigern der traditionellen Familie, die sich selbst um ihre Kinder kümmert und den feministischen Familienzerstören zu toben. Die Parteinahme für den „konservativen“ Flügel der CDU und die CSU liegt damit nahe. Und tatsächlich kann man nicht bestreiten, dass das Betreuungsgeld die familienfeindliche Politik der Regierung immerhin ein wenig abschwächen würde. Die Gerechtigkeitslücke wäre fortan ein kleines bisschen geringer als vorher.

Eine Scheindebatte

Doch worüber diskutieren wir hier eigentlich? Die „konservativen“ Befürworter des Betreuungsgeldes argumentieren, jede Mutter sollte eine unbeschränkte Wahlfreiheit haben, ob sie ihr Kind bereits ab dem ersten Lebensjahr in Fremdbetreuung gibt, und ihr sollten keine Nachteile aus dieser oder jener Entscheidung erwachsen. Diese Position ist fast ebenso unannehmbar, radikal feministisch und vollkommen unvereinbar mit einem „traditionellen Familienbild“ wie die von noch weiter links vorgeschlagene Alternative.

Wir haben es mit einer Scheindebatte zu tun. Beide Seiten der Debatte sind in allen wesentlichen Fragen der Thematik einig. Vollkommen unhinterfragt bleiben die Prämissen des Feminismus und der sexuellen Revolution. Es gilt als selbstverständlich, dass es eine moralisch neutrale Sache der „Wahlfreiheit“ ist, wenn Mütter und Väter ihre Kinder ohne Not an fremde „Betreuer“ abtreten. Es gilt als selbstverständlich, dass eine Förderung von Familien, die sich auch über das dritte Lebensjahr des Kindes hinaus selbst um ihr Kind kümmern wollen, abzulehnen ist.

Doch vor allem bleibt unwidersprochen im Raum stehen, dass Männer und Frauen im Prinzip gleich sind und dieselben gesellschaftlichen Rollen ausfüllen sollten. Dass Männer und Frauen unterschiedlich sind, dass Mütter eine besondere Bindung zu ihren Kindern haben, die mit dem dritten Geburtstag nicht auf magische Weise versiegt, dass die Hauptaufgabe einer Mutter nicht das Scheffeln von Geld, sondern die Erziehung ihrer Kinder ist, und vieles, vieles mehr, wird von allen Seiten der Debatte platt geleugnet oder zumindest verschwiegen.

Die scheinbar entgegengesetzten Seiten sind sich im Wesentlichen einig. Die Frau ist das Herz der Familie, um in das Bild von Papst Pius XI. aus seiner unverzichtbaren Enzyklika Casti Connubii zu gebrauchen. Die wesentliche Aufgabe des Feminismus besteht darin, die Familie zu zerstören, indem ihr das Herz herausgerissen wird. Diesen Feminismus teilen beide Seiten der Debatte. Solange keine Debatte über den Feminismus als solchen angestoßen wird, werden alle kleinen Auseinandersetzungen über die zunehmende Verstaatlichung der Kindererziehung vollkommen fruchtlos bleiben, selbst wenn sie von den feministischen Mainstream-Medien zu apokalyptischen Dimensionen aufgeblasen werden.

Der Streit um das Betreuungsgeld tobt zwischen der sozialistischen und der liberalistischen Geschmacksrichtung des Feminismus. Die Sozialisten (worunter faktisch alle Parteien im deutschen Bundestag mehrheitlich fallen dürften) möchten die Kindererziehung vollkommen verstaatlichen und sehen jede Familie generell mit Argwohn, solange sie ihre Kinder nicht an das Kollektiv abgibt. Die Liberalisten (darunter der „konservative“ Flügel von CDU und CSU und die meisten deutschen Bischöfe) sind ebenfalls der Meinung, dass die Frau ins Büro gehört, und nicht zu ihren Kindern. Deswegen sehen sie die Förderung der Fremdbetreuung und damit der Doppelverdienerpaare uneingeschränkt positiv. Doch sie möchten, dass ganz liberal, ganz freiheitlich, auch andere „Familienformen“ oder „Lebensstile“ möglich sind, und befürworten daher auch das „Betreuungsgeld“.

Wir lassen nun die verschiedenen Strömungen des radikalen Feminismus wieder ihren medial hochgejubelten Bruderkämpfen nachgehen, und schließen mit einem Wort des Papstes Pius XI. zur sogenannten „Emanzipation“ der Frau aus seiner bereits zitierten Enzyklika Casti Connubii:

Alle diese nun, die so den Glanz der ehelichen Treue und Keuschheit zu verdunkeln trachten, sind es auch, die als Lehrer des Irrtums den treuen und ehrenvollen Gehorsam der Frau gegen den Mann gern erschüttern möchten. Einige Verwegene gehen noch weiter und bezeichnen diesen Gehorsam als eine entwürdigende Versklavung des einen Eheteils durch den andern. Beide Gatten, sagen sie, besäßen völlig gleiche Rechte. Da diese Ebenbürtigkeit durch die Sklaverei des einen Teiles verletzt werde, so rühmen sie sich stolz, eine Befreiung der Frau vollzogen zu haben, oder fordern, daß sie in Bälde vollzogen werde. Je nachdem es sich bei dieser Befreiung um die Leitung der häuslichen Gemeinschaft oder die Vermögensverwaltung oder die Verhütung bzw. Tötung neuen Lebens handelt, unterscheiden sie eine dreifache Emanzipation: eine soziale, wirtschaftliche, physiologische. Die physiologische Emanzipation verstehen sie dahin, daß es der Frau völlig frei stehen soll, die mit dem Beruf der Gattin und Mutter verknüpften natürlichen Lasten von sich fernzuhalten (daß dies keine Befreiung, sondern ein ruchloser Frevel ist, haben Wir schon zur Genüge dargelegt). Die wirtschaftliche Emanzipation soll der Frau das Recht bringen, ohne Vorwissen und gegen den Willen des Mannes ihr eigenes Gewerbe zu haben, ihre Angelegenheiten und Geschäfte selbst zu betreiben, selbst die Verwaltung in Händen zu halten, gleichgültig, was dabei aus Kindern, Gatten und der ganzen Familie wird. Die soziale Emanzipation endlich will die Frau dem engen Kreis der häuslichen Pflichten und Sorgen für Kinder und Familie entheben, um sie freizumachen für ihre angeborenen Neigungen, damit sie sich anderen Berufen und Ämtern, auch solchen des öffentlichen Lebens widmen kann.

Aber das ist keine wirkliche Befreiung der Frau; sie enthält nicht jene der Vernunft entsprechende und gebührende Freiheit, wie sie die hehre Aufgabe der Frau und Gattin fordert. Sie ist eher eine Entartung des weiblichen Empfindens und der Mutterwürde, eine Umkehrung der ganzen Familienordnung, so daß der Gatte der Gattin, die Kinder der Mutter, die ganze Familie und Hausgemeinschaft der stets wachsamen Hüterin und Wächterin beraubt werden. Diese falsche Freiheit und unnatürliche Gleichstellung mit dem Manne wird sich zum eigenen Verderben der Frau auswirken; denn wenn sie einmal von der Höhe und dem Thron herabsteigt, zu dem sie innerhalb der Familie durch das Evangelium erhoben wurde, wird sie bald (vielleicht weniger dem äußeren Schein nach, wohl aber in Wirklichkeit) in die frühere Sklavenstellung zurückgedrängt und wie im Heidentum zu einem bloßen Werkzeug des Mannes werden.

Jene Rechtsgleichheit aber, die hier in so übertriebener Weise beansprucht wird, besteht hinsichtlich der Persönlichkeitsrechte und der Menschenwürde und in dem, was dem Vertrag entspringt und der Ehe eigentümlich ist; hierin erfreuen sich in der Tat beide Gatten gleicher Rechte und haben gleiche Pflichten, in den übrigen Dingen aber muß eine gewisse Ungleichheit und Abstufung herrschen, wie sie das Familienwohl und die notwendige Einheit und Festigkeit der häuslichen Gemeinschaft und Ordnung fordern.

Gift und Gegengift – Ein Einschub (Teil 7)

Nach einer Betrachtung allgemeiner Grundzüge des atheistischen Kommunismus in den ersten fünf Teilen befinden wir uns nun in einem Einschub zum Liberalismus. Wir hatten im sechsten Teil einige Grundbegriffe eines katholischen Freiheitsverständnisses anhand der Enzyklika „Libertas Praestantissimum“ von Papst Leo XIII. aus dem Jahre 1888 beschrieben und festgestellt, dass in wesentlichen Punkten ein Konflikt mit dem Liberalismus auftritt, welchen zu beleuchten nun Aufgabe dieses Teils sein soll:

Zur Einstimmung ein Zitat aus Libertas Praestantissimum:

„Wenn man, so oft überhaupt von Freiheit die Rede ist, darunter die gesetzmäßige und sittliche Freiheit verstände, wie die gesunde Vernunft und unsere Darlegung sie erwiesen haben, würde niemand es wagen, die Kirche zu tadeln. Leider geschieht es, indem man ihr in höchst ungerechter Weise den Vorwurf macht, sie wäre eine Feindin der Freiheit des Einzelnen oder des Staates. Sehr viele Folgen dem Beispiele Luzifers, der das gottlose Wort sprach: „Ich werde nicht dienen“, und streben im Namen der Freiheit eine unsinnige Zügellosigkeit an. Dazu gehören die Anhänger jener so weit verbreiteten und so mächtigen Sekte, die Liberale genannt werden wollen, indem sie ihren Namen von der Freiheit (libertas) herleiten. „

In diesem Zitat ist nicht nur das Übel des Liberalismus als solches benannt, sondern auch noch die Person Luzifers, nach dessen Vorbild die Liberalen, ob absichtlich oder unwissentlich, handeln, wenn sie das fordern, was nach ihren Begriffen Freiheit, in Wahrheit jedoch nur Abhängigkeit von der Sünde ist.

Einige wesentliche Grundideen des Liberalismus sind der Rationalismus, die Unabhängigkeit der Moral und die Bedeutung des Volkswillen. Der Reihe nach beginnen wir mit dem Rationalismus:

Der Rationalismus besagt, dass die Vernunft allein (unter Ausschluss des Glaubens) dem Menschen wahre Erkenntnis ermöglicht. Als objektiv und wirklich gültig kann demnach nur das gelten, was allein unter Gebrauch der Vernunft, und darunter ist die instrumentelle, wissenschaftliche Vernunft zu verstehen, zweifelsfrei aufgewiesen werden kann. Wenn nun nach Wittgenstein der Grundsatz gilt, man könne die wichtigsten Dinge, worunter er Moral und Religion rechnete, nicht sagen, sondern nur zeigen, also nicht mit formal logischer Strenge und demonstrativer Sicherheit aus unbezweifelbaren Prämissen herleiten, sondern nur aufweisen, darlegen, dann schließt dies für den Katholiken keinesfalls die Möglichkeit aus, dass auch dieses „zeigen“ noch rational sein kann. Doch der Rationalismus und mit ihm der Liberalismus kann dies nicht dulden. Was nicht logisch oder naturwissenschaftlich zu beweisen ist, kann keine objektive Geltung verlangen. (Was für Moral und Religion bedeutet, dass sie ihre Rechtfertigung aus dem Bereich der persönlichen Erfahrung beziehen müssen, und damit ihre Objektivität und Rationalität verlieren. Im Bereich der Religion ist diese Verlagerung ihrer Rechtfertigung in den Bereich der subjektiven Erfahrungen die Wurzel der modernistischen Irrlehre.)

Doch wenn man Moral und Religion nach den Kriterien des Liberalismus gar nicht rational beweisen kann, dann sind verschiedene moralische Vorstellungen und religiöse Bekenntnisse in letzter Konsequenz nur private, subjektive Optionen. Der gemäßigte Liberalismus duldet ihre Ausübung im Privatbereich durchaus und sehr viele gemäßigt Liberale leben im privaten Bereich durchaus eine sehr strenge Sittlichkeit und ein festes religiöses Bekenntnis aus. Doch im öffentlichen Raum können Moral und Religion dann nichts mehr zu suchen haben. Denn öffentliche Entscheidungen sollten eine rationale Basis haben und nicht der Willkür der Herrscher entspringen. Was staatliches Gesetz wird, was also nach bürgerlichem Gesetz untersagt ist, kann nun nicht mehr dem Glauben oder der sittlichen Wahrheit entspringen, sondern nur noch einer Mehrheitsentscheidung.

Wenn es gar kein objektives Sittengesetz und keinen objektiv wahren Glauben gibt (wie es der radikale Liberalismus behauptet), dann darf sich das menschliche Gesetz natürlich nicht nach diesen Fiktionen richten. Im Namen der Freiheit sind dann immer noch Menschen zu dulden, die diesen Fiktionen anhängen, doch dürfen diese Fiktionen keinen Einfluss auf die Findung menschlicher Gesetze haben.

Wenn der Liberale meint, es gebe ein objektives Sittengesetz und einen wahren Glauben, dies jedoch aus seiner religiösen Erfahrung und seinem privaten Gewissen ableitet, so stellt sich die Lage nicht anders dar. Sein Gewissen sagt ihm etwas und seine religiöse Erfahrung auch, aber sein Gewissen und seine Erfahrung sind subjektiv, privat und nicht geeignet, anderen Menschen Vorschriften zu machen. Menschliche Gesetze vermögen dieses Gewissen und diese religiöse Erfahrung nicht zu rechtfertigen. Doch da jedes Gesetz einer Legitimation bedarf, muss auch der gemäßigt Liberale menschliche Gesetze ablehnen, die sich moralisch oder religiös begründen.

Als Basis für menschliche Gesetze ist damit nur noch die Willensentscheidung der Volksmehrheit verfügbar. Eine Gesellschaft gibt sich dann selbst die Gesetze, nach denen sie leben will. Sie muss dies dann nach den Mehrheitsverhältnissen im Rahmen einer demokratischen oder republikanischen Staatsverfassung tun. (Monarchien sind damit per se illegitim und unterdrückerisch, was auch christlicher Sicht nicht notwendigerweise so ist).

Diese drei Grunddogmen des Liberalismus – Rationalismus, Unabhängigkeit von Moral und Volkssouveränität – prägen das Staatsverständnis des Liberalen. Für den Liberalen ist der Staat nur noch zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung da, die sich das Volk selbst gegeben hat. Um die Stärkung des menschlichen Willens im Angesicht moralischer Versuchungen oder gar den Schutz vor das Seelenheil bedrohenden Irrlehren geht es dem Liberalismus überhaupt nicht mehr. Eine derartige Funktion wäre für den Liberalen völlig unvereinbar mit dem eigentlichen Staatszweck, nämlich der Sicherung möglichst großer persönlicher Entscheidungs und Gestaltungsfreiheiten für die menschlichen Individuen.

Wenn Moral und Religion Privatsache sind, oder zumindest bei der Gesetzgebung keine Rolle spielen dürfen, ist ein nach utilitaristischen Gesichtspunkten gesetztes Recht die logische Folge. Verboten ist, gemäß liberalem Dogma, dann nur noch das, was der demokratische Staat tatsächlich verbietet, und das auch nur, sofern die Begründung des Verbots weder moralischer noch religiöser Natur ist.

Dies ist eine gefährliche Irrlehre, weil alle ihre drei Grundprinzipien falsch sind.

Der Rationalismus ist falsch, weil der menschliche Verstand selbst ohne die Hilfe der Offenbarung zu Einsichten fähig ist, welche nicht dem logischen oder wissenschaftlichen Standard der Rationalisten genügen. Dazu zählen etwa das dem Menschen ins Herz geschriebene Wissen um das natürliche Sittengesetz und auch echtes intuitives Wissen. Zudem ist der Rationalismus falsch, weil es echtes Glaubenswissen gibt.

Die Unabhängigkeit der Moral ist falsch, weil jeder Mensch in seinem Herzen wahre moralische Prinzipien vorfindet, die objektive Gültigkeit haben, und gegen die zu handeln kein Mensch berechtigt sein kann, und weil der Mensch, wie C.S. Lewis in The Abolition of Man (deutsch: Die Abschaffung des Menschen) formvollendet nachweist, überhaupt gar kein anderes moralisches Gesetz „erfinden“ kann als das, was er in seinem Herzen vorfindet, und seine „neuen“ Ideen zu diesem Thema immer nur aus partieller Missachtung dieses moralischen Grundwissens ziehen kann.

Die Lehre von der unbeschränkten Volkssouveränität ist falsch, weil auch das Volk in seiner Gesamtheit oder Mehrheit immer an das natürliche Sittengesetz gebunden ist. Auch die Mehrheit darf keine unmoralischen Gesetze beschließen.

Insgesamt ist die Lehre des Liberalismus falsch, weil auch der Staat die Gebote Gottes befolgen muss. Sie gelten nicht nur für alle Individuen in einem Staat, sondern auch für den Zusammenschluss dieser Individuen im Staat. Es gibt zudem keine Privatmoral, da Moral immer das Handeln von Menschen zum Gegenstand hat, und der Mensch ein Gemeinschaftswesen ist, das immer in der einen oder anderen Form mit Anderen interagiert und sie durch sein Handeln beeinflusst.

Daraus ergeben sich allerlei Folgerungen, die Papst Leo auch zieht, und die hier nur kurz erwähnt werden sollen: Sowohl die moderne Religionsfreiheit, als auch ihre Äquivalente hinsichtlich anderer Gesellschaftsbereiche (Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, allgemein Gewissensfreiheit usw.) können nicht durch das natürliche Recht gedeckt werden. Es ist oft sinnvoll, Toleranz zu üben, wenn Menschen verschiedener Religionen, Ansichten, Gewissensentscheidungen usw. zusammenleben, wie dies im modernen Staat in der Regel der Fall ist. Dies kann auch bedeuten, dass man die Ausübung falscher Religionen, das Äußern häretischer Ansichten, das Ausleben des irrenden Gewissens usw. faktisch duldet und diese Duldung sogar zum staatlichen (menschlichen) Gesetz erhebt, solange man beachtet, dass diese Freiheiten eben vom Menschen gemacht und vom Staat aus gutem Grunde eingerichtet worden sind, dass sie aber weder absolut noch universell noch Voraussetzung einer guten gesellschaftlichen Ordnung sind.

Der Liberalismus ist aufgrund seiner zahlreichen Irrtümer und auch aufgrund seiner praktischen Folge, einem Verfall der nun nicht mehr unter öffentlichem Schutz stehenden Sitten, keinesfalls als Alternative zum atheistischen Kommunismus zu empfehlen. Er mag kurzfristig zu einem kleineren Leichenberg führen, doch ist die durch den Liberalismus verursachte Auflösung des Fundamentes des wahren Glaubens und des natürlichen Sittengesetzes ein fruchtbarer Boden für eine Unzahl anderer Ideologien, darunter auch der Kommunismus, die selbst diesen scheinbaren Vorzug des Liberalismus relativieren.

Als Alternative zum Kommunismus ist er für den Katholiken also keinesfalls tauglich. Im nächsten Teil werden wir wieder zur Enzyklika „Divini Redemptoris“ zurückkehren und die Antwort der Kirche auf die Herausforderungen von atheistischem Kommunismus und Liberalismus skizzieren.

Gift und Gegengift – Ein Einschub (Teil 6)

In den ersten fünf Teilen dieser längeren Artikelserie über den atheistischen Kommunismus haben wir uns an einer Passage aus der einschlägigen Enzyklika „Divini Redemptoris“ von Papst Pius XI. aus dem Jahr 1937 orientiert. In dieser Passage wurden wesentliche Grundkennzeichen des Kommunismus und die Bewertung derselben durch die Kirche dargestellt. Man konnte erkennen, dass für die Verurteilung des Kommunismus durch das kirchliche Lehramt bei weitem nicht nur die Frage nach der Legitimität des Privateigentums ausschlaggebend ist, sondern auch eine Vielzahl weiterer Merkmale dieser Ideologie sehr negativ bewertet werden müssen.

In meinem Kommentar hatte ich immer wieder hervorgehoben, dass, abgesehen von der Abschaffung des Privateigentums, sehr viele kommunistische Ideen auch heute noch weithin positiv bewertet und umgesetzt werden, und teilweise sogar nahezu unumstritten als Konsens der Mehrheitsgesellschaft gelten. Dies betrifft einen sehr großen Teil dessen, was heute unter dem Begriff „Feminismus“ läuft, aber auch viele sozialdemokratische Ideen. Weniger offensichtlich, aber nichtsdestoweniger sehr gefährlich sind jene aus dem geistigen Umfeld des Kommunismus stammenden, selbst von Liberalen und vielen selbsternannten Konservativen geteilten geistigen Grundannahmen, darunter das vorherrschende materialistische Weltbild und der universelle Evolutionismus (im Unterschied zur biologischen Evolutionstheorie, über deren Richtigkeit und weder das Lehramt noch irgendeine Ideologie urteilen kann).

Der logisch nächste Schritt, der auch schon im fünften Teil der Serie angekündigt worden ist, besteht nun darin, die inhaltliche Antwort der Kirche aufzuzeigen. Wir wissen nun, dass der Kommunismus zu verurteilen und jegliche Zusammenarbeit mit ihm unzulässig ist. Doch offensichtlich sprechen die diversen Teile der kommunistischen Ideologien real existierende Probleme, wie etwa die Verarmung weiter Teile der Menschheit, an. Diesen Problemen kann man nicht bloß lehramtliche Verurteilungen entgegensetzen. Wir brauchen also einen Gegenentwurf zum kommunistischen Gesellschaftsmodell. Ein solcher Gegenentwurf findet sich in der katholischen Soziallehre, und zumindest zum Teil entwickelte sich diese auch in expliziter Gegenüberstellung zum Kommunismus.

Dies wäre, wie gesagt, der logisch nächste Schritt. Es ist jedoch angemessen, bevor wir diese Aufgabe in Angriff nehmen, einige Worte über andere Gegenentwürfe zum Kommunismus, namentlich den Liberalismus, zu verlieren. Nicolás Gómez Dávila, ein kolumbianischer Autor und Reaktionär, schreibt in einem seiner Scholien, der Kommunismus sei aus dem Liberalismus entstanden. Dies stimmt in historischer Perspektive, aber auch zum Teil ideengeschichtlich und logisch. Und so kann mit Fug und Recht behauptet werden, dass auch die katholische Soziallehre nicht nur eine Antwort auf den Kommunismus, sondern auch auf den Liberalismus ist und ebenfalls zur Abwehr der liberalistischen Gesellschaftsmodelle dient. Das oft fast als Inbegriff der Sozialenzykliken gesehene Rundschreiben „Rerum Novarum“ von Leo XIII. befasst sich hauptsächlich mit der Arbeiterfrage und positioniert sich ebenso klar gegen den damals vorherrschenden Liberalismus, wie „Quadragesimo Anno“ und die anderen Sozialenzykliken bis heute sich von den zu ihren jeweiligen Zeiten vorherrschenden Spielarten des Liberalismus abgrenzen.

Daher folgt nun ein kurzer Einschub über den Liberalismus, dessen Zweck darin besteht, jenen kurz zu definieren, und dann zu erklären, warum der Liberalismus ebenso wie der Kommunismus abzulehnen ist. Dabei werde ich mich hauptsächlich auf die Enzyklika „Libertas Praestantissimum“ von Papst Leo XIII. aus dem Jahre 1888 beziehen, in welchem die Verurteilung des Liberalismus ausführlich begründet und das richtige Verständnis der Freiheit dargelegt wird.

Da es dem Liberalismus inhaltlich wie dem Namen nach um die Freiheit als höchstem Grundwert geht, ist es hilfreich, zunächst den Begriff der Freiheit zu definieren. Doch bereits daran scheiden sich Liberalismus und Katholizismus. Die wichtigste Freiheit des Katholiken ist die Freiheit von der Sünde, also die Freiheit zur Heiligkeit. Alle Freiheiten, welche mit dieser Freiheit in unauflöslichen Widerstreit treten, sind aus diesem Grund abzulehnen. Worin besteht nun das Wesen der Freiheit nach katholischem Verständnis? Es ist immer Willensfreiheit, also die Freiheit des Willens sich so oder anders zu entscheiden, zwischen Optionen zu wählen. Diese Willensfreiheit besitzt jeder Mensch, sie ist unbeschränkt, soweit er die Fähigkeit zur Umsetzung seines Willens besitzt. Doch ist nach katholischem Verständnis die Willensfreiheit immer an die Wahrheit und an die Sittlichkeit gebunden, weil sie ansonsten mit der Freiheit von der Sünde in Konflikt gerät. Es kann also kein unbegrenztes natürliches Freiheitsrecht auf Irrtum oder auf Sünde geben.

Das bedeutet, um ein häufiges Missverständnis auszuräumen, übrigens nicht, dass alle Sünden vom menschlichen Gesetz verboten werden müssten oder sollten. Es ist oft angemessen und sinnvoll, den Irrtum und die Sünde insofern zu tolerieren, als man von ihrer strafrechtlichen Verfolgung absieht. Dies ist ein Unterschied zwischen Naturrecht und menschlichem Recht. Eine menschliche Freiheit zu Irrtum und Sünde ist sehr oft ganz sinnvoll. Sie erspart uns den Tugendterror, den ein fehlbarer Staat unzweifelhaft einrichtete, gäbe man ihm die Vollmacht, jede Sünde und jeden Irrtum zu verfolgen. Doch ist diese Klugheitsregel, die uns etwa in gemischt-konfessionellen Staaten nahelegt, die falschen Religionen zu dulden und ihre freie ungehinderte Ausübung unbeschränkt zu gestatten, oder die die Sünde des Homosexuellen und die Irrlehren der Kommunisten vor Verfolgung schützen, so wichtig und unverzichtbar sie auch ist, keinesfalls ein natürliches Recht. Ein natürliches Recht auf Irrtum und Sünde kann es nicht geben, da Irrtum und Sünde Unvollkommenheiten sind, und ein natürliches Recht auf eine Unvollkommenheit bedeuten würde, dass Gott diese Unvollkommenheit aktiv gewollt hat. Das natürliche moralische Gesetz sagt uns, was wir tun sollen. Hätten wir die natürliche Freiheit zu sündigen oder zu irren, so wären weder Irrtum noch Sünde falsch oder schlecht. Und ein Recht zu Irrtum und Sünde ist nichts anderes als die Freiheit zu irren oder zu sündigen.

Ein menschliches Recht zu irren oder zu sündigen ist oft eine notwendige Konzession an die Unvollkommenheit dieser gefallenen Welt, und ist als solche akzeptabel.

Nach katholischem Verständnis besitzt jeder Mensch Willensfreiheit, doch bestimmte Äußerungen dieser Willensfreiheit sind unzulässig nach natürlichem oder göttlichem Gesetz (Irrtum und Sünde) und eine Teilmenge dieser Äußerungen müssen auch durch das menschliche Gesetz als unzulässig bezeichnet werden (Mord, Diebstahl…). Die Größe dieser Teilmenge kann je nach Bedürfnis der Gesellschaft in gewissem Maß variieren.

Die Freiheit von der Sünde bedarf aufgrund der menschlichen Tendenz zur Sünde immer des Schutzes, welchen bereitzustellen unter anderem Aufgabe der moralischen Erziehung und – hier besonders entscheidend – des bürgerlichen Gesetzes ist. Auch das menschliche Gesetz hat also nicht nur die Aufgabe, die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten, wie das gern genannt wird, sondern darüber hinaus – in Art und Umfang durchaus variabel – den sittlichen Charakter des Volkes zu stärken. Dies geschieht auf zwei Weisen: Entweder das bürgerliche Gesetz kodifiziert das natürliche oder göttliche Gesetz, indem es bestimmte von diesem untersagte Verhaltensweisen auch unter die Strafe des menschlichen Gesetzes stellt, oder, wie es Papst Leo formuliert:

Andere Gesetze der bürgerlichen Obrigkeit aber fließen nicht unmittelbar und zunächst aus dem Naturrecht ab, sondern in weiterem Abstande und indirekt; sie behandeln verschiedene Dinge, für welche die Natur nur im allgemeinen und ohne genauere Detaillierung Sorge getragen hat. So befiehlt z.B. das Naturgesetz, dass die Bürger sorgen müssen für die öffentliche Ruhe und Wohlfahrt; wie viel sie beisteuern müssen, in welcher Weise, was sie zu leisten haben, wird nicht durch das Naturgesetz, sondern durch menschliche Weisheit genauer bestimmt.

In jedem Fall bedarf also das menschliche Gesetz der Verankerung im natürlichen oder göttlichen Gesetz. Dies verunmöglicht jede positivistische Rechtsauffassung, nach der nur dasjenige falsch wäre, was das Gesetz auch verbietet. Diese Auffassung ist heute sehr weit verbreitet und hat ihre Wurzel im Liberalismus, wozu wir weiter unten noch kommen werden. Das Gegenteil ist jedoch richtig: Nur das menschliche Gesetz, das seine Fundierung in jenem höheren Gesetz hat, vermag überhaupt den Menschen in seinem Gewissen zu binden.

Und hier sind wir an einem grundlegenden Konflikt mit dem Liberalismus angelangt, für den nämlich ein ganz anderer Freiheitsbegriff maßgeblich ist, und der Religion und Moral zur Privatsache erklärt, welche keine Rolle für die menschlichen Gesetze spielen dürfe. Doch dazu mehr im nächsten Teil der Reihe.

Gift und Gegengift – Über den atheistischen Kommunismus (Teil 5)

In den ersten vier Teilen ging es nacheinander um einige einleitende Worte über die bis heute anhaltende Aktualität des Themas „atheistischer Kommunismus“, um Grundlagen des Kommunismus, sein Verständnis von Mensch, Familie und Gesellschaft, abschließend um eine Art Bauplan für eine kommunistische Gesellschaft. Jetzt folgt eine kleine Zusammenfassung des bisher gesagten, erneut anhand der Enzyklika Divini Redemptoris von Papst Pius XI. Meine Kommentare und Anmerkungen weiterhin in rot.

(Wir könnten also zusammenfassen: Wir erfüllen vollständig oder nahezu vollständig sieben der neun genannten Merkmale [siehe Teil 4 dieser Artikelserie] für das Wesen eines kommunistischen Gesellschaftssystems. Ausgenommen ist nur: Wir haben noch kein vollständiges Gemeineigentum an Produktionsmitteln und der Staat ist noch nicht als Ausdruck der gelungenen Neuschöpfung des Menschen weggefallen. In den verbleibenden sieben Punkten sind wir entweder schon da, oder zumindest eindeutig auf dem Weg, und nicht erst in den Anfangsstadien dieses Wegs. Die wesentlichen Ziele des Kommunismus, so wie Papst Pius XI. sie charakterisiert, sind also bereits heute zu weit über 50% erreicht, und sie schreiten von Tag zu Tag weiter voran, weil es keinen nennenswerten Widerstand, selbst aus angeblich christlichen Parteien und Verbänden gegen sie gibt und selbst die Kirche bedenklich leise dagegen aufbegehrt, wenn nicht auf lokaler Ebene sogar mitgearbeitet wird.)

(Jetzt bewertet der Heilige Vater dieses System einer kommunistischen Gesellschaft. Wir können diese Bewertung durchaus auch auf unsere Gesellschaft beziehen, weil wir eben so weit auf dem Weg voran gekommen sind, der in dieses Paradies auf Erden führt:)

14. Das, Ehrwürdige Brüder, ist das neue Evangelium, das der bolschewistische und atheistische Kommunismus als Heilsbotschaft und Erlösung der Menschheit bietet! Ein System voll von Irrtum und Trugschlüssen, das ebenso der gesunden Vernunft wie der göttlichen Offenbarung widerspricht. Es ist Umsturz jeder gesellschaftlichen Ordnung, weil Vernichtung ihrer letzten Grundlagen! Es ist Verkennung des wahren Ursprungs, der Natur und des Zweckes des Staates! Es ist Entrechtung, Entwürdigung und Versklavung der menschlichen Persönlichkeit!

(Ziemlich heftig. Mal sehen:

– Voll von Irrtümern und Trugschlüssen

– Widerspricht der gesunden Vernunft

– Widerspricht der göttlichen Offenbarung

– Ist Umsturz jeder gesellschaftlichen Ordnung

– Zerstört die letzten Grundlagen der gesellschaftlichen Ordnung

– Verkennt wahren Ursprung, Natur und Zweck des Staates

– Entrechtet den Menschen

– Versklavt den Menschen

– Entwürdigt den Menschen

Dies sagt der Heilige Vater über ein System, das zumindest in den Köpfen des gesellschaftlichen Mainstreams heute fest als Zielvorstellung verankert ist, und sich mehr und mehr auch in der praktischen Gesetzeslage niederschlägt.)

Soweit Papst Pius XI. über den atheistischen Kommunismus mit Anmerkungen von Catocon zur Frage der Anwendbarkeit der Enzyklika auf die heutigen gesellschaftlichen Umstände. Zusammenfassend lässt sich sagen, dasssehr viele der gesellschaftlichen Ziele und Prinzipien, die der Papst im ersten Teil der Enzyklika, den ich hier zitiert habe, skizziert, heute weithin anerkannt und nicht mehr als speziell kommunistisch erkannt, sondern vielmehr als selbstverständlich angesehen werden. Wichtig ist allerdings die Erkenntnis, dass die heute verbreitete Ideologie trotz aller ihrer Ähnlichkeiten zum klassischen Kommunismus, die Fixierung auf die rein ökonomischen Produktionsverhältnisse überwunden und damit die größte Schwäche des klassischen marxistischen Kommunismus beseitigt hat. Dadurch ist die heutige Ideologie, die man Neo-Kommunismus, Reformkommunismus oder Marktkommunismus nennen könnte, umso gefährlicher, da sie an die wirklichen Wurzeln der Gesellschaftsstruktur geht, die eben nicht ökonomischer sondern sittlicher Natur sind.

Der logische nächste Schritt wäre nun die Frage nach der Alternative. Gibt es denn eine solche, oder ist der unaufhörliche Fortschritt in die „neokommunistische“ Richtung unaufhaltsam und es daher geboten, sich in das Unvermeidliche zu fügen, so unangenehm es auch sein mag? Auch der Papst geht in der Enzyklika Divini Redemptoris ebenso vor. Er skizziert vorher noch die Frage, wie denn der Kommunismus sich so weit hat ausbreiten können – doch diese Frage ist den Zeitumständen der Entstehung der Enzyklika geschuldet und daher nicht durch Analyse des Textes für die heutige Situation zu beantworten, obwohl auch dieser Teil wichtige Denkanstöße bietet.

Im dritten Teil von Divini Redemptoris geht Pius XI. schließlich zur Darstellung der Alternative über, die die Kirche dem Kommunismus entgegenzusetzen hat. Dabei handelt es sich natürlich hauptsächlich um die vielschichtige und auf diversen inhaltlichen Feldern angesiedelte Soziallehre der Kirche. Diesem Teil der Enzyklika werde ich mich in weiteren Teilen zuwenden, da authentische katholische Soziallehre heute nur selten im öffentlichen Diskurs vorkommt (und meist spricht dann nicht Kardinal Marx, dessen Interpretation der Soziallehre wohl von Leo XIII. und Pius XI. nicht immer und notwendigerweise als solche erkannt würde). Abermals stütze ich mich im Wesentlichen auf den Text dieser selten gelesenen  und fast vergessenen Sozialenzykliken der 1920er und 1930er-Jahre, in denen in bis heute unerreichter Form die Grundlagen einer christlichen Gesellschaftsordnung dargelegt worden sind.

Gift und Gegengift – Über den atheistischen Kommunismus (Teil 4)

Im ersten Teil dieser Artikelserie hatte ich einige einleitende Bemerkungen zur auch heute noch aktuellen Ideologie des atheistischen Kommunismus gemacht. Im zweiten Teil hatte ich dann dem Papst Pius XI. und seiner großartigen Enzyklika Divini Redemptoris über den atheistischen Kommunismus folgend zwei wesentliche Grundpfeiler des Kommunismus dargestellt. Im dritten Teil waren Mensch und Familie thematisch im Zentrum. Jetzt wird es um die Gesellschaft gehen:

Wir befinden uns immer noch bei einer Analyse entscheidender Passagen der hervorragenden Enzyklika Divini Redemptoris von Papst Pius XI.

Was ist die Gesellschaft?

12. Was müßte aus der menschlichen Gesellschaft werden, wollte man sie aufbauen auf solch materialistischer Grundlage? (Achtung: Jetzt beschreibt Pius XI. wie eine kommunistische Gesellschaft dem Prinzip nach aussähe, was also ihre wesentlichen Kennzeichen sind: Ich habe den Text etwas strukturiert durch Hinzufügung blauer Ordnungsziffern.) (1) Sie würde ein Kollektivwesen, einzig gegliedert nach den Erfordernissen des wirtschaftlichen Systems. (Ökonomisierung ist eines der zentralen Kennzeichender heutigen Gesellschaft)

(2) Ihre alleinige Aufgabe bestünde in der Produktion von Gütern auf dem Wege der Kollektivarbeit (zentrale Organisation des Wirtschaftswachstums als Kennzeichen des modernen Staats ist ziemlich nahe daran. Es ist nicht direkt Arbeit im Dienste des Kollektivs, da es nach wie vor Privateigentum gibt, doch wird dies mehr und mehr zur Formalie)

(3) und mit dem Ziel des Genusses der Erdengüter in einem Paradiese, in dem ein jeder „gäbe nach seiner Kraft und empfinge nach seinem Bedarf“. (Das verteilungsgerechte Paradies auf Erden ist heute erklärtes Ziel aller Parteien, wobei sich CDU, CSU und FDP noch etwas vorsichtiger ausdrücken, womit sie weit entfernt von der öffentlichen ebenso wie der veröffentlichten Meinung stehen)

(4) Der Gemeinschaft räumt der Kommunismus das Recht ein oder vielmehr die unbeschränkte Vollmacht, die Einzelmenschen in das Joch der Kollektivarbeit zu zwingen , ohne Rücksicht auf ihr persönliches Wohlergehen, ja gegen ihren eigenen Willen und sogar bis zur Anwendung von Gewalt. (Soweit sind wir noch nicht. Das gesellschaftliche Verständnis für Abweichler und Dissidenten vom Mainstream sinkt jedoch bedenklich – „political correctness“ ist ein passendes Schlagwort. Doch das Joch der Kollektivarbeit ist noch nicht verwirklicht. Es sei denn man bedenkt, dass faktisch nur die Hälfte des Lohns dem Arbeitnehmer zukommt, und der Rest dem Staat gehört. Doch das wäre eine politisch umstrittene Untiefe, die ich hier aussparen möchte.)

(5) Die sittliche und die rechtliche Ordnung wäre nichts anderes, als ein Ausfluß des jeweiligen wirtschaftlichen Systems, also rein irdischen Ursprungs, veränderlich und hinfällig. (Der Konstruktivismus in der Moral ist heute unumstritten. Moral als Ergebnis sozio-kultureller Prozesse oder wirtschaftlicher Systeme wird generell als variabel und flexibel gesehen. Moral wird oft auch charakterisiert als individuelle Präferenz oder Ausdruck von Diskriminierung.)

(6) Kurz, man unterfängt sich, eine neue Epoche und eine neue Zivilisation (Fortschrittsdenken) heraufzuführen, die Frucht einer blinden Entwicklung (Ideologie des Evolutionismus): „eine Menschheit ohne Gott“. (Säkularismus, Atheismus, Agnostizismus)

13. (7) Wenn dann endlich alle einmal zu echten Kollektivmenschen geworden sind, (die Schaffung eines neuen Menschen durch gesellschaftliche Umformungen und Umerziehungen ist wohl das zentrale Ziel des heutigen Schulsystems, wenn man es an seinen Früchten misst. Lernen kann man dort jedenfalls nicht mehr viel.)

(8) wird in dieser utopischen Gesellschaft ohne Klassenunterschiede der politische Staat, der heute nur ein Machtmittel in der Hand der Kapitalisten zur Knechtung der Proletarier ist, die Voraussetzung seiner Existenz verlieren und „sich auflösen“;(wir sind noch in dieser Vorphase, wo der Mensch noch kein echter kommunistischer Mensch geworden ist. Es werden noch Rückzugsgefechte gegen die Ewiggestrigen geführt – traditionelle Katholiken, Evangelikale, orthodoxe Juden usw.)

(9) inzwischen freilich, solange dieser glückliche Zustand noch nicht erreicht ist, sind Staat und staatliche Gewalt für den Kommunismus das wirksamste und universalste Mittel, um an sein Ziel zu kommen. (Die Vergötterung des Staates, seine Allzuständigkeit und das grenzenlose Vertrauen in den Staat, etwa ein ungerechtes Wirtschaftssystem durch Regulierung besser zu machen, oder gegen „Diskriminierung“ zu kämpfen, oder soziale Unterschiede auszugleichen, oder was auch immer, sind ebenfalls wesentliche Kennzeichen des heutigen gesellschaftlichen Mainstreams auch außerhalb der sich selbst sozialistisch nennenden Gruppen)

(Fortsetzung folgt…)

Gift und Gegengift – Über den atheistischen Kommunismus (Teil 2)

Im ersten Teil dieser Artikelserie hatte ich einige einleitende Bemerkungen zur Aktualität des atheistischen Kommunismus auch in der heutigen Gesellschaftssituation gemacht.

Hier nun eine hervorragende päpstliche Diagnose, worum es sich beim Kommunismus eigentlich handelt, und was die Absicht dieser Ideologie ist, aus der schon erwähnten Enzyklika „Divini Redemptoris“: Ergänzend dazu werde ich einige Abschnitte hervorheben und an manchen Stellen einen roten Kommentar einfügen, wie der Leser dies vermutlich schon gewohnt ist:

Zunächst betrachten wir einige Grundcharakteristika des Kommunismus und seine Weltsicht des materialistischen Evolutionismus, wie sie der Papst in Divini Redemptoris darstellt.

Lehren

Ein falsches Ideal

8. Der heutige Kommunismus birgt in einem höheren Maße, als es bei anderen ähnlichen Bewegungen der Vergangenheit der Fall war, eine falsche Erlösungsidee in sich. Ein falsches Ideal von Gerechtigkeit, Gleichheit und Brüderlichkeit in der Arbeit durchglüht seine gesamte Lehre und Tätigkeit mit einem gewissen Mystizismus(wenn der atheistische Kommunismus wirklich dem wahren Glauben entgegen gesetzt ist, was sich kaum bezweifeln lässt, dann muss auf lange Sicht ein alternativer, direkt gotteslästerlicher Kult etabliert werden, der bewusst oder unbewusst die Verehrung des Teufels beinhaltet. Okkultismus, Satanismus, Esoterik usw. sind in diesem Licht zu sehen), der die mit trügerischen Versprechungen gewonnenen Massen in den suggestiv um sich greifenden Enthusiasmus einer mitreißenden Bewegung versetzt. Das konnte in unserer Zeit um so leichter geschehen, da sie infolge einer fehlerhaften Verteilungder Güter (es ist die wahre Ungerechtigkeit, die wahre Gier, das wahre Elend der Menschen, das wahre Leid, das den Ideologen ihren Nährboden verschafft.) dieser Welt von einem außergewöhnlichen Elend heimgesucht wird. Es rühmt sich auch dieses falsche Ideal, der Anreger eines gewissen wirtschaftlichen Fortschritts gewesen zu sein, der sich in Wahrheit, soweit er echt ist, aus ganz anderen Ursachen herleiten läßt, wie zum Beispiel aus der Steigerung der industriellen Produktion in Ländern, die in dieser Hinsicht wenig entwickelt waren, oder aus der Ausbeutung eines ungeheuren Reichtums an Bodenschätzen, oder auch aus der Anwendung von brutalen Arbeitsmethoden zur Erreichung von Riesenleistungen bei herabgedrückten Löhnen.

Der evolutionistische Materialismus von Karl Marx (Anmerkung: Die wissenschaftliche Evolutionstheorie mag richtig oder falsch sein, sie ist in jedem Fall mit dem katholischen Glauben vereinbar. Dies gilt nicht für die unwissenschaftliche Ideologie des Evolutionismus, welcher das Prinzip der allmählichen Fortentwicklung unter rein materiellen Außenwelteinflüssen zum Erklärungsmaßstab für die Welt erhebt.)

9. Die Lehre, die der Kommunismus oft genug unter täuschenden Hüllen verbirgt, steht im wesentlichen noch heute auf den von Marx verkündeten Grundsätzen des sogenannten dialektischen Materialismus und des historischen Materialismus, dessen allein richtige Auslegung die Theoretiker des Bolschewismus (sie nennen sich heute anders, der Bolschewismus ist wirklich tot. Aber wenn selbst die CDU die Familienpolitik der DDR als vorbildlich ansieht, dann kann die dahinter stehende Lehre nicht tot sein.) zu vertreten glauben. Nach dieser Lehre gibt es nur eine einzige ursprüngliche Wirklichkeit, nämlich die Materie mit ihren blinden Kräften, aus denen sich Pflanze, Tier und Mensch entwickelt haben. Auch die menschliche Gesellschaft ist darnach nichts anderes als eine Erscheinungsform dieser Materie, die sich in der angedeuteten Weise entwickelt und mit unausweichlicher Notwendigkeit in einem ständigen Kampf der Kräfte dem endgültigen Ausgleich zustrebt: der klassenlosen Gesellschaft. (Diesen Satz bitte nochmal lesen, bis er wirklich in all seiner Tiefe verinnerlicht ist. Auf dieser Lehre, die der Heilige Vater hier als kennzeichnend für den Kommunismus herausstellt, basieren alle heute dominierenden gesellschaftlichen Denkmuster. Wenn man nur das angebliche Endziel der Geschichte austauscht, dann passt der Satz sowohl auf Hitlers Rassentheorie, als auch auf den Marxismus, die Ideen der Sozialdemokraten und Liberalen und auf vieles, was heute angeblich christlich motiviert in der evangelischen und teilweise sogar in der katholischen Kirche gesagt wird.) Es leuchtet ein, dass in einem solchen System kein Platz mehr für die Idee Gottes, dass kein Unterschied mehr besteht zwischen Geist und Stoff, zwischen Leib und Seele, dass es kein Fortleben der Seele nach dem Tode mehr gibt, und darum auch keine Hoffnung auf ein anderes Leben. Unter Berufung auf die dialektische Seite ihres Materialismus behaupten die Kommunisten, dass der Kampf, der die Welt zum letzten Ausgleich führt (ein ganz zentraler Gedanke: Der Kampf führt die Welt zum letzten Ausgleich – und darum ist in diesem Kampf jedes Mittel gerechtfertigt. „Wollt ihr den totalen Krieg?“, schallt es aus den Lautsprechern nicht nur der nationalen Sozialisten. Das Konzept der „latenten Gewalt“ der sogenannten Friedensforscher stößt in das gleiche Horn: Wenn stets ein Zustand latenter Gewalt herrscht, dann ist es nicht mehr nötig, den Übergang zu realer Gewalt durch Terrorismus zu rechtfertigen, da es sich dann nur um Gegengewalt, Notwehr, handelt), durch den Menschen beschleunigt werden kann. Darum bemühen sie sich, die Klassengegensätze in der Gesellschaft zu verschärfen, und so wird der Klassenkampf mit all seiner Gehässigkeit und seiner Zerstörungswut zu einer Art Kreuzzug im Dienste des Fortschrittes der Menschheit. Alle Mächte aber, wer immer sie seien, die sich diesen systematisch geübten Gewalttätigkeiten widersetzen, müssen vernichtet werden als Feinde des Menschengeschlechtes.

(Fortsetzung folgt…)

Gift und Gegengift – Über den atheistischen Kommunismus (Teil 1)

Eine der besten und wichtigsten Enzykliken des 20. Jahrhunderts ist aus meiner Sicht „Divini Redemptoris“ von Pius XI. über den atheistischen Kommunismus. Nun mag der eine oder andere Leser denken, seit dem Fall der Mauer 1989 und der Auflösung des sogenannten Eisernen Vorhangs sei der atheistische Kommunismus tot und überhaupt heute kein Problem mehr. Aus zwei Gründen stimmt dies allerdings nicht. Erstens ist das fundamentale Prinzip des Kommunismus in mehr oder minder unveränderter Form auch das fundamentale Prinzip des sogenannten Sozialdemokratismus, welcher nichts ist als der Versuch der Herbeiführung einer klassenlosen Gesellschaft ohne das Mittel einer gewaltsamen Revolution des Proletariats. Und zweitens beruht die sogenannte sexuelle Revolution auf kommunistischen Prinzipien in Reinform. Es führt ein direkter Weg von Marx und Engels über die Frankfurter Schule nach 1968, und von dort in die Parteizentrale der Merkel-CDU und erst recht der anderen Parteien der Bundesrepublik.

Wenn überhaupt, ist der atheistische Kommunismus heute weiter verbreitet als je zuvor. Er kann dies ohne Aufsehen schaffen, weil man ihn nicht mehr als Kommunismus erkennt. Ist Kommunismus nur dann gegeben, wenn jemand die Enteignung der Grundbesitzer fordert und das Privateigentum an den Produktionsmitteln aufheben will? Oder ist es auch Kommunismus, wenn jemand nach dem Ziel der klassenlosen Gesellschaft strebt, ohne diese konkreten Schritte in erster Linie anzustreben? Denn was ist eine „klassenlose“ Gesellschaft? Es ist eine Gesellschaft ohne soziale Hierarchien, ohne Autorität des Höheren über das Niedrigere, in erster Linie eine vaterlose Gesellschaft, wobei ich hier das Wort Vater in seiner größtmöglichen Bedeutungsweite verwende. Eine vaterlose Gesellschaft ist eine Gesellschaft ohne Väter, also ohne Familienväter, ohne starke Priester, die als geistliche Väter für die ihnen anvertrauten Seelen handeln, und ganz besonders eine Gesellschaft, deren Mitglieder sich nicht der gerechten Herrschaft und Autorität des himmlischen Vaters unterstellt sehen wollen.

Eine klassenlose Gesellschaft ist immer auch eine vaterlose Gesellschaft, weil die Existenz von Vätern bereits eine soziale Hierarchie bedeutet, indem Väter von Müttern und anderen Nicht-Vätern unterschieden (lat. discriminare = unterscheiden) werden, und wie im 20. Jahrhundert eine Anzahl marxistischer Denker im Umfeld der psychoanalytischen Ideologie und der Frankfurter Schule erkannt haben, ist die vaterlose Gesellschaft die notwendige Voraussetzung für die Schaffung einer klassenlosen Gesellschaft. Der Arbeiter, so sagten die Kommunisten früher, habe kein Vaterland, doch als der 1. Weltkrieg ausbrach, da hatte er plötzlich doch ein Vaterland, nämlich das Land seines Vaters. Die „Internationale“ war ihm egal. So schloss man messerscharf: Solange der Arbeiter an Gott-Vater, am Heiligen Vater, an seinem biologischen Vater (sprich: an seiner Familie) und am Land seiner Väter hing, würde er dies alles der klassenlosen Gesellschaft des kommunistischen Ameisenhaufens vorziehen. Also musste das alles radikal weg, bevor der Weg in die klassenlose Gesellschaft frei war.

Die Gefahr des atheistischen Kommunismus ist heute nicht mehr so sehr ein gesellschaftlicher Umsturz in Form einer gewaltsamen Revolution. Es ist vielmehr, dass viele der wesentlichen Ziele des Kommunismus, teils in abgewandelter Form, heute unhinterfragbarer gesellschaftlicher Mainstream ist. Ob in der Familie, in der Bildungspolitik, in Steuerfragen, in der faktischen Allzuständigkeit des „demokratischen“ Staates, in der ausschließlichen Fixierung auf bloß materielle Umstände, und ganz besonders und in höchstem Maße in der  in allen westlichen Gesellschaftennahezu universellen Gottvergessenheit – überall sind die einzig akzeptablen Alternativpositionen heute die des gemäßigten und des radikalen Sozialismus. Sollen die Kinder sofort dem Staat übertragen werden, oder soll dies vorerst noch in den ersten Lebensjahren den Eltern freigestellt werden? Ist es gerade noch als Auslaufmodell akzeptabel, wenn eine Mutter sich um ihre Kinder kümmert und Hausfrau ist, oder ist das Verrat an der Gesellschaft, die so-und-soviel Euro in ihre Bildung investiert hat? Ist man offen atheistisch, oder hält man irrational an einem sentimentalen Gottglauben fest, dem man natürlich keine praktische Relevanz für sein Leben einräumt? Darf man private und kirchliche Schulen noch tolerieren, sofern sie sich dem staatlichen Schuldiktat unterwerfen, oder gehören alle Schulen und Universitäten in die Hand der Ersatzgottheit Staat? Ist alles bloß beliebig vom Menschen manipulierbare Materie, oder gibt es bestimmte Dinge, bei denen man noch ein wenig vorsichtig sein muss, weil vielleicht Gefahren drohen könnten, die die technische Vernunft des Menschen noch nicht zu beherrschen gelernt hat?

Die fundamentale Alternative, die in der klassischen objektiven Vernunft des Menschengeschlechts und in der christlichen Offenbarung inklusive ihrer kirchlichen Überlieferung durch das Lehramt besteht, ist faktisch nicht mehr diskutabel. Selbst kirchliche Würdenträger ignorieren diese Alternative in vielen Fällen zugunsten der gerade am wenigsten radikalen Geschmacksrichtung der sozial-materialistischen Einheitsgesinnung.

Im Angesicht dieser Tatsachen erscheint es mir geboten, ja dringlich, die alte Enzyklika „Divini Redemptoris“ wieder hervorzukramen und sie gründlich zu lesen, da das Lehramt zu den Gefahren des Kommunismus, oder wie man die neue Ideologie auch nennen mag, die wesentliche Elemente des Kommunismus auf überraschende Weise mit einer zumindest in Teilen noch marktlichen Organisationsform der Wirtschaft zu verbinden versteht, seit der Wende um 1990 herum weitgehend geschwiegen hat.

(Fortsetzung folgt…)

Kontinuität oder Bruch?

Papst Pius XI.:

10 Daraus geht hervor, ehrwürdige Brüder, aus welchen Gründen der Apostolische Stuhl niemals die Teilnahme der Seinigen an den Konferenzen der Nichtkatholiken zugelassen hat. Es gibt nämlich keinen anderen Weg, die Vereinigung aller Christen herbeizuführen, als den, die Rückkehr aller getrennten Brüder zur einen wahren Kirche Christi zu fördern, von der sie sich ja einst unseligerweise getrennt haben. Zu der einen wahren Kirche Christi, sagen Wir, die wahrlich leicht erkennbar vor aller Augen steht, und die nach dem Willen ihres Stifters für alle Zeiten so bleiben wird, wie er sie zum Heile aller Menschen begründet hat. Die mystische Braut Christi ist ja im Laufe der Jahrhunderte niemals befleckt worden, und sie kann nie befleckt werden nach den schönen Worten Cyprians: „Zum Ehebruch lässt sich die Braut Christi nicht führen, sie ist unbefleckt und züchtig. Nur ein Haus kennt sie, die Heiligkeit eines Schlafgemaches bewahrt sie in keuscher Scham (21). Dieser heilige Märtyrer wunderte sich deshalb auch mit Fug und Recht, wie jemand glauben konnte, „diese der göttlichen Festigkeit entstammende und mit himmlischen Geheimnissen engverbundene Einheit könne bei der Kirche zerrissen und durch den Widerstreit einander widerstrebender Meinungen aufgelöst werden“ (22). Der mystische Leib Christi, das ist die Kirche, ist ja eine Einheit (23), zusammengefügt und zusammengehalten (24) wie der physische Leib Christi, und so ist es unangebracht und töricht zu sagen, der mystische Leib könne aus getrennten und zerstreuten Gliedern bestehen. Wer mit dem mystischen Leib Christi nicht eng verbunden ist, der ist weder ein Glied desselben, noch hat er einen Zusammenhang mit Christus, dem Haupte (25)

11 In dieser Kirche Christi kann niemand sein und niemand bleiben, der nicht die Autorität und die Vollmacht Petri und seiner rechtmäßigen Nachfolger anerkennt und gehorsam annimmt.

— Papst Pius XI., Enzyklika Mortalium Animos

Das II. Vatikanische Konzil:

3. In dieser einen und einzigen Kirche Gottes sind schon von den ersten Zeiten an Spaltungen entstanden (15), die der Apostel aufs schwerste tadelt und verurteilt (16); in den späteren Jahrhunderten aber sind ausgedehntere Verfeindungen entstanden, und es kam zur Trennung recht großer Gemeinschaften von der vollen Gemeinschaft der katholischen Kirche, oft nicht ohne Schuld der Menschen auf beiden Seiten. Den Menschen jedoch, die jetzt in solchen Gemeinschaften geboren sind und in ihnen den Glauben an Christus erlangen, darf die Schuld der Trennung nicht zur Last gelegt werden – die katholische Kirche betrachtet sie als Brüder, in Verehrung und Liebe. Denn wer an Christus glaubt und in der rechten Weise die Taufe empfangen hat, steht dadurch in einer gewissen, wenn auch nicht vollkommenen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche. Da es zwischen ihnen und der katholischen Kirche sowohl in der Lehre und bisweilen auch in der Disziplin wie auch bezüglich der Struktur der Kirche Diskrepanzen verschiedener Art gibt, so stehen sicherlich nicht wenige Hindernisse der vollen kirchlichen Gemeinschaft entgegen, bisweilen recht schwerwiegende, um deren Überwindung die ökumenische Bewegung bemüht ist. Nichtsdestoweniger sind sie durch den Glauben in der Taufe gerechtfertigt und Christus eingegliedert (17), darum gebührt ihnen der Ehrenname des Christen, und mit Recht werden sie von den Söhnen der katholischen Kirche als Brüder im Herrn anerkannt (18).

Hinzu kommt, daß einige, ja sogar viele und bedeutende Elemente oder Güter, aus denen insgesamt die Kirche erbaut wird und ihr Leben gewinnt, auch außerhalb der sichtbaren Grenzen der katholischen Kirche existieren können: das geschriebene Wort Gottes, das Leben der Gnade, Glaube, Hoffnung und Liebe und andere innere Gaben des Heiligen Geistes und sichtbare Elemente: all dieses, das von Christus ausgeht und zu ihm hinführt, gehört rechtens zu der einzigen Kirche Christi.

(…)

Ebenso sind diese getrennten Kirchen (19) und Gemeinschaften trotz der Mängel, die ihnen nach unserem Glauben anhaften, nicht ohne Bedeutung und Gewicht im Geheimnis des Heiles. Denn der Geist Christi hat sich gewürdigt, sie als Mittel des Heiles zu gebrauchen, deren Wirksamkeit sich von der der katholischen Kirche anvertrauten Fülle der Gnade und Wahrheit herleitet.

— II. Vatikanisches Konzil, Unitatis Redintegratio

Alle Hervorhebungen von Catocon.