Weise Worte von Pater Schmidberger

Laut katholisches.info nimmt Pater Schmidberger zu der Trennung eines bis dahin mit der FSSPX befreundeten Klosters im Mitteilungsblatt der Piusbruderschaft Stellung. Doch seine Worte haben eine wichtige Bedeutung nicht nur für diese „piusinterne“ Angelegenheit, sondern auch für die weitere Kirche, für traditionelle Katholiken in allen Lebenslagen, die sich dem Modernismus und Liberalismus widersetzen, um im wahren Glauben zu verbleiben. Es lohnt, diese Passage hier zu zitieren, Hervorhebungen wie immer von Catocon

Viele Seelen glauben sich (…) in Sicherheit, sonnen sich in ihren Tugenden, während der Stolz und die Selbstgerechtigkeit ihr Herz längst umstrickt haben. Eigensinn, Rechthaberei, Besserwisserei, Kritiksucht, falsche Dialektik, Spott und Häme sind nicht die sieben Gaben des Heiligen Geistes, sondern Merkmale des Widersachers Gottes. Diesem ist es ganz gleich, ob er eine Seele durch ihre bekannten Schwächen zu Fall bringt oder durch Stolz auf ihre eigenen Tugenden. Allzu oft verwandelt sich der Teufel in einen Engel des Lichtes und vollbringt sein Werk der Verführung sub specie boni – unter dem Schein des Guten. Treibt man das Recht beispielsweise auf die Spitze, so kann höchste Ungerechtigkeit geschehen. Nicht umsonst sagten die Alten: Summum jus, summa injuria.Hat man die Gefahr des falschen Gehorsams umschifft und Liberalismus und Modernismus vermieden, so ist man noch lange nicht gefeit vor einem sektiererischen Antiliberalismus. Nur die Demut des Geistes und vielleicht noch mehr jene des Herzens bewahrt vor dem Fall. „Lernet von mir“, sagt unser gebenedeiter Herr, „denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen.“

Dies sind weise Worte. Ich lese sie auch hinsichtlich der (gerechtfertigten) schweren Kritik, die an den Handlungen des neuen Papstes und früheren Erzbischofs von Buenos Aires hier und auf anderen traditionell katholischen Blogs und Webseiten geübt worden ist. Wenn es stimmt, was mir immer wahrscheinlicher erscheint, dass das Welt- und Kirchenbild von Papst Franziskus zumindest teilweise modernistisch ist, und sich nicht mit der Tradition deckt, dann ist das eine sehr schwere Situation für einen kirchentreuen Katholiken. Er ist dann gleich von zwei Seiten in Gefahr, Opfer der Verstrickungen des Teufels zu werden:

Erstens darf er die Irrtümer des Papstes etwa in Liturgie, Ökumenismus etc. nicht verteidigen und entschuldigen, sondern muss sie beim Namen nennen.

Zweitens darf er aber auch nicht den Fehler machen, die Ablehnung der Irrtümer zur Ablehnung des Papstes werden zu lassen. Der Papst ist und bleibt das sichtbare Oberhaupt der Kirche. Als Oberhaupt der Kirche gebührt ihm Respekt und Gehorsam, sofern dieser Gehorsam nicht in Widerspruch zur unveränderlichen Lehrtradition steht.

In dieser schwierigen Situation gilt es die richtige Balance zu halten. Den Papst von jenem sicheren Fundament der Überlieferung zu kritisieren, wenn er dieses Fundament etwa durch liturgische Missbräuche oder falschen Ökumenismus verlässt, ist gerechtfertigt und notwendig. Solche Kritik ist eine Form der Loyalität. Doch sie muss sich dieser notwendigen Loyalität eben immer bewusst bleiben und fest verwurzelt sein in der Unterordnung unter den Heiligen Vater, der das legitime Oberhaupt aller Katholiken ist. Andernfalls verfällt sie wiederum den Schlingen des Teufels, indem sie ihren legitimen Oberen nicht mehr anerkennt, weil ihm eine Perfektion fehlt, die der Kritiker sich zu haben anmaßt. Diese Form der Anmaßung ist Hochmut, das Kronjuwel im Sündenareal des Teufels.

Um ein konkretes Beispiel zu geben: Die falsche Demut, die sich in Widerspruch zu liturgischer Pracht setzt, kann nur von wahrer Demut kritisiert werden, doch es besteht die Gefahr, dass der Kritiker falscher Demut so stolz auf seine eigene „wahre Demut“ wird, dass sie in Hochmut umschlägt. Ebenso ist es beim Ökumenismus. Die falsche Ökumene durch die wahre Ökumene, d.h. die Rückkehr der Irrenden ins Haus des Vaters, zu bekämpfen ist richtig und notwendig. Doch auch hier besteht die Gefahr, dass der Kritiker, der tatsächlich die Wahrheit spricht, auf jene Tatsache stolz wird, und sich so sehr in seinem „Besitz“ der Wahrheit sonnt, dass er der schlimmsten aller Todsünden verfällt, nämlich dem Hochmut, der allein nicht vergeben werden kann, weil er nicht der Vergebung zu bedürfen glaubt.

Dies ist die Gefahr, auf die Pater Schmidberger in einem etwas anderen Zusammenhang aufmerksam macht. Der traditionelle Katholik muss die modernistischen Irrtümer kritisieren. Dies zu unterlassen wäre ein Versäumnis. Doch er darf nicht in jenen sektiererischen Antiliberalismus verfallen, dessen Kennzeichen nach Pater Schmidberger „Eigensinn, Rechthaberei, Besserwisserei, Kritiksucht, falsche Dialektik, Spott und Häme“ sind. Dies sind nicht die Zeichen des Heiligen Geistes, sondern der unreinen Geister.

Irrtümer kommen immer in Paaren auf die Welt, damit die Menschen auf der Flucht vor dem einen Irrtum geradewegs im anderen Irrtum gefangen werden, so dass der Kampf gegen einen Irrtum oft in den entgegengesetzten Irrtum umschlägt.

Mögen alle Kritiker der Handlungen von Papst Franziskus, darunter an erster Stelle der Autor dieser Zeilen, diese Gefahr immer vor Augen haben, und sich entschlossen an jenen Mittelweg halten, den die weisen Worte des Paters Schmidberger so treffend umschreiben: „Lernet von mir“, sagt unser gebenedeiter Herr, „denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen.“ In dieser wahren Herzensdemut, die erkennt, dass nicht wir, sondern die Heilige Kirche Gottes im Besitz der Wahrheit ist, und das auch nicht aus eigenem Verdienst, sondern nur weil Christus, die Wahrheit selbst, sich ihr zu offenbaren geruht hat, und die auch erkennt, dass wir noch weit schlimmere Irrtümer begehen würden als die Modernisten, wenn nicht die unverdiente Gnade Gottes uns im wahren Glauben halten würde, in dieser wahren Herzensdemut allein kann Kritik an Irrtümern und Missbräuchen des Franziskus zulässig und fruchtbar sein.

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Aus aktuellem Anlass…

… hier einmal ein Gebet, das Katholiken dieser Tage oft beten sollten, da der Teufel, dessen Existenz seit einem halben Jahrhundert weitgehend verschwiegen wird, derzeit die Streitende Kirche arg zu bedrängen scheint.

Einen Feind, dessen Existenz man leugnet, kann man eben schlecht bekämpfen. Kein Wunder, dass die Kirche in einer Krise steckt.

Zeichen der Zeit (Teil 2)

Gestern schrieb ich über die Zeichen der Zeit, was sie sind und was sie nicht sind, und nannte einige Beispiele für solche Zeichen, die in riesiger Leuchtschrift quer über die ganze Welt geschrieben sind, wenn man sie denn nicht zu ignorieren wünscht. Dies ist der zweite Teil des Essays über die Zeichen der Zeit.

Die Früchte der Anpassung

Wir müssen wirklich die Zeichen der Zeit erkennen – und wir sollten ihnen auch Folge leisten: Wir sehen die Früchte von einem halben Jahrhundert Anpassung an die Zeit. Wir haben, zumindest in der Praxis (die theoretische Debatte über Kontinuität des Konzils sei einmal beiseite gelassen) einen immensen Bruch erlebt. Der Glaube wird selbst in den Kirchen nicht mehr verkündigt, er wird in katholischen Familien – wo es sie noch erkennbar gibt – nicht mehr gelebt, er wird in der Praxis von Priestern, Bischöfen und Laien gleichermaßen geleugnet und in der Liturgie in vielen Fällen geradezu lächerlich gemacht. Es ist nicht nur, dass wir heute mehr sündigen als früher, sondern dass wir unsere Sünden nicht mehr als Sünden zu sehen vermögen, und sie deswegen auch nicht bereuen können. Es sieht düster aus um eine Generation, die das Beichten verlernt, beziehungsweise in geradezu vulgärer Weise säkularisiert, ins Fernsehen verlegt und zu einer journalistischen Kunstform herabgewürdigt hat.

Und dabei ist die Kirche noch fast eine Insel der Seligen. Allein im 20. Jahrhundert haben Staaten durch ungerechte Kriege und industrialisierte Völkermorde mehrere hundert Millionen Menschen ermordet. Allein in den letzten vierzig Jahren sind, belastbaren Schätzungen zufolge, mehr als eine Milliarde Menschen – tausend Millionen – zweimal die Bevölkerung der Europäischen Union, das Dreizehnfache der Bevölkerung von Deutschland – durch Abtreibung ums Leben gekommen, durch eine Praxis also, deren ungehinderte Ausübung von den Eliten weltweit und breiten Mehrheiten im „christlichen Abendland“ als unverzichtbares Frauenrecht gesehen wird (und die in Deutschland von allen Krankenkassen – und damit von den (auch katholischen) Beitragszahlern – finanziell mitgetragen wird). Währenddessen untergraben die entsprechenden Lobbys gesetzesmächtig das Fundament einer jeden menschlichen Gesellschaft, nämlich die natürliche Familie von Mann und Frau durch Scheidung, „Homo-Ehe“, Gender Mainstreaming, Feminismus (also Entwürdigung der Frau) und vieles mehr.

Martyrium

Die Zeichen der Zeit sind klar. Die Verfolgung läuft schon in manchen Regionen der Welt auf Hochtouren und nimmt weiter an Schärfe zu. Im Westen haben wir es mit einem schleichenden Tod des christlichen Glaubens zu tun, welcher irgendwann in eine Verfolgung der verbliebenen Reste ganz natürlich und per demokratischer Mehrheitsentscheidung münden wird. In einer zunehmend globalen Gesellschaft, in der nicht nur Kommunikation und Güterverkehr weltweit zugenommen haben, sondern auch der Ruf nach einer Weltregierung und einem Weltstaat – leider nicht ohne Zutun mancher kirchlicher Instanzen – immer lauter wird, droht nicht nur eine Verfolgung, sondern die erste globalisierte Verfolgung. Man stelle sich nur eine Gesellschaft vor, in der der Zahlungsverkehr elektronisch abliefe, alle Daten elektronisch gespeichert und global abgeglichen und ausgetauscht werden können, durch Satellitentechnologie eine hochauflösende Überwachung auch der entlegenen Schlupfwinkel denkbar wäre, in denen Christen während früherer Verfolgungen immer noch Zuflucht finden konnten.

Man stelle sich eine Christenverfolgung vor, die globalisiert abläuft, und modernste Technik einsetzt. Wie gründlich, wie präzise, wie industriell wäre sie – was ein Wunder des technischen Fortschritts, ein Weltwunder der Moderne.

Das sind die Zeichen der Zeit, wie ich sie sehe, wie ich sie zu erkennen glaube. Sie sind nicht unausweichlich. Doch abgesehen von einem direkten Gnadenakt Gottes sehe ich nicht, wie wir an dieser Entwicklung vorbeikommen können. Gesellschaftliche Trends entwickeln eine Eigendynamik, und die gesellschaftlichen Trends, von denen hier die Rede ist, werden systematisch durch interessierte Kreise verstärkt. Sie werden ebensowenig von selbst aufhören, wie sie in den letzten gut dreihundert Jahren von selbst aufgehört haben. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sich alles von selbst wieder zum Guten wenden wird, und unsere verbliebene menschliche Kraft ist zu gering, um den Kurs der Weltgeschichte auch nur um eine Bogensekunde zu beeinflussen.

Solange es keinen außerordentlichen direkten Eingriff von Ganz Oben gibt, wird es zu dieser Verfolgung kommen – vielleicht etwas früher, vielleicht etwas später. Aber sie wird kommen.

Und dann wird das Blut der Märtyrer wieder zur Saat der Kirche, und ein neuer Tag bricht an und die Krise wird vorüber sein

Zeichen der Zeit (Teil 1)

Einleitung

Eines der beliebtesten Schlagwörter unserer Tage ist wohl, die Kirche müsse endlich die Zeichen der Zeit erkennen, und sich nach ihnen richten. Gemeint ist in der Regel die Anpassung des kirchlichen Glaubens und der Moral an die herrschenden Trends der Zeit. Doch das hat nichts mit dem zu tun, was der Christ unter dem Erkennen der Zeichen der Zeit versteht, wie jedem klar sein dürfte, der sich die Mühe gemacht hat, die entsprechenden Herrenworte einmal zum Gegenstand des Gebets oder auch nur des logischen Denkens zu machen.

Erkennen der Zeichen der Zeit

Doch es gibt wirklich Zeichen der Zeit, die die Kirche wirklich erkennen muss. Zum Beispiel deuten sich große Krisen, Verfolgungen, in der Regel Jahre und Jahrzehnte vorher an. Sie sind sichtbar für denjenigen, der mit wachem Auge die Welt anschaut, sie kennt, aber ihr nicht verhaftet ist. Ich spreche nicht von Propheten, die durch göttliche Gnadengabe Dinge sehen und prophezeihen können, welche kein normaler Menschenverstand hätte erkennen können – ich meine die Zeichen, die deutlich machen, was geschehen wird, wenn sich nichts ändert, und die durch Gebrauch der Wahrnehmungsfähigkeit und des Verstandes erkannt werden können.

In unserer Zeit sind diese Zeichen mit Leuchtschrift quer über den ganzen Erdball geschrieben, wenn man sie sehen will.

Einige Beispiele

In den Ländern, in denen das Christentum zuerst etabliert wurde, wird es heute mehr und mehr verfolgt. Die koptischen Gemeinden in Ägypten, die irakischen Christen, die es seit der „Befreiung“ von ihrem Diktator sehr schwer haben, generell die Christen des Nahen Ostens und Nordafrikas, schwinden rapide dahin durch Vertreibungen, Verfolgungen und direkten Mord.

Und das angeblich christliche Abendland, so könnte man meinen, schaut tatenlos zu. Bis auf das eine oder andere pflichtschuldige Wörtchen über die Rechte religiöser Minderheiten allgemein, die erschreckend in ihrer Kraftlosigkeit und verstörend in ihrer Beliebigkeit daherkommen, und in ihrer Effektivität dem bekannten Tropfen auf dem heißen Stein noch um einiges nachstehen, geschieht nichts. Und wenn doch, dann begünstigen die Aktionen des „christlichen Abendlandes“ in diesen Ländern eher noch die Vertreibung und Verfolgung der Christen, die von den säkularen Diktatoren, die der achso schöne „arabische Frühling“ zu beseitigen unternimmt, in den meisten Fällen noch zähneknirschend geduldet wurden.

Und in den Ländern des christlichen Abendlandes selbst sieht es zwar aktuell noch besser aus, was die direkte körperliche Bedrohung von Christen angeht, doch im spirituellen Sinne ist dies das wahre „Schlachtfeld“ – denn das Blut der Märtyrer belebt die ganze Christenheit immer wieder neu, während das langsame Entschlafen der westlichen Christen, ihre Gleichgültigkeit und Apathie, keinen solchen Effekt hat. Der Teufel ist nicht dumm – er hat die Lektion gelernt. Direkte Verfolgungen, so gern er sie auch hat, sind für seine Sache auf lange Sicht schädlich. Viel besser ist es für ihn, wenn die Christen nicht durch den Tod als Märtyrer zur Schau des göttlichen Angesichts im Himmel kommen, sondern langsam von ihrem Glauben wegdriften, geistlichen Tod durch die besondere Mischung von fanatischem Amüsement und geisttötender Langeweile erleiden, die die westlichen Gesellschaften kennzeichnet. Denn die geistlich Sterbenden, im Unterschied zu den körperlich sterbenden Märtyrern, erlangen nicht unbedingt die ewige Seligkeit, sondern sind im Gegenteil hervorragende Anwärter für die ebenso ewige Verdammnis.

Die Fehler des Teufels

Doch auch wenn der Teufel dumm ist, er ist doch unverbesserlich. Er wird dieselben Fehler wieder machen, und auch im Westen mehren sich die Zeichen einer bevorstehenden Verfolgung. Das Wort des amerikanischen Kardinals, er werde im Bett sterben, sein Nachfolger im Gefängnis, ist keine unfehlbare Prophezeihung. Aber es scheint, angesichts der gesellschaftlichen Trends, keine allzu weit hergeholte oder unwahrscheinliche Prognose zu sein. Im Gegenteil. Bereits heute sind Christen in einer Vielzahl gesellschaftlicher Bereiche unter Beschuss geraten. In den Vereinigten Staaten kämpft eine schrumpfende Kirche um den Erhalt des Rechts, keine schwerwiegenden moralischen Übel wie Verhütung und Sterilisierung mitfinanzieren zu müssen. Das ist nur eines von sehr vielen Beispielen. War es vor 100 Jahren die Kirche, die die Religionsfreiheit abgelehnt hat, um die Vorrechte des wahren Glaubens zu erhalten, so sind wir heute in der paradoxen Situation, dass der Kampf um Vorrechte, um die Förderung des wahren Glaubens, im Westen verloren ist, und selbst der Kampf um gleiche Rechte für die katholische Religion nicht gerade gut steht. Und die USA haben es weitaus besser als Westeuropa – dort gibt es wenigstens wahrnehmbare Bewegungen zur Verteidigung des Glaubens. Hier in Deutschland haben sich die offiziellen Kirchenvertreter viele Jahre lang geradezu um die Komplizenschaft bei der Abtreibung gerissen, damit sie gesellschaftlich nicht an Anerkennung verlieren, und sind bis heute – von wenigen Ausnahmen abgesehen – stumm angesichts der großen Übel geblieben, die unsere Familien in hochmütiger Verfolgung von „Emanzipation“ und „Selbstverwirklichung“ zerrissen, die Schafe durch religiösen Indifferentismus und Modernismus verstreut, und die Seelen in höchste Gefahr des ewigen Todes gebracht haben.

Was die Effektivität der kirchlichen Antwort auf die moralischen Übel unserer Zeit betrifft, die kann jeder selbst beurteilen, wenn er sich die Abtreibungszahlen, Scheidungsraten und Eheschließungen unter Katholiken anschaut, und sie mit den entsprechenden Zahlen unter den falschen Religionen anschaut. Dasselbe gilt für die religiösen Übel der Zeit – die Kirchen sind leer, und wenn man der durchschnittlichen Glaubensverkündigung tatsächlich glauben möchte, hat das auch seinen guten Grund: Warum soll man das ungünstig gelegene, nicht besonders aufregende Gemeidemahl besuchen, als das das Heilige Messopfer allzu oft dargestellt wird? Warum soll man fest dem wahren Glauben anhängen, wenn doch alle Religionen gleich gut sind, und keine für sich Wahrheit beanspruchen kann? Warum soll man sich gegen die moralischen Übel verwahren, sündhafte Handlungen unterlassen, und nach Heiligkeit streben, wenn Gottes Barmherzigkeit bedeutet, dass es ihn nicht interessiert, was wir tun, solange wir Spaß daran haben, und unser Gewissen nach sorgfältiger Vernachlässigung und Verrohung nicht mehr dagegen aufbegehrt (oder wir es zum Schweigen gebracht haben)?

Und damit lasse ich den Leser für heute allein – morgen folgt der zweite Teil dieser Betrachtung der Zeichen der Zeit

Teuflische Lügen

Father Longenecker gibt auf seinem Blog folgenden nützlichen praktischen Hinweis hinsichtlich der Lügen des Teufels:

„Do you want to know how to spot the lies of the devil? Always look for the person–any person–who is working very hard to avoid suffering. Watch out for the person who is trying to make their world a little paradise where all suffering can be got rid of and everyone will live happily ever after. They are pursuing a lie to start with, and they will lie and distort reality for themselves and others in order to create their artificial Eden.

Catholics, on the other hand, should see the truth, understand the truth, speak the truth and live the truth–even though it brings them hardship, persecution, peril and sword.“

Eine grobe Übersetzung:

„Möchten Sie wissen, wie man die Lügen des Teufels entdeckt? Suchen Sie immer nach der Person – irgendeiner Person – die sich sehr darum bemüht, dem Leiden aus dem Weg zu gehen. Vorsicht vor der Person, die versucht, ihre Welt zu einem kleinen Paradies zu machen, in dem man alles Leid loswerden kann, und alle glücklich leben werden. Sie verfolgen von Anfang an eine Lüge, und sie werden lügen und für sich und andere die Wirklichkeit verdrehen, um ihr künstliches Eden zu erschaffen.

Katholiken sollten andererseits die Wahrheit sehen, die Wahrheit verstehen, die Wahrheit sprechen, und die Wahrheit leben – selbst wenn es ihnen Not, Verfolgung, Gefahr und das Schwert bringt.“

Innerweltliche Leidensvermeidung ist in der Regel eine gute Idee – aber nie auf Kosten der Wahrheit. Diesen Satz sollten sich besonders einige zurückhaltende, ängstliche kirchliche Würdenträger in Deutschland und anderen westlichen Ländern einmal zu Herzen nehmen. Er gilt aber für uns alle.

Beichten gehen!

Im Anschluss an eine gute Tradition auf Father Z’s Blog möchte ich meine Leser einfach dazu aufrufen, beichten zu gehen.

Eine gute Beichte löst selbst die schlimmsten Sünden besser auf, als Wasser eine Brausetablette. In „meiner“ Heimatgemeinde (sie gehört mir natürlich nicht…) haben wir gut 3000 Mitglieder, aber kaum jemand geht in den Beichtstuhl.

Ich kann aus eigener Erfahrung garantieren: Wenn es Schlangen sind, die Euch von der Beichte abhalten – es besteht keine Gefahr. Innerhalb des Beichtstuhls gibt es keine giftigen Tiere, und außerhalb steht niemand an.

Beichten tut auch nicht weh – jedenfalls nicht mehr als eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt ohne Anästhesie… Und deutlich weniger, als wenn man im Stande der schweren Sünde verstirbt. Das, so habe ich mir sagen lassen, soll höllisch schlimm sein und sollte um jeden Preis vermieden werden.

Ist zu schaffen, glaubt es mir, Leute!

Und nicht vergessen: Wer zur Messe geht, ist nicht verpflichtet auch zur Kommunion zu gehen. IM GEGENTEIL: IM STANDE SCHWERER SÜNDE ZUR KOMMUNION ZU GEHEN IST SELBST WIEDER EINE SCHWERE SÜNDE. ALSO: VORHER BEICHTEN!

Die Kirche hat in ihrer Weisheit als Gebot ausgegeben, wenigstens einmal jährlich, vor Ostern, zu beichten. Doch beichten ist kostenlos. Hier gibt’s was umsonst. Ein echtes Schnäppchen.

Zweiter Frühling – Neues Pfingsten

Aus der persönlichen Korrespondenz eines Teufels mit einem Arbeitskollegen:

Lieber Untersekretär Mückenwurm!

Du hast mich in deinem letzten Brief gefragt, ob ich es für sinnvoll hielte, das letzte Konzil der Kirche weiter zu verteidigen, oder lieber eine Gegenreaktion ins entgegengesetze Extrem anzustreben. Du warst der Auffassung, eine solche Gegenreaktion sei ohnehin erwartbar, weil selbst die Menschen erkennen würden, wie sehr das Konzil samt Folgen die Kirche geschwächt hat, und unsere beste Chance sei daher, diese Reaktion zu pervertieren, indem wir ihren Eifer ins Eiferertum überführen, ihre Traditionalisten zu Reaktionären machen. Ich muss sagen, dass dies in Zukunft nötig werden könnte. Doch bisher haben die Menschen noch immer nicht erkannt, wie erfolgreich wir wirklich waren. Die meisten, man glaubt es kaum, erkennen nicht einmal unsere Existenz!

Ich will dir daher kurz sagen, warum ich es für wichtig halte, die Früchte des Konzils so lange wie möglich auszukosten. Einen Strategiewechsel können wir später immer noch bedenken.

Die Geschichte der Kirche seit dem letzten Konzil ist eine wirkliche Erfolgsgeschichte. Noch nie ist es unseren Mächten gelungen, ein Konzil der Kirche so vollständig zu unseren Zwecken zu pervertieren. Ich persönlich kann mir einen wichtigen Teil dieses Erfolges in der Hierarchie der Hölle anrechnen lassen, war ich doch für die Delegation von Teufeln zuständig, die die Konzilsbischöfe bearbeiten musste. Meine Beförderung kann also, wenn ich die Früchte des Konzils heute anschaue, nicht mehr weit weg sein.

Noch nie ist es uns gelungen, mehr als 90% der Gläubigen in den Stammländern der Kirche vom Pfad des Glaubens wegzuführen, ohne dass diese es überhaupt merken. Und der Geist des Konzils – direkt aus der Manufaktur „Inferno“ meines geschätzten Handwerkerkollegen von Nebenan – ist wohl die nützlichste Idee seit dem (leider fürchterlich gescheiterten) Kreuzigungsplan.

Ich habe nicht die Zeit, hier alle Früchte des Konzils aufzulisten, doch die meisten dieser Früchte sind inzwischen überreif und fallen bald in unsere wartenden, gierigen Hände. Ich möchte mich nur auf das eine Land konzentrieren, indem ich persönlich gewirkt habe, und in dem ich aufgrund meiner unvergleichlichen Verführungsfähigkeiten besonders erfolgreich war. Die Früchte innerhalb dieses Landes, das die Erdlinge „Deutschland“ nennen, sind so reich, dass es mir unmöglich wäre, auch nur an der Oberfläche zu kratzen, wollte ich sie alle hier aufzählen.

Daher nur einige wenige Beispiele aus der jüngsten Zeit.

Der Papst, der schon viele unserer Pläne erfolgreich verhindert hat, traf dort auf eine völlig verhärtete Öffentlichkeit, die er niemals hätte überzeugen können, und diese Art der Rezeption war sogar innerhalb der katholischen Kirche erfreulich häufig. Zwietracht innerhalb der von Gott eingesetzten Hierarchien ist immer gut für uns, es sei denn es handelt sich um wirkliche dogmatische Streitigkeiten – diese sind extrem gefährlich für uns, weil es da um Wahrheitsfindung geht. Meist streben wir ja nach Pöstchengerangel und Karrierismus, da dies die optimale Mischung von Zwietracht, Misstrauen und Egozentrismus bietet, doch wenn es uns gelingt, eine ideologische Barriere innerhalb der Kirche aufzubauen, dann ist das noch besser. Überraschenderweise (selbst ich hätte das nicht zu hoffen gewagt), ist uns in der Kirche von Deutschland beides gelungen: Wir haben überzeugte Karrieristen, die sich nicht als Karrieristen, sondern als Träger einer reformerischen oder revolutionären Ideologie sehen, und zudem behaupten, sie seien gegen dogmatische oder ideologische Streitigkeiten. Ein Maß an Selbsttäuschung, das ich selbst von den bekannt dummen Menschentieren nicht erwartet hätte.

Der Besuch des Papstes war eine riesige Bedrohung für unsere Stellungen. Wir haben bereits in England gesehen, welchen Einfluss ein Papst auf die öffentliche Meinung in einem skeptischen Land haben kann, welchen Eindruck dieser alte Mann in weiß machen kann, wenn man ihn lässt. Die offensichtliche Strategie wäre gewesen, die Reise entweder ganz zu verhindern (es lassen sich immer passende Viren in unserem Arsenal finden), oder unter einem Haufen offen anti-katholischer Hetze untergehen zu lassen. Letztere Strategie, samt öffentlicher Petition für die Verhaftung des Papstes wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, ist in England leider gescheitert. In meinem unendlichen Genius habe ich daher die Strategie „Teilen statt Heilen“ verwendet. Ich beschreibe sie hier nur kurz (eine ausführliche Explikation kann man wie üblich in unserem Lehrbuch für Junge Teufel, Kapitel 3047, Sektion 119, nachlesen). Wir haben innerkirchliche Verbündete (gar nicht mehr so rar gesät, heutzutage) eingesetzt, die vorher und nachher gezielt Provokationen an die Öffentlichkeit gebracht haben, um zu verhindern, dass der Papst seine Agenda anbringen kann, und dafür zu sorgen, dass sein Besuch ganz im Zeichen der üblichen, von uns herausgegebenen Diskussionsleitfäden steht, die heute in den Köpfen vieler kirchlicher Mitarbeiter zirkulieren. Wir haben dafür gesorgt, dass unsere vielen Verbündeten in den Medien ebenfalls fast nur diese Themen ansprechen, und dass sie alle Worte des Papstes, die nicht in dieses Muster passen, einfach ignorieren, oder schlicht uminterpretieren.

Schließlich haben wir versucht, die Reden und Ansprachen des Papstes zu pervertieren. Das ist uns aber nicht gelungen – er hat sich unseren Nachstellungen widersetzt. Sein Schutzengel war immer um ihn herum, wir kamen einfach nicht durch. Und eine starke Frauenhand drängte uns immer zur Seite – ich habe das schreckliche Gefühl, es könnte diese Maria gewesen sein, die uns seit vielen Jahrhunderten große Sorgen bereitet. Nur an einem kleinen Detail haben wir drehen können und eine Formulierung in seine Rede im Bundestag eingebaut, die für den oberflächlichen Betrachter nach einem Lob der Grünen Partei klingt – unserem treusten Verbündeten seit mindestens 25 Jahren im deutschen Parlament. So haben wir den Eindruck der sonst extrem gefährlichen Papstrede im Bundestag komplett verändert. Alle sprachen vom „Lob an die Grünen“ oder „an die Umweltbewegung“ und kaum noch jemand hörte, was er wirklich gesagt hat.

Der Papstbesuch war also eine riesige Bedrohung für uns, die wir haben abwenden können. Ich erwähne dies als Beispiel für meine These, dass es sinnvoll ist, die Früchte des Konzils weiter zu kultivieren, statt jetzt schon den von dir angeregten Strategiewechsel zu vollziehen. Die Früchte des Konzils sind so fest verankert, dass wir ohne große Mühe mit etwas Geschick fast alle Menschen im Westen von Gott, der Kirche und dem Papst abschirmen konnten.

Wir haben es durch die geschickte Manipulation der liturgischen Praxis geschafft, die Besucher der katholischen Messe trotz wirklicher Gegenwart ihres Erlösers und Gottes praktisch vollständig von den Gnaden abzuschirmen, die sie sonst dort empfangen können, und den Glauben an die Realpräsenz praktisch zum Erlöschen gebracht.

Wir haben es durch die geschickte Manipulation von Glaubensvermittlung und kirchlichen Medien und Schulen geschafft, dass heute kaum noch etwas über den christlichen Glauben bekannt ist, selbst unter sich selbst als „religiös“ sehenden Menschen. Und dass sie ihren Glauben nicht mehr vermitteln, weil er ja nur einer unter vielen ist.

Wir haben die kirchlichen Apparatschiks so vollständig im Griff, dass wir selbst eine ernste Bedrohung wie den Papstbesuch vollständig haben sublimieren können. Schon eine Woche nach der Abreise des Papstes war wieder „business as usual“, alles vergessen, was er gesagt hatte.

Die Liste der Erfolge ist schier endlos, und die Erfolge sind sehr robust. Viele von ihnen werden selbst das Abtreten der Generation, die uns diese Erfolge ermöglicht hat, überleben. Man bekommt die Zahnpasta eben leichter aus der Tube als wieder hinein, wie manche dieser Erdlinge zu sagen pflegen. Noch auf viele Jahrzehnte hinaus können wir uns sicher sein: Im Sektor Europa, besonders in Untersektion 13 (Deutschland), haben wir die Lage für den Fürsten der Unterwelt fest im Griff.

Es besteht sogar die Chance, wenn wir einige kleinere Wolken, die sich derzeit in der jüngeren Generation zu bilden scheinen, auch noch zerstreut bekommen, dass wir die Kirche in dieser Untersektion praktisch direkt an unsere Administration angliedern können – wie es uns schon mit weiten Teilen der Lutheraner gelungen ist. Dann werden wir wahrhaft gesiegt haben.

Das einzige Problem, das ich bei dieser Strategie sehe, ist, dass schon heute der Heilige Geist und die Mutter Gottes an einigen Ecken und Enden zu sägen begonnen haben. Doch die Minderheit, die diese Sägearbeiten ermöglicht und unterstützt, haben wir momentan unter Kontrolle.

Und das alles, nachdem derselbe Geist es uns verunmöglicht hatte, direkte Häresien in die Konzilstexte zu schreiben.

Ein Erfolg unserer Taktik auf ganzer Linie – und weil sie so erfolgreich war, sollten wir die Taktik beibehalten.

Gezeichnet:

Dein Generalsekretär Brutzel

Erzbistum Hamburg: Okkultismus ausprobieren?

Das Erzbistum Hamburg hat, wie viele Leser sicher schon gehört haben werden, einen „Okkultismuskoffer“ mit allerlei Anschauungsmaterial zusammengestellt, mit dem man gehörig experimentieren kann, um wichtige Erfahrungen im Rahmen der okkultistischen Tradition zu machen. Schließlich sollen wir ja pluralistisch sein und andere Religionen akzeptieren und kennenlernen und von innen heraus schätzen – auch die Menschen der okkultistischen Tradition sollten nicht länger diskriminiert werden! Zumindest ist das der Tenor der offiziellen Stellungnahme des Erzbistums zum Okkultismusskandal, wie kath.net berichtet. Zitat:

„Zur Veranschaulichung von Riten und Symbolen in den Weltreligionen steht Religionslehrererinnen und Religionslehrern sowie hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Pastoral neben den gängigen AV- bzw. Printmedien folgendes Anschauungsmaterial (Materialkoffer) zur kostenlosen Ausleihe bereit“

Und etwas weiter:

Zu einem guten Religionsunterricht gehört, den Schülerinnen und Schüller [sic!] die Kompetenz zu vermitteln, sich in religiösen und ethischen Fragen eine sachgerechte Meinung zu bilden. Dazu zählt neben der Fähigkeit zur rationalen Verantwortung der eigenen Glaubensentscheidung auch die argumentative Auseinandersetzung mit anderen religiösen und ethischen Positionen. Bevor die Schülerinnen und Schüler Argumente zusammenstellen und gewichten können, müssen sie die Position des anderen – auch anschaulich – kennenlernen

Ah, ja. Das Erzbistum Hamburg ist da ziemlich clever. Wir müssen die Position des anderen auch anschaulich kennenlernen? Sollen also Schüler im Religionsunterricht in Zukunft okkulte Rituale durchführen, damit sie so richtig von innen die Mentalität verstehen, die hinter diesen Akten steckt? Nicht, dass uns das noch überraschen könnte. Dasselbe geschieht schließlich an Schulen mehr und mehr mit dem „Sexualunterricht“ auch – praktische Erfahrung statt anatomischem Wissen. Mit der Argumentation des Erzbistums sind auch öffentliche Sexualakte im Biologieunterricht („um die Materie auch anschaulich zu verstehen“) gerechtfertigt.

Und wenn wir dann im Geschichtsunterricht die Menschenopfer der Maya behandeln, dann werden wir auch das wohl anschaulich, von innen, erleben müssen – wen wollen wir dann rituell ermorden?

Wo soll das enden? Die Vorstellung, man müsse bösartige, für Körper und Seele schädliche Praktiken wie sie im Okkultismus üblich sind, selbst erleben und erfahren, ist inzwischen verbreitet genug, dass sie auf der Homepage eines Erzbistums ernsthaft vertreten wird – und man damit sogar rechtfertigt, die Seelen unschuldiger Kinder im Namen des „anschaulichen Verstehens“ in Gefahr zu bringen.

Das alles kann man nur dann überhaupt nachvollziehen, wenn man annimmt, dass im Erzbistum Hamburg nicht mehr die Glaubenswahrheit von der Existenz des absoluten, personalen Bösen – des Satans – geglaubt wird. Okkulte Praktiken sind eine akute Gefahr für die menschliche Seele, und sollten daher niemals, ich wiederhole: NIEMALS, durchgeführt werden. Man sollte sich von dieser Materie lieber vollkommen fernhalten als sie „anschaulich“ durch Experimente verstehen zu wollen.

Doch das Erzbistum rechtfertigt sich ja noch weiter. So heißt es:

Das Erzbistum möchte damit in der kirchlichen Jugendarbeit „vorbeugend“ über die Gefahren von Sekten und Okkultmus aufklären. Der Inhalt der Koffer stehe aber „nicht zur freien Verfügung und zum Experimentieren“. Nur die Lehrer und hauptamtlichen Mitarbeiter könnten diesen ausleihen.

Der Ausleih des Materialkoffers Okkultismus ist ja nur Lehrern und hauptamtlichen Mitarbeitern gestattet – diese sollen dann dafür sorgen, dass den Schülern okkulte Praktiken anschaulich nahegebracht werden, ohne dass diese selbst damit experimentieren müssten. Heißt das, die Lehrer führen die „Experimente“ auf Kosten ihres Seelenheils durch, und die Kinder sollen dabei tatenlos und widerstandslos zusehen? Das ist auch nicht viel besser.

Unter der Annahme der Wahrheit des katholischen Glaubens sind die Ausreden und Beschwichtigungen des Erzbistums nichts weniger als schändlich, vermutlich aber mehr. Die Hirten dieses Bistums dulden dieses Verhalten mindestens, wenn es nicht sogar ihre ausdrückliche oder interne Zustimmung findet. Sie führen damit vorsätzlich oder fahrlässig die ihnen zum Schutze anvertrauten Seelen in den Abgrund. Wir alle wissen, wie Jesus über solche Menschen gedacht hat.

Wir alle sollten für die Seelen dieser Hirten beten, die so etwas dulden oder befürworten. Gottes Gnade sei mit ihnen – sie brauchen sie dringend.

Und was den Rest von uns betrifft – wir sollten uns immer vor Augen halten, dass es diese Hirten sind, oder zumindest solche, die ähnlich denken, die derzeit die katholische Kirche in Deutschland (oder was von ihr übrig ist) führen und lenken. Das sollte uns kalt den Rücken herunter laufen…

Dämonen, Teufel, Exorzisten

In einem Kommentar zu meinem Artikel über die scheinbar entstehende deutsche Nationalkirche wurde auf das Problem der in Deutschland wohl fehlenden Exorzisten hingewiesen. Wenn ich die Lage richtig verstanden habe, ignorieren viele Bistümer den Bedarf an Exorzisten, weil dort nicht mehr an die Notwendigkeit solcher Aktionen – und die Existenz von Teufel und Dämonen geglaubt wird. Obgleich es sich um eine klare Glaubenswahrheit handelt, die sogar durch alltägliche Erfahrung des Bösen um uns herum und in uns bestätigt wird, leugnet man heute die Existenz eines persönlichen Bösen entweder offen, oder schweigt von ihr ohrenbetäubend.

Diese Situation ist wohl in den meisten westeuropäischen und nordamerikanischen Diözesen nicht anders. Doch wenn es wirklich hart auf hart kommt, wenn die Menschen wirklich in Bedrängnis durch übernatürliche böse Mächte geraten, dann wissen sie, zumindest wenn man diesem Artikel von Fr. Longenecker folgen möchte, immer noch an wen sie sich zu wenden haben – einen katholischen Priester.

Fr. Longenecker berichtet:

The call came in through our parish answering service: „Err, I don’t know if you can help with this one, but the person calling says they have demons in their house.“

The person calling said there were disturbances in their house, and her husband was brought up a Catholic but hardly ever went, and his mother and sisters are all Wiccans. Not good. So I arranged to visit on Sunday after Mass.

Nun ja, das könnte ganz natürlich sein, aber als Katholik kann man die andere Option nicht gänzlich ausschließen. Zumal große Teile der Familie sich in sehr fahrlässiger Weise mit bestimmten Praktiken beschäftigt zu haben scheinen, die, sagen wir es einmal so, vermutlich nicht gerade die geistliche Gesundheit fördern.

Früher hätte ich solche Berichte grundsätzlich als unsinnig abgetan. Vor fünf Jahren glaubte ich in keiner Form an etwas Übernatürliches – weder Gott, noch Engel, noch Wunder, noch den Teufel. Doch je mehr ich mich mit Geschichte und ethischen Fragen beschäftigte, umso mehr erkannte ich wie tief im Menschen der Impuls zum Bösen sitzt, wie sehr die verschiedenen, nach menschlichem Ermessen völlig unverbundenen bösen Taten den Anschein erwecken, einem verborgenen Plan zu folgen, und dass es wirklich Menschen gegeben hat und immer noch gibt, die so sehr in den Klauen des Bösen sind, dass sie aus eigener Kraft nicht mehr herauskommen.

Selbst war ich nie mit irgendwelchen übernatürlichen Praktiken in Berührung gekommen – ich hielt das alles für Unsinn, aber vielleicht bewahrte mich mein Instinkt das alles für lächerlich zu halten vor großem Schaden. Doch die erwähnten Überlegungen brachten mich zu der Einsicht, dass es so etwas wie ein absolut Böses geben müsse. Und wenn es so etwas gab – sichtbar war es jedenfalls nicht, und konnte genausowenig gemessen werden – dann musste es irgendwie übernatürlich sein.

Von diesem Zeitpunkt hielt ich die Existenz von Teufel und Dämonen nicht mehr für ausgeschlossen. Seither belächle ich Berichte wie den von Fr. Longenecker nicht mehr. Und nach einer Weile legte ich auch mein irrationales Vorurteil gegen Exorzismen ab. Doch trotzdem habe ich mich mit diesen Fragen nie intensiver beschäftigt, was vielleicht auch besser so ist.

I asked some questions about the problems, explained the complexity of the supernatural and paranormal phenomena and said that usually a house blessing was all that was required to clear things up. Then I asked where they go to church. „Well, when we do go we attend DaySpring“. That’s one of the Protestant mega churches in town.

„And I’m not trying to pick a fight or anything. I’m just curious…“ I asked, „But why did you call me instead of one of your pastors fro DaySpring?“
„We knew it was a Catholic priest who would know what to do about demons and all that stuff.“

Selbst protestantische, kirchenferne Halbgläubige mit neuheidnischem Umfeld und ebensolchen Wurzeln wissen, wo die „Kompetenz“ im Umgang mit dämonischen Mächten liegt – nämlich bei Jesus Christus und den von ihm bestellten Nachfolgern, den Aposteln, Bischöfen, bis heute in apostolischer Sukzession. Instinktiv wendet man sich halb an einen Priester, nicht an einen hauptamtlichen Redner, wenn man Hilfe gegen das Böse braucht.

Doch offiziell? Die Kirche legt nicht gerade großen Wert auf die Existenz des übernatürlichen Bösen. Ich gehe jetzt seit fast einem Jahr regelmäßig zur Kirche, und bin an Ostern offiziell aufgenommen worden – doch noch nie habe ich auch nur einen Satz über das Böse, und noch weniger „den Bösen“, gehört. Wir Schäfchen werden nicht gewarnt, und irren daher ziellos umher, wenn wir nicht selbst das Glück haben, zufällig, aus eigenem Antrieb für diese Gefahren sensibilisiert zu werden. Und Exorzisten scheint es in Deutschland auch kaum noch zu geben, wenn ich meinem Kommentator von gestern (oben verlinkt) glauben möchte. Dafür gibt es jetzt „Okkultismus-Koffer“ in der Erzdiözese Hamburg, die die Gläubigen dazu nutzen können, sich mit diesen Phänomenen vermutlich im Geiste des indifferentistischen „interreligiösen Dialogs“ vertraut zu machen. Die Botschaft ist: Öffnet euch allen Mächten, öffnet die Fenster, und lasst die Welt und ihren Fürsten herein!

Ich fürchte, bei dieser Haltung wird der Bedarf an Exorzisten – wenn auch nicht das Angebot – in Deutschland bald massiv steigen…