Anlässlich des Todes von Margaret Thatcher…

… möchte ich auf die bekannte Tatsache hinweisen, dass Frau Thatcher hinsichtlich ihrer moralischen Überzeugungen, insbesondere ihrer Haltung zum Thema Abtreibung, entsetzliche Positionen vertreten hat, die mit dem Christentum überhaupt nicht vereinbar sind. Thatcher war eine durch und durch anti-christliche Premierministerin. Ihr Ziel war eine Deregulierung der britischen Wirtschaft und des britischen Arbeitsmarktes, was ihr teilweise gelungen ist. Man mag diese Wirtschaftspolitik gut oder schlecht finden – darum geht es hier nicht. Doch Wirtschaftspolitik, so wichtig sie auch sein mag, muss bei der Einschätzung eines Politikers immer hinter den grundsätzlichen moralischen Fragen zurückstehen. Und in diesen Fragen hat Thatcher nicht nur katastrophal versagt (wie Reagan, der die Entsittlichung der USA nicht aufhalten konnte, obwohl er selbst z.B. pro-life war), sondern spielte schlicht auf der falschen Seite.

Dass der Papst Thatcher, wie kath.net berichtet, nun mittels eines Beileidstelegramms lobt, mag in seiner Position als Staatsoberhaupt des Vatikans aus Gründen von Diplomatie und Höflichkeit unumgänglich sein. Doch Frau Thatchers Politik „christliche Werte“ zu unterstellen, wie er es laut kath.net getan hat, kommt einer völligen Sinnentleerung dieses Begriffs gleich, die selbst in der Diplomatensprache nicht so freizügig eingesetzt werden sollte.

Es bleibt dabei, dass sie die Tötung der Unschuldigen befürwortet hat, und das allein genügt, um den Begriff „christliche Werte“ in Verbindung mit ihr völlig ungeeignet werden zu lassen.

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Persönliche Anmerkung:

[Eine Frage hätte ich als Konvertit noch an erfahrene Katholiken: Wie ist das eigentlich mit dem Gebet für eine Seele, von der man vermuten muss, dass sie die ewige Verdammnis erlangt hat? Darf man für solche Seelen beten, wie man es für die Seelen im Fegefeuer tut? Soweit ich weiß, betet die Kirche ja nicht für die Seelen der Verdammten in der Hölle. Andererseits können wir niemals genau wissen, ob eine Seele nun gerettet worden ist, es sei denn, die Kirche spricht sie heilig. Wie ist es also mit dem Gebet für eine solche Seele, wie der von Frau Thatcher, einer Häretikerin und Befürworterin der Tötung der Unschuldigen? Das ist eine der praktischen Fragen des katholischen Lebens, auf die ich noch keine Antwort gefunden habe.]

14 Gedanken zu „Anlässlich des Todes von Margaret Thatcher…

  1. Bin zwar keine erfahrene Katholikin, habe aber etwas darüber gelesen (du hast es quasi schon vermutet): Wir können für jeden Menschen beten. Auch wenn wir ihn als großen Sünder gesehen haben, kann es ja sein, dass er sich in seiner Sterbestunde bekehrt hat. Wir sollten niemanden aufgeben. Gottes Barmherzigkeit ist groß, er möchte gebeten werden. Gebet und Opfer für die Armen Seelen ist sehr wichtig, gerade heute, wo kaum jemand noch an sie denkt.

  2. a: Dumme Fragen gibt es nicht, wer NICHT FRAGT, BLEIBT dumm!
    b Beten kann und soll man für alle, ob Lebende oder Verstorbene. Da Gott weiß, wer sich bekehren wird, bzw. wer sich trotz intensivem Gebets NICHT bekehren wird, wird er die für ABSOLUT NICHT BEKEHRUNGSWILLIGE gedachten Gebete denen zuwenden, die es benötigen, um sich zu bekehren (und für die sonst nicht genug gebetet würde).
    Besser ist natürlich und grundsätzlich IMMER, für die Menschen schon bei Lebzeiten zu beten: Was man für die Ewigkeit tut zu Lebzeiten, ist (vom „Bezahlwert“ wie) Gold.
    Was man für die Ewigkeit tut im Angesicht des Todes, ist (vom „Bezahlwert“ wie) Bronze.
    Was man nach dem Tod im Fegefeuer büßen muss, ist (vom „Bezahlwert“ wie) Blech. D. h. je früher man an die Ewigkeit denkt und etwas tut, desto mehr erreicht man bei gleichem Einsatz.
    Was man (das einzige mir bekannte) NICHT tun kann, ist Ablässe Lebenden zuwenden (außer natürlich sich selbst, logo).

  3. Gebet für Verstorbene (einzelne oder allgemein) ist immer gut und löblich. Auch (und gerade)
    für solche, die möglicherweise, vielleicht, nicht gerettet sind. Wer im einzelnen dies ist, wissen
    wir und die gesamte Kirche nicht. Kein einziger Verstorbener wurde offiziell für „verdammt“
    erklärt, viele jedoch für offiziell „heilig“. Die endgültige Entscheidung fällt im Augenblick des
    Todes, und was sich da zwischen der Seele und ihrem Heiland abspielt, wissen wir nicht.
    Sollte jemand, für den gebetet wird, in der Hölle gelandet sein (dies geschieht nur auf dessen
    eigenen Willen!), nützt ihm das Gebet nichts mehr. Trotzdem ist es nicht verloren, es kommt dann jeman zugute, dem der liebe Gott es nach Seinem Ratschluß „zuteilt“.
    So meine laienhafte Erklärung..

  4. Als Katholiken beten wir für alle Verstorbenen, weil wir wie im Beitrag erwähnt über das Urteil Gottes nichts sagen können und weil Gott, der ja außerhalb von Raum und Zeit steht, unser Gebet, auch wenn es nach dem Tod eines Menschen erfolgt, noch für dessen Umkehr und Rettung im Moment des Todes verwenden kann. Und sollte eine Seele tatsächlich verloren sein, wird Gott unser Gebet anderen zukommen lassen.

  5. Dass Maggie Abtreibungsbefürworterin war, wusste ich garnicht, aber tatsächlich liegt der Fokus auf ihren Wirtschaftsreformen…
    Zur Gebetsfrage: http://exsurgedomine.wordpress.com/2012/04/12/magna-nos-habuit/

    Brief von Papst Gregor III. (731-741) an Bischof Bonifatius um 732.

    Meßopfer für Verstorbene –

    Du hast ja offenbar nachgefragt, ob man für Verstorbene Gaben darbringen dürfe. Die heilige Kirche hält es so, daß jeder für seine wahrhaft christlichen Toten Gaben darbringen und der Priester ihrer gedenken kann. Und obwohl wir alle den SÜnden unterliegen, ist es angemessen, daß der Priester der verstorbenen Katholiken gedenkt und Fürbitte für sie hält. Dies wird man jedoch nicht für Gottlose tun dürfen, auch wenn sie Christen waren.

    • ed,
      betrifft das nur das Stiften von Messen (da verstehe ich vollauf, warum sie nicht für Gottlose gestiftet werden sollten), oder auch das persönliche Gebet, um das es bei meiner Frage ja ging?

      • Die Worte „für Verstorbene Gaben darbringen“ legt nahe, daß es hier um das hl. Messopfer geht. Dann ist auch „Fürbitte halten“ und „gedenken“ in diesem Zusammenhang zu sehen (Messintention). Das Gebet für einen bestimmten Verstorbenen im allgemeinen, kann jedem Verstorbenen gelten, eben weil wir für keinen Menschen die Hoffnung auf Rettung aufgeben dürfen. Daraus folgt zu Lebzeiten die Bitte um Bekehrung und nach den Tod die Bitte, daß Gott der Seele ein gnädiger Richter sein möge.

  6. Wir beten in der katholischen Kirche: „…führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen.“ Zu bedenken wäre auch, dass es für Gott ja keine Zeit gibt, sondern nur das „totum simul“ (alles gleichgegenwärig). So ist natürlich auch ein Gebet, das erst Jahre nach einem Ereignis gesprochen wird, Gott auch zum Zeitpunkt des Ereignisses gegenwärtig. So meine ich, dass es durchaus Sinn macht, für einen „problematischen Menschen“ zu beten, weil Gott in der Sterbestunde dieses Menschen ja das zukünrtige Gebet (oderOpfer) in Gnade wandeln kann. Dies ist meine persönliche Meinung. Ich weiß leider nicht, ob es zu dieser Thematik lehramtliche Äußerungen gibt

  7. Die Frage, ob wir für eine Seele beten können, die in der Hölle ist, stellt sich insofern nicht, da wir von keinem Menschen wissen können, in welchen Zustand die Seele eines Menschen in den Augen Gottes ist. Niemals gibt die Kirche ein Urteil ab, nach dem eine Seele der ewigen Verdammnis anheimgefallen sei. Ein solches Urteil steht keinem Menschen zu, mögen wir in manchen Fällen noch so sehr zu einer pessimistischen Einschätzung des ewigen Schicksals eines bestimmten Menschen neigen.
    Also dürfen und sollen wir für die Seele jedes Menschen beten. In zwei Fällen braucht es dieses Gebet nicht: 1. Die Seele ist im Himmel. Dieser können und müssen wir nicht mehr helfen. 2. Die Seele ist in der ewigen Verdammnis. Dieser können wir nicht mehr helfen. Dennoch wird Gott jedes Gebet für diese Seelen annehmen. Zumindest gereicht es dem Beter zum Heil.
    Für die Seelen in der Reinigung (Purgatorium, Fegfeuer) sollen wir täglich beten.
    Da uns kein Urteil über den Seelenzustand eines Menschen möglich ist und ein solches Urteil niemals zusteht, schon gar nicht die Annahme der ewigen Verdammnis, dürfen wir keinen Verstorbenen von unserem Gebet ausschließen. (Das bedeutet nicht, dass wir Haltungen und Taten von Menschen nicht ablehnen dürfen. Das müssen wir, wenn sie gegen Gottes Gebot verstoßen. Unser Urteil kann aber immer nur die Tat betreffen, niemals den Menschen und seinen Seelenzustand.)

  8. Zu Deiner Frage: Ja! Bete für diese Seele. Immer dran denken: „Viel vermag das inständige Gebet eines Gerechten.“ Außerdem sollen wir für unsere Feinde beten (in diesem Fall Feinde gegen unsere Überzeugung und unseren Glauben).

  9. @Alle
    Vielen Dank für die ausführlichen und informativen Antworten, die so zahlreich sind, dass ich nicht allein einzeln antworten kann!
    Die meisten Antworten decken sich mit dem, was ich aufgrund meiner Kenntnisse auch gesagt hätte: Dass man zwar für die Verdammten nicht betet, aber da man ja nie wissen kann, ob sich jemand nicht doch noch bekehrt hat, und in welchem Zustand die Seele wirklich war, kann man nicht sagen, ob jemand zu den Verdammten gehört. Deshalb sollte man auch für „wahrscheinliche Höllenkandidaten“ beten.

  10. Wir sind doch Gottes Kinder! Oder? Dann gilt auch Jesu Wort für uns: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht ins Himmelreich eingehen. Als Kind glaube ich vertrauensvoll an die Allmacht und Barmherzigkeit Gottes, der Herr auch über die Zeit ist. Als Kind glaube ich, dass mein ‚verspätetes‘ Gebet bei Gott noch früh genug ‚ankommt‘. Wenn ich also für einen Sterbenden (bzw. Verstorbenen) für seine Todesstunde den Rosenkranz von der göttlichen Barmherzigkeit bete, kann ich helfen ihn bzw. seine Seele zu retten; denn Jesus hat zu Schwester Faustina Kowalska m. W. diese Zusage gemacht. Und so habe ich schon mehrfach für Verstorbene bzw. deren Todesstunde diesen wunderbaren Rosenkranz gebetet. Als ‚Kind‘ des himmlischen Vaters glaube ich an seine Macht über Zeit und Raum und seine Barmherzigkeit und an die Kraft meines stellvertretenden Gebetes.

  11. Hab die Frage erst jetzt gesehen.
    Zum heiligen Pfarrer von Ars kam eine weinende Frau, deren atheistischer Mann sich das Leben genommen hatte. Sie hatte wohl ihr Leben lang versucht den Mann zu bekehren, aber vergeblich, sie war verzweifelt, weil es als Selbstmörder ja sicher in er Hölle war.
    Der Heilige Pfarrer von Ars tröstete sie und sagte, „er hat zwischen Geländer und Aufschlag bereut! Aber er braucht Ihrer Hilfe (d.h, er ist im Fegefeuer)“
    Es ist völlig unerheblich ob die Geschichte wahr ist oder nicht, aber Fakt ist, es weiß keiner was im Moment des Todes noch geschieht und keiner weiß was für mildernde Umstände vor Gott noch „zählen“.
    Deshalb kann man von niemandem sagen, dass er definitiv in der Hölle ist und es kann und darf und soll für jeden Verstorbenen gebetet werden

    • Ester,
      vielen Dank für diesen sehr erhellenden Kommentar. Ich bitte um Entschuldigung, dass ich nicht früher antworten konnte.
      In der Tat ist es nie sicher, ob jemand in der Hölle ist, oder ob er noch bereut hat. Wir dürfen daher, so scheint mir, in jedem einzelnen Fall hoffen, dass er gerettet wurde – und daher für ihn beten. Das scheint mir sehr logisch.

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