Das Kamel im Nadelöhr

Ich schrieb gestern einen kurzen Kommentar zu dem Interview mit Martin Mosebach in der WELT und stellte die Frage, inwieweit Reichtum und Christentum überhaupt zusammengehen. Ich enthielt mich einer ausführlicheren Antwort, erhielt dafür jedoch einige sehr interessante Leserkommentare, die dieses Thema von verschiedenen Seiten beleuchteten und mir bei meiner eigenen Reflektion sehr geholfen haben.

Üblicherweise verfertigen sich die Gedanken beim Schreiben. Man beginnt mit einer ungefähren Ahnung, was man eigentlich sagen möchte, und während man schreibt wird diese Ahnung immer klarer, bis schließlich ein Text dabei herauskommt, der hoffentlich auf verständliche Weise sagt, was gesagt werden sollte. So ist es auch beim Thema Kompatibilität des Christentums mit einer Wohlstandsgesellschaft gewesen. Ich möchte nun in dem folgenden Artikel versuchen, unter Bezugnahme auf die hilfreichen Kommentare, eine vorsichtige Klärung des Sachverhalts zu erreichen.

Können Christen überhaupt Christen bleiben, wenn sie reich werden?

Ja, das ist in der Tat möglich. Bei Gott ist alles möglich. Doch auch wenn etwas prinzipiell möglich ist, kann es sehr schwer sein. Das ist hier sicher der Fall.

Warum passt das reiche Kamel nicht durch das Nadelöhr?

Das Jesuswort ist so unglaublich treffend, dass es auch gleich den Grund dafür mitliefert, warum der Reiche es so schwer hat in den Himmel zu kommen. Wir müssen den Willen Gottes tun, nicht unseren eigenen Willen. Sobald wir einen eigenen Willen haben, können wir uns gegen Gott entscheiden, wir können, wie man das heute formuliert, „unseren eigenen Weg gehen“. Das kann jeder Mensch, auch der Arme. Doch je mehr „Zeug“ man besitzt, je mehr materielle Dinge einen von der eigentlichen Frage ablenken, umso leichter wird man dazu verführt, sich um dieses ganze Zeug zu kümmern, und die eigentlichen Fragen zu verdrängen. Wenn das irdische Leben sehr schön und fast schon perfekt erscheint, dann fällt es besonders schwer, es aufzugeben, um das übernatürliche Leben zu erlangen.

In einem Kommentar wurde erwähnt, dass das Christentum die Tendenz habe, Wohlstand hervorzubringen. Stimmt das?

Hier ist nicht der Ort für eine ausgedehnte historische oder soziologische Analyse verschiedener christlicher Gesellschaften. Aber die These scheint mir auf tönernen Füßen zu stehen. Das christliche Mittelalter war nicht unbedingt reich, und in der christlichen Moderne ging der Reichtum mit einer Entchristlichung einher, die man kausal in beide Richtungen deuten kann. Wurde die Gesellschaft reich, insofern sie sich vom wahren Glauben entfernt, oder entfernte sie sich vom wahren Glauben, insofern sie reich wurde? In jedem Fall führt die Befolgung christlicher Gebote zu einer Gesellschaft, in der es weniger Unruhe und Unfrieden gibt, und dies begünstigt natürlich auch die Wirtschaft. Es ist also nicht aus der Luft gegriffen, diesen Zusammenhang zu postulieren. Wenn man sich an Max Webers These hält, dass der moderne Kapitalismus seine Wurzeln im Calvinismus habe, und man erkennt, dass die ersten großen Industrienationen allesamt protestantisch waren (England, USA, Preußen) oder sich einem radikalen Laizismus als eine Art Staatsreligion zugewandt hatten (Frankreich), während Spanien, Italien, Portugal und andere katholische Staaten ökonomisch zunächst nicht mithalten konnten, drängt sich der Verdacht auf, dass besonders der Protestantismus sehr gut mit Reichtum zusammengeht, während ein unangepasster Katholizismus zu sehr auf jenseitige Dinge konzentriert ist, um es zu großem Reichtum zu bringen. Doch hier wäre, wie gesagt, historische und soziologische Untersuchung erforderlich, die über den Kontext eines Blogartikels hinausgeht.

Martin Mosebach bemerkte, dass heute die wohlsituierten Bürgerlichen eher christlich seien als die „Unterschicht“, während die Armen früher besonders fromm waren. Woran könnte das liegen?

Alle materiellen Dinge sind für sich betrachtet moralisch neutral. Geld ist weder gut noch böse. Aber allen weltlichen Dingen wohnt die Gefahr inne, dass man sich zu sehr auf sie konzentriert und dabei das Wesentliche vergisst. Doch Armut bringt seine eigenen Leiden mit sich, wobei man ganz fein unterscheiden muss zwischen dem, was in der westeuropäischen politischen Diskussion „Armut“ genannt wird, und tatsächlicher absoluter Armut, wie sie in anderen Teilen der Welt existiert. Was wir hier „Armut“ nennen, ist in Wahrheit historisch gesehen schon Reichtum. Der ärmste Deutsche ist nach globalem Maßstab überdurchschnittlich reich. Hier haben wir nur „relative Armut“, also Armut in Bezug auf den lokalen Lebensstandard. Es ist ganz wichtig, diese beiden Arten von Armut zu unterscheiden.

Wer absolut arm ist, vielleicht gerade genug zu essen und zu trinken hat, oder nicht einmal das, besitzt praktisch keine materiellen Dinge, die ein Verbleiben im bloß Diesseitigen attraktiv machen könnten. Eine große Quelle der Versuchung ist hier fast völlig ausgetrocknet.

Wer hingegen nur verglichen mit dem Wohlstandsniveau in Deutschland in „relativer Armut“ lebt, ist immer noch reich genug, um sich so viele materielle Dinge leisten zu können, dass die reine Diesseitigkeit immer noch eine sehr große Versuchung darstellt. Fast alle Angehörigen der sogenannten „Unterschicht“ haben einen Fernseher, die meisten haben Computer und Internet, ein Handy und vieles mehr. Sie sind global gesehen gar nicht arm, sondern vielmehr überdurchschnittlich reich. Sie sind mit mehr materiellem „Zeug“, mit mehr Ablenkungen vom Wesentlichen, ausgestattet, als diejenigen, auf die Jesus sich bezog, als er vom Kamel und vom Nadelöhr sprach. Alle Gefahren, die mit Reichtum verbunden sind, treffen auch die „relativ Armen“. Und es kommt noch eine weitere Gefahr hinzu. Weil sie in einer Oase des Reichtums leben, in dem selbst ihr Wohlstand noch arm wirkt, sind sie einer starken Versuchung ausgesetzt, die reicheren Bürger zu beneiden. Sie sind nicht nur von der bloßen Weltlichkeit und ihrem „Zeug“ bedroht, sondern auch noch vom Neid. Jeden Tag sehen sie „die Reichen“. Der absolut arme Bauer weiß vielleicht auch, dass es solche Reiche gibt, aber sie leben nicht in seinem Dorf, er nimmt sie nicht täglich wahr, sie sind nicht überall um ihn herum.

Für die heutigen Armen in Deutschland kommen also zwei große Gefahren zusammen. Es ist schon schwer, Jesus auf dem Weg zum Kreuz zu folgen, wenn man so viele materielle Dinge hat, durch die man sich ablenken lassen kann. Es ist auch schwer, dies zu tun, wenn man ständig der Versuchung zum Neid ausgesetzt ist. Doch beides zusammen macht die Aufgabe noch weitaus schwieriger.

Es ist das große Verdienst des modernen Wohlfahrtsstaates, eine Gesellschaft zu schaffen, in der objektiv gesehen die Reichen die Superreichen um ihren Reichtum beneiden. In einer solchen Gesellschaft sind die Armen und die Reichen gleichermaßen fähig, über ihrem materiellen Wohlstand das Wesentliche zu vergessen; die Armen sind zusätzlich neidisch. Es verwundert nicht, dass eine solche „relative“ Armut keine Stütze für den christlichen Glauben mehr ist.

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Es blieben noch viele interessante Fragen zu stellen, was aber auf einen späteren Artikel verschoben sei, wenn ich dazu gekommen bin, über weitere Aspekte dieser Thematik nachzudenken.

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Ein kleiner Selbstversuch

Es wird ja viel über den Zustand der Theologie in Deutschland gesagt. Man verbreitet Memoranden, in denen wesentliche Teile des katholischen Glaubens bezweifelt und zumindest indirekt geleugnet werden, und diese Memoranden finden die Unterstützung hunderter angesehener Theologen. So viel Schlechtes hatte ich bereits über die deutsche Theologie gehört, dass ich es mir nicht verkneifen konnte, einmal den Selbstversuch zu machen. Also habe ich mich einfach in katholische Theologievorlesungen bzw. Seminare gesetzt und den faszinierenden Ausführungen der Dozenten gelauscht. Dieses Experiment ist noch nicht alt – es hat erst in der letzten Woche begonnen – doch eigentlich könnte ich es abbrechen, denn meine schlimmsten Befürchtungen sind bestätigt worden.

Was die Theologen in ihren Büchern an haarsträubend agnostisch klingenden Thesen verbreiten, was sie in ihren Memoranden fordern, nimmt sich fast noch harmlos gegenüber dem aus, was die Theologiestudenten täglich anstelle des katholischen Glaubens präsentiert bekommen. Natürlich steckt in den falschen Lehren dieser Theologen bereits der Kern des Unglaubens, doch so richtig offensichtlich wird dies, wenn sie unterrichten, wenn sie sozusagen die Chance erhalten, eine neue Generation Theologen zu formen. Dann legen sie so richtig los.

In vier Stunden habe ich nunmehr das Folgende „gelernt“:

– Der Anfang des Johannesevangeliums ist verklausulierter Antisemitismus und zusammen mit dem Judenhass der Kirche für „unzählige Judenpogrome“ verantwortlich.

– Die Wunder Jesu haben gar nicht stattgefunden, sondern sind nur „theologisch wahr“, nicht „historisch wahr“. Das bedeutet, dass man aus ihnen zwar metaphorische Einsichten gewinnen kann, sie aber nur nachträgliche Hinzufügungen sind.

– Dass „Johannes“ nicht der Autor des Johannesevangeliums sei, und schon gar nicht der Johannesbriefe oder der Apokalypse.

– Dass das Johannesevangelium eine theologische Meditation und kein historischer Erlebnisbericht des Lebens Jesu sei.

– Dass die Kirche seit dem 2. Vatikanischen Konzil (natürlich!) nicht mehr an die Hölle als Ort der Bestrafung glaubt.

– Dass die Trennung der christlichen von der jüdischen Religion die Folge politischer Notwendigkeiten, und nicht religiöser Differenzen war, und zum Teil aus einem exzessiven Abgrenzungswillen der schon damals „antisemitischen“ Christen folgte.

– Dass es zentrale Aufgabe der katholischen Theologie sei, die Traditionen der Kirche zu „hinterfragen“, also Munition gegen sie zu sammeln.

– Dass Paulus ein Frauenhasser gewesen sei.

– Dass der Teufel nur eine Metapher für das Böse im Menschen sei. [Anmerkung: Dann lassen sich überraschend viele Theologieprofessoren von einer Metapher verführen. Wirklich kläglich.]

Diese kurze Zusammenstellung mag genügen. Sie genügt in jedem Fall, um den christlichen Glauben zu einer Absurdität zu machen, und zwar zu einer abstoßenden Absurdität. Wenn das der christliche Glaube ist, kann man nur noch aus der Kirche austreten. Und weil das als christlicher Glaube gelehrt wird, kann man sich nicht wundern, wenn so viele Menschen aus der Kirche austreten. Sie haben das Christentum nie kennengelernt, also lehnen sie einen weitgehend fiktiven Glauben ab. Und sie lehnen ihn zurecht ab.

Wenn die Wunder Jesu nicht historisch real sind, dann ist das Christentum Unsinn. Denn ein bloß menschlicher Jesus kann uns nicht aus unseren Sünden erlösen. Er kann nicht auferstehen.

Die neue Religion der Theologen ist nicht mehr katholisch, ja nicht einmal mehr christlich. Sie leugnet implizit den einen absolut zentralen Inhalt der christlichen Religion.

Es kann nicht verwundern, dass man einen menschlichen Jesus nicht anbetet, dass die Realpräsenz geleugnet wird, dass die Liturgie bloß eine menschliche Mahlfeier sein soll, die der kreativen Gestaltung unterliegt, wenn Jesus nicht Gott war, nicht auferstanden ist, und bloß nette ethische Geschichtchen erzählt hat.

Es kann nicht verwundern, dass man eine Religion nicht ernst nimmt, die kaum mehr zu sagen hat, als jeder halbwegs weise heidnische Bauer an moralischer Weisheit in seinem eigenen Herzen vorfinden kann.

Es kann nicht verwundern, dass es keinen Priesternachwuchs gibt. Denn wer braucht Priester für eine Ethische Gesellschaft?

Das alles kann nicht verwundern, wenn an katholischen Fakultäten keine katholische Theologie mehr gelehrt wird. Was da gelehrt wird, das ist ein neuer Glaube, eine neue Theologie, eine neue Religion. Es ist weder katholisch noch christlich.

Die Bischöfe dulden es im Großen und Ganzen, zwischen stillschweigender Zustimmung und zustimmendem Stillschweigen schwankend. Es scheint ihnen durchaus nicht negativ aufzustoßen, jedenfalls nicht so negativ, dass sie ein Eingreifen für geboten hielten.

Wir haben eine massive Glaubenskrise. Ihr Ausmaß war mir theoretisch auch schon vor zwei oder drei Wochen bekannt. Aber es praktisch einmal selbst zu erleben, steigert vielleicht nicht die logische Überzeugungskraft, aber doch die subjektive Eindrücklichkeit einer solchen Einsicht.

Verankert in der Geschichte

Der allseits geschätzte Pater Deneke von der Petrusbruderschaft weist in einem lesenswerten Beitrag darauf hin, dass der christliche Glaube durch die Auferstehung historisch fest verankert ist. Diese Tatsache versuchen viele christliche Theologen, leider nicht nur aus protestantischer Sicht, zu relativieren. Es wird behauptet, es handle sich bei der Auferstehung natürlich nicht um eine wirkliche historische Tatsache. Ein bekannter Theologe hat einmal gesagt, wenn morgen Jesu Gebeine in seinem Grab entdeckt würden, würde dies seinen Glauben nicht berühren. Offensichtlich glaubt ein solcher Theologe nicht mehr an die wirkliche Auferstehung, sondern hat das Christentum auf eine Sammlung moralischer Platitüden ohne besondere Bedeutung reduziert, und damit auf eine Stufe mit den Thesen anderer moralischer Lehrer wie etwa Konfuzius gestellt. Damit wurde aber der eigentliche Kern des christlichen Glaubens aufgegeben.

Wenn Christus nicht wahrhaft auferstanden ist, wenn die Auferstehung keine historische Tatsache ist, dann ist Jesus nicht der Erlöser, nicht der Christus, und unsere Sünden sind nicht hinweggenommen. Dann ist er nicht unser „Osterlamm“, sondern nur ein beliebiger jüdischer Lehrer, womöglich gar ein Scharlatan, Lügner oder Verbrecher, ganz sicher nicht der Sohn Gottes. Dann ist das höchste Fest der Christen, das Osterfest, nichts als eine große Lüge. Dann sind wir immer noch die alten Menschen. Dann war die Kreuzigung eine Art Missgeschick, letztlich sinnlos, weil nichts damit erreicht wurde.

Die Entmythologisierer, deren Ziel darin besteht, aus dem Christentum eine Art moralische Fabel zu machen, begehen den fatalen Fehler, das Wesen der christlichen Religion vollkommen misszuverstehen. Es gab wahrlich genug bedeutungsschwangere Moralprediger, Zeigefingermenschen, in allen Zeiten. Wenn Christus nicht mehr zu bieten hat, dann verdient er nicht die Aufmerksamkeit irgendeines Menschen, weil er vollkommen irrelevant ist. Wir hatten genug Morallehrer, und wir haben ihre Lehren nicht befolgt. Welchen Unterschied macht ein weiterer von der Sorte?

Der christliche Glaube erhebt den Anspruch, den Menschen von seinen Sünden zu befreien, nicht ihm zu erklären, was eine Sünde ist. Das kann der Mensch auch ohne das Christentum wissen. Dazu braucht er keine Offenbarung, keinen Sohn Gottes, keine Auferstehung und keine Kirche, sondern bloß Herz und Verstand.

Der moderne Theologe begreift viele Details vom christlichen Glauben. Er kennt die Bibel und publiziert scharfsinnige Darstellungen zu seinem wissenschaftlichen Forschungsgebiet. Er sieht viele Bäume, aber keinen Wald. Und er sieht den Wald nicht, weil er in seinem Herzen längst den christlichen Glauben durch einen menschlichen Glauben an die Erlösungskraft des Fortschritts ausgetauscht hat. Er sucht nicht nach Christus, dem Erlöser, sondern nach einer menschlichen Hilfe beim Aufbau einer besseren Welt im Diesseits.

Doch im Diesseits eine bessere Welt aufbauen kann nicht das erste Ziel des Christen sein. Es ist natürlich wichtig, und es ist auch ein Nebenprodukt des christlichen Lebens, dass sich tatsächlich die Bedingungen im Diesseits verbessern, wenn die Menschen den christlichen Glauben leben und daher ihren Nächsten lieben. Doch diese Nebenwirkung ist, selbst wenn sie für sich genommen schön und hilfreich ist, nicht der Zweck des christlichen Glaubens.

Der Zweck des Christentums ist die Erlösung des Menschen, das Paradies im Himmel, nicht das Paradies auf Erden.

Und erlöst werden wir nicht durch die vielen netten Geschichten, die über Jesus erzählt werden, sondern durch das Blut Christi, das für uns zur Vergebung der Sünden vergossen, und von den Theologen vergessen wurde.

Wenn die Auferstehung nicht wirklich passiert ist, dann ist die Messe nicht die Messe, sondern eine gelebte Lüge, weil Christus nicht Gott war. Dann waren seine Wunder nur nachträgliche Erfindungen von Menschen, oder – schlimmer noch – das Werk des Teufels. Dann gibt es keine Realpräsenz, keine leibliche Gegenwart des Herrn, und wir betreiben in jeder Messe Götzenverehrung, wir verstoßen durch die Verehrung eines „Stücks Brot“ gegen das erste Gebot.

Wenn die Auferstehung nicht wirklich passiert ist, dann richten wir unsere Gebete an eine imaginäre Instanz, wir beten im Vaterunser das Gebet eines Scharlatans und Maria ist nicht die Mutter Gottes, sondern nur die Mutter einer bösartigen, gescheiterten Existenz.

Auf der Auferstehung basiert der ganze christliche Glaube, die ganze christliche Theologie, und, was noch viel wichtiger ist, die Erlösung eines jeden einzelnen Menschen aus seinen Sünden und die Hoffnung auf das ewige Heil.

Wer die Auferstehung leugnet, der leugnet Christus, leugnet den ganzen christlichen Glauben.

Doch es gebe ja keine Wunder, so wird gesagt. Diese ganzen Wunder, diesen Aberglauben, das könne man doch heute nicht mehr ernst nehmen. Und also wird alles uminterpretiert, bis es in unsere modernen Vorurteile hineinpasst. Doch die Menschen wussten auch vor 2000 Jahren schon, in der natürlichen Welt gilt „einmal tot, immer tot“, und zwar ausnahmslos. Und dass Jungfrauen keine Kinder gebären. Dazu brauchte niemand die moderne Wissenschaft oder die ausgefeilten Theologien der Neuzeit. Wenn man es damals ernst nehmen und glauben konnte, obwohl man wusste, dass es ein Bruch des natürlichen Laufs der Dinge war, dann kann man es auch heute, und zwar auf dieselbe Weise, als reales, außerordentliches Geschehnis, das für uns die Authentizität des christlichen Glaubens durch die im Zusammenhang mit Christus geschehenen Wundertaten bezeugt.

Der Satz, es gebe keine Wunder, und die daraus folgende Interpretation der Auferstehung als bloß menschliches Ereignis, ist die Folge einer philosophischen Vorfestlegung, nicht einer Einsicht der Wissenschaft. Wer philosophischer Naturalist ist, glaubt nicht an Wunder. Aber sein Nicht-Wunderglaube ist genauso ein Glaube wie der Wunderglaube des einfachen Christen.

Doch durch den Wunderglauben entdeckt der Christ die Wahrheit, während der naturalistische Theologieprofessor sie bestmöglich zu leugnen versucht.

Christus ist wahrhaft und wirklich, historisch, auferstanden, oder das Christentum ist eine Lüge und seine Anhänger entweder verblendete Spinner oder Heuchler.

Wider das moderne Spießertum!

Wir leben nicht in einer Zeit des moralischen Fortschritts, sondern des moralischen Vergessens. Im letzten halben Jahrhundert hat die ehemals christliche Kultur eine grundsätzliche Abwendung von traditioneller Sittlichkeit vollzogen – nur der moralische Zeigefinger des bürgerlichen Spießers ist geblieben. Einzig, er ist jetzt hohl, wo er früher zumindest teilweise auf sachliche Argumente zur Rechtfertigung seines puritanischen Moralismus hätte zurückgreifen können. Es ist dies das moderne Spießertum, demzufolge nicht mehr diskriminiert werden darf, weil es keine Gerechtigkeit mehr geben darf. Gerechtigkeit bedeutet „Jedem das Seine“. Und da die Menschen verschieden sind, bekommen nicht alle das Gleiche, selbst wenn jeder das Seine erhält. Wo Menschen verschieden sind, da sind Ergebnisse, Chancen, Ausgangspositionen eben ungleich, und diese Ungleichheit ist gerecht. Gerechtigkeit ist „Jedem das Seine“. „Jedem das Gleiche“ ist Totalitarismus.

Männer sind keine Frauen; Priester sind keine Laien; Akademiker sind keine Arbeiter; Dumme und Intelligente, Dicke und Dünne, Große und Kleine sind alle verschieden. Und in einer gerechten Gesellschaft bleiben sie auch verschieden.

Nur der Totalitarist will den Großen enthaupten, um ihn dem Kleinen ähnlicher zu machen. Dadurch wird er zum Henker.

Und nur der Neid bringt den Kleinen dazu, dies „im Namen der Gerechtigkeit“ zu fordern. Dadurch wird er zum Mitläufer.

Wenn Gerechtigkeit „Jedem das Seine“ bedeutet, und die Gesetze gerecht sein sollen, dann muss auch das Recht Ungleiches ungleich behandeln, so wie es Gleiches gleich behandelt. Dasselbe gilt in der Privatwirtschaft und im täglichen gesellschaftlichen Zusammenleben. „Diskriminierung“, also Unterscheidung (lat. discriminare), ist eine notwendige Voraussetzung der Gerechtigkeit, solange es um real existierende Unterschiede geht. „Diskriminierung“ ist nur dann negativ, wenn sie ungerecht ist, wenn also durch sie nicht mehr „Jeder das Seine“ erhält.

Generell gegen „Diskriminierung“ kämpfen zu wollen, ist daher unvereinbar mit dem Gedanken der Gerechtigkeit. Um dies in aller Deutlichkeit zu sagen: Es gibt gerechte Diskriminierung, genauso wie es ungerechte Diskriminierung gibt. Gerechte Diskriminierung hat einen guten Sachgrund; ungerechte Diskriminierung ist Terror und Schikane. Die Streiter gegen „Diskriminierung“ als Solche haben den Boden der Gerechtigkeit verlassen, weil sie real existierende Unterschiede zwischen Männern und Frauen, normaler und fehlgeordneter Sexualität, Ehepartnern und Konkubinen, Leistungsträgern und Leistungsnehmern (und dergleichen mehr) nicht mehr anerkennen wollen.

Doch die modernen Spießer zeigen auf jeden Zweifler am Dogma des Egalitarismus mit ihren beiden ausgestreckten Zeigefingern, wie die verknöcherten Omas, gegen die sie einst randalierend zu Felde gezogen waren. Nur hätten die Omas ihre Moralpredigten (zumindest theoretisch) mit Argumenten untermauern können, während dem modernen Spießer nur der Rückgriff auf die Keule der Politischen Korrektheit und notfalls der direkten Staatsgewalt bleibt. Der moderne Spießer diskriminiert im Namen der Antidiskriminierung, unterdrückt im Namen der Befreiung und lügt für die Wahrheit.

Der moderne Spießer hat den Tugendterror perfektioniert und dann die Tugend gestrichen. Das Resultat ist sprachlich wie praktisch vorhersehbar.

Der moderne Spießer zeigt mit seinem überlangen Zeigefinger auf die verschmähten Minderheiten, die er abwechselnd als „konservativ“, „rechts“, „extremistisch“, „reaktionär“, „fundamentalistisch“ oder gleich „Nazi“ brandmarkt, und nennt dies Minderheitenschutz. Doch solange sein Zeigefinger auf die bösen Hinterwäldler zeigt, weisen vier Finger auf ihn zurück.

Die Feinde der Gerechtigkeit sind daher nicht die selten gewordenen Verteidiger traditioneller Sittlichkeit und traditioneller Unterschiede, sondern die modernen Spießer selbst.

Mann und Frau sind in Wahrheit verschieden, und diese Verschiedenheit ist etwas Gutes. Sie muss anerkannt werden, anstatt sie als böse „Diskriminierung“ zu bekämpfen, oder gar durch „Antidiskriminierung“ unter Strafe zu stellen. Eine gerechte Erwerbsgesellschaft würde die Beschäftigung von Familienvätern zu einem „Familienlohn“ fördern, damit die Mutter für die gemeinsamen Kinder da sein kann. Das ist keine Diskriminierung, sondern Gerechtigkeit.

In Wahrheit ist die Ehe auf die Fortpflanzung hingeordnet. Homosexuelle Akte sind ihrem Wesen nach steril. Kein Staat kann eine Ehe zwischen Homosexuellen erfinden. Wenn der Staat der Wahrheit trotzen will, kann er eine Institution einführen, die sich fälschlich mit dem Namen „Ehe“ schmückt. Doch diese Lüge ist keine Gerechtigkeit. Und die Wahrheit ist keine (ungerechte) Diskriminierung.

Nicht alle Menschen sind gleich intelligent. Daher ist es unsinnig, sie alle auf die gleiche Schule zu schicken. Verschiedene Menschen haben verschiedene Talente, die eine gerechte Gesellschaft anerkennen muss. Nicht jeder kann Abitur machen, außer man macht aus dem Abitur einen Hauptschulabschluss unter anderem Namen. Dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn das geistige Niveau unter den lokalen Sandkasten sinkt, wie dies weithin der Fall ist. Alle Menschen gleich dumm zu machen ist keine Gerechtigkeit, sondern Unterdrückung der Intelligenten.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Der Satz von der Gleichheit aller Menschen ist die offensichtlichste Lüge, die jemals aus einem Menschenmund geflossen ist. Im Gegenteil: Alle Menschen sind verschieden, und zwar sehr verschieden. Und das ist auch gut so.

Gleich sind alle Menschen nur in der Hinsicht, dass sie alle Abbilder des einen Gottes sind; in jeder anderen Hinsicht sind sie ungleich. Wer einem Menschen etwas tut, der tut es in einem gewissen Sinne auch Gott. Was man dem Geringsten tut, das hat man Gott getan. Auch den Geringsten, gerade den Geringsten, sollen wir lieben, und die Letzten werden ohnehin die Ersten sein. Doch wenn es keine Geringsten, Letzten und Ersten mehr geben darf, dann sind Gerechtigkeit und Wahrheit verloren. Dann ist Krieg Frieden, Wahrheit Lüge und Freiheit Sklaverei.

Wenn die modernen Spießer erfolgreich sind, wird selbst Nächstenliebe zu einer Unterart der Selbstliebe, weil der Nächste ja auch nicht anders sein darf als ich.

Und eine Kultur des Egalitarismus wird niemals einen Gott über sich dulden können.

Wir sollten also die Unterschiede feiern, die es – Gott sei Dank! – zwischen den Menschen immer noch gibt, wir sollten sie kultivieren, wo immer wir können. Egal, was die modernen Spießer mit ihren verrunzelten, zittrigen, verknöcherten Moralzeigefingern dazu sagen; egal, ob sie uns der „Diskriminierung“ beschuldigen, oder behaupten, wir wären der Inbegriff des Bösen, wenn wir Frauen Frauen und Männer Männer sein lassen, wenn wir die Realität klar benennen, wo dem Vater der Lüge der Nebelwerfer lieber wäre, und wenn wir den Wahren Glauben bekennen, wo Gleichgültigkeit und Indifferentismus Staatsraison sind.

Es lebe die Wahrheit! Es lebe der Unterschied!

Weihnachten statt Christus?

Wie aus einem Artikel auf kath.net hervorgeht, bringen nur etwa 40% der Deutschen Weihnachten mit einem gewissen Prediger aus dem Nahen Osten namens Jesus in Verbindung. Dies ist immerhin eine Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr, in dem nur ein Drittel der Deutschen diese Verbindung zu ziehen verstand.

Aber ob nun ein Drittel oder zwei Fünftel – die Deutschen, für die Weihnachten etwas mit Christus zu tun hat, sind ganz klar in der Minderheit. So viel zum Thema „Christliche Kultur“. Dass die derzeitige Mehrheitskultur in diesem Lande nicht einmal christliche Ansätze aufweist, kann jeder täglich für sich feststellen. Und dennoch gibt es so etwas wie einen halsbrecherischen Optimismus unter der christlichen Minderheit, der sich auch in dem Artikel auf kath.net findet, auf den ich oben verwiesen habe. Dabei handelt es sich um eine Form des Optimismus, die in den kleinsten Zufallsschwankungen oder wirtschaftlich bedingten Veränderungen gleich die Trendwende zum Besseren sieht. Dass die Zahl der Deutschen, die Christus und Weihnachten zumindest in Verbindung bringen, leicht angestiegen sei, wird dann zum Anlass genommen, davon zu sprechen, jetzt komme Deutschland zurück zum christlichen Glauben, getrieben durch die Wirtschaftskrise mit ihren charakteristischen Unsicherheiten.

Dieser völlig ungerechtfertigte Optimismus ist jedoch nicht vergleichbar mit der christlichen Hoffnung. Bezieht sich diese immer auf Gott und ist jenseitig, ist jene im Diesseits verhaftet und erwartet Tag für Tag und Jahr für Jahr diese oder jene Trendwende, Verbesserung oder Umkehr von Menschen und für Menschen. Optimismus dieser weltlichen Art ist, im Gegenteil, womöglich sogar ein indirekter Widerspruch zur christlichen Hoffnung, in jedem Fall aber ein direkter Widerspruch zu Logik und gesundem Menschenverstand.

Von „vollen Kirchen zu Weihnachten“ zu sprechen – wie es in dem kath.net-Artikel geschieht, grenzt dabei schon an ein schmerzhaftes Erlebnis im Zusammenhang mit den Lachmuskeln. Ja, die Kirchen sind zu Weihnachten voller als sonst. Doch sind die Kirchen selbst zu Weihnachten heute weniger gut besucht, als vor Beginn der selbstverordneten Modernisierung der Kirche vor etwa einem halben Jahrhundert an jedem durchschnittlichen Sonntag. Da ändert auch die eine oder andere ökonomisch bedingte Schwankung nichts an dem durchweg negativen Trend.

40% der Deutschen bringen Weihnachten mit der Geburt Jesu Christi in Verbindung. Man lasse sich diese Zahl einfach einmal auf der Zunge zergehen. Das sind 60%, die diese Verbindung nicht ziehen – für die Weihnachten also ein reines Fest der Habgier geworden ist, ein Fest des Götzendienstes in den Konsumtempeln der Dekadenz. Die 40% finden sich dann auch vorwiegend in der älteren Generation, wenn man der repräsentativen Umfrage glauben mag, die in dem Artikel zitiert wird. Je jünger, desto heidnischer. Nur ist es dann ein Heidentum, das nicht einmal an die Hochkulturen der Antike heranreicht, und dessen vornehmliche kulturelle Leistung in der Destruktion aller immateriellen Werte auf Kosten des materiellen Wohlstands (zumindest für die Menschen in der westlichen Welt) besteht.

„Frohe Weihnachten“ ist dementsprechend dann auch ein Gruß, der nur noch selten zur Anwendung kommt. Man sagt (und liest beispielsweise auf Weihnachtskarten) immer häufiger ganz neutral „Frohes Fest“. Und warum auch nicht – wenn es doch für die Mehrheit (und die ist ja heute unfehlbar, wie wir alle als gute Demokraten wissen) nur noch eine dekadente Orgie in einer endlosen Reihung dekadenter Orgien ist.

In diese Reihe passt dann auch die in einer anderen Umfrage vor einigen Jahren ermittelte Tatsache, dass nur etwa die Hälfte der Deutschen überhaupt weiß, was denn an Ostern gefeiert wird.

Der moderne Mensch ist ein Barbar, der in Ruinen lebt, deren Zweck er nicht kennt, deren Bedeutung er nicht versteht, und deren fortschreitenden Verfall er hochtrabend als „Fortschritt“ einstuft.

In diesem Sinne allen Lesern eine schöne Adventszeit. Es ist nämlich tatsächlich eine Adventszeit, und keine „Vauforweihnachtszeit“, und es geht um das (erneute) Kommen des Gottessohnes und Erlösers aller Menschen, den wir erwarten, und auf das wir uns vorbereiten sollen. Nicht um die Steigerung des Bruttosozialprodukts durch Akte der Anbetung Mammons.

FSSPX und der Zentralrat der Juden – Reaktion von Pater Schmidberger

Zum Thema Antisemitismus, Kritik seitens des Zentralrats der deutschen Juden am Kurs der Aussöhnung Roms mit der Piusbruderschaft und ähnlichen Fragen bezieht der Distriktobere der Piusbruderschaft, Pater Franz Schmidberger, nun ausführlich in einem Brief an Dieter Graumann, den Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland Stellung. Unabhängig von den derzeitigen innerkirchlichen Verhältnissen hinsichtlich der Bruderschaft, und wie man zu ihnen stehen mag, ist es ein schönes, klares, eindeutiges Schreiben, das den Ausgleich zwischen dem Bekenntnis zur christlichen Wahrheit und dem nötigen Respekt vor den Differenzen und dem Mitgefühl mit dem schrecklichen Schicksal des jüdischen Volkes unter dem Nationalsozialismus ohne Weiteres schafft.

Weil es die durch Graumanns Auftreten während des Papstbesuchs aufgeworfenen Fragen so hervorragend beantwortet, werde ich es hier im Volltext wiedergeben:

Stuttgart, 11. 10. 2011
Sehr geehrter Herr Dr. Graumann,

Anlässlich Ihrer Begegnung mit Papst Benedikt XVI. bei seinem Deutschlandbesuch brachten Sie die Sprache auch auf die Piusbruderschaft. Wörtlich sagten Sie:

„Das Thema Piusbrüder, die (nach) unserer Meinung nach wie vor für Fanatismus, Fundamentalismus, Rassismus, Antisemitismus, ja schlicht für finsterstes Mittelalter und für Unversöhnlichkeit pur stehen, schmerzt uns nach wie vor.
Lassen Sie mich hierzu einige Anmerkungen machen“.

Am 17. 9. 2011 stellte Ihnen die F.A.Z. nach Ablauf des ersten Jahres Ihrer neu angetretenen Aufgabe als Vorsitzender des Zentralrates einige Fragen. Unter anderem auch, ob es ihnen gelungen sei, eine neues „frisches, fröhliches Judentum“ zu zeigen, wie sie dies vor Ihrer Amtsübernahme angekündigt hatten.

Ihre Antwort war:

„Aber ja – und wie sogar! Denn wenn ich sehe, wie unglaublich positiv und kraftvoll sich das neue plurale Judentum in Deutschland entwickelt, ist meine Begeisterung nur ganz schwer zu bremsen.“

Was verstehen Sie, so lautet meine erste Frage, unter „pluralem Judentum“? Pluralismus steht im westlichen Wertekatalog für eine Vielfalt der Meinungen. Ist dieses plurale Judentum nur vielfältig nach innen? Heißt das, es gibt in ihrer Amtsführung eine Vielfalt, aber sie erstreckt sich allein auf die unterschiedlichen Strömungen innerhalb des Judentums?

Sie wissen so gut wie ich, Herr Dr. Graumann, dass Ihre Gemeinschaft nicht homogen ist. Am 10. März 2009 verbrannten orthodoxe Juden in Brooklyn (New York) die israelische Flagge. Ein orthodoxer Jude verlas dazu eine Erklärung:

„By burning the Israeli-Flag we are symbolically declaring that the Israeli State is not representative of the jewish people.“

In der Tat, Herr Dr. Graumann, hier ist ihr Pluralismus gefordert. Aber ist das neue Judentum, das sie verkünden, auch bereit, einen Pluralismus innerhalb der nichtjüdischen Welt anzuerkennen?

„Natürlich“, werden Sie sagen, oder mehr noch: Sie werden diese Frage mit Entrüstung zurückweisen. Der Zentralrat steht für Toleranz und Weltoffenheit, ja für freundschaftliche Beziehungen zu allen Menschen.

Anscheinend findet Ihr Pluralismus in Bezug auf die Piusbruderschaft eine Grenze. Mit der oben zitierten massierten Aufzählung von negativ konnotierten Schlagworten haben Sie klar und unmissverständlich die Grenzen Ihrer eigenen Toleranz abgesteckt.

In diesem Augenblick machen Sie sich zum Gegenpol des Papstes, der 2009 mehr Entgegenkommen gegenüber der Priesterbruderschaft St. Pius X. gefordert hat:

„Mit väterlichem Empfinden gegenüber den Betroffenen hat Papst Benedikt XVI. beschlossen, die kirchenrechtliche Situation der Bischöfe [der Piusbruderschaft] zu überdenken. Mit dieser Maßnahme möchte man die gegenseitigen vertrauensvollen Beziehungen stärken und die Verbindung zwischen der Bruderschaft St. Pius X. und dem Heiligen Stuhl festigen.“

Wer ist in diesem Augenblick der von Ihnen geforderten Pluralität der Meinungen näher: Papst Benedikt XVI. oder Sie, Herr Dr. Graumann?

Man könnte jetzt eingehen auf den Schlagwort-Katalog, mit dem Sie den Papst unpassender Weise konfrontierten. Man könnte beispielsweise fragen: Wie „fanatisch“, „fundamentalistisch“ und „antisemitisch“ es ist, wenn orthodoxe Juden – wie eingangs erwähnt – eine Israel-Flagge öffentlich verbrennen?

Doch das wäre zu einfach. Dann würden ich dort enden, wo Sie angefangen haben: Bei den inhaltsleeren Hülsen von Schlagworten, die deswegen so medienwirksam sind, weil sie ohne Reflexion nachgeplappert werden können. Sie haben in dem vorhin erwähnten Interview selber angekündigt, als neuer Vorsitzender des Zentralrates gerade nicht auf diesem Niveau verweilen zu wollen. Ihre Worte waren:

„Das Judentum darf nicht verengt werden auf Formeln wie Schoa plus Antisemitismus. Niemand muss mir sagen, dass diese Themen wichtig sind. Aber wir Juden dürfen uns doch von ihnen nicht dominieren lassen. Wir können nicht in der Vergangenheit und nicht in den uns widerfahrenen Katastrophen leben. Schon gar nicht dürfen diese unsere Identität ausmachen. Wir dürfen uns nicht auf den Status einer Opfergemeinschaft, die wir schon lange nicht mehr sind, reduzieren lassen und schon gar nicht immerzu chronisch melancholisch Trauer zelebrieren.“

Was sind Ihre Worte in der Gegenwart des Papstes anderes, als das gebetsmühlenartig Wiederholen der „Formeln wie Schoah plus Antisemitismus“, wie Sie es selbst ausdrücken? An jenem 22. September im Bundestag sind Sie Ihrem selbst gestellten Anspruch nicht gerecht geworden.

Um also dieser „Formeln“ endgültig zu überwinden frage ich Sie offen: Wie kommen Sie dazu, der Priesterbruderschaft St. Pius X. „Antisemitsmus“ vorzuwerfen?

Sie wissen genauso gut wie ich, dass die Priesterbruderschaft St. Pius X. sich längst klar und unmissverständlich von den Verirrungen des Bischof Williamsons distanziert hat. Sie wissen so gut wie ich, dass Bischof Williamson wegen seiner verletzenden Äußerungen von seinem Amt als Leiter des Priesterseminars in La Reja (Argentinien) abberufen wurde, nicht zuletzt wegen des Schmerzes, den solche Worte all jenen zufügen, welche die sinnlose Verfolgung der Schoah selbst erlebet haben, ihre Nachkommen mit eingeschlossen.

Es ist also nicht glaubwürdig, wenn Sie ob der Äußerungen von Bischof Williamson die Piusbruderschaft als „antisemitisch“ bezeichnen wollten. Dann könnte man, um es in einem Vergleich zu sagen, auch die SPD als „Kinderschänderpartei“ bezeichnen, weil der ehemalige SPD- Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss wegen des Besitzes von kinder- und jugendpornografischen Material rechtskräftig verurteilt wurde.

Nein, das ist es nicht. Wir wollen offen sprechen, Herr Dr. Graumann: Der Stein des Anstoßes ist nicht Williamson; auch nicht der Islam, oder eine an den Haaren herbeigezogene „Frauenfeindlichkeit“, wie Sie dies im Anschluss an Ihr Treffen in der ARD äußerten. Der Stein des Anstoßes ist einzig und allein die Frage: Ist Jesus Christus, der Sohn Mariens, der dem Judenvolk verheißene Erlöser oder nicht.

Schon Ihre Vorgängerin, Charlotte Knobloch, hat versucht, die Diskussion auf diesen Punkt zu bringen:

„Insbesondere die Karfreitagsfürbitte der tridentinischen Liturgie mit der Bitte um die Missionierung und Erleuchtung der Juden stellt für mich eine noch größere Diskriminierung dar als die Äußerungen des Herrn [Bischof ] Williamson.“

Sie wissen so gut wie ich, dass die Priesterbruderschaft St. Pius X. hier nicht den Vorgaben einer nachkonziliaren „political correctness“ folgt.

Die stillschweigende, nachkonziliare Übereinkunft besteht darin, Jesus Christus wohl als den Erlöser für die Heiden, nicht jedoch für die Juden gelten zu lassen. Für das jüdische Volk gebe es, so lautet die neue Formel, einen „separaten Heilsweg“. Daher sei es nicht statthaft, für die „Bekehrung des jüdischen Volkes“ zu beten, wie dies die katholische Kirche 2000 Jahre lang getan hat, und Papst Benedikt in seiner erneuerten Karfreitagsfürbitte wieder betont.
Dieser selbstauferlegten Umdeutung des Heilsgeschehens können wir aus Gewissensgründen nicht folgen. Im Gegenteil: Wir weisen sie entschieden zurück.

Die Begründung ist klar und besonders für Sie als Juden evident: Es gibt keinen unterschiedlichen Heilsweg für Juden und Nichtjuden, weil Jesus Christus selber seiner Herkunft nach Jude ist.

Der Erlöser, an den wir glauben, ist geboren von einer jüdischen Mutter (Lk 1,26), ist aufgewachsen in einer jüdischen Familie (Mt 2,23), war einem jüdischen Stamme zugehörig (Haus David; Lk 2,4), hat sich an die jüdischen Gesetze gehalten (Lk 2,39), seine Jünger waren Juden (Lk 10,1), seine Kirche wurde zu allererst auferbaut auf Juden, nämlich den zwölf Aposteln (Mt 10,2). Ja, die Verwurzelung war so tief, dass zunächst nur jene Christen als „Vollchristen“ bezeichnet wurden, die zugleich jüdischer Abstammung waren (u.U. sogar beschnitten, vgl. Timotheus) und die Taufe empfangen hatten.

Die Spaltung kam allerdings schon zur Zeit Jesu. Die Oberpriester und Pharisäer waren nicht bereit, das Evangelium des Messias anzunehmen. Es erfüllte sich das Wort des Psalmisten: „Der Stein, den die Bauleute verwarfen, ist zum Eckstein geworden“ (Ps. 117,22). Baruch Rabinowitz fasst es in einem Satz zusammen: „Aus dem biblischen Judentum entstand das rabbinische Judentum“.

Wie kann man widerspruchsfrei behaupten: Es gibt einen jüdischen Messias – Jesus Christus – für die ganze Welt, nur für sein eigenes Volk, das Volk der Juden, sei er ohne jede Bedeutung? Wenn Jesus der Messias ist, dann ist er es gerade und besonders für das jüdische Volk, denn das ist das Volk seiner Herkunft.

Trotz ihrer, unserer Meinung nach, gehässigen Äußerungen anlässlich des Papstbesuches, steht die Priesterbruderschaft St. Pius X. nach wie vor voll und ganz zu den Worten des heiligen Paulus, der selber Jude war:

„Liebe Brüder, meines Herzens Wunsch ist und ich flehe auch zu Gott für sie [die Juden], dass sie gerettet werden.“ (Röm 10,1)

Ja, Herr Graumann, die Bischöfe und Priester der Priesterbruderschaft St. Pius X. haben eine Sehnsucht danach, dass auch das jüdische Volk Christus anerkennt als den „baruch ha ba’a b’schem haschem“ (Ps 117,26), den „Gepriesenen, der kommt im Namen des Herrn“. Diese Worte werden im lateinischen Messopfer nach dem dreimaligen Sanctus gebetet.

Im Namen Jesu gibt es keine Gewalt, wie dies Kirchenhasser unserer modernen Gesellschaft immer wieder zu behaupten suchen. Die ersten Christen haben ihren Glauben ausgebreitet, nicht weil sie Gewalt angewendet, sondern weil sie Gewalt in Liebe ertragen haben. Zu hunderttausenden wurden sie in den Arenen des römischen Imperiums getötet, während ein vom Blutrausch angestacheltes Volk grölte. Sie haben es ertragen, weil unser Messias ein gekreuzigter Messias ist.

Vielleicht lächeln sie über diesen gekreuzigten Messias, wie der bekannte jüdische Schriftsteller Heinrich Heine in seiner Dichtung „Deutschland. Ein Wintermärchen“, als er bei Paderborn ein Kreuz erblickt:

„Mit Wehmut erfüllt mich jedesmal Dein Anblick, mein armer Vetter, der Du die Welt erlösen gewollt, Du Narr, du Menschheitsretter!“

Was Heine an dieser Stelle – vielleicht ungewollt – bestätigt, ist heute aufs Neue die Stärke unserer Religion. In einer Zeit, da falsche Religionen weltweiten Terror verbreiten, da man sich erdreistet, Terror und Gewalt sogar in den christlichen Glauben zu projizieren, wie unlängst bei den Anschlägen in Norwegen, steht diese Aussage wie ein leuchtender Stern am Himmel: Christus hat im Gegensatz zu allen anderen Weltanschauungen die gewaltlose Bereitschaft gefordert, für die Wahrheit einzustehen. Also nicht „töten um des Glaubens willen“, sondern leiden um des Glaubens willen, wenn es sein muss unter Hingabe des eigenen Lebens. Das ist die eigentliche Symbolik des Kreuzes und die Lehre des Christentums.

Der Sohn Gottes mag am Kreuz machtlos erscheinen, seine Wahrheit aber ist voller Kraft und gleichzeitig Vorraussetzung für das Wirken des Heiligen Geistes. Das bringt den wahren Frieden auf Erden, nicht eine sich ewig wiederholende Gewaltspirale von „heiligem Krieg“ und „Vergeltungsschlag“, wie dies heute im Land Ihrer Väter praktiziert wird.

So will ich angesichts der von Ihnen öffentlich zitierten Schlagworte nicht aufs Neue Gräben des Hasses ausheben, sondern die Lösung zum Frieden auch und gerade für das Land der Verheißung zitieren, die aus dem Lukas-Evangelium stammt:

„Als Jesus die Stadt [Jeruschalaim] sah, weinte er und sprach: ‚Wenn doch auch du erkannt hättest, was dir zum Frieden dient“ (Lk 19,41).

Ich möchte schließen mit der Reminiszenz an die heilige, jüdische Ordensschwester, Dr. Edith Stein – Sr. Theresia Benedicta a Cruce. Das Schicksal dieser Frau ist zudem die Antwort auf Ihre völlig falsche Beurteilung von Pius XII, dessen Seligsprechung Sie in Ihrer Rede ablehnen.
Ihr Tod in Auschwitz ist der schmerzliche Beweis dafür, dass das Schweigen von Papst Pius XII. vielen Hundertausenden von Juden das Leben gerettet hat. Edith Stein wurde am 2. August 1942 aus dem Karmel von Echt (NL) deportiert als Racheakt auf ein offizielles Hirtenschreiben der holländischen Bischöfe. Pius XII. wusste, dass die Klöster in und um Rom zum Bersten gefüllt waren mit Juden, die man dort versteckte, um sie vor dem sicheren Tod zu bewahren. Was die holländischen Bischöfe durch ihr unkluges Schreiben verursacht haben, hat Pius XII. durch seine Klugheit verhindert: Jede Provokation hätte die Deportation aller „nichtarischen“ Klosterinsassen und damit den sicheren Tod für tausender Ihrer Vorfahren bedeutet. Die Kirche hat – das zu Ihrem geschichtsverfälschenden Vorwurf des „Schweigens“– bereits in der Enzyklika „Mit brennender Sorge“ unter Pius XI. den Nationalsozialismus verurteilt, zu einer Zeit also, da England und andere europäische Länder noch mit Hitler paktierten.

Es war am letzten Tag vor ihrem Ordenseintritt in den Karmel. Es war Ediths Geburtstag und zugleich jüdischer Festtag, der Abschluss de Laubhüttenfestes. Auf dem fast einstündigen Heimweg von der Synagoge versucht die Mutter vergeblich, Edith Stein von ihrer Berufung als Ordensschwester zurückzuhalten. Die Worte dieser alten Frau bringen die gesamte theologische Auseinandersetzung auf einen Punkt:

„Warum hast du es [den katholischen Glauben] kennengelernt. Ich will nichts gegen ihn [Jesus Christus] sagen, er mag ein sehr guter Mensch gewesen sein. Aber warum hat er sich zu Gott gemacht?“

Wegen ihrer jüdischen Herkunft wird Sr. Maria Benedicta neun Jahre später von der Gestapo verhaftet. In einem Brief an ihre Ordensoberin schreibt sie:

„Bitte erlauben [Sie] mir, mich dem Herzen Jesu als Sühnopfer für den wahren Frieden anzubieten: Dass die Herrschaft des Antichristen wenn möglich ohne einen neuen Weltkrieg zusammenbricht und eine neue Ordnung aufgerichtet werden kann“.

Mögen die Worte dieser heiligen Ordensfrau in Erfüllung gehen.

Pater Franz Schmidberger, Stuttgart

Quelle: kath.net

Dialog und Schisma

Auf Papsttreu im Pott findet sich ein Teilnehmerbericht vom Dialogtreffen des Bistums Essen in Duisburg. Ich möchte hier einige Kommentare zum Thema abgeben, es lohnt sich jedoch, zuerst den verlinkten Artikel zu lesen.

Wie inzwischen scheinbar üblich fand auch dieses Treffen wieder in einer Kirche vor dem Allerheiligsten statt. Selbstverständlich kümmerten sich die Dialogisten nicht allzu sehr um Jesus oder irgendwelche anderen altmodischen Vorstellungen wie Anbetung oder Verehrung. Das kann auch nicht verwundern, denn unveränderliches Lehramt der Kirche umstoßen zu wollen, deutet nicht gerade auf Respekt vor Jesus und seiner von ihm eingesetzten Kirche hin.

Im Gegenteil: Geht es den Teilnehmern des Dialogprozesses nicht vielmehr um eine „neue Kirche“? Der Eindruck scheint sich unter den Verbandskatholiken, die generell die größten Befürworter des Dialogprozesses sind, immer mehr zu bestätigen. Besonders die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands mit ihren immer extremeren Aktionen, die schon an schismatische Akte grenzen, wie kürzlich die Einleitung einer Unterschriftenaktion gegen unveränderliches Lehramt zum Thema Beihilfe zum Essen des Gerichts für unbußfertige Ehebrecher gezeigt hat. Ich habe den Link, werde ihn aber hier nicht angeben – jeder kann etwa durch Google die Unterschriftenaktion problemlos finden. Hier wird öffentlich Stimmung gegen die Lehre der Kirche gemacht – und das von einer offiziellen katholischen Organisation. Kein Wunder, dass gläubige katholische Vereinigungen wie das Forum deutscher Katholiken inzwischen fordern, die Bischöfe mögen doch bitte überprüfen, ob sich diese radikal-feministische, in ihren Haltungen zu wichtigen Fragen von Theologie und Sittenlehre offen anti-katholische Gruppierung weiterhin „katholisch“ nennen dürfe.

Es gibt dabei nur ein Problem: Stimmt nicht zumindest der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, wie auf diesem Blog schon mehrfach berichtet und kommentiert, der Haltung der „katholischen“ Frauengemeinschaft weitgehend zu? Und sind nicht die anderen Bischöfe sehr zurückhaltend mit Aktionen, die sie in der Öffentlichkeit als offensichtlich katholisch – und stolz darauf – brandmarken könnten? Es ist also nicht damit zu rechnen, dass Bischöfe, von denen selbst die Besseren, wie Bischof Overbeck, einen Dialogprozess mittragen und Veranstaltungen wie die, auf die sich der oben verlinkte Erlebnisbericht bezieht, offensichtlich gutheißen, eine klare Haltung zum immer weiter herannahenden Schisma in Deutschland finden werden.

Wie schon öfters seit mindestens 40 Jahren werden die deutschen Bischöfe sich formal korrekt verhalten, oder von der Korrektheit nur abweichen, wenn es keine Konsequenzen aus Rom zu befürchten gibt, aber weder mit der Kirche fühlen noch mit ihr denken. „Sentire cum Ecclesia“ ist nicht nur an theologischen Fakultäten in Deutschland ebenso fremd geworden wie die Sprache, in der die Sentenz formuliert ist, sondern auch unter den für besagte Fakultäten zuständigen Bischöfen. Sie werden das Nötigste tun, um ein formales Schisma zu vermeiden, aber nicht mehr.

Also wird der Dialogprozess weitergehen, der religiöse Glaube in Deutschland wird weiter verfallen, die Kirche wird langsam aber sicher aussterben.

Auf Papsttreu im Pott wird darauf hingewiesen, dass unter den (wenigen) anwesenden Jugendlichen die meisten eher den Papst und die Kirche in Schutz nahmen. Es ist auch nur zu leicht einzusehen warum: Ich kommentierte auf dem Blog:

Die Kirchendemokraten sterben aus. Sie haben 98% der nachwachsenden Generation davon überzeugt, dass sie sich ihre eigene Wahrheit und ihren eigenen Glauben machen können – die nachwachsende Generation hat das vollkommen verinnerlicht. Wenn sie sich ihre eigene Wahrheit machen kann, dann braucht sie die Kirche ja gar nicht mehr. Warum also die ganze Mühe? Warum sonntags früher aufstehen, warum endlose Sitzungen, warum das ganze Volksbegehren und Aufbegehren, wenn man sich doch einfach seinen eigenen Glauben und seine eigene Wahrheit konstruieren kann, so wie man sie gerade braucht?
98% der nachwachsenden Generation stimmen den Kirchendemokraten völlig zu. Konsequent bleiben sie also aus der Kirche fort – sie vermag ihnen nichts zu bieten, was sie nicht auch woanders bekommen könnten.
Übrig sind die 2% die den Glauben der Kirche weitertragen.
Eine Reinigung im Säurebad, aber eine nötige Reinigung.

Wenn das stimmt, und davon bin ich überzeugt, wäre dann nicht die beste Chance für die katholische Kirche, das ohnehin kommende Schisma zu forcieren, um die verbliebenden Gläubigen zu einer Entscheidung zu zwingen? Ich bin mir nicht sicher.

Einerseits:

Kommt es zum Schisma, dann wird man endlich klar sehen, wer wo steht, wer dem Bischof von Rom seine Treue hält, und wer bloß dem Kanzler in Berlin, wer katholisch und wer deutsch-katholisch sein will. Die meisten Bischöfe würden vermutlich eher zum deutsch-katholischen Lager zählen, ebenso viele Priester, und wenn wir ehrlich sein wollen, auch 90% der katholisch Getauften. Die anderen könnten dann, ohne die lähmende Last bürokratischer Strukturen und mit einem neuen Missionseifer in Unabhängigkeit von einem zunehmend christenfeindlichen deutschen Staat und dem Konformität statt Glaube fördernden Kirchensteuersystem eine Renaissance des christlichen Glaubens in Deutschland einleiten. Sie könnten eine kleine, aber aufgrund ihrer außerordentlichen Treue zur Kirche in Glauben, Sittenlehre und Liturgie starke Kirche in diesem Missionsland sein. Sie könnten eine christliche Kultur im Kleinen leben, und für die vielen Unzufriedenen und vom Modernismus innerhalb und außerhalb der Gotteshäuser enttäuschten Menschen ein Zufluchtsort werden.

Andererseits:

Kommt es zum Schisma, wird die katholische Kirche in Deutschland von ihren derzeit 25 Millionen Mitgliedern mindestens 90% verlieren. Damit entfielen auch Einnahmen in Höhe von mehr als 90% der derzeitigen Einkünfte der Kirche, oder gar mehr, falls die Kirche sich dann entschlösse, keine Kirchensteuer mehr zu nehmen. Damit wäre es nicht länger möglich, ein ausgesdehntes Netz karitativer Vereinigungen oder Mission in anderen Ländern zu unterhalten. Es wäre eine Kirche, die vermutlich gerade genug Finanzmittel hätte, um den Gläubigen die Messe und die Sakramente zu bringen. Und mehr noch, der Verlust vieler Millionen Schäfchen würde das ohnehin gefährdete Seelenheil der Betroffenen noch weiter bedrohen, da außerhalb der Kirche kein Heil ist – ein gewichtiges Argument. Zudem kann man davon ausgehen, da die Reformkatholiken langsam aussterben, dass sich das Problem in 30 bis 40 Jahren von selbst gelöst haben wird. (Father Z nennt das „biologische Lösung“) Je länger ein formales Schisma herausgezögert wird, so könnte man argumentieren, umso schwächer wird die Position der Neo-Reformatoren.

Also:

Ich bin mir aufgrund widerstreitender Argumente nicht ganz sicher, ob ein Schisma nicht gut für die Kirche wäre. Dass es aber irgendwann kommen muss, einfach weil sich Verbandselite und Bischöfe immer weiter von Rom entfernen, daran habe ich keinen Zweifel. Wie auch immer die weiteren Entwicklungen verlaufen werden, wir sollten für alle Verantwortlichen für den Kurs der deutschen katholischen Kirche beten und dabei immer den Wunsch des Heiligen Vaters nach „Ent-Weltlichung“ der Kirche, nach Lösung von weltlicher Gewalt, beherzigen.

Vertrauen wir auf Jesus Christus, nicht auf die weltliche Macht der Gremien.

Schüller – Ich bin Häretiker, und das ist auch gut so!

So langsam sollte das Maß selbst des Geduldigsten voll sein. Der Aufrührer-Pfarrer Helmut Schüller hat jetzt, kath.net zufolge, in einem Interview noch einmal draufgesattelt. Seine häretische Pfarrerinitiative hatte bereits vor diesem Interview eindeutig das Maß des Zulässigen in der katholischen Kirche überschritten. Einige seiner neuen Aussagen übertreffen dies aber nochmal um Längen. Beispiele:

In einem Interview mit dem Magazin „Weekend“ meint Schüller jetzt auf die Frage, ob er denn selbst gerne heiraten würde: „Ich habe das nie ganz ausgeschlossen…“

(…)

Seiner Meinung nach seien sogar Frauen die „besseren Priester“. Wörtlich sagte Schüller: „Das Wichtigste in diesem Beruf haben wir von Frauen gelernt. In zwei Dritteln der Welt wird der Alltag von Frauen geschupft. Dieses Element fehlt uns vollkommen in der Pfarrerschicht.“

Der ehemalige Wiener Generalvikar zeigt sich dann auch überzeugt, dass es einmal eine „Päpstin“ geben werde. „Sobald das Priesteramt für Frauen geöffent ist, gibt es keine Schranken mehr.

(…)

„Es gibt viele Karawanen der Gottsuche, aber letztlich haben wir mehr gemeinsam als uns trennt. In Österreich haben wir 14 christliche Kirchen. Europa wächst zusammen und was tun die Kirchen? Sie trennen einander.“ Er selber fühle sich übrigens als „Aktionär“ in der Kirche und nicht als Kunde oder Mitglied. „Es ist mein Ding. Die Kirche gehört nicht nur dem Papst und nicht den Bischöfen sondern uns allen“, behauptet er dann.

Da ich nur begrenzte Zeit habe, werde ich auf eine Analyse dieses himmelschreienden Unsinns verzichten, und mir nur drei Punkte herausgreifen:

1. Weibliche Priester

Durch die dogmatische Festlegung von Ordinatio Sacerdotalis sind weibliche Priester nicht möglich. Zum einen liegt dies an der Tatsache, dass Jesus, obgleich er viel mit Frauen verkehrte und diese keineswegs herabwürdigte, eben nur Männer zu seinen Aposteln berufen hat. Zum anderen hat dies aber auch mit der natürlichen Zeichenhaftigkeit der beiden Geschlechter zu tun, die Peter Kreeft hier in englischer Sprache erläutert, und die ich kürzlich mit dem geschätzten Mitblogger Johannes auf dessen Blog diskutiert habe. Welcher Grund letztlich der Ausschlaggebende für Gott war, werden wir nie herausfinden können, aber sowohl die rationalen als auch die Offenbarungsgründe sprechen eine klare Sprache: Es können nur Männer Priester sein – der Priester ist immer ein geistlicher Vater, keine geistliche Mutter.

Dass der zukünftige Ex-Pfarrer Schüller dies anders sieht, war zu erwarten. Wer die Wahrheit aus Geltungs- und Anerkennungssucht in einem wesentlichen Punkt verlassen hat, der wird sich regelmäßig auch nicht scheuen, die Wahrheit aus denselben Gründen in anderen Punkten im Stich zu lassen.

Schön finde ich an seinen Aussagen jedoch, dass er sich klar den Konsequenzen seiner Forderung stellt, was die schwammigeren Vertreter der Zeitgeistkirche oft krampfhaft zu vermeiden suchen. Wenn das Priesteramt an eine Frau übertragen werden kann, dann geht das auch mit dem Bischofsamt, und also auch mit dem Bischofsamt in Rom. Gibt es Priesterinnen, so kann es auch Päpstinnen geben. Und dasselbe trifft faktisch auch auf Diakone zu, da man erst zum Diakon, dann zum Priester geweiht wird. Es handelt sich um zwei Stufen desselben Weihesakraments. Daher sollten Frauen auch nicht zu Diakonen geweiht werden (und aufgrund des Effekts auf Priesterberufungen auch nicht Meßdiener werden können, aber das führte vom Thema weg) – obgleich dies natürlich noch nicht in derselben Klarheit vom Lehramt dogmatisch festgelegt wurde, so dass Abweichler in dieser Frage keine direkte Häresie äußern.

Festzuhalten ist: Schüller sieht, wohin sein Weg führt, nämlich zur völligen innerkirchlichen Austauschbarkeit von Männern und Frauen. Und wenn eine Frau erstmal Priester, Bischof, Papst „geworden ist“ (natürlich kann sie das nicht, weil solche Weihen ungültig wären, aber lassen wir das einmal außen vor), dann kann die Messe nicht mehr so verstanden werden, dass der Priester als „alter Christus“ eben für Christus steht. Das ganze Verständnis der Messe wäre damit unwiderruflich zu einer bloßen Gemeindefeier herabgestuft, ohne übernatürliche Bedeutung. Daher ist die Forderung nach der Priesterweihe für Frauen nichts als die Forderung nach Abschaffung des allerheiligsten Altarsakramentes (und aller anderen Sakramente, bei denen der Geweihte für Christus steht) und also nach Umformung der Kirche zu einem reinen Sozialverein.

2. Karawanen der Gottsuche

Auch hier scheint Schüllers vollständige Abkehr vom katholischen Glauben wieder durch. Er sieht also in „den verschiedenen Kirchen“ verschiedene „Karawanen der Gottsuche“. Viele Wege führen also zu Gott. Der Mensch schafft sich seiner Auffassung nach solche Wege wie er sie braucht. Keiner dieser Wege kann sich im Besitz „der Wahrheit“ sehen, da alle Wege nur vom Menschen gemachte Routen auf der ewigen Suche nach dem unfasslichen Übernatürlichen sind.

Aber wenn alle Wege gleich sind, nur verschiedene „Karawanen der Gottsuche“ unterwegs sind, dann kann Jesus Christus nicht Gott gewesen sein, sondern nur ein Lügner und Betrüger. Denn er hat ja gesagt, er sei DER Weg, DIE Wahrheit. Nicht ein Weg unter vielen, sondern der eine, einzige Weg. Nicht meine persönliche Wahrheit oder deine oder seine, sondern die Wahrheit, die einzige Wahrheit. Dass Herr Schüller wesentliche Gebote und Dogmen der Kirche leugnet ist ja nichts Neues. Aber selbst ein guter Protestant im Geiste Martin Luthers könnte diese himmelschreiende Leugnung unseres Herrn niemals aussprechen. Es gibt gute Protestanten, die nichts für die Spaltung können, die lange vor ihrer Geburt stattgefunden hat. Ihnen ist kein Vorwurf für den Irrtum zu machen, in dem sie sich befinden. Diese Protestanten glauben an Gott, an Jesus Christus und stehen hinter dem Credo. Schüller als Möchtegern-Protestanten zu bezeichnen wäre eine ungerechte Beleidigung dieser gutwilligen Protestanten.

Eine Anmerkung zu den „Karawanen“ noch. Gestern schrieb ich über Erzbischof Zollitschs neues Skandalinterview (Skandal im klassischen Sinne), in dem der Erzbischof ebenfalls eine der indifferentistischen Sicht der vielen verschiedenen Kirchen, die alle den Weg zu Gott auf ihre Weise suchen, gefährlich nahe stehende Aussage tätigte. Zollitsch verbrämte seinen Relativismus wenigstens noch mit schwammigen Formulierungen, Schüller spricht inhaltlich dasselbe aus – viele Karawanen der Gottsuche, statt Offenbarung des Herrn – nur ohne die Floskeln und die Rhetorik. Er bekennt sich zum Relativismus, und ist damit wenigstens ehrlich.

3. Aktionär statt Mitglied

Der Pfarrer Schüller will fernerhin Aktionär statt Mitglied in „seiner“ Kirche sein. Nun, kurze Empfehlung: Wenn Sie nicht Mitglied sein wollen, dann treten Sie doch aus. Wenn die Kirche dann an die Börse geht („ihre“ Kirche wird dies wahrscheinlich bald tun, um die Marktkapitalisierung zu erhöhen oder so), dann können Sie doch ein Paar Aktien für die wenigen Cent kaufen, die solche Aktien dann noch wert sein werden.

Aber mal ernsthaft: Er versteht sich als Aktionär in der Kirche. Der Aktionär ist ein Anteilseigner – er kann bei der jährlichen Versammlung seinem Anteil entsprechend über den Kurs des Unternehmens abstimmen. Auch dies ist wieder nur eine deutliche, ehrliche Formulierung derselben Ansicht, die auch von so manchem Verbandskatholiken und sogar Bischof in Deutschland immer wieder andeutungsweise vertreten wird. Auch hier besteht der Unterschied eigentlich nur in Schüllers Ehrlichkeit – er versteckt sich nicht hinter Tarnkappen und Worthülsen, sondern sagt was er will. Das macht es leichter, ihn der Häresie zu überführen. Aber das macht die Äußerungen der hinter Tarnkappen verschanzten Kirchenleute nicht besser.

Der Aktionär kann, wenn er die nötige Mehrheit der Anteile hinter sich versammelt hat, beschließen was er will. Es gibt keine unveränderlichen Lehrsätze in einer Aktiengesellschaft. Damit offenbart Schüller endgültig, wohin er „seine“ Kirche steuern will. In die völlige Beliebigkeit, in den Zynismus, der immer das für wahr hält, was die Mehrheit gerade denkt – bis die Mehrheit ihre Meinung ändert. Dann kann die Kirche aber keine Orientierung mehr bieten. Orientierung bietet ein Fähnchen im Wind nämlich nicht, die Kompassnadel aber schon.

Eine solche „Kirche“ wäre nicht einmal mehr als rein weltliche Sozialgemeinschaft sinnvoll, da sie nicht einmal mehr Orientierung oder ein Ziel vorgeben kann, und wäre es nur ein rein weltliches Ziel. Eine solche Kirche wäre schlicht vollkommen nutzlos. Und als solche ginge sie auch ganz schnell unter.

Die drei in dieser Bewertung des Schüller-Interviews genannten Punkte sind von mir nicht zufällig ausgewählt worden. Sie stellen vielmehr eine sukzessive Steigerung der Häresie dar. Zuerst werden einige wesentliche Glaubensinhalte geleugnet, dann führt dies zur Leugnung der Sakramente (Punkt 1), was wiederum den Unterschied zwischen „den Kirchen“ einebnet (Punkt 2) und letztlich sogar den Unterschied dieser multiplen relativistischen Kirchen zu rein weltlichen Unternehmen vernichtet (Punkt 3). Erst streicht man das Besondere am Katholizismus, nur um dann verwundert festzustellen, dass katholische und evangelische Kirche gleich sind.

Dann streicht man das Besondere am Christentum – die Einzigartigkeit Jesu Christi als DEM EINEN Weg, nur um dann verwundert festzustellen, dass doch alle Religionen und Konfessionen gleichermaßen bloß indifferente „Karawanen der Gottsuche“ seien.

Schließlich spricht man diesen substanzlosen Karawanen der Gottsuche auch noch die Charakteristika ab, die sie wenigstens noch zu „Gottsuchern“ gemacht hat, indem man sie zu reinen Aktionären degradiert.

Dieser unheilige Dreischritt ist das Werk des Schüller. Eine viel vollständigere Leugnung nicht nur des katholischen Glaubens, sondern des Christentums überhaupt; nicht nur des Christentums, sondern des Religiösen überhaupt, lässt sich kaum denken. Dagegen sind Atheisten fast noch fromm.

Mir drängen sich nach diesem unheiligen Dreischritt noch drei nicht ganz so unheilige Fragen auf:

1. Wann wird Pfarrer Schüller laisiert – und warum haben die österreichischen Bischöfe, an erster Stelle Kardinal Schönborn noch nicht längst entschlossen gehandelt?

2. Wann tritt seine Generation endlich ab? (Lieber 100 gute Pfarrer als 100000 schlechte, und die wenigen Neuen sind generell keine stolzen Häretiker)

3. Haben Sie schon beim Aufruf zum Gehorsam mitgemacht?

Katholizismus ist ganz einfach…

Fr. Longenecker hat sich wieder einmal selbst übertroffen mit einem relativ kurzen, aber unglaublich treffenden Artikel unter der Überschrift „The Great Transaction“. In wenigen Zeilen entlarvt er die Vorstellung, man finde Gott in der Introspektion, und indem man seinen innersten Leidenschaften nachgebe, als Häresie. Lohnt die fünf Minuten für eine Lektüre definitiv. Hier nun ein (sehr langer) Auszug, und meine Kommentare wie immer in rot. Hervorhebungen grundsätzlich von Catocon.

In the church today there is a heresy that doesn’t yet have a name–or perhaps it does and I have not learned it yet. It goes like this: „Mankind is in search of meaning. In every person there is a God-shaped space. By looking within, by searching for one’s own heart desire, we will eventually find meaning. We will have an encounter with Christ. We will realize that the Christian way is the true way. Then we will walk in this way with peace, joy and a fulfilled life.“ Let’s for the want of a better term call this heresy ‚personalism'(…).

Like all heresies, it’s not all wrong.[Eine ganz entscheidende Einsicht. Alle Häresien nehmen einen Aspekt der Wahrheit, blasen ihn immer weiter auf, und verabsolutieren ihn, bis kein Platz mehr für die entgegengesetzten Wahrheiten mehr ist. Das beste Beispiel ist der Modernismus – er nimmt die an sich richtige Idee, dass religiöse Erfahrungen einen wichtigen Weg zur Gotteserkenntnis darstellen können, behauptet dann aber, dies sei der einzige Weg zur Gotteserfahrung, und daher könne man Dogmen der aktuellen Zeit anpassen, damit sie „relevant“ blieben. Jede Häresie – und alle modernen Ideologien sind bloß christliche Häresien – ist die Verabsolutierung einer richtigen Idee] It’s just that it’s not all right. Sure there is a God-shaped space in each one of us. Sure, the source and summit of all our desires is, in the end, the Christ who loves us. Sure, if we seek we will find, and if we search we will discover. If we ask we will be answered. However, what this new „existentialist fideism“ does is places the human person at the heart of the search for God.[Klassischer Subjektivismus] It sounds nice and humanistic and all that, but it’s not really in the Bible is it?[Das ist immer das Ergebnis der Protestantisierung katholischer Lehren. Das beste Argument gegen die diversen vom Protestantismus inspirierten Häresien ist immer noch „sola scriptura“] It’s not really the way of the saints. You don’t find God telling the patriarchs to „search their inner being to discover the light.“ He says, „Obey me. Leave all, and go to the promised land.“
(…)

This new personalism is very often subjective in it’s declared encounter with Christ, and as such it is unreliable.[Darum brauchen wir eine „objektive“ Religion, wir brauchen Dogmen, ein Lehramt usw. Die bloße Erfahrung oder Meinung von Menschen ist nicht verlässlich. Entweder gibt es gar keine Sicherheit im Glauben, kein religiöses Wissen, und daher auch keinen Grund überhaupt zu glauben, oder es gibt einen sicheren, d.h. von Gott eingerichteten, nicht bloß vom Menschen erdachten, Weg zur Glaubenserkenntnis]

I’m increasingly in favor of the simple transaction that the gospel and the church have always called for. „Repent and believe the Gospel.“ There’s the basic encounter with Christ. A soul says, „God, I’m sorry for my sin. I want to do better and can’t unless you help me. Give me the power of Christ and I will follow him.“ Within this simple transaction is all that is required. Not a lot of soul searching is needed. Not a lot of philosophical or theological discussion…not a lot of learning. [Obwohl ich sagen möchte, dass philosophische und theologische Diskussion zwar nicht erforderlich für die Erlösung ist – oft ist sie sogar hinderlich, wie wir an der heutigen Theologenschaft in Deutschland erkennen können – aber trotzdem gute und wichtige Erkenntnisse zu erbringen vermag] Just simple obedience and humble acceptance of Christ. Just simple metanoia–turning from my own way to the way of Christ.[Wer schickt diesen Artikel den diversen Buchstabensuppen-Gremien im deutschen katholischen Rätewald?]

This is the only gospel I have to proclaim. It is the only gospel there is. I don’t know of any other.
(…)

Within this transaction the Sacred Heart of Jesus takes my heart in his and makes it one. Within this transaction my little life is gathered up into his cosmic life. In this simple transaction I am both lost and found.

This Great Transaction is the burning diamond heart of the Christian faith.

Alle diejenigen, die den Glauben an die empfundene Notwendigkeit der „heutigen Zeit“ anpassen möchten, Feministinnen, die glauben, sie seien von Gott zum Priestertum berufen, nur weil sie sich selbst dazu berufen fühlen, Zeitgeistchristen aller Schattierungen, Rationalisierer, die Wunder heute für „unmöglich“ statt bloß „unglaublich“ zu halten und viele mehr, werden hier den Kopf schütteln und die Augen rollen. Wie altertümlich? Ist es nicht im Heute glaubend nötig Kirche neu zu sein, oder so? Unsinn. Wir müssen umkehren, denn das Himmelreich ist nahe – so nahe, dass wir die ersten Ausläufer schon bei jeder Heiligen Messe am Altar beobachten dürfen – und es wäre schrecklich, verlören wir es im letzten Moment noch an die pharisäerhaften Kleingläubigen mit Doktortitel, die uns weismachen wollen, der Glaube sei heute anders als zu Zeiten Jesu.

Er ist es nicht. Der Glaube ist immer noch derselbe, und er wird sich nicht ändern. Wir sind Sünder und bedürfen der Erlösung und der Reinigung – wir haben die Chance zu Lebzeiten umzukehren, unsere Sünden zu bereuen, und die Erlösung die uns allein Jesus Christus anbieten kann, anzunehmen. Doch wir können sie auch abweisen, uns von Gott lossagen, ihm nicht folgen. Auch das akzeptiert Gott am Ende, denn er liebt uns und lässt uns unseren freien Willen. Das ist die Wahl, vor der wir stehen. Und das ist es, worum es für alle Menschen eigentlich geht.

Alles andere ist, so schön und richtig und wichtig viele weltliche Dinge auch sein mögen, in letzter Konsequenz irrelevant.

Warum können nur Männer Priester sein?

Eine interessante Diskussion zur allein Männern vorbehaltenen Priesterweihe entspinnt sich derzeit auf Johannes‘ Blog. Johannes behauptet dort, die Lehre der Kirche zu diesem Thema beruhe einzig auf der entsprechenden Verfügung Jesu – und aus der natürlichen Vernunft stammende Argumente seien zwar überzeugend, aber nicht logisch zwingend.

Im Gegensatz dazu behaupte ich, dass die Lehre der Kirche natürlich auf der Offenbarung Jesu beruht, dass aber die Geschlechtsspezifik der Priesterweihe, gegeben das katholische Verständnis der Vorgänge am Altar (Priester als „alter Christus„), mit Notwendigkeit von der natürlichen Vernunft des Menschen erkannt werden kann.

Johannes hat dazu zwei Artikel und einen Kommentar, ich bisher drei Kommentare geschrieben. Alle Texte enthalten meines Erachtens sehr interessante Denkanstöße zu diesem faszinierenden Thema. Ich möchte daher meine Leser einladen, Johannes auf seinem Blog zu besuchen, und sich vielleicht auch an der dortigen Diskussion zu beteiligen.