Grußbotschaft zum 500. Lutherjubiläum

In den letzten Tagen geisterte die Vorstellung durchs Internet, Papst Franziskus könne möglicherweise 2017 das „Reformationsjubiläum“ feiern oder etwas dergleichen (etwa hier). Laut Vatikan ist noch keine Entscheidung gefallen.

Es folgt ein kleiner bescheidener Vorschlag von Catocon: Wir schicken den Lutheranern keinen Papst, sondern ein Grußwort des Papstes. Vielleicht könnte man ja schreiben:

„Liebe Lutheraner, getrennte Brüder in Christo

wie dem verlorenen Sohn wenden Wir Uns euch anlässlich des 500. Jahrestags des Beginns des lutheranischen Schismas in väterlicher Liebe zu. Wir sehen freilich keine Veranlassung, den Abfall einer großen Anzahl Christen vom wahren Glauben Jesu Christi und Seiner Kirche, der katholischen Kirche, zu feiern. Vielmehr verharren Wir in tiefer Trauer ob des Unwillens, der Uns von lutheranischer Seite entgegenschlägt, wenn Wir – wie Wir das unermüdlich getan haben – euch zur Rückkehr in die Kirche Christi aufrufen.

Solange das Schisma des Häretikers Martin Luther und seiner heutigen Anhänger sich weiter fortsetzt, ist es Unser Wille, gute freundschaftliche und diplomatische Beziehungen zu euch und allen Irrenden zu führen, jedoch ohne jemals die Fragen ausklammern zu können, die Uns leider von Euch trennen. Wir bieten anlässlich des genannten Jahrestags allen Lutheranern guten Willens die Möglichkeit einer Rückkehr in die katholische Kirche an, bei der sie ihre legitimen Traditionen fortführen können, die in 500 Jahren gewachsen sind. Wir gedenken dabei analog dem Modell zu verfahren, das Unser Vorgänger Benedikt XVI. für die Anglikaner entworfen hat. Selbstverständlich gehört zu einer solchen Rückkehr immer die vollständige Unterwerfung unter die gesamte Wahrheit des katholischen Glaubens, wie er sich in heiliger Schrift und heiliger Überlieferung findet. Interessierte Lutheraner müssen natürlich allen Irrlehren widersagen, denen sie sich unter der geistlichen Leitung Martin Luthers hingegeben haben, könnten jedoch ihre eigenen legitimen Traditionen fortführen, an denen vielen gutwilligen Lutheranern so viel liegt.

Wir sind auch eingedenk der Tatsache, dass viele von euch sich niemals persönlich für Schisma und Häresie entschieden haben, da ihr in Familien mit langer lutheranischer Tradition hineingeboren worden seid. Wir sind daher zu großer Milde bereit, wenn ihr euch dazu entschließt, zum wahren Glauben zurückzukehren und eure großen geistlichen Gaben, die der Herr euch gegeben hat, in den Dienst des Herrn und Seiner Kirche zu stellen. Die verfahrenstechnischen und kirchenrechtlichen Details seien an anderer Stelle im Detail ausgearbeitet, sollen Euch aber keine unangemessenen Hindernisse in den Weg legen.

Wir enthalten Uns eines Gedenkens des Schismas Martin Luthers, um euch nicht mehr gegen Uns aufzubringen als nötig. Nicht enthalten können Wir Uns jedoch einiger Worte über die absurden Erwartungen, die manche von lutheranischer Seite hinsichtlich der ökumenischen Gespräche hatten. Wir wissen, dass euch von katholischer Seite falsche Hoffnungen gemacht worden sind, es sei vielleicht eine „Interkommunion“ möglich ohne die vollständige Rückkehr der verirrten Schäfchen unter das Primat des Nachfolgers Petri und den durch ihn garantierten überlieferten Glauben. Dasselbe gilt für andere Fragen des sogenannten ökumenischen Dialogs. Leider ist es den Katholiken nicht möglich, die Wahrheitsfrage aus dem ökumenischen Dialog auszuschließen, oder über die Wahrheit des katholischen Glaubens zu diskutieren als sei sie eine offene Frage, die erst noch der Beantwortung oder eines Urteils seitens ökumenischer Dialoge bedürfte. Diesen schrecklichen Irrtum glauben Wir mit diesen klaren Worten ausgeräumt zu haben.

Es bleibt Uns dann nur noch übrig, denjenigen unter euch, die wenigstens noch am natürlichen Sittengesetz und den Elementen der Wahrheit, die Luther aus dem Schatz der Kirche übernommen hat, festhalten, Unseren ehrlichen Dank für diese, wenn auch begrenzte, Treue auszusprechen, und euch mitzuteilen, dass Wir mit großer Freude erwarten, in allen Dingen, die wir ohne Kompromisse gemeinsam haben, eine Periode gedeihlicher Zusammenarbeit zu beginnen, auf dass die antichristlichen Angriffe, denen wir alle in unserer modernen Zeit ausgesetzt sind, vor dieser vereinten Front unverfälschter christlicher Sittenlehre zurückschrecken werden und dadurch dem christlichen Europa sein Antlitz zurückgegeben und der ganzen Welt ein christliches Antlitz gegeben werde.

Diejenigen unter euch, die weder an dem natürlichen Sittengesetz noch an der lutheranischen Überlieferung festgehalten haben, werden sicher nicht erfreut ob dieser klaren Worte sein, und Wir sehen auch keine Möglichkeit, euch entgegenzukommen, ohne von der Wahrheit des Glaubens der Kirche abzuweichen. Uns bleibt nur, euch die Hand des Friedens und der Versöhnung entgegenzustrecken. Das Tor der Kirche ist immer offen für euch und niemals wird man euch abweisen, wenn ihr auf den Weg der Wahrheit, die Christus ist, zurückkehren wollt. „Klopfet an, so wird euch aufgetan“. Das gilt für den Eintritt in die Kirche Gottes, die katholische Kirche, ebenso wie für den Eintritt ins Himmelreich.

Papst [xxx]“

Ziemlich unwahrscheinlich, dass es dazu kommen wird, aber es wäre vielleicht heilsam und klärend. Klarheit ist die erste Voraussetzung der Wahrheit.

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Vom Weg der Wahrheit und der Kreuzung von 1962

Johannes hat auf seinem Blog gerade eine sehr interessante Reihe über die Piusbruderschaft gestartet. Hier die Links zu den bislang veröffentlichten Artikeln:

Zu den Piusbrüdern 1

Die Piusbrüder und die Nazikarte

Freikirchen, die Piusbrüder und die wahre Kirche Christi

Ich kann nicht sagen, dass ich mit allem, was Johannes da geschrieben hat, einverstanden bin. In manchen Punkten bin ich ganz anderer Meinung als er und sehe die Piusbruderschaft positiver. Doch das ändert nichts daran, dass seine Ausführungen, wie eigentlich immer, empfehlenswert sind. Sowohl für Anhänger als auch für Gegner der Piusbrderschaft, und für alle dazwischen, stellen die drei bislang veröffentlichten Artikel eine differenzierte Perspektive fernab der üblichen eingefahrenen Diskussionspfade dar.

Nun aber noch einige Worte zur Frage der Piusbrüder. Was ist von ihnen zu halten? Ich sehe das alles sehr zweischneidig.

Vom Irrweg der Unabhängigkeit von Rom

Es ist gar keine Frage, dass die Piusbruderschaft dringend in volle Einheit mit Rom geführt werden muss und dass alle existierenden Tendenzen zum Sedisvakantismus oder „Unabhängigkeit“ vom „modernistischen“ Rom letztlich bekämpft werden müssen. Dennoch sind die Piusbrüder bereits heute in (unvollständiger) Einheit mit Rom. Sie erkennen alle Dogmen der Kirche an, bewahren bis heute einige Schätze, die in der weiteren Kirche so gut wie vollständig verloren, vergessen und begraben worden sind, und für diesen unschätzbaren Dienst kann man Erzbischof Lefèbvre und seinen Getreuen, trotz all ihrer allzu menschlichen Fehler, gar nicht genug danken.

Vom Verdienst der Piusbruderschaft

Wenn man einmal die wenigen Streitpunkte (Religionsfreiheit, Ökumenismus usw.) beiseite lässt, und nur die Gemeinderealität betrachtet, so stellt man fest, dass Priester, die ehrfürchtig die Heilige Messe feiern (egal ob ordentlich oder außerordentlich), den ganzen unverkürzten katholischen Glauben verkündigen und sich nicht scheuen, auch unpopuläre Themen anzusprechen, ziemlich selten geworden sind.

Bei der Piusbruderschaft ist das noch selbstverständlich. Man kann sich beim Besuch eines Messzentrums darauf verlassen, dass eine gültige, ehrfürchtige Messe zelebriert wird, dass der traditionelle Glaube der Kirche verkündet wird, und dass man sich dort nicht in Anpassung an den Zeitgeist suhlt.

Bei der Petrusbruderschaft und anderen Ecclesia Dei Gruppen ist das auch selbstverständlich (und deshalb erscheint mir der Streit zwischen diesen Gruppen auch so unsinnig). Aber sie sind selbst in der weiteren Kirche ziemlich unbekannt. Die Piusbrüder sind, ob es uns gefällt oder nicht, derzeit der öffentlich bekannteste Leuchtturm des explizit traditionellen Glaubens, der, wenn die „Hermeneutik der Kontinuität“ denn zutrifft, nicht plötzlich nach dem Konzil falsch geworden sein kann.

Von den Fehlern der Piusbruderschaft

Das alles soll nicht über die realen Fehler der Piusbruderschaft hinwegtäuschen. Sie gebärdet sich manchmal selbstgerecht und fast schon hochmütig gegenüber anderen Katholiken. Wie jede Gruppe, die viele Schätze hat, ist sie der Versuchung ausgesetzt, andere, die über diese Schätze nicht verfügen, herabzusetzen. Ferner macht sie den Fehler, der für Anhänger einer Tradition naheliegt, wenn diese Tradition umgestürzt werden soll. Sie mumifiziert in gewisser Weise diese Tradition und schirmt sie nicht nur den Umsturzversuchen gegenüber ab, sondern auch ganz natürlichen, organischen Veränderungen, die dem Geist der Tradition gar nicht widersprechen. Der katholische Glaube, wie er 1962 geglaubt wurde, ist nicht falsch geworden durch das Konzil. Wer ihn glaubt, ist auch heute noch ein guter Katholik. Aber die Gefahr der Piusbrüder ist, sich von einer legitimen, traditionstreuen Entwicklung abzuschneiden, und nicht nur von den Abbruch- und Aufbruchunternehmen seit dem Konzil.

Kreuzung von 1962 und Weg der Wahrheit

Die Sache mit den Piusbrüdern ist ziemlich zweischneidig. Auf der einen Seite wäre die Kirche tatsächlich besser dran, wenn sie mit der Anpassung an den Zeitgeist, der auf Gemeinde- und selbst Bistumsebene fast wichtiger erscheint als der Heilige Geist, schlicht aufhörte, und zum traditionellen Glauben zurückkehrte. Wer falsch abgebogen ist – und das sind die Verfechter der Mitmach-Messen und Verbandslaienaufstände mit Sicherheit – der kehrt am besten um und geht bis an die Kreuzung zurück, an der er falsch abgebogen ist. Insofern wäre eine Rückkehr zum traditionellen Glauben, wie die Piusbrüder ihn verkünden, der richtige Weg. Und die Stellung an dieser Kreuzung immer gehalten zu haben, ist das große Verdienst der Bruderschaft.

Doch falsch abgebogen zu sein bedeutet nicht, dass man gar nicht hätte abbiegen sollen. Die Kreuzung ist nicht das Ziel, sondern nur eine Wegstation auf dem Weg zu dem Ziel. Man muss abbiegen, aber richtig abbiegen. So ist es auch mit der Kirche. Auch sie kann nicht für immer an der Kreuzung stehenbleiben, an der die Piusbruderschaft heute so treu Wache hält. Es gibt legitime Entwicklung der Tradition durch tieferes Verständnis derselben. Solcherart Entwicklung vertieft die Tradition, macht sie nicht ungültig, aber verschafft neue Einsichten.

Vom Licht des Heiligen Geistes: Der Papst als Vorhut

Und so wird der Heilige Geist, wie immer, die Kirche früher oder später auf den Weg der Wahrheit lenken, der von der Kreuzung von 1962 aus abzweigt. Diesen Weg der Wahrheit hat die Piusbruderschaft nicht gepachtet, aber die Kreuzung gegen großen Widerstand verteidigt zu haben, ist ihr Verdienst. Umgekehrt haben die Anhänger des „Konzilsgeistes“ eine Reihe von Irrwegen begangen, die alle in Sackgassen enden. Und Papst Benedikt wäre in diesem Bild so etwas wie die Vorhut, die den Weg der Wahrheit mit vorsichtigen, tastenden, noch nicht immer absolut trittsicheren Schritten beschreitet, noch nicht vollständig kartographiert hat, sich aber in der Dunkelheit vom Licht des Heiligen Geistes leiten lässt. Wenn dieser Weg der Wahrheit, der den traditionellen Glauben in Gänze bestätigt, ihn aber organisch und natürlich weiterentwickelt, erst einmal kartographiert und beleuchtet ist, dann wird es die Aufgabe der Piusbruderschaft sein, ihn als Nachhut zu beschreiten und gegen Angriffe abzusichern.

Sich dann zu weigern, wäre ein Schisma. Doch so weit ist es noch nicht.

Das pastorale Problem des Dialogprozesses

Eigentlich ist Dialog ja etwas Gutes. Wir kommen miteinander ins Gespräch, lernen uns besser kennen, tauschen Meinungen und Positionen aus, hören dem anderen in Respekt und mit menschlicher Achtung zu. Was kann man nur dagegen haben?

Wenn der Dialog überhaupt stattfinden soll, und als Ergebnis so etwas wie einen Plan erbringen soll, welcher der Kirche neuen Auftrieb in Deutschland und der westlichen Welt geben könnte, dann muss er ergebnisoffen sein. Stünde sein Ergebnis vorher fest, wäre der ganze Dialog nicht mehr nötig – oder wenn doch, dann nur als manipulatives Instrument zur Vermittlung der bereits längst beschlossenen Ergebnisse der Eliten.

Ist der Dialog nicht ergebnisoffen, so wird er entweder zwecklos oder Mittel der Manipulation.

Doch Ergebnisoffenheit setzt voraus, dass das, worüber man streitet, so oder so entschieden werden könnte, es dabei also kein objektives Richtig oder Falsch geben kann. Man kann also von einem ergebnisoffenen Dialog nur sprechen, wenn von vornherein vorausgesetzt wird, dass das Ergebnis, welches auch immer es sein mag, für sich keine objektive Wahrheit beanspruchen, sondern sich allein auf die Autorität des demokratischen Willensbildungsprozesses berufen wird. Mit anderen Worten: Wenn der Plan, welcher herauskommen soll, von vornherein durch alle Teilnehmer als Konstrukt des Dialogs und nicht als Konsequenz außermenschlicher Lehrsätze oder Erkenntnisse verstanden wird.

Ein ergebnisoffener Dialog – und das ist der einzig sinnvolle Dialog – ist immer, seiner Natur nach, relativistisch. Alle Teilnehmer akzeptieren durch ihre Teilnahme bereits den „herrschaftsfreien Raum“ als den Raum, in dem der Dialog situiert sein soll. Niemand entscheidet vorher oder während der Gespräche, was am Ende herauskommen soll – das wird durch den Dialog und mit ihm und in ihm als allein akzeptabler Entscheidungsform entschieden.

Ein ergebnisoffener Dialog, in dem die Teilnehmer am Ende keine Beschlüsse fassen, sondern nur unverbindliche Vorschläge äußern können, ist seinem Wesen nach ein Selbstwiderspruch. Die ganze Struktur eines Dialogs setzt voraus, dass durch den Dialog reale Sachentscheidungen getroffen werden, die dann auch alle Beteiligten binden. Das ist auch die Erwartung der Teilnehmer eines solchen Dialogs. Wird am Ende des Dialogs nicht das umgesetzt, was durch die breite Mehrheit der Dialogteilnehmer beschlossen oder gefordert worden ist, führt dies verständlicherweise zu einer massiven Unzufriedenheit seitens der Dialogteilnehmer.

Entweder führt also der ergebnisoffene Dialog in seinem herrschaftsfreien Raum zur Umsetzung des durch den Dialog entstandenden Programms durch die zuständigen Autoritäten, oder er führt zu Frustration, Unzufriedenheit und letztlich Wut auf Seiten der Mehrheit der Dialogteilnehmer, die trotz ihrer dominanten Stellung im Dialogprozess letztlich ihren Willen nicht haben durchsetzen können.

Der Dialog eignet sich, um Kompromisse in Bereichen zu finden, in denen Interessen oder entgegengesetzte menschliche Willen aufeinanderstoßen, zwischen denen ein Ausgleich gefunden werden soll, welcher keine unveränderlichen Prinzipien berührt. Auch dann ist er nicht perfekt, aber hat zumindest hier seine Berechtigung.

Kommen wir nun auf den Dialogprozess in der Katholischen Kirche. Hier soll ebenfalls „ergebnisoffen“ diskutiert werden. Mehrfach haben zuständige Bischöfe in Aussicht gestellt, die Ergebnisse des Dialogs – und die sind offen, man weiß also genau genommen gar nicht, worin sie bestehen werden – ernst nehmen zu wollen. Dies kann in den Augen der Dialogteilnehmer nur bedeuten, dass eine Erwartung entsteht, man werde sich seitens der Bischöfe den Anliegen, die im Dialog sich durchzusetzen vermögen, weitgehend Folge leisten.

Doch dies kann innerhalb der Kirche nicht geschehen, geht es doch bei vielen der Dialogthemen um Grundfragen des Glaubens, die nicht die Bischöfe, und auch nicht einmal der Papst ändern könnten. Deswegen kann das Ergebnis dieses Dialogprozesses nur eines von zweien sein:

Entweder entscheiden sich die Bischöfe, dem Ruf des Dialogs nicht zu folgen und seine Ergebnisse weithin zu ignorieren. In diesem Fall werden sich Frustration und Wut der an einer weiteren „Modernisierung“ und Verweltlichung innerhalb der Kirche interessierten Kreise – Verbandskatholiken und kirchenferne Taufscheinchristen – weiter verstärken.

Oder die Bischöfe kommen den Anliegen der Dialogteilnehmer – was auch immer sie am Ende Prozesses genau sein mögen – nach. In diesem Fall begäben sie sich ins offene Schisma mit der Weltkirche.

In beiden Fällen wäre eine weitere schwere Beschädigung der Kirche in Deutschland nicht abzuwenden.

Aus schwerwiegenden pastoralen Gründen ist also der derzeitige Dialogprozess, selbst unter Ausklammerung der immensen in Dialogistan gärenden dogmatisch-theologischen Häresien, abzulehnen. Er vermag der Kirche nicht zu helfen, wird ihr aber mit Sicherheit in pastoraler Hinsicht schwere Schäden zufügen.

Die Zeiten ändern sich…

… nicht.

Mit diesen Worten könnte man wohl diesen Artikel im Vatican Magazin kommentieren, bei dem es sich um eine Eingabe an die deutsche Bischofskonferenz von 1968 handelt.

Fast Wort für Wort kann er auf den heutigen Zustand übertragen werden. Wenn nichts so alt ist wie die Zeitung von gestern, dann ist nichts so neu wie die „Erneuerungs“-Diskussion von vorgestern…

Besonders interessant erscheint mir allerdings die im Artikel gezogene Parallele zu einer anderen Zeit, in der die Kirche sich in einer großen Krise befand und ein Schisma drohte – dem frühen 16. Jahrhundert:

Ohne die damals auch und gerade von der Römischen Kurie  begangenen Fehler und Unterlassungen im geringsten beschönigen zu wollen, muß gesagt werden, daß die Passivität des deutschen Episkopates, der theologisch ganz unzureichend ausgebildet war und in dessen Lebensstil und Bewußtsein (mit wenigen Ausnahmen) der Fürst den Vorrang vor dem Bischof hatte, die nahezu ungehemmten Fortschritte der lutherischen Bewegung erleichtert, ja überhaupt erst ermöglicht hat. So verpaßten die deutschen Bischöfe ihre Stunde; denn nachdem die Mehrzahl der Reichsstädte und der Fürsten die Sache Luthers zu der ihren gemacht hatten (nach 1526), war es zu spät. Unter der Ausschaltung der Bischöfe wurden lutherische Landeskirchen und städtisches Kirchenregiment auf- und ausgebaut. Die lutherische Bewegung organisierte und konsolidierte sich, gab sich ein Bekenntnis und schloss sich zu einem militärischen Bündnis zusammen: Die Kirchenspaltung war Tatsache.
Wir wissen heute, daß der innere Spaltungsprozeß, die Formierung der „Konfession“, nicht Jahre, sondern Jahrzehnte gedauert hat. Melanchthon und Calvin nahmen bis an ihr Lebensende für sich in Anspruch, „katholisch“ zu sein; die Anhänger des alten Glaubens wurden als „Papisten“ diffamiert. Das Kirchenvolk hing weiter an seiner Messe und an seinen Heiligen, und die von den lutherischen  Magistraten eingeführten Kirchenordnungen übernahmen vieles Katholische, sogar Prozessionen und Wallfahrten. Der Masse des einfachen Kirchenvolkes kam daher nicht zum Bewußtsein, dass die „Reformation“ keine Reform der Kirche, sondern die Bildung einer neuen, auf anderer Basis errichteten Kirche war. [Wie es mit der Reformation war, so ist es mit der Neo-Reformation.] Rückblickend muss man also festhalten: Durch nichts ist die Kirchenspaltung so gefördert worden, wie durch die Illusion, daß sie nicht existiere. Sie war verbreitet in Rom und vor allem im deutschen Episkopat, bei vielen Theologen, bei der Mehrzahl des Seelsorgeklerus und im Volk.

Und weiter:

Wir sind aber davon überzeugt, daß das Wahre und Gute, das in dem neuen Aufbruch der Kirche auf dem Konzil und durch das Konzil zu Tage getreten ist, nur dann fruchtbar werden kann, wenn es vom Irrtum getrennt wird. Je länger der schmerzhafte Schnitt hinausgeschoben wird [wie gesagt, das war vor 43 Jahren… Dieser Zug dürfte abgefahren sein], desto größer wird die Gefahr, daß wertvolle Kräfte, weil mit dem Irrtum amalgamiert, verloren gehen und dann nicht nur Abspaltung von der Kirche, sondern Abfall vom Christentum sich bei uns ereignen. Je klarer die Bischöfe sprechen, je entschiedener sie handeln, um so größer ist die Chance, die Aufbruchs-Bewegung innerhalb der Kirche zu halten und damit der Kirche zu erhalten. [Der Gegenbeweis ist angetreten: Die Bischöfe haben, in ihrer großen Mehrzahl weder klar gesprochen noch entschieden gehandelt – selbst heute wird die bloße Existenz des Problems immer noch hinter diplomatisch-bürokratischen Floskeln verborgen. Faktisch hat sich längst ein Theologisches Biotop etabliert, das jeglichen Kontakt zum Lehramt verloren hat. Es ist zum Hasenhüttln…]

Zum Abschluss möchte ich den Lesern eine Frage auf den Weg geben: Hat man Luther damals auch zum freundschaftlichen Gespräch eingeladen, um im Stuhlkreis über die Zukunft von Kirche zu lamentieren? Wenn nicht, so wäre für den deutschen Episkopat des 16. Jahrhunderts trotz seines Versagens wenigstens noch ein gutes Wort einzulegen

 

 

Freiburg: Das neue Avignon

Gegenpäpstin Julia I.

Quelle: Pius.info

Wenn man sich das Bild anschaut, kann man kaum glauben, dass sie erst 19 Jahre alt ist, aber laut Internetsauftritt ihrer Gegenkirche (KJG der Erzdiözese Freiburg, werde ich nicht verlinken) stimmt das Alter so. Ich spreche von Julia I., Päpstin von Freiburg. Hinter dem Link verbirgt sich ein Artikel sowie ein Audiomitschnitt eines Interviews, in dem sie gefordert hat, man brauche eine Frau als Papst, oder besser noch ein nach 50% Frauenquote gewähltes Gremium anstelle des Heiligen Vaters.

In dem obigen Bild sieht man, wie sie, gekleidet für eine Protestdemo gegen die Kirche und ihre hierarchische Struktur samt Glaubenswahrheiten, vor dem Papst steht, und nicht vor Scham im Boden versinkt. Die Fragen, die sich stellen, sind nun vielfältig:

1. Warum hat man eine Person für diesen Auftritt bei der Jugendvigil ausgewählt, die nicht einmal die Fähigkeit besitzt, sich des zeitgeistlichen Protests für einige Minuten zu enthalten, während sie vor dem Papst steht?

2. Wer auch immer die tatsächliche Verantwortung dafür trägt, dass sie bei der Jugendvigil ausgewählt wurde, dass man sie im Protestaufzug auf die Bühne gelassen hat, um den Papst zu brüskieren, und dass sie in einem kirchlichen Gremium sitzt, obwohl sie offen antichristliche und antikatholische Haltungen vertritt – die „politische Verantwortung“ liegt bei Erzbischof Robert Zollitsch, der für dieses spezielle Schäfchen nun einmal zuständig ist. Teilt er ihre Auffassung stillschweigend, oder warum duldet er so etwas?

3. Kann noch irgendjemand an dem dicht bevorstehenden formalen Schisma zweifeln? Könnte es nicht sein, dass in fünf oder zehn Jahren die Mehrzahl der heute noch offiziell katholischen Gemeinden „eigenständig“ sind und sich von Rom gelöst haben, während die Priorate der Piusbruderschaft ganz normale Teile der kirchlichen Struktur sind?

Für sich genommen mögen die Äußerungen einer Person, die vor der Entzivilisierung der letzten 40 Jahre noch nicht einmal als volljährig gegolten hätte, und die strafrechtlich gesehen unter Umständen noch nach dem Jugendstrafrecht behandelt werden könnte, nicht bedeutsam sein. Doch was sie symbolisieren – die vollständige Kapitulation der deutschen Kirche vor dem ochlokratischen, atheistischen, transzendenzfreien Zeitgeist der Moderne – ist keineswegs bedeutungslos.

Sie symbolisieren nämlich auf besonders treffende und zugespitzte Weise die ganze Tendenz des modernen Katholizismus. Wenn der modernistische Katholizismus eine Zukunft hat, dann diese.

Zum Abschluss als Alternative zum Modernismus etwas weniger Widerliches.

Dialog und Schisma

Auf Papsttreu im Pott findet sich ein Teilnehmerbericht vom Dialogtreffen des Bistums Essen in Duisburg. Ich möchte hier einige Kommentare zum Thema abgeben, es lohnt sich jedoch, zuerst den verlinkten Artikel zu lesen.

Wie inzwischen scheinbar üblich fand auch dieses Treffen wieder in einer Kirche vor dem Allerheiligsten statt. Selbstverständlich kümmerten sich die Dialogisten nicht allzu sehr um Jesus oder irgendwelche anderen altmodischen Vorstellungen wie Anbetung oder Verehrung. Das kann auch nicht verwundern, denn unveränderliches Lehramt der Kirche umstoßen zu wollen, deutet nicht gerade auf Respekt vor Jesus und seiner von ihm eingesetzten Kirche hin.

Im Gegenteil: Geht es den Teilnehmern des Dialogprozesses nicht vielmehr um eine „neue Kirche“? Der Eindruck scheint sich unter den Verbandskatholiken, die generell die größten Befürworter des Dialogprozesses sind, immer mehr zu bestätigen. Besonders die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands mit ihren immer extremeren Aktionen, die schon an schismatische Akte grenzen, wie kürzlich die Einleitung einer Unterschriftenaktion gegen unveränderliches Lehramt zum Thema Beihilfe zum Essen des Gerichts für unbußfertige Ehebrecher gezeigt hat. Ich habe den Link, werde ihn aber hier nicht angeben – jeder kann etwa durch Google die Unterschriftenaktion problemlos finden. Hier wird öffentlich Stimmung gegen die Lehre der Kirche gemacht – und das von einer offiziellen katholischen Organisation. Kein Wunder, dass gläubige katholische Vereinigungen wie das Forum deutscher Katholiken inzwischen fordern, die Bischöfe mögen doch bitte überprüfen, ob sich diese radikal-feministische, in ihren Haltungen zu wichtigen Fragen von Theologie und Sittenlehre offen anti-katholische Gruppierung weiterhin „katholisch“ nennen dürfe.

Es gibt dabei nur ein Problem: Stimmt nicht zumindest der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, wie auf diesem Blog schon mehrfach berichtet und kommentiert, der Haltung der „katholischen“ Frauengemeinschaft weitgehend zu? Und sind nicht die anderen Bischöfe sehr zurückhaltend mit Aktionen, die sie in der Öffentlichkeit als offensichtlich katholisch – und stolz darauf – brandmarken könnten? Es ist also nicht damit zu rechnen, dass Bischöfe, von denen selbst die Besseren, wie Bischof Overbeck, einen Dialogprozess mittragen und Veranstaltungen wie die, auf die sich der oben verlinkte Erlebnisbericht bezieht, offensichtlich gutheißen, eine klare Haltung zum immer weiter herannahenden Schisma in Deutschland finden werden.

Wie schon öfters seit mindestens 40 Jahren werden die deutschen Bischöfe sich formal korrekt verhalten, oder von der Korrektheit nur abweichen, wenn es keine Konsequenzen aus Rom zu befürchten gibt, aber weder mit der Kirche fühlen noch mit ihr denken. „Sentire cum Ecclesia“ ist nicht nur an theologischen Fakultäten in Deutschland ebenso fremd geworden wie die Sprache, in der die Sentenz formuliert ist, sondern auch unter den für besagte Fakultäten zuständigen Bischöfen. Sie werden das Nötigste tun, um ein formales Schisma zu vermeiden, aber nicht mehr.

Also wird der Dialogprozess weitergehen, der religiöse Glaube in Deutschland wird weiter verfallen, die Kirche wird langsam aber sicher aussterben.

Auf Papsttreu im Pott wird darauf hingewiesen, dass unter den (wenigen) anwesenden Jugendlichen die meisten eher den Papst und die Kirche in Schutz nahmen. Es ist auch nur zu leicht einzusehen warum: Ich kommentierte auf dem Blog:

Die Kirchendemokraten sterben aus. Sie haben 98% der nachwachsenden Generation davon überzeugt, dass sie sich ihre eigene Wahrheit und ihren eigenen Glauben machen können – die nachwachsende Generation hat das vollkommen verinnerlicht. Wenn sie sich ihre eigene Wahrheit machen kann, dann braucht sie die Kirche ja gar nicht mehr. Warum also die ganze Mühe? Warum sonntags früher aufstehen, warum endlose Sitzungen, warum das ganze Volksbegehren und Aufbegehren, wenn man sich doch einfach seinen eigenen Glauben und seine eigene Wahrheit konstruieren kann, so wie man sie gerade braucht?
98% der nachwachsenden Generation stimmen den Kirchendemokraten völlig zu. Konsequent bleiben sie also aus der Kirche fort – sie vermag ihnen nichts zu bieten, was sie nicht auch woanders bekommen könnten.
Übrig sind die 2% die den Glauben der Kirche weitertragen.
Eine Reinigung im Säurebad, aber eine nötige Reinigung.

Wenn das stimmt, und davon bin ich überzeugt, wäre dann nicht die beste Chance für die katholische Kirche, das ohnehin kommende Schisma zu forcieren, um die verbliebenden Gläubigen zu einer Entscheidung zu zwingen? Ich bin mir nicht sicher.

Einerseits:

Kommt es zum Schisma, dann wird man endlich klar sehen, wer wo steht, wer dem Bischof von Rom seine Treue hält, und wer bloß dem Kanzler in Berlin, wer katholisch und wer deutsch-katholisch sein will. Die meisten Bischöfe würden vermutlich eher zum deutsch-katholischen Lager zählen, ebenso viele Priester, und wenn wir ehrlich sein wollen, auch 90% der katholisch Getauften. Die anderen könnten dann, ohne die lähmende Last bürokratischer Strukturen und mit einem neuen Missionseifer in Unabhängigkeit von einem zunehmend christenfeindlichen deutschen Staat und dem Konformität statt Glaube fördernden Kirchensteuersystem eine Renaissance des christlichen Glaubens in Deutschland einleiten. Sie könnten eine kleine, aber aufgrund ihrer außerordentlichen Treue zur Kirche in Glauben, Sittenlehre und Liturgie starke Kirche in diesem Missionsland sein. Sie könnten eine christliche Kultur im Kleinen leben, und für die vielen Unzufriedenen und vom Modernismus innerhalb und außerhalb der Gotteshäuser enttäuschten Menschen ein Zufluchtsort werden.

Andererseits:

Kommt es zum Schisma, wird die katholische Kirche in Deutschland von ihren derzeit 25 Millionen Mitgliedern mindestens 90% verlieren. Damit entfielen auch Einnahmen in Höhe von mehr als 90% der derzeitigen Einkünfte der Kirche, oder gar mehr, falls die Kirche sich dann entschlösse, keine Kirchensteuer mehr zu nehmen. Damit wäre es nicht länger möglich, ein ausgesdehntes Netz karitativer Vereinigungen oder Mission in anderen Ländern zu unterhalten. Es wäre eine Kirche, die vermutlich gerade genug Finanzmittel hätte, um den Gläubigen die Messe und die Sakramente zu bringen. Und mehr noch, der Verlust vieler Millionen Schäfchen würde das ohnehin gefährdete Seelenheil der Betroffenen noch weiter bedrohen, da außerhalb der Kirche kein Heil ist – ein gewichtiges Argument. Zudem kann man davon ausgehen, da die Reformkatholiken langsam aussterben, dass sich das Problem in 30 bis 40 Jahren von selbst gelöst haben wird. (Father Z nennt das „biologische Lösung“) Je länger ein formales Schisma herausgezögert wird, so könnte man argumentieren, umso schwächer wird die Position der Neo-Reformatoren.

Also:

Ich bin mir aufgrund widerstreitender Argumente nicht ganz sicher, ob ein Schisma nicht gut für die Kirche wäre. Dass es aber irgendwann kommen muss, einfach weil sich Verbandselite und Bischöfe immer weiter von Rom entfernen, daran habe ich keinen Zweifel. Wie auch immer die weiteren Entwicklungen verlaufen werden, wir sollten für alle Verantwortlichen für den Kurs der deutschen katholischen Kirche beten und dabei immer den Wunsch des Heiligen Vaters nach „Ent-Weltlichung“ der Kirche, nach Lösung von weltlicher Gewalt, beherzigen.

Vertrauen wir auf Jesus Christus, nicht auf die weltliche Macht der Gremien.

Erzbischof Zollitsch legt nach

Hatte man gerade noch gedacht, das umfassend negative Stimmungsbild aus für die Kirche relevanten Kreisen, von seinem Bischofskollegen Meisner bis zu der seltenen und daher umso deutlicheren und wichtigeren Stellungnahme des Nuntius Périsset (auf die ich hier verwiesen hatte), hätte Erzbischof Zollitsch zum Nachdenken veranlassen können, so wird man durch dieses WELT-Interview leider enttäuscht. Im Gegenteil: Zollitsch legt in dem Interview noch einen drauf, indem er in die Liste seiner durch zeitgeistgerechten Fortschritt zu lösenden Fragen auch noch die Interkommunion einbezieht. So spricht er:

Die Welt: In Deutschland mit vielen konfessionsverschiedenen Ehen wird es als Mangel empfunden, dass es bei der eucharistischen Gastfreundschaft keine Fortschritte gibt und wiederverheiratete Geschiedene von Sakramenten ausgeschlossen sind. Wird der Papst hier ein Zeichen setzen?

Erzbischof Robert Zollitsch: Diese Fragen beschäftigen uns, sie kommen auch in unserem Gesprächsprozess vor. Sie sind dem Papst bekannt. Es sind Fragen, die es theologisch zu durchdringen wie auch pastoral zu bedenken gilt. Allerdings gehe ich davon aus, dass es bei diesem Besuch nicht zu konkreten Aussagen kommen wird, da ist noch einiges zu prüfen. Wir sind an den Fragen dran. Wir wollen sie nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschieben, aber wir brauchen entsprechende Zeit, um das seriös zu lösen.

Das wollen wir doch einmal untersuchen, um herauszufinden, was besagtes Wortgeschwurbel denn nun eigentlich bedeutet: Gefragt, was denn mit der „eucharistischen Gastfreundschaft“ – in diesem Zusammenhang deutlich als Codewort für Interkommunion zu erkennen – sei, könnte man als katholischer Bischof vieles sagen. Man könnte erklären, dass es zwischen der katholischen Eucharistie und dem evangelischen Gedächtnismahl immense Unterschiede gibt. Man könnte klar sagen, dass es nicht um Gastfreundschaft geht, denn die äußert sich nicht in der Eucharistie, sondern eben im Umgang mit Gästen. Wir begrüßen evangelische Christen, aber sie können nicht die Eucharistie empfangen, weil… So hätte man antworten können. Da man als Bischof weiß, dass solche Fragen in Interviews gestellt werden, könnte man sich sogar vorher schon Antworten zurechtlegen, über die Fragen nachgedacht haben sollte ein Bischof ja schon. Unvorbereitet kann es den Erzbischof nicht getroffen haben.

Aber das alles sagt er nicht. Stattdessen erklärt er, das sei ein Thema, über das man beim „Gesprächsprozess“ reden werde, dass zwar nicht so schnell gelöst werden könne, aber für das man eine „seriöse Lösung“ finden werde, wenn man sich die nötige Zeit genommen habe. Das kann nun wieder zweierlei bedeuten. Es ist geschickt genug formuliert, dass man nicht gezwungen ist, eine Kapitulation vor dem Zeitgeist und einen grundsätzlichen Verrat an der Eucharistie darin zu erblicken. Möglicherweise hat er nur gemeint, dass man darüber sprechen werde, warum es keine Interkommunion geben könne, dass man vielleicht neue Wege finden wolle, das Problem durch Erklärung und Katechese zu „lösen“. Aber glaubt das irgendjemand ernsthaft? Da geht ein Erzbischof, der Vorsitzende der Bischofskonferenz zu einem Interview mit einer säkularen Zeitung, im vollen Wissen, dass solche Fragen sehr wahrscheinlich gestellt werden, und antwortet dann so, auf eine Weise, die weder die Lehre der Kirche zum Thema erwähnt, noch erklärt, ja nicht einmal unbedingt konsistent mit ihr ist?

Viel wahrscheinlicher ist die Interpretation, dass der Erzbischof signalisieren wollte, dass er auch diese „Heilige Kuh“ auf dem Altar des Zeitgeistes im Götzendienst zu opfern bereit ist, um sich noch etwas mehr Ansehen und Zuneigung in einflussreichen Kreisen zu erschleichen.

Früher haben die Apostel des Herrn wenigstens noch 30 Silberstücke für diese Art Dienstleistung genommen.

Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz – und der ist er nun einmal, auch wenn Kardinal Meisner aufgrund von Zollitschs Häresien lieber zwischen dem „Erzbischof von Freiburg“ und dem „Vorsitzenden der Bischofskonferenz“ unterscheiden möchte – signalisiert in diesem Interview also allen Ernstes, dass man im Rahmen des Dialogprozesses auch über die Interkommunion sprechen und, zu gegebener Zeit, auch eine „Lösung“ für dieses „Problem“ finden werde. Nun, gegeben das Wissen um die Zusammensetzung der Dialogrunden, welche „Lösung“ könnte das wohl sein, wenn nicht die Einführung der Interkommunion, und damit die endgültige Trennung von Rom, das vorsätzliche und vollständige Schisma. Doch das Schisma ist faktisch längst da, auch wenn der Erzbischof es umständlich leugnet:

Erzbischof Robert Zollitsch: Ich persönlich sehe dafür [für ein Schisma; Anm. von Catocon] keine Anzeichen. Es ist richtig: Wir haben eine katholische Bandbreite, in vielen Fragen gehen die Positionen auseinander. Aber das ist nicht die Frage eines Schismas. Wir versuchen, in dieser großen Bandbreite den Weg nach vorne zu finden und möglichst viele dabei mitzunehmen. Es hat immer Katholiken gegeben, die der Kirche eng verbunden waren, und daneben gab es welche, die kein so enges Verhältnis hatten. Das ist ein Element der Volkskirche.

Die Welt: Verfolgt man die Diskussionen über Reformwünsche, drängt sich einem der Eindruck von Richtungskämpfen gerade zu auf.

Erzbischof Robert Zollitsch: Es kommt darauf an, was man unter Richtungskämpfen versteht. Es gibt unterschiedliche Ansichten, das ist richtig und auch selbstverständlich. Wir wollen aber gemeinsam in dieser Kirche leben und wirken.

Hier haben wir das Standard-„Argument“ der Verfallsverwalter im deutschen Episkopat vor uns. Es gibt kein Schisma, wir bleiben alle miteinander im Gespräch, und im katholischen Zelt ist ja Platz für alle, egal was sie so denken und glauben.

Eine kleine Information für diese Zelthäretiker: Ja, im katholischen Zelt ist Platz für alle. Jedem Menschen steht es frei, egal wo er herkommt und was er vorher getan oder geglaubt hat. Volkermörder, Politiker, Abtreibungsärzte, Konzernchefs, Ehebrecher – selbst die Schlimmsten finden ihren Platz im Schoß der Kirche. Im katholischen Zelt ist wirklich Platz für alle, und das Zelt steht jedem offen. Jedem, der denn auch wirklich hinein will. Im katholischen Zelt ist wirklich Platz für alle. Aber nicht alle Plätze sind auch besetzt. Für jeden Menschen ist Platz – aber einige Menschen möchten ihren Platz nicht einnehmen. Sie ziehen es lieber vor, das Gegenteil der katholischen Lehre nicht nur zu praktizieren (das tun wir alle – man nennt das Sünde), sondern zu glorifizieren, für Richtig zu halten. Sie brechen nicht nur das moralische Gesetz, sondern finden „das auch gut so“, um einmal eine öffentliche Figur zu zitieren, die Erzbischof Zollitschs Haltung zu den Grünen teilt. Sie sündigen nicht nur, sondern wollen, dass die Kirche ihre spezielle Sünde als richtig einstuft. Sie wollen nicht ihren Platz im Zelt einnehmen, sondern das Zelt einfach umbauen. Doch das können wir als Katholiken nicht zulassen. Wir heißen jeden Menschen, so sündig er auch sein mag, willkommen. Jeder hat hier seinen Platz. Aber nicht, wenn er das Zelt abbrechen möchte, statt es mit uns gemeinsam als Gemeinschaft der Sünder auf der Pilgerreise zur Heiligkeit zu pflegen, zu schützen, und mit Gottes Hilfe zu verteidigen.

Lieber Erzbischof Zollitsch, das heißt es, wenn wir sagen, im katholischen Zelt sei Platz für alle. Nicht, dass wir den von Gott geoffenbarten Glauben und die aus der natürlichen Vernunft erkennbare, von der göttlichen Offenbarung bestätigte Moral leugnen, vertuschen oder ignorieren, sondern dass alle Menschen von Herzen dazu eingeladen sind, zu uns zu kommen, und sich mit uns auf die Pilgerreise durch die Welt hin zu unserem Schicksal in Ewigkeit zu begeben.

Lieber Erzbischof Zollitsch, ich bin ein ehemaliger Atheist. Einer der Gründe, warum ich über viele Jahre für Sie und alles was Sie als Bischof repräsentieren, an vorderster Stelle die Kirche und ihre Lehre, nur Verachtung empfunden habe, ist genau diese Art der „Einladung“. Wenn das Angebot der Kirche wirklich beliebig ist, wenn es wirklich keinen unverhandelbaren Glaubensinhalt gibt, wenn alles durch „Dialoge“ und „Kompromisse“ auf menschlicher Basis entschieden werden kann, dann vertritt Ihre Kirche nicht Gott, sondern sie tut nur so. Dann ist sie auch nicht glaubwürdig. Dann ist sie bloß ein Haufen von alten Herren, die sich anmaßen, sie wüssten besser was die Menschen brauchen als diese selbst. Dann ist sie wirklich nur die Verwirklichung einer Machtphantasie, wie viele Ihrer Kritiker von atheistischer und kirchenfeindlicher Seite behaupten. Inzwischen habe ich glücklicherweise – allerdings ohne Zutun von Ihnen und Ihrer Bischofskonferenz – den Irrtum meiner Wege eingesehen und eine Umkehr versucht. Ich bin Mitglied der einen, heiligen, katholischen, apostolischen Kirche unseres Herrn geworden, nicht weil ich Stuhlkreise liebe und mehr „Mitsprache“ in „Leitungsämtern“ wünsche, sondern weil ich als Sünder dringend der Erlösung durch Gott bedarf, und die Lehre der Kirche zu diesem Thema der Wahrheit entspricht.

Lieber Erzbischof Zollitsch, in einem liegen Sie jedenfalls richtig: Es hat immer schon Menschen gegeben, die kirchenferner waren als andere, und das liegt in der Natur einer Volkskirche. Doch es gibt verglichen mit früher zwei wesentliche Unterschiede: Erstens gibt es heute keine Volkskirche mehr, da 40% des Volkes eben keiner Kirche mehr angehören. Und zweitens hat man die „Kirchenfernen“ früher nicht zu Bischöfen gemacht.

Doch Seine Exzellenz ist immer noch nicht fertig. Er hat für heute immer noch nicht genug häretische oder zumindest grenzwertige Aussagen getätigt. Hier noch ein Beispiel aus demselben Interview:

Die Welt: In den Erklärungen des Papstes ist immer von „kirchlichen Gemeinschaften“ die Rede, wenn es um den Protestantismus geht. Sie aber sprechen von „Kirchen“. Ein Dissens?

Erzbischof Robert Zollitsch: Wenn ich an Deutschland denke: Die evangelische Kirche versteht sich als Kirche. Und ich respektiere das. Es geht mir nicht darum, um Begriffe zu streiten. Aber letztlich bleibt uns die Frage nicht erspart, wer unter „Kirche“ was versteht.

Immerhin rettet der Erzbischof seine Aussage mit dem letzten Satz noch vor dem gerechtfertigten Vorwurf absichtsvoller Häresie. doch seine Praxis, auf die der Interviewer anspielt, ständig von „den Kirchen in Deutschland“ zu sprechen, oder die evangelische Glaubensgemeinschaft unterschiedlos zur katholischen auch als Kirche zu bezeichnen, ohne überhaupt nur anzudeuten, dass es hier zwei unterschiedliche Arten von Institutionen gibt – eine (und nur eine) Kirche sowie viele religiöse Gruppen, von denen man manche vielleicht aus Respekt vor ihrem (falschen) Selbstbild oder aus diplomatischen Gründen als „Kirche“ bezeichnet.

Direkt darauf angesprochen, dass er diesen wichtigen Unterschied nicht macht, schreckt er dann doch davor zurück, evangelische und katholische Kirche gleichzusetzen. Er beschränkt sich darauf, dies zu problematisieren, indem er auf eine Frage anspielt, die „uns letztlich nicht erspart“ bleibe. Auffällig ist, dass er aber auch hier in keiner Form erklärt, dass es einen echten und bedeutsamen Unterschied zwischen katholischen und evangelischen Institutionen gibt. Selbst direkt auf einen entsprechenden Unterschied in päpstlichen Verlautbarungen angesprochen, verzichtet er auf eine Klarstellung seines zumindest fragwürdigen, möglicherweise häretischen Sprachgebrauchs.

Er schließt zumindest die Deutung seiner Sprachregelung zu „den Kirchen“ auf den religiösen Indifferentismus und Relativismus nicht aus. Er widerspricht ihr in keiner Form, im Gegenteil, seine Worte eignen sich sogar vorzüglich zu einer solchen Deutung. Aber er bekennt sich auch nicht offen und ehrlich zu ihr – was zwar falsch, aber wenigstens noch ehrenwert wäre.

Der Erzbischof beschreitet lieber den äußerstmöglichen Weg der Anpassung an die dumpfe Zeitgeiststimmung, der ohne offenen Bruch mit der Kirche (der EINZIGEN) möglich erscheint. Obschon der Bruch zwischen Kirche und deutschen Bischöfen ziemlich offensichtlich bereits heute vorbereitet wird. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis aus dem faktischen Schisma der deutschen Bischofskonferenz und ihres Vorsitzenden auch ein formales Schisma wird, das sich dann auch kirchenrechtlich niederschlägt.

Eine kleine Scherzfrage mit einem ernsten Kern zum Abschluss: Wenn der kanonische Status der Piusbrüder erst einmal regularisiert worden und das formale Schisma durchgezogen ist, wer wird dann der nächste Vorsitzende der deutschen katholischen Bischofskonferenz? Pater Schmidberger oder Pater Maußen? (letzterer, zumindest seinem Geburtsjahr nach, ein echter „68er“!)