Der Utilitarismus und seine Folgen

Einen sehr langen und interessanten Kommentar zu diesem Artikel habe ich erhalten, den ich der breiteren Leserschaft nicht vorenthalten möchte, da er ganz wichtige Punkte enthält, über die ich ohnehin noch schreiben wollte. Ich teile den Kommentar in einige Abschnitte, auf die ich dann eine Antwort gebe (es empfiehlt sich als Kontext den Artikel und die dazu bereits ausgetauschten Kommentare zu lesen):

Nochmal Utilitarismus vs deontologische Ethik(en): Vielleicht können wir uns ja doch evtl. darauf einigen, dass die Dinge nicht einfach, sondern komplex sind? – Zum Beispiel kann man im Rahmen einer utilitaristischen Argumentation zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen kommen: Während der eine bereit ist, anderes Leben zu opfern zum Wohl eines “wertvolleren” Lebens, kann ein anderer, ebenfalls utiltaristisch Argumentierender eben gerade dieses “wertvollere Leben” als nicht so wertvoll ansehen und dann anders entscheiden.

Genau das ist beim Utilitarismus richtig. Moral wird zu einer Frage persönlicher Präferenzen. Ich persönlich finde die Folge x gerade noch akzeptabel, weil etwas weniger schlecht als Folge y, und du siehst es umgekehrt. Moral ist im Utilitarismus letztlich notwendigerweise relativ, weil es keine allgemein akzeptable Präferenzordnung geben kann. Nutzen und Folgen sind irreduzibel und komplex. Zudem kann man die Folgen einer Handlung in realen Situationen einfach nicht verlässlich absehen. Als Grundlage einer Ethik eignen sie sich damit nicht. Wie gesagt, ich möchte damit gar nicht leugnen, dass man die Folgen einer Handlung betrachten muss, um in konkreten Situationen zu richtigen ethischen Urteilen zu kommen. Doch die Folgenbetrachtung nimmt den ihr angemessenen Platz in der ethischen Reflektion erst dann ein, wenn sie sich der vorgängigen Untersuchung der Frage, welche Arten von Handlungen denn niemals zulässig sein können, unterordnet. Beim intrinsischen Übel endet die Folgenbetrachtung, weil man sonst auch Judas freisprechen müsste: Immerhin hat er durch seinen Verrat wesentlich dazu beigetragen, dass Christus gekreuzigt wurde, auferstehen konnte und die Menschen von ihren Sünden erlöst. Judas ist der Schutzpatron des Utilitarismus.

Bei solchen Fallbeispielen, die ja in der Theorie immer eine argumentative Rolle spielen, muss man bedenken, dass sie eben nicht wirklich “praktisch” sind (nicht eine reale Lebenssituation darstellen), sondern künstlich zum Zweck der Klärung einer Position aufgestellt werden. Was ich damit sagen will, ist, dass in einer realen Situation eben situationsbezogen überlegt und gehandelt werden sollte – und das kann man im vorhinein eben nicht für alle Fälle theoretisch “festklopfen”.

Selbstverständlich sind Fallbeispiele immer problematisch. Der Verzicht auf Fallbeispiele ist besonders problematisch für den Utilitaristen, der nämlich allein im theoretischen Elfenbeinturm die Folgen seines Handelns zuverlässig ermessen kann. In der Realität stützt er seine Ethik auf oft falsche, immer aber zweifelhafte Folgenerwartungen. Die reale Komplexität menschlichen Nutzens und wirklicher Folgen verunmöglicht die Findung korrekter ethischer Urteile nach utilitaristischem Maßstab. Er scheitert bereits an den immanenten Forderungen seiner eigenen Theorie. Naturrechtliche Ethik hat dieses Problem nicht in demselben Maße. In ihr ist nämlich durchaus Platz für eine gewisse Flexibilität in konkreten Handlungen (99,9% der möglichen Handlungen sind eben nicht intrinisch falsch, so dass die Umstände durchaus wichtig für ihre moralische Beurteilung sind). Deontologische Ethiken im Gefolge Kants tendieren tatsächlich zum moralischen Rigorismus, weshalb ich sie auch nicht für den richtigen Weg halte. Doch die naturrechtliche Ethik ist nicht rigoristisch – sie hält allerdings trotzdem an der Notwendigkeit absoluter moralischer Prinzipien fest, die, in ihrer christlichen Version, als Gegebenheiten der göttlichen Schöpfungsordnung angesehen werden.

Natürlich fände ich es auch absolut unangebracht, wenn ein Seelsorger aus “Barmherzigkeit” einer vergewaltigten Frau empfehlen würde, ihr Kind abzutreiben. Aber ebenso unangebracht wäre es (das sagst Du ja selbst!), ihr in dieser Situation die “kalten” Prinzipien der Moral an den Kopf zu werfen – das wäre ziemlich lieblos. Ich plädiere dafür, in diesen Situationen mit Verständnis nach einem gangbaren Weg zu suchen – wie immer er aussehen sollte. Und Falls die Frau sich für eine Abtreibung entscheiden sollte, dann steht es uns eben nicht zu, sie moralisch zu verurteilen; denn Du kennst ja das Diktum Jesu aus der Bergpredigt: “Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet!” – Wer weiß schon, in welche Situation e r s e l b s t geraten kann und wie er dann evtl. den Moralgesetzen zuwiderhandelt …?

 Die wahren Prinzipien müssen der betroffenen Frau sanft beigebracht werden. Ihr muss jegliche Hilfe, jegliche Unterstützung angeboten werden, zu der man überhaupt fähig ist. Doch es wäre falsch, so zu tun, als ob die Abtreibung nicht immer noch ein intrinsisches Übel bliebe. Aus „Barmherzigkeit“ von der Verurteilung vorsätzlicher Tötungshandlungen gegen Unschuldige abzusehen, ist genauso absurd, wie aus „Barmherzigkeit“ eine solche Tötung zu empfehlen oder sie selbst durchzuführen. Nein, wahre Barmherzigkeit geht nicht auf Kosten des Lebens der Unschuldigen. Wahre Barmherzigkeit rettet an erster Stelle das Leben der Unschuldigen. Und wenn man Jesus zitiert, dann sollte man auch bedenken, dass das Gericht, von dem Jesus spricht, nicht die Jury der Moralphilosophen ist, sondern das göttliche Gericht, vor dem alle Menschen sich verantworten müssen. Jesus hat es mit der Ehebrecherin vorbildlich vorgemacht: Die Leute wollten sie steinigen. Er hat praktisch gesagt, man solle nicht mit Steinen werfen, wenn man im Glashaus sitzt. Aber er hat der Frau auch klar gesagt, sie solle nicht nur einfach gehen, sondern gehen und nicht mehr sündigen. Barmherzigkeit bedeutet nicht das Leugnen der Sünden, und „nicht richten“ hat nichts mit moralischer Blindheit oder Schweigen im Angesicht des Bösen zu tun, auch dann nicht, wenn die böse Handlung von einer Vergewaltigten ausgeht, die ihr Kind töten will.

Ich selbst würde dringend wollen, dass mir jemand mitteilt, wenn ich gegen das moralische Gesetz handle. Wie sollte ich sonst meine Sünden bereuen, wenn man sie mir aus „Barmherzigkeit“ verschwiege? Wahrheit und Barmherzigkeit können nicht getrennt werden. Wenn Abtreibung wirklich vorsätzliche Tötung eines Unschuldigen ist, dann ist es nicht angemessen, aus „Barmherzigkeit“ diese Tatsache zu ignorieren.

 Also eine Empfehlung an Dich (wenn ich mir das mal so erlauben darf …): Konsequente Moral als Richtschnur und Orientierung für das Leben ist unverzichtbar – und zugleich gehört in ein gelingendes Leben auch eine Herzensmilde, die Menschen in ihrer Schwachheit wahrnimmt und sie dennoch auch liebevoll annimmt. Wie das dann im einzelnen aussieht, das kann man eben nicht im vorhinein festlegen (s.o.)!

Selbstverständlichkeit gehört die Annahme der Menschen in ihrer Schwachheit dazu. Doch das bedeutet nicht, die Schwachheit nicht mehr zu benennen oder zu verschweigen. Wenn eine Frau aus Schwäche ihr Kind töten will, muss man zwei Dinge tun: Erstens, vermeiden, dass die Frau die Tötung wirklich begeht, und zweitens, die Gründe ihrer Schwachheit (in diesem Fall, die Vergewaltigung) so sanft und liebevoll wie möglich mit ihr zu besprechen und ihr bei der Überwindung ihres psychischen Notzustandes zu helfen. Wie man das konkret anstellt, kann man tatsächlich nicht im Vorhinein festlegen. Doch man kann durchaus sagen, dass es eine Weise gibt, auf die man es niemals konkret anstellen kann, nämlich, indem man die Tötung einfach zulässt und so tut, als ob sie gar keine vorsätzliche Tötung gewesen wäre. Eine Frau, die nach Vergewaltigung abtreibt, hat sicherlich eine geringere Schuld, als eine Frau, die aus nichtigen Gründen der Bequemlichkeit abtreibt. Doch die Schuld, wenn auch verringert, bleibt bestehen, und die Sünde ist objektiv dieselbe.

Zum Utilitarismus noch ein Wort und ein Denk-Beispiel: Wenn es absolut verboten ist, menschliches Leben zu töten, dann ist es auch klar verboten, ein entführtes Passiergierflugzeug abzuschießen, wenn es ganz offensichtlich auf ein Atomkraftwerd zufliegt – so ist ja auch die Rechtsprechung des BVG. Und nun: Wenn die Entführer klar gesagt haben, sie würden das Flugzeug in das AKW stürzen und wenn ebenso klar ist, dass damit hunderttausende Menschen in der nahe gelegenen Großstadt dadurch ums Leben kommen, und wenn dann genau das passiert, weil das Flugzeug (moralisch korrekt!) n i c h t abgeschossen wurde – glaubst Du, der Verantwortliche (Innen- oder Verteidigungsminister, Bundeskanzler, General oder wer auch immer) kann dann noch ruhig schlafen, weil er ja ein prima Gewissen haben müsste: “Ich habe moralisch einwandfrei gehandelt, mir kann keiner was vorwerfen!” Glaubst Du wirklich, dass er nicht denken würde: “ich hätte diese grausame Katstrophe verhindern können, wenn ich dieses Flugzeug hätte abschießen lassen, auch wenn dadurch einige hundert unschuldige Menschen geopfert worden wären”. Glaubst Du nicht, dass diese Bürde ihn sein Leben lang verfolgen würde? – Ich sage dies nur aus einem einzigen Grund: Das “wirkliche Leben” kann uns tatsächlich in äußerste moralische Bedrängnis bringen – und ich jedenfalls würde diesen Verteidigungsminister sehr gut verstehen, wenn er das Flugzeug hätte abschießen lassen, auch wenn er im vorhinein natürlich nicht hätte wissen können, ob es nicht doch auch eine andere Lösung gegeben hätte, die Katastrophe zu verhindern (vielleicht hätten ja einige Passagiere die Entführer noch im letzten Moment überwältigt, wie damals bei dem einen Flugzeug in USA 2001).

Ach ja, da ist es wieder, das Fallbeispiel! Ja, ich stimme dem Gericht zu, dass es unzulässig wäre, ein Gesetz zu verabschieden, nach dem die Tötung von Menschen gerechtfertigt werden könnte, um ein (angeblich) größeres Übel zu verhindern. Menschenleben dürfen nicht gegen Menschenleben aufgerechnet werden. Wenn ein konkreter Entscheidungsträger vor diese Situation gestellt wird, dann wird er eine Entscheidung treffen müssen, mit der er leben kann. Entschließt er sich zum Abschuss des Passagierflugzeugs, so muss er damit leben, dass er viele Menschen getötet hat, um viele Menschen zu retten. Er könnte sich strafrechtlich auf etwas berufen, was man übergesetzlichen Notstand nennt. Es gibt Fälle, für die das Gesetz nicht gemacht ist, und für die kein Gesetz gemacht werden kann. Der Entscheidungsträger muss die Verantwortung selbst übernehmen, und zwar nicht nur die politische, sondern auch die moralische. Ich weiß nicht, ob ich selbst noch schlafen könnte, egal wie ich mich entscheiden würde. Aber in letzter Konsequenz, wenn Leben gegen Leben steht – und nicht, wie bei der Vergewaltigung, Leben gegen psychischen Schmerz – haben wir eine andere Situation. So hat die Kirche Abtreibung immer grundsätzlich und ohne Ausnahme abgelehnt, auch bei Lebensgefahr für die Mutter. Und dennoch ist es nach ihrer Lehre zulässig, eine Operation zur Lebensrettung der Mutter zu unternehmen, bei der als Nebenfolge (nicht als beabsichtige Folge) das Kind stirbt. Die Tötung des Kindes darf nicht intendiert sein, aber wenn sie bei der Lebensrettung als Nebenfolge passiert, ist das durchaus zulässig. Ähnlich würde ich den Fall mit dem Flugzeug sehen, das auf ein AKW zusteuert. Wenn der Entscheidungsträger die Rettung des AKW befiehlt, und als Nebenfolge dieser Rettung das Flugzeug abgeschossen wird, dann wäre es zulässig, wenn es auch immer noch schlaflose Nächte bereiten würde. Hier haben wir einen Fall der Anwendung moralischer Prinzipien. Man darf und muss in der Anwendung flexibel sein, aber nicht, wenn dies den Bruch mit dem moralischen Gesetz bedeutet. In letzter Konsequenz darf man nicht Böses intendieren, um Gutes damit zu erreichen.

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35 weltliche Argumente gegen Verhütung

Vor einiger Zeit hatte ich die Gelegenheit, mit einer Anhängerin künstlicher Verhütung über dieses Thema auf selten sachliche Weise zu diskutieren. Sie akzeptierte keine religiösen Argumente, und katholisch war sie auch nicht. Aus ihrer Sicht war Abtreibung zwar moralisch falsch, doch Verhütung eine große Errungenschaft. Besonders die „Pille“ schien ihr eine großartige Erfindung zu sein, und trotz aller Sympathie mit der katholischen Moral in anderen Bereichen schien ihr die Haltung der Kirche hier vollkommen rückständig zu sein. Obwohl das Gespräch zuweilen die üblichen Leidenschaften hervorrief, blieb es überraschend sachlich. Da ich der festen Überzeugung bin, dass die katholische Sexualmoral auch in rein weltlicher Hinsicht vollkommen rational ist, versuchte ich ihr die Rationalität dieser Position ohne Bezug auf religiöse Prämissen deutlich zu machen.

Auch die üblichen naturrechtlichen Argumente konnten in dieser Debatte mangels philosophischen Vorwissens der Gesprächspartnerin keine Anwendung finden.

Die folgende Liste ist eine Art Zusammenfassung der von mir vorgebrachten Argumente, die sie zwar nicht zum Umdenken, aber doch zur Nachdenklichkeit veranlasst haben.

Sollten meine Leser noch weitere Argumente gegen künstliche Verhütung kennen, die nicht auf religiösen Prämissen basieren, werde ich sie gern dieser Liste hinzufügen. Ähnliches gilt für weiterführende (nicht-religiös argumentierende) Links zum Thema.

  1. Durch die große Verfügbarkeit der Pille und ihre relativ hohe Zuverlässigkeit bei korrekter Anwendung war abzusehen, dass eine Erwartungshaltung einsetzen würde: Wenn zwei Menschen miteinander Sex haben, wird verhütet, es sei denn man entschließt sich ausnahmsweise ein Kind zu bekommen. Empfängnis wird daher zu einer (selten getroffenen) Entscheidung
  2. Die Verwendung künstlicher Chemikalien zur Regelung natürlicher Körperfunktionen sollte selbst abgesehen von allen anderen Erwägungen mit großer Vorsicht verwendet werden. Ein so tiefer Eingriff in den weiblichen Körper ist eigentlich nur zu verantworten, wenn ein wirklich triftiger Grund dafür besteht. Schwangerschaft ist aber keine Krankheit, also ist die „Pille“ auch keine Medizin
  3. Durch massenhaften Gebrauch hormoneller Verhütungsmittel hat eine signifikante Erhöhung des Anteils weiblicher Hormone in der Umwelt, vor allem im Wasser, stattgefunden. Dies führt unter anderem zur Reduktion männlicher Fruchtbarkeit.
  4. Die Pille hat eine Vielzahl von Nebenwirkungen, die nach langjähriger Erfahrung langsam aber sicher zum Vorschein kommen. Unter anderem reduziert sie nach langer Einnahme die weibliche Fruchtbarkeit dauerhaft
  5. Sie kann eine frühabtreibende Wirkung haben und führt daher, wenn viele Frauen sie verwenden, zu vielen Abtreibungen. Die Dunkelziffer ist unbekannt. Aber allein in Deutschland verhüten mindestens zehn Millionen Frauen. Wenn nur in 1% der Fälle die frühabtreibende Wirkung auftritt, dann sind das immer noch 100000 Frühabtreibungen pro Jahr, die in keiner Statistik auftauchen
  6. Es wird generell angenommen, dass alle Frauen für den Arbeitsmarkt verfügbar sind (schließlich kann die Mutterschaft fast permanent herausgeschoben werden, indem man sich mit Hormonen voll stopft.)
  7. Männer müssen nicht mehr um eine Frau werben, sondern können die „billige schnelle Nummer“ geradezu erwarten.
  8. Aus diesem Grund sinkt der Respekt vor der Würde der Frau
  9. Kinder werden zur Ausnahme, die Gesellschaft verliert ihre Jugendlichkeit und verwandelt sich langsam in ein sterbendes Altersheim.
  10. Da ein Paar jetzt frei entscheiden kann, ob und wann sie ihre Kinder bekommen, wird die „unerwünschte Schwangerschaft“ plötzlich als großes Übel gesehen. Da auch die Pille nicht 100% zuverlässig ist (und oft nicht sachgerecht eingesetzt wird), kommt es immer noch zu vielen „unerwünschten Schwangerschaften“, doch die Mentalität, dass man ja ein Recht darauf hat zu entscheiden, ob und wann man Kinder bekommt, entsteht ein starker gesellschaftlicher Druck zur Legalisierung der Abtreibung.
  11. Da es weniger Kinder gibt, rücken in der nächsten Generation weniger Beitragszahler nach, die aber mehr Rentner und Kranke versorgen müssen. Folglich bricht langfristig das solidarische Renten- und Krankenversicherungssystem zusammen. Privatisierung dieser Systeme und „Abschalten der Alten“ aus wirtschaftlichen Erwägungen (Euthanasie, Sterbehilfe) sind die Folge.
  12. Da es weniger Kinder gibt, werden Familien mit vielen Kindern immer mehr zur Ausnahme. Ein gesellschaftlicher Druck, nur eines oder zwei Kinder zu haben, entsteht. Die Gesellschaft wird allgemein mehr an den Bedürfnissen der Erwachsenen als der (wenigen) Kinder ausgerichtet.
  13. Durch die Abkoppelung von Sexualität und Fortpflanzung entsteht der Eindruck, die beiden hätten nichts miteinander zu tun. Wenn man Sex ohne Kinder haben kann, warum dann nicht auch Kinder ohne Sex? (Künstliche Befruchtung, Designerbabys usw.)
  14. Da ein Paar nur noch ein oder zwei Kinder hat, entsteht ein Druck zur Perfektion. Wenn man nur „eine Chance es hinzubekommen“ hat, neigt der Mensch allgemein zum Perfektionismus. Ein guter Teil des heutigen übertriebenen „Bildungswahns“ im Bürgertum kommt daher. Das eine Kind, der Prinz oder die Prinzessin, müssen toll, perfekt, wunderbar sein.
  15. Aus diesem Grund geht auch das Ansehen behinderter Kinder (Down-Syndrom und dergleichen) wieder zurück. Alle Eltern wünschen sich gesunde Kinder. Wenn man nur eines bekommt, ist halt kein Platz für Behinderte. Und außerdem hat die Gesellschaft sich wie oben erwähnt mehr entsprechend der Bedürfnisse der Erwachsenen ausgerichtet, so dass für solche Kinder kein Platz mehr ist. Sie werden heute meist abgetrieben.
  16. Wird die chemische Manipulation des eigenen Körpers durch hormonelle Verhütung erst einmal selbstverständlich, sinken die Hemmschwellen für andere Eingriffe in den menschlichen Körper. Zunehmend erscheint der menschliche Körper daher als „Nutzware“ und „Biomasse“
  17. Wenn die menschliche Fortpflanzung vom Menschen geregelt wird, leistet dies zumindest unbewusst einer Mentalität Vorschub, derzufolge der Mensch berufen sei, alles zu kontrollieren, das Machbare auch machen zu müssen, wenn es ihm Vorteile zu bringen scheint. Hemmschwellen sinken allgemein.
  18. Da die Pille als „praktisch sicher“ gilt, gehen auch die Hemmschwellen zum beiläufigen Sex mit verschiedenen (oft unbekannten) Partnern zurück. One-Night-Stands und kurzfristige Lebensabschnittspartnerschaften werden so selbstverständlich, dass Ehe und Familie völlig aus dem Blick geraten (man kann ja verhüten, nicht wahr?)
  19. Aus diesem Grund wachsen junge Generationen mit dem Wissen auf, dass Sex nichts Besonderes ist, sondern an jeder Straßenecke zu haben. Wie sollen solchermaßen erzogene Menschen (vor allem Männer) eine langfristige Bindungsfähigkeit und Verlässlichkeit erwerben? Die Folge ist, dass immer mehr Menschen einfach gar nicht ehefähig sind. Sie haben nie gelernt, ihre sexuellen Triebe über längere Zeit zu beherrschen, wie werden sie also reagieren, wenn die attraktive Sekretärin vorbeigeht?
  20. Daher steigen eheliche Untreue, und als Folge Scheidung, vaterlose Kinder und viele andere gesellschaftliche (und oft für die Beteiligten schwere psychische) Probleme drastisch an. Selbst wenn es nicht zur Scheidung kommt, führt dies zu unglücklichen Ehen.
  21. Da die Pille trotz ihrer Reputation als „praktisch sicher“ eben keine völlige Sicherheit bietet, die Menschen aber viel öfter Sex haben als früher, kommt es trotz allem noch zu mehr „ungewollten Schwangerschaften“ als vorher. Wiederum wachsen daher mehr Kinder außerhalb der Ehe auf, und ihnen fehlt mindestens ein Elternteil.
  22. Da es durch die Pille wesentlich mehr Alleinerziehende, Geschiedene, Kinder aus zerbrochenen Familien und allgemein Hilfsbedürftige gibt, steigen Kinderarmut und Verwahrlosung sowie weitere soziale Übel massiv an. Der Ruf nach staatlicher Intervention ertönt. Immer mehr Menschen werden abhängig vom Staat, was die sozialen Kassen stärker belastet, während zugleich aufgrund der geringeren nachwachsenden Einzahlerbasis weniger Geld da ist.
  23. Missbrauch von Kindern steigt an (vor allem im sexuellen Bereich, da der größte Anteil des sexuellen Missbrauchs von beiläufigen Lebensabschnittspartnern der Mütter ausgeht, die die Kinder als Konkurrenz und ungewollte Erinnerung an frühere Partner und potenzielle Rivalen ansehen).
  24. Da die Pille (wie oben mehrfach gezeigt) zur Normalisierung der Abtreibung beiträgt (und Hemmschwellen abbaut, da sie selbst frühabtreibende Wirkungen haben kann), sind ihr auch alle schädlichen Auswirkungen der Abtreibung, inklusive der Millionen kleiner Kinderleichen, teilweise anzukreiden.
  25. Unter der Illusion, dass Fortpflanzung vom Menschen gesteuert werden kann, vergisst der Mensch die natürlichen moralischen Grenzen seines Handelns. Ein Tabubruch führt immer zum Nächsten.
  26. Da man durch die Pille Frauen ermöglicht, ihre persönliche sexuelle Identität von der Rolle der Mutter abzukoppeln, leistet man der sexuellen Verwirrung Vorschub, die heute weit verbreitet ist. Was bedeutet es eine Frau zu sein? (Dasselbe gilt für Männer und ihre Väterrolle) [Anmerkung: Das war natürlich der Sinn der Sache. Darum haben die Feministen die Pille so in den Himmel gehoben. Doch waren die Auswirkungen wirklich so gut?]
  27. Der Frau wird ein wesentliches Argument gegen beiläufigen Sex aus der Hand geschlagen (Wie, du willst keinen Sex? Du magst mich offenbar nicht. Denn daran, dass du einfach keine Kinder willst, kann es ja nicht liegen. Da könntest du ja verhüten!).
  28. Da Sex nicht mehr mit großen Konsequenzen und einer lebenslangen Verantwortung verbunden ist, entsteht eine Erwartungshaltung, früher und immer früher dem Sexualtrieb nachzugehen. Es entsteht daraus ein psychischer Druck an Schulen und anderswo, bereits mit 16, mit 15, mit 14, mit 13 Jahren (und in Zukunft vielleicht noch früher?) Sex zu haben. Ein langsames, unschuldiges Erforschen des eigenen Sexualtriebs, wie viele wohlmeinende „sexuelle Revolutionäre“ erhofft hatten, sieht ganz anders aus.
  29. Aufgrund eines sorgloseren Umgangs mit der Sexualität kommt es zur explosionsartigen Verbreitung von Geschlechtskrankheiten (ein Drittel der sexuell aktiven achtzehnjährigen Mädchen in den USA hatte in ihrem Leben mindestens eine Geschlechtskrankheit!). Leid und Tod sind die Folge. Wo wäre Aids ohne „freie Liebe“ von allem mit jedem? Ganz einfach im Westen praktisch nichtexistent!
  30. Eine Gesellschaft, in der die meisten Frauen über viele Jahre Hormontherapien durchführen, um neues Leben zu verhindern, behandelt die Fruchtbarkeit der Frau exakt genauso wie eine chronische Krankheit. Diese Art Einstellung zu neuem Leben wird sich notwendigerweise auch auf alle anderen Lebensbereiche übertragen. („Kultur des Todes“)
  31. Weniger Kinder heißt immer Bevölkerungsrückgang. Mehr und mehr Einwanderer werden benötigt, um den Lebensabend der vielen Kinderlosen zu finanzieren. Die gewachsene Kultur eines Landes geht in die Brüche.
  32. Durch die Millionen Einwanderer kommt es zu weiteren Rissen im sozialen Gewebe, dem nun, zusätzlich zu allen anderen Problemen, auch noch der ethnisch-nationale Zusammenhalt fehlt (und wenn der fehlt: siehe Balkan)
  33. Kinderarmut führt zur Alterung der Gesellschaft. Ältere Gesellschaften sind weniger produktiv; die meisten technischen Neuerungen kommen von relativ jungen Leuten; dies führt zu weniger Wirtschaftskraft und weniger Wohlstand, was den Teufelskreis des sozialen Zusammenbruchs noch weiter vorantreibt.
  34. Dynamik und Fortschrittsgeist (!) gehen verloren. Am Ende fressen die Auswirkungen der Pille sogar die Träume der Fortschrittsfanatiker!
  35. Die tiefe Verbundenheit von Mann und Frau wird durch die Fixierung aufs Sexuelle in ihrem Wesen herabgesetzt. Sie verliert ihre kosmische, wundervolle, mystische Dimension. Sex ist kein Geheimnis (lat. Mysterium) mehr, sondern normaler Alltag.

Am Ende lässt sich feststellen, dass die Verwendung künstlicher Verhütungsmittel im Allgemeinen schon aus rein weltlichen Motiven heraus abzulehnen ist. Die negativen Folgen sind so immens, dass die Einführung der „Pille“ das gesamtgesellschaftliche Gleichgewicht so sehr durcheinander gebracht hat, dass selbst ein totaler Kollaps nicht mehr ausgeschlossen erscheint. Die Ablehnung künstlicher Verhütungsmittel ist daher ein notwendiger Teil der rein weltlichen Antwort auf die Krise unserer Zeit.

Gift und Gegengift – Ein Einschub (Teil 7)

Nach einer Betrachtung allgemeiner Grundzüge des atheistischen Kommunismus in den ersten fünf Teilen befinden wir uns nun in einem Einschub zum Liberalismus. Wir hatten im sechsten Teil einige Grundbegriffe eines katholischen Freiheitsverständnisses anhand der Enzyklika „Libertas Praestantissimum“ von Papst Leo XIII. aus dem Jahre 1888 beschrieben und festgestellt, dass in wesentlichen Punkten ein Konflikt mit dem Liberalismus auftritt, welchen zu beleuchten nun Aufgabe dieses Teils sein soll:

Zur Einstimmung ein Zitat aus Libertas Praestantissimum:

„Wenn man, so oft überhaupt von Freiheit die Rede ist, darunter die gesetzmäßige und sittliche Freiheit verstände, wie die gesunde Vernunft und unsere Darlegung sie erwiesen haben, würde niemand es wagen, die Kirche zu tadeln. Leider geschieht es, indem man ihr in höchst ungerechter Weise den Vorwurf macht, sie wäre eine Feindin der Freiheit des Einzelnen oder des Staates. Sehr viele Folgen dem Beispiele Luzifers, der das gottlose Wort sprach: „Ich werde nicht dienen“, und streben im Namen der Freiheit eine unsinnige Zügellosigkeit an. Dazu gehören die Anhänger jener so weit verbreiteten und so mächtigen Sekte, die Liberale genannt werden wollen, indem sie ihren Namen von der Freiheit (libertas) herleiten. „

In diesem Zitat ist nicht nur das Übel des Liberalismus als solches benannt, sondern auch noch die Person Luzifers, nach dessen Vorbild die Liberalen, ob absichtlich oder unwissentlich, handeln, wenn sie das fordern, was nach ihren Begriffen Freiheit, in Wahrheit jedoch nur Abhängigkeit von der Sünde ist.

Einige wesentliche Grundideen des Liberalismus sind der Rationalismus, die Unabhängigkeit der Moral und die Bedeutung des Volkswillen. Der Reihe nach beginnen wir mit dem Rationalismus:

Der Rationalismus besagt, dass die Vernunft allein (unter Ausschluss des Glaubens) dem Menschen wahre Erkenntnis ermöglicht. Als objektiv und wirklich gültig kann demnach nur das gelten, was allein unter Gebrauch der Vernunft, und darunter ist die instrumentelle, wissenschaftliche Vernunft zu verstehen, zweifelsfrei aufgewiesen werden kann. Wenn nun nach Wittgenstein der Grundsatz gilt, man könne die wichtigsten Dinge, worunter er Moral und Religion rechnete, nicht sagen, sondern nur zeigen, also nicht mit formal logischer Strenge und demonstrativer Sicherheit aus unbezweifelbaren Prämissen herleiten, sondern nur aufweisen, darlegen, dann schließt dies für den Katholiken keinesfalls die Möglichkeit aus, dass auch dieses „zeigen“ noch rational sein kann. Doch der Rationalismus und mit ihm der Liberalismus kann dies nicht dulden. Was nicht logisch oder naturwissenschaftlich zu beweisen ist, kann keine objektive Geltung verlangen. (Was für Moral und Religion bedeutet, dass sie ihre Rechtfertigung aus dem Bereich der persönlichen Erfahrung beziehen müssen, und damit ihre Objektivität und Rationalität verlieren. Im Bereich der Religion ist diese Verlagerung ihrer Rechtfertigung in den Bereich der subjektiven Erfahrungen die Wurzel der modernistischen Irrlehre.)

Doch wenn man Moral und Religion nach den Kriterien des Liberalismus gar nicht rational beweisen kann, dann sind verschiedene moralische Vorstellungen und religiöse Bekenntnisse in letzter Konsequenz nur private, subjektive Optionen. Der gemäßigte Liberalismus duldet ihre Ausübung im Privatbereich durchaus und sehr viele gemäßigt Liberale leben im privaten Bereich durchaus eine sehr strenge Sittlichkeit und ein festes religiöses Bekenntnis aus. Doch im öffentlichen Raum können Moral und Religion dann nichts mehr zu suchen haben. Denn öffentliche Entscheidungen sollten eine rationale Basis haben und nicht der Willkür der Herrscher entspringen. Was staatliches Gesetz wird, was also nach bürgerlichem Gesetz untersagt ist, kann nun nicht mehr dem Glauben oder der sittlichen Wahrheit entspringen, sondern nur noch einer Mehrheitsentscheidung.

Wenn es gar kein objektives Sittengesetz und keinen objektiv wahren Glauben gibt (wie es der radikale Liberalismus behauptet), dann darf sich das menschliche Gesetz natürlich nicht nach diesen Fiktionen richten. Im Namen der Freiheit sind dann immer noch Menschen zu dulden, die diesen Fiktionen anhängen, doch dürfen diese Fiktionen keinen Einfluss auf die Findung menschlicher Gesetze haben.

Wenn der Liberale meint, es gebe ein objektives Sittengesetz und einen wahren Glauben, dies jedoch aus seiner religiösen Erfahrung und seinem privaten Gewissen ableitet, so stellt sich die Lage nicht anders dar. Sein Gewissen sagt ihm etwas und seine religiöse Erfahrung auch, aber sein Gewissen und seine Erfahrung sind subjektiv, privat und nicht geeignet, anderen Menschen Vorschriften zu machen. Menschliche Gesetze vermögen dieses Gewissen und diese religiöse Erfahrung nicht zu rechtfertigen. Doch da jedes Gesetz einer Legitimation bedarf, muss auch der gemäßigt Liberale menschliche Gesetze ablehnen, die sich moralisch oder religiös begründen.

Als Basis für menschliche Gesetze ist damit nur noch die Willensentscheidung der Volksmehrheit verfügbar. Eine Gesellschaft gibt sich dann selbst die Gesetze, nach denen sie leben will. Sie muss dies dann nach den Mehrheitsverhältnissen im Rahmen einer demokratischen oder republikanischen Staatsverfassung tun. (Monarchien sind damit per se illegitim und unterdrückerisch, was auch christlicher Sicht nicht notwendigerweise so ist).

Diese drei Grunddogmen des Liberalismus – Rationalismus, Unabhängigkeit von Moral und Volkssouveränität – prägen das Staatsverständnis des Liberalen. Für den Liberalen ist der Staat nur noch zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung da, die sich das Volk selbst gegeben hat. Um die Stärkung des menschlichen Willens im Angesicht moralischer Versuchungen oder gar den Schutz vor das Seelenheil bedrohenden Irrlehren geht es dem Liberalismus überhaupt nicht mehr. Eine derartige Funktion wäre für den Liberalen völlig unvereinbar mit dem eigentlichen Staatszweck, nämlich der Sicherung möglichst großer persönlicher Entscheidungs und Gestaltungsfreiheiten für die menschlichen Individuen.

Wenn Moral und Religion Privatsache sind, oder zumindest bei der Gesetzgebung keine Rolle spielen dürfen, ist ein nach utilitaristischen Gesichtspunkten gesetztes Recht die logische Folge. Verboten ist, gemäß liberalem Dogma, dann nur noch das, was der demokratische Staat tatsächlich verbietet, und das auch nur, sofern die Begründung des Verbots weder moralischer noch religiöser Natur ist.

Dies ist eine gefährliche Irrlehre, weil alle ihre drei Grundprinzipien falsch sind.

Der Rationalismus ist falsch, weil der menschliche Verstand selbst ohne die Hilfe der Offenbarung zu Einsichten fähig ist, welche nicht dem logischen oder wissenschaftlichen Standard der Rationalisten genügen. Dazu zählen etwa das dem Menschen ins Herz geschriebene Wissen um das natürliche Sittengesetz und auch echtes intuitives Wissen. Zudem ist der Rationalismus falsch, weil es echtes Glaubenswissen gibt.

Die Unabhängigkeit der Moral ist falsch, weil jeder Mensch in seinem Herzen wahre moralische Prinzipien vorfindet, die objektive Gültigkeit haben, und gegen die zu handeln kein Mensch berechtigt sein kann, und weil der Mensch, wie C.S. Lewis in The Abolition of Man (deutsch: Die Abschaffung des Menschen) formvollendet nachweist, überhaupt gar kein anderes moralisches Gesetz „erfinden“ kann als das, was er in seinem Herzen vorfindet, und seine „neuen“ Ideen zu diesem Thema immer nur aus partieller Missachtung dieses moralischen Grundwissens ziehen kann.

Die Lehre von der unbeschränkten Volkssouveränität ist falsch, weil auch das Volk in seiner Gesamtheit oder Mehrheit immer an das natürliche Sittengesetz gebunden ist. Auch die Mehrheit darf keine unmoralischen Gesetze beschließen.

Insgesamt ist die Lehre des Liberalismus falsch, weil auch der Staat die Gebote Gottes befolgen muss. Sie gelten nicht nur für alle Individuen in einem Staat, sondern auch für den Zusammenschluss dieser Individuen im Staat. Es gibt zudem keine Privatmoral, da Moral immer das Handeln von Menschen zum Gegenstand hat, und der Mensch ein Gemeinschaftswesen ist, das immer in der einen oder anderen Form mit Anderen interagiert und sie durch sein Handeln beeinflusst.

Daraus ergeben sich allerlei Folgerungen, die Papst Leo auch zieht, und die hier nur kurz erwähnt werden sollen: Sowohl die moderne Religionsfreiheit, als auch ihre Äquivalente hinsichtlich anderer Gesellschaftsbereiche (Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, allgemein Gewissensfreiheit usw.) können nicht durch das natürliche Recht gedeckt werden. Es ist oft sinnvoll, Toleranz zu üben, wenn Menschen verschiedener Religionen, Ansichten, Gewissensentscheidungen usw. zusammenleben, wie dies im modernen Staat in der Regel der Fall ist. Dies kann auch bedeuten, dass man die Ausübung falscher Religionen, das Äußern häretischer Ansichten, das Ausleben des irrenden Gewissens usw. faktisch duldet und diese Duldung sogar zum staatlichen (menschlichen) Gesetz erhebt, solange man beachtet, dass diese Freiheiten eben vom Menschen gemacht und vom Staat aus gutem Grunde eingerichtet worden sind, dass sie aber weder absolut noch universell noch Voraussetzung einer guten gesellschaftlichen Ordnung sind.

Der Liberalismus ist aufgrund seiner zahlreichen Irrtümer und auch aufgrund seiner praktischen Folge, einem Verfall der nun nicht mehr unter öffentlichem Schutz stehenden Sitten, keinesfalls als Alternative zum atheistischen Kommunismus zu empfehlen. Er mag kurzfristig zu einem kleineren Leichenberg führen, doch ist die durch den Liberalismus verursachte Auflösung des Fundamentes des wahren Glaubens und des natürlichen Sittengesetzes ein fruchtbarer Boden für eine Unzahl anderer Ideologien, darunter auch der Kommunismus, die selbst diesen scheinbaren Vorzug des Liberalismus relativieren.

Als Alternative zum Kommunismus ist er für den Katholiken also keinesfalls tauglich. Im nächsten Teil werden wir wieder zur Enzyklika „Divini Redemptoris“ zurückkehren und die Antwort der Kirche auf die Herausforderungen von atheistischem Kommunismus und Liberalismus skizzieren.

Bischof Tebartz-van Elst zu Ehe und Familie (Teil 1 von 2)

Die katholische Kirche in Deutschland hat in den letzten gut 40 Jahren gesellschaftspolitisch weitgehend stillgehalten. Ob Verhütung, Abtreibung, Zerstörung der traditionellen Familie, Feminismus und Gender Mainstreaming, Homo-Ehe, Künstliche Befruchtung, PID und zunehmend auch Euthanasie – die Revolution der letzten gut 40 Jahre ist selten anders als mit Schulterzucken, Gleichgültigkeit und einzelne, selbst innerhalb der Kirche marginalisierte unerschrockene Wortmeldungen begleitet worden. Durch die stillschweigende Duldung, die mit der Reaktion auf Humanae Vitae und in der Frage der zur Tötung der Unschuldigen berechtigenden Beratungsscheine teilweise gar in direkte Unterstützung der vom Seligen Papst Johannes Paul II. so benannten „Kultur des Todes“ ausgeartet ist, war hierzulande die einzige ernstzunehmende Opposition verstummt. In Deutschland wurde die Kirche wie in den meisten anderen westlichen Ländern natürlich immer noch diffus als Hüterin des Lebensrechts, der natürlichen Familie und des natürlichen Todes wahrgenommen und entsprechend diffamiert – doch die Bischöfe taten sehr wenig, um diesen diffusen Ruf mit Leben, Inhalt und vor allem Argumenten zu füllen. Eine Situation, die auf Gemeindeebene, von einigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen, wenn überhaupt noch schlimmer aussah.

Und mehr noch, eine Situation, die sich bis heute nicht geändert hat, auch wenn mit Bischof Tebartz-van Elst aus Limburg als Familienbischof mal wieder ein Hirte den Mund zu solchen Fragen öffnet, und vor der Lehre der Kirche nicht davonläuft. Im Folgenden das WELT-Interview mit dem Bischof von Limburg vom 5. Dezember präsentiert und wie üblich in rot kommentiert.

Welt Online: Der Streit über das Betreuungsgeld für Eltern gleicht einem Glaubenskampf. Wie steht der katholische Familienbischof dazu? (Schon dass man diese Frage überhaupt stellen muss, sagt uns viel über das angstvolle Schweigen seitens des deutschen Episkopats.)

Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst: Aus Sicht der Kirche begrüße ich alle Initiativen, die den Erziehungsauftrag der Eltern unterstützen. Wo Eltern in der Lage sind, ihren Kindern in den ersten drei Lebensjahren (warum nur in den ersten drei Jahren? Warum die Anpassung an die Kindergartenmentalität? Ist die „Selbstverwirklichung“ der Eltern danach erste Priorität für den „Familienbischof“? Warum nutzt man nicht die Gelegenheit zu deutlichen Aussagen über Grundsatzfragen?) all das zu geben, was der seelischen und leiblichen Entwicklung des Kindes dient, sollte der Staat dies unbedingt fördern – auch um das Bewusstsein wachzuhalten, dass eine verlässliche Mutter-Kind- und Eltern-Kind-Beziehung nicht adäquat durch andere Einrichtungen ersetzt werden kann. (Das ist soweit richtig. Aber das trifft auf das vierte, fünfte, sechste… Lebensjahr genauso zu. Auch dass Eltern ihre Kinder in Kindergärten abladen, um nicht mehr von ihnen behindert zu werden, während sie ihren erlauchten Selbstverwirklichungsträumen nachhechten, ist nicht gerade eine löbliche Entwicklung. Zumal Kinder in Kindergärten heutzutage generell nicht gerade im christlichen Geiste erzogen werden, selbst in sogenannten katholischen Kindergärten.)

Welt Online: Daraus spricht Skepsis gegenüber Kinderkrippen. (Maria hätte ihren Sohn niemals weggegeben, und Joseph auch nicht. Die heutigen Ablagehalden für Kinder sollten nicht denselben Namen tragen, wie die Krippe, in der das Jesuskind liegt… Ich schlage vor: Kind-Zentralisationslager)

Tebartz-van Elst: Der Erziehungsauftrag der Eltern hat auch nach unserem Grundgesetz unbedingte Priorität. (Ja, nach unserem Grundgesetz ist das so. Welche kindliche Naivität veranlasst den Bischof zu glauben, das Grundgesetz spiele in der heutigen Republik noch irgendeine nicht-antiquarische Rolle? Im Grundgesetz steht auch das Recht auf Leben, das seit Jahrzehnten von allen relevanten politischen Kräften rituell mit Füßen getreten wird. Und spätestens seit dem Knebelvertrag von Lissabon ist die Bundesrepublik ohnehin nur noch von historischem Interesse und faktisch längst eine Sowjetrepublik der EU)

Welt Online: Und wenn Eltern nicht in der Lage sind, diesen Auftrag zu erfüllen?

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Tebartz-van Elst: Wo Eltern dieser Verantwortung nicht angemessen nachkommen können, sind Kinderkrippen immer die zweitbeste Lösung. (Nein. Das wären Großeltern und andere Verwandte. Alternativ könnte ein solches Kind auch per Adoption Eltern gegeben werden, welche tatsächlich ein Interesse an dem Kind entwickeln, und es nicht bloß als Konsumgut sehen. Ein Kind in eine so genannte „Krippe“ zu geben, gerade wenn man bedenkt, was das vorherrschende ideologische Gedankengut ist, das hinter der Krippenidee steht, ist nichts als eine besonders subtile und daher besonders perfide Form der Kindesmisshandlung. Ja, es mag Ausnahmen geben. Doch Krippen apodiktisch als „zweitbeste Lösung“ darzustellen, ist schlicht falsch.)  Zielrichtung aller Bemühungen um das Wohl des Kindes muss deshalb für die Politik die Stärkung der Eltern in ihrer Erziehungsverantwortung sein.

Welt Online: Was „Familie“ ist, darüber scheint es heute in der Gesellschaft keinen Konsens mehr zu geben. Hat es der Bischof und Theologe leichter mit einer Definition?

Tebartz-van Elst: Theologisch gesehen ist Familie „Kirche im Kleinen“, ecclesiola, Abbild des Bildes Gottes mit den Menschen und Zeichen seiner unwiderruflichen Treue. (Schöne Worte. Teilt das noch ein anderer Bischof so?) Gesellschaftspolitisch betrachtet ist Familie das, was das Grundgesetz definiert: die Keimzelle unseres Gemeinwesens. Beides beschreibt, was Familie bedeutet. (Ja, doch da gibt es noch die Soziallehre der Kirche, die ebenfalls etwas zur Familie sagt, was Bischof Marx, der sich scheinbar zum obersten Soziallehrer der Bischofskonferenz berufen fühlt, gern verschweigt. Ich empfehle die Enzykliken der Päpste zu diesem Thema – Links siehe auf der Seite „Lehre der Kirche“ auf diesem Blog, oder am Ende dieses Artikels.)

Welt Online: Das Begriffspaar Ehe und Familie ist für die Kirche nicht aufzulösen, aber offensichtlich für die Gesellschaft … (Die Säure des Modernismus zerfrisst alles. Sie löst alles auf, selbst die grundlegenden Bausteine der Gesellschaft. Doch damit sägt sich die Gesellschaft den Ast ab, auf dem sie sitzt, solange es ihr nicht gelingt, den fortpflanzungsprozess in Laboratorien zu synthetisieren und damit auch praktisch von der Sexualität zu trennen. Welche Folgen das haben wird, werden wir, falls das System lange genug durchhält, womöglich noch sehen. Ich empfehle Huxleys Brave New World zu dem Thema. Er war zwar Atheist, aber dennoch zuweilen prophetisch.)

Tebartz-van Elst: …und das halte ich für äußerst problematisch. (Problematisch ist eine schwache Formulierung für „absolut katastrophal“) Denn wo, wenn nicht in der Familie, lassen sich die Ausprägung von Personalität, das Erlernen von Solidarität und das Praktizieren von Subsidiarität besser erfahren? (Solidarität und Subsidiarität: Zwei wesentliche Grundsätze der Soziallehre) Zu diesem unverwechselbaren Lebensentwurf von Ehe und Familie kann es deshalb aus christlicher Sicht keine Alternative geben. (Aus christlicher Sicht? Handelt es sich bei Ehe und Familie also um eine Art christliche Sonderlehre, die sich speziell aus der christlichen Offenbarung ergibt? Seltsam, ergibt sich doch nach der naturrechtlichen Ethik das Verständnis von Ehe und Familie, welches auch die Kirche teilt, bereits durch die natürliche Vernunft.)

Welt Online: Sie meinen, mit ihrem Familienbild sei die Kirche up to date. In politischen Debatten sieht sie eher alt aus. (Welche politischen Debatten? Die Kirche schweigt sich weitgehend aus.)

Tebartz-van Elst: Wir sind mit unserem Verständnis von Ehe und Familie up to date, weil junge Menschen sie nach wie vor in ihrer Lebensplanung als erstrebenswert erachten und sie an die erste Stelle setzen. (Sachlich falsch. Sie mögen das in Umfragen behaupten – kostet ja nichts. Aber praktisch haben Ehe und Familie keine normative Bedeutung mehr in der heutigen Gesellschaft der jungen Leute. Klar sagen sie, „Familie“ sei ihnen wichtig – doch Familie ist dann das unverbindliche Zusammenleben einiger Sexualpartner und vielleicht noch die Zeugung von Kindern mit sofortiger Weitergabe an die Krippe, den Kindergarten usw., also ohne Verantwortung und Bindung.) Zahlreiche Umfragen bestätigen diesen Wert. Wer in den persönlichen Beziehungen Zuverlässigkeit und Treue erlebt, der geht mit Veränderung und Brüchen in unserer Gesellschaft zuversichtlicher um. (Ach so, jetzt reduziert der Bischof den Wert der Familie auf das subjektive Erleben von Zuverlässigkeit und Treue, die den Menschen dazu befähigten, mit „Brüchen“ besser umzugehen. Traurig, aber wahr. An solchen Äußerungen, die ja nicht falsch sind, aber unvollständig, sieht man wie sehr selbst die besseren unter den deutschen Hirten dem Zeitgeist des Modernismus anheim gefallen sind. Die natürliche Vernunft wird gar nicht bemüht, religiöse Argumente fehlen ebenfalls, es bleibt ein psychologischer Appell, die Familie sei nötig, um die Brüche der Moderne verarbeiten zu helfen. Sorry, auf ein solches klinisch von christlichen Elementen gereinigtes Familienbild kann ich verzichten.)

Wer sich persönlich gehalten weiß, kann Fragilität im Leben besser ertragen.

Welt Online: Dennoch beginnt sich ein anderes Bild durchzusetzen: Familie ist da, wo Kinder sind. (Ja, zum Beispiel in der Schule, auf Kinderfriedhöfen oder in Krippen…)

Tebartz-van Elst: Dieser Vorstellung von Familie muss ich widersprechen. (Und warum?) Diese Umschreibung bringt nicht zum Ausdruck, was wir als Christen (wieder eine christliche Sonderlehre? Oder versucht der Bischof nur den vielen gleichberechtigten Alternativreligionen nicht auf die Füße zu treten?) unter Ehe und Familie verstehen. Denn mit Ehe und Familie ist wesenhaft (ist das als Äußerung eines Wesensbegriffs im Geiste der traditionellen Philosophie zu verstehen? Wenn ja, sollte man das dann nicht erläutern, um auch die 99,999% der Leser mit einzubeziehen, die den Hl. Thomas nicht gelesen haben? Und wenn nicht, dann ist es bloß eine Leerfloskel.) die Bereitschaft verbunden, Nachkommen das Leben zu schenken und sie auf dem Fundament lebenslanger Treue (wann hat sich die Kirche in Deutschland zuletzt ernsthaft gegen die Scheidung ausgesprochen? Vermag mich nicht daran zu erinnern.) ins Leben zu begleiten. Im christlichen Verständnis sind Kinder ein Geschenk, denn in ihnen nimmt die Liebe der Partner neue Gestalt an.

Die Weitergabe des Lebens gehört für Christen existenziell zum Schöpfungsverständnis. (Für die Bischofskonferenz nach dem Verrat an Humanae Vitae durch die Königssteiner Erklärung gehört die Weitergabe des Lebens wohl eher ins Museum überalterter, fundamentalistischer Irrwege. Wenn Sie das anders sehen, Exzellenz, wo ist dann ihr Einsatz gegen die widernatürliche Verhütungsmentalität?) Ich halte es für außerordentlich problematisch (nur problematisch? Dann ist’s ja nicht so schlimm. Probleme haben wir viele, braucht man sich ja nicht gleich darüber aufzuregen, oder?), wenn sich immer stärker Vorbehalte gegenüber der Weitergabe des Lebens zeigen. (Seit Jahrzehnten dominieren diese Vorbehalte, genährt von wohlwollender Neutralität seitens der deutschen Bischöfe. Es grenzt an Volksverdummung, davon zu sprechen, derartige Vorbehalte „zeigten“ sich derzeit „immer stärker“. Sie sind längst seit Jahrzehnten dominant.)

Wie sehr das christliche Verständnis von Ehe und Familie und die demografische Entwicklung zusammenhängen, macht schon eine Allensbach-Umfrage aus dem Jahr 2004 deutlich: Menschen gaben hier an, deshalb keine Kinder zu bekommen, weil ihnen der richtige, verlässliche Partner fehle, obwohl sie es prinzipiell wollen. (Menschen wollen prinzipiell Kinder – als Konsumgüter. Sie denken an sich und erkennen, dass sie gern Nachwuchs hätten. Das ist der Unterschied zwischen haben und sein. Sie wollen Kinder HABEN, aber nicht Eltern SEIN. Denn Verantwortung? Abstriche von der besinnungslosen Akkumulation lebloser Konsumgegenstände zur Betäubung der inneren seelischen Leere? Nein, danke.)

Soweit der erste Teil des Interviews, samt Kommentar. Der zweite Teil folgt wahrscheinlich morgen.

Der Papst: Ein Fremder in der Heimat

Deutschland, und besonders Ostdeutschland, ist eine immense Wüste des Glaubens. Selbst verglichen mit unseren Nachbarstaaten sind die verbliebenen christlichen Reserven schwach. Dechristianisierung ist in Deutschland kaum noch ein Thema – weil selbst die überwältigende Mehrheit der getauften Christen kein Interesse an einem Leben nach den Geboten Gottes mehr zeigt. Erlaubt ist, was gefällt, und verboten ist nur erwischt zu werden.

Moral beschränkt sich auf die derzeitigen Modethemen, hauptsächlich Umweltschutz und Zwangsenteignung Wohlfahrtsstaat. Am Rande spielen noch diverse unreflektierte Vorstellungen von Wirtschaft, Europa und Moslems eine Rolle, vor dem Hintergrund generellen Ressentiments gegen alles und nichts. Eine hoffnungslose Gesellschaft, d.h. eine Gesellschaft, die selbst keine Hoffnung mehr hat, und diese Hoffnungs- und Sinnlosigkeit in immer groteskeren Formen des „Entertainments“ zu ersticken sucht.

Das ist das Land, in dem sich der Heilige Vater momentan aufhält. Das ist auch die Mentalität, die zu vielen Christen in Deutschland innewohnt. Es ist ein Land, in dem 99% der Menschen die Worte des Papstes nicht reflektieren können oder wollen, in dem ein offenes Herz so selten ist wie Gold.

Diese Symptome wiegen in Ostdeutschland wesentlich stärker als im Westen, in Städten mehr als auf dem Land, im Norden generell mehr als im Süden, doch selbst in den besten Regionen ist die Tendenz klar.

Der Deutsche hat heute so viel „Spaß“, dass er die Fähigkeit zur tieferen „Freude“ verloren hat. Er kann lustig sein, aber er ist nicht froh. Er mag zufrieden sein (auch wenn das sicher nicht auf die Mehrheit zutrifft), aber er ist nicht glücklich. Denn Glück geht tiefer als Zufriedenheit, genauso wie Liebe tiefer geht als Zuneigung. Der Zufriedene, der Zuneigung empfindende Mensch lebt an der Oberfläche, der glückliche, liebende Mensch kennt eine tiefere Dimension. Glück und Liebe sind eben nicht gefühlsmäßige Eindrücke oder Emotionen, sondern objektive Wirklichkeiten. Glück kann, so Aristoteles, nicht ganz ohne materielle Güter gedacht werden – um glücklich zu sein müsse man wenigstens ein Mindestmaß an „Glücksgütern“ haben, so dachte er. Doch selbst für den Heiden Aristoteles geht wahres Glück über emotionales Glücklichsein hinaus – es findet sich auf der Ebene praktischen Handelns in der Tugend und in besonderem Maße in der Theorie, der Kontemplation des Wahren. Für den Christen ist dies in noch größerem Maße bedeutsam. Denn die Tugend ist die Gewohnheit, im Einklang mit den Gesetzen und dem Willen Gottes sowie zugleich im Einklang mit der Natur, die Gott geschaffen hat, zu leben. Im Widerstand zu Gott zu leben führt niemals zum Glück, sondern wenn überhaupt zur Zufriedenheit.

Genauso ist es auch mit der Kontemplation. Schon Aristoteles sieht sie als die höchste irdische Haltung an, doch für den Christen nimmt sie eine noch größere Bedeutung ein. Der Christ erkennt in dem Wahren, dem Guten und dem Schönen, das das Objekt der Kontemplation ist, zugleich Gott, den Schöpfer derselben Natur, deren Ordnung wir durch Einhaltung des moralischen Gesetzes zu respektieren haben. Sowohl die Bedeutung der Sittlichkeit als auch die der Kontemplation sind höher für den Christen als für den Heiden Aristoteles. Doch mehr noch: sie gehören stärker zusammen. Dem Christen erschließt sich aus der Erkenntnis des einen Gottes in drei Personen als Schöpfer der Natur die Einsicht, dass die Gewohnheit im Einklang mit der menschlichen Natur zu leben, letztlich nichts anderes ist als Dienst am Schöpfer – der diese Natur wie auch die Natur der Umwelt schließlich erschaffen hat. Tugendhaft zu leben ist zugleich Leben nach Gottes Geboten, also für sich genommen schon eine Art Kontemplation der Wahren, Guten und Schönen, nur eben, wenn es so etwas gibt, eine „praktische Kontemplation“, eine „praktische Betrachtung“.

„Ora et labora“ – „bete und arbeite“. Das sind nicht zwei verschiedene Dinge, so als ob wir manchmal beteten und manchmal arbeiteten, sondern letztlich identisch. Zu beten ist zu arbeiten und zu arbeiten ist zu beten – wenn die Arbeit im EInklang mit Gottes Willen steht. Jedes gute Werk ist ein Gebet und Gebete sind gute Werke. Praxis und Theorie kommen für den Christen zu einer Einheit, wie sie selbst für die weisesten Heiden niemals denkbar gewesen wären. Praxis und Theorie sind für den Christen keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Medaille, zwei Seiten des Dienstes an Gott, zwei Seiten der Hingabe des Selbstwillens an den Willen Gottes. Man könnte sagen: Nur wer sich selbst aufgibt, kann sich finden.

Wenn Aristoteles zwischen Glück in der praktischen Sphäre (Tugend) und in der theoretischen Sphäre (Kontemplation) unterscheidet, dann ist diese Unterscheidung natürlich richtig. Und sie ist auch im Christentum erhalten geblieben, etwa im Gegensatz Welt – Kloster. Das Christentum kennt diese Unterscheidung, aber sie ist nicht mehr unüberbrückbar. Moral und Religion haben auf eine Weise zusammengefunden wie es im Heidentum nicht denkbar war – bereits im Judentum war dies der Fall. Dort ist Gott der moralische Gesetzgeber und der Schöpfer der Natur – sowohl der materiellen als auch der menschlichen Natur.

Die Verbindung der durch Christus vervollständigten jüdischen Offenbarungswahrheit mit den scharfsinnigen Erkenntnissen der griechischen Philosophie blieb jedoch dem Christentum vorbehalten. Die Synthese zwischen der menschlichen Vernunft der Griechen und der göttlichen Offenbarung war jedoch keine der gegenseitigen Kompromisse. Vielmehr verwendete man die Einsichten der Offenbarung zur Perfektion der philosophischen Vernunft und die geschäfte philosophische Vernunft wiederum zum besseren Verständnis und zur theologischen Erfassung der Offenbarung. So ergänzen sich für den Christen Offenbarung und Vernunft in einem harmonischen Gleichgewichtsverhältnis der Befruchtung – es liegt nahe, die von außerhalb kommende göttliche Offenbarung des Vaters und die dem Menschen innerliche Vernunftweisheit („sophia“) mit dem Bild der geschlechtlichen Einheit zu vergleichen. Auf sich gestellt ist Sophia unfruchtbar – sie braucht den transzendeten Gott und die mit ihm verbundene Rationalitätsgarantie der Welt, um zur vollen Blüte ihrer Kraft zu gelangen.

So ist die Einheit von Vernunft und Glaube eben keine des gegenseitigen Kompromisses, sondern eine wirkliche Einheit, die ein wenig an die Einheit von Mann und Frau in der Ehe erinnert. Die Tragik der Neuzeit scheint mir nun die Scheidung dieses unzertrennlichen Paares zu sein. Frömmelnde Fundamentalisten leugnen selbst die offenkundigsten wissenschaftlichen Erkennisse (es gibt sogar Leugner der Kugelgestalt der Erde – die Erde ist eine Schallplatte…). Ihnen gegenüber stehen ebenso unfähige Ungläubige, die den Versuch einer wissenschaftlichen Durchdringung der Welt mit bloß materiellen Mitteln unternehmen.

Es verwundert nicht, dass beide Seiten scheitern mussten. Der frömmelnde Fundamentalist glaubt weil er glaubt, dreht sich im Kreis und kann sich nicht mehr rechtfertigen. Er macht sich selbst lächerlich und kann niemanden überzeugen, weil er das rationale Argument aufgrund seines Glaubens ablehnt. Ebenso ist die rationalistische Wissenschaft längst gescheitert. Immer verzweifeltere und vergebliche Versuche einer Rechtfertigung der Verlässlichkeit unserer Vernunfterkenntnisse stehen dort der sich mehr und mehr durchsetzenden Erkenntnis gegenüber, dass wir, unter der Annahme des Materialismus, nichts, absolut nichts, sicher wissen können, und daher Wissenschaft als Ganzes eine gewisse Willkürlichkeit und Beliebigkeit gewinnt. Der Versuch der Neuzeit, Glaube und Vernunft gegeneinander auszuspielen, endet mit der totalen Niederlage der Vernunft, die inzwischen mehr und mehr vor einem amoralischen Irrationalismus kapituliert, demzufolge der Mensch gar nicht wissen kann, sondern nur meinen. Doch wenn alles Meinung ist, dann gibt es gar keine Wahrheit, und ohne Wahrheit keine objektiv gültigen moralischen Standards. Der Versuch, den angeblich „irrationalen“ Glauben aus dem menschlichen Denken zu entfernen, führt nicht zum Tod des Glaubens, sondern zum Tod der Vernunft.

Doch auch der Glaube erleidet eine totale Niederlage. Er wird zwar nicht gänzlich besiegt, aber er wird seines wesentlichen Kerns beraubt. Der Glaube, der sich von der rationalen, menschlichen Vernunft „befreit“ hat, ist substanzlos. Er ist noch da, aber er verliert jeden bestimmten Inhalt – er gleitet in die Beliebigkeit, ebenso wie auch der Vernunft durch ihre Selbstaufopferung beliebig geworden ist.

Wenn es keine Wahrheit gibt, nur Meinung, dann kann nicht ein Glaube richtiger sein als ein anderer. Jeder Glaube ist dann bloß noch subjektives Gefühl – religiöse Erfahrung ersetzt religiöse Erkenntnis. Man nennt diese Häresie sehr treffend „Modernismus“, und es ist die Mutter aller Häresien. Denn sie ermöglicht ihrem Anhänger aus allen Definitionen und Dogmen auszubrechen, wenn nur seine persönliche religiöse Erfahrung (die nicht einmal unbedingt authentisch ist, aber selbst wenn nur einen winzigen Teil der Wahrheit repräsentieren kann) dies von ihm verlangt. Solcherlei Auffassung ist damit die Grundlage aller modernen Häresien, doch das nur am Rande.

So kommen die beiden am Beginn der Neuzeit getrennten Pfade heute wieder zusammen. Aus dem Vernunftglauben der modernen Philosophie und der positivistischen Wissenschaft des 19. Jahrhunderts ist ein Irrationalismus geworden, der selbst wissenschaftlichen Erkenntnissen konsequenterweise den Status des Wissens abzusprechen verpflichtet ist. Aus dem vernunftfreien Glauben ist entweder ein bloßes Frömmlertum geworden (in seltenen Fällen), oder (meistens) ein Glaube, der nur noch einige Floskeln und Plattitüden glaubt, und nichts mehr mit der Offenbarung zu tun hat. So wird die Vernunft unvernünftig und der Glaube ungläubig.

Doch kehren wir zu der früheren Konzeption zurück, wonach Glaube und Vernunft einander gegenseitig befruchten, wo der Glaube der Funke ist, der der Vernunft immer tiefere Einsichten ermöglicht, die wiederum ein immer besseres Verständnis der dem göttlichen Logos entsprechend geordneten Welt aber auch der Offenbarung ermöglichen, welche wieder in einem immer weiter sich aufschaukelnden Zirkel der Einsicht und der Weisheit ein tieferes Durchdringen sowohl der Offenbarungswahrheit als auch der Schöpfungsordnung (wissenschaftlich wie moralisch) erreichbar machen, dann haben wir keines dieser Probleme. Sophia ist, wie oben schon gesagt, ohne göttlichen Logos unfruchtbar. Und ohne die Verwendung der von Gott gegebenen natürlichen menschlichen Einsichtskraft bleiben alle Offenbarungseinsichten letztlich fruchtlos – da niemand sie zu durchdringen vermag. Sophia ohne Logos – Logos ohne Sophia: Beides ist eine Art geistige Selbstbefriedigung, und, wie ihre körperliche Variante, letztlich steril, fruchtlos, freudlos, nutzlos, ziellos, sinnlos.

So wie Maria erst das Jawort geben musste, damit Gott in der Welt sein Erlösungswerk vollbringen konnte, muss die menschliche Weisheit erst ihr Jawort zur göttlichen Offenbarung geben, bevor diese ihr fruchtbares Werk verrichten kann. Neues Leben kommt nur durch die natürliche Vereinigung von Mann und Frau in die Welt. Beide müssen die Bedeutung des Anderen anerkennen und sich der natürlichen Anlagen und Fähigkeiten des Anderen zum gemeinsamen Zweck – in diesem Fall Fortpflanzung – bedienen. Ebenso müssen auch Glaube und Vernunft die Bedeutung des Anderen anerkennen, sich der natürlichen Fähigkeiten und Anlagen des Anderen zum gemeinsamen Zweck – in diesem Fall fruchtbare Erkenntnis – bedienen.

Um das Gute tun zu können, bedarf der Mensch der Einsicht in das natürliche moralische Gesetz, das ihm ins Herz geschrieben ist. Dafür muss er nicht intelligent sein. Aber er muss weise sein, da die Erkenntnis des Guten dem gefallenen, zerbrochenen Meisterwerk Mensch nicht leicht fällt. Um das Wahre finden zu können, muss er sich sowohl des Verstandes als auch des Glaubens bedienen können. Und selbst der Genuss des Schönen verblasst, wenn alles nur hübsch oder „sexy“  ist, aber nichts im vollen Sinne schön. Denn auch Schönheit ist, in gewissem Sinne, etwas Wirkliches, Objektives, nicht bloße Emotion oder subjektives Gefallen. Schönheit ist mehr als Gefälligkeit.

Wenn, wie nach Auffassung der Neuzeit, das Wahre, Gute und Schöne bloß relativ sind, dann ist die Welt eintönig grau, steril, langweilig, öde, sinnlos, zwecklos, und liegt im Sterben.

Wenn ich „meine Wahrheit“ und jemand anders „seine Wahrheit“ haben kann, dann erlischt der menschliche Wissensdrang, denn wir finden bloß immer nur noch mehr Ansichten, Meinungen, Gefühle, Überzeugungen, Ideologien, aber niemals die Wahrheit. Wenn es da doch gar nichts zu finden gibt, warum dann suchen? Schon Bacon gab im 17. Jahrhundert die einzig denkbare Antwort: Macht.

Wenn Moral bloß das Produkt gesellschaftlicher Konditionierung ist, dann ist es plötzlich legitim, die Grundfesten der Moral zu bezweifeln, weil sie ja auch wieder nur die Manifestationen der gesellschaftlichen Machtverhältnisse sind. (Die, die uns konditionieren, beherrschen uns dann über internalisierte Hemmungen, die abzustreifen somit zum Akt der Befreiung wird). Warum dann noch ein wirklich „guter“ Mensch werden, wenn doch „gut“ nur das Produkt des Willens der Mächtigen ist, wenn „gut“ nur noch bedeutet, „den Mächtigen gefällig“? Die einzige Antwort gibt uns der „Marsch durch die Institutionen“: Die Macht erlangen, um die Moral zu ändern.

Wenn Schönheit bloß darin besteht, dass ich meine persönlichen psychischen Empfindungen und Vorlieben in die Außenwelt projiziere, dann ist in Wirklichkeit gar nichts schön, sondern alles gleichermaßen grau. Und auf manche Grautöne spreche ich persönlich dann eben stärker an. Doch wenn ich glaube, dass das alles nur in meinem Kopf sich abspielt, wie kann ich mich dann noch an dem Schönen erfreuen? Schönheit verliert also seinen Reiz – übrig bleiben biologische Triebe, psychologische Konditionierung und die schiere Macht der Gewohnheit. Warum dann noch den Versuch unternehmen, einen feinen Geschmack für das Schöne zu entwickeln, statt einfach gefällig herunterzuwürgen alles was mir so in die Quere kommt? Die einzige Antwort gibt uns der moderne Mensch zwischen zwei triebgesteuerten, doch lieblosen Orgien: Eroberung, also Macht.

Getrennt enden sowohl Glaube als auch Vernunft im absoluten Relativismus, für den es weder Wahrheit, noch Güte, noch Schönheit geben kann. Doch ohne die feste Überzeugung, dass das Wahre wirklich wahr, das Gute wirklich gut, und das Schöne wirklich schön ist, verblasst das ganze Leben vor der endlosen Abfolge rein materieller, gesellschaftlich konditionierter, von Trieben und Macht gesteuerter, mechanischer Akte.

Der Papst ist nun in Deutschland, und da ich dies schreibe gerade in Ostdeutschland, wo die Probleme noch weitaus schlimmer sind als im Westen, und er trifft auf ein apathisches Land voller Sinnlosigkeit, voller Überdruss, voller derzeit nur sporadisch sich entladender Unzufriedenheit – das heißt: er trifft auf ein modernes Land. Ein Land, wie es dem christlichen Glauben mit seiner Vereinigung scheinbarer Gegensätze zu einem in sich schlüssigen, sinnvollen, fruchtbaren Ganzen nicht fremder sein könnte.

Ein Land, das, ganz im Einklang mit seinen faktischen Grundwerten, selbst in Bezug auf die Kirche nur noch in Machtkategorien denken kann. Und als Folge ganz klein ist – klein an Werten, klein im Geiste und klein im Herzen. So klein, dass selbst seine Sünden kleinkariert und öde sind. So klein, dass es selbst einen alten, schwachen Mann als Bedrohung empfindet, die mit journalistischem Napalm behandelt werden muss. So klein wie die graue Stadt, die C.S.Lewis in „The Great Divorce“ als Sinnbild der Hölle gebraucht.

Märchen Lebenswirklichkeit

Standig, kaum vergeht ein Tag, läuft mir wieder ein Märchen über die Füße: Die Kirche müsse sich doch an die Lebenswirklichkeit der Menschen von Heute anpassen – die Kirche sei weltfremd – die Kirche müsse sich für die Bedürfnisse der Menschen von Heute öffnen und immer so weiter im säuselnden Singsang der Sätze.

Um einmal einen bekannten Buchtitel des Philosophen Harry Frankfurter zu zitieren: Bullshit!

Die Kirche muss sich nicht der „Lebenswirklichkeit“ irgendwelcher Menschen anpassen, weil die sogenannte Lebenswirklichkeit der Menschen nicht maßgeblich für die Findung theologischer und sittlicher Wahrheit ist. Ebenso kann, nein muss, die Kirche immer und überall weltfremd sein – weil die Welt kirchenfremd ist. Wir sollen keine Schätze in dieser Welt anhäufen, weil unsere wahren Schätze in einer anderen Welt sind. Jede Kirche, die diesen Namen verdient, muss daher unbedingt und absolut „welt-fremd“ sein, also dieser Welt fremd. Sie darf niemals glauben, sie sei von dieser Welt.

Der Zweck der Kirche ist ebenso nicht die Erfüllung irgendwelcher empfundener Bedürfnisse der Menschen. Der Zweck der Kirche ist die Verkündigung des Wahren Glaubens und die Feier des Kreuzesopfers Christi durch die Eucharistie. Beide dienen letztlich dazu, die Menschen zu ihrem ewigen Heil zu führen. Das ist alles. Die Menschen ins ewige Heil, in den Himmel, in die ewige Schau Gottes, wie auch immer man es ausdrücken möchte, zu führen, das ist der Zweck der Kirche. Und das ist nicht einmal katholisches Sondergut, sondern allgemein christlich. Zitat des Protestanten C.S.Lewis aus Mere Christianity:

It is easy to get muddled about that. It is easy to think that the Church has a lot of different objects – education, building, missions, holding services. Just as it is easy to think the State has a lot of different objects – military, political, economic, and what not. But in a way things are much simpler than that. The State exists simply to promote and protect the ordinary happiness of human beings in this life. A husband and wife chatting over a fire, a couple of friends having a game of darts in a pub, a man reading a book in his own room or digging in his own garden – that is what the State is there for. And unless they are helping to increase and prolong and protect such moments, all the laws, parliaments, armies, courts, police, economics etc., are simply a waste of time. In the same way the Church exists for nothing else but to draw men into Christ, to make them little Christs. If they are not doing that, all the cathedrals, clergy, missions, sermons, even the Bible itself, are simply a waste of time. God became Man for no other purpose.

(Anmerkung: Wenn irgendein Leser die deutsche Übersetzung dieser Passage [4. Buch, 8. Kapitel: Is Christianity Hard or Easy?] verfügbar haben sollte, so wäre ich ihm sehr dankbar, wenn er sie in den Kommentaren hinzufügte!)

Die Erfüllung der Bedürfnisse von Menschen kommt erst später ins Bild. Natürlich hat Gott die Menschen aufgefordert, ihren Nächsten zu lieben. Wir sollen barmherzig sein. Das alles ist richtig und extrem wichtig. Doch solange wir nicht verstehen, worin die Wahrheit über Gott und die Wahrheit über das natürliche Sittengesetz besteht, solange wir uns nicht an Gott ausrichten, und damit auch an dem moralischen Gesetz, das er uns gegeben hat, solange wissen wir gar nicht, worin denn das Gute des Nächsten eigentlich besteht. Der heilige Thomas von Aquin schrieb, Liebe sei, das Gute des Anderen zu wollen. Das bedeutet: Es gibt keine Liebe, die nicht das wirklich wahre Gute des Anderen will, sondern nur seine subjektive Empfindung zufriedenzustellen wünscht.

Alle Menschen haben eine Vielzahl subjektiv empfundener Bedürfnisse. Darunter fällt auch die Anpassung an gesellschaftliche Erwartungen. Ferner ist jedem Menschen das objektive moralische Gesetz gegeben. Wer sich an den subjektiv empfundenen Bedürfnissen und Wünschen des Anderen orientiert, wenn diese in Konflikt mit dem moralischen Gesetz geraten, der liebt den Anderen nicht, sondern empfindet höchstens emotionale Zuneigung. Liebe kann niemals weniger sein als das objektiv Gute des Nächsten zu wollen.

Und es gibt keine Barmherzigkeit ohne Liebe. Man ist nicht „barmherzig“, wenn man einfach den Wünschen eines Menschen nachgibt, sofern diese Wünsche dem entgegen stehen, was wahrhaft gut für ihn ist – nämlich Gemeinschaft mit Gott im Ewigen Leben zu finden.

Jede Sünde, und schwere Sünden (Todsünden) in besonderem Maße, schwächen bzw. trennen das Band, das den Menschen mit diesem wahrhaft Guten verbindet. Daher kann es niemals ein Akt der Barmherzigkeit sein, die Sünden anderer Menschen gutzuheißen, oder einfach zu ignorieren. Im Gegenteil: Es ist zweifelhaft, ob es irgendeinen Akt gibt, der weniger barmherzig ist, als die Sünden eines Menschen einfach zu ignorieren, ihn in seinen Sünden vegetieren zu lassen – und damit zu riskieren, dass der betroffene Mensch nicht das ewige Leben sondern nur das ewige Feuer findet.

Was fordert man also, wenn man der Kirche erklärt, sie müsse sich an die „Welt“ anpassen, an ihre „Lebenswirklichkeit“, sie dürfe dieser „Welt“ nicht fremd sein, sie müsse sich mehr an den (subjektiv empfundenen) Bedürfnissen der Menschen orientieren? Man fordert, dass sie das wahre Gut dieser Menschen schlicht ignoriert, um ihnen in diesem Leben gefällig zu sein. Dass sie sich nicht um das ewige Leben, das Seelenheil, die Erlösung ihrer Schäfchen kümmert, sondern nur darum, dass diese Schäfchen ein besonderes Gefühl der warmen Zuneigung zu „ihrer“ Kirche empfinden.

Ich vermag darin nichts anderes zu erkennen als die Aufforderung an die Kirche, ihre Mission zu verraten.

Wie „weltfremd“ muss die Kirche sein, wenn sie ihre Schäfchen wirklich mit mütterlicher Liebe überhäufen will, statt sie nur einfach unverbindlich „ganz nett“ zu behandeln und mit subjektiv-emotionaler Zuneigung zuzuschütten?

Sie muss weltfremd genug sein, um gegen die Tötung der Unschuldigen im Mutterleib zu kämpfen.

Sie muss weltfremd genug sein, um gegen den systematischen Missbrauch des Geschenks der Sexualität durch technizistische Anmaßungen wie Verhütung, künstliche Befruchtung usw. anzukämpfen.

Sie muss weltfremd genug sein, um das unauflösliche Bündnis eines Mannes mit einer Frau, und die je besondere Würde und Aufgabe der zwei unersetzlichen und einzigen Geschlechter gegen die Gleichmacher zu verteidigen, die sowohl Männer als auch Frauen durch ihre Machenschaften entwürdigen.

Sie muss weltfremd genug sein, um das Heilige Messopfer mit Ehrfurcht und Demut zu feiern, selbst wenn die „Welt“ das bloß für ein Gemeindemahl ohne Zusammenhang zum ewigen Heil der Menschen hält.

Sie muss weltfremd genug sein, um gegen Habgier, Neid und Geiz auch dort aufzubegehren, wo das ganze Wirtschaftssystem darauf basiert.

Sie muss weltfremd genug sein, um die Zerstörung der natürlichen Lebensumgebung durch profitorientierten Raubbau ebenso zu bekämpfen, wie den Versuch der sogenannten „Umweltschutzbewegung“ die Gesundheit des quasi-vergötterten Planeten Erde mit dem Blut der „überzähligen“ Menschen zu erkaufen, die das Pech hatten, in einer Welt zu leben, in der die Eliten von „Überbevölkerung“ schwafeln, statt die Menschen zum Zusammenrücken aufzurufen.

Sie muss weltfremd genug sein, um sich dem Fürsten dieser Welt zu widersetzen, welcher ansonsten kaum Widerstand in dieser seiner Domäne findet.

Kurzum: Sie muss so weltfremd und so fern der durchschnittlichen „Lebenswirklichkeit“ des Menschen sein wie nur möglich.

Und wenn sie das ist, wenn sie diese Einsicht ganz fest in sich verankert trägt, wenn ihre jegliche Handlung nur auf Gott, und damit auf Gottes Liebe zentriert ist, und damit auf die Dogmen und moralischen Wahrheiten, in denen sich Gottes Liebe in Form verbindlicher Handlungsanweisungen für uns verlorene Söhne manifestiert, wenn sie an nichts anderes denkt als gottgefällig zu sein, wenn sie sich alle Flausen gründlich aus dem Kopf geschlagen hat, den Menschen gefallen, ihren Bedürfnissen und Wünschen entsprechen zu wollen, ihre Lebenswirklichkeit annehmen zu wollen, dann geschieht etwas ganz Interessantes:

Diese Kirche, die ihre Augen fest auf das Himmelreich gerichtet hat, wird die Gebote des Herrn befolgen wollen. Sie wird tun wollen, was Christus getan, lieben wollen, wie Gott geliebt und helfen wollen wie der Herr geholfen hat – und also wird sie das wirklich und wahrhaft Gute aller Menschen wollen. Sie wird die Menschen wahrhaft lieben, nicht nur Zuneigung zu ihnen empfinden.

Doch wenn die Kirche das tut, dann findet sie begraben in den Dogmen und Wahrheiten ihrer Überlieferung den Schlüssel für die Lebenswirklichkeit der Menschen. Sie findet darin wahre Liebe und wahre Barmherzigkeit. Sie durchschaut die Ursachen der Probleme, die die Lebenswirklichkeit der Menschen heimsuchen, mit dem scharfen übernatürlichen Licht des göttlich Logos. Nur wer die Ursachen eines Problems durchschaut, der kann es lösen helfen. Die Menschen einfach nur zu bedauern, wenn ihnen doch geholfen werden kann, ist nicht bermherzig und auch nicht liebevoll, sondern kalt und verhärtet. Die Probleme, die die Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit plagen, haben Ursachen, die allzu oft beseitigt werden können.

Frühere Sünden, die das Gewissen der Menschen plagen, können durch das Sakrament der Buße hinweggenommen werden. Geschlagene Wunden können durch das Geschenk der Vergebung geheilt werden. Feindschaften können bezwungen werden durch die Gnade Gottes und den festen Willen des Menschen, dieser Gnade sein Herz zu öffnen. Die Liste der möglichen Heilungen ist endlos. Doch diese Heilungen schlägt allesamt aus, wer nicht eingesteht, dass er der Heilung bedarf. Nur der Sünder wird beichten, nur der Kranke nimmt seine Medikamente.

Wenn die Kirche sich ganz auf Gott ausrichtet, nicht auf die Welt, wenn sie freiwillig der Welt fremd wird, dann erlangt sie überhaupt erst die Fähigkeit, die Probleme der Welt wirklich anzupacken und zu lösen. Erst wenn sie sich ganz Gott geschenkt und ergeben hat, vermag sie praktisch Tränen zu trocknen und menschliche Wunden zu heilen. Erst wenn sie sich ganz Gott unterwirft, kann sie ganz den Menschen dienen.

Liebe Gott mit allem was du hast, ohne etwas zurückzuhalten, und den Nächsten wie dich selbst. Nicht umgekehrt. Wir müssen zuerst nach dem Himmelreich streben. Zuerst Gott, dann die Menschen. Wir lieben Gott mit allem was wir haben und allem was wir sind. Und Gott sagt uns dann: „Wenn du mich wirklich liebst, Mensch, dann sei für deinen Nächsten da. Und ich gebe dir die Kraft das auch zu tun.“

Solange wir uns an der „Lebenswirklichkeit“ der Menschen und an dieser „Welt“ orientieren, werden wir zwar nicht weltfremd, aber gottfremd bleiben. Und da Gott die Welt geschaffen hat, ist der Gottfremde letztlich auch der wahrhaft Weltfremde. Denn er biedert sich permanent an die „Lebenswirklichkeit“ der Menschen und diese „Welt“ (und ihren Fürsten) an, aber er vermag sie nicht zu heilen in diesem Leben und erlösen wird er sie sicher auch nicht.

Inzest entert Parlamente

Ich schrieb bereits mehrfach über den allgemeinen Zerfall moralischer Werte und Normen, selbst solcher, die problemlos ohne Rückgriff auf religiöse Wahrheiten begründet werden können. Es gibt eine innere Logik, die von Verhütung und Scheidung über diverse Stationen bis zur völligen Aufgabe sexueller Normen führt – und ohne Normen im sexuellen Bereich zerfallen Gesellschaften relativ zügig.

Doch selbst ich hatte nicht erwartet, dass es mit der Piratenpartei jemand in einen deutschen Landtag schaffen würde, der bereits heute so schnell so weit geht. Doch die Bloggerkollegen auf b-logos dokumentieren, dass dies der Fall ist. Lektüre sei empfohlen.

Zur Tötung der Unschuldigen in Liechtenstein

In Liechtenstein bleibt Abtreibung (vorerst) verboten, zumindest wenn die Mehrheit der Bevölkerung ihren Willen bekommt. So stimmten kürzlich gut 52% gegen eine Legalisierung der Tötung Unschuldiger in dem kleinen Fürstentum während der ersten zwölf Monate des Lebens der Unschuldigen. Doch die Abtreibungslobby, der ja nur noch zwei Prozent am Sieg über das Lebensrecht fehlen, ruht nicht. Bereits jetzt debattieren die Abtreibungslobbyisten in Liechtenstein über einen neuen Angriff auf das Lebensrecht – die Abtreibung soll in Liechtenstein verboten werden, aber nicht, wenn eine Person aus Liechtenstein im Ausland abtreibt.

Damit wäre aber das Lebensrecht in seinen Grundfesten verloren. Denn offensichtlich kann es nicht am Aufenthaltsort der Schwangeren liegen, ob die Tötung ihres Kindes zulässig ist. Wenn also Abtreibung im Ausland zulässig ist, auch für Liechtensteiner, dann muss sie offenbar auch im Inland gestattet werden. Sollte diese in Liechtenstein derzeit diskutierte Regelung sich durchsetzen, so wäre der endgültige Fall des grundlegendsten aller menschlichen Grundrechte nur noch eine Sache weniger Jahre. Die Gegner des Lebensrechts hätten die wesentliche Debatte bereits gewonnen, denn wenn die Tötung der Unschuldigen wirklich falsch ist, dann bleibt sie auch im Ausland falsch. Strafrecht gilt aber für Liechtensteiner im In- und Ausland; also muss man Abtreibung entweder sowohl im In- als auch im Ausland bestrafen, oder gar nicht.

Doch für Deutsche muss die derzeitige Debatte in Liechtenstein geradezu als ein Luxusproblem erscheinen. Denn hierzulande werden jährlich über 110000 unschuldige Kinder vorgeburtlich getötet, mehr als 95% davon aus offenbar niederen Motiven, etwa weil das Kind gerade nicht passt, oder man glaubt, den schon vorhandenen Kindern weniger dekadenten Luxus ermöglichen zu können (selbst der mittlere Hartz IV-Empfänger hat schlicht verglichen mit 90% der Weltbevölkerung, und selbst mit seinen Großeltern um 1950, schlicht ein Luxusleben, auch wenn es unpopulär ist, davon zu sprechen). Doch die Tötung der Unschuldigen liegt in der Dunkelziffer weit höher. Nicht alle Abtreibungen werden gemeldet, und die zuständigen Instanzen haben nicht das geringste Interesse an einer scharfen Durchsetzung einer Meldepflicht. Ferner wirken hormonelle Verhütungsmittel, besonders die sogenannte „Anti-Baby-Pille“ oft frühabtreibend. Manche schätzen, dass durch derartige Wege weitere 200000 Abtreibungen jährlich stattfinden. Doch die genaue Zahl ist unmöglich festzustellen.

Liechtenstein hat noch nicht denselben Grad elementarer moralischer Verrohung erreicht wie Deutschland. Doch fällt das grundlegende Verbot der Tötung Unschuldiger, so ist der weitere Verfall nur noch eine Frage der Zeit.

Diese moralische Verrohung ist nicht so sehr die Folge direkter Unmoral. Vielmehr sind moralische Kategorien komplett aus dem öffentlichen und privaten Bewusstsein der Menschen verschwunden. Mehrheitlich sind die Deutschen für die legale Tötung der Unschuldigen, ob durch Abtreibung, Euthanasie, embryonaler Stammzellenforschung oder auf anderem Wege. Doch diese Mehrheiten sind nicht verhärtete Menschenhasser im Blutrausch – sie sind nicht unmoralisch – sondern schlicht abgestumpft. In Familien, in Kirchen, im Bildungssystem, in den Medien gibt es keinerlei moralische Komponente mehr. Familien, sofern sie überhaupt noch existieren, sind private Spaßvereinigungen ohne moralische Dimension. Alles ist Familie, von Lebensgefährten bis Homosexuellen. Moralische Grenzen sind Vergangenheit. In der Kirche hört man wenig von Moral, wesentlich mehr von Spaß und Lust und Laune, zuweilen auch von direkt sozialrevolutionären, latent marxistischen Ambitionen. Kirchliche Vereinigungen orientieren sich nicht mehr an christlicher Moral, sondern wahlweise an linksextremistischen politischen Zielen, dem Zeitgeist, oder dem Geldbeutel. Das Bildungssystem versucht bloß noch berufsnützliche Kenntnisse zu vermitteln (es scheitert selbst dabei kläglich), und hat nur in einem Punkt Erfolg: Es treibt der großen Mehrheit der Schüler alle Spuren moralischer Orientierung aus, die Eltern und Kirche vielleicht noch aufbauen konnten, indem es Moral durch das Gift der Politischen Korrektheit und Wahrheit durch Toleranz um jeden Preis ersetzt. Die Medien tun ebenfalls ihren Teil, der nicht mehr mit höflichen Worten zu umschreiben ist.

In dieser toxischen Wolke verlieren Menschen nicht so sehr ihre Moral und ihr Gewissen als die Fähigkeit überhaupt in moralischen Kategorien zu denken. Sie sind nicht unmoralisch, indem sie sich gegen die moralischen Normen entscheiden, sondern indem sie weder moralische Normen noch ihr Gegenteil kennen.

Der moderne, verweltlichte Mensch kann nicht einmal mehr so richtig sündigen, weil ihm dazu das Bewusstsein fehlt. Objektiv sind seine Handlungen himmelschreiende Sünden, doch wie verantwortlich ist jemand für seine Sünden, der in einer Gesellschaft lebt, in der abgesehen von Mülltrennung und Atomausstieg moralisch nichts mehr von Bedeutung ist?

Übertreibe ich? Vielleicht. Mit Sicherheit gibt es noch Ecken in Deutschland, in denen moralische Wahrheiten noch erhalten sind. Es gibt auch einige einzelne Menschen, die versuchen nach diesen Wahrheiten zu leben. Doch in der öffentlichen Wahrnehmung kommen sie einfach nicht vor. Und da die breite Mehrheit der Menschen immer schon nicht nach abstrakten manipulationsresistenten Prinzipien gehandelt hat, sondern von Medien, Umgebung, Familie, Ausbildung usw. beeinflusst worden ist, kommen sie auch in der privaten Wahrnehmung der breiten Mehrheit der Menschen nicht mehr vor.

Solange es nicht breite gesellschaftliche Strömungen gibt, die in diesem Punkt gegensteuern, die der Diktatur des Relativismus den Garaus machen, wird sich in Deutschland nichts ändern. Gegen die breite Mehrheit kann keine Staatsform dauerhaft bestehen, nicht einmal eine Militärdiktatur oder eine Monarchie. Eine Rückkehr zu nicht einmal christlichen, sondern allgemein menschlichen, mit den Mitteln der bloßen Vernunft erkenntbaren moralischen Normen wird daher nur durch große, einflussreiche Institutionen möglich sein – die einzige Institution, die aber diese allgemein vernünftigen Normen noch verteidigt, und zugleich über den nötigen Einfluss verfügt, ist die katholische Kirche.

Solange diese sich nicht nur in Rom, sondern auch durch Bischöfe, Priester und Laien in allen möglichen kirchlichen und außerkirchlichen Tätigkeitsfeldern, entschlossen und ohne Zweideutigkeit zu diesem natürlichen moralischen Gesetz bekennt, wird sich nichts ändern. Auch das Verbot der Tötung Unschuldiger in jedem Stadium ihres Lebens – von der Befruchtung bis zum natürlichen Tod – wird erst wieder gesetzlich anerkannt und gesellschaftlich wenigstens im Großen und Ganzen umgesetzt werden, wenn vorher eine allgemeine Umkehr, eine Rückkehr zu den Grundfesten der natürlichen moralischen Normen eingetreten ist.

Doch dafür gibt es derzeit keine Anzeichen. Die knapp 2000 Tapferen in Berlin sind für ihre Entschlossenheit zu loben, doch ein Hoffnungszeichen sind sie nicht. Vielleicht ein Lebenszeichen, aber nicht mehr.

Pädophilie: Bloß eine alternative Sexualneigung

… das folgt zumindest logisch aus diesen Worten einer Wahlkreiskandidatin der Linkspartei in Berlin. Einige Zitate:

Ich lehne Scham als Konzept grundsätzlich ab. Sie wird Menschen anerzogen, um sich schlecht und schuldig zu fühlen. Doch kein Mensch ist schuldig, weil er nackt ist oder Sexualität ausleben möchte. Die systematische Unterdrückung kindlicher Nacktheit und Sexualität und völlig unnötige Anerziehung von Schamgefühlen ist eine extreme Menschenrechtsverletzung, die den Kindern in unserer Gesellschaft von klein auf angetan wird“

(Wenn es eine Menschenrechtsverletzung ist, Kinder nicht frühzeitig zu sexualisieren, müssen dann nicht alle gläubigen Katholiken sofort vor den Menschenrechts-Gerichtshof, wie Milosevic?)

„Die systematische Unterdrückung kindlicher Sexualität ist eine extreme Menschenrechtsverletzung“. Man lasse sich diesen einen Satz auf der Zunge zergehen.

Nun, das sehen die Pädophilen ganz ähnlich. Sie betätigen sich ja bloß als liebevolle „Geburtshelfer“ einer frühkindlichen Sexualität. Denn, wie die Kandidatin weiters behauptet:

Schließlich entwickelten Kinder und Jugendliche eigene Wertvorstellungen, und jedes Kind lebe von Geburt an als sexuelles Wesen.

Ja, jedes Kind. Von Geburt an. Wenn Sie mal mit Ihrem dreijährigen Nachbarssohn Sex haben sollten, schreiben Sie’s einfach der Emanzipation zu. Und wenn die Eltern des Sohns was dagegen haben? Nun, die Bezirkskandidatin weiß auch hier die Antwort:

Die „ungebetene Einwirkung“ der Eltern auf die Sexualität ihrer Kinder könnte diese seelisch sehr verletzen…

Die Eltern sollen sich aus Sachen heraushalten, die sie gar nichts angehen.

So ist das eben, ohne Naturrecht, ohne objektive Moral, und dafür mit Selbstverwirklichung, sexueller Revolution und Freiheit!

Ich habe bereits vor einigen Wochen über Tendenzen zur Normalisierung von Sexualität von und mit Kindern geschrieben. Mancher Leser wird sich vielleicht, trotz einiger Anhaltspunkte, die meine Befürchtungen bestätigten, noch gedacht haben, ich sei ein Pessimist. Falsch!

Freier Sex von und mit Kindern, demnächst auch in Ihrem Wahlkreis!

Einen kleinen Ratschlag, wenn Sie Kinder haben: Schicken Sie diese Kinder AUF KEINEN FALL in eine staatliche Schule, und auf kirchliche Schulen auch nur dann, wenn Sie sich persönlich vergewissern können, ob dort auf Sittenreinheit geachtet wird. Suchen Sie sich am besten kleine konservative Privatschulen (egal ob aus evangelisch-freikirchlichem oder katholischem Bereich – beide sind um Längen besser als das Standardprogramm vieler katholischer Diözesen und des Staates). Wenn Sie das Geld haben, packen Sie Ihre Sachen und gehen in ein Land, das Homeschooling (Heimunterricht) erlaubt, am besten einen US-Bundesstaat, in dem es diesbezüglich kaum Beschränkungen gibt.

Lassen Sie sich Ihre Kinder nicht von perversen Umerziehern stehlen, stehen Sie gerade für die Unschuld und die Sittenreinheit Ihres Nachwuchses!

Linksammlung zu Ehe und Familie

Wie dem einen oder anderen Leser vielleicht schon aufgefallen ist, gibt es in der oberen Leiste auf dem Blog jetzt eine neue Seite: Ehe und Familie – Linksammlung. Auf dieser Seite versuche ich eine umfassende Sammlung von Quellen zum Thema Ehe, Familie, Sexualität, Geschlecht usw. aus katholischer Perspektive anzubieten. Derzeit ist die Seite noch im Aufbau und daher sehr unvollständig. Bei Gelegenheit werde ich weitere Materialien hinzufügen. Durch die Sammlung einer Vielzahl von Informationen an einer Stelle erhalten Leser die Möglichkeit, sich und anderen die eigentlich schöne und zutiefst weise Lehre der Kirche zu diesem umstrittenen Thema zu erschließen.

Wenn Sie weitere Materialien kennen, die bisher nicht in der Liste aufgeführt sind, und von denen Sie glauben, dass sie die katholische Lehre zum Thema richtig und gut darstellen, dann bitte ich Sie, von der Kommentarmöglichkeit hier oder auf der Ehe-und-Familie-Seite selbst Gebrauch zu machen, damit die Sammlung verbessert werden kann.

Vielen Dank.