Es ist ganz einfach

baby… Abtreibung tötet einen Menschen. Sogar ich verstehe es.

Gefunden bei: Mundabor

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US-Wahlen: Romney als zweitgrößtes Übel

Wer diese Seiten regelmäßig liest, dem wird bereits aufgefallen sein, dass der Autor sich für Politik interessiert und darüber oft und gern aus seiner christlichen Perspektive schreibt. Die Kategorie „Politik und Wirtschaft“ ist eine der größeren auf diesem Blog und innerhalb der Kategorie dominieren politische Themen die Wirtschaft deutlich.

Ich werde in den kommenden Wochen bis zu den Wahlen gelegentlich über die aktuelle Situation in den USA hinsichtlich des Präsidentschaftswahlkampfes berichten. Ich bin davon überzeugt, dass die Wahlen in den USA große Auswirkungen nicht nur auf die USA, sondern auf die ganze Welt haben, und eine große Zahl gerade auch aus christlicher und katholischer Perspektive wichtiger Konsequenzen mit sich bringen werden. Zudem verfolge ich die amerikanische politische Landschaft schon seit einigen Jahren, so dass ich mir einbilde, mich damit einigermaßen auszukennen.

Doch genug der Vorrede. Der Wahlkampf läuft bereits auf Hochtouren. Gerade in diesen Tagen haben Demokraten und Republikaner ihre jeweiligen Nominierungsparteitage beendet. Romney und Obama sind damit auch offiziell die Kandidaten ihrer jeweiligen Partei. Wie auch bei deutschen Parteitagen werden jedoch die wesentlichen Entscheidungen lange vorher hinter verschlossenen Türen getroffen. Anders als bei deutschen Parteitagen gibt es durch das amerikanische Vorwahlsystem wenigstens ein Mitspracherecht der Parteianhänger bei der Auswahl der Kandidaten. Die Vorwahlen sorgen immer wieder für Spannung und haben den zusätzlichen Vorteil, dass die Parteieliten ihre Anhänger nicht ganz so vollständig ignorieren können wie es in Europa üblich ist.

So hat sich Romney über viele Monate gegen mehrere ernsthafte Rivalen zur Wehr setzen müssen, bevor er überhaupt das Recht erworben hatte, gegen Obama antreten zu dürfen. Unter anderem bezwang er dabei den traditionell-katholischen Ex-Senator von Pennsylvania, Rick Santorum, der wohl der Wunschkandidat der meisten katholischen Konservativen (und nicht weniger Evangelikaler) gewesen sein dürfte.

Santorum ist einer der bekanntesten und effektivsten Streiter für das Lebensrecht der Unschuldigen Kinder, für die natürliche Familie und für eine Gesellschaft im Sinne der katholischen Soziallehre. Im Gegensatz zu einigen anderen Republikanern, deren „Konservatismus“ sich in liberaler Wirtschaftspolitik erschöpft, steht Santorum nicht bloß für das Individuum, sondern für die Person. Er sieht aufgrund seiner Verankerung in traditioneller katholischer Soziallehre die Ergänzungsbedürftigkeit des Individuums. Das freie Individuum auf dem freien Markt ist nicht seine Idealvorstellung. Diese Tatsache hat dazu geführt, dass er als Senator öfters mit linken Demokraten wie Ted Kennedy z.B. für gewisse Programme zur Armutsbekämpfung oder andere derartige Anliegen gekämpft hat, obwohl er einer der konservativsten Senatoren überhaupt war.

Doch leider war Santorum für die etablierten Republikaner zu konservativ und zu christlich. Denn Santorum war wirklich gegen Abtreibung, nicht nur wenn es um die Mobilisierung der konservativen Parteibasis ging, sondern aus Überzeugung, auch in schwierigen Fällen. Er glaubte wirklich an die Verteidigung der natürlichen Familie und hielt auch daran fest, wenn es ungemütlich wurde. Er scheute sich nicht, die Folgen der Verhütungsmentalität klar zu benennen und gegen die staatliche Förderung von Verhütungsmitteln Stellung zu beziehen. (Romney führte diese Förderung als Gouverneur von Massachussetts in seinem Bundesstaat selbst ein!) Die republikanische Parteielite machte mobil, um Santorum zu verhindern und sie hatte Erfolg, wenn auch knapp. Man machte sich Santorums Abweichungen von der Parteilinie zunutze und stellte ihn als nicht konservativ genug dar. Zugleich erklärte man den Wählern, Santorum sei auf jeden Fall unwählbar, weil er die Gemäßigten nicht erreichen könne, da diese für „fortschrittliche“ Gesellschaftspolitik, für legale Abtreibung, kostenlose Verhütung für alle und staatliche Privilegien für Homosexuelle seien.

Trotz dieser massiven Kampagne gewann Santorum insgesamt elf Bundesstaaten und führte im Februar lange Zeit in den nationalen Vorwahlumfragen. Der entscheidende Wendepunkt kam am 28. Februar. Bei den Vorwahlen in Michigan holte er 36%, Romney 37%. Die restlichen 27% verteilten sich auf andere sehr konservative Bewerber, die sicherlich eher Santorum als Romney gewählt hätten. Doch da Newt Gingrich sich als sehr konservativer Republikaner darstellte und einige Wähler dem eingefleischten Mitglied der republikanischen Parteielite diese offensichtliche Pose auch noch glaubten, unterlag Santorum in Michigan extrem knapp, statt einen deutlichen Sieg einzufahren.

Eine Woche später verlor er noch knapper (0,8% Unterschied) in Ohio, wobei Gingrich wieder 15% der Stimmen gewann, die im Falle eines Duells Santorum-Romney sicherlich niemals Romney zugute gekommen wären.

Danach war Santorums Kampagne zwar noch längst nicht geschlagen (er holte noch weitere Siege in verschiedenen Staaten), doch nach diesen zwei Nackenschlägen trocknete die finanzielle Lage Santorums immer mehr aus (er hatte von Anfang an keinen Zugriff auf die Spenden der wohlsituierten Eliten, da er sich schroff gegen sie gewendet hatte, doch nach diesen zwei knappen Niederlagen glaubten die Wähler nicht mehr an eine Siegchance Santorums und hielten ihr Geld beisammen). Immer mehr drangen nun Plädoyers für innerparteiliche Einigkeit an die Öffentlichkeit. Santorum solle seine Kandidatur zurückziehen, um einen langen Vorwahlkampf zu vermeiden, der den Republikanern bei den allgemeinen Wahlen im Herbst schaden könnte. Santorum wehrte sich eine Weile tapfer dagegen, doch schließlich zog er im April zurück, nachdem er noch weitere Staaten knapp verloren hatte, wiederum wegen der andauernden Kandidatur Gingrichs, dessen reiche Geldgeber dafür sorgten, dass er weitermachen konnte, bis Santorum praktisch geschlagen war).

So stand also spätestens im Mai fest, dass Mitt Romney den Präsidenten herausfordern würde. Doch wofür steht Romney eigentlich? In den deutschen Medien hört man, wenn überhaupt, nur, dass die Republikaner konservativ seien und dass das auch für Romney gelte. Seine Gegner und die Mainstream-Medien zeichnen von ihm das Portrait eines raffgierenden Kapitalisten von rechtsaußen. Doch das stimmt überhaupt nicht. Im Gegenteil: Romney gehört zum gemäßigten Flügel der Republikaner und ist gerade in den wesentlichen kulturell-gesellschaftlichen Fragen überhaupt nicht konservativ, sondern steht Obama recht nahe. Als er für den Posten eines Senators von Massachussetts kandidierte (1994), erklärte er, er sei für legale Abtreibung, für „Roe vs. Wade“ (die Entscheidung des US-Supreme-Courts, durch die Abtreibung praktisch ohne Einschränkungen bundesweit legalisiert wurde) und sehe Abtreibung als Frauenrecht an. Er überholte damit den bekanntlich sehr weit links stehenden Demokraten Ted Kennedy, seinen damaligen Herausforderer, sogar noch links.

Ebenso ist Romney in anderen wesentlichen Grundsatzfragen nicht konservativ, sondern äußerst progressiv. Als Gouverneur von Massachusetts hat er die staatliche Subventionierung von Verhütungsmitteln eingeführt und befürwortet sie noch bis heute. Er gilt auch was die Privilegierung von homosexuellen Partnerschaften betrifft als nicht besonders konservativ. Während seiner Gouverneurszeit war Massachusetts der erste US-Bundesstaat, der die „Homo-Ehe“ einführte.

Was also die Verteidigung des Lebensrechts und der natürlichen Familie betrifft, so ist Romney ein Totalausfall gewesen. Oder sagen wir, er war es, bis er plötzlich die Chance sah, für das Amt des Präsidenten zu kandidieren. Da die republikanische Basis in diesen Fragen sehr konservativ ist, begann Romney seine Positionen passenderweise zu modifizieren, damit er bei der Basis besser punkten konnte. Auf einmal behauptete er gegen Abtreibung zu sein, auch wenn ihm niemand glaubte. Die ganze Geschichte wäre vielleicht glaubwürdiger gewesen, wenn Romney ernsthaft gegen die legale Abtreibung eingetreten wäre. Doch es blieb bei dem lauen rhetorischen Bekenntnis, dass er „pro-life“ sei.

In allen wesentlichen Kontroversen seit seiner angeblichen „Bekehrung“ zum Lebensschützer vor etwa sechs Jahren ist Romney niemals ein politisches Risiko eingegangen, um sich für das Recht auf Leben einzusetzen. Im Gegenteil. Bis heute vertritt Romney, die Tötung der Unschuldigen müsse legal sein, wenn es sich um das Kind eines Vergewaltigers handle. Romney lehnt die Todesstrafe für Vergewaltiger ab, aber er befürwortet sie für das Kind, das als Resultat einer Vergewaltigung gezeugt worden ist. Das klingt nicht nach Lebensschutz, sondern nach eiskaltem politischem Opportunismus.

Diese drei Worte – eiskalter politischer Opportunismus – beschreiben Romney überaus treffend, nicht nur beim Lebensrecht. So verkauft er als seinen Haupterfolg als Gouverneur von Massachusetts die Einführung eines Krankenversicherungsgesetzes, das dem 2009 von Obama durchgesetzten Gesetz sehr ähnlich ist. Zugleich behauptet er, Obamas Gesetz abzulehnen und wieder abschaffen zu wollen. Einfacher zynischer Opportunismus. Der Mann will um jeden Preis an die Macht. Überzeugungen, die darüber hinaus gingen, hat er nicht.

Wäre Romney ehrlich, so müsste er folgenden Wahlslogan verwenden:

Zynisch. Opportunistisch. Verlogen. Wählt Romney, weil er nicht Obama ist.

Und das ist auch der einzige Grund, warum man als Christ Romney wählen kann. Er ist zwar ebenso zynisch, opportunistisch und verlogen wie der derzeitige Amtsinhaber, und er ist auch nicht gerade für mit dem christlichen Gewissen vereinbare Politik bekannt, aber Obamas Agenda ist inzwischen offen anti-christlich und Romney ist Opportunist genug, dass er dem politischen Druck der Lebensrechtsgruppen und der konservativen Basis nachgeben wird, wenn er erst einmal gewählt ist und in seinen Wiederwahlchancen von dem Wohlwollen der christlichen Lebensrechtler abhängt.

Wahlkampf in Amerika

In etwa zwei Monaten werden die Wähler in den USA darüber entscheiden, ob Barack Obama vier weitere Jahre im Weißen Haus wohnen darf, oder ob dort Mitt Romney einzieht. Es handelt sich dabei wohl um die heißeste Wohnortdebatte der Welt, denn um Inhalte ging es eigentlich leider kaum. Der Hund von Mitt Romney nahm mehr Raum im Wahlkampf ein, als die enormen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schwierigkeiten, vor denen die USA stehen. Mit der Auswahl Paul Ryans, eines katholischen Abgeordneten des Repräsentantenhauses aus Wisconsin, so war erwartet worden, würde sich dies nun ändern. Denn Ryan gilt nicht nur als konservativer Kontrast zu Obama, sondern hat auch einen konkreten Plan zur Bekämpfung des Haushaltsdefizits vorgelegt. Inhaltlich, so scheint es, hat sich Romney damit ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt, denn jegliche Reform des Sozialsystems löst in den USA – ebenso wie in Europa – immer heftige polemische Anwürfe von links aus.

Doch wer nunmehr einen inhaltlich bedeutsamen Wahlkampf erwartet hatte, der wurde spätestens bei dem Parteitag der Republikaner in der vergangenen Woche mächtig enttäuscht. Es war die übliche Mischung von Party, inhaltslosen Floskeln und persönlichen Angriffen gegen den Amtsinhaber. In etwa dasselbe, was auch von den Demokraten bei ihrem Parteitag in der nächsten Woche zu erwarten ist.

Wie immer werden diese Shows für einige Tagen die Umfragewerte bewegen, bevor sich das alles wieder normalisiert. Die Kandidaten werden weiterhin Kopf an Kopf liegen.

Viel interessanter als das vordergründige Posieren der beiden Parteien und ihrer Kandidaten als der einzige, der das Land nicht zugrunde richten wird, ist jedoch das, was sich hinter den alltäglichen politischen Trends verbirgt. Interessant ist nicht das politische Wetter, sondern das politische Klima, jene langfristigen Entwicklungen, die sich nicht in Umfragen, Wahlreden und Kurzinterviews niederschlagen, die aber das Fenster des erlaubten Diskurses zu verschieben vermögen.

Grundsätzlich gibt es immer eine gewisse Spannbreite erlaubter Positionen, außerhalb derer sich niemand stellen kann, wenn er überhaupt noch Wahlchancen haben möchte. Ebenso darf man dieses Fenster nicht verlassen, wenn man nicht das Opfer gesellschaftlicher – oder zuweilen sogar strafrechtlicher – Sanktionen werden möchte. Dies sieht man etwa am Beispiel der Holocaustleugnung in Deutschland oder dem Schicksal der antichristlichen Punk-Bande, die ihren blasphemischen Unfug in Russland zu treiben versucht hat. Wer sich zu weit aus dem Meinungsmainstream herauswagt, der bekommt kein Bein mehr auf den Boden. Das ist immer und überall so.

Entscheidend ist für die langfristige politische Entwicklung nun nicht so sehr, welche Partei die Wahl gewinnt, sondern wie sich dieses Fenster erlaubter Positionen im Laufe der Zeit verschiebt. Die familienfeindlichen Parolen, die heute CDU-Programmatik sind, hätte sich kein ehrbarer Sozialdemokrat in der Weimarer Republik zu sagen getraut. 1970 war der hart-linke US-Demokrat Ted Kennedy vehement gegen Abtreibung, wie auch noch in den 80er-Jahren Al Gore, Bill Clinton und viele andere Demokraten, die sich später als Gefolgsleute des Herodes hervorgetan haben. Heute, und damit kehren wir zum aktuellen Wahlkampf in den Vereinigten Staaten zurück, trauen sich selbst die angeblich „konservativen“ Republikaner nicht mehr, diese Position ernsthaft und überzeugt zu vertreten. Auf ihrem Parteitag war davon wenig zu hören und Romney hat sich erstv rechtzeitig für die Vorwahlen im Sinne der „konservativen Parteibasis“ zum Abtreibungsgegner gewandelt, während er vorher immer für das „Recht auf Abtreibung“ eingetreten ist. Währenddessen haben sich die Demokraten endgültig als die Partei des Todes definiert, in der Abtreibungsgegner mit offener Feindseligkeit behandelt werden, denen man nicht einmal mehr die Freiheit ihres Gewissens zugestehen möchte. Diese Verschiebung ist nicht das Resultat von Wahlen. Im Jahre 1973 erfand der Supreme Court in seinem berüchtigen Urteil im Fall „Roe vs. Wade“ ein nahezu unbeschränktes Recht auf Abtreibung. Vorher war die Abtreibungsgesetzgebung aufgrund der bundesstaatlichen Ordnung der USA Ländersache, doch durch das Urteil von 1973 hob der Supreme Court die Abtreibungsfrage auf die Bundesebene. Zwischen 1976 und 2008 hat nur Bill Clinton das Weiße Haus als Abtreibungsbefürworter erobert, und das auch nur, indem er nicht müde wurde, seinen Wunsch nach „weniger Abtreibungen“ kundzutun.

Nein, die Verschiebung des Fensters der erlaubten Meinungen resultiert nicht aus Wahlergebnissen, sondern aus breiteren kulturellen Entwicklungen. Die Gesellschaft verändert sich immer weiter in eine bestimmte Richtung, und irgendwann werden bestimmte, früher selbstverständliche Haltungen, wie etwa das Lebensrecht für die Ungeborenen, erst umstritten, dann seltsam, dann extrem und schließlich unwählbar. Diese Veränderungen haben nichts mit Wahlen zu tun, weshalb Wahlen auch nur selten wirklich wichtige Ergebnisse zeitigen.

Diese Veränderungen resultieren auch nicht aus dem Volkswillen, denn das Volk als solches hat keinen Willen. Das, was als Volkswille verpackt und mundgerecht medial verabreicht wird, ist nicht der Wille des Volkes, sondern immer – in jedem politischen System – der Wille der gesellschaftlichen und kulturellen Elite. Die Schmiede dieser Elite ist im weitesten Sinn des Wortes die moderne Universität oder das moderne Bildungswesen. Dort werden die Grundansichten und Vorurteile geprägt, die die nächste Generation an Meinungsmachern in Politik, Wirtschaft, Kunst, Kultur und Medien gemeinsam haben wird. Fast alle Meinungsmacher sind Produkte der modernen Universität, besonders jene, die sich für individuell, kreativ und eigenständig genug halten, um sich „zu allem eine eigene Meinung zu bilden“. Die Meinungsbildner machen die Meinungsmacher und die Meinungsmacher machen den Volkswillen.

Christliche Positionen zu äußern, ist heute praktisch undenkbar, wenn man noch als respektables Mitglied der Gesellschaft zu gelten wünscht. Klar, mancher wird noch toleriert, als Hofnarr oder respektabler alter Opa, dessen „vorsintflutliche“ Ansichten bald aussterben. Narr, Fossil oder Paria – das sind die Alternativen für den ernsthaften Christen in der postmodernen Welt.

Zu spüren bekommen hat dies der bewundernswerte christliche Gentleman Todd Akin im Kontext des Wahlkampfes in den USA. Er ist republikanischer Senatskandidat für den Bundesstaat Missouri und gläubiger evangelischer Christ. Er verkündete seine feste Überzeugung, dass Abtreibung immer die Tötung eines unschuldigen Menschen ist, und daher immer, auch nach Vergewaltigungen abgelehnt werden müsse. Zudem sprach er die Binsenweisheit aus, dass es auch „Vergewaltigungsopfer“ gibt, die gar nicht vergewaltigt worden sind. Schließlich tat er noch eine zweifelhafte Äußerung über die bei einer Vergewaltigung ablaufenden biologischen Prozesse und die Wahrscheinlichkeit, mit der sie zu einer Schwangerschaft führen.

Seine Einlassungen zum Thema Biologie waren wohl sachlich weitgehend falsch, und dies kann man gern kritisieren. Er muss sich besser informieren, bevor er sich zu solchen Themen äußert. Dass Vergewaltigung oft einfach behauptet wird, auch wenn sie gar nicht stattgefunden hat, ist allgemein bekannt, aber vielleicht politisch unkorrekt. Dieses Thema im Wahlkampf anzusprechen, kann man aus strategischen Gründen kritisieren, da es die Wahlchancen schmälert, dem politischen Gegner Material liefert, und unsensibel gegenüber vergewaltigten Frauen wirken könnte.

Nach Akins Äußerungen brach ein Sturm der geheuchelten Entrüstung in den linksliberalen Mainstream-Medien los. Das war zu erwarten. Für diese Leute ist Abtreibung ein Sakrament, das nicht kritisiert werden darf.

Akins eigene Partei fiel über ihn mit einer tollwütigen Wildheit her, die seinen milden, unglücklichen Worten nicht angemessen war. Und die Kritik bezog sich nicht auf seinen Faktenirrtum zum Thema Biologie, nicht auf seine etwas unsensible Formulierung, sondern direkt auf den Hauptinhalt seiner Worte: Auf die Ablehnung von Abtreibung nach Vergewaltigung. Dies sei nicht die Position von Romney und Ryan, und nicht die Position der Republikaner, hieß es. Man forderte Akin zum Rücktritt auf. Man entzog ihm jegliche finanzielle Unterstützung der Bundespartei. Es wurden sogar Rufe laut, man möge der kleinen Schar treuer Gefährten, die an Akin festhalten wollte, das Rederecht auf dem Parteitag entziehen. Die Stimmung erinnerte an die Säuberungsaktionen, die in kommunistischen Parteien gegen Dissidenten und „Rechtsabweichler“ öfters vollzogen worden sind.

Akin, ein Mann mit Rückgrat, der sich für die Wortwahl längst entschuldigt und seinen biologischen Kenntnisstand aufgebesser hat, aber inhaltlich an seiner festen Unterstützung des Lebensrechts auch für Kinder, deren Mütter vergewaltigt worden sind, festhält, liegt in den Umfragen nunmehr gleichauf mit seiner Gegenkandidatin McCaskill. Er hat nicht die Absicht, von seiner Kandidatur zurückzutreten. Vielleicht wird es dieser Mann mit dem starken, christlichen Glauben und seinem unverrückbaren Gewissen ja noch in den Senat schaffen. Zu gönnen wäre es ihm.

Doch was auch immer aus Todd Akin werden wird; sein Fall hat bereits heute gezeigt, dass es in den USA keine Partei mehr gibt, die für elementare christliche Grundwerte und die Allerschwächsten einzustehen bereit ist, dass sich auch unter linksliberalen Abtreibungsbefürwortern wie Mitt Romney im Weißen Haus nichts ändern wird, dass die Menschenwürde der Ungeborenen auch unter Heuchlern wie Romney mit Füßen getreten werden wird, und dass die Republikaner sich – von wenigen Ausnahmen abgesehen – längst dem sich verschiebenden Fenster erlaubter Meinungen angepasst haben.

Und dass selbst der heuchlerisch zur Schau gestellte Ökumenismus keinen einzigen katholischen Bischof dazu bewegen konnte, das mutige Zeugnis eines gläubigen evangelischen Mitchristen für die Ungeborenen und Unschuldigen auch nur mit einem einzigen Wort lobend zu erwähnen.

Im modernen Amerika – wie im modernen Europa – ist Abtreibung das einzige anerkannte Sakrament aller etablierten Parteien.

Abtreibung: Das grundlegende Argument

Einleitung

Abtreibung ist ein meist totgeschwiegenes Thema, das, wenn es überhaupt einmal zur Diskussion steht, zudem noch mit Vorurteilen aufgeladen ist. Wenn man mit Abtreibungsbefürwortern spricht, erschöpft sich das allgemeine Niveau meist in „mein Bauch gehört mir“ und „du bist gegen Frauen“ oder „gegen Entscheidungsfreiheit“. Nur selten hat man die Chance zur sachlichen Entgegnung, aus der dann vielleicht ein freundschaftliches Gespräch entsteht.

Doch aus verschiedenen Diskussionen über das Abtreibungsthema, an denen ich aktiv oder passiv (als Zuhörer) teilgenommen habe, weiß ich auch, wie schwer es Lebensschützern oft fällt, ihre Position auf verständliche, nicht-religiöse Weise zu artikulieren. Natürlich ist das religiöse Argument für ernsthafte Christen so zwingend wie kein anderes. Doch nichts schreckt einen Abtreibungsbefüworter mehr ab als ein „religiöser Fundamentalist“, der „wieder diesen Gott ins Spiel bringt“. Wenn man mit Abtreibungsbefürwortern sprechen will, muss man sie dort „packen“, wo ihre Überzeugung angreifbar ist, und wo eine gemeinsame Basis besteht.

Das fällt vielen christlichen Lebensschützern schwer. Daher erlebe ich immer wieder (hauptsächlich in Internetdebatten, aber auch sonst) einen von zwei Effekten: Entweder der Lebensschützer argumentiert religiös, und der Abtreibungsbefürworter antwortet, die „alten Kerle in der Kirche, diese Kinderf….“ und den Rest kann man sich denken. Oder der Abtreibungsgegner geht auf die Befindlichkeiten des Gegenübers ein, und argumentiert gegen besonders barbarische Formen der Abtreibung, oder gegen Väter, die die von ihnen geschwängerten Frauen zur Abtreibung zwingen, oder gegen Spätabtreibung, oder gegen Abtreibung zur Geschlechterselektion, oder andere Fälle, in denen vielleicht ein Konsens zu erzielen wäre.

Selbst wenn der Lebensschützer mit dieser Strategie Erfolg hat, ist noch nicht viel gewonnen. Die meisten Abtreibungen geschehen nun einmal nicht aufgrund solcher Extremsituationen, sondern einfach, weil das Kind gerade nicht passt, oder die Finanzlage knapp ist, oder die Partnerschaft „einfach kein Kind aushält“ usw. Der Abtreibungsbefürworter wird weiterhin alle diese „normalen“ Abtreibungen befürworten.

Der einzige Weg, einen Abtreibungsbefürworter vom Gegenteil zu überzeugen, ist, in ihm die Erkenntnis reifen zu lassen, dass das ungeborene Leben ein menschliches Leben ist, das wie jedes menschliche Leben unter dem besonderen Schutz der Gesellschaft und des Staates zu stehen hat. Glücklicherweise ist das nicht nur ein Argument, das Abtreibung gleich grundsätzlich als falsch erscheinen lässt, sondern auch noch ganz ohne Zuhilfenahme religiöser Botschaften vermittelbar.

Das grundlegende Argument

Jedes gute Lehrbuch der Biologie oder Embryologie wird bestätigen, dass das menschliche Leben, das heißt das Leben eines Organismus unserer Spezies, mit der Befruchtung der Eizelle beginnt, und zu keinem späteren Zeitpunkt. Alle späteren Vorgänge sind Reifungsprozesse eines bereits bestehenden, existierenden, menschlichen Wesens, eines ganz, ganz kleinen Kindes. Da haben wir schon einen kleinen Menschen, der dann langsam seine Anlagen ausbildet, die ihm genetisch mit auf den Weg gegeben sind. Durch die Ausbildung dieser Anlagen verändert sich dieser Mensch sehr stark. Es kommt zur Diversifikation der Körperfunktionen; „Stammzellen“ differenzieren sich aus, Organe werden geformt, ein kleines Herz fängt nach wenigen Wochen bereits an zu schlagen. Doch das sind alles Veränderungen, die an dem schon existierenden Menschen geschehen.

Und dass das so ist, das lehrt nicht die Kirche, sondern die Wissenschaft. Es ist keine religiöse These, dass das menschliche Leben mit der Zeugung beginnt, sondern eine biologisch sehr gut bestätigte, und wissenschaftlich nicht umstrittee Tatsache. Das menschliche Leben beginnt mit der Zeugung, mit der Befruchtung der Eizelle. Nicht mit der Implantation, nicht nach drei Monaten, nicht wenn das Kind überlebensfähig außerhalb des Mutterleibs wäre, nicht bei der Geburt, sondern im Moment der Befruchtung.

Wollen wir uns wirklich gegen den wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt im Interesse überkommener feministischer Dogmen stellen? Wollen wir der rationalen Wissenschaft folgen, oder der Päpstin Alice Schwarzer dienen?

Und wenn wir einmal anerkennen, dass das, was da in „meinem Bauch“ ist, der „mir gehört“, eben nicht bloß „ein Zellhaufen“ ist, sondern ein individuelles, genetisch einzigartiges, unverwechselbares Lebewesen, nämlich ein kleines Menschenkind, dann können wir nicht mehr sagen: „Mein Bauch gehört mir“. Denn selbst wenn mein Bauch mir gehört – der Mensch in meinem Bauch gehört nicht mir. Und wenn man diesem Menschen keine vorübergehende Heimstatt im „Bauch“ bietet, dann stirbt dieser Mensch. Dann töten wir diesen Menschen.

Also ist Abtreibung die Tötung eines kleinen, unschuldigen, schutzbedürftigen Etwas, das nach eindeutigen wissenschaftlichen – nicht religiösen – Erkenntnissen ein Mitglied der menschlichen Spezies ist.

Und man darf keine Menschen töten. Das erkennt wohl auch der Abtreibungsbefürworter normalerweise abstrakt an.

Doch wenn

(1) Abtreibung die Tötung eines Menschen ist,
und
(2) Tötung eines Menschen moralisch falsch ist und gesetzlich bestraft gehört,
dann gilt:
(3) Abtreibung ist moralisch falsch und muss gesetzlich bestraft werden.

Wissenschaft und Logik führen also zum Abtrebungsverbot – das Festhalten an der legalisierten Abtreibung ist also nur faktenresistentes rückständiges Festklammern an überkommenen Dogmen längst gescheiterter politischer Ideologien.

Natürlich gibt es dagegen auch wieder Einwände von seiten einiger Abtreibungsbefürworter, die nicht mit Stammtischparolen wie „Mein Bauch gehört mir“ argumentieren, doch dazu später mehr.

Lügen in der Abtreibungsfabrik

Lila Rose, die Gründerin von „Live Action“

Der Hochwürdige Herr Alipius hat kürzlich die in der englischsprachigen katholischen Blogosphäre schon seit langem tobenden Kampf um die Rechtmäßigkeit der Lüge als Teil einer Undercover-Operation gegen Abtreibungsorganisationen wie „Planned Parenthood“ in die deutsche Blogozese importiert. Die Details der aktuellen Situation kann man sich bei Alipius abholen, aber im Prinzip hat die amerikanische Lebensschutzgruppe „Live Action“ Undercover-Operationen durchgeführt, um die selbst nach dem liberalen amerikanischen Abtreibungsregime nicht akzeptablen Zustände bei Planned Parenthood aufzudecken. Zu diesem Zweck kreuzte man bei einer Niederlassung der Abtreibungsförderer auf, und gab sich fälschlich als Kunde aus, der eine Abtreibung wolle, und zwar jeweils aus selbst in den USA noch als verwerflich geltenden Gründen. Die Reaktion der Mitarbeiter von PP filmte man mit versteckter Kamera und veröffentlichte sie später.

Die Moralität dieser Taktik ist natürlich sehr umstritten. Bereits vor einigen Monaten, als ein vergleichbares Video veröffentlicht wurde, explodierte die englische Katholosphäre angesichts der Frage, ob das Vorgehen von Live Action moralisch zulässig sei. Manche behaupteten, es sei eine Lüge, und Lügen sei immer moralisch falsch, so sage es der Katechismus. Andere erklärten, die Abtreiber bei PP hätten „kein Recht auf die Wahrheit“, und man dürfe ihnen deswegen auch Falsches erzählen, ohne dadurch im strengen Sinne zu lügen. Wieder andere brachten philosophische Argumente vor, die mal so und mal so ausgingen. Die Debatte steigerte sich so weit, dass nach endlosen Kommentarschlachten am Ende die halbe englische katholische Blogosphäre in Aufruhr war, und die eine Seite die andere beschuldigte, sie sei utilitaristisch, indem sie das Böse rechtfertige, damit Gutes daraus komme, und die andere Seite die eine beschuldigte, sie sei von einem unerträglichen, pharisäerhaften moralischen Rigorismus befallen, der jenseits jeglicher gesunder Moral liege.

Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass allen Beteiligten die Lektüre des alten Gleichnisses mit dem Splitter im Auge des anderen und dem Balken im eigenen Auge gut getan hätte.

Angesichts der radikalen Verurteilungen der sündhaften Lügner von Live Action gerieten die Abtreibungen leider ganz in Vergessenheit. Man hatte halt wichtigeres zu tun…

Nun haben wir die Debatte auch hier in der Blogozese. Glücklicherweise ist sie hier bislang sachlich geblieben, und wir wollen hoffen, dass dies auch so bleibt. Doch eine Frage bekomme ich einfach nicht aus dem Kopf. Wo ist die Verhältnismäßigkeit in dieser Diskussion? Ja, ich gestehe jederzeit zu, dass die Lüge, verstanden als vorsätzliche Falschaussage mit Täuschungsabsicht, immer und überall moralisch falsch ist. Die folgenden Zeilen sind nicht als Kritik an dieser Auffassung zu verstehen, sondern als Kritik an der Verhältnismäßigkeit der Debatte.

Wir haben zwei Handelnde, A und B.

A verdient sein Geld mit dem Töten unschuldiger kleiner Kinder, und B findet das nicht gut. A ist aber der Meinung, dass das Töten der Kinder nicht so schlimm ist, weil ihre Eltern sie ja nicht gewollt haben, und weil er außerdem viel Geld damit verdient, und sich den Jaguar leisten kann, mit dem er jetzt zur Arbeit fährt. B findet es aber besonders schlimm, wenn jemand kleine Kinder für Geld tötet. Sie ist der Meinung, sie müsse etwas dagegen tun. Doch die Menschen sind nicht an dem Leben der Kinder interessiert, weil es ihnen hinderlich wäre, wenn sie ihre Kinder nicht mehr töten lassen könnten. Also denkt B sich einen Plan aus. Sie geht in die Fabrik, wo A die kleinen Kinder tötet, und behauptet, sie wolle ihr Kind auch töten lassen. A ist ganz begeistert. Aber jederzeit doch, sagt er ihr mit breitem Lächeln, und zählt im Kopf schon das Geld, von dem er sich sein neues Urlaubshaus in den Bergen kaufen will. Da bist du hier richtig.

Es gibt da nur ein Problem, sagt B. Ich will mein Kind töten lassen, weil es ein Mädchen ist. A wird bleich. Kinder töten zu lassen finden die Menschen da draußen zwar ganz okay, aber etwas gegen Mädchen zu haben, nicht. Doch er denkt wieder an sein Urlaubshaus in den Bergen und nickt und lächelt wieder. Kein Problem, sagt er. Wir fragen da nicht weiter nach. Wir machen, was du willst, solange du nur zahlst. B nickt ebenfalls. Kein Problem. Unser Präsident hat ja jetzt ein Gesetz gemacht, durch das meine Versicherung dich für die Tötung meiner kleinen Tochter bezahlt, damit ich sie mir auch leisten kann. Hoch lebe unser Präsident. Ja, bestätigt A, wir haben einen tollen Präsidenten. Er denkt, vielleicht kann er sich dann ja sogar ein großes Segelboot kaufen, was er schon wollte, seit er ein kleiner Junge war, den seine Eltern nicht haben töten lassen.

A und B sind sich einig. A will die kleine Tochter von B gern töten, und solange man ihn bezahlt, ist ihm egal, warum die Mutter ihre kleine Tochter töten lassen will. Doch er hat einen Fehler gemacht. Denn B hat alles mit der versteckten Kamera aufgenommen. Sie veröffentlicht ihr Video im Internet, und so erfahren die Menschen da draußen von dem, was A und B besprochen haben.

Die Katholiken, die von sich sagen, sie wollten nicht, dass die kleinen Kinder getötet werden, sehen sich das Video an, und sind so richtig empört. Wie kann man nur…, denken sie sich. So etwas kann man doch nicht machen! Man darf nicht Lügen! Das geht doch nicht! Der Katechismus sagt, Lügen ist Sünde! Ihr Blut gerät in Wallung. Sie schreiben lange Artikel, in denen sie sagen, dass man gar nicht lügen darf Und dass B eine schlimme Frau ist, die schlimme Sünden begeht, und sich für diese Sünden vor Gott verantworten muss.

Unterdessen tötet A weiter.

Welch eine Absurdität! Erzählen Sie das Ihren Kindern, und sie werden sofort erkennen, wie lächerlich diese ganze Debatte ist. Ja, die Lüge von B ist moralisch nicht ganz makellos. Es ist eine winzige, lässliche Sünde. Und sie bekommt 95% der Aufmerksamkeit.

Das ist als ob nur darüber diskutiert würde, dass der kleine Hans eine Tafel Schokolade gestohlen hat, während in der Nachbarschaft ein Kettensägenmörder umgeht. Einfach grotesk.

Der Teufel hätte es nicht besser gekonnt. Wir greifen Live Action für ihr nicht ganz makelloses Verhalten an, während die Abtreiber sich eins grinsen – sie haben es mal wieder geschafft. Wir rufen: Haltet die Lügner, während die Kronjuwelen gestohlen werden. Wir rufen: nieder mit der lässlichen Sünde, während die Todsünde fröhliche Urstände feiert.

Bischof Tebartz-van Elst zu Ehe und Familie (Teil 1 von 2)

Die katholische Kirche in Deutschland hat in den letzten gut 40 Jahren gesellschaftspolitisch weitgehend stillgehalten. Ob Verhütung, Abtreibung, Zerstörung der traditionellen Familie, Feminismus und Gender Mainstreaming, Homo-Ehe, Künstliche Befruchtung, PID und zunehmend auch Euthanasie – die Revolution der letzten gut 40 Jahre ist selten anders als mit Schulterzucken, Gleichgültigkeit und einzelne, selbst innerhalb der Kirche marginalisierte unerschrockene Wortmeldungen begleitet worden. Durch die stillschweigende Duldung, die mit der Reaktion auf Humanae Vitae und in der Frage der zur Tötung der Unschuldigen berechtigenden Beratungsscheine teilweise gar in direkte Unterstützung der vom Seligen Papst Johannes Paul II. so benannten „Kultur des Todes“ ausgeartet ist, war hierzulande die einzige ernstzunehmende Opposition verstummt. In Deutschland wurde die Kirche wie in den meisten anderen westlichen Ländern natürlich immer noch diffus als Hüterin des Lebensrechts, der natürlichen Familie und des natürlichen Todes wahrgenommen und entsprechend diffamiert – doch die Bischöfe taten sehr wenig, um diesen diffusen Ruf mit Leben, Inhalt und vor allem Argumenten zu füllen. Eine Situation, die auf Gemeindeebene, von einigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen, wenn überhaupt noch schlimmer aussah.

Und mehr noch, eine Situation, die sich bis heute nicht geändert hat, auch wenn mit Bischof Tebartz-van Elst aus Limburg als Familienbischof mal wieder ein Hirte den Mund zu solchen Fragen öffnet, und vor der Lehre der Kirche nicht davonläuft. Im Folgenden das WELT-Interview mit dem Bischof von Limburg vom 5. Dezember präsentiert und wie üblich in rot kommentiert.

Welt Online: Der Streit über das Betreuungsgeld für Eltern gleicht einem Glaubenskampf. Wie steht der katholische Familienbischof dazu? (Schon dass man diese Frage überhaupt stellen muss, sagt uns viel über das angstvolle Schweigen seitens des deutschen Episkopats.)

Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst: Aus Sicht der Kirche begrüße ich alle Initiativen, die den Erziehungsauftrag der Eltern unterstützen. Wo Eltern in der Lage sind, ihren Kindern in den ersten drei Lebensjahren (warum nur in den ersten drei Jahren? Warum die Anpassung an die Kindergartenmentalität? Ist die „Selbstverwirklichung“ der Eltern danach erste Priorität für den „Familienbischof“? Warum nutzt man nicht die Gelegenheit zu deutlichen Aussagen über Grundsatzfragen?) all das zu geben, was der seelischen und leiblichen Entwicklung des Kindes dient, sollte der Staat dies unbedingt fördern – auch um das Bewusstsein wachzuhalten, dass eine verlässliche Mutter-Kind- und Eltern-Kind-Beziehung nicht adäquat durch andere Einrichtungen ersetzt werden kann. (Das ist soweit richtig. Aber das trifft auf das vierte, fünfte, sechste… Lebensjahr genauso zu. Auch dass Eltern ihre Kinder in Kindergärten abladen, um nicht mehr von ihnen behindert zu werden, während sie ihren erlauchten Selbstverwirklichungsträumen nachhechten, ist nicht gerade eine löbliche Entwicklung. Zumal Kinder in Kindergärten heutzutage generell nicht gerade im christlichen Geiste erzogen werden, selbst in sogenannten katholischen Kindergärten.)

Welt Online: Daraus spricht Skepsis gegenüber Kinderkrippen. (Maria hätte ihren Sohn niemals weggegeben, und Joseph auch nicht. Die heutigen Ablagehalden für Kinder sollten nicht denselben Namen tragen, wie die Krippe, in der das Jesuskind liegt… Ich schlage vor: Kind-Zentralisationslager)

Tebartz-van Elst: Der Erziehungsauftrag der Eltern hat auch nach unserem Grundgesetz unbedingte Priorität. (Ja, nach unserem Grundgesetz ist das so. Welche kindliche Naivität veranlasst den Bischof zu glauben, das Grundgesetz spiele in der heutigen Republik noch irgendeine nicht-antiquarische Rolle? Im Grundgesetz steht auch das Recht auf Leben, das seit Jahrzehnten von allen relevanten politischen Kräften rituell mit Füßen getreten wird. Und spätestens seit dem Knebelvertrag von Lissabon ist die Bundesrepublik ohnehin nur noch von historischem Interesse und faktisch längst eine Sowjetrepublik der EU)

Welt Online: Und wenn Eltern nicht in der Lage sind, diesen Auftrag zu erfüllen?

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Tebartz-van Elst: Wo Eltern dieser Verantwortung nicht angemessen nachkommen können, sind Kinderkrippen immer die zweitbeste Lösung. (Nein. Das wären Großeltern und andere Verwandte. Alternativ könnte ein solches Kind auch per Adoption Eltern gegeben werden, welche tatsächlich ein Interesse an dem Kind entwickeln, und es nicht bloß als Konsumgut sehen. Ein Kind in eine so genannte „Krippe“ zu geben, gerade wenn man bedenkt, was das vorherrschende ideologische Gedankengut ist, das hinter der Krippenidee steht, ist nichts als eine besonders subtile und daher besonders perfide Form der Kindesmisshandlung. Ja, es mag Ausnahmen geben. Doch Krippen apodiktisch als „zweitbeste Lösung“ darzustellen, ist schlicht falsch.)  Zielrichtung aller Bemühungen um das Wohl des Kindes muss deshalb für die Politik die Stärkung der Eltern in ihrer Erziehungsverantwortung sein.

Welt Online: Was „Familie“ ist, darüber scheint es heute in der Gesellschaft keinen Konsens mehr zu geben. Hat es der Bischof und Theologe leichter mit einer Definition?

Tebartz-van Elst: Theologisch gesehen ist Familie „Kirche im Kleinen“, ecclesiola, Abbild des Bildes Gottes mit den Menschen und Zeichen seiner unwiderruflichen Treue. (Schöne Worte. Teilt das noch ein anderer Bischof so?) Gesellschaftspolitisch betrachtet ist Familie das, was das Grundgesetz definiert: die Keimzelle unseres Gemeinwesens. Beides beschreibt, was Familie bedeutet. (Ja, doch da gibt es noch die Soziallehre der Kirche, die ebenfalls etwas zur Familie sagt, was Bischof Marx, der sich scheinbar zum obersten Soziallehrer der Bischofskonferenz berufen fühlt, gern verschweigt. Ich empfehle die Enzykliken der Päpste zu diesem Thema – Links siehe auf der Seite „Lehre der Kirche“ auf diesem Blog, oder am Ende dieses Artikels.)

Welt Online: Das Begriffspaar Ehe und Familie ist für die Kirche nicht aufzulösen, aber offensichtlich für die Gesellschaft … (Die Säure des Modernismus zerfrisst alles. Sie löst alles auf, selbst die grundlegenden Bausteine der Gesellschaft. Doch damit sägt sich die Gesellschaft den Ast ab, auf dem sie sitzt, solange es ihr nicht gelingt, den fortpflanzungsprozess in Laboratorien zu synthetisieren und damit auch praktisch von der Sexualität zu trennen. Welche Folgen das haben wird, werden wir, falls das System lange genug durchhält, womöglich noch sehen. Ich empfehle Huxleys Brave New World zu dem Thema. Er war zwar Atheist, aber dennoch zuweilen prophetisch.)

Tebartz-van Elst: …und das halte ich für äußerst problematisch. (Problematisch ist eine schwache Formulierung für „absolut katastrophal“) Denn wo, wenn nicht in der Familie, lassen sich die Ausprägung von Personalität, das Erlernen von Solidarität und das Praktizieren von Subsidiarität besser erfahren? (Solidarität und Subsidiarität: Zwei wesentliche Grundsätze der Soziallehre) Zu diesem unverwechselbaren Lebensentwurf von Ehe und Familie kann es deshalb aus christlicher Sicht keine Alternative geben. (Aus christlicher Sicht? Handelt es sich bei Ehe und Familie also um eine Art christliche Sonderlehre, die sich speziell aus der christlichen Offenbarung ergibt? Seltsam, ergibt sich doch nach der naturrechtlichen Ethik das Verständnis von Ehe und Familie, welches auch die Kirche teilt, bereits durch die natürliche Vernunft.)

Welt Online: Sie meinen, mit ihrem Familienbild sei die Kirche up to date. In politischen Debatten sieht sie eher alt aus. (Welche politischen Debatten? Die Kirche schweigt sich weitgehend aus.)

Tebartz-van Elst: Wir sind mit unserem Verständnis von Ehe und Familie up to date, weil junge Menschen sie nach wie vor in ihrer Lebensplanung als erstrebenswert erachten und sie an die erste Stelle setzen. (Sachlich falsch. Sie mögen das in Umfragen behaupten – kostet ja nichts. Aber praktisch haben Ehe und Familie keine normative Bedeutung mehr in der heutigen Gesellschaft der jungen Leute. Klar sagen sie, „Familie“ sei ihnen wichtig – doch Familie ist dann das unverbindliche Zusammenleben einiger Sexualpartner und vielleicht noch die Zeugung von Kindern mit sofortiger Weitergabe an die Krippe, den Kindergarten usw., also ohne Verantwortung und Bindung.) Zahlreiche Umfragen bestätigen diesen Wert. Wer in den persönlichen Beziehungen Zuverlässigkeit und Treue erlebt, der geht mit Veränderung und Brüchen in unserer Gesellschaft zuversichtlicher um. (Ach so, jetzt reduziert der Bischof den Wert der Familie auf das subjektive Erleben von Zuverlässigkeit und Treue, die den Menschen dazu befähigten, mit „Brüchen“ besser umzugehen. Traurig, aber wahr. An solchen Äußerungen, die ja nicht falsch sind, aber unvollständig, sieht man wie sehr selbst die besseren unter den deutschen Hirten dem Zeitgeist des Modernismus anheim gefallen sind. Die natürliche Vernunft wird gar nicht bemüht, religiöse Argumente fehlen ebenfalls, es bleibt ein psychologischer Appell, die Familie sei nötig, um die Brüche der Moderne verarbeiten zu helfen. Sorry, auf ein solches klinisch von christlichen Elementen gereinigtes Familienbild kann ich verzichten.)

Wer sich persönlich gehalten weiß, kann Fragilität im Leben besser ertragen.

Welt Online: Dennoch beginnt sich ein anderes Bild durchzusetzen: Familie ist da, wo Kinder sind. (Ja, zum Beispiel in der Schule, auf Kinderfriedhöfen oder in Krippen…)

Tebartz-van Elst: Dieser Vorstellung von Familie muss ich widersprechen. (Und warum?) Diese Umschreibung bringt nicht zum Ausdruck, was wir als Christen (wieder eine christliche Sonderlehre? Oder versucht der Bischof nur den vielen gleichberechtigten Alternativreligionen nicht auf die Füße zu treten?) unter Ehe und Familie verstehen. Denn mit Ehe und Familie ist wesenhaft (ist das als Äußerung eines Wesensbegriffs im Geiste der traditionellen Philosophie zu verstehen? Wenn ja, sollte man das dann nicht erläutern, um auch die 99,999% der Leser mit einzubeziehen, die den Hl. Thomas nicht gelesen haben? Und wenn nicht, dann ist es bloß eine Leerfloskel.) die Bereitschaft verbunden, Nachkommen das Leben zu schenken und sie auf dem Fundament lebenslanger Treue (wann hat sich die Kirche in Deutschland zuletzt ernsthaft gegen die Scheidung ausgesprochen? Vermag mich nicht daran zu erinnern.) ins Leben zu begleiten. Im christlichen Verständnis sind Kinder ein Geschenk, denn in ihnen nimmt die Liebe der Partner neue Gestalt an.

Die Weitergabe des Lebens gehört für Christen existenziell zum Schöpfungsverständnis. (Für die Bischofskonferenz nach dem Verrat an Humanae Vitae durch die Königssteiner Erklärung gehört die Weitergabe des Lebens wohl eher ins Museum überalterter, fundamentalistischer Irrwege. Wenn Sie das anders sehen, Exzellenz, wo ist dann ihr Einsatz gegen die widernatürliche Verhütungsmentalität?) Ich halte es für außerordentlich problematisch (nur problematisch? Dann ist’s ja nicht so schlimm. Probleme haben wir viele, braucht man sich ja nicht gleich darüber aufzuregen, oder?), wenn sich immer stärker Vorbehalte gegenüber der Weitergabe des Lebens zeigen. (Seit Jahrzehnten dominieren diese Vorbehalte, genährt von wohlwollender Neutralität seitens der deutschen Bischöfe. Es grenzt an Volksverdummung, davon zu sprechen, derartige Vorbehalte „zeigten“ sich derzeit „immer stärker“. Sie sind längst seit Jahrzehnten dominant.)

Wie sehr das christliche Verständnis von Ehe und Familie und die demografische Entwicklung zusammenhängen, macht schon eine Allensbach-Umfrage aus dem Jahr 2004 deutlich: Menschen gaben hier an, deshalb keine Kinder zu bekommen, weil ihnen der richtige, verlässliche Partner fehle, obwohl sie es prinzipiell wollen. (Menschen wollen prinzipiell Kinder – als Konsumgüter. Sie denken an sich und erkennen, dass sie gern Nachwuchs hätten. Das ist der Unterschied zwischen haben und sein. Sie wollen Kinder HABEN, aber nicht Eltern SEIN. Denn Verantwortung? Abstriche von der besinnungslosen Akkumulation lebloser Konsumgegenstände zur Betäubung der inneren seelischen Leere? Nein, danke.)

Soweit der erste Teil des Interviews, samt Kommentar. Der zweite Teil folgt wahrscheinlich morgen.

Bischof Davies zu Eugenik und Holocaust

Der Bischof von Shrewsbury, Marc Davies, hat laut kath.net anlässlich eines britischen Holocaustgedenktags klare Worte zum Thema der Wiederkehr der Eugenik gefunden, und damit eine selten erwähnte Verbindung zwischen der Nazizeit und der teilweise tagesaktuellen politischen Fragestellung nach Wert und Würde des unschuldigen menschlichen Lebens gezogen. Kath.net berichtet:

Seit dem Holocaust hätten Massenmorde und Völkermorde „weiterhin die Geschichte verunstaltet“. Und „wir können nicht vergessen, dass sich die Rückkehr“ der Eugenik „direkt gegen die Ungeborenen und die Schutzlosen richtet, die man ‚lebensunfähig‘ nennt oder die mit dem ‚Gnadentod‘ bedroht werden. Der Kampf gegen das Böse geht weiter“.

Es findet tatsächlich eine Rückkehr der Eugenik statt, vielleicht nicht mehr in der direkten Absicht der Ausrottung von als minderwertig empfundenen Rassen, doch in einer eng verwandten Absicht. Seit Jahren drängen einflussreiche Kräfte in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien auf die Legalisierung der Tötung altersschwacher, schwerkranker und angeblich nicht mehr lebenswerter Menschen, zuerst noch unter dem Deckmäntelchen der Freiwilligkeit. Doch wie freiwillig ist die Handlung eines alten, kranken Menschen, dem gesellschaftlich über Jahre hinweg suggeriert wird, sein Leben sei doch nicht mehr lebenswert? Allein dieses eine Argument fegt schon die jahrelange Propaganda zum Thema restlos hinfort. Was die interessierten Eliten nicht an der weiteren Verschärfung der Propaganda hindert.

Die Vorstellung, Eugenik sei die Domäne der Nazis gewesen, ist im übrigen vollkommen falsch. Eugenik war, gerade unter den fortschrittlichen, modernen Eliten des frühen 20. Jahrhunderts „der letzte Schrei“. Man dürfe, so entschied der amerikanische Supreme Court, sicher kein Hort des Nationalsozialismus, Zwangssterilisierung durchführen, da „drei Generationen von Geistesschwachen genug“ seien. In den üblichen fortschrittlichen Ländern der USA, darunter an erster Stelle Kalifornien, waren diese Methoden besonders beliebt. Es gibt sehr interessante Parallelen zwischen der Arbeit von Margaret Sanger, der Gründerin von Planned Parenthood, in den 1920er Jahren (sie war übrigens gern gesehener Gast beim Ku-Klux-Klan wegen ihrer Haltung zur Entsorgung der angeblich minderwertigen Schwarzen) und der Arbeit der von ihr gegründeten Organisation bis heute. Verhütung, Sterilisierung, Abtreibung, Euthanasie, wenn möglich freiwillig, wenn nötig auch zwangsweise, immer aber in süßliche Lügen eingekleidet, um das Volk über die wahren Absichten zu täuschen – das war damals das Programm, und das ist es bis heute.

So gehört eine zumindest wohlwollende Neutralität gegenüber der zwangsweisen Bevölkerungskontrolle mittels Abtreibungen durch die chinesische Ein-Kind-Politik unter einflussreichen Eliten in der westlichen Welt mehr oder weniger zum guten Ton. Abtreibung, Verhütung und Sterilisierung gelten schon fast als Grundrechte, und die Euthanasie wird gerade wieder hoffähig gemacht.

Damals ging es oft gegen „minderwertige“ Völker – man wollte die „minderwertigen“ Rassen auslöschen oder zumindest an der Fortpflanzung hindern, um die (in der Regel weiße) Herrenrasse zu fördern. Selbstverständlich zum Wohl der ganzen Menschheit, wurden doch dem Weißen allein die für Zivilisation und Fortschritt notwendigen Qualitäten zugeschrieben.

Heute ist man weniger differenziert. Es geht gegen alle Völker, in der Regel im Namen des Umweltschutzes. Der vom Menschen verursachte Klimawandel wird dazu gern als Vorwand benutzt. Weniger Menschen heißt nach dieser Ideologie auch weniger gefährliche Emissionen, und damit eine gesündere Umwelt. Nur bitte nicht den eigenen Luxus in Frage stellen, denn mit einer bescheideneren Lebensweise der Menschen wäre auch Platz für alle auf der Erde, aber darüber darf man ja nicht sprechen. Zuweilen wird zusätzlich zu dem Umweltargument auch noch von der Befreiung der Frau aus den Fesseln der Mutterrolle angesprochen, die bekanntlich ebenfalls eine sehr hohe Priorität unter westlichen Eliten einnimmt – im Namen der „Gleichstellung“ oder des „Gender Mainstreaming“, welches sowohl von der UNO als auch von der EU als wesentliches Ziel anerkannt und Entwicklungsländern aufgezwungen wird und die aggressive Unterstützung fast aller westlichen Staaten findet. Auch hier gilt natürlich: Weniger Kinder heißt weniger Belastung durch Kinder – also mehr „Freiheit“ für Frauen und Männer zu tun und zu lassen was sie wollen.

Die konkreten Motivationen mögen sich der Zeit anpassen – die Methoden tun es nicht, und sie sind genauso verwerflich wie damals. Auch wenn die heutigen Protagonisten nicht zum Ku-Klux-Klan gehen oder widerliche Schnurrbärte tragen.

Es ist schön, dass diese offensichtliche Parallele auch einmal von einem Bischof erkannt und angesprochen wird.

Schade, dass die deutschen Bischöfe lieber durch ihr Verhalten stillschweigende Zustimmung zur wachsenden Kultur des Todes (wie dies der Selige Johannes Paul II. formuliert hat) signalisieren, statt ihren verbleibenden Einfluss zu energischem Kampf für Wert und Würde aller Menschen, vom Moment der Zeugung bis zum natürlichen Tod, zu nutzen.

Über Krisenschwangerschaften und das Lebensrecht aller Menschen

Die Antwort auf eine Krisenschwangerschaft ist die Krise zu eliminieren, nicht das Kind. (Gefunden hier)

Zu dem Thema sollte man einmal in die Enzyklika „Evangelium Vitae“ von Papst Johannes Paul II. schauen – es lohnt sich.

Auch in Deutschland gibt es Organisationen – kleine, schwache, von der katholischen Kirche leider weitgehend ignorierte Organisationen, die sich ernsthaft für Mütter ungeborener Kinder in schwierigen Situationen einsetzen, ohne diese Hilfe mit der Ermordung ihrer Kinder zu verbinden. Eine solche unterstützenswerte Gruppe ist „Die Birke e.V.“.

Ein Tropfen auf den heißen Stein bei über 100000 offiziell gemeldeten Abtreibungen und Dunkelziffern teilweise jenseits der 300000? Mag sein. Aber jeder dieser kleinen Tropfen auf den höllisch heißen Stein rettet ein Menschenleben… Wie wichtig doch Tropfen auf heißen Steinen sein können. Und bekanntlich höhlt der stete Tropfen am Ende auch den härtesten Stein.

„Personhood“ Initiative in Mississippi gescheitert

Eine von vielen Lebensschützern als Chance begriffene Volksabstimmung im US-Bundesstaat Mississippi ist am gestrigen Dienstag mit fast 60% unerwartet deutlich niedergestimmt worden. Noch Tage vor der Abstimmung hatten Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Befürwrotern und Gegnern der Initiative erwartet.

Wäre die Initiative angenommen worden, hätte fortan in Mississippi jeder Mensch, ab dem Beginn seines Lebens im Moment der Zeugung, den vollen Schutz des Gesetzes genossen. Faktisch hätte dies, zumindest vorläufig (dazu gleich mehr) das Aus für Abtreibung aber auch frühabtreibende Verhütungsmittel wie die „Anti-Baby-Pille“ bedeutet. Mississippi ist einer der gesellschaftlich konservativsten Bundesstaaten, besonders aufgrund einer starken evangelikalen Bevölkerungsschicht, so dass Befürworter der Initiative durchaus gute Chancen gegeben hatten, zumal wichtige landespolitische Vertreter der Republikaner und Demokraten, die Gouverneurskandidaten der Parteien und der noch amtierende republikanische Gouverneur Barbour eingeschlossen, sich hinter den Plan gestellt hatten.

Doch die Front der Lebensschützer war nicht geschlossen. Einflussreiche Lebensrechtsgruppen, darunter National Right to Life, hatten sich gegen die Initiaitive ausgesprochen, da sie befürchteten, sie könne langfristig mehr schaden als nutzen. Warum?

In den USA gibt es durch die Entscheidung des Supreme Courts im Falle „Roe vs. Wade“ aus dem Jahr 1973 ein Recht auf Abtreibung, das ausnahmslos für die ersten drei Monate gilt, und auch danach nur unter besonderen Umständen beschränkt werden darf. Bei der Initiative in Mississippi handelte es sich um einen bewussten, direkten Angriff auf den Präzendenzfall von 1973, in der Absicht, den Supreme Court, der derzeit deutlich konservativer besetzt ist als damals, zu einer neuen Entscheidung zu zwingen. Dass Abtreibungsbefürworter gegen die Initiative klagen würden, das hatten die Lebensschützer einkalkuliert. Letztendlich würde dann das Höchste Bundesgericht, der Supreme Court, über den Fall entscheiden, und von dem erhoffte man sich dann eine günstige Entscheidung. Zumal aus der US-Verfassung, selbst nach der Ansicht vieler Abtreibungsbefürworter, wahrlich kein Recht auf Abtreibung hervorgeht, und es sich bei „Roe vs. Wade“ um eine im Wesentlichen politisch durch den Wunsch nach „fortschrittlicher“ Legalisierung der Abtreibung motivierte Entscheidung gehandelt hat.

Doch ob der Supreme Court seine Entscheidung von 1973 tatsächlich revidieren würde, ist umstritten. Von vier der neun Richter vermutet man zwar stark, sie wollten Änderungen an der damaligen Entscheidung, doch vier sind keine Mehrheit. Fünf Stimmen sind für eine solche Entscheidung erforderlich. Und solange die Demokraten die Mehrheit im Senat haben und Obama Präsident ist, besteht auch keine Aussicht auf die Ernennung eines fünften revisionswilligen Verfassungsrichters, so dass eine Mehrheit, so argumentieren die Teile der Lebensrechtsbewegung, die gegen die Initiative sind, unwahrscheinlich sei. Und verlöre man diesen Fall, so würde dadurch ein weiterer Präzedenzfall zugunsten des „Rechts auf Abtreibung“ geschaffen (und Präzedenzfälle sind entscheidend für das US-Rechtssystems – je mehr Präzedenzfälle es gibt, umso weniger Bereitschaft werden zukünftige Richter zeigen, nunmehr ganz anders zu entscheiden). Die Aufhebung von Roe vs. Wade ist aber die Voraussetzung für ein Abtreibungsverbot, also für konsequenten Lebensschutz. Solange das Verfassungsgericht in die Verfassung ein Recht auf Abtreibung hineinliest, wird jedes Abtreibungsverbot nicht in besserem Lebensschutz, sondern nur in einem weiteren, langfristig schädlichen, Präzedenzfall zugunsten des Rechts auf Abtreibung enden.

Ferner, so die Gegner der Initiative, würde durch eine weitere Niederlage vor dem Supreme Court die öffentliche Meinung noch stärker gegen die Sache des Lebensschutzes gewendet.

Hinzu kommt, dass die katholischen Bischöfe von Mississippi sich öffentlich gegenüber der Initiative für neutral erklärt haben und gravierende Zweifel angemeldet haben, ob diese Strategie im Kampf für das Lebensrecht aussichtsreich sei. Vor diesem Hintergrund der Spaltung der Lebensrechtler kommt die Niederlage in Mississippi nicht überraschend, auch wenn gegenteilige Hoffnungen kurzzeitig durch die Unterstützung der lokalen Politiker und einige Meinungsumfragen geweckt werden konnten.

Zwar ist die Lebensrechtsbewegung in Mississippi stark, vermutlich auch mehrheitsfähig, aber nur wenn sie geschlossen auftritt.

Mit fast 60% Gegenstimmen war die Initiative ein Schlag ins Wasser, und wenn es in Mississippi keine Mehrheit dafür gibt, dann wird es auch kaum einen anderen Staat geben, in dem sich eine solche Volksabstimmung gewinnen ließe.

Wie auch immer man zu der Sachlage und den möglichen rechtlichen Komplikationen, die eine Mehrheit für die Initiative bedeutet hätte, stehen mag, gestern ist eine sehr weitreichende Initiative zum Schutz der Ungeborenen deutlich besiegt worden. Die Tötung der Unschuldigen hat abermals, diesmal dank taktischer Streitigkeiten unter Lebensschützern, einen Sieg errungen.

Soweit die tagesaktuelle Frage – doch, der regelmäßige Leser wird es bereits geahnt (befürchtet?) haben, es gibt da noch mehr zu sagen, eine grundsätzliche Frage, zu der ich noch etwas mehr sagen möchte: Warum ist die Flut der modernistischen Aushöhlung des natürlichen moralischen Gesetzes immer höher als die vorherige Flut und die aktuelle Ebbe immer höher als die vorige Ebbe – kurzum: Warum haben die Verteidiger des natürlichen Sittengesetzes seit mehr als 200 Jahren langfristig immer nur verloren?

Doch davon morgen mehr….