Vom Dialog der Schattenkirche

Es folgt: „Catocon sah Tiere – Ernsthaftigkeit voller Ernst“

Erzbischof Zollitsch – der Leser weiß, was kommt, wenn auf diesem Blog der Name des freundlichen, liebenswürdigen, schwäbischen Märchenonkels aus dem heutigen Serbien genannt wird – kündet, wie kath.net zu berichten weiß, derzeit von den gar erbaulichen Ergebnissen des deutsch-katholischen Dialogprozesses, in dem hauptsächlich verbandskatholische Neo-Reformatoren über die weitere Protestantisierung der geschundenen Mutter Kirche zu beraten unternehmen.

Natürlich braucht man weder den Artikel auf kath.net noch irgendeinen anderen Bericht zum Thema zu lesen. Man weiß ohnehin schon, worin die angepriesenen Ergebnisse bestehen. Natürlich soll weiter beraten werden. Dialog ist ein Instrument zur Schaffung von Dialog, und jede Institution tendiert dazu, sich selbst immer neue Aufgabenfelder zu schaffen, um Fortbestand, Expansion und Finanzmittel zu sichern.

Doch es gibt immerhin eine atemberaubende neue Entwicklung im Gleichklang der revolutionären Graubärtinnen und Graubärte, die im Stuhlkreis tanzend das immergleiche Lied vom Aufbruch verkrusteter Strukturen in eine Neue Zukunft von Kirche singen. Es soll nun nicht mehr nur geredet und verhandelt und gesprochen und diskutiert – offen und ehrlich und ohne Denkverbote, versteht sich – sondern endlich auch gehandelt werden. Die verbandskatholische Armada bereitet sich vor, in See zu stechen. Der Stapellauf der neuen Reformagenda ist in vollem Gange. Bald wird das Schiff der Kirchenreform in gewohnter Manier den starren, überholten, mittelalterlichen, feudalistischen Strukturen den Kampf ansagen, die (durch ihr Festhalten an Zölibat und Sündhaftigkeit der Homosexualität) männliche Priester im Alleingang dazu gebracht haben, sich an vorwiegend männlichen Jugendlichen zu vergehen, indem sie ihre gleichgeschlechtlichen Neigungen frei und ohne falsche Hemmungen und Schuldgefühle ausleben. Und dann werden die Gewohnheitsreformatoren aller Geschlechter die längst überfällige Reform der verkrusteten Strukturen anpacken. Gehhilfen für alle! Sie werden die Flotte der Reaktionäre aufbringen und ihre Schiffe entern. Mit ihren Gehstöcken werden sie den Widerstand der dunklen Krustenkatholiken brechen und die offenen Türen der hinterwäldlerischen Kirchenhierarchie einreißen, und Licht von Freiheit wird in Kirche neue Funken schlagen, und ein Neuer Frühling des Aufbruchs bricht an und bricht aus und bricht mit Rom.

Die Dialoggespräche im verfahrenen Dialogprozess haben, wie gesagt, im immerwährenden Gleichklang des Fortschritts eine neue Dimension erreicht. Wie der Erzbischof Zollitsch verkündet, soll nun, wie schon angedeutet, nicht mehr nur gesprochen und geredet werden, sondern es soll einen Studientag geben, auf dem, wie der Name schon sagt, studiert werden soll. Gehhilfen für alle! Dies ist der Aufbruch des Aufbruchs, der Anfang vom Ende der muffigen Kirchenhierarchie, die sich unter seit Jahrzehnten nicht mehr getragenen Soutanen nicht länger verstecken kann.

Denn jetzt werden die Bleistifte gespitzt und es wird studiert. Was wird studiert? Die Rolle der Frauen in Kirche. Es soll auch mehr „Frauen in Führungspositionen“ in Kirche geben. So spricht und verspricht es zumindest der freundliche Erzbischof von Freiburg. Da „Führungspositionen“ in der katholischen Kirche priesterlicher Natur sind, ist wohl von der Befreiung des Diakonats und/oder Priestertums vom patriarchalischen Dunkelkatholizismus die Rede.

Ob Kristina Schröder und Ursula von der Leyen bereits damit beauftragt worden sind, für diese aufregende neue Idee die passende Frauenquote festzulegen? Gehhilfen für alle!

Immerhin kann wieder einmal konstatiert werden, dass der mutige Schritt der deutschen Schattenkirche unter Papst Dialogos I. so unerhört mutig und revolutionär und aufbrecherisch ist, dass er in seiner ganzen Unerhörtheit ungehört zu bleiben gezwungen ist, weil heimtückische Dunkelkatholiken, wie der radikale ultra-traditionalistische, beton-konservative Patriarchenpapst Pius XIII. Johannes Paul II., im Mittelalter, im vergangenen Jahrtausend, sich in ihrem längst veralteten Dogmatismus angemaßt haben, für alle Zeiten zu bestimmen, dass die Frau in demütigender Abhängigkeit und Minderwertigkeit zu halten ist, indem man ihr die gleiche Teilhabe am Priesteramt in derselben Form verwehrt, in der es schon der unverbesserliche Sexist Jesus von Nazareth zur dauerhaften Unterjochung der Frau bestimmt haben soll (wenn man einmal den nachträglich erfundenen Geschichten über Jesus glauben will, die eine patriarchalische Kirche in tyrannischer Weise diesem Wanderprediger in den Mund gelegt hat).

Diese Gesamtthematik soll nun, hoffentlich aus aufklärerisch-feministischer Sicht, studiert werden. Glücklicherweise steht das Ergebnis schon vorher fest und ist sicher in ideologische Worthülsen verpackt, so dass keine „rationale“ Beschäftigung mit dem Thema droht. Gehhilfen für alle! Diese wäre auch in hohem Maße desaströs, weil in dem treibhausartigen Klima der ängstlichen Unterdrückung, das besonders der bissige Schäferhund Ratzinger in Kirche wieder erzeugt hat, nur die übliche, sozial-konstruierte phallozentrische Perspektive zu Wort kommen könnte, bloß weil alle anderen Perspektiven sich von logozentrischen Betrachtungsweisen abgrenzen, um alternativen Stimmen Gehör zu verschaffen und der Kontamination durch fremdartige Partikel zu trotzen, die von traditionalistischen Hinterwäldlern als „Argumente“ bezeichnet werden.

Die Ergebnisse des Dialogprozesses werden in die Geschichte als der Tag eingehen, an dem der Aufbruch endlich angebrochen und die Kirche endlich abgebrochen wurde, wenn das energische Signal, das seit Jahren und Jahrzehnten um die Stühle kreist, nicht als Ende, sondern als Anfang einer beständigen Diskontinuität der Reform gesehen wird. Das ist an diesem historischen Wendepunkt, in dieser denkunwürdigen historischen Stunde, besonders bedeutsam. Gehhilfen für alle! Wir müssen im Geist des Konzils den Geist des Dialogprozesses suchen und finden, auf dass eine Neue Kirche werde, und das alte Modell, das nicht von aufgeklärten, modernen, emanzipierten Frauen aller Geschlechter, sondern von einem hinterwäldlerischen Zimmermann aus einem winzigen, rückständigen Dörfchen irgendwo in Palästina gegründet worden ist, und daher nicht mehr in unsere Zeit passt, endlich zu Grabe getragen wird, und seine verdiente ewige Ruhe auf dem Müllhaufen der Geschichte findet, nachdem es auf dem Altar der Politischen Korrektheit ohne Weihrauch (nach Empfehlung des Liturgieprofessors) geopfert worden ist.

Fühlt ihr auch den frischen Atem, den unsere Kirche ausströmt, wenn sie alles mutig nachbetet, was der Rest der Welt seit Jahrzehnten fordert, und dadurch ganz neue Akzente setzt, die allein den wahren Aufbruch verbürgen können? Und Gehhilfen für alle natürlich! Öffnet die Fenster und lasst die Frische Luft des Neuen Frühlings in unsere Kirche hinein und unterstützt enthusiastisch die neuen Ergebnisse und Forderungen des sechshundertsechsundsechzigsten Aufgusses des guten alten Dialogs und seiner Unheiligkeit, Papst Dialogos I. und seiner derzeitigen Lebensgefährtin und Mitpäpstin Julia I.

Ahoi, Genossinnen und Genossaußen!

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Salus animarum suprema lex…

Das Heil der Seelen ist das höchste Gesetz der Kirche. Wenn also eine von der Kirche in ihrer Weisheit festgelegte Bestimmung in irgendeinem konkreten Fall dazu führt, dass das Heil menschlicher Seelen in Gefahr gerät, so gilt immer dieses höhere Gesetz. Das Seelenheil steht über allen partikularen rechtlichen Vorschriften. Wir sprechen hier nicht vom göttlichen, sondern vom menschlichen Gesetz, speziell vom kirchlichen Gesetz.

Es ist unbestritten, dass die Piusbruderschaft mindestens durch die Bischofsweihen von 1988 gegen den Buchstaben des Kirchenrechts verstoßen hat. Die Strafe, die sich dem Buchstaben des Gesetzes folgend die an der unerlaubten Weihe beteiligten Personen zugezogen haben, ist seit 2009 aufgehoben, doch das Faktum der unerlaubten Weihe bleibt bestehen. Nun wird, wie meine Leser sicher wissen, von seiten der Piusbruderschaft argumentiert, der Buchstabe des Gesetzes habe in diesem Fall jenem höheren Gesetz weichen müssen. Wie auch immer es damit aussehen mag – darum soll es mir gar nicht gehen. Aber festzuhalten ist, dass man bei der Piusbruderschaft absolut verlässlich die gesunde katholische Lehre zu hören bekommt, an einer zweifellos gültigen und ehrfürchtig zelebrierten Messe teilnehmen kann, die die unverfälschte katholische Theologie des Messopfers klar zum Ausdruck bringt. Und dass die dort zu empfangenden Sakramente derzeit unerlaubt gespendet werden, hat mit der irregulären kirchenrechtlichen Situation zu tun, die, wenn der Heilige Vater es wünscht, einfach dadurch gelöst werden kann, dass er die Bruderschaft ohne weitere Bedingungen regularisiert.

Entsprechend sind auch die Früchte, die die Bruderschaft hervorgebracht hat. Sie wächst, ihre Seminare sind voll, und der heftige Widerstand, der ihr in der „Welt“ entgegengebracht wird, ist ein weiteres Zeichen dafür, dass hier tatsächlich der Heilige Geist am Werk ist. Die Piusbruderschaft ist ein einziges Zeichen des Widerspruchs in unserer Welt. Deswegen ist sie so unpopulär. Sie richtet sich nicht an der Welt aus, sondern einzig und allein an der katholischen Wahrheit.

Wie alles Menschenwerk ist sie nicht vollkommen, und oft genug stehen die menschlichen Schwächen, Sünden und Begrenzungen auch bei ihr einer größeren Effektivität in ihrer Mission im Wege. Das ist immer so. Nicht einmal die Heiligen sind hier auf Erden absolut perfekt, und die meisten Menschen sind eben keine Heiligen, selbst wenn sie Heiligkeit ernsthaft als Ziel anstreben. Über diese menschlichen Schwächen müssen wir also immer hinwegsehen. Tun wir das, dann finden wir bei der Piusbruderschaft die unverfälschte katholische Lehre vor, die aber immer noch keine reguläre kirchenrechtliche Stellung hat.

Was die Piusbruderschaft derzeit tut, widerspricht dem Buchstaben des Gesetzes.

Und was ist mit denen, die ganz offiziell anerkannt in voller Gemeinschaft mit Rom stehen? Viele von ihnen, darunter die Petrusbruderschaft, die anderen Ecclesia-Dei-Gemeinschaften, aber auch viele andere Priester und Bischöfe in der ganzen Welt, vollbringen ebenfalls wichtige Werke für das Heil der Seelen und folgen damit auch dem höchsten Gesetz der Kirche, das über dem bloßen Buchstaben steht.

Leider sehen wir auch vielfältige Beispiele für „buchstabentreue“ Kirchenmänner, die sehr wenig Interesse an den Seelen der Menschen zeigen, sondern die Kirche ganz neu aufbrechen wollen, damit eine rein menschliche, weltimmanente Mitmachreligion aus ihr werde, die zwar niemanden mehr erlösen, dafür aber auch keinen mehr aufregen kann. Sie kämpfen nur für die Bewahrung des katholischen Milieus und ihres säkularen Glaubensbekenntnisses, dessen fünf wichtigste Glaubensartikel Alexander Kissler sehr schön aufgeschlüsselt hat. Das Heil der Seelen ist da eher im Weg, verlangt es doch den wahren Glauben, die eine wahre Kirche und, besonders anstößig, auch das ernsthafte Befolgen des Sittengesetzes. Das stört einfach, also wird es ignoriert – oder „aufgebrochen“.

Diese Vorgänge sind alle konform mit dem Buchstaben des Gesetzes, oder falls nicht, stört es zumindest keinen so wirklich. Solange man nicht zu viel Staub aufwirbelt, wie die Ungehorsamsinitiative eines beträchtlichen Teils der österreichischen Pfarrer, passiert gar nichts. Und wenn doch, bekommt man einige milde Hinweise, man möge doch bitte gehorsam sein. Aber Sanktionen gibt es keine.

Das ist leider alltägliche Praxis in der Kirche, die von den Mächten der Unterwelt nicht überwältigt, aber doch zeitweise in arge Bedrängnis gebracht werden kann, wie schon öfters in ihrer langen Geschichte geschehen, und wie auch heute wieder.

Wir haben hier einen ganz interessanten und ganz tragischen Konflikt.

Auf der einen Seite über fünfhundert traditionelle Priester, hunderttausende traditionelle Gläubige weltweit, die den wahren Glauben haben, leben, verkünden, lieben, und für ihn sterben würden, die aber aus formaljuristischen Gründen nicht an der vollen Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater teilhaben, obwohl sie in Wort und Tat den wahren Glauben aufweisen.

Auf der anderen Seite sehr viele lauwarme, modernisierte, angepasste Katholiken, von denen die meisten gar nicht mehr in die Kirche gehen und sicher keinen katholischen Glauben mehr haben, geführt von hauptsächlich an der Bewahrung weltlichen Ansehens und des kulturellen Milieus interessierten Hirten, die aber aus formaljuristischen Gründen in voller Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater stehen, obwohl sie kaum weiter von ihm entfernt sein könnten. Und überall dazwischen einige Katholiken, unter ihnen Laien, Priester und Bischöfe, die sich gegen dieses drückende säkularisierte Milieu eines glaubensfreien, konventionellen Kulturchristentums wehren, aber mit ihren Mitstreitern im Geiste nicht vereint werden können, weil der Graben der formaljuristischen „vollen Gemeinschaft mit Rom“ sie trennt, obwohl der Glaube sie vereint.

Die einzige Lösung ist in dieser Situation, das Problem mit der „vollen Gemeinschaft“ aufzubrechen, indem die Kirche erklärt, dass mindestens jeder getaufte und gefirmte Christ, der den ganzen, unverkürzten, wahren katholischen Glauben hat, in dieser ominösen „vollen Gemeinschaft“ zu finden ist, und zwar unabhängig davon, ob er die pastoralen Richtlinien des Pastoralkonzils der 60er-Jahre für besonders zielführend hält.

Wenn wir erst einmal an diesem Punkt angekommen wären, dann wäre schon viel gewonnen.

Es ist eine sehr effektive Strategie, den Gegner erst aufzuspalten, und dann jede Kompanie einzeln zu besiegen. Das hat die Spaltung der traditionellen Katholiken entlang der Trennlinie der „vollen Gemeinschaft“ wieder einmal gezeigt. Die Modernisten tanzen auf den Tischen, weil die traditionstreuen Katholiken zu sehr mit unsinnigen Bruderkämpfen beschäftigt sind, um sich vereint dem wirklichen Gegner in den Weg zu stellen.

Das, so steht jedenfalls fest, ist für das Heil der Seelen sehr schlecht, und steht daher in eklatantem Widerspruch zum höchsten Gesetz der Kirche.

Bereits jetzt kursieren Gerüchte, dass Kardinal Ranjith sein Priesterseminar nach einer möglichen Einigung der Piusbruderschaft übergeben möchte, um die Qualität der Ausbildung zu steigern. In Deutschland wäre so etwas zwar noch nicht denkbar, aber wir sehen an diesem einen Beispiel, was alles möglich wäre, wenn die traditionell gesinnten Kräfte innerhalb der Kirche endlich an einem Strang ziehen würden.

Das wäre, so steht ebenfalls fest, für das Heil der Seelen sehr gut.

Was ist ein Aufbruch?

Der derzeit laufende Katholikentag möchte als einen Aufbruch wagen. Und zwar nicht irgendeinen, sondern gleich einen ganz neuen, zumindest wenn man seinem Motto glauben möchte. Der Heilige Vater hat in seiner Botschaft bereits einige Worte dazu verloren, wie man seines Erachtens das Wort Aufbruch verstehen muss, nämlich immer als Aufbruch in und mit der Kirche auf dem Weg, der Christus ist.

Freilich kann man das Motto des Katholikentags so interpretieren, wie der Papst es versucht. Er müht sich, wie auch sonst sehr oft, heroisch um eine kirchen- und glaubenstreue Interpretation der Formulierungen, die heute aus der Kirche kommen. Wie bei den Texten des Konzils so ist auch bei einem Motto des Katholikentags eine Interpretation, und damit eine Hermeneutik, erforderlich, damit sie in Übereinstimmung mit dem Glauben der Kirche zu verstehen sind. Denn auf den ersten Blick scheint das Wort vom „Aufbruch“ gar nicht als Motto einer sich als katholisch gebenden Veranstaltung zu passen.

Das Wort vom „neuen Aufbruch“, den man „wagen“ muss, suggeriert allerlei, aber kein konstantes Festhalten am wahren Glauben gegen alle Irrlehren, denen man ausgesetzt ist. Aufbruch ist zunächst einmal Bruch. Etwas soll „aufgebrochen“ werden, doch was? In typisch moderner Manier wird das nicht gesagt. Jeder kann sich denken, was er will und alle sind zufrieden. Der Papst imaginiert einen Aufbruch fort von der Sünde und hin zur Heiligkeit, in Einheit mit der ganzen Tradition der Kirche. Was aber versteht der durchschnittliche Besucher darunter? Was derjenige, der das Motto in den Nachrichten hört? Darauf kommt es wirklich an. Was wird der durchschnittliche Deutsche hören, wenn er mitbekommt, auf dem Katholikentag wolle man einen „neuen Aufbruch wagen“?

Er wird daran denken, dass die Verantwortlichen die Kirche modernisieren möchten, dass sie gewachsene Strukturen aufbrechen und die Kirche „demokratisieren“ wollen. Er wird glauben, da wolle jemand mit den überlieferten Dogmen aufräumen, und die Kirche von unten einführen, die sich ihren Glauben nach Gutdünken selbst ausdenkt, so wie es die EKD mit enthusiastisch ausbleibendem Erfolg seit langer Zeit vormacht.

Wenn man ohne weiter Erläuterungen vom neuen Aufbruch spricht, den man wagen möchte, dann transportiert man „Hermeneutik des Bruches“, den Wunsch eine neue Kirche zu gründen, die alles ganz anders macht als früher.

Was man transportiert ist kein Aufbruch im Sinne des Heiligen Vaters, sondern ein Abbruch.

Das sind nicht einfach leere Spekulationen. Man kann die deutsche Hierarchie tagtäglich bei diesem Zerstörungswerk beobachten. So bekräftigte Erzbischof Zollitsch vor kurzem erst wieder seine Intention, am innerkirchlichen Abbruch weiter festzuhalten und ihn nach Kräften voranzutreiben. Unbußfertige Ehebrecher im Konkubinat sollen endlich auch offiziell die Erlaubnis erhalten, dich zusätzlich zu ihren sonstigen schweren Sünden auch noch das Gericht zu essen, wenn es nach dem Willen des Erzbischofs von Freiburg geht. Und das obwohl der Kommunionempfang nur im Gnadenstande zulässig ist, also wenn man nicht in schwerer Sünde verharrt. Doch Sünde ist für den Aufbruchunternehmer der modernen Kirche ohnehin das Unwort des Jahrhunderts, also ignoriert man sie einfach und erklärt die Frage des Kommunionempfangs sogenannter „Wiederverheirateter Geschiedener“ zu einem „pastoralen“ Thema, statt nach Wegen zu suchen, wie man die schwierigen Wahrheiten verkünden kann.

Dies ist nur ein Beispiel. Der Erzbischof selbst geht natürlich nicht so weit wie seine Funktionäre, die ja kürzlich nach Priesterinnen gerufen haben und auch sonst die Kirche in Glauben und Moral komplett ab- bzw. aufbrechen wollen.

Das ist der real existierende „Aufbruch“, nämlich der Aufbruch aus dem Glauben und aus der Sittlichkeit hinein in die allgemeine Apostasie. Man könnte den Gedanken hinter dem Motto des Verbandskatholikentages also durchaus auch als „Eine neue Apostasie wagen“ umformulieren, ohne allzu viel an dem Geist zu ändern, der das Motto durchweht. Allerdings ist die Apostasie nicht neu, sondern in Deutschland schon seit einigen Jahrzehnten im Gange.

Der Papst unternimmt, wie gesagt, den heldenhaften Versuch, aus einem schrecklichen Motto noch eine gute Lehre zu ziehen, und es spricht für die geistige Kraft des Heiligen Vaters, dass ihm das sogar gelingt. Doch wir sollten uns nicht täuschen. Das, was der Papst in seinem Geleitwort zum Katholikentag gesagt hat, ist zwar richtig, aber letztlich eine groteske Verdrehung dessen, was mit dem Motto gemeint ist.

Der Papst spricht von einem Aufbruch hin zum Glauben, hin zur Kirche – gemeint ist ein Aufbruch weg vom Glauben, weg von der Wahrheit, die in der Überlieferung der Kirche zum Ausdruck kommt.

Die scheinbare Doppeldeutigkeit verbirgt mehr schlecht als recht den Geist, der hinter einem solchen Motto steht, doch die Handlungen der deutschen Kirchenfunktionäre, ob mit oder ohne Bischofsweihe, sprechen eine sehr deutliche Sprache ob der Intentionen, die mit einem solchen Motto verbunden sind.

In voller Einheit mit Rom…

.. sind die fortschrittlichen Konzilsgeister aus dem katholischen Jugendverband BDKJ in der Erzdiözese Freiburg. Die „Zollitsch-Jugend“ (kath.net) hat wieder einmal bewiesen, dass sie zur revolutionären Avantgarde des 21. Jahrhunderts gehört, indem sie unermüdlich die gescheiterten Revolutionen des 20. Jahrhunderts neu aufkocht. Keines der seit fünfzig Jahren ständig durchdiskutierten Themen fehlt in dem „Projekt Judas Samuel“ der Vorkämpfer für eine moderne, aufgeklärte, angepasste Zeitgeistkirche. Das Sprachrohr der Dunkelkatholiken berichtet (Hervorhebungen von Catocon):

Wörtlich schreibt der BDKJ dann: „In unserer Kirche arbeiten Priester und Laien, junge und alte Menschen partnerschaftlich zusammen.  („Unsere“ Kirche, in wohlverstandenen Gegensatz zur katholischen, d.h. universellen, allgemeinen Kirche. Da müssten wir uns ja unterordnen, und das geht im Reich der Non-Serviam-Ideologen nicht.) In unserer Kirche können alle Menschen ihre Berufung leben: Männer und Frauen, als Laie, als Priester, als Priesterin(In voller Einheit mit Rom, wie ich anmerken möchte, „Ordinatio Sacerdotalis“ hin oder her. Aber wehe man kritisiert das Konzil, das eine wahre Konzil, Assisi, Dialogökumene oder Liturgiereform in zu deutlichen Worten.), und: „Für Kinder und Jugendliche ist es unverständlich, warum Gleichberechtigung und Demokratie so wenig Platz in der Kirche haben. (Man sieht hier wieder einmal, warum Kinder und Jugendliche in der Kirche nichts zu sagen haben sollten, außer selbstverständlich „Amen“ und „et cum spiritu tuo“. Die Kirche wird eben nicht von den Pubertären aller Altersschichten beherrscht, sondern von ihrem Herrn und Gründer Jesus Christus. Aber das ist eben die Non-Serviam-Ideologie. In voller Einheit mit Rom, versteht sich.) Verweise auf die Tradition, mit denen Frauen und Laien allgemein von Leitungsverantwortung ausgeschlossen(Wir wollen an die Macht! Wir sind Kirche! Écrasez l’infâme!) werden, überzeugen sie nicht. (Wahrheit ist nicht subjektiv und gilt auch in der Pubertät.)  Darüber hinaus verstehen sie nicht, warum der Zölibat zwingende Voraussetzung für das Priesteramt ist“. (Das könnte daran liegen, dass sie nicht verstehen, was das Priesteramt überhaupt ist. Aber das ist ja auch heute nicht mehr notwendig. Immerhin sind sie in voller Einheit mit Rom.)

(…)

Dann wird behauptet, dass Jugendliche sich für alternative Gottesdienstformen  begeistern (wo sind diese ganzen Jugendlichen in Kirche, wenn diese alternativen Verstümmelungen der Heiligen Liturgie vorgetragen werden – von zelebrieren wagt man nicht zu sprechen.) und diese ihr Leben, ihre Kultur und ihre Ästhetik, ihren Geschmack auch in den Gottesdienst einbringen möchten.“ (Im Gottesdienst geht es darum, dass ich mich einbringen kann. Wem wird also im Gottesdienst gedient? Mir. Gottesdienst ist dienst an dem, den ich für Gott halte. Daraus folgt mit logischer Notwendigkeit: „Ich bin Gott“. Das ist, wie gesagt, die Non Serviam-Ideologie. Sie folgen dem Versprechen ihres persönlichen Vorbilds, der Schlange: Ihr werdet sein wie Götter. Ich hoffe der Apfel hat geschmeckt.) Dafür kann es nicht nur eine vorgeschriebene Form geben… (Kein Problem. Ihr könnt machen was ihr wollt. Alle zehn Jahre kommt aus Rom ein mildes Briefchen, in dem dazu aufgerufen wird, sich doch bitte ans Messbuch zu halten. Doch das hat nichts zu sagen. Aus Erfahrung wisst ihr längst, dass Rom sich nicht ernsthaft dafür interessiert. Und Euer Freund und Helfer, seine wenig exzellente Exzellenz Erzbischof Robert Zollitsch, lässt das alles friedlich lächelnd geschehen. Vielleicht sagt er alsbald mal wieder ein mildes Wörtchen, das so etwas nicht sein solle, doch ihr wisst schon, wie er das meint. Ihr seid ja in voller Einheit mit Rom.)

(…)

Dann wird pauschal behauptet, dass junge Menschen mit der Sexualmoral der Kirche nichts anfangen können. (Das ist richtig. Die Frage ist nur: Liegt das an den jungen Menschen oder der Sexualmoral?) „Sie wird als weltfremd(sie ist dieser Welt und ihrem Fürsten fremd, ja, und das ist auch gut so.) und von Angst und Enge beherrscht empfunden. Verhütung(dass ich entscheide, wann neues Leben entsteht, und nicht der Herr über Leben und Tod.) ist für junge Menschen nicht Sünde, sondern Verantwortung für den Partner oder die Partnerin. Einvernehmlicher, verantwortungsvoller Sex vor der Ehe undHomosexualität(der Waschzettel enthält noch keinen Hinweis auf den von der wahren Avantgarde schon geforderten Inzest, und die von einigen avantgardistischen Priestern der Kirche bereits praktizierte Pädophilie. Doch das kommt später. Wir denken Kirche im Heute, nicht im Morgen.) ist für sie nicht Sünde, sondern Liebe. Die Kirche stellt sich mit ihrer Sexuallehre selbst ins Aus: (Es geht nur um Anpassung an die herrschende Meinung, nicht um Wahrheit. Wir sind ja in voller Einheit mit Rom. Da gehört sich die Wahrheitsfrage nicht mehr.) Was sie Gutes, Wahres und Hilfreiches zu sagen hat, geht unter in weltfremden (in der Tat, den Vorstellung dieser Welt und ihres Fürsten ist die Sexualmoral fremd.) Verboten, die nichts mit der Lebenswelt (siehe hier) junger Menschen zu tun haben“, heißt es wörtlich.

In Abwandlung eines bekannten Wortes über das Paradies der Werktätigen: Den Fortschritt in seinem Lauf / Hält nicht Ochs‘ noch Esel auf. Obwohl da wirklich genug Ochsen und Esel – in voller Einheit mit Rom, falls ich das bisher zu erwähnen vergessen haben sollte – am Werk sind.

Was die „Zollitsch-Jugend“ da von sich gibt vermag nicht zu überraschen. Diese Jugendlichen haben jahrelang eine Kirche besucht, in der so gut wie nie ernsthaft über den katholischen Glauben in seiner Gesamtheit, einschließlich der schweren Teile, gesprochen wurde. Ich wette, dass auch im Erzbistum Freiburg praktisch keine Katechese existiert, dass die Predigten fade und inhaltsleer sind, wenn sie nicht gerade zu Reden gegen den Glauben verwendet werden, dass aus der Liturgie nur ein überdimensioniertes Ego hervorgeht, und die Sittenlehre der Kirche aufs Nettsein reduziert worden ist. Woher sollen diese Jugendlichen auch den Glauben haben? In der Kirche wird er ja – und jetzt im Chor: In voller Einheit mit Rom – so gut wie totgeschwiegen.

Die Fenster zur Welt wurden geöffnet. Ihr Fürst hat die gnädige Einladung angenommen und sich in der Kirche häuslich eingerichtet.

Ein voller Erfolg des Aggiornamento.

Wulff und die Eidbrecher

Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, zu diesem Thema nichts zu sagen und es vollständig zu ignorieren. Dieses Schweigen werde ich mit dem vorliegenden Beitrag auch nur insofern brechen, als Wulff und die ihn umgebende Affäre der Anlass für die folgenden Worte ist. Die diversen Details der Debatte um die Verfehlungen des (Ex-)Bundespräsidenten überlasse ich anderen.

Was auch immer man am Ende dem Herrn Wulff wird vorwerfen können – es gilt ja nach wie vor die Unschuldsvermutung, auch für Menschen des öffentlichen Lebens, und verurteilt ist er noch nicht – der Fall Wulff gewährt uns einige interessante Einblicke in die Seele unserer Gesellschaft, und ganz besonders der Medien- und Politikelite.

Obwohl ich mir Mühe gegeben habe, die obsessive Berichterstattung nur am Rande zu verfolgen, habe ich in den „Nachrufen“ auf seine kurze Präsidentschaft mindestens vier oder fünfmal gehört, es sei wenigstens positiv, dass er „frische Luft“ ins Schloss Bellevue habe einziehen lassen, dass er „eine moderne Patchworkfamilie“ gelebt habe, und nicht an diesen alten verstaubten Klischees festgehalten hätte, die scheinbar kaum noch jemand für wichtig hält. Was allerdings daran positiv sein soll, wenn das Staatsoberhaupt, welches ja auch unser Land repräsentiert, ein stolzer Ehebrecher ist, der sich nicht einmal schämt, seine Konkubine als seine „neue Ehefrau“ auszugeben, kann sich mir beim besten Willen nicht erschließen.

Doch bietet Herrn Wulffs Familienleben einen wichtigen Einblick in sein Verhalten. Wie kann man denn eigentlich von einem Menschen, der einem anderen Menschen ewige Treue geschworen hat, und diesen dann einfach aus Interesse an „jüngerem Fleisch“ im Stich lässt, erwarten, dass er seinen Amtseid einhalten wird? Theoretisch mag es möglich sein, dass ein Eidbrecher wirklich kehrtmacht, und seine anderen Eide nunmehr einhält. Dies ist allerdings, abgesehen von wirklichen religiösen Bekehrungen, mehr als selten. Wenn ich einem Menschen etwas schwöre, und dieser Schwur für mich nur gilt, bis mir was Attraktiveres über den Weg läuft, dann werden auch andere Schwüre für mich in aller Regel nur bindend sein, wenn niemand mir gerade ein attraktiveres Angebot macht.

Treulosigkeit, Eidbrechertum, Betrug, das sind alles Eigenschaften, die man nicht an- und ausknipsen kann, sondern den ganzen Charakter prägen und durchziehen. Wenn ich im Privatleben treulos bin, meine feierlichen, vor Gott gegebenen Versprechen breche, meinen Ehepartner und meine Familie betrüge, dann werden diese Laster nicht vergehen, wenn ich die heimische Tür hinter mir schließe und ins öffentliche Leben eintrete. Mein ganzer Charakter ist dann von ihnen geprägt. Die Trennung von „privat“ und „öffentlich“ hat ihren guten Sinn und ist sehr wichtig, doch sie kann niemals vollständig sein, weil es derselbe Mensch ist, der da im Privaten betrügt und im Öffentlichen ebenso.

Wie jemand glauben kann, ein erklärtermaßen unbußfertiger Ehebrecher wie Herr Wulff könne ein guter Bundespräsident sein, ist mir vollkommen schleierhaft. Wie gesagt, Menschen können sich wirklich ändern, wirklich umkehren. Doch wenn sie das tun, dann kehren sie ab von ihren Sünden und zeigen Reue. Dies war bei Herrn Wulff nicht der Fall. Zumindest in keiner wahrnehmbaren Weise.

Es war ein grundsätzlicher Fehler, einen unbußfertigen Ehebrecher ins Amt des Bundespräsidenten zu wählen, und dieser Fehler erweist sich nun als solcher. Auch vorbildliche Familienmenschen können korrupte Politiker sein. Ehebruch ist keine notwendige Bedingung für Bruch des Amtseides. Aber in den meisten Fällen doch ein hervorragender Indikator für die allgemeine Wichtigkeit, die Eiden zugemessen wird.

Wulff überhaupt zu wählen, war daher ein Fehler, und seinen Rücktritt vermag ich deswegen nicht zu bedauern.

Doch dieser Fehler ermöglicht eine weitere Feststellung. In keiner vernünftigen, christlichen Gesellschaft wäre es denkbar, dass man einen unbußfertigen Ehebrecher nicht nur in das höchste Amt im Staate wählt, sondern noch weiter geht, und dieses unbußfertige Ehebrechertum auch noch zu einer Hauptqualifikation für dieses Amt erhebt. Herr Wulff hat doch im Schloss Bellevue die Neue Normalität, die Moderne Familie, die Patchworkfamilie vorgelebt, und man wurde bis zum Schluss nicht müde, dies als zentrales Verdienst seiner kurzen Amtszeit herauszuheben, selbst nachdem bereits als sehr wahrscheinlich gelten konnte, dass er nicht nur privat seine Schwüre bricht, sondern ihm dies logischerweise dann auch in der Öffentlichkeit nicht mehr viel ausmacht.

Keine christliche Gesellschaft würde einen Menschen von einem politischen Amt ausschließen, weil er einmal Ehebruch begangen hat. Menschen können bereuen und sie können sich ändern. Doch darum geht es hier gar nicht, denn Herr Wulff wurde nicht TROTZ seines Ehebruchs, sondern WEGEN seines Ehebruchs so hochgeschätzt. Es ist die Patchworkfamilie, die Deutschland repräsentieren sollte. Deswegen hat die Partei der Familienzerstörung (CDU) diesen so unbedeutenden wie uncharismatischen und inhaltsleeren Politiker vor sich her getragen wie die sprichwörtliche Monstranz, was diesem Zusammenhang fast schon eine unheilige Brisanz gibt.

(Nebenbei bemerkt könnte man Herrn Wulff fragen, ob er vielleicht wegen der islamischen Polygamievorschriften den Islam so gern anstelle des Christentums als religiöses Fundament dieses Landes etablieren möchte, aber das wäre eine andere Debatte.)

Schließlich ist selbst von Erzbischof Zollitsch immer wieder das Signal ausgesandt worden, Herr Wulff sei doch ein achso guter Christ. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz hat seinen inoffiziellen Segen für den Ehebruch des Herrn Wulff gegeben, was ich vor einigen Monaten kommentierte. Wie kann man unter diesen Umständen noch gegen Ehebruch sein? Oder, um die naheliegende Analogie einmal zu erwähnen, gegen den Bruch des Zölibats? Beide Kirchen* haben in Deutschland zumindest seit drei oder vier Jahrzehnten nicht gerade die Heiligkeit von Ehe und Familie verteidigt, sondern an ihrer Zersetzung nach Kräften mitgewirkt, um weiter in den Genuss staatlicher, zwangsweise von den Gläubigen eingetriebener Kichensteuermilliarden zu kommen. Macht korrumpiert, Entweltlichung heiligt – doch das nur am Rande.

In dieser Gesellschaft ist Ehebrecher zu sein ein Gütesiegel, durch das sich ein Politiker besonders gut als Repräsentant des neuen, modernen Deutschlands und seiner politisch korrekten, mundtoten, aufgeklärten, modernen, gottlosen, fortschrittlichen Untertanen und ihrer Brot-und-Spiele-Mentalität eignet.

Und so wie jedes Volk die Regierung bekommt, die es verdient, so bekommt auch jedes Volk den Bundespräsidenten, den es verdient.

Und nun bekommt es einen neuen Bundespräsidenten, den das Volk auch verdient haben wird.

Ich schließe mit einem Davila-Wort, welches so ziemlich das Problem der heutigen Gesellschaft und ihrer politischen Auffassungen zusammenfasst:

„Der Progressive vergißt, daß die Sünde jedes Ideal, das er verehrt, zum Scheitern verurteilt, der Konservative vergißt, daß sie jede Realität verdirbt, die er verteidigt.“

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Anmerkung: „Beide Kirchen“ ist eine sprachliche Kurzform. Selbstverständlich ist die Katholische Kirche die einzige Kirche in Deutschland, und bei der „evangelischen Kirche“ handelt es sich im strengen Sinne nicht um eine Kirche. Dies nur, um Missverständnisse, wie in einem Kommentar aufgekommen, auszuschließen.

Floskelpolizei: „Das Konzil anerkennen“

Immer wieder wird von diversen Seiten der kirchenpolitischen Debatten gefordert, irgend jemand möge doch bitte „das Konzil anerkennen“. Katholiken der Reformation rufen dieses Schlagwort der Piusbruderschaft und jedem Laien zu, der nicht bei drei am Altar steht. Konservative und traditionelle Katholiken rühmen sich zuweilen damit, dass sie „das Konzil anerkennen“ und grenzen sich damit von den Piusbrüdern ab, die diese Anerkennung bekanntlich und beharrlich verweigern. Manche Piusbrüder sprechen von der Konzilskirche, so als sei dies etwas anderes als die Kirche vor dem Konzil, und erheben damit die Ablehnung der „Anerkennung des Konzils“ fast zum ersten Glaubenssatz.

Nun leben wir in einer Zeit, die Emotionalität mehr schätzt als Rationalität und Komik mehr als Logik, doch selbst heute haben Worte noch Bedeutungen, wenn sie auch immer seltener als solche erkannt werden. Das gilt auch für das „Anerkennen eines Konzils“. Vor einiger Zeit schrieb ich bereits über die Frage, was es eigentlich bedeute, die „Neue Messe“ anzuerkennen. Dort zählte ich insgesamt sieben Möglichkeiten auf, wie man die geforderte Anerkennung verstehen könne – es ist also offenbar notwendig, exakt zu beschreiben, was man meint, und nicht auf vieldeutigen Leerfloskeln zu beharren.

Der freundliche Verbandskatholik an der Ecke, der seine Freizeit mit Werbung für „Demokratisierung“ und „Aufbrechen des Patriarchats“ in der Kirche verbringt, hat sicher ganz andere Vorstellungen von „Anerkennung des Konzils“ als der traditionell katholische Petrusbruder, obgleich beide diese Formulierung in der einen oder anderen Weise unterschreiben würden. Auch Erzbischof Zollitsch und der Heilige Vater sind sich einig: Man muss das Konzil anerkennen. Aber was heißt das?

Wenn wir diese Frage stellen, dann müssen wir die dicken Bretter bohren. Wir müssen fragen, ob und, wenn ja, wie das konziliare Verständnis von Religionsfreiheit, von Ökumene, von Kollegialität der Bischöfe, von der Reform der Liturgie, von der Beteiligung von Laien und dergleichen mehr vereinbar mit der traditionellen Lehre der Kirche ist. Zu diesem Zweck braucht man umfassende Studien des lehramtlichen Materials vor dem letzten Konzil, eine gründliche und möglichst umfassende Auswertung und Interpretation der Konzilstexte im Lichte dieses lehramtlichen Materials, und dann muss der Versuch unternommen werden, die verbliebenen Differenzen zusammenzufassen und lehramtlich verbindlich festzulegen, was denn nun zu glauben sei.

Doch damit noch nicht genug: Man muss fernerhin die unglaublich vielfältige nachkonziliare Praxis untersuchen und die Frage stellen, inwiefern diese Praxis – die ja von den Konzilsvätern nach dem Konzil zumindest geduldet, oft mit vorangetrieben worden ist – vereinbar ist mit den Texten des Konzils auf der einen und den lehramtlichen Proklamationen vor 1962 auf der anderen Seite. Diese massive Untersuchung sprengt natürlich sowohl den Rahmen meines Blogs als auch den Rahmen meiner Fachkenntnis und ist sicher etwas für ein ganzes Team wissenschaftlich hochstehender theologischer Experten mit einer Wagenladung „sentire cum ecclesia“.

(Die Frage, ob ein Konzil, das derartige Klarstellungen benötigt und dermaßen viel Unsicherheit unter den Gläubigen selbst fast fünfzig Jahre nach seiner Eröffnung hervorruft, wirklich „pastoral“ allzu hilfreich war, lassen wir einmal stillschweigend beiseite…)

Bevor wir also sagen können, was „das Konzil anerkennen“ bedeutet, müssen wir klären, welches Verständnis des Konzils zugrunde gelegt werden soll. Der Leitfaden ist dabei sicherlich die vom Heiligen Vater vorgeschlagene Hermeneutik der Reform in Kontinuität, wie er es in seiner berühmten Ansprache im Jahre 2005 formuliert hat. Doch muss dieser hermeneutische Rahmen mit Inhalt gefüllt werden. Bei etlichen Themen scheint der Rahmen zumindest auf den ersten Blick nicht zu passen. Wie kann man es vereinbaren, dass die Religionsfreiheit im liberalen Sinne immer von der Kirche verurteilt worden ist, und dann plötzlich die Religionsfreiheit nicht nur als praktische Notwendigkeit der gemischtreligiösen Gesellschaft geduldet, sondern als Naturrecht propagiert wird? Wie passen interreligiöse Gebetstreffen wie etwa in Assisi mit, zum Beispiel, der in Mortalium Animos dargelegten kirchlichen Lehre zu eben solchen interreligiösen Treffen zusammen? Diese und andere Fragen mögen sehr gute und zureichende Antworten haben, doch sie sind für den theologisch nicht geschulten Laien nicht unbedingt offensichtlich, um es einmal vorsichtig zu formulieren.

Solange es also nicht zu einer – lehramtlich verbindlichen – Klärung diverser scheinbarer Brüche zwischen vorkonziliarem und nachkonziliarem Lehramt kommt, ist es äußerst schwer zu sagen, man müsse das im Geiste der Hermeneutik der Kontinuität verstandene II. Vatikanum anerkennen. Ich bin jederzeit in der Lage, bestimmte Lehrsätze anzuerkennen, wenn die Kirche sie lehrt. „Extra ecclesiam nulla salus“ ist so ein Beispiel. Die Kirche lehrt es – das Thema ist damit durch. Man kann nun noch Argumente für den Satz anführen, und auch Gegenargumente finden, doch die richtige Lösung haben wir schon verraten bekommen. Hier haben wir es mit einem klaren, floskelfreien, verständlichen Satz zu tun. Er ist deutlich, selbst wenn er nicht deutsch ist.

Doch „das Konzil“? Welche konkreten Lehrsätze sind dem Gläubigen durch das Konzil zur Anerkennung vorgelegt worden? Wer kann überhaupt in einer floskelfreien Weise sagen, was „das Konzil“ uns, über einen vagen Geist des „Aggiornamento“ hinaus, sagen wollte? Die Texte kann man so oder so interpretieren. Als guter Katholik interpretiere ich sie im Sinne der Hermeneutik der Kontinuität im Lichte der Tradition. Ich stoße dabei auf Schwierigkeiten. Welche Lehrsätze soll ich glauben? Wo lehrt das Konzil solche Lehrsätze? Sie stehen nirgendwo. Die Päpste haben seit dem Konzil oft gesagt, es seien keine Dogmen definiert worden. Gut, aber es gibt zu glaubende Lehrsätze, die nicht im Rang eines Dogmas stehen. Was ist mit denen? Welche sind sie? Was soll ich überhaupt anerkennen?

„Das Konzil“ kann man nur als historische Tatsache anerkennen. Es hat unzweifelhaft ein gültiges ökumenisches Konzil der katholischen Kirche stattgefunden. Das kann ich anerkennen – es ist ein klarer Satz mit einer klaren Bedeutung. Deutlich, und in diesem Fall sogar deutsch. Doch was das Konzil bedeutet? Woher soll ich das wissen? Woher soll irgendjemand das wissen? Ist die Bedeutung des Konzils das, was die Mehrheit der Konzilsväter hat aussagen wollen? Das, was der Heilige Geist hat aussagen wollen? Oder irgendetwas anderes?

Ich erkenne alle Dogmen der Kirche an, weil es sich hier um klare Lehrsätze handelt, präzise formuliert und wohlabgewogen. Doch die schwurbelige Konzilsprosa? Abstrakt gesehen erkenne ich sie auch an. Es hat sie gegeben, und ich gehe davon aus, dass der Heilige Geist die Kirche nicht völlig in die Irre lenken wird. In diesem Sinne erkenne ich das Konzil an. In diesem Sinne tun es aber auch die Piusbrüder.

Doch nach den Aufforderungen des Konzils zu handeln? Das Konzil in dem Sinne anzuerkennen, dass man die spezifischen Dokumente, die das Konzil hervorgebracht hat, auch inhaltlich als sicheren Leitfaden im Glauben annimmt? Dazu müsste man erst einmal wissen, was überhaupt mit diesen spezifischen Texten gemeint ist.

Daher braucht man dringend theologisch-dogmatische Gespräche, wie sie in den letzten zwei Jahren zwischen der Piusbruderschaft und dem Vatikan stattgefunden haben. Wir brauchen mehr davon, wir brauchen sie auf allen Ebenen, die dazu inhaltlich befähigt sind, und sie stellen neben der Restauration einer würdigen Liturgie die zentrale Aufgabe der nächsten Jahre dar. Am Ende muss eine Klarstellung des Konzils stehen – das muss keine Abkehr von den Aussagen des Konzils sein, nur damit man mich nicht falsch verstehe. Ich meine wirklich eine Klarstellung, in der in klaren, verständlichen Sätzen festgelegt wird, was das Konzil uns eigentlich zu sagen hatte, und in welchem Verhältnis es genau zu vorkonziliarem Lehramt und zur postkonziliaren Praxis stand.

Man kann jedem Kind mit etwas Aufwand erklären, was mit „extra ecclesiam nulla salus“ gemeint ist. Doch was genau steht in „Nostra aetate“ oder „Dignitatis humanae“?

Ich halte es also für sinnlos, die Forderung nach „Anerkennung des Konzils“ aufzustellen, wenn und insofern nach wie vor nicht autoritativ geklärt ist, wie das Konzil denn nun zu verstehen sei. Ja, erkennen wir das Konzil an – als ein gültiges ökumenisches Konzil, als historische Tatsache, und gestehen wir ihm durchaus zu, im strengen Sinne keine Irrtümer gelehrt zu haben. Doch die Frage bleibt: Welche Lehrsätze unterhalb des Ranges eines Dogmas wurden durch das Konzil hinzugefügt oder verändert? Und lasst uns diese dann anerkennen, wenn wir einmal wissen, welche es sind.

Bis dahin brauchen wir theologische Klarstellungen. Ich weiß nicht, ob die Piusbruderschaft genauso denkt. Abgesehen von der gelegentlichen Messe (mangels erreichbarer traditioneller Messen in meiner Umgebung) in einem ihrer Priorate habe ich keine Verbindungen dorthin. Ihre Forderung nach theologischen Klarstellungen lässt zumindest darauf schließen, dass es ähnliche Ansätze in diesen Kreisen gibt. Sollte das so sein, dann wäre das ein sehr gutes Zeichen. Denn in Anbetracht der verheerenden Ereignisse seit dem Konzil ist eine Neubestimmung des Umgangs der Kirche mit den Herausforderungen der Moderne offenbar dringend erforderlich.

Die Kirche braucht also mal wieder einen Dialogprozess. So ähnlich wie hier in Deutschland.

Nur anders.

Lobt-die-Hirten-Woche: Diözesanrat und Dick (Teil 6/6)

Als sechsten Teil der Lobt-die-Hirten Woche, der zugleich den Abschluss dieses Projekts darstellt, hatte ich mir eigentlich vorgenommen, den wohl besten Hirten aus Deutschland hervorzuheben und ihm für seine unermüdliche Arbeit auf des Herrn Weinberg zu danken. Ich verzichte darauf ihn vorzustellen, weil man ihn wohl kennen dürfte:

Dann war ich in einem Kommentar auf einen weiteren guten Hirten aufmerksam gemacht worden, den ich dann auch noch zu erwähnen plante, was ich hiermit tue: Es handelt sich um den emeritierten Weihbischof Klaus Dick, der als erster deutscher Bischof nach dem Inkrafttreten Summorum Pontificum wieder eine öffentliche traditionelle Messe in Deutschland zelebriert hat.

Doch aus aktuellem Anlass werde ich hier über den Freiburger Weihbischof Klug schreiben, welcher sich sehr kritisch gegenüber den Aktivitäten des dortigen Diözesanrates im Gefolge des Papstbesuchs geäußert hatte. Für den Hintergrund verweise ich auf einen Artikel bei kath.net, aus dem ich auch kurz zitieren werde.

Der Diözesanrat hatte sich ausführlich darüber verbreitet, dass man vom Papstbesuch enttäuscht sei. Unter anderem weil der Heilige Vater es gewagt hat, das Vaterunser in der offiziellen Amtssprache der Kirche, Latein, zu beten, weil es keine strenge Frauenquote gegeben habe, und weil es „Unterwürfigkeit“ gegenüber Papst Benedikt gegeben habe. Betrachtet man die Tatsache, dass Gegenpäpstin Julia I. von Freiburg-Avignon sicher nicht besonders unterwürfig war, muss man sich die Frage stellen, was der Diözesanrat denn erwartet hatte? Milizen, die das Gelände stürmen und den Papst wegen Verstoß gegen den Zeitgeist verhaften? Laute „Benedikt raus“-Rufe?

Doch hören wir dazu den Weihbischof Klug: (Hervorhebungen und Kommentare von Catocon, wie immer)

Die Aussprache des Freiburger Diözesanrates über den Papstbesuch sei „keine Sternstunde“ gewesen. Das schrieb der Freiburger Weihbischof Rainer Klug in seinem Leserbrief in der aktuellen Ausgabe des diözesaneigenen „Konradsblatts“. Dies sage er „auch als langjähriges und ehemaliges Mitglied dieses Rates“. (Ich vermute, auf das „ehemalig“ ist er besonders stolz…)

„Die mit Namen dokumentierten Aussagen sind in ihrer Einseitigkeit erschütternd kleingeistig(klare Worte, wahre Worte.), urteilte der Freiburger Weihbischof, sie entsprächen „nicht dem Niveau, das von einem Repräsentativorgan der Katholiken der Erzdiözese erwartet werden muss“. (Zumindest meine Erwartungen hat der Diözesansowjet erfüllt.) (…) Klug bemängelte das Fehlen eines Wortes des Dankes sowohl Papst Benedikt gegenüber, (warum sollte der Diözesanrat dem Papst danken? Dafür, dass er wieder geht? Was ja wohl das einzige ist, worauf man sich beim Papstbesuch gefreut hat.)der uns die große Ehre seines Besuches gegeben hat und der seine Kräfte wahrhaftig nicht geschont hat, um uns zu begegnen und im Glauben zu stärken(wie war das Wort noch: unterwürfig? Wie unterwürfig.), wie auch „für die enormen Anstrengungen der Erzdiözese und den Einsatz der vielen Frauen und Männer in ihren verschiedenen Diensten“. Unter den „100.000 Gläubigen bei der Eucharistiefeier und unter den Jugendlichen bei der Jugendvigil und bei den vielen Gästen in den Straßen von Freiburg“ sei diese Glaubensfreude „mit Händen zu greifen“ gewesen. „Wenn von all dem im Diözesanrat nichts angekommen wäre, hätte er den Kontakt zu den Menschen verloren und sich überflüssig gemacht.(Hier sehen wir mit größter Klarheit und Schärfe das ganze Thema auf den Punkt gebracht. Kein Mensch braucht Diözesanräte – und erst recht nicht, wenn ihre Hauptbeschäftigung darin besteht, taktische Fouls gegen den Papst zu begehen. Einmal gelb, dann gelb-rot, lautet die Regel.)

(…)

Weihbischof Klugs Leserbrief an das bistumseigene Blatt spricht eine klare, deutliche Sprache, die wir in diesem Land öfter brauchen würden. Gerade auch in der katholischen Kirche. Konflikt ist nicht um jeden Preis zu vermeiden – für manche Dinge lohnt es sich zu streiten. Und das Austrocknen des Morasts der Diözesanräte ist eine dieser Sachen.

Freiburg: Das neue Avignon

Gegenpäpstin Julia I.

Quelle: Pius.info

Wenn man sich das Bild anschaut, kann man kaum glauben, dass sie erst 19 Jahre alt ist, aber laut Internetsauftritt ihrer Gegenkirche (KJG der Erzdiözese Freiburg, werde ich nicht verlinken) stimmt das Alter so. Ich spreche von Julia I., Päpstin von Freiburg. Hinter dem Link verbirgt sich ein Artikel sowie ein Audiomitschnitt eines Interviews, in dem sie gefordert hat, man brauche eine Frau als Papst, oder besser noch ein nach 50% Frauenquote gewähltes Gremium anstelle des Heiligen Vaters.

In dem obigen Bild sieht man, wie sie, gekleidet für eine Protestdemo gegen die Kirche und ihre hierarchische Struktur samt Glaubenswahrheiten, vor dem Papst steht, und nicht vor Scham im Boden versinkt. Die Fragen, die sich stellen, sind nun vielfältig:

1. Warum hat man eine Person für diesen Auftritt bei der Jugendvigil ausgewählt, die nicht einmal die Fähigkeit besitzt, sich des zeitgeistlichen Protests für einige Minuten zu enthalten, während sie vor dem Papst steht?

2. Wer auch immer die tatsächliche Verantwortung dafür trägt, dass sie bei der Jugendvigil ausgewählt wurde, dass man sie im Protestaufzug auf die Bühne gelassen hat, um den Papst zu brüskieren, und dass sie in einem kirchlichen Gremium sitzt, obwohl sie offen antichristliche und antikatholische Haltungen vertritt – die „politische Verantwortung“ liegt bei Erzbischof Robert Zollitsch, der für dieses spezielle Schäfchen nun einmal zuständig ist. Teilt er ihre Auffassung stillschweigend, oder warum duldet er so etwas?

3. Kann noch irgendjemand an dem dicht bevorstehenden formalen Schisma zweifeln? Könnte es nicht sein, dass in fünf oder zehn Jahren die Mehrzahl der heute noch offiziell katholischen Gemeinden „eigenständig“ sind und sich von Rom gelöst haben, während die Priorate der Piusbruderschaft ganz normale Teile der kirchlichen Struktur sind?

Für sich genommen mögen die Äußerungen einer Person, die vor der Entzivilisierung der letzten 40 Jahre noch nicht einmal als volljährig gegolten hätte, und die strafrechtlich gesehen unter Umständen noch nach dem Jugendstrafrecht behandelt werden könnte, nicht bedeutsam sein. Doch was sie symbolisieren – die vollständige Kapitulation der deutschen Kirche vor dem ochlokratischen, atheistischen, transzendenzfreien Zeitgeist der Moderne – ist keineswegs bedeutungslos.

Sie symbolisieren nämlich auf besonders treffende und zugespitzte Weise die ganze Tendenz des modernen Katholizismus. Wenn der modernistische Katholizismus eine Zukunft hat, dann diese.

Zum Abschluss als Alternative zum Modernismus etwas weniger Widerliches.

Beteiligung der Laien

Man spricht in reformkatholischen Zirkeln immer gern von mehr Beteiligung der Laien, versteht dies aber leider bloß als „Laien sollen wie Priester werden“. Die Gegenüberstellung zweier Artikel auf kath.net zeigt, dass in manchem Felde tatsächlich Priester und Bischöfe sich etwas von Laien abschauen können – zumindest von papsttreuen Laien wie Matthias Matussek:

Matussek zur Kirchensteuer

Erzbischof Zollitsch zum selben Thema

Also: Lasst den Priestern und Bischöfe ihre besonderen Funktionen im Zusammenhang mit Sakramenten, Liturgie usw., versucht also nicht die Rolle der geweihten Kirchendiener zu übernehmen, sondern tut das, wofür Laien da sind; verbreitet mit Mut und Klarheit den Glauben, ohne Angst vor inner- und außerkirchlicher „politischer Korrektheit“.

In diesem Sinne interpretiert, ergeben die konziliaren Aufforderungen nach mehr Beteiligung der Laien auf einmal Sinn. Vor allem, wenn man die apathische, zuweilen kontraproduktive Herangehensweise einiger deutscher Hirten betrachtet.

Kardinal Lehmann und die Avantgarde der Revolution

Kardinal Lehmann ist weithin bekannt als einer der schärfsten Anti-Römer in der Deutschen Bischofskonferenz – und betrachtet man die Konkurrenz, die er dort hat, so muss man neidlos anerkennen, dass es sich um eine große Leistung handelt. Als katholischer Bischof noch entschlossener gegen Kirchliches Lehramt, Papst und Vatikan zu hetzen als der Vorsitzende, Erzbischof Zollitsch, es gewohnheitsmäßig tut, ohne dabei direkt abgesetzt zu werden, erfordert ein besonderes Maß an institutioneller Vetternwirtschaft, Protektion und diplomatisches Geschick.

Der Unterschied zwischen Kardinal Lehmann und Erzbischof Zollitsch ist nun, dass letztere ein lieber netter Großvater sein möchte, der es allen Recht macht, und dann zusieht, wie die Kinder sich köstlich amüsieren, ohne ihnen Vorschriften zu machen. Ein, im Wesentlichen, wohlmeinender, wenn auch vollkommen fehlgeleiteter Ansatz. Kardinal Lehmann ist hingegen kein Großvater, sondern ein Strippenzieher im schlechtesten Sinn des Wortes. Worum es ihm im innersten seines Herzens geht, kann man von außen natürlich nicht beurteilen, aber es sieht zumindest so aus, als sei sein einziges Ziel die Durchsetzung seiner ideologischen Vision einer Neuen Kirche ohne Bindung an Tradition (außer die Tradition der deutschkatholischen Spalter) und Papst (solange er dieses Amt nicht selbst oder durch eine Marionette ausübt).

Kardinal Lehmann repräsentiert in Reinform den schlechten Hirten aus Deutschland. Dass dies nicht aus der Luft gegriffen ist, sondern sich auf eine lange Reihe guter Bestätigungen verlassen kann, ist jedem klar, der aufmerksam sich mit kirchlichen Fragen in Deutschland beschäftigt hat. Doch man muss gar nicht in die Vergangenheit zurückgehen, um den Schleim zu entdecken, der durch die Flure und Versammlungssäle im Bistum Mainz fließt; es genügt allein ein Blick auf diese eifrige Selbstdemaskierung des verehrten Kardinals aus der Karnevalsstadt.

Auch wenn die herannahende Karnevalssaison und die Stunksitzung der deutschen Bischöfe diese Aufmerksamkeit vielleicht gar nicht verdient – immerhin ist der einzelne Bischof, nicht die Bischofskonferenz, Träger kirchlicher Autorität – so lohnt es sich doch, erneut einen Blick auf die Forderungen der Kirchenrevoluzzer zu werfen. Da heißt es in dem oben verlinkten Kath.net-Artikel:

Im ZDF-Heute-Journal vom Dienstag meinte Lehmann, dass die deutschen Bischöfe bei „Reformthemen“ wie Diakonat der Frau oder wiederverheiratete Geschiedene Vordenker seien. “Da ist Raum genug, um in unserem Land das auch vorzubereiten, zu formulieren, in Rom an die Tür zu klopfen, um dann zu sagen; das haben wir erarbeitet.“

Ich bin kein Tele-Visionär, also habe ich die Aussagen nicht persönlich mitbekommen, aber wenn sie so stimmen, wie kath.net sie wiedergibt (und daran zu zweifeln habe ich keinen Grund), dann ist die Los-von-Rom-Bewegung wohl bereits in vollem Gange.

So wollen die hochmütigen deutschen Bischöfe als in Rom „an die Türe klopfen“, um die erste Stufe der Priesterweihe von Frauen (Diakonat) zu ertrotzen. Ferner wollen sie „Wiederverheiratet-Geschiedene“ (also unbußfertige Ehebrecher) zur Kommunion zulassen. Was ist von diesen Forderungen zu halten?

Diakonat der Frau

Ich bin kein theologischer Experte, so dass ich die Frage, ob durch Ordinatio Sacerdotalis auch die Frage nach der Diakonatsweihe definitiv und für immer festgelegt worden ist, den Theologen überlasse. Drei wesentliche Argumente sprechen aber trotzdem gegen das Diakonat der Frau:

1. Es gibt nur ein Sakrament der Priesterweihe – nicht je ein separates Sakrament für Diakonats-, Priester- und Bischofsweihen. Es erscheint mir daher lächerlich, wenn jemand sagte, Ordinatio Sacerdotalis schlösse nur die „Priesterweihe“ nicht aber die „Diakonatsweihe“ aus – beides gehört unter dasselbe Sakrament, das derzeit eben in drei Stufen gespendet wird. Entweder Frauen können dieses Sakrament gültig empfangen (was durch Ordinatio Sacerdotalis erneut ausgeschlossen worden ist), oder sie können es nicht. Entweder ALLE Weihestufen (einschließlich Bischofs- und sogar Papstamt) oder gar keine (also auch kein Diakonat)

2. Selbst wenn es derzeit noch keine unfehlbare Deklaration gegen die Diakonatsweihe von Frauen geben sollte, so wäre es ein unerträglicher Bruch mit der Tradition der Kirche einerseits, und der Weltkirche andererseits. Es gab und gibt keine weiblichen Diakone, da die Diakonatsweihe meist eine Durchgangsstation zur Priesterweihe ist. Die pastoralen Folgen eines solchen Schrittes wären immens. Revidierte die Kirche ihre Haltung in dieser wichtigen Frage, so wäre ihre Verlässlichkeit in allen anderen kontroversen Fragen plötzlich in Zweifel gezogen. Ein Dammbruch wäre die Folge.

3. Aber selbst wenn auch dies nicht der Fall sein sollte, wäre es in einer Zeit, in der der Feminismus die ganze westliche Welt, und auf dem Wege der ökonomischen Globalisierung und der Entwicklungshilfe mehr und mehr auch den Rest des Planeten, im Griff hat ein fatales Zeichen der Kapitulation vor einer der größten Häresien des 20. und 21. Jahrhunderts. Das Argument, mit dem die Diakonatsweihe für Frauen gefordert wird, ist in keiner Weise im Einklang mit einer christlichen Sexualethik. Es sagt im Wesentlichen: Männer können Diakone werden, Frauen nicht. Das ist ungerecht, weil Mann und Frau gleich sind. Also muss es geändert werden. Doch es ist kein Argument für die Diakonatsweihe denkbar, das weniger überzeugend aus der Sicht eines Katholiken sein könnte.Die Prämisse ist ebenso falsch wie die Schlusfolgerung. Es ist nicht notwendigerweise ungerecht, wenn Männer X werden können und Frauen nicht, wenn ein guter Grund für diesen Unterschied vorliegt (deshalb verurteilt die Kirche richtigerweise auch nicht „Diskriminierung“ als Solche, sondern nur „ungerechte Diskriminierung“ – sie erkennt, dass bestimmte Formen der Unterscheidung (lat. discriminare) legitim sein können). Die Frage ist also: Gibt es einen guten Grund, warum Männer Diakone werden können, und Frauen nicht – eine Frage, die sich die Aktivisten ebensowenig stellen wie Kardinal Lehmann.

Zulassung von unbußfertigen Ehebrechern zur Kommunion

Hier liegt der Fall noch klarer. Ich möchte daher nur auf das Schreiben an die Bischöfe über den Kommunionempfang von wiederverheirateten geschiedenen Gläubigen verweisen, das alle wesentlichen Fragen und Einwände in bewundernswerter Klarheit (und, im Gegensatz zu mir, diplomatischerer Sprache) abhandelt.

Es bleibt keine andere Möglichkeit offen: Wenn man an die Unauflöslichkeit der Ehe und die Realpräsenz des Herrn in der Eucharistie glaubt (und beides sind unveränderliche Lehren der Kirche, die zum absoluten Kernbestand des Katholizismus gehören), dann können „Wiederverheiratete Geschiedene“ nicht zur Kommunion zugelassen werden, solange sie nicht in sexueller Enthaltsamkeit leben. Nach Erzbischof Zollitsch ist damit auch Kardinal Lehmann die Frage zu stellen, an welche der beiden Lehren er nicht glaubt. Glaubt er nicht an die Unauflöslichkeit der Ehe? Oder nicht an die Realpräsenz? Eines von beiden muss es sein. Denn: Ist die Ehe unauflöslich, und der Herr wirklich präsent, so „isst man sich selbst das Gericht“. Man begeht eine weitere Todsünde zu den anderen Sünden, die schon auf dem Gläubigen lasten.

Abschlussgedanken

Es bleibt daher keine andere Schlussfolgerung, als dass sich Kardinal Lehmann und Erzbischof Zollisch längst von der Gemeinschaft mit dem Papst abgewandt haben. Sie glauben scheinbar, sie seien so etwas wie die Avantgarde der Revolution, der Neuen Kirche.

Selten eine so alte, so müde, so langweilige Avantgarde gesehen.