Was uns verbindet…

… ist hinsichtlich der katholischen Kirche und den anderen christlichen Gemeinschaften nach Auffassung von Kardinal Kasper weitaus wichtiger als das, was uns trennt. So ist es einem Artikel von kath.net zu entnehmen. Es folgen wie üblich in roter Schrift einige Kommentare zu diesem Artikel:

Der ökumenische Dialog befindet sich nach den Worten von Kurienkardinal Walter Kasper in einer schwierigen Phase. (Ach, wirklich? Ich dachte immer, alles liefe wundervoll, weil der Papst die Ökumene ja zur „Chefsache“ erklärt haben soll.) «Gegenwärtig deutet leider manches auf eine Verschlechterung des ökumenischen Klimas hin», schreibt der frühere Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen im Vorwort zu seinem demnächst erscheinenden Buch «Wege zur Einheit der Christen». (Ich kenne nur einen Weg zur Einheit der Christen, und der besteht in der Rückkehr der schismatischen Gemeinschaften in den Schoß der Heiligen Mutter Kirche! Man mag das diplomatischer formulieren, doch letztlich geht daran kein Weg vorbei.) Auszüge aus dem Text veröffentlichte die Wochenzeitung «Die Zeit» (Donnerstag). Kasper betont darin die Vielzahl theologischer Differenzen zwischen den Konfessionen. «In Wirklichkeit wird mehr und mehr deutlich, dass Unterschiede nicht nur in wichtigen Einzelfragen bleiben.» Das gelte sowohl mit Blick auf die orthodoxen wie die reformatorischen Kirchen. (Doch wohl deutlich stärker im Falle der evangelischen Gemeinschaften, da Katholiken mit den Orthodoxen gerade im liturgisch-sakramentalen Bereich sehr viele Gemeinsamkeiten haben, die gegenüber den meisten protestantischen Gemeinschaften einfach nicht bestehen.)

Noch so feinfühlige Formulierungen in Ökumeneerklärungen änderten nichts daran, dass etwa evangelische Christen ein grundlegend anderes Kirchenverständnis hätten als Katholiken, schreibt Kasper. (Genau! Nichts gegen feinfühlige Formulierungen, aber wenn selbst der Oberökumeniker Kardinal Walter Kasper so spricht, dann weiß man, wie schief der ökumenische Haussegen hängt.) Vor der ökumenischen Bewegung liege noch eine schwierige Wegstrecke, «die wohl länger sein wird, als viele hofften». (Doch wo ist dann die Einsicht? Erwartet der Kardinal eine Rückkehr der anderen christlichen Gemeinschaften zur Kirche? Wohl eher nicht, denn er wendet sich ja bekanntlich gegen die sogenannte „Rückkehrökumene“. Doch wenn die nichtkatholischen „Konfessionen“ nicht zur Kirche zurückkehren, soll die Kirche dann den nichtkatholischen Konfessionen weiterhin Zugeständnisse machen, wie es seit dem Konzil mehr und mehr üblich geworden ist?) Gegenwärtig bilde sich angesichts der Schwierigkeiten der amtlichen Ökumene eine «liberale katholisch-evangelische Ökumene» heraus, «welche die Unterschiede überspringt und eigenmächtig ihren Weg geht». (Das ist natürlich abzulehnen. Doch folgt diese Entwicklung nicht notwendig aus dem weitgehenden Verschweigen der wahren Bedeutung der Unterschiede zwischen der Kirche und den diversen schismatischen Gruppen in der lehramtlichen Verkündigung seit dem Konzil? Wundert es den Kardinal, dass z.B. die meisten Laien glauben, sie könnten etwa das „gemeinsame Abendmahl“ feiern, wenn die Amtskirche sich seit Jahrzehnten darüber ausschweigt, dass der Herr im Allerheiligsten Sakrament des Altares wahrhaft und wesenhaft gegenwärtig ist? Nein, wenn die Amtskirche im Namen der Verhandlungsökumene über Jahrzehnte wesentliche Glaubenswahrheiten herunterspielt, dann sollte sie sich nicht wundern, wenn die nicht-amtliche Ökumene sie dann ganz beiseite lässt, um sich auf die brüderliche Einheit im Brotbrechen zu konzentrieren. Ähnlich verhält es sich bei vielen anderen ökumenischen Themen.)  Diese Strömung drohe jedoch früher oder später «im Aus» zu enden. Bei der Kircheneinheit lasse sich nichts erzwingen.

Die Spaltung der Christen bleibe nichtsdestoweniger ein Skandal, so Kasper. Jesus hat nur eine einzige Kirche gewollt.» (Und so hat er auch nur eine einzige Kirche eingerichtet, nämlich die katholische Kirche mit ihrem sichtbaren Oberhaupt, dem römischen Papst. Um die Spaltung der Christen zu überwinden, müssen daher die Christen, die sich von der Kirche gelöst haben, in dieselbe zurückkehren. Daran führt kein Weg vorbei. Doch warum fordert Kasper das nicht?) Aus seiner Sicht hat die Trennung der Konfessionen die tiefgreifende Säkularisierung aller Lebensbereiche besonders in Europa mitverursacht. (Natürlich führt die Trennung einzelner Gemeinschaften vom Leib Christi zu deren Fall in den Säkularismus. Die spannende Frage ist aber, warum die Katholiken zumindest seit 50 Jahren diesem Fall in ihren eigenen Reihen keinen ernsthaften Widerstand mehr entgegen setzen und sich stattdessen lieber damit beschäftigen, nicht mehr so schrecklich katholisch zu wirken.) Zumindest habe sich seit Jahrzehnten aber die Erkenntnis durchgesetzt, dass die christlichen Konfessionen mehr verbinde als trenne. Heute gehe es vor allem darum, die gemeinsamen Fundamente des christlichen Glaubens zu sichern – den Glauben an Gott und Jesus, das Wirken des Heiligen Geistes und die Hoffnung auf das ewige Leben. (Das kann man so nicht sagen. Natürlich ist rein quantitativ die Ähnlichkeit zwischen überzeugten, traditionellen Katholiken und überzeugten, traditionellen Protestanten und Orthodoxen weitaus größer als die Unterschiede. Doch es gibt leider zwei große Einwände: Erstens haben die meisten schismatischen Gemeinschaften, wie etwa die EKD, längst den größten Teil der einstmals allgemein-christlichen Glaubensinhalte vergessen. Eine Einigkeit ist nicht einmal mehr in Fragen der Sittenlehre zu erzielen, und wann hat ein protestantischer Würdenträger zuletzt ein eindeutiges Bekenntnis zu Gott, zur Dreifaltigkeit, zum Wirken des Heiligen Geistes usw. geleistet, das nicht inhaltlich massiv vom katholischen Glauben abgewichen wäre? In der Praxis sind die Unterschiede zwischen Luther und dem glaubenstreuen Katholiken tatsächlich geringer als die Unterschiede zwischen Luther und der EKD. Doch die Verhandlungsökumene redet nicht mit Luther, sondern mit der EKD. Und da sind die Unterschiede viel größer als die sehr rar gesäten Gemeinsamkeiten.

Zweitens, und noch viel wichtiger: Selbst wenn die Ähnlichkeiten zahlreicher sind als die Unterschiede, so reicht doch die Ablehnung eines einzigen Glaubenssatzes bereits aus, damit das Gesamtkunstwerk des wahren Glaubens in sich zusammenfällt. Entweder man hat den ganzen Glauben, oder man hat ihn eben nicht. Man darf bei allem Gerede von „Gemeinsamkeiten“ nicht vergessen, dass auch die vernünftigsten schismatischen Gemeinschaften immer noch schismatisch sind, und dass sie die kirchliche Lehre über den Papst ablehnen. Die meisten von ihnen glauben auch nicht an die Realpräsenz Christi bzw. die Transsubstantiation.)

Kardinal Kasper distanziert sich also eindeutig von dem Versuch mancher praktisch längst vom Glauben abgefallener Katholiken, auf Biegen und Brechen, unter völliger Aufgabe der Glaubensinhalte, eine künstliche Einheit mit den Protestanten herzustellen. Seiner Auffassung nach soll die Ökumene zwar weiterhin ähnlich wie bisher vorangetrieben werden (und das bedeutet, dass die Verwässerung des Glaubens im Namen der Ökumene weitergehen wird), aber eine völlige, restlose Anpassung an die Wünsche des evangelisch-agnostischen Zeitgeistes lehnt er ab. Leider bleibt er damit inkonsequent. Denn entweder kann wahre Ökumene nur in der Rückkehr der getrennten Gemeinschaften bestehen – wenn die Kirche nämlich als einzigartige Stiftung Jesu Christi im Besitz der unveränderlichen Glaubenswahrheiten ist, oder es spielt letztlich keine große Rolle, wie stark wir die Glaubenswahrheiten verwässern, um den Häretikern zu gefallen, die die Gegenwart des Herrn im Altarsakrament und die immerwährende (auch körperliche) Jungfräulichkeit der Gottesmutter leugnen, um nur zwei Beispiele zu nennen, an deren faktischer Verwässerung auch der neue oberste Glaubenswächter kräftig mitgewirkt hat.

6 Gedanken zu „Was uns verbindet…

  1. Eindeutig hat Luther die Transsubstantiationslehre abgelehnt, ohne die Gegenwart Jesu Christi in den Gestalten von Brot und Wein zu leugnen. Wenn der lutherische Gottesdienst vorbei ist, oder der Empfang der Gaben, handelt es sich wieder NUR um Brot und Wein, die „entsorgt“ werden können.
    Absurd wirkt die Lehre des neuen Glaubenspräfekten: Er spricht davon, Brot und Wein seien „Medien“ der Gegenwart Jesu Christi, bestreitet demnach die Wesensverwandlung. Ähnlich wie der Brief eines Freundes seine Gegenwart spüren lässt, sei die Gegenwart Jesu im Brot und im Wein enthalten.
    Warum er sich dann nicht deutlich gegen die Eucharistische Anbetung oder den sakramentalen Segen ausspricht, bleibt sein Geheimnis. Denn die dürfen sinnvoll nur praktiziert werden, wenn eine wirkliche Wesensverwandlung stattfindet.
    Papst Benedikt legt – glaubwürdig – großen Wert auf die eucharistische Anbetung. Warum beruft er diesen Theologen zum Glaubenspräfekten?
    Kardinal Kasper ist noch zu loben🙂, im Vergleich zum Ökumenechef Kardinal Koch. Der hat die Ökumene-Jetzt-Aktivisten darauf aufmerksam gemacht, das Problem sei nicht in Deutschland zu lösen, sondern nur weltkirchlich. Demnach ist die fehlende Einheit ein organisatorisches Problem und kein inhaltliches.
    Lammert, Thierse, Schavan, Jauch u.a. sind nicht nur Täter. Sie sind auch Opfer einer Kirche, die sich seit ca. 50 Jahren im Glaubens-Nirwana zu befinden scheint.
    Paul VI. sprach kurz nach dem Konzil von der Selbstzerstörung innerhalb der Kirche. Johannes Paul II. von der „schleichenden Apostasie“ im Jahr 2003. Benedikt XVI. klagt, dass der Glaube verdunstet, dass er verlöscht. Ich glaube diesen Päpsten, dass sie wirklich darunter leiden. Dass sie es ernst meinen. Ein Rätsel ist mir, dass sie bei diesen Zuständen, die in ihrer Amtszeit aufgetreten sind, den Glaubensverfall nicht als selbstverständlich ansehen. Ein Glaube, der nur noch bruchstückhaft gelehrt wird, verlöscht…
    Natürlich ist nicht nur „Rom“ allein verantwortlich. Aber die Glaubenskrise außerhalb Roms zu sehen, ist mir nicht möglich. Das macht sie so bedrohlich…

    • Natürlich muss es bei Paul VI. und Johanndes Paul II. heißen…“dass sie litten, es ernst meinten, den Glaubensverfall nicht als selbstverständlich ansahen…
      Diese Berichtigung gibt mir die Gelegenheit, zu fragen: Warum wirken diese Konzils- und Nachkonzilspäpste so zwiespältig? Ihre Liebe zur Kirche ist nicht zu bestreiten. Ihr Eifer, ihre Inteligenz, ihr Einsatz auch nicht. Es ist mir ein Rätsel…
      Sie waren wohl im Sog des Modernismus…

      • Cuppa,
        mein Eindruck ist, dass sie (die Päpste nach dem Konzil) tatsächlich die Kirche wirklich lieben usw. Was zu fehlen scheint, ist die Fähigkeit, die eigene Anhänglichkeit an die Irrtümer der Zeit, die sich ins Konzil und besonders seine Umsetzung eingeschlichen haben, zu erkennen. Alle Päpste seit dem Konzil sind von einer positiven Rezeption des Konzils geprägt worden. Sie alle waren beteiligt an diesem „wundervollen Ereignis“. Das macht sie blind. Es ist menschlich verständlich, dass sie an diesem Ereignis hängen, das ihr priesterliches Leben geprägt hat. Das Konzil ist als Jahrhundertereignis so etwas wie ihr Lebenswerk.

        Es fällt uns Menschen meist schwer, einen Irrtum einzusehen, mit dem wir so eng verbunden sind, wie die „modernen“ Päpste mit dem Konzil. Und selbst wenn man ihn, wie Papst Benedikt, geistig durchaus in vielen Punkten als solchen erkennt, so heißt das immer noch nicht, dass man auch fähig wäre, eine entschlossene Kurskorrektur vorzunehmen. Ich halte das für normale menschliche Schwäche, gerade bei dem jetzigen Papst, bei dem auch noch das hohe Alter und eine vermutlich angeschlagene Gesundheit hinzukommt.

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